Bachsöhne

Rachmaninov (07.02.2007, 13:03):
Forianer,

die Werke der Bachsöhne sind mir weitestgehende unbekannt und ich besitze lediglich eine Aufnahme mit "Klavierwerken" von C.P.E. Bach.

Schade und auch nicht unbedingt logisch, stellen doch die Söhne Bachs, der selber der größte und einer der letzten Vertreter des Barock war, den Übergang zu Klassik dar.

So würde es mich interessieren welch Werke der vier Söhne Bach's, die ebenfalls als Komponisten tätig waren, als "Basiswissen" anzusehen sind.

Wilhelm Friedemann Bach (22. November 1710 - 1. Juli 1784)

Carl Philipp Emanuel Bach (8. März 1714 - 14. Dezember 1788)

Johann Christoph Friedrich Bach (21. Juni 1732 - 26. Januar 1795)

Johann Christian Bach (5. September 1735 - 1. Januar 1782)
Gerion (07.02.2007, 13:18):
Empfehlen kann ich:

Wilhelm Friedemann Bach, Symphonies/Concerto pour claviecin
Akademie für Alte Musik Berlin / R. Alpermann
(Harmonia Mundi France)

sowie

C.P.E. Bach, Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu
Collegium Vocale, Orchestra of the Age of Enlightenment, Phillip Herweghe
(Virgin)

und

Johann Christian Bach, Symphonies & Concertos
Akademie für Alte Musik Berlin / R. Alpermann
(Harmonia Mundi France)


was Bachs Vorfahren angeht, noch eine ganz dicke Empfehlung:
das Altbachsche Archiv
zB von Cantus Cölln, Concerto Palatino unter der Leitung von Konrad Junghänel hervorragend eingespielt!

Ob dies alles "Basiswissen" darstellt, weiß ich nicht.
uhlmann (07.02.2007, 13:19):
ich kenne nur carl philipp emanuel und johann christian, die sind imo schon eindeutig der klassik zuzurechnen.

sehr empfehlenswert (nicht nur als einstieg) ist die c.p.e.-box von capriccio (für € 19,99!):

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6588078.jpg

mit dabei sind hier sinfonien, diverse konzerte, kammermusik und vokalwerke. da bekommt man einen schönen überblick, und die aufnahmen sind hervorragend. ich mag c.p.e. sehr gerne, seine musik ist frisch und "natürlich", nicht so "schulmäßig" wie die seines vaters.

von johann christian kenne ich einige "symphonie concertante", die mich allerdings nicht vom hocker reißen. das kann freilich auch an den etwas lahmen aufnahmen (label cpo) liegen.
Amadé (07.02.2007, 20:49):
@R

Von allen Bach-Söhnen scheint das Oevre von Joh. Christoph Friedrich am kleinsten zu sein. Auch vom ältesten Bach-Sohn, Wilhelm Friedemann, ist nicht viel erhalten geblieben. Die zahlreichen Werke ihrer Brüder Carl Philippp Emanuel und Johann Christian, der Londoner Bach, zeitweise Lehrer des jungen Mozart, sind zwar nicht umfangreich, aber immerhin doch in guten Einspielungen dokumentiert. Alle Bach-Söhne hinterließen Orchestermusik, meist Sinfonien in "Italienischer Manier", also in der Satzfolge schnell-langsam-schnell, in der Regel für Streichorchester.
Daneben finden wir Solokonzerte für Flöte, Oboe, Cembalo und "Clavier", bei Johann Christian schon das Hammerklavier, Anregung für den jungen W.A. Mozart. Auch viele Stücke für Tasteninstrumente solo, Triosonaten, geistliche Musik und wieder von Joh.Chr. auch Opern, die seinerzeit sehr erfolgreich waren.

Folgende CDs kann ich empfehlen:
Wilhelm Friedemann:
5 Sinfonien mit Haenchen und dem Kammerorchester C.P.E.Bach bei Berlin classics
Sinfonien und Konzerte mit dem Freiburger Barockorchester und G.v.d.Goltz bei Carus

Carl Philipp Emanuel:
Sinfonien mit Haenchen und dem Kammerorchester C.P.E.Bach bei Capriccio
Sinfonien mit dem Freiburger Barockorchester und Th.Hengelbrock bei DHM
Sinfonien mit dem English Concert und T.Pinnock bei DGA
Eine CD mit Klaviermusik gespielt von Plentjew bei DGG

Johann Christian:
Sinfonien mit der Hanover BAnd und Halsteadt bei CPO
Sinfonien mit dem Niederländischen Kammerorchester unter Zinman bei Philips
Sinfonien für Bläser mit dem Consortium Ckassicum bei MDG
sämtliche "Clavier"-konzerte mit Haebler und der Capella Academica unter Eduard Melkus

Andere Forianer kennen sicher noch weitere Aufnahmen.
Gruß Bernd
Rachmaninov (20.11.2007, 08:28):
Einge ganz wunderbare Aufnahme der "Klavierwerke" von Carl Philipp Emanuel Bach hat auch M. Pletnev eingespielt.

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4233934.jpg

Pletnev's wohl durchdachtes und fein differenzierendes Klavierspiel macht aus diesen Stücken einfach wahrhaftige Leckerbissen. Ganz feine Aufnahme. Eine der besten Aufnahmen Pletnev's überhaupt.
satie (20.11.2007, 09:31):
Johann Christian Bach ist unter anderem deshalb wichtig, weil Mozart von ihm etwa den typischen kantablen Stil seiner Klaviersonaten eigentlich sagen wir mal "geschenkt bekommen hat". Es ist ja kein Geheimnis, dass Mozart auch deshalb so genial war, weil er von überall her die Einflüsse in sich aufsaugte und dann aber auf eine sehr eigene Weise zu etwas neuem kombinierte. Von diesem Bachsohn hatte Mozart die Satzweise mit Albertibass in der linken Hand und einem quasi Sologesang in der rechten. Beispiel hierfür: die berühmte Sonata "facile" in C-Dur.
http://content.answers.com/main/content/wp/en/b/be/Mozart_k545_opening.png

Ganz ähnlich geartet sind also teilweise die Klavierwerke von Johann Christian Bach, wenn auch sie nicht die vielen Höhen und Tiefen haben wie Mozarts Werke. Aber die Art und Weise dieses "singenden Allegro", wie es auch schon genannt wurde, ist die Errungenschaft des Bach-Sohns. Aber auch in Mozarts Londoner Symphonien ist der Einfluss ganz stark, auch später noch erkennbar.

Neben Carl Philipp Emanuel ist Johann Christian wohl als der "wichtigste" Bachsohn anzusehen. Die anderen beiden werden gemeiniglich mit einem wohlwollenden Lächeln besehen, in ihrer Bedeutung aber nicht hoch eingestuft. Offenbar schon in älterer Zeit war das so, denn ein Zeitgenosse zählte Johann Christoph Friedrich Bach auf Grund der "mangelnden Leistungen" gar nicht mehr zu Bachs Söhnen. Hier das Zitat aus der Wikipedia:
Sein Werk, das dem aufkommenden Geniekult seiner Zeit keine ausreichende Nahrung gab, sowie sein bescheidenes Leben, das so wenig Aufsehen erregte wie seine Musik, mögen mit dazu geführt haben, dass er lange Zeit als Epigone seiner berühmten Familie beurteilt wurde. Typisch dafür ist ein frühes Zeugnis C. F. Cramers: „Er hatte deren drey: Christian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, und Friedemann Bach; (den vierten in Bückeburg rechne ich nicht mit dazu; weil der nicht eigentlich zu den ... Bachen gehört).“
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Friedrich_Bach

Bei Friedemann ist wohl immer noch vieles verschollen und entsprechend die Diskographie recht mager. Dabei wurde er damals durchaus sehr gerühmt (insbesondere von seinen Brüdern!) und galt als hervorragender Improvisator. Pech hatte er nur deshalb, weil es ihm nicht gelang, eine feste Anstellung zu erhalten. Vielleicht gibt es ja hier auch noch mal so einen sensationellen Fund wie bei Carl Philipp Emanuel vor einigen Jahren, der dann eine angemessene Rezeption erlaubt.
Beurteilen muss man die Musik ja ohnehin selber.

Herzlich,
S A T I E
Rachmaninov (20.11.2007, 10:17):
Original von Satie
Johann Christian Bach ist unter anderem deshalb wichtig, weil Mozart von ihm etwa den typischen kantablen Stil seiner Klaviersonaten eigentlich sagen wir mal "geschenkt bekommen hat". Es ist ja kein Geheimnis, dass Mozart auch deshalb so genial war, weil er von überall her die Einflüsse in sich aufsaugte und dann aber auf eine sehr eigene Weise zu etwas neuem kombinierte. Von diesem Bachsohn hatte Mozart die Satzweise mit Albertibass in der linken Hand und einem quasi Sologesang in der rechten. Beispiel hierfür: die berühmte Sonata "facile" in C-Dur.
http://content.answers.com/main/content/wp/en/b/be/Mozart_k545_opening.png

@Satie,

danke für diese interessante Ausführung.

Es gibt ja auch die Cembalokonzerte KV 107, 1-3 nach Johann Christian Bach von Mozart als weiteres Beispiel.
Rachmaninov (07.02.2007, 13:03):
Forianer,

die Werke der Bachsöhne sind mir weitestgehende unbekannt und ich besitze lediglich eine Aufnahme mit "Klavierwerken" von C.P.E. Bach.

Schade und auch nicht unbedingt logisch, stellen doch die Söhne Bachs, der selber der größte und einer der letzten Vertreter des Barock war, den Übergang zu Klassik dar.

So würde es mich interessieren welch Werke der vier Söhne Bach's, die ebenfalls als Komponisten tätig waren, als "Basiswissen" anzusehen sind.

Wilhelm Friedemann Bach (22. November 1710 - 1. Juli 1784)

Carl Philipp Emanuel Bach (8. März 1714 - 14. Dezember 1788)

Johann Christoph Friedrich Bach (21. Juni 1732 - 26. Januar 1795)

Johann Christian Bach (5. September 1735 - 1. Januar 1782)
Gerion (07.02.2007, 13:18):
Empfehlen kann ich:

Wilhelm Friedemann Bach, Symphonies/Concerto pour claviecin
Akademie für Alte Musik Berlin / R. Alpermann
(Harmonia Mundi France)

sowie

C.P.E. Bach, Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu
Collegium Vocale, Orchestra of the Age of Enlightenment, Phillip Herweghe
(Virgin)

und

Johann Christian Bach, Symphonies & Concertos
Akademie für Alte Musik Berlin / R. Alpermann
(Harmonia Mundi France)


was Bachs Vorfahren angeht, noch eine ganz dicke Empfehlung:
das Altbachsche Archiv
zB von Cantus Cölln, Concerto Palatino unter der Leitung von Konrad Junghänel hervorragend eingespielt!

Ob dies alles "Basiswissen" darstellt, weiß ich nicht.
uhlmann (07.02.2007, 13:19):
ich kenne nur carl philipp emanuel und johann christian, die sind imo schon eindeutig der klassik zuzurechnen.

sehr empfehlenswert (nicht nur als einstieg) ist die c.p.e.-box von capriccio (für € 19,99!):

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6588078.jpg

mit dabei sind hier sinfonien, diverse konzerte, kammermusik und vokalwerke. da bekommt man einen schönen überblick, und die aufnahmen sind hervorragend. ich mag c.p.e. sehr gerne, seine musik ist frisch und "natürlich", nicht so "schulmäßig" wie die seines vaters.

von johann christian kenne ich einige "symphonie concertante", die mich allerdings nicht vom hocker reißen. das kann freilich auch an den etwas lahmen aufnahmen (label cpo) liegen.
Amadé (07.02.2007, 20:49):
@R

Von allen Bach-Söhnen scheint das Oevre von Joh. Christoph Friedrich am kleinsten zu sein. Auch vom ältesten Bach-Sohn, Wilhelm Friedemann, ist nicht viel erhalten geblieben. Die zahlreichen Werke ihrer Brüder Carl Philippp Emanuel und Johann Christian, der Londoner Bach, zeitweise Lehrer des jungen Mozart, sind zwar nicht umfangreich, aber immerhin doch in guten Einspielungen dokumentiert. Alle Bach-Söhne hinterließen Orchestermusik, meist Sinfonien in "Italienischer Manier", also in der Satzfolge schnell-langsam-schnell, in der Regel für Streichorchester.
Daneben finden wir Solokonzerte für Flöte, Oboe, Cembalo und "Clavier", bei Johann Christian schon das Hammerklavier, Anregung für den jungen W.A. Mozart. Auch viele Stücke für Tasteninstrumente solo, Triosonaten, geistliche Musik und wieder von Joh.Chr. auch Opern, die seinerzeit sehr erfolgreich waren.

Folgende CDs kann ich empfehlen:
Wilhelm Friedemann:
5 Sinfonien mit Haenchen und dem Kammerorchester C.P.E.Bach bei Berlin classics
Sinfonien und Konzerte mit dem Freiburger Barockorchester und G.v.d.Goltz bei Carus

Carl Philipp Emanuel:
Sinfonien mit Haenchen und dem Kammerorchester C.P.E.Bach bei Capriccio
Sinfonien mit dem Freiburger Barockorchester und Th.Hengelbrock bei DHM
Sinfonien mit dem English Concert und T.Pinnock bei DGA
Eine CD mit Klaviermusik gespielt von Plentjew bei DGG

Johann Christian:
Sinfonien mit der Hanover BAnd und Halsteadt bei CPO
Sinfonien mit dem Niederländischen Kammerorchester unter Zinman bei Philips
Sinfonien für Bläser mit dem Consortium Ckassicum bei MDG
sämtliche "Clavier"-konzerte mit Haebler und der Capella Academica unter Eduard Melkus

Andere Forianer kennen sicher noch weitere Aufnahmen.
Gruß Bernd
Rachmaninov (20.11.2007, 08:28):
Einge ganz wunderbare Aufnahme der "Klavierwerke" von Carl Philipp Emanuel Bach hat auch M. Pletnev eingespielt.

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4233934.jpg

Pletnev's wohl durchdachtes und fein differenzierendes Klavierspiel macht aus diesen Stücken einfach wahrhaftige Leckerbissen. Ganz feine Aufnahme. Eine der besten Aufnahmen Pletnev's überhaupt.
satie (20.11.2007, 09:31):
Johann Christian Bach ist unter anderem deshalb wichtig, weil Mozart von ihm etwa den typischen kantablen Stil seiner Klaviersonaten eigentlich sagen wir mal "geschenkt bekommen hat". Es ist ja kein Geheimnis, dass Mozart auch deshalb so genial war, weil er von überall her die Einflüsse in sich aufsaugte und dann aber auf eine sehr eigene Weise zu etwas neuem kombinierte. Von diesem Bachsohn hatte Mozart die Satzweise mit Albertibass in der linken Hand und einem quasi Sologesang in der rechten. Beispiel hierfür: die berühmte Sonata "facile" in C-Dur.
http://content.answers.com/main/content/wp/en/b/be/Mozart_k545_opening.png

Ganz ähnlich geartet sind also teilweise die Klavierwerke von Johann Christian Bach, wenn auch sie nicht die vielen Höhen und Tiefen haben wie Mozarts Werke. Aber die Art und Weise dieses "singenden Allegro", wie es auch schon genannt wurde, ist die Errungenschaft des Bach-Sohns. Aber auch in Mozarts Londoner Symphonien ist der Einfluss ganz stark, auch später noch erkennbar.

Neben Carl Philipp Emanuel ist Johann Christian wohl als der "wichtigste" Bachsohn anzusehen. Die anderen beiden werden gemeiniglich mit einem wohlwollenden Lächeln besehen, in ihrer Bedeutung aber nicht hoch eingestuft. Offenbar schon in älterer Zeit war das so, denn ein Zeitgenosse zählte Johann Christoph Friedrich Bach auf Grund der "mangelnden Leistungen" gar nicht mehr zu Bachs Söhnen. Hier das Zitat aus der Wikipedia:
Sein Werk, das dem aufkommenden Geniekult seiner Zeit keine ausreichende Nahrung gab, sowie sein bescheidenes Leben, das so wenig Aufsehen erregte wie seine Musik, mögen mit dazu geführt haben, dass er lange Zeit als Epigone seiner berühmten Familie beurteilt wurde. Typisch dafür ist ein frühes Zeugnis C. F. Cramers: „Er hatte deren drey: Christian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, und Friedemann Bach; (den vierten in Bückeburg rechne ich nicht mit dazu; weil der nicht eigentlich zu den ... Bachen gehört).“
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Friedrich_Bach

Bei Friedemann ist wohl immer noch vieles verschollen und entsprechend die Diskographie recht mager. Dabei wurde er damals durchaus sehr gerühmt (insbesondere von seinen Brüdern!) und galt als hervorragender Improvisator. Pech hatte er nur deshalb, weil es ihm nicht gelang, eine feste Anstellung zu erhalten. Vielleicht gibt es ja hier auch noch mal so einen sensationellen Fund wie bei Carl Philipp Emanuel vor einigen Jahren, der dann eine angemessene Rezeption erlaubt.
Beurteilen muss man die Musik ja ohnehin selber.

Herzlich,
S A T I E
Rachmaninov (20.11.2007, 10:17):
Original von Satie
Johann Christian Bach ist unter anderem deshalb wichtig, weil Mozart von ihm etwa den typischen kantablen Stil seiner Klaviersonaten eigentlich sagen wir mal "geschenkt bekommen hat". Es ist ja kein Geheimnis, dass Mozart auch deshalb so genial war, weil er von überall her die Einflüsse in sich aufsaugte und dann aber auf eine sehr eigene Weise zu etwas neuem kombinierte. Von diesem Bachsohn hatte Mozart die Satzweise mit Albertibass in der linken Hand und einem quasi Sologesang in der rechten. Beispiel hierfür: die berühmte Sonata "facile" in C-Dur.
http://content.answers.com/main/content/wp/en/b/be/Mozart_k545_opening.png

@Satie,

danke für diese interessante Ausführung.

Es gibt ja auch die Cembalokonzerte KV 107, 1-3 nach Johann Christian Bach von Mozart als weiteres Beispiel.
Cetay (inaktiv) (14.04.2008, 13:29):
Original von Amadé
Auch vom ältesten Bach-Sohn, Wilhelm Friedemann, ist nicht viel erhalten geblieben. .

Folgende CDs kann ich empfehlen:
Wilhelm Friedemann:
Sinfonien und Konzerte mit dem Freiburger Barockorchester und G.v.d.Goltz bei Carus


Wenn die genannte CD repräsentativ für das Schaffen von W.F. ist, dann kann man nur bedauern, dass Vieles verschollen ist. Die Musik glänzt durch eine bestechende Ambivalenz. Zum einen ist sie klanglich noch unverkennbar im "festlichen" Barock angesiedelt. Auf der anderen Seite finden sich darin harmonische und rhythmische Eigenwilligkeiten, die in dieser Umgebung regelrecht bizarr anmuten - und der gesamte Tonfall hat etwas derbes, das von der akademischen Nobelesse des Vaters meilenweit entfernt ist. Ich bin fast geneigt, W.F. als den Punk der Familie zu bezeichnen. Die wild kreuz und quer laufenden Stimmen im ersten Satz des D-dur Flötenkonzerts, die heftigen Dissonanzen in der d-moll Sinfonia, das Vexierspiel des Hammerklaviers, das immer wieder im Orchester verschwindet und sich wie zufällig wieder herausschält, im e-moll Konzert, abrupte Verschiebungen des Taktschwerpunkts - das alles sind kleine Feinheiten, die der Musik einen sehr modernen Anstrich geben und auf mich wie ein Protest gegen das allzu Gesittete der barocken Umgebung wirken.

@Mod Ich denke das Thema ist unter "Instrumentalisten" falsch aufgehoben
Tranquillo (14.04.2008, 20:25):
Hallo zusammen,

Wilhelm Friedemann Bach, 1710 in Weimar geboren und 1784 in Berlin gestorben, war das zweite Kind und der älteste Sohn von Johann Sebastian Bach und dessen erster Frau Maria Barbara. Er wurde von seinem Vater gründlich musikalisch ausgebildet (u. a. waren die Inventionen und Sinfonien sowie der erste Teil des Wohltemperierten Klaviers für seinen Unterricht bestimmt) und erhielt daneben auch noch Violinunterricht bei Johann Gottlieb Graun. Seine erste Anstellung erhielt Wilhelm Friedemann 1733 als Organist der Sophienkirche in Dresden, von 1746 bis 1764 war er Musikdirektor und Organist der Marienkirche in Halle. Danach hatte er bis zu seinem Tod keine feste Anstellung mehr und versuchte, durch Unterricht, Konzerte und Komponieren seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Bemühungen um eine feste Anstellung als Organist u. a. in Braunschweig und Wolfenbüttel blieben erfolglos. Er starb 1784 völlig verarmt.

Johann Sebastian Bach hielt Wilhelm Friedemann unter seinen Söhnen für den talentiertesten Musiker. Dementsprechend hoch müssen seine Ansprüche und Erwartungen an ihn gewesen sein, und letztlich werden die Schwierigkeiten, die Wilhelm Friedemann im Laufe seines Lebens immer wieder hatte, heute als Reaktion auf die Überforderung durch den übermächtigen Vater erklärt. Seine beiden Anstellungen in Dresden und Halle erhielt Wilhelm Friedemann durch Vermittlung seines Vaters, und besonders bezeichnend ist, dass Wilhelm Friedemann erst nach dem Tod seines Vaters heiratete (1751). Mit seiner Frau Dorothea Elisabeth, geborene Georgi, hatte er drei Kinder, wobei die 1752 und 1754 geborenen Söhne bereits im Kindesalter starben und nur die 1757 geborene Tochter das Erwachsenenalter erreichte.

Nach der Beschreibung seines Orgelschülers Friedrich Wilhelm Rust war Wilhelm Friedemann ein finsterer, unnahbarer Charakter, ein verschlossener und schwieriger Mensch. In den Akten des Hallenser Rats steht folgende Aussage über ihn: "Sonderbares Betragen, unanständiger Wandel und Eigensinn." Offenbar war er auch dem Alkohol zugetan.

Als Komponist war Wilhelm Friedemann sehr eigensinnig und auf eine Art und Weise originell, die seine Zeitgenossen nicht mehr nachvollziehen konnten. Die Erwartungen des Publikums schienen für ihn keine Rolle zu spielen, dementsprechend gering war sein Erfolg. In seinem Ausdruckswillen weist er in einigen Stücken schon weit über die Klassik hinaus in die Romantik hinein; in seinen 12 Polonaisen für Klavier beispielsweise finden sich neben eher konventionellen Tanzsätzen unglaublich kühne und ausdrucksstarke Sätze, die auch den heutigen Hörer zunächst ratlos zurücklassen und eher an romantische Charakterstücke erinnern.

Das auch heute noch verwendete Werkverzeichnis geht auf Martin Falck zurück, der es 1913 herausgegeben hat. Nur ein Bruchteil der dort verzeichneten Werke ist aktuell auf CD verfügbar. Ein Querschnitt aus seinen Klavierwerken, auf einem modernen Flügel gespielt, ist bei Oehms erhältlich:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4260034865693.jpg

Ferner gibt es bei Naxos zwei CD's mit Klavier- bzw. Cembalowerken:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0747313296620.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0747313053070.jpg

Die acht Fugen für Cembalo, komponiert für die Prinzessin Anna Amalia von Preußen, sind in ihrer Art einmalig: In ihnen gelingt es Wilhelm Friedemann, den damals modernen "galanten" Stil mit strenger Kontrapunktik zu verbinden - das Ergebnis ist höchst beeindruckend.

Eine Aufnahme von Cembalowerken mit Christophe Rousset (Harmonia Mundi France) scheint leider nicht mehr erhältlich zu sein, ebenso eine CD mit drei Cembalokonzerten (London Baroque, Richard Egarr) und Aufnahmen einiger Kantaten.

Viele Grüsse
Andreas
Tranquillo (14.04.2008, 21:07):
Hallo zusammen,

Johann Christian Bach, 1735 in Leipzig geboren und 1782 in London gestorben, war der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach und seiner zweiten Frau Anna Magdalena. Als Johann Sebastian 1750 starb, war sein jüngster Sohn gerade erst 15 Jahre alt. Johann Christian wurde zunächst von seinem Vater und nach dessen Tod von seinem Halbbruder Carl Philipp Emanuel musikalisch ausgebildet.

Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Bach-Familie könnte man Johann Christian schon fast als Kosmopoliten bezeichnen. 1754 reiste er nach Italien und nahm dort Unterricht bei Padre Martini. 1760 wurde er Domorganist in Mailand und konvertierte, um diesen Posten zu erhalten, zum Katholizismus - in der streng protestantischen Familie Bach sicher ein Skandal sondergleichen, der zum Bruch mit Carl Philipp Emanuel führte. Neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker komponierte Johann Christian auch Opern, die 1762 zu einer Einladung nach London führten. Seine dort komponierten Opern hatten allerdings nur wechselhaften Erfolg. Erfolgreich waren hingegen die Konzerte, die er zusammen mit Carl Friedrich Abel, dem Sohn eines Gambisten aus Johann Sebastian Bachs Köthener Hofkapelle, über 17 Jahre lang veranstaltete. 1764 waren Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart in London und besuchten auch Johann Christian Bach, der gemeinsam mit Wolfgang Amadeus musizierte. Leopold Mozart empfahl seinem Sohn Johann Christian Bachs Kompositionen als Vorbild, und entsprechende Einflüsse sind bei Mozart (besonders in den Londoner Sinfonien) nicht zu überhören. Gegen Ende der 1770er Jahre verlor Johann Christian mehr und mehr Bedeutung als Musiker und Komponist; sein Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Er starb am Neujahrstag 1782 in einem Londoner Vorort. Sein Begräbnis wurde von der englischen Königin bezahlt, die auch für seine Witwe eine lebenslange Rente zahlte.

Die Kompositionen Johann Christian Bachs zeichnen sich durch eine flüssige, gefällige und gesangliche Schreibweise aus ("singendes Allegro") - italienische Einflüsse sind deutlich erkennbar.

Bei der Diskographie hat sich einmal mehr das Label cpo verdient gemacht - hier sind u. a. Gesamtaufnahmen der Sinfonien, konzertanten Sinfonien und Cembalo- bzw. Klavierkonzerte erhältlich:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0761203989621.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0761203729227.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0761203993024.jpg

Darüber hinaus wurden für cpo auch Bläserkonzerte, Ouvertüren, Kammermusik sowie geistliche Werke und Opern aufgenommen.

Viele Grüsse
Andreas
Rachmaninov (30.04.2008, 10:14):
In der aktuellen Piano News gibt es einen Beitrag zu den Klavierwerken der Bach-Söhne, bzw. der drei "wichtigsten" Söhne.

Anthony Spiri ist der Auto dieses Beitrages. Wie es scheint hat er sich intensiv mit deren Werken beschäftigt.

Hat jemand den Beitrag schon gelesen?

Falls nein, ich werde dies noch tuen und berichten :wink
Tranquillo (30.04.2008, 13:13):
Original von Rachmaninov
Anthony Spiri ist der Auto dieses Beitrages. Wie es scheint hat er sich intensiv mit deren Werken beschäftigt.
Das hört man auch seiner Aufnahme bei Oehms an, die ich oben bereits erwähnt hatte. Er spielt übrigens auf einem modernen Konzertflügel.


Hat jemand den Beitrag schon gelesen?

Falls nein, ich werde dies noch tuen und berichten :wink
Ich bitte darum - das ist ein sehr interessantes Thema!

Viele Grüsse
Andreas
Sarastro (07.06.2008, 01:39):
Hallo zusammen,

die Musik der Bachsöhne ist es ohne jeden Zweifel wert, daß man sich damit näher beschäftigt; der aufgeschlossene Hörer kann hier viele Entdeckungen machen. Faszinierend, aber kaum verwunderlich sind die enormen stilistischen Unterschiede zwischen den Brüdern – zwischen der Musik von Friedemann und Carl Philipp Emanuel und der von Johann Christian liegen Welten.
Ich vermute, daß vor allem Liebhaber des klassischen Stils (im engeren Sinne) gerne auch mal Musik von Johann Christian hören werden (bei mir wenigstens verhält es sich so, obwohl es sehr wohl andere "Kleinmeister" der Wiener Klassik gibt, die dem jüngsten Bachsohn in keiner Weise nachstehen). Wie bekannt und hier oben von Satie herausgestellt, hatte er auf Satz und Melodieführung des Salzburger Meisters großen Einfluß, und es gibt manche schöne Werke von Johann Christian Bach, die man sehr leicht Mozart zuschreiben könnte, wenn man es nicht besser wüßte (ich denke insbesondere an einige seiner Symphonien). Ich stimme aber unserem Satie ohne weiteres darin zu, daß J.C. Bachs Musik bei aller äußeren Ähnlichkeit nicht die Höhen und Tiefen Mozarts erreicht – wie könnte sie das auch! Man darf diese Musik aber natürlich trotzdem ohne weiteres als "gehobene Unterhaltung" genießen bzw. (wie ich es ab und zu gern mal bei den Klaviersonaten mache) spielen.

Von Friedemann kenne ich bis jetzt nicht viel (ein Dank an Tranquillo für die diskographischen Hinweise!), und vom "Bückeburger Bach" Johann Christoph Friedrich auch nicht. Was Carl Philipp Emanuel betrifft, dürfte etliches auch Hörer, denen seine musikhistorische Bedeutung (im Faden über die Haydn-Symphonien kam dieses Thema vor einiger Zeit mal ansatzweise zur Sprache) eher gleichgültig ist und die keinen ausgeprägten Draht zu vor- und frühklassischer Musik haben, unmittelbar ansprechen, z.B. das herrlich dramatische Flötenkonzert in d-Moll oder einzelne Sätze (vor allem der feurige erste und der letzte) des Magnificat. Auch bei den Werken für Klavier Solo (Sonaten, Rondos) gibt es so manches, was empfängliche Hörer und Spieler mitreißt, während anderes wiederum, vor allem bei den langsamen Sätzen, eher weniger spannend wirkt (die Satztechnik ist eben bewußt und gewollt einfach – für unseren Geschmack vielleicht allzu einfach – gehalten).

Das beste ist aber sicher, wie schon gesagt, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Man kann dabei viele neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln – und man sollte es wohl auch möglichst vorurteilsfrei tun und sich nicht den Spaß dadurch verderben, daß man immer nur wertend vergleicht und den einen gegen den anderen - und alle miteinander gegen den Vater - ausspielt.

Viele Grüße,
Sarastro

PS. Einen Hinweis auf ein schönes, informatives Buch möchte hier doch noch nachtragen: András Batta (Herausgeber), Die Brüder Bach. Leben und Werk zwischen Barock und Klassik. Köln, Könemann, 2000 (gab´s vor einiger Zeit als preiswerte Sonderausgabe).
Sarastro (06.01.2009, 15:37):
Carl Philipp Emanuel Bach, Capriccio-Box

Den obigen Empfehlungen von Uhlmann und Amadé hinsichtlich der Capriccio-Box schließe ich mich gerne an!
Hier noch ein paar weitere Angaben zum Inhalt:
CD 1&2 Sinfonien (Kammerorchester „Carl Philipp Emanuel Bach“, Harmut Haenchen:
Vier Orchester-Sinfonien mit zwölf obligaten Stimmen Wq 183 (komponiert 1775/76);
Sechs Sinfonien für Streicher und Basso Continuo Wq 182, aus den 1770er Jahren.
Diese Werke sind musikalisch hochinteressant und expressiv; man erahnt die Bedeutung, die dieser Bachsohn für die Entwicklung des klassischen Stils hatte.

CD 3&4 Flötenkonzerte (dasselbe Ensemble, mit Eckart Haupt als Solisten)
Von den fünf hier eingespielten Werken ist das erste, das in d-moll, wohl das bekannteste und – ein packendes Stück, Bach junior in Höchstform! Aber auch die Konzerte in a-moll und A-Dur sind sehr gut.

CD 5 Oboenkonzerte (Neues Bachisches Collegium Musicum Leipzig / Kammerorchester Berlin unter Max Pommer, Burkard Glaetzner Solist)
Außer den beiden Konzerten in Es-Dur und B-Dur wurde noch ein Oboenkonzert von Johann Christian (in F-Dur) „eingeschmuggelt“. Man hört sofort den starken Stilunterschied: Obwohl Johann Christian zur selben Zeit komponierte wie sein zwei Jahrzehnte älterer Bruder, der ihn um sechs Jahre überlebte (aber natürlich früher mit dem Komponieren begonnen hatte), sind es zwei musikalisch stark verschiedene Welten.

CD 6 Orgelkonzerte (Kammerorchester „Carl Philipp Emanuel Bach“ mit Harmut Haenchen, Solist ist Roland Münch). Außer den beiden „eigentlichen“ Orgelkonzerten in G-Dur und Es-Dur sind noch ein Präludium in D-Dur und eine Fantasie und Fuge c-moll zu hören.

CD 7 Clavierstücke (so). Linda Nicholson spielt drei Klaviersonaten (Wq 50/2-4) sowie mehrere andere Klavierstücke auf einem Clavichord aus dem Jahr 1767.
Interessant ist Bachs Technik der „veränderten Reprise“, die auf den Einspielungen dokumentiert wird (aber auch in einigen anderen, hier nicht aufgenommenen Sonaten zum Einsatz kommt): Es wird nicht einfach, wie sonst in der klassischen Sonatenform allgemein üblich, eine Wiederholung verlangt – die dann in der Praxis durch den Vortragenden improvisatorisch leicht verändert worden wäre -, vielmehr werden die zahlreichen Veränderungen auskomponiert, d.h. ausgeschrieben.

CD 8 Flötensonaten, nach Art der barocken Triosonate (Eckart Haupt Flöte, Siegfried Pank Viola da gamba, Armin Thalheim Cembalo). Zwischen dem ältesten der sechs Stücke (Wq 134 in G-Dur, 1735) und dem jüngsten Nachzügler (ebenfalls G-Dur, 1786) liegt ein halbes Jahrhundert!
Wer einen Einstieg zu C.P.E. Bach sucht, sollte aber vielleicht nicht unbedingt damit beginnen; diese Werke zählen sicher nicht zu seinen stärksten ...

CD 9 und 10 enthält Vokalwerke (Rheinische Kantorei unter Hermann Max; die Namen der Sänger mag ich jetzt aber nicht alle abschreiben ...), von denen ich ganz besonders die sehr eindrucksvollen und hörenswerten Werke auf der ersten der beiden CDs empfehle:
Klopstocks Morgengesang am Schöpfungsfeste Wq (1784)
Auf, schicke dich recht feierlich Wq 249 (1775)
Anbetung dem Erbarmer Wq 243 (vor 1784)
Heilig Wq 217 (1776)

CD 11&12: Das Oratorium Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Wq 240, im Winter 1777/78 komponiert. Ein wunderbares, herrliches Werk; das dreimal auftretende „Triumph“-Thema des Chores ist sehr effektvoll. Stellenweise fühle ich mich sozusagen vorwegnehmend an Haydns Schöpfung erinnert.

Auf der zweiten CD (d.h. CD 12) ist auch noch eine Osterkantate Gott hat den Herrn auferwecket.

Über den durch diese Box vermittelten guten Einstieg hinaus wären dem Interessierten einige weitere, hier nicht enthaltene – teilweise oben schon genannte - Werke zu empfehlen: Besonders mag ich das sehr erhebende, 1749 entstandene Magnificat

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0054727741128.jpg.

Daß Thema der Schlußfuge hat Mozart im Kyrie seines Requiems aufgegriffen (aber in Moll verwandelt). C.P.E. Bach hat sich dieses Satzes auch selbst gern bedient (er erscheint nochmals in der obengenannten Kantate Anbetung dem Erbarmer mit dem Text "Herr, es ist dir keiner gleich").

Zu nennen wären aber auch noch die Cellokonzerte,

http://ecx.images-amazon.com/images/I/416JA7M84SL._SS500_.jpg,

das schon wegen seiner Besetzung interessante Doppelkonzert für Klavier, Cembalo und Orchester in Es-Dur (aus dem Jahr 1788; über den enormen stilistischen Abstand zur zeitgenössischen Musik eines Mozart und Haydn, aber auch anderer, mag man sich wundern oder auch nicht),

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0054727741029.jpg,

und natürlich die zahlreichen Klaviersonaten und Rondos.
Einiges davon z.B. hier mit Christopher Hinterhuber:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/5187ESSTTTL._SS500_.jpg

(Meine Lieblinge hier sind die Sonaten in A-Dur und E-Dur).

Von den Oratorien wird noch „Die Israeliten in der Wüste“ (1769) gelobt; ich kenne es bisher leider noch nicht.

Schöne Grüße,
Sarastro
Sarastro (14.11.2009, 20:03):
Doppelkonzerte von Bachsöhnen sind in einer Einspielung unter Harnoncourt mit dem Concentus musicus zu hören:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51%2BhJvRgNiL._SS400_.jpg

Außer dem Konzert für Oboe und Violine d-Moll BWV 1060 (Rekonstruktion einer Umarbeitung des bekannten Konzerts für zwei Violinen) und dem Konzert für zwei Cembali c-Moll BWV 1062 gibt es hier:
- das Konzert für Cembalo und Klavier in Es-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach (Wq 47), im Todesjahr des Komponisten (1788) komponiert und mindestens aus zwei Gründen besonders interessant: wegen der ungewöhnlichen Besetzung einerseits und des für diese Zeit fast schon anachronistischen Stils andererseits.

- die Sinfonia concertante für Oboe, Violoncello und Orchester F-Dur von Johann Christian Bach aus den frühen 1760er Jahren. Man spürt, wie so oft beim jüngsten Bachsohn, die Mozartnähe, bzw. genauer umgekehrt die Nähe des jungen Mozart zu Joh. Chr. Bach – und den gewaltigen stilistischen und satztechnischen Abstand zum Werk der beiden ältesten Brüder.

- das Doppelkonzert für zwei Cembali Es-Dur (Falck 46) von Wilhelm Friedemann Bach, im Jahrzehnt zwischen 1750 und 1760 entstanden.
Dies ist ein breit angelegtes, satztechnisch dicht gearbeitetes, großartiges Meisterwerk (wer´s genauer wissen möchte, kann sich leicht auch optisch hier davon überzeugen).
Es zeigt sich deutlich, welch bedeutender Meister dieser im Verhältnis zu Carl Philipp Emanuel doch relativ wenig bekannte Komponist war!
Für mich der absolute Höhepunkt der genannten CD!

Zum Kennenlernen der Orchestermusik des ältesten Bachsohns schließe ich mich Amadés Empehlung (oben 7. 2. 2007) gerne an:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0782124150129.jpg

Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784), Das Orchesterwerk
Hartmut Haenchen, Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach".

Hier sind all die wenigen erhaltenen Orchesterwerke – also unter Ausschluß der Werke für Orchester und Soloinstrument(e) – eingespielt worden, konkret:
Sinfonia F-Dur (Falck 67), "Dissonanzen-Sinfonie", viersätzig
Sinfonia F-Dur (F. 88) zur Pfingskantate "Ertönet, ihr seligen Völker"
Sinfonia d-Moll (F. 65), zweisätzig (Adagio und dann Allegro mit einem markanten Fugenthema)
Sinfonia D-Dur (F. 64) zur Pfingskantate "Dies ist der Tag"
Sinfonia D-Dur (F. 91) zur Kantate zu Christi Himmelfahrt "Wo geht die Lebensreise hin"

Die Urheberschaft Friedemanns ist unsicher bei der früher häufig – und zu Unrecht – dem Vater zugeschriebenen fünfsätzigen Suite g-Moll (BWV 1080).

Um diese Werke einspielen zu können, mußten beträchtliche Schwierigkeiten in der Rekonstruktion und Ergänzung verlorener bzw. nicht ausgeschriebener Partien überwunden werden, worüber das Booklet ausführlich informiert.

Schöne Grüße,
Sarastro
Armin70 (19.12.2009, 05:49):
Hallo,

von Johann Christoph Friedrich Bach gibts leider nicht so viele Aufnahmen. Das liegt wohl daran, dass er zu Lebzeiten und nach seinem Tod im Schatten seiner Brüder stand bzw. immer noch steht. Seine Anstellung als Hofkomponist am eher kleinen Hof in Bückeburg ist wohl auch ein Grund für sein "Schattendasein" und er deshalb nicht überregional auf sich Aufmerksam machen konnte.
















Diese Aufnahmen kenne ich allerdings alle nicht, so dass ich nichts über deren Qualitäten sagen kann aber bei amazon.de/com finden sich zu einigen dieser Aufnahmen überwiegend positive Besprechungen.

Grüße
miguel54 (10.10.2010, 23:33):
Original von Tranquillo Ein Querschnitt aus seinen Klavierwerken, auf einem modernen Flügel gespielt, ist bei Oehms erhältlich:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4260034865693.jpg

Drei Sonaten und die Fantasie Flack nv2 sind nicht von Wilhelm Friedemann Bach, sondern von Johann Wilhelm Hässler (1747-1822) ...

Die Geschichte dahinter ist folgende: Im Besitz der Staatsbibliothek Berlin finden sich etliche Handschriften mit Werken von Mitgliedern der Bach-Familie, die Martin Falck z.T. nicht bekannt waren. Paul Kast hat sie alle gesichtet und 1963 eine detaillierte Aufstellung publiziert (Die Bach-Handschriften der Berliner Staatsbibliothek. Tübinger Bach-Studien, hg.v. Walter Gerstenberg, Heft 2/3). Eines der Manuskripte aus dem Besitz eines H.E. Wiedemann mit der Nummer P.883 trägt den Titel I Fantasia VI Sonate & I Arietta con Variazioni per il Cembalo - von anderer Hand(!) steht dabei "Wilh. Friedemann Bach". Paul Horn hat diese Stücke 1960 im Rahmen der Stuttgarter Bach-Ausgaben der Hänssler Edition veröffentlicht. In Paul Kasts Ergänzungen zu Falcks Werkverzeichnis tragen sie die Nummern Fk nv 2-8.
Was Horn und allen Interpreten, die nach dieser Ausgabe oder einer Kopie des Berliner Manuskriptes spielen, entgangen ist: Alle diese Stücke sind (mit einem unterschiedlichen, in P.883 unvollständigen Sonatensatz) 1776 von Hässler in Leipzig veröffentlicht worden - weshalb Peter Schleuning die c-moll Fantasie (der Paul Kast die Nummer Falck nv2 gab) nicht in seine bereits 1972 (!) im Mainzer Schott Verlag erschienene kritische Ausgabe der Clavierfantasien W.F. Bachs aufgenommen hatte. Peter Wollny wies bei seiner Auflistung falsch zugeschriebener Kompositionen in seiner Dissertation über Wilhelm Friedemann Bach 1993 ausdrücklich auf den Druck von Hässler hin und nahm sie nicht in das revidierte Werkverzeichnis auf, das man auch in der zweiten Ausgabe der MGG und des New Grove Dictionary of Music and Musicians nachlesen kann. Auch im Werkverzeichnis, das innerhalb des Bach-Repertoriums im Dezember 2010 endlich im Carus Verlag erscheinen soll, werden sie nicht mehr stehen. Peter Schleuning hat eine wissenschaftliche Arbeit über die Clavierfantasie im deutschen Sprachraum geschrieben und in diesem Rahmen auch zwei sehr lesenswerte Auswahlbände mit Kompositionen in der Reihe "Das Musikwerk" veröffentlicht. D.h. konkret, daß er versucht hat, jedes Werk dieser Gattung mal zu sichten, und deshalb kannte er Hässlers Werke und konnte die c-moll Fantasie Falck nv2 als nicht von Friedemann Bach identifizieren. Und diese Erkenntnis gab er auch so bei seiner Herausgabe der 9 Clavierfantasien Wilhelm Friedemanns im Schott Verlag 1972 weiter. Nur scheint das kaum jemand gelesen zu haben - Paul Horn konnte es bei seiner Herausgabe des Manuskriptes als von W.F. Bach im Hänssler Verlag 1960 noch nicht wissen - bei der Neuauflage von 1981 aber schon.
Ich konnte inzwischen Kasts Buch einsehen und Horns Notenausgabe bei einem Amsterdamer Musikalienhändler auftreiben (der sie selbst mit einem Vermerk versah, dass die Stücke von Hässler sind!) und so den ganzen Irrtum nachvollziehen.

Bei Spiri, der im übrigen auf dem modernen Klavier eine sehr gute Darstellung dieser Musik bietet, sind also fast die Hälfte der Musik auf dieser CD, 29 von 62einhalb Minuten, aus der Handschrift P.883 und somit von Hässler, denn er spielt noch zwei Sonaten aus dieser Quelle - er hat sich sogar die Mühe gemacht, das Manuskript in Berlin einzusehen und festgestellt, daß die beiden Sätze, die Horns Ausgabe nicht entält, dort doch vorhanden sind.

Aber das reicht in diesem Fall leider nicht. Ich habe das Label auf den Irrtum aufmerksam gemacht, bisher aber keine Reaktion darauf erhalten.
miguel54 (10.10.2010, 23:47):
Original von Satie
Bei Friedemann ist wohl immer noch vieles verschollen und entsprechend die Diskographie recht mager. Dabei wurde er damals durchaus sehr gerühmt (insbesondere von seinen Brüdern!) und galt als hervorragender Improvisator. Pech hatte er nur deshalb, weil es ihm nicht gelang, eine feste Anstellung zu erhalten. Vielleicht gibt es ja hier auch noch mal so einen sensationellen Fund wie bei Carl Philipp Emanuel vor einigen Jahren, der dann eine angemessene Rezeption erlaubt.

Bisher sind in den zurückgekehrten Beständen der Berliner Singakademie und anderen Berliner Quellen ein Flötenkonzert, zwei Sonaten für Flöte und Cemablo und diverse Einzelstücke für Cembalo entdeckt worden, bzw. vieles, was nur dort vorhanden war, konnte endlich gesichtet werden, vor allem die Vokalmusik aus der zeit in Halle. Im Carus Verlag erscheinen mehrere CDs mit diesen Funden, bisher:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4009350833463.jpghttp://www.jpc.de/image/w600/front/0/4009350833623.jpghttp://www.jpc.de/image/w600/front/0/4009350834293.jpg

Anderes muss als endgültig verschollen gelten, so mehrere Sinfonien, die nur als Exzerpte von Martin falcks erhalten blieben.

Das Portrait von Weitsch, das die CDs ziert, stellt übrigens mit 90%er Sicherheit nicht Wilhelm Friedemann, sondern Johann Christian Bach IV (1743–1814), den sog. Hallischen Clavier-Bach dar, der Wilhelm Friedemann bachs Schüler in Halle war und die Manuskripte des Clavier-Büchleins und der Englischen Suiten geschenkt bekam.
Zweifel an dem Porträt hatte schon Falck; Reimar Lacher handelt die Sache in seiner 2005 über den Maler Weitsch erschienenen Monographie auf einer halben Seite schlüssig ab; im Oktober 2010 erscheint ein ausführlicher Artikel von Ulrich Kahmann in Die Tonkunst, der wohl alle Zweifel ausräumen dürfte. Die Einwände sind dem Leipziger Bach-Archiv bekannt, was die hartnäckige Verwendung des Bildes etwas peinlich macht ...
Sarastro (12.10.2010, 22:45):
Hallo Miguel54,
danke für die aufschlußreichen (und zumindest für mich völlig neuen) Informationen über Wilhelm Friedemann Bach und das ihm bisher immer zugeschriebene Porträt! Ich habe mich, wie viele andere sicher auch, so sehr an dieses immer wieder reproduzierte Bild gewöhnt, daß es schwer fallen wird, die Assoziation mit W.F. Bach aus dem Kopf zu bekommen. Schade eigentlich!
Bleibt also wohl nur mehr die Rötelzeichnung von P. Gülle aus dem Jahr 1782 in der Berliner Staatsbibliothek? Hier sieht er, wenn ich mir die Abbildung bei András Batta (Herausgeber), Die Brüder Bach. Leben und Werk zwischen Barock und Klassik. 2000, 324 näher anschaue, freilich völlig anders aus als die Person auf dem Gemälde von Weitsch.

Mich würde sehr interessieren, wer Johann Christian Bach IV eigentlich ist, da ich "natürlich" nur den anderen Johann Christian kenne. Hat er komponiert und kennt man von ihm etwas? Bis jetzt habe ich zu ihm keine näheren Informationen gefunden.

Grüße,
Sarastro
Peter Brixius (21.10.2015, 19:13):
Mit einigem Vergnügen habe ich das Konzert am 9.10.2015 im hr2 gehört:

LIVE - Barock plus mit dem hr-Sinfonieorchester
Mirijam Contzen und Giovanni Guzzo,Violine
Solisten des hr-Sinfonieorchesters
Leitung: Reinhard Goebel

In der Pause gab es dann ein Gespräch mit dem Dirigenten. Der aus Siegen stammende Reinhard Goebel ließ einiges an rheinischer Lässigkeit von sich hören. Dabei schien er sich die hehre Mission erteilt zu haben, einmal gegen die Idealisierung der Bachs zu Felde zu ziehen. Da spottete er denn über den "fünften Evangelisten" und unterstellte ihm so manch unsympathischen Charakterzug.

Aber die Bachsöhne schienen es ihm besonders angetan zu haben. Da stellte er fest, dass keines der Neugeborenen von Anna Magdalena überlebte, solange noch die älteren Bachsöhne aus erster Ehe im Hause waren. Wie sie es nun angestellt haben, ob per Voodoo oder mit handfesteren zeitgenössischen Waffen, ließ er offen:

Man darf folgendes nicht vergessen: Anna Magdalena war kaum fünf Jahre älter als ihre Stiefsöhne. Ist das klar? Sie war auch eine sehr junge Frau, sie war also zwanzig Jahre jünger als Johann Sebastian Bach, und ich glaube, dass auch der Druck, der auf die junge Frau ausgeübt wurde, also durch die älteren Söhne, dazu führte, dass solange die im Hause waren, was ja immerhin noch zehn Jahre waren, auch die Kinder von Anna Magdalena wegstarben, weil das Haus ja wahnsinnig voll war, denn die Kinder von Anna Magdalena haben erst überlebt, als die älteren Söhne weg waren, nach 1732. Also, sie hat zehn Jahre lang Kinder bekommen, die wie die Fliegen weggestorben sind. Also, das ist auch eine untragbare Situation. Überhaupt haben die älteren Söhne, Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann, diese Frau gnadenlos beraubt.

Als nächstes kommt dann der Vorwurf, dass sie ihre Stiefmutter im Armenhaus der Stadt darben ließen, statt sie bei sich aufzunehmen.

Die Schwierigkeit mit historischen Personen ist der Mangel an privaten Schriftstücken, bzw. Äußerungen von Zeitgenossen über private Verhältnisse. Dass Bach im Sinne seiner Kunst halsstarrig und ein schwieriger Untergebener war, sagt wenig über seine Wesensart im privaten Umfeld aus. Da kann man nur indirekt schließen - und spekulieren. Mehr weiß man, wenn man sich als Historiker in der Zeit auskennt:

"Almosen-Frau" - das klingt in unseren Ohren härter, als es nach damaigem Sprachgebrauch gemeint war: Anna Magdalena erhält wie alle Witwen von städtischen Bediensteten eine Alimentation, die als Mischung von Witwenrente und Sozialhilfe verstanden werden kann. Berücksichtigt man die Geldmittel, die ihr direkt aus der Erbschaft und indirekt aus dem Verkauf von Musikalien ihres Mannes zuflossen, so mag sie die zehn Jahre, die sie ihren Mann überlebte, finanziell gut überstanden haben. (Martin Geck: Bach. Leben und Werk, S. 297f.)

Ich habe vor einiger Zeit im Zusammenhang mit Glucks "Alceste" Goebels Zeitkenntnisse arg in Zweifel stellen müssen. Nun habe ich da angenommen, dass er bei Gluck auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Dass er aber nun bei Bach in einer solchen Weise schwadroniert, befremdet mich in hohem Maße.

Wenn ich Geck folge, dann musste die Witwe Bach die Dienstwohnung verlassen, bekam aber - mit ihren Kindern - Wohnraum in dem Armenhaus, wobei sie finanziell gut ausgestattet ist. Dass sie vorzog, in Leipzig zu bleiben, statt mit hren Kindern etwa nach Berlin zu ziehen, kann viele Gründe haben. Dies aber feuchtfröhlich Carl Philipp zum Vorwurf zu machen, mutet mich auf jedenFall wagemutig an.

Immerhin hat mich mein Ärger über die Goebelschen Äußerungen dazu gebracht, nicht nur Bach-Biografien auszuleihen, sondern mit großem Eifer zu lesen. Den Forchert habe ich nun schon hinter mich gebracht - der geht auf solche privaten Dinge überhaupt nicht ein- jetzt stecke ich mitten im Geck. Gibt es eine Empfehlung, die mir Goebels starke Worte vielleicht verständlicher machen?

Liebe Grüße Peter