Geboren: 8. September 1841 in Nelahozeves Gestorben: 1. Mai 1904 in Prag
Antonin Dvorak war ein Tschechischer Komponist!
Seine wohl berühmteste Symphonie, die Symphonie "Aus der neuen Welt" (9), schrieb er in Amerika! Durch die Einflüsse der Musik der "Unterdrückten Schwarzen" und den Einheimischen Amerikas und den Melodien der eigenen Heimat, Böhmen, wurde diese Symphonie zusammengewürfelt! Von jedem etwas dabei! Und deswegen ist diese Symphonie auch weit entfernt von den anderen Symphonien des 19. Jahrhunderts, österreichischer, deutscher oder italienischer Meister! Sie hört sich wirklich wie von "weit her" an! Etwas ganz Neues hat Dvorak hiermit geschaffen!
Ich bin doch sehr überrascht gewesen, das in diesem Forum, welches bereits 1,5 Jahre vorhanden ist, kein Thread über die Symphonie aus der Neuen Welt zu finden ist! Vielleicht stehe ich hier ja auch mit meiner Begeisterung für Dvoraks Symphonien alleine da?! Ist diese doch die meistgespielteste Symphonie überhaupt! Und auch eine der genialsten noch dazu! Ganz andere Musikrichtungen finden wir in dieser Symphonie! Nicht zu vergleichen mit den Symphonien des 19. Jahrhundert, wie von Ludwig van Beethoven, Tschaikovski oder gar Dvoraks anderen 8 Symphonien! Diese Symphonie zeigt mir eine ganz andere Richtung! Ich denke auch, das das nicht nur mir so geht!
Was für eine Ehre für mich, dass ausgerechnet ich, der erst lange nach beginn des Forums hier her gefunden habe, solch einen "Standartthread" starten darf! Ich hoffe ich mache meine Sache gut!
Ich höre die 9. Symphonie sehr oft und sehr gerne! Zeitweise hab ich mich an Ihr aber auch überhört! Aber hat sich aber wieder gelegt! Es ist auch neben Beethovens Neunte die Symphonie von denen ich zahlreiche Aufnahmen besitze! Karajan, Giulini, Fricsay, Bernstein, Böhm, Kubelik, Erich Kleiber, Toscanini. Meine Bevorzugte Einspielung ist die unter Leonard Bernstein mit den New Yorker Philharmonikern aus dem Jahre 1962! Es ist wirklich ein Feuerwerk welches die Philharmoniker New Yorks dort abbrennen! So viel Leben darin und was mir am meisten gefällt, Bernstein lässt es Krachen ohne Ende, nicht zürrückhaltend! Nein, laut und schmetternd! Ähnlich wie es Karajan bei Beethovens 9 besonders im ersten Satz macht, auch von 1962! Gleich danach folgt Fricsay's legendäre Aufnahme!
1. Leonard Bernstein, New Yorker Philharmoniker, 1962 :down 2. Ferenc Fricsay, Berliner Philharmoniker, 1960
Karajan, 1964 und Böhm 1979 gehen gerade noch! Wirklich enttäuscht hat mich die Aufnahmen von Giulini, 1977! Von dem Herrn hätte ich mir bei Dvorak mehr erwartet! Aber dafür legt er mit Dvoraks 8 (1979) eine TOP-Einspielung hin, meine Bevorzugte Einspielung!
Bei Dvoraks 9 hat doch bestimmt jeder etwas zu sagen! Oder? Bei Zeiten unterhalte ich mich auch gerne über seine Symphonien 7 und 8, wenn sich noch jemand dafür interessiert!
Mit freundlichem Gruß Daniel :beer :rofl :beer
manrico (17.08.2007, 00:10): Hallo Daniel!
Schön, dass du dich der Symphonien Dvoraks annehmen willst. Die haben es nämlich wirklich nicht verdient, so ignoriert zu werden (äh, ....und wenn wir schon dabei sind - ich habe gesehen, du hast die Schubert-Symphonien mit Böhm - ich glaube, die bräuchten auch noch jemanden, der sich liebevoll um sie kümmert :hello. Und dem Genie Mahler könnten wir auch noch ein wenig mehr huldigen. Ich fühl mich dann dafür im Sektor Vokalmusik für die Schubert-Opern, Stücke wie "Templer und Jüdin" oder Donizetti-Raritäten zuständig.)
Nachdem für mich die Melodie, der Einfall, immer an vorderster Stelle steht, liebe ich diese Symphonie natürlich besonders. Dvorak geht einfach so herrlich verschwenderisch mit seinen Einfällen um (ich bilde mir ein, irgendwo einen Ausspruch gehört zu haben, der so ähnlich lautet wie: "Das, was Dvorak an Ideen wegschmeissen kann, sammelt Brahms ein, um eine ganze Symphonie zu basteln". Ich finde, das ist nicht ganz falsch.)
Vor allem die Verschmelzung des Klanggepräges der "Neuen Welt" mit den böhmischen Rhythmen machen diese Symphonie so einzigartig und so farbenprächtig.
Mit der Fricsay-Einspielung bin ich überaus glücklich, mal sehen, vielleicht fällt mir ja der Bernstein in nächster Zeit in die Hände. Für Tipps über gelungene Aufnahmen (so wie etwa der Hinweis von Jimi auf die Francesca di Foix) bin ich immer dankbar.
Liebe Grüße
Werner
daniel5993 (17.08.2007, 02:34): Hallo Sabine!
Ich denke, die Sinfonie aus der Neuen Welt sollte im Kontext von Dvoráks gleichfalls in den USA entstandenen Werken, der biografischen Situation und durchaus als Kind ihrer Zeit gesehen werden (und Beethoven gehört in diese Zeit nicht mehr wirklich hinein). Etwa das (wunderbare) Cello-Konzert oder das Amerikanische Quartett. Kennst Du die?
Das Cello - Konzert (ich habs mit Rostropowitsch/Karajan)ist traumhaft! Das Amerikanische Quartett kenne ich leider nicht! Aber jede Empfehlung die ich hier bekomme fällt mir irgentwann später beim Kaufen wieder ein und dann denke ich daran! Das bleibt in meinem Kopf, da geht es nicht verloren :wink!
Ich selbst mag Dvorák auch sehr (allerdings hab' ich's ja eher mit der Kammermusik) . Bei der Neuen Welt liegt für mich der "Pferdefuß" genau in der auch von Dir beschriebenen Popularität dieser Sinfonie, die vermutlich jedes Kreisliga-B-Orchester mindestens schon einmal zu Gehör gebracht hat. Das spricht ganz bestimmt nicht gegen das Werk selbst, aber ich zumindest habe damit Schwierigkeiten, diese Sinfonie mal wieder "frisch" zu hören.
Kammermusik kenne ich fast garnicht von Dvorak! sein Violinkonzert op. 53 höre ich sehr gern! (Wenn das zur Kammermusik gehört?)
Dvoraks 9 wieder frisch? Ich weiß nicht ob die Aufnahme unter Bernstein kennst! Ich empfehle diese Aufnahme immer wieder! Es hilft mir ja nicht, wenn auch Ihr alle die CD habt, aber ich denke das Ihr dann auch ein Stück seeliger werdet! Ihr tut euch selbst damit einen Gefallen! Nach vielen Vergleichen mit anderen Aufnahmen der 9, hat Bernstein hier doch etwas ganz anderes zu bieten! Eine grandiose Aufnahme! Voller Power! Du willst die Symphonie mal wieder frisch? Wenn Bernstein dir nicht frisch genug ist, dann denke ich, dass dich keine Interpretation von Dvoraks Neunten wach halten wird! Ich würde mich nämlich gern einmal mit jemandem über diese Aufnahme hier unterhalten! Vielleicht könnt Ihr meine Begeisterung teilen?!
Gruß Daniel :beer
daniel5993 (17.08.2007, 02:59): Hallo manrico!
Schön, dass du dich der Symphonien Dvoraks annehmen willst. Die haben es nämlich wirklich nicht verdient, so ignoriert zu werden
Das denke ich auch!
äh, ....und wenn wir schon dabei sind - ich habe gesehen, du hast die Schubert-Symphonien mit Böhm - ich glaube, die bräuchten auch noch jemanden, der sich liebevoll um sie kümmert . Und dem Genie Mahler könnten wir auch noch ein wenig mehr huldigen.
Ja zu Schubert würd ich auch gern schreiben! Aber ich kann doch gerade keine Platten hören! Und immer wenn ich über eine Bestimmte Person schreibe höre ich immer die Musik des Komponisten dabei, dabei kann ich mich erst entfalten!
Das gleiche bei Mahler! Aber wegen des Platten-hörens gibts Hoffnung! :tongue: (Im übrigen sieht man diesem Smiley garnicht an, das es die Zunge rausstreckt! Für mich sieht das Fröhlich aus!)
Nachdem für mich die Melodie, der Einfall, immer an vorderster Stelle steht, liebe ich diese Symphonie natürlich besonders. Dvorak geht einfach so herrlich verschwenderisch mit seinen Einfällen um (ich bilde mir ein, irgendwo einen Ausspruch gehört zu haben, der so ähnlich lautet wie: "Das, was Dvorak an Ideen wegschmeissen kann, sammelt Brahms ein, um eine ganze Symphonie zu basteln". Ich finde, das ist nicht ganz falsch.)
Verschwenderisch ist das richtige Wort! Eine Vielfalt von Melodien! Übrigens: solange Dvorak noch andere Melodien (oder Markante Themen) für seine anderen Musikstücke hat, kann er meinetwegen ruhig damit um sich werfen! Je melodiereicher ein Musikstück ist, desto schneller hat man sich an diesen Überhört und man lässt es hinter sich! Das ist für mich das schöne an den sogenannten Themen! Diese drängen sich nicht auf! Diese sind nicht so draufgängerisch wie eine Melodie! Bei der 9 hier sind die "Melodien" nach außen hin sehr offensichtlich und klar dargestellt! Hätte Dvorak diese "Melodien" nicht noch etwas verpackt, dann würde diese Symphonie schnell langweilig werden! Aber jetzt drifte ich ab! Zurrück zum Thema!
Mit der Fricsay-Einspielung bin ich überaus glücklich, mal sehen, vielleicht fällt mir ja der Bernstein in nächster Zeit in die Hände. Für Tipps über gelungene Aufnahmen (so wie etwa der Hinweis von Jimi auf die Francesca di Foix) bin ich immer dankbar.
Auch dir manrico, kann ich nur das sagen, was ich eine Stufe höher bei Sabine geschrieben habe! Ich kenne auch die Fricsay - Aufnahme! Bei Bernstein ist aber ne Menge mehr Feuer drin! Ich hoffe mit dir, dass dir diese Bernstein Aufnahme bald in die Hände fällt! :wink
Gruß Daniel :beer
cellodil (17.08.2007, 07:21): Lieber Daniel,
Original von daniel5993 Das Cello - Konzert (ich habs mit Rostropowitsch/Karajan)ist traumhaft!
Rostropovich ist großartig! Die Karajan-Aufnahme kenne ich allerdings nur vom Reinhören beim CD-Händler. Ich habe damals die mit Carlo Maria Giulini und dem London Philharmonic Orchestra gekauft...
Original von daniel5993 Das Amerikanische Quartett kenne ich leider nicht!
Hör's Dir mal an. Da wirst Du sicher auch wie in der Neuen Welt Hinweise auf
Original von daniel5993 Ganz andere Musikrichtungen (...)
finden... Wie beim Cello-Konzert (wenn ein Cello die Hauptrolle spielt, dann höre ich auch anderes als Kammermusik :D ) übrigens auch...
Original von daniel5993 Kammermusik kenne ich fast garnicht von Dvorak! sein Violinkonzert op. 53 höre ich sehr gern! (Wenn das zur Kammermusik gehört?)
Das Violinkonzert würde ich jetzt nicht gerade zur Kammermusik rechnen. Aber das Amerikanische Quartett (hör' mal in die Aufnahme mit dem Hagen Quartett rein) wäre doch ein ganz guter Einstieg....
Original von daniel5993 Dvoraks 9 wieder frisch? Ich weiß nicht ob die Aufnahme unter Bernstein kennst!
Nein, nicht dass ich wüsste... Werde bei Gelegenheit mal reinhören. Danke für den Tip!
Herzliche Grüße
Sabine
Jeremias (17.08.2007, 07:40): Dvorak's Sinfonik.... da komme auch ich in's Schwärmen! Cellodil hat recht, die 9. mal richtig frisch zu hören, ist schon schwer, aber durchaus möglich! Hast Du das Konzert zum 80.Geb. des Papstes mit Dudamel gesehen?
Ich selber hatte mein Schlüsselerlebnis vor einigen Jahren, als ich die Tschechische Philharmonie unter Ashkenazy live mit der 7. erlebte.... es war ein wunderbarer Genuss!
Auch kammermusikalisch hat er sehr viel zu bieten. Es gibt eine wunderbare CD bei der DG mit Gil Shaham und seiner Schwester. Und wenn Ihr gute Kammermusik hören wollt, dann hört das große Klavierquintett! Für mich das schönste Werk dieser Gattung, noch vor Brahms!
Rachmaninov (17.08.2007, 13:34): Original von manrico
Nachdem für mich die Melodie, der Einfall, immer an vorderster Stelle steht, liebe ich diese Symphonie natürlich besonders. Dvorak geht einfach so herrlich verschwenderisch mit seinen Einfällen um
Ja, bzw. mit dem was er aus der Volksmusik mitbekommen hat!
Vor allem die Verschmelzung des Klanggepräges der "Neuen Welt" mit den böhmischen Rhythmen machen diese Symphonie so einzigartig und so farbenprächtig.
Genau das ist es was die Sinfonie für mich auch zu etwas ganz besonderem Macht. Sicherlich daher auch eins der Werke, die einem den "Zugang" zur klassischen Musik eröffnen kann. Jedenfalls würde ich es damit versuchen.
Mit der Fricsay-Einspielung bin ich überaus glücklich, mal sehen, .......
Die Fricsay Aufnahme ist ein Meilenstein der Schallplattengeschichte. Für mich unerreicht. Kenne noch Kubelik und Neumann (aus der Gesamtaufnahme) Fricsay würde ich hier als erste Empfehlung nennen.
Jeremias hat mich schon mehrfach auf die 7. Sinfonie angesprochen, ohne das mich die Begeisterung gepackt hätte. Mal sehen, alles kann ja noch kommen .....
ab (17.08.2007, 14:05): Original von Jeremias
Auch kammermusikalisch hat er sehr viel zu bieten.
Grandios ist die Interpetation des letzten Streichquartetts, interpretiert vom Hagen Quartett. (Diese CD sollte man schon alleine wegen des Schulhoffs kennen!)
Das ist eine Aufnahmen, die ich (anders als das "bloß" brave, "bloß" sehr gute Amerikanische aus den späten 80ern) jedem nur aller wärmstens ans Herz legen kann! :down :down
Fricsay und die 9. ist auch meine Lieblingsaufnahme.
Beim Cellokonzert kann ich sehr Miklós Pérenyi mit Ivan Fischer und dem Budapster Festspielorchester empfehlen, eine Aufnahme, die zu Herzen geht, sofern man ein ruhige Interpretation mag (sozusagen der Gegenpol zur Dramatik einer Jacqueline du Pré).
http://www.hungaroton.hu/albumok/702.jpg
cellodil (17.08.2007, 14:12): Original von ab Grandios ist die Interpetation des letzten Streichquartetts, interpretiert vom Hagen Quartett. (Diese CD sollte man schon alleine wegen des Schulhoffs kennen!)
Das ist eine Aufnahmen, die ich (anders als das "bloß" brave, "bloß" sehr gute Amerikanische aus den späten 80ern) jedem nur aller wärmstens ans Herz legen kann! :down :down
was für eine Einspielung vom Amerikanischen Quartett würdest Du denn bevorzugen?
Grüße
Sabine
P.S. Was die von Dir hier empfohlene CD angeht, kann ich in Deine Jubelarie nur einstimmen...
cellodil (17.08.2007, 14:33): P.S. @ ab
... so halb off-topic...
Kennst Du eigentlich die Einspielung der beiden Quartette op. 61 Nr. 11 und op. 106 Nr. 13 vom Quatuor Sine Nomine? Die gefällt mir auch ausgesprochen gut...
Grüße
Sabine
P.P.S.
Noch eine Empfehlung zum Dvorák Cello-Konzert...
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9911949.jpg
:engel
ab (17.08.2007, 14:46): Original von cellodil was für eine Einspielung vom Amerikanischen Quartett würdest Du denn bevorzugen?
...natürlich die nächste, die vom Hagen Quartett erscheinen wird! :wink
Hoffnung einmal beiseite: Bei diesem Quartett habe ich bislang nicht gefunden, was mich rundum zufrieden gestellt hätte. Sehr schön fand ich vor langer Zeit einmal eine Schallplatte des Smetana Quartetts. Womöglich gibts die inzwischen bei Documents, denn bei EMI scheint alles gestrichen.
Kennst Du damit das Talich- oder aber das Janacek-Quartett? Die würde ich mir gerne einmal anhören, und auch die des Griller-Qaurtetts.
Ich habe die Neuaufnahmen nicht weiterverfolgt, denn andere Quartett Dvoraks finde ich besser.
So höre ich es gelegentlich aus der bekannten Gesamtaufnahme des Prager Streichquartetts von der DG aus den 70ern.
cellodil (17.08.2007, 15:00): Original von ab Original von cellodil was für eine Einspielung vom Amerikanischen Quartett würdest Du denn bevorzugen?
...natürlich die nächste, die vom Hagen Quartett erscheinen wird! :wink
:rofl
Original von ab Hoffnung einmal beiseite: Bei diesem Quartett habe ich bislang nicht gefunden, was mich rundum zufrieden gestellt hätte. Sehr schön fand ich vor langer Zeit einmal eine Schallplatte des Smetana Quartetts. Womöglich gibts die inzwischen bei Documents, denn bei EMI scheint alles gestrichen.
Kennst Du damit das Talich- oder aber das Janacek-Quartett? Die würde ich mir gerne einmal anhören, und auch die des Griller-Qaurtetts.
Könnte sein, dass ich in die eine oder andere schon mal bei meinem CD-Händler reingehört habe (weil ich eigentlich auch noch nach einer Alternative zu der Hagen-Einspielung suche). Habe bislang aber noch keine Version gefunden, die mir besser gefallen hätte als die Hagen-Aufnahme. Die Aufnahme des Emerson String Quartet, die ich vor einiger Zeit mal bei 2001 gekauft habe, gefällt mir leider gar nicht (klingt für mich schwammig bis ölig), obwohl ich dieses Quartett ansonsten durchaus schätze.
Also bleibt uns wohl nichts übrig, als auf die nächste Hagen-Einspielung zu warten.... :beer
Herzliche Grüße
Sabine
ab (17.08.2007, 15:31): Original von cellodil P.S. @ ab
... so halb off-topic...
Kennst Du eigentlich die Einspielung der beiden Quartette op. 61 Nr. 11 und op. 106 Nr. 13 vom Quatuor Sine Nomine? Die gefällt mir auch ausgesprochen gut... l
nein, leider nicht. Ich habe sie einm,al im Konzert gehört. Recht gut. Auch hörte ich mir deren Arriaga an, der mir aber zu weich war. (off topic: Da gefil mir die mdg-Aufnahme mit den Rumänen (Voces-4) besser. Dies wäre immer noch mein Arriaga-Tipp, wenn sie nicht Vollpreis wäre, denn das Casals-4 spielt nur Noten und keine Musik...)
Amadé (18.08.2007, 10:32): Hallo zusammen,
wichtige Einspielungen der Sinfonien, die bisher noch nicht genannt wurden: http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7226643.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7994513.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6300887.jpg
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7118645.jpg
Grüße Amadé
liegnitz (18.08.2007, 14:08): Seine 7.Symphonie gilt als eines der bedeutenden Werke Dvoráks Schaffen.
Meine absolute Lieblingseinspielung des Werkes ist ein Piratenmitschnitt einer Münchner Aufführung unter Celibidache (ARTIST FED 040); empfehlenswert auch die Einspielung von Jarvi bei Chandos, und die mit dem London Philharmonic unter Carlo Maria Giulini bei EMI.
Nordolf (19.08.2007, 15:42): Hallo Daniel!
Ich kann Deine Begeisterung nachvollziehen.
Die Neunte ist ja als Auftragsarbeit für eine amerikanische Institution entstanden. Der tschechische Komponist weilte zu dieser Zeit in New York. Amerikanische und böhmische Folklore-Einflüsse vermischen sich in dem Werk. Trotzdem vermag ich keine "Indianer und Cowboys" in dieser Symphonie zu entdecken. Meine ganz subjektive Assoziation geht eher in Richtung "Seeschlacht-Musik" :).
Ansonsten ist das eine ganz große Symphonie. Sie hat einfach alles: mitreissende Melodien, Pathos, Heroik und im zweiten Satz Sehnsucht und Melancholie. Zudem wirkt sie wie aus einem Guß - da steckt also auch jede Menge formale Meisterschaft dahinter.
Ich könnte sie mir (genau wie die 5. von Beethoven) niemals überhören. Und mal ehrlich - wer hört denn außer uns Klassikfans heute noch Dvorak? Wie sollte sie da abgenudelt sein können? Außerdem: wer findet schon Beethovens Klavierkonzerte zu populistisch und abgegriffen - nur weil ein Star wie "Kulleraugen"-Lang sie jetzt eingespielt hat?
Ich höre auch am liebsten Fricsay - zumal die CD ja noch wunderbare Aufnahmen der "Moldau" von Smetana sowie der "Preludes" von Liszt enthält. Ansonsten gefällt mir noch Istvan Kertesz mit den LSO im Jahre 1967 sehr gut:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2563646.jpg
Die Bernstein-Aufnahme kenne ich noch nicht. Ich glaube Dir aber jedes Wort bei diesem genialen Dirigenten. :beer Die brauche ich unbedingt.
Herliche Grüsse! Jörg
flixi (20.08.2007, 23:42): Original von manrico "Das, was Dvorak an Ideen wegschmeissen kann, sammelt Brahms ein, um eine ganze Symphonie zu basteln". Hallo Werner!
Soweit ich weiss stammt dieses Zitat von Brahms selbst. Ich habe es vor Jahren in einem Programmheft gelesen. Sinngemäß heißt es: "Aus dem was Dvorak wegwirft, basteln zweitklassige Komponisten ihre besten Werke". Oder so...
Was die Sinfonien angeht, ich kenne nur Nos. 7, 8 und 9. Spontan könnte ich nicht sagen welche mir am besten gefällt. Vermutlich die Nr. 9. Mein Favorit ist (natürlich) Fricsay, dicht gefolgt von Bernstein mit dem Israel Philharmonic Orchestra (die alte New Yorker Aufnahme kenne ich leider noch nicht).
Ich fürchte ich muss mich in nächster Zeit mal wieder ein bisschen mit Dvorak beschäftigen.
Mfg, Felix
ab (21.08.2007, 11:23): Original von Nordolf Ansonsten gefällt mir noch Istvan Kertesz mit den LSO im Jahre 1967 sehr gut:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2563646.jpg
Danke für diesen Hinweis, mir war die Kertesz-Box immer viel zu teuer und nun sehe ich mit Freude, dass es sie in der Eloquenz-Serie gibt! Da werde ich wohl zuschlagen müssen.
off topic: Kertesz' Schubert mit den Wiener Philharmonikern kann ich auch aller wäremstens empfehlen: alles ganz ausgezeichente Interpretationen, insbesondere die große C-Dur Sinfonie. http://www.jpc.de/image/middle/front/0/6257868.jpg (Bloß von der Unvollendete kenne ich deutlich bessere...)
Ein Jammer, dass dieser Dirigent so jung im Jordan ertrunken ist; und dabei soll er ausgezeichneter Schwimmer gewesen sein...
cellodil (17.08.2007, 00:06): Lieber Daniel,
da sprudelt ja spürbar die Begeisterung....
Ich denke, die Sinfonie aus der Neuen Welt sollte im Kontext von Dvoráks gleichfalls in den USA entstandenen Werken, der biografischen Situation und durchaus als Kind ihrer Zeit gesehen werden (und Beethoven gehört in diese Zeit nicht mehr wirklich hinein). Etwa das (wunderbare) Cello-Konzert oder das Amerikanische Quartett. Kennst Du die?
Ich selbst mag Dvorák auch sehr (allerdings hab' ich's ja eher mit der Kammermusik) . Bei der Neuen Welt liegt für mich der "Pferdefuß" genau in der auch von Dir beschriebenen Popularität dieser Sinfonie, die vermutlich jedes Kreisliga-B-Orchester mindestens schon einmal zu Gehör gebracht hat. Das spricht ganz bestimmt nicht gegen das Werk selbst, aber ich zumindest habe damit Schwierigkeiten, diese Sinfonie mal wieder "frisch" zu hören.
Herzliche Grüße
Sabine
teleton (27.03.2008, 12:51): Hallo daniel,
ich möchte Dir natürlich eine Rückmeldung zur Karajan-Aufnahme der Sinfonie Nr.9 von DG1964 geben, die ich jetzt auch gehört habe.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen und auf einige meiner Aufnahmen eingehen.
Erst Recht spät bin ich was Dvorak anbetrifft zu Karajan gekommen - Dank Deiner Empfehlung. Karajans-Aufnahme der "Neuen Welt" ist nach meiner Einschätzung gut. An ihren zahlreichen Vorgängern in meiner CD-Sammlung hat sie es jedoch schwer einen größeren Vorteil für sich zu verbuchen. Das fängt schon mit dem Klang an - die Pauken sind stark in den Gesamtklang des Orchesters eingebunden und klingen stellenweise nicht so prägnant, wie in unserer gemeinsamen Lieblingsaufnahme Bernstein / Bew Yorker PH (SONY). Die Tempi sind bei Karajan sehr schlüssig und nirgendwo schleppend. :beer Mit ihr alleine könnte man zufrieden sein, wenn es nicht die Konkurenz gäbe.
:) Meine erste Aufnahme auf CD war Maazel / Wiener PH (DG). Diese war jahrelang mein Favorit und übertraf in allen Punkten meine früheren LP-Aufnahmen mit Ozawa / San Francisco SO (Philips) und eine Aufnahme mit den Bamberger Sinfonikern (Dirigent vergessen). Packend inzeniert Maazel das Werk und wird dabei von guter Tonqualität unterstützt.
:) In den 80er-Jahren war ich noch Boxenbauer. Bei einem Hämdler hörte ich als Test-CD die Aufnahme der Nr.9 mit Kondraschin / Wiener PH (Decca) und war fastziniert von den paukenklängen die diese Aufnahme offenbarte. Das war dann mein nöchster CD-Kauf. Wer Kondraschin kennt weiss und kann sich vorstellen, das er eine fantastische neue Welt vorlegt, die keine Wunsche offenläßt. Karajan verblaßt auch gegen diese Aufnahme.
:) Es folgte die DG-Gesamtaufnahme der Dvorak-Sinfonien mit Kubelik / Berliner PH (DG), die auch klanglich voll überezugend ist. Das wußte ich schon durch die höchst empfehlenswerte DG-Doppel-CD mit den Sinfonischen Dichtungen und Ouvertüren unter Kubelik (DG). Die Nr.9 ist unter Kubelik mehr als jede andere mit schlawischen Heimat verbunden (das in Worte zu fassen ist schwer).
:) Wegen der überschäumenden Kritik in Klassikforen zu Fricsay / Berliner PH (DG1960) kaufte ich mir auch diese CD. Nicht zuletzt wegen der Kopplung Liszt: Les Preludes und Smetana: Moldau, die in allerbesten referenzwürdigen Fricsay-Aufnahmen auf dieser Cd vorliegen. So auch die Dvorak 9, die eine der schönsten neuen Welt-Aufnahmen ist. Perfekt in allen belangen und klanglich voll akzeptabel. Was soll da gegen Fricsay unser hochgeschätzter Karajan noch ausrichten ?
:) Die Sinfonien Nr. 7 und 8 mit Dohnanyi / Cleveland Orchestra (Decca) lagen mir schon immer am herzen. Für mich die besten dieser beiden Werke. leider habe ich nie die Nr.9 mit Dohnanyi gehört. Es gibt sie preiswert als SACD und da habe ich (um 2000) zugegriffen. Die Interpretation zeichnet sich durch ein enormes Tempo aus, das gerade im esten Satz viele schönen Stellen verschluckt - ansonsen sehr packend und trotzdem schätze ich auch diese Aufnahme. Hier würde ich der Karajan-Aufnahme den Vorzug geben.
:) Szell / Cleveland Orchestra (SONY) wird von einigen geschätzt von anderen als kalt und herzlos abgekanzelt. Sie polarisiert ! Die mußte ich haben ! Ich meine 2006 habe ich sie gkauft und was soll ich sagen: Eine der packensten neuen Welten die ich je gehört habe. Straff und knallhart nit Präzision, wie wir Szell kennen. Die Karajan-Aufnahme würde auch her stark verblassen.
:times10 Wegen der Kritiken und weil ich mir in den letzten 2Jahren alle verfügbaren Bernstein-SONY-CD´s zugelegt habe durfte natürlich auch diese Aufnahme nicht fehlen. Ds es meine Lieblingsaufnahme werden könnte hätte ich nie vermutet. Aber diese Dramatik, diesen Wahnsinn bei aller Präzision, diese Emotion - nein, die findet man nirgendwo mehr als bei Bernstein / New Yorker Ph (SONY) .
Jürgen (27.03.2008, 23:48): Spät, aber nicht zu spät möchte ich hier einen Beitrag beisteuern.
"Aus der neuen Welt" ist eines meiner Einsteigerwerke in die klassische Musik. Und trotzdem höre ich sie heute noch. Einige Schnipsel (das habe ich erst später erkannt) waren auf meinen Karl May Schallplatten als Hörspielhintergrundmusik verwendet worden. Heute hört das mein Sohn und ich empfinde das als garnicht kitschig.
Meine Lieblingsinterprätationen von den etwa 10, die ich kenne:
Kubelik, DGG kenne ich auf LP und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen Neumann, Supraphon, 80er Jahre Kertesz, Decca
Durch Neuman, von dem ich eine Box mit den Sinfonien 6-9 habe, lernte ich die siebte kennen, die ich seither nicht missen möchte.
Die restlichen Sinfonien lassen mich recht kalt, finde ich bestenfalls recht nett.
Die Slawischen Tänze haben mir über Jahrzehnte gut gefallen, sind aber momentan ein wenig in der Sättigung.
Es geht hier um sinfonische Musik. Daher klammere ich die Kammermusik mal aus.
Erwähnenswert, nein eigentlich ein Highlight des Sinfonischen Schaffens von Dvorak, empfinde ich die Sinfonischen Dichtungen. Gerade die als "Blumenstrauss" zusammengefassten Stücke Op.107-110 (Wassermann, die Mittagshexe, das Goldene Spinnrad und die Waldtaube) sind mir ans Herz gewachsen. Ich lernte sie kennen von Kubelik DGG noch auf LP. Auf CD habe ich sie zufriedenstellend nur aus der Brilliant-Box von Dvorak (Kuchar).
ich möchte Euch auf einen hierzulande eher unbekannten Dirigenten der älteren Generation hinweisen, der mir persönlich bei Dvorak sehr gut gefallen hat:
Vaclav Smetacek (leider schon eine ganze Weile tot)
Habe mit ihm einmal die Neunte im Radio gehört (ich glaube, mit der Tschechischen Philharmonie oder der Prager Radiophilharmonie) und habe eigentlich bis heute nicht viel Vergleichbares gefunden.
Was seine Interpretation auszeichnet, ist ein wahrhaft tschechischer Klang: leicht, ein wenig musikantisch, die Streicher nicht zu fett, das Blech kurz artikuliert und knackig - kurzum ein m.E. authentisches Klangbild. Leider weiß ich nicht, ob diese Aufnahme je in den Handel gekommen ist.
Ebenfalls im Radio gehört habe ich eine sehr schöne Aufnahme mit Ivan Fischer und dem Sinfonieorchester des bayrischen Rundfunks (glaube ich), die auf ähnliche Weise überzeugen kann.
Kubelik ist mir dagegen nicht immer differenziert genug. Habe mal in seine Gesamteinspielung mit den Berliner Philharmonikern hineingehört (v.a. 6. und 7.Sinfonie) und war teilweise entsetzt über die schieren spieltechnischen Mängel dieser Aufnahme (v.a. im ersten Satz der Siebten sind die Streicher ein paar Mal richtig schlecht).
Ansonsten kenne ich die 7. - 9. Sinfonie noch mit Mariss Janssons, dessen kammermusikalisches und genaues Musizieren eigentlich immer sehr überzeugend ist. Irgendwo habe ich über ihn einmal den schönen Satz gelesen, daß es bei ihm manchmal "etwas zu viel Janssons" sei. Das ist auch irgendwie richtig, aber es ist eben ein sehr guter Janssons!
Von den vielen anderen Einspielungen gerade der Neunten, die ich gehört habe (Neumann, Dohnanyi, Abbado, Ozawa, P. Järvi usw.usf.) hat mich dann eigentlich keine mehr so wirklich überzeugt. Karajan kenne ich mit der Achten und den Wiener Phiharmonikern; er macht v.a. im letzten Satz viel Krach, es wirkt für mich zu brutal.
@Jürgen:
Neumann habe ich mit der Siebten mal intensiver gehört (aus der Gesamtaufnahme mit der Tschechischen Philharmonie), und er trifft für mich irgendwie nicht richtig den Kern der Musik. Zwar ist auch diese Aufnahme sehr differenziert und kammermusikalisch, aber ich fand sie auch etwas "zu schön", zu ästhetisch. Dvorak stelle ich mir ein wenig ursprünglicher vor.
Gruß Absolut
teleton (02.04.2008, 10:42): Hallo Absolut (wie ist Dein Vorname? (Der wäre besser als die Bezeichnung Absolut.))
Jeder hat ja seine eigenen Interpretations-und Klangvorstellungen, die ich voll akzeptiere. Aber wenn Dir bei der Sinfonie Nr.8 Karajan im letzten satz schon "zu brutal" ist, dann wird Dir seine Dorak 9 auch nicht zusagen. Dann werden Dir aber auch die meisten von mir favorisierten Aufnahmen, die ich im Thread von 27.03.08 nannte nicht zusagen, da hier bei allen hohe Emotionalität, Feuer und Biss gegeben ist (alles andere habe ich gar nicht (mehr) in meiner Sammlung). :engel Allen voran Szell, Kondraschin, Fricsay und Bernstein, die in meinen Ohren umwerfende Interpretationen, die einen total vom Hocker hauen, bereitgestellt haben.
:( Mit einem differenzieten Vaclav Neumann/Tschechische PH, von dem man eigendlich erwarten sollte, dass er seine Heimatkomponisten beeindruckend, effektvoll und natianalbewust interpretiert, kann ich auch nichts anfangen.
Ansonsten decken sich die von Dir genannten Dirigenten nur noch im Falle Ozawa (meine 2.auf Platte; ordentlich) und Dohnanyi dessen Dvoirak 9 mir im ersten Satz zu schnell über einige Stellen hinwegfegt, ansonsten aber beeindruckende Passagen liefert.
:W Dohnanyi´s Dorak-Sinfonien Nr.7 und 8 (Decca) gehören hingegen zum besten Dvorak, den ich jemals hörte und was man sich überhaupt vorstellen kann: Das sind Aufnahmen fern jeder Langeweile mit Biss, slawischem Temprament und Emotion.
Dazu eine kurze Story: In den 80er-Jahren hörte ich im Büro auf meinem kleinen Grundig Weltempfänger im WDR3 Dvoraks 8te. Schon nach kurzer Zeit mußte ich meine Arbeit pausieren lassen um dem zu lauschen was ich da hörte. So beindruckend konnte ich mir die Sinfonie Nr.8 gar nicht vorstellen (und das über den 8cm-Lautsprecher); wunderbare Paukenstellen, die ich aus anderen Aufnahmen gar nicht kannte (meine LP-GA war damals die lasche mit Rowicki (Philips), die ich lange habe verschwinden lassen). Bis zum letzten Satz Hochspannung, slawisches Temprament, dass es eine Ferude war. Nun durfte ich die Schlußansahge keinesfalls verpassen. Welcher Dirigent, welchers Orchester brachten diesen Wunder-Dvorak ??? :beer Christoph von Dohnanyi / Cleveland Orchestra
Zwei Tage spätere hatte ich die Decca-CD´s dieser TOP-Interpretation. Die hervorragende Sinfonie Nr.7, in der sich deutlich Dvoraks Brahmsvorbild wiederspiegelt dann gleich mitgekauft.
Absolut (02.04.2008, 12:42): Lieber Wolfgang,
ich bezweifle nicht, daß die von Dir favorisierten Aufnahmen schön und beeindruckend sind (Ferenc Fricsay kenne ich leider nicht mit Dvorak, stelle ich mir aber sehr interessant vor).
Die Frage ist nur, was man an einem Werk hören will. Ich muß gestehen, in letzter Zeit der Aufnahmen aus den 1960er bis ca. 1990er Jahren etwas müde geworden zu sein. Das in dieser Zeit vorherrschende Musizierideal (ganz allgemein gesprochen: Musik als eine Sphäre, die der geistigen Erbauung und der Inszenierung einer "besseren" Welt gewidmet ist, woraus dann technisch gesprochen ein Schönklang-/Breitwandklangideal resultiert) spricht mich in den letzten Jahren meist nicht mehr so an. Davon abgesehen, hat sich auch die allgemeine spieltechnische Qualität der Orchester seither gewaltig gesteigert, so daß ich z.B. Bernstein-Aufnahmen mit dem New York Philharmonic oft als etwas schlampig empfinde.
Im Falle Dvoraks habe ich zudem häufig das Gefühl, daß vor diesem Hintergrund der Musik etwas aufgestülpt wird, das eher dem Zeitgeist als den ursprünglichen Intentionen des Komponisten entspricht (d.h., Dvoraks Musik dient dann gewissermaßen nur noch als Demonstartionsobjekt des oben beschriebenen musikalischen Zeitstils). Damit ist natürlich die höchst problematische Frage "authentischen" Musizierens aufgeworfen, mit der man sich prinzipiell auf vermintes Gelände begibt.
Ich versuche es einmal so zu formulieren: Die klassische Musikszene hat aufgrund der spieltechnischen Entdeckungen im Bereich alter Musik in den letzten zehn Jahren eine ganze Reihe neuer Impulse erhalten. Plötzlich scheint es wieder möglich zu sein, bekannte Werke "neu" und "unerhört" aufzuführen. Eine solche Entwicklung bedingt leider, daß die direkt davor liegende Praxis (als unmitterbarer künstlerischer Gegenentwurf) erst einmal einem Prozess der Ablehnúng unterworfen ist. Dies dauert so lange, bis das Ältere selbst wieder "historisch" geworden ist und "objektiv", d.h. hier unpolemisch, beurteilt werden kann.
Ich selbst habe übrigens Dvoraks 7. mit Dohnanyi kennengelernt und diese Aufnahme lange Zeit sehr geschätzt.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Dies entspricht jetzt der Entwicklung meiner persönlchen Hörgewohnheiten, die ich niemandem kategorisch als "richtig" aufdrängen möchte. Trotzdem ist es mir wichtig, diese so geanu und konsistent wie möglich zu reflektieren, da sonst eine sachliche Diskussion nicht möglich ist.
Gruß Absolut
PS: Lieber Teleton, was ist eigentlich der Sinn fiktiver Namen in Internetforen?! Zur Erklärung des meinigen empfehle ich einen kurzen Blick in den "Wer bin ich"-Thread.
ab (02.04.2008, 14:15): Original von Absolut Ich muß gestehen, in letzter Zeit der Aufnahmen aus den 1960er bis ca. 1990er Jahren etwas müde geworden zu sein. Das in dieser Zeit vorherrschende Musizierideal (ganz allgemein gesprochen: Musik als eine Sphäre, die der geistigen Erbauung und der Inszenierung einer "besseren" Welt gewidmet ist, woraus dann technisch gesprochen ein Schönklang-/Breitwandklangideal resultiert) spricht mich in den letzten Jahren meist nicht mehr so an.
gerade dann solltest Du Dir Fricsay als Alternative anhören, aber auch einmal in die Konzertmitschnitte von Harnoncourt (auch - oder womöglich gerade deshalb - weil sie an manchen Stellen nicht ausgegoren wirken) hineinhören! :hello
Absolut (03.04.2008, 18:23): Lieber ab,
habe mir gerade die Fricsay-Aufnahme bestellt und bin sehr gespannt.
Harnoncourt schätze ich sehr, seine Interpretationen sind immer interessant, halten für den Hörer immer eine Überraschung bereit. Wenn ich über seine Einspielung mal stolpern sollte, werde ich wohl ebenfalls zuschlagen.
Gruß Absolut
ab (03.04.2008, 21:02): Harnoncourt mit Dvorak muss man nicht unbedingt haben, anders als die Fricsay-Aufnahme, so finde ich.
wenn es um eine Gesamtaufnahme für die Dvorak-Sinfonien geht, dann ist man mit Kubelik wirklich bestens bedient. Sicher wird man für die 3 letzten Sinfonien noch eindrucksvollere Interpretationen mit Dohnanyi auf Decca (Sinfonien Nr. 7 und 8) und mit Bernstein auf SONY 1962 (Sinfonie Nr.9) finden. Aber die anderen Werke haben mit Kubelik eine Heimatverbundenheit, die Kubelik wunderbar zum Ausdruck bringt.
Schon meine erste Erwerbung der Sinfonischen Dichtungen und Ouvertüren mit Kubelik und jier dem Bayerischen RSO (DG) war für mich eine äußerst positive Erfahrung, nachdem ich mich jahrelang mit Einzelaufnahmen auf Pp rumgeschlagen hatte, die nicht immer gut waren. Auch die Sinfonien - GA mit Kubelik war dann nach den schawchen Witold Rowicki-Aufnahmen (Philips-LPs) eine Wohltat fürs Ohr.
So kann ich auch klanglich in keinster Weise meckern, denn es handelt sich um gut remasterte rauscharme Analogaufnahmen aus den 70ern an denen es nichts zu meckern geben sollte.
:( :haha Damit möchte ich die bei amazon gemachten Kritiken (von 2 Klangfetischisten) was die Klangquaität anbetrifft eindeutig widerlegen, denn die Aufnahmen klingen für DG überdurchschnittlich gut - sowohl die Aufnahmen mit dem Bayerischen RSO (Sinf.Dichtungen) und die mit den Berliner PH (Sinfonien) sind fabelhaft natürlich eingefangen.
:hello Warum bin ich auf das Thema gekommen ? Wegen einer Anfrage von jünter, der mir dankenswerter Weise den Anstoß gegeben hat wierdereinmal in diese wunderbaren Aufnahmen reinzuhören.
jünter (30.10.2008, 19:12): Original von teleton Damit möchte ich die bei amazon gemachten Kritiken (von 2 Klangfetischisten) was die Klangquaität anbetrifft eindeutig widerlegen, denn die Aufnahmen klingen für DG überdurchschnittlich gut - sowohl die Aufnahmen mit dem Bayerischen RSO (Sinf.Dichtungen) und die mit den Berliner PH (Sinfonien) sind fabelhaft natürlich eingefangen.
Hallo Wolfgang,
erst mal herzlichen Dank für diese Klarstellung.
Ich möchte an dieser Stelle noch zwei preislich attraktive Konkurrenten der wohl am häufigsten empfohlenen Gesamtaufnahmen Kubelik/BPh und Kertesz/LSO in den Thread einführen:
Suitner/Staatskapelle Berlin (19 Euro z.B. bei jpc)
Beide wurden bei den Taminos sowohl aufnahmetechnisch als auch interpretatorisch sehr positiv beurteilt. Ergebnis meines bisherigen MP3-Schnipsel-Vergleichs der beiden: bei Anguelov insgesamt straffe Darstellung, zügige Tempi, sehr gute Klangqualität. Suitner gefällt mir persönlich bisher besser: größtenteils etwas langsamere, jedoch nicht überdehnte Tempi. Darstellung wärmer und - wenn man so sagen darf - „böhmischer“, Klang ebenfalls sehr gut. Kann durchaus sein, dass dies "meine" GA wird. Es geht mir hauptsächlich um die ersten sechs Symphonien, da ich mir dieser Tage Nr. 7 und 8 mit Dohnanyi und Nr. 9 mit Fricsay bestellt habe und von den letzten drei auch schon Aufnahmen besitze.
Kennt noch jemand von euch die Einspielungen von Anguelov und/oder Suitner?
Gruß, jünter
P.S. @ teleton, daniel: Die Bernstein-Aufnahme der 9. gibts derzeit wohl leider nur als SACD.
Original von jünter P.S. @ teleton, daniel: Die Bernstein-Aufnahme der 9. gibts derzeit wohl leider nur als SACD.
Hier gibts die Neunte mit Lenny in zwei verschiedenen Ausgaben und auch erschwinglich.
Grüße Daniel
jünter (30.10.2008, 19:55): Original von daniel5993 gibts die Neunte mit Lenny in zwei verschiedenen Ausgaben und auch erschwinglich.
Danke für den Hinweis! Ich neige stets dazu zu denken: Was jpc nicht hat, das gibts auch nicht.
Gruß, jünter
daniel5993 (30.10.2008, 20:19): Original von jünter Original von daniel5993 gibts die Neunte mit Lenny in zwei verschiedenen Ausgaben und auch erschwinglich.
Danke für den Hinweis! Ich neige stets dazu zu denken: Was jpc nicht hat, das gibts auch nicht.
Gruß, jünter
Ich beziehe meine CD's neben (zweitausendeins) ausschließlich von JPC. Ich will damit sagen, dass dieser Händler auch meine Welt ist!
Grüße Daniel
jünter (31.10.2008, 11:16): Original von daniel ausschließlich von JPC. Ich will damit sagen, dass dieser Händler auch meine Welt ist!
:beer
In vielerlei hinsicht auch für mich der beste Dealer.
Gruß, jünter
Nicolas_Aine (12.01.2009, 21:02): habe mir grade aus Zeitgründen nicht alles durchgelesen, werde ich bei Gelegenheit nachholen.
Also erstmal, auch eins meiner absoluten Lieblingswerke, zumal Dvorak ohnehin einer meiner Lieblingskomponisten ist.
Ich besitze zwei Einspielung (bzw. die eine gehört eigentlich meiner Mutter^^):
1. Royal Philharmonic Orchestra, ich weiß grad weder den Dirigenten noch sonst was, werde ich aber nacheditieren 2. Aus der 40 CD Brilliant Box "Dvorak" ebenfalls mit dem Royal PO unter Paavo Järvi.
edit: Sehe grade, dass ich Mist geschrieben habe, jetzt stimmts :)
Gespielt hab ich sie sogar schon zweimal, einmal hier bei uns im örtlichen Jugendsinfonieorchester, das für so ein Stück leider technisch eigentlich nicht gerüstet ist, in der 1. Geige. Das zweite Mal erst letzten Herbst im Landesjugendorchester BW in der 2. Geige, das hat wirklich Spaß gemacht, weil hier sowohl das technische Rüstzeug als auch mit Herrn Wyneken ein äußerst kompetenter Dirigent vorhanden ist :)
off topic: Ich hab mal ne Frage zur 5. Symphonie: Die 5. Symphonie wird sowohl auf wiki als auch in meiner Box als Op. 76 angegeben, aber die 6. also Op. 60 und die 7. als Op. 70?! Das Kompositionsdatum laut wiki entspricht den Nummern oO
kreisler (12.01.2009, 22:07): Auch meine favorisierte Aufnahme bei der 9. ist die mit Kubelik. Mein Vater wollte mir ursprünglich eine einspielung mit bernstein und dem israel philharmonic orchester (heißt doch so, oder?) schenken, aber er meinte sie wäre so daneben! wie er noch nie von Bernstein irgendwas gehrt hatte. So kam ich zu der wunderbaren Kubelik CD.
Die "Neue Welt" war einer meiner Einstiege in die Klassik (zusammen mit Smetana: Moldau, was sonst :) und Tschaikowsky´s 5.) aber mittlerweile bin ich etwas davon abgekommen und habe meine Interressen auf die, in einer nur etwas westlicheren gelegenen Hauptstadt wohnenden Komponisten gewand. Jedoch höre ich die Werke von Dvorak natürlich auch hin und wieder mit Vergnügen an. Kann es sein, dass Dvorak Smyphonien sehr beliebt in den Konzerthäusern ist? Ich glaube ich habe alle bekannteren Symphonien schon einmal im "live" gehört, obwohl ich wirklich nicht oft ins Konzert gehe.
off topic: Ich hab mal ne Frage zur 5. Symphonie: Die 5. Symphonie wird sowohl auf wiki als auch in meiner Box als Op. 76 angegeben, aber die 6. also Op. 60 und die 7. als Op. 70?! Das Kompositionsdatum laut wiki entspricht den Nummern oO
sehr merkwürdig. Kann ich leider dazu nichts sagen, bevor ich mich nicht informiert habe.
A. Kreisler
teleton (13.01.2009, 12:44): Hallo Nicolas und Amadeus,
es hat durch den Verleger Simrock verschuldet damals einige Unstimmigkeiten gegeben. Durch einen Brief Dvoraks an den Dirigenten Hans Richter nuímmt er hierzu Stellung: Die Sinfonie Nr.6 D-Dur op.60 hatte Simrock als Erste bezeichnet, die Sinfonie Nr.7 op.70 als die Zweite. Die Sinfonie F-Dur wurde als die Dritte herausgegeben und mit op.76 - das war als ursprüngliches op.25 eigendlich die Fünfte und ihre Entstehung ging den beiden vorgenannten voraus. Die Sinfonie Nr.8 G-Dur op.88 wurde dann als Vierte bezeichnet und die große Sinfonie Nr.9 op.95 Aus der Neuen Welt als die Fünfte.
Durch diesen Kudel-Muddel mit Simrock kam die falsche Zählung und OPUS-Zahl zustande.
So ist es richtig: * Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 3 "Zlonické zvony" ("Die Glocken von Zlonice") (1865, UA 4. Oktober 1936) * Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 4 (1865, UA 11. März 1888) * Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 10 (1873, UA 29. März 1874) * Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 13 (1874, UA 6. April 1892) * Sinfonie Nr. 5 F-Dur op. 76 (1875, UA 25. März 1879) * Sinfonie Nr. 6 D-Dur op. 60 (1880, UA 25. März 1881) * Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70 (1885, UA 22. April 1885) * Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88, "Die Englische" (1889, UA 2. Februar 1890) * Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 ("Aus der neuen Welt") (1893; UA 16. Dezember 1893)
Zu Bernstein und seinen Aufnahmen der Sinfonie Nr.9: Mein Vater wollte mir ursprünglich eine einspielung mit bernstein und dem israel philharmonic orchester (heißt doch so, oder?) schenken, aber er meinte sie wäre so daneben! wie er noch nie von Bernstein irgendwas gehrt hatte. Amadeus, Dein Vater scheint in dieser Hinsicht wenig gewohnt zu sein und zieht offenbar den gemütlichen Dvorak, der nach Böhmen und Mähren klingt, vor.
Ich könnte mir kaum eine eindrucksvollere Aufnahme als Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1962) vorstellen. Auch die Aufnahme mit dem Israel PO (DG) ist spitzenmäßig gelungen und auch Du wärst damit sehr zufrieden ! :cool Ich weis aus verschiedenen anderen Beispielen, das Bernstein aus dem ansonsten im Mittelfeld rangierenden Orchester alles herauszuholen vermag, sodas diese "Israeliten" durch seinen Ansporn zu einem Spitzenensemble heranwachsen können. Vielleicht hast Du mal die Gelegenheit diese DG-Aufnahme zu hören - sie ist ebenfalls Klasse.
kreisler (13.01.2009, 14:12): Erstmal vielen Dank für die ausfürliche Erklärung zu den opuszahlen!
Und zu der Bersteinaufnaheme: ich habe sie dann doch einmal gehört. Ich fand sie zwar nicht so "daneben" aber so ganz überzeugt hat sie mich auch nicht. Ich fand die Tempi bsp. etwas merkwürdig, kann mich aber leider nicht mer ein einzelheiten erinnern. :( Bin mit meinem Kubelik wie gesagt aber recht zufrieden. Und danke das du für Bernstein eingesprungen bist, in wirklichkeit find ich ihn natürlich auch einen ganz tollen dirigenten.
A. Kreisler
Jürgen (06.09.2012, 11:51): Wenn mich die Suchfunktion nicht täuscht haben wir Dvoraks Slawischen Tänze noch gar nicht thematisiert. Ich packe sie mal zu seinen Orchesterwerken, weil Dvorak ja auch je eine Orchesterfassung schuf.
Im Jahre 1877 hat Brahms seinen Verleger Simrock auf Dvorak, der bislang bestenfalls lokale Aufmerksamkeit erregt hatte, angesetzt.
Simrock animierte Dvorak zu einer Reihe von "Slawischen Tänzen". Im Folgejahr hatte Dvorak eine Reihe von 8 slawischen Tänzen als Op.46 erst für Klavier zu 4 Händen und wenig später auch für Orchester vertig gestellt. Dieses Werk begründete zusammen mit den *Klängen aus Mähren* Dvoraks internationalen Durchbruch.
Nr. 1 in C-Dur, Presto (Furiant) Nr. 2 in e-Moll, Allegretto scherzando (Dumka) Nr. 3 in As-Dur, Poco allegro (Polka) Nr. 4 in F-Dur, Tempo di Minuetto (Sousedská) Nr. 5 in A-Dur, Allegro vivace (Skoná) Nr. 6 in D-Dur, Allegretto scherzando (Sousedská) Nr. 7 in c-Moll, Allegro assai (Skoná) Nr. 8 in g-Moll, Presto (Furiant)
Dvorak erhielt für seine Arbeit lediglich 300 Mark, der Verlag verdiente sich jedoch eine goldene Nase, weil nahezu jeder Dirigent die Tänze aufführen wollte. Deshalb fragte Simrock 1880 Dvorak, ob er noch eine Reihe komponieren könne. Dvorak begann aber erst 1886 mit der Arbeit. Erst stellte er die Version für vierhändiges Klavier und Anfang 1887 die Fassung für Orchester fertig. Sie wurden als Op.72 veröffentlicht:
Nr. 1 (9) in H-Dur, Allegro vivace (Odzemek) Nr. 2 (10) in e-Moll, Allegretto grazioso (Starodávny) Nr. 3 (11) in F-Dur, Allegro (Skoná) Nr. 4 (12) in Des-Dur, Allegretto grazioso (Dumka) Nr. 5 (13) in b-Moll, Poco adagio. Vivace (Špacírka) Nr. 6 (14) in B-Dur, Moderato, quasi Minuetto (Starodávný) Nr. 7 (15) in C-Dur, Allegro vivace (Kolo) Nr. 8 (16) in As-Dur, Grazioso e lento, ma non troppo, quasi tempo di valse (Sousedská)
War bei Op.46 mit der ukrainischen Dumka lediglich ein nicht-tschechischer Tanz vertreten, verwendet Dvorak diesmal auch noch slowakische, serbische und polnische Tänze.
Meine liebsten Einspielungen stammen von Rafael Kubelik (1975) und Vaclav Neumann (1885): http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/01/ciu/ec/13/322bc060ada0196c1b3ce110.L._AA300_.jpghttp://www.supraphon.com/!img_katalog/111959_2_xl.gif
Kubelik habe ich seit meiner Teenagerzeit auf zwei LPs. Ich kann die Slawischen Tänze durchaus als eines meiner Klassig-Einsteiger bezeichnen. Damals liefen sie rauf und runter, heute höre ich sie nicht mehr annähernd so oft, aber immer noch sehr gerne.
Wie stehen die Slawischen Tänze bei Euch im Kurs?
Grüße Jürgen
teleton (06.09.2012, 23:49): Hallo Jünter,
ein fehlendes Thema, von Dir dankenswert bereitgestellt.
Die Slawischen Tänze habe ich bereits auf LP immer nur mit grossem Hörspass mit Szell/Cleveland Orchestra (CBS) gehört. Eine packende und rhythmische TOP-Interpreattion und klanglich anständige Aufnahme von 1960.
Später auf CD hatte sich ergeben, die entsprechende SACD von SONY zu erwerben - diese SACD ist jedoch keine Hybrid-SACD und wird somit nur von SACD-Playern gelesen. Der Klang war gut und weit besser als die alte CBS-LP !
*** Später viel mir die Aufnahme mit Antal Dorati / Royal PO (Decca, DDD) in die Hände. Dorati hat das Feuer im Blut, die 16 Tänze nicht minder spannend zu interpretieren als Szell. Hier hat mich aber die famose Decca-Klangtechnik so beeindruckt, bei der Details und Klangnatürlichkeit so frapierend sauber sind, dass ich heute diese Dorati-Aufnahmen sogar noch den Szell-Aufnahmen (auch auf der SACD, die auch keine Wunder vollbringen kann eine Aufnahme von 1960 klanglich aufzupuschen) vorziehe.
Ganz grosse Aufnahmen in jeder Beziehung - mein Favorit heute:
Die Aufnahmen gibt es bei Decca in mehrerem Ausgaben: als Doppel-CD, als Decca-Ovation wie Abb und wie bei mir in einer anderen Decca-Ovations-Ausgabe mit ansprechenderem schönen Cover (finde ich gerade nicht).
:beerÜbrigens sind auch die Bernstein-Aufnahmen mit den New Yorker PH einzelner Slawischer Tänze im Rahmen der Sinfonien-Einzelausgaben (quasi als Filler) auch ganz grosse Megaklasse ! Ormandy dito !
Jürgen (07.09.2012, 08:23): Original von teleton Hallo Jünter,
Jünter ?
Original von teleton *** Später viel mir die Aufnahme mit Antal Dorati / Royal PO (Decca, DDD) in die Hände.
Dorati steht auch bei mir mit obigem Cover im Regal. Aber irgendwie hat sie mir vor Jahren gegenüber Neumann nicht so recht gefallen. Daher hat sie nicht einmal den Weg auf meine FP gefunden. Nach Deiner Einschätzung werde ich das aber ändern und sie anhören.
Grüße Jürgen
Amadé (07.09.2012, 09:42): Hallo Ihr Lieben,
die Slawischen Tänze standen bei Dorati wohl ziemlich oben, außer die obige gibt es noch weitere Aufnahmen mit dem ungarischen Dirigenten: diese:
Maurice inaktiv (14.03.2013, 01:29): Ich möchte auch hier eine Gesamteinspielung erwähnen,die sich als sehr gut herausgestellt hat,aber die hier leider überhaupt nicht erwähnt wurde.
Ich besitze jene mit dem leider unterschätzen Libor Pesek am Pult der Tschechischen Philharmonie und des Royal Liverpool Philharmonic Orchestras.
Die Aufnahmen entstanden zwischen 1987 und 1996. Netterweise sind hier noch einige Orchesterwerke mit dabei,so "Mein Heim,op.62","In der Natur",die "Carneval-Ouvertüre,op.92",das "Scherzo Capriccioso,op.66" und die "Amerikanische Suite,op.98b".
Er hat auch Werke von Smetana (Sein "My Vlast" ist einfach großartig gelungen!!),Novak und Suk hervorragend eingespielt,versteht also sein Handwerk und diese Musik exzellent.
Die "Slawischen Tänze" wurden von Dorati,Szell,Kubelik,Kosler,von Dohnanyi und auch Harnoncourt hervorragend eingespielt.Hier mag jeder sich seinen Favoriten heraussuchen.
Ich persönlich finde die gigantische Brillanz eines Szell mit dem Cleveland Orchestra geradezu überirdisch.Ebenso in Stahl gemeiselt kommen mir die Kubelik-Einspielungen von 1975 rüber.
Harnoncourt besticht durch eine geradezu überborstende Einspielung,die mich fast zum Tanzen bringen würde (ich bin als Tänzer völlig ungeeignet!!!).
Die Symphonischen Dichtungen liegen mir in diversen Einspielungen vor.Hier würde ich mal drei herauspicken,die nicht unterschiedlicher sein könnten :
1. Rafael Kubelik mit dem SO des BR von 1975
2. Nikolaus Harnoncourt mit dem grandiosen Concertgebouw Orchestra von 1997-2001
3. Theodore Kuchar mit der Janacek Philharmonie
Kubelik als Landsmann mit dem richtigen Gespür für die komponisten seiner Heimat.
Harnoncourt als Mann,der jedes Stück in Frage stellt und es komplett neu und anders sieht.Hier mit dem grandiosen Holländern aus Amsterdam.
Kuchar als Amerikaner,der sich als ehemaliger Konzertmeister auch im Orchester auskennt (wie auch Harnoncourt,der Cello bei dem Wiener Symphonikern gespielt hatte früher),sich auch ein Orchester nahm,was mit der Musik Dvoraks natürlich bestens vertraut zeigt.
Hier zeigt es sich,dass auch Budget-Aufnahmen durchaus mit hervorragendem Spiel und Aufnahmetechnik bewähren können.
Vernachlässigt wurden bisher auch die "Slawischen Rhapsodien" Nr.1-3 und die "Rhapsodie,op.14".
Hier würde ich die Naxos-CD von 1986 & 1987 nehmen,die mit Zdenek Kosler und erneut Libor Pesek und der Slowakischen Philharmonie Kosice auswählen.Hier sind Leute am Werk,die die Werke kennen und adäquat eingespielt haben.Eine der besten CDs des damals noch jungen Labels.
Danke für deine Informationen über Dvorák, einen Komponisten, dessen Musik ich mittlerweile lieben gelernt habe. Ich besitze die fettet Brilliant-Box, in der auch die Sinfonischen Dichtungen mit Theodore Kuchar und der Janacék Philharmonie enthalten. Vortüglich gespielt, finde ich. Daneben besitze ich als Sinfonien GA die Box mit Otmar Suitner. Vorzüglich. :times10 Und eine SACD von RCA Living Stereo mit der Neunten und der Karneval Ouvertüre, dirigiert von Fritz Reiner.
:hello
Maurice inaktiv (14.03.2013, 16:59): Hallo,Treborian!!
Keine Ursache.Schön,dass wir bei Kuchar die gleichen Ansichten haben.Kennst Du seine Smetana-Einspielung bei Brilliant Classics?
Suitner gehört auch zu den Dirigenten,die unterschätzt werden,so auch Herbert Kegel.Allerdings finde ich Suitners Mahler nicht gerade gelungen.Die Fünfte fängt mMn viel zu schnell an.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (16.03.2013, 21:26): Ich habe mir heute die von mir aus reiner Neugier bestellte CD von den Ungarischen und Slawischen Tänzen mit Ivan Fischer und dem Budapest Festival Orchester angehört.
Leider habe ich festgestellt,dass es keine Komplettübernahme der damals veröffentlichten CDs gewesen ist.Doch so feurig,innig und grandios habe ich beide Zyklen noch nie gehört.
Ok,bei den "Ungarischen" hat Fischer gewaltig geändert.Eigene Arrangements,dazu das Zymbal und zwei Extrageiger (quasi wie eine Zigeunerkapelle imitierend),das kann sich wohl nur ein Ungar mit entsprechendem Orchester erlauben.Doch das Ergebnis ist grandios.
Man meint,dass die beiden Komponisten es genau SO gemeint und gewollt haben!!
Das Orchester besticht gerade in den so schwer gemeinsam zu spielenden Rubati und Tempowechseln,dass es zur Spitzenklasse gehört.
Bei den "Slawischen" ist der Klang auch nicht so "stählern" wie das bei Szell und Kubelik zu hören ist,aber vermutlich liegt das auch an der Aufnahmetechnik von damals.
Hier gibt es auch keine Extravaganzen,trotzdem klingt es gerade in den Holzbläsern wunderbar ausbalanciert.Die Forte-Stellen im Blech klingen auch nicht so "massiv",sondern wunderbar kultiviert.
Die GE von Suitner hat mein Interesse geweckt.Doch ich hatte nicht vor,mir sie zu kaufen,da doch noch sooooo viele tolle CDs darauf warten von mir gekauft und gehört zu werden. :wink....Aber sie ist gerade so unverschämt günsitg bei einem großen Anbieter zu erwerben....Grummel....
Wir wissen alle hier,dass diese ganzen Stücke bei Konzerten reine Zugabenstücke sind,mal weniger mal mehr applausheischend gespielt.Es ist letztendlich Gebrauchsmusik,die aber genau so kunstvoll gespielt werden muss wie man einen Strauß-Walzer spielen muss,damit dieser zum Kunstwerk wird.Das ist überhaupt nicht so einfach,und so einige Pultstars sind darin grandios gescheitert.
Eine sehr gute Einspielung der Slawischen Tänze hatte auch mal Lorin Maazel mit den Berlinern eingespielt.Sonst ist das nicht gerade mein Lieblingsdirigent,aber die CD fand ich recht gelungen.
Wie verhält es sich denn mit den "Slawischen Rhapsodien"?Die werden ja doch eher stiefmütterlich behandelt.Ich habe auch nur eine Gesamteinspielung,nämlich die von Naxos.Zum Glück ist die sehr gut geworden,aber auch sonst scheinen die auch nur mal hin und wieder als CD-Füller benutzt zu werden....Komisch ist das schon,oder?
Gruß,Maurice
Sfantu (11.09.2022, 10:10):
Sinfonie Nr. 7 d-moll op. 70
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra - Libor Pešek (CD, Virgin, 1989)
Allegro con brio 9`51 Adagio 10`52 Allegretto grazioso 5`52 Allegretto ma non troppo 10`42
Seit Urzeiten steht aus dieser Serie die Sechste bei mir im Regal und ist meine Favoritin für jenes Werk (in dem Fall allerdings mit der Tschechischen Philharmonie). Daher konnte ich an dieser Scheibe nicht vorbei gehen, als sie mir letzhin in die Hände fiel - zumal, da die Siebte eh mein Lieblings-Dvořák ist (sofern es um die Sinfonien geht).
Mein Fazit vorab: die CD wird wohl keinen Einzug in meine Sammlung halten. Die Siebte wird an und für sich abgerundet und geschmackvoll genommen, der Orchesterklang ist gediegen. Allerdings läßt Pešek das Ganze mit einer leichten Weichzeichnung spielen. Der (für meinen Geschmack) nötige Wumms fehlt.
Die Achte als "Beifang" spielen sie im Kopfsatz wunderschön - hier hätte ich keinerlei Einwände. Außer, daß die Pauke leider nicht präsent genug abgebildet ist. Sie hat nicht viele Stellen, dafür aber umso wichtigere. Dem Allegretto grazioso fehlt das Graziöse. Im Finale mangelt es dem einleitenden Trompeten-Signal an Spannung, eben an Signal-Charakter. Die anschließende Vorstellung des Hauptthemas durch die Streicher ist vom Tempo her zu breit, zu behäbig, zu auszelebriert. Wenn das Tutti darauf übernimmt, ist das Tempo hingegen zu flott. Klar - das hat eine entsprechende Kontrast-Wirkung. Nur leider keine, die mir gefällt (hatte unwillkürlich einen Plüsch-Hasen vor Augen, der, nachdem er bis zum Anschlag aufgezogen wurde, hastig loswuselt). Was mir dagegen gefällt: die vielen sentimentalen Streicher-Figuren werden geradlinig und zuckerfrei gespielt. Ganz anders als bei Kubelik mit den Berlinern, wo durch kleine Schleifer noch eins draufgesetzt wird an Wehmut und Sentiment.
Bei der Siebten bleibt mein Favorit also weiterhin Maazel mit den Wienern. Dicht gefolgt von Ilarion Ionescu-Galați mit den Tokiotern und - als dunkles Ross - Fritz Lehmann mit den Bamberger Symphonikern (mono).
Sfantu (11.09.2022, 19:20): Ich muß korrigieren resp. präzisieren, was ich im letzten Satz bezüglich des dunklen Rosses schrieb.
Auf der DG-Mono-LP spielen nicht die Bamberger mit Lehmann sondern die Berliner Philharmoniker mit Fedinand Leitner die Siebte. Erstgenanntes Gespann spielt auf derselben Platte die dritte Slawische Rhapsodie.
Sfantu (17.07.2024, 22:55): @klarino
nachdem das Rätsel um Deine Suchanfrage zu Dvořáks Fünfter dieser Tage entschlüsselt werden konnte: hattest Du Gelegenheit, Dich mal mit dem Werk zu beschäftigen? Ich wäre gespannt auf Deine Eindrücke. Als ich kürzlich nach längerer Pause diese Sinfonie wieder hörte, war das in der erwähnten Jansons-Aufnahme mit den Philharmonikern aus Oslo. Nun aber legte ich die Einspielung aus dieser Kertész-Box auf. Die Unterschiede sind nicht himmelweit aber doch deutlich: wie viel mehr an Emphase und Nachdruck man hier doch zu hören bekommt! Jansons wirkt etwas cooler und analytischer. Das Vornüber-Stürzen in diesen märchenhaft-romantischen Ozean packt dagegen unmitelbar. Kertész bringt ein untrügliches Gespür für diese Musik mit (und rüber). Läßt er tendenziell etwas dick und pastos musizieren (so, wie Dave Hurwitz meint)? Nun ja - da ist was dran. Und doch - es bekommt dieser Musik gut. Spätestens bei Gegenüberstellung der Klangqualitäten wirkt die Digital-Einspielung der EMI denn doch eher schmalbrüstig. Und das Pendel schlägt am Ende klar zugunsten des prachtvollen 60er-Jahre-Stereo der Decca aus. Die ersten sechs Gattungsbeiträge Dvořáks werden seit jeher sträflich vernachlässigt. Ob der Fünf dabei die Palme gebührt? Ich finde nein. Und doch spricht Einiges dafür, sie zu spielen und zu hören. Gerade der naturpoetische Zauber, mit dem der Kopfsatz anhebt (und der Dich so aufhorchen ließ), der wunderbare langsame Satz und auch das schmissige Scherzo können überzeugen. Daß das Werk stellenweise nicht frei von hohlem Pathos bleibt - ja, das bestreite ich nicht. Doch was würde man sich an herrlicher Musik berauben, wenn man sie (die Fünfte) aussparte!
Immer nur Acht und Neun? Das zeigte nicht annähernd den Sinfoniker Dvořák. Immer nur seine Orchesterwerke? Das zeigte nicht annähernd das schöpferische Genie dieses Meisters.
Sinfonie Nr. 5 F-dur op. 76
London Symphony Orchestra - István Kertész (CD, Decca, AD: 1965)
Allegro ma non troppo 12'49 Andante con moto 8'15 Allegro scherzando 6'40 Allegro molto 12'24
Im Anschluß läuft nun die Sechste aus dieser Box. Und auch hier: souveräne Gestaltung und ansteckendes Musikantentum! Mein bisheriger Favorit Pešek gerät da doch etwas ins Wackeln...
Maurice inaktiv (18.07.2024, 00:14): Ich wäre gespannt auf Deine Eindrücke. Als ich kürzlich nach längerer Pause diese Sinfonie wieder hörte, war das in der erwähnten Jansons-Aufnahme mit den Philharmonikern aus Oslo. Nun aber legte ich die Einspielung aus dieser Kertész-Box auf. Die Unterschiede sind nicht himmelweit aber doch deutlich: wie viel mehr an Emphase und Nachdruck man hier doch zu hören bekommt! Jansons wirkt etwas cooler und analytischer. Das Vornüber-Stürzen in diesen märchenhaft-romantischen Ozean packt dagegen unmitelbar. Kertész bringt ein untrügliches Gespür für diese Musik mit (und rüber). Läßt er tendenziell etwas dick und pastos musizieren (so, wie Dave Hurwitz meint)? Nun ja - da ist was dran. Und doch - es bekommt dieser Musik gut. Spätestens bei Gegenüberstellung der Klangqualitäten wirkt die Digital-Einspielung der EMI denn doch eher schmalbrüstig. Und das Pendel schlägt am Ende klar zugunsten des prachtvollen 60er-Jahre-Stereo der Decca aus. Nun, ich antworte mal bei Dvoraks ersten fünf Sinfonien mit einem Zitat des deutschen "Jazzpapstes" Joachim Ernst Berendt, der über einen durchaus sehr achtbaren Musiker schrieb: " Er bewundert, aber er bewegt nicht". So in etwa würde ich mal Dvoraks frühen Sinfonien beschreiben. Es gibt überall die "berühmten" "schönen Stellen", aber am Ende bleibt nichts an einem Haften. So erging es mir auch, als ich vor kurzer Zeit immerhin die Tschechische Phiharmonie Prag unter Vaclav Neumann hörte.
Bei der Sechsten sieht es bei mir etwas anders aus. Hier habe ich das erste Mal das Gefühl, dass er wirklich bei den Sinfonien "angekommen" ist, auch wenn sie noch nicht ganz an die letzten drei Beiträge von ihm dazu herankommt.
Kertesz' Aufnahmen stammen aus den 1960-er Jahren, die ich mir nie gekauft habe. Ich kenne nur seine Symphonischen Dichtungen aus der Zeit. Es ist aber zu lange her, als dass ich mich noch daran erinnert könnte. Eigentlich kein gutes Zeichen. Die Einspielungen Kubeliks einige Jahre später lagen mir offenbar mehr, sie sind noch heute in meinem Bestand, hatte sie früher viel gehört, auch die Sinfonien. Sie gab ich dann ab um mir Neumanns Zyklus aus den 1980-er Jahren zu besorgen, den ich sehr mag. Dazu kommen noch Peseks, Suitners und natürlich Belohlaveks Einspielungen der Sinfonien. Mit denen bin ich glücklich und zufrieden. Mal ist der eine hier, der andere Dirigent dort mir angenehmer.
Wirklich schwer wird es mit den drei letzten Sinfonien. Dort gibt es wirklich einige exzellente Einspielungen, etwa Maazel, Ivan Fischer, von Karajan oder auch Christoph von Dohnanyi.
Bei Dvorak habe ich immer das Gefühl, dass man seine Werke nicht "kaputt" dirigieren kann.
Joe Dvorak (18.07.2024, 11:37): Wenn über meinen Namenspatron diskutiert wird, dann vergesse ich glatt für einen kurzen Moment allen Zorn und schmeiße auf die Frage, welches denn die beste der ersten Sechse sei, die Nummer 1 in die Runde. Ich weiß schon, Opuszahl 3, der Schöpfer noch jung, also kompositorisch noch nicht ausgereift, uneinheitlich, mit Längen, dazu ohne Chance auf Überarbeitung, weil bald verschollen und blub und blah. Zum Glück hatte ich sie gehört, bevor mir das alles zugetragen wurde, und unvoreingenommen ist sie ganz klar die Beste. Wahrscheinlich gerade deshalb, weil Fantasiereichtum und juveniles Draufgängerertum noch nicht allzu sehr vom Akademismus ausgebremst werden. Die folgenden drei jedenfalls wirken im Vergleich geradezu schwerfällig und bewegen, wie J.E.B. feststellt, (mich auch) nicht. Eine Einspielung, auf die ich mit Vergnügen zurückgreife, ist die von der bei Vergleichsbesprechungen gerne unterschlagenen GA mit dem Prager RSO & Vladimir Válek.
Maurice inaktiv (18.07.2024, 20:02): Wenn über meinen Namenspatron diskutiert wird, dann vergesse ich glatt für einen kurzen Moment allen Zorn und schmeiße auf die Frage, welches denn die beste der ersten Sechse sei, die Nummer 1 in die Runde. Ich weiß schon, Opuszahl 3, der Schöpfer noch jung, also kompositorisch noch nicht ausgereift, uneinheitlich, mit Längen, dazu ohne Chance auf Überarbeitung, weil bald verschollen und blub und blah. Ich sehe die Erste unter den ersten Sechs Sinfonien von Dvorak als die Nr.2. Nr.6 wäre meine Nummer 1, die Nummer zwei wäre die Erste. Dann müsste ich erst mal wieder die Nr.2 - 4 anhören. Die Fünfte ist für mich da erst einmal weg vom Fenster.
Eine Einspielung, auf die ich mit Vergnügen zurückgreife, ist die von der bei Vergleichsbesprechungen gerne unterschlagenen GA mit dem Prager RSO & Vladimir Válek. Die kenne ich nicht, aber seinen Smetana mit dem gleichen Orchester (fand ich absolut schrecklich. Einfach nur laut und nicht schön) und seine GA der Martinu-Sinfonien. DIE fand ich dagegen großartig. Mal schauen, ob man sie mal günstig bekommt. Doch grundsätzlich bin ich bei Dvorak bestens bestückt.
Sfantu (19.07.2024, 20:09): " Er bewundert, aber er bewegt nicht". Verstehe das Zitat nicht. Wie ist das gemeint?
Maurice inaktiv (19.07.2024, 21:06): Verstehe das Zitat nicht. Wie ist das gemeint? Echt nicht? Eigentlich sollte es klar sein, gerade durch meinen Beitrag direkt, aber auch durch Joes Antwort. Vielleicht ganz kurz: Dovrak schrieb schöne Musik, aber sie blieb nicht in den Köpfen der Zuhörer hängen. Das, was etwa seine Slawischen Tänze oder die letzten drei Sinfonien auszeichnet, das Melodische, so, als würde man Volkslieder mitsummen, verliert sich in seinen frühen Sinfonien noch. Es fehlen die zusammenhängenden Linien, die man nach dem Hören nachsingen oder nachsummen hätte können.
Das Zitat war übrigens auf den Tenorsaxophonisten Lucky Thompson bezogen, der in den 1950-er Jahren auch Sopransaxophon neu dazu spielte. Während man zuvor sich automatisch auf Sidney Bechet bezog, dem Urvater des Sopransax im Jazz, übertrug Thompson seine schönen Linien auf das Sopransaxophon. Dies machte er großartig, aber sein Spiel wirkte bei aller Schönheit ausdruckslos, da er noch dazu - für die damalige Zeit absolutes Neuland - das Sopran ohne das bis dato übliche Vibrato benutzte.
Ist es jetzt für Dich verständlicher beschrieben?
Sfantu (19.07.2024, 21:25): Okay - dann war es also Bechet, der von Thompson bewundert wurde? Aber wer wurde dann von Dvořák bewundert?
Andréjo (19.07.2024, 21:33): Darf ich mich kurz einmischen?
Der Sinn des Zitats ist mir zwar vermutlich klar, aber es ist kein korrektes Deutsch. Wenn Dvorak respektive Thompson "nicht bewegt", dann bedeutet das ohne Objekt, dass er seine Zuhörerschaft nicht bewegt, nicht anrührt - die Zuhörerschaft ist mitgedacht.
Im Zusammenhang mit "bewundern" ist der Bezug aber unklar. Denn wenn es heißt "er (also doch wohl Dvorak oder eben Lucky Thompson) bewundert", dann fragt man sich, wen Dvorak da wohl bewundert. Aber das ist ja auch nicht der Sinn, sondern es ist umgekehrt: Dvorak wird bewundert. Hast Du die Passivform vielleicht zu zitieren vergessen, Maurice? Falls nicht, ist das Zitat schlicht sprachlich problematisch - auch wenn man es mit etwas Logik verstehen kann.
EDIT: Sfantus Antwort lese ich soeben. Aber ich nehme nach wie vor an, dass Du die Dinge anders gemeint hast. Denn auch Sfantu setzt implizit eine Passivform voraus.
:hello Wolfgang
Andréjo (19.07.2024, 21:43): :D :) Übrigens bewegt mich Dvorak durchaus, selbst die Erste, die ich jetzt nicht unbedingt bewundere. Die Neunte wiederum bewundere ich nicht mehr so sehr, obwohl sie das verdient hätte, aber durch zu häufiges Hören in längerer Vergangenheit ist es mit dem Bewegen und Bewundern nicht mehr so weit her. Die Fünfte bewundere ich nach wie vor und sie bewegt mich nach wie vor ... Auch die Achte ... Nummern sieben und sechs müsste ich häufiger hören ... zwei bis vier auch, aber da wird sich das Bewundern und Bewegen wohl trotzdem in stärkeren Grenzen halten ...
Sfantu (19.07.2024, 22:15): Immer noch auf der To-hear-Liste wartend, schickte ich diese LP heute endlich in die Platten-Waschmaschine und frisch auf den Dreher - selbstverständlich naß abgespielt. Und was soll ich sagen - Šejna setzt gegenüber Kertész noch eins drauf, was musikantische Verve und unbedingten Ausdruckswillen anbelangt. Auch ohne Wiederholung der Exposition im Kopfsatz überzeugt (mich) diese Aufnahme wie sonst keine. Dvořák Fünf? Ein Schläfer mit Potential!
Sinfonie Nr. 5 F-dur op. 76
České filharmonie Praha - Karel Šejna (LP, supraphon, AD: 1952)
Allegro ma non troppo 9'04 Andante con moto 8'22 Allegro scherzando 6'43 Allegro molto 12'01
Joe Dvorak (20.07.2024, 03:04): " Er bewundert, aber er bewegt nicht". Verstehe das Zitat nicht. Wie ist das gemeint? Okay - dann war es also Bechet, der von Thompson bewundert wurde? Aber wer wurde dann von Dvořák bewundert? Im Zusammenhang mit "bewundern" ist der Bezug aber unklar. Denn wenn es heißt "er (also doch wohl Dvorak oder eben Lucky Thompson) bewundert", dann fragt man sich, wen Dvorak da wohl bewundert. Ein Hoch auf die Nanotechnologie. Heutzutage kann man Haare in Moleküle spalten. :D Bewegen ist hier nicht im Sinne einer örtlichen Veränderung gemeint, sondern im Sinne des Auslösens eines emotionalen Zustandes. Wenn ich sage "er bewegt" und das Objekt weglasse, ist klar(?), dass nur das Auslösen dieses Zustandes (der Bewegtheit) im fehlenden Objekt gemeint sein kann - anders als im Fall "er bewegt sein Fahrzeug um ein paar Meter". (Mir ist klar, dass das klar ist, aber es ist notwendig, um das Folgende klar zu machen). Im gleichen Sinne ist "er bewundert" zu verstehen. Wenn ich das Objekt weglasse, ist klar(?), dass nur das Auslösen dieses Zustandes (der Bewunderung) im fehlenden Objekt gemeint sein kann - anders als im Fall: "er bewundert die Architektur des Schlosses". (Dass das Objekt nicht 'vergessen" wurde, ergibt sich meines Erachtens aus der Satzkonstruktion). Man kann das Molekül durchaus noch in Atome zerlegen, indem man sagt, diese Denkweise sei inkorrekt, weil "Bewegtheit" passiv ist, da sie sich nicht direkt auf ein Objekt bezieht, während "Bewunderung" aktiv ist, weil sie sich immer direkt auf ein Objekt richtet. Aber so denken nur Nanotechniker und ehemals Deutsch lehrende Linguisten. :P Korrektes Deutsch hin oder her, der Satz "Er bewundert, aber er bewegt nicht" ist (mir) unmissverständlich sonnenglasklar: "Das Publikum (etwas genauer, weil nicht unzulässig verallgemeinernd, wäre wohl: ein grosser Teil des Publikums) bewundert ihn, aber es wird nicht von ihm bewegt".
Ach ja, Dvorak. Also, ich habe hier einen Tipp für Unterhund-Jäger. Ohne jetzt das Nanomesser zu zücken und das nach dem genauen Wie zu sezieren: Diese Einspielung der Sinfonie Nr. 5 f-Moll, op. 76 mit Radomil Eliška und dem Karlovarský Symfonický Orchestr (Karlsbald) bewegt stürmisch, weil sich hier ein Provinzorchester auf der Stuhlkante für ihren Lokalmatador so dermaßen den Allerwertesten aufreißt, wie man es von Beamten aus der Großstadt selten geboten bekommt.
Andréjo (20.07.2024, 13:26): Meister Dvorak, der Satz war mir aus dem Kontext schon auch klar, aber er ist halt falsch. Das gibst Du ja dadurch zu erkennen, dass Du bei Deiner Erklärung einmal Aktiv und einmal Passiv verwendest. Manchmal muss man schon wissen, ob man umbringt oder umgebracht wird, mit und ohne Subjekt oder Objekt. Der Nachteil beim Bewundern ist noch zusätzlich, dass die Form "bewundert" beim Aktiv und beim Passiv verwendet wird - dann kann man leicht das mit dem werden vergessen. :P
Als auf Versöhnlichkeit bedachter Zeitgenosse freue ich mit indes, dass Du von Unterhunden sprichst. Auch eine Lieblingsvokabel von mir!
EDIT: Da ich Deine Antwort jetzt noch einmal nachgelesen habe:
Im gleichen Sinne ist "er bewundert" zu verstehen. Wenn ich das Objekt weglasse, ist klar(?), dass nur das Auslösen dieses Zustandes (der Bewunderung) im fehlenden Objekt gemeint sein kann - anders als im Fall: "er bewundert die Architektur des Schlosses". (Dass das Objekt nicht 'vergessen" wurde, ergibt sich meines Erachtens aus der Satzkonstruktion).
Pardon - das haut nicht hin. Da bin ich jetzt ein bisschen empfindlich. Ich möchte weder ein überpenibler Deutschlehrer sein, der ich nie war, wie Dir meine Anbefohlenen sagen könnten, noch aber ein Trottel.
Es ist ja nicht er, der sich selber bewundert - es sind ja andere. Einverstanden?
:beer Wolfgang
Joe Dvorak (21.07.2024, 04:47): Im gleichen Sinne ist "er bewundert" zu verstehen. Wenn ich das Objekt weglasse, ist klar(?), dass nur das Auslösen dieses Zustandes (der Bewunderung) im fehlenden Objekt gemeint sein kann - anders als im Fall: "er bewundert die Architektur des Schlosses". (Dass das Objekt nicht 'vergessen" wurde, ergibt sich meines Erachtens aus der Satzkonstruktion).
Pardon - das haut nicht hin. Da bin ich jetzt ein bisschen empfindlich. Ich möchte weder ein überpenibler Deutschlehrer sein, der ich nie war, wie Dir meine Anbefohlenen sagen könnten, noch aber ein Trottel.
Es ist ja nicht er, der sich selber bewundert - es sind ja andere. Einverstanden?
:beer Wolfgang Trottel - aber nicht doch! Meine Deutschlehrerin in der Oberstufe ist mir mit dem Satz in Erinnerung geblieben: "Ihre Aufsätze sind sehr originell, aber mit diesem Stil und dieser Rechtschreibung kann ich Ihnen unmöglich zweistellige Noten geben." Zurecht, wenn ich halt stur darauf beharre, originelle, aber falsche Satzkonstruktionen wie "er bewegt zur Bewegtheit und er bewundert zur Bewunderung" zu verwenden... :P
Ach ja, Dvorak. Ich habe mich in einer früheren Forenexistenz für Claus Peter Flor, der die letzten drei Sinfonien mit dem Malaysian SO eingespielt hat, stark gemacht, aber wohl nicht in diesem Thread. Eben habe ich anhand der Siebten überprüft, dass ich das heute noch so sehe und schiebe deshalb ein paar Zitate hier rein.
"Ein blitz-blank geputzer Dvorák con fuoco." (Zur Achten)
Claus Peter Flor krönt seine Dvorák-Trias der drei letzten Sinfonien mit einer faszinierend kernigen, feurigen, akzentstarken Einspielung der Neunten Sinfonie. Diese Aufnahme bereichert die üppige Diskographie dieses Werks, keine Frage.(Klavier.de, Link nicht mehr aufrufbar)
"Vor einem abschließenden Urteil muss man unbedingt Claus Peter Flor, der mit den Malaysischen Philharmonikern die 7-9 eingespielt hat, gehört haben. Das erklärt alles andere zur Makulatur. Ehrlich!"
"Da zieht ein Hurrikan durch die Neue Welt. Die Wiener haetten Flor -das ist jetzt haltlos spekuliert- wohl vom Podium gejagt." (Zur Neunten)
Maurice inaktiv (21.07.2024, 07:50): Der Sinn des Zitats ist mir zwar vermutlich klar, aber es ist kein korrektes Deutsch. Wenn Dvorak respektive Thompson "nicht bewegt", dann bedeutet das ohne Objekt, dass er seine Zuhörerschaft nicht bewegt, nicht anrührt - die Zuhörerschaft ist mitgedacht.
Im Zusammenhang mit "bewundern" ist der Bezug aber unklar. Denn wenn es heißt "er (also doch wohl Dvorak oder eben Lucky Thompson) bewundert", dann fragt man sich, wen Dvorak da wohl bewundert. Aber das ist ja auch nicht der Sinn, sondern es ist umgekehrt: Dvorak wird bewundert. Hast Du die Passivform vielleicht zu zitieren vergessen, Maurice? Falls nicht, ist das Zitat schlicht sprachlich problematisch - auch wenn man es mit etwas Logik verstehen kann. Lieber Wolfgang, das Zitat ist so völlig richtig und kann man in seinem Buch "Das Jazzbuch" nachlesen. Es stand z.B. so in der Fassung von 1981 drin. Das Buch wurde von ihm seit 1953 immer wieder angepasst und aktualisiert. Das mag den Deutschlehrer nicht entzücken, aber Berendt wird das sicher gewusst haben. Der Jazzer hat seinen unvollständigen Satz sofort verstanden, Der Klassiker hat offenbar so seine Probleme damit, der Deutschlehrer hat bereits den roten Korrekturstift zur Hand. :D
Joe hat das jetzt so schön beschrieben, dass ich das so stehen lassen kann.
Übrigens bewegt mich Dvorak durchaus, selbst die Erste, die ich jetzt nicht unbedingt bewundere. Die Neunte wiederum bewundere ich nicht mehr so sehr, obwohl sie das verdient hätte, aber durch zu häufiges Hören in längerer Vergangenheit ist es mit dem Bewegen und Bewundern nicht mehr so weit her. Die Fünfte bewundere ich nach wie vor und sie bewegt mich nach wie vor ... Auch die Achte ... Nummern sieben und sechs müsste ich häufiger hören ... zwei bis vier auch, aber da wird sich das Bewundern und Bewegen wohl trotzdem in stärkeren Grenzen halten ... Das ist Dir ja auch völlig frei und vorbehalten, dass Dich bestimmte Werke mehr ansprechen als andere, es geht ja auch vor allem nur um die frühen bis mittleren Sinfonien. Mich bewegt (nicht im Sinne von sich fortbewegen) Dvorak auch, aber ich würde mal behaupten, dass Dvorak heute ohne seine letzten drei Sinfonien nicht den gleichen Ruf hätte (und da lasse ich jetzt mal die restlichen Werke völlig unbeachtet) heute, wenn er nur die Sinfonien Nr.1 -6 geschrieben hätte. Klar, das ist sehr hypothetisch jetzt, aber als Sinfoniker dürfte ich damit nicht falsch liegen. Dann wäre er vielleicht mit Raff vergleichen worden.
Smetana hat gerade mal eine Sinfonie geschrieben. Sie ist bis heute nur selten auf Platte dokumentiert worden, er würde vermutlich ohne "Ma Vlast" höchstens ins seiner Heimat noch bekannt sein, aber nicht wegen dieser Sinfonie. Hans Rott kennt man heute vor allem wegen seiner Sinfonie E-Dur. Nur mal als zwei Beispiele, wie Sinfonien sich auf den Bekanntheitsgrad auswirken können.
Andréjo (21.07.2024, 14:04): Werte Kollegen Maurice und Joe und Sfantu (und wer sich gerne noch angesprochen fühlt)!
@ Aktiv-Passiv-Problem:
Wie jetzt mehrmals von mir gesagt: Grammatisch ist der Satz falsch - aber ich habe ihn ja auch verstanden. Vielleicht steckt eine Modeformulierung dahinter, ein wenig Werbedeutsch (das glaube ich fast), und der oder dem kann man sich nicht verschließen. :) Sei's drum: Dies mögen meine letzten Worte zum Thema gewesen sein. :D
@ Bewegtsein dank Dvoraks letzter Sinfonien:
Er hätte ohne seine letzten Sinfonien nicht den gleichen Ruf, der Dvorak, da bin ich mir auch hundertprozentig sicher. Aber wir sind uns ja einig, dass man SO viele Musik gerne kennenlernt, gerade weil ihr kein weit verbreiteter Ruf vorauseilt.
Auf weitere gelegentliche gute Zusammenarbeit. Die muss - und sollte von meiner Seite! - nicht schwerpunktmäßig mit Grammatik zu tun haben. :P :)
:beer Wolfgang
Maurice inaktiv (21.07.2024, 16:56): @ Bewegtsein dank Dvoraks letzter Sinfonien:
Er hätte ohne seine letzten Sinfonien nicht den gleichen Ruf, der Dvorak, da bin ich mir auch hundertprozentig sicher. Aber wir sind uns ja einig, dass man SO viele Musik gerne kennenlernt, gerade weil ihr kein weit verbreiteter Ruf vorauseilt. Dagegen sage ich nichts. Du weißt selbst, dass ich gerne Exoten höre, daher weiß ich auch, dass viele Werke noch wirklich "entdeckt" werden müssen. Doch es wird immer schwieriger, weil die Firmen mit Produktionen sehr vorsichtig agieren. Leider gibt es eher die nächste GA der Brahms-Sinfonien, Beethoven oder Bruckner, doch auch dort stehen die gleichen Noten in den Partituren, Da noch wirklich etwas herauszuholen, was Sinn ergibt, wird auch nicht leichter. Daher vielleicht eher auch bei Dvorak auf die weniger bekannten Sinfonien schauen, anstatt die nächste Neunte zu veröffentlichen (das könnte man auch auf Beethoven, Bruckner oder Mahler übertragen).
Sfantu (21.07.2024, 17:22): Ach ja, Dvorak. Also, ich habe hier einen Tipp für Unterhund-Jäger. Ohne jetzt das Nanomesser zu zücken und das nach dem genauen Wie zu sezieren: Diese Einspielung der Sinfonie Nr. 5 f-Moll, op. 76 mit Radomil Eliška und dem Karlovarský Symfonický Orchestr (Karlsbald) bewegt stürmisch, weil sich hier ein Provinzorchester auf der Stuhlkante für ihren Lokalmatador so dermaßen den Allerwertesten aufreißt, wie man es von Beamten aus der Großstadt selten geboten bekommt. Schön, zu lesen, daß die Karlsbader (übrigens eines der ältesten Sinfonieorchester) die Fünfte so stürmisch bewegt spielen. Gleiches gilt nämlich für ihre Einspielung der Nummer sechs. Ich muß sie schonmal aufgelegt haben, denn sie war bereits gewaschen. Allein, ich werde das damals wohl eher beiläufig gehört haben. Denn, daß sie so gut ist, war mir nicht mehr präsent. "Stürmisch bewegt" - besser kann man nicht beschreiben, mit welchem Brio sie das Finale durchbürsten. Und damit die gesamte mir bekannte Konkurrenz hinter sich lassen. Hoch erfreulich aber auch die vorangehenden Sätze. Etwas kurios dagegen die nicht optimale Klangqualität: leicht entfernt, dann aber wieder Details hörbar machend, die ich so noch nie hörte (oder liegt das auch an der Interpretation?): die Beteiligung der Holzbläser in Hauptthemen - gewöhnlich versinken deren Farben inmitten der Streicherfluten. Und auch die Trompete in den Anfangsminuten des Schlußsatzes: ungewöhnlich, neuartig, herzerwärmend. Ob die Bänder in der Folge mal remastered wurden? Trotz minimaler Punktabzüge in puncto Sound ist dies eine mitreißende Aufnahme.
Allegro non troppo 12'54 Adagio 12'43 Scherzo. Presto 8'11 Allegro con spirito 10'05
Joe Dvorak (27.07.2024, 04:54):
Sinfonie Nr. 5 F-dur, op. 76, B. 54
Musica Florea, Marek Štryncl
Wo sind eigentlich die Aufnahmen auf Originalinstrumenten (oder Nachbauten der Instrumente der Zeit) in 'historischer Aufführungspraxis'? Dvořák ist alt genug, dass das klanglich einen wesentlichen Unterschied macht, siehe Gardiners Brahms oder Les Siècles Sacre. Marek Štryncl & Musica Florea, die mir durch ihre exquisiten Brandenburgischen Konzerte ein Begriff sind, springen in die Bresche. Ein Studioalbum mit der 7. und 8. Sinfonie schmückt sich mit dem Aufdruck "World Premiere Reconing on Period Instruments". Beide Werke wurden im Rahmen eines unlängst abgeschlossenen Gesamtzyklus noch einmal live eingespielt, wobei es sich bei den Nummern 1, 2 und 5 auch um HIP-Erstaufnahmen handeln soll. (Die Einzel-CDs von Nr. 1 & 2 sind beim Label (ARTA - Home page) schon vergriffen, eine Box wird wohl noch auf sich warten lassen, bis der Rest auch weg ist). Die Neunte gibt es 'authentisch' u.a. auch mit Immerseel und Krivine.
Maurice inaktiv (28.07.2024, 09:59): Wo sind eigentlich die Aufnahmen auf Originalinstrumenten (oder Nachbauten der Instrumente der Zeit) in 'historischer Aufführungspraxis'? Dvořák ist alt genug, dass das klanglich einen wesentlichen Unterschied macht, siehe Gardiners Brahms oder Les Siècles Sacre. Marek Štryncl & Musica Florea, Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich bei Brahms, Bruckner oder Dvorak überhaupt kein Verlangen nach einer HIP-Aufnahme. Bis zu Schumann und Mendelssohn ja, teilweise auch noch beim frühen Verdi (weil man in Italien z.B. mit Ventilposaunen weitaus öfter gespielt hat als man das so vermuten würde. Auch in Österreich und teilweise Spanien war sie weit verbreitet, während sie im bayerisch-preußischen Bereich sie in der Klassik kaum kannte. Doch um die gehts ja nicht wirklich bei Brahms oder Dvorak.
Sfantu (04.09.2024, 23:08): Nachdem hier und andernorts Suitners Dvořák hoch gelobt wurde, war ich froh als mir dieser Tage zufällig diese Schallplatte in die Hände fiel:
Sinfonie Nr. 4 d-moll op. 13 Konzertouvertüre F-dur "In der Natur" op. 91
Staatkapelle Berlin - Otmar Suitner (LP, Eterna / VEB Deutsche Schallplatten, AD: 1980 / 81)
op. 13 Allegro 10'40 Andante sostenuto e molto cantabile 12'57 Scherzo. Allegro feroce 6'22 Allegro con brio 8'40
op- 91 13'52
Und den Lobeshymnen kann ich mich meistenteils anschließen. Es besticht vor allem der sorgsam- detailverliebte und zur gleichen Zeit leidenschaftliche Zugang. Keine Phrase ist "mal so nebenbei" gespielt - hinter allem scheint der Leitspruch des kürzlich verstorbenen Schweizer Skulpturisten Yvan Pestalozzi durch: "Denken wie ein reifer Mensch - sich freuen können wie ein Kind". Kaum ein Takt, den ich anderswo überzeugender gehört hätte. Besonders beeindruckend: die (an den wichtigen Stellen) plastisch hervortretenden Pauken im Finale. Und im selben Satz der beinahe in einen entfesselten Taumel mündende Schlußabschnitt mit Anziehen des Grundtempos in Grenzzonen des Wahnwitzes - ohne in die Persiflage abzugleiten. Für leichte Abstriche sorgt die nicht optimale Aufnahmequalität: eine ganz leichte (und tolerable) Tendenz ins schwammig Entfernte. Und so wird beispielsweise das Triangel als kleine aber wichtige Zutat im Scherzo der Sinfonie aber auch in der Ouvertüre nicht angemessen hörbar, droht im Gesamtklang annähernd unterzugehen. Aber auch hier (im op. 91) wird mit Herzblut und Überschwang gespielt, daß es große Freude macht. Ob die CD-Versionen mit einem verbesserten Remastering aufwarten?
Hoch willkommen also- Und doch - Kertesz bleibt für mich die Instanz.
Maurice inaktiv (10.09.2024, 13:23): Sinfonie Nr. 4 d-moll op. 13 Konzertouvertüre F-dur "In der Natur" op. 91
Staatkapelle Berlin - Otmar Suitner (LP, Eterna / VEB Deutsche Schallplatten, AD: 1980 / 81)
op. 13 Allegro 10'40 Andante sostenuto e molto cantabile 12'57 Scherzo. Allegro feroce 6'22 Allegro con brio 8'40 Und den Lobeshymnen kann ich mich meistenteils anschließen. Es besticht vor allem der sorgsam- detailverliebte und zur gleichen Zeit leidenschaftliche Zugang. Keine Phrase ist "mal so nebenbei" gespielt - hinter allem scheint der Leitspruch des kürzlich verstorbenen Schweizer Skulpturisten Yvan Pestalozzi durch: "Denken wie ein reifer Mensch - sich freuen können wie ein Kind". Kaum ein Takt, den ich anderswo überzeugender gehört hätte. Besonders beeindruckend: die (an den wichtigen Stellen) plastisch hervortretenden Pauken im Finale. Und im selben Satz der beinahe in einen entfesselten Taumel mündende Schlußabschnitt mit Anziehen des Grundtempos in Grenzzonen des Wahnwitzes - ohne in die Persiflage abzugleiten. Du hast das so schön beschrieben, dem ist nichts mehr hinzu zu fügen bis dahin.
Für leichte Abstriche sorgt die nicht optimale Aufnahmequalität: eine ganz leichte (und tolerable) Tendenz ins schwammig Entfernte. Und so wird beispielsweise das Triangel als kleine aber wichtige Zutat im Scherzo der Sinfonie Ob die CD-Versionen mit einem verbesserten Remastering aufwarten? Nun, man beachte das Jahr 1980 und noch analog von der Technik her aufgefangen, dazu in der ehemaligen DDR. Außerdem hast Du die LP gehört, nicht die CD. Ob die Triangel jetzt so wichtig ist, lasse ich mal so stehen, aber klangtechnisch ist die CD doch 2005 (oder zumindest um diese Zeit herum, also auch wieder rund 20 Jahre her jetzt) gut gelungen. Ich mag die Triangel jetzt nicht so sehr hören wollen, wenn ich ehrlich bin.
Bei der Vierten würde ich mir schon etwas mehr "Offenheit" vom Klang her wünschen, aber Meine Güte, die Aufnahme ist inzwischen bereits 44 Jahre alt. Wenn man bedenkt, was das für ein technischer Sprung war, den man von ca. 1940 bis dahin erreicht hatte, aber auch das, was inzwischen alles geschehen ist, muss man bedauern, nicht solche Künstler wie Furtwängler, Bruno Walter, Fritz Busch oder Arturo Toscanini im heutigen Klanggewand erleben zu dürfen.
Über die Klangkraft der Ouvertüre kann ich nichts sagen, denn die sind alle nicht bei den Sinfonien als GA in der Box mit dabei gewesen, dafür bei mir jeweils die GA der Sinfonien von Brahms und eben Dvorak.
Sfantu (15.02.2025, 18:14):
Immer nur Acht und Neun? Das zeigte nicht annähernd den Sinfoniker Dvořák. Immer nur seine Orchesterwerke? Das zeigte nicht annähernd das schöpferische Genie dieses Meisters.
Wo du Recht hast, hast du Recht. Und doch zieht es mich im Zweifelsfall immer wieder zu diesem Gassenhauer:
Das ist absolut verständlich. Und wer wäre ich, die Neunte gering zu schätzen? Und doch geht es mir ähnlich wie cellodil und Jeremias: es ist für mich nicht ganz einfach, dieses Werk "frisch" zu hören. Drum braucht es bei mir auch immer gehörige zeitliche Abstände, mir die Neunte erneut zu "geben".
Mit Bruno Walters vorzüglicher Aufnahme von 1959 ist das heute Nachmittag auf sehr schöne Art gelungen. Pluspunkte sind die schlüssige Dramaturgie, die Art, wie er Spannungsbögen aufbaut und aufrecht erhält. Passende Tempi und eine Wärme, die Atmosphäre schafft ohne ins Süßlich-Sentimentale abzugleiten. Der Warnhinweis, frei nach Tauchen & Prokopetz "Obacht - Objekt überwindet den Schmalz-Schirm!" bleibt daher stumm. Schön herausgearbeitete Details in kleinen Begleitfiguren der Streicher (Binnensätze), wunderbar präsentes Holz. Leicht phlegmatisch das Blech (kleine Wackler im Zusammenspiel: Ende Kopfsatz und Scherzo). Klanglich einen Hauch in den Hintergrund gerückt die hohen Streicher - es geht in der Summe aber noch in Ordnung. Ansonsten bestes Stereo und eine rundum einnehmende Interpretation.
Die Wiener mit Maazel bieten mehr Drama und sind spieltechnisch über jeden Zweifel erhaben - der Heizstrahler springt auf Knopfdruck an. Bei Walter strahlen eine innere Bewegtheit und ein wohlig knisterndes Kaminfeuer. Beides kann überzeugen.
Sinfonie Nr. 9 e-moll op. 95
Columbia Symphony Orchestra - Bruno Walter (CD, CBS, AD 1959)
Adagio - Allegro molto 9'28 Largo 12'07 Scherzo. Molto vivace 8'14 Allegro con fuoco 12'15
Wie schlägt sich Madame Stutzmann mit ihren Frauen und Mannen aus Georgia?
Joe Dvorak (16.02.2025, 01:54): Wie schlägt sich Madame Stutzmann mit ihren Frauen und Mannen aus Georgia? Flott und energiereich, unstetes Tempo, weite Grobdynamik und einige ungewöhnliche Phrasierungen. Sonst keine besonderen Vorkommnisse. Das Orchester, dessentwegen ich diese Aufnahme aus dem reichlichen Angebot beim Strömer ausgewählt habe, ist erstklassig.