Andrei Eshpai - der grosse russische Zeitgenosse des 20./21.Jhd

teleton (29.03.2015, 15:14):
Bereits im Jahre 2007 hatte ich im Thread >>Russische Komponisten des 20.Jhd<< erstmals über Andrei Eshpai (geb.1925) berichtet (siehe unten).

*** Inzwischen habe ich alles auf CD von Eshpai verfügbare gekauft. Mit vollem Erfolg !
:engel Meine Überzeugung für diesen grossartigen russischen Zeitgenössischen Komponisten, den man als Schostakowitsch-Nachfolger sehen kann ist nach wie vor ungebrochen. Von daher werde ich nicht müde über Eshpai zu berichten.

:beer Ein eigener Thread für Andrei Eshpai macht es übersichtlicher und einfacher - hier ist er !

Mein Anfang stand diese fabelhafte Albany-CD:
Original von teleton
Hallo Freunde russischer Sinfonik,

ich hatte lange einen Thread gesucht in dem ich Andrei Eshpai unterbringen kann. Einen separaten Thread für Eshpai wollte ich wegen mangelnder erwarteter Resonanz nicht einstellen.

Der Thread müßte sich im Laufe der Zeit interessant gestalten, weil die hier aufgeführten Komponisten in der Nachfolge Schostakowitsch´s zu sehen sind.
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In diesem Jahr hatte ich das erste mal "Hörkontakt" mit dem Komponisten Andrei Eshpai (geb.1925).
Seine moderne und trotzdem mehr tonale Tonspache hatte mich schon zuvor bei der Sinfonie Nr.5 mit Fedossejev (Melodiya) sehr angesprochen und mehr als begeistert.
Hier verwendet Eshpai ein fetziges Zitat aus Blachers Paganini-Variationen.

Meine neuste Eshpai-CD ist diese:
Dazu kann man nur sagen: :thanks So macht russische Musik aus dem 20.Jahrhundert richtig Spaß.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/516LCuTIaGL._SS500_.jpg
Konzert für Orchester
mit Solo Trompete, Klavier, Vibraphon und Kontrabass (1992)
Klavierkonzert Nr.2
Sinfonie Nr.7
USSR Large Sinf.Orchestra
Jewgenij Swetlanow
ALBANY, 1992, ADD/DDD, Aufnahmen 1972/74/94

Bei Swetlanow ist Andrei Eshpai in besten Händen. Die sehr rhytmischen Kompositionen lasssen einen kaum ruhig auf dem Hörplatz sitzen und sind absolut fern jeder Langeweile, die Eshpai erst gar nicht aufkommen läßt.
Mit einem Europäischen Orchester würden sich die Werke wie blanker Hohn anhören, da auch hier(wie bei Schostakowitsch) die russischen Bläser und der Gesamtsound unabdingbar sind.

Das "kleine" Label ALBANY scheint allerdings nicht so proffessioel zu arbeiten, wie andere große CD-Firmen. Der Klang ist gut, aber die räumliche Abbildung ist nicht so gut. So ist beim Konzert für Orchester ein sehr lingslastiger Raumeindruck vorhanden - erst wenn der Solo-Kontrabass einsetzt steht diesen ganz rechts. Auch mit dem Pegel haben sich die ALBANer verrechnet: So dreht Swetlanow am Schluß nochmal auf und entfacht ein Schlagzeugfeuerwerk, das in den Spitzen besonders über KH auffallend übersteuert ist. Das KK Nr.2 mit Eshpai selbst am Klavier ist LIVE in MONO aufgenommen (und das 1972).
Die Sinfonie Nr.7 ist Studiomäßig gut aufgenommen.
:cool Aber das tut der fantastischen Musik im Endeffekt keinen Abbruch und die CD macht vom ersten Takt bis zum letzten Tusch großen Hörspaß.

:W Ich bin gespannt auf weitere Eshpai-Werke, die in der Mehrzahl auf ALBANY zu bekommen sind.
Leider sind die großen Melodiya-Aufnahmen mit Fedossejew u.a. leider gestrichen und auch bei Anbietern verschollen . Eine CD davon habe ich bereits.
?( Es stehen nur zwei ältere Melodiya-CD´s in meinem alten Bielefelder Katalog, die derzeit nicht greifbar sind. Die hätte ich gerne.

:hello Wer kann weitere INFO´s zu Eshpai geben und weitere russische Komponisten nennen, die ähnlich interessante Musik komponieren ?

In den folgenden Threads werde ich die weiteren Eshpai-CD´s aufführen !
teleton (29.03.2015, 16:09):
Andrei Eshpai hat bislang 9 Sinfonien geschrieben:

Sinfonie Nr.1 es-moll (1959)
Sinfonie Nr.2 a-moll "Lob an das Licht" (1962)
Sinfonie Nr.3 "Dem Andenken meines Vaters" (1964)
Sinfonie Nr.4 "Sinfonie-Ballett" (1980/81)
Sinfonie Nr.5 (1985)
Sinfonie Nr.6 "Liturgische" für Bariton, Chor und Orchester (1989)
Sinfonie Nr.7 (1991/92)
Sinfonie Nr.8 (2000)
Sinfonie Nr.9 "Vier Verse" für Erzähler, Chor und Orchester (1998/99?)


Besonders die Dirigenten und Mentoren waren Swetlanow und Fedossejew, von denen Aufnahmen vorliegen.
Leider sind auch heute im Jahre noch immer nicht alle Sinfonien (das gilt auch für die weiteren Werke sowie die zahlreichen Solo-Konzerte) in unseren Breiten auf CD verfügbar.

Zum Glück hat man heute die Möglichkeit diese fehlenden und nicht verfügbaren CD-Aufnahmen wenigstens auf YouTube zu finden, sodass man dennoch alle zur Verfügung hat.

* Die Sinfonien Nr. 1, 2 und 7 liegen auf der ALBANY-CD-Serie, die aus 4 Folgen (Volume 1-4) besteht und weitere wichtige sinfonische Werke enthält.
Die Dirigenten sind Konstantin Ivanow und Jewgenij Swetlanow.

* Die Sinfonien Nr. 4 (1980-81) und 5 (1987) finden sich auf einer Rusian Disc-CD unter der Leitung von Vladimir Fedossejew.
In beiden packenden Sinfonien lässt Eshpai nicht offen, wer sein Vorbild ist: Dmitri Schostakowitsch !
Eine andere Kopplung enthält die Sinfonie Nr.5 in gleicher Aufnahme mit der Kantate "Lnin ist mit uns" und der Sinfonischen Tänze über Lieder der Berg-und Wiesen-Mari, in der Eshpai Themen seiner marischen Herkunft verarbeitet.

*** Für die Sinfonien Nr.3, 6, 8, 9 kann und muss man auf fabelhafte Interpretationen mit Swetlanow auf YT zurückgreifen.


Hier die Abb der bestellbaren CD-Medien:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/6138vXlB5OL.jpg
ALBANY, 1964-1994, ADD/DDD

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21HJWJ085GL.jpg
ALBANY, 1964-1980, ADD/DDD

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61Tsnc1YGyL.jpg
RussianDisc, 1982, 1987, AAD


Die folgenden Beiträge werden sich den Konzerten und Balletten zuwenden.
teleton (29.03.2015, 16:19):
Neben dem Angara-Ballett (1974/75), das ebenfalls leider nur über YouTube zugänglich ist, hat Albany in seiner 4.Folge das Ballett A Circle auf CD bereitgestellt:

Man kann gar nicht genug an diesen grossen zeitgenössischen russischen Komponisten erinnern. Dies ist mein neuster Eshpai-Zugang - sein Ballett A Circle (Ein Kreis) mit dem zweiten Titel Apocalypse.

Andrei Eshpai schrieb sein Ballett in den Jahren 1979–1980.
Die zwei Akte sind in 4Teile eingeteilt:

1 AKT 1. Prolog und Episoden 1-2
. . . . . 2. Episoden 3-6
2 AKT 3. Episoden 7-10
. . . . . 4. Episoden 11-12 und Epilog

Die Balletthandlung (Libretto) ist im Textheft als Grundlage abgedruckt. Es ist jedoch müssig (und fast unmöglich) die einzelnen Geschehnisse genau mit den Episoden zu verknüpfen, weil Eshpai das Werk für den Konzertgebrauch auch als Ballett-Sinfonie betrachtet.
Der 1.Akt erzählt in seinem "Kreis" vom Leben auf der perfekten Erde. Dazu bedient sich Eshpai meherer Stilrichtungen: Zitate von Komponisten (Ravel Schostakowitsch) wechseln mit Tanzmusiken der 70er-Jahre mit Jazzcombo um dann wieder in rein orchestrale Abschnitte zu enden. Der 2.Akt wird wesentlich ernster und dramatischer; das Leben wird ernster; hochdramatisch bis zum Requiem des Todes.

Diese Ballett-Sinfonie ist mit ihren 70:43 unwarscheinlich kurzweilig und einmal mehr ein fantastisches Eshpai-Werk des späten 20.Jhd. Natürlich voll geniessbar, packend - und ganz klares Votum für diese CD als mein Best Buy 1.Quartal 2015.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51P407YEJ6L.jpg
ALBANY, 2000, ADD

Das All Union TV & Radio Symphony Orchestra spielt in alter russischer Tradition mit einem Dirigenten, der den hochsympathischen Namen (Emin) Khatchaturian trägt. Es ist der Sohn des Sängers Lewon Khatchaturian = Bruders des bekannten Komponisten Aram. Fabelhafte Aufnahme und Int auch in klangtechnischer Hinsicht (was gerade bei Eshpai nicht immer selbstverständlich ist.
teleton (29.03.2015, 16:50):
Die zahlreichen Solokonzerte von Andrei Eshpai haben allesamt ein so hohes Niveau, dass es einmal mehr verwunderlich ist, warum Eshpai weitgehnd so unbekannt bleibt !??!

Klavierkonzert Nr.1 fis-moll (1954)
Klavierkonzert Nr.2 (1972)
Violinkonzert Nr.1 g-moll (1956)
Violinkonzert Nr.2 (1977)
Violinkonzert Nr.3 "Bartók-Concerto" (1990-92)
Violinkonzert Nr.4 (1994)
"Ungarische Weisen", Rhapsodie für Violine und Orchester (1952/53)
Violakonzert (1987)
Violoncellokonzert (1989)
Kontrabasskonzert (1994/95)
Sopransaxofonkonzert (1986/87)
Flötenkonzert (1992)
Oboenkonzert (1982)
Klarinettenkonzert (1994)
Fagottkonzert "Opus singularis" (2001)
Konzert für Trompete, Posaune und Orchester (1994/95)
Hornkonzert F-Dur (1995)
Tubakonzert (2001)

Die meisten Konzerte dieser Liste habe ich mit (soweit verfügbar) an Land gezogen. Es ist nuihcts dabei, was irgendwo uninteressant wäre - ganz grosse Musik des 20.-21.Jhd.
:thanks Einiges ist nicht auf CD eingespielt, da muss man wiederum auf YT zurückgreifen.

Herausragend sind die Klavierkonzerte, das sich bereits 2007 bei meinem Erstkontakt als höchst schätzenswert erwiesen hat (KK Nr.2).


:engel Ausgezeichnet mit absolutem Biss und Sidehitze ist diese RussianDisc-CD auf der sich das Violakonzert (Solist Yuri Bashmet), Violinkonzert Nr.2 (Solist Eduard Grach), KK Nr.2 (Solist Vladimir Krainew) als Vergleichsaufnahme zu derin beitrag 1; und noceinmal die geniale Aufnahme des Concerto Grosso, die auch auf der Albany-CD in Beitrag 1 enthalten ist.
Alles unter Jewgenij Swetlanow:

- leider derzeit nicht verfügbar -
Ich hatte vor ein paar Jahren die letzte Ausgabe der CD bei einem Anbieter bestellt.
RussianDisc, 1976-1988, ADD/DDD
teleton (29.03.2015, 16:53):
Das Saxophonkonzert (1986/87) konnte ich jüngst in einer Deutschen Aufnahme auf CD erwerben:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/512zFy1dD8L._SS280.jpg
SoloMusica, 2011, DDD

Eine der neusten Eshpai-Aufnahmen (von 2011) ist sein Konzert für Saxpophon und Orchester (1986/87).
Leider liegen von Eshpai lange nicht alle wichtigen Werke in guter Aufnahmetechnik vor; wenn überhaupt auf CD greifbar.

*** Hier ist mal eine Neu-Aufnahme mit Vorbildcharakter:
Was das Textheft und die Aufnahme angeht - ist das eine vorbildiche CD von dem unbekannten deutschen Label SOLO Musica GmbH. Sehr informative INfos über das Werk und seine Entstehung; sehr gute Int mit Jan Schulte Brunert, Saxophon / Neue Philharmonie Westfalen (Gelsenkirchen)/ Heiko Mathias Förster - astreine und räumlich zeitgemässer DDD-Sound.

Das Saxophonkonzert ist einsätzig (knapp 20Min.), stilistisch bunt, aktionreich und orchstral gross differenziert besetztt, was zu sehr fdarbigen Ergebnissen führt.In der Mitte folgt ein Scherzo-teil mit unverkennbaren Schostakowitsch-Anklangen; dazwischen spärische Streicherpassagen und eine Jazz-Episode. Obwohl ich ansonstzen weniger aufgeschlossen für "das Gefipse"(sorry) bei Bläserkonzerten bin, hat Eshpai hier wiedereinmal einen Weg gefunden, hier eine packende Musik zu inzenieren - Eshpai insgesamt mal ruhiger - aber Klasse !

Die Aufnahmen erfolgten von Solo Musica, Juli 2011, DDD

((Die beiden weiteren auf der CD gekoppelten Saxophon-Werke können nach meinem Geschmack nicht mit Eshpai mithalten.
Während die 3sätzige Escapades von John Williams recht langweilig sind und mir nur ein müdes lächeln kosteten, fand ich Where the Bee Dances für Sopran-Sax und Orchester von Michael Nyman schon etwas ansprechender; wenngleich mir das Sopransaxophongefipse nicht so ganz "schmeckt".))