Acrylteller

Sfantu (11.01.2013, 13:03):
Als Massnahme zur Klangverfeinerung möchte ich auf meinen beiden Plattendrehern (Pro-Ject 6.9 & Music Hall mmf 5.1 SE) gern mal einen Acryl-Plattenteller statt der mitgelieferten Werksteller aus Metall ausprobieren. Die Music Hall-Produkte basieren auf Pro-Ject & ich fand bisher 2 Quellen, welche das Austauschen des mmf 5.1 SE-Tellers gegen den acryl-it von Pro-Ject als unproblematisch beschreiben.

Meine Frage aber:
Die Metallteller meiner beiden Geräte haben ein Gewicht von je 2,7 kg, der acryl-it wiegt hingegen bloss 900 gr. Selbst mit den gewichtigsten Platten-Pucks könnte man die Differenz nicht ausgleichen.
Verträgt das Laufwerk/das Lager also eine leichtere Auflage ohne Weiteres oder sind Einbussen in den Laufleistungen zu befürchten. & wie wäre es anders herum? Wenn der Teller also schwerer als der Werksteller ist?

Freue mich auf hilfreiche Antworten

:hello Sfantu
Hörbert (11.01.2013, 16:53):
Hallo!

Zumindestens in der Hochzeit des Plattenspielerbaues diente das Tellergewicht, -respektive die resultierende Schwungmasse insbesondere bei Transmissionsriemenläufern dazu einen möglichst perfekten Gleichlauf zu erzielen da der gerade beim Riemenantrieb ohnehin um den Faktor 10 schlechter ist als bei den Direktläufern.

Inwieweit das bei zeitgenössischen Konstruktionen noch Beachtung findet kann ich dir leider nicht sagen da mein jünster Plattenspieler ein Linn LP-12 von 1989 ist und ich mich ansonsten nur mit älteren Direktläufern beschäftige.


Auch wenn du danach nicht gefragt hast:

Eine Verbesserung durch einen anderen Plattenteller halte ich zumindestens für fraglich, -gravierende Verbesserungen habe ich bisher hauptsächlich durch höherwertigere Abtastsysteme festgestellt, -und in Maßen durch einen Tonarmtausch-.

Sehr wichtig ist m.E. hingegen daß die Tonarm-Tonabnehmerkombination so gut wie möglich aufeinander abgestimmt ist, daß bei Magnetsystemen der richtige Kapazitätswert am Phono-Entzerrer-Eingang eingestellt ist und daß die Justage des Tonabnehmers so exakt wie möglich vorgenommen wird.

MFG Günther
Sfantu (12.01.2013, 12:01):
Hallo Günther,

vielen Dank für Deine Tipps!
Was den beschriebenen Gewichtsausgleich angeht (sofern denn notwendig), stelle ich mir vor, dass es da mit einem Plattenpuck nicht getan sein wird - selbst, wenn er sich gewichtsmässig in die Nähe des Differenzbetrages befindet. Denn das Mehr an Gewichtsauflage würde sich hierdurch ja hauptsächlich auf den Label-Bereich auswirken, nicht aber auf die gesamte Telleroberfläche. Da käme dann wiederum einer dieser Metallringe, die den Tellerrand beschweren sollen, ins Spiel.

Vielleicht hat ja sonst noch jemand eine Idee? Jünter eventuell?

Oder hast Du am Ende doch Recht & man bewegt sich hier im Vodoo-Bereich?

:hello Sfantu
Hörbert (12.01.2013, 12:41):
Hallo!

Korrekt, die zentrierte Masse eines Pucks hat so weit innen nur geringe Auswirkungen auf die Schwungmasse, die mir bekannten Plattenklemmring sind leider unverhältnissmäßig teuer und passen in aller Regel nur auf ganz bestimmte Tellerdurchmesser.

Nun, das Auge hört auch bei einem Plattenteller selbstverständlich mit, solange man sich klanglich nicht zuviel von einem solchen Tellertausch verpricht und erstmal nur die optischen Aspekte beachtet bewahrt man sich davor auf virtuelle "Verbesserungen" reinzufallen die sich ja recht schnell abnutzen und einen am Ende mit schmälerer Brieftasche und so unzufrieden wie zuvor darzustehen.

MFG Günther
jünter (12.01.2013, 13:35):
Original von Sfantu

Vielleicht hat ja sonst noch jemand eine Idee? Jünter eventuell?



Hallo Sfantu, zum Thema Klangverbesserung durch einen anderen Plattenteller kann ich leider nichts sagen.
Was ich mir allerdings vorstellen könnte ist, dass der Antriebsriemen für einen deutlich schwereren Teller nicht ausgelegt ist und deshalb durchrutschen, abspringen oder auch reissen könnte.
Bei einem deutlich leichteren als dem Werksteller könnte der Gleichlauf evtl. nicht mehr funktionieren.
Deshalb meine unmassgebliche Meinung: Rein aus optischen Gründen würde ich einen Wechsel im Zweifel lieber sein lassen.

Gruß, jünter
Sfantu (12.01.2013, 15:35):
Danke, Günther & Jünter!

Das mit den optischen Gründen kann ich nicht ganz von der Hand weisen. Bin halt auch - positiv formuliert - ein Augenmensch, oder - etwas unverblümter - manchmal 'n ziemlich eitler Fatzke. Denn, mit dem Klang bin ich, ehrlich gesagt, letztlich nicht unzufrieden.

Jedenfalls werd' ich da nichts Hals über Kopf verändern. Wenn überhaupt, dann sollte der Austauschteller vom Eigengewicht her schon nah am Originalteller sein.

Viele Grüsse - Sfantu
Hörbert (12.01.2013, 22:28):
Hallo!

Gegen eine optische Aufwertung ist ja auch gar nichts einzuwenden und wenn du keine echten klangliche Verbesserungswünsche hast kann ja praktisch auch nichts schiefgehen.

Allerdings kann der Schuß auch nach hinten losgehen, dein neuer Teller wird wohl erheblich dicker ausfallen müssen als der Metallteller, das heißt aber auch daß der Tonarm entsprechend hoch verstellt werden muß. Hier würde ich vorher einmal prüfen wie das dann aussieht, :D nicht daß das Ganze die Anmutung eines fetten Baukranes annimmt. :D

Also zumindestens beim Pro-Ject 6.9 (der hat doch noch den normalen 9cc verbaut?) würde ich wohl eher den Tonarm gegen einen 9cc EVO tauschen, der macht gegenüber dem normalen 9cc -für meine Augen zumindestens-, optisch einiges her und ich hätte obendrein noch eine echte technische Verbesserung die -je nach genutem Abtaster recht massiv ausfallen kann-.

MFG Günther
Sfantu (14.01.2013, 13:27):
Hallo Günther,

auf beiden Drehern ist lediglich der noch ältere Tonarm pro-ject 9 montiert, der mit der glatten, mattschwarz lackierten Oberfläche. Dazu ebenfalls bei beiden das Ortofon MM Vinyl Master red. cc & ccEVO sind aus diesem anthrazitfarbenen Material mit Carbonfaser-Anteil, stimmt's?

Das mit der Tonarmbasis-Höhenverstellung wusste ich schon. Mal forschen, ob sich das dann optisch Richtung Baukran entwickeln könnte...

Sicher muss ich erstmal noch weitere Infos sammeln, bevor ich da in Aktion trete.

Grund zur Ernüchterung liefern mir die Vinyl-Neuveröffentlichungen der DGG, namentlich das Ingolf-Wunder- & das Franceso Tristano-Rezital: Erfreulicher Inhalt bei bescheidener Pressqualität. Oder aber das Murphy-Prinzip klettet sich weiterhin an mir fest & ich erwische traumsicher fehlerhafte Exemplare - so wie früher bei Mutterns Selbsgebackenem: da bekam immer ich die Stücke mit Eier-oder Nussschalen...

LG - Sfantu
Hörbert (14.01.2013, 18:29):
Hallo!

Der alte "9" er Tonarm dürfte noch aus einer Alu-Legierung bestehen, der neue 9cc ist weitgehend aus Carbonfasermaterial und der 9cc EVO ist durchgehend -mit angegossenen Alibi-Fingerhaken- aus dem gleichen Material gefertigt, neben diesen optischen Unterschieden der beiden Modelle verfügt der 9cc EVO über die besseren Lager, eine Sorbothane Bedämpfung und hat die geringere eff bewegte Tonarmmasse.

Neben einigen anderen hochwertigen Tonarmen habe ich auch einen 9cc EVO hier, für sein Geld wirklich ein sehr guter Tonarm.

Gerade bei klasssischer Musik und kammermusikalischem Jazz ist das VM-red nicht unbedingt das passende System, wenn es dir gefällt sehe ich allerdings hier keinen direkten Handlungsbedarf. Ich selbst ziehe bei der VM-Reihe eher das VM-silver vor, insbesondere im oberen Mitteltonbereich und im Hochtonbereich liefert es m.E. einen erheblich klareres und unverzerrteres Klangbild.

Leider bietet die durchschnittliche Pressqualität zeitgenössischer Analogplatten in der Regel mir ebenfalls keinerlei Anlass zum Jubeln, -aus diesem Grund sehe ich hier konsequent von Zukäufen ab und bediene mich ausschließlich aus dem Angebot das auf den Plattenbörsen und Flohmärkten vorhanden ist-. An die Qualität einer mitte 80ger DMM-Analogplatte kommen die heutigen Pressungen halt nie und nimmer heran. X( -Leider-. X(

MFG Günther
Jürgen (15.01.2013, 12:21):
Ich habe mal gegoogelt und fand eine Diskussion im Hifi-Forum,
in der die Diskutanten eine Klangverbesserung ausschließen, eine optische Verbesserung allerdings einräumen.

In einem Analog-Forum, wehte hingegen ein ganz anderer Wind. Hier wird eine Klangverbesserung in Gestalt einer ruhigeren und genauren Abbildung und mehr Auflösung versprochen.

Aufgrund welcher Eigenschaften des Materials das geschehen soll ist mir allerdings schleierhaft.

Ich würde es beim Werksteller aus Metall belassen, allein schon aufgrund des Gewichts.
Genau genommen spielt die Gewichtsverteilung eine große Rolle. Die Kenngröße hierfür ist das Trägheitsmoment.

Grüße
Jürgen
Sfantu (16.01.2013, 15:33):
Jürgen,

herzlichen Dank für Deine Recherchen!

LG - Sfantu