Ambroise Thomas – Mignon

Solitaire (29.04.2013, 19:18):
Da wir noch keinen Thread zu dieser heute selten gespielten Oper haben, eröffne ich ihn hiermit.
Ich kannte die Oper lange nur aus den Erzählungen meiner Mutter, die sie sehr mag, und heftig bedauert, dass sie in Deutschland sehr selten gespielt wird, während sie in Frankreich gelegentlich zu hören sein soll.
1866 uraufgeführt, erzählt das Werk die Geschichte der geheimnisvollen Titelheldin und orientiert sich dabei sehr vage an Motiven der Mignon-Episode aus Goethes „Wilhelm Meister“.
Die Handlung in Kürze und Schlaglichtern:
Wilhelm Meister macht in einem Gasthaus die Bekanntschaft der Schauspielerin Philine, die mit einer Theatergruppe umherzieht und verguckt sich in sie. Gleichzeitig lernt er das Mädchen Mignon kennen, die mit einer Zigeunertruppe unterwegs ist von der sie übel misshandelt wird.
Mignon hat kaum Erinnerungen an ihre Kindheit, weiß nicht wie alt sie ist und woher sie kommt, sehnt sich aber nach dem „Land wo die Zitronen blühn“.
Wilhelm kauft Mignon frei, auf ihre Bitten gestattet er ihr, als Page gekleidet, bei ihm zu bleiben. Mignon verliebt sich in Wilhelm ,der aber immer noch in Philines Bann steht.
Nach einiger Zeit beendet Wilhelm das seltsame Zusammenleben mit Mignon und trennt sich von ihr. Lothario, ein alter fahrender Sänger mit Gedächtnisproblemen und seit Jahren auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter, steckt das Schloß in dem Philines Theatertruppe residiert in Brand als Mignon in ihrer verzweifelten Eifersucht diesbezügliche Wünsche äußert…
Natürlich kommt Mignon in den Flammen fast um. Natürlich rettet Wilhelm sie.
Er zieht mit ihr und Lothario nach Italien wo das Mädchen gesunden soll. Natürlich verliebt er sich nun in Mignon. Natürlich stellt sich heraus, dass Lothario Mignons Vater und sie seine als Kind von Zigeunern geraubte Tochter ist.
Und natürlich kriegen sich Mignon und Wilhelm.
Und über die Sache mit dem angezündeten Schloß spricht irgendwie auch keiner mehr…

Die bekanntesten, und auch heute gelegentlich noch im Konzert zu hörenden Stücke sind wohl Mignons „Kennst du das Land wo die Zitronen blühn“, Wilhelms „Lebe wohl, Mignon“ und natürlich Philines Bravourarie „Titania ist herabgestiegen“, das einzige Stück, das ich auch in der französischen Fassung „Je suis Titania la blonde“ kenne, denn „meine“ Mignons waren bisher alle Deutsch.

Ich kannte bisher vor allem diesen Querschnitt mit Pilar Lorengar, Ruth Margret Pütz, Gottlob Frick und dem wie immer wunderbaren Fritz Wunderlich:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/81AdAlcLrmL._AA1500_.jpg

Als Geschenk für meine Mutter habe ich nun diese Gesamtaufnahme gekauft und selbstverständlich selber gehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51LzeW74gnL._SL500_.jpg
Grund für gerade diesen Kauf, war Rudolf Schock, den meine Mutter seit ihrer Jugend sehr verehrt.
Im Gegensatz zum Querschnitt wird Mignon hier mit Hertha Töpper, und damit mit einer Altistin besetzt. Eine Wahl die m.E. unglücklicher nicht sein könnte. Frau Töpper hatte gewiß eine sehr schöne Stimme, aber durch ihr sehr frauliches Timbre geht auch der letzte Rest von Mignons geheimnisvollem Reiz, von diesem Wesen zwischen Kind und Frau, Mädchen und Knabe verloren. Bei Goethe ist Mignon etwa 12 bis 14 Jahre alt, Hertha Töpper geht rein stimmlich glatt für 40 durch und das geht gar nicht. :S
Ich bin vielleicht zu harsch in meinem Urteil, aber mich hat das sehr gestört.
Mimi Coertse als Titania hat mir gefallen, auch wenn ich Ruth Margret Pütz mehr mag und von ihrer Titania-Arie regelmäßig an die Wand geblasen werde.
Rudolf Schock war ein wirklich guter Wilhelm Meister, und es nicht seine Schuld, das bei mir Fritz Wunderlich gleich nach dem lieben Gott kommt und ich seine tenoralen Zeitgenossen daher nicht ganz fair beurteilen kann.
Neben der unpassend besetzen Mignon leidet die Aufnahme unter der Unsitte, die gesprochenen Passagen der Oper mit Schauspielern zu besetzen, statt mit Sängern.
Wer kennt diese Werk und weiß vielleicht sogar ob und wo es in Deutschland zu hören ist? Meine Mutter würde sich totfreuen…
Und wer kann mir sagen, ob Thomas nun einen Mezzo/Alt oder doch eine Sopranistin für seine Mignon wollte? Wikipedia bezeichnet Mignon als „jugendlich lyrischen Sopran“.
palestrina (29.04.2013, 21:51):
Hallo Solitaire !

Schöner Thread, ich mag die Oper auch sehr ! DANKE !

Allein schon die Ouvertüre mit ihrer langsamen Einleitung und dem franz .Charme !
Auch bietet die Mignon eine Überfülle an schönen Arien und Duetten .
Auch abseits des gängigen z.B. das Wiegenlied des Lotario . Ja R. M. Pütz ist schon eine tolle
Philine ! Und zu Wunderlich muss man bei weiteres Wort verlieren. Und P. Lorengar ist eine
ganz hervorragende Mingon !!
Die andere deutsch gesungene Aufnahme gibt es neu , in wesentlich besserer Klanqualität s.u.
Aber nun zu meiner Lieblingsaufnahme von '77 , mit der super M. Horne als Mignon, denn im
Original ist Mignon eine Mezzopartie , und die Horne singt das wunderschön !
Und vorallem bietet die Aufnahme einen echten franz. Tenor mit einer sehr schönen Stimme !
Und es sei noch erwähnt , der gut gesungene Lothario von N. Zaccaria und die bezaubernde
Philine von R. Welting . Eine rundum gelungene Produktion !
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0886975273324.jpg

Dann gibt es noch eine rein franz .Produktion von '52 , die ich nicht so gut finde (Tonqualität ).
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4032250043939.jpg

Und die oben erwähnte neue Überspielung .
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/7619934191123.jpg

LG palestrina
palestrina (29.04.2013, 22:03):
Noch eine Anmerkung zu der Partie des Wilhelm Meister. Es gab eine Franz.Tradition
die Voix mixte , die verblendung von Kopf und Bruststimme , es gibt eine Box mit Franz.
Sängern der Zeit 1950-1960 in etwa , da singt z.B. Henry Legay das ganz hervorragend
in den beiden Arien aus Mignon.
Einen Vertreter dieser Stimmgattung den wir kennen , war Nicolai Gedda der das auch
beherrschte !

LG palestrina
Solitaire (06.05.2013, 11:50):
Hallo palestrina!
Entschuldige bitte, daß ich jetzt erst antworte, aber ich bin im Augenblick beruflich so eingespannt, daß ich kaum dazu komme, ins Internet zu gehen... :(
Danke jedenfalls für deine Anmerkungen und Tips.
Ich dachte mir schon fast, daß Mignon im Original tatsächlich mit einem Mezzo besetzt wird.
2012 wurde die Oper offenbar in Genf gespielt, mit Sophie Koch in der Titelrolle und Diana Damrau als Philiine.
Klick

Kennst du das "Requiem für Mignon" von Robert Schumann? Es beschreibt Mignons Beerdigung (bei Goethe stirbt sie ja).Wir haben es vor zwei Jahren im Chor gesungen und es hat mein romantisches Gemüt sehr erfreut :D
Klick
palestrina (06.05.2013, 12:40):
Hallo Solitaire !

Nein das "Requiem für Mignon " kenne ich leider nicht !
Bei der Rezension aus Genf , ja Sophie Koch kann ich mir in der Rolle gut vorstellen!
Aber Diana Damrau spröder Klang , nein, habe sie vor einem 3/4 Jahr noch gehört als Gilda
war alles in bester Ordnung , aber es ist wie immer , jeder hat mal einen schlechten Tag !
Wie lautet der Tenor aus dem Sänger Thread , Sänger sind auch nur Menschen und keine
Maschinen , ich habe dafür Verständnis!
Und ja, einen guten Tenor brauchts schon für den Wilhelm Meister, ich denke ein ital. Tenor
ist denkbar ungeeignet für diese Partie , sie braucht ein anderen Klang s.o.!
Das ist wohl in der heutigen Zeit schwieriger, diese Art Opern zu besetzen.

LG palestrina
Maurice inaktiv (06.05.2013, 14:10):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/610pgaAzDDL._AA160_.jpg

Das Requiem für Mignon gibt es hier als Beispiel,mit einigen anderen Schumann-Werken recht preiswert.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51IgUTRUCuL._AA160_.jpg

Hier eine sehr gute Einspielung unter Wolfgang Sawallisch,die leider vergriffen ist zur Zeit.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51NM2NCQY2L._AA160_.jpg

Bei Abbado dürfte man auch gut bedient werden,denke ich mal.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61JHm7bI6mL._AA160_.jpg

Hier bekommt man gleich die "volle Dröhnung" mit 9 CDs,die auch gleich die erste Einspielung von mir Oben mit beinhaltet.

VG,Maurice
Severina (06.05.2013, 18:28):
Original von Solitaire
Hallo palestrina!
Entschuldige bitte, daß ich jetzt erst antworte, aber ich bin im Augenblick beruflich so eingespannt, daß ich kaum dazu komme, ins Internet zu gehen... :(
Danke jedenfalls für deine Anmerkungen und Tips.
Ich dachte mir schon fast, daß Mignon im Original tatsächlich mit einem Mezzo besetzt wird.
2012 wurde die Oper offenbar in Genf gespielt, mit Sophie Koch in der Titelrolle und Diana Damrau als Philiine.
Klick

Liebe Solitaire,

meine Schweizer Freunde waren bei dieser Aufführung in Genf und berichteten mir sehr begeistert davon! Ich werde mich einmal erkundigen, ob es eine Aufzeichnung davon gibt. Ansonsten muss ich beschämt gestehen, diese Oper noch nie zur Gänze gehört zu haben.
Palestrinas Tipp - die Aufnahme mit Marylin Horne - würde mich allerdings reizen. Ich werde sie also auf meine Wunschliste setzen!

lg Sevi :hello