Original von Ganong Diese "Rankings" machen doch nur einen Sinn , wen man zu jedem der Lieblingsdiregenten mindestens etwas schreibt und eine Referzaufnahme , subjektiv , benennt !
Wie die trotzdem scheitern kann , beweist das vorleetzte Heft von BBC Music Magazine , in dem die angeblich 20 besten Sopranistinmnen aller Zeiten durech Befragen bei Kennern / kennerinnen "ermittelt" worden sind .
Grüsse ,
Frank
Original von Ganong
Wer Leyla Gencer mit Top-Partnern live erlebt hat , der wiss um ihr ausserordentliches Können .
Als im aktuellen Heft von BC Music Magazine die "20 Top Sopranos" ermittelt worden sind , fehglte bbc-typisch leider Leyla Gencer !
Ich kann nur empfehlen die Einzelbegründungen nachzulesen .
Nachdem Frank mehrfach diese Auflistung der “20 Top Sopranos“ aus dem Bbc Music Magazin erwähnt hat, hab ich mich mal im Web auf die Suche gemacht und möchte die Liste hier mal zur Diskussion stellen:
1. Maria Callas 2. Joan Sutherland 3. Victoria De Los Angeles 4. Leontyne Price 5. Birgit Nilsson 6. Montserrat Caballé 7. Lucia Popp 8. Margaret Price 9. Kirsten Flagstad 10. Emma Kirkby 11. Elisabeth Schwarzkopf 12. Regine Crespin 13. Galina Vishnevskaya 14. Gundula Janowitz 15. Karita Mattila 16. Elisabeth Schumann 17. Christine Brewer 18. Renata Tebaldi 19. Rosa Ponselle 20. Elly Ameling
Das Bbc Magazin hat, wenn ich das auf einer englischen Webseite richtig verstanden habe, 20 Musikfachleute nach ihren 10 Top Sopranistinnen gefragt. Daraus wurde dann die Top 20 Liste ermittelt.
Was mir zunächst aufgefallen ist:
Kaum „aktuelle“ Sängerinnen dabei aber auch keine aus der ganz frühen Schellackzeit(1900-1920) . Die “älteste“ Sängerin Elisabeth Schumann ist wohl aufgrund ihrer Liedaufnahmen aus den 30-40er Jahren in der Liste und weniger wegen ihrer früheren Opernaufnahmen.
Der ganz deutliche Schwerpunkt liegt bei Interpretinnen die zur großen Zeit der Langspielplatte aktiv waren, also Mitte der 50er bis Ende der 70er Jahre.
Begründungen zu der Wahl der einzelnen Sängerinnen habe ich leider auf die schnelle nicht gefunden, vielleicht kann ja Frank da weiterhelfen.
Bei Christine Brewer würde mich das schon interessieren, die kenne ich nur vom Hörensagen.
Bin gespannt auf eure Meinungen, z.B. wer fehlt euch am meisten in der Liste usw.
Viele Grüße von
Jimi
Amadé (01.05.2007, 20:10): Hallo Jimi,
in Deiner Liste ist eigentlich kein Platz mehr frei, vielleicht nimmst Du Christine Brewer heraus, dann gibt 's noch etwas Platz für Lotte Lehmann Irmgard Seefried Elisabeth Grümmer Zinka Milanov Gruß Amadé
manrico (01.05.2007, 22:30): Hallo Jimi !
Das ist halt immer so eine Sache mit den Lieblings- "ich weiss nicht was", und wenn man seine persönlichen Favourites dann nur in begrenztem Ausmaß vorfindet. Ich denke mir halt, dass man über Werte diskutieren, aber nicht streiten kann, weil das Dinge sind, die nicht objektivierbar sind. Ich kann nur objektivieren, ob sich jemand an die Intervalle hält, die der Komponist angibt oder nicht. Aber schon beim piano oder forte, presto oder andante wird's kantig. Ich nehme zum Beispiel Montserrat Caballe und Florence Foster-Jenkins her. Da glaube ich mit einiger Sicherheit sagen zu können, dass Frau Caballe sich eher an das hält, was sich der Komponist vorgestellt hat und würde sie damit zur besseren Sängerin erklären. Vergleiche ich sie aber mit der Callas (zum Beispiel in der Norma), so gewinnt zwar die Caballe den Technikpreis, weil sie ziemlich genau das singt, was in den Noten steht, aber die Callas singt auch das, was zwischen den Zeilen steht, und deswegen ist - zumindest für mich - die Callas die bessere - will heißen die Norma schlechthin. Für mich zum Beispiel steht das Singen mit der Seele an oberster Stelle (tut mir leid, ich hab dafür grad keinen besseren Ausdruck). Daher stehen bei mir Sängerinnen ganz oben auf meiner Liste, von denen andere behaupten, sie hätten zu kleine oder unsauber geführte Stimmen. Das ist für mich nicht so wesentlich, weil diese Künstlerinnen die Figur für mich trotzdem zum Leben erwecken - und andere, die genauer singen, tun das nicht. - Ach ja, und schrille Stimmen mag ich gar nicht!! Ok, und jetzt werde ich mich einmal an meiner persönlichen Top-Ten Liste versuchen:
1. Sena Jurinac 2. Katia Ricciarelli 3. Leyla Gencer 4. Maria Callas 5. Eileen Farrell 6. Leonthyne Price 7. Zinka Milanov 8. Joan Sutherland 9. Ghislaine Raphanel 10. Lucia Popp
Ich glaube, das kommt ganz gut hin. Jetzt frag ich mich nur gerade: Was mach ich bloß mit Rosa Ponselle, Rene Fleming, Elisabeth Rethberg, Elisabeth Grümmer, Sumi Jo und Pierette Alarie? Die wollte ich auch noch irgendwie erwähnen. Das Gute aber an CDs ist: es muss ja nicht entweder/oder heissen - ich kann ja sagen sowohl/als auch.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (01.05.2007, 22:32): Hallo Amade,
da liegt wohl ein Missverständnis vor, das ist nicht meine Liste sondern die aus dem BBC Music Magazin. Ich würde ja auch keine Sängerin in die Liste setzen die ich nur vom Namen her kenne.
Ich möchte mir das auch nicht antun 10 oder 20 Sängerinnen auszuwählen, es fallen mir dann immer noch welche ein wo ich mir denke : die müssten eigentlich auch noch mit rein, aber welche dafür jetzt rausschmeißen ?
Ich wollte diese BBC - Liste nur veröffentlichen und zur Diskussion stellen weil sie eben schon ein paarmal im Forum erwähnt wurde und mich interessiert was die anderen Mitglieder davon halten.
:hello Jimi
daniel5993 (01.05.2007, 23:16): Hallo :hello!
Callas ist auch bei mir die Nummer 1! Bin noch nicht der ganz große Opernkenner. Aber in den lezten Monaten höre ich immer wieder auf NDR-Kultur, wie die großen Stimmen, Sopranos, verglichen werden und analysiert werden und ich muss sagen ich war Callas gegenüber voreingenommen und habe Sie wegen schlechterer Klangqualität in den Aufnahmen schon ins Abseits gedrängt! Jedoch durch die Klanglich- überarbeitete Fassungen im radio, wurde ich eines besseren Belehrt! Ihre Stimme ist Grandios! In Vergleichen mit Netrebko, Sutherland und so weiter sehen ich Sie an der Spitze! Herzerweichend! Seitdem wächst die Zahl meiner Opernaufnahmen aus den 50ern mit Callas! Da ich die auf LP kaufe, ist das ein teurer Spaß, aber es lohnt sich, ich wurde eines besseren belehrt. Und da ist es auch nicht schlimm, dass es manche Opern von Ihr "nur" in Mono gibt!
Gruß :rofl daniel
Jürgen (02.05.2007, 09:03): Mir fehlt lediglich Barbara Hendricks.
Ansonsten hätte ich Schwierigkeiten auf 20 zu kommen.
Grüße Jürgen
Jimi (02.05.2007, 12:47): Original von manrico
9. Ghislaine Raphanel
Liebe Grüße
Werner
Hallo Werner,
ich beschäftige mich ja nun schon seit einigen Jahren rel. intensiv mit Oper usw. und wenn ich dann doch mal einen Sänger/inn GARNICHT kenne, werde ich immer etwas nervös. Hab ich da etwa irgend was wichtiges verpasst.
Kläre mich bitte auf wer Ghislaine Raphanel ist, hab ich wirklich noch nie gehört, nicht mal den Namen.
Viele Grüße von
Jimi
manrico (02.05.2007, 17:30): Hallo Jimi !
Hier kommt die Antwort zu Ghyslaine Raphanel.
Ich halte sie für eine der interessantesten Koloratursopranistinnen unserer Zeit (na, ja, eigentlich singt sie auch schon etwa 20 Jahre). Raphanel hat eine sehr weich timbrierte, samtige und vor allem sehr charakterische, einprägsame Stimme. Die Tatsache, dass ihr Bekanntheitsgrad eher gering ist, mag daran liegen, dass sie - zumindest bis jetzt-immer innerhalb ihrer Möglichkeiten geblieben ist und nicht versucht hat, ins dramatische Fach zu wechseln (möglicherweise ist da Elisabeth Grümmer, deren Schülerin sie ist, ihr Vorbild) und offensichtlich hauptsächlich im französischen Raum auftritt und eine große internationale Karriere gar nicht so anstrebt.
Sie singt hauptsächlich französisches Repertoire mit Ausflügen etwa zur Gilda (weiss ich aber auch nur von CD Covers, hab ich nicht gehört). Auf CDs ist sie mäßig gut dokumentiert, ich kenne sie als exquisite Reine Marguerite in den "Huguenots" unter Diederich (leider seit langem aus dem Katalog gestrichen), als Catarina in Aubers "Diamants de la Couronne"(die Aufnahme ist insgesamt nicht gelungen, das Orchester ist speziell erbärmlich, auch Raphanel ist nicht so inspiriert wie unter wirklich guten Bedingungen), als Prinzessin Laoula in Chabriers "L'etoile" und als Fiorella in Offenbachs "Les Brigands" beides unter Gardiner (vor allem als Fiorella find ich sie umwerfend). Also, wenn dir einmal eine CD von Raphanel unterkommt, kann ich sie dir wirklich empfehlen. Ach, ja, und solltest du die Carmen unter Ozawa besitzen - da singt Raphanel die Frasquita.
Es wird dort eine Rameau Oper erwähnt, Les Paladins, hast du die schon hören können ?
Ich bin momentan auf dem französischen-Barock-Opern-Trip :W , deswegen würde die mich ganz besonders interessieren.
Wenn ich mehr Zeit habe werde ich natürlich auch noch verraten welche Sopranistinnen für mich noch, außer den schon von euch genannten, in die top 20 Liste gehören.
Viel Grüße von
Jimi
manrico (10.05.2007, 02:43): Hallo Jimi!
In punkto Barockoper bin ich ahnungslos wie ein Neugeborenes. Daher kenne ich auch diese Aufnahme mit Raphanel nicht. Tut mir leid. Aber, wenn du sie dir zulegst, bin ich gespannt, wie dir die Stimme von Ghyslaine Raphanel gefällt.
Liebe Grüße
Werner
Ganong (10.05.2007, 19:43): Lieber Jimi ,
in der Druckausgabe von BC Music Magazine gibt es batürlich mindestens eine entscheidende Begründung , warum , z. b: Frau Sutherland denzweiten Platz ( hinter Maria Callas ) belkegt . in kaum einem Fall sind diese "Begründungen" aber auch nur annähernd nachzuvollziehen .
Es bleibt die Frage offen , wie Sängerinnen einzustufen sind , die schwerste Soprabnpartien gesungen haben , aber primär nicht unbedingt als reine Sopranistinnen zu bezeichnen sind ( Varnay , Mödl ) . Beide würde ich sorofrt mit ausrechende r Begründung , ihre Interpretationen sprechen die deutlichste Sprache , unter die TOP 20 wählen ., Dann fehlen grosse sängerin - darsteller#ende Sopranistinnen wir#e Anna Moffo. A l l e französischen Sopranisten bermisse ich schmerzlich .
Im übrigen sollte man eine Söngerin auch im Konzert ( Liefgut ) oider in der Oper erlebt haben .
Die sog. Begründung in der genanten Zeitschrift ist einfach , um dies mit Schulnoten auszudrfücken , mangelhaft .
Viele Grüsse ,
Frank
Ganong (10.05.2007, 19:44): Lieber Jimi ,
in der Druckausgabe von BBC Music Magazine gibt es natürlich mindestens eine entscheidende Begründung , warum , z. b: Frau Sutherland den zweiten Platz ( hinter Maria Callas ) belkegt . in kaum einem Fall sind diese "Begründungen" aber auch nur annähernd nachzuvollziehen .
Es bleibt die Frage offen , wie Sängerinnen einzustufen sind , die schwerste Soprabnpartien gesungen haben , aber primär nicht unbedingt als reine Sopranistinnen zu bezeichnen sind ( Varnay , Mödl ) . Beide würde ich sorofrt mit ausrechende r Begründung , ihre Interpretationen sprechen die deutlichste Sprache , unter die TOP 20 wählen ., Dann fehlen grosse sängerin - darsteller#ende Sopranistinnen wir#e Anna Moffo. A l l e französischen Sopranisten bermisse ich schmerzlich .
Im übrigen sollte man eine Söngerin auch im Konzert ( Liefgut ) oider in der Oper erlebt haben .
Die sog. Begründung in der genanten Zeitschrift ist einfach , um dies mit Schulnoten auszudrfücken , mangelhaft .
Viele Grüsse ,
Frank
Ganong (15.05.2007, 16:23): Liebe Forumsmitglieder und Mitleser dieses Forums ,
bei der Lektüre des BC Magazines habe ich mich gefragtr , ob nicht auch Sängerinnen , die geradezu typische Sopran - Rollen singen , wie etwa Mödk#l oder Vernay ,die Isolde , zu den Sopranen gerechnet werden sollten , zumindest dürften ?
Ich sehr dies so unnd würde in meiner TOP 20 - Liste die beiden genannten grossen Künstlerinenn sofort in die Liste meiner Top 20 - Sängerinnen aufnehmen . Wer sollte diese ganz aussergewöhnlichen Könnerinnen wirklich von Thron der Isolde z.B. (verstossen können . Rudolkf Bing , kein ganz Unerfahrener , hatte DFrau Mödl die Krone als Isolde aufs Haupt gesetzt . Und noch heute gilt Mödls Isolde an der New Yorker MET als d i e Isolde schlechthin .
Was meint Ihr dazu ?
Dank für Eure Beiträge im voraus .
Grüsse ,
Frank
Amadé (15.05.2007, 17:33): Hallo Frank,
Varnay und Mödl gehören sicherlich auch in die TOP-Klasse, wobei ich die Varnay der Mödl noch vorziehe. Die Mödl war ja ursprünglich eine Altistin und wuchs in das Sopranfach hinein. Jahrelang gehörte sie mit ihren Interpretationen der Kundry und Brünnhilde zum Stammkader der Bayreuther Festspiele in der Nachkriegszeit. Da ich sie nicht persönlich auf der Bühne erleben konnte, bleiben mir nur ihre Plattenaufnahmen und Mitschnitte. Hierbei kann sie mich im Vergleich mit Varnay nicht immer restlos überzeugen. Auch ihre dunkel gefärbte Stimme finde ich nicht immer rollendeckend (Brünnhilde Siegfried 3. Akt). Zeitzeugen berichten jedoch immer wieder von Mödls enormer Ausstrahlung und Identifikation mit der jeweiilgen Rolle auf der Bühne, die stimmliche Defizite mehr als wettmachte. Ähnlich geht es mir bei Hans Hotter, da ziehe ich auf der Platte Ferdinand Frantz vor, darüber habe ich mich bereits früher an anderer Stelle in diesem Forum geäußert.
GRüße Bernd
satie (15.05.2007, 23:25): Ich bin nicht sicher, ob ichs überlesen habe. Ich würde doch auch die Gruberova als hervorragende Technikerin (dafür leider oft flach) und die Berganza (eine schöne ausnahmsweise gerade (!) Stimme!) dazu nehmen. Allerdings kann ich bei beiden etwa die Bühnenpräsenz gar nicht beurteilen, weil nie gesehen. Stimmlich, bzw. technisch gefallen sie mir, daher wollte ich die beiden immerhin erwähnt haben.
Gute Nacht, S A T I E
satie (15.05.2007, 23:27): P.S.: Falls Berganza kein Sopran sein sollte, verzeihe man mir... Ich habe sie lange nicht gehört. Sie ist sicher kein hoher Sopran. Ein Mezzo? Da seht ihr einmal, wieviel Ahnung ich davon habe...
LazarusLong (16.05.2007, 13:26): Original von Satie Ich bin nicht sicher, ob ichs überlesen habe. Ich würde doch auch die Gruberova als hervorragende Technikerin (dafür leider oft flach) und die Berganza (eine schöne ausnahmsweise gerade (!) Stimme!) dazu nehmen. Allerdings kann ich bei beiden etwa die Bühnenpräsenz gar nicht beurteilen, weil nie gesehen. Stimmlich, bzw. technisch gefallen sie mir, daher wollte ich die beiden immerhin erwähnt haben.
Gute Nacht, S A T I E
Ich kenne die Gruberova als Königin der Nacht - atemberaubend auch in der Bühnenausstrahlung und aus Cosi fan tutte - Stimmlich mit geschlossenen Augen der Wahnsinn, wenn ich sie in der Rolle sehe - passt einfach nicht.
Nebenbei würde ich gerne noch die Namen Mirella Freni, Kiri te kanawa, Bartoli, Fleming ins Gespräch bringen, die für mich einfach dazugehören. Der Vollständigkeit halber, obwohl ich persünlich sie genauso wenig mag wie die Callas, bleibt vielleicht noch Anna Netrebko zu erwähnenn.
Frank
manrico (16.05.2007, 19:39): Lieber Satie !
Bei der Begeisterung für Berganza bin ich ganz bei dir. Selten sind Schönheit der Stimme und ausgefeilte Technik vereint. Bei Berganza ist das der Fall. Ihre Kultiviertheit geht zwar manchmal zu Lasten des Ausdrucks und da oder dort wäre sicher ein wenig mehr Pfeffer durchaus angebracht, aber die eierlegende Wollmilchsau gibt's halt einfach nicht. Ich habe sie nicht auf meiner Liste gehabt, weil sie, wie du richtig angemerkt hast, doch eher ins Mezzofach fällt.
Anders sehe ich die Sache mit Edita Gruberova. Es gab ja eine Zeit in Wien, in der man an der Gruberova praktisch nicht vorbeigekommen ist. Sie hat eigentlich von der Königin der Nacht bis zum Baron Scarpia alles gesungen. Und ich muß ehrlich sagen: ich kann die Begeisterung für die Gruberova nur schwer verstehen. Sie hat mir in 2,5 Rollen gefallen - nämlich immer dann, wenn sie ein gefühlskaltes Geschöpf darstellen konnte. Das heisst ich habe sie gut in der Zauberflöte, sehr gut in der Manon und spannend im Finale 2. Akt Maria Stuarda gefunden. Wie sich die Baltsa und die Gruberova auf der Bühne angegiftet haben und sie der Baltsa ihr "Figlia impura di Bolena" ins Gesicht geschleudert hat - da ist mir echt die Gänsehaut über den Rücken gelaufen. Im Studio haben sie das leider nicht so intensiv hingekriegt. Wann immer die Gruberova ein verletzliches romantisches Mädchen (Gilda, Violetta, Lucia, Linda di Chamonix) hätte darstellen sollen, ist das für meinen Geschmack in die Hose gegangen. Ich habe auch den selben Eindruck wie Lazarus Long: ich konnte sie auf der Bühne einfach nicht anschauen. Ich meine, es gelingt auch Sängerinnen mit -na sagen wir statuarischer Figur- mir ein Gefühl von Zerbrechlichkeit oder Empfindsamkeit zu vermitteln. Der Gruberova ist das nie gelungen. Wenn sie mit ihrer typischen Geste den Kopf in den Nacken geworfen hat, um zum Spitzenton anzusetzen, kam der auch zumeist, aber die Stimme war doch eher klein und hauchig. Ihre Geste und stimmliche Dynamik standen für mich in skurillem Widerspruch zueinander. Erstaunlicherweise habe ich bei der Gruberova auf der Bühne immer das Gefühl gehabt, dass sie doch sehr rasch an ihre stimmlichen Grenzen gelangt und unsauber intoniert, zumal ihre Stimme nicht strahlend und klar ist sondern doch eher verhangen klingt und lange zum Einschwingen braucht. Insgesamt gefällt sie mir ehrlicherweise in ihren CD-Einspielungen eher als live auf der Bühne. Zudem habe ich sie einmal in der Lucia erlebt, bei der ihr ein junger, sichtlich nervöser und der Primadonna offensichtlich nicht genehmer Tenorpartner zur Seite gestellt wurde. Frau Gruberova hat in dieser Vorstellung beschlossen, einfach nicht mit ihm zu singen, sondern einfach ihren Part abgeliefert und sich, sobald ihr Tenorpartner an der Reihe war, einfach hinzusetzen, sich wegzudrehen und ihn ins Leere spielen zu lassen. Einen solchen offensichtlichen Fall von Unkollegialität habe ich sonst nie wieder auf der Bühne erlebt (der Ärmste hat sich dann auch noch beim Sextett vor lauter Nervosität selbst entwaffnet und sein Schwert verloren - die Feinde haben es ihm dann wieder gebracht). Aus der Summe dieser Eindrücke hat sie nie zu meinen Lieblingssängerinnen gehört.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (16.05.2007, 20:02): Original von Satie P.S.: Falls Berganza kein Sopran sein sollte, verzeihe man mir... Ich habe sie lange nicht gehört. Sie ist sicher kein hoher Sopran. Ein Mezzo? Da seht ihr einmal, wieviel Ahnung ich davon habe...
Hallo Satie und Frank,
schon richtig Theresa Berganza ist ein Mezzo, ob sie allerdings auch Ausflüge in den Sopranbereich gemacht hat wie z.b. Cecilia Bartoli mit der Fiordiligi(Cosi fan tutte), ist mir nicht bekannt.
Ich würde beide jedenfalls als Mezzosopran einordnen.
Ist übrigens garnicht so Selten dass Sängerinnen von Sopran zu Mezzo "mutieren", wie z.B. Marilyn Horne oder Lorrain Hunt Lieberson.
Viele Grüsse von Jimi
nikolaus (16.05.2007, 20:45): Original von manrico
Und ich muß ehrlich sagen: ich kann die Begeisterung für die Gruberova nur schwer verstehen.
Das geht mir genauso; wenn ich im Radio Opernausschnitte höre, höre ich die Gruberova leider immer direkt heraus, weil etwas in ihrer Stimme ist, das mir überhaupt nicht gefällt; berührt werde ich von ihr sowieso nicht.
Aber - auch wenn ich nicht so in der Opern-Szene kundig bin - Karita Mattila höre ich sehr, sehr gerne und würde sie auch gerne mal live erleben.
Nikolaus.
manrico (17.05.2007, 01:24): Hallo Nikolaus !
Ich habe Karita Mattila zu wenig oft gehört, um was Gscheites über sie sagen zu können, ich kenne sie bewußt nur als Emma in der Fierrabras - Einspielung, aber da gefällt sie mir auch sehr, sehr gut. In puncto Bühnenpräsenz darf man auch Soile Isokoski nicht unerwähnt lassen. Sie hat in Wien eine wirklich fantastische Rachel in Halevys Jüdin gesungen - sehr stark, gar nicht auf Weibchen getrimmt, mit unglaublicher Bühnenpräsenz. Man muß zu diesen Aufführungen (die auch auf CD vorliegen - einer der Höhepunkte der letzten 10 Jahre in der Wiener Staatsoper) sagen, dass auch die Partner außergewöhnlich waren - Shikoff, Todorovich, Schörg, Miles).
Kann ich wirklich sehr empfehlen.
Liebe Grüße
Werner
Ganong (17.05.2007, 19:24): Lieber Nikolaus ,
Karitta Mattila ist auch in der BC Music Magazine -Liste enthalten . Man möchte fast sagen natürlich .
Wenn wir die grossen , alten Damnen , meist inzwischen verstorben , dann hinzufügen im Vergleich , dann ist dies um erstaunlicher . Dies Nicht-Ein-Mann-Entscheidung spricht auch dafür , dass , man sehe es mir bitte nach , die Musikwelt nicht bei Rosa Ponselle stehengebliben ist .
Wer mir in der Aufreihung sehr gefehlt hat , das waren
Teresa Stratas u n d
Anna Moffo !
Letztere war sicherlkich eine der besten , überzeugensten Sängerinnen u n d Darstellerin verschiedener Mozartrollen .
Dir alles Gute !
Frank
nikolaus (17.05.2007, 21:02): Original von Ganong Lieber Nikolaus ,
Karitta Mattila ist auch in der BC Music Magazine -Liste enthalten .
Entschuldigung, ich hätte wohl lieber noch mal oben nachlesen sollen!
Herzliche Grüße, Nikolaus.
Jimi (20.05.2007, 20:07): Hallo miteinander,
ich habe hier einmal alle „fehlenden Sängerinnen“ aufgelistet die bisher von Euch genannt wurden:
Lotte Lehmann Irmgard Seefried Elisabeth Grümmer Zinka Milanov Sena Jurinac Katia Ricciarelli Leyla Gencer Eileen Farrell Ghislaine Raphanel Rene Fleming Elisabeth Rethberg Sumi Jo Pierette Alarie Barbara Hendricks Astrid Varnay Martha Mödl Edita Gruberova Mirella Freni Kiri te kanawa Anna Netrebko Soile Isokoski Teresa Stratas Anna Moffo
23 wenn ich mich nicht verzählt habe, also schon mehr als in der BBC Liste.
Es sind etliche dabei die auch mir in der BBC Liste sehr gefehlt haben, vor allen Farrell, Lehmann, Milanov, Grümmer, Jurinac, Rethberg und Freni.
Original von manrico
In punkto Barockoper bin ich ahnungslos wie ein Neugeborenes.
Hallo Werner,
man kann und muß nicht alles kennen/mögen, aber da entgehen dir event.einige hochinteressante Sänger/innen, wie z.B.
Sandrine Piau
Momentan meine Nr.1 für Barockmusik.
Original von Ganong A l l e französischen Sopranisten vermisse ich schmerzlich .
Hallo Frank,
vermisst du wirklich alle ?
Mit Regine Crispin ist ja immerhin eine dabei, wenn man bedenkt dass es sich um eine „englische Liste“ handelt gar nicht so wenig. :rofl
Ok, Spaß beiseite, mir fallen außer Sandrine Piau noch ein paar französische Sopranistinnen ein die man auflisten kann :
2 aktuelle:
Veronique Gens
Natalie Dessay
und 2 von früher :
Germaine Lubin(fantastische Wagnerinterpretin)
Ninon Vallin
Und ansonsten würde ich noch dazunehmen (nicht aus Frankreich):
Angela Gheorghiu
Magda Olivero
Viele Grüße von
Jimi
manrico (30.07.2007, 12:26): Im Rahmen der Spitzensoprane muss ich jetzt doch auch die Französin Annick Masis ins Spiel bringen. Es scheint, als würde sie von der Öffentlichkeit noch nicht so wahr genommen wie sie es eigentlich werden sollte. Ich kenne sie aus drei Einspielungen, habe sie aber noch nie live erlebt (Margarita d'Anjou, Mathilde di Shabran und Francesca di Foix - Danke für den Tipp, Jimi, ein wirklich unterhaltsame Oper) und jedesmal zeigt sie ihre außergewöhnliche Brillanz. Massis hat ein wunderschönes weiches, rundes Timbre und eine sehr präzise, kristallklare Höhe und funkelnde Spitzentöne ohne Schärfen oder Spreizungen. Damit unterscheidet sie sich von Netrebko (die ein schönes Timbre hat (und nicht nur das ist schön :)), aber oft unpräzise ist - trotzdem bin ich der Ansicht, dass die Oper Netrebkos wie einen Bissen Brot braucht), Gruberova (kein besonders schönes Timbre- über den Rest will ich aus Höflichkeit lieber nix sagen, oft hauchige Töne. Trotzdem ist sie mir auf CD lieber als auf der Bühne - da hat sie eine geradzu widerwärtige Arroganz und posiert bis zur Lächerlichkeit), Sutherland (sehr verhangene, nebelige Stimme, immer ein bißchen einförmig, aber sauber gesungen), Dessay (die ersten Auftritte in Wien als Olympia waren sensationell, als Regimentstochter hab ich sie etwas scharf gefunden), Caballe (kalt und glatt, aber fast immer präzise - Ausnahme: Anna Bolena- ein Debakel auf offener Bühne. Hingegen ist sie auf ihren ersten Recitals fantastisch) oder Scotto (hohe Töne geraten ihr immer zum scheußlichen gespreizten Schrei, der Rest ist von quälender Langeweile - besonders schlimm ist ihre altjüngferliche Gilda unter Gavazzeni, bei der man sich nicht wundert, dass nach ihrem monotonen penetranten Gesinge "Lassu in ciel" Rigoletto doch lieber wieder an den Hof zurückkehrt und auch der Herzog nach einer Nacht Reißaus nimmt). Die Stimme von Massis scheint nicht besonders groß zu sein, setzt sich aber mühelos in Ensembles durch und besticht durch Brillianz und Schönheit. Bei Mathilde di Shabran steht sie meiner Meinung nach völlig zu unrecht im Schatten von Florez (der fraglos sensationell ist und das bessere Marketing hat). Die atemberaubenden Koloraturen hören sich völlig mühelos an. Dasselbe gilt für ihre Margarita d'Anjou. Auch hier fällt auf, dass es sich um eine insgesamt sehr saubere, offenbar gut vorbereitete Produktion mit hervorragenden Sängern (Ford, Barcellona, Miles) handelt. Ich finde es jedenfalls sehr erfreulich, dass sich so exzellente Sänger um weniger gängiges Repertoire annehmen und auf höchstem Niveau musizieren.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (04.10.2007, 18:14): Hallo Werner,
ich kenne Annick Massis ebenfalls aus drei Einspielungen : Mathilde di Shabran, Francesca di Foix und Hippolyte et Aricie von Jean-Philippe Rameau. Die von dir genannte Margarita d'Anjou ist mir nicht bekannt. Ich halte sie ebenfalls für eine sehr gute Sängerin, kann mich aber deiner positiven Beurteilung zumindest was die Shabran angeht nicht ganz anschließen. Es handelt sich ja um eine Live-Aufnahme, und ich habe den Eindruck das sie bei der Auführung nicht 100% in Form war. Speziell in dem(sehr schwierigen) Schlußrondo klingt sie für mich doch nicht gerade mühelos. Aber Live ist eben nun mal Live da kann das schon mal vorkommen. In der "di Foix" finde ich sie deutlich besser, aber ich glaube das ihre eigentliche Stärke in der franz. Barockmusik liegt . In der Rameau Oper singt sie nur eine Nebenrolle, aber da klingt sie wirklich sehr sehr gut, die Aufnahme ist auch schon etwas älter(1995) vielleicht hat es auch damit etwas zu tun.
Auch eine andere Sängerin die hier schon einmal kurz erwähnt habe hat ihre Stärken auch ganz klar bei bei Barockmusik : Sandrine Piau.
Wie viele der derzeit besten Barockinterpreten (zb Veronique Gens, Jean Paul Fouchecourt oder Mark Padmore) hat sie früher bei William Christie's Ensemble " Les Arts Florissants gesungen.
Sandrine Piau hat zwar auch keine besonders große Stimme dafür aber eine mühelose Höhe und eine sensationelle Gesangstechnik. Das besondere dabei : ihre teilweise atemberaubende Virtuosität wirkt (auf mich) bei ihr, im Gegensatz zu mancher Kollegin, nie als Selbstzweck oder "aufgesetzt" sondern immer als natürlicher Teil der Musik. Damit keine Missverständnisse aufkommen, sie singt auch weniger verzierte Musik sehr intensive und ausdrucksstark.
Hier mal ein paar Beispiele von youtube. Am besten find ich den ersten Clip von einer Probe, da kommt echt Freude auf:
Sandrine Piau bei einer Probe von Vivaldi's Motette "In furore"
"Se pieta" aus Händel's Giulio Cesare
Das ganze gibt's auch auf Cd :
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7395077.jpg
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2677125.jpg
:hello Jimi
HenningKolf (04.10.2007, 22:35): den thread habe ich gerade erst entdeckt...also eine TOP 20 - Liste und M. Freni nicht dabei? Für mich völlig undenkbar!
aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten...zudem kommt es darauf an, unter welchen Gesichtspunkten man seine Präferenzen aufstellt. Für mich, der ich erstens Opern nur manchmal höre, Wagner nur ohne Worte mag und zudem selten Gelegenheit hatte, Opernaufführungen zu sehen und die DVD als Musikmedium nicht schätze steht naturgemäß das Schauspieltalent und die Wagnertauglichkeit nicht im Vordergrund...es ist dann einzig und allein die Stimme die mich berührt, bezogen auf den Vortrag besonders italienischer, französischer und russischer Opern - und da darf es gerne "schön" (natürlich auch ein sehr auslegbarer Begriff) klingen.
Ich oute mich da gleich mal als Abweichler: Callas klingt mir oft zu "unschön", wenn es natürlich auch von ihr Aufnahmen gibt die mich berühren. Freni, auch Caballé rühren mich oft mehr...und man mag ja den "Hype" um Netrebko ablehnen und es mag auch überaus fraglich sein, ob man in 50 Jahren von ihr als "Große Diva" sprechen wird, aber für mich ist durchaus wichtig, wie Sänger(innen) mit der Sprache zurechtkommen, italienische Oper ist mE´s sehr für italienische, zumindest südeuropäische Zungen gemacht, russisches Repertoire singt für mich kaum jemand "schöner" als Netrebko (wie gesagt, Konzerteindrücke mögen da ganz anders sein)
Jedenfalls halte ich von solchen sich offiziell gebenden Ranglisten herzlich wenig, vor allem wenn dann noch nicht einmal repertoirebezogen bewertet wird.........Birgit Nilsson in Pique Dame??, Emma Kirkby als Mimi?? Maria Callas singt William Byrd?? Man braucht sich nur so etwas vorzustellen und weiß dass es völlig egal ist wieviel "Experten" die befragt haben.....
"Ranglisten" von Forenmitgliedern sind hingegen durchaus hilfreich, man lernt sich nämlich besser kennen.
Gruß Henning
Jimi (19.10.2007, 11:09): Original von Jimi
ich kenne Annick Massis ebenfalls aus drei Einspielungen : Mathilde di Shabran, Francesca di Foix und Hippolyte et Aricie von Jean-Philippe Rameau.
Jetzt ist noch eine dazugekommen, Rossini "L'INGANNO FELICE" ua mit Annik Massis und Raul Gimenez :
Die Aufnahme ist von 1997, ich höre gerade rein. Nach meinem ersten Eindruck ist Annik Massis auch hier besser bei Stimme als in "Mathilde di Shabran".
Original von HenningKolf
Ich oute mich da gleich mal als Abweichler: Callas klingt mir oft zu "unschön", wenn es natürlich auch von ihr Aufnahmen gibt die mich berühren. Freni, auch Caballé rühren mich oft mehr...und man mag ja den "Hype" um Netrebko ablehnen und es mag auch überaus fraglich sein, ob man in 50 Jahren von ihr als "Große Diva" sprechen wird, aber für mich ist durchaus wichtig, wie Sänger(innen) mit der Sprache zurechtkommen, italienische Oper ist mE´s sehr für italienische, zumindest südeuropäische Zungen gemacht, russisches Repertoire singt für mich kaum jemand "schöner" als Netrebko (wie gesagt, Konzerteindrücke mögen da ganz anders sein)
Hallo Henning,
wenn du Maria Callas Stimme oft als "unschön" empfindest bist du ganz sicher kein Abweichler, ich meine da sind sehr viele der gleichen Ansicht. Man muß allerdings dazusagen das MC ihre Stimme manchmal im Sinne der Musik bewusst unschön hat klingen lassen, zb in Verdi's MACBETH, auf der anderen Seite gibt es Aufnahmen wie zb "Come per me sereno" aus LA SONNAMBULA wo ich ihre Stimme als wesentlich schöner empfinde. Das ist aber natürlich auch alles Geschmacksache, wenn jemand eine Stimme absolut nicht mag, dann ist das halt so.
Bei Freni und Caballe würde mich interessieren, ob du konkrete Aufnahmen nennen kannst wo sie dich mehr rühren als MC, oder ob das eher ein "allgemeines Empfinden" ist? Wenn du magst kannst du ja im Callas-Thread etwas dazu schreiben.
Bei Netrebko sehe ich das mit dem russischen Repertoire genau wie du, ihr "Russisches Album" ist IMO ihre bisher beste Aufnahme.
:hello Jimi
HenningKolf (29.10.2007, 17:48): Original von Jimi
Hallo Henning,
wenn du Maria Callas Stimme oft als "unschön" empfindest bist du ganz sicher kein Abweichler, ich meine da sind sehr viele der gleichen Ansicht. Man muß allerdings dazusagen das MC ihre Stimme manchmal im Sinne der Musik bewusst unschön hat klingen lassen, zb in Verdi's MACBETH, auf der anderen Seite gibt es Aufnahmen wie zb "Come per me sereno" aus LA SONNAMBULA wo ich ihre Stimme als wesentlich schöner empfinde. Das ist aber natürlich auch alles Geschmacksache, wenn jemand eine Stimme absolut nicht mag, dann ist das halt so.
Bei Freni und Caballe würde mich interessieren, ob du konkrete Aufnahmen nennen kannst wo sie dich mehr rühren als MC, oder ob das eher ein "allgemeines Empfinden" ist? Wenn du magst kannst du ja im Callas-Thread etwas dazu schreiben.
Bei Netrebko sehe ich das mit dem russischen Repertoire genau wie du, ihr "Russisches Album" ist IMO ihre bisher beste Aufnahme.
:hello Jimi
hallo, also direkte Vergleiche fallen mir jetzt auf Anhieb nicht ein, aber ich kann Dir sagen, welche Aufnahmen ich mit Freni und Caballé habe, die mir sehr gut gefallen (sind auch nicht viele, da ich Opern, insbesondere Gesamteinspielungen wirklich nur selten höre)
Cavalleria Rusticana - Freni, Pavarotti, Varady La Bohéme mit Karajan L´amico Fritz mit Pavarotti Madame Butterfly Karajan
Guillaume Tell - Caballé, Gedda, Bacquier
(glaub ich jedenfalls dass das zutreffende Angaben sind, schreibe gerade vom Büro aus :ignore )
alles Aufnahmen, die ich mir zugelegt habe, weil ich Ausschnitte im Radio oder sonst irgendwo gehört habe und meinte ich müsse diese Einspielung haben....
Callas hat den Funken bisher nur mit "La mama morta" entzündet (aus dem Filmsoundtrack zu "Philadelphia", keine Ahnung wo die Filmleute die Arie ausgegraben haben...oder es ist perfektes Remastering..Andrea Chenier von 1955 mit Monaco ist es wohl nicht, da habe ich mal reingehört, klang grauenhaft, jetzt meine ich die Aufnahme, nicht die Callas)
und meine Lieblingsarie "Ebben? Ne andro lantana" aus La Wally mag ich mit der Tebaldi deutlich lieber als mit Callas
was ich von der Callas kenne stammt von Samplern oder aus Radio und Fernsehen
Gruß Henning
manrico (30.10.2007, 01:50): Hallo Henning!
Die Aufnahmen, die du von der Freni beschreibst, gehören nicht zu meinen Lieblingsaufnahmen, weil ich das Schielen auf die Emotion, wie das Karajan in dieser Zeit in extensio betrieben hat, nicht mag (ich bin gegenüber Puccini generell ein wenig allergisch und gegenüber seinen Heulopern ganz besonders - Boheme halt ich nur mit Björling unter Beecham aus, und die Butterfly kann ich nur ertragen, wenn sie von der Jurinac gesungen wird). Strafverschärfend wird die Geschichte, wenn der Partner Pavarotti heisst. Ich muss mich aber gleich selbst korrigieren, ich kenne eine Kombination, in der das gut geht: "La figlia del reggimento" 1969.
Die Stimmfarbe der Freni ist zwar recht schön, aber nicht besonders modulationsfähig. Alles hört sich mehr oder minder gleich an. Wenn sie ein schlichtes Kind vom Land gibt, glaubt man ihr das. Eine große Dame, eine erotische Verführerin war sie nie. Freni hat wie Ricciarelli den Fehler gemacht, Rollen wie die Aida zu singen. Das hat beiden schönen Stimmen nachhaltig geschadet (Ricciarelli hatte für mein Empfinden trotzdem immer das kostbarere Material). Trotzdem hatte Ricciarelli eine Reihe anderer Fähigkeiten, die diesen Fehler auch in späteren Tagen mehr als ausgeglichen haben. Ricciarelli hat wie kaum eine andere Sängerin ihre Rollen gelebt und tatsächlich verkörpert (Elisabetta im Don Carlos, Maria Stuarda, Desdemona, Mimi) Freni ist (fast) denselben Partien gegenüber völlig hilflos gewesen (beide in diesen Rollen live erlebt - kein Vergleich). Ricciarelli war intensiv, wandlungsfähig, verwundbar, differenziert, elegant. Diese Fähigkeiten haben der Freni gefehlt. Sie ist immer ein bissl patschert und naiv über die Bühne gestolpert und man hat gewusst, da kommt das Kind vom Land. Im Live-Mitschnitt Otello aus der Scala hört man förmlich ihr Ungeschick. Da liegen Welten zwischen der Rollengestaltung der Freni und der von Ricciarelli, Jurinac oder Tomowa-Sintow (eine fast kühle, äußerst elegante Desdemona, darum auch so faszinierend). Mit Schrecken erinnere ich mich noch an die Manon Lescaut Premiere, als die Freni reichlich fortgeschritten mit ihren 17 Jahren mit Roßschwanz über die Bühne hopst. Das war fast so komisch wie der Tod Otellos, dargestellt vom unvergleichlichen Franco Bonisolli (ich bin immer nur wegen seiner Sterbeszene in seinen Otello gegangen, das war eine garantierte Lachnummer). Auch wenn sie "Mireille" singt, trifft sie meiner Meinung nach den Ton für Gounods unglückliche Heldin nicht. Wirklich gut finde ich sie eben nur als Marketenderin Marie. 1969 verfügt sie auch noch über ein Koloraturrepertoire, das ich ihr eigentlich nicht zugetraut hätte, da ich sie live ja nur aus ihren letzten Jahren kenne. Aus diesen Gründen steht die Freni bei mir nicht auf der Liste meiner Liebligssängerinnen.
Lg
Werner
HenningKolf (30.10.2007, 08:54): @Werner
"a bisserl patschert", lange nicht mehr gehört Eure Sprache..muss mal wieder hin nach Wien glaub ich (nicht nur der Kultur, auch der Esskultur wegen..Topfennockerln im Café Central - glaube so heißt das - hmmmm)...aber zurück zum Thema: ich schrieb ja weiter oben schon, dass ich nur Gelegenheitshörer bin und zudem - ich lebe mittlerweile leider in der tiefsten Provinz (vielleicht mag ich ja deshalb schlichte Landkinder :) )- seit Jahren kaum noch Live-Oper erlebe und auch keinen Großbildfernseher mit 5.1 Anlage mein Eigen nenne, also auch keine Musik-DVDs schaue..deshalb kommt es für mich auf visuelle Eindrücke und Schauspieltalent nicht an...ich glaube als bekennender Opernfan und Opernhausbesucher ändert sich der Geschmack automatisch..Puccini oder nicht ist im übrigen auch Geschmacksfrage
eine Präferenzänderung durch Erfahrung habe ich in der Sinfonik bei mir selbst mit zunehmender Erfahrung jedenfalls ausmachen können.
Gruß Henning
manrico (30.10.2007, 17:25): Hallo Henning!
Das war natürlich keine Attacke gegen die Landkinder!! Und was ich hier schreibe sind nur meine höchst subjektiven Eindrücke und Vorlieben, und die erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Richtigkeit. Lass dir von mir deinen Puccini nicht madig machen. Ich find, dass es gut sind, dass die Leute hier unterschiedlicher Meinung sind, denn sonst könnten wir uns ja die Diskussionen sparen.
Lg
Werner
HenningKolf (31.10.2007, 09:04): Mach Dir mal keinen Kopf wegen des Landkinds, ich fühle mich da keineswegs getroffen - ich bin ja auch keins, "muss" nur aus beruflichen Gründen hier leben, komme aber eigentlich aus dem Köln - Düsseldorfer Raum. Als ich dort noch gewohnt habe, war die Klassik i.w.Sinne noch nicht im Zentrum meines Musikinteresses, leider nicht alle Möglichkeiten genutzt, die das kulturelle Angebot dort geboten hätte, btw...
ich habe noch mal meine Bestände durchforstet, weil ich mich an eine Aufnahme zu erinnern glaubte..und genau, ich hab eine Turandot-Aufnahme Karajan, Domingo, Ricciarelli und letztere ist eigentlich diejenige, die mir die Aufnahme verleidet.....ist sie da schon über ihren Höhepunkt hinaus, ist das nicht ihr Repertoire oder ist das schlicht ihr Stil (krächzend, bemüht quetschend in meinen Ohren, pardon...)?...wenn letzteres zuträfe wären unsere Geschmäcker quasi Antipoden........ich weiß nämlich ehrlich gesagt gar nicht, wann die Ricciarelli ihre beste Zeit hatte..
Gruß Henning
Jimi (01.05.2007, 15:21): Hallo zusammen,
Original von Ganong Diese "Rankings" machen doch nur einen Sinn , wen man zu jedem der Lieblingsdiregenten mindestens etwas schreibt und eine Referzaufnahme , subjektiv , benennt !
Wie die trotzdem scheitern kann , beweist das vorleetzte Heft von BBC Music Magazine , in dem die angeblich 20 besten Sopranistinmnen aller Zeiten durech Befragen bei Kennern / kennerinnen "ermittelt" worden sind .
Grüsse ,
Frank
Original von Ganong
Wer Leyla Gencer mit Top-Partnern live erlebt hat , der wiss um ihr ausserordentliches Können .
Als im aktuellen Heft von BC Music Magazine die "20 Top Sopranos" ermittelt worden sind , fehglte bbc-typisch leider Leyla Gencer !
Ich kann nur empfehlen die Einzelbegründungen nachzulesen .
Nachdem Frank mehrfach diese Auflistung der “20 Top Sopranos“ aus dem Bbc Music Magazin erwähnt hat, hab ich mich mal im Web auf die Suche gemacht und möchte die Liste hier mal zur Diskussion stellen:
1. Maria Callas 2. Joan Sutherland 3. Victoria De Los Angeles 4. Leontyne Price 5. Birgit Nilsson 6. Montserrat Caballé 7. Lucia Popp 8. Margaret Price 9. Kirsten Flagstad 10. Emma Kirkby 11. Elisabeth Schwarzkopf 12. Regine Crespin 13. Galina Vishnevskaya 14. Gundula Janowitz 15. Karita Mattila 16. Elisabeth Schumann 17. Christine Brewer 18. Renata Tebaldi 19. Rosa Ponselle 20. Elly Ameling
Das Bbc Magazin hat, wenn ich das auf einer englischen Webseite richtig verstanden habe, 20 Musikfachleute nach ihren 10 Top Sopranistinnen gefragt. Daraus wurde dann die Top 20 Liste ermittelt.
Was mir zunächst aufgefallen ist:
Kaum „aktuelle“ Sängerinnen dabei aber auch keine aus der ganz frühen Schellackzeit(1900-1920) . Die “älteste“ Sängerin Elisabeth Schumann ist wohl aufgrund ihrer Liedaufnahmen aus den 30-40er Jahren in der Liste und weniger wegen ihrer früheren Opernaufnahmen.
Der ganz deutliche Schwerpunkt liegt bei Interpretinnen die zur großen Zeit der Langspielplatte aktiv waren, also Mitte der 50er bis Ende der 70er Jahre.
Begründungen zu der Wahl der einzelnen Sängerinnen habe ich leider auf die schnelle nicht gefunden, vielleicht kann ja Frank da weiterhelfen.
Bei Christine Brewer würde mich das schon interessieren, die kenne ich nur vom Hörensagen.
Bin gespannt auf eure Meinungen, z.B. wer fehlt euch am meisten in der Liste usw.
Viele Grüße von
Jimi
Amadé (01.05.2007, 20:10): Hallo Jimi,
in Deiner Liste ist eigentlich kein Platz mehr frei, vielleicht nimmst Du Christine Brewer heraus, dann gibt 's noch etwas Platz für Lotte Lehmann Irmgard Seefried Elisabeth Grümmer Zinka Milanov Gruß Amadé
manrico (01.05.2007, 22:30): Hallo Jimi !
Das ist halt immer so eine Sache mit den Lieblings- "ich weiss nicht was", und wenn man seine persönlichen Favourites dann nur in begrenztem Ausmaß vorfindet. Ich denke mir halt, dass man über Werte diskutieren, aber nicht streiten kann, weil das Dinge sind, die nicht objektivierbar sind. Ich kann nur objektivieren, ob sich jemand an die Intervalle hält, die der Komponist angibt oder nicht. Aber schon beim piano oder forte, presto oder andante wird's kantig. Ich nehme zum Beispiel Montserrat Caballe und Florence Foster-Jenkins her. Da glaube ich mit einiger Sicherheit sagen zu können, dass Frau Caballe sich eher an das hält, was sich der Komponist vorgestellt hat und würde sie damit zur besseren Sängerin erklären. Vergleiche ich sie aber mit der Callas (zum Beispiel in der Norma), so gewinnt zwar die Caballe den Technikpreis, weil sie ziemlich genau das singt, was in den Noten steht, aber die Callas singt auch das, was zwischen den Zeilen steht, und deswegen ist - zumindest für mich - die Callas die bessere - will heißen die Norma schlechthin. Für mich zum Beispiel steht das Singen mit der Seele an oberster Stelle (tut mir leid, ich hab dafür grad keinen besseren Ausdruck). Daher stehen bei mir Sängerinnen ganz oben auf meiner Liste, von denen andere behaupten, sie hätten zu kleine oder unsauber geführte Stimmen. Das ist für mich nicht so wesentlich, weil diese Künstlerinnen die Figur für mich trotzdem zum Leben erwecken - und andere, die genauer singen, tun das nicht. - Ach ja, und schrille Stimmen mag ich gar nicht!! Ok, und jetzt werde ich mich einmal an meiner persönlichen Top-Ten Liste versuchen:
1. Sena Jurinac 2. Katia Ricciarelli 3. Leyla Gencer 4. Maria Callas 5. Eileen Farrell 6. Leonthyne Price 7. Zinka Milanov 8. Joan Sutherland 9. Ghislaine Raphanel 10. Lucia Popp
Ich glaube, das kommt ganz gut hin. Jetzt frag ich mich nur gerade: Was mach ich bloß mit Rosa Ponselle, Rene Fleming, Elisabeth Rethberg, Elisabeth Grümmer, Sumi Jo und Pierette Alarie? Die wollte ich auch noch irgendwie erwähnen. Das Gute aber an CDs ist: es muss ja nicht entweder/oder heissen - ich kann ja sagen sowohl/als auch.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (01.05.2007, 22:32): Hallo Amade,
da liegt wohl ein Missverständnis vor, das ist nicht meine Liste sondern die aus dem BBC Music Magazin. Ich würde ja auch keine Sängerin in die Liste setzen die ich nur vom Namen her kenne.
Ich möchte mir das auch nicht antun 10 oder 20 Sängerinnen auszuwählen, es fallen mir dann immer noch welche ein wo ich mir denke : die müssten eigentlich auch noch mit rein, aber welche dafür jetzt rausschmeißen ?
Ich wollte diese BBC - Liste nur veröffentlichen und zur Diskussion stellen weil sie eben schon ein paarmal im Forum erwähnt wurde und mich interessiert was die anderen Mitglieder davon halten.
:hello Jimi
daniel5993 (01.05.2007, 23:16): Hallo :hello!
Callas ist auch bei mir die Nummer 1! Bin noch nicht der ganz große Opernkenner. Aber in den lezten Monaten höre ich immer wieder auf NDR-Kultur, wie die großen Stimmen, Sopranos, verglichen werden und analysiert werden und ich muss sagen ich war Callas gegenüber voreingenommen und habe Sie wegen schlechterer Klangqualität in den Aufnahmen schon ins Abseits gedrängt! Jedoch durch die Klanglich- überarbeitete Fassungen im radio, wurde ich eines besseren Belehrt! Ihre Stimme ist Grandios! In Vergleichen mit Netrebko, Sutherland und so weiter sehen ich Sie an der Spitze! Herzerweichend! Seitdem wächst die Zahl meiner Opernaufnahmen aus den 50ern mit Callas! Da ich die auf LP kaufe, ist das ein teurer Spaß, aber es lohnt sich, ich wurde eines besseren belehrt. Und da ist es auch nicht schlimm, dass es manche Opern von Ihr "nur" in Mono gibt!
Gruß :rofl daniel
Jürgen (02.05.2007, 09:03): Mir fehlt lediglich Barbara Hendricks.
Ansonsten hätte ich Schwierigkeiten auf 20 zu kommen.
Grüße Jürgen
Jimi (02.05.2007, 12:47): Original von manrico
9. Ghislaine Raphanel
Liebe Grüße
Werner
Hallo Werner,
ich beschäftige mich ja nun schon seit einigen Jahren rel. intensiv mit Oper usw. und wenn ich dann doch mal einen Sänger/inn GARNICHT kenne, werde ich immer etwas nervös. Hab ich da etwa irgend was wichtiges verpasst.
Kläre mich bitte auf wer Ghislaine Raphanel ist, hab ich wirklich noch nie gehört, nicht mal den Namen.
Viele Grüße von
Jimi
manrico (02.05.2007, 17:30): Hallo Jimi !
Hier kommt die Antwort zu Ghyslaine Raphanel.
Ich halte sie für eine der interessantesten Koloratursopranistinnen unserer Zeit (na, ja, eigentlich singt sie auch schon etwa 20 Jahre). Raphanel hat eine sehr weich timbrierte, samtige und vor allem sehr charakterische, einprägsame Stimme. Die Tatsache, dass ihr Bekanntheitsgrad eher gering ist, mag daran liegen, dass sie - zumindest bis jetzt-immer innerhalb ihrer Möglichkeiten geblieben ist und nicht versucht hat, ins dramatische Fach zu wechseln (möglicherweise ist da Elisabeth Grümmer, deren Schülerin sie ist, ihr Vorbild) und offensichtlich hauptsächlich im französischen Raum auftritt und eine große internationale Karriere gar nicht so anstrebt.
Sie singt hauptsächlich französisches Repertoire mit Ausflügen etwa zur Gilda (weiss ich aber auch nur von CD Covers, hab ich nicht gehört). Auf CDs ist sie mäßig gut dokumentiert, ich kenne sie als exquisite Reine Marguerite in den "Huguenots" unter Diederich (leider seit langem aus dem Katalog gestrichen), als Catarina in Aubers "Diamants de la Couronne"(die Aufnahme ist insgesamt nicht gelungen, das Orchester ist speziell erbärmlich, auch Raphanel ist nicht so inspiriert wie unter wirklich guten Bedingungen), als Prinzessin Laoula in Chabriers "L'etoile" und als Fiorella in Offenbachs "Les Brigands" beides unter Gardiner (vor allem als Fiorella find ich sie umwerfend). Also, wenn dir einmal eine CD von Raphanel unterkommt, kann ich sie dir wirklich empfehlen. Ach, ja, und solltest du die Carmen unter Ozawa besitzen - da singt Raphanel die Frasquita.
Es wird dort eine Rameau Oper erwähnt, Les Paladins, hast du die schon hören können ?
Ich bin momentan auf dem französischen-Barock-Opern-Trip :W , deswegen würde die mich ganz besonders interessieren.
Wenn ich mehr Zeit habe werde ich natürlich auch noch verraten welche Sopranistinnen für mich noch, außer den schon von euch genannten, in die top 20 Liste gehören.
Viel Grüße von
Jimi
manrico (10.05.2007, 02:43): Hallo Jimi!
In punkto Barockoper bin ich ahnungslos wie ein Neugeborenes. Daher kenne ich auch diese Aufnahme mit Raphanel nicht. Tut mir leid. Aber, wenn du sie dir zulegst, bin ich gespannt, wie dir die Stimme von Ghyslaine Raphanel gefällt.
Liebe Grüße
Werner
Ganong (10.05.2007, 19:43): Lieber Jimi ,
in der Druckausgabe von BC Music Magazine gibt es batürlich mindestens eine entscheidende Begründung , warum , z. b: Frau Sutherland denzweiten Platz ( hinter Maria Callas ) belkegt . in kaum einem Fall sind diese "Begründungen" aber auch nur annähernd nachzuvollziehen .
Es bleibt die Frage offen , wie Sängerinnen einzustufen sind , die schwerste Soprabnpartien gesungen haben , aber primär nicht unbedingt als reine Sopranistinnen zu bezeichnen sind ( Varnay , Mödl ) . Beide würde ich sorofrt mit ausrechende r Begründung , ihre Interpretationen sprechen die deutlichste Sprache , unter die TOP 20 wählen ., Dann fehlen grosse sängerin - darsteller#ende Sopranistinnen wir#e Anna Moffo. A l l e französischen Sopranisten bermisse ich schmerzlich .
Im übrigen sollte man eine Söngerin auch im Konzert ( Liefgut ) oider in der Oper erlebt haben .
Die sog. Begründung in der genanten Zeitschrift ist einfach , um dies mit Schulnoten auszudrfücken , mangelhaft .
Viele Grüsse ,
Frank
Ganong (10.05.2007, 19:44): Lieber Jimi ,
in der Druckausgabe von BBC Music Magazine gibt es natürlich mindestens eine entscheidende Begründung , warum , z. b: Frau Sutherland den zweiten Platz ( hinter Maria Callas ) belkegt . in kaum einem Fall sind diese "Begründungen" aber auch nur annähernd nachzuvollziehen .
Es bleibt die Frage offen , wie Sängerinnen einzustufen sind , die schwerste Soprabnpartien gesungen haben , aber primär nicht unbedingt als reine Sopranistinnen zu bezeichnen sind ( Varnay , Mödl ) . Beide würde ich sorofrt mit ausrechende r Begründung , ihre Interpretationen sprechen die deutlichste Sprache , unter die TOP 20 wählen ., Dann fehlen grosse sängerin - darsteller#ende Sopranistinnen wir#e Anna Moffo. A l l e französischen Sopranisten bermisse ich schmerzlich .
Im übrigen sollte man eine Söngerin auch im Konzert ( Liefgut ) oider in der Oper erlebt haben .
Die sog. Begründung in der genanten Zeitschrift ist einfach , um dies mit Schulnoten auszudrfücken , mangelhaft .
Viele Grüsse ,
Frank
Ganong (15.05.2007, 16:23): Liebe Forumsmitglieder und Mitleser dieses Forums ,
bei der Lektüre des BC Magazines habe ich mich gefragtr , ob nicht auch Sängerinnen , die geradezu typische Sopran - Rollen singen , wie etwa Mödk#l oder Vernay ,die Isolde , zu den Sopranen gerechnet werden sollten , zumindest dürften ?
Ich sehr dies so unnd würde in meiner TOP 20 - Liste die beiden genannten grossen Künstlerinenn sofort in die Liste meiner Top 20 - Sängerinnen aufnehmen . Wer sollte diese ganz aussergewöhnlichen Könnerinnen wirklich von Thron der Isolde z.B. (verstossen können . Rudolkf Bing , kein ganz Unerfahrener , hatte DFrau Mödl die Krone als Isolde aufs Haupt gesetzt . Und noch heute gilt Mödls Isolde an der New Yorker MET als d i e Isolde schlechthin .
Was meint Ihr dazu ?
Dank für Eure Beiträge im voraus .
Grüsse ,
Frank
Amadé (15.05.2007, 17:33): Hallo Frank,
Varnay und Mödl gehören sicherlich auch in die TOP-Klasse, wobei ich die Varnay der Mödl noch vorziehe. Die Mödl war ja ursprünglich eine Altistin und wuchs in das Sopranfach hinein. Jahrelang gehörte sie mit ihren Interpretationen der Kundry und Brünnhilde zum Stammkader der Bayreuther Festspiele in der Nachkriegszeit. Da ich sie nicht persönlich auf der Bühne erleben konnte, bleiben mir nur ihre Plattenaufnahmen und Mitschnitte. Hierbei kann sie mich im Vergleich mit Varnay nicht immer restlos überzeugen. Auch ihre dunkel gefärbte Stimme finde ich nicht immer rollendeckend (Brünnhilde Siegfried 3. Akt). Zeitzeugen berichten jedoch immer wieder von Mödls enormer Ausstrahlung und Identifikation mit der jeweiilgen Rolle auf der Bühne, die stimmliche Defizite mehr als wettmachte. Ähnlich geht es mir bei Hans Hotter, da ziehe ich auf der Platte Ferdinand Frantz vor, darüber habe ich mich bereits früher an anderer Stelle in diesem Forum geäußert.
GRüße Bernd
satie (15.05.2007, 23:25): Ich bin nicht sicher, ob ichs überlesen habe. Ich würde doch auch die Gruberova als hervorragende Technikerin (dafür leider oft flach) und die Berganza (eine schöne ausnahmsweise gerade (!) Stimme!) dazu nehmen. Allerdings kann ich bei beiden etwa die Bühnenpräsenz gar nicht beurteilen, weil nie gesehen. Stimmlich, bzw. technisch gefallen sie mir, daher wollte ich die beiden immerhin erwähnt haben.
Gute Nacht, S A T I E
satie (15.05.2007, 23:27): P.S.: Falls Berganza kein Sopran sein sollte, verzeihe man mir... Ich habe sie lange nicht gehört. Sie ist sicher kein hoher Sopran. Ein Mezzo? Da seht ihr einmal, wieviel Ahnung ich davon habe...
LazarusLong (16.05.2007, 13:26): Original von Satie Ich bin nicht sicher, ob ichs überlesen habe. Ich würde doch auch die Gruberova als hervorragende Technikerin (dafür leider oft flach) und die Berganza (eine schöne ausnahmsweise gerade (!) Stimme!) dazu nehmen. Allerdings kann ich bei beiden etwa die Bühnenpräsenz gar nicht beurteilen, weil nie gesehen. Stimmlich, bzw. technisch gefallen sie mir, daher wollte ich die beiden immerhin erwähnt haben.
Gute Nacht, S A T I E
Ich kenne die Gruberova als Königin der Nacht - atemberaubend auch in der Bühnenausstrahlung und aus Cosi fan tutte - Stimmlich mit geschlossenen Augen der Wahnsinn, wenn ich sie in der Rolle sehe - passt einfach nicht.
Nebenbei würde ich gerne noch die Namen Mirella Freni, Kiri te kanawa, Bartoli, Fleming ins Gespräch bringen, die für mich einfach dazugehören. Der Vollständigkeit halber, obwohl ich persünlich sie genauso wenig mag wie die Callas, bleibt vielleicht noch Anna Netrebko zu erwähnenn.
Frank
manrico (16.05.2007, 19:39): Lieber Satie !
Bei der Begeisterung für Berganza bin ich ganz bei dir. Selten sind Schönheit der Stimme und ausgefeilte Technik vereint. Bei Berganza ist das der Fall. Ihre Kultiviertheit geht zwar manchmal zu Lasten des Ausdrucks und da oder dort wäre sicher ein wenig mehr Pfeffer durchaus angebracht, aber die eierlegende Wollmilchsau gibt's halt einfach nicht. Ich habe sie nicht auf meiner Liste gehabt, weil sie, wie du richtig angemerkt hast, doch eher ins Mezzofach fällt.
Anders sehe ich die Sache mit Edita Gruberova. Es gab ja eine Zeit in Wien, in der man an der Gruberova praktisch nicht vorbeigekommen ist. Sie hat eigentlich von der Königin der Nacht bis zum Baron Scarpia alles gesungen. Und ich muß ehrlich sagen: ich kann die Begeisterung für die Gruberova nur schwer verstehen. Sie hat mir in 2,5 Rollen gefallen - nämlich immer dann, wenn sie ein gefühlskaltes Geschöpf darstellen konnte. Das heisst ich habe sie gut in der Zauberflöte, sehr gut in der Manon und spannend im Finale 2. Akt Maria Stuarda gefunden. Wie sich die Baltsa und die Gruberova auf der Bühne angegiftet haben und sie der Baltsa ihr "Figlia impura di Bolena" ins Gesicht geschleudert hat - da ist mir echt die Gänsehaut über den Rücken gelaufen. Im Studio haben sie das leider nicht so intensiv hingekriegt. Wann immer die Gruberova ein verletzliches romantisches Mädchen (Gilda, Violetta, Lucia, Linda di Chamonix) hätte darstellen sollen, ist das für meinen Geschmack in die Hose gegangen. Ich habe auch den selben Eindruck wie Lazarus Long: ich konnte sie auf der Bühne einfach nicht anschauen. Ich meine, es gelingt auch Sängerinnen mit -na sagen wir statuarischer Figur- mir ein Gefühl von Zerbrechlichkeit oder Empfindsamkeit zu vermitteln. Der Gruberova ist das nie gelungen. Wenn sie mit ihrer typischen Geste den Kopf in den Nacken geworfen hat, um zum Spitzenton anzusetzen, kam der auch zumeist, aber die Stimme war doch eher klein und hauchig. Ihre Geste und stimmliche Dynamik standen für mich in skurillem Widerspruch zueinander. Erstaunlicherweise habe ich bei der Gruberova auf der Bühne immer das Gefühl gehabt, dass sie doch sehr rasch an ihre stimmlichen Grenzen gelangt und unsauber intoniert, zumal ihre Stimme nicht strahlend und klar ist sondern doch eher verhangen klingt und lange zum Einschwingen braucht. Insgesamt gefällt sie mir ehrlicherweise in ihren CD-Einspielungen eher als live auf der Bühne. Zudem habe ich sie einmal in der Lucia erlebt, bei der ihr ein junger, sichtlich nervöser und der Primadonna offensichtlich nicht genehmer Tenorpartner zur Seite gestellt wurde. Frau Gruberova hat in dieser Vorstellung beschlossen, einfach nicht mit ihm zu singen, sondern einfach ihren Part abgeliefert und sich, sobald ihr Tenorpartner an der Reihe war, einfach hinzusetzen, sich wegzudrehen und ihn ins Leere spielen zu lassen. Einen solchen offensichtlichen Fall von Unkollegialität habe ich sonst nie wieder auf der Bühne erlebt (der Ärmste hat sich dann auch noch beim Sextett vor lauter Nervosität selbst entwaffnet und sein Schwert verloren - die Feinde haben es ihm dann wieder gebracht). Aus der Summe dieser Eindrücke hat sie nie zu meinen Lieblingssängerinnen gehört.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (16.05.2007, 20:02): Original von Satie P.S.: Falls Berganza kein Sopran sein sollte, verzeihe man mir... Ich habe sie lange nicht gehört. Sie ist sicher kein hoher Sopran. Ein Mezzo? Da seht ihr einmal, wieviel Ahnung ich davon habe...
Hallo Satie und Frank,
schon richtig Theresa Berganza ist ein Mezzo, ob sie allerdings auch Ausflüge in den Sopranbereich gemacht hat wie z.b. Cecilia Bartoli mit der Fiordiligi(Cosi fan tutte), ist mir nicht bekannt.
Ich würde beide jedenfalls als Mezzosopran einordnen.
Ist übrigens garnicht so Selten dass Sängerinnen von Sopran zu Mezzo "mutieren", wie z.B. Marilyn Horne oder Lorrain Hunt Lieberson.
Viele Grüsse von Jimi
nikolaus (16.05.2007, 20:45): Original von manrico
Und ich muß ehrlich sagen: ich kann die Begeisterung für die Gruberova nur schwer verstehen.
Das geht mir genauso; wenn ich im Radio Opernausschnitte höre, höre ich die Gruberova leider immer direkt heraus, weil etwas in ihrer Stimme ist, das mir überhaupt nicht gefällt; berührt werde ich von ihr sowieso nicht.
Aber - auch wenn ich nicht so in der Opern-Szene kundig bin - Karita Mattila höre ich sehr, sehr gerne und würde sie auch gerne mal live erleben.
Nikolaus.
manrico (17.05.2007, 01:24): Hallo Nikolaus !
Ich habe Karita Mattila zu wenig oft gehört, um was Gscheites über sie sagen zu können, ich kenne sie bewußt nur als Emma in der Fierrabras - Einspielung, aber da gefällt sie mir auch sehr, sehr gut. In puncto Bühnenpräsenz darf man auch Soile Isokoski nicht unerwähnt lassen. Sie hat in Wien eine wirklich fantastische Rachel in Halevys Jüdin gesungen - sehr stark, gar nicht auf Weibchen getrimmt, mit unglaublicher Bühnenpräsenz. Man muß zu diesen Aufführungen (die auch auf CD vorliegen - einer der Höhepunkte der letzten 10 Jahre in der Wiener Staatsoper) sagen, dass auch die Partner außergewöhnlich waren - Shikoff, Todorovich, Schörg, Miles).
Kann ich wirklich sehr empfehlen.
Liebe Grüße
Werner
Ganong (17.05.2007, 19:24): Lieber Nikolaus ,
Karitta Mattila ist auch in der BC Music Magazine -Liste enthalten . Man möchte fast sagen natürlich .
Wenn wir die grossen , alten Damnen , meist inzwischen verstorben , dann hinzufügen im Vergleich , dann ist dies um erstaunlicher . Dies Nicht-Ein-Mann-Entscheidung spricht auch dafür , dass , man sehe es mir bitte nach , die Musikwelt nicht bei Rosa Ponselle stehengebliben ist .
Wer mir in der Aufreihung sehr gefehlt hat , das waren
Teresa Stratas u n d
Anna Moffo !
Letztere war sicherlkich eine der besten , überzeugensten Sängerinnen u n d Darstellerin verschiedener Mozartrollen .
Dir alles Gute !
Frank
nikolaus (17.05.2007, 21:02): Original von Ganong Lieber Nikolaus ,
Karitta Mattila ist auch in der BC Music Magazine -Liste enthalten .
Entschuldigung, ich hätte wohl lieber noch mal oben nachlesen sollen!
Herzliche Grüße, Nikolaus.
Jimi (20.05.2007, 20:07): Hallo miteinander,
ich habe hier einmal alle „fehlenden Sängerinnen“ aufgelistet die bisher von Euch genannt wurden:
Lotte Lehmann Irmgard Seefried Elisabeth Grümmer Zinka Milanov Sena Jurinac Katia Ricciarelli Leyla Gencer Eileen Farrell Ghislaine Raphanel Rene Fleming Elisabeth Rethberg Sumi Jo Pierette Alarie Barbara Hendricks Astrid Varnay Martha Mödl Edita Gruberova Mirella Freni Kiri te kanawa Anna Netrebko Soile Isokoski Teresa Stratas Anna Moffo
23 wenn ich mich nicht verzählt habe, also schon mehr als in der BBC Liste.
Es sind etliche dabei die auch mir in der BBC Liste sehr gefehlt haben, vor allen Farrell, Lehmann, Milanov, Grümmer, Jurinac, Rethberg und Freni.
Original von manrico
In punkto Barockoper bin ich ahnungslos wie ein Neugeborenes.
Hallo Werner,
man kann und muß nicht alles kennen/mögen, aber da entgehen dir event.einige hochinteressante Sänger/innen, wie z.B.
Sandrine Piau
Momentan meine Nr.1 für Barockmusik.
Original von Ganong A l l e französischen Sopranisten vermisse ich schmerzlich .
Hallo Frank,
vermisst du wirklich alle ?
Mit Regine Crispin ist ja immerhin eine dabei, wenn man bedenkt dass es sich um eine „englische Liste“ handelt gar nicht so wenig. :rofl
Ok, Spaß beiseite, mir fallen außer Sandrine Piau noch ein paar französische Sopranistinnen ein die man auflisten kann :
2 aktuelle:
Veronique Gens
Natalie Dessay
und 2 von früher :
Germaine Lubin(fantastische Wagnerinterpretin)
Ninon Vallin
Und ansonsten würde ich noch dazunehmen (nicht aus Frankreich):
Angela Gheorghiu
Magda Olivero
Viele Grüße von
Jimi
manrico (30.07.2007, 12:26): Im Rahmen der Spitzensoprane muss ich jetzt doch auch die Französin Annick Masis ins Spiel bringen. Es scheint, als würde sie von der Öffentlichkeit noch nicht so wahr genommen wie sie es eigentlich werden sollte. Ich kenne sie aus drei Einspielungen, habe sie aber noch nie live erlebt (Margarita d'Anjou, Mathilde di Shabran und Francesca di Foix - Danke für den Tipp, Jimi, ein wirklich unterhaltsame Oper) und jedesmal zeigt sie ihre außergewöhnliche Brillanz. Massis hat ein wunderschönes weiches, rundes Timbre und eine sehr präzise, kristallklare Höhe und funkelnde Spitzentöne ohne Schärfen oder Spreizungen. Damit unterscheidet sie sich von Netrebko (die ein schönes Timbre hat (und nicht nur das ist schön :)), aber oft unpräzise ist - trotzdem bin ich der Ansicht, dass die Oper Netrebkos wie einen Bissen Brot braucht), Gruberova (kein besonders schönes Timbre- über den Rest will ich aus Höflichkeit lieber nix sagen, oft hauchige Töne. Trotzdem ist sie mir auf CD lieber als auf der Bühne - da hat sie eine geradzu widerwärtige Arroganz und posiert bis zur Lächerlichkeit), Sutherland (sehr verhangene, nebelige Stimme, immer ein bißchen einförmig, aber sauber gesungen), Dessay (die ersten Auftritte in Wien als Olympia waren sensationell, als Regimentstochter hab ich sie etwas scharf gefunden), Caballe (kalt und glatt, aber fast immer präzise - Ausnahme: Anna Bolena- ein Debakel auf offener Bühne. Hingegen ist sie auf ihren ersten Recitals fantastisch) oder Scotto (hohe Töne geraten ihr immer zum scheußlichen gespreizten Schrei, der Rest ist von quälender Langeweile - besonders schlimm ist ihre altjüngferliche Gilda unter Gavazzeni, bei der man sich nicht wundert, dass nach ihrem monotonen penetranten Gesinge "Lassu in ciel" Rigoletto doch lieber wieder an den Hof zurückkehrt und auch der Herzog nach einer Nacht Reißaus nimmt). Die Stimme von Massis scheint nicht besonders groß zu sein, setzt sich aber mühelos in Ensembles durch und besticht durch Brillianz und Schönheit. Bei Mathilde di Shabran steht sie meiner Meinung nach völlig zu unrecht im Schatten von Florez (der fraglos sensationell ist und das bessere Marketing hat). Die atemberaubenden Koloraturen hören sich völlig mühelos an. Dasselbe gilt für ihre Margarita d'Anjou. Auch hier fällt auf, dass es sich um eine insgesamt sehr saubere, offenbar gut vorbereitete Produktion mit hervorragenden Sängern (Ford, Barcellona, Miles) handelt. Ich finde es jedenfalls sehr erfreulich, dass sich so exzellente Sänger um weniger gängiges Repertoire annehmen und auf höchstem Niveau musizieren.
Liebe Grüße
Werner
Jimi (04.10.2007, 18:14): Hallo Werner,
ich kenne Annick Massis ebenfalls aus drei Einspielungen : Mathilde di Shabran, Francesca di Foix und Hippolyte et Aricie von Jean-Philippe Rameau. Die von dir genannte Margarita d'Anjou ist mir nicht bekannt. Ich halte sie ebenfalls für eine sehr gute Sängerin, kann mich aber deiner positiven Beurteilung zumindest was die Shabran angeht nicht ganz anschließen. Es handelt sich ja um eine Live-Aufnahme, und ich habe den Eindruck das sie bei der Auführung nicht 100% in Form war. Speziell in dem(sehr schwierigen) Schlußrondo klingt sie für mich doch nicht gerade mühelos. Aber Live ist eben nun mal Live da kann das schon mal vorkommen. In der "di Foix" finde ich sie deutlich besser, aber ich glaube das ihre eigentliche Stärke in der franz. Barockmusik liegt . In der Rameau Oper singt sie nur eine Nebenrolle, aber da klingt sie wirklich sehr sehr gut, die Aufnahme ist auch schon etwas älter(1995) vielleicht hat es auch damit etwas zu tun.
Auch eine andere Sängerin die hier schon einmal kurz erwähnt habe hat ihre Stärken auch ganz klar bei bei Barockmusik : Sandrine Piau.
Wie viele der derzeit besten Barockinterpreten (zb Veronique Gens, Jean Paul Fouchecourt oder Mark Padmore) hat sie früher bei William Christie's Ensemble " Les Arts Florissants gesungen.
Sandrine Piau hat zwar auch keine besonders große Stimme dafür aber eine mühelose Höhe und eine sensationelle Gesangstechnik. Das besondere dabei : ihre teilweise atemberaubende Virtuosität wirkt (auf mich) bei ihr, im Gegensatz zu mancher Kollegin, nie als Selbstzweck oder "aufgesetzt" sondern immer als natürlicher Teil der Musik. Damit keine Missverständnisse aufkommen, sie singt auch weniger verzierte Musik sehr intensive und ausdrucksstark.
Hier mal ein paar Beispiele von youtube. Am besten find ich den ersten Clip von einer Probe, da kommt echt Freude auf:
Sandrine Piau bei einer Probe von Vivaldi's Motette "In furore"
"Se pieta" aus Händel's Giulio Cesare
Das ganze gibt's auch auf Cd :
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7395077.jpg
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2677125.jpg
:hello Jimi
HenningKolf (04.10.2007, 22:35): den thread habe ich gerade erst entdeckt...also eine TOP 20 - Liste und M. Freni nicht dabei? Für mich völlig undenkbar!
aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten...zudem kommt es darauf an, unter welchen Gesichtspunkten man seine Präferenzen aufstellt. Für mich, der ich erstens Opern nur manchmal höre, Wagner nur ohne Worte mag und zudem selten Gelegenheit hatte, Opernaufführungen zu sehen und die DVD als Musikmedium nicht schätze steht naturgemäß das Schauspieltalent und die Wagnertauglichkeit nicht im Vordergrund...es ist dann einzig und allein die Stimme die mich berührt, bezogen auf den Vortrag besonders italienischer, französischer und russischer Opern - und da darf es gerne "schön" (natürlich auch ein sehr auslegbarer Begriff) klingen.
Ich oute mich da gleich mal als Abweichler: Callas klingt mir oft zu "unschön", wenn es natürlich auch von ihr Aufnahmen gibt die mich berühren. Freni, auch Caballé rühren mich oft mehr...und man mag ja den "Hype" um Netrebko ablehnen und es mag auch überaus fraglich sein, ob man in 50 Jahren von ihr als "Große Diva" sprechen wird, aber für mich ist durchaus wichtig, wie Sänger(innen) mit der Sprache zurechtkommen, italienische Oper ist mE´s sehr für italienische, zumindest südeuropäische Zungen gemacht, russisches Repertoire singt für mich kaum jemand "schöner" als Netrebko (wie gesagt, Konzerteindrücke mögen da ganz anders sein)
Jedenfalls halte ich von solchen sich offiziell gebenden Ranglisten herzlich wenig, vor allem wenn dann noch nicht einmal repertoirebezogen bewertet wird.........Birgit Nilsson in Pique Dame??, Emma Kirkby als Mimi?? Maria Callas singt William Byrd?? Man braucht sich nur so etwas vorzustellen und weiß dass es völlig egal ist wieviel "Experten" die befragt haben.....
"Ranglisten" von Forenmitgliedern sind hingegen durchaus hilfreich, man lernt sich nämlich besser kennen.
Gruß Henning
Jimi (19.10.2007, 11:09): Original von Jimi
ich kenne Annick Massis ebenfalls aus drei Einspielungen : Mathilde di Shabran, Francesca di Foix und Hippolyte et Aricie von Jean-Philippe Rameau.
Jetzt ist noch eine dazugekommen, Rossini "L'INGANNO FELICE" ua mit Annik Massis und Raul Gimenez :
Die Aufnahme ist von 1997, ich höre gerade rein. Nach meinem ersten Eindruck ist Annik Massis auch hier besser bei Stimme als in "Mathilde di Shabran".
Original von HenningKolf
Ich oute mich da gleich mal als Abweichler: Callas klingt mir oft zu "unschön", wenn es natürlich auch von ihr Aufnahmen gibt die mich berühren. Freni, auch Caballé rühren mich oft mehr...und man mag ja den "Hype" um Netrebko ablehnen und es mag auch überaus fraglich sein, ob man in 50 Jahren von ihr als "Große Diva" sprechen wird, aber für mich ist durchaus wichtig, wie Sänger(innen) mit der Sprache zurechtkommen, italienische Oper ist mE´s sehr für italienische, zumindest südeuropäische Zungen gemacht, russisches Repertoire singt für mich kaum jemand "schöner" als Netrebko (wie gesagt, Konzerteindrücke mögen da ganz anders sein)
Hallo Henning,
wenn du Maria Callas Stimme oft als "unschön" empfindest bist du ganz sicher kein Abweichler, ich meine da sind sehr viele der gleichen Ansicht. Man muß allerdings dazusagen das MC ihre Stimme manchmal im Sinne der Musik bewusst unschön hat klingen lassen, zb in Verdi's MACBETH, auf der anderen Seite gibt es Aufnahmen wie zb "Come per me sereno" aus LA SONNAMBULA wo ich ihre Stimme als wesentlich schöner empfinde. Das ist aber natürlich auch alles Geschmacksache, wenn jemand eine Stimme absolut nicht mag, dann ist das halt so.
Bei Freni und Caballe würde mich interessieren, ob du konkrete Aufnahmen nennen kannst wo sie dich mehr rühren als MC, oder ob das eher ein "allgemeines Empfinden" ist? Wenn du magst kannst du ja im Callas-Thread etwas dazu schreiben.
Bei Netrebko sehe ich das mit dem russischen Repertoire genau wie du, ihr "Russisches Album" ist IMO ihre bisher beste Aufnahme.
:hello Jimi
HenningKolf (29.10.2007, 17:48): Original von Jimi
Hallo Henning,
wenn du Maria Callas Stimme oft als "unschön" empfindest bist du ganz sicher kein Abweichler, ich meine da sind sehr viele der gleichen Ansicht. Man muß allerdings dazusagen das MC ihre Stimme manchmal im Sinne der Musik bewusst unschön hat klingen lassen, zb in Verdi's MACBETH, auf der anderen Seite gibt es Aufnahmen wie zb "Come per me sereno" aus LA SONNAMBULA wo ich ihre Stimme als wesentlich schöner empfinde. Das ist aber natürlich auch alles Geschmacksache, wenn jemand eine Stimme absolut nicht mag, dann ist das halt so.
Bei Freni und Caballe würde mich interessieren, ob du konkrete Aufnahmen nennen kannst wo sie dich mehr rühren als MC, oder ob das eher ein "allgemeines Empfinden" ist? Wenn du magst kannst du ja im Callas-Thread etwas dazu schreiben.
Bei Netrebko sehe ich das mit dem russischen Repertoire genau wie du, ihr "Russisches Album" ist IMO ihre bisher beste Aufnahme.
:hello Jimi
hallo, also direkte Vergleiche fallen mir jetzt auf Anhieb nicht ein, aber ich kann Dir sagen, welche Aufnahmen ich mit Freni und Caballé habe, die mir sehr gut gefallen (sind auch nicht viele, da ich Opern, insbesondere Gesamteinspielungen wirklich nur selten höre)
Cavalleria Rusticana - Freni, Pavarotti, Varady La Bohéme mit Karajan L´amico Fritz mit Pavarotti Madame Butterfly Karajan
Guillaume Tell - Caballé, Gedda, Bacquier
(glaub ich jedenfalls dass das zutreffende Angaben sind, schreibe gerade vom Büro aus :ignore )
alles Aufnahmen, die ich mir zugelegt habe, weil ich Ausschnitte im Radio oder sonst irgendwo gehört habe und meinte ich müsse diese Einspielung haben....
Callas hat den Funken bisher nur mit "La mama morta" entzündet (aus dem Filmsoundtrack zu "Philadelphia", keine Ahnung wo die Filmleute die Arie ausgegraben haben...oder es ist perfektes Remastering..Andrea Chenier von 1955 mit Monaco ist es wohl nicht, da habe ich mal reingehört, klang grauenhaft, jetzt meine ich die Aufnahme, nicht die Callas)
und meine Lieblingsarie "Ebben? Ne andro lantana" aus La Wally mag ich mit der Tebaldi deutlich lieber als mit Callas
was ich von der Callas kenne stammt von Samplern oder aus Radio und Fernsehen
Gruß Henning
manrico (30.10.2007, 01:50): Hallo Henning!
Die Aufnahmen, die du von der Freni beschreibst, gehören nicht zu meinen Lieblingsaufnahmen, weil ich das Schielen auf die Emotion, wie das Karajan in dieser Zeit in extensio betrieben hat, nicht mag (ich bin gegenüber Puccini generell ein wenig allergisch und gegenüber seinen Heulopern ganz besonders - Boheme halt ich nur mit Björling unter Beecham aus, und die Butterfly kann ich nur ertragen, wenn sie von der Jurinac gesungen wird). Strafverschärfend wird die Geschichte, wenn der Partner Pavarotti heisst. Ich muss mich aber gleich selbst korrigieren, ich kenne eine Kombination, in der das gut geht: "La figlia del reggimento" 1969.
Die Stimmfarbe der Freni ist zwar recht schön, aber nicht besonders modulationsfähig. Alles hört sich mehr oder minder gleich an. Wenn sie ein schlichtes Kind vom Land gibt, glaubt man ihr das. Eine große Dame, eine erotische Verführerin war sie nie. Freni hat wie Ricciarelli den Fehler gemacht, Rollen wie die Aida zu singen. Das hat beiden schönen Stimmen nachhaltig geschadet (Ricciarelli hatte für mein Empfinden trotzdem immer das kostbarere Material). Trotzdem hatte Ricciarelli eine Reihe anderer Fähigkeiten, die diesen Fehler auch in späteren Tagen mehr als ausgeglichen haben. Ricciarelli hat wie kaum eine andere Sängerin ihre Rollen gelebt und tatsächlich verkörpert (Elisabetta im Don Carlos, Maria Stuarda, Desdemona, Mimi) Freni ist (fast) denselben Partien gegenüber völlig hilflos gewesen (beide in diesen Rollen live erlebt - kein Vergleich). Ricciarelli war intensiv, wandlungsfähig, verwundbar, differenziert, elegant. Diese Fähigkeiten haben der Freni gefehlt. Sie ist immer ein bissl patschert und naiv über die Bühne gestolpert und man hat gewusst, da kommt das Kind vom Land. Im Live-Mitschnitt Otello aus der Scala hört man förmlich ihr Ungeschick. Da liegen Welten zwischen der Rollengestaltung der Freni und der von Ricciarelli, Jurinac oder Tomowa-Sintow (eine fast kühle, äußerst elegante Desdemona, darum auch so faszinierend). Mit Schrecken erinnere ich mich noch an die Manon Lescaut Premiere, als die Freni reichlich fortgeschritten mit ihren 17 Jahren mit Roßschwanz über die Bühne hopst. Das war fast so komisch wie der Tod Otellos, dargestellt vom unvergleichlichen Franco Bonisolli (ich bin immer nur wegen seiner Sterbeszene in seinen Otello gegangen, das war eine garantierte Lachnummer). Auch wenn sie "Mireille" singt, trifft sie meiner Meinung nach den Ton für Gounods unglückliche Heldin nicht. Wirklich gut finde ich sie eben nur als Marketenderin Marie. 1969 verfügt sie auch noch über ein Koloraturrepertoire, das ich ihr eigentlich nicht zugetraut hätte, da ich sie live ja nur aus ihren letzten Jahren kenne. Aus diesen Gründen steht die Freni bei mir nicht auf der Liste meiner Liebligssängerinnen.
Lg
Werner
HenningKolf (30.10.2007, 08:54): @Werner
"a bisserl patschert", lange nicht mehr gehört Eure Sprache..muss mal wieder hin nach Wien glaub ich (nicht nur der Kultur, auch der Esskultur wegen..Topfennockerln im Café Central - glaube so heißt das - hmmmm)...aber zurück zum Thema: ich schrieb ja weiter oben schon, dass ich nur Gelegenheitshörer bin und zudem - ich lebe mittlerweile leider in der tiefsten Provinz (vielleicht mag ich ja deshalb schlichte Landkinder :) )- seit Jahren kaum noch Live-Oper erlebe und auch keinen Großbildfernseher mit 5.1 Anlage mein Eigen nenne, also auch keine Musik-DVDs schaue..deshalb kommt es für mich auf visuelle Eindrücke und Schauspieltalent nicht an...ich glaube als bekennender Opernfan und Opernhausbesucher ändert sich der Geschmack automatisch..Puccini oder nicht ist im übrigen auch Geschmacksfrage
eine Präferenzänderung durch Erfahrung habe ich in der Sinfonik bei mir selbst mit zunehmender Erfahrung jedenfalls ausmachen können.
Gruß Henning
manrico (30.10.2007, 17:25): Hallo Henning!
Das war natürlich keine Attacke gegen die Landkinder!! Und was ich hier schreibe sind nur meine höchst subjektiven Eindrücke und Vorlieben, und die erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Richtigkeit. Lass dir von mir deinen Puccini nicht madig machen. Ich find, dass es gut sind, dass die Leute hier unterschiedlicher Meinung sind, denn sonst könnten wir uns ja die Diskussionen sparen.
Lg
Werner
HenningKolf (31.10.2007, 09:04): Mach Dir mal keinen Kopf wegen des Landkinds, ich fühle mich da keineswegs getroffen - ich bin ja auch keins, "muss" nur aus beruflichen Gründen hier leben, komme aber eigentlich aus dem Köln - Düsseldorfer Raum. Als ich dort noch gewohnt habe, war die Klassik i.w.Sinne noch nicht im Zentrum meines Musikinteresses, leider nicht alle Möglichkeiten genutzt, die das kulturelle Angebot dort geboten hätte, btw...
ich habe noch mal meine Bestände durchforstet, weil ich mich an eine Aufnahme zu erinnern glaubte..und genau, ich hab eine Turandot-Aufnahme Karajan, Domingo, Ricciarelli und letztere ist eigentlich diejenige, die mir die Aufnahme verleidet.....ist sie da schon über ihren Höhepunkt hinaus, ist das nicht ihr Repertoire oder ist das schlicht ihr Stil (krächzend, bemüht quetschend in meinen Ohren, pardon...)?...wenn letzteres zuträfe wären unsere Geschmäcker quasi Antipoden........ich weiß nämlich ehrlich gesagt gar nicht, wann die Ricciarelli ihre beste Zeit hatte..
Gruß Henning
nikolaus (15.02.2009, 20:30): Ich habe heute zufällig im Radio auf S2 eine Sendung über Antonietta Stella gehört.
Sie hatte ihre Hochzeit in den 50er und 60er Jahren und war "Spezialistin" für das Italienische Fach, v.a. Verdi (obwohl sie nach eigener Aussage sehr gerne Wagner-Sängerin geworden wäre, was offenbar aufgrund ihrer Aussprache nicht passte). Was ich da an Ausschnitten gehört habe, hat mich sehr beeindruckt. Eine sehr schöne Stimme mit - wenn nötig - grosser Durchschlagskraft.
Kennt jemand mehr von ihr?
Nikolaus.
Honoria Lucasta (25.02.2010, 14:59): Mit kaum einem Jahr Verspätung :wink: ja, natürlich kennen wir Antonietta Stella und lieben sie sehr, vor allem wegen ihrer hervorrragenden Maddalena in Andrea Chenier: einmal mit del Monaco
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4032250099837.jpg (diese Aufnahme gibt es wohl auch als DVD)
Beide Male gibt sie der Partie ein feines, quasi aristokratisches Gesicht - für mich ist sie eine der besten Maddalenen. Schöne schlanke Stimme, keine übertriebenen Verismo-Ausbrüche.
Außerdem ist sie eine ebenso gute Elisabeth in einer meiner Don-Carlos-Lieblingsaufnahmen mit einem grandiosen Boris Christoff und Bastianini als Posa - leider finde ich das Cover nicht, scheint nicht mehr im Handel zu sein. Eine ähnliche Besetzung, allerdings mit Tito Gobbi als Posa, aus derselben Zeit ist diese:
Severina (25.02.2010, 16:14): Original von manrico
Die Stimmfarbe der Freni ist zwar recht schön, aber nicht besonders modulationsfähig. Alles hört sich mehr oder minder gleich an. Wenn sie ein schlichtes Kind vom Land gibt, glaubt man ihr das. Eine große Dame, eine erotische Verführerin war sie nie. Freni hat wie Ricciarelli den Fehler gemacht, Rollen wie die Aida zu singen. Das hat beiden schönen Stimmen nachhaltig geschadet (Ricciarelli hatte für mein Empfinden trotzdem immer das kostbarere Material). Trotzdem hatte Ricciarelli eine Reihe anderer Fähigkeiten, die diesen Fehler auch in späteren Tagen mehr als ausgeglichen haben. Ricciarelli hat wie kaum eine andere Sängerin ihre Rollen gelebt und tatsächlich verkörpert (Elisabetta im Don Carlos, Maria Stuarda, Desdemona, Mimi) Freni ist (fast) denselben Partien gegenüber völlig hilflos gewesen (beide in diesen Rollen live erlebt - kein Vergleich). Ricciarelli war intensiv, wandlungsfähig, verwundbar, differenziert, elegant.
Lg
Werner
Tja, so verschieden können Geschmäcker sein! Ich fand Katia Ricciarelli stimmlich immer am Rand der Überforderung, besonders ihr eintöniges Pianogesäusel machte mich immer regelrecht nervös, und von den Attributen, mit denen Du ihre schauspielerischen Qualitäten belegst, könnte ich nur "elegant" unterschreiben. Elegant war sie wirklich immer, auch dort, wo es gar nicht hinpasste, denn in erster Linie wollte sie auf der Bühne schön sein. Die Ricciarelli hätte nie ein zerfetztes Kostüm angezogen, daher starb sie auch in Macerata als Manon in eleganter Robe und mit perfekter Hochsteckfrisur, ungeachtet der Tatsache, dass sie sich nach wochenlangem Gefängnis (das im 18.Jhdt. sicher nicht allzu komfortabel war) auf dem Weg in die Deportation befand. Und von einer differenzierten Darstellung war sie hier (speziell in der Sterbeszene) genauso weit entfernt wie in jeder ihrer anderen Rollen: Sie stand im Stil einer großen Diva auf der Bühne und lieferte ihre Noten ab, und dass diese Frau an Erschöpfung starb, kitzelte einen wirklich zum Lachen. Übrigens sah das ihr Tenorpartner ähnlich, und ich verkneife es mir hier, seine Bemerkungen zu wiederholen..... lg Severina :hello
ich stimme Dir in allem zu. Aber war es nicht merkwürdig, daß man sich Anfang/Mitte der 80er Jahre vor der Ricciarelli überhaupt nicht retten konnte? Irgendwie mochte man wohl diesen Typ Blondine auf der Bühne, aber nachher hatte es sich dann mit Stimme und dem Aussehen: in der Aufzeichnung des großen Konzerts in Madrid 1990 hat sie sich trotz ihrer wogenden Fülle in ein hautenges Satinkostüm gezwängt (mein Mann knurrte, als er das sah, nur: "Sieht aus wie ein Knallbonbon...") und vermochte stimmlich auch nicht an bessere Zeiten anzuknüpfen - das von mir heißgeliebte Schlußterzett aus Gounods Faust überfordert sie hör- und sichtbar. Ein solches Herumgejapse ist grausam; Alfredo Kraus, der da ja nicht so übermäßig viel zu singen hat, schaut nur stur geradeaus, und Ruggero Raimondi als Mephistopheles steht wohlweislich auf der anderen Seite rechts vom Dirigenten.
Und Deine Bemerkung mit dem "Abliefern ihrer Noten" ohne jedwede innere Beteiligung sieht man nirgends so deutlich wie in der DVD-Aufnahme von "Un ballo in maschera" mit Pavarotti und Cappuccili, wo nicht nur "Ecco l'orrido campo" sondern auch "Morrò, ma prima in grazia" mit einer Unbeteiligtheit abgeliefert werden, als verläse die Dame gerade die Wettervorhersage.
Grüße!
Honoria
Severina (25.02.2010, 17:14): Liebe Honoria, das beruhigt mich ja, dass nicht nur ich das so sehe :D! Ich denke auch, dass ihre Omnipräsenz in den Achtzigern dem Umstand geschuldet ist, dass sie damals mit Carreras verbandelt war und die Plattenindustrie (da waren es noch welche :wink) wohl schon damals auf den Traumpaarbonus setzten. Als die Beziehung zerbrach, ging es ziemlich schnell bergab mit der Ricciarelli. lg Severina :hello
aus der Rückschau ihrer späten und höchst problematischen Aufnahmen, zu denen ich die Karajan-TURANDOT und schon die Abbao-AIDA von 1981 zähle - Rollen also, die sie total überforderten -, kann ich Euch zwar voll zustimmen, was die routinierten Darbietungen von Katia Ricciareelli betrifft; man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass sie sich primär, aber nicht nur in den 70er Jahren durchaus eigene Meriten erworben hat. Ihre Aufnahmen der frühen Verdi-Opern (ich denke da besonders an I DUE FOSCARI mit Carreras oder LUISA MILLER mit Domingo), aber auch noch der Giulini - FALSTAFF von 1982 und Abbados IL VIAGGIO A REIMS von 1984, in denen sie nicht die große Dramatikerin geben musste, gefallen mir auch heute noch, denn sie hatte durchaus ein Gespür für die Leichtigkeit dieser gar nicht so leichten Partien. Mag sein, dass das zunehmend routiniert wirkte, aber wie war auch hoch professionell, und ich glaube, dass das die Plattenfirmen weitaus mehr beeindruckte als ihre Liaison mit Carreras, von der ich damals nicht einmal wusste.
Zugegeben, ich habe sie nie live erlebt und fand sie auch auf den Bild- und Tonträgern nie eine großartige Schauspielrin, aber man sollte sie allein ihrer, in der Tat phänomenalen, Omnipräsenz wegen nicht so pauschal abtun, wenn man das nicht auch bei Domingo tun will, dem man ja noch weniger ausweichen konnte. Ich würde ihr zwar in mindestens den meisten Rollen, die beide eingesungen haben, Mirella Freni vorziehen (das war ja der Ausgangspunkt der Diskussion) und käme auch nicht auf den Gedanken, sie unter den 20 besten Soprane aller Zeiten aufzuführen, aber so schlecht, wie sie heute oft davon kommt, war sie aber auch nicht.
Danke aber für das Ausgraben dieses Threads, das mir Gelegenheit gibt, auch meine Stimme für Ghyslaine Raphanel in die Waagschale zu werfen, die nicht nur häufig ohne 's' (also Ghylaine) geschrieben, sondern in der Tat alles andere als omnipräsent war und zu Unrecht vergessen wird, weil sie nur wenig italienisches Repertoire einsang. Zu ihren mit Recht erwähnten, grandiosen Aufnahmen von LES HUGUENOTS, LES BRIGANDS und L'ÉTOILE würde ich als Beleg ihrer Sondrklasse unbedingt noch diese DVD hinzufügen:
Ambroise Thomas' LE SONGE D'UNE NUIT DÉTÉ spielt zwar in einer Sommernacht, hat aber mit dem SOMMERNACHTSTRAUM nur insofern marginal zu tun, als die Oper von der Liebe Shakespeares zu einer von Ghyslaine Raphanel herrlich gesungenen Unbekannten handelt, die niemand anderes ist als Shakespeares Herrscherin und Förderin, Elisabeth I.
Also auch eine Tudor-Oper :J , und eine höchste empfehlenswerte dazu.
:hello Rideamus
Honoria Lucasta (26.02.2010, 10:01): O sommo Rideamus,
vielen Dank für die Ehrenrettung von Katia R. - in "Viaggio à Reims" ist sie tatsächlich sehr gut, und ich erinnere mich natürlich auch an bessere Zeiten. Diese hatte natürlich die weiters erwähnte Mirella Freni ebenfalls: beide eint die unheilvolle Tendenz, ab einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Karriere mit traumwandlerischer Sicherheit die falschen Rollen gesungen zu haben (z.B. bei Katia R. die Turandot, bei Mirella F. die Ernani-Elvira).
Von der Thomas - Sommernachtstraum-Oper habe ich, muß ich gestehen, überhaupt noch nie etwas gehört, und auch nicht von Ghyslaine Raphanel - womit wieder einmal bewiesen wäre, daß alles Wissen Stückwerk ist :J .