André Cluytens

Falstaff (14.11.2017, 23:10):
André Cluytens hat sich gerade in der letzten Zeit zu einem meiner bevorzugten Dirigenten entwickelt. Und nun sehe ich, dass nicht gar kein Thread zu ihm existiert. Also werde ich das einmal ganz schnell ändern. ;)

André Cluytens wurde am 26. März 1905 in Antwerpen geboren und starb am 03. Juni 1967 in Neuilly-sur-Seine in Frankreich.

Bereits als 9-jähriger besuchte er das Musikkonservatorium von Antwerpen. Bereits mit 22 Jahren wurde er dann 1. Dirigent am Bourlaschouwburg, einem Theater in seiner Heimatstadt. Ab 1932 dirigierte er dann in Frankreich (Toulouse, Lyon, von 1946-1953 Chefdirigent an der Opéra Comique, ab 1944 auch am Palais Garnier). 1940 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an, beharrte aber weiterhin auf einer flämischen Aussprache seines Nachnamens. 1949 folgte er Charles Munch als Chefdirigient des Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire Paris nach, ein Posten, den er bis 1960 behielt. Gleichzeitig gastierte er als Opern- und Konzertdirigent aber in der ganzen Welt. 1955 debütierte er in Bayreuth mit dem 'Tannhäuser', wobei dann in den folgenden Jahren noch 'Lohengrin' 'Parsifal' und die 'Meistersinger' folgten.

Auch wenn Cluytens in seinen frühen Jahren italienische Oper dirigiert hat, ist er v.a. durch seine Interpretationen der französischen Oper und Wagner, durch das französische, russische und deutsche Konzertrepertoire bekannt.

Sein Stil ist ganz französisch. Egal was er dirigierte, es zeichnete sich stets durch einen leichten (nicht oberflächlichen) und hellen Ton aus, durch Flüssigkeit und Esprit aus. Das kam ihm natürlich v.a. im französischen Repertoire zu gute. So sind seine Opernaufnahmen aus diesem Bereich maßstäblich geworden, als Interpretationen, die noch einmal die Werke ganz im Sinne der französischen Gesangsschule darboten.

Gerade diese Opernaufnahmen, seine 'Carmen', sein erster 'Hoffmann', seine 'Perlenfischer', aber auch die Wagner-Opern, sein Beethoven und v.a. sein Ravel mit Samson Francois begeistern mich immer wieder. Man höre nur einmal seine 'Carmen'. So sehr ich die italienisch singenden Carmens schätze und liebe, aber hier ist plötzlich jemand, die weiß, dass Bizet die beiden Arien der Carmen als Chanson bezeichnet hat. Und so klingt auch die ganze Aufnahme ohne, dass sie schlicht und nichtssagend daherkommen würde. Callas wusste das übrigens auch (und Pretre), aber sie war damals nicht mehr auf dem Zenit ihrer Stimme.

:hello Falstaff
Falstaff (14.11.2017, 23:12):
Hier also die Aufnahme der 'Carmen' unter Cluytens.



Wer eine wirklich französische 'Carmen' haben möchte, greife zu dieser.

:hello Falstaff
Falstaff (14.11.2017, 23:20):
Andere große Opernaufnahmen mit Cluytens aus dem französischen Repertoire:









:hello Falstaff
Falstaff (14.11.2017, 23:26):
Und dann natürlich die Wagner-Opern:




:hello Falstaff
Falstaff (14.11.2017, 23:32):
Und einige seiner Konzertaufnahmen:







:hello Falstaff
satie (16.11.2017, 07:40):
Lieber Falstaff,
ich muss gestehen, dass mir Cluytens zumindest bewusst kein Begriff war. Ich habe nun angeregt durch Dich einige Aufnahmen angehört und muss sagen, mir gefällt die Leichtigkeit, die Du ja auch herausgestellt hast. Bei seinem Beethoven ist mir manches zu diffus, dafür gefallen mir seine Tempi. Hier werden einem heutzutage solche Extreme serviert, dass Cluytens Aufnahmen direkt eine Wohltat sind. Trotzdem: hier habe ich andere Favoriten, Beethoven muss mir revolutionärer rüberkommen. Cluytens Ravel allerdings hat mir sehr gut gefallen, und ich werde mit Sicherheit mich noch weiter einhören in seine Aufnahmen. Herzlichen Dank also für den Tipp.

Satie
Don Perlimplin (17.11.2017, 19:47):
Hallo,

ich habe André Cluytens in den 1960er Jahren mit diesen Aufnahmen kennen- und schätzen gelernt:

Eine wunderbar farbenprächtige Sechste von Beethoven, weich und fließend, und in relativ flottem Tempo, ganz unfurtwänglerisch, aber faszinierend, mit den großartig aufgelegten Berliner Philharmonikern (Aufnahme: 1960, aus der GA).
Und dieser:


Das Requiem von Gabriel Fauré, mit Dietrich Fischer-Dieskau und einer engelgleich singenden Victoria de los Angeles. Ihr "Pie Jesu Domine" ist wahrhaft überirdisch (Aufnahme: 1962).
Und André Cluytens ist ein Dirigent der Extraklasse, nie sich selber, sondern immer nur das Werk im Auge. Sein früher Tod war ein großer Verlust für die Musikwelt.
Falstaff (17.11.2017, 23:10):
Trotzdem: hier habe ich andere Favoriten, Beethoven muss mir revolutionärer rüberkommen.
Lieber Satie, Cluytens hat seinen Zyklus um 1958 begonnen. Da war die Zeit noch nicht so revolutionär. :D

Klar macht man heute vieles anders, wagt mehr, hat andere Einsichten, hat auch ein weiteres Interpretationsspektrum zur Verfügung. Das Revolutionäre bietet er natürlich nicht, konnte es eben auch nicht. Aber als einen Gegenpol zur damaligen Sicht v.a. von Furtwängler, Klemperer, Walter und kurz danach auch HvK finde ich ihn sehr beeindruckend.

LG Falstaff
Falstaff (17.11.2017, 23:14):
Und André Cluytens ist ein Dirigent der Extraklasse, nie sich selber, sondern immer nur das Werk im Auge. Sein früher Tod war ein großer Verlust für die Musikwelt.
:beer

Lieber Don Perlimplin, auf den Fauré bin ich sehr gespannt. Ich habe mir nun die Box mit seinen Aufnahmen bestellt, in der das Requiem enthalten ist. Bin sehr gespannt.



LG Falstaff
satie (18.11.2017, 00:25):
Trotzdem: hier habe ich andere Favoriten, Beethoven muss mir revolutionärer rüberkommen.
Lieber Satie, Cluytens hat seinen Zyklus um 1958 begonnen. Da war die Zeit noch nicht so revolutionär. :D
Wirklich? Ich meine, Beethoven war doch schon um 1800 revolutionär...Das Lasalle Quartett hat ihn auch schon in den ausgehenden 50ern so gespielt, aber es kann natürlich schon sein, dass die Orchester so weit noch nicht waren, ich kenne zu wenige ältere Aufnahmen. Aber z.B. die Fünfte: wenn ich mich z.B. an Konwitschny mit dem Gewandhausorchester richtig erinnere, war das schon etwas kräftiger zugepackt und müsste auch so diese Zeit sein. Das Tempo (ich erinnere mich jetzt hoffentlich richtig) ist dort allerdings noch langsamer. Und Karajan hat alle Symphonien auch schon in der ersten Hälfte der 50er-Jahre eingespielt, und das kommt durchaus auch ruppig genug daher.
Ah, während ich das schreibe und mir die Aufnahme noch einmal herausgesucht habe, stelle ich fest, dass er sie ja mehrfach eingespielt hat, einmal in dieser Sammlung:

Das müsste dieselbe sein wie oben bereits gezeigt. Das ist die, die mir nicht gefällt, die ungenau und diffus klingt, aber dann habe ich diese hier gehört:

Offenbar ist das hier mit den Wienern (zumindest zeigt mir Qobuz das so an, leider nicht das Jahr). Das ist völlig anders!! Packend und grell. Wie kommt dieser Unterschied zustande? Haben ihn die Berliner ignoriert oder die Wiener (denen sagt mans ja eher nach...."An Auftakt hat er 'gebn, aba sonst kan nennenswerten Widerstand g'leistet.")??? Verrückt.
Falstaff (18.11.2017, 00:37):
Aber z.B. die Fünfte: wenn ich mich z.B. an Konwitschny mit dem Gewandhausorchester richtig erinnere, war das schon etwas kräftiger zugepackt und müsste auch so diese Zeit sein.
Lieber Satie, die Aufnahme kenne ich nicht. Aber vielleicht liegen die Unterschiede auch in den verschiedenen Herkunftsländern begründet. Einerseits die deutsche, andererseits die französische 'Schule' - wild guess. ;) Oder Cluytens selber war nicht der Typ für's Revolutionäre. Kann ja auch sein. Die HvK-Emi-Aufnahmen muss ich mal hören. Von Jahr zu Jahr tendierte er ja immer mehr zum gefälligen und durchaus oberflächlichen Sound. Mag sein, dass er in den Fifties da noch anders klang.
Offenbar ist das hier mit den Wienern (zumindest zeigt mir Qobuz das so an, leider nicht das Jahr). Das ist völlig anders!!
So weit ich weiß, hat er den Zyklus gesamt nur einmal eingespielt und zwar mit den Berlinern. Und die ist, so weit ich weiß, auch in dieser Box enthalten. Aber demnächst werde ich sie in der Hand haben und es genau überprüfen können.

LG Falstaff
Don Perlimplin (18.11.2017, 10:41):
auf den Fauré bin ich sehr gespannt. Ich habe mir nun die Box mit seinen Aufnahmen bestellt, in der das Requiem enthalten ist. Bin sehr gespannt.
Lieber Falstaff,

man lernt immer noch etwas hinzu: Bis heute wusste ich nichts von einer zweiten Aufnahme des Fauré-Requiems mit Cluytens. Sie ist von 1950. Solisten: Martha Angelici (S) und Louis Noguéra (Bar). Ich kenne weder die Aufnahme noch die Solisten.
Offensichtlich ist Warner Classics ein Druckfehler unterlaufen. Auf der Rückseite der Kassette steht unter CD 5 das Fauré-Requiem, dahinter in Klammern 1950. Als CD 58 wird ein weiteres Fauré-Requiem aufgeführt, wieder mit 1950 als Aufnahmejahr. Ich denke, dass dies die Stereo-Version von 1962 ist, mit Fi-Di und V. de los Angeles. Am Fuß der Kassette heißt es ja auch: CD 1-35 Mono, CD 35-65 Stereo. Es wird also die späte Aufnahme sein. Für mich ist sie ganz einfach große Klasse. Bin gespannt auf Deine Eindrücke.

LG :hello Perlimplin
Don Perlimplin (18.11.2017, 10:59):
Offenbar ist das hier mit den Wienern (zumindest zeigt mir Qobuz das so an, leider nicht das Jahr). Das ist völlig anders!! Packend und grell. Wie kommt dieser Unterschied zustande?
Hallo Satie,

Cluytens hat m.W. die "Pastorale" zweimal eingespielt, 1955 in Mono und 1960 in Stereo, aber beide Male mit den Berliner Philharmonikern. Beide Versionen sind in der von Dir und Falstaff angezeigten Kassette enthalten, die von 1955 auf CD 28, und die Stereo-Fassung von 1960 auf CD 47. Es würde mich sehr wundern, wenn es eine Produktion mit den Wienern gäbe.
Soweit mir bekannt ist, hatte Cluytens seinen Berliner Zyklus 1955 mit der Sechsten begonnen und 1957 mit der Nr. 7 fortgesetzt, beide in Mono, um dann nach Einführung der Stereotechnik ab 1958 den gesamten Zyklus komplett neu aufzunehmen.
Cluytens hat m.W. nur den Kopfsatz der Fünften mit den Wienern eingespielt, am 13.12.1958 im Großen Musikvereinssaal. Warum und wieso das Projekt nicht weitergeführt wurde, weiß ich nicht.
satie (18.11.2017, 12:49):
Cluytens hat m.W. nur den Kopfsatz der Fünften mit den Wienern eingespielt, am 13.12.1958 im Großen Musikvereinssaal. Warum und wieso das Projekt nicht weitergeführt wurde, weiß ich nicht.
Ah, das ist natürlich möglich, ich hatte mir aus dieser Aufnahme auch nur diesen angehört :-)

Interessant finde ich aber schon, wie extrem unterschiedlich diese Aufnahmen sind, wenn sie sogar aus dem selben Jahr stammen. Welche ist denn nun Cluytens Sichtweise (zumindest des Kopfsatzes)? Wenn es nicht noch weitere Aufnahmen der 5. unter ihm gibt, wird man das wohl schwer klären können. Das wäre jetzt echt einmal spannend...
Don Perlimplin (18.11.2017, 14:58):
Wenn es nicht noch weitere Aufnahmen der 5. unter ihm gibt, wird man das wohl schwer klären können. Das wäre jetzt echt einmal spannend...
Lieber Satie,

mir ist nur eine Beethoven 5 von Cluytens bekannt, und zwar die aus der Stereo-GA. Den von Dir gehörten 1. Satz daraus mit den Wiener Philharmonikern kenne ich nicht, deshalb habe ich keine Vergleichsmöglichkeit.
In einer alten Kritik (von 1962) zu der Berliner Aufnahme der Fünften heißt es: " .... so habe ich auch das Gefühl, als ob der hochbegabte, aber vielleicht etwas äußerlich brillante Cluytens mit einem Orchester von minderer Qualität argen Schiffbruch erlitten haben würde: die erfahrenen Berliner können nicht verhindern, daß er sie an den Rand des Abgrunds der Extravaganzen bringt, aber sie haben sich nicht von ihm über diesen Rand hinausdirigieren lassen, .... doch wer an der allzu jugendlichen, ja, abenteuerlustigen Art von Cluytens Gefallen findet, wird bei ihm auf seine Kosten kommen."

Ich habe die Aufnahme noch einmal durchgehört. Von "Abenteuerlust" kann ich da nicht viel verspüren; es ist eine sehr lebendige, frische, ganz unpathetische Interpretation, mit einigen durchaus sinnvollen Tempomodifikationen. Auch seine Tempi fallen nicht aus dem Rahmen: 1. Satz 8.24/2. 9.51/3. 5.28/4. 9.03 min. Im Kopfsatz wiederholt er die Exposition.
Vielleicht wirkte 1962 noch manches abenteuerlich, was wir heute ganz anders empfinden. Wer Furtwänglers gewaltige Aufnahme von 1952 mit den Wiener Philharmonikern (EMI) im Ohr hat, mag bei Cluytens vielleicht Bedenken anmelden. Mir gefällt seine Lesart ausgesprochen gut.


LG, Perlimplin
Falstaff (19.11.2017, 00:55):
Bis heute wusste ich nichts von einer zweiten Aufnahme des Fauré-Requiems mit Cluytens. Sie ist von 1950. Solisten: Martha Angelici (S) und Louis Noguéra (Bar). Ich kenne weder die Aufnahme noch die Solisten.
Lieber Don Perlimplin, Martha Angelici ist mit dabei auf Cluytens Aufnahme der Perlenfischer.



Ich habe mir die Aufnahme auch bestellt, sie ist aber noch nicht da. Von daher kann ich zu ihr nichts sagen. Aber danach scheint er häufiger mit ihr zusammengearbeitet zu haben. Die frühere Fauré-Aufnahme war mir übrigens auch nicht bewusst. Nun bin ich also noch mehr gespannt. :)

LG Falstaff
Falstaff (19.11.2017, 00:56):
Nun habt ihr mich aber ordentlich neugierig gemacht, was den 1. Satz der 5. Beethoven aus Wien angeht. Kann man den irgendwo hören?

LG Falstaff
Don Perlimplin (19.11.2017, 10:01):
Nun habt ihr mich aber ordentlich neugierig gemacht, was den 1. Satz der 5. Beethoven aus Wien angeht. Kann man den irgendwo hören?
Lieber Falstaff,

leider kann ich Dir keine Bezugsquelle nennen, jedenfalls finde ich keine bei den üblichen Anbietern (jpc, Amazon).
Der Satz wurde aber lt. Diskographie sowohl auf LP als auch auf CD veröffentlicht, und zwar:
LP: HMV ASD 304
CD: EMI 5852132 (2 CDs) + Warner PWCD-0036(KR).
Als Produzenten fungierten Victor Olof und Peter Andry, beide EMI London.
Warum das Projekt der Fünften in Wien nicht zu Ende geführt wurde, weiß ich auch nicht. Entweder war es eine Probeaufnahme, um die Technik zu prüfen, oder man hat es zugunsten der geplanten Berliner GA fallen gelassen. Es könnte sein, dass sie vielleicht in Frankreich oder den USA erhältlich ist. Bei uns scheint es nicht der Fall zu sein.
In Cluytens' Diskographie ist mir übrigens folgendes aufgefallen: Dort wird nur eine Aufnahme der 7. Sinfonie gelistet, und zwar die aus der GA (Aufnahmeteam: René Challan/Horst Lindner; Electrola, Köln), Februar 1957, Grunewaldkirche Berlin.
In der von Dir bestellten Kassette sind aber zwei aufgeführt, die von 1957 (CD 32) und eine von 1960 (CD 48). Vielleicht gibt das Booklet der Kassette hier Aufschluss. Jedenfalls ist in der Diskographie von einer 1960er Produktion nicht die Rede.


LG, Perlimplin
Amadé (19.11.2017, 10:02):
Daran bin ich auch interessiert, ich zweifele jedoch stark an der Existenz der Kombination Cluytens/Wiener Philharmoniker bei dieser Sinfonie. Mir ist sie noch nirgends begegnet.

Gruß Amadé
Don Perlimplin (19.11.2017, 10:08):
Martha Angelici ist mit dabei auf Cluytens Aufnahme der Perlenfischer.
Lieber Falstaff,

die Cluytens-Aufnahme der "Perlenfischer" habe ich nicht; bei mir im Regal stehen nur die Aufnahmen unter Dervaux (EMI, mit Micheau und Gedda) und unter Fournet (Philips, mit Alarie u. Simoneau). Mir ist Martha Angelici kein Begriff, doch das muss nichts heißen. Vielleicht war sie hauptsächlich in Frankreich aktiv.

Gruß und schönen Sonntag :hello Perlimplin
satie (19.11.2017, 11:28):
Daran bin ich auch interessiert, ich zweifele jedoch stark an der Existenz der Kombination Cluytens/Wiener Philharmoniker bei dieser Sinfonie. Mir ist sie noch nirgends begegnet.

Gruß Amadé
Sollte ich da tatsächlich Mal eine Rarität entdeckt haben? Das wäre ja...
Guckt Mal hier:
EinTon (19.11.2017, 13:04):
Lieber Satie, Cluytens hat seinen Zyklus um 1958 begonnen. Da war die Zeit noch nicht so revolutionär. :D
Wirklich? Ich meine, Beethoven war doch schon um 1800 revolutionär...

Als eine "revolutionär" klingende, wilde Aufnahme aus den frühen 1960ern wird oft die Einspielung von René Leibowitz (1961) gelobt, die aber seinerzeit mW bei den Kritiken keine guten Bewertungen erhielt - der Interpretationsstil sei vom damals Üblichen stark abgewichen und Leibowitz "seiner Zeit voraus gewesen":

https://www.youtube.com/watch?v=ATahcVjxBqI

Leibowitz war auch ein sehr produktiver, zwölftönig schreibender Komponist.
Don Perlimplin (19.11.2017, 14:45):
Sollte ich da tatsächlich Mal eine Rarität entdeckt haben? Das wäre ja...
Hallo, Satie,

das könnte ein Treffer sein! Leider kann man den Inhalt anhand des Cover nicht lesen.
Aber, wer sucht, der findet, hier ist dieser Satz tatsächlich zu haben:

und zwar gleich als Track 1! Soweit ich das sehen kann, allerdings nur als MP3-Version.

LG, Perlimplin
Cetay (inaktiv) (19.11.2017, 15:15):
Hier der LInk zur CD mit den Titeln auf der Cover-Rückseite.
Don Perlimplin (19.11.2017, 16:46):
Hallo, Cetay,

danke für den Link zu der CD! Kein Zweifel, selbst das Aufnahmedatum stimmt, wie auf der Rückseite ersichtlich.
Der Inhalt ist identisch mit der MP3-Version, nur ist auf der CD noch eine Berliner Aufnahme von Liszts "Les Prèludes" angefügt. Ob man damals in Wien bewusst nur einzelne Sätze aufgenommen hat, und, wenn ja, zu welchem Zweck? Solche Sammelplatten wurden doch zu dieser Zeit praktisch immer aus vorhandenen Aufnahmen zusammengestellt.
Cluytens hat ansonsten kaum mit den Wiener Philharmonikern gearbeitet. Mir ist nur eine Aufnahme von "Hänsel und Gretel" aus dem Jahr 1963 bekannt.
Falstaff (19.11.2017, 18:36):
Das listet Amazon beim Inhalt der CD 38 der Gesamtbox auf:

Disk: 38
1. Violin Concerto in D Major, Op. 61: I. Allegro ma non troppo (Cadenza by Kreisler)
2. Violin Concerto in D Major, Op. 61: II. Larghetto
3. Violin Concerto in D Major, Op. 61: III. Rondo - Allegro (Cadenza by Kreisler)
4. Symphony No. 5 in C Minor, Op. 67: I. Allegro con brio
5. Symphony No. 8 in F Major, Op. 93: II. Allegretto scherzando
6. Symphony No. 4 in A Major, Op. 90, MWV N 16, "Italian": IV. Saltarello
7. Serenade in G Major, K. 525, "Eine Kleine Nachtmusik": I. Allegro
8. Symphony No. 40 in G Minor, K. 550: I. Molto allegro

Das wird die Aufnahme aus Wien sein. Dazu dann noch einige Sätze, die auf der CD, auf die Satie und Cetay hinwiesen, drauf sind. Der Rest davon wird sich auf anderen CD's der Box verstecken.

Offensichtlich haben sie damals wirklich Cluytens und die Wiener in's Studio gebeten, nur um populäre Sätze verschiedener Musikstücke aufzunehmen. Was für Zeiten! Was für ein Luxus!

LG Falstaff
Falstaff (19.11.2017, 18:37):
In Cluytens' Diskographie ist mir übrigens folgendes aufgefallen: Dort wird nur eine Aufnahme der 7. Sinfonie gelistet, und zwar die aus der GA (Aufnahmeteam: René Challan/Horst Lindner; Electrola, Köln), Februar 1957, Grunewaldkirche Berlin.
In der von Dir bestellten Kassette sind aber zwei aufgeführt, die von 1957 (CD 32) und eine von 1960 (CD 48). Vielleicht gibt das Booklet der Kassette hier Aufschluss. Jedenfalls ist in der Diskographie von einer 1960er Produktion nicht die Rede.
Lieber Don Perlimplin, ich werde berichten, sobald man mir die Box in meinen Briefkasten gequetscht hat. ;)

LG Fastaff
Don Perlimplin (19.11.2017, 20:01):
Das wird die Aufnahme aus Wien sein. Dazu dann noch einige Sätze, die auf der CD, auf die Satie und Cetay hinwiesen, drauf sind. Der Rest davon wird sich auf anderen CD's der Box verstecken.

Offensichtlich haben sie damals wirklich Cluytens und die Wiener in's Studio gebeten, nur um populäre Sätze verschiedener Musikstücke aufzunehmen. Was für Zeiten! Was für ein Luxus!
Lieber Falstaff,

ja, davon bin ich inzwischen auch überzeugt. Aber auch mir ist rätselhaft, warum man damals in Wien einzelne Sätze eingespielt hat. Das hört sich ja verdächtig nach Wunschkonzert an! Auf die Auflistung bei Amazon hatte ich gar nicht geachtet, es hätte dies Sache wesentlich erleichtert. Nun ist es geklärt, mit Deiner Hilfe. Vielen Dank!
Bleibt noch die Erklärung für die 7. Sinfonie von 1960. Da bin ich jetzt wirklich gespannt!

LG, Perlimplin
Amadé (20.11.2017, 09:42):
Aber auch mir ist rätselhaft, warum man damals in Wien einzelne Sätze eingespielt hat. Das hört sich ja verdächtig nach Wunschkonzert an!
Ja, kaum zu glauben. Übrigens gibt es mit Cluytens und den Berliner Philh. zwei Aufnahmen der 6. Sinfonie, die erste wurde 1955 in Mono eingespielt, noch vor Beginn der Gesamtaufnahme, die zweite 1960 in Stereo. Die Mono-Aufnahme kann heute bei Testament erworben werden, zusammen mit Schuberts Unvollendeter.
Gruß Amadé
Don Perlimplin (20.11.2017, 10:17):
Übrigens gibt es mit Cluytens und den Berliner Philh. zwei Aufnahmen der 6. Sinfonie, die erste wurde 1955 in Mono eingespielt, noch vor Beginn der Gesamtaufnahme, die zweite 1960 in Stereo.
Hallo Amadé,

darauf hatte ich bereits in Beitrag Nr. 13 hingewiesen. Beide Versionen sind auch in der Cluytens-Kassette enthalten, die Mono-Aufnahme von 1955 auf CD 28, die Stereo-Produktion von 1960 auf CD 47.

Gruß, Perlimplin
satie (20.11.2017, 11:58):
Hehe, ich bin immer noch ganz überrascht, dass es mir einmal gelungen ist, so ein Kuriosum auszugraben. Nun gut, es hat mich ja eher "angesprungen".

Immer noch denke ich darüber nach, warum dieser Cluytens Beethoven ganz anders klingen lässt als jener, der die Berliner dirigiert. Die Wiener unter Böhm klingen viel weicher und auch langsamer (um nicht zu sagen nichtssagend...), auch scheint Böhm die 5. nicht gerade oft eingespielt zu haben. Ist es dann Karajans Einfluss? Ruppig genug, zügig und mit einem Drive, den die Berliner nicht mehr an den Tag legen. Ist es eher das, was man da hören kann? Schon eigenartig... Unter wem haben die denn die Symphonie noch gespielt?
Amadé (20.11.2017, 14:44):
Wer welches Stück mit welchem Orchester einspielen darf, entscheidet in erster Linie der Markt, Böhms Marktwert hatte keineswegs zwischen 1950 und 1960 den Stand wie später, als er mehrmals im Jahr ins Studio gehen durfte. Bei der DGG mischten außer Jochum auch noch andere hochkarätige Dirigenten mit, wie Fritz Lehmann, Paul van Kempen, Ferenc Fricsay. Erst nach dem frühen Tode der Erstgenannten 1956 bzw. 1955 sahen sich die Verantwortlichen nach neuen Talenten um und verpflichteten Lorin Maazel, der bereits 1958 eine fulminante Aufnahme der 5. Sinfonie vorlegte, also während der Zeit, als Cluytens auch die Beethoven-Sinfonien mit demselben Orchester produzierte (allerdings für Electrola).
Böhm hat m. W. die 5. nur zweimal aufgenommen: 1953 mit den Berlinern und 1970 mit den Wienern (beide DGG).

Gruß Amadé

p.s. 1:0 für Dich bzgl. Cluytens-WP, wenn es auch nur 1 Satz war.
Falstaff (27.11.2017, 22:59):
Offenbar ist das hier mit den Wienern (zumindest zeigt mir Qobuz das so an, leider nicht das Jahr). Das ist völlig anders!! Packend und grell. Wie kommt dieser Unterschied zustande? Haben ihn die Berliner ignoriert oder die Wiener (denen sagt mans ja eher nach...."An Auftakt hat er 'gebn, aba sonst kan nennenswerten Widerstand g'leistet.")??? Verrückt.
Lieber Satie, heute kam de Box an und ich habe mir gleich einmal die 'Wunschkonzert-5.' aus Wien angehört. Der Unterschied ist in der Tat erstaunlich und bedauert um so mehr, dass er sie dort nicht vollständig eingespielt hat. Allerdings habe ich weiterhin keine Antwort darauf, warum er im selben Jahr sie so unterschiedlich angelegt hat. Im Januar Berlin, im Dezember Wien. Zeitlich umgekehrt könnte ich es mir vielleicht noch erklären, aber so! Es gibt allerdings einen Unterschied bei den Produzenten. Möglicherweise hat Legge in Wien Einfluss genommen. Vielleicht war es aber auch nur schlichte Tagesform oder er wollte sich bei den Wiener, mit denen er zuvor erst eine einzige Studio-Aufnahme gemacht hatte, noch einmal besonders in's Gedächtnis rufen.

In der Box gibt es noch vollständige Beethoven 6 und 7 jeweils mit den Berlinern, die er jeweils vor dem Zyklus aufgenommen hat. Möglicherweise gibt es da ja auch Unterschiede. Ich werde berichten. :)

LG Falstaff
Falstaff (27.11.2017, 23:30):
Martha Angelici ist mit dabei auf Cluytens Aufnahme der Perlenfischer
Lieber Don Perlimplin, Cluytens hat offenbar gerne mit der Angelici zusammen gearbeitet. In der Box finden sich neben dem Fauré 'Requiem' (1950) noch Aufnahmen von Maurice Delage 'Quatre Poèmes hindous' und 'Trois Chants de la jungle' (1951) und Debussy 'Le Martyr de saint Sébastien' (1954). Da die Vokalmusik nur einen recht kleinen Teil der Einspielungen ausmacht, ist das schon eine ganze Menge. Jedenfalls eine gute Möglichkeit sie noch weiter kennenzulernen.
In der von Dir bestellten Kassette sind aber zwei aufgeführt, die von 1957 (CD 32) und eine von 1960 (CD 48). Vielleicht gibt das Booklet der Kassette hier Aufschluss. Jedenfalls ist in der Diskographie von einer 1960er Produktion nicht die Rede.
Das Booklet ist leider nicht sehr informativ. Er hat die 6. und 7. eben in Berlin damals eingespielt, allerdings in Mono und so wurden sie dann für den Zyklus noch einmal in Stereo wiederholt. Mehr erfährt man auch nicht.

LG Falstaff
Falstaff (13.12.2017, 00:12):
Ich muss gestehen, dass Berlioz nie zu meinen Lieblingskomponisten gehörte. Das hat sich in der letzte Zeit ziemlich geändert. Aber das ist natürlich ein Grund dafür, warum ich sammlungstechnisch nicht so richtig gut ausgestattet bin. Dies gilt für die Opern (mit Ausnahmen) wie auch für die 'Symphonie fantastique'.

Neben der Munch-Aufnahme der 'Symphonie' Haitink und der Cluytens-Aufnahme aus Prag von 1955 klafft da eine ziemliche Lücke. Nun sind da zwei weitere Versionen mit Cluytens hinzugekommen. Einmal Mono, einmal Stereo. Die Stereo-Version habe ich mir nun angehört.



Und, was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Gut, ich kenne einen Haufen anderer Versionen nicht. Aber hier habe ich a) das Französische, das vordergründlich Leichte, Elegante, aber auch b) trotzdem das tiefer Gehende, das Entdeckende, an der Oberfläche Kratzende. Und vor allem habe ich hier den Fluss, das zueinander Passende, auf einander Abgestimmte. Ich bin jedenfalls ziemlich begeistert.

:hello Falstaff
Don Perlimplin (13.12.2017, 11:23):
Ich muss gestehen, dass Berlioz nie zu meinen Lieblingskomponisten gehörte.
Lieber Falstaff,

mir ist es ganz ähnlich ergangen .... bis ich noch zu LP-Zeiten auf die Version von Pierre Monteux mit den Wiener Philharmonikern stieß. Sie ist inzwischen, sorgfältig restauriert, auch wieder auf CD erhältlich:




und das zu einem moderaten Preis. Es ist eine Stereo-Aufnahme aus den Wiener Sofiensälen von 1958, die ursprünglich als RCA-LP erschien und später von DECCA übernommen wurde.

Monteux ist, wie Cluytens, Franzose. Er spürt mehr den nachdenklichen Passagen des Werks nach und reichert seine wunderbare Interpretation mit echtem französischen Esprit an. :down :down Für mich ist das eine der schlüssigsten Aufnahmen des Werks (von den ca. 10, die ich kenne, darunter Münch, Markevitch, Karajan (3x), Ansermet).

Gekoppelt ist die Aufnahme mit traumhaften Auszügen aus Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik (aufgenommen 1957, ebenfalls Stereo). Eine CD, die ich wärmstens empfehlen kann.

Daneben gibt es eine weitere, ganz anders geartete, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, diese:




Otto Klemperer mit dem Philharmonia Orchestra London (Aufnahme: 1963).

Kurz nach der Erstveröffentlichung schrieb Carl-Heinz Mann in FonoForum: " .... die geistige Höhenluft einer großen, einer vollkommenen Aufnahme liegt über dieser Einspielung. Alle Akzente, alle Gestik, alle Ausbrüche dieser zerklüfteten, grellfarbigen Partitur .... sind eingefangen" und spricht weiter von "idealer, überzeitlicher Erfüllung der Musik" und rühmt die "schaurige, echte Größe" von Klemperers Interpretation.

Für mich ist sie das ideale Gegenstück zu Monteux, der die Partitur ganz anders, mit mehr Eleganz und Farbigkeit, auffasst, während Klemperer, der sicherlich kein geborener Berlioz-Dirigent war, mehr die schroffen, die bizarren Seiten der Musik ausleuchtet. Ich möchte beide Versionen nicht in meiner Sammlung missen.


Die Cluytens-Aufnahme kenne ich übrigens nicht; zur Zeit ist sie wohl nur zum Mondpreis erhältlich (habe sie aber mal auf meine Wunschliste gesetzt).

LG :hello Perlimplin
Falstaff (13.12.2017, 21:22):
Lieber Don Perlimplin,

Monteux ist bei mir immer eine Bank. :) Deshalb werde ich mir diese Aufnahme beizeiten mal zulegen. Klemperer nun finde ich höchstinteressant. Mit Berlioz würde ich ihn auch nicht verbinden, wusste auch nicht, dass er das Werk überhaupt dirigiert hat. Also noch etwas für die Wunschliste. :D

LG Falstaff
Don Perlimplin (13.12.2017, 22:54):
Lieber Falstaff,

nur kurz zur Information: die Monteux-Aufnahme gibt es noch in einer Billig-Ausgabe auf dem Label "BELART", sie ist identisch mit der eloquence-Ausgabe und sieht so aus:




Beim großen Urwaldfluss z.Zt. ab € 2,29 erhältlich. Das Cover ist etwas irreführend: Maazel dirigiert den Auszug aus "Romeo & Juliet", Monteux die Sinfonie fantastique.
Die Klemperer-Aufnahme gibt es auch relativ günstig in folgenden Ausgaben:

oder:
Beide sind bei Amazon für unter 8 Euro zu haben (gebraucht). Die heute morgen gezeigte Ausgabe ist ein Japan-Import, dementsprechend teurer.
Es gibt sogar einen Live-Mitschnitt eines Konzerts vom Januar 1966 aus der Londoner Royal Festival Hall, der also drei Jahre später entstand. Natürlich gehörte Berlioz nicht zu Klemperers Lieblingskomponisten, aber die Fantastique nahm er sich hin und wieder vor. Er selber hatte ja immer wieder manische Schübe, vielleicht konnte er sich deshalb mit dem Werk identifizieren.
Hier die Live-Version, die bei TESTAMENT erschienen ist:



Der ist allerdings z.Zt. nur für Leute, die einen Sechser im Lotto gewonnen haben, zu empfehlen.

Noch einen schönen Abend,
Perlimplin
Falstaff (13.12.2017, 23:05):
Lieber Don Perlimplin, ischa bald Weihnachten. :)

Also habe ich beide bestellt und bin sehr gespannt. Aber irgendwie geht das mit dem Sammlerdasein so nicht weiter. Meine Regale platzen aus allen Nähten. :D

LG Falstaff
Don Perlimplin (14.12.2017, 10:15):
Meine Regale platzen aus allen Nähten.
Lieber Falstaff,

mir geht es genauso! Mein ziemlicher geräumiger Schrank ist randvoll, meine Regale auch, und für ein neues Regal ist nirgendwo mehr Platz. Meine umfangreiche LP-Sammlung schlummert schon seit Jahren (von ein paar Raritäten abgesehen) in Kartons im Keller. Aber "die Katze lässt das Mausen nicht". Immer wieder findet man etwas Interessantes oder wird mit der Nase darauf gestoßen.
Ich wünsche Dir trotzdem schon jetzt viel Vergnügen beim Hören der "Fantastique" mit Monteux und Klemperer. Vielleicht berichtest Du mal über Deine Höreindrücke, würde mich sehr interessieren.
Das soll jetzt keine weitere Kaufanregung sein, aber eine herausragende Version habe ich gestern vergessen, diese hier:

Sir Thomas Beecham mit dem Orchestre National, Paris (Aufnahme: EMI 1959, Stereo).

Beecham war ja bekanntlich ein Spezialist für französische Musik, und hier ist er ganz in seinem Element. Aber ich denke, wer Münch, Monteux und Klemperer im Regal hat, muss diese nicht unbedingt haben.


LG, Perlimplin
Falstaff (14.12.2017, 19:43):
Ich wünsche Dir trotzdem schon jetzt viel Vergnügen beim Hören der "Fantastique" mit Monteux und Klemperer. Vielleicht berichtest Du mal über Deine Höreindrücke, würde mich sehr interessieren.
Lieber Don Perlimplin, das werde ich machen.
Aber ich denke, wer Münch, Monteux und Klemperer im Regal hat, muss diese nicht unbedingt haben.
Besser ist's. ;)

LG Falstaff
Don Perlimplin (20.12.2017, 20:02):
Hallo,

angeregt durch den Cluytens-Thread, habe ich mir zu Weihnachten eine weitere "Symphonie fantastique" von Berlioz gegönnt, die es für ein paar schlappe Euronen bei Amazon gab:

René Leibowitz und das Orchester der Wiener Staatsoper (es sind natürlich die Philharmoniker, die aber wohl aus vertraglichen Gründen unter diesem Namen angetreten sind). Aufnahme: Juli 1957, Stereo.


Obwohl ich ein Dutzend "Fantastiques" im Regal habe, muss ich nach dem ersten Hören sagen: Das ist echt der Hammer! So fiebrig aufgeladen, so dramatisch habe ich das Werk selten gehört. Man hat das Gefühl, die Musiker sitzen auf der äußersten Stuhlkante, als spielten sie um ihr Leben.

Die CD ist randvoll: es gibt als Zugaben noch Webers "Aufforderung zum Tanz", den "Valse triste" von Sibelius und aus Tschaikowskys Streicherserenade den 2. Satz (Walzer).
Die Zugaben habe ich allerdings noch nicht gehört, aber soviel kann ich sagen, dass die alten Aufnahmen von spektakulärer Stereo-Qualität sind, rauscharm, räumlich und sehr transparent. Ein tolles Weihnachtsgeschenk für wenig Geld.
Leider musste ich feststellen, dass sie jetzt nur für den Mondpreis von fast 60 € zu haben ist. Aber das kann sich bei Amazon schnell ändern ....

Schönen Abend allerseits
Perlimplin