Astrid Varnay ist tot !

Ganong (06.09.2006, 18:39):
Die grosse Interpretin besonders von Werken Wagners und Richard Strauss , Astrid Varnay , ist hochbetagt verstorben .

Es gibt wohl kaum eine Sänger - Darstellerin , die gerade die Konzeption Wieland Wagners so intensiv umzusetzen vermochte wie Frau Varnay . Wer sie selbst auf der Bühne mehrfach erleben konnte , wird meine so vieljährige Bewunderung verstehen können . Ich habe sie das erste Mal bewusst 1960 in Bayreuth als Ortrud erlebt . Und ihre Isolde und Brünhilde gehören sicherlich zu den bedeutendsten Leistungen im Wagnerfach neben den von Martha Mödl und Birgit Nilsson .

Frank
Ganong (06.09.2006, 18:39):
Die grosse Interpretin besonders von Werken Wagners und Richard Strauss , Astrid Varnay , ist hochbetagt verstorben .

Es gibt wohl kaum eine Sänger - Darstellerin , die gerade die Konzeption Wieland Wagners so intensiv umzusetzen vermochte wie Frau Varnay . Wer sie selbst auf der Bühne mehrfach erleben konnte , wird meine so vieljährige Bewunderung verstehen können . Ich habe sie das erste Mal bewusst 1960 in Bayreuth als Ortrud erlebt . Und ihre Isolde und Brünhilde gehören sicherlich zu den bedeutendsten Leistungen im Wagnerfach neben den von Martha Mödl und Birgit Nilsson .

Frank
Falstaff (25.02.2017, 23:36):
Eigentlich beschämend, dass dieser großartigen Künstlerin hier seit 11 Jahren nicht mehr gedacht wurde.

Astrid Varnay (* 25. April 1918 in Stockholm; † 4. September 2006 in München)

Von 1941 bis 1995 trat sie auf der Opernbühne auf. Am 06.12.1941 sprang sie für ihre Kollegin Lotte Lehmann als Sieglinde an der Met (eine Woche später ersetzte sie dann Helen Traubel als Brünnhilde) auf und 54 Jahre später verabschiedete sie sich in München als Amme im Boris.

Dazwischen lag eine beispiellose Karriere, in der sie v.a. als Hochdramatische in den entsprechenden Wagnerpartien, als feste Säule in Neu-Bayreuth neben Mödl ab 1951 und nach dem Fachwechsel im Charakterfach bis ins hohe Alter und auf allen großen Opernbühnen der Welt beeindruckende Leistungen als Sängerschauspielerin erbrachte.

Anders als die Mödl war sie eine wirkliche Sopranistin, so dass ihr die hochgelegenen, hochdramatischen Wagnerpartien keine Schwierigkeiten bereiteten. Dagegen klang sie durchaus manchmal ein wenig schrill, verfügte auch nicht über das sinnliche Timbre ihrer großen Kollegin oder die trompetenhaft klare Höhe von Birgit Nilsson. Ihre große Stärke war, neben dem trotzdem überragend Vokalem, die geistige Durchdringung der Rollen, der immense Ausdruckswille, die unglaubliche Bühnenpräsenz, das schier Mitreißende ihres Gesangs, was man immer noch auf den diversen (Live-) Aufnahmen hören kann. Auch sie ist eine der vielen Sängerinnen, die von der Plattenindustrie fast völlig vernachlässigt wurde. Aber zum Glück liegen heute Mitschnitte all ihrer großen Wagnerpartien vor.

Flagstad, Leider, Mödl, Nilsson und eben Varnay haben einen Standard im (hochdramatischen) Wagnergesang gesetzt, der seitdem wohl nicht mehr erreicht wurde.

Hier ist sie mit ihrem Debut (man beachte mit welchen Kollegen sie noch singen und von wem sie noch profitieren konnte):
Falstaff (25.02.2017, 23:41):
Ein unbedingtes Muss ist auch diese Aufnahme:



Knappertsbusch dirigiert die 'Götterdämmerung' aus dem Jahr 1951 mit Varnay, Aldenhoff, Uhde, Höngen, Weber, Mödl, aber auch Schwarzkopf, Malaniuk, Töpper, Siewert. Eine Aufnahme zum :down :down :down :down :down
Falstaff (25.02.2017, 23:44):
Wer einen vollständigen Ring sucht:



Krauss oder Keilberth oder Knappertsbusch oder auch Stiedry aus New York. Zum Glück gibt es da heutzutage Alternativen.
Falstaff (25.02.2017, 23:48):
Noch vor ihrem Bayreuth-Debut trat sie erstmalig in Italien als Lady Macbeth (unter der Regie von Gustav Gründgens) auf.

Hier eine der Rundfunkaufnahmen, die damals noch 'Öffentlich-rechtlich' produziert wurden:
Falstaff (25.02.2017, 23:51):
Salome wie v.a. auch Elektra (später Klytämnestra) waren Partien, in denen sie ebenso Standards gesetzt hat.
palestrina (26.02.2017, 07:30):
Als allererstes möchte ich dem interessierten dieses Buch empfehlen ...



„ Hab mir's gelobt. 55 Jahre in fünf Akten und einem Prolog. Memoiren einer Opernkarriere."

auch wenn meine Liebe zu der Varnay nicht ganz so groß ist wie die von Falstaff ;) , habe ich doch einiges in den Beständen, und das Buch habe ich mit großer Freude gelesen!!

Ich bin ja auch jemand der gerne Recitals hört oder div. Zusammenstellungen, so auch folgendes ...



mit den Wesendonck Liedern!




Der Fliegende Hollander, Tannhäuser, Lohengrin, Die Walküre, Tristan und Isolde / Wagner
Fidelio / Beethoven
Simon Boccanegra, Il trovatore, Macbeth, Don Carlo / Verdi
La juive / Halevy

LG palestrina
Keith M. C. (26.02.2017, 09:37):
Eigentlich beschämend, dass dieser großartigen Künstlerin hier seit 11 Jahren nicht mehr gedacht wurde.


...


Flagstad, Leider, Mödl, Nilsson und eben Varnay haben einen Standard im (hochdramatischen) Wagnergesang gesetzt, der seitdem wohl nicht mehr erreicht wurde.

...
Lieber Falstaff,

weil dieser Thread wahrscheinlich der Faden zum Tod von A. Varnay im Jahre 2006 war. Dass wir nun im Jahr 2017 über A. Varnay schreiben und nicht einen neuen Thread haben, ist zwar gleichfalls nicht "beschämend", fände ich aber eher angebracht, als 2017 unter dem Titel "Astrid Varnay ist tot!" die Diskussionen zu dieser Künstlerin aufzunehmen. Ich plädiere also für einen neuen A. Varnay-Thread, also eine Abkopplung ab Deinem ersten Beitrag (Beitrag 3).

Die von Dir erwähnte H. Traubel würde ich zu K. Flagstad, F. Leider, M. Mödl und A. Varnay dazusetzen, obwohl das Zentrum ihrer Kunst die USA waren. Aber die Met war in diesen Jahren mindestens so bedeutend für den Wagnergesang wie Bayreuth.

Bis dann.
Falstaff (26.02.2017, 23:30):
Ich plädiere also für einen neuen A. Varnay-Thread, also eine Abkopplung ab Deinem ersten Beitrag (Beitrag 3).
Lieber Keith M.C., das läuft dann wohl über die Moderatoren, oder? Also Bitte an die Moderation, einen neuen Thread 'Astrid Varnay' zu eröffnen.
Die von Dir erwähnte H. Traubel würde ich zu K. Flagstad, F. Leider, M. Mödl und A. Varnay dazusetzen, obwohl das Zentrum ihrer Kunst die USA waren. Aber die Met war in diesen Jahren mindestens so bedeutend für den Wagnergesang wie Bayreuth.
Stimmt natürlich. Die Traubel hat auch zu diesen Damen und auch zu denen, die von den großen Labels viel zu stiefmütterlich behandelt wurden.