Albéniz, Iberia

Zelenka (07.08.2008, 18:51):
"Widmen wir uns nun Isaac Albéniz. Bekannt geworden zunächst als unvergleichlicher Virtuose, verschaffte er sich bald hervorragende Kenntnis in der Kunst des Komponierens. Auch wenn er in keiner Weise Liszt ähnelt, so erinnert doch die Überschwänglichkeit seiner Ideen an letzteren. Albéniz war der erste, der sich die Melancholie in der Harmonik und den eigentümlichen Humor seiner Heimat (er war Katalane) zunutze machte. Obwohl er Volksmusik nicht wörtlich zitiert, ist das Stück doch von jemandem komponiert, der sie einatmete, bis sie in seine Musik überging, ohne dass eine Grenze erkennbar blieb. Nie erreichte Musik so vielfältige, so farbenfreudige Ausprägung. Man schließt die Augen und es schwindelt einen vor lauter Einfallsreichtum der Musik." (Claude Debussy)



Am Rande der Unspielbarkeit: Albéniz' "Iberia"



Isaac Albéniz (1860-1909) hat in diesem Forum schon lange seinen Faden, der allerdings nicht sehr lang geworden ist und dessen Einführungsbeitrag leider auch noch zu allem Überfluß im wesentlichen wortwörtlich aus der deutschen Wikipedia übernommen ist. Albéniz' Hauptwerk, die Suite "Iberia", an der er von 1905 bis 1908 in Frankreich arbeitete, ist wohl neben Granados' "Goyescas" das Großartigste, das Spanien zur Klavierliteratur beigetragen hat, und darf deswegen wohl einen eigenen Faden beanspruchen. Und vielleicht hat Messiaen sogar recht, wenn er meint, die Suite sei das größte Meisterwerk der spanischen Musik überhaupt. "Iberia" ist allein eine Herausforderung, was Technik und Kraft des Ausführenden angeht, das Werk ist vor allem aber geprägt von einem außerordentlichen Einfallsreichtum und von ungeheurer Farbigkeit. Es ist bedauerlich, daß man es in diesen Breiten nicht häufiger im Konzertsaal hört, entweder ganz oder wenigstens in Auszügen. Die Suite scheint die Domäne spanischer und französischer Pianisten zu sein, andere Nationalitäten sind eher spärlich vertreten, wie sich auch anhand der existierenden Aufnahmen zeigen wird. Eine Aufnahme eines deutschen Pianisten habe ich bislang nicht ermitteln können.

Die Suite gliedert sich in vier Hefte:

1. Heft: Evocación, El puerto, El Corpus en Sevilla (Fête-Dieu à Séville)

2. Heft: Rondeña, Almería, Triana

3. Heft: El Albaicín, El polo, Lavapiés

4. Heft: Málaga, Jerez, Eritaña

Außer der einführenden "Evoccación" und "Lavapiés" (Stadtteil von Madrid) beziehen sich alle Stücke auf südspanische Orte. Ohne direkte Anleihen auf die vorhandene Folklore empfindet der Komponist die lokalen Tanzformen nach. (An Details Interessierte seien auf das lesenswerte Booklet zur Hamelin-Einspielung verwiesen, das am Ende des Beitrags unter "Quellen" verlinkt ist.) Neben dem offensichtlichen und unüberhörbaren Einfluß der spanischen Folklore, dem "españolismo" des Werks, sind vielleicht besonders Debussy und die Musik des "Impressionismus" und Liszt als Taufpaten zu nennen. Die Partituren sind von Albéniz ungeheuer detailliert markiert, dem Pianisten werden mörderische Oktaven, Überkreuzspiel, jähe Rhythmuswechsel, Gegenrhythmen und andere Scheußlichkeiten auferlegt. Wiederholt wollte Albéniz zumindest einzelnes als unspielbar zurückziehen.

Meine Aufnahmen setzen erst im Jahre 1945 ein. Von Blanche Selva, der Pianistin der Uraufführungen der einzelnen Hefte, und Albéniz' katalanischem Landsmann Joaquim Malats, für den das Werk eigentlich gedacht war, sind keine einschlägigen Dokumente erhalten. Arthur Rubinstein hat Albéniz immerhin getroffen und später Kontakt zu seiner Familie gehabt. Auf letztere berief er sich auch, wenn er gewohnheitsmäßig in den Text des Komponisten eingriff und ihn vereinfachte. Seine Absicht war vorgeblich ihn von seiner Meinung nach unnötigem Beiwerk zu befreien, tatsächlich ging es wohl darum, die technischen Risiken für ihn selbst zu reduzieren. Der Komponist habe es ähnlich gehalten … Die Zeiten haben sich geändert, Eingriffe in den Text sind verpönt. Was vielleicht heute noch bleibt, ist die Option langsamer zu spielen. Sie scheint bisweilen genutzt zu werden, und mancher Hörer wird sogar Positives darin sehen. Diese Hörer verkennen allerdings, daß eben auch Liszt mit seiner Brillianz zur Suite beigetragen hat …


http://ecx.images-amazon.com/images/I/5116KDHAY3L._SL500_AA240_.jpg

Aufnahmen

Um ganz oben oben zu beginnen und dann bei der kurzen Besprechung der gehörten Versionen abwärts fortzufahren: Seit über vier Jahrzehnten wird die Diskographie der Suite von Alicia de Larrochas drei Aufnahmen (1962, 1972, 1986) beherrscht. Trotz aller Unterschiede im Detail ist sie sich über die Zeit hinweg treu geblieben, wobei der erste Versuch allerdings der beeindruckendste bleibt. Aufnahme- und produktionstechnische Mängel dieser ursprünglichen Hispavox-Einspielung sollten den "Iberia"-Interessierten auf keinen Fall vom Kauf abschrecken. Die unbekümmerte Spielfreude, die Instinktsicherheit, die stupende Fingerfertigkeit, aber eben auch ihre darstellerischen Fähigkeiten bleiben unerreicht. Die beiden späteren Decca-Aufnahmen wirken eine Spur durchdachter, glatter und raffinierter, aber auch weniger spontan. Die erste (analoge) Decca-Version leidet unter klangtechnischen Mängeln, der Klang der digitalen Aufnahme von 1986 ist überaus akzeptabel.

Seit einiger Zeit hat mich die Frage umgetrieben, ob de Larrocha von ihrem Platz ganz oben in der Diskographie verdrängt werden könnte. Um es vorwegzunehmen: Aus meiner Sicht braucht sie sich wohl einstweilen keine Sorgen zu machen. Am gefährlichsten wird ihr vielleicht Orozco mit seinem im Schnitt etwas bedächtigeren, aber hochintensiven und charaktervollen Spiel. Sánchez geht bei aller Schönheit und Sorgfalt seines Spiels die spontane Spielfreude von de Larrocha und Orozco ab. (Über den enttäuschenden Tansfer ist anderswo hier im Forum geschrieben worden.) Hamelin hat natürlich keinerlei Schwierigkeiten mit den Fußangeln und Fallstricken der Partitur, er erreicht allerdings dann doch nicht de Larrocha, was die individuelle Charakterisierung der einzelnen Stücke angeht. Unterschätzt werden sollte seine Aufnahme von großer pianistischer Delikatesse jedenfalls nicht. Über eine ebenfalls stupende Technik (trotz einiger kleiner Versehen im Detail) verfügt der Russe Syomin, dessen Gesamteinspielung wie die von Unwin (Chandos) auf eine einzelne CD paßt. Syomins Hyperintensität kann allerdings zuviel des Guten werden. Block ist zurückhaltender, deswegen aber nicht weniger charaktervoll. Der zeitweilige Larrocha-Schüler Pérez macht sowohl technisch als auch hinsichtlich der sorgfältigen Charakterisierung im einzelnen sehr viel Freude, meist ist er ein wenig langsamer als seine Lehrerin. Für die erste Gesamteinspielung der Suite überhaupt durch den eher eleganten Querol habe ich eine besondere Schwäche. Obwohl zuweilen behauptet wird, Arrau habe "Iberia" in Gänze eingespielt, sind tatsächlich nur die ersten beiden Hefte erschienen. Technisch hat er keine Schwierigkeiten, aber er wirkt (ähnlich wie Ciccolini) farblos, es reicht bei Albéniz eben nicht, ein hervorragender Liszt-Interpret zu sein …

Für weniger empfehlenswert halte ich den etwas akademisch-trockenen Ciccolini, den etwas glatten Jones und die meist einfach zu langsame Torres-Pardo. Ihre Version ist die einzige hier vertretene Live-Aufnahme, und wenn man weiß, daß de Larrocha im Publikum saß, wird man ihren Mut bewundern. Sie hat vier Stücke zusätzlich auch auf Albéniz' Flügel eingespielt. Die bei mir vorhandenen anderen Teilaufnahmen machen einige Freude, insbesondere Tagliaferros "Evoccación" und "Triana".

Querol (1954) EMI Les Rarissimes 094635181425
de Larrocha (1962) EMI Great Recordings of the Century 094636151427
Ciccolini (1966) EMI Gemini 76906
Sánchez (1968-9) Brilliant Classics 92398
de Larrocha (1972) Decca Double Decca Música Espanola, Música para piano III 4339262
Block (1973) EMI 094633613928
Syomin (1980-5) Melodiya MELCD100996
de Larrocha (1986) Decca Originals 4780388
Orozco (1992) Auvidis Valois V4663
Jones (1998) Nimbus NI5595/8
Hamelin (2004) Hyperion CDA67476/7
Torres-Pardo (2004) Glossa GSP98005
Pérez (2006) Verso VRS2045
Evocación, El Puerto, Corpus Christi in Sevilla, Rondena, Almería, Triana: Arrau (1946-7) United Archives UAR008.4
Evocación: Kapell (1945) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568532
Evocación, Triana: Tagliaferro (1960) EMI Les Rarissimes 094635186727
Evocación: Rubinstein (1955) RCA Red Seal Arthur Rubinstein Collection vol. 18 090266301829
Evocación, Triana: Hough (2005) Hyperion CDA67565
Corpus Christi en Sevilla: Orozco (1982) RTVE Grandes Pianistas Espanoles 65237
Evocación, El Puerto, Almería, El Albaicín: Torres-Pardo (2004) Glossa GSP98005


Weitere Gesamtaufnahmen, die ich allesamt nicht gehört habe, gibt es u.a. von Barenboim, Baselga, Baytelman, Billaut, González, Heisser, Kyriakou, Loriod, Muraro, Okada, Peña, Pinzolas, Requejo, Sabater und Unwin. Leider sind einige der interessanteren Aufnahmen vergriffen (Heisser, Pinzolas und Sabater). Die Suite ist erwartungsgemäß auch für die Gitarre eingerichtet worden, sie ist auch wiederholt orchestriert worden, z.B. von Arbós/Surinach und zur Hälfte von Francisco Guerrero, auch Stokowski hat hier Hand angelegt. (Ravel war übrigens sehr an der Orchestrierung der Suite interessiert, mußte aber dem von der Albéniz-Familie beauftragten Arbós den Vortritt lassen und schrieb dann seinen Boléro ...) Die Arbós/Surinach-Version ist in einer sehr empfehlenswerten Einspielung mit dem Cincinnati SO unter López-Cobos bei Telarc zu haben.


Quellen

Henle-Urtextausgabe des 1. Hefts (ed. Norbert Gertsch)

Booklet zu Hamelins Einspielung (Walter Clark) (Hyperion)

Le point sur: Iberia d'Albéniz, Diapason (10/2007)


Gruß, Zelenka
Rachmaninov (07.08.2008, 23:04):
@Zelenka,

zu dieser späten Stunde kann ich nicht viel mehr als meine Freude zum ausdruck bringen, dass du so freundlich warst diesem wunderbaren Werk einen Thread zu widmen. :down

Sobald ich in der Lage bin werde ich hier meine Kommentare abgeben
Jürgen (08.08.2008, 11:25):
Ich stelle gerade fest, dass ich nur eine Bearbeitung für Gitarren-Trio kenne. Ausserdem sind es nur drei Stücke aus den Suiten.

Iberia, de Lucia/Bandera/Cañizares 1991

http://ecx.images-amazon.com/images/I/413lfZxDZhL._SL500_AA240_.jpg

Es macht neugierig.

Grüße
Jürgen
Cosima (09.08.2008, 13:34):
Lieber Zelenka,

ein interessanter Artikel zu „Iberia“! - Ich muss allerdings gleich sagen, dass mir dieses Werk nicht so sehr am Herzen liegt. Deshalb besitze ich auch nur die Gesamtaufnahmen von Esteban Sánchez und Marc-André Hamelin, die ich beide – trotzdem sie recht unterschiedlich sind – für sehr gut halte.

In einem Interview in der Piano News (06/2006) spricht Hamelin u.a. über dieses Albéniz-Werk. Er berichtet, dass er 2001 den kompletten Zyklus erstmalig aufführte. Bei diesem Recital in Saratoga lernte er eine Pianistin kennen, die ihn auf die Existenz einer Urtextausgabe und eines Faksimiles aufmerksam machte, die in Spanien von Schott herausgegeben wurden. Mit diesen beiden Ausgaben erarbeitete sich Hamelin den gesamten Zyklus erneut, wohl wissend, dass er sich auf Material stützen konnte, das den Vorstellungen von Albéniz sehr nahe kommt. Er sagt:

„Bis dahin hatten alle Pianisten eine Erstausgabe benützt, die in Frankreich erschienen ist, nämlich die „Edition Mutuell“, und diese wimmelte, wie auch alle folgenden Nachdrucke, von Fehlern und Auslassungen. Es war fantastisch, zum ersten Mal zu sehen, was Albéniz wirklich notiert hatte, wahrhaftig eine Offenbarung. Fast auf jeder Seite findet man neue Dinge und natürlich sehr viele Korrekturen. Sogar in den Aufnahmen von Alicia de Larrocha finden sich Irrtümer, da sie keine Gelegenheit hatte, das Manuskript zu sehen. Mit anderen Worten, es gibt ein paar Stellen, die sie und andere Pianisten einfach nicht korrekt wiedergegeben haben.“

Gruß, Cosima
satie (09.08.2008, 14:14):
Lieber Zelenka,
herzlichen Dank für diesen Thread auch von mir! Allerdings muss ich gestehen, dass ich das Werk zuletzt vor mehr als 15 Jahren gehört habe, als ich selber eine Albeniz-Spielphase hatte. Mich hat damals das Werk sehr beeindruckt, mir war es aber zu schwer, um mich wirklich ans Üben zu wagen.
Ich habe, was die Aufnahmen betriffteinerlei Vergleichsmöglichkeiten; damals besaß ich eine Gesamtaufnahme mit Larrocha (etwas anderes war im Laden kaum zu bekommen, zumindest sicherlich nicht mit Empfehlung). Tatsächlich ist mir die Aufnahme in bester Erinnerung geblieben. Allerdings war das eine Schallplattenbox, die noch die Suite Espagnole (die ich damals spielte) und weiteres (?) enthielt, wenn ich mich recht erinnere. Ich besitze sie nicht mehr, weil mein Plattenspieler eines Tages über den Jordan ging und mit ihm dann auch endgültig meine Schallplatten, die sowieso wenige an der Zahl waren.
Später hatte ich mich an diesen spanischen Koloritkompositionen ziemlich sattgehört, was allerdings eher an Granados liegt, der meiner Meinung nach der weit schwächere Komponist ist als Albeniz... Durch diesen Thread allerdings, wie so oft schon, wurde jetzt auch bei mir wieder das Interesse geweckt. Daher bin ich auf Empfehlungen sehr gespannt!

Herzlich,
S A T I E
Zelenka (09.08.2008, 14:55):
Liebe Cosima:

Herzlichen Dank für Deine Ergänzungen! Eine konkurrierende Urtextausgabe habe ich in meinem Beitrag genannt (die von Henle), allerdings sind von ihr bislang nur die ersten beiden Hefte erschienen. Problematisch sind wohl die späten Revisionen des Komponisten, die in den Drucken nicht immer berücksichtigt sind, etc. Für die Herausgeber bleibt jedenfalls einiges zu tun. Und Hamelin ist sicher ein Mann, der nicht blind den gedruckten Partituren vertraut ... Recht so!

Gruß, Zelenka
Zelenka (09.08.2008, 15:05):
Lieber Satie:

Ich nehme an, Du hattest die Decca-Aufnahmen auf LP.

Natürlich muß ich Verständnis dafür haben, daß man sich an spanischer Musik satthören kann. Ich selbst weiß bis heute nicht, warum ich vor langer Zeit dem "españolismo" verfallen bin - ohne damals je in Spanien gewesen zu sein. Ich gehe jedenfalls nicht davon aus, daß ich in einem Vorleben Spanier war. - An einen Granados-Faden werde ich mich wohl besser nicht wagen ...

Gruß, Zelenka
Amadé (10.08.2008, 18:34):
Lieber Zelenka,

meine Albeniz-Diskothek ist ziemlich schmal, Iberia in der Gesamtaufnahme ist nur einmal vertreten, in Larrochas 2.Aufnahme, von Dir im Vergleich zu den anderen als etwas schwächer eingestuft. Außerdem gibt es noch die beiden ersten Hefte mit Arrau sowie das Eröffnungsstück Evocación mit Kapell.
Evacación habe ich soeben einem Vergleich unterzogen, allerdings ohne Noten, die mir auch fehlen.

Hier meine Eindrücke:
Larrocha: hört sich so an, als hätte sie das Stück für sich allein oder in einem kleinen Salon gespielt. Die Musik klingt ruhig, in sich ruhend (6'02)

Arrau: mit Intensität gespielt, die ich bei Alicia nicht ausmachen konnte. Musik glüht stellenweise von innen, vor allem am Anfang. Im Gegensatz zur Dir finde ich sie in diesem Stück nicht farblos gespielt (5'51)

Kapell: spielt für Publikum. Sein Vortrag ist nervös, rhythmisch und macht klar, dass dem Stück ein Tanz (Fandanguillo) zugrunde liegt (4'17)

Meine Reihenfolge hier: Kapell - Arrau - Larrocha

Grüße Amadé
Cosima (10.08.2008, 18:40):
Lieber Amadé,

Kapell? Gibt es eine GA? Ich habe nur „Evocación“ auf RCA mit ihm. (Nachtrag: Ach entschuldige, das hast Du ja auch so geschrieben.)
Und Arrau? Da kenne ich nur Livre 1, 2 auf United Archives. Gibt es da auch noch mehr? Wo denn?

Gruß, Cosima

P.S.: Sorry, ich hatte falsch gelesen - Du hast Dich ja auf „Evocación“ bezogen. Ich habe nur Arrau und Kapell gelesen und war gleich Feuer und Flamme. :wink
Amadé (10.08.2008, 18:45):
Original von Cosima
Kapell? Gibt es eine GA? Ich habe nur „Evocación“ auf RCA mit ihm.
Und Arrau? Da kenne ich nur Livre 1, 2 auf United Archives. Gibt es da auch noch mehr? Wo denn?


Liebe Cosima,
wie Zelenka schon weiter oben beschrieb, hat Arra nur die beiden ersten Bände eingespielt und Kapell nur Evocación. Echt schade!

Gruß Amadé
Cosima (10.08.2008, 18:47):
Original von Amadé
wie Zelenka schon weiter oben beschrieb, hat Arra nur die beiden ersten Bände eingespielt und Kapell nur Evocación. Echt schade!


Ja, die habe ich auch, aber schon lange nicht mehr gehört. Das werde ich nun unbedingt einmal nachholen - auch im Vergleich von Evocación. Eine gute Anregung von Dir!

Gruß, Cosima
Zelenka (10.08.2008, 18:48):
Lieber Amadé:

Ich fürchte, ich werde mich bei aller Wertschätzung des Pianisten mit Arraus zwei "Iberia"-Heften nicht recht anfreunden können. Kapell macht allerdings in der Tat sehr viel Freude, es ist schade, daß es wohl nicht mehr Albéniz von ihm gibt. Auch von Tagliaferro würde ich gerne mehr "Iberia" hören.

Gruß, Zelenka
Gamaheh (10.08.2008, 20:44):
Lieber Zelenka,

herzlichen Dank für diese informative Einführung in ein Werk, von dem ich so gut wie gar nichts weiß. Ich habe lediglich eine Aufhahme von Alicia de Larrocha, die ich gerade nochmal gehört habe. Die kann ich zwar gelegentlich sehr gut hören, aber ich kann mich nicht darüber ereifern ...

Im letzten Jahr (glaube ich) habe ich mal Auszüge daraus im Konzert gehört, von einem französischen Pianisten namens Hervé Billaut, der das Werk auch eingespielt hat:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/414KXBNHP3L._SL500_AA240_.jpg

Das hat allerdings offenbar bei mir keine bleibenden Eindrücke hinterlassen, denn mehr als just das kann ich dazu leider nicht mehr sagen ...

Grüße,
Gamaheh
Cosima (10.08.2008, 21:59):
Lieber Zelenka,

zu „Evocación“: Dem Hamelin-Booklet (W. Clark) entnehme ich, dass es um eine zutiefst verinnerlichte Stimmung geht…

…„die das Stück durchdringt, während Albéniz seine Heimat aus zeitlicher und räumlicher Ferne, durch einen Schleier von Erinnerung und Nostalgie, betrachtet. So scheint diese „Evocación“ (im Manuskript „Prélude“ genannt) das gesamte Land in einer allumfassenden musikalischen Geste zu umarmen.“

Daraufhin habe ich mir meine Aufnahmen nun noch einmal alle angehört. (Eigentlich ist das doch sehr schöne Musik!) Ich würde sie in diese Reihenfolge bringen wollen:

Sánchez (5’28)
Hamelin (6’23)
Kapell (4’22)
Arrau (5’51)

Sánchez’ sehr farbiges und rhythmisches Spiel gefällt mir am besten. Bei Hamelin ist der Schleier der Erinnerung dichter bzw. er betont etwas stärker die verinnerlichte, melancholische Seite – gefällt mir aber auch sehr gut! Die „musikalische Umarmung“ hörbar zu machen, gelingt Sánchez besser, vielleicht weil er diesen Nationalstolz tatsächlich fühlt (?).

Kapell und Arrau finde ich beide nicht so gut gelungen.

Gruß, Cosima
Zelenka (11.08.2008, 16:45):
Original von Gamaheh
Lieber Zelenka,

herzlichen Dank für diese informative Einführung in ein Werk, von dem ich so gut wie gar nichts weiß. Ich habe lediglich eine Aufhahme von Alicia de Larrocha, die ich gerade nochmal gehört habe. Die kann ich zwar gelegentlich sehr gut hören, aber ich kann mich nicht darüber ereifern ...

Im letzten Jahr (glaube ich) habe ich mal Auszüge daraus im Konzert gehört, von einem französischen Pianisten namens Hervé Billaut, der das Werk auch eingespielt hat:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/414KXBNHP3L._SL500_AA240_.jpg

Das hat allerdings offenbar bei mir keine bleibenden Eindrücke hinterlassen, denn mehr als just das kann ich dazu leider nicht mehr sagen ...

Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh:

Herzlichen Dank fü Deine Anmerkungen! Billaut ( :D Lyrinx) hatte ich oben unter den von mir ungehörten Gesamtaufnahmen aufgezählt. Er soll recht gut sein ... Lyrinx ist wiederum recht teuer ... Ich nutze die Gelegenheit und bringe einen weiteren Namen ins Spiel, den von Olivier Chauzu, dessen "Iberia"-Aufnahme (Calliope) im letzten Jahr einen "Diapason découverte" bekam. Ich habe nur sein "Triana" gehört, er scheint eher ein Poet und Kolorist als ein wilder Virtuose zu sein.

Gruß, Zelenka
Zelenka (11.08.2008, 16:57):
Original von Cosima
Lieber Zelenka,

zu „Evocación“: Dem Hamelin-Booklet (W. Clark) entnehme ich, dass es um eine zutiefst verinnerlichte Stimmung geht…

…„die das Stück durchdringt, während Albéniz seine Heimat aus zeitlicher und räumlicher Ferne, durch einen Schleier von Erinnerung und Nostalgie, betrachtet. So scheint diese „Evocación“ (im Manuskript „Prélude“ genannt) das gesamte Land in einer allumfassenden musikalischen Geste zu umarmen.“

Daraufhin habe ich mir meine Aufnahmen nun noch einmal alle angehört. (Eigentlich ist das doch sehr schöne Musik!) Ich würde sie in diese Reihenfolge bringen wollen:

Sánchez (5’28)
Hamelin (6’23)
Kapell (4’22)
Arrau (5’51)

Sánchez’ sehr farbiges und rhythmisches Spiel gefällt mir am besten. Bei Hamelin ist der Schleier der Erinnerung dichter bzw. er betont etwas stärker die verinnerlichte, melancholische Seite – gefällt mir aber auch sehr gut! Die „musikalische Umarmung“ hörbar zu machen, gelingt Sánchez besser, vielleicht weil er diesen Nationalstolz tatsächlich fühlt (?).

Kapell und Arrau finde ich beide nicht so gut gelungen.

Gruß, Cosima

Liebe Cosima:

Herzlichen Dank für die Ergebnisse Deines Vergleichshörens! (Im Prinzip müßte man alle "Iberia"-Stücke einzeln vergleichen ...) Um Kapell und Arrau beiseite zu lassen: Sánchez und Hamelin haben sicher abweichende Auffassungen, wie das Eingangsstück zu interpretieren ist. (Hamelin spielt sicher nicht langsamer, weil er es nicht schneller kann ...) Mir scheinen beide Wege gangbar zu sein, Sanchez' Interpretation muß nicht unbedingt die patriotische sein.

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (11.08.2008, 16:58):
Eben hörte ich nochmals die erste CD aus der Hamlin Aufnahme.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571174761.jpg

Die Aufnahme besitze ich schon längere Zeit und fand meine bisherige Meinung bestätigt.
Mögen Hamelin entsprechende Unterlagen vorliegen wie es Cosima weiter oben geschrieben hat, es fehlt mir aber etwas an dieser Aufnahme.
Hamelin spielt (natürlich?) tchnisch auf höchstem Niveau und gestalltet nach belieben und spielt sicherlich nach seinen Vorstellungen.
Mir fehlt aber etwas, etwas was nicht in den Noten steht, etwas was man nicht notieren kann, die Liebe zur Halbinsel, das Verständnis und das Bild der Landschaft und Menschen vor Augen und eine Umsetzung in Musik.
Das fällt mir immer wieder bei dieser Aufnahme auf.
Hier fehlt die Kultur, Mentalität der Menschen, die Hitze, das Schroffe mancher Landstriche.... hier fehlt der Charakter Iberias....
Zelenka (11.08.2008, 19:47):
Original von Rachmaninov
Eben hörte ich nochmals die erste CD aus der Hamlin Aufnahme.


Die Aufnahme besitze ich schon längere Zeit und fand meine bisherige Meinung bestätigt.
Mögen Hamelin entsprechende Unterlagen vorliegen wie es Cosima weiter oben geschrieben hat, es fehlt mir aber etwas an dieser Aufnahme.
Hamelin spielt (natürlich?) tchnisch auf höchstem Niveau und gestalltet nach belieben und spielt sicherlich nach seinen Vorstellungen.
Mir fehlt aber etwas, etwas was nicht in den Noten steht, etwas was man nicht notieren kann, die Liebe zur Halbinsel, das Verständnis und das Bild der Landschaft und Menschen vor Augen und eine Umsetzung in Musik.
Das fällt mir immer wieder bei dieser Aufnahme auf.
Hier fehlt die Kultur, Mentalität der Menschen, die Hitze, das Schroffe mancher Landstriche.... hier fehlt der Charakter Iberias....

Lieber Rachmaninov:

Das bei Hamelin vielleicht Fehlende scheint begrifflich nur sehr schwer festzunageln sein ... Aber es ist ja nicht schlimm, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, im Gegenteil! Hier sind noch zwei positive:

'Marc-André Hamelin's all attest to a virtuoso technique and an inquiring musical mind second to none on today's concert, recital, and recording platforms. He brings no less in artistic commitment to Albéniz and to this kaleidoscopically colourful music. Strongly recommended' (Fanfare, USA)

'Marc-André Hamelin has a wonderful feel for this music. He has a rhythmic play and sense of chord-balancing that enriches the textures. His most beautiful and lyrical playing occurs in the languid, intimate passages, where one is carried away from the everyday' (American Record Guide)

Gruß, Zelenka
Gamaheh (11.08.2008, 20:31):
Original von Zelenka
Ich nutze die Gelegenheit und bringe einen weiteren Namen ins Spiel, den von Olivier Chauzu, dessen "Iberia"-Aufnahme (Calliope) im letzten Jahr einen "Diapason découverte" bekam. Ich habe nur sein "Triana" gehört, er scheint eher ein Poet und Kolorist als ein wilder Virtuose zu sein.

Lieber Zelenka,

Du kannst hier "Al Albaicin" von Olivier Chauzu in Gänze hören. Verglichen mit der einzigen anderen Aufnahme, die ich kenne (Alicia de Larrocha) wirkt das alles auf mich sehr viel weniger kultiviert, sehr rauh und so, als würden hinter jedem groben Felsen in einer kargen, unerbittlichen Landschaft ungeahnte Gefahren lauern.

Chauzu ist meinem Eindruck nach jemand, der überall höchstes Drama und finsterste Abgründe wittert (und im übrigen der Meinung ist, daß der Komponist am wenigsten über seine Werke weiß).

Grüße,
Gamaheh
Rachmaninov (12.08.2008, 08:56):
Original von Zelenka
Original von Rachmaninov
Eben hörte ich nochmals die erste CD aus der Hamlin Aufnahme.


Die Aufnahme besitze ich schon längere Zeit und fand meine bisherige Meinung bestätigt.
Mögen Hamelin entsprechende Unterlagen vorliegen wie es Cosima weiter oben geschrieben hat, es fehlt mir aber etwas an dieser Aufnahme.
Hamelin spielt (natürlich?) tchnisch auf höchstem Niveau und gestalltet nach belieben und spielt sicherlich nach seinen Vorstellungen.
Mir fehlt aber etwas, etwas was nicht in den Noten steht, etwas was man nicht notieren kann, die Liebe zur Halbinsel, das Verständnis und das Bild der Landschaft und Menschen vor Augen und eine Umsetzung in Musik.
Das fällt mir immer wieder bei dieser Aufnahme auf.
Hier fehlt die Kultur, Mentalität der Menschen, die Hitze, das Schroffe mancher Landstriche.... hier fehlt der Charakter Iberias....

Lieber Rachmaninov:

Das bei Hamelin vielleicht Fehlende scheint begrifflich nur sehr schwer festzunageln sein ... Aber es ist ja nicht schlimm, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, im Gegenteil! Hier sind noch zwei positive:

'Marc-André Hamelin's all attest to a virtuoso technique and an inquiring musical mind second to none on today's concert, recital, and recording platforms. He brings no less in artistic commitment to Albéniz and to this kaleidoscopically colourful music. Strongly recommended' (Fanfare, USA)

'Marc-André Hamelin has a wonderful feel for this music. He has a rhythmic play and sense of chord-balancing that enriches the textures. His most beautiful and lyrical playing occurs in the languid, intimate passages, where one is carried away from the everyday' (American Record Guide)

Gruß, Zelenka

@Zelenka,
da sieht man wieder das viel wichtiger als die technischen Belange der emotionale Zugang entscheidet. Und das wirkt das Spiel eines Pianisten auf jeden anders. Wohl weil jeder anders hört und aufgrund seine Persönlichkeit anders empfindet.
Ehrlich gesagt wundert es mich nicht das die amerikanischen Stimmen sehr positiv sind, frage mich aber dann schon ob einer dieser Personen Spanien besser kennen als von ein paar Fotografien.

Wie auch immer, mich begeistern aus rein emotionaler Sicht andere Aufnahmen mehr. Später mehr dazu...
ab (12.08.2008, 13:49):
Albéniz Iberia gehört für mich zu den ganz großen Musikwerken der Klavierliteratur, das mich beim jedem erneuten Anhören zu überwältigen versteht. Seltsamerweise habe ich allerdings nicht das Bedürfnis verspürt, wie etwa bei Bach, Beethoven, Debussy oder Scriabin, mir eine Großzahl von verschiedenen Interpretationen zuzulegen.

Womöglich hat das auch damit zu tun, dass mir das Werk (das mir zunächst durch de Larrochas Double-Decca-Ausgabe von 1971 in Händen gefallen ist, auf der ich mir lieber die Goyescas angehört habe) hinreichend gut in der Interpretation von Esteban Sánchez (Ensayo) gefällt, den ich gleich nach Wiederveröffentlichung als Urlaubsmitbringsel aus Barcelona mitgebracht und geschenkt bekommenen hatte. Sein glutvolles, rhythmisches Spiel und die überwältigte Färbigkeit sowie insbesondere sei höchst polyphones Spiel kommt meinen Geschmack ausnehmend entgegen.
Zelenka benennt es so, dass Sánchez „die spontane Spielfreude“ etwas abgehe. Mir scheint auch, dass ihm die agogische Raffinesse abgeht, abwechslungsreiche Liniengestaltung und überraschende Wendungen zu gestalten. Dafür aber ist etwas anderes gewonnen: Durch das Gleichmaß erreicht er nämlich das, was ich auch bei Uchidas Mozart-Sonaten so schätze: Gleichsam einen psychedelischen Sog. Langweilig wird mir sein Spiel trotz der weniger interessanten Agogik jedenfalls nie: Jeden Ton empfinde ich als musikalisch tief empfunden. Sánchez macht Musik und spielt nicht bloß Noten. Auch jene Stellen, an denen er technisch an seine Grenze kommt, wirken nie so, als lägen hier Grenzen vor.

Inzwischen habe ich drei weitere Aufnahmen zuhause, zunächst die von Orozco (1992), dann die von Kyriakou (1971) sowie die erste von de Larrochas drei Aufnahmen (EMI, 1962). Alle drei konnte ich mir aber noch nicht so intensiv zu Gemüte führen, dass ich ein bestimmteres Urteil fällen könnte.

Intuitiv würde ich aber bereits jetzt sagen, dass mir die Griechin Kyriakou am besten zu gefallen scheint: Sie vereint die Sánchez’schen Tugenden mit stupenden pianistischen Fähigkeiten subtiler Differenzierungen von Rhythmik, Dynamik und Anschlagarten sowie einer interessanten Liniengestaltung: höchster „spontaner Spielfreude“. Mir wäre bislang keine einzige Stellen aufgefallen, an denen mir auch nur ein Verdacht aufgekommen wäre, sie komme an technische Grenzen heran. Im Gegenteil: Gerade die schwierigsten Passagen spielt sie mit solcher zunehmenden – fast wollte ich sagen: kindlichen – Spielfreude, dass es verblüffend ist. Die Klangfärbigkeit betreffend erzeugt sie ein warmes, leuchtendes Licht, für das es nahe liegt, so etwas wie den geläufigen Terminus „nordisch“ für Skandinavier im Sinne von „mediteran“ zu adaptieren: So, als wäre die Aufnahme eines griechenländischen Sommermorgen entstanden, noch bevor die Hitze beginnt.

Hier noch andere Worte von mir.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EO8k3eFiL._SL500_AA240_.jpg
Rachmaninov (01.09.2008, 18:30):
Die Aufnahme von Luis Fernando Perez war in eine der Piano News Ausgaben des Jahres 2008 die CD des Doppelmonats.
Daraufhin kaufte ich mir diese Aufnahme.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/8436009800457.jpg

Ich muss Zelenka zustimmen. Er schrieb im Thread "heute gehört", daß des Yamaha Flügel nicht sonderlich klangschön rüber kommt bei dieser Aufnahme. Dies ist richtig.

Dennoch habe ich, nach einer gewissen Einhörphase, gerade mit dieser Aufnahme das Werk in bestimmten Art für mich entdeckt.

Mit Perez wandert man in gewisser Weise durch die iberische Halbinsel. Er lädt ein zum entdecken der Landschaft, der Menschen. Dies klingt, wohl auch durch den Yamaha Flügel, hier und da etwas "spräde", aber so ist die Halbinsel ja nun auch, mit ihren teilweise kargen, trockenen Landstrichen.

Gerade dort wo man Schwierigkeiten erwartet wirkt dies alles für mein Ohr stimmig, gar befreit.
Jedes Werk hat seine eigene Stimmung, und diese lotet Perez aus...


Es ist hörbar, daß Perez seinen eigenen Zugang zum Werk findet und diesen auch umsetzt, gerade dies begeistert mich an dieser Aufnahme.

Interpretation: :times10
HenningKolf (02.11.2008, 09:07):
Liebe Forengemeinde,

die letzten Monate, nachdem hier - jedenfalls zeitweise - das Albéniz-Fieber ausgebrochen war, habe ich mich recht intensiv mit dem mir vorher unbekannten Werk auseinandergesetzt. Mittlerweile zähle ich "Iberia" zu meinen Lieblingsklavierwerken.

Ich besitze die Brilliant-CDs mit Sanchez, die ich sehr schätze und die zeitlich mittlere Einspielung mit Larrocha, an deren Spiel ich nichts auszusetzenn habe. Leider ist der Klang Decca-untypisch recht "hart" und wird - jedenfalls von mir - sehr schnell als ermüdend empfunden. Da Zelenka die mittlere Larrocha-Einspielung als die am wenigsten gute bezeichnet hat, habe ich wohl keinen großen Glücksgriff getan (es war halt doch nicht grundlos die Aufnahme, die am billigsten zu bekommen war)

Als Dateidownload (MP3) habe ich die Aufnahme mit Pérez, die Rachmaninov sehr lobt. Ich kann mich dem Lob anschließen, habe auch keine Probleme mit dem Yamaha-Flügel (wenn doch nur Larrocha so klingen würde......)

Mein Favorit ist allerdings der Dateidownload der Einspielung mit Chauzu. Schreibfaul wie ich zur Zeit bin zitiere ich mich mal selbst

Original von HenningKolf
https://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881885121.jpg

Sagt man nicht über Celibidaches Dirigate, die Musik fließe teilweise so zögerlich, dass man meinte, die Zeit stände still? Manch einer langweilt sich dabei, manch einer meint, es seien halt die wirklich großen Momente in denen die Zeit stillzustehen scheint.

Ähnlich polarisierend wirkt sicherlich auch diese Aufnahme. Ich glaube dass die wenigsten sagen würden, es sei eine durchschnittliche Aufnahme, sondern eher entweder zu Begeisterung oder völliger Ablehnung neigen würden. Ich neige eher dazu, diese Einspielung als hervorragend einzuschätzen, weil sie mich tief zu berühren vermag, mehr als andere. Aber ich muss dafür in der richtigen "Stimmung" sein und Muße für die völlige Konzentration haben.

Aber ich gehöre ja auch zu denen, die sich von Celibidache gefangen nehmen lassen können.

:hello

Chauzu "funktioniert" bei mir aber nur, wenn ich mich mit Kopfhörer und geschlossenen Augen vollkommen "darauf einlasse"

Gruß
Henning
thwinter12 (26.11.2008, 19:51):
Original von Rachmaninov
http://ecx.images-amazon.com/images/I/516W9QFNNWL._SS500_.jpg

Hallo allen,

erst gestern hörte Richard wieder die Iberia-Gesamteinspielung von Esteban Sánchez auf Brilliant (inkl. weiterer Klavierwerke von Albeniz).
Es gibt nun die o.a. 3CD-Brilliant-Box, aber auch eine Doppel-CD und 2 Einzel-CDs direkt von Ensayo:



(Bei der Iberia-Aufnahme lass ich sogar den Zusatz „Mono“? Kann das sein?)

Welche Vorzüge hätte es die "Originale" zu kaufen? Hat jemand von Euch bei der Sánchez-Einspielung tiefer in die Geldbörse gegriffen und sich die Ensayo-CDs zugelegt? Ich fand hier im Forum einen vergangenen Hinweis von korngold, dass bei Brilliant für die Überspielung „nur“ Schallplatten verwendet wurden!? Kommen die „Ensayo-Original-CDs“ zumindest vom Mastertape? ?(

Für mich ist klar, dass ich mit Sánchez so oder so einen Top-Interpreten der besprochenen Werke kaufe, aber ich möchte auch ein Optimum an Klangqualität haben und falls bei der Brilliant-Box (gravierende!?) klangliche Einbußen zu verzeichnen sind, überlege ich wirklich mehr auszugeben! :ignore Wie sind auch dazu Eure Meinungen?

Servas,
Thomas
Rachmaninov (26.11.2008, 19:58):
Original von thwinter12
Hallo allen,

erst gestern hörte Richard wieder die Iberia-Gesamteinspielung von Esteban Sánchez auf Brilliant (inkl. weiterer Klavierwerke von Albeniz).
Es gibt nun die o.a. 3CD-Brilliant-Box, aber auch eine Doppel-CD und 2 Einzel-CDs direkt von Ensayo:



(Bei der Iberia-Aufnahme lass ich sogar den Zusatz „Mono“? Kann das sein?)

Welche Vorzüge hätte es die "Originale" zu kaufen? Hat jemand von Euch bei der Sánchez-Einspielung tiefer in die Geldbörse gegriffen und sich die Ensayo-CDs zugelegt? Ich fand hier im Forum einen vergangenen Hinweis von korngold, dass bei Brilliant für die Überspielung „nur“ Schallplatten verwendet wurden!? Kommen die „Ensayo-Original-CDs“ zumindest vom Mastertape? ?(

Für mich ist klar, dass ich mit Sánchez so oder so einen Top-Interpreten der besprochenen Werke kaufe, aber ich möchte auch ein Optimum an Klangqualität haben und falls bei der Brilliant-Box (gravierende!?) klangliche Einbußen zu verzeichnen sind, überlege ich wirklich mehr auszugeben! :ignore Wie sind auch dazu Eure Meinungen?

Servas,
Thomas

Thomas,

LEIDER kann ich Dir hier nicht helfen was den Vergleich zu den Originalaufnahmen von Ensayo angeht.

Ich besitze 2 Aufnahmen mit Sanchez von Ensayo direkt, die gut sind, aber jetzt auch keine Offenbarung was den Klang angeht.

An welcher Stelle hast Du den Hinweis MONO gelesen?
thwinter12 (26.11.2008, 20:06):
Hallo Richard,
Original von Rachmaninov
An welcher Stelle hast Du den Hinweis MONO gelesen?Das war bei JPC, da stand bei der Iberia-Doppel-CD "ADD/m, 68". Kannst Du das bei Deiner Brilliant-Überspielung nicht bestätigen?

Servas,
Thomas
Rachmaninov (26.11.2008, 20:10):
Original von thwinter12
Hallo Richard,
Original von Rachmaninov
An welcher Stelle hast Du den Hinweis MONO gelesen?Das war bei JPC, da stand bei der Iberia-Doppel-CD "ADD/m, 68". Kannst Du das bei Deiner Brilliant-Überspielung nicht bestätigen?

Servas,
Thomas

Aslo, auf der Rückseite der Brilliant steht:

1968-1974 ADD STEMRA

Auf der HP von brilliant lese ich auch nichts über MONO
thwinter12 (05.12.2008, 23:51):
Original von ab
Original von thwinter12
gerade bei mir gelaufen: „Jérez“ das 2. Stück aus dem 4. Buch von Isaac Albéniz‘ „Iberia“ in einer „Hardcore-Session“: :cool
1986: Larrocha, Klavier (Decca)
1993: Heisser, Klavier (Erato)
1996: Breiner, Orchester (Naxos)
1997: López-Cobos, Orchester (Telarc)
1997: González, Klavier (Naxos)
2000: Trio Campanella, 3 Gitarren (Naxos)

bitte berichte doch gelegentlich im passenden Faden von den bearbeiteten Fassungen, danke!
Hallo ab + Hallo allen,

das o.a. Zitat stammt aus Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2008? vom 30.11.2008 und ich komme abs Bitte nur allzu gerne nach, da der besprochene (Klavier)Zyklus einen Ehrenplatz in meinen CD-Regalen (und Ohren!) besitzt. Melodienreichtum und Rhythmus lassen mich schon über Jahre hinweg nicht mehr los. Ich lüge nicht, wenn ich behaupte, dass „Iberia“ zumindest einmal jedes Monat von mir gehört wird! :down

Natürlich beginnt man sich mit der Zeit auch für Bearbeitungen eines solch’ bedeutenden Werks der Klavierliteratur zu interessieren. Diese – mir bekannten - Fassungen möchte ich versuchen vorzustellen und beginne mit den Einspielungen für Orchester, denn gerade ein solches Werk wie „Iberia“ scheint für diese Instrumentierung wie geschaffen zu sein:




Isaac Albéniz
„Iberia (Complete) – Orchestrations by Arbós and Surinach“
Cincinnati Symphony Orchestra, Jesús López-Cobos 1997
Telarc 1998

Auf 2 CDs befinden sich die „Urfassungen“ für Orchester von Enrique Fernández Arbós und Carlos Surinach (vollendet 1956).




Isaac Albéniz
„Iberia (orch. Arbós), Navarra (orch. Arbós) & Suite espanola (orch. De Burgos)“
The State of Mexico Symphony Orchestra, Enrique Bátiz 1993
ASV 1994

Auf Amazon (Deutschland) gibt es derzeit eine wirklich "sehr gut recherchierte" Rezension zu dieser CD: Ich habe heute bei WDR3 Resonanzen Asturias dieser CD gehört. Nachdem ich ich die Hörbeispiele bei Amazon gehört habe, war ich so fasziniert, dass ich die CD einfach haben muss.
Gute dynamik und sehr gute Umsetzung der Gitarrenstücke für Orchester. :ignore :J




Isaac Albéniz
„Iberia (orchestrated by Peter Breiner“
Moscow Symphony Orchestra, Igor Golovschin 1996
Naxos 2001

Gefundene Rezensionen: Klassik-Heute


Mein Fazit: Auf die Breiner-Fassung könnte ich verzichten (Gründe siehe Klassik-Heute). Mit Bátiz und López-Cobos erhält man erstklassige Umsetzungen der "Original-"Orchesterfassungen, wobei sicherlich López-Cobos mit der Gesamteinspielung zu bevorzugen ist! Allerdings enthält die Bátiz-CD auch die Orchesterfassung der „Suite espanola“ – es ist nicht einfach sich zu entscheiden und daher empfehle ich Euch gleich beide zu kaufen!

Vor allem die „Suite espanola“ erfreut sich in letzter Zeit bei mir steigender Beliebtheit. Das geht schon soweit, dass ich sie zweitweise „Iberia“ vorziehe, da mir hier die Melodien und Rhythmen noch besser gefallen. Hört auch mal in dieses Werk von Albéniz hinein… :hello

Servas,
Thomas
thwinter12 (05.12.2008, 23:55):
Hallo allen,

ach ja - und als Draufgabe noch diese gelungene Bearbeitung für 3(!) Gitarren:



Isaac Albéniz
„Iberia (arranged for three guitars by Christophe Dejour“
Trio Campanella 2000
Naxos 2003

Gefundene Rezensionen: Klassik-Heute

Kennt jemand von Euch auch die vorgestellten CD’s bzw. noch andere Bearbeitungen von „Iberia“? ?(

Servas,
Thomas
teleton (06.12.2008, 13:37):
Hallo THwinter,

eigendlich gehört es hier nicht rein, da hier Klaviermusik behandelt wird.
Aber ich kenne nur die Orchesterfassungen komplett.

Ich habe die beiden CD´s der Orchesterfassungen von IBERIA, die Du abgebildet hast, die ASV-CD mit Enrique Batiz, die absolut Super ist
und die schwache Naxos-CD in der Breiner-Fassung, die mich nicht anspricht. Diese hatte ich gekauft um Iberia komplett zu haben
leider ein relativer Reinfall.

Ich denke um die Originale Klavierfassung komme ich nicht herum.
Anregung zur zu wählenden Aufnahme finde ich ja hier in diesem Thread genug - Danke !

Ich habe nur die hervorragende Albenitz CD
Complete Piano Works Vol.II mit Miguel Baslega (BIS, 1999, DDD)Hier ist nur von Iberia (Second Book) vorhanden; das sind drei Stücke, die 21:07 dauern.
Da muß ich auch die VOl.I kaufen.

Espana habe ich komplett mit Esteban Sanchez (ENAYO, 1997, DDD)
Florestan (06.06.2013, 19:12):
Zu diesem Thema ist zwar schon lange nichts mehr geschrieben worden, aber da ich erst seit kurzem dabei bin möchte ich gerne zu einem so wichtigen Werk der Klavierliteratur etwas sagen. Ich beschränke mich hier auf die beiden Aufnahmen mit Larrocha und Hamelin.
Seit Menschengedenken besitze ich die Version mit Larrocha, und sie hat mein Bild zu Albeniz geprägt, überhaupt das zu spanischer Klaviermusik (im besonderen auch Mompou). Ihre Verdienste und ihr Rang unter den Pianisten sind unbestritten.
Ich habe dann vor einigen Jahren in Husum Hamelin mit dem kompletten Zyklus, den er damals auswendig gespielt hat, gehört. Ein netter Mensch hat die Übertragung des Konzertes bei Deutschland Radio mitgeschnitten und mir davon eine Kopie angefertigt. Erst nach diesem Konzert ist Hamelin in London ins Studio gegangen und hat das Werk aufgenommen. Er selber hält die Live-Version für besser als die Studioaufnahme. Ich besitze die CD von Hyperion auch gar nicht, weil es für mich keinen Sinn macht, eine Version die der Künstler für weniger gelungen hält gegen eine gelungenere zu vergleichen.
Dank meines damaligen Sitznachbarn konnte ich auch den Notentext mitverfolgen. Die Stimmung im Saal war derart gespannt, das man den berühmten Stecknadelkopf hätte fallen hören können. Eine so aussergewöhnliche Darbietung habe ich in meinem Leben selten gehört, und ich habe schon einige Hundert Klavier Recitale verfolgt.
Bei allem was immer wieder gegen Hamelin vorgebracht wird, das er zu sehr auf Virtuosität setzt, und vor allem bei seltenen Sachen reüssiert usw. wird vergessen, das er im Konzert unschlagbar ist. Ich kenne keinen lebenden Pianisten der ihm bei den meisten Stücken die er eingespielt hat das Wasser reichen kann. Einen so feinsinnigen und gebildeten Menschen trifft man selten. Wer das erleben möchte, und nicht wie ich die Gelegenheit hatte ihn persönlich kennen zu lernen, sollte sich die DVD "it's all about the music" zulegen.
Aber niemand der an Klaviermusik interessiert ist, und sich über ihn ein Bild machen möchte, sollte versäumen ihn im Konzert zu erleben. Dank seinem Agenten, Paul Lenz in München, gibt es in Deutschland regelmäßig Konzerte mit ihm.

Gruß Florestan