Bach - h moll Messe

Heike (11.03.2009, 09:36):
Gibt es wirklich noch keinen thread dazu oder habe ich den übersehen?
Ich frage, weil ich grad in SPIELGEL-online einen Artikel zu einer Neuerscheinung las:

Sakrale Brunft-Orgie
Von Kai Luehrs-Kaiser



"Kenner werden sich die Haare ausreißen: Der französische Alte-Musik-Dirigent Marc Minkowski versetzt Bachs spätes Hauptwerk, die h-Moll-Messe, in Exstase: als Sakral-Entertainment zur Fastenzeit."

Quelle und ganzer Artikel siehe http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,612404,00.html

Ich misstraue ja Herrn Luehrs-Kaiser inzwischen schon grundsätzlich (ich lag mit meinen Höreindrücken schon ziemlich oft reichlich weit neben seinen Kritiken). Trotzdem fand ich das, was er hier schreibt, doch recht interessant, weil sehr radikal. Wollte es eigentlich unter den entsprechenden Thread schreiben, habe aber keinen gefunden ???

Also falls es den Thread zu dieser Messe noch nicht gibt, dann ist er sowieso überfällig und hiermit eröffnet. Falls ich ihn übersehen habe, dann großes sorry und bitte verschieben (Asche auf mein Haupt!)
Heike
Gamaheh (11.03.2009, 10:45):
Wenn ich so einen Aufsatz in der Schule geschrieben hätte, hätte man ihn mir um die Ohren gehauen, es hätte von doppelten Ausdrucksfehlern gewimmelt, und unten hätte "5" gestanden - und all das zu recht.

Ich mag diesen selbstverliebten und gleichzeitig nichtssagenden Stil mit ebensolchem Vokabular nicht; wenn man mal versucht zu verstehen, was der Autor da eigentlich sagen will, kommen bei mir bestenfalls zwei bis drei Sätze raus.

Was meint er mit "exstatisch" - "ehemals statisch"??

Grüße,
Gamaheh
Cetay (inaktiv) (11.03.2009, 11:07):
Och, nun sei doch nicht so streng:
Auf "moussierend champagnereskes Klangbild" muss man schließlich erst mal kommen. :D
Heike (11.03.2009, 13:00):
@ Gamaheh
SPON liest hier mit - zumindest im Untertitel wurde Extase schon mal in Ekstase korrigiert ;-)
Heike
Gamaheh (12.03.2009, 00:15):
Original von Dox Orkh
Och, nun sei doch nicht so streng:
Auf "moussierend champagnereskes Klangbild" muss man schließlich erst mal kommen. :D

Und dazu dann "Chormucker" - wie sagt der bodenständige Engländer so schön: "Reich mir einen Kübel!"

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (12.03.2009, 00:17):
Original von Hebre
@ Gamaheh
SPON liest hier mit - zumindest im Untertitel wurde Extase schon mal in Ekstase korrigiert ;-)

Schön zu wissen - aber "Extase" - ich bin immer für vereinfachte Rechtschreibung - würde ich noch gelten lassen; es war aber "Exstase".
Der weiß ja gar nicht, was er schreibt!

Grüße,
Gamaheh
satie (12.03.2009, 06:26):
Himmelschreiende Rechtschreibfehler wie Exstase etc. mal dahingestellt: der Artikel kann sich wohl nicht recht entscheiden, ob er Verriss oder Lobhudelei sein möchte. Das ist nicht uninteressant. Ich persönlich finde es aber äußerst schade, wenn wir Bachs schöne Messe gerade mit einem kontroversen Artikel zu besprechen beginnen. Allerdings weiß ich auch nicht, was ich mit dem begonnenen Thread machen soll: es handelt sich ja nicht wirklich um eine vernichtende Kritik, noch nur um Sätze über die man sich ärgert (obwohl...vielleicht noch am Ehesten?).

Liebe Hebre, vielleicht möchtest Du eine neue Einleitung schreiben zum Werk, die wir dann an den Anfang stellen können? Den Rest kann ich dann ausschneiden und wenigstens verstümmelt wieder hinten dran hängen. Ich fände das schöner, als wenn man gar nicht erst etwas über das Werk lesen kann, sondern nur mit einer eigenwilligen Interpretation konfrontiert wird. Was meinst Du?

Herzlich,
S A T I E
Heike (12.03.2009, 08:09):
Hallo,
die Idee ist nicht schlecht, aber dazu fehlt mir sowohl ausreichend Kenntnis des Werks als auch die Lust, das umzuarbeiten.

Ich finde es aber grundsätzlich nicht schlimm, wenn Threads so begonnen werden (die Erklärungen dazu stehen ja auch da) und hoffe ja, dass irgendwer anderes das nun nutzt, um sich weitergehend zur Messe zu äußern.
Meiner Meinung nach sollten wir da nicht so streng sein, sonst traut sich ja bald niemand mehr, einen Thread ohne korrekte Werkbeschreibung zu eröffnen. Für mich leben Foren gerade von Kontroversen, Meinungsaustausch und Blitzlichtern, denn Beschreibungen zu den Werken finde ich auch in Büchern.
Aber wenn die Mehrheit oder der Admin anderer Meinung ist, kann das gern ausschnittweise irgendwohin verschoben oder gelöscht werden.
Heike

P.s @ stimmt, es war "Exstase", es steht ja auch in meiner Kopie oben noch so da
Gamaheh (12.03.2009, 12:42):
Satie, Du hast natürlich recht, und das war ja auch die Hoffnung, der Heike Ausdruck gegeben hatte. Leider bin ich auch überhaupt nicht qualifiziert, etwas auch nur irgendwie Fundiertes über die Messe zu schreiben, werde dies aber zum Anlaß nehmen, sie mal wieder zu hören.

In der Zwischenzeit habe ich mir großzügige Ausschnitte der Minkowski-MDLG-Version bei Naïve angehört, und das klingt für mich wirklich sehr gut (ich bin direkt am überlegen, ob ich mir nicht mal eine neue Aufnahme zulegen sollte). Wenn - wie ich vermute - die Kernaussage des Spiegel-Schreibers ist, daß Minkowski eher das Barocke betont als das Protestantisch-Puritanische, so gebe ich ihm recht. (Für mich ist das Urteil dieses Artikels über die Einspielung übrigens uneingeschränkt positiv.) Wenn man bedenkt, daß "Evangelium" "freudige Botschaft" bedeutet, scheint das so auch sinnvoll; daß z.B. das Crucifixus nicht "moussierend-champagneresk" gegeben wird, durfte man erwarten.

Hier weitere Audio-Ausschnitte, hier ein Video mit Beiträgen der Künstler, und hier, hier und hier weitere Informationen bzw. Meinungen zu der Einspielung.

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (12.03.2009, 16:49):
Noch einmal für die Freunde der h-moll-Messe:

Die - übrigens gerade im Diapason wärmstens empfohlene - Bach-Kantaten-Webseite liefert auch Material über andere Werke von JSB, nämlich hier zu dieser Messe. Die Diskographie ist auf aktuellem Stand und führt außer der Minkowski-Einspielung zwei weitere von 2008 auf.

Leider führen einige der dort angegebenen Links in die Leere, aber man findet dort sicher für den Anfang mehr als genügend Material oder Anregung, sich weiter damit zu beschäftigen.

Grüße,
Gamaheh
kreisler (15.03.2009, 22:30):
Erlaubet mir, einem in Sachen Vokalmusik, eher weniger gebildeten, eine einfache Frage:

Welche Interpretation würdet ihr mir empfehlen?

Ich suche wirklich eine Aufnahme, nicht mit interessanten Aspekten o.ä., sondern eine der man wirklich Referenzstatus zustehen kann. Auch will ich keine extreme Aufnahme, weder in Richtung HIP oder altmodisch, überladen...

Bis jetzt in CD-Läden und im Internet gesehen: Gardiner, Harnoncourt, Heerwege, oder doch etwas älter wie Richter oder Jochum? Was würdet ihr mir raten?

Vielen Dank,
Kreisler
Cetay (inaktiv) (16.03.2009, 09:05):
Original von kreisler
Auch will ich keine extreme Aufnahme, weder in Richtung HIP oder altmodisch, überladen...


Dann könnte Masaaki Suzuki mit dem Bach Collegium Japan das richtige sein; Einerseits mit Neigung zur historisierenden Praxis, andererseits auf Schönheit und Feingefühl bedacht.
Heike (16.03.2009, 20:16):
Joachim Kaiser empfielt diese Aufnahme (Marriner), wenn es nicht HIP sein soll



Heute bei einem Neukauf würde ich auch zu Suzuki oder Herreweghe greifen.
Heike
kreisler (16.03.2009, 21:23):
Danke für die Tipps

Von Suzuki hatte ich schon mal gehört, konnte ihn aber bis jetzt noch gar nicht einordnen.
Und mit Herrn Kaiser bin ich (wenn auch oft) nicht immer ganz d´accord.
Ich habe viele Sachen mit Marriner, aber manchmal scheint mir das ein oder andere bei ihm wenig aussagekräftig und etwas belanglos.

Seit sich mein Vater sehr mit Chor-Musik beschäftigt, findet er Herreweghe ganz toll. Und der ist wohl auf jeden fall eine Überlegung wert.

:thanks
kreisler
Gamaheh (17.03.2009, 23:20):
Lieber Kreisler,

die Minkowski-Version kannst Du ruhig hören: Sie ist nicht halb so abwegig, wie die merkwürdige Spiegel-Rezension vermuten läßt. Es geht hier - soweit ich feststellen konnte - im wesentlich um die Frage, ob die Messe einen großen Chor benötigt oder nicht (und diese Frage ist anscheinend nicht neu). Ich finde diese Version sehr schön und durchsichtig, das lebensbejahend Barocke sagt mir sehr zu.

Grüße,
Gamaheh

P.S.: Ich habe eine "konventionelle" Interpretation mit Otto Klemperer und dem New Philharmonia Orchestra, dem Chor der BBC und den Solisten Agnes Giebel, Janet Baker, Nicolai Gedda, Hermann Prey und Franz Crass, die ich gerne gehört habe, aber sonst keine Vergleichsmöglichkeiten.
kreisler (19.03.2009, 21:23):
Original von Hebre
@kreisler
ich hoffe, du berichtest dann im Messe-Thread!
Heike

http://ecx.images-amazon.com/images/I/417TX9KJGFL._SL500_AA240_.jpg


Also, so vom ersten Hören gefällt mir die Aufnahme sehr gut!
Allerdings kenne ich die Messe selber ja kaum und habe und hab jetzt erstmal keinerlei Vergleiche.

Was mich bei der Aufnahme sehr beeindruckt, ist der Chor. Er singt für mich sehr genau und schön zusammen.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass es eine sehr ausdrucksstarke Aufnahme ist, auch besonders was das Orchester angeht. Allerdings klingt das nun wieder manchmal für meine Ohren etwas unspektakulär, ist aber, was die Besetzung und so weiter angeht, sicher "richtiger" als überladene alte Aufnahmen. Trotzdem würde ich auch solch eine - die vielleicht auch etwas mehr dramatischer ist - mal gerne anhören.

Trotzdem: Eine sehr überlegte und gleichzeitig gefühlvolle Aufnahme, die für mich wohl ersmal genau das richtige war. :)

:hello kreisler
Heike (19.03.2009, 21:51):
Hallo Kreisler,
ich habe schon lange eine alte traditionelle Aufnahme mit Karajan, Schwarzkopf, Höffgen, Gedda, Rehfuss und den Musikfreunden Wien



Ich höre die recht gerne, habe sie damals relativ preiswert gekauft und irgendwie passt Karajans Perfektion auch gut zu der Messe.

Dann habe ich noch neuerdings eine Hengelbrock- Aufnahme aus dieser wunderbaren Box (Weihnachtsgeschenk) - Hengelbrock mit dem Freiburger Barockorchester. Ich gestehe, ich habe sie noch nicht gehört, weil ich mich erstmal auf die mir unbekannteren Werke konzentriere bzw. neugieriger darauf bin.



Heike
Cetay (inaktiv) (19.03.2009, 22:16):
Original von Hebre

Dann habe ich noch neuerdings eine Hengelbrock- Aufnahme aus dieser wunderbaren Box (Weihnachtsgeschenk) - Hengelbrock mit dem Freiburger Barockorchester. Ich gestehe, ich habe sie noch nicht gehört, weil ich mich erstmal auf die mir unbekannteren Werke konzentriere bzw. neugieriger darauf bin.

Heike

Da kannst du dich drauf freuen. Ich finde sie einfach überwältigend!
Agravain (20.11.2009, 22:01):
Nachdem ich die h-moll-Messe nun mehrere Male in unterschiedlichen Ensembles erarbeitet habe - wobei die Probenarbeit jedes Mal wieder eine faszinierende und echte Bereicherung war - muss ich sagen, dass mich bisher kaum eine Aufnahme in voller Gänze befriedigt hat. Da geht es mir mit wie mit der Matthäus-Passion: die einizige Aufführung, die mich wirklich befriedigen würde, wäre wahrscheinlich die, die ich selbst leite... :D
Am Ende ist es so, dass mich pro Aufnahme der h-moll Messe nur bestimmte Sätze ansprechen.

Dennoch eine (kleine) Auswahl zum Einhören:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61Q3TDB3QBL._SS500_.gif

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61VDVQ7669L._SS400_.gif

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41AFCBV3JAL._SS500_.jpg

(insgesamt grauenvoll - aber Christa Ludwigs "Agnus Dei" muss man gehört haben...)

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000005EDL.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724356199828.jpg

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/7391959120141.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41PUcYfJqOL._SS500_.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41FFBCZ04PL._SS400_.jpg

Viele Grüße
Agravain
Gerion (21.11.2009, 16:23):
Vielen Dank, lieber Agravain, für diese schöne Übersicht!

Ich möchte folgende Aufnahmen als Diskussionsbasis ergänzen:

Cantus Cölln, Konrad Junghänel:
Eine solistisch besetzte, sehr stimmige Aufnahme. Man hört viel an Details, viele Stellen sind ganz wunderbar innig-intim und direkt. Die Leistung der Solisten finde ich durchweg herausragend.

Dann kenne ich noch diese hier - oben schon genannt:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028941551429.jpg


Ich habe sie gerade nicht "im Ohr präsent", meine mich aber an einen doch eher wuchtigen, manchmal fast zu monolithisch-perfekten Höreindruck zu erinnern. Die Innigkeit o.a. Junghänel-Aufnahme sagt mir derzeit mehr zu, auch wenn ich z.B. auf dem Feld der Kantaten ein glühender Gardiner-Verehrer bin.

Herzliche Grüße
Gerion

PS: Hat jemand Minkowski schon gehört? Würde mich sehr interessieren!
Cetay (inaktiv) (21.11.2009, 18:08):
Nicht unerwähnt bleiben sollten die Aufnahmen von Spezialist Michel Corboz und dem Ensemble Vocal de Lausanne, die das Werk 4 mal eingespielt haben. Die 3. Aufnahme von 1996 (Solistinnen Sandrine Piau und Bernarda Fink) zeichnet sich trotz eines recht zerklüfteten Flusses durch eine besondere Ausgeglichenheit aus. Gespielt wird auf modernen Instrumenten, die Erkenntnisse der HIP-Bewegung werden aufgegriffen ohne dabei die "romantische" (pathetische, affektbeladene) Interpretationstradition ganz aufzugeben.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51CSX6AYEXL._SL500_AA240_.jpg
Agravain (22.11.2009, 12:28):
Original von Gerion
Vielen Dank, lieber Agravain, für diese schöne Übersicht!

Ich möchte folgende Aufnahmen als Diskussionsbasis ergänzen:

Cantus Cölln, Konrad Junghänel:
Eine solistisch besetzte, sehr stimmige Aufnahme. Man hört viel an Details, viele Stellen sind ganz wunderbar innig-intim und direkt. Die Leistung der Solisten finde ich durchweg herausragend.

Dann kenne ich noch diese hier - oben schon genannt:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028941551429.jpg


Ich habe sie gerade nicht "im Ohr präsent", meine mich aber an einen doch eher wuchtigen, manchmal fast zu monolithisch-perfekten Höreindruck zu erinnern. Die Innigkeit o.a. Junghänel-Aufnahme sagt mir derzeit mehr zu, auch wenn ich z.B. auf dem Feld der Kantaten ein glühender Gardiner-Verehrer bin.

Herzliche Grüße
Gerion

PS: Hat jemand Minkowski schon gehört? Würde mich sehr interessieren!

Hallo Gerion,
Jünghänel kenne ich zugegebenermaßen nicht und freue mich darauf, diese Lücke schließen zu können, und zwar mittels SHOPPING!!! :D

Gardiners Bach finde ich persönlich überbewertet, deshalb taucht er auc oben nicht auf. Das was er gemacht hat, war zu dem Zeitpunkt neu und hat sich darum schnell etablieren können. Bei mir bleibt nach dem Hören immer der bittere Nachgeschmack des Kalten, Glatten bloß Akademischen und die innere Überzeugung, Gardiner habe das "Thema verfehlt". Da geht es mir bei der h-moll-Messe nicht wirklich anders. Darum habe ich sie auch lange nicht gehört, meine mich aber zu erinnern, dass ich sie - ähnlich wie seine Matthäus-Passion - tontechnisch nicht so recht gelungen fand.

Viele Grüße

Agravain
Agravain (22.11.2009, 12:31):
Original von Cetay
Nicht unerwähnt bleiben sollten die Aufnahmen von Spezialist Michel Corboz und dem Ensemble Vocal de Lausanne, die das Werk 4 mal eingespielt haben. Die 3. Aufnahme von 1996 (Solistinnen Sandrine Piau und Bernarda Fink) zeichnet sich trotz eines recht zerklüfteten Flusses durch eine besondere Ausgeglichenheit aus. Gespielt wird auf modernen Instrumenten, die Erkenntnisse der HIP-Bewegung werden aufgegriffen ohne dabei die "romantische" (pathetische, affektbeladene) Interpretationstradition ganz aufzugeben.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51CSX6AYEXL._SL500_AA240_.jpg

Stimmt, sollte sie nicht. Leider wird Corboz oft irgendwie vergessen, obwohl es doch eine Reihe ganz herrlicher Aufnahmen mit ihm gibt - nicht nur Bach, sondern auch Puccini (Messa di Gloria) oder die Psalmvertonungen Mendelssohns.
Gerion (22.11.2009, 14:15):
Original von Agravain
Hallo Gerion,
Jünghänel kenne ich zugegebenermaßen nicht und freue mich darauf, diese Lücke schließen zu können, und zwar mittels SHOPPING!!! :D

Lieber Agravain, ich drücke die Daumen, dass sie noch käuflich erhältlich ist! Bei jpc fand ich sie gestern auf Anhieb leider nicht, als ich das Cover gesucht habe. Auf der hmf-Seite steht sie noch (aber ich weiß nicht, ob man sie dort ordern kann). Ein Blick in den Bielefelder Katalog würde vielleicht helfen...


Gardiners Bach finde ich persönlich überbewertet, deshalb taucht er auc oben nicht auf. Das was er gemacht hat, war zu dem Zeitpunkt neu und hat sich darum schnell etablieren können. Bei mir bleibt nach dem Hören immer der bittere Nachgeschmack des Kalten, Glatten bloß Akademischen und die innere Überzeugung, Gardiner habe das "Thema verfehlt". Da geht es mir bei der h-moll-Messe nicht wirklich anders. Darum habe ich sie auch lange nicht gehört, meine mich aber zu erinnern, dass ich sie - ähnlich wie seine Matthäus-Passion - tontechnisch nicht so recht gelungen fand.

Ja, bei der h-moll-Messe geht es mir genauso. Wie oben schon geschrieben, bei den Kantaten bin ich positiv beeindruckt; ich denke auch, dass die in 2000 durchgeführte "Bach Cantata Pilgrimage" schon von ihrer ganzen Anlage und Konzeption her keine rein akademische Intention verfolgte, sondern das ehrliche und aufrichtige Ziel, diese großartige Musik an möglichst vielen Orten präsent zu machen oder zu halten. Vielleicht "ziehen" die Aufnahmen der Kantaten auch viel Atmosphäre über die Tatsache, dass sie live-Recordings sind...? Aber, die Kantaten sind ja ein anderes Thema.

Aber zurück zur h-moll-Messe: Welche Teile dieses opus Magnum berühren Euch eigentlich besonders? Bei mir ist es regelmäßig das "Cum sancto spiritu", dass mich völlig abheben lässt... :leb

Herzliche Grüße
Gerion
Agravain (24.11.2009, 11:10):
Original von Gerion

Lieber Agravain, ich drücke die Daumen, dass sie noch käuflich erhältlich ist! Bei jpc fand ich sie gestern auf Anhieb leider nicht, als ich das Cover gesucht habe. Auf der hmf-Seite steht sie noch (aber ich weiß nicht, ob man sie dort ordern kann). Ein Blick in den Bielefelder Katalog würde vielleicht helfen...

Aber zurück zur h-moll-Messe: Welche Teile dieses opus Magnum berühren Euch eigentlich besonders? Bei mir ist es regelmäßig das "Cum sancto spiritu", dass mich völlig abheben lässt... :leb

Herzliche Grüße
Gerion

Hallo Gerion,

also im Grunde gibt es von Stück selbst her kaum einen Satz, der mich in der h-moll-Messe nicht beeindruckt. Es ist dann halt die Ausführung, die dann darüber entscheidet, wie berührt ich dann im Einzelfall bin.

Wenn ich jetzt aus dem Bauch und vom Stück selbst her entscheiden müsste, so wäre es wohl das "Et incarnatus est".

Grüße
Agravain

P.S.: Junghänel habe ich bei Amazon noch gefunden ;)
Cetay (inaktiv) (09.09.2010, 11:03):
Schon seit Juli auf dem Markt, aber von mir bislang übersehen. Die h-Moll Messe mit dem Dunedin Consort!! Nach ihrem überweltlichen Messias habe ich darauf schon spekuliert. In typischer Manier wird auch hier der Chor von den Solisten gebildet und nur rudimentär verstärkt. Insgesamt kommen 10 Sänger, 7 Streicher und 7 Bläser zum Einsatz. Man darf sich also auf bislang Ungehörtes einstellen.
Ein Kritiker bemägelt den fehlenden eigenen Charakter der Solisten. Da kann ich nur sagen: hoffentlich! Eine Messe ist schließlich keine Plattform für sängerische Selbstdarstellungen, oder? Je nachdem, ob diese Erwartungshaltung geteilt wird oder nicht, fallen die Kritiken aus: "CD des Monats" hier, "unglückliche Sängerwahl" dort.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Qb9%2BGmu8L._SL500_AA300_.jpg
Bach; Messe in h-Moll; John Butt
Armin70 (11.10.2010, 17:33):
Kleiner Tipp:

Heute Abend sendet BR-Klassik von 19:05 bis 21:00 Uhr die Aufnahme der Messe in h-moll von Johann Sebastian Bach unter der Leitung von John Butt:



Diese Übertragung werde ich mir jedenfalls mal aufnehmen.
Heike (11.10.2010, 17:56):
Vielen Dank für diesen Tipp lieber Armin, denn speziell auf diese Aufnahme bin ich sehr gespannt und zum Gkück bin ich rechtzeitig zu Hause, um noch den Recorder anzuwerfen :-)
Heike
Armin70 (12.10.2010, 19:42):


Nach dem ich mir diese Aufnahme anhörte, möchte ich meine Eindrücke schildern:

Mittlerweile stellt sich bei vielen Aufnahmen von barocken Vokalwerken, insbesondere bei denen von J. S. Bach, nicht nur die Frage, ob HIP oder Nicht-HIP sondern auch, ob die Chorpartien solistisch oder eben mit einem Chor besetzt sind.

Anfangs stand ich den solistisch besetzten Aufnahmen skeptisch gegenüber aber nach dem ich einige Aufnahmen mit Bach-Kantaten von Rifkin, wohl dem Pionier der solistischen Aufführungspraxis und auch der Matthäus-Passion mit McCreesh anhörte, finde ich mehr und mehr Gefallen an dieser Aufführungspraxis.
Ich beschäftige mich auch gar nicht so sehr damit, ob die Art und Weise, diese Werke solistisch aufzuführen, historisch begründet und fundiert ist bzw. ob das so richtig ist. Für mich ist entscheidend, ob mich eine Aufnahme berührt bzw. packt und dabei ist für mich erst mal nebensächlich, ob da solistisch oder choristisch gesungen wird.

Bewundernswert an solchen solistischen Besetzungen finde ich gewissermassen auch den Mut und das Riskiko, den die Interpreten bei einer solistisch besetzten Aufführung eingehen, denn intonatorische Unsauberkeiten werden so natürlich deutlicher hörbar als bei einer Interpretation mit einem Chor.

An der Aufnahme von John Butt gefällt mir, dass da kein "erhobener Zeigefinger" mitschwingt, so nach dem Motto: "Hört her, so muss das klingen" und ebenso empfinde ich diese Einspielung nicht als reine Effekthascherei.
Die Gesangssolisten wirken auf mich schon homogen und vor allem das schlanke Timbre aller Sänger/innen gefällt mir ausgesprochen gut. An einigen Stellen (Kyrie, Gloria oder Sanctus) werden die Gesangssolisten mit wenigen zusätzlichen Sänger/innen verstärkt, so dass aber dennoch der insgesamt solistische Charakter gewahrt bleibt.

Um es kurz zu machen, kann ich mich dieser Besprechung von Butts Aufnahme voll und ganz anschliessen.

Auch die Klangqualität ist wirklich vom feinsten: wunderbar transparent und durchsichtig kann man Bachs Meisterwerk hier hören.

Für mich persönlich stellt diese Aufnahme eine lohnenswerte Alternative zu meinen weiteren Aufnahmen (Gardiner und Herreweghe) von Bachs h-moll Messe dar.

Armin
Cetay (inaktiv) (31.03.2016, 17:33):
Original von Armin70

Mittlerweile stellt sich bei vielen Aufnahmen von barocken Vokalwerken, insbesondere bei denen von J. S. Bach, nicht nur die Frage, ob HIP oder Nicht-HIP sondern auch, ob die Chorpartien solistisch oder eben mit einem Chor besetzt sind.

Anfangs stand ich den solistisch besetzten Aufnahmen skeptisch gegenüber aber nach dem ich einige Aufnahmen mit Bach-Kantaten von Rifkin, wohl dem Pionier der solistischen Aufführungspraxis und auch der Matthäus-Passion mit McCreesh anhörte, finde ich mehr und mehr Gefallen an dieser Aufführungspraxis.

(...)



Ja, Rifkin steht als Pionier etwas unter dem Generalverdacht, dem viele frühe HIPster ausgesetzt sind; sie würden vor lauter Fragen nach der historischen Korrektheit die Musik vergessen - weiter oben war die Rede vom bitteren Nachgeschmack des Kalten, Glatten bloß Akademischen bei Gardiner. Für mich ist Rifkins Einspielung ein klares Plädoyer für die solistische Aufführung, insbesondere dann, wenn man meine Vorliebe für schlanken, wenig expressiven Gesang bei Messen teilt. Selbstzitat: Eine Messe ist schließlich keine Plattform für sängerische Selbstdarstellungen, oder?

Hier wird der polyphone Himmel frei von Chorwolken und aufgedickten Gesangslinien glasklar hörbar. Für mich unumstritten DIE h-Moll-Messe.

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51TkK7PuiZL._SL500_AA325_.jpg
Judith Nelson, Julianne Baird, Jeffrey Dooley, Frank Hoffmeister, Jan Opalach,
The Bach Ensemble , Joshua Rifkin