Anspruchsvolle Werke von Franz Liszt

Jeremias (16.05.2006, 22:44):
Franz Liszt wird von vielen Musikliebhabern ja doch sehr kritisch gesehen. Natürlich, man kennt in erster Linie seine virtuosen Werke, die Rhapsodien, die großen Opernparaphrasen oder die teuflisch schweren Etüden.

Aber Liszt hat auch musikalisch einiges zu bieten gehabt. Zu meinen Lieblingswerken zählt "Vallée d'Obermann", das mit mein Klavierlehrer vor etwa 12 Jahren in der legendären Aufnahme mit Horowitz zeigte. Bis heute ist es vielleicht sogar mein favorit geblieben. Auch wenn ich mich erst jetzt reif genug finde, um es zu spielen, so habe ich es bereits vor vielen Jahren erlernt.

Weiterhin schätze ich ganz besonders seine Bearbeitungen der Schubert'schen Lieder. Liszt versteht es, jede Strophe neu und anders erklingen zu lassen. Ganz besonders liebe ich "Auf dem Wasser zu Singen" sowie das "Ständchen" aus dem Schwanengesang, wobei ich zu letzterem sowieso eine besondere Beziehung habe.

Ich möchte Euch diese CD einmal sehr ans Herz legen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000058B1X.03.LZZZZZZZ.jpg

Wolfram Goertz, Chefkritiker der Rheinischen Post, schrieb einmal, er würde NIE auch nur eine CD von Liszt empfehlen, bis er diese in die Hand bekam.... eine wunderbare Aufnahme, insbesondere der Dante-sonate.

Welche Aufnahmen dieser interessanten Werke Liszt's bevorzugt ihr?
Cosima (16.05.2006, 22:59):
Weil ich sie gerade höre: Die Transkriptionen von Schuberts „Die Forelle“ und „Erlkönig“ sind m.E. auch nicht anspruchslos. Jorge Bolet spielt sie.

Ansonsten gehöre ich zu der seltenen Spezies, die fast alles von Liszt sehr gern hört. Ob mit oder ohne Anspruch ist mir gleichgültig. Mich fasziniert dieser Komponist. „Après une lecture du Dante“ in der Interpretation von Berman ist berauschend! Über „Les Funérailles“ habe ich mich ja bereits ausgelassen...

Gruß, Cosima
AcomA (16.05.2006, 23:35):
hallo,

etudes d'execution transcendante

die hohe kunst bei der interpretation dieser 12 technisch extrem anspruchsvollen stücke liegt darin, dermaßen über den technisch-physischen hürden zu stehen, dass der transzendentale gehalt hervortritt. die berühmt-berüchtige mono-aufnahme aus den 50er jahren mit lazar berman ist sicherlich immer noch die schnellste und lauteste. nur hat man dies einmal gehört, so kommt dann irgendwann langeweile und gleichgültigkeit auf. claudio arrau, dessen technischen möglichkeiten nie zu unterschätzen waren, hat gezeigt, welche klangzaubereien und melodiebögen zu entlocken sind. alfredo perl verfolgt den arrauschen ansatz weiter. ich kenne keine andere aufnahme, die in puncto phrasierung und klangempfinden gepaart mit fulminanz dem hier gebotenen gleichkommt. überhaupt ist der anschlag und der pedalgebrauch betörend.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004S4O1.03.LZZZZZZZ.jpg

alfredo perl, piano

arte nova, DDD, aufn. 1999

gruß, siamak :engel
Mime (17.05.2006, 18:20):
Les Préludes

Es muß ja nicht immer Klaviermusik sein!
Ganong (17.05.2006, 19:03):
Lieber Jeremias ,

also Wolfram Goertz ist ja nun allwes andere als ein Masstab ; was immer er auch rezensiert ( oft nur zehn schmalste Zeilchen ! ) .

Hast Du ihn einmal live erlebt ?

Die bedien Klassikführer isnd sehr geschraubt geschrieben und mehr als gewollt zusammengestellt .

Es enstprciht eben dem Niveau der Rheinischen Post .

Grüsse , Frank
Ganong (17.05.2006, 19:07):
Lieber Siamak ,

um bei diesem Werk zu bleiben :

die Alternativen zu Lazar Berman sind :

Duchable u n d

Cziffra .

Grüsse , Frank

PS.:


Ansonsten natürlich die

h - Moll - Sonate

( Weissenberg ; Horowitz aus 1932 ; Simon Barere ; Marta Argerich und F R Duchable ) sowie die "Dante - Sonate" mit Lazar Berman .
F.
nikolaus (17.05.2006, 19:56):
Hallo miteinander!

Ich höre ab und zu auch sehr gerne Liszt, am liebsten:

Années de pelérinage (Nicholas Angelich)

Klavierkonzert Nr. 1 (äh, wie fast immer bei mir mit Martha Argerich)

Gut, daß ich an Leif Ove Andsnes erinnert werde, die CD habe ich lange nicht gehört, dabei lief sie bei mir zeitweise fast täglich!!

Gruß, Nikolaus.
Daniel Behrendt (26.05.2006, 09:45):
Hallo Frank,

Zitat Frank: also Wolfram Goertz ist ja nun allwes andere als ein Masstab ; was immer er auch rezensiert ( oft nur zehn schmalste Zeilchen ! ) .

Hast Du ihn einmal live erlebt ?

Die bedien Klassikführer isnd sehr geschraubt geschrieben und mehr als gewollt zusammengestellt .

Es enstpricht eben dem Niveau der Rheinischen Post .

...ich kenne auch jemanden, der mit Goertzens Stil überhaupt nicht klar kommt. M.E. macht er das an der Fono Forum-Kolumne fest (die ich auch ziemlich schlapp finde). Allerdings ist der kleine CD-Führer "Klassik scheibchenweise" doch sehr leichthändig und charmant verfasst (nach meinem Empfinden eigentlich gar nicht "geschraubt") - man bekommt wirklich Lust, die Scheiben zu kaufen - Ich finde, es gibt wirklich schlimmere Vertreter der musikjournalistischen Branche.

Nun zu Liszt:

Da bleiben drei Scheiben für mich unerreicht:
-Die Klavierkonzerte mit Richter/Kondrashin
-Die Ungarischen Rhapsodien (die gerne - und unberechigt - von oben herab als leeres Zirkusgeklingel abgetan werden) mit Cziffra
-und die h-Moll-Sonate mit Zimerman

Andsnes steht noch auf der Wunschliste - soll ja, nicht nur nach Herrn Goertz' Meinung, eine wunderbare Einspielung sein.

LG!
Daniel
ab (26.05.2006, 13:35):
Wer hat denn das Spät-Klavier-Werk Liszt aufgenommen? Wer davon überzeugend?
Daniel Behrendt (26.05.2006, 14:14):
Lieber ab,

Ich meine, Brendel hat relativ viel aus dem Spätwerk aufgenommen. Ich habe ihn mal vor etlichen Jaren eim Schleswig-Holstein-Musigfestival live erlebt, dort spielte er die komplette 2. Konzerthälfte nur allerspätesten, düster-vergrübelten Liszt - das war wirklich sehr überzeugend.
(Die h-Moll-Sonate muss ich allerdings nicht zwingend mit Brendel haben...)
Entdeckenswert ist Brendels Einspielung der "Weihnachtsbaum"-Suite (Ich glaube, Brendels erste Platte überhaupt) . Auch wenn der Weihnachtsbaum nicht zu den ganz späten Werken Liszts zählt, tragen viele der schönen Miniaturen doch unverkennbar deren Züge.

LG
Daniel
ab (27.05.2006, 14:14):
Lieber Daniel,

danke für Deine Ausführungen, aber Brendels Liszt, soweit ich ihn gehört habe, sagt mir nicht im geringsten zu und auch die Weihnachtsbaum-Suite, die dereinst von Klassikakzente verschenkt worden ist, finde ich ätzend. Auch, meine ich mich zu entsonnen, dass Berendel zwar spätere Kompositionen, nicht aber das Spätwerk aufgenommen hat. Leider ist mir daher mit Deinen Hinweise nicht geholfen.
AcomA (27.05.2006, 19:16):
hallo ab,

mit sicherheit hat leslie howard das gesamte spätwerk liszts aufgenommen, da er ja das gesamtwerk liszts einspielte, bei hyperion records !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6132277.jpg

gruß, siamak :)
Cosima (27.05.2006, 21:10):
Original von AcomA
mit sicherheit hat leslie howard das gesamte spätwerk liszts aufgenommen, da er ja das gesamtwerk liszts einspielte, bei hyperion records !


Ja, ich besitze aber auch nur eine Aufnahme aus der Reihe. Ich habe sie jedoch kaum in Erinnerung. Ich glaube, dass mir Howard als Liszt-Interpret nicht recht zusagte. Ich müsste sie mal wieder hören. (Ja, das werde ich auch tun!)

Gruß, Cosima
ab (28.05.2006, 13:04):
Danke für diesen Hinweis! Wie spielt denn Leslie Howard so? Seine Aufnahmen scheinen mir immer wegen des ausgefallenen Repertoirs so empfohlen zu werden, was sein Spiel indes auszueichnet, konnte ich noch nie den Kritiken entnehmen - und gehört habe ich bislang noch nie etwas von ihm.
Cosima (29.05.2006, 00:19):
Original von ab
Wie spielt denn Leslie Howard so?

Ich kenne nur Vol. 12 aus der wohl über 50 CDs umfassenden Gesamtaufnahme. Ich habe sie nun noch einmal gehört: Howards Klavierspiel würde ich als nüchtern, bieder und uninspiriert bezeichnen. Bei mir springt überhaupt kein Funke über. Auch technisch klingt er mir eher plump. Gar kein Vergleich zu den anderen großen Liszt-Interpreten. Ich würde mir jedenfalls keine weitere Aufnahme aus der Reihe zulegen.

Gruß, Cosima
Zelenka (29.05.2006, 00:31):
Original von Cosima
Original von ab
Wie spielt denn Leslie Howard so?

Ich kenne nur Vol. 12 aus der wohl über 50 CDs umfassenden Gesamtaufnahme. Ich habe sie nun noch einmal gehört: Howards Klavierspiel würde ich als nüchtern, bieder und uninspiriert bezeichnen. Bei mir springt überhaupt kein Funke über. Auch technisch klingt er mir eher plump. Gar kein Vergleich zu den anderen großen Liszt-Interpreten. Ich würde mir jedenfalls keine weitere Aufnahme aus der Reihe zulegen.

Gruß, Cosima

Das ist auch meine Meinung. Eine "verdienstvolle" Reihe, die alles bringt und leider nichts richtig gut.

Gruß,

Zelenka
AcomA (29.05.2006, 13:26):
hallo,

ich habe selbst nur die aufnahme mit den walzern (mephisto, oubliee) aus der reihe mit leslie howard. da würde ich sagen, er spielt sehr gut, aber hat tatsächlich nicht die brillianz der z.b. russischen schule. aber fürs spätwerk wirds in jedem falle reichen, dafür braucht man keinen horowitz oder s. richter. :D

gruß, siamak :)
Rachmaninov (18.02.2007, 11:23):
@Jeremias,

gestern hörte ich die Harmonies poetiques et religieuses in der Aufnahme mit Steven Osborne.

Sowohl pianistisch aber vor allem was dem musikalischem Gesprüh abverlangt wird erscheint wir dieses Werk höchst anspruchsvoll.
S. Osborne meistert diese Hürden vorzüglich und zeigt sich als tiefsinniger, feinfühliger Pianist der es versteht die Musik fließen zu lassen.

Ein Genuss.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7278521.jpg
Ganong (18.02.2007, 18:22):
Lieber Siamnak ,

Deine Meinung zum sog. Spätwerk Liszts ist aus den beiu Brendel nachzulesenden Gründen interessant und wird von mir geteilt .

Liszt , der mit seiner "Niederlassung" in Weimar als reisender Klaviervirtuose ( und somit der Komposition der h-Moll-Sonate ) aiufgehört hatte , gelang es , einen grossen Schülerkreis um sich zu sammeln .

Sicherlich waren die meisten dieser Schüler in erster Loinie zu Studienzwecken und wegen Liszts Ruhm dorthin gepilgert .

Richter ist sicherlich kein besonders herausragender Liszt-Interpret . Leslie Howard , derb das Gesdamtwerk interpretiert in einem Mammutprogramm , ist mit keinem einizigen Werk besonders interessant .

Zu Horowitz hat Alfred Brendel in einem seinenr BÜcher vieles und auch richtiges geschrieben . Dennoch : Sein Verdienst , zusammen mit der Aufnahme durch Josef Hofmann ( sie wurde sknadalöserweise vernichtet ) , hat er die h-Moll-Sonate mit seiner Aufnahme 1932 ( EMI ) wieder neu entdeckt . Seine spätrere Aufnahme hat leider alle seine charakteristischen Eigenarten . Da helfen auch die vielen schönen Sätze seines grosssen Mentors Harold C. Schoberg nichts .

Von den Aufnahmen der ca. letzten 10 - 15 Jahren rate ich mit Abstand am ehesten zu den Einspielungen durch Duchable .

Interesssant finde ich , das in der Edition "Great Pianists..." Alfred Brendel , der selbst eher ein Nachdenker über den späten Liszt und wie dieser zu interpretieren sei , ist , Wilhelm Kempff in dessen 6 CDs einbezogen hat .

Und natürlich wird niemand an Cziffra vorbeigehen können , wenn wir asn List-Interpretationen denken .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (10.07.2007, 22:00):
Original von Jeremias

Ich möchte Euch diese CD einmal sehr ans Herz legen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000058B1X.03.LZZZZZZZ.jpg

Wolfram Goertz, Chefkritiker der Rheinischen Post, schrieb einmal, er würde NIE auch nur eine CD von Liszt empfehlen, bis er diese in die Hand bekam.... eine wunderbare Aufnahme, insbesondere der Dante-sonate.

Welche Aufnahmen dieser interessanten Werke Liszt's bevorzugt ihr?

@Jeremias,
absolut zurecht!

@Nicolaus,
die von Dir heute "Charakterisierung" Andsnes, den Du als gelassen bezeichnet hast, findet hier einen sehr treffenden Beweis.

Was Andsnes angeht bin ich nicht immer überzeugt, aber diese Aufnahme ist wirklich vom Feinsten! Nur der Klang kommt hier nicht ganz mit.
YJ (25.12.2007, 16:51):
Neben der h-moll-Sonate finde ich die Balladen musikalisch sehr anspruchsvoll, vor allem die No.2 in h-moll. Das Werk, dass gleichzeitig mit der Sonate entstanden ist, soll ja die griechische Sage "Hero und Leander" als Hintergrund haben, allerdings wurde es nie wissenschaftlich bewiesen, dass Liszt die Ballade mit der Sage im Zusammenhang gebracht hat. Weiß vielleicht jemand trotzdem, wie dieser Zusammenhang trotzdem entstanden ist?
Die Legenden sind auch interessante Stücke von Liszt, nicht zu sehr auf Technik basiert, sondern doch eher auf die Musikalität.
Werke wie die Dante-Sonate, die Klavierkonzerte und die Rhapsodie espagnole sind meiner Meinung nach ebenfalls sehr anspruchsvoll, aber nur, wenn man sie dementsprechend musikalisch gestaltet, anstatt die ganze Technik-Schiene rauf- und runterzuspielen.
Jeremias (27.12.2007, 13:02):
Dem schließe ich mich an! Musikalisch bietet die 2. Ballade sehr viel "Stoff" sowohl für den Interpret als auch für den Zuhörer. Wenn Du darüber hinaus einmal eine Rhapsodie hören willst, wie man es NICHT macht, dann hör Dir mal Denis Matsuev an.... furchtbar!
YJ (27.12.2007, 21:06):
Original von Jeremias
Dem schließe ich mich an! Musikalisch bietet die 2. Ballade sehr viel "Stoff" sowohl für den Interpret als auch für den Zuhörer. Wenn Du darüber hinaus einmal eine Rhapsodie hören willst, wie man es NICHT macht, dann hör Dir mal Denis Matsuev an.... furchtbar!

okay, ich werde es mir überlegen, ob ich es mir antun werde :D

Darf man hier eigentlich Links posten zu Aufnahmen?
Wenn ja, hier ein weiteres Beispiel, wie man Liszt NICHT spielen sollte:

http://www.valentinalisitsa.com/audiopage.htm

Die Lisztballade geht ja noch, aber die 12.Ungarische und vor allem die Spanische wird so verunstaltet, dass es richtig wehtut, es sich anzuhören :A
Jeremias (16.05.2006, 22:44):
Franz Liszt wird von vielen Musikliebhabern ja doch sehr kritisch gesehen. Natürlich, man kennt in erster Linie seine virtuosen Werke, die Rhapsodien, die großen Opernparaphrasen oder die teuflisch schweren Etüden.

Aber Liszt hat auch musikalisch einiges zu bieten gehabt. Zu meinen Lieblingswerken zählt "Vallée d'Obermann", das mit mein Klavierlehrer vor etwa 12 Jahren in der legendären Aufnahme mit Horowitz zeigte. Bis heute ist es vielleicht sogar mein favorit geblieben. Auch wenn ich mich erst jetzt reif genug finde, um es zu spielen, so habe ich es bereits vor vielen Jahren erlernt.

Weiterhin schätze ich ganz besonders seine Bearbeitungen der Schubert'schen Lieder. Liszt versteht es, jede Strophe neu und anders erklingen zu lassen. Ganz besonders liebe ich "Auf dem Wasser zu Singen" sowie das "Ständchen" aus dem Schwanengesang, wobei ich zu letzterem sowieso eine besondere Beziehung habe.

Ich möchte Euch diese CD einmal sehr ans Herz legen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000058B1X.03.LZZZZZZZ.jpg

Wolfram Goertz, Chefkritiker der Rheinischen Post, schrieb einmal, er würde NIE auch nur eine CD von Liszt empfehlen, bis er diese in die Hand bekam.... eine wunderbare Aufnahme, insbesondere der Dante-sonate.

Welche Aufnahmen dieser interessanten Werke Liszt's bevorzugt ihr?
Cosima (16.05.2006, 22:59):
Weil ich sie gerade höre: Die Transkriptionen von Schuberts „Die Forelle“ und „Erlkönig“ sind m.E. auch nicht anspruchslos. Jorge Bolet spielt sie.

Ansonsten gehöre ich zu der seltenen Spezies, die fast alles von Liszt sehr gern hört. Ob mit oder ohne Anspruch ist mir gleichgültig. Mich fasziniert dieser Komponist. „Après une lecture du Dante“ in der Interpretation von Berman ist berauschend! Über „Les Funérailles“ habe ich mich ja bereits ausgelassen...

Gruß, Cosima
AcomA (16.05.2006, 23:35):
hallo,

etudes d'execution transcendante

die hohe kunst bei der interpretation dieser 12 technisch extrem anspruchsvollen stücke liegt darin, dermaßen über den technisch-physischen hürden zu stehen, dass der transzendentale gehalt hervortritt. die berühmt-berüchtige mono-aufnahme aus den 50er jahren mit lazar berman ist sicherlich immer noch die schnellste und lauteste. nur hat man dies einmal gehört, so kommt dann irgendwann langeweile und gleichgültigkeit auf. claudio arrau, dessen technischen möglichkeiten nie zu unterschätzen waren, hat gezeigt, welche klangzaubereien und melodiebögen zu entlocken sind. alfredo perl verfolgt den arrauschen ansatz weiter. ich kenne keine andere aufnahme, die in puncto phrasierung und klangempfinden gepaart mit fulminanz dem hier gebotenen gleichkommt. überhaupt ist der anschlag und der pedalgebrauch betörend.

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004S4O1.03.LZZZZZZZ.jpg

alfredo perl, piano

arte nova, DDD, aufn. 1999

gruß, siamak :engel
Mime (17.05.2006, 18:20):
Les Préludes

Es muß ja nicht immer Klaviermusik sein!
Ganong (17.05.2006, 19:03):
Lieber Jeremias ,

also Wolfram Goertz ist ja nun allwes andere als ein Masstab ; was immer er auch rezensiert ( oft nur zehn schmalste Zeilchen ! ) .

Hast Du ihn einmal live erlebt ?

Die bedien Klassikführer isnd sehr geschraubt geschrieben und mehr als gewollt zusammengestellt .

Es enstprciht eben dem Niveau der Rheinischen Post .

Grüsse , Frank
Ganong (17.05.2006, 19:07):
Lieber Siamak ,

um bei diesem Werk zu bleiben :

die Alternativen zu Lazar Berman sind :

Duchable u n d

Cziffra .

Grüsse , Frank

PS.:


Ansonsten natürlich die

h - Moll - Sonate

( Weissenberg ; Horowitz aus 1932 ; Simon Barere ; Marta Argerich und F R Duchable ) sowie die "Dante - Sonate" mit Lazar Berman .
F.
nikolaus (17.05.2006, 19:56):
Hallo miteinander!

Ich höre ab und zu auch sehr gerne Liszt, am liebsten:

Années de pelérinage (Nicholas Angelich)

Klavierkonzert Nr. 1 (äh, wie fast immer bei mir mit Martha Argerich)

Gut, daß ich an Leif Ove Andsnes erinnert werde, die CD habe ich lange nicht gehört, dabei lief sie bei mir zeitweise fast täglich!!

Gruß, Nikolaus.
Daniel Behrendt (26.05.2006, 09:45):
Hallo Frank,

Zitat Frank: also Wolfram Goertz ist ja nun allwes andere als ein Masstab ; was immer er auch rezensiert ( oft nur zehn schmalste Zeilchen ! ) .

Hast Du ihn einmal live erlebt ?

Die bedien Klassikführer isnd sehr geschraubt geschrieben und mehr als gewollt zusammengestellt .

Es enstpricht eben dem Niveau der Rheinischen Post .

...ich kenne auch jemanden, der mit Goertzens Stil überhaupt nicht klar kommt. M.E. macht er das an der Fono Forum-Kolumne fest (die ich auch ziemlich schlapp finde). Allerdings ist der kleine CD-Führer "Klassik scheibchenweise" doch sehr leichthändig und charmant verfasst (nach meinem Empfinden eigentlich gar nicht "geschraubt") - man bekommt wirklich Lust, die Scheiben zu kaufen - Ich finde, es gibt wirklich schlimmere Vertreter der musikjournalistischen Branche.

Nun zu Liszt:

Da bleiben drei Scheiben für mich unerreicht:
-Die Klavierkonzerte mit Richter/Kondrashin
-Die Ungarischen Rhapsodien (die gerne - und unberechigt - von oben herab als leeres Zirkusgeklingel abgetan werden) mit Cziffra
-und die h-Moll-Sonate mit Zimerman

Andsnes steht noch auf der Wunschliste - soll ja, nicht nur nach Herrn Goertz' Meinung, eine wunderbare Einspielung sein.

LG!
Daniel
ab (26.05.2006, 13:35):
Wer hat denn das Spät-Klavier-Werk Liszt aufgenommen? Wer davon überzeugend?
Daniel Behrendt (26.05.2006, 14:14):
Lieber ab,

Ich meine, Brendel hat relativ viel aus dem Spätwerk aufgenommen. Ich habe ihn mal vor etlichen Jaren eim Schleswig-Holstein-Musigfestival live erlebt, dort spielte er die komplette 2. Konzerthälfte nur allerspätesten, düster-vergrübelten Liszt - das war wirklich sehr überzeugend.
(Die h-Moll-Sonate muss ich allerdings nicht zwingend mit Brendel haben...)
Entdeckenswert ist Brendels Einspielung der "Weihnachtsbaum"-Suite (Ich glaube, Brendels erste Platte überhaupt) . Auch wenn der Weihnachtsbaum nicht zu den ganz späten Werken Liszts zählt, tragen viele der schönen Miniaturen doch unverkennbar deren Züge.

LG
Daniel
ab (27.05.2006, 14:14):
Lieber Daniel,

danke für Deine Ausführungen, aber Brendels Liszt, soweit ich ihn gehört habe, sagt mir nicht im geringsten zu und auch die Weihnachtsbaum-Suite, die dereinst von Klassikakzente verschenkt worden ist, finde ich ätzend. Auch, meine ich mich zu entsonnen, dass Berendel zwar spätere Kompositionen, nicht aber das Spätwerk aufgenommen hat. Leider ist mir daher mit Deinen Hinweise nicht geholfen.
AcomA (27.05.2006, 19:16):
hallo ab,

mit sicherheit hat leslie howard das gesamte spätwerk liszts aufgenommen, da er ja das gesamtwerk liszts einspielte, bei hyperion records !

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6132277.jpg

gruß, siamak :)
Cosima (27.05.2006, 21:10):
Original von AcomA
mit sicherheit hat leslie howard das gesamte spätwerk liszts aufgenommen, da er ja das gesamtwerk liszts einspielte, bei hyperion records !


Ja, ich besitze aber auch nur eine Aufnahme aus der Reihe. Ich habe sie jedoch kaum in Erinnerung. Ich glaube, dass mir Howard als Liszt-Interpret nicht recht zusagte. Ich müsste sie mal wieder hören. (Ja, das werde ich auch tun!)

Gruß, Cosima
ab (28.05.2006, 13:04):
Danke für diesen Hinweis! Wie spielt denn Leslie Howard so? Seine Aufnahmen scheinen mir immer wegen des ausgefallenen Repertoirs so empfohlen zu werden, was sein Spiel indes auszueichnet, konnte ich noch nie den Kritiken entnehmen - und gehört habe ich bislang noch nie etwas von ihm.
Cosima (29.05.2006, 00:19):
Original von ab
Wie spielt denn Leslie Howard so?

Ich kenne nur Vol. 12 aus der wohl über 50 CDs umfassenden Gesamtaufnahme. Ich habe sie nun noch einmal gehört: Howards Klavierspiel würde ich als nüchtern, bieder und uninspiriert bezeichnen. Bei mir springt überhaupt kein Funke über. Auch technisch klingt er mir eher plump. Gar kein Vergleich zu den anderen großen Liszt-Interpreten. Ich würde mir jedenfalls keine weitere Aufnahme aus der Reihe zulegen.

Gruß, Cosima
Zelenka (29.05.2006, 00:31):
Original von Cosima
Original von ab
Wie spielt denn Leslie Howard so?

Ich kenne nur Vol. 12 aus der wohl über 50 CDs umfassenden Gesamtaufnahme. Ich habe sie nun noch einmal gehört: Howards Klavierspiel würde ich als nüchtern, bieder und uninspiriert bezeichnen. Bei mir springt überhaupt kein Funke über. Auch technisch klingt er mir eher plump. Gar kein Vergleich zu den anderen großen Liszt-Interpreten. Ich würde mir jedenfalls keine weitere Aufnahme aus der Reihe zulegen.

Gruß, Cosima

Das ist auch meine Meinung. Eine "verdienstvolle" Reihe, die alles bringt und leider nichts richtig gut.

Gruß,

Zelenka
AcomA (29.05.2006, 13:26):
hallo,

ich habe selbst nur die aufnahme mit den walzern (mephisto, oubliee) aus der reihe mit leslie howard. da würde ich sagen, er spielt sehr gut, aber hat tatsächlich nicht die brillianz der z.b. russischen schule. aber fürs spätwerk wirds in jedem falle reichen, dafür braucht man keinen horowitz oder s. richter. :D

gruß, siamak :)
Rachmaninov (18.02.2007, 11:23):
@Jeremias,

gestern hörte ich die Harmonies poetiques et religieuses in der Aufnahme mit Steven Osborne.

Sowohl pianistisch aber vor allem was dem musikalischem Gesprüh abverlangt wird erscheint wir dieses Werk höchst anspruchsvoll.
S. Osborne meistert diese Hürden vorzüglich und zeigt sich als tiefsinniger, feinfühliger Pianist der es versteht die Musik fließen zu lassen.

Ein Genuss.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7278521.jpg
Ganong (18.02.2007, 18:22):
Lieber Siamnak ,

Deine Meinung zum sog. Spätwerk Liszts ist aus den beiu Brendel nachzulesenden Gründen interessant und wird von mir geteilt .

Liszt , der mit seiner "Niederlassung" in Weimar als reisender Klaviervirtuose ( und somit der Komposition der h-Moll-Sonate ) aiufgehört hatte , gelang es , einen grossen Schülerkreis um sich zu sammeln .

Sicherlich waren die meisten dieser Schüler in erster Loinie zu Studienzwecken und wegen Liszts Ruhm dorthin gepilgert .

Richter ist sicherlich kein besonders herausragender Liszt-Interpret . Leslie Howard , derb das Gesdamtwerk interpretiert in einem Mammutprogramm , ist mit keinem einizigen Werk besonders interessant .

Zu Horowitz hat Alfred Brendel in einem seinenr BÜcher vieles und auch richtiges geschrieben . Dennoch : Sein Verdienst , zusammen mit der Aufnahme durch Josef Hofmann ( sie wurde sknadalöserweise vernichtet ) , hat er die h-Moll-Sonate mit seiner Aufnahme 1932 ( EMI ) wieder neu entdeckt . Seine spätrere Aufnahme hat leider alle seine charakteristischen Eigenarten . Da helfen auch die vielen schönen Sätze seines grosssen Mentors Harold C. Schoberg nichts .

Von den Aufnahmen der ca. letzten 10 - 15 Jahren rate ich mit Abstand am ehesten zu den Einspielungen durch Duchable .

Interesssant finde ich , das in der Edition "Great Pianists..." Alfred Brendel , der selbst eher ein Nachdenker über den späten Liszt und wie dieser zu interpretieren sei , ist , Wilhelm Kempff in dessen 6 CDs einbezogen hat .

Und natürlich wird niemand an Cziffra vorbeigehen können , wenn wir asn List-Interpretationen denken .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (10.07.2007, 22:00):
Original von Jeremias

Ich möchte Euch diese CD einmal sehr ans Herz legen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000058B1X.03.LZZZZZZZ.jpg

Wolfram Goertz, Chefkritiker der Rheinischen Post, schrieb einmal, er würde NIE auch nur eine CD von Liszt empfehlen, bis er diese in die Hand bekam.... eine wunderbare Aufnahme, insbesondere der Dante-sonate.

Welche Aufnahmen dieser interessanten Werke Liszt's bevorzugt ihr?

@Jeremias,
absolut zurecht!

@Nicolaus,
die von Dir heute "Charakterisierung" Andsnes, den Du als gelassen bezeichnet hast, findet hier einen sehr treffenden Beweis.

Was Andsnes angeht bin ich nicht immer überzeugt, aber diese Aufnahme ist wirklich vom Feinsten! Nur der Klang kommt hier nicht ganz mit.
YJ (25.12.2007, 16:51):
Neben der h-moll-Sonate finde ich die Balladen musikalisch sehr anspruchsvoll, vor allem die No.2 in h-moll. Das Werk, dass gleichzeitig mit der Sonate entstanden ist, soll ja die griechische Sage "Hero und Leander" als Hintergrund haben, allerdings wurde es nie wissenschaftlich bewiesen, dass Liszt die Ballade mit der Sage im Zusammenhang gebracht hat. Weiß vielleicht jemand trotzdem, wie dieser Zusammenhang trotzdem entstanden ist?
Die Legenden sind auch interessante Stücke von Liszt, nicht zu sehr auf Technik basiert, sondern doch eher auf die Musikalität.
Werke wie die Dante-Sonate, die Klavierkonzerte und die Rhapsodie espagnole sind meiner Meinung nach ebenfalls sehr anspruchsvoll, aber nur, wenn man sie dementsprechend musikalisch gestaltet, anstatt die ganze Technik-Schiene rauf- und runterzuspielen.
Jeremias (27.12.2007, 13:02):
Dem schließe ich mich an! Musikalisch bietet die 2. Ballade sehr viel "Stoff" sowohl für den Interpret als auch für den Zuhörer. Wenn Du darüber hinaus einmal eine Rhapsodie hören willst, wie man es NICHT macht, dann hör Dir mal Denis Matsuev an.... furchtbar!
YJ (27.12.2007, 21:06):
Original von Jeremias
Dem schließe ich mich an! Musikalisch bietet die 2. Ballade sehr viel "Stoff" sowohl für den Interpret als auch für den Zuhörer. Wenn Du darüber hinaus einmal eine Rhapsodie hören willst, wie man es NICHT macht, dann hör Dir mal Denis Matsuev an.... furchtbar!

okay, ich werde es mir überlegen, ob ich es mir antun werde :D

Darf man hier eigentlich Links posten zu Aufnahmen?
Wenn ja, hier ein weiteres Beispiel, wie man Liszt NICHT spielen sollte:

http://www.valentinalisitsa.com/audiopage.htm

Die Lisztballade geht ja noch, aber die 12.Ungarische und vor allem die Spanische wird so verunstaltet, dass es richtig wehtut, es sich anzuhören :A
Dieter (20.02.2008, 21:14):
Original von Jeremias
Franz Liszt wird von vielen Musikliebhabern ja doch sehr kritisch gesehen. Natürlich, man kennt in erster Linie seine virtuosen Werke, die Rhapsodien, die großen Opernparaphrasen oder die teuflisch schweren Etüden.

Aber Liszt hat auch musikalisch einiges zu bieten gehabt. Zu meinen Lieblingswerken zählt "Vallée d'Obermann", das mit mein Klavierlehrer vor etwa 12 Jahren in der legendären Aufnahme mit Horowitz zeigte. Bis heute ist es vielleicht sogar mein favorit geblieben. Auch wenn ich mich erst jetzt reif genug finde, um es zu spielen, so habe ich es bereits vor vielen Jahren erlernt.

Weiterhin schätze ich ganz besonders seine Bearbeitungen der Schubert'schen Lieder. Liszt versteht es, jede Strophe neu und anders erklingen zu lassen. Ganz besonders liebe ich "Auf dem Wasser zu Singen" sowie das "Ständchen" aus dem Schwanengesang, wobei ich zu letzterem sowieso eine besondere Beziehung habe.

Ich möchte Euch diese CD einmal sehr ans Herz legen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000058B1X.03.LZZZZZZZ.jpg

Wolfram Goertz, Chefkritiker der Rheinischen Post, schrieb einmal, er würde NIE auch nur eine CD von Liszt empfehlen, bis er diese in die Hand bekam.... eine wunderbare Aufnahme, insbesondere der Dante-sonate.

Welche Aufnahmen dieser interessanten Werke Liszt's bevorzugt ihr?


Jeremias,
ich stimme Dir auch zu. "Vallée d'Obermann" ist auch eines meiner Lieblingsstücke, übrigens auch das von Arrau. Zu meinen Lieblingswerken zählt auch "Benediction de Dieu dans la solitude". Die beste Aufnahme habe ich mit Katsaris gehört. Man muss nur mal stöbern, dann findet man sehr ausdrucksstarke Klavierkompositionen, melodisch, dynamisch, einfach toll.
Gruss Dieter
Zelenka (22.02.2008, 13:34):
Original von Dieter

"Vallée d'Obermann" ist auch eines meiner Lieblingsstücke, übrigens auch das von Arrau. Zu meinen Lieblingswerken zählt auch "Benediction de Dieu dans la solitude". Die beste Aufnahme habe ich mit Katsaris gehört. Man muss nur mal stöbern, dann findet man sehr ausdrucksstarke Klavierkompositionen, melodisch, dynamisch, einfach toll.
Gruss Dieter

Da der Name Arrau hier wiederum gefallen ist, soll er als großer Lisztianer und Schüler eines Schülers des großen Meisters selbst zu Wort kommen. Hier ist seine Rangliste der größten Klavierwerke Liszts (entnommen dem Booklet-Text von Peter Warwick zur Music & Arts-CD 1205 ):

Sonate h-moll
Harmonies poétiques et réligieuses: No. 3: Bénédiction de Dieu dans la solitude
Variationen über "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" (Bach-Kantate BWV 12)
Années de pèlerinage: Deuxième année: Italie: Sposalizio
Années de pèlerinage: Première année: Suisse: Vallée d'Obermann
Années de pèlerinage: Première année: Suisse: Au bord d'une source
Harmonies poétiques et réligieuses: Funérailles
Deux Légendes: Saint Francois d'Assise prêchant aux oiseaux, Saint Francois de Paule marchant sur les flots
Années de pèlerinage: Deuxième année: Italie: Sonetti del Petrarca No. 47, No. 104, No. 123
Konzert No. 2 A-Dur
Études d'exécution transcendante
Deuxième Ballade
Totentanz
Mephisto-Walzer
Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H
Années de pèlerinage: Troisième année: Les jeux d'eaux à la Villa d'Este
Ungarische Rhapsodien: Nos. 13, 12, 2, 5

Gruß, Zelenka
Dieter (22.02.2008, 14:03):
Original von Zelenka
Original von Dieter

"Vallée d'Obermann" ist auch eines meiner Lieblingsstücke, übrigens auch das von Arrau. Zu meinen Lieblingswerken zählt auch "Benediction de Dieu dans la solitude". Die beste Aufnahme habe ich mit Katsaris gehört. Man muss nur mal stöbern, dann findet man sehr ausdrucksstarke Klavierkompositionen, melodisch, dynamisch, einfach toll.
Gruss Dieter

Da der Name Arrau hier wiederum gefallen ist, soll er als großer Lisztianer und Schüler eines Schülers des großen Meisters selbst zu Wort kommen. Hier ist seine Rangliste der größten Klavierwerke Liszts (entnommen dem Booklet-Text von Peter Warwick zur Music & Arts-CD 1205 ):

Sonate h-moll
Harmonies poétiques et réligieuses: No. 3: Bénédiction de Dieu dans la solitude
Variationen über "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" (Bach-Kantate BWV 12)
Années de pèlerinage: Deuxième année: Italie: Sposalizio
Années de pèlerinage: Première année: Suisse: Vallée d'Obermann
Années de pèlerinage: Première année: Suisse: Au bord d'une source
Harmonies poétiques et réligieuses: Funérailles
Deux Légendes: Saint Francois d'Assise prêchant aux oiseaux, Saint Francois de Paule marchant sur les flots
Années de pèlerinage: Deuxième année: Italie: Sonetti del Petrarca No. 47, No. 104, No. 123
Konzert No. 2 A-Dur
Études d'exécution transcendante
Deuxième Ballade
Totentanz
Mephisto-Walzer
Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H
Années de pèlerinage: Troisième année: Les jeux d'eaux à la Villa d'Este
Ungarische Rhapsodien: Nos. 13, 12, 2, 5

Gruß, Zelenka

Claudio Arrau sagt in einem Gespräch:" Eine Komposition, die ich sehr liebe, ist "Vallée d Obermann". Das ist vielleicht das Schönste, was er geschrieben hat".
Aus einer Broschüre "Musiker im Gespräch, Edition Peters.
Gruss Dieter
Zelenka (22.02.2008, 14:17):
Original von Dieter

Claudio Arrau sagt in einem Gespräch:" Eine Komposition, die ich sehr liebe, ist "Vallée d Obermann". Das ist vielleicht das Schönste, was er geschrieben hat".
Aus einer Broschüre "Musiker im Gespräch, Edition Peters.
Gruss Dieter

Lieber Dieter:

Ein verspätetes, aber trotzdem herzliches Willkommen im Forum! - Arraus zitierte Rangliste bezieht sich ja auf die größten Klavierwerke, nicht unbedingt auf die schönsten ...

Gruß, Zelenka
ab (27.03.2014, 23:28):
Lange, ganze vier Jahre, war hier in diesem Faden nichts mehr zu lesen, nicht einmal im Liszt-Jahr ist er hervorgekramt worden.

Was ist von den Jorge Bolet-Aufnahmen zu halten, wären die von Sergio Fiorentino vorzuziehen, was haltet ihr von Lesslie Howard? Gäbe es dazu neue Hörerfahrungen, die ihr gerne teilen wolltet...
:thanks
Cetay (inaktiv) (28.03.2014, 06:47):
Naja, wo es um anspruchsvolle Werke von Liszt gehen soll, kann nicht viel kommen. :ignore :cool
Scherz beiseite, mir ging es es lange wie dem im Eröffnungsbeitrag erwähnten Chefkritiker der Rheinischen Post. Bei mir war es aber nicht Leif Ove Andsnens sondern Stephen Hough, der mir Liszt etwas näher gebracht hat.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51qumEJpq0L._SY450__AA270_.jpg
Gamaheh (28.03.2014, 22:42):
Zelenka ... in memoriam

Ich habe keine Probleme mit Liszt, jedenfalls nicht a priori; allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß es sehr auf den Interpreten ankommt (mehr als bei vielen anderen), ob er mich interessiert – manchen Musikern liegt er offenbar mehr als anderen: Jorge Bolet beispielsweise war ein wunderbarer Liszt-Interpret, Raymond Lewenthal auch (es gab mal seine Aufnahmen irgendwo im Internet zum kostenlosen Download), namentlich der 2. Ballade. Sergio Fiorentino kenne ich nicht mit Liszt, Andsnes leider auch nicht; was ich von Leslie Howard gehört habe, hat mich nicht beeindruckt, vieles andere auch nicht. Francesco Libetta (dessen Idol übrigens auch Kempf ist) ist meiner Meinung nach ebenfalls ein großartiger Liszt-Interpret, der u.a. sämtliche Transkriptionen der Wagner-Opern aufgenommen hat (die es auch mal vorübergehend als kostenlosen Download gab), aber auch unzählige andere Werke von Liszt im Repertoire hat und immer wieder gerne spielt (natürlich auch die Franziskus-Legenden); in dem Monsaingeon-Film ist der Totentanz im Programm.

Zum Vergleich (von Äpfeln und Birnen) Valentina Lisitsa im Londoner Bahnhof St. Pancras, ebenfalls mit dieser Danse macabre. Das ist vermutlich musikalisch nicht ernst gemeint, sondern nur ein Publicity-Gag.

Die Musik Liszts wird auch von Musikern, die völlig unverdächtig sind, Klavier-Akrobaten oder Angeber zu sein, ernst genommen und aufgeführt. Eine besonders schöne h-moll-Sonate habe ich z.B. mal von Herbert Schuch gehört.

Hier noch ein Hinweis auf einen Vortrag von dem britischen Musikwissenschaftler und Liszt-Forscher Kenneth Hamilton über Liszts Vermächtnis an seine Schüler, der interessante Erkenntnisse über den Fortgang von Liszts Kompositionen vermittelt. (Leider ist der Ton sehr schlecht, man muß richtig bis zum Anschlag aufdrehen.)

Allen ein schönes Wochenende wünschend,
Gamaheh
Florestan (13.04.2014, 21:26):
Der Titel dieses Themas zeigt, dass die Vorurteile gegenüber Liszt noch immer Bestand haben. Die gleiche Frage könnte man ja bei jedem anderen Komponisten auch stellen, denn das jemand bei einer derartigen Fülle an Werken nur Meisterwerke geschaffen hat kommt in der Musikgeschichte ja nicht vor. Und von welchem Anspruch ist denn hier die Rede? Von dem des Gelegenheitshörers, des informierten Laien oder des Profimusikers?
Die Werke aus der Virtuosenzeit sind sicher überwiegend dem Publikumsgeschmack und der wirkungsvollen Darbietung geschuldet. Nur war diese Epoche relativ kurz, denn Liszt hat sich davon nach seinem Umzug nach Weimar 1848, also mit 37 Jahren, zurückgezogen. Und hier sind auch die Werke entstanden, die seinen Rang als Komponisten begründet haben. In der Geschichte des 19. Jh. kommt Liszt eine singuläre Rolle zu. Auf jeden Fall in der 2. Hälfte gibt es m.E. keinen Komponisten der ähnlich innovativ gewesen wäre. Und, Wagner Bewunderer werden das nicht gerne hören, er hat einen maßgeblichen Einfluß auf Wagner ausgeübt. Dessen Werke wären in großen Teilen ohne den Einfluß seines späteren Schwiegervaters kaum denkbar gewesen. Die Seelenverwandschaft (nur in musikalischer Hinsicht, als Menschen waren sie vollkommen gegensätzliche Charaktere) wurde ja von Wagner auch stets betont.
Die sinfonische Dichtung ist eine Erfindung von Liszt, und hat ganze Komponistengenerationen nach ihm beflügelt. Und in Sachen Klaviertechnik gab es nichts vergleichbares zu seiner Zeit. Legionen von Pianisten haben sich an ihm orientiert, und die Reihe seiner bedeutenden Schüler, die sich darum gedrängt haben von ihm unterrichtet zu werden ist sehr lang.
Das Gesamtwerk von Liszt ist enorm. Der Katalog nach Humphrey Searle umfasst über 700 Einzelpositionen, in denen auch umfangreiche Zyklen, wie die Harmonies poétiques et religieuses oder die 3 Bände der Pilgerjahre mit einer Werknummer enthalten sind. Außer Opern hat er fast alle Gattungen bedient. Leider hat Liszt sehr viel Zeit seines Lebens mit Bearbeitungen fremder Werke zugebracht. Im allgemeinen Bewusstsein nimmt dieser Teil seines Werks dann auch einen bedeutenden Raum ein. Zwar war er auch ein begnadeter Bearbeiter, der in Zeiten wo es noch keine mechanische oder elektronische Reproduktion von Musik gab, viele seiner Zeitgenossen einem größeren Publikum bekannt gemacht hat. Aber seine Originalkompositionen beinhalten eine derartige Fülle von musikalischen Gedanken, dass es fast ein ganzes Leben braucht um dies alles adäquat zu erfassen.
Und hier liegt das Verdienst von Leslie Howard, der es auf sich genommen hat das gesamte Werk für Klavier auf 97 CDs einzuspielen! Das ist eine wahrhaftige Titanenleistung. Die Begleithefte bieten darüber hinaus eine breite Fülle von Material zu Liszts Klavierwerk, die der Verfasser, langjähriger Präsident der international Liszt Society, mit musikwissenschaftlicher Akribie zusammengetragen hat. Das die pianistische Leistung bei solch einem gewaltigen Vorhaben nicht immer auf gleichem Niveau stattfindet liegt auf der Hand. Allerdings gibt es für mich keinen ausgesprochenen Flop in der Sammlung, und durchaus eine ganze Reihe von gelungenen Aufnahmen.
Wie bei vielen anderen Komponisten auch, so ist man gut beraten sich zum besseren kennenlernen mehrere Interpretationen zumindest der Hauptwerke zuzulegen, oder eifrig in Konzerte zu gehen. Dort allerdings werden nur die „bekannten“ Werke geboten, wie z.B. die h-Moll Sonate, die jeder spielen will, was aber beileibe nicht jeder kann. Es reicht eben nicht den virtuosen Anteil in der Klaviermusik Liszts zu betonen, denn diese Musik hat viel mehr zu bieten.
Was die Pianisten anbelangt hat wohl jeder seine Favoriten, und der Austausch darüber ist nur insofern fruchtbar, als das man selber hört was die einzelnen beizutragen haben. Nicht viel falsch machen kann man wohl bei einigen, die auch bereits genannt wurden: Arrau, Brendel, Horowitz, Korstick, Hamelin, Argerich oder Berezowsky (die Liste ließe sich noch beliebig verlängern). Die schon genannte Liste von Arrau bezüglich der wichtigsten Werke hat nach wie vor Gültigkeit, bildet aber nur ein Streiflicht auf das enorme Werk dieses Ausnahmekomponisten. Nicht vergessen sollten wir auch, dass es ja noch den Komponisten jenseits der Klaviermusik gibt. Auch hier gibt es eine große Fülle an wunderbaren Werken. Aber das ist eine andere Geschichte ..

Herzliche Grüße Florestan
satie (13.04.2014, 22:29):
Der Begriff des Anspruchs scheint mir ohnehin sehr problematisch. Man würde ja in diesem Fall auch von technisch anspruchsvollen Stücken sprechen, und dann wären ja quasi alle Stücke von Liszt "anspruchsvoll".

Ich möchte Florestan beipflichten: Virtuosität allein ist keineswegs in Widerspruch zu einem "geistigen Anspruch", einem Anspruch an den Intellekt o.ä. Gerade Pianisten wie Arrau haben es ja bewiesen, dass man Liszt auch unter dem Aspekt der tiefen, lyrischen Seite interpretieren kann (man höre nur einmal Arraus Mephistowalzer an).

Vielleicht gibt es einzelne Stücke, die nicht vor all zu viel "Gehalt" strotzen, wie etwa der zu Liszts Zeiten so beliebte Grand Galop chromatique, aber ich meine, so etwas sind Ausnahmen. Nicht ohne Grund wird gerade dieses Stück heute nicht mehr sehr oft gespielt...