Es schätzt wohl nicht jeder Bruckner-Kenner diese Symphonie gleich hoch wie die übrigen aus der Zeit. Mir hat sie jedoch den Einstig in diese "Mystik" eröffnet. Und sie ist mir immernoch die liebste geblieben. Auch wenn die letzten beiden Sätze etwas abfallen... die ersten beiden sind unglaublich!!!
Man höre das zweite Thema (bzw. den zweiten "Block") des ersten Satzes. Wie soll ich das ausdrücken ?(? Derartige (von mir aus "romantische") Musik hat für mich noch keiner vollbracht, am ehesten Schubert. Das hat nicht einmal Mahler geschafft und der ist doch nun wirklich ein Wunderknabe (ich weiß: Horn fehlt -;, sonst wäre es wirklich ein gelungenes Wortspiel :D) mit seinen Symphonien im Gebiet "Romantik".
Außerdem gibt es da Stellen mit so einem unglaublichen Drang nach vorne, das ich nicht mehr weiß, wo vorn und hinten ist...
Man braucht jetzt nicht glauben, dass ich absoluter Brucknerfan bin und alles von ihm gut finde. Nein! Aber hier ist Bruckner wirklich nahe bei dem, was wir (und Celibidache) Gott nennen!
_____________ Ich will noch eine Episode erzählen, die aber nicht zeigen soll, wie toll musikalisch ich bin oder was für ein tolles Rhythmusgefühl ich habe (habe ich nämlich überhaupt nicht) :D, sondern sie soll einfach verdeutlichen, warum es mich gerade zu dieser Symphonie so hinzieht:
Vor einiger Zeit entdeckte ich nämlich einige (halb kaputte :wink) vierhändige Klavierauszüge von Brucknersymphonien, die mein Vater mal antiquarisch gekauft hatte. Ich kannte die Symphonien noch nicht. Da wir viel Zeit (Ferien;) hatten, fragte er mich, ob wir es nicht einfach mal ausprobieren; zufällig die 6. Ich schaffte natürlich nichts vom ersten Satz vom Blatt... Die obere Stimme des Zweiten sah aber nicht so schwer aus. Er beginnt mit tiefen Tönen - im Original in den Streichern - und ich "musste" irgendwann mit der Oboe einsetzen. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere ja an diese Stelle. Da ich nicht richtig aufgepasste (und mein Vater einfach anfing;) war ich beschäftigt, die richtigen Töne zu suchen und spielte sie... genau im richtigen Tempo, obwohl ich die Symphonie noch nie gehört hatte, und ich ja nichtmal mitgezählt habe (mache ich allerdings sowieso nicht:D). Irgendwie wusste ich was kommen müsste, so als ahnte ich schon, das es solch einen Satz gibt. In dem Moment wurde mir klar, was alles in den Brucknersymphonien stecken müsse. Ich glaube in den Ferien hab ich fast nur diese Symphonie (besonders Sätze 1&2) gehört, was auch wunderbar gepasst hat: ich war am Bodensee und klar: Berge und Bruckner passen immer zusammen :wink Darauf beruht zum größten Teil mein Bruckner-Verständniss. __________________ Ursprünglich dachte ich, das ich den Beitrag in den "Was höre ich gerade" schreibe. Dann sehe ich aber, dass es noch gar keinen Thread zur 6. gibt, also könnten wir meine Begeisterung doch als Ausganspunkt nehmen.
Dabei müsst ihr aber um himmels Willen nicht auf mein Gelaber eingehen, sondern schreibt doch einfach, was ihr an dieser Symphonie gut/schlecht! findet. Gespannt bin ich auch auf verschiedene Aufnahmen.
Kreisler
uhlmann (23.02.2009, 11:22): Original von kreisler Man braucht jetzt nicht glauben, dass ich absoluter Brucknerfan bin und alles von ihm gut finde. Nein! Kreisler
nicht? was findest du denn nicht gut?
ich finde die sechste nicht unbedingt die gelungenste bruckner-symphonie. sie hinterläßt bei bir immer eine leichte unzufriedenheit. natürlich mag ich auch sie noch weit lieber als alles, was - sagen wir - schumann oder brahms komponiert haben, aber dennoch erreicht bruckner in ihr weder die grandiose tiefe der fünften, noch die meisterschaft und unglaublichen schönheiten der späteren symphonien. das ist natürlich raunzen auf allerhöchstem niveau, versteht sich.
meine liebste aufnahme ist ein konzertmitschnitt des rundfunk-sinfonieorchesters berlin unter heinz rögner (aus 2000). die cd gabs vor ca. 2 jahren als beilage der zeitschrift audio. rögner bevorzugt eher zügige tempi und einen forschen ansatz: ich mag das gerade bei der sechsten gerne. im vergleich zu rögners erster einspielung (1980, auch mit dem rso berlin) ist er in genannter aufnahme etwas gelassener und in positivem sinne abgeklärter geworden, nicht mehr ganz so vorwärtsdrängend um jeden preis. das bekommt der interpretation imo gut. ansonsten mag ich jochum und tintner gerne, auch der gerade bei der sechsten oft genannte klemperer ist imo zu empfehlen.
celibidaches bruckner habe ich früher oft gehört - das ist natürlich schon ein ganz besonderer zugang zu dieser musik. nur ist die faszination über die jahre doch merklich gewichen. zu aufgesetzt und ewig gleich wirken mir seine interpretationen heute oft. ich habe einige konzertmitschnitte aus der zeit kurz vor seinem tod, in denen die tempi auf geradezu unerträgliche weise zerdehnt werden, wodurch jegliche spannung und ein vernünftiger aufbau verloren geht. die münchner emi-aufnahmen gehen noch halbwegs, besser sind imo die wesentlich zügigeren dg-aufnahmen mit dem stuttgarter rso aus den 70ern. noch ein kleiner seitenhieb: ob seiner überheblichen aussagen über kollegen ist mir celibidache als mensch höchst unsympathisch.
teleton (23.02.2009, 12:12): Hallo Kreisler und Uhlmann,
ich kann eigendlich nie verstehen, warum gerade die Sinfonie Nr.6 immer bei Besprechungen etwas im schatten der anderen Sinfonien steht !???!
Ich mag sie von Anfang an gerne und als ich damals nach meinem Jochum-DG-Zyklus auf DG (auf LP) die ganzen Bruckner - Sinfonien auf CD mit Karajan (DG) holte, war ich dann ganz "hin und weg". :thanks Karajan hatte Jochum ohnehin für mich haushoch abgelöst ! Darüber hatte ich ja schonmal geschrieben.
:engel Als ich dann damals von einem Kollegen die CD der Sinfonie Nr.6 mit Solti / Chicago SO (Decca) geliehen bekam, war es ganz um mich geschehen. So eine rhytmisch prägnate Aufnahme, die das Werk nochmals spannungsmäßig steigerte und wunderbare Paukenstimmen bot, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich hatte gerade in der Zwischenzeit von der Sinfonie Nr.6 verschiendene Aufnahmen gehört, die die Pauken gar nicht beleuchteten und interpretatorisch enttäuschten.
Diese DECCA_CD der 6 hat dann den späteren Kauf der Solti-GA (Decca) der Bruckner-Sinfonien ausgelöst :down .... und ich bin diesem Kollegen heute noch dankbar. :wink Aber ich denke ich wäre bestimmt auch so irgendwann auf Solti gestoßen - dann eben über eine andere Bruckner-Sinfonie.
Dr. Schön (23.02.2009, 12:16): Hallo,
was uhlmann zum Werk und Celibidache schreibt, will ich voll und ganz unterschreiben. Etwas mehr oder weniger ähnliches wäre jetzte auch von mir gekommen.
:beer
Es gibt halt eine Diskrepanz zwischen den ersten beiden und den letzten beiden Sätzen. Auf der einen Seite fragt man sich, was nach dem zweiten Satz noch kommen soll, auf der anderen Seite sind die letzten Sätze immernoch interessant und hörenswert genug. Man weiß halt, dass andere Sinfonien ausgewogener sind und Bruckner dort die Meßlatte höher gelegt hat.
Von Tintner kenne ich bislang leider noch immer nichts, was sich bald ändern wird. Schon weil mich interessiert, weshalb er immer öfters mit der alten Bruckner-Guru-Trias Celibidache, Wand, Jochum gleichgesetzt wird.
Die schon erwähnte Klemperer Einspielung bei EMI ist vielleicht in vielerlei Hinsicht die Einspielung, die sich bei mir mit der Zeit am besten bewährt hat. Monumental, graniten, sehr geschlossen und im positivsten Sinne nüchtern und trocken. Es ist oft so, dass Klemperer mich gebeistert und überzeugt, wenn ich etwas von ihm höre. Den Rest der Zeit fürchte ich mich etwas vor ihm.
Ein Alternative, die ich sehr mag, ist noch die Einspielung durch Kent Nagano. Da treibt das Werk recht flott und dynamisch, aber gleichmässig, daher. Die Architektur wird streng, schlank und transparent mit vielen Details nachgezeichnet und dennoch ist es mitreissend, manchmal gar etwas aberwitzig. So mags der Dr.Schön halt immer lieber. Ein eher auratischer Bruckner, als Einkehr, hingegen kommt mir nicht mehr in den Player.
:hello
Wooster (23.02.2009, 16:23): Original von Dr. Schön Es gibt halt eine Diskrepanz zwischen den ersten beiden und den letzten beiden Sätzen. Auf der einen Seite fragt man sich, was nach dem zweiten Satz noch kommen soll, auf der anderen Seite sind die letzten Sätze immer noch interessant und hörenswert genug. Man weiß halt, dass andere Sinfonien ausgewogener sind und Bruckner dort die Meßlatte höher gelegt hat.
Also so ähnliche Ungleichgewichte sehe ich bei fast allen Bruckner-Sinfonien, oder? Außer bei der Achten, da ist's andersrum ;) Das Finale der 6. finde ich zwar überdurchschnitlich schwach (aber es ist immerhin relativ kurz). Das Scherzo gefällt mir dagegen ziemlich gut.
Die schon erwähnte Klemperer Einspielung bei EMI ist vielleicht in vielerlei Hinsicht die Einspielung, die sich bei mir mit der Zeit am besten bewährt hat. Monumental, graniten, sehr geschlossen und im positivsten Sinne nüchtern und trocken.
Ja, d'accord. Seine 4. (wobei ich das Werk nicht sehr mag) schätze ich auch sehr.
:engel
Wooster
Dr. Schön (23.02.2009, 16:52): Original von Wooster Also so ähnliche Ungleichgewichte sehe ich bei fast allen Bruckner-Sinfonien, oder? Außer bei der Achten, da ist's andersrum ;) Das Finale der 6. finde ich zwar überdurchschnitlich schwach (aber es ist immerhin relativ kurz).
Ja, aber wenn Du das Finale (wie ich) als überdurchschnittlich schwach einstufst, wirst Du es auch so sehen, dass andere doch ausgewogener sind.
Bei der Achten sehe ich den ersten Satz als Schwachpunkt an. Ich kann schlicht nichts damit anfangen. Der Rest entschädigt natürlich, aber diesen einen Makel hat sie bei mir leider Gottes. Die Siebte hat, finde ich, auch Schwächen, nur hat sie den Vorteil, dass diese dort besser verteilt sind, als es bei der Sechsten der Fall ist.
Ja, mit der Vierten geht es mir zunehmend auch ähnlich. Ich höre sie kaum noch und hörte sie auch relativ ungerne mal wieder, nur könnte ich hier nicht genauer erklären, warum dies der Fall ist.
Nichts zu meckern habe ich also bei 1,3,5,9.
(Nachtrag: Aber alles Meckern an Bruckners eigenem Standart)
kreisler (01.03.2009, 09:11): Ich finde auch, das die 6. nach dem 2. Satz sehr an Qualität verliert. Dafür finde ich eben die ersten beiden Sätze unglaublich gut in ihrer Art.
Sind bei Celibidache die DG-Aufnahmen wirklich noch besser gelungen?
Es stimmt, das Celibidache etwas "aufgesetzt" und "ewig gleich" wirkt. Ich habe allerdings trotzdem die Erfahrung gemacht, dass er bei Bruckner (und vielleicht noch bei seiner "Bilder einer Ausstellung" und der "Sherazade") die anderen Einspielungen ziemlich nebensächlich "macht". Man merkt erst dann, wie unglaublich genau Celibidache arbeitet. Außerdem hat er einen präziseren, "musikalischeren" Anschlag, als die meisten anderen Dirigenten. Zufälligerweise hat mir ein Bekannter vor ein paar Tagen genau das gleiche, unabhänig hiervon, geschildert.
Allerdings muss ich sagen, dass Celibidache nie zu meinen Lieblingsdirigenten gehören wird, weil ich ihn als Mensch irgendwie sehr eigenartig finde und ich einen eigentlich einen vollkommen anderen Musikansatz habe als er. Trotzdem gefällt mir sein Bruckner, weil er dort einfach den meisten weit überlegen scheint.
Aber wen würdet ihr als Alternative Empfehlen?
Original von uhlmann Original von kreisler Man braucht jetzt nicht glauben, dass ich absoluter Brucknerfan bin und alles von ihm gut finde. Nein! Kreisler
nicht? was findest du denn nicht gut?
Also zuerst mal die Symphonien vor der 3. (also 1,2 und alles was da noch davor kommt) Ich habe das Gefühl, dass ich alles das gleiche, was dann in den späteren Symphonien kommt, nur eben noch nicht so genial. Schön anzuhören ist es vielleicht schon, aber ich denke da haben andere Komponisten weitaus interessantere "Erstlinge".
Ich habe mir, zusammen mit meinem Vater schon öfter Gedanken über das "Problem" des Schlusssatzes in der (klassischen) Symphonie gemacht: Oft fällt es auch guten Komponisten schwer (das ist auch sehr schwer!) nach dem, oft unglaublichen 1. Satz nachzulegen. Der 2. langsame Satz als Kontrast geht natürlich noch gut. Das Scherzo finde ich sowieso an sich schon etwas kritisch. Aber wenn dem Komponisten hier noch mal wirklich viel einfällt sind auch die letzten beiden Sätze wunderbar. Beim Finale allerdings bin ich oft etwas enttäuscht, eben besonders bei Bruckner, dem ich sowieso manchmal eine Gewisse Einfallslosigkeit vorwerfe. Ich weiß, eigentlich kann ich mir bei so einem großen Komponisten nicht herausnehmen, dass ich es besser wüsste.
Übrigens gibt es natürlich viele ganz geniale Lösungen des Schlusssatz-Problems. Ich glaube ich brauche jetzt nicht mit der Jupitersymphonie, Beethovens 9. und, wie ich meine auch Schuberts "Unvollendeter :D" kommen...
Also das wären mal meine Hauptkritikpunkte, wobei ich oft Probleme mit dieser Blockhaftigkeit habe...
Grüße, Kreisler
Cetay (inaktiv) (02.03.2009, 11:17): Original von kreisler Übrigens gibt es natürlich viele ganz geniale Lösungen des Schlusssatz-Problems. (...) wie ich meine auch Schuberts "Unvollendeter :D" kommen...
Dazu passend darf auch das Adagio aus der 9. von Bruckner höchstselbst nicht fehlen.
kreisler (02.03.2009, 14:03): Also ich habe das Gefühl das war noch weniger beabsichtigt als bei Schubert, aber du hast recht. Das Ergebnis ist natürlich genau gleich schön. Es sind bei Bruckner ja auch nicht alle Schlusssätze schlecht, will ich gar nicht sagen, sondern das Niveau in den ersten Sätzen ist einfach so hoch...
Grüße Kreisler
uhlmann (02.10.2019, 20:37): die von mir oben äußerst postiv erwähnte 6. mit heinz rögner gibt es neu als (kostenlosen) download of the month october 2019 auf john berkys abruckner.com.
unbedingt empfehlenswert (wie auch viele andere der downloads dort).
Amadé (03.10.2019, 17:41): Hallo lieber Uhlmann,
es freut mich wieder einmal was von Dir zu lesen. Bruckners 6. läuft bei mir eher nebenher und gelangt nur ab und zu in den Player . Wahrscheinlich deshalb, weil sie nicht das eingebleute Klischee "monumental" bedient, das bezieht sich besonders auf den letzten Satz. Die Rögner-Aufnahme werde ich mir anhören und mit der soeben erworbenen erworbenen mit Rosbaud vergleichen.
Herzliche Grüße Amadé
xarddam (20.10.2021, 15:52): Jaaaa, ich höre immer wieder mal zwischendurch eine Sinfonie von Anton Bruckner, auch wenn mein thread ich entdecke die Sinfonien von Anton Bruckner...
schon lange Zeit ruht. Das ist nicht etwa, weil ich den Bruckner nicht mehr mag oder nicht mehr gerne höre. Mir fällt es nur unglaublich schwer das alles in Worte zu fassen. Ich war noch nie gut im Beschreiben von Musik...leider. Darum lass ich es weitgehendst.
Ich möchte fragen, ob schon jemand diese ganz neue Einspielung der
6. Sinfonie vom Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner gehört hat ?
Ich wurde auf diese Aufnahme aufmerksam, weil sie in einer Facebook Gruppe lobend erwähnt wurde. Es ist ja Teil eines grossen Projekts von Herrn Poschner, alle Bruckner Sinfonien in allen bekannten Versionen einzuspielen, bis zum Jahre 2024. Ich habe mir die ersten beiden Sätze nun angehört und ich muss sagen ... wow ! Der erste Satz voller wundervoller Einfällle an Melodien und kleinen Soli. Auch die nötige Dramatik (wie oft bei Bruckner) fehlt nicht. Der zweite Satz ist wunderschön. Er ist ja mit "sehr feierlich" überschrieben, und das passt. Feierliche, schöne Melodien, etwas melancholisch, kaum Dramatik.
Sätze drei und vier höre ich mir irgendwann später an.
Besonders angenehm fällt mir der -nach meiner Meinung- klangschöne, ausgewogene Sound dieser Einspielung auf. Ich höre gerne auch mal Aufnahmen mit Ecken und Kanten bei Bruckner (v. allem bei den Bläsern) aber dieser Klang ist einfach nur "Wohlfühlklang" und passt , vor allem zum 2. Satz.
Würde mich interessieren, was ihr dazu meint.
Kann man sich hier anhören und ist natürlich auch käuflich zu erwerben https://www.youtube.com/watch?v=GUhydISH0Hw&list=OLAK5uy_mVvpb-J75UoRvlOabDO-GtbstpXvHpuGQ&index=1
B
xarddam (25.10.2021, 06:27): jemand jetzt mal das angehört? Oder hat jemand sogar die CD? Was meint ihr zu Interpretation und Klang ?
Cetay (25.10.2021, 08:58): Ich habe es nicht gehoert, aber ich habe eine gute Ausrede. YT ist hier gesperrt. Davon abgesehen: Bruckner ist ein Komponist mit dem ich 'durch' bin. Erklaeren kann ich das nicht. Wands Fuenfte aus Koeln war in jungen Jahren ein Tueroeffner zur Klassik. Mit der Zeit sammelte sich ein hoher Stapel an CDs mit Interpretationen in allen Groessen, Farben und Formen an, es gab viele beglueckende Hoerstunden, ich konnte im Detail ueber Versionen, Fassungen und Editionen referieren, hatte in der GA von Gerd Schaller sogar den Zyklus und in der Muenchener Achten mit Celibidache die Einzelaufnahme fuer mich entdeckt. Aber was hilft es? Ich kann und will ihn heute nicht mehr hoeren. Da straeubt sich regelrecht etwas in mir - Sfantu weiss bei dem Gedanken, Mahler aufzulegen, was ich meine. Nochmal: Erklaeren kann ich es mir und anderen nicht. Da wurde irgendwas im Hirn neu verdrahtet und da kommt Bruckner nicht mehr durch. Vielleicht in ein paar Jahren wieder...
Andréjo (25.10.2021, 11:18): Irgendwie geht es mir so wie Dir, VAT69, mit Mahler (wie, scheint's, also auch Sfantu) - wobei ich Deine Hörkompetenz wie bei Bruckner hier gewiss nicht erreiche, aber vielleicht die -quantität. Oder diese sogar übertreffe. Das Phänomen verstehe ich also. Doch es könnte sich im gegebenen Falle schon auch wieder ändern.
Bruckner ist mir gewiss nicht fern, so richtig im Mittelpunkt stand er nie. Wohl eine Zeitfrage im engeren Sinn des Wortes.
Wenn Langes und Schweres, dann bevorzuge ich Allan Pettersson, von dem ich natürlich nicht jede CD besitze, den ich aber komplett abgedeckt habe.
Meinst Du die folgende Bruckner-Sinfonien-Integrale von Schaller? Die habe ich vor nicht langer Zeit gekauft, noch nicht hineingehört, welchem dringend abzuhelfen wäre - aber die ist doch noch recht neu, von 2018?
Die Sechste hat ja einen gewissen Ruf der Nebensächlichkeit respektive der geringeren Bekanntheit. Vermutlich nicht berechtigt. Selber tendiere ich ein wenig dazu, solche Nummern dann bevorzugt zu hören. Das muss nicht immer sinnvoll sein und das kann ich auch nicht recht erklären - oder schon, aber das gehört dann vielleicht doch nicht hierher. Beispiel Beethoven-Klaviersonaten: Lieber op. 54 und op. 27/1 als op. 57 und op. 27/2. Unbedingt op 31/3, aber nicht op. 31/2.
Für xarddam kann ich leider nichts tun. :( :D
:) Wolfgang
Sfantu (25.10.2021, 12:53): Lieber xarddam,
gern werde ich mir Deinen Linzer Bruckner anhören. Allein, mit mehr Zeugs um die Ohren, als einem guttut, fehlt doch viel zu oft die Ruhe und die Muße oder aber der passende Hörkontext. Das nächste passende Zeitfenster ist aber dafür reserviert. Da Bruckner kein Dauergast bei mir ist, müßte ich seriöserweise die 6 plus x Aufnahmen der Sechsten, die bei mir stehen, im Anschluß ebenfalls erneut hören um Vergleiche ziehen zu können. Wenn ich dann noch das Phänomen der schnellen Übersättigung bei mir mit einrechne, kann es noch ein Weilchen dauern... Keine Sorge, das war jetzt etwas kokettierend gemeint. Also - so bald als möglich.
Aber Deine bisherige Beschreibung braucht sich doch überhaupt nicht zu verstecken. Laß' uns wissen, wie Dir die übrigen zwei Sätze gefallen.
Viele Grüße, Sfantu
Sfantu (25.10.2021, 22:40): Zunächst sah ich mich in der Bringschuld, auf Deine Anfrage, xarddam, eine Resonanz zu liefern. Dann aber kam ich heute noch richtig auf den Geschmack bei der Sechsten. Schnell und gern zur Hand ist ja das Zu-wenig-Zeit-Argument (s. o.). In diesem Falle zieht es aber allein schon deshalb nicht, da Du ja erstmal nur den ersten Satz hier verlinkt hast. Und den spielen die Linzer in 15`56. Auch ich finde die Klangqualität sehr gut. Das Tempo ist natürlich, die Balance zwischen den Instrumenten schön ausgewogen, auch die Pauken tönen plastisch durch ohne zu dominieren. Erfreulich auch die viele Arbeit im Kleinen mit sorgfältig gestalteten dynamischen Abstufungen und Phrasierungen. Eine vielversprechende Kostprobe aus Poschners Gesamtprojekt.
Unvermeidlich daher der Startschuß zu einer neuen Rundumschau der Einspielungen, die hier als Mitbewohner in den Regalen stehen. Den Anfang macht diese hier:
Maestoso 15´40 Adagio. Sehr feierlich 15´10 Scherzo. Nicht schnell - Trio. Langsam 08´49 Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell 13´37
Hatte die Platte garnicht mehr als so verdammt gut in Erinnerung. Das Klischee über Wands Glätte und Kühle wird hier jedenfalls nicht bedient. Kraftvolles, energisches, punktgenaues Musizieren. Zwar ohne Schwelgereien aber keinesfalls gefühlskalt und (immer fein dosiert) mit affirmativem Auftrumpfen. Auch hier setzen die Pauken energische Akzente. Die weiter oben im Faden mehrfach beschriebene Talfahrt ab dem 3. Satz, was Gehalt und Substanz angeht, entgeht mir zwar nicht. Speziell das Scherzo gefällt mir dennoch. Es benötigt etwas Anlauf um Fahrt aufzunehmen, aber dann...Und das kauzige Trio faszinierte mich auch heute aufs Neue. Klar ist das Finale streckenweise etwas schwächer inspiriert und setzt mehr auf Äußerlichkeit. Am Ende bleibt es aber echter Bruckner. Der darf auch mal einen schlechteren Tag haben. Mir ist ein solcher originaler Satz mit Durchhängern allemal lieber als alle Jahre wieder diese antisepten Retortenbabies zur Komplettierung der Neunten.
Also nochmal - Poschner hat einen klaren Punkt. Wenn Dich seine Sechste begeistert, kann ich das gut bis ziemlich gut verstehen.
Von Herzen, Sfantu
uhlmann (26.10.2021, 10:16): Hallo zusammen,
habe die erwähnte 6. unter Poschner mittlerweile 2x gehört.
Ist imo ein typischer "moderner" Bruckner, einer von der HIP Bewegung inspirierter. Kammermusikalisch durchhörbar, extrem detailverliebt (jedes Flöterl wird da ausgekostet), sehr akzentuierte Tempo- und Dynamikwechsel (meistens das übliche Rezept laut = schnell und leise = langsam), exzellente Klangqualität.
Leider geht diese Detailverliebtheit zu Lasten der großen Linie. In weiten Teilen wirkt die Aufnahme auf mich episodenhaft: Schön ausgespielte Passagen wechseln mit belanglosen, Steigerungen sind meist nicht organisch entwickelt (und gefühlt zu sehr mit der Handbremse genommen), ein stringenter Aufbau über einen ganzen Satz hinweg fehlt leider. "Micromanaged" würde Hurwitz das nennen.
Exzellent spielen die Linzer Streicher: Einige Passagen, in denen diese den Ton angeben (zB Beginn des Adagio, erster Satz ab ca. 3:20) sind die einzigen der Aufnahme, wo bei mir "Bruckner Feeling" aufkommt.
Die Aufnahme ist auf ihre Art nicht schlecht. Für mich aber zu "bemüht".
LG, Uhlmann
Leonardo (26.10.2021, 11:39): Ich habe mir gerade den ersten Satz der Poschner-Aufnahme angehört. Mein Eindruck: bemüht, forciert, kleinkariert. Der Klang des Orchesters gefällt mir gar nicht, es klingt spitz, scharf und unorganisch. Poschner gönnt dem Werk keine innere Ruhe, keine Entfaltung und hält sich mit Spitzfindigkeiten auf. Eine völlig überflüssige Veröffentlichung.
L.
xarddam (26.10.2021, 15:06): Danke an alle die geantwortet haben. Schön, dass die Meinungen auseinadnergehen, sont wäre es a) langweilig b) komisch, weil Musik (klassische und überhaupt Musik) hört doch jede/r anders ; hat Vorlieben oder mag Dinge nicht.
Hallo Sfantu
Jo, mittlerweile habe ich auch den 3. und 4. Satz angehört. Den dritten Satz fand ich beim ersten hören etwas komisch, aber beim nochmaligen und nochmaligen Hören ist der Satz bei mir "gewachsen" und mittlerweile gefällt er mir in seiner etwas schrulligen Aufbauweise und Art. Klingt an manchen kurzen Stellen fast etwas "militärisch" für mich. Dazu sei noch zu sagen, dass mir hier die neue Version von Poscher und dem Linzer Bruckner Orchester nicht so zusagt. Die Musik des dritten Satzes wirkt auf mich besser, wenn der Klang etwas "ungeschliffener" (rauer?) daherkommt, und da meine ich vor allem die Bläser. Wie etwa bei Jochum / Staatskapelle Dresden oder auch bei der von Dir angeführten Aufnahme von 1977 : Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester / Wand . Da habe ich Heute Morgen mal reingehört (dritten Satz)
Der vierte Satz lässt mich ratlos zurück. Gefällt mir (noch) übrerhaupt nicht; auch nicht in der Poschner Aufnahme. Da habe ich dieMmelodien und das Gesamtbild dahinter noch nicht für mich erkannt. Klingt für mich zu sehr nach zusammengesetzten Teilen.
Geht mir aber bei Bruckner ab und zu schon mal so. Ich nehme stark an, diesen vierten Satz muss ich noch oft hören, bis sich was mit ihm anfangen kann (oder eben niemals was anfangen kann)
Zusammenfassend: Nach wie vorfinde ich den Klang der neuen Poschner Aufnahme sehr gut; im ersten und besonders im zweiten auch im vierten (da kann ich nur mit der Musik net so viel anfangen, der Klang ist aber klasse). Den dritten Satz hör ich dagegen gern ein bissle rauer.
Ich bin gespannt auf weitere Veröffentlichungen von Poschner und dem Bruckner Orchester Linz , vor allem auf die ersten 4 Sinfonien, die ich von Bruckner am Besten kenne.
Noch was zu der posting von VAT69
Kann ich sehr gut verstehen. An Musik einzelner Komponisten, Bands / Musiker oder gar ganzen Musikstilen kann man sich "satthören". Ich kenn das Phänomen , zumindest teilweise, mit der Bluesmusik, die ich in den 80ger Jahren rauf und runter gehört habe. Kann ich mittlerweile kaum mehr was mit anfangen.
Bis vor kurzem konnte ich Bruckner übrigens auch nicht hören, aber nicht weil ich zuviel davon gehört hätte, sondern weil ich die Musik von Anton Bruckner schlicht nicht kannte. Von daher bin ich froh seine Sinfonien jetzt ganz langsam entdecken zu können, und bedauere VAT69, der damit schon lange durch ist :)
Cetay (26.10.2021, 16:02): Noch was zu der posting von VAT69
Kann ich sehr gut verstehen. An Musik einzelner Komponisten, Bands / Musiker oder gar ganzen Musikstilen kann man sich "satthören". Ich kenn das Phänomen , zumindest teilweise, mit der Bluesmusik, die ich in den 80ger Jahren rauf und runter gehört habe. Kann ich mittlerweile kaum mehr was mit anfangen.
Bis vor kurzem konnte ich Bruckner übrigens auch nicht hören, aber nicht weil ich zuviel davon gehört hätte, sondern weil ich die Musik von Anton Bruckner schlicht nicht kannte. Von daher bin ich froh seine Sinfonien jetzt ganz langsam entdecken zu können, und bedauere VAT69, der damit schon lange durch ist :) Da ist nichts Bedauernswertes. Ich hatte Jahrzehnte lang Freude mit ihm - und das war eine grandiose Reise. Es ist ein bisschen wie eine Ehescheidung. Die entwertet nicht frueheren guten Jahre, aber sie schafft Raum fuer Neues. Die Zeit, die ich nicht (mehr) mit endlosen Brucker-Sitzungen verbringe, entdecke oder vertiefe ich Anderes. Ich 'bedauere' niemanden, aber ich kann mir fuer mich nicht vorstellen, ein Leben lang am selben Hoerrepertoire zu kleben. Alles hat seine Zeit.
Zum Topic: Die Sechste war bei mir immer das Stiefkind und mir ging es da wie dir bei deiner aktuellen Hoererfahrung. Ab der Haelfte zieht es sich... Diejenige, die noch einigermassen Spannung aufrecht erhielt, war die Aufnahme mit Volkmar Andrea aus der GA mit den Wiener Sinfonikern. Die ist schon etwas aelter -da gibt es klanglich besseres- aber einen Versuch wert.
xarddam (26.10.2021, 16:09): Noch was zu der posting von VAT69
Kann ich sehr gut verstehen. An Musik einzelner Komponisten, Bands / Musiker oder gar ganzen Musikstilen kann man sich "satthören". Ich kenn das Phänomen , zumindest teilweise, mit der Bluesmusik, die ich in den 80ger Jahren rauf und runter gehört habe. Kann ich mittlerweile kaum mehr was mit anfangen.
Bis vor kurzem konnte ich Bruckner übrigens auch nicht hören, aber nicht weil ich zuviel davon gehört hätte, sondern weil ich die Musik von Anton Bruckner schlicht nicht kannte. Von daher bin ich froh seine Sinfonien jetzt ganz langsam entdecken zu können, und bedauere VAT69, der damit schon lange durch ist :) .. aber ich kann mir fuer mich nicht vorstellen, ein Leben lang am selben Hoerrepertoire zu kleben. Alles hat seine Zeit. da hast Du vollkomen recht. Sehe ich genau so. Ich habe auch schon die unterschiedlichsten musikalischen "Hör-entwicklungen" durchgemacht (wie etwa die Bluesphase in der zweiten Hälfte der 80ger jahre) Und das mit dem bedauern war selbstverständlich net allzu ernst gemeint: Schrift quer gestellt und der Smilie obendrauf
Sfantu (29.10.2021, 11:56): Heute ging es weiter mit Wands Hamburger Einspielung - entstanden 17 Jahre nach jener aus Köln im Rahmen des damaligen Gesamtzyklus`.
"Originalfassung" 1879-81 Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks - Günter Wand (CD, RCA, 1989. Live-Aufnahme, Musikhalle Hamburg, 4. und 5. Dezember 1988)
Maestoso 16´06 Adagio, Sehr feierlich 15´47 Scherzo. Nicht schnell - Trio. Langsam 8´57 Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell 13´27
Bestätigt sich die Faustregel: Bruckner-Wand-Köln = grandios, Bruckner-Wand-Hamburg = grandiosissimo?
Ich finde, im Falle der Sechsten, nein. Der Grundansatz blieb der gleiche. Hie und da erscheint Einiges noch eine Spur ausgefeilter, nuancierter. Das findet seinen Niederschlag auch in (außer im Finale) längeren Spielzeiten. Für die Version aus dem WDR-Zyklus spricht einerseits der etwas klarere und direktere Klang. Die Live-Aufnahme tönt geringfügig entfernt, das Orchester wirkt seltsam fraktioniert: die hohen Streicher ganz leicht im Hintertreffen, das Blech knackig-plastisch auf dem linken Kanal. Wohlgemerkt - der Klang ist insgesamt gut, jener aus Köln ist besser. Andererseits beeindruckt die Kölner Version durch ihre klare, trockene Unerbittlichkeit. Herrliches NDR-Orchester, Wand auf jeden Wink aufmerksam folgend. Wie andernorts schonmal erwähnt: die Live-Atmosphäre schafft es manchmal, Wands Coolness und Nüchternheit ein wenig aufzubrechen. So auch hier. Eine Entscheidung zwischen den beiden Aufnahmen fiele mir schwer, ist aber auch garnicht vonnöten. Sie ergänzen sich aufs Beste. Es wird vermerkt, daß eine Nachbearbeitung der Aufnahme nicht erforderlich war, da das Publikum an beiden Abenden mit angespannter Konzenttration muxmäuschenstill gelauscht habe. Diese feierliche Anspannung vermittelt sich sehr gut, zwischen den Sätzen ist lediglich leises Rascheln und Durchatmen vernehmbar. Wobei mich persönlich das ohnehin kaum stört. Ich finde, live darf live sein - ohne Retuschen.
Sfantu (31.10.2021, 16:24): Neben Wand darf ein anderer Säulenheiliger des Bruckner-Pantheons nicht fehlen:
Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks München - Eugen Jochum (LP, DG - Lizenzpressung durch ex libris, Schweiz, 1966)
Maestoso 16´25 Adagio, Sehr feierlich 17´02 Scherzo. Nicht schnell - Trio. Langsam 7´52 Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell 13´16
Jochum als Gegenpapst zu Wand beweist in jedem Takt seinen Bühneninstinkt und seine sichere Hand im Disponieren spätromantischer Klangmassen. Sein Bruckner erzählt Dramen, er webt, wogt und wabert in einer Süffigkeit, die aber nie ihr natürliches Maß verliert, will sagen, überschreitet. Die Schlußtakte des Kopfsatzes werden in grandiosem Ritardando zelebriert. Das Adagio darf in schwelgender Wagner-Nähe baden. Die Verschrobenheit des Scherzos gefällt mir mehr und mehr bei jedem neuen Hören. Bei Wand kommt es durch etwas mehr Ruhe deutlicher zur Geltung als bei Jochum. Untadeliges Orchester. Gutes, warmes, volles Stereo mit einem dezenten Schuß Weichzeichnung. Die Sechste kommt hier wie aus einem Guß aus den Lautsprechern. Wand und Jochum stellen sich mir nicht als unvereinbar gegenüber stehend dar sondern als einander ergänzend.
Um beim Bild der Gegenpäpste zu bleiben: es war an anderer Stelle mal die Rede von einer Flasche eines bestimmten Rotweins, den Wand sich gern als Bestandteil seiner Konzertgage ausbedungen hatte (finde den Namen gerade nicht). Jochum wäre also gewissermaßen der Châteauneuf-du-Pape dazu.
Die 14 Platten dieser schmucken Box sind in Bestzustand. Die absolute Laufruhe und die satte, breit aufgefächerte Klangpracht sind einfach nur beglückend. Etwas unpraktisch nur, daß die Platte mitten im langsamen Satz umgedreht werden muß - wenn auch an einer für einen Schnitt geeigneten Stelle, also ohne Ausblenden. Das hätte man vielleicht schlauer lösen können.
Sfantu (31.10.2021, 20:47):
New Philharmonia Orchestra London - Otto Klemperer (CD, EMI, AD: 1964, ℗ 1990)
Maestoso 16´55 Adagio, Sehr feierlich 14´42 Scherzo. Nicht schnell - Trio. Langsam 9´23 Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell 13´48
Es herrscht eine Stringenz, die Marksteine setzt: konsequent durchgehaltene, wie in Stein gemeißelte Tempi. Ein beinahe paritätisch gestaffeltes Spektrum der Einzelstimmen - manche Holbläser bspw. wirken quasi gehighlightet (1. Satz). Eine Atmosphäre der staatstragenden Feierlichkeit greift Raum (2. Satz). Anders als bei Jochum kommt diese Stimmung jedoch zur Geltung ohne in emotionalen Überschwang überzuschwappen. Nicht ohne Grund ist Klemperer in diesem Satz fast 2 1/2 min früher durch als Jochum. Im Scherzo kommen die Forte-Blöcke nach der verhalten-tastenden Einleitung zu ungefähr, mit zu wenig Aufbegehren daher. Das Trio kommt dafür angemessen phlegmatisch, kauzig und ausgebremst. Im 2. Rahmenteil ist das Orchester dann mehr auf Zack, die auffahrenden Gesten erhalten die ihnen zustehende Vehemenz und Durchschlagskraft. Das Finale wird in seiner etwas plakativen Äußerlichkeit streckenweise wirksam karikiert. Eine gewissermaßen kompromisslose Version. Streng, erratisch, unerbittlich und so trocken wie möglich.
Sfantu (05.11.2021, 15:51): 72h alt ist diese Besprechung von Poschners Sechster durch Dave Hurwitz. Wer sich die gut 17min nicht geben kann oder will (obwohl sehr zu empfehlen, da viele Details beleuchtend und - wie eigentlich immer - unterhaltsam), findet auf classicstoday.com auch eine nachzulesende und weniger ausschweifende Version.
Sfantu (10.02.2024, 21:29):
Het koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam - Riccardo Chailly (CD, Decca, 1999)
Maestoso 17´05 Adagio, Sehr feierlich 16´44 Scherzo. Nicht schnell - Trio. Langsam 8´58 Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell 14´27
Denkbar weit auseinander liegen Klemperer und Chailly in ihren Werkauslegungen. Das größte Ereignis dieses Albums ist der herrliche Ensembleklang der Amsterdamer. Chailly wählt einen pastoralen, fließenden Zugang. Leise Abschnitte werden liebevoll gestaltet, es geschieht viel Arbeit im Kleinen. Das prachtvolle Adagio wird fast überirdisch schön gespielt. Was ein wenig zu kurz kommt, sind Attacke und Trennschärfe. Das Scherzo verliert etwas von seiner Kauzigkeit, der Schlußsatz droht hie und da, auseinander zu fallen, läßt den großen Bogen vermissen. In summa - Licht hier, Schatten dort. Ein Fest für Liebhaber erlesenen Orchesterklangs ist es allemal.