Andréjo (12.07.2024, 23:42): "Wenn ich Musik höre - auch während des Dirigierens -, höre ich oft ganz bestimmte Antworten auf all meine Fragen und bin vollständig klar und sicher. Oder eigentlich, ich empfinde ganz deutlich, dass es gar keine Fragen sind." Das ist doch ein wunderbares Motto!
Alle Beiträge musst Du sicher nicht durchgehen, aber vielleicht gewisse neutralere. Schau Dir halt die Überthemen an.
Andererseits: Ob's woss nitzt? So fragt das Jiddische. Und ich habe keine Antwort. ;)
Für fehlende Einsamkeit kann ich nicht garantieren. Was ich sagen kann: Ich schaue mich eigentlich täglich hier um. Und wenn es mir sinnvoll erscheint (im weiteren Sinn), dann melde ich mich gerne zurück. Joe Dvoraks Sammlung zu den Veröffentlichungen des - bitte nicht als Beleidigung verstehen - Crossover-Veteranen John Zorn verdient höchste Anerkennung - aber ich kenne halt nur eine einzige Einspielung mit ihm, mit Streichquartetten. Das hat Reiz, auf jeden Fall. Doch es gibt so unendlich viel ... und im Zweifelsfall habe ich schlicht andere Schwerpunkte. Wobei ich gerne einen uralten Billig-Kalauer anführe und ganz ernst meine: Ich bin nicht ganz dicht - nach allen Seiten offen! :beer
Joe Dvorak (13.07.2024, 04:35): "Keine Musik ist etwas wert, von der man dem Hörer zuerst berichten muss, was darin erlebt ist, was er zu erleben hat. Man muss Ohren und ein Herz mitbringen und - nicht zuletzt - sich willig dem Rhapsoden hingeben.
Ein Rest Mysterium bleibt immer - selbst für den Schöpfer." Das ist von Mahler? Das überrascht mich, wird er doch nicht selten bezichtigt zu glauben, er müsse mit seinen Werken dem Zuhörer, der das alles eigentlich gar nicht so genau wissen will, etwas über die ganze Welt im Allgemeinen und viel über sich im Besonderen erzählen.
"Es wäre schön, wenn Du Dich öfter mal meldest!": Danke und ja, gerne, wenn es nicht so einsam :sleeping: hier bleibt wie seit der Zeit meiner Anmeldung am Nachmittag. Schönen Abend noch! So bleibt der Teufelskreis in Gang. Immer weniger Mitglieder schreiben, was dazu führt, dass der kleine Rest auch nicht mehr schreibt und dann fragt man sich als Neuling verständlicherweise, was man hier soll. Das einzige was hülfe den Kreis zu durchbrechen wäre zu sagen, wenn hier nichts los ist, dann mache halt ich was los, vielleicht schreiben dann wieder mehr und es kommen neue Mitglieder dazu. Wobei ich, unter uns gesagt, nicht mehr daran glaube. Das Forum hängt schon seit vielen Jahren am Beatmungsgerät und jetzt ist der Stecker so locker, dass er jeden Tag vollends herausrutschen kann. Es ist schnell erklärt, warum ich fast nur noch zu mal mehr, mal weniger klassikfernen Spezialthemen schreibe, auf die kaum jemand antworten kann. Nach 17 Jahren im Klassik-Forum habe ich zu allen einschlägigen Themen (etwa Mahler) alles mehrfach gesagt und wiederhole mich nur noch, und alle anderen Positionen sind gehört (und das eine oder andere daraus in die eigene integriert) und wiederholen sich nur noch.
BM-LvB (13.07.2024, 09:28): So bleibt der Teufelskreis in Gang. Immer weniger Mitglieder schreiben, was dazu führt, dass der kleine Rest auch nicht mehr schreibt und dann fragt man sich als Neuling verständlicherweise, was man hier soll. Das einzige was hülfe den Kreis zu durchbrechen wäre zu sagen, wenn hier nichts los ist, dann mache halt ich was los, vielleicht schreiben dann wieder mehr und es kommen neue Mitglieder dazu. Wobei ich, unter uns gesagt, nicht mehr daran glaube. Das Forum hängt schon seit vielen Jahren am Beatmungsgerät und jetzt ist der Stecker so locker, dass er jeden Tag vollends herausrutschen kann. Es ist schnell erklärt, warum ich fast nur noch zu mal mehr, mal weniger klassikfernen Spezialthemen schreibe, auf die kaum jemand antworten kann. Nach 17 Jahren im Klassik-Forum habe ich zu allen einschlägigen Themen (etwa Mahler) alles mehrfach gesagt und wiederhole mich nur noch, und alle anderen Positionen sind gehört (und das eine oder andere daraus in die eigene integriert) und wiederholen sich nur noch. Guten Morgen Joe Dvorak! Ich habe mich, als Neuling gerade mal seit gestern, bisher nicht gefragt, was ich hier soll, sondern lediglich auf Andréjos Aussage geantwortet, das Forum habe leider recht wenig Gegenwart. Zu Deiner Anregung als einziges, was hülfe, frage ich mich, wie vermessen wäre es und von welcher Selbstüberschätzung zeugte es, wenn ich glaubte und versuchte, hier "etwas los zu machen" und dass dann wieder mehr Mitglieder schreiben und auch neue dazu kommen?
Meine Intention, mich hier anzumelden, war die Absicht, mich über Klassik auszutauschen. Forumsinterne Probleme interessierten mich weniger, die Erörterung darüber und die Suche nach Ursachen und Lösungen sind natürlich gleichwohl interessant. Wenn es natürlich so ist, wie Du schreibst, dass Du "alles" mehrfach gesagt hast und "alle anderen Positionen gehört sind" und sich "nur noch wiederholen", dann scheint mir diese Beschreibung für jedes neue Mitglied wenig Motivation zu sein, sich überhaupt noch zu äußern. Denn vielleicht ist das, was man sagen will, ja auch schon gesagt.
Beispiel Mahler-Zitat. Ich kann ja nichts dafür, dass ich dieses Zitat im Netz gefunden habe und hatte bisher keinen Zweifel daran, dass diese Aussage authentisch ist.
Vielleicht äußert sich ja mal ein Team-Mitglied oder einer der Moderatoren zu den Ursachen, warum und ob das Forum, wie Du schreibst, seit vielen Jahren "am Beatmungsgerät hängt" und was wir, auch ein Neuling, dagegen tun können, wenn wir es denn wollen.
PS. Wegen "klassikferner Spezialthemen" :?: habe ich mich hier nicht angemeldet ;)
BM-LvB (13.07.2024, 10:06): So bleibt der Teufelskreis in Gang. Immer weniger Mitglieder schreiben, was dazu führt, dass der kleine Rest auch nicht mehr schreibt Sehe gerade, dass Du ja selbst Moderator hier bist. Deshalb die Frage: An was, glaubst Du als "Insider", liegt es denn, dass "immer weniger Mitglieder schreiben"? Liegt es am Niveau der Beiträge (was ich mir nicht vorstellen kann, denn ich sehe hier immer wieder Besucher, die lesen) oder an den Umgangsformen, wie ich als gelegentlicher Besucher anderer Foren mit Entsetzen bei vielen Posts immer wieder feststelle?
Zudem: Wie groß ist denn "der kleine Rest", der auch nicht mehr schreibt?
Sollten diese foreninternen Fragen zur "allseitigen Zufriedenheit" geklärt sein, können wir sicher zu Inhalten zurückkehren. So wage ich die These, dass Gustav Mahler zumindest mit diesem Zitat richtig liegt: "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten." Wie sehr dies zu stimmen scheint, höre ich gerade wieder einmal beim Finale der Zweiten unter "Lenny" (LSO 1974).
BM-LvB (13.07.2024, 13:21): Liegt es am Niveau der Beiträge (was ich mir nicht vorstellen kann, denn ich sehe hier immer wieder Besucher, die lesen) oder an den Umgangsformen, wie ich als gelegentlicher Besucher anderer Foren mit Entsetzen bei vielen Posts immer wieder feststelle? das Thema Foren-Flaute wurde schon mehrmals im Mitgliederbereich behandelt, beispielsweise hier. Nachdem ich mir ganz grob einen ersten Überblick über den von Dir verlinkten Thread verschafft habe, ist mein Gefühl, dass es wohl auch (oder vor allem?) an Letzterem liegt. Dies kann aber sicher nicht der einzige Grund für mangelnde Beteiligung alteingesessener oder neuer Mitglieder sein. Bei den einen (langjährigen) vielleicht Resignation? Oder vielleicht auch einfach nur "Einnicken", wie Du schreibst? Bei den anderen (neuen) die fehlende Initialzündung (zu der ich natürlich auch kein Patentrezept habe)?
Aber zurück zu Mariss Jansons: Ich mag auch seine Bruckner-Interpretationen während seiner Münchner Ära. so zum Beispiel die Messe Nr. 3 f-Moll, die er 2019 wenige Monate vor seinem Tod im Herkulessaal der Residenz aufführte. Die CD ist für mich ein Dokument von Wert über den Tag hinaus.
Maurice inaktiv (18.10.2024, 22:54): Eben habe ich in die Grosse g-Moll unter einem finnischen Wunderkind hineingehört, dessen Namen sich kein Mensch merken kann, weshalb ich ihn schon wieder vergessen habe Du meinst bestimmt Santtu-Matias Rouvali :D
Andréjo (19.10.2024, 00:20): Gibt's nicht auch noch so einen Art Peltokoski, der auch Mozart gerade einspielt? Noch einmal jünger, also wunderkindlicher und noch einmal aktueller? :D
Wobei ich - selbst wenn das jetzt vielleicht so rauskommt - nichts gegen finnische Musiker (allerlei Geschlechts) gesagt haben möchte. Das ist ein riesiges Nest äußerst begabter Musikanten und Komponisten (beiderlei Geschlechts). :thumbsup:
Joe Dvorak (19.10.2024, 03:39): Gibt's nicht auch noch so einen Art Peltokoski, der auch Mozart gerade einspielt? Ja, der. Wobei ich weder gegen die Herkunft noch gegen das junge Alter Vorbehalte habe - im Gegenteil, wenn ich so einen Stuss lese, dass es Erfahrung und Reife brauche, um ein Werk "geistig zu durchdringen", und dann sehe, was der unerfahrene und unreife Komponist im gleichen Alter geschrieben hat... Ich finde Peltokoskis Mozart nicht etwa misslungen, aber ich mag es halt rein kulinarisch gehört mehr mit britischem Understatement. (Dieser Anglizismus hat es tatsachlich in den Duden geschafft).
Hier noch so'n junger Überflieger mit einer Dame in den besten Jahren. Was für ein Gespann! Beide liefern in ihrer Rolle Sensationelles und das ist wahres miteinander konzertieren. Ich habe das Werk schon lange totgehört, aber die beiden erwecken es wieder zum blühenden Leben. Unbedingt anhören!
Jean Sibelius - Violinkonzert d-Moll, op. 47 Janine Jansen, Oslo PO, Klaus Mäkelä
Der Prokofiev ist auch der Hammer.
Maurice inaktiv (19.10.2024, 10:34): Wobei ich weder gegen die Herkunft noch gegen das junge Alter Vorbehalte habe - im Gegenteil, wenn ich so einen Stuss lese, dass es Erfahrung und Reife brauche, um ein Werk "geistig zu durchdringen", und dann sehe, was der unerfahrene und unreife Komponist im gleichen Alter geschrieben hat. Da gehe ich mit Dir nicht so ganz konform. Ein Dirigent nimmt genau so eine Entwicklung wie ein Musiker (Ja, beide Seiten sind natürlich auch Musiker, logisch) oder Solist. Auch ein Komponist entwickelt sich weiter, seine Sichtweise verändert sich teilweise sogar sehr stark von seiner früheren Schaffenszeit.
Bei Klaus Mäkälä habe ich noch gewisse Probleme, dass er sich zu sehr verzettelt, ähnlich wie bei damals Gustavo Dudamel.
Vielleicht kann ich mich selbst als Beispiel da mal erwähnen. Mein Stil hat sich in den letzten 10 Jahren ziemlich gewandelt. Früher mochte ich keine Balladen, dafür mehr die schnellen Stücke, die auch technisch teilweise sehr anspruchsvoll waren. Auch konnte ich in einer Tonhöhe agieren, die ich heute nur noch selten anstrebe, aber auch - altersbedingt - nicht mehr auf Dauer schaffen würde. Dafür mag ich mehr die Medium-Tempi oder gar Balladen spielen, die ich aber auch inzwischen gestalten kann. Ich meine damit natürlich den Jazzbereich. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal gerne was Schnelles spiele, aber das Verhältnis hat sich verändert, genau so wie meine Auffassung der Stücke und ihre Interpretation als Folge davon.
Ich finde daher schon, dass etwa junge Dirigenten (Ausnahmen bestätigen die Regel) vielleiht nicht immer die Musik so auffassen, wie sie vom Komponisten gemeint war. aber sie haben vielleicht auch nicht die richtigen Klangkörper zur Verfügung, die etwa ein gereifter Dirigent später übernehmen oder dirigieren wird. Es macht auch einen Unterschied aus, ob sie einen ebenso jungen Klangkörper vorstehen dürfen, oder ob man etwa vor einem Orchester wie die Berliner oder Wiener Philharmoniker zur Verfügung hat, die ein völlig anderes Niveau aufbieten als etwa ein Kammerorchester aus der Provinz, was aber mit eifrigen, hervorragend ausgebildeten Musikern aufwarten kann, die sich gerne den Vorschlägen des jungen Dirigenten unterwerfen.
Ich hoffe, man hat mich jetzt verstanden. Das Thema ist nämlich nicht uninteressant.
Bei der finnischen Dirigentenschule, die vor allem durch den Namen Jorma Panula überhaupt steht, ist in etwa das, was früher die Swarowsky-Schule in Wien oder später die Karajan-Schule in Berlin, die Celibadache-Schule in München war. Und da gab es noch viele andere Dirigenten, etwa Ferrara in Italien. Oder etwa die Bernstein-Schüler, angefangen von Seji Ozawa, der aber auch viel von Karajan gefördert wurde, oder Marin Alsop etwa, die von Bernstein her kam.
Andréjo (19.10.2024, 13:04): Maurice dürfte schon Recht haben, oder auch Recht! ;)
Mäkelä ist ja ein wenig in den Boulevard geraten, weil er Yuja Wang geärgert haben soll. Yuja Wang wiederum wirkt auch nicht von allzu großer Selbstbescheidung verfolgt.
Meinerseits versuche ich mich fernzuhalten von solchem Klatsch, der mit musikalischen Fähigkeiten nichts zu schaffen hat, aber ganz kommt man nicht dran vorbei, selbst wenn ich mich bemühe.
Maurice inaktiv (19.10.2024, 15:00): Maurice dürfte schon Recht haben, oder auch Recht! Darum geht es , glaube ich, wieder Joe noch mir. Ich sehe nur gewisse Parallelen zu anderen, früh hochgelobten Dirigenten, die dann doch nicht auf Dauer dieses Niveau haben halten können. Lorin Maazel war ja auch so ein "Wunderkind" oder Daniel Barenboim. Doch die möchte ich da nicht mit in die Liste nehmen. Barenboim hat sich teilweise sehr schwer getan als Dirigent, Maazel wurde nicht gerade von manchen Orchestern geliebt (bei einem der "Big Five" war man froh darüber, dass er sagte, er wäre die nächsten Jahre ausgebucht).
Mäkelä ist ja ein wenig in den Boulevard geraten, weil er Yuja Wang geärgert haben soll. Yuja Wang wiederum wirkt auch nicht von allzu großer Selbstbescheidung verfolgt. Das ist ein ganz schwieriges, völlig eigenes Thema. Doch das könnte am Ende Mäkälä mehr schaden als es je Wang schaden würde. Das hat auch nichts mit seiner musikalischen Qualität zu tun, sondern ist ein völlig privates Problem.
Andréjo (19.10.2024, 15:26): Was das Rechthaben anbelangt: Ich will weder Dir noch Joe widersprechen. Ich sehe da gar nicht so viele Differenzen. Maurice hat sehr ausführlich argumentiert und Joe, meines Erachtens, hat sich von einer anderen Seite genähert.
Das andere Thema ist zum einen schwierig - zum anderen interessiert es mich wirklich kaum und das möge so bleiben. Nur, wie gesagt, man kommt in unseren Foren nicht dran vorbei. Meine Sympathien halten sich leider für beide in Grenzen. Mäkelä ist noch zu jung, um in irgendeine Weltklasse gehypet zu werden - und die Ereignisse, soweit realiter stattgefunden habend, schaden ihm wohl wirklich mehr als ihr angesichts heutiger moralisch-ideologischer Präferenzen, um nicht "Moden" zu sagen - meine auch ich.
Und Yuja Wang ist eine grenzenlose Technikerin und sicher auch eine äußerst musikalische Dame - aber es gefällt mir nicht sonderlich, in welche Himmel sie gehoben wird - nicht von allen Experten freilich und das gilt auch für unsere Foren. Wie ich überhaupt nicht viel anfangen kann mit diesem Superlativ-Wahn, der überall gepflegt wird. Musizieren ist kein Hochleistungssport, der sich in Zahlen messen lässt. Aber gut - das ist eine Banalität und Euch so klar wie mir. :)
Maurice inaktiv (19.10.2024, 17:39): Was das Rechthaben anbelangt: Ich will weder Dir noch Joe widersprechen. Ich sehe da gar nicht so viele Differenzen. Maurice hat sehr ausführlich argumentiert und Joe, meines Erachtens, hat sich von einer anderen Seite genähert. So ist es.
Das andere Thema ist zum einen schwierig - zum anderen interessiert es mich wirklich kaum und das möge so bleiben. Nur, wie gesagt, man kommt in unseren Foren nicht dran vorbei. Meine Sympathien halten sich leider für beide in Grenzen. Das sei Dir selbstverständlich völlig vorgebalten.
Mäkelä ist noch zu jung, um in irgendeine Weltklasse gehypet zu werden - und die Ereignisse, soweit realiter stattgefunden habend, schaden ihm wohl wirklich mehr als ihr angesichts heutiger moralisch-ideologischer Präferenzen, um nicht "Moden" zu sagen - meine auch ich. Förderlich sind sie zumindest nicht wirklich.
Yuja Wang ist eine grenzenlose Technikerin und sicher auch eine äußerst musikalische Dame - aber es gefällt mir nicht sonderlich, in welche Himmel sie gehoben wird - nicht von allen Experten freilich und das gilt auch für unsere Foren. Für mich sind zur Zeit Frau Wang und Lang Lang die zwei technisch virtuosesten Pianisten im klassischen Bereich. Das ist eine Hausnummer, die wirklich unglaublich ist. Bei beiden Musikern klingt harte Arbeit spielerisch leicht, das ist die eine Seite des Ganzen.
Ich bin irgendwie von beiden Künstlern gefangen, wobei mir Lang Langs Gehabe auf der Bühne tierisch auf den Senkel geht. Dass Frau Wang extravagant ist, was ihre Outfits angeht, hatten wir das bereits früher schon, etwa bei Liberace, doch der könnte Yuja Wang vermutlich nicht einmal das Wasser reichen in allen Belangen. Doch das hat alles Null mit den Interpretationen von Wang und Lang Lang zu tun. Das, was ich auf einigen Videos gesehen und gehört habe, ist schon verdammt hervorragend. Doch ob sie mir bei Beethoven oder Mozart recht wäre? Keine Ahnung. Ich bin auch kein zu großer Freund vom Klavier, es sei denn, es swingt jemand darauf auf Teufel komm raus.
Nicolas_Aine (19.10.2024, 21:12): ich lager die Diskussion morgen mal aus. Ich finde das interessant und möchte gerne grade auch zu Maurice' Anmerkungen etwas schreiben, weil das ein Thema ist, über das ich mir gerade auch in den letzten Jahren immer wieder in meiner eigenen Entwichlung beschäftigt hat bzw. noch beschäftigt.
Joe Dvorak (20.10.2024, 04:35): Eine gute Idee. Und danke an Maurice für das Teilen seiner persönlichen Erfahrungen, das ist viel interessanter als die 72. Diskussion darüber, ob Karajan ein guter Dirigent war. Andréjo hat wahrscheinlich Recht, dass ich aus einer etwas anderen Richtung komme. Vielleicht fehlten in meinem Beitrag ein paar ironie-indizierende Gänsefüsschen. Es ist unbestritten, dass sich Auffassungen mit dem Alter ändern, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass diejenigen, die man in jungen Jahren hat, falsch sind. Worum es mir ging, ist, dass ich es lächerlich finde, wenn bei einer nicht so gelungenen Interpretation sofort auf das Alter und die mangelnde Erfahrung/Reife des Interpreten verwiesen wird. Oder per se die Fähigkeit zur 'geistigen Durchdringung' komplexer Werke abgesprochen wird. Zum einen setzen auch 70-jährige mal was in den Sand, zum anderen bringen Komponisten oft schon in jungen Jahren absolute Meisterwerke hervor. Mäkelä ist 28, Shostakovich vollendete seine 4. Sinfonie mit 30. Warum es zu früh sein sollte, die aufzunehmen, wie ich anderswo gelesen habe, verstehe ich nicht. Randbemerkung: Ich meine nicht, dass er sich verzettelt, ich meine, dass er verheizt, oder sagen wir, ausgepresst wird. Die Schallplattenindustrie heißt nicht umsonst Industrie, das Produkt verkauft sich im Moment gut, da muss mindestens jedes halbe Jahr ein Update raus, solange es heiß ist.
Maurice inaktiv (20.10.2024, 13:09): ich lager die Diskussion morgen mal aus. Ich finde das interessant und möchte gerne grade auch zu Maurice' Anmerkungen etwas schreiben, weil das ein Thema ist, über das ich mir gerade auch in den letzten Jahren immer wieder in meiner eigenen Entwichlung beschäftigt hat bzw. noch beschäftigt. Ja, bitte. Deshalb auch meine Anmerkung, dass das ein spannendes Thema sein kann, wenn man es sachlich angeht. Und auch Du als Musiker unterliegst j auch durch ständige Selbstbeschäftigung diesem Thema und musst dafür durchaus viel Zeit aufwenden.
Eine gute Idee. Und danke an Maurice für das Teilen seiner persönlichen Erfahrungen, das ist viel interessanter als die 72. Diskussion darüber, ob Karajan ein guter Dirigent war. Danke. Gerne doch. Dass Karajan etwas konnte ist unbestritten. :D
Andréjo hat wahrscheinlich Recht, dass ich aus einer etwas anderen Richtung komme. Vielleicht fehlten in meinem Beitrag ein paar ironie-indizierende Gänsefüsschen. Es ist unbestritten, dass sich Auffassungen mit dem Alter ändern, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass diejenigen, die man in jungen Jahren hat, falsch sind. Worum es mir ging, ist, dass ich es lächerlich finde, wenn bei einer nicht so gelungenen Interpretation sofort auf das Alter und die mangelnde Erfahrung/Reife des Interpreten verwiesen wird. Oder per se die Fähigkeit zur 'geistigen Durchdringung' komplexer Werke abgesprochen wird. Zum einen setzen auch 70-jährige mal was in den Sand, zum anderen bringen Komponisten oft schon in jungen Jahren absolute Meisterwerke hervor. Da ich Dich inzwischen durchaus etwas kenne, waren mir die "Gänsefüßchen" durchaus bewusst, die Du Dir an manchen Stellen gedacht hattest. Und natürlich setzen auch ältere Dirigenten Konzerte oder Aufnahmen in den Sand. Allerdings gibt es Werke, bei denen alleine ein Durchblicken durch die Partitur alleine nicht ausreicht, dazu braucht man schon das gewisse "Händchen", was halt manchmal fehlt.
Mäkelä ist 28, Shostakovich vollendete seine 4. Sinfonie mit 30. Warum es zu früh sein sollte, die aufzunehmen, wie ich anderswo gelesen habe, verstehe ich nicht. Ich schon. Schreiben kann der Komponist viel, aber der Dirigent muss daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Manchmal wäre es hilfreich, wenn da ein Dirigent etwa Werke aus dem gleichen Zeitraum von Komponist B oder/und C ebenfalls kennt. Als Beispiel möchte ich etwa Hans Rotts E-Dur-Sinfonie einblenden. Wer diese als Partitur auslesen kann, wird schnell Parallelen zu den Werken Gustav Mahlers erhören und erkennen, die dieser 10 Jahre später erst geschrieben hat. Auch ist es gut zu wissen, dass er Meisterschüler Bruckners war. Bei Rott meine ich immer, dass diese Sinfonie die eigentlich "Erste" von Mahler war. Dabei sollte man halt wissen, dass Rott und Mahler befreundet waren, sich auch untereinander ausgetauscht hatten und Mahler die Partitur Rotts einsehen konnte.
Randbemerkung: Ich meine nicht, dass er sich verzettelt, ich meine, dass er verheizt, oder sagen wir, ausgepresst wird. Dan liegen wir absolut auf einer Linie. Das meinte ich ja mit verzetteln. Er will (oder muss wollen) zu viel auf einmal können, das ist einfach nicht möglich. Dass er seinen Sibelius kennt liegt auf der Hand. Damit wurde er mit absoluter Sicherheit bei Jorma Panula jahrelang beglückt. Außerdem gehe ich auch hier davon aus, dass sich die angehen Dirigenten untereinander oft getroffen und gemeinsam darüber gesprochen oder gar musiziert haben.
Nicolas_Aine (22.10.2024, 22:08): Guten Abend, nun habe ich es endlich geschafft, die Diskussion auszulagern. Wer Ideen für einen besseren Titel hat: her damit!
Nicolas_Aine (22.10.2024, 22:33): tja, das mit dem Alter ist so eine Sache. Ich bin ja nun auch älter als vor 10 Jahren, und bemerke durchaus, dass ich eine größere musikalische Entwicklung hinter mir habe. Sicher beruht diese auch zu einem großen Teil darauf, dass ich in den letzten 15 Jahren ein Musikstudium angefangen und abgeschlossen habe, und von diesem mit größerer Überschneidung in das Berufsleben eines Orchestermusikers eingestiegen bin. Aus jetziger Perspektive finde ich interessant, dass eine richtige Reifung erst einsetzte, nachdem ich mich weitgehend von der Hochschule gelöst hatte, mit dem Berufsalltag und dessen praktischen Herausforderungen konfrontiert war und bei weitem nicht mehr die Zeit hatte, jedes Stück bis zur letzten Note auszuarbeiten und zu durchdenken. Andererseits führt das auch dazu, dass man Wege findet, Dinge schneller zu durchschauen, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass man in recht kurzer Zeit recht viele Noten auf dem Pult hat, was im Studium ganz anders ist. Perlman sagte mal vor ein paar Jahren in einem Interview, er sei kein besserer Geiger geworden in den letzten 40 Jahren, aber ein besserer Musiker. Und das triffts eigentlich ganz gut bei vielen Musikern, die ich aus kürzerer oder weiterer Distanz wahrnehme. Insofern stimme ich Maurice weitgehend zu. Zumal ja auch noch etwas weiteres dazukommt, was für Dirigenten noch wesentlich wichtiger ist als für Instrumentalisten oder Sänger: Es reicht ja nicht aus, ein Werk verstanden oder durchdrungen zu haben, man muss auch in der Lage sein, dass auf die Bühne zu bringen. Und da merkt man bei jungen Dirigenten tastsächlich oft, dass das für sie schwierig ist. Wie geht man mit einem Orchester und dessen individuellen Musikern um, wie strukturiert man eine Probe, wie weit lässt man das Orchester sein Ding machen oder eben auch nicht, wie behält man Autorität, ohne arrogant zu wirken, wie schafft man es, die Musiker dazu zu bringen, die eigenen Vorstellungen unterstützen zu wollen, etc. pp.. Alles Dinge, die man nur sehr begrenzt im Studium lernt, da hilft nur machen und ausprobieren, was dann natürlich seine Zeit dauert. Nun ist es aber natürlich auch so, dass es Leute gibt, denen all diese Dinge schon in jungen Jahren gelingen. Will sagen, ein junger Musiker kann durchaus schon eine große Reife besitzen. Aber das heißt nicht, dass er nicht noch deutlich mehr an Reife zulegen kann. Bspw. finde ich, dass die frühen Bach Aufnahmen von Hilary Hahn durchaus schon eine große Reife und Durchdringung aufweisen; nichtsdestotrotz hört man eine klare Entwicklung, wenn man sie heute Bach spielen hört. Auch hier trifft es Perlman recht gut: Er sagte mal über sich, er sah sich nie als Wunderkind; ein Wunderkind ist für ihn ein Kind, bei dem man, wenn man in mit geschlossenen Augen oder ohne Bild spielen hört, denkt, man höre einen Erwachsenen.
Maurice inaktiv (23.10.2024, 07:44): Du hast das sehr schön und meiner Meinung nach absolut treffend beschrieben: Auf der einen Seite hilft ein Studium enorm weiter, gerade auch in technischer Hinsicht, aber auch bei der Durchsicht des Notenmaterials, aber das alleine macht noch keine herausragende Einspielung oder Aufführung aus.
Vielleicht noch eine kleine Geschichte zum Thema "junger Dirigent" aus der eigenen Erfahrung. Wir hatten damals (1983-1987 und erneut 1991-1992) einen ganz jungen Dirigenten, der sein Handwerk bei der Bundeswehr gelernt hat(te). Er war beim damaligen Stabsmusik-Korps in Siegburg gewesen, also bei DEM Bundeswehrorchester damals überhaupt. Er war technisch gesehen der bis heute beste Dirigent, unter dem ich je gespielt hatte (mit Ausnahme von Walter Ratzek, der später selbst in Siegburg und Berlin Chef war).
Was dieser Mann gehört, gesehen oder auch aus einer Partitur gelesen hatte war absolut topp. Er war immer topp vorbereitet und wusste auf jede Frage eine Antwort. Er brachte dem Orchester eine Disziplin bei, die es zuvor und danach nie wieder erreichen sollte (bis heute nicht). Doch menschlich gab es kaum jemanden, der mit ihm klar kam. Bei seinem zweiten Engagement war er etwas umgänglicher, aber noch immer war es schwierig gewesen mit ihm.
Er ging damals von uns aus nach Österreich, wo er ein Berufsorchester übernahm, ist aber auch dort kläglich gescheitert. Nach seinem zweiten Engagement bei uns wurde er Pilot, dann habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Er ist an sich selbst gescheitert.
Ich hatte einige Jahre bei ihm Trompetenunterricht. Er war ein strenger Lehrer, aber ich habe wirklich sehr viel bei ihm gelernt. Er hat einige Fehler meines ersten Lehrers ausgebügelt, und ohne ihn wäre ich nie am Konservatorium gelandet. Und da er anschließend noch zwei weitere Schüler dorthin gebracht hatte, spricht nicht gegen ihn. Doch es gab keine Unterrichtsstunde, bei dem ich mich nicht mit ihm an die Wolle bekommen habe. (OK, ich war als Teenager auch nicht gerade lahmfromm gewesen, bin ich bekanntlich heute noch nicht). Doch da mein Lehrer am "Kon" mit mir bestens umgehen konnte, hatte ich seltsamerweise anschließend in dieser Hinsicht keine Probleme mehr. Im Gegenteil, ich hatte einen wirklich exzellenten Lehrer erwischt, dem ich mein Leben lang dankbar sein werde (was ich ihm auch später mal gesagt hatte). Er hatte halt viel Erfahrung, ohne deshalb altbacken und wie ein Oberlehrer rüberzukommen, im Gegenteil, er hatte einen sehr feinen Humor, und wir hatten viel gelacht beim Unterricht. Wenn ich das gerade schreibe, huscht mir ein Lächeln über das Gesicht, das sagt schon viel aus über diesen tollen Lehrer, Menschen und Musiker.
Ich habe also direkt den Unterschied mitbekommen zwischen einem jungen, topp ausgebildeten Lehrer und Dirigenten und einem sehr erfahrenen Lehrer, der einfach das richtige Gefühl für seine Schüler hatte. Wir alle haben ihn sehr verehrt. Sein Kollege (er hatte die Professur für die Stelle inne) hat sich auch nur lobend über ihn ausgesprochen (er war zufällig mal auf einem Konzert gewesen, bei dem ich gespielt hatte. In der Pause fragte er mich, bei wem ich Unterricht hatte. Als er den Namen hörte, musste er laut lachen, denn es war sein geschätzter Kollege gewesen. Ich wusste selbst nicht, wer mein Gegenüber war bis er sich mir vorgestellt hatte).
Früher habe ich die Dinge vor allem von der technischen Seite aus gesehen und interpretiert (das war noch bis in die ersten 2-3 Jahre meiner Zeit, als ich mich vor allem auf den Jazz festgelegt hatte), später kam beim Jazz dann die Harmonische Seite dazu. Inzwischen halte ich die reine Interpretation für viel wichtiger als den Rest. Sicher, manche Stücke kann man nur mit einer gewissen technischen Brillanz spielen, andere Stücke muss man mehr die Harmonien in den Vordergrund stellen, man muss einfach flexibler werden, was man durch Erfahrung und Zusammenspiel mit anderen Kollegen mit der Zeit lernt. Außerdem ist mir die Auswahl des Repertoires sehr wichtig geworden. Man muss nicht jeden Standard spielen können, das sollen die Anderen machen, mir sind die Raritäten wichtiger, die nicht jeder spielt, die aber keinesfalls schwächer sind als die bekannteren Stücke.
Diese besondere Auswahl des Repertoires kann man inzwischen auch in der Klassik verfolgen. Sicher, gewisse Standardwerke sind irgendwie "Pflicht", aber wer will schon drei Mal pro Saison die gleichen Stücke im Konzert hören? Ich jedenfalls nicht.
Ich weiß, dass man solche Erfahrungen nicht auf jeden Kollegen übertragen kann und darf, aber ich bin mir sicher, dass viele Kollegen aus unterschiedlichen Musikbereichen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wenn sie sich weiterentwickeln wollen. Ich könnte heute nicht mehr jene Stücke spielen, die ich mir damals erarbeitet hatte am Konservatorium, aber das ist heute auch nicht mehr meine Berufung und mein Wunsch. Dafür habe ich aber ein großes Repertoire mir erarbeitet auf meinem eigentlichen Gebiet, dem Jazz der Zeit 1910-1960 etwa. Doch ich könnte noch immer eine Polka spielen, man verlernt sowas nicht, auch wenn es nicht mehr mein Bereich ist. Das mag dem Klassiker jetzt befremdlich vorkommen, aber es geht auch nicht darum, sondern um die Entwicklung eines Musikers von vor 40 Jahren hin zu heute. Da hat jeder andere Ziele.