Alkan und seine merkwürdigen Verbindungen für das Klavier

AcomA (20.03.2006, 22:11):
Charles-Valentin Alkan wurde am 30. November 1813 in Paris geboren (eigentlich Charles-Valentin Morhange).

Charles-Valentin Morhange war der Sohn eines aus Lothringen stammenden jüdischen Schulmeisters und Musiklehrers, dessen Vornamen Alkan er als Nachnamen annahm. Bereits im Alter von 6 Jahren wurde Alkan zum Studium von Klavier und Orgel am Pariser Konservatorium aufgenommen. Als begabtester Schüler seines wichtigsten Lehrers und Mentors Joseph Zimmermann gab er sein Konzertdebüt mit 12 Jahren. Es galt als selbstverständlich, dass Alkan Zimmermann als Professeur de Piano in seinem Amt nachfolgen würde. Dass es wegen einer politischen Intrige dazu jedoch nicht kam (Nachfolger wurde der weniger begabte Antoine Marmontel), war einer der Gründe, warum Alkan sich wohl 1838 mit wenigen Ausnahmen für sein ganzes Leben verbittert aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Als junger Virtuose gehört er neben den Rivalen Liszt und Sigismund Thalberg zu den führenden Pianisten, die die Möglichkeiten moderner Klaviere voll ausschöpften und durch spieltechnische Übersteigerungen und Überforderungen neue Ausdrucksmöglichkeiten gewannen und sie künstlerisch umsetzten.

Mit seinem ersten großen Werk, den Trois Grandes Études, op. 76 überschreitet Alkan endgültig den Grad vom technischen Bravourstück zur Etüde als Kunstform. Die erste Etüde ist für die linke Hand allein geschrieben, die zweite für die rechte Hand allein, die dritte für beide Hände "wiedervereinigt". Letztere ist ein deutlicher Vorgriff auf den Unisono-Finalsatz aus Chopins b-Moll-Sonate.

Eine weitere Innovation stellt die programmatische Grande Sonate ('Quatres-ages'), op. 33 (1844) dar, mit welcher sich Alkans reifer Stil manifestiert. Jeder der vier Sätze steht für ein Lebensalter.

Extraordinär und mit dem hang zum skurrilen sind Alkans Douze Etudes dans les tons mineurs, op. 39 (12 Etüden in alle Molltonarten). Dieser Zyklus ist ein einzigartiger Metazyklus von 12 Konzertetüden, der wohl erstmalig den Rahmen einer geschlossenen Aufführung an einem Abend sprengt und daher teilweise eine Innengruppierung aufweist. Drei der Etüden sind zu einem Concert pour piano zusammengefasst. Vier weitere zur Symphonie pour piano. Die letzte Etüde (Le Festin d'Esope)ist ein eigenständiger Variationszyklus. Allein der Kopfsatz des Concerto hat eine Spieldauer von ca. 30 Minuten.

Alkan starb 1888 in fast völliger Vergessenheit. Es sind lediglich Obskuritäten wie das Gerücht, er sei von einem umstürzenden Bücherregal erschlagen worden, die sich in der musikalischen Legendenbildung erhalten haben. Ein Nachruf in der Zeitschrift Le Ménéstrel stellte makaber fest, durch die Todesnachricht wisse man überhaupt erst, dass es ihn noch gegeben habe.

Die enormen technischen Schwierigkeiten und der zum Teil gewaltige Umfang seiner Werke haben jedoch von Beginn an nicht für rasche Verbreitung gesorgt. Dennoch gibt es eine Linie pianistischer Tradition, die sein Werke nie ganz hat vergessen lassen: Anton Rubinstein, Ferruccio Busoni, dessen Schüler Egon Petri, John Ogdon haben sich immer wieder der Werke von Alkan angenommen. Olli Mustonen machte eine bemerkenswerte Platte mit den Preludes. Heutzutage ist zweifellos Marc-Andre Hamelin der wichtigste Alkan-Interpret unter den Weltklasse-Pianisten.

http://www.karadar.com/Dizionario/images/alkan.gif

Hier nun ein skurriles Zitat bezgl. seines Ablebens:

"Eine musik-witzenschaftliche Abhandlung gegen die Musikakademie des Landes Velocistan

von

Wolfgang Weller



„Zu Ende gehen die Zeiten des thumben Spieles.”

(Wolfgang Weller, Die Feuerworte des Helios, II. Teil)



§ 1

Am 29. März des Jahres 1888 erklomm Monsieur Charles Valentin Morhange-Alkan in seiner Wohnung zu Paris die Bibliotheksleiter, um sich ein Buch herab zu holen. Eingeweihte munkeln insgeheim, es sei der Talmud oder womöglich die Kabbala gewesen. Aber es könnte auch der „Liber de Arte Poetica” des Aristoteles, das Handbuch über die Verskunst des Hephaistos oder L’Affilards „Principes trèsfaciles”, 5. Auflage von 1705 gewesen sein…

§ 2

Alkan liebte seine Bücher, und sie liebten ihn. Bei der in § 1 beschriebenen Gelegenheit schwankten sie in liebevoller Zuneigung ihrem Besitzer entgegen, das Bücherregal schwankte mit, und alle begruben und erdrückten sie den berüchtigten Komponisten vorgeblich unspielbarer Riesenetüden unter ihrer geistigen Last.

§ 3

Dreierlei läßt sich aus diesem Mißgeschick ableiten:

1. Bücherfreunde leben gefährlich.

2. Alkan genoß den denkbar schönsten Bibliophilentod.

3. Alkan hatte eminente literarische Interessen.

Zusätzliche witzenschaftliche Hypothese: Der Geist Robert Schumanns steckte hinter des Meisters Bücherschrank und spielte einen tödlichen Schabernack zur Genugtuung aller braven Musiker, denen die „wahre” Kunst (besonders wenn sie deutsch) heilig ist."



Hiermit rufe ich die Klavierfreaks auf, ihre Erfahrungen mit der Musik dieses Komponisten mitzuteilen.

gruß, siamak :thanks
AcomA (20.03.2006, 22:16):
hallo,

dann werde ich mal fortfahren mit

'symphonie' für solo-klavier op. 39 nr.4-7
trois morceaux dans le genre pathetique op. 15 u.a.

marc-andre hamelin, piano

hyperion, DDD, aufn. 2000

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4093895.jpg

die solo-symphonie für klavier ist, wie oben erwähnt ein teil aus einer sammlung von 12 großen etüden (op.39). sie schöpft tatsächlich die klanglichen und orchestralen dimensionen des klaviers aus. das zweite stück aus op. 15, 'le vent', entfaltet klangfarbentechnik ähnlich wie viel später debussy in einigen seiner preludes oder zeitgenosse liszt in seiner letzten transzendentalen etüde.

hamelin legt hiermit eine seiner beeindruckendsten interpretationen vor. die kompositionen scheinen ihm auf den leib geschrieben zu sein. die symphonie konnte ich mit ihm vor wenigen jahren live erleben, es entspricht dem platteneindruck. selbst im komplexen klaviersatz bleibt das spiel absolut transparent, die dynamik reicht von pp bis ff, sehr variable anschlagskunst, die fähigkeit zu 'singen'(siehe entwicklung der melodien in beiden händen im kontext mit geschichteten arpeggien, tremoli und chromatik im ersten stück aus op. 15).

alles demonstriert hier hamelin referenzartig. die ganze platte ein großes klavierabenteuer !

gruß, siamak :engel
AcomA (20.03.2006, 22:18):
hallo,

im oktober 1990 enstand für die DECCA (DDD) folgende aufnahme:

c.v. alkan

25 preludes op.31

olli mustonen, piano

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000E4VZ.03.LZZZZZZZ.jpg

gekoppelt waren die piecen mit schostakowitschs preludes op.34. eine kult-platte ! und das zurecht, wie ich finde. die platte wurde 1992 mit dem grammophone award belohnt. durchgehend vermitteln die preludes ein unbehagliches gefühl von meditation, ironie und melancholie. dazwischen gibt es natürlich auch fingerakrobatik wie z.b. die nr. 24 e-moll 'etude de velocite'. ich finde hier athmosphärisch und vom strukturellen duktus ähnlichkeiten mit den pieces de clavecin couperins. mustonen erlag damals offensichtlich noch nicht seinen manierismen. er phrasiert singend, benutzt die varianten des anschlages vom legato bis zum staccato. hier trifft man auf einen eher unspektakulären alkan. interessant, dass er sich von chopins op.28-zyklus durch ein zusätzliches prelude absetzt. alle tonarten werden benutzt und c-dur kommt zuletzt ein zweites mal zum einsatz.

abschließend kann ich nur raten, wer diese aufnahme irgendwo sieht, soll zugreifen. diese cd wird nicht mehr aufgelegt !

gruß, siamak :engel
Cosima (20.03.2006, 22:20):
Sehr schöner und amüsanter Thread, Siamak! :D

Inzwischen habe ich beide Alkan-Scheiben von Hamelin (Hyperion), also die Sonaten-CD und die Symphony for solo piano. Jetzt ist es mir aber zu spät, um noch ausführlicher zu schreiben. „Verschieben wir’s auf morgen!“ (Aus welchem Film stammt dieses Zitat?)

Gruß, Cosima
AcomA (20.03.2006, 22:21):
hallo,

john ogdon, der anfang der 70er jahre an einer schweren psychose erkrankte und ende der 80er jahre verstarb, war ein vertreter des 'alten' virtuosentums'. seine technik war zwar nicht so ebenmäßig bzw. kultiviert wie bei absolventen der russischen oder französischen schule. doch kompensierte er dies durch häufiges überschreiten seiner möglichkeiten, emotionales spiel ohne rücksicht auf verluste. quasi bieten eines klavierthrills.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000I0LJ.03.LZZZZZZZ.jpg

genauso verhält es sich mit dem dreisätzigen konzert für klavier solo von alkan. es handelt sich um ein viertel der zwölf etüden op.39. sprachlich sehe ich hier große ähnlichkeiten mit der solo-sinfonie. natürlich gibt es hier auch eine aufnahme mit hamelin (amerik. label), die glatter und technisch ausgefeilter daherkommt. aber bei ogdon ist es eine art identifizierung mit der materie. er singt insbesondere im 2. satz ausgiebiger und im dritten satz 'exekutiert' er im brillianten polonaisenstil und mit wahnwitz. der hörer muss sich danach erst mal eine erholungspause gönnen.

gruß, siamak :engel
AcomA (20.03.2006, 22:23):
hallo,

es gab zeiten, wo es weder rundfunk noch tonträger gab. was machte ein klaviervirtuose, wenn er ein geliebtes klavierkonzert aufführen wollte, er jedoch nicht über ein orchester verfügte, und das auditorium unbedingt dieses hören wollte. er erstellte eine bearbeitung des konzertes mit integration der wesentlichen orchesterstimmen und natürlich des klavierpartes für piano-solo.

alkan verfuhr so mit dem ersten satz (allegro con brio) des beethovenschen 3. klavierkonzertes c-moll op.37. der ursprüngliche charakter des konzertes wird absolut gewahrt. eine tolle sache. höhepunkt ist dann die kadenz. hier schichtet alkan dann übermütig und genialen streich das eröffnungsthema des konzertes in der linken hand mit dem thema des finales aus beethovens 5. sinfonie in der rechten hand !! und wenn dann das seitenthema des konzertes in der linken hand überlagert wird mit kühn-harmonischen repetitionen der rechten hand, dann ist es endgültig zum 'ausflippen'.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7277391.jpg

es gibt da einen famosen live-mitschnitt marc-andre hamelins aus der londoner wigmore hall von 1994 (hyperion). aufnahmetechnisch übrigens sehr gut gelungen. obige bearbeitung alkans ist ebenso auf dem programm wie die 'trois grande etudes' op.76 dieses wahnsinnigen. die erste etüde ist für die linke hand, die zweite für die rechte und die dritte ist ein 'unisono-sturm' für beide hände, quasi wiedervereinigung ! diese dritte nimmt das finale aus chopins 2. sonate b-moll vorweg, und erschien wohl tatsächlich ein jahr früher. übrigens waren beide, alkan und chopin nicht nur nachbarn sondern auch freunde. also wen wundert's.

zusätzlich auf dieser wunder-cd: der zweite satz aus chopins 2. konzert in der bearbeitung von balakirev, busonis sonatine nr.6 (kammer-fantasie über bizets carmen) BV 284 und medtners danza festiva aus den vergessenen weisen op.38.

eine der besten und spontansten platten hamelins.

gruß, siamak :engel
AcomA (20.03.2006, 22:24):
hallo,

ein wundervoller zyklus alkans sind die esquisses op.63. es handelt sich um miniaturen in sehr ausgereiftem stil. die palette an klangfarben und form ist aüßerst reichlich. da gibt es eine meisterhafte fuguette (nr.6), eine kraftvoll-hymnische piece 'tutti de concerto...' oder z.b. ein geheimnisvoll anstimmendes 'morituri te salutant'. oder 'inflexibilité' (nr.2 im stile barocker französischer clavecinisten mit toccatenartigem sturm in der linken hand. sicher nichts für 'inflexible' hände. der zyklus ist IMO viel stärker als seine preludes.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7469044.jpg

steven osborne ist der pianist dieser phantastischen aufnahme. der junge brite (schotte) gehört IMO zu den ganz großen lebenden. ich finde ihn zwingender als hamelin. er ist wirklich ein musikalisches schwergewicht, der z.b. beethovens späte bagatellen herrlich abtönt und phrasiert (IMO viel pianistischer und intensiver 'gesungen' als brendel), michael tippett bewältigt und den zuhörer dann mit oscar peterson endgültig in euphorie versetzt !

gruß, siamak :engel
Ganong (27.03.2006, 15:50):
Lieber Siamak , liebe Forumsmitglieder ,
um sich überhaupt einen umfangreicheren Überblick über Alkan zu verschaffen , empfehle ich den Aufsatz von Knut Franke in FonoForum ( 1972 , 266 - 269 ) :"Im Schatten Liszts" .
Da Du , Siamak , die aktuellen Interpretationen einiger Werke vorgestellt hast , ist der Stand der damaligen Interpretationen aktualisiert .
Grüsse , Ganong
Cosima (27.03.2006, 15:55):
Original von Ganong
um sich überhaupt einen umfangreicheren Überblick über Alkan zu verschaffen , empfehle ich den Aufsatz von Knut Franke in FonoForum ( 1972 , 266 - 269 ) :"Im Schatten Liszts" .


Danke für den Hinweis, Ganong,

Ein kleiner Hinweis dazu: Abonnenten der FF können sich im Downloadbereich auf der Homepage den Artikel kostenlos herunterladen. Er steht in der Ausgabe 04/1972.

Gruß, Cosima
Jeremias (11.09.2006, 12:51):
So sehr ich Hamelin auch schätze, diese Symphonie für Piano solo ist unübertroffen, er riskiert noch etwas mehr, der Sound ist auch etwas voller als bei Hamelin

http://images.amazon.com/images/P/B00000I9MM.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1133510533_.jpg
Rachmaninov (03.03.2007, 21:08):
Original von AcomA
hallo,

ein wundervoller zyklus alkans sind die esquisses op.63. es handelt sich um miniaturen in sehr ausgereiftem stil. die palette an klangfarben und form ist aüßerst reichlich. da gibt es eine meisterhafte fuguette (nr.6), eine kraftvoll-hymnische piece 'tutti de concerto...' oder z.b. ein geheimnisvoll anstimmendes 'morituri te salutant'. oder 'inflexibilité' (nr.2 im stile barocker französischer clavecinisten mit toccatenartigem sturm in der linken hand. sicher nichts für 'inflexible' hände. der zyklus ist IMO viel stärker als seine preludes.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7469044.jpg

steven osborne ist der pianist dieser phantastischen aufnahme. der junge brite (schotte) gehört IMO zu den ganz großen lebenden. ich finde ihn zwingender als hamelin. er ist wirklich ein musikalisches schwergewicht, der z.b. beethovens späte bagatellen herrlich abtönt und phrasiert (IMO viel pianistischer und intensiver 'gesungen' als brendel), michael tippett bewältigt und den zuhörer dann mit oscar peterson endgültig in euphorie versetzt !

gruß, siamak :engel

@Siamak,

da muß ich Dir zustimmen!

Bei der Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass für mich die Esquisses op.63 vielleicht als die Empfehlung zur "Annäherung" an Alkan wären, würde mich einer Fragen.
Dies liegt jedoch nicht nur am Werk sondern auch, wie bereits von Dir ebenfalls angesprochen, an S. Osborne.

IMO gelingt im etwas was Hamelin eben nicht gelingt! Neben der Pianistischen Meisterschaft die MUSIK Alkan's erklingen zu lassen :wink
Rachmaninov (03.03.2007, 21:09):
Original von Jeremias
So sehr ich Hamelin auch schätze, diese Symphonie für Piano solo ist unübertroffen, er riskiert noch etwas mehr, der Sound ist auch etwas voller als bei Hamelin

http://images.amazon.com/images/P/B00000I9MM.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1133510533_.jpg

@Jeremias,

habe mal gestöbert aber die Aufnahme ist leider nur zu horendem Preis zu bekommen :I :I :I
Rachmaninov (10.07.2007, 20:28):
Eben hörte ich, nachdem ich die CD nach dem ersten Hören bei Seite legte, nochmals diese Aufnahme.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7482425.jpg

Daraus angehört habe ich mir die Etudes 1-7. Darunter ja auch die "Symphonie für Solo-Piano", die es ja auch in einer Einspielung von M.A. Hamelin gibt.

Muss sagen, die Alkan Etudes sind in einer gewissen Form eigenartig, aber auch sehr interessant. Die Schwierigkeit ist greifbar, aber erdrückt die Etudes nicht.

Jack Gibbons hat deutlich hörbar zu kämpfen.
Rachmaninov (09.10.2007, 18:45):
Endlich möchte ich fast schreien......endlich mal wieder eine Neuentdeckung, die vom ersten Ton an wirklich fesselt und begeistert.

Alkan's op.39 #8-10 ist ein teilweise irrwitzig virtuoses Werk, das aber auch seine klangschönen, fast "schwelgerischen" Seitenblicke erlaubt wie z.B. im 2. Satz!

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8161801.jpg

Hamelin spielt, natürlich mit seiner klasse Technik und eher teilweise hartem Klang auf, aber voller Facetten, und wirklich mit viel Gespühr für diese Musik und hochdifferenziert im Klavierspiel. Ein wenig mehr Wärme würde ich mir wünschen! Aber wie soll das gehen? Selbst Hamelin scheint hier an seinen Grenzen, bzw. dem Grenzen des überhaupt machbaren......

Interpretation: 10
Klang: 9
Repertoirwert: 10*

:times10
Jeremias (06.11.2007, 09:20):
Für alle, die nicht direkt so viel Geld ausgeben wollen, empfehle ich die soeben bei Brilliant erschienene 2-er Box mit Alan Weiss. Den Pianisten kenne ich zwar nicht, aber ich denke, zum Kennenlernen ist der Preis sicher ein Anreiz! Oder hat sogar schon jemand diese Cds?
Rachmaninov (20.11.2007, 07:16):
Original von Jeremias
Für alle, die nicht direkt so viel Geld ausgeben wollen, empfehle ich die soeben bei Brilliant erschienene 2-er Box mit Alan Weiss. Den Pianisten kenne ich zwar nicht, aber ich denke, zum Kennenlernen ist der Preis sicher ein Anreiz! Oder hat sogar schon jemand diese Cds?

@Jeremias,

ganz Deiner Meinung! Alkan ist eine Entdeckung wert, und wer nicht's riskieren will kan hier immerhin einen Einblick erlangen! :W
satie (20.11.2007, 09:03):
Ich habe diese Aufnahme:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/414FQQKF0VL._AA240_.jpg

Der Pianist spielt hervorragend, und sie ist auch vom Preis her ok. Als Einstieg auf jeden Fall geeignet.
Rachmaninov (20.11.2007, 21:58):
In der Besprechung zu Hamelin's neuester Alkan Aufnahme in der Piano News findet sich als Einleitung


Stell Dir vor, jemand hat fantastisch Klaviermusik komponiert, und niemand hört hin.
Quelle: Piano News Ausgabe 6-07


Treffend wie ich meine!
ab (03.12.2007, 09:20):
Zur Hamelin-einspielung heute dies gefunden.
Ganong (27.03.2006, 15:50):
Lieber Siamak , liebe Forumsmitglieder ,
um sich überhaupt einen umfangreicheren Überblick über Alkan zu verschaffen , empfehle ich den Aufsatz von Knut Franke in FonoForum ( 1972 , 266 - 269 ) :"Im Schatten Liszts" .
Da Du , Siamak , die aktuellen Interpretationen einiger Werke vorgestellt hast , ist der Stand der damaligen Interpretationen aktualisiert .
Grüsse , Ganong
Cosima (27.03.2006, 15:55):
Original von Ganong
um sich überhaupt einen umfangreicheren Überblick über Alkan zu verschaffen , empfehle ich den Aufsatz von Knut Franke in FonoForum ( 1972 , 266 - 269 ) :"Im Schatten Liszts" .


Danke für den Hinweis, Ganong,

Ein kleiner Hinweis dazu: Abonnenten der FF können sich im Downloadbereich auf der Homepage den Artikel kostenlos herunterladen. Er steht in der Ausgabe 04/1972.

Gruß, Cosima
Jeremias (11.09.2006, 12:51):
So sehr ich Hamelin auch schätze, diese Symphonie für Piano solo ist unübertroffen, er riskiert noch etwas mehr, der Sound ist auch etwas voller als bei Hamelin

http://images.amazon.com/images/P/B00000I9MM.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1133510533_.jpg
Rachmaninov (03.03.2007, 21:08):
Original von AcomA
hallo,

ein wundervoller zyklus alkans sind die esquisses op.63. es handelt sich um miniaturen in sehr ausgereiftem stil. die palette an klangfarben und form ist aüßerst reichlich. da gibt es eine meisterhafte fuguette (nr.6), eine kraftvoll-hymnische piece 'tutti de concerto...' oder z.b. ein geheimnisvoll anstimmendes 'morituri te salutant'. oder 'inflexibilité' (nr.2 im stile barocker französischer clavecinisten mit toccatenartigem sturm in der linken hand. sicher nichts für 'inflexible' hände. der zyklus ist IMO viel stärker als seine preludes.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7469044.jpg

steven osborne ist der pianist dieser phantastischen aufnahme. der junge brite (schotte) gehört IMO zu den ganz großen lebenden. ich finde ihn zwingender als hamelin. er ist wirklich ein musikalisches schwergewicht, der z.b. beethovens späte bagatellen herrlich abtönt und phrasiert (IMO viel pianistischer und intensiver 'gesungen' als brendel), michael tippett bewältigt und den zuhörer dann mit oscar peterson endgültig in euphorie versetzt !

gruß, siamak :engel

@Siamak,

da muß ich Dir zustimmen!

Bei der Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass für mich die Esquisses op.63 vielleicht als die Empfehlung zur "Annäherung" an Alkan wären, würde mich einer Fragen.
Dies liegt jedoch nicht nur am Werk sondern auch, wie bereits von Dir ebenfalls angesprochen, an S. Osborne.

IMO gelingt im etwas was Hamelin eben nicht gelingt! Neben der Pianistischen Meisterschaft die MUSIK Alkan's erklingen zu lassen :wink
Rachmaninov (03.03.2007, 21:09):
Original von Jeremias
So sehr ich Hamelin auch schätze, diese Symphonie für Piano solo ist unübertroffen, er riskiert noch etwas mehr, der Sound ist auch etwas voller als bei Hamelin

http://images.amazon.com/images/P/B00000I9MM.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1133510533_.jpg

@Jeremias,

habe mal gestöbert aber die Aufnahme ist leider nur zu horendem Preis zu bekommen :I :I :I
Rachmaninov (10.07.2007, 20:28):
Eben hörte ich, nachdem ich die CD nach dem ersten Hören bei Seite legte, nochmals diese Aufnahme.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7482425.jpg

Daraus angehört habe ich mir die Etudes 1-7. Darunter ja auch die "Symphonie für Solo-Piano", die es ja auch in einer Einspielung von M.A. Hamelin gibt.

Muss sagen, die Alkan Etudes sind in einer gewissen Form eigenartig, aber auch sehr interessant. Die Schwierigkeit ist greifbar, aber erdrückt die Etudes nicht.

Jack Gibbons hat deutlich hörbar zu kämpfen.
Rachmaninov (09.10.2007, 18:45):
Endlich möchte ich fast schreien......endlich mal wieder eine Neuentdeckung, die vom ersten Ton an wirklich fesselt und begeistert.

Alkan's op.39 #8-10 ist ein teilweise irrwitzig virtuoses Werk, das aber auch seine klangschönen, fast "schwelgerischen" Seitenblicke erlaubt wie z.B. im 2. Satz!

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8161801.jpg

Hamelin spielt, natürlich mit seiner klasse Technik und eher teilweise hartem Klang auf, aber voller Facetten, und wirklich mit viel Gespühr für diese Musik und hochdifferenziert im Klavierspiel. Ein wenig mehr Wärme würde ich mir wünschen! Aber wie soll das gehen? Selbst Hamelin scheint hier an seinen Grenzen, bzw. dem Grenzen des überhaupt machbaren......

Interpretation: 10
Klang: 9
Repertoirwert: 10*

:times10
Jeremias (06.11.2007, 09:20):
Für alle, die nicht direkt so viel Geld ausgeben wollen, empfehle ich die soeben bei Brilliant erschienene 2-er Box mit Alan Weiss. Den Pianisten kenne ich zwar nicht, aber ich denke, zum Kennenlernen ist der Preis sicher ein Anreiz! Oder hat sogar schon jemand diese Cds?
Rachmaninov (20.11.2007, 07:16):
Original von Jeremias
Für alle, die nicht direkt so viel Geld ausgeben wollen, empfehle ich die soeben bei Brilliant erschienene 2-er Box mit Alan Weiss. Den Pianisten kenne ich zwar nicht, aber ich denke, zum Kennenlernen ist der Preis sicher ein Anreiz! Oder hat sogar schon jemand diese Cds?

@Jeremias,

ganz Deiner Meinung! Alkan ist eine Entdeckung wert, und wer nicht's riskieren will kan hier immerhin einen Einblick erlangen! :W
satie (20.11.2007, 09:03):
Ich habe diese Aufnahme:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/414FQQKF0VL._AA240_.jpg

Der Pianist spielt hervorragend, und sie ist auch vom Preis her ok. Als Einstieg auf jeden Fall geeignet.
Rachmaninov (20.11.2007, 21:58):
In der Besprechung zu Hamelin's neuester Alkan Aufnahme in der Piano News findet sich als Einleitung


Stell Dir vor, jemand hat fantastisch Klaviermusik komponiert, und niemand hört hin.
Quelle: Piano News Ausgabe 6-07


Treffend wie ich meine!
ab (03.12.2007, 09:20):
Zur Hamelin-einspielung heute dies gefunden.
Rachmaninov (03.03.2008, 20:00):
In der Piano News Ausgabe 2-2008 gibt es eine Besprechung von Helmut Peters zur Aufnahme bei Brilliant von Alan Weiss.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5028421935683.jpg

Die Aufnahme erhält eine sehr ordentliche Besprechung und 5 von 6 möglichen Sternen für die Interpretation. Lediglich 4 Sterne für den Klang trübern ein wenig die Freude.
Aber dennoch, zur Annäherung an Alkan sicherlich für keine 8€ ein nicht zu riskanter Schritt Richtung Alkan.

:hello
ab (04.03.2008, 11:14):
Wie wird denn dort sein Spiel charakterisiert?
:hello
Rachmaninov (04.03.2008, 16:47):
Original von ab
Wie wird denn dort sein Spiel charakterisiert?
:hello

Ihm wird als überzeugender junger Pianist beschrieben, der lediglich an machen Stellen vielleicht einen zu harten Anschlag wählt. :hello
nikolaus (02.04.2008, 20:16):
Original von Rachmaninov
In der Piano News Ausgabe 2-2008 gibt es eine Besprechung von Helmut Peters zur Aufnahme bei Brilliant von Alan Weiss.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5028421935683.jpg

Die Aufnahme erhält eine sehr ordentliche Besprechung und 5 von 6 möglichen Sternen für die Interpretation. Lediglich 4 Sterne für den Klang trübern ein wenig die Freude.
Aber dennoch, zur Annäherung an Alkan sicherlich für keine 8€ ein nicht zu riskanter Schritt Richtung Alkan.

:hello

Alan Weiss ist laut Programm dieses Jahr beim Progetto Martha Argerich zu Gast und spielt u.a. Alkans Symphonie op. 39.

Und ich bin nicht dabei :I

Nikolaus.
Rachmaninov (08.05.2008, 20:57):
Original von Jeremias
So sehr ich Hamelin auch schätze, diese Symphonie für Piano solo ist unübertroffen, er riskiert noch etwas mehr, der Sound ist auch etwas voller als bei Hamelin

http://images.amazon.com/images/P/B00000I9MM.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1133510533_.jpg

@Jeremias,

aufgrund Deine Empfehlung kaufte ich mir die Aufnahme miz R. Lewenthal. Glücklciherweise wie ich bereits nach ein paar Hörsitzungen berichten kann.

Zum Vergleich hörte ich heute nochmals die Aufnahme von op.39 #4-7 in der Aufnahme mit Hamelin. Zugegeben, Hamelin spielt blitzsauber, aber auch sehr beherrscht wie ich im Vergleich feststelle.
Lewenthal spielt, wie Du es bereits geschrieben hast riskanter. Ja, riskanter. Er entzündet ein Feuer, hier springt ein Funken der Begeisterung über und das Werk gewinnt an Ausdruck. Was das angeht, an diese emotionale Gestalltung, da reicht Hamelin nicht a Lewenthal ran. (irgendwie typisch Hamelin). Hier wird das Werk tatsächlich zu packenden "Symphonie".
Eine wahrhaftige "Werbung" für das Schaffen Alkan's....

Der vollere Klang trägt hier positiv bei.

:times10

Meine Aufnahme hat dieses Cover

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41SXX176XSL._SL500_AA240_.jpg
Rachmaninov (18.07.2009, 11:24):
Original von AcomA
Eine weitere Innovation stellt die programmatische Grande Sonate ('Quatres-ages'), op. 33 (1844) dar, mit welcher sich Alkans reifer Stil manifestiert. Jeder der vier Sätze steht für ein Lebensalter.


Von dieser "Grand Sonate" gibt es ja einige Aufnahmen:


Op 33 Grande Sonate
Ronald Smith rec 1973 EMI, HQS 1326 (1974) ; CDM 7 69421 2; EG 7 69421 4 ; EMI Angel, TOCE 6239. Arabesque (USA), 8140 . EMI (France), CDM 7 64280 2 (1992). EMI 7243 575649 2 2 (2002)
Pierre Réach rec 1979 RCA (France), RL 37243 (1979). Musical Heritage Society (USA), MHS 4875 (1983)
Osamu Nakamura rec 1990 Epic/Sony, ESCK 8004 (1990)
Alan Weiss rec 1989 Fidelio (Netherlands), 8839 (1990); Brilliant Classics 93568 (2007)
Pierre Réach rec 1991 Vogue (France), 645 006 (1991); Koch Discover, DICD 920362 (1997)
Marc-André Hamelin rec 1994 Hyperion, CDA66794 (1995)

quelle: http://www.alkansociety.org


Bisher kenne ich davon nur eine, die wohl "bekannteste", jene von M.A.Hamelin.

Ich muss sagen, dass mich diese Sonate fasziniert, unheimlich berührt, verwirrt und irritiert.

Warum diese emotionale Wirkung?

Darüber habe ich mir einige Zeit den Kopf zerbrochen.

Die Sonate hat ja, entsprechend ihrer Thematik die Sätze:

20 ans. Tres vite
30 ans, Quasi-Faust.
40 ans, un menage
50 ans, Promethee

Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass die Sonate eine tiefere psychologische Wirkung (auf mich?) hat.
In 20 ans. Tres vite finde ich Gefühle meiner Jugend wieder wie Sturm und Drang. 30 ans, Quasi-Faust beschreibt in gewissen Weise mein Leben der letzten Jahre bis heute. Und spiegelt damit meine Gegenwart wieder.
In den ersten beiden Sätzen Blicke ich quasi 20 Jahre zurück und bis heute. Vielelicht sind mir diese Sätze auch deher "näher". 40 ans, un menage und 50 ans, Promethee sind aus meine heutigen Sicht ein Blick in (meine) Zukunft, die mit Erwartunge, Hoffnungen und Ängsten noch offen vor mir liegt. Das Ungewisse....

Zu Hamelin Aufnahme bleibt nur zu sagen: Grandiose Alkan Aufnahme

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571167947.jpg

:down
ab (19.07.2009, 13:26):
Vom Concerto pour piano seul gibts auch eine Aufnahme von John Ogdon, die auch auf seiner Ausgabe in der Great Pianists Serie droben war, die es wohl noch um die 5 EUR gibt und die schon allein wegen des Busoni-Klavierkonzerts zulegenswert ist.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/416W1MVA1YL._SL500_AA240_.jpg
Gamaheh (29.05.2010, 19:54):
Den ersten Satz der Grande sonate "Les quatre ages" spielt hier Libetta, den Bruno Monsaingeon als den "größten lebenden Virtuosen" bezeichnete (und zwar ganz wunderbar, wie ich finde).

Grüße,
Gamaheh
Florestan (11.07.2013, 19:09):
Die australische Pianistin Stephanie McCallum ist dabei die Recueils de Chants bei Toccata einzuspielen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81Wufzklx%2BL._SL1500_.jpg

Von diesen Stücken gibt es bislang noch keine vollständige Aufnahme, ausser einigen Auszügen. Die von Jaqueline Méfano eingespielten Serien sind zum Teil nicht mehr, oder mit großem finanziellen Aufwand erhältlich.
Die ganannten Aufnahmen machen aber einen sehr guten Eindruck. In erster Linie bin ich natürlich dankbar, dass es überhaupt jemand auf sich nimmt die Werke einzuspielen. Der Kreis derer, die sich an Alkan herantrauen ist ja denkbar klein, dabei wäre es für aufstrebende Virtuosen ein dankbares Betätigungsfeld.
Frau McCallum ist ja auch schon öfter in Sachen Alkan hervorgetreten, z.b. bei der Symphonie aus op.39 und den Etuden op.35.
Ich bin also gespannt was da noch kommt. Das es für das Alkan-Jahr eindeutig zu wenig ist hatte ich ja bereits erwähnt.
:I

Herzliche Grüße
Florestan
Gamaheh (01.08.2013, 23:06):
Die Einspielung von Jaqueline Mefano ist vollständig bei Youtube zu finden:
hier.

"Alkan-Jahr" ist gut: Frag mal, wieviele Leute überhaupt schon mal von ihm gehört haben (und nicht Erol Alkan meinen). Auf dem Hintergrund wird in der Tat allerhand getan, und diverse Leute, die vorher nie an Alkan gedacht haben, spielen plötzlich seine Musik. Guck z.B. mal in das Programm der Stiftung Palazzetto Bru Zane. In Paris wird sogar sein Pedalier gespielt !

Ein großer Unterschied zu seinem 150. Geburtstag, als es noch gar nichts über ihn gab und der oben mehrfach erwähnte Raymond Lewenthal seine wunderbare und sehr unterhaltsame zweistündige Radiosendung über ihn gemacht hat, die ich jedem ans Herz legen möchte. Lewenthal hat dann auch eine Auswahl von Alkans Musik herausgegeben, die zu der Zeit absolut vergriffen war. Er wollte auch ein Buch über ihn schreiben, das aber nie erschienen ist, und keiner weiß, wo eventuell vorhandene Manuskripte abgeblieben sind. Das hat dann aber der Engländer Ronald Smith gemacht, der auch einen großen Teil seiner Werke eingespielt hat.

Grüße,
Gamaheh
Florestan (02.08.2013, 08:07):
Hallo Gamaheh

Vielen Dank für den Tipp auf you tube. Ich warte aber trotzdem mal ab, wie sich die Serie auf Toccata entwickelt.
Im November findet bei uns in Hamburg ein Alkan Festival statt
http://www.propiano-hamburg.de/

bei dem auch der von Dir im Godowsky thread genannte Francesco Libetta mitwirkt. Ich finde, das ist doch schon mal ein kleiner Fortschritt.
Ohne "Katalysator" in Form von fähigen und bekannten Pianisten läuft ja im Klassik Geschäft resp. der Verbreitung von unbekannten Komponisten gar nichts. Ich pilgere daher schon seit 10 Jahren regelmäßig nach Husum, wo wir besonders die Raritäten pflegen. Früher haben da schon Smith, Ringeissen oder Hamelin Alkan gespielt. In diesem Jahr niente .. Nur eine Art Symposium, an dem auch der langjährige Präsident der Alkan Gesellschaft Peter Grove (Stammgast in Husum und Stamm-Umblätterer) teilnimmt.
Mein Initialerlebnis war übrigens die Aufnahme des "Concerto" mit John Ogdon. Danach war ich hoffnungslos infiziert.

LG Florestan
Jeremias (03.08.2013, 21:16):
Ich bin schon sehr lange Anhänger seiner Werke, habe mich aber noch nicht getraut. Jetzt soll es soweit sein, ich möchte seine Sinfonie lernen :)
Florestan (03.08.2013, 21:56):
Original von Jeremias
Ich bin schon sehr lange Anhänger seiner Werke, habe mich aber noch nicht getraut. Jetzt soll es soweit sein, ich möchte seine Sinfonie lernen :)

Na da hast Du Dir ja was vorgenommen! Die Etüden in allen Molltonarten sind ja ein ziemlicher Brocken, und besonders die Sinfonie und das Concerto. Also viel Erfolg beim einstudieren.

Grüße Florestan
Gamaheh (08.08.2013, 11:18):
Hallo Florestan,

vielen Dank für den Hinweis auf Hamburg - da werde ich wohl nicht drumrumkommen ... Nach Husum kann ich leider nicht, aber Vorträge interessieren mich auch nicht so, besonders bei so einem Thema, für das es - soviel ich weiß - gar keine Diskussionsbasis gibt.

Sicher ist es wichtig, fähige Interpreten zu haben; andererseits finde ich es wenig zielführend (wenn das Ziel ist, Alkan bekannter zu machen), so zu tun, als gäbe es nur einen lebenden Pianisten, der Alkans Werke angemessen spielen kann, und immer nur Hamelin zu nennen. Wenn das so weit geht, daß andere sich da nicht einmal mehr herantrauen ... Selbst wenn er so gespielt wird, wie in Lille die Grande Sonate op.33 (der Interpret hat das Tempo seinen Fähigkeiten angepaßt, und es war ein sehr träger Zwanzigjähriger, der uns dort vorgeführt wurde), steht er immerhin auf dem Programm, und die Leute gewöhnen sich (vielleicht) daran, und andere versuchen, es besser zu machen. (Um ehrlich zu sein, muß ich sagen, daß der Kritiker das Konzert fabelhaft fand, welches man hier nachhören kann.)

Meine Initialzündung kam von Libetta (die oben genannte Brilliant-Box war jahrelang das einzige, was ich kannte, und die hat es sicher nicht gebracht). Für die Italophonen hier eine rezente, recht amüsante Kritik von dem Alfred Kerr der italienischen Musikkritik, die zeigt, welchen Eindruck dieser Musiker machen kann.

Jeremias: Willst Du das noch in diesem Jahr schaffen ? Viel Erfolg ! Die Symphonie habe ich auch in Lille gehört, wobei der Pianist umgekehrt verfahren ist: Er hat seine Interpretation der Musik angepaßt, und ich bin mir nicht sicher, ob die richtigen Noten zahlreicher waren als die falschen, aber es hat mir viel besser gefallen als das oben.

Grüße,
Gamaheh
Florestan (08.08.2013, 11:41):
Hallo Gamaheh

Bei aller Wertschätzung für Hamelin bin ich natürlich keineswegs der Auffassung, er allein könne Alkan angemessen interpretieren. Seine Beiträge gehören sicher zu den besten, aber ich schätze auch die meisten anderen, die sich für Alkan eingesetzt haben. Ronald Smith und Raymond Lewenthal wurden ja schon ausgiebig genannt. Vergessen sollte man auch nicht Laurent Martin, der auf marco polo sehr ordentliche Einspielungen vorgelegt hat. Auch Stephanie McCallum leistet hervorragende Arbeit.
Aber wie singt Wotan in der Walküre "Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite dies Feuer nie". Also die "Brocken" können nur die Stärksten wirklich stemmen. Da trennt sich dann auch schnell die Spreu vom Weizen.
Und ob es per se ein Verdienst ist, ihn überhaupt zu spielen, auch wenn man dazu eigentlich nicht in der Lage ist, halte ich auch für bedenklich. Dem Publikum sollte schon ein adäquater Eindruck der Werke vermittelt werden.
Wenn Du im November zu den Konzerten nach Hamburg kommst, würdest Du Dich da ggf. outen? Ich habe schon eine nette Runde von Klaviermusikfreunden zusammen, die alle dort hingehen. Das wäre doch bestimmt interessant sich da bei einem Gläschen Wein auszutauschen.

Herzliche Grüße Florestan
Florestan (10.08.2013, 16:29):
Original von Gamaheh


Ein großer Unterschied zu seinem 150. Geburtstag, als es noch gar nichts über ihn gab und der oben mehrfach erwähnte Raymond Lewenthal seine wunderbare und sehr unterhaltsame zweistündige Radiosendung über ihn gemacht hat, die ich jedem ans Herz legen möchte.

Grüße,
Gamaheh

Ich habe mich noch gar nicht für den tollen Tipp bedankt. Das ist wirklich ein fantastischer Beitrag!!! Sehr kurzweilig, aber trotzdem enorm erhellend was die Person Alkan und seine Musik betrifft. Schade das er das Buch nicht geschrieben hat, da habe ich ja noch was vor wenn ich pensioniert bin :wink

Florestan
Gamaheh (03.11.2013, 20:26):
Liebe Alkanisten,

hier ein Beitrag von Jack Gibbons zu Hallowe'en:

http://www.youtube.com/watch?v=9NC0Z3FgQp8

- viel Spaß dabei !! Jack Gibbons ist bekannt dafür, daß er Alkans op. 39 komplett an einem Abend aufführt.

Schade, daß wir ausgerechnet auf Libetta in Hamburg verzichten müssen ...
Dafür gibt es die Sonate op. 33 komplett - ich bin gespannt. Von der Aufführung in Venedig habe ich nichts Gutes gehört.

Florestan: Ich werde zu den gemeinsamen Abendessen gehen - Du auch ?

Grüße,
Gamaheh
Florestan (03.11.2013, 21:54):
Liebe Gamaheh

Wir treffen uns in einer größeren Gruppe und werden am Samstag Abend nach dem Konzert ins "da Enzo" am Grossneumarkt gehen. Ich habe da einen Tisch für 10 Personen reserviert. Wenn Du Lust hast kannst Du gerne dazu kommen, wird bestimmt ein unterhaltsamer Abschluß des Abends.
An den anderen Tagen werden wir spontan entscheiden was wir machen.

LG Florestan

Ich mache mir keine allzu großen Hoffnungen was die Konzerte anbelangt, und lasse mich überraschen. Wir gehen ja in erster Linie wegen des Programms da hin.