BBC Legends

Rachmaninov (03.02.2007, 12:26):
Forianer,

unter der Reihe BBC Legends werden immer wieder zahlreiche große Aufnahmen aus den Archiven der BBC zur Veröffentlichung freigegeben.

Die Aufnahmen sind mit den ganz großen Künstleren des letzten Jahrhunderts entstanden und oft handelt es sich dabei um große Augenblicke.
Namen wie Richter, Horenstein, Guillini, DuPre, Michelangeli um einige zu nennen sind dort vertreten.

Ein Paradebesipiel dafür ist die UK Premiere der 8. Sinfonie Schostakowitschs durch Yevgeny Mravinsky mit dem Leningrader PO.

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B00000I9W8.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Welche der Aufnahmen dieser Reihe sind für euch zurecht "Legends"?
Amadé (03.02.2007, 21:58):
Lieber Rachmaninow,

danke für den wichtigen Thread.
BBC Legends ist ein starkes Label, das zu beobachten sich für jeden ernsthaften Sammler gebietet.
Fast monatlich erscheinen immer wieder mehr oder weniger hochkarätige CDs, meist Mitschnitte aus Konzerten.
Die Bedeutung diese Labels liegt meiner Meinung nach darin, dass es Interpretationen von Musikern zugänglich macht, die von den großen Firmen übergangen oder sträflich vernachlässigt werden. Ich denke da zuerst an Jascha Horenstein, der bis zu Beginn des 3. Reichs in DEutschland wirkte, dann aber wie so viele bedeutende Musiker unser Land verlassen musste. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er jedoch für Konzerte (SWF) und Aufnahmen (VOX) zurück. Seine Hauptwirkungsstätte war damals jedoch England, die BBCL Aufnahmen stammen aus dieser Zeit. Bedeutend vor allem sind seine Aufnahmen mit Mahler-Sinfonien.
Sehr wichtig sind auch die Aufnahmen mit John Barbirolli, hier erinnere ich an die Einspielung der 5. von Schostakowitsch.
Auch Pierre Monteux ist zu Recht vertreten, lag doch seine Wirkungsstätte zum Ende seines Lebens in London. Von Reginald Goodall ist hierzulande nur sein TRistan bekannt. Erfreulich das sich BBCL seines Oevres angenommen hat (Bruckner 8. und 9.). Auch Rudolf Kempe arbeitete lange Jahre erfolgreich in der britischen Hauptstadt. BBCL bringt mit ihm auch Aufnahmen von einem Werk zu Gehör, die man vielleicht nicht von Ihm erwartet (Schostakowitsch). Von einem anderen deutschen Dirigenten mit Wirkungsstätte London, Klaus Tennstedt, sind einige CDs bei BBCL erschienen. Im direkten VErgleich zu Aufnahmen anderer Dirigenten hinterlassen sie bei mir jedoch nicht den starken Eindruck, den man zuweilen in Rezensionen vernimmt.

Von den CDs mit bedeutenden Solisten beeindrucken mich vor allem Aufnahmen mit Annie Fischer (Studio!) mit Werken von Beethoven und Schumann. Wichtig erscheinen mir auch die CDs mit Wilhelm Kempff, Svjatoslav Richter und Emil Gilels. Die Liste liese sich noch fortsetzen, das sollen andere Forianer tun.

Gruß Bernd
:hello
ab (07.02.2007, 17:12):
Jedenfalls: Mahler #7: Horenstein
http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00004XPKG.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Sibelius #4&7: Beecham
http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000042NZB.01._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg
Ganong (10.02.2007, 18:50):
Liebe Mitglieder des Forums ,

es gibt bei diesem aussergewöhnlich guten Label sicherlich mehrere schlechte Produktionen . "Flops" wie der Deutsche heute zu sagen pflegt . Interesssanterweise betreffen diese insbesonder Aufnahmen mit britischen Künstlern . Nach allem , was ich über die Edition bislang lesen konnte und selbst gehört habe , ist Sir John Barbirolli der Spitzenreiter mit schwachen Aufnahmen im Verhältnis zu seiner wirklichen Bedeutung . Sir Adrian Boult wird völlig vernachlässigt . Man muss die Englandlastigkeit sicherlich nicht so exzessiv betreiben wie Norman Lebrecht dies gerne tut in seinen Beiträgen , und die Verantwortlichen der Edition sollten vor allem auch ihr Archiv für Künstlerinnen und Künstler öffnen , die vielleicht nur einmal oder selten im Vereinigten Königreich uind Nodrirland gespielt haben oder gesungen haben . Dies wäre mehr wert als Standartrepertoire-Aufnahmen von X. oder Y. zum zigten Mal zu veröffentlichen , die wir an anderer Stelle mit oft besserer Klabgqualität kaufen können .

Dennoch , ich möchte vier Aufnahmen hervorhebven aus einer langen Liste , die einen "Blindkauf" lohnen :

1.: Alle 4 Kempff - Aufnahmen . Die wundervollsten "Papillons" , die ich kenne ( die nächstüberzeugensten finden wir durch S. Richter auch bei BC Legends - man höre nur den Schluss - ) ; eine in ihrer Architektur aiussergewöhnliche Interpretation der letzten Sonate Schuberts , einen packenden Zugriff wie eine leises Meditieren in Schumanns C-Dur-Fantasie .

2. Carlo Maria GIULINI : Brahms , 1. Symphonie , c-Moll . Jene Symphoniue , die Maestro Giulini wie einen roten Faden durch seine gesdamte Karriere bis ins höchste Alter als Bratscher und Dirigent begleitet hat ( letztes Konzert in Spnaien ) ( mi9t Mozarts Linzer Symphonie ) ;

3. Richter mit Schuberts letzter Klaviersonate .

4. J S Bach : h - Mol - Mese .

Kein Geringerer als Lord Yehudi Menuhin schrieb das Textheft . Enesci (!) dirigierte diese Studio-Produktion 1951 mit Sängern wie K. ferrier , Suzanne Danco etc . auf einem kaum noch erreichten interpretatorischen Niveau . Ein Muss .

Die Liste meiner Aufnahme der Edition würde ausreichen , einen Leistungskur in Klassischer Musik zu bestreiten .

Grüsse ,

Frank
Rachmaninov (18.02.2007, 11:28):
@Forianer,

danke für die genannten Empfehlungen! Sicherlich werde ich mir die eine oder andere davon kaufen!

Eine weitere durch mich möchte ich noch nennen.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9684761.jpg

Man höre nur was für in großartiger Pianist und Musiker Gilels einfach war :down
Ganong (18.02.2007, 18:32):
Lieber R. ,

leider ist diese CD mit der von mir so geliebten ersten Klöaviersonate von Robert Schumann die hörbar schwächste seiner mehreren Aufnahmenb .

Auch die Scarlattisonaten überzeugen mich hier nicht .

Es gibt eine ganz Reihe von Aufnahmen aus der Edition , geradezu Referenzcharakter haben .

Zum Beispiel Beecham mit dem Berlioz - Requiem ; Enescu mit der h-Moll-Messe von J S Bach .

A l l e Aufnahmen , an dene Benjamin Britten teilgemnommen hat sind aussergewöhnliche Interpretationen .

Das Label hat noch den grossen Vorteil , das es in aller Regel sehr gute Textbeiträge ( "Booklets" ) hat .

Viele Grüsse ,

Frank
Amadé (18.02.2007, 20:56):
@Ganong

Hallo Frank,
danke ausdrücklich für den Hinweis zu den Textbeilagen. Hier gibt es vor allem wichtige Informationen zu den Künstlern und auch den Aufnahmebedingungen, sowie Querverweise zu anderen Interpretationen desselben Werkes vom betreffenden Interpreten.
Diesen Service kannte ich bisher nur vom Label Testament sowie von den BEilagen zu den Doppel-CDs der Reihe Great Conductors of the 20th Century. Die Serie scheint wohl leider aus dem Programm genommen zu sein, sehr schade! Ich habe fast alle erschienenen, es waren viele erfreuliche Überraschungen dabei (Rundfunk).

Gruß Bernd
Ganong (19.02.2007, 17:05):
Lieber Bernd ,

was die Dirigentenserie anbelangt , so hatte ich bei der Lektüre von Rezensionen stets den Eindruck , dass die Konzertmitschnitte von Rundfunksendern die Käudfer gestört und die Nicht - Käufer eher abgeschreckt haben . Dies liegt an der irrigen Vorstellung , das was toll Klingt ( im technischen Sinn ) auch eine inhaltliche gleichrangige Wiedergabe bedeutet . Dies ist natürlich falsch .

Die Editioon hat hervorragendes Material hervorgebracht , ich erwähne nur Mitropoulos , und somit auich Aufnahmen hörnbar gemacht , die sonst aus ganz verschiedenen , meist urheberrechtlichen , Gründen nicht zu hören sind .

Die sorgfältige Edition bei BBC Legends , Testamanet , der Edition des canadischen Radios mit exzellenten Konzertmitschnitten sind beispielhaft un d überragen etwa die Texte bei "Orfeo" ( Ötsrreich ; meist von Gottfried Kraus ) um Längen .

Das im negativen Sinne Ende hält seit zig Jahren EMI . Die dortigen "Macher" scheinen niemanden zu haben , der in der Lage ist , einen vernünftigen , substantiierten Text zu schreiben . Die "nipper-Edition" ist wohl das tristeste Beispiel .

Viele Grüsse ,

Frank
Orfeo (02.05.2007, 13:03):
Aus dieser Serie würde mich noch Giulinis Aufnahme von Schuberts Es-Dur Messe interessieren. Somal ich dieses Werk nicht kenne.

Kennt jemand diese CD?
Ganong (06.05.2007, 16:52):
Sehr empfehlenswerte Aufnahme ( kombiniert mit Verdis "Requiem" ) .

Allenfalls an den neben Maestro Giulini agierenden Interpreten kann man sich stören .

Interpretation : 9

Tontechnik : 8 .

Frank
Kondo (18.01.2008, 16:43):
Ich möchte noch auf eine Live-Aufnahme mit Kempe hinweisen: vielleicht seine Beste.

Die Aufführung von Dvoràks Neunter ist nicht makellos, aber von unerreichter Spannung. Herrlich natürliche Agogik und wunderbare Lebendigkeit. Sogar der Reinklatscher nach dem dritten Satz und die nicht immer ganz sicher aufspielenden Blechbläser können den hervorragenden Gesamteindruck nicht trüben. Die Interpretation ist sehr persönlich, aber stets nachvollziehbar und wirkt über alle Zeit erhaben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemanden diese Neunte nicht überrascht, berührt, mitnimmt.

Die Leonoren-Ouvertüre und die hübsche Prokofiev-Suite (Die Liebe zu den drei Orangen) sind mehr als hübsche Beigaben auf hohem Niveau. Kempes Beethoven zeichnet eine fast Zen-hafte Konzentration aus. Wunderbare Steigerungsbögen: Unforciert und ausgewogen. Prokofiev ist frisch und modern musiziert.

Die Aufnahme ist von angenehmer Wärme, die Klangqualität für eine Live-Aufnahme aus den 70ern ausgezeichnet - BBC Qualität.
HenningKolf (18.01.2008, 17:05):
Hallo,


ein herzliches Willkommen im Forum. Ich wünsche Dir viel Spaß und gewinnbringende Diskussionen (zu der angesprochenen CD kann ich jetzt nichts beitragen weil ich sie nicht kenne)


Henning
Amadé (18.01.2008, 19:51):
Hallo Kondo,

auch meinerseits ein herzliches Willkommen hier im Forum.

Rudolf Kempe hat noch zwei Studioeinspielungen der 9.Sinfonie von Dvorak hinterlassen,
a) mit den Berliner Philharmonikern bei EMI-Electrola, heute Testament, aus dem Jahr 1957 und
b) mit dem Royal Philharmonic Orchestra London, dessen Chefdirigent er lange Jahre war, aus dem Jahr 1962. Diese Aufnahme wurde von dem legendären Charles Gerhardt produziert, wenn ich mich nicht irre für Chesky, heute bei schribendum neu aufgelegt. Deine oben genannte BBC Legends CD kenne ich leider nicht.

Grüße Amadé
Kondo (18.01.2008, 22:57):
Danke für die Willkommensgrüße Henning und Amadé.

Um Deine Liste komplett zu machen - Kempe hat Dvoràks Neunte sogar nochmal eingespielt - und zwar 1971 mit dem Tonhalle-Orchester, Zürich. Ebenfalls bei Scribendum veröffentlicht.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/410TP0R4PQL._SS500_.jpg

Von den Vieren kenne ich nur die Aufnahme mit den Berlinern und dem BBC. Würde aber trotz der stimmigen Berliner Aufnahme (natürlich spielt hier das bessere Orchester) und der angesprochenen "Abstriche" die BBC-Aufnahme bevorzugen.
Kondo (18.01.2008, 23:08):
Kempes Dvoràk-Live-Aufnahme mit dem BBC ist übrigens eines seiner drei ersten - und leider auch letzten Konzerte mit dem BBC Orchester (er starb kurz nachdem er dort die Nachfolge Boulez’ angetreten hatte).
Alle drei Konzerte sind in der BBC Legends-Reihe veröffentlicht.

Ich kenne leider nur den Dvoràk. Hat etwa jemand die anderen gehört?


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SNN5FVEKL._SS500_.jpg


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51t2wvxlWyL._SS500_.jpg
satie (18.01.2008, 23:17):
Hallo Kondo!
Mal gleich off topic: hast Du dich nach dem Komponisten Jo Kondo benannt?
Kondo (18.01.2008, 23:30):
Der Avatar beantwortet die Offtopic-Frage ;-)
Scheint ja eine illustre Runde zu sein - hätte nicht gedacht, dass ihn jemand kennt...
satie (18.01.2008, 23:39):
Eines meiner ganz großen Vorbilder! Neben Feldman (mit dem er ja auch befreundet war) und Cage. Aber es stimmt schon, Kondo kennen wenige, es gibt auch nicht so viele Aufnahmen. Mein Lieblingsstück von ihm ist "Hunisuckle" für Orchester (mit einem solistischen Klavier, welches immer nur einen einzigen Akkord spielt).

Sei herzlich willkommen im Forum!
HenningKolf (18.01.2008, 23:40):
Satie weiss ne ganze Menge..................um Deine Erwartungen ans Forum nicht zu hoch zu schrauben: Ich kenne einzig und allein den Namen :W

Gruß
Henning
nikolaus (18.01.2008, 23:42):
Original von HenningKolf
Satie weiss ne ganze Menge..................um Deine Erwartungen ans Forum nicht zu hoch zu schrauben: Ich kenne einzig und allein den Namen :W

Gruß
Henning

Und ich noch nicht einmal den... :ignore

Nikolaus.
Kondo (18.01.2008, 23:52):
Wow... Hunisuccle - wo haste denn das gehört? Live? Hast Du ne Aufnahme?
satie (19.01.2008, 00:01):
Ich habe es von einer Aufnahme gehört, allerdings glaube ich, es war ein Radiomitschnitt, den mir Walter Zimmermann vorgespielt hatte, dazu haben wir die Partitur gelesen. Du siehst, das Stück hat mir Eindruck gemacht, denn ich erinnere mich trotz nur zweimaligem Hören noch sehr genau daran.
Ich selber habe von ihm nur Aufnahmen mit Klavierwerken und ein wenig Kammermusik. Ein anderes Stück, welches ich sehr mag: Bonjin. Und auch sein eher frühes "Sight Rhythmics". Die hatte ich mal analysiert. So ein origineller Komponist - völlig eigen und auch sehr poetisch. Vielleicht sollten wir mal einen Thread starten??
Kondo (19.01.2008, 00:12):
Ja, die beiden Hat Hut Aufnahmen eben ...
Ein Thread wäre spannend - zumindest für mich ;-)