Aktuelle Komponisten - nicht wahrgenommen ?

Ganong (10.01.2007, 14:53):
Liebe Forumsmitglieder ,

ein Mitglied dieses Kreises hat mich vor kurzem darauf angeschrieben . Wie steht es um die aktuellen , "modernen" Komponisten ?

Liest man Konzertprogramme , so scheint Deutschland einmal mehr iregendwo auf einem Abstiegsplatz zu stehen .

Dies ist sehr bedauerlich .

Als ich gerade in London war gab es ein grosses Fest mit sehr umfagreicher Werbung für junge britische Komponisten .

Bis 2006 habe ich gelegentlich mit dem jungen britischen Komponisten Morgan Hayes korrespondiet . Werke von ihm wie "Port Rhombus" u.a. sind von der London Sinfonietta auch in der Berliner Philharmonie aufgeführt worden ( wie in London , New York etc. ) .

Letzte Woche habe ich nun der ganz vorzüglichen Pianisten Simon Mulligan erstmal im Konzert mit einer seine eigenen Kompositionen als "Encore" erleben können . Das Publikum war einhellig begesietrt und , für brirische Verhältnisse ehe ungewöhnlich , gab es wahre Ovationen für Simon Mulligan .

Wie sehr Ihr die Situation in Deutschland bzw. generell ?

Ich denke , wie unserem Forumsmitglied mitgeteilt , dass für mich die Musik keineswegs mit J S Bach oder Robert Schumann endet .

Grüsse ,

Frank

PS.:
Simon Mulligan hat übrigens recht viel Kammermusik , u.a. mit Daniel Hope , aufgenommen ( auch Schostakowitsch ) und war der letzte , der zufällig hier in Düsseldorf Partrner seines Mentors und Freundes Yehudi Menuhin ( dieser als Diriegent ) gewesen ist .


Inzwischen hat Simon Mullligan ein eigenes Quartett und widmet sich weiterhin intenbsiv dem JAZZ .

F.
Rachmaninov (10.01.2007, 17:03):
In diesem Zusammenhang muß ich gestehen das ich noch keine der Werke von Arvo Pärt (* 11.9.1935 (Paide)) gehört habe.

Nikolaus hört ihn immer wieder mal wie ich hier sah.

Vielelicht berichtet er ja mal seine Eindrücke!

P.S.: Habe den Thread mal in die "richtige" Stelle verschoben!
Martin (10.01.2007, 17:13):
Ich habe letztens in der Tonhalle Düsseldorf die Urauffühurung der 1. Sinfonie einer gewissen Lera Auerbach gehört. Eine junge Frau aus Leningrad, die in Russland wohl der absolute Shootingstar ist. Mir hat das Stück sehr, sehr gut gefallen. Wunderbare Melodien und teilweise ganz ungewohnte, eigenartige Instrumente, die sehr interessante Klänge hatten. Aufnahmen gibt es bestimmt noch nicht, da die Uraufführung lediglich zwei Monate her ist. Aber mal schauen, was nicht ist, kann ja noch werden.
satie (10.01.2007, 17:27):
Hmm,
also Arvo Pärt würde ich ja nun nicht als "aktuellen Komponisten" bezeichnen, zumindest nicht nach der Biographie. Er gehört zur älteren Generation, zwar jünger als etwa Cage oder Stockhausen, aber nicht so viel jünger. Ich denke, dass Frank hier eher jüngere Komponisten meint?
Aber trotzdem könnte man ruhig mal über Pärt diskutieren, der nämlich gerade von den deutschen oft genug niedergemacht wurde und wird...

Tatsächlich haben es junge Komponisten in Deutschland schwer. Vor allem an finanziellen Mitteln fehlt es. Es ist sehr schwer, anständige Stipendien zu bekommen, Preise gewinnt man praktisch ausschließlich mit Vitamin B. Aufträge sind noch rarer und oft miserabel bezahlt (ich habe etwa vor einigen Jahren einen Auftrag für das Zürcher-Klaviertrio bekommen, bezahlt von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. 500 Mark (nicht Euro). Die Fahrt nach Hannover durfte ich dann auch selbst zahlen, um überhaupt mit den Musikern proben zu können. Aber man muss nehmen, was man bekommen kann. Natürlich gibt es immer noch solche, die sich extrem aggressiv vermarkten können. Manche hatten auch einfach Glück, so etwa Sandeep Bhagwati, der sich nicht gerade beklagen kann, zu wenig Aufträge zu haben.
Aber es ist generell schwierig. Verlage zocken die Komponisten gerne ab, die Labels ebenfalls (vorsicht bei WERGO!! und vor allem dem neuen Sub-Label, dessen Namen ich mir nie merken kann). Wie einem Wolfgang Rihm, der mit 20 schon vom Komponieren allein leben konnte, geht es nur noch wenigen. So machen es Komponisten heute auch nicht anders als früher: sie unterrichten eben, machen Reinschriften, suchen nach Möglichkeiten, einen Uni-Job dazu zu bekommen. Viele fangen schon beim Studium an vorzusorgen, so etwa einer meiner Freunde, der neben Komposition an einer anderen Hochschule Japanologie und an einer dritten Musikwissenschaft studiert. Wahrscheinlich, um sich am Ende dann mühsam für etwas davon zu entscheiden.
Das Publikum ist meiner Ansicht nach nicht so sehr das Problem. Eher gibt es keine Plattformen und Nachwuchsforen. Und die Orchester spielen immer irgend welche "Klassiker der Moderne" oder so weit als möglich "eingängige" Sachen (wobei ich das hier nicht werten will, es nur bedaure, dass es nicht auch mal was anderes sein darf).
Gut gepolstert sind nach wie vor die Schweiz und Skandinavien, da gibt es an Förderung weit mehr, ebenso in Kanada. In England ist es vielleicht auch so, da kenne ich mich nicht aus. Allerdings kann es auch viel schlechter sein als in Deutschland, das habe ich letzten Februar in Kairo erfahren müssen.
Natürlich würde mich sehr interessieren, welche jungen KOmponisten und Komponistinnen euch allen bekannt sind und welche ihr schätzt!

Herzlich
S A T I E
nikolaus (10.01.2007, 21:07):
Original von Rachmaninov
In diesem Zusammenhang muß ich gestehen das ich noch keine der Werke von Arvo Pärt (* 11.9.1935 (Paide)) gehört habe.

Nikolaus hört ihn immer wieder mal wie ich hier sah.

Vielelicht berichtet er ja mal seine Eindrücke!

P.S.: Habe den Thread mal in die "richtige" Stelle verschoben!

O je, ich höre ihn zwar ab und zu, aber das sind nur einzelne Werke, die sicher nicht repräsentativ für sein Schaffen sind.

In letzter Zeit habe ich abends folgende CD gehört:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1536317.jpg

Es handelt sich eigentlich um zwei Stücke, die wiederholt werden, der Ablauf sieht dann so aus:
Spiegel im Spiegel (Violine und Klavier)
Alina (Klavier solo)
Spiegel im Spiegel (Cello und Klavier)
Alina (Klavier solo)
Spiegel im Spiegel (Violine und Klavier)
Es ist ganz ruhige, fast meditative Musik, die ich gerne zum Entspannen (und Einschlafen) höre. Sie hat auch etwas sehr "tröstliches" an sich.
Über den Hintergrund dieser Stücke lässt sich noch viel mehr sagen, dazu muß ich aber nochmal das Booklet studieren.

Ferner habe ich sein Credo:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9603253.jpg

Das Werk für Klavier, gemischten Chor und Orchester besteht etwas vereinfacht gesagt aus zwei Komponenten:
einer Bearbeitung eines Präludiums von Bach, eine schöne, schlichte Musik; als Gegensatz dazu einen im wahrsten Sinne des Wortes chaotischen Part (mit "schwarzen" Passagen in der Partitur, in denen die Musiker improvisieren sollen); sehr beeindruckend, aber gewöhnungsbedürftig, evtl. beschweren sich die Nachbarn. Man sollte sich nicht gegen dieses Chaos wehren, sondern sich ruhig fallen lassen, denn Pärt fängt einen wieder auf (klingt ein bißchen komisch, man muß es einfach hören)

Außerdem in meinem Besitz: Fratres, Tabula rasa, Symphonie Nr. 3. Die habe ich aber lange nicht gehört, deshalb möchte ich dazu erstmal nichts schreiben.

Es gäbe noch viel mehr über Pärt und seine Kompositionsstile/-techniken, die sich im Laufe der Jahre sehr gewandelt haben, aber darüber weiß ich zu wenig. Als Schlagworte wären z.B. seriell-aleatorische Musik, Tintinnabuli-Stil... Das kann vielleicht Satie erklären!?

Wichtig ist noch die tiefe Religiosität von Pärt, die seine Musik bestimmt, sowie eine philosphische Seite.

Im Booklet zu Alina steht folgendes:

Ich könnte meine Musik mit weißem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind. Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen; dieses Prisma könnte der Geist des Zuhörers sein.

Arvo Pärt

Schön, nicht?

Gruß, Nikolaus.
Rachmaninov (10.01.2007, 22:46):
Original von Satie
Hmm,
also Arvo Pärt würde ich ja nun nicht als "aktuellen Komponisten" bezeichnen, zumindest nicht nach der Biographie.

Okay, "aktuell" hatte ich indiregt als "lebende" gleich gesetzt!

Wäre Kalevi Aho eine legitime Nennung?

Immerhin stammt seine Sinfonie #13 aus dem Jahr 2003 :P
Ganong (11.01.2007, 14:55):
Liebe Forumsmitglieder ,

es ist erstaunlich : Lang Lang nimmt ein Klavierkonzert einer lebenden KomponistIN auf CD auf .

Ich werde berichten .

Ich war überrascht , dass die Dame im Mittelpunkt der brtischen Presse stand und nicht Lang Lang . Das ist wirklich und endlich einmal ein Fortschritt der Klassikszene .

NIKOLAUS hat dankenswerterweise auf die Aufnahme mit Salonen hingewiesen .

Viele Grüsse ,

Frank
satie (11.01.2007, 19:00):
Lieber Frank,
um welche Komponistin handelt es sich denn?

Danke,
S A T I E
Ganong (12.01.2007, 18:01):
Lieber Satie ,

die Dame liegt bei Freunden zu Hause . Ich werde nachschauen .

Endlich , dass die Komponistin im Mittelpunkt steht .

Ich werde berichten . Ebendo üdie Liste der britischen Komponisteen / Komponistinnen aufzählen ( Quelle : Wigmore Hall , GB - London ) .

Ein wenig Geduld .

Grüsse .

Frank
Ganong (13.01.2007, 17:18):
Lieber Satie ,

es handelt sich um das 1. Klavierkonzert der us - amerikanischen KomponistIN Jennifer H i g d o n . Das Orchester ist das "Nationalk Sympony Orchestra Washington" .

Miss Higdon ist momentan eine der meist aufgeführten us-amrikanischen Komponisten ..

Sie hat bsiher ein Konzert für Klavier für Gary Graffman komponiert .

Die Weltpremiere wird am 17. , 18. und 19. Mai 2007 im Kennedy Cebnter stattfinden .

Zeitgleich wird es eine CD geben . Label : unbekannt .

Grüsse ,

Frank
Ganong (13.01.2007, 17:23):
Liebe Forumsmitglieder ,

das DUO Susan M i l a n & Andrew B a l l spielen am 21. Januar 2007 in der Londoner Wigmore Hall ( 7.30 p.m. ) Werke von folgenden jungen Komponisten :
Richard R. Bennett

Arthur Butterworth

Edwin Roxburgh

Brian Lock

Dave Heath

Julian Andersen

Robert Saxton

Cecilia McDowall u n d

Matthew Taylor .

Es handelt sich um lebende brirtische Komponisten .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (13.01.2007, 19:23):
Wer sich für "aktuelle Komponisten" weiter interessiert dem sei es einmal empfohlen das Flötenkonzert von Kalevi Aho zu hören.
Der Finne hat das Konzert Sharon Bezaly gewidmet.

Ein sehr schönes Konzert, typische Tonsprache Skandinaviens.
satie (13.01.2007, 19:28):
Lieber Frank,
danke für den Hinweis. Ich habe von Jennifer Higdon schon etwas gehört. Allerdings muss ich sagen, dass es sich hier wieder um so ein Beispiel von zwar zeitgenössischer aber eben sehr gefälliger Musik handelt, wie wir sie auch, wenn auch weit naiver, bei Jay Greenberg hören können. Ich will hier nicht scholastisch wirken, aber es ist meinen Ohren halt konservativ in einem problematischen Sinn. Auch hier viel Brimborium, das ich persönlich bei Orchester nicht mehr hören will. Aber ich will und muss es Geschmackssache sein lassen. Schließlich wurde im Titel von aktuellen Komponisten gesprochen, worunter man mit Sicherheit alle Lebenden subsummieren kann. Ich bin mittlerweile so allergisch geworden bei vielen Idiomen, die meiner Ansicht nach zu unbekümmert benutzt werden. Worauf aber will ich hinaus? Darauf, dass es eine kommerzielle Schiene auch in der Neuen Musik gibt, die kritisch betrachtet werden muss. Qualität ist für mich etwas anderes. Doch das ist nun wieder mein ganz persönliches Problem.

Herzliche Grüße
S A T I E
Ganong (14.01.2007, 15:55):
Lieber Satie ,

nein , nein , Du hast ein heikles Thema erneut angesprochen . Das der Kommerzialisierung !

Die füher vor allem bei SONY gerne geübte Praxis von Cross-over-Programmen ( etwa glänzend gelungen bei Simon Mulligan - Piano ) ist wohl aus unerfindlichen Gründen verlassen worden . Darunter leidet natürlich die Komposition der jungen Komponisten . Also eines altersmässig nach oben in beschränkten Alters von maximal 40 Jahren .

Salonen , der stets Gelobte , dürfte einen Grossteil seiner Werkaufführungen alleine der Tatsache seiner Dirigentenkarriere , vor allem in Los Angeles , verdanken . Zuletzt hat er in Frankfurt am Main - eher ungewöhnlich - sogar ein eigenes Werk in sein Programm aufgenommen . Persönlich habe ich allerdings anders als die FAZ seinerzeit in ihrer Rezension nichts dagegen . Eher im Gegenteil . Zumal angesichts solch eines Klangkörpers .

Kaum ein Zweifel dürfte darüber bestehen , dass es eines sehr einflussreichen Managements bedarf , um auch nur national zu reüssieren . Von CD - Aufnahmen ganz abgesehen .

Der von mir mehrfach erwähnte brtische Komponist Morgan Hayes , der auch ein guter Solo-Pianist ist , hat trotz seiner relativ weit verbreiteten Bekanntheit und seiner renommierten Londoner Agentur doch Probleme , angemessen wahrgenommen zu werden . Schade ; Morgan hätte es verdient !

Grüsse ,

Frank

PS.: Auch bei drei , vier der in meiner Liste des Konzerets in der Wigmore Hall , London , vertretenen Komponisten , sehe , höre ich dies so . F.
Rachmaninov (19.01.2007, 10:16):
Original von Martin
Ich habe letztens in der Tonhalle Düsseldorf die Urauffühurung der 1. Sinfonie einer gewissen Lera Auerbach gehört. Eine junge Frau aus Leningrad, die in Russland wohl der absolute Shootingstar ist. Mir hat das Stück sehr, sehr gut gefallen. Wunderbare Melodien und teilweise ganz ungewohnte, eigenartige Instrumente, die sehr interessante Klänge hatten. Aufnahmen gibt es bestimmt noch nicht, da die Uraufführung lediglich zwei Monate her ist. Aber mal schauen, was nicht ist, kann ja noch werden.

@Martin,

es gibt auch eine Aufnahme mit ihr.

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000H9HUPW.01._AA240_SCLZZZZZZZ_V50065206_.jpg

Sie spielt hier ihre eigene Komposition

Eine Besprechung findet sich hier
Ganong (21.01.2007, 15:40):
Lieber R. ,

ein sehr interessanter Hinweis .

Es gibt mehrere Aufnahmen mit dieser KomponistIN und auch eine CD durch andere Interpreten eingespielt .

Ich hoffe , das "Satie" sieht , dass in dem Forum durchaus ein Interesse an nicht so im Vordergrund wirkenden Komponisten und ihren weiblichen Kolleginnen aus musikalischen Gründen besteht .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (12.02.2007, 15:08):
@Forianer,

hier möchte ich auch (nochmals, da es bereits Jeremias einst getan hatte) auf Lowell iebermann (geb. 1961) hinweisen.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8085733.jpg

Seine ersten beiden Klavierkonzerte (eingespielt von S. Hough) finde ich für zeitgenössische Kompositionen sehr zugänglich!
Ganong (10.01.2007, 14:53):
Liebe Forumsmitglieder ,

ein Mitglied dieses Kreises hat mich vor kurzem darauf angeschrieben . Wie steht es um die aktuellen , "modernen" Komponisten ?

Liest man Konzertprogramme , so scheint Deutschland einmal mehr iregendwo auf einem Abstiegsplatz zu stehen .

Dies ist sehr bedauerlich .

Als ich gerade in London war gab es ein grosses Fest mit sehr umfagreicher Werbung für junge britische Komponisten .

Bis 2006 habe ich gelegentlich mit dem jungen britischen Komponisten Morgan Hayes korrespondiet . Werke von ihm wie "Port Rhombus" u.a. sind von der London Sinfonietta auch in der Berliner Philharmonie aufgeführt worden ( wie in London , New York etc. ) .

Letzte Woche habe ich nun der ganz vorzüglichen Pianisten Simon Mulligan erstmal im Konzert mit einer seine eigenen Kompositionen als "Encore" erleben können . Das Publikum war einhellig begesietrt und , für brirische Verhältnisse ehe ungewöhnlich , gab es wahre Ovationen für Simon Mulligan .

Wie sehr Ihr die Situation in Deutschland bzw. generell ?

Ich denke , wie unserem Forumsmitglied mitgeteilt , dass für mich die Musik keineswegs mit J S Bach oder Robert Schumann endet .

Grüsse ,

Frank

PS.:
Simon Mulligan hat übrigens recht viel Kammermusik , u.a. mit Daniel Hope , aufgenommen ( auch Schostakowitsch ) und war der letzte , der zufällig hier in Düsseldorf Partrner seines Mentors und Freundes Yehudi Menuhin ( dieser als Diriegent ) gewesen ist .


Inzwischen hat Simon Mullligan ein eigenes Quartett und widmet sich weiterhin intenbsiv dem JAZZ .

F.
Rachmaninov (10.01.2007, 17:03):
In diesem Zusammenhang muß ich gestehen das ich noch keine der Werke von Arvo Pärt (* 11.9.1935 (Paide)) gehört habe.

Nikolaus hört ihn immer wieder mal wie ich hier sah.

Vielelicht berichtet er ja mal seine Eindrücke!

P.S.: Habe den Thread mal in die "richtige" Stelle verschoben!
Martin (10.01.2007, 17:13):
Ich habe letztens in der Tonhalle Düsseldorf die Urauffühurung der 1. Sinfonie einer gewissen Lera Auerbach gehört. Eine junge Frau aus Leningrad, die in Russland wohl der absolute Shootingstar ist. Mir hat das Stück sehr, sehr gut gefallen. Wunderbare Melodien und teilweise ganz ungewohnte, eigenartige Instrumente, die sehr interessante Klänge hatten. Aufnahmen gibt es bestimmt noch nicht, da die Uraufführung lediglich zwei Monate her ist. Aber mal schauen, was nicht ist, kann ja noch werden.
satie (10.01.2007, 17:27):
Hmm,
also Arvo Pärt würde ich ja nun nicht als "aktuellen Komponisten" bezeichnen, zumindest nicht nach der Biographie. Er gehört zur älteren Generation, zwar jünger als etwa Cage oder Stockhausen, aber nicht so viel jünger. Ich denke, dass Frank hier eher jüngere Komponisten meint?
Aber trotzdem könnte man ruhig mal über Pärt diskutieren, der nämlich gerade von den deutschen oft genug niedergemacht wurde und wird...

Tatsächlich haben es junge Komponisten in Deutschland schwer. Vor allem an finanziellen Mitteln fehlt es. Es ist sehr schwer, anständige Stipendien zu bekommen, Preise gewinnt man praktisch ausschließlich mit Vitamin B. Aufträge sind noch rarer und oft miserabel bezahlt (ich habe etwa vor einigen Jahren einen Auftrag für das Zürcher-Klaviertrio bekommen, bezahlt von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. 500 Mark (nicht Euro). Die Fahrt nach Hannover durfte ich dann auch selbst zahlen, um überhaupt mit den Musikern proben zu können. Aber man muss nehmen, was man bekommen kann. Natürlich gibt es immer noch solche, die sich extrem aggressiv vermarkten können. Manche hatten auch einfach Glück, so etwa Sandeep Bhagwati, der sich nicht gerade beklagen kann, zu wenig Aufträge zu haben.
Aber es ist generell schwierig. Verlage zocken die Komponisten gerne ab, die Labels ebenfalls (vorsicht bei WERGO!! und vor allem dem neuen Sub-Label, dessen Namen ich mir nie merken kann). Wie einem Wolfgang Rihm, der mit 20 schon vom Komponieren allein leben konnte, geht es nur noch wenigen. So machen es Komponisten heute auch nicht anders als früher: sie unterrichten eben, machen Reinschriften, suchen nach Möglichkeiten, einen Uni-Job dazu zu bekommen. Viele fangen schon beim Studium an vorzusorgen, so etwa einer meiner Freunde, der neben Komposition an einer anderen Hochschule Japanologie und an einer dritten Musikwissenschaft studiert. Wahrscheinlich, um sich am Ende dann mühsam für etwas davon zu entscheiden.
Das Publikum ist meiner Ansicht nach nicht so sehr das Problem. Eher gibt es keine Plattformen und Nachwuchsforen. Und die Orchester spielen immer irgend welche "Klassiker der Moderne" oder so weit als möglich "eingängige" Sachen (wobei ich das hier nicht werten will, es nur bedaure, dass es nicht auch mal was anderes sein darf).
Gut gepolstert sind nach wie vor die Schweiz und Skandinavien, da gibt es an Förderung weit mehr, ebenso in Kanada. In England ist es vielleicht auch so, da kenne ich mich nicht aus. Allerdings kann es auch viel schlechter sein als in Deutschland, das habe ich letzten Februar in Kairo erfahren müssen.
Natürlich würde mich sehr interessieren, welche jungen KOmponisten und Komponistinnen euch allen bekannt sind und welche ihr schätzt!

Herzlich
S A T I E
nikolaus (10.01.2007, 21:07):
Original von Rachmaninov
In diesem Zusammenhang muß ich gestehen das ich noch keine der Werke von Arvo Pärt (* 11.9.1935 (Paide)) gehört habe.

Nikolaus hört ihn immer wieder mal wie ich hier sah.

Vielelicht berichtet er ja mal seine Eindrücke!

P.S.: Habe den Thread mal in die "richtige" Stelle verschoben!

O je, ich höre ihn zwar ab und zu, aber das sind nur einzelne Werke, die sicher nicht repräsentativ für sein Schaffen sind.

In letzter Zeit habe ich abends folgende CD gehört:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1536317.jpg

Es handelt sich eigentlich um zwei Stücke, die wiederholt werden, der Ablauf sieht dann so aus:
Spiegel im Spiegel (Violine und Klavier)
Alina (Klavier solo)
Spiegel im Spiegel (Cello und Klavier)
Alina (Klavier solo)
Spiegel im Spiegel (Violine und Klavier)
Es ist ganz ruhige, fast meditative Musik, die ich gerne zum Entspannen (und Einschlafen) höre. Sie hat auch etwas sehr "tröstliches" an sich.
Über den Hintergrund dieser Stücke lässt sich noch viel mehr sagen, dazu muß ich aber nochmal das Booklet studieren.

Ferner habe ich sein Credo:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9603253.jpg

Das Werk für Klavier, gemischten Chor und Orchester besteht etwas vereinfacht gesagt aus zwei Komponenten:
einer Bearbeitung eines Präludiums von Bach, eine schöne, schlichte Musik; als Gegensatz dazu einen im wahrsten Sinne des Wortes chaotischen Part (mit "schwarzen" Passagen in der Partitur, in denen die Musiker improvisieren sollen); sehr beeindruckend, aber gewöhnungsbedürftig, evtl. beschweren sich die Nachbarn. Man sollte sich nicht gegen dieses Chaos wehren, sondern sich ruhig fallen lassen, denn Pärt fängt einen wieder auf (klingt ein bißchen komisch, man muß es einfach hören)

Außerdem in meinem Besitz: Fratres, Tabula rasa, Symphonie Nr. 3. Die habe ich aber lange nicht gehört, deshalb möchte ich dazu erstmal nichts schreiben.

Es gäbe noch viel mehr über Pärt und seine Kompositionsstile/-techniken, die sich im Laufe der Jahre sehr gewandelt haben, aber darüber weiß ich zu wenig. Als Schlagworte wären z.B. seriell-aleatorische Musik, Tintinnabuli-Stil... Das kann vielleicht Satie erklären!?

Wichtig ist noch die tiefe Religiosität von Pärt, die seine Musik bestimmt, sowie eine philosphische Seite.

Im Booklet zu Alina steht folgendes:

Ich könnte meine Musik mit weißem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind. Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen; dieses Prisma könnte der Geist des Zuhörers sein.

Arvo Pärt

Schön, nicht?

Gruß, Nikolaus.
Rachmaninov (10.01.2007, 22:46):
Original von Satie
Hmm,
also Arvo Pärt würde ich ja nun nicht als "aktuellen Komponisten" bezeichnen, zumindest nicht nach der Biographie.

Okay, "aktuell" hatte ich indiregt als "lebende" gleich gesetzt!

Wäre Kalevi Aho eine legitime Nennung?

Immerhin stammt seine Sinfonie #13 aus dem Jahr 2003 :P
Ganong (11.01.2007, 14:55):
Liebe Forumsmitglieder ,

es ist erstaunlich : Lang Lang nimmt ein Klavierkonzert einer lebenden KomponistIN auf CD auf .

Ich werde berichten .

Ich war überrascht , dass die Dame im Mittelpunkt der brtischen Presse stand und nicht Lang Lang . Das ist wirklich und endlich einmal ein Fortschritt der Klassikszene .

NIKOLAUS hat dankenswerterweise auf die Aufnahme mit Salonen hingewiesen .

Viele Grüsse ,

Frank
satie (11.01.2007, 19:00):
Lieber Frank,
um welche Komponistin handelt es sich denn?

Danke,
S A T I E
Ganong (12.01.2007, 18:01):
Lieber Satie ,

die Dame liegt bei Freunden zu Hause . Ich werde nachschauen .

Endlich , dass die Komponistin im Mittelpunkt steht .

Ich werde berichten . Ebendo üdie Liste der britischen Komponisteen / Komponistinnen aufzählen ( Quelle : Wigmore Hall , GB - London ) .

Ein wenig Geduld .

Grüsse .

Frank
Ganong (13.01.2007, 17:18):
Lieber Satie ,

es handelt sich um das 1. Klavierkonzert der us - amerikanischen KomponistIN Jennifer H i g d o n . Das Orchester ist das "Nationalk Sympony Orchestra Washington" .

Miss Higdon ist momentan eine der meist aufgeführten us-amrikanischen Komponisten ..

Sie hat bsiher ein Konzert für Klavier für Gary Graffman komponiert .

Die Weltpremiere wird am 17. , 18. und 19. Mai 2007 im Kennedy Cebnter stattfinden .

Zeitgleich wird es eine CD geben . Label : unbekannt .

Grüsse ,

Frank
Ganong (13.01.2007, 17:23):
Liebe Forumsmitglieder ,

das DUO Susan M i l a n & Andrew B a l l spielen am 21. Januar 2007 in der Londoner Wigmore Hall ( 7.30 p.m. ) Werke von folgenden jungen Komponisten :
Richard R. Bennett

Arthur Butterworth

Edwin Roxburgh

Brian Lock

Dave Heath

Julian Andersen

Robert Saxton

Cecilia McDowall u n d

Matthew Taylor .

Es handelt sich um lebende brirtische Komponisten .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (13.01.2007, 19:23):
Wer sich für "aktuelle Komponisten" weiter interessiert dem sei es einmal empfohlen das Flötenkonzert von Kalevi Aho zu hören.
Der Finne hat das Konzert Sharon Bezaly gewidmet.

Ein sehr schönes Konzert, typische Tonsprache Skandinaviens.
satie (13.01.2007, 19:28):
Lieber Frank,
danke für den Hinweis. Ich habe von Jennifer Higdon schon etwas gehört. Allerdings muss ich sagen, dass es sich hier wieder um so ein Beispiel von zwar zeitgenössischer aber eben sehr gefälliger Musik handelt, wie wir sie auch, wenn auch weit naiver, bei Jay Greenberg hören können. Ich will hier nicht scholastisch wirken, aber es ist meinen Ohren halt konservativ in einem problematischen Sinn. Auch hier viel Brimborium, das ich persönlich bei Orchester nicht mehr hören will. Aber ich will und muss es Geschmackssache sein lassen. Schließlich wurde im Titel von aktuellen Komponisten gesprochen, worunter man mit Sicherheit alle Lebenden subsummieren kann. Ich bin mittlerweile so allergisch geworden bei vielen Idiomen, die meiner Ansicht nach zu unbekümmert benutzt werden. Worauf aber will ich hinaus? Darauf, dass es eine kommerzielle Schiene auch in der Neuen Musik gibt, die kritisch betrachtet werden muss. Qualität ist für mich etwas anderes. Doch das ist nun wieder mein ganz persönliches Problem.

Herzliche Grüße
S A T I E
Ganong (14.01.2007, 15:55):
Lieber Satie ,

nein , nein , Du hast ein heikles Thema erneut angesprochen . Das der Kommerzialisierung !

Die füher vor allem bei SONY gerne geübte Praxis von Cross-over-Programmen ( etwa glänzend gelungen bei Simon Mulligan - Piano ) ist wohl aus unerfindlichen Gründen verlassen worden . Darunter leidet natürlich die Komposition der jungen Komponisten . Also eines altersmässig nach oben in beschränkten Alters von maximal 40 Jahren .

Salonen , der stets Gelobte , dürfte einen Grossteil seiner Werkaufführungen alleine der Tatsache seiner Dirigentenkarriere , vor allem in Los Angeles , verdanken . Zuletzt hat er in Frankfurt am Main - eher ungewöhnlich - sogar ein eigenes Werk in sein Programm aufgenommen . Persönlich habe ich allerdings anders als die FAZ seinerzeit in ihrer Rezension nichts dagegen . Eher im Gegenteil . Zumal angesichts solch eines Klangkörpers .

Kaum ein Zweifel dürfte darüber bestehen , dass es eines sehr einflussreichen Managements bedarf , um auch nur national zu reüssieren . Von CD - Aufnahmen ganz abgesehen .

Der von mir mehrfach erwähnte brtische Komponist Morgan Hayes , der auch ein guter Solo-Pianist ist , hat trotz seiner relativ weit verbreiteten Bekanntheit und seiner renommierten Londoner Agentur doch Probleme , angemessen wahrgenommen zu werden . Schade ; Morgan hätte es verdient !

Grüsse ,

Frank

PS.: Auch bei drei , vier der in meiner Liste des Konzerets in der Wigmore Hall , London , vertretenen Komponisten , sehe , höre ich dies so . F.
Rachmaninov (19.01.2007, 10:16):
Original von Martin
Ich habe letztens in der Tonhalle Düsseldorf die Urauffühurung der 1. Sinfonie einer gewissen Lera Auerbach gehört. Eine junge Frau aus Leningrad, die in Russland wohl der absolute Shootingstar ist. Mir hat das Stück sehr, sehr gut gefallen. Wunderbare Melodien und teilweise ganz ungewohnte, eigenartige Instrumente, die sehr interessante Klänge hatten. Aufnahmen gibt es bestimmt noch nicht, da die Uraufführung lediglich zwei Monate her ist. Aber mal schauen, was nicht ist, kann ja noch werden.

@Martin,

es gibt auch eine Aufnahme mit ihr.

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000H9HUPW.01._AA240_SCLZZZZZZZ_V50065206_.jpg

Sie spielt hier ihre eigene Komposition

Eine Besprechung findet sich hier
Ganong (21.01.2007, 15:40):
Lieber R. ,

ein sehr interessanter Hinweis .

Es gibt mehrere Aufnahmen mit dieser KomponistIN und auch eine CD durch andere Interpreten eingespielt .

Ich hoffe , das "Satie" sieht , dass in dem Forum durchaus ein Interesse an nicht so im Vordergrund wirkenden Komponisten und ihren weiblichen Kolleginnen aus musikalischen Gründen besteht .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (12.02.2007, 15:08):
@Forianer,

hier möchte ich auch (nochmals, da es bereits Jeremias einst getan hatte) auf Lowell iebermann (geb. 1961) hinweisen.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8085733.jpg

Seine ersten beiden Klavierkonzerte (eingespielt von S. Hough) finde ich für zeitgenössische Kompositionen sehr zugänglich!
Rachmaninov (22.04.2008, 08:40):
gestern hörte ich L. Auerbach's Lonley Suite (Ballet for al Lonely Violinist) op. 70 und die Sonate für Violine & Klavier Nr. 2 (September 11.)

So recht eingenommen haben mich die Werke nicht. Teilweise schöne Melodik aber dann wieder "Ausbrüche" ....

Werde ich sicherlich nochmals hören müssen um mir eine Meinung zu bilden. Die klassische russische Sprache eine Glazunov sucht man natürlich vergebens.... :W
Cetay (inaktiv) (22.04.2008, 11:54):
In diesen Thread passt sicher auch eine CD, die ich schon andernorts begeistert erwähnt habe.
Eine solche Initiative eines bekannten und erfolgreichen Orchesters (plus Fördergelder eines arg in Veruf gekommenen Unternehmens) ist eine gute Möglichkeit, aktuelle Komponist(en)innen in den Bereich der Wahrnehmung zu bringen.
Natürlich wird hier nicht das letzte Extrem geboten, doch darauf kommt es bei Neuer Musik wohl auch den Wenigsten an. Den Vorwurf, anbiedernd konservativ und gefällig zu sein, kann man den hier gebotenen Werken aber auch nicht machen. Es ist ein Kompromiß dahingehend, dass hier "richtige" Neue Musik geboten wird, bei der auch der auf diesem Gebiet wenig erfahrene Hörer die Chance hat, das zumindest ohne Schäden an Ohren und Zehennägeln anzuhören - und der eine oder die andere sogar begeistert sein könnte.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881832026.jpg