BERLIOZ Requiem

ab (03.12.2008, 21:03):
Grande Messe des Morts heißt das 1837 konzipierte op. 5 von Berlioz mit riesigem Musikeraufgebot.

Jüngst hörte ich im Radio kurz einen Ausschnitt, aus dem Wiener Konzert mit Bertrand de Billy (der nun auch bei Oehms greifbar ist) der mich sehr beeindruckt hat. Ich selbst kenne dieses Requiem bloß von einer uralten Aufnahme des von mir so geschätzen Jean Fournet, ich meine, die erste Schallplatteproduktion dieses Werks, allerdings in so bescheidener Klangqualität, dass es zu hören schlicht keine Spaß bereitet.

Die Diskographie scheint mir überschaubar.

Hier im Forum las ich einmal ein ganz dickes Lob für die BBC-Legends Ausgabe mit Beecham. Bekannt ist wohl sicherlich Collin Davies, der ja als Berlioz-Spezialist gilt. Kennt ihr womöglich die von Inbal, die dürfte ja auch klanglich erfreulich ausgefallen sein und sein Ravel als französisches Repertoir mag ich doch recht gerne von ihm. Munch, den es ja bei RCA und brandneu auch bei der DG aus München gibt, höre ich sonst mit seinem klangsatten Ton nicht so gerne.

Was daraus könnt ihr wirklich empfehlen?
Danke!

:hello
Dr. Schön (03.12.2008, 21:45):
Original von ab

Was daraus könnt ihr wirklich empfehlen?


Dieser Frage schließe ich mich gerne.

Ich besitze nur eben diese Beecham Aufnahme bei BBC Legends, weil ich sie mal günstig bekommen konnte und mir Beecham oft sehr liegt.

Mir gefällt diese Aufname auch recht gut, sie kommt mir straff, nicht zu hart und dabei schön ausbalanciert vor.
Nur wegen der nicht optimalen Klangqualität, gehen vielleicht ein paar Kleinigkeiten verloren, und ich kann mir eben gerade bei Berlioz gut vorstellen, dass es im Requiem viele Kleinigkeiten zu entdecken gibt.

Von daher suche ich auch noch Alternativen.

Interessieren würde mich immer die frühe Davis Einspielung, aber ich zögere immer da der Chor hier nicht optimal sein soll (Obs an den Sängern oder der Tontechnik liegen soll, weiß ich nicht).
Gerade bei Berlioz ziehe ich Davis sonst fast generell den meisten anderen Dirigenten vor, weil er, obwohl etwas trocken, sehr genau spielen lässt und auch die Bauträger der Berlioz'schen Werke besser vermittelt, als ich es bisher sonst kenne. Zudem hat sein Berlioz immer einen Klang, den ich als angemessen frühromantisch empfinde. Und ich mag es einfach mehr, wenn Berlioz etwas nüchtern und nicht allzu knallig dargeboten wird.
Von Davis Seite aus erwarte ich also ein interessantes Requiem. Nur soll eben der Chor nicht so toll sein. Vielleicht ist seine spätere LSO Aufnahme besser gelungen?

Münch liegt mir aus ähnlichen gründen wie ab, bei Berlioz überhaupt nicht. Einmal empfinde ich ihn eher als Oberflächenzeichner und er lässt bei "Harald" und der "Fantastique" viele Wiederholungen weg, so dass ich mich in Verbindung mit seinem Tempo am Ende eines Satzes immer frage: Was, das war's? Was war das?
Von daher habe ich ihn auch nie als Alternative in Erwägung gezogen. Und bleibe ratlos, was oder wer da noch was bringen könnte.
Cosima (07.12.2008, 12:44):
Dieses Requiem muss m.E. groß, farbig, prächtig, richtig mächtig klingen - aber trotzdem transparent und elegant in der Ausführung. Munch höre ich mit Berlioz schon sehr gern, aber sein Requiem fand ich nicht pompös genug, auch klangtechnisch ist die Aufnahme eher bescheiden - würde ich nicht empfehlen.

Inbal ist nicht schlecht, auch was den Klang angeht. Aber ich glaube, der Chor gefiel mir nicht so recht. Davis wird zwar als Berlioz-Spezialist geschätzt, mein Fall ist er bei vielen Berlioz-Werken jedoch nicht. Sein Requiem kenne ich aber nicht. Wegen der vielen positiven Meinungen dazu, wäre es jedoch einen Versuch wert.

Gruß, Cosima
Dr. Schön (07.12.2008, 14:18):
Ich hatte mir vorgestern und teilweise heute morgen Beecham's Requiem wiedermal angehört.


http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MNRVHCF0L._SL500_AA240_.jpg


Das Werk selbst gefällt mir ja ungemein gut und ich habe mich viel zu lange nicht wirklich damit befasst.

Die Klangqualität ist besser, als ich sie in Erinnerung hatte. Der Chor und dessen Massigkeit wirken sehr schön geformt, durchhörbar und sind auch gut eingefangen, auch wenn die Wuchtigkeit und Größe vielleicht etwas im Konzertsaal verloren gegangen zu sein scheinen. Aber es bleibt eindrucksvoll.
Der Orchesterpart scheint dabei vielleicht etwas zu sehr im Hintergrund. Ich kann aber mangels Alternativen nicht beurteilen, ob dieses Verhältnis Chor/Orchester nicht sogar so gewollt ist.

Beechams Dirigat ist dabei wirklich elegent bis geschmeidig, aber es wirkt immer sehr geschlossen und das Werk erscheint stets als ein großes Ganzes. Für Beecham war Berlioz ja immer eine Herzesangelegenheit, und so kommt einem das Ganze auch als eine persönliche und sehr durchdachte Sache vor. Das macht diese Einspielung sehr hörenswert und reizvoll.

Das dicke Lob für diese Einspielung kann ich insgesammt schon unterschreiben, komme aber um Alternativen nicht herum.

Nachdem ich heute morgen etwas im www recherchiert habe, klingt die Einspielung von Charles Dutoit ganz interessanz für mich. Leider kenne ich von diesem Dirigenten bisher weder seinen Berlioz noch sonst etwas. Auch seine - leider gestrichene - Einspielung von "Leilo" könnte vielleicht noch interessant sein.
Kennt das jemend? :hello
Wotan (09.12.2008, 09:24):
Guten Morgen,

wie nahezu alles von Berlioz beeindruckt mich auch das "Requiem" immer wieder. Ich habe die Aufnahmen von Bernstein, Davis, Inbal, Levine und Münch, wobei mir persönlich Bernstein am besten gefällt. Obwohl ich Davis als Berliozdirigenten sehr schätze und er auch viele großartige Aufnahmen gemacht hat (alleine die Opern!), gefällt mir sein Requiem nicht so sehr. Bei Münch geht es mir ebenso (wie bei vielen seiner gelobten Berliozaufnahmen). Bernstein hingegen finde ich sehr gut.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41foTYOdLYL._SL500_AA240_.jpg

Fast noch einen Tick besser ist aber James Levine, dem vor allem der großartige Klang zugute kommt (die DG kann wenn sie will, man höre und staune).

http://www.pavarottiforever.com/images/packshots/56.jpg

Diese Aufnahme ist auch auf der DG-Box "Berlioz Experience" zu finden, die ich aber nur bedingt empfehlen würde. Die "Symphony Fantastique" gibt es öfter und besser zu finden. Die Damnation von Barenboim erstickt in Langsamkeit. Großartig in dieser Box aber ist das "Te Deum" unter Abbado und "Tristia" und Boulez - und eben das Requiem unter Levine.

http://www.mwolf.de/berlioz_box_dgg.jpg
ab (23.12.2008, 21:50):
Die alte Davies-Aufnahme hier im neuen Gewand bei Pentatone.
Dr. Schön (28.12.2008, 23:59):
Original von ab
Die alte Davies-Aufnahme hier im neuen Gewand bei Pentatone.

Werde ich mir wohl anschaffen...