1824 übersiedelte Gioacchino Rossini nach Paris, wo er die Leitung des Théatre Italien übernahm und sich gleichzeitig verpflichten musste, neue Werke für die Hauptstadt zu komponieren. 1825 erhielt er den Auftrag, für die Krönungsfeierlichkeiten des neuen Königs Karl X eine Oper zu schreiben - "Il viaggio a Reims". Nach nur 4 Aufführungen ließ Rossini das Werk in der Schublade verschwinden, nicht ohne die Absicht, Teile daraus bei Gelegenheit wieder zu verwenden. Diese Gelegenheit ergab sich drei Jahre später, als er nach der Adaption zweier Opere serie, die er bereits für das San Carlo in Neapel komponiert hatte, dem Wunsch des Publikums nachkommen wollte, endlich wieder einen heiteren Rossini auf der Bühne zu erleben.
Den Stoff fand Rossini im französischen Mittelalter zur Zeit der Kreuzzüge. 1750 entdeckte Pierre-Antoine de la Place die alte Ballade vom Grafen Ory aus der Tourraine, der mit seinen Mannen ein Nonnenkloster belagert und die Insassinnen so nachhaltig erobert, dass sich 9 Monate später die Belegschaft verdoppelt :wink Um diese Skandalgeschichte herum gruppieren sich noch weitere Abenteuer dieses mittelalterlichen Casanovas. 1816 griffen Eugene Scribe und sein Koautor Charles-Gaspard Delestre-Poirson die Nonnengeschichte auf und verarbeiteten sie zu einem einaktigen Vaudeville. Allerdings änderten sie den Schluss, denn die rechtzeitig vom Kreuzzug heimkehrenden Männer können den kollektiven Sündenfall verhindern. Rossini gefiel diese Version, allerdings stellte sich das Theaterstück als zu kurz heraus, sodass er im 1. Akt ein anderes Abenteuer des Grafen Ory voranstellte. Scribe distanzierte sich von dieser Klitterung und bestand darauf, dass sein Name auf dem Libretto nicht erwähnt werden durfte.
Musikalisch bediente sich Rossini wie schon gesagt kräftig bei seiner "Viaggio a Reims": 4 der 6 Nummern des 1. Aktes und 2 der 7 Nummern des 2. Aktes stammen aus der Krönungsoper, darunter auch die berühmte Arie des Don Profondo, die im Comte Ory dem geplagten Erzieher Raimbaud in den Mund gelegt wird. Aus der Parodie auf nationale Eigentümlichkeiten wird hier die witzige Beschreibung einer Kellerexkursion. Rossini selbst vertrat die Meinung, dass die gleiche Musik in einem anderen Kontext auch eine andere Färbung annehme, und das kann man am Beispiel dieser "Recyclingoper" gut überprüfen.
Das Pariser Publikum nahm den "Comte Ory" freundlich auf, in Italien hingegen empörte man sich über diese freizügige Geschichte und besonders über den amoralischen Schluss, denn dass der Beinahe-Verführer Ory so ungeschoren davonkommt, stieß den Sittenwächtern sauer auf.
Insgesamt konnte sich diese vorletzte Oper Rossinis auf den Spielplänen nicht behaupten. In neuerer Zeit sorgte 1950 die von Vittorio Gui dirigierte Aufführung beim Glyndebourne Festival für ein Revival. Die Schwierigkeit, den "Comte Ory" auf die Bühne zu bringen, liegt in der Besetzung der Titelpartie, denn der Tenor muss nicht nur über eine äußerst geschmeidige Stimme verfügen, um die belcantesken Verzierungen technisch einwandfrei auszuführen, sondern auch über eine fulminante Höhe, denn es geht einige Male über das C hinaus.
lg Severina :hello
Severina (21.03.2010, 17:14): Inhaltsangabe
Oper in zwei Akten in französischer Sprache Libretto von Eugene Scribe/Charles- Gaspard Delestre-Poirson Uraufführung am 20. August 1828, Theatre de l'academie Royale de Musique
Anm.: Es gibt auch eine italienische Fassung
Personen:
Le Comte Ory, Burggraf-Tenor Le Gouverneur, Erzieher des Grafen-Bass Isolier, Page der Grafen Ory-Mezzosopran Raimbaud, Ritter und Kumpan des Grafen Ory-Bass La Comtesse Adele de Formoutiers-Sopran Dame Ragonde, Pförtnerin des Schlosses und Vertraute der Gräfin-Mezzosopran
Schauplatz der Oper und Zeit der Handlung:
Schloss Formoutiers in der franz. Provinz zur Zeit der Kreuzzüge um 1200. Der Schlossherr und Bruder der Gräfin Adele kämpft mit seinen Rittern im Hl. Land, während die Frauen daheim für ihre glückliche Heimkehr beten.
Inhalt 1. Akt, 1. Szene Raimbaud, ein Ritter und Gefährte des Grafen Ory, der in der Verkleidung eines Eremiten auf amoröse Abenteuer hofft, empfängt am Eingang zur Einsiedelei eine Schar junger Mädchen, die den weisen Eremiten um "Reichtum, Wissen und auch einen Mann zur Ehe" bitten. Ungeduldig fordert Raimbaud sie auf, ihre Naturalspenden unter einem Baum zu deponieren und vor allem auf die "flacons de vin vieux" nicht zu vergessen.
2. Szene:Ragonde, die Gesellschafterin der Gräfin Adele, tadelt die Mädchenschar wegen ihres munteren Betragens, denn wenn ihre Herrin sich vor Gram verzehrt, sei es für die Untertanen doch höchst unangemessen, eine derart gute Laune zu zeigen. Die Gräfin werde noch heute den Eremiten aufsuchen und um Rat und Hilfe bitten. Eifrig bestätigen sie die Mädchen in diesem Beschluss, denn der weise Mann habe schon so mancher unglücklichen Witwe zu neuem Glück verholfen.
3. Szene: Der falsche Eremit tritt auf und fordert die Versammelten salbungsvoll auf, ihm ihre Anliegen vorzutragen, er werde unverzüglich Abhilfe schaffen. Nach einem kurzen Chaos, in dem alle auf ihn einstürmen, kann Raimbaud für Ruhe sorgen und die Bittsteller sagen nun der Reihe nach ihre Wünsche auf: Ein Bauer fordert den Gehorsam seiner Ehefrau, Alice möchte, dass Julien sie endlich erhört, Ragonde erfleht die glückliche Heimkehr ihres Gatten vom Kreuzzug, andere träumen schlicht und einfach von Zärtlichkeit, Jugend und Reichtum. Recht Unpassendes für einen Mann der Askese träumt indes der Eremit, nämlich dass all diese schönen Mädchen des Abends in seine Klause kämen. Ragonde nimmt ihn zur Seite und bereitet ihn auf den Besuch ihrer Herrin, der verwitweten Gräfin Adele vor, der ein "rätselhaftes Leiden" jede Lebensfreude raube und die nun von ihm, dem frommen Mann, Hilfe erhoffe. Der Graf Ory hört das nur zu gerne, folgt aber vorerst den Mädchen in die Einsiedelei, um dort die "Bitten dieser jungen Schönheiten" zu empfangen.
4. Szene: Der Erzieher des Grafen Ory und dessen Page Isolier rasten erschöpft in der Nähe der Klause. Ersterer hat wieder einmal die undankbare Aufgabe, seinen vor 8 Tagen aus dem väterlichen Schloss getürmten Zögling aufzuspüren. In der Arie "Veiller sans cesse" beklagt er das traurige Los eines Erziehers, der immer nur den Kopf hinhalten, ständig um das Leben seiner Hoheit und sein eigenes zittern müsse, sei es auf dem realen Schlachtfeld oder dem der Liebe.
5. Szene: Die Mädchen kehren zurück und preisen in den höchsten Tönen die segensreiche Tätigkeit des Eremiten. So viel junges und schönes Blut - der Erzieher ahnt es: Da kann sein Herr nicht weit sein! Als er sich argwöhnisch nach dem frommen Mann erkundigt und erfährt, dass dieser just vor 8 Tagen in dieser Gegend aufgetaucht sei, steht für ihn fest, dass der Graf Ory wieder einmal eines seiner amorösen Spielchen spielt. Als er hört, der Eremit werden jeden Moment erscheinen um mit der Gräfin zu sprechen, beschließt er diese Szene zu beobachten, um seinen Verdacht zu bestätigen oder zu zerstreuen.
6. Szene: Auch Isolier erwartet ungeduldig die Ankunft der Gräfin, denn er hat den Erzieher nicht zufällig in die Nähe des Schlosses gelotst. Er ist in die schöne Adele, seine Cousine, verliebt und hofft, "die stolze Tugend" zu bezwingen, vielleicht mit Hilfe dieses Eremiten, von dem solche Wundertaten berichtet werden. Doch nein - ist er nicht de Page des Grafen Ory? Offensichtlich hat er in dessen Diensten mehr gelernt, als ein Page üblicherweise wissen muss.....
7. Szene:Isolier begrüßt den Eremiten, der beim unvermuteten Anblick seines Pagen nicht wenig verblüfft ist, dies aber geschickt verbirgt. Er lüftet sein Incognito nicht, um herauszufinden, was im Busche ist. Als er Isolier mit dem Namen anspricht, ist dieser von den übernatürlichen Fähigkeiten des Eremiten überzeugt und beschließt nun doch, ihn ins Vertrauen zu ziehen. Er sei in heftiger Liebe zur schönen Gräfin entbrannt (Der Eremit zeigt Verständnis!), doch bis zur Rückkehr ihres Bruders vom Kreuzzug dürfe kein Liebhaber, kein sterblicher Mann das Schloss betreten. Zwar hätte er schon einen gewagten Plan dort einzudringen.....Natürlich ist der falsche Eremit nur zu begierig ihn zu erfahren! Isolier verrät nun, dass er sich in der Verkleidung einer Schutz suchenden Pilgerin Zutritt verschaffen wolle. Ein vorzüglicher Plan, befindet der Graf und beschließt sofort ihn in die Tat umzusetzen. Wäre ja noch schöner, wenn der Page schlauer ist als sein Herr! Aber Isolier ist noch nicht fertig: Wenn nun die Gräfin kommt und den Eremiten um Rat bittet, solle er ihr suggerieren, nur die Liebe könne sie von ihrer Melancholie kurieren, ganz konkret die Liebe zum Pagen des Grafen Ory. Nun, genau das verspricht der Eremit zu tun, allerdings wird er das Wörtchen "Page" weglassen....
8. Szene: Die Gräfin staunt, ihren Cousin Isolier in der Einsiedelei vorzufinden, gibt sich aber mit seiner Erklärung zufrieden, ebenfalls hilfreichen Rat gesucht zu haben. In ihrer Arie "En proie a la tristesse" (der Traurigkeit verfallen) beklagt sie ihr Schicksal, trotz der Blüte ihrer Jugend nur Schmerz und Leid zu empfinden und den Tod herbeizusehnen und fleht schließlich "lasst mich wieder glücklich sein". Da weiß der falsche Eremit natürlich Rat: Die Krankheit sitze im Herzen und könne nur durch eine neue Liebe geheilt werden. Die Gräfin verweist auf ihren Eid der ewigen Witwenschaft, aber das ist für den frommen Mann nur eine Lappalie: Der Himmel entbinde sie davon, ja, er befiehlt sogar "dass eures Lebens Flamme sich erneut entzünde an der Fackel der Liebe". Das hört die Gräfin nur zu gerne, und das Objekt ihrer Begierde ist auch schon zur Stelle -Isolier, in dessen Gegenwart sie eine "süße Unruhe erfasst" und den sie ewig zu lieben verspricht. Nicht ganz im Sinne des Grafen Ory, weshalb er die entflammte Gräfin um ein Gespräch unter vier Augen bittet. Sie solle sich vor Isolier hüten, er sei schließlich der treue Page des ruchlosen Grafen Ory, von dessen galanten Abenteuern sie doch sicher schon gehört habe. Aber hier, vor so vielen Ohrenzeugen, wolle er nicht ins Detail gehen, aber drinnen, im Schloss, wolle er ihr rückhaltlos alles enthüllen. Schon will ihn Gräfin Adele ins Schloss führen, als der Erzieher und die Ritter seiner Begleitung auftauchen.
9. Szene: Der Erzieher erkennt den als Bauer verkleideten Raimbaud und kurz darauf seinen Schützling, der als Graf Ory enttarnt wird. Während die Gräfin und ihr Gefolge entsetzt zurückweichen und ihrer Abscheu Ausdruck verleihen, der Graf mit seinem Schicksal hadert, das ihn so knapp vor dem Ziel scheitern ließ, und der Erzieher frohlockt, dass er seinen Auftrag erfüllt hat, bringt Ragonde ein Schreiben des gräflichen Bruders und Schlossherrn, in dem er seine glückliche Heimkehr binnen zweier Tage ankündigt. Gatte und Bruder, so hoffen Ragonde und die Gräfin, werden ihren vom Grafen Ory so schändlich betrogenen Herzen wieder Frieden bringen. Aber ein Graf Ory gibt sich nicht so leicht geschlagen: Noch bleibt ihm eine Nacht, um den Sieg zu erringen und die erlittene Schmach zu tilgen. Während sich die Damen ins Schloss zurückziehen, "um der Helden Ruhm zu besingen", wollen der Graf und seine Ritter einen Racheplan ausarbeiten, denn "Ruhm gewinnt man auch durch galante Heldentaten". Isolier beschließt bei sich, seinen Herrn im Auge zu behalten......
2. AKT 1./2. Szene: Die Gräfin, Ragonde und die Damen ihres Gefolges stehen immer noch unter Schock wegen der Kühnheit des verbrecherischen Grafen Ory, dem es beinahe gelungen wäre, ihre "Tugend und Unschuld" in Gefahr zu bringen. Während draußen ein Gewitter tobt, fühlen sie sich im Schloss sicher und geborgen. Da klopft es und die Gräfin beauftragt Ragonde, etwaigen Hilfesuchenden Schutz vor dem Unwetter zu gewähren. Ragonde kehrt zurück und berichtet entsetzt von der neuesten Schandtat des Grafen Ory: Er hätte einer Gruppe von Pilgerinnen nachgestellt, die nun vor Angst und Kälte zitternd um Zuflucht bäten. 14 seien es, und eine davon wolle der Gräfin sofort ihre Dankbarkeit abstatten. Und schon nähert sich der Graf Ory als Pilgerin verkleidet demutsvoll den Damen und damit dem Ziel seiner unfrommen Wünsche.
3. Szene:Überschwänglich bedankt sich die vermeintliche Pilgerin für die Güte der Gräfin, die ihrerseits stolz ist, "eine so kostbare Tugend vor dem Wüten des Schamlosen bewahrt zu haben". Man behaupte aber, der Graf Ory liebe sie - was, wenn er hier vor ihr erschiene und sie um Verzeihung bäte? Schande und Verachtung wären sein Lohn, beteuert die Gräfin, niemals würde er siegreich sein und ihr Herz erobern. Der Graf sieht dies naturgemäß anders, er ist überzeugt, dass er den Widerstand der spröden Schönen brechen und seine Rache genießen wird. Das Gefolge des Grafen, ebenfalls als fromme Pilgerinnen getarnt, tritt nun herein und wird mit "Milch und Früchten" verköstigt.
4. Szene:Kaum alleine, können die Männer ihr Vergnügen über diesen tollkühnen Streich nicht mehr verbergen. Auch der sonst so gestrenge Erzieher findet Gefallen an diesem Abenteuer, fürchtet aber um seinen Job, wenn es dem herzoglichen Vater zu Ohren käme. Dann solle er eben Wache schieben, kontert der Graf, dafür sei ein Erzieher schließlich da: "Meine Gefährten für den Spaß, meinen Erzieher für die Vorsicht!" Lachend verrät er, dass diese Maskerade eigentlich Isoliers Idee gewesen ist.
5./6. Szene: Milch und Früchte sind so gar nicht nach dem Geschmack der Ritter, umso enthusiastischer wird Raimbaud empfangen, der nach einem heimlichen Streifzug durch das Schloss den gräflichen Weinkeller erkundet und geplündert hat. Ein fröhliches Zechen beginnt, während Raimbaud seine "Heldentaten" inclusive der Beinahe-Entdeckung schildert und die Bewunderung und Dankbarkeit seiner Kumpanen genießt. Da ertönen die Schritte Ragondes, rasch verschwinden die Flaschen unter den weiten Kutten und die Gesellschafterin findet eine Gruppe andächtig ins Gebet vertiefter Pilgerinnen vor, die sie gerührt betrachtet, bevor sie sich wieder diskret zurückzieht. Das Gelage wird fortgesetzt, aber schon naht die nächste Störung, diesmal in Person der Gräfin.
7. Szene: Auch Gräfin Adele bewundert die fromme Andacht, fordert die Pilgerinnen aber auf, sich nun zur Ruhe zu begeben. Graf Ory verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, ihrer Gastgeberin bald beweisen zu können, wie sein "dankbares Herz für sie empfindet."
8./9. Szene: Isolier begehrt Einlass und verkündet im Auftrag des Herzogs, seines Herrn, dass die Kreuzfahrer noch diese Nacht im Schloss eintreffen würden. Es sollte eigentlich eine Überraschung sein, doch sei der Herzog der Meinung, Ehefrauen müssten vorgewarnt werden.....Die Gräfin und Ragonde sind entzückt, Bruder und Gatten schon so bald in die Arme schließen zu dürfen und wollen ihre Gäste informieren. Gäste? Nun ja, 14 Pilgerinnen hätten auf der Flucht vor dem ruchlosen Grafen Ory um Asyl gebeten. Isolier durchschaut die Finte seines Herrn und klärt die Damen über die wahre Identität der armen Verfolgten auf. Das Entsetzen ist groß, denn wie sollte Ragonde ihrem Gatten die Anwesenheit von 14 Rittern plausibel erklären??? Isolier verspricht Hilfe, und koste es sein Leben! Als der Graf Ory naht, fliehen die Damen bis auf Gräfin Adele, die auf Geheiß Isoliers, der sich in ihren Schleier hüllt, das Licht löscht und sich neben ihn setzt.
10. Szene: Graf Ory dringt im Schutze der Finsternis ins Schlafgemach der Gräfin ein und gibt sich als Schwester Colette aus. Sie fürchte sich alleine in ihrem Zimmer, zu zweit hätte man viel weniger Angst. In der Dunkelheit hält er Isolier für die Angebetete und drückt zärtlich seine Hand, Isolier wiederum ergreift die Hand Adeles, die aber glaubt, dass sich der Graf ihr zudringlich nähert und es nur deshalb gewährt, weil das Teil des Plans sei, wie ihr der Page zuflüstert. Als es die vermeintliche Gräfin sogar zulässt, dass er ihr die Hand aufs Herz presst, legt Graf Ory seine Zurückhaltung ab, gibt sich zu erkennen und gesteht ihr seine Liebe. Gerade als er sie leidenschaftlich küsst und sich am Ziele wähnt, verkünden Trompetensignale die Ankunft des Herzogs und des gräflichen Schlossherren. Isolier lüftet nun den Schleier - er sei es, "den Schwester Colette mit so viel Inbrunst küsste", aber anstatt sich rächen zu wollen, solle sich der Graf lieber vor dem Zorn seines Vaters hüten, der eben in den Schlosshof einreitet. Ory gesteht seine Niederlage ein und bittet die Gräfin um Gnade für sich und seine Ritter. Die wird ihm natürlich gewährt, denn Adele will nur eines, dass die Männer verschwinden, bevor sie entdeckt werden und sie in Erklärungsnotstand gerät. Isolier wird sie durch einen Geheimgang hinausgeleiten und die Türe hinter ihnen verschließen. Mit dem Eingeständnis, dass die eheliche Liebe gesiegt habe, fliehen Ory und die Seinen, während die Gräfin, Ragonde und ihre Damen den Herzog, den Bruder und die Ehemänner willkommen heißen.
Rideamus (29.02.2012, 14:30): Soll man sich jetzt freuen, dass SPIEGEL ONLINE mal eine gute Opernproduktion lobt (s. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,818338,00.html ), wenn auch eine besonders prominent besetzte, die zwar beileibe nicht konkurrenzlos, unterm Strich aber die mit Abstand beste DVD am Markt ist...
...oder über solchen Blödsinn ärgern, wie die denkbar groteske Feststellung, dass die eminent schwer zu besetzende Oper IL VIAGGIO A REIMS zu den wenigen häufig gespielten Opern Rossinis gehört, die aber übersieht, dass der (zu Recht) gelobte COMTE ORY mehr als zur Hälfte aus der Musik dieser Oper besteht?
Ich habe mich für das Amüsement über die Aussage entschieden, dass Rossini und Verdi nie Freunde wurden. Man muss ja auch als Fachjournalist nicht wissen, dass Verdi nach Rossinis Tod das Requiem für Rossini anregte, an dem sich fast alle führenden italienischen Komponisten beteiligten. Vermutlich kullern sich beide gerade amüsiert im Grabe und denken an diese handschriftliche Widmung Rossinis, die Verdi rahmen ließ und in seinem Heim an der Wand prangen ließ:
Von Rossini, einem Ex-Komponisten und viertklassigen Pianisten für den herrlichen Komponisten Verdi, einen fünftklassigen Pianisten
:hello Rideamus
Heike (29.02.2012, 17:16): Ahhhh das ist die grandiose MET-Aufführung, die mich im Kino so begeistert hatte!
Dank des Artikels bin ich jetzt auf das google-Bildchen zum Rossini-Geburtstag aufmerksam geworden - kann mich jemand mal als Rossini-Unbedarfte aufklären, warum er mit Fröschen im Aquarium gewürdigt wird? Hat das einen tieferen Sinn oder gelten Frösche per se als musikalisch?
Tja, was den Rest angeht, der SPIEGEL sollte sich doch mal wieder ein paar kompetentere Kritiker mit einschlägigem kulturellem Bildungshintergrund leisten, dann passiert sowas nicht. Normalerweise gibt es ja sowieso beim SPON nur Pop, Rock und allenfalls mal ne Jazz-CD Kritik, da hat wohl jemand mal wieder an die Klassik-Quote erinnert und ein armer Mensch wurde verpflichtet ....
Heike
P.s hier nochmal der richtige Link zum SPIEGEL-Artikel, da ist bei Rideamus am Ende was dazugemogelt
Armin70 (29.02.2012, 18:18): Original von Heike Dank des Artikels bin ich jetzt auf das google-Bildchen zum Rossini-Geburtstag aufmerksam geworden - kann mich jemand mal als Rossini-Unbedarfte aufklären, warum er mit Fröschen im Aquarium gewürdigt wird? Hat das einen tieferen Sinn oder gelten Frösche per se als musikalisch?
Im englischen heisst das Schaltjahr "leap year" (von "to leap" = hüpfen, überspringen). Den Google-Grafikern schien daher der Frosch, der sich hüpfend und springend fortbewegt, als Tier geeignet zu sein, um das Schaltjahr unterhaltsam zu illustrieren und da heute Rossini Geburtstag hat, sind die Frösche musikalisch dargestellt. Auch in den vergangenen Schaltjahren zierte das sog. Google-Doodle immer wieder ein Frosch.
Hier gibts noch ein nettes Video: "http://www.youtube.com/watch?v=9njmOZOohRM"
Heike (29.02.2012, 19:34): hups, Schalttag ist ja heut auch noch, da hätte ich ja auch selbst drauf kommen können, danke für das Aufwickeln meiner langen Leitung, Armin :beer Heike