kreisler (02.02.2009, 23:01): Aufgrund meines letzten Konzerts in dem ich Alban Bergs Violinkonzert hörte und meiner allgemeinen Verbundenheit zu seiner Musik möchte ich nun ein Thema zu diesem Komponisten eröffnen:
http://i20.tinypic.com/w9yxp5.jpgAlban Berg, (geboren am 9. Februar 1885, gestorben am 24. Dezember 1935) war ein Komponist, der auf wunderbare Weise die "romantische Idee" der Musik des 19. Jh im 20. Jh fortführte, ohne jemals irgendeinen Stil zu kopieren, sich der Bequemlichkeit halber auf altbewährte Formen zu stützen oder gar nur dieser Vergangenheit, vielleicht gar sentimental, nachzuträumen. Nein. Er hatte einen ganz eigenen Stil, einen modernen Stil, bei dem jedoch dieses Moderne (gemeint ist natürlich insbesondere die Dodekaphonie) nie zum Zweck wird, sondern stets nur Mittel bleibt, seine Gefühlswelt auszudrücken.
In einer "typisch bürgerlichen" Familie in Wien aufwachsend, kam Berg schon früh mit Kunst in Berührung und entwickelte schon als Kind einen ausgesprochenen "Kunstsinn", gerade auch für die Bildende Kunst und Literatur, die meiner Meinung nach in seinen Werken eine wichtige Stellung haben. Zu komponieren begann er dann erst mit etwa 14. Jahren, und zwar hauptsächlich Lieder, bei denen er seinen singenden Bruder Charley begleitete. Diesem hatte er auch die Beziehung zu Arnold Schönberg zu verdanken, bei dem er von 1904 bis 1910 zusammen mit Anton Webern Komposition studierte. Zuerst rein atonal schreibend, übernahm er später dann die Kompositionstechnik seines Lehrers, allerdings in einer sehr orginellen Weise, in dem er bsp. immer wieder mit tonalen Elementen arbeitete (Beispiel Violinkonzert), oder mehr auf einheitliche Form (durch Wiederholungen und Motiven), als auf kompositorische Radikalität bedacht war. Das erleichtert natürlich auch den Zugang zu seiner Musik. Und so behaupte ich auch, dass viele Werke von ihm einfach schöner anzuhören sind als die von Schönberg. Neben diesem war Gustav Mahler sein "lebendes Idol" in der Musik. In der einzigen Begegnung der beiden, 1907, soll ihn Mahler gefragt haben, ob er vorhabe Dirigent zu werden. Auf Bergs Verneinung, meinte er dann: "Das ist auch gut so, wenn man komponiert, sollte man besser nicht Dirigieren." Tatsächlich muss Berg ziemlich grauenhaft Dirigiert haben, und begrub diese Idee schon nach einer einzigen Orchesterprobe eines seiner eigener Werke... Dafür war er ein umso tollerer Komponist! Auf seine weitere Biographie kann und will ich hier erstmal nicht weiter eingehen, mir fehlt dazu schlichtweg das Wissen. Auf jeden Fall heiratete er 1911 die Sängerin Helene Narowski und musste im ersten Weltkrieg als Soldat dienen, was sich in seinem Wozzeck Niederschlag fand. An Weihnachten 1935 verstarb Berg an einer Blutvergiftung (er hatte schon sein ganzes Leben lang mit seiner schlechten Gesundheit zu kämpfen), kurz nach der vollendung seines Violinkonzerts und in Gedanken an seine unvollendete Oper "Lulu".
Er hat nur sehr wenige Werke geschrieben (deshalb ließ er übrigens auch die Opuszahlen bei seinen Späteren weg), jedoch ist fast jedes Werk in sich bedeutend und begründet seine Stellung als Komponist außerordentlichen Ranges:
frühe Klavierlieder: Darunter sieben frühe Lieder (nach verschiedenen Dichtern), Schließe mir die Augen beide (Storm, mit einer zweiten Vertonung 1925), An Leukon (Gleim) sowie Jugendlieder Band I und II. Komponiert zwischen 1901 und 1908
Zwölf Variationen über ein eigenes Thema, C-Dur (1907/08) Klaviersonate op. 1 (1907/08) Vier Lieder für eine Singstimme und Klavier op.2, nach Hebbel und Mombert (1908/09) Streichquartett op.3 (1910) Fünf Orchesterlieder nach Ansichtskarten-Texten von Peter Altenberg op.4 (1912) Vier Stücke für Klarinette und Klavier op.5 (1913) Drei Orchesterstücke op.6 (1914) sowie Symphonie-Fragmente von 1913 Wozzeck. Oper in drei Akten op.7 (1917-1922 nach dem Drama von Büchner) und 1924: Drei Bruchstücke aus Wozzeck für Sopran und Orchester Kammerkonzert für Klavier und Violine mit 13 Bläsern (1923-1925) und Bearbeitung des Adagios als Trio für Violiene Klarinette und Klavier (1924) Lyrische Suite für Streichquartett (1925/26) Der Wein. Konzertarie mit Orchester (1929) Lulu. Oper in drei Akten nach den Tragödien "Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora" von Franz Wedekind. (1929-35, 1. und 2. Akt vollständig. 3. nur Fragment) Symphonische Stücke aus der Oper Lulu (1934) Violinkonzert (1935)
Hier will ich besonders meine "Lieblingsstücke" und zwar die Lyrische Suite, das Violinkonzert und die Lulu-Suite (und natürlich die Oper selber) hervorheben. Jedoch sind Alle eine ausgiebige Besprechung wert. Ich hatte geplant zu den meisten Werken eine kurze Zusammenfassung "mitzuliefern" jedoch weiß ich nicht ob ich da genug Fachwissen besitze. Versuchen werde ich es trotzdem, bin aber alles andere als beleidigt (sondern freue mich darüber) wenn mir hier jemand damit zuvorkommt!
Allgemein hoffe ich auf viele Antworten und freue mich über Kritik, Ergänzungen, Besprechungen von verschiedenen Aufnahmen, Meinungen zu den verschiedenen Werken, Konzerterlebnisse... Eben wie in jedem normalen anderen Thread. Nur das es hier eben um Alban Berg gehen soll :)
Grüße Kreisler
EinTon (03.02.2009, 20:02): Ich kenne von Alban Berg die lyrische Suite und den Wozzeck, das Violinkonzert habe ich vor langer Zeit mal gehört.
Ich werde jedoch mit dieser Musik - im Gegensatz zu Webern (die 5 Stücke für Orchester finde da ganz toll!), - nicht so recht warm. Die in den genannten Stücken praktizierte Form der Atonalität hat auf mich die Wirkung einer endlosen Kette von Modulationen, die nie zu einem Endpunkt kommt und daher (für mich) eine Art Dauerunruhe verbreitet, das ist besonders in der lyrischen Suite der Fall (und ich kenne auch abseits von Webern genügend atonale Musik, bei der das nicht so ist, etwa bei Pierre Boulez).
Aber das ist natürlich nur mein persönliches Geschmacksurteil, um nicht mißverstanden zu werden...
satie (03.02.2009, 20:21): Lieber Amadeus,
zunächst einmal ein Kompliment für die sehr gelungene Fadeneröffnung zu einem Komponisten, den wir hier viel zu selten nennen. Berg hat das große Problem, dass er neben Schönberg und Webern immer geringer bewertet wird, einfach weil er eine Zwischenstellung einnimmt, die am wenigsten verwertbar war von der Generation der seriellen Komponisten. Das hat Auswirkungen bis zum heutigen Tag. Nur wenige Komponisten, darunter etwa Mauricio Kagel, haben bei der Frage nach ihrem persönlichen Favoriten unter den Komponisten der (zweiten) Wiener Schule mit "Berg!" geantwortet. Berg hat zwar die Impulse von Schönberg aufgenommen, aber auf ganz andere Weise als Webern (der ja im Grunde die Weiterentwicklung hin zum Serialismus bereitete). Berg hat den spätromantischen Gestus nie abgelegt (bei Webern wird dieser sozusagen zum kleinstmöglichen Punkt hin komprimiert). Auch hat Berg im Grunde die Tonalität nicht ablegen wollen (gerade das hat ihn für die Folgegeneration nicht interessant gemacht). Für mich ist gerade dieser Zwiespalt bei Berg hochinteressant, wenn ich auch trotzdem eher Webern und Schönberg bevorzuge, aber nicht immer. Die Lulu-Suite, den Wozzeck und die Lyrische Suite höre ich mir immer wieder gerne an, oder auch die Altenberg-Lieder (besonders "Sahst Du nach dem Gewitterregen"). Mit wenigen Stücken hat Berg es doch geschafft, sich einen verdienten Platz in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts zu erobern. Für die Postmoderne wurde er bedeutender als Schönberg und Webern, hatte er doch schon damals einen quasi eklektischen Stil gehabt, den man heute nicht selten nachgeahmt findet (ob gelungen oder nicht sei mal dahingestellt).
Herzlich, S A T I E
kreisler (03.02.2009, 21:57): Lieber Satie,
interessant, dass du sagst, dass Berg gegenüber Webern und Schönberg oft geringer bewertet wird. Ich habe diese Erfahrung noch nicht gemacht, aber ich nehme mal an, dass das besonders unter den Komponisten (zu denen du ja auch gehörst :)) der Fall ist. Oder irre ich da?
Bei mir ist es in etwa folgendermaßen, was Berg und Webern anbelangt:
Webern schätze ich wirklich sehr. Seine Musik hat etwas meditatives, das mir ab und zu ganz gut gefällt. Ich finde Kompositionen wie seine Symphonie op. 21 und auch die von EinTon erwähnten Orchesterstücke kompositorisch höchst interessant. Wenn ich etwa versuche etwas zu komponieren (leider bleibt es bei mir öfters nur bei dem "Versuch"...wirklich blöd eigentlich!), dann nehme ich mir Stücke wie seine Variationen für Klavier op. 27 zum Vorbild, die finde ich auch toll. (Ich brauche aber wohl kaum erwähnen das daraus nicht wirklich etwas wird.) Mal ganz davon abgesehen finde ich Weberns Musik kompositorisch interessant, aber sie ist mir zu speziell als das ich sie als das "Non-plus-ultra", etwas übertrieben formuliert, ansehe und tief in mich "aufnehme", wie das bsp. bei der Musik Mahlers oder auch Bergs der Fall ist.
Aber nun zu Berg. Wenn ich improvisiere, dann kommt natürlich etwas viel "unlogischeres" heraus, was kompositorisch etwas in sich zusammenfällt. Jedoch haben diese "Improvisionen", wenn man sie so nennen kann, vielleicht etwas von diesem Berg-artig romantischem. Das klingt dann in etwa wie seine Klaviersonate op. 1. Mit den späten Werken natürlich auf gar keinen Fall vergleichbar. Aber eben trotzdem spüre ich dadurch, das ich dieser Musik unheimlich nahestehe. Wohl auch weil sie die Musik Gustav Mahlers in gewisser weise fortführt. Das finde ich eben das tolle (und ich glaube das kommt in der Fadeneröffnung recht deutlich rüber) dass Berg Tradition fortsetzt. Deshalb ist Berg für mich auch nicht speziell, sondern er stellt für mich beinahe eine Fortführung der klassisch-romantischen Musik (das Romantische hat sich meiner Meinung aus dem Klassischen "entwickelt"). man muss leider auch sagen "deutsche" Musik (ich hasse dieses Adjektiv...)
Bei mir ist das also genau andersherum als bei EinTon. Ich werde erst bei Bergs Musik "so recht warm", weil ich den ganzen musikhistorischen Hintergrund, sowie die Gefühlswelt der Musik spüre. Ich kritisiere auch des öfteren, auf musikalischer Ebene den Bruch in der Musik, den Schönberg, Webern und dann die seriellen Komponisten eingeleitet haben, auch wenn er historisch durchaus nachzuvollziehen ist (gerade bei den seriellen Komponisten nach dem zweiten Weltkrieg verstehe ich das durchaus). Jedoch kann meiner Meinung wirkliche Kunst nicht ohne Tradition bestehen...
Kreisler
Dr. Schön (03.02.2009, 22:48): Hallo und danke für den schön eröffneten Faden zu Alban Berg.
Bei mir ist es etwa so, dass der "Wozzeck", vielleicht eines meiner 10 liebsten Werke (müsste man sich entscheiden) überhaupt, die anderen Werke Bergs, soweit ich sie kenne, einfach haushoch überschattet.
Ich mag auch sehr das Violinkonzert, die lyrische Suite, die von Satie genannten Altenberg Lieder und einiges mehr, würde aber insgesammt auch Schönberg und va. Webern den Vorzug geben, so die beiden auch kein Werk haben, welches ich über den Wozzeck stellen würde.
Bei Webern ist es zu Allem eine Affinität, die ich nicht näher erklären kann. Bei Schönberg eher Bewunderung (tatsächlich lieben tue ich bisher nur 2 seiner Werke). Bei Berg ist es "Wozzeck".
Was ich am "Wozzeck" so mag ist einmal seine Kürze und seine musikalische wie inhaltliche Dichte, dass hier alles miteinander in Bezug steht und stets alles, sowohl das Werk als auch der Plot, vorangetrieben werden, ohne dass irgendetwas unnötiges passiert.
In der "Lulu" hat er diese Stringenz, zumindest soweit wie er noch kam, leider nicht mehr hinbekommen.
(Ausserdem habe ich im Deutsch LK mal meine beste Arbeit über Büchner's Vorlage geschrieben. Daher hat das eh einen Stein im Brett :D)
kreisler (03.02.2009, 23:22): Original von Dr. Schön Bei Schönberg eher Bewunderung (tatsächlich lieben tue ich bisher nur 2 seiner Werke).
Ja, das geht mir bei ihm ähnlich.
Ich finde der Wozzeck hat etwas sehr szenisches, fast wie ein musikalischer Film. Vielleicht meine ich damit das gleiche wie du. Ich schrieb auch gerade in Hinblick auf den Wozzeck, dass sein literarisches und künstlerisches Verständnis für seine Musik sehr wichtig sei. Ich finde diese Oper ist eben gerade im Umgang mit dem Libretto und der Szenerie besonders stark.
Bei "Lulu" fasziniert mich einfach der musikalische Gehalt des Ganzen. Da ich aber der "Oper" an sich immer etwas skeptisch gegenüberstehe, (kann ich jetzt nicht genau erklären, warum) höre ich öfter nur die Symphonischen Stücke aus der Lulu. Ich finde das immer wieder berauschend: schon der ganze erste Satz; dann arbeitet er ja immer wieder mit einem bestimmten Rhythmus (ist so viel ich weiß eine Anspielung auf Mahlers 9.), und dann natürlich ihr ("Lulus") Tod musikalisch umgesetzt. Ich mag "Lulu" und das Violinkonzert noch etwas lieber als Wozzeck. Ist halt Geschmackssache...
Und auch wenn du hier schreibst du kannst Weberns "Affinität zu allem" nicht näher erklären (wobei das sicher nicht so "wirr" ausfallen würde wie bei mir :wink), würde es mich doch interessieren, wie du, und die anderen, denen es da ja anscheinend ähnlich geht, die Musik von Webern versteht. Ich verstehe seine Musik offengestanden wohl noch nicht so ganz. Da wäre vielleicht ein eigener Thread zu diesem Komponisten auch ganz interessant.
Gute Nacht :) Kreisler
Dr. Schön (04.02.2009, 01:24): Lieber Kreisler,
beim Wozzeck meinen wir beide das gleiche und was Lulu betrifft, mag ich die Suite auch lieber. Im Umgang mit dem Libretto (ich kann Opern nicht anders hören) passiert hier halt immer wieder das gleiche. Ein Mann verfällt ihr und geht zugrunde. Ich hab's nicht gezählt, aber es passiert zu oft. Auch bleibt das ganze gegenüber diesen Herren immer ziemlich mitleidslos und kalt. Das stört mich nicht. Im Gegenteil, sie sind ja alle selber schuld. Aber dadurch kommt mir die Oper immer ab irgendwann am Anfang der zweiten CD etwas monoton und länglich vor. Das Milieu und die Figuren mag ich eigentlich. Auch diese Idee mit dem Film in der Mitte finde ich toll. Das sie musikalisch reizvoll ist belegen ja die Sinfonischen Stücke, aber als ganzes finde ich sie dann eben nur gut.
Webern verstehen? Nun auf der einen Seite ist er mir das berühmte Buch mit den sieben Siegeln. Was mich anspricht hat wahrscheinlich viel mit der Beschränkung, Komprimierung und Wesentlichkeit seiner Werke zu tun, dass er sich die großen Gesten versagt und das, was er zu sagen hat auf minimalstem Raum ausdrückt. Möglicherweise kommt bei mir dadurch auch immer der Eindruck zustande, seine Werke würden, zumindest gefühlt, fast doppelt so lange dauern, wie dies eingentlich der Fall ist, weil mit dem scheinbar wenigen viel gesagt wird. Zumindest war es dieser Eindruck, der einen ersten Reiz an Webern geweckt hat. Kurze Zeit später war Webern dann einfach selbstverständlich für mich. Und wie gesagt, er ist der einzige der 3, zu dem ich sowas wie einen persönlicheren Bezug habe.
satie (04.02.2009, 06:15): Original von Amadeus Kreisler Lieber Satie,
interessant, dass du sagst, dass Berg gegenüber Webern und Schönberg oft geringer bewertet wird. Ich habe diese Erfahrung noch nicht gemacht, aber ich nehme mal an, dass das besonders unter den Komponisten (zu denen du ja auch gehörst :)) der Fall ist. Oder irre ich da?
Das ist richtig. Der Dirigent Gerd Albrecht hatte mal eine Sendereihe mit Gesprächskonzerten zu Neuer Musik. Da hat er gerne die anwesenden Komponisten gefragt, welcher Komponist von den dreien (Schönberg, Berg oder Webern) sie am meisten beeinflusst hätte. Und das war exemplarisch für die generelle Aussage der meisten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was da kam. Webern war den meisten der wichtigste, dann kam Schönberg, und Berg wurde nur sehr selten genannt.
Bei mir ist das also genau andersherum als bei EinTon. Ich werde erst bei Bergs Musik "so recht warm", weil ich den ganzen musikhistorischen Hintergrund, sowie die Gefühlswelt der Musik spüre. Ich kritisiere auch des öfteren, auf musikalischer Ebene den Bruch in der Musik, den Schönberg, Webern und dann die seriellen Komponisten eingeleitet haben, auch wenn er historisch durchaus nachzuvollziehen ist (gerade bei den seriellen Komponisten nach dem zweiten Weltkrieg verstehe ich das durchaus). Jedoch kann meiner Meinung wirkliche Kunst nicht ohne Tradition bestehen...
Kreisler
Es gab, das muss man immer wieder betonen, KEINEN Bruch. Die Zwölftontechnik - das ist in den Schriften aller drei Vertreter, über die wir hier sprechen, belegt - ist logische Folge der historischen Entwicklungslinie (sonst hätte nicht auch noch Hauer im Grunde dieselbe Idee unabhängig von Schönberg haben können). Die Tendenz hin zur Zwölftönigkeit, schon bevor Schönberg seine Methode entwickelt hatte, hat Webern beispielsweise schon vorher gehabt. Das einzige, was endgültig aufgehoben wurde, war die Tonalität, und selbst die nicht für lange Zeit (das kann man gerade bei Schönberg beobachten). Schönberg selber blieb ohnehin im Grunde expressionistisch, und das ist nur der nächste Schritt nach der Spätromantik. Bei Webern ist alles Romantische vorhanden, nur, wie ich schon schrieb, komprimiert auf einen viel kleineren Raum. Die ganzen Seufzer-Gesten, die großen Crescendi etc. etc., das ist nicht verschwunden. Webern ist nur etwas zurückhaltender. Auch der Serialismus ist kein wirklicher Bruch, aber er wurde so empfunden, weil ein realer historischer Bruch mit ihm zusammenfiel, nämlich der zweite Weltkrieg und die schwierige Nachkriegszeit. Dort entsteht die Kluft zwischen denen, die auf andere Gedanken kommen wollen und lieber nicht die abbildende Musik der Neutöner hören wollen und solchen, die alles außer der Neuen Musik nicht mehr hören wollen (und das hatte Folgen, die wir heute noch spüren). Einen wirklichen Bruch mit der Tradition hat nur Cage gewagt, und es ist doch interessant, dass gerade Schönberg über ihn gesagt haben soll, Cage sei natürlich kein Komponist, sondern eher ein genialer Erfinder. Leider ist dieses Zitat nur vom (trotz Zen etc.) sehr selbstbewussten Cage selbst überliefert. Aber es würde schon passen.
Herzlich, S A T I E
kreisler (04.02.2009, 07:50): Wenn ich es mir überlege hast du natürlich mal wieder total recht, und man kann (bzw. muss) die Zwölftonmusik in dieser historischen Entwicklung sehen: Die Atonalität war eine weitere Stufe der tonal komplett "überstrapazierten" Spätromantik. Und es ist dann nur die logische Folge, alle Mittel in ein System zu fixieren, sag ich mal. Um meinen "Bruch" vielleicht doch noch teilweise rechtfertigen zu können, kann ich noch sagen, dass auf der Ebene Komponist-Zuhörer, wohl schon etwas vergleichbares statt gefunden hat. Das ist ganz natürlich auf die totale Veränderung der Musik an sich und die Aufhebung des tonalen Systems zurückzuführen, was aber eigentlich auch schon in der reinen Atonalität der Fall ist. Ich hbe dazu in einem anderen Thread gelesen, dass "Die Neue Musik erfordert, sich wieder etwas von seiner kindliche Neugierde zurückzuholen und sich an Überraschendem und Ungewohntem erfreuen zu können." Das fällt natürlich vielen Höhrern schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass Schönberg und Berg zu musikalisch (und daas soll jetzt nicht heißen das Webern unmusikalisch sein! Bitte nicht sowas herauslesen!) und zusehr in dieser romantischen Musik verwurzelt waren, um das strikt durchzuziehen. Und ich kann es verstehen, wenn man sagt: Na wenn schon dann aber auch richtig! Und man Webern mehr schätzt. Aber vielleicht sehe ich Webern zu sehr auf der "seriellen Seite" als auf der der der Wiener Schule.
so, muss jetzt leider zur Schule,:( Kreisler
EinTon (04.02.2009, 17:06): Original von Amadeus Kreisler Die Atonalität war eine weitere Stufe der tonal komplett "überstrapazierten" Spätromantik. Und es ist dann nur die logische Folge, alle Mittel in ein System zu fixieren, sag ich mal.
Eine mögliche, keineswegs aber (zwingend) logische Folge (behaupte ich jetzt mal frech... http://www.smiliemania.de/smilie132/00006400.gif )
Aber vielleicht sehe ich Webern zu sehr auf der "seriellen Seite" als auf der der der Wiener Schule.
so, muss jetzt leider zur Schule,:( Kreisler
Aber nicht in eine in Wien, oder? :wink
kreisler (04.02.2009, 17:41): Original von EinTon Eine mögliche, keineswegs aber (zwingend) logische Folge (behaupte ich jetzt mal frech... http://www.smiliemania.de/smilie132/00006400.gif )
Hättest du für immer und ewig so komponiert, ohne jegliche Anhaltspunkte, ohne kompositorische Struktur? Ich behaupte mal, einfach "schreiben was man will", das ist in Wirklichkeit furchtbar viel schwerer als es klingt. (schwierig für den Zuhörer klingts dann auch :D). Nein, im Ernst, ich denke das es ganz natürlich ist, das man versucht in einem Stück logische Zusammenhänge darzustellen, ob man dafür gleich ein völlig neues System entwickeln muss ist halt die Frage, vielleicht (und das wahr wohl in Wirklichkeit auch so) entwickelt sich das von selber wenn man viel auf diese Weise komponiert.
Aber vielleicht sehe ich Webern zu sehr auf der "seriellen Seite" als auf der der der Wiener Schule.
so, muss jetzt leider zur Schule,:( Kreisler
Aber nicht in eine in Wien, oder? :wink
Nee, also dann wäre der Musikunterricht sicher besser... *zzzzz*
kreisler
kreisler (12.02.2009, 22:04): Jetzt komme ich also doch dazu mal eines seiner Werke genauer zu betrachten bzw. mal wieder anzuhören, und da fange ich doch eifach mal mit seinem Opus 1 an (ich denke ein eigener Thread hirzu wäre dann doch etwas zu viel des guten)
Sonate für Klavier op.1
Alban Berg schrieb seine erste und einzige Klaviersonate etwa im Alter von 22 Jahren, also mitten in seiner Lehrzeit bei Schönberg. Die kompositorische Reife der Sonate ist wohl besonders diesem Unterricht zu verdanken, in dem der Schüler erst Monate lang den Sonatensatz an allen möglichen Beispielen analysieren musste, bevor er sich dann selber ans komponieren machte. Doch ist die Sonate selbstverständlich keine Stilkopie im Rahmen eines Kompositionsunterrichts, sonder eindeutlich Bergs erste größere Komposition und trägt auch deshalb durchaus gerechtfertigt sein Werkeverzeichnis mit "op."1 an. Es gibt sicher noch einige Passagen, die der spätromantischen Wagner-Tradition verpflichtet sind (wie beispielsweise das "2. Thema" im mp mit deutlich langsamerem Tempo), jedoch gibt es nie eine deutliche Harmonik - die Sonate schwebt zwischen tonal und atonal, was sie sehr kompliziert zum analysieren macht - und die Kontraste, die Expressivität und die Dramatik der Musik klingen schon sehr nach dem späteren Berg.
Die Sonate besteht aus nur einem Satz, welcher aber - auf den ersten Blick - konventionell in Exposition, Durchführung und Reprise aufgeteilt ist. Freilich geht es in diesen Abschnitten dann keinesfalls konventionell zu. Das zeigt sich schon am Anfang: Es gibt kein klares Thema, sondern nur eine Modulation um die Tonart h-moll. In der Harmonie der ganzen Sonate ist die Quarte, aus der dann Quartakkorde gebildet werden, besonders wichtig. Die Musik besteht aus schnellen Steigerungen und darauf folgenden langsamen Ritardandi, was schon in den allerersten Takten vorgestellt wird. Eine besondere Bedeutung spielt hier der Kontrast zwischen zwei Achteln und einer punktierten Achtel. (ich weiß leider nicht, von wo ich Notenbeispiele herbekomme, die sicher ganz hilfreich währen) Später, im ersten Höhepunkt tritt dann noch das Motiv einer aufsteigenden Triolen- und sechzehntel-Figur auf, welches das ganze zu einem ersten dramatischen Aufschwung führt. Das schon erwähnte zweite Thema bringt etwas Ruhe und Geborgenheit, die jedoch nicht von langer Dauer ist. Es folgt ein zweiter Höhepunkt, der auch wieder, am ende der Exposition, sich "quasi Adagio" entspannt.
Nach der Wiederholung dieser Exposition, folgt die Durchführung, die nichts wirklich Neues bringt - das wäre ja auch gegen ihre Natur - sondern, nach einem sehr ruhigen, schönen Anfang, das vorhandene Themenmaterial zum größtmöglichen Ausdruck (im ffff!) bringt.
In der Reprise lässt Berg die Gedanken noch einmal Revue passieren, jedoch ihn stark abgeänderter Form, beinahe derart, dass man die ganze Sonate am Schluss als eine "Dauer-Durchführung" empfindet. Auf den leise, melancholisch ausklingenden Schluss muss man noch aufmerksam machen: Er bleibt einem, nach dem ganzen "Sturm" der Musik, besonders in Erinnerung. Die Sonate endet in reinem h-moll.
Ich glaube, um diese Sonate gern zu haben, muss man diesen virtuosen Stil des Klavier, wie Berg ihn selber nannte und die Expressivität der Musik mögen. Sie bleibt immer in diesem Stil; das kann man positiv oder auch negativ sehen. Interessant bei diesem Werk ist jedenfalls noch die Spannung zwischen Tonalität und Atonalität. Für mich hat die Sonate noch eine besondere Bedeutung, da ich selber dazu neige in etwa diesem Stil (wenn natürlich auch um einiges weniger kompliziert!) auf dem Klavier zu improvisieren. Ich selber kann mich jedoch noch nicht so wirklich von der Tonalität losreißen;)...
Ich besitze diese Aufnahme von Pollini, den ich sowieso am besten in seinen frühen Aufnahmen, oder in denen mit moderner Musik finde:
https://www.abella.at/cover/P0028942367821_1.jpg
Wie ergeht es euch mit derartigem Klavierstil, (der ja auch z.B. bei Skriabin zu finden ist.)?
Berg gehört bei mir zu den Komponisten, die unter "hoch geschätzt, aber fast nie gehört" zu verbuchen sind. Ausnahme ist natürlich das Violinkonzert, das ich in besonders in der Aufnahme mit Zimmermann / Gelmetti lieben gelernt habe. Aber ich muss sagen, dass mich deine Beschreibung der Sonate sehr neugierig gemacht hat - und da ich eh gerade im Gouldrausch bin, dürfte die Anschaffung kaum noch zu verhindern sein. :D
Dr. Schön (16.02.2009, 17:14): Kennt eigentlich jemand die alte von Dohnanyi Aufnahme der "Lulu" mit Anja Silja bei Decca? Man liest manchmal sehr gutes darüber und ich mag Dohnanyi's "Wozzeck" gerne, konnte seine "Lulu" aber nie in die Hände bekommen. Als Alternative zu Boulez würde sie mich noch interessieren.
kreisler (16.02.2009, 18:51): Tut mir leid, ich kenne leider bei Lulu nur noch Leopold Ludwig.
Bin kein solcher Opernsammler;) (höre sowieso kaum Opern, nichtmal die von Berg wirklich oft, wenn ich ehrlich bin. Dafür umso mehr die Instrumentalmusik:))
HenningKolf (21.02.2009, 14:07): @ Severin
Entschuldige, dass ich erst jetzt antworte, aber irgendwie hat der Stress der letzten Wochen dazu geführt, dass ich die Fadeneröffnung nicht wirklich wahrgenommen hatte.
Von Berg kenne ich nicht wirklich viel. Das Violinkonzert schätze ich sehr (in meiner persönlichen Rangliste sicherlich irgendwo zwischen Platz 2 und 5), Lulu und Wozzeck kenne ich - aber nicht wirklich gut weil ich Opern nur mehr oder weniger sporadisch höre - und jedenfalls Wozzeck halte ich für ein wirklich bedeutendes Werk, die Stücke op.6 kenne ich, ohne dass diese großen Eindruck hinterlassen hätten, das Quartett op. 3 hinterlässt bei mir jedesmal das Gefühl, dass es mich durchaus begeistern könnte, wenn ich in "richtiger Stimmung" bin, um dann beim nächsten Mal den gleichen Eindruck zu hinterlassen....jedenfalls hat Dein Beitrag mich höchst neugierig auf die Klaviersonate gemacht, die ich überhaupt nicht kenne.
Gruß Henning
kreisler (21.02.2009, 14:41): Original von HenningKolf Entschuldige, dass ich erst jetzt antworte, aber irgendwie hat der Stress der letzten Wochen dazu geführt, dass ich die Fadeneröffnung nicht wirklich wahrgenommen hatte.
Ja, bei mir ist es auch so, dass ich wegen wenig Zeit (bei mir ist halt Schule schuld) kaum dazu komme, alle Werke von Berg mal wieder anzuhören, wie ich es eigentlich vorhatte.
Das Violinkonzert ist natürlich grandios (gibt es eigentlich noch keinen eigenen Thread dazu?), ich würde eben auch mal die Lulu-suite empfehlen, wenn man Opren, wie ich auch, eher selten hört.
Vielleicht komme ich ja auch noch bis da hin mit dem besprechen (wobei die Oper sowieso einen eigenen Thread hat).
lg kreisler
satie (21.02.2009, 15:19): Das Violinkonzert haben wir natürlich hier http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=182 erwähnt. Einen eigenen Thread hat es bisher nicht erhalten. Also bitte: nur zu!
Andréjo (08.04.2025, 13:21): Soeben habe ich die heute per Post erschienene, für mich neue Einspielung des Violinkonzerts von Berg gehört.
Angeregt wurde die Anschaffung durch die Spitzenempfehlung seitens unseres Kollegen Moderato assai.
klassik-kompass.de/berg-violinkonzert
Der Kollege schwärmt, und ich würde ihm nicht widersprechen. Woran ich mich ein bisschen habe gewöhnen müssen, ist der sehr transparente, aber doch dunkle - oder die Dunkelheit herausstellende Klang der Einspielung. Indes hört man zweifellos Details aller Art, die einem zuvor nicht aufgefallen sein mögen. Gerade auch im perkussiven oder den tiefen Bläsern gewidmeten Passagen wirkt die Musik äußerst druckvoll.
Meiner allgemeineren Ansicht zur Notwendigkeit unterschiedlicher Deutungsansätze, die man bestens nebeneinander akzeptieren kann, zufolge - und da unterscheide ich mich wohl auch nicht sonderlich vom Kollegen - will ich trotzdem auf keine der anderen Einspielungen verzichten müssen. Es sind allerdings nicht gar so viele ...
(1) live aus Amsterdam, 1996, Concertgebouw Orkest (enthalten in der Sammlung der Süddeutschen Zeitung; Redaktion: Harald Eggebrecht)
War's das? Ich fürchte, ja, bin mir aber nicht sicher. Alte Bandmitschnitte würde ich mindestens zwei finden - mindestens einen könnte ich auch hören, obgleich quasi mit spitzen Fingern ].
Übrigens ist die allgemeine Einführung zum Werk sehr lesenswert!
Weiterhin bestehen von meiner Seite keine Einwände gegen Fausts Beethoven.
Joe Dvorak (09.04.2025, 04:43): Ich habe gestern die Aufnahme des Violinkonzerts mit Krasner und Busch gehört und fand sie fürchterlich. Ich weiß nicht, ob es am aufdringlichen(?) Spiel des Solisten lag, oder am historischen Klang - da bin ich normalerweise nicht empfindlich - oder ob mir das Werk, das ich früher gerne und dann jahrelang nicht gehört habe, jetzt missfällt. Heute gab es die Gegenprobe mit Grumiaux/Markevitch und da stimmt alles. Als Bonus gibt es den für Philips in den 60er Jahren typischen warmen Klang der Neumann-Vakuumröhren-Mikrofone, der hier seine besondere Magie entfaltet.
Alban Berg - Violinkonzert
Arthur Grumiaux, Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Igor Markevitch
Moderato assai (09.04.2025, 10:21): Ja, diese Aufnahme klingt besonders schlecht. Sogar gegen den Begriff "fürchterlich" kann man nichts einwenden. Das stimmt. Zuerst geht man unwillkürlich in eine gewisse Abwehrhaltung, so war es bei mir jedenfalls. Für die Aufnahme sprach dann letzten Endes das tiefe Eindringen in die "Gefühlswelt" des Werkes und ihre historische Bedeutung, denn ich verfügte damals noch nicht über die Krasner/Webern-Einspielung. Wahrscheinlich war mir das damals besonders wichtig. Heute habe ich die Krasner/Webern übrigens immer noch nicht in der Sammlung. Krasner schien damals auch nicht alle technischen Probleme vollends gemeistert zu haben, was ich aber im Text erwähnt habe. Auch habe ich noch nicht die Mitschnitte aus dem Rundfunk mit einfließen lassen, sodass mal ein Update der Seite fällig wäre.
Ich erinnere mich noch ganz gut. Damals, der Vergleich zu Bergs Violinkonzert ist schon fünf Jahre alt und gehört noch mit zu den ersten Versuchen auf dem schwierigen Gebiet der vergleichenden Rezension, schwankte ich noch, ob es nicht besser wäre, eine zweite Bewertungsziffer gesondert für die Aufnahmequalität einzuführen. Letzten Endes macht sie die Einordung in eine Reihenfolge aber nicht einfacher, sondern eher noch schwieriger. Ich neueren Fällen und wenn mehr Vergleichsaufnahmen vorliegen, habe ich dann eine kleine Extra-Liste erstellt, nur mit den alten Mono-Aufnahmen. Ich glaube beim "Sacre" habe ich damit angefangen. Da weiß man schon gleich, was man zu erwarten hat.
Ich hätte dann auch noch eine Anfänger-Frage zur Verwendung der diversen Covers, die sich im Kontext natürlich immer gut machen. Ist das nicht problematisch im Sinne des Copyright? Ich habe schon von Problemen gehört, weil man die Cover zum Verkauf nicht mehr benötigter Privat-CDs verwendet hat. Wenn ich Fotos in der Webseite verwende, achte ich immer darauf, dass sie gemeinfrei sind.
Andréjo (09.04.2025, 12:20): Wenn es sich um Verlinkungen zu amazon oder jpc handelt, hoffe ich doch, dass hier die gleichen Bedingungen gegeben sind wie in anderen drei Foren. Das ist oder wäre dann unproblematisch.
Einmal abgesehen vom Werbe-Effekt. Aber ich weiß schon auch, dass in unserer Bürokraten- und Abmahn-Republik dieses Kriterium im Zweifelsfall keine Rolle spielt.
Joe Dvorak (10.04.2025, 04:19): Cover-Einbindung - Mitgliederbereich - das-klassikforum.de Bilder ändern vor dem Einfügen - Tools - das-klassikforum.de
Nicolas_Aine (10.04.2025, 11:19): ich habe das mal recherchiert. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird es dann problematisch, wenn die Bilder auf unserem Server sind. Sobald die nur eingebunden ("embedded") sind, also weiterhin nur auf dem ursprünglichen Server liegen und hier als eine Art Vorschaubild mit Link angezeigt werden, sollte das kein Problem darstellen.
Joe Dvorak (10.04.2025, 11:39):
Alban Berg - Kammerkonzert für Klavier, Violine und 13 Blasinstrumente
Mitsuko Uchida, Christian Tetzlaff, Ensemble InterContemporain, Pierre Boulez
Das lief bei mir auch über zehn Jahre lang nicht mehr. Dabei ist die Einspielung nicht weniger als genial. Die röntgenografische Durchzeichnung feinster Details und die unerbittlich herausgearbeitete Logik, die zu erkennen keine Kenntnis über Reihen oder sonstige Kompositionstechniken benötigt, treffen auf das fein differenzierte, fast rhapsodisch frei wirkende Spiel des Solistenpaars. Der farbenreiche, luftig-transparente und räumliche Klang mit sauberer Disposition von Soloinstrumenten und Bläsern ist ohne Fehl und Tadel.
Die obige Sammlung , die ich besitze, enthält das Violinkonzert mit Szigeti und Mitropoulos sowie dem Minneapolis Symphony Orchestra, aufgenommen: 30.12.1945
Wenige weitere Funde bei amazon sowie eine Zehnerbox mit dem Interpreten Joseph Szigeti, die ich ebenfalls besitze , führt das Violinkonzert mit Aufnahmejahr 1945 bei praktisch auf die Sekunde gleicher Spieldauer. Dann aber ist das NBC Symphony Orchestra angegeben. Die Aufnahme wurde so von Moderato assai besprochen.
Frage an alle, Frage gewiss auch an Moderato assai: Wo ist da der Fehler? Dass es sich um zwei verschiedene Einspielungen handelt, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Und ich wüsste auch nicht - quasi in sowjetischer Manier -, dass es sich um das gleiche Orchester handelt mit verschieden möglichen Namen. Das geben eigentlich schnelle Recherchen nicht her.
Eine quantitativ begründete Logik besagt einen Fehler in der oben verlinkten Box. Ansonsten muss ich leider sagen, dass Membran mich als Vertrieb so wenig überzeugt wie intensemedia. Aber was soll's: wertvolle alte Aufnahmen, preisgünstig bei passabler Klangqualität.
Irritierend.
:hello Wolfgang
Joe Dvorak (21.04.2025, 07:15): Mein Strömer führt das unter Minneapolis, aber was weiß der schon. Es gibt nur schwache Hinweise darauf, dass neben der NBC-Aufnahme eine Alternative existiert - der Irrtum rührt wohl daher, dass Mitropoulos damals Chef in Minnesota war. Das von mir eigentlich als zuverlässig eingeschätzte Label Music & Arts gibt übrigens als Aufnahmedatum den 11. Dezember an, während sonst allerorts der 30. als Termin der amerikanischen Live-Radiopremiere genannt wird. Egal wer und wann, es ist auf jeden Fall eine fantastische Darbietung.
Moderato assai (21.04.2025, 08:41): Es kommt leider nicht selten vor, dass vor allem Billig-Label heutzutage zur x-ten Verwertung einer Einspielung mangelnde Sorgfalt im Detail walten lassen, z.B. wenn kein Platz mehr auf der Hülle für die Namen verschiedener Orchester ist, schreiben sie eben nur einen hin. Oder den Mitarbeitern in der Redaktion, sofern es eine solche überhaupt gibt, ist es einfach nicht wichtig, welches Orchester da spielt und sie übernehmen ohne eigene kritische Recherche falsche Vorgaben oder rutschen versehentlich in die falsche Zeile. Wenn man ganz sicher sein will, ob es sich um die gleiche Aufnahme handelt bleibt einem eigentlich nur, sie sich eben nochmals zu besorgen und die hörend zu vergleichen.
Das geht jedoch ins Geld und der Erkenntnisgewinn ist eigentlich meist gering.
Eine weitere Möglichkeit ist es nach Erstveröffentlichungen zu suchen. Da böte sich Dicogs an. Leider verschweigen die alten Platten immer das Aufnahmejahr, sodass man sich immer noch nicht ganz sicher sein kann. Wenn die Spieldauern der Sätze angegeben sind, hilft das schon weiter, denn wenn sie weit auseinander liegen, kann es sich nicht um dieselbe Aufnahme handeln. Vorsicht! die Pausen zwischen den Sätzen sind oft verschieden lang und werden meistens mitgemessen. Falls Schlussapplaus vorliegt ist der bei einer Ausgabe dabei, bei der anderen vielleicht nicht. Sind sie gleich oder annähernd gleich kann das ein Hinweis auf eine Gleichheit der Einspielung sein. Ganz sicher kann man immer noch nicht sein, denn Koryphäen wie Szigeti und Mitropoulos kann man zutrauen, dass sie das Stück sekundengenau oder fast sekundengenau zwei Mal oder mehrmals auch an verschiedenen Orten reproduzieren können.
In dem konkreten Fall ist die New Yorker Aufnahme mit dem NBC als Besetzung auf allen alten Platten vermerkt. Sogar bei sowjetischen und griechischen Ausgaben. Eine Aufnahme aus Minneapolis gibt es nur aus der von Wolfgang angegebenen Provenienz. Und dass man sich das Orchester aus Minneapolis einlädt um in New York die amerikanische Live-Radiopremiere zu geben, wo doch ein eigenes bereitsteht, das erscheint extrem unwahrscheinlich.
Man könnte es also ab diesem Punkt auf sich bewenden lassen und den Lorbeerkranz dem NBC umlegen. Und sich wie Joe Dvorak an der fantasischen, wie unter Strom stehenden Darbietung erfreuen.
Andréjo (21.04.2025, 13:59): Danke für Eure Antworten!