Aufnahmepraxis bei Sängerportraits

Rossini (04.12.2016, 11:52):
Ich besitze viele Sängerportraits auf CD bzw. Schallplatte. Dabei fällt mir immer wieder unangenehm auf, daß leider sehr oft die dazu gehörenden Chöre einfach igniriert werden und der Einfachheit halber vom Orchester ersetzt werden. So um 1900 bis 1920 kann ich mir dieses wohl damit erklären, daß es damals sicherlich ungeheuer schwierig gewesen sein muß, einen solchen Chor mit auf die Aufnahme zu bekommen.Ab den Jahren nach 1930, wo man langsam mit den elektrischen Aufnahmen begann, war die hinzufügung des dazugehörenden Chores eigentlich technisch kein Problem mehr. Warum man es aber bis heute trotzdem so oft macht, ist mir ein Rätsel.Als Beispiele darf ich dazu erwähnen, die große Arie aus dem Postillon von Lonjumeau, die Arie aus Turandot(Keiner schlafe) oder das wunderbare Stück aus dem Evangelienmann (Seelig sind die Verfolgung leiden)
Es gibt noch viele solcher Beispiele leider...... :(
Vinding (04.12.2016, 14:21):
Wenn sich die Frage jetzt leicht begriffsstutzig anhören sollte, liegt dies daran, dass ich mich im Operbereich gar nicht auskenne:

Noch mal zum Verständnis: Komponiert ist da ein Stück für Vokalsolist, Chor und Orchester und man lässt den Chor weg oder - noch bedenklicher - komponiert ist es für Vokalsolist und Chor und man nimmt es mit Vokalsolist und einem Orchesterarrangement auf, auf dem Cover steht dann trotzdem Rossini, Verdi oder Puccini? Hmm.... Betrifft das nur historische Aufnahmen oder auch moderne Aufnahmen, bei denen der Chor aus Kostengründen eingespart wird?
Rossini (04.12.2016, 15:23):
Hallo und danke für iIhre Aufmerksamkeit zu meinem ersten Beitrag hier.
Also, dieses "Einsparen" der Chöre, die im Original dabei sind, wird leider auch heutzutage praktiziert. Eine konkrete Antwort weiß ich aber selbst auch nicht. Ich halte es für eine Unsitte.
Gruß
Vinding (04.12.2016, 15:59):
Das würde mich allerdings auch stören, vor allem wenn das auf dem CD-Cover nicht kommuniziert wird.
Rossini (04.12.2016, 16:03):
Bedanke mich auch bei Ihnen für Ihre nette Antwort und Ihren Komentar.
Das war mein erster schriftlicher kleiner Beitrag in diesem Forum
LG
Rossini
satie (04.12.2016, 16:45):
Hallo Rossini und willkommen im Forum!
Ich wollte nur kurz anmerken: hier geht's eher locker zu, und wir erlauben uns, einfach zu duzen.
Also: fühl Dich wohl bei uns!

Herzliche Grüße
Satie
Jürgen (04.12.2016, 17:04):
Erschwerend kommt hinzu, dass die Chöre meist kein Geld dafür bekommen. Zumindest die einzelnen Chormitglieder nicht.

Andererseits sehe ich einen Silberstreif am Horizont: Viele der Sängerportaits in meinem Besitz wurden aus bestehendem Material einfach zusammengestellt. Daher sind die Chöre mit dabei. :rofl



Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (09.12.2016, 21:31):
Hallo Rossini,

auch von mir noch ein herzliches Willkommen. :hello
Die Oper ist nun alles andere als mein Spezialgebiet, deshalb frage ich mal ganz unbedarft. War es schon früheren -also zu Lebzeiten der großen Opernkomponisten- üblich, dass man Recitals mit Arien aus verschiedenen Opern gegeben hat? Oder anders gefragt, waren Arien überhaupt für eine Aufführung außerhalb dem Gesamtzusammenhang der Oper vorgesehen? Wenn ja, dann könnte ich mir vorstellen, dass reisende Gesangsvirtuosen schon damals ohne Chor in Konzertsälen aufgetreten sind - mitnehmen konnten sie ihn ja nicht und ob überall einer verfügbar war, ist eher zu bezweifeln. Oder ist das Arien-Recital erst mit der Schallplatte aufgekommen? Dann wäre schon des Herausreißen aus dem Opernkontext nicht im Sinne des Komponisten und von da ist nur noch ein kleiner Schritt dahin zu weiteren Eingriffen, wie dem Weglassen des Chors.
EinTon (09.12.2016, 23:11):
Ich selber meine einmal gelesen zu haben, das Mozart bald nach der Uraufführung seiner erfolgreichen Opern auch Arrangement-Zusammenstellungen von Einzelnummern der betreffenden Oper geschrieben habe - und zwar für "Harmoniemusik" (doppeltes Bläserquintett). Ein Auskopplung einzelner Nummern aus der Gesamtoper scheint also auch damals schon üblich gewesen zu sein.
Jürgen (12.12.2016, 10:37):
Oder Mozart hat, weil er wohl schneller komponieren als ab- und umschreiben konnte, reichlich Konzertarien komponiert.