Alvin Lucier - I Am Sitting in a Room: for voice on tape
Cetay (inaktiv) (22.05.2009, 10:31): Ich möchte hier ein Stück vorstellen, das auf dem Gebiet der Elektroakustik als absoluter Klassiker gibt. Es stammt von Alvin Lucier, der sich in vielen Werken direkt mit dem Wesen und der Wirkung von Klängen beschäftigt und dabei auch außermusikalische (Performance-)Künste und die Wissenschaft miteinbezeiht.
I Am Sitting in a Room (1969) ist eine von Lucier gesprochene Aufnahme, die in einem Raum abgespielt und gleichzeitig aufgenommen wird. Diese Aufnahme wird wiederum in demselben Raum abgespielt und gleichzeitig aufgenommen. Dieser Vorgang wird 45 Minuten lang wiederholt, mit dem Ergebnis, dass die Bedeutung der Wörter immer mehr in den Hintergrund tritt und schließlich lediglich die Resonanzeigenschaften des Raumes selbst übrig bleiben. Der zu sprechende Text ist Libretto, Partitur und Ausführungsanweisung in einem. Zu lesen hier, zu hören da.
Ich muss zugeben, bis gestern noch nie etwas von diesem Stück gehört zu haben, schließe mich aber nach ein- (und wahrscheinlich auch letzt-) maligem Hören dem allgemeinen Konsens an. Das ist wirklich ein Klassiker, der genau das bietet, was ich mir von zeitgenössischer Musik (auch) erhoffe: Er regt zum Nachdenken an und schafft Veränderungen von Bewußtheit und der Art des Hörens und Zuhörens. Die philosophischen Implikationen dieses Werks können bei offenhirnigen Hörern gewaltig sein, weil sie nicht -wie bei vielen zeitgenössischen Kompositionen üblich- in das Werk hineingelegt werden, sondern weil sie sich unmittelbar daraus erschließen.
Wer von euch hat von dieser Komposition schon gehört? Und wer hat sie schon mal -bis zum Ende- angehört? Was haltet ihr davon? Was hat sie euch zu sagen? (Die letzten Fragen zielen nicht darauf ab, darüber zu fabulieren, ob das nun noch Musik oder Kunst ist - aber wer will, darf das natürlich dennoch tun.)
nikolaus (22.05.2009, 20:17): Ich habe kurz 'reingehört in den link, sehr spannend!
Das das ein Klassiker ist, glaube ich gerne.
Gerade heute habe ich im Radio einen Bericht über ein Streichquartett-Komponisten-Wettbewerb in Mönchengladbach (glaube ich) gehört. Einer der fünf Finalisten hat ein Stück komponiert, bei dem das, was live gespielt wird, aufgenommen und "real time" zum live-Geschehen zugemischt wird (o. so ähnlich, ganz begriffen habe ich es offenbar nicht...)
Nikolaus.
EinTon (24.05.2009, 00:59): Einer der fünf Finalisten hat ein Stück komponiert, bei dem das, was live gespielt wird, aufgenommen und "real time" zum live-Geschehen zugemischt wird (o. so ähnlich, ganz begriffen habe ich es offenbar nicht...)
Wahrscheinlich mit einem Sampler.
Fred Frith hat mal in einem Solokonzert was ähnliches mit seiner Gitarre gemacht, da hörte man dann alsbald 5 (oder mehr) übereinandergeschichtete Gitarren.
Wer minimalistisch-elektronische Sachen mag, dem sei desweiteren auch das label raster-noton empfohlen, speziell die "spartanischeren" Sachen etwa von alva noto oder carl michael von hausswolff (ich sag nur "ström"!)
Jimi (29.05.2009, 22:38): Original von Dox Orkh Wer von euch hat von dieser Komposition schon gehört? Und wer hat sie schon mal -bis zum Ende- angehört? Was haltet ihr davon? Was hat sie euch zu sagen? (Die letzten Fragen zielen nicht darauf ab, darüber zu fabulieren, ob das nun noch Musik oder Kunst ist - aber wer will, darf das natürlich dennoch tun.)
Hallo Dox,
ich kannte das auch nicht, und ganz ehrlich, nach den ersten 5 -10 min habe ich gedacht :na toll, da liest einer ein "Gedicht" vor und durch die immer mehr verstärkten Raumresonanzen wird man halt am Ende nix mehr verstehen, was hat das bitte mit Vokalmusik zu tun. Genau, man sollte sich immer erst alles anhören bevor man ein Urteil fällt. Ich habe das Ganze dann zum Glück so nebenher weiterlaufen lassen, und mit der Zeit hat sich die mittlerweile nicht mehr verständliche Sprechstimme dann doch erstaunlicherweise irgendwie in eine Art " undefinierbare Instrumentalmmusik" verwandelt. Gerade die letzten paar Minuten fand ich dann doch vom Klang her recht faszinierend. Ich weiß nicht ob das nach irgendeiner theoretischen Definition Musik ist, das ist mir auch relativ wurscht, aber mich interessiert wie das Stück(nur der Schluss) auf jemanden wirkt der nicht weiß worum es geht. Also habe ich es aufgenommen und nur die letzten 2min davon meiner Frau vorgespielt und sie dazu gefragt:
a: Ist das Musik? b: Was könnte es sein? c: Wie findest du es?
Die Antworten waren:
a: Was soll es denn sonst sein. b: Könnte eine Glasharfe mit Synthesizer sein. c: sphärisch psychedelisch könnt ich mir gut als SiFi-Filmmusik vorstellen.
Als ich ihr den Rest vorgespielt habe, war sie dann ganz schön verblüfft, das sie kein Instrument sondern nur einen rezitierten Text und Raumresonanzen gehört hat.
Vielleicht hat jemand von euch Lust diese kleine "Experiment" zu wiederholen, würde mich schon interessieren wie andere Personen die Fragen beantworten.
:hello Jimi
Cetay (inaktiv) (31.05.2009, 11:22): Original von Jimi Original von Dox Orkh Wer von euch hat von dieser Komposition schon gehört? Und wer hat sie schon mal -bis zum Ende- angehört? Was haltet ihr davon? Was hat sie euch zu sagen? (Die letzten Fragen zielen nicht darauf ab, darüber zu fabulieren, ob das nun noch Musik oder Kunst ist - aber wer will, darf das natürlich dennoch tun.)
Hallo Dox,
ich kannte das auch nicht, und ganz ehrlich, nach den ersten 5 -10 min habe ich gedacht :na toll, da liest einer ein "Gedicht" vor und durch die immer mehr verstärkten Raumresonanzen wird man halt am Ende nix mehr verstehen, was hat das bitte mit Vokalmusik zu tun. Genau, man sollte sich immer erst alles anhören bevor man ein Urteil fällt. Ich habe das Ganze dann zum Glück so nebenher weiterlaufen lassen, und mit der Zeit hat sich die mittlerweile nicht mehr verständliche Sprechstimme dann doch erstaunlicherweise irgendwie in eine Art " undefinierbare Instrumentalmmusik" verwandelt. Gerade die letzten paar Minuten fand ich dann doch vom Klang her recht faszinierend. Ich weiß nicht ob das nach irgendeiner theoretischen Definition Musik ist, das ist mir auch relativ wurscht, aber mich interessiert wie das Stück(nur der Schluss) auf jemanden wirkt der nicht weiß worum es geht. Also habe ich es aufgenommen und nur die letzten 2min davon meiner Frau vorgespielt und sie dazu gefragt:
a: Ist das Musik? b: Was könnte es sein? c: Wie findest du es?
Die Antworten waren:
a: Was soll es denn sonst sein. b: Könnte eine Glasharfe mit Synthesizer sein. c: sphärisch psychedelisch könnt ich mir gut als SiFi-Filmmusik vorstellen.
Als ich ihr den Rest vorgespielt habe, war sie dann ganz schön verblüfft, das sie kein Instrument sondern nur einen rezitierten Text und Raumresonanzen gehört hat.
Vielleicht hat jemand von euch Lust diese kleine "Experiment" zu wiederholen, würde mich schon interessieren wie andere Personen die Fragen beantworten.
:hello Jimi
Hallo Jimi,
danke für diesen Beitrag. Im Moment fallen meine Versuche, die tiefere Bedeutung dieses Stückes zu formulieren, noch sehr pathetisch aus und ich weiß nicht, ob das noch besser wird. :D
Also belasse ich es vorerst bei der Frage, wie du das aufgenommen hast; online?. Es gibt anscheinend Programme, mit denen man Streamings mitschneiden und dann ein editierbares File (mp3 oder ähnliches) daraus machen kann (selbstredend nur für den privaten Gebrauch; und wenn eine legal kostenlos erströmte CD richtig gefällt, dann wird sie später auch gekauft!). Das ist vielleicht von allgemeinem Interesse und könnte hier in der Technikecke diskutiert werden.
:hello Jochen
Jimi (31.05.2009, 18:26): Original von Dox Orkh Also belasse ich es vorerst bei der Frage, wie du das aufgenommen hast; online?.
Fast wie in der "guten alten Zeit", aber halt nicht auf Cassette sondern mit einem Audioplayer der auch von der Soundkarte aufnehmen kann: Jetaudio. Die Methode funktioniert halt immer, dauert in diesem Fall halt 45min.