Aus dem Donizetti-Raritätenkabinett: Alahor in Granata
Severina (13.03.2010, 19:47): 1. Einiges zur Entstehungsgeschichte
Spanien, insbesondere das maurische Spanien, erfreute sich bei Künstlern des 18. und 19. Jhdts. großer Beliebtheit. Zum "romantischen Image" Spaniens kam der Exotismus der letzten Bastion des Islam in Westeuropa, der Gegensatz von östlicher und westlicher Lebensart und das wachsende Interesse am Mittelalter. In Granada der Nasriden trafen alle diese Elemente perfekt zusammen. Offenbar fand man dieses Sujet damals ähnlich spannend wie heute diverse "Eastern". Fast kein Komponist ließ dieses Thema aus, auch Donizetti nicht, der gleich drei seiner Opern dort verortete: "Zoraida di Granata", "Alahor in Granata" und "Elvida".
Die "Zoraida di Granata" erlebte 1822 ihre Uraufführung und begründete Donizettis Ruf als aufgehender Stern am Komponistenhimmel. Kein Wunder, dass er an diesen Erfolg anschließen und eine zweite Nasridenoper schreiben wollte. Als Quellen dienten die historische Novelle "Gonzalve de Cordone, ou Grenade reconquise" des Jean-Pierre Claris de Florian und die Libretti von Cherubinis "Les Abencerages" und Meyerbeers "L'Esule di Granata". Wobei wir gleich beim ersten der Rätsel sind, die Donizettis "Alahor in Granata" umgeben, nämlich dem des Librettisten. Das Libretto ist mit den Initialen M.A. signiert, und bis heute konnte keine eindeutige Antwort gefunden werden, wer sich dahinter verbirgt. Es könnte Michele Accusi gewesen sein, ein Dichterfreund Donizettis, oder Giovanni Ruffini, der sein Libretto zum "Don Pasquale" mit M.A. gezeichnet hat, oder Monteleone Andrea, Freund Donizettis und ebenfalls Komponist. (Die Umkehrung von Vor- und Familiennamen soll damals in Süditalien nicht unüblich gewesen sein.)
Mit Donizettis "Alahor in Granata" sollte die neue Saison des prestigeträchtigen Teatro Real Carolino in Palermo im August 1825 eröffnet werden, doch verzögerte sich die Premiere wegen der Ineffizienz des Impresario immer wieder, bis es am 7. Jänner 1826 endlich so weit war. Der Erfolg war bei Publikum und Kritikern eher mittelprächtig. Letztere bemängelten das schwache Libretto, anerkannten aber die Qualitäten der Musik. Wegen diverser Probleme musste die Oper nach zwei Wochen schließen.
Eine zweite Aufführungsserie im Juni 1826 am Teatro di San Carlo in Neapel erzeugte ein ähnliches Echo. Es folgte ein 3. Versuch 1830, wiederum in Palermo, das Werk wurde freundlich aufgenommen, aber auch jetzt kein großer Erfolg. Und damit verschwand "Alahor in Granata" von den Spielplänen, bis es 1998 im Teatro de la Maestranza di Sevilla 150 Jahre nach Donizettis Tod und zum ersten Mal im 20.Jhdt. wieder auf einer Bühne realisiert wurde. Das Centro de Documentacion Musical de Anadalucia hatte diesen musikalischen Schatz gehoben und gleichzeitig für die bisher einzige Einspielung gesorgt.
Hört man sich die Aufnahme an, kann man nicht verstehen, warum diese Oper so völlig in Vergessenheit geraten konnte. Eine mögliche Ursache könnte ein Desinteresse Donizettis an seinen "Jugendsünden" sein, als er mit den folgenden Opern große Erfolge landete. Das schwache Libretto teilt der Alahor mit vielen Opern, das alleine rechtfertigt nicht seinen Abstieg in die Vergessenheit. Allerdings ist die im 18./19.Jhdt. übliche Diskrepanz zwischen gedrucktem Libretto und Partitur größer als üblich und gibt eine Reihe weiterer Rätsel auf. So fehlen im Libretto ganze Rezitative und Arien, die in der Partitur aufscheinen, und umgekehrt. Besonders rätselhaft ist eine Arie mit Chor eines "Malcolm", der im Personenverzeichnis des Libretto überhaupt nicht auftaucht. Die Orchestrierung ist wesentlich schwächer als beim Rest, sodass sich die Frage aufdrängt, ob es sich dabei womöglich um eine gar nicht von Donizetti komponierte, "geborgte Arie" handelt. Stammt sie von Andrea Monteleone, dem Freund Donizettis, der schon auf Wunsch des mit seiner Partie unzufriedenen Tenors Winter eine Zusatzarie für den Alamar für die San-Carlo-Serie komponiert hat? Ein Brief Donizettis an Monteleone könnte in diese Richtung interpretiert werden.
Die Originalpartitur ist bis heute verschollen. Es existiert nur eine Kopie (wahrscheinlich von Monteleone), die mit handschriftlichen Bemerkungen und hinzugefügten Notenzeichen Donizettis versehen ist. Sie wurde im Musikarchiv des Bostoner Symphony Orchestra gefunden und liegt heute in der Memorial Library Boston.
lg Severina :wink:
Severina (13.03.2010, 19:50): Inhaltsangabe
Dramma per musica in due atti
Libretto: Andrea Monteleone
Uraufführung: 7. Jänner 1826, Teatro Carolino in Palermo
Personen der Handlung:
Muley Hassem, König von Granada (Mezzosopran) Alahor aus der Familie der Abencerrajes (Bass) Zobeida, seine Schwester (Sopran) Alamar aus der Familie der Zegries (Tenor) Sulima, Vertraute Zobeidas (Sopran) Ismaele, Anhänger der Zegries (Tenor)
Ort und Zeit der Handlung:
Das Stück spielt in der Alhambra, der königl. Burg zu Granada, gegen Ende der Regentschaft der Nasriden (1231-1492). Ein Muley Hassem ist als vorletzter König von Granada historisch belegt, ebenso historisch ist der Konflikt der beiden weit verzweigten Familien der Abencerrajes und der Zegries, ihre Machtkämpfe um den Thron bzw.um Einfluss auf den jeweiligen König. Noch heute gibt es in der Alhambra die "Sala de los Abencerrajes", wo angeblich das von einem Zegries-König angeordnete Massaker, auf das Monteleones Libretto anspielt, stattgefunden hat. Gemäß der Überlieferung war die Liebesbeziehung eines Abencerrajes mit der Schwester des Königs der Auslöser für diesen Rachefeldzug, doch ist das nicht hundertprozentig verbürgt. Allerdings hat diese Romeo-und-Julia-Geschichte die Fantasie vieler Dichter und Maler angeregt.
Handlung
1. AKT:
Nach dem Massaker an seiner Familie, den Abencerrajes, das nur er und seine Schwester Zobeida überlebt haben, kehrt Alahor nach Granada zurück, um den Tod des Vaters zu rächen und die Schwester aus der Hand des Feindes zu befreien. König Muley Hassem, dessen Bruder Aly das Gemetzel angeordnet hat, und die verhassten Zegries sollen büßen.
Aber auch Alamar, Anführer der Zegries, träumt vom Tod des Königs: Hassem hat die Hand seiner Tochter ausgeschlagen und will Zobeida zu seiner Gemahlin machen, eine aus dem verhassten Abencerrajes-Clan. Das Schwert der Rache hänge bereits über ihm, es gelte nur mehr den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Eine Gruppe von Zegries stößt zu ihm, sie sind empört über den in ihren Augen schändlichen Friedensvertrag, den Hassem mit den Truppen des christlichen Spanien, die Granada bedroht hatten, geschlossen hat. Alamar nützt die negative Stimmung geschickt zu seinen Gunsten aus, er stachelt sie zu einer Revolte gegen den König auf und hofft, dass dieser dabei getötet werden wird. Sein Gefolgsmann Ismael bestärkt ihn in seinen Plänen, fordert aber als Lohn für seine Waffenhilfe die Hand von Alamars Tochter, was dieser aber hochmütig zurückweist: Ihre Hand war ausersehen ein Szepter zu halten, nie würde sie diese nun einem Dummkopf wie ihm reichen. Aus Zorn über diese Demütigung schwört nun auch Ismael Rache, sodass wir nun gleich drei "vendicatori" haben, die einem anderen nach dem Leben trachten!
Zobeida und Sulima spazieren in bester Stimmung vor den Toren der Alhambra. Zobeida liebt Hassem, nur er könne ihr nach den furchtbaren Ereignissen der Vergangenheit den inneren Frieden zurückbringen, nur für ihn will sie leben und atmen, und sehnsüchtig erwartet sie seine Heimkehr aus der Schlacht. Da nähert sich auch schon der Geliebte, um ihn sein Hofstaat, darunter auch Alamar und Ismael. Das Volk jubelt über den Frieden, nie wieder werde es weinende Mütter und zitternde Ehefrauen geben, und der König hält nun eine Ansprache: Er bringe weder Schätze noch Sklaven, kein blutiger Lorbeer kröne seine Stirn, dafür folge ihm der Frieden auf dem Fuß, in Zukunft würde das Volk von Granada nicht mehr in Furcht vor den christl. Heeren leben müssen. Insgeheim fügt er hinzu, dass der grausamste aller Götter, der Liebesgott, ihm den Seelenfrieden geraubt habe, aber wenn Zobeida ihm zulächle, werde die Freude wieder Einzug in seinem Herzen halten. Das Volk entfernt sich, und in Anwesenheit von Alamar und Ismael verkündet Hassem, dass er seinen Thron mit Zobeida teilen wolle. Sie sei doch nur eine Sklavin, wendet das Mädchen ein, doch der König wischt das beiseite: Die Königin seines Herzens dürfe sich nie als Sklavin fühlen! Der Hof werde seine Wahl bestätigen, jeder in Granada sie als seine Gemahlin verehren. Gemeinsam betreten sie die Alhambra.
Alahor hat inzwischen in ganz Granada vergeblich nach seiner Schwester gesucht. Offen nach ihr zu fragen wagt er nicht, alleine und schutzlos wie er inmitten der Feinde ist. Vor einem mächtigen Herrscher sei es weiser, zunächst seinen Verstand und nicht gleich sein Schwert zu benutzen. Da hört er Sulima den Namen Zobeidas nennen und erhält auf seine Frage die Bestätigung, dass seine Schwester lebe, und zwar im Palast. In seine Freude mischt sich ungläubiges Entsetzen, als er erfährt, dass Zobeida den König keineswegs als Feind betrachte, sondern ihn achte und respektiere, ebenso wie sie von ihm und dem gesamten Volk von Granada geachtet und geliebt werde. Alamar verbirgt seine Abscheu, um seine Identität nicht preiszugeben, und erreicht, dass ihn Sulima in den Palast führt. Dort findet inzwischen eine hitzige Auseinandersetzung zwischen Hassem und Alamar statt, der noch einmal vergeblich versucht, den König in Bezug auf seine Tochter umzustimmen. Hassem bezeichnet den ehrgeizigen Höfling sogar als "perfido" (Schurken), was dieser empört zurückweist: Er habe sich stets als loyaler Gefolgsmann des Thrones erwiesen, seine Ehre hoch gehalten, aber er fürchte Hassems Zorn nicht und werde diese Beleidigung zu rächen wissen. Zobeida fühlt sich zerrissen zwischen dem Glück, bald die Frau des geliebten Mannes zu werden, und der Trauer um ihren Bruder, von dessen Schicksal sie nichts weiß. Da meldet Sulima einen Fremden, der sie zu sprechen wünsche und offensichtlich Unterstützung brauche, zumindest lasse sein Äußeres diesen Schluss zu. Da Zobeida noch nie einen Hilfesuchenden abgewiesen hat, lässt sie ihn vor und offeriert ihm sofort ein Schmuckstück. Aber der Mann weist das Geschenk zurück und erforscht statt dessen ihr Gewissen, ob sie ihren guten Namen, ihre Ehre rein gehalten habe. Er frage im Namen ihres Vaters, der sein Leben für ihre Ehre gegeben und den sie offensichtlich vergessen habe. Da erkennt Zobeida ihren Bruder, doch ihre Wiedersehensfreude schwindet rasch, als sie erkennen muss, was ihn hergetrieben hat. Nur sein Dolch sei ihm von all seinen Besitztümern noch geblieben, und der solle ihm nun als Werkzeug dienen, des Vaters Tod zu rächen. Vergeblich sucht ihn die Schwester umzustimmen, Hassem sei ein gerechter Herrscher, ein Mann von Ehre, sein Volk liebe und verehre ihn. Für Alahor bleibt er ein verhasster Zegries, ein Feind und Verräter, und er verlangt von Zobeida auf der Stelle mit ihm zu kommen. Als sie Hassem weiter verteidigt, sagt er ihr auf den Kopf zu ihn zu lieben, was sie bestätigt: Hassem sei der Herr über ihr Herz! Trompeten kündigen die Ankunft des Königs an, und Alahor scheint entschlossen ihn zu töten. Verzweifelt versucht ihn Zobeida davon abzubringen, da stellt ihr der Bruder ein grausames Ultimatum: Nur wenn sie schwöre mit ihm zu fliehen, würde er vorerst auf seine Rache verzichten. Das Volk von Granada drückt seine Freude über die bevorstehende Hochzeit seines Herrschers aus. Hassem selbst bezeichnet sich als den glücklichsten aller Menschen, der Hof habe Zobeida als seine Frau akzeptiert, während Alahor und Alamar ihre Wut nur schwer bezähmen können. Der König fordert alle auf, vor der "Königin seines Herzens" die Knie zu beugen, was alle bis auf Alahor tun. Dann bittet er Zobeida um ihr Jawort, aber zu seiner Bestürzung und zur Überraschung aller Anwesenden erklärt sie, nie seine Frau werden zu können. Alahor und Alamar triumphieren, in Zobeidas Innerem kämpfen die Liebe und die Pflicht ihrer Familie gegenüber. Hassem klagt sie öffentlich an, ihr Treuegelöbnis gebrochen zu haben, seine ehrliche und beständige Liebe grausam zurückzuweisen. Zobeida fleht ihn an, sie nicht zu verachten, er kenne ihre Beweggründe nicht, sie dürfe jetzt nicht mehr sagen. Außer Alamar und Alahor beklagen alle diese unerwartete Wendung, wie Glück so rasch in sein Gegenteil umschlagen könne.
2. AKT
In einem der Gärten der Alhambra wartet Ismael auf Alamar, der ihn durch einen Boten hierher bestellt hat. Er will sich noch immer an dem arroganten Schurken rächen und dem König die Pläne des Verräters enthüllen. Alamar erscheint und zeigt sich optimistisch, dass die Todesstunde des verhassten Königs nahe sei. Auf Ismaels Frage, wer denn den Schlag führen solle, erwidert Alamar, der Fremde, der als Einziger nicht vor Zobeida das Knie gebeugt habe. In seinen Augen habe der Hass geglüht, er würde das perfekte Mordwerkzeug sein, Ismael solle ihn ausfindig machen und herbringen. Die Sklavinnen trösten Zobeida und klagen, ihre Trauer würde die Sonne verdunkeln, sie sei doch ein Liebling der Götter und der Menschen. Sie kündigen den Besuch des Königs an und Zobeida gesteht, dass wider alle Vernunftgründe all ihr Sehnen nach wie vor ihm gelte. Hassem findet die vermeintlich Treulose in Tränen aufgelöst vor. Sie habe nichts zu befürchten, ihr Verrat werde keine Folgen haben, er wünsche nur zu wissen, ob sie ihr Herz einem anderen geschenkt habe. Zobeida beteuert, dass nur das Schicksal eine unüberwindliche Barriere zwischen ihnen aufgerichtet habe, ein starkes Band, das keine Macht zerreißen könne, verhindere, dass sie die Seine werde. Er sei ihre "dolce amore", sie bete ihn an, aber sie dürfe ihre Pflicht nicht verleugnen, das brächte nur Kummer über alle. Hassem hört aus all dem nur heraus, dass sie einen anderen liebe, und er will auf der Stelle wissen, wer sein Rivale ist. Zobeida hält diesem Druck nicht länger stand und enttarnt ihren Bruder Alahor. Aber für den König zählt nur, dass sie ihn nach wie vor liebt, er schilt sich einen Narren, dass er einen Moment daran gezweifelt hat, und in inniger Umarmung erneuern sie ihren Treueschwur. Alamar wartet inzwischen ungeduldig auf Ismael und den präsumtiven Königsmörder. Endlich tauchen die beiden auf, Ismael wird weggeschickt und Alahor in die Pläne der Rebellen eingeweiht. Sein Verhalten bei der Huldigung Zobeidas als Braut des Königs habe ihn als Feind Hassems ausgewiesen, daher sei er auserwählt, ihn zu töten. Alahor sieht sich am Ziel seiner Wünsche und erhält nun genauere Instruktionen: Bei Einbruch der Nacht solle er sich genau hier wieder einfinden, Alamar werde ihn in die inneren Gemächer einschleusen. Er müsse den König nur töten, um den Rest würde er, Alamar, sich kümmern. Der Abencerraje verschwindet und Alamar bereitet den Umsturz vor: Der Hochmütige, der eine Verbindung mit seiner Familie zurückgewiesen hat, wird fallen, Alamar und die ihm ergebenen Zegries die Macht übernehmen. Diese sind gerne bereit, das Blut der stolzen Königssippe zu vergießen. Aber Ismael, der bekanntlich ein doppeltes Spiel betreibt, schleust inzwischen seine Gefolgsleute in den Palast ein und wartet auf den König, um ihm das Mordkomplott zu enthüllen. Hassem reagiert einerseits bestürzt, andererseits auch ein wenig sonderbar in den Augen seines Retters, denn er weigert sich, die Wachen zu alarmieren oder gegen Alamar vorzugehen. Er will alles auf seine Weise aufdecken, für seine große Liebe ist er sogar bereit, sich persönlich in Gefahr zu bringen. Alamar bringt Alahor inzwischen in Stellung: Der König müsse hier vorbeikommen, Ismael hätte mit den Zegries bereits den Palast besetzt. Dann zieht er sich zurück und bekundet die Absicht, sein Mordwerkzeug nach vollbrachter Tat aus dem Weg zu räumen. Alahor indes brennt gar nicht so sehr vor Mordlust, er ist zunächst einmal neugierig auf diesen Hassem, dessen Tugend alle so rühmen. Dieser hat sich inzwischen als Soldat der Abencerrajes verkleidet und spricht Alahor zu dessen Verblüffung mit seinem Namen an. Zobeida habe ihm diesen verraten, er selbst sei ein Freund Hassems, was natürlich eine negative Reaktion auslöst. Wozu Alahor Waffen trage? Das sei alles, was ihm von seinem hohen Stand geblieben sei, damit wolle er den Mord an seinem Vater rächen. Ob er Hassem wie einen Mörder behandeln wolle? Nein, zunächst wolle er den König nur sehen, Zobeida zurückverlangen und von den Zegries weg bringen. Der falsche Abencerraje gibt zu bedenken, dass das Mädchen Hassems ganzer Lebensinhalt sei, welches Schicksal erwarte ihn ohne sie? Alahor heißt ihn schweigen, er will Hassem sprechen. Da gibt sich ihm sein Gegenüber zu erkennen, als König und Liebhaber Zobeidas. Er fürchte weder den einen, noch den anderen, er fordere seine Schwester zurück. Hassem weigert sich, er liebe sie, worauf Alahor seinen Dolch zückt. Der König ruft nun nach seiner Wache und lässt ihn festnehmen, begnadigt ihn aber unmittelbar darauf. Alahor ist über so viel Großmut völlig verwirrt, der Vater möge ihm vergeben, aber er könne Hassem nicht töten. Der König gebietet ihm zu bleiben und ihn anzuhören, während er insgeheim den Gott der Liebe um Beistand bittet. Alahor fühlt seinen Hass schwinden, während Hassem Zobeida aus ihren Gemächern holt. Die Geschwister umarmen einander, und wieder beschämt der König Alahor mit seiner Großmut: Er habe sich seiner Forderung, ihm Zobaida auszuliefern, widersetzt, aber nun, da er unbewaffnet ist und nichts mehr gegen ihn unternehmen könne, würde er sie gehen lassen. Und Zobeia möge diese "schimpfliche, unwürdige Liebe" vergessen. Sie bricht in Tränen aus und Hassem wahrt nur mit Mühe die Fassung, aber er spielt seine Rolle weiter, obwohl ihm die Verzweiflung beinahe das Herz bricht. Aber sein gewagter Plan geht auf, Alahor fühlt sich angesichts der Ehrenhaftigkeit des Königs und des Schmerzes seiner Schwester entwaffnet und erteilt den beiden seinen Segen. Eben wollen sie sich glücklich umarmen, als Alarm gegeben wird und Ismael rapportiert, dass ein Teil der Zegries den König für tot halten und angeführt von Alamar den Palast stürmen. Hassem will die Verteidiger anführen, doch Alahor hält ihn zurück: Der König habe sein Leben geschont, nun wolle er seines schützen und ihn an seinen Verrätern rächen. Hassem und Zobeida besteigen den Thron und ziehen einen Vorhang vor, sodass der eintretende Alamar die Lüge Alahors glaubt, der König und seine Buhle seien tot. Als er seiner Freude Ausdruck verleiht, fällt der Vorhang und enthüllt das noch sehr lebendige Paar. Der Verräter attackiert den Abencerraje, wird aber von den Wachen überwältigt. Alahor zwingt ihn, vor dem Thron niederzuknien und dem König zu huldigen, sonst würde er ihn auf der Stelle töten, doch Hassem gebietet ihm Einhalt: Es sei genug getötet worden, heute sei ein Tag der Freude, die Rebelen sollen vorerst eingekerkert werden. Zobeida kann ihr Glück kaum fassen, sie darf sowohl den geliebten Mann als auch den Bruder behalten und umarmen. Mit dem von allen vorgebrachten Fazit, dass Glück nur dann vollkommen sei, wenn es aus Schmerzen hervorgegangen ist, fällt der Vorhang.
Fairy Queen (14.03.2010, 11:07): Liebe Severina, ich hatte vor längerer Zeit das Glück, eine Gesamtaufanhme dieser zu Unrecht vergessenen Oper zu erstehen. Leider gibt es kein Cover zum Einstellen und sie scheint vergriffen zu sein. Ohne Deine ausführliche und lebendige Inhaltsangabe hâtte ich zwar die Handlung, die doch serh komplex und intrigenreich ist, niemals verstanden, aber warum die Musik heute nciht mehr gespielt und gesungen wird, verstehe ich überhaupt nciht ! Kennst du die Oper eigentlich nur von Cd oder hast Du sie mal aufgeführt erlebt? Rossinis verlorene Schätze werden ja regelmässig auf diversen Festivals ausgegraben, ob das bei Donizetti ähnlich ist, weiss ich nicht. In Bergamo, seiner wunderschönen(!!!) Heimatstadt bin ich schon gewesen, aber das scheint mir kein Vergleich mit dem Rummel der in Lucca bzw Torre del Lago um Puccini oder in Pesaro um Rossini gemacht wird.
Wie kommt es BTW zu dem "t" in "Granata"? Da wird doch aus dem harmlosen "d" ein richtiger Explosivlaut ...
Liebe Grüße Peter
Severina (14.03.2010, 12:51): Original von Fairy Queen Liebe Severina, ich hatte vor längerer Zeit das Glück, eine Gesamtaufanhme dieser zu Unrecht vergessenen Oper zu erstehen. Leider gibt es kein Cover zum Einstellen und sie scheint vergriffen zu sein. Ohne Deine ausführliche und lebendige Inhaltsangabe hâtte ich zwar die Handlung, die doch serh komplex und intrigenreich ist, niemals verstanden, aber warum die Musik heute nciht mehr gespielt und gesungen wird, verstehe ich überhaupt nciht ! Kennst du die Oper eigentlich nur von Cd oder hast Du sie mal aufgeführt erlebt? Rossinis verlorene Schätze werden ja regelmässig auf diversen Festivals ausgegraben, ob das bei Donizetti ähnlich ist, weiss ich nicht. In Bergamo, seiner wunderschönen(!!!) Heimatstadt bin ich schon gewesen, aber das scheint mir kein Vergleich mit dem Rummel der in Lucca bzw Torre del Lago um Puccini oder in Pesaro um Rossini gemacht wird.
F.Q.
Liebe Fairy, nein, ich kenne leider auch nur die CD, weil meines Wissens der Alahor außer eben damals in Sevilla nie wieder aufgeführt worden ist. Dieser Produktion liegt auch die einzige CD-Einspielung zu Grunde. Dass sie bereits vergriffen ist, liegt wohl daran, dass sie wahrscheinlich in relativ kleiner Stückzahl erschienen ist (Der durchschnittliche Klassikhörer greift wohl eher zu "Lucia di Lammermoor" :wink ), die von den Flórezfans bald aufgekauft war. Ich gestehe gerne, dass auch ich über diesen "tenoralen Umweg" :D zum Alahor gekommen bin, aber schon nach der ersten halben Stunde ganz entzückt war von der Musik und sie einige Tage in Dauerschleife lief. lg Severina :hello
Peter Brixius (14.03.2010, 13:06): Original von Severina Dieser Produktion liegt auch die einzige CD-Einspielung zu Grunde. Dass sie bereits vergriffen ist, liegt wohl daran, dass sie wahrscheinlich in relativ kleiner Stückzahl erschienen ist
Man findet sie bei amazon und dort kann man sie erstehen, wahlweise als CD oder als Download hier
Liebe Grüße Peter
Fairy Queen (14.03.2010, 16:09): Weiss denn jemand, warum diese Oper nciht mehr gespielt wurde? Die Musik ist kein bisschen schlechter und ide Handlung auch nicht viel verworrener als bei Donizettis anderen Opern. Warum aus Granada Granata wurde- keine Ahnung! Ich hatte meinerseits das Glück, das Ganze einem Sammler, der sich der Belcanto-Abteilung etwas entledigen wollte, abzukaufen. :leb Bei Amazon gibts m.Wissens einen teuren Import aus Amerika. F.Q.
Florez ist eine Wucht! :down Was macht er eigentlich derzeit ausser der Sonnambula?
Peter Brixius (14.03.2010, 16:12): 17,98 € scheint mir nicht ein überhöhter Preis.
Inzwischen habe ich gefunden, dass Granata die latinisierte Form des Namens Granada ist.