Béla Bartók

Cosima (21.07.2007, 17:57):
Hallo,

ich höre gerade mit Begeisterung die Bartók-CDs von Brilliant:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1174223.jpg

Sie enthalten Klavierwerke – vorwiegend eine Auswahl von Werken mit folkloristischem Charakter – gespielt von Zoltán Kocsis und András Schiff. Als Schmankerl finden sich auf der 2. CD Auszüge aus Bartóks „Mikrokosmos“, gespielt vom Komponisten selber (1937 und 1940). Sehr empfehlenswert insgesamt!

Béla Bartók habe ich bislang etwas vernachlässigt. Das soll sich nun ändern, der Funke scheint übergesprungen zu sein.
Ich besitze eine weitere CD mit Klavierwerken, gespielt von Kocsis – eine Anschaffung des Gesamtwerkes für Klavier solo mit diesem Pianisten ist geplant (und wohl eigentlich unumgänglich).

Weiterhin kenne ich:

Die Klavierkonzerte (alle drei mit Géza Anda / Ferenc Fricsay; Nr. 2 mit Sviatoslav Richter)
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (Fritz Reiner)
Konzert für Orchester (Fritz Reiner, George Szell)
Der wunderbare Mandarin / Ungarische Skizzen (Alsop, auf Naxos)
Violinsonate Nr. 1 (Richter / Oistrach)

Da fehlt noch einiges… Welche Aufnahmen mit Werken dieses Komponisten sollte man Eurer Meinung nach unbedingt gehört haben?

Gruß, Cosima
satie (21.07.2007, 19:46):
Liebe Cosima,

haben wir wirklich Bartok hier so stark vernachlässigt? Ist ja eigentlich ungeheuerlich...
Ich würde als wichtige Werke unbedingt die Streichquartette nennen, denn diese Werke waren prägend für viele Nachfolger wie etwa Ligeti.
Ein faszinierendes Werk ist auch di Oper "Herzog Blaubarts Burg", die ein unheimlich starkes harmonisches Konzept in sich birgt: mit jedem Öffnen einer Tür bewegt sich alles hin zur traditionell mit dem Licht berbundenen Tonart C-Dur! Aber Opern sind natürlich live immer noch am allerbesten, aus offensichtlichen Gründen.
Ebenfalls interessant ist die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug.
Ein Werk, das ich ebenfalls sehr gerne habe ist das Bratschenkonzert (posthum veröffentlicht). Bei den Aufnahmen lasse ich aber gerne unseren Sammlern den Vortritt, ich selber besitze nur wenig...

Herzliche Grüße,

S A T I E
nikolaus (21.07.2007, 20:50):
Ein wichtiger thread, danke dir, Cosima!

Ich habe bisher auch nur wenig Erfahrungen mit Bartok, der Zugang zu ihm fällt mir schwer.
Die erste Begegnung ist viele Jahre her; ich hörte im Konzert das Konzert für 2 Klaviere, Percussion und Orchester, das ich durchaus interessant fand (ich kaufte mir daraufhin diese Aufnahme:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/61XCDHB63WL._SS400_.gif,

ich höre sie zugegebenermaßen äußerst selten).

Dann habe ich irgendetwas von ihm gehört, was mich regelrecht abgestoßen hat, leider kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, was es war.

Letztes u. dieses Jahr dann sehr positive Erfahrungen:

Live im Konzert die Sonate für Violine solo, gespielt von Gidon Kremer: ungeheuer intensiv und dadurch auch berührend.
Ebenfalls live im Konzert die Violinsonate No. 1 (beide Male mit Martha Argerich, einmal mit Gidon Kremer, einmal mit Renaud Capucon): sehr mittreissend!

Daraufhin habe ich mir diese Aufnahme zugelegt:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4225616.jpg

Und wieder höre ich sie kaum.
Woran liegt das? ?(

Für mich ist es Musik, die man keinesfalls "nebenher" hören sollte, man muß sich auf sie einlassen. Ich muß dazu in einer (welcher?) besonderen "Stimmung" sein...

Sehr gut gefällt mir sein 3. Klavierkonzert, das für einige sicher nicht typisch "Bartok" ist. Gerade augrund seines Hintergrundes finde ich es ungeheuer berührend. Ich besitzte diese Aufnahmen:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8664248.jpg

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7287291.jpg

Außerdem hörte ich es im Konzert mir Hélène Grimaud, Chamber Orchestra of Europe, Yukka Pekka Saraste.

Sehr beeindruckend finde ich diesen Mitschnitt :down.

Nikolaus.
Cosima (21.07.2007, 23:02):
Hallo Nikolaus,

mir ging es ähnlich. Bartók hatte ich halt im Regal stehen, hin und wieder habe ich ihn auch gehört – ohne große Anteilnahme. Bis heute. Als ich heute die o.g. CD einlegte und das „Allegro barbaro“ hörte war ich sofort hellwach und gespannt! Das kleine Klavierstück ist nur ca. 2 ½ Minuten lang – aber was für ein Werk! Wahrlich „barbarisch“! Kocsis spielt es grandios, hart und temperamentvoll! :down Ich muss mir unbedingt bald Bartóks Solo-Klavierwerk mit diesem Pianisten zulegen. Langsam wird mir klar, warum diese Aufnahmen als Referenz gelten.

Danach war ich plötzlich irgendwie eingestimmt auf diesen Komponisten, auch die Suite op. 14 und die Klaviersonate op. 80 gefallen mir ausgesprochen gut. Ich mag auch diese Anklänge an traditionelle (Bauern-) Melodik. Bartók war ja 12 Jahre quer durch die Lande (Ungarn, Bulgarien, Rumänien etc.) gereist, um solche urtümlichen Melodien auf einem Aufnahmegerät festzuhalten.

Ein sehr interessanter Komponist. Seltsam, dass ich ihn erst jetzt für mich zu entdecken scheine. Ja, man muss sich auf ihn einlassen. Ich denke, dass ich momentan in der Stimmung dafür bin.



Hallo Satie,

danke für die Hinweise. Ich bin ja kein großer Opern-Fan. Aber die Streichquartette sollte man sicher kennen. Hier hoffe ich auf konkrete Tipps zu Einspielungen.

Gruß, Cosima :)
Cosima (21.07.2007, 23:19):
Dies noch zum „Allegro barbaro“:

"Ich habe niemals in meinem Leben so gelitten wie am gestrigen Abend; es war schlimmer als die ärgsten Zahnschmerzen. Schuld daran sind zum einen Herrn Bartoks Machwerke, die sich zwar Musik nennen, die aber allein schon durch ihre Mißklänge und falschen Harmonien quälen. Doch zu alledem kommt, was jener Herr als Klavierspiel bezeichnet. Anschlag ist ein harmloser Ausdruck dafür. Wie er den Flügel malträtiert, ähnelt eher der Brachialgewalt eines Dorfschmieds; und ich kann jeden Klavierhändler nur warnen, seine Instrumente für die Konzerte des Herrn Bartok zur Verfügung zu stellen oder an jemanden zu verleihen, der seine Kompositionen spielt.


Der Musikkritiker, der dies 1914 im Wiener Musik-Journal schrieb, zog es vor, ungenannt zu bleiben, obwohl er nicht der einzige war, der so dachte. Bela Bartok - das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eines jener musikalischen Enfant terribles, die das Klavier als eine Art Schlagzeug betrachteten und dementsprechend komponierten und spielten. Als er 1911 sein "Allegro barbaro" veröffentlichte, war die Klavierwelt schockiert, und noch heute assoziiert man Bartoks Musik vornehmlich mit Fortissimo-Akkorden und einem starr-hämmerndem Anschlag."

(koelnklavier.de/texte/interpreten/bartok-klav.html)

Ich mag solche leicht primitiv wirkende, wilde Musik. :engel

Gruß, Cosima
satie (22.07.2007, 00:34):
Liebe Cosima,

Das Allegro Barbaro war jenes Stück, mit dem Bartok so viel Furore machte damals, es hat seinen Ruhm mit begründet, auchgerade deshalb, weil es so vielen Leuten nicht gefiel (es gibt nichts besseres als eine schöne Kontroverse!).
Ich habe das hier gefunden (Bartoks eigene Schrift???):
http://epa.oszk.hu/00000/00022/00119/13-0157.jpg
Es vermittelt schon im Notenbild einen guten Eindruck des ziemlich mechanischen Rhythmus, des Repetitiven, dann ein Wechsel zwischen Fis-Moll-Akkorden und verminderten (allerdings verminderte, die nur modal da rein passen, man würde in fis-moll als Tonart diese verminderten nicht vermuten, das ist das Barbarische auf der harmonischenEbene).
Ein immer noch tolles Stück, damals absolut revolutionär, ähnlich em Sacre von Strawinsky.
Nicht wenige Karikaturen über Bartok, den ungestümen Modernisten kursierten:

http://www.feketesas.hu/galeria/album/kajan/k4.thumb.gif

http://www.good-music-guide.com/images/bartok_caricature2.gif

Ich mag das Allegro imer noch, wenn ich auch an Bartok durchaus seine poetischen Seiten schätze. So ist mein absolutes Lieblingsstück immer noch der langsame Satz aus der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug ud Celesta (mit den tollen Streicherglissandi! auch von Kubrick sehr wirkungsvoll in Shining benutzt). Ein weiteres Lieblingsstück von Bartok ist für mich ebenfalls das dritte Klavierkonzert. Der erste Satz ist eine wunderschöne Komposition.

Herzlich,

S A T I E
Cosima (22.07.2007, 09:08):
Hallo Satie, hallo allerseits,

vielen Dank für die Anmerkungen zum Allegro barbaro. Ja, mich erinnerte es auch an den Sacre. Ich wusste zwar, dass Bartók ein glänzender Pianist war, nicht bewusst war mir bislang, wie vielschichtig und spannend sein Oeuvre ist. Die Karikaturen passen gut zu der Wiener Musikkritik.

Ich höre gerade das 3. Klavierkonzert. Besonders schön ist auch der zweite Satz (Adagio religioso), voller Innigkeit und Nachdenklichkeit, die jedoch in bedrohlicher Art und Weise in einem kurzen Zwischenspiel unterbrochen werden.

Ich bin nun ganz fasziniert von Bartók! Mir ist, als wäre mir ein Licht aufgegangen. Jetzt möchte ich ihn unbedingt möglichst umfassend kennen lernen. Was ist von dieser Brilliant-Box zu halten?

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8202206.jpg

Kann jemand diese positive Rezension unterstützen? Oder sollte ich mir die fehlenden Werke doch lieber in Einzelaufnahmen zulegen?

http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=review&REID=2813&RECID=4036&CFID=12556229&CFTOKEN=96589234

Fehlen würden dann auf jeden Fall noch die sechs Streichquartette.
Und was ist mit dem Violakonzert? Sollte man danach Ausschau halten?

Gruß, Cosima
Amadé (22.07.2007, 10:59):
Hallo Cosima und andere interessierte Forianer/-innen!

Bela Bartok hat in den unterschiedlichsten musikalischen Genres viele Werke hinterlassen, die bis auf eine handvoll Orchesterwerke den meisten Musikfreunden bis heute noch terra incognita geblieben sind. Auf die Gründe möchte ich hier nicht eingehen, dafür auf wichtige Werke und gelungene Einspielungen hinweisen. Übrigens hat Bartok in den 30er und noch mehr in den 40er Jahren selbst Klavierwerke sowie Kammermusik für das Grammophon eingespielt. Hungaroton hat sie vor ein paar Jahren in einer Sammelbox erneut herausgegeben.

Bühnenwerke:

- Herzog Blaubarts Burg, Oper in 1 Akt, in ungarischer Sprache
mittlerweile sind mehrere Einspielungen erschienen, die ich jedoch nicht alle gehört habe, meine Empfehlungen:
Kertesz, W.Berry, Chr. Ludwig, LSO Decca, in ungarisch
Fricsay, Fischer-Dieskau,Töpper, RSO Berlin, DGG, in deutsch

- Der wunderbare Mandarin, Pantomime in 1 Akt. Ein dämonisches Spiel von Liebe und Tod, das damals als unmoralisch angesehen wurde und deswegen in Ungarn nicht aufgeführt werden durfte. Die UA in Köln durch Eugen Szenkar endete in einem Skandal. Der damalige OB Konrad Adenauer untersagte aufgrund der Prosteste weitere Aufführungen an der Kölner Oper.

Orchestermusik:

- Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta
das Angebot ist reichhaltig, meine Empfehlungen:
Reiner, Chicago SO, RCA
Solti, LSO oder Chicago SO, Decca
Fricsay, RIAS SO, DGG
Jansons, Oslo PO

- Konzert für Orchester, (sein letztes vollendetes Werk)
reichhaltiges CD-Angebot
Empfehlungen siehe meine Homepage, unten klicken!

- Tanzsuite
Empfehlungen: Solti, Markevitch, Fricsay

- Divertimento für Streichorchester
Empfehlungen: Kegel, Fricsay

von Antal Dorati gibt es bei Mercury eine 5 CD-box mit Bartoks Orchesterwerken, die einen Überblick über Bartok Orchestermusik vermittelt (augenblicklich preisgünstig)

Instrumentalkonzerte:

- 3 Klavierkonzerte
Empfehlungen:
Nr.1-3 Anda, Fricsay, RSO Berlin, DGG
Zimerman(1), Andsnes(2), Grimaud(3), Boulez, DGG
A.Schiff, I.Fischer, Teldec
Nr. 1+2 Pollini, Abbado, DGG
Nr. 3 Lipatti, Sacher, EMI
A. Fischer, Fricsay, SO BR, Orfeo

- 2. Violinkonzert
oft eingespielt,Empfehlungen:
T. Varga, Fricsay, RIAS SO, DGG,
A.Gertler, Ancerl, Tschech.Phil, Supraphon
Stern, Bernstein, NY PO, Sony
Chung, Rattle, Birmingham, EMI

- Konzert für Viola (Bratsche) und Orchester, vom Bratscher William Primrose in Auftrag gegeben, von Bartok als Torso hinterlassen, "fertiggestellt" von Tibor Serly
Empfehlungen:
Primrose, KLemperer, Concertgebuw Orch., archiphon
Menuhin, Dorati, EMI (+Violinkonzerte, Rhapsodien)
T.Zimmermann, Shallon, EMI
W.Christ, Ozawa, DGG

Kammermusik:

- Klavierwerke, m.E. eher für Spieler gedacht als zum Hören
Empfehlungen: Foldes, Kocsis, Schiff, Ranki

- 2 Violinsonaten
Empfehlung: Stern, Zakin, CBS

- Streichquartette
Empfehlungen:
Vegh Quartett, EMI
Juilliard Quartett, CBS
Alban BErg Quartet, EMI

Für die Erstbeschäftigung mit Bartoks Musik empfohlen:

Herzog BLaubarts Burg Fricsay
Tanzsuite
Konzert für Orchester
3. KLavierkonzert
Divertimento für Streichorchester

Grüße
Amadé
Cosima (22.07.2007, 11:46):
Hallo Amadé, hallo allerseits,

danke für die hilfreiche Übersicht, an der man sich gut orientieren kann. Einiges von Bartók kenne ich ja bereits, auch wenn ich es erst jetzt richtig zu schätzen beginne. - Ich möchte als nächstes unbedingt die Streichquartette hören. Du schlägst vor:

Original von Amadé
- Streichquartette
Empfehlungen:
Vegh Quartett, EMI
Juilliard Quartett, CBS
Alban BErg Quartet, DGG


Ich habe eben etwas recherchiert, auch in einige Aufnahmen hineingehört, tendiere nun zu einer Aufnahme des Végh Quartets.

Eine frühere Mono-Aufnahme (M+A): http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3356168.jpg und eine spätere Stereo-Aufnahme (Naive): http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3665311.jpg

stehen zur Verfügung. Jedoch entdecke ich keine EMI-Aufnahme. Welche genau meinst Du hier?

Kennst Du (oder jemand anderes) die beiden Einspielungen und kannst sie charakterisieren? Wie ist die Klangqualität der Mono-Aufnahme? Die Schnipsel klingen recht zufrieden stellend.

Ich meine mich auch erinnern zu können, dass vom Zehetmair-Quartett einzelne Quartette sehr positiv besprochen wurden. Allerdings würde ich mir zunächst gerne einen Überblick über sämtliche Streichquartette verschaffen, um hernach zu entscheiden, mit welchen Werken ich mich näher auseinander setzen möchte.

Die Klavierkonzerte mit András Schiff / Iván Fischer hätte ich auch wahnsinnig gerne. Ich glaube, die werde ich mir auch noch zulegen.

Gruß, Cosima
AcomA (22.07.2007, 12:52):
hallo,

bela bartok gehört auch IMO zu den großartigsten komponisten überhaupt. er ging einen insgesamt eigenen weg und mir gefällt vor allem seine expressionistische schaffensphase. erstmalig und bis heute nachhaltig wurde ich in der 12. klasse mit diesem komponisten konfrontiert, wir hörten und analysierten seine musik für.... da wird ja auch das klavier zum schlagzeug subsummiert. man könnte es ja auch zu den saiteninstrumenten zählen. wie auch immer, die fächerfuge (1. satz) ist genial. IMO gibt es hier keine eindringlichere aufnahme als die des CSO unter reiner.

weitere lieblingswerke sind die ersten beiden klavierkonzerte, das konzert für orchester und sein gesamtes solo-klavierwerk. seine suite von der 'wunderbare mandarin' gehört auch dazu.

das solo-klavierwerk findet in z. kocsis IMO einen höchst akkuraten interpreten sowohl in klanglicher als auch struktureller hinsicht. die ersten beiden klavierkonzerte werden IMO höchst eindrucksvoll, temperamentvoll und doch differenziert von pollini, abbado und dem CSO dargeboten.

die integration der folklore-elemente, einem ergebnis seiner wissenschaftlichen aufarbeitung, markiert den besonderen weg. möglicherweise tritt hierdurch immer wieder die hoffnung auf wärme und licht zu tage, wo doch bartok seelisch vereinsamt war. so stelle ich es mir jedenfalls vor und meine mich an biographische hinweise zu erinnern.

gruß, siamak :)
Amadé (22.07.2007, 16:16):
Liebe Cosima,

die Aufnahme mit dem Vegh-Quartett kenne und besitze ich nicht. Ich habe sie nur dazugenommen, da Vegh den Komponisten während seines Studiums auf der Budapester Musikhochschule kennenlernte und vermutlich auch erfahren hat, wie sich Bartok die Aufführung der Quartette, zu mindestens einige davon, vorgestellt hat. Vegh war übrigens auch ein MItbegründer des Ungarischen Streichquartetts (1940). Die abgebildete obere BOx ist wahrscheinlich mit der EMI-Ausgabe identisch, da das Aufnahmedatum mit 1954 angegeben wird. Heutzutage, nach Ablauf der 50jährigen Schutzfrist, werden ja viele bedeutende und leider auch weniger bedeutende Produktionen von alle möglichen Labels in unterschiedlichen Tonqualitäten auf den Markt geworfen. Vegh hat mit seinem Quartett etwas mehr als 10 Jahre später eine Stereo-Ausgabe nachgeliefert (Telefunken), vielleicht ist diese mit der naive-Aufnahme identisch.
Leider kann ich Dir nicht wirklich weiterhelfen. Wenn man sich mit Bartoks Quartetten beschäftigt, sollte man sich zunächst einmal auf eines konzentrieren und immer mal wieder hören und es dann später mit einer zweiten Aufnahme vergleichen.

Grüße Bernd
Cosima (22.07.2007, 16:26):
Original von AcomA
möglicherweise tritt hierdurch immer wieder die hoffnung auf wärme und licht zu tage, wo doch bartok seelisch vereinsamt war. so stelle ich es mir jedenfalls vor und meine mich an biographische hinweise zu erinnern.


Ja, Bartók war einer der vielen Emigranten, kam 1940 in New York an. Dort soll er in ziemliche materielle und seelische Nöte geraten sein. Nur 5 Jahre später starb er bereits.

Schade, ich weiß keine weiteren Einzelheiten. Gibt es eine empfehlenswerte Biographie?

Gruß, Cosima
Cosima (22.07.2007, 16:36):
Original von Amadé
Die abgebildete obere BOx ist wahrscheinlich mit der EMI-Ausgabe identisch, da das Aufnahmedatum mit 1954 angegeben wird.

Ja, das ist sie - 1954 stimmt. Ich habe sie nun kurzerhand bestellt, die Rezensionen klingen gut. Ich bin sehr gespannt, ob die Quartette mir gefallen werden.

Gruß, Cosima
ab (24.07.2007, 16:25):
Wie schon Siamak richtig sagt:
bela bartok gehört auch IMO zu den großartigsten komponisten überhaupt.

Sind die Streichquartette Beethovens das Alte Testament, dann die von Bartók das Neue!

Meine Lieblingsaufnahme ist die des Hagen Quartetts. Dabei konnte ich beim ersten Reinhören im Geschäft einfach nicht glauben: Überraschenderweise haben sich die Hagens gerade bei ihren überwältigenden Bartók-Aufnahmen fast verstörend nicht dem Zeitgeist gebeugt, sich durch raue Aggressivität einen fortschrittlichen Anstrich zu geben. Ich kaufte sie damals nicht und habe erst nach vielen Jahren zugeschlagen, als sie endlich etwas günstiger zu haben war. Es ist eine Aufnahme, die sich dann bei öfteren Hören erschließt. Es lohnt sich! Eine solche Tiefe - fast wollte ich sagen "Impressiv" - kenne ich sonst bei niemanden! Grandios!

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/2244389.jpg

Das beste, was ich jemals im Konzert gehört habe, war das Bartók-Streichquartett Nr. 3 mit dem Zehetmair-Quartett, das damals noch alles auswendig spielte (gemeinsam mit Hartmann und Mozart): Eine solche Expressivität habe ich nie vorher noch nachher erlebt und war für mich überhaupt undenkbar! Ihre ECM-Aufnahme, auch die neue, wie am gegebenen Ort zu lesen, kann ich auch wärmstens empfehlen, wenn es auch nur ein müder Abklatsch im Vergleich zum Konzert ist! Dies ist sozusgen der Gegenpol zum Hagen Quartett: Allergrößte Expressivität.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3550588.jpg
http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5308369.jpg

Sonst liebe ich heiß die Sonate n°1 Sz. 75 (1921) mit
Frieda Bauer, live aus Prag vom 17/3/1972 (PRAG PR 250038, PR 256010: leioder ohne Abbildung) - also nicht jene, die er mit Richter aufgenommen hat (weder zwei Tage später am 19.3.72 noch die ein halbes Jahr später vom 20.8.72)!

Wie schon wiederholt hier erwähnt ist meiner Lieblingsaufnahme des Konzert für Orchester die mit Ivan Fischer bei Hungaroton.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5886025.jpg

Auch mag ich besonders den Holzgeschnitzten Prinzen, bislang wohl noch gar nicht genannt, den ich in einer Neeme Järvi-Aufnahme (Chandos) besitze. (Wie leider of typisch für Järvi: faszinierende Musikalität, gepaart mit Probenschlampigkeit.)
http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/61695KK5EML._AA240_.gif
ab (24.07.2007, 16:28):
Original von Cosima
Was ist von dieser Brilliant-Box zu halten?

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8202206.jpg


greife lieber unbedingt entweder zu seinem Bruder Ivan Fischer, oder zu Dorati! Es lohnt sich!

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1824489.jpg

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2646718.jpg

von dorati habe und liebe ich auch den Blaubart besonders!
Rachmaninov (25.07.2007, 07:13):
Original von Cosima
Hallo Nikolaus,

mir ging es ähnlich. Bartók hatte ich halt im Regal stehen, hin und wieder habe ich ihn auch gehört – ohne große Anteilnahme. Bis heute.

Geht mir im grunde auch so! Mir fehlt zu Bartok einfach der rechte "Zugang"!
Jürgen (25.07.2007, 10:06):
Original von Cosima
Als ich heute die o.g. CD einlegte und das „Allegro barbaro“ hörte war ich sofort hellwach und gespannt! Das kleine Klavierstück ist nur ca. 2 ½ Minuten lang – aber was für ein Werk! Wahrlich „barbarisch“! Kocsis spielt es grandios, hart und temperamentvoll! :down Ich muss mir unbedingt bald Bartóks Solo-Klavierwerk mit diesem Pianisten zulegen. Langsam wird mir klar, warum diese Aufnahmen als Referenz gelten.


Hallo Cosima,

dieses kleine Musikstück kannte ich schon als Teenager, als ich noch gar nicht wusste, wie man Bartók schreibt. Und zwar in der Rock-Version von Emerson, Lake & Palmer.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1259791.jpg

Wenn man Rockmusik gewöhnt ist, klingt's sooo barbarisch auch wieder nicht, auch bei Kocsis nicht (habe bei JPC reingehört).
Gute Musik ist es trotzdem.

Grüße
Jürgen
ab (25.07.2007, 11:22):
Original von Cosima
Was ist von dieser Brilliant-Box zu halten?

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8202206.jpg

Kann jemand diese positive Rezension unterstützen?


Die Rezension stimmt insofern nicht, als nicht das gesamte Sinfonisch Oevre droben ist: Vom Wunderbaren Manadrin ist nämlich leider nicht das Ballett, sondern nur die Suite droben. Dies war für mich schon ein Grund genug, die Box nicht zu kaufen. Den bei einer Bergtour tödlich verunglückten, jahrelangen Konzertmeister der Wiener Philharmoniker (angeblich der einzige Musiker weltweit, der die obligatorischen Probestellen, mit denen erste Geiger beim Vorspielen getrietzt werden, auch tatsächlich alle Noten spielen konnte, so höre ich sagen) Kühle zu attestieren, finde ich auch verfehlt. Was Hetzels Spiel viel mehr unbefriedigend macht, ist sein höchst spät-romantisch, schwelgerischer Stil, der Batók in ein Eck rückt, aus dem er gearde sich herausarbeitet.
Cosima (03.08.2007, 22:12):
Original von ab
Wie schon wiederholt hier erwähnt ist meiner Lieblingsaufnahme des Konzert für Orchester die mit Ivan Fischer bei Hungaroton.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5886025.jpg



Ist das dieselbe Aufnahme, die auf der Philips-Aufnahme, die Du weiter unten empfohlen hast, zu finden ist? Bzw.: Was sind die Unterschiede Deiner Meinung nach? Ich überlege, eine der beiden Aufnahmen anzuschaffen.
ab (03.08.2007, 23:42):
Original von Cosima
Original von ab
Wie schon wiederholt hier erwähnt ist meiner Lieblingsaufnahme des Konzert für Orchester die mit Ivan Fischer bei Hungaroton.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5886025.jpg



Ist das dieselbe Aufnahme, die auf der Philips-Aufnahme, die Du weiter unten empfohlen hast, zu finden ist? Bzw.: Was sind die Unterschiede Deiner Meinung nach? Ich überlege, eine der beiden Aufnahmen anzuschaffen.

Nein es sind verschiedene Aufnahmen. Beide sind ausgezeichnet, allerdings finde ich die ältere (Hungaroton) natürlicher, klassizistischer und auch feiner in den Übergängen. Eine recht gute Beschreibung findet sich bei Gramophone hier.
Das "atemberaubende Pianissimo" etc. ist wörtlich zu verstehen! Die Tempoübergänge überragend! Eher ein lyrischer Zugang, aber voll Leben und Seele.

Die neuere bei Philips übt sich in ausgefallenen Phrasierungen, die das Werk mehr in die Moderne rückt, was mir gewollt vorkam . Die Rezension bei Gramophon da finde ich weniger instruktiv. Schade, dass kein Vergleich zur früheren angestellt wird, sondern nur zu Blomstedt (statt bei Decca zur exquisten von Dohnanyi , die vergriffene, mit dem kaum bekannten Konzert für Orchester von Lutoslawski!)

Einen Interpretationsvergleich vor der Philips-Aufnhame gabs mal im Rondomagazin, hier nachzulesen.
ab (04.08.2007, 00:19):
Beim Viola-Konzert bin ich äußerst glücklich mit der Aufnahme von Kim Kashkashian (ECM)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2408145.jpg

Was mich vor allem daran neben der imensen Musikalität der Solistin begeistert, ist der avantgardistische klangflächen Zugang von Peter Eötvös: das funktioniert mit der Musik Bartoks, ohne gewollt oder manieriert zu wirken!
Cosima (04.08.2007, 08:20):
Lieber ab,

vielen Dank für Deine Einschätzung und die Links! Ich habe mich nun für die Hungaroton-Aufnahme entschieden und sie bestellt.

Ich kenne das Konzert für Orchester bereits unter Fritz Reiner, mit dem ich generell meine Probleme habe. Er entfaltet zwar große Klangpracht, mir kommt das Ergebnis jedoch häufig recht vordergründig vor. - Meine weitere Einspielung unter George Szell ist ganz aus meinem Gedächtnis verschwunden. Ich werde mal wieder reinhören.

Gruß, Cosima
ab (04.08.2007, 11:40):
Original von Cosima
Ich kenne das Konzert für Orchester bereits unter Fritz Reiner, mit dem ich generell meine Probleme habe. Er entfaltet zwar große Klangpracht, mir kommt das Ergebnis jedoch häufig recht vordergründig vor.

Selbiges gilt - meiner Enschätzung nach - für die beiden Einspielungen Soltis - überhaupt finde ich Solti bei Bartok generell enttäuschend. Von den Klangfülligen finde ich nicht Münch, sondern die Dorati-Aufnahme noch am Interessantesten. (N.Järvi ist völlig undiskutabel schlampig!)

Selbst Fricsay, den ich besonders schätzte, finde ich persönlich weniger überzeugend als I.Fischer. Fischer ist halt gesanglich-schlank (ähnlich wie Fricsay). Wenn man dies mag, ist man hier richtig! Eine solche Probenarbeit ist bewundernswert! Allein die Introduktion mit der Flöte und dem letzten - nur bei Fischer hörbaren - Geigen-Impuls ist überwältigend... Sie ist eine Aufnahme zum Zuhören, Schätzen und Lieben, und nicht eine die vordergründig mitreißend wäre...

Ich bin schon gespannt, was Du sagen wirst!
ab (04.08.2007, 12:11):
Original von ab
Sonst liebe ich heiß die Sonate n°1 Sz. 75 (1921) mit
Frieda Bauer, live aus Prag vom 17/3/1972 (PRAG PR 250038, PR 256010: leioder ohne Abbildung) - also nicht jene, die er mit Richter aufgenommen hat (weder zwei Tage später am 19.3.72 noch die ein halbes Jahr später vom 20.8.72)!


Ich bemerke soeben erst, dass mir der Geiger verschwunden und ein Tippfehler unberlaufen ist:
Gemeint ist die Aufnahme mit David Oistrach und Frida Bauer bei Praga!
Cosima (17.08.2007, 22:44):
Original von ab
Ich bin schon gespannt, was Du sagen wirst!

Lieber ab,

ich habe die Bartók-CD (Hungaroton) unter Iván Fischer nun gehört. Sie gefällt mir sehr gut! Als erstes fielen mir die Klarheit und sehr gute Durchhörbarkeit der Aufnahme auf. Auch die Klangfarben und Nuancierungen, die dieses Orchester erzeugt, sind etwas ganz Besonderes. Anders als z.B. in der vordergründigen Reiner-Aufnahme, ist die Doppelbödigkeit von Bartóks Anspielungen hier sehr gut heraus zu hören. Dies als erster - rundum positiver - Eindruck.

Gruß, Cosima :)
ab (18.08.2007, 10:57):
Jetzt ist es spannend, sie einmal bei Gelegenheit mit der artifizielleren Philips-Aufnahme zu vergleichen!
Cosima (18.08.2007, 11:09):
Original von ab
Jetzt ist es spannend, sie einmal bei Gelegenheit mit der artifizielleren Philips-Aufnahme zu vergleichen!

Ja, ein solcher Vergleich würde mich nun sehr reizen.

Meine Begeisterung für die Hungarton-CD nimmt mit jedem Hören zu. Die Aufnahme ist ein wirklicher musikalischer Leckerbissen! :down Die Präzision und Virtuosität des Orchesters sind faszinierend! Die Klarheit und Detailverliebtheit gehen aber nicht zu Lasten des Gesamteindrucks bzw. der Gesamtstruktur. Überaus spannungsgeladen und mit der rechten Prise an Humor und Mehrdeutigkeit wird hier großartig musiziert.

Kurz off topic: Von diesem Orchester unter diesem Dirigenten würde ich unbedingt gern mehr hören. Die tolle 2. Mahler-Sinfonie erwähnte ich schon irgendwo, die Einspielung der Bartók-Klavierkonzerte mit András Schiff ist auch sehr gut. Wie steht es mit weiteren Aufnahmen? Kennt jemand z.B. die Rachmaninov- oder Dvorák-CD?

Gruß, Cosima
ab (18.08.2007, 12:02):
Original von Cosima
Kurz off topic: Von diesem Orchester unter diesem Dirigenten würde ich unbedingt gern mehr hören. Die tolle 2. Mahler-Sinfonie erwähnte ich schon irgendwo, die Einspielung der Bartók-Klavierkonzerte mit András Schiff ist auch sehr gut. Wie steht es mit weiteren Aufnahmen? Kennt jemand z.B. die Rachmaninov- oder Dvorák-CD?


Dazu nun im passenden thread.
Sabine (08.11.2007, 22:45):
Ich habe keinen Thread zu Bártoks Klavierkonzerten gefunden - deshalb schreib ich mal eben hier.

Manchmal kommt man (Frau) sich wie ein Außenseiter vor - der überwiegende Anteil scheint immer das 3.Konzert zu favorisieren. Bei mir ist es allerdings das 2. - wobei mir alle drei gefallen. Das kann man nicht abstreiten.
Generell halte ich diesen Mann für einen sehr interessanten Komponisten, mit welchem ich mich gern beschäftige.
daniel5993 (08.11.2007, 23:11):
Original von Sabine
Ich habe keinen Thread zu Bártoks Klavierkonzerten gefunden - deshalb schreib ich mal eben hier.

Manchmal kommt man (Frau) sich wie ein Außenseiter vor - der überwiegende Anteil scheint immer das 3.Konzert zu favorisieren. Bei mir ist es allerdings das 2. - wobei mir alle drei gefallen. Das kann man nicht abstreiten.
Generell halte ich diesen Mann für einen sehr interessanten Komponisten, mit welchem ich mich gern beschäftige.

Hallo Sabine!

Willkommen hier im Forum! :hello

Ich denke, dass die drei klavierkonzerte in einen Extrathread gehören, sonst gehen Sie hier in dem allgemeinen Bartok - Thread unter! Und das wollen wir doch nicht. :winkWenn noch keiner da ist, steht es dir ja frei einen zu eröffnen!


Gruß und viel Spass im Forum
Daniel
:beer
teleton (14.11.2007, 08:34):
Hallo Bartok-Freunde,

ich habe diesen Bartok-Thread erst heute gefunden, weil er nicht bei den INSTRUMENTALAUFNAHMEN (wo er eigendlich hin gehört) steht.
Hier wurden ja schon einige Bartok-Instrumentalaufnahmen vorgestellt.
Aber OK, hier geht es auch um Bartok als Persönlichkeit.

So a.b.aus Insbruck kann ich mich auch voll in seiner Meinung anschließen, der die Adam Fischer-Aufnahme nicht als so emfehlenswert bezeichnet.
Die Werke sind dort durchweg zu überromantisiert und wirken dadurch abgeschwächt und fast klassisch.
:times10 Bartok
da muß man Dirigenten wie Boulez, Solti, Dorati und Reiner ran lassen.

:hello Ich werde die Frage von Sabine zu den Klavierkonzerten in einem sep.Bartok-Thread beantworten.
daniel5993 (14.11.2007, 21:02):
Hallo Teleton,

ich habe diesen Bartok-Thread erst heute gefunden, weil er nicht bei den INSTRUMENTALAUFNAHMEN (wo er eigendlich hin gehört) steht.

Meiner Meinung nach ist der Thread hier richtig, da der Titel allgemein "Bela Bartok" ist, gehört er eindeutig unter Komponisten, Persöhnlichkeiten!


:hello
Daniel
karajan (15.11.2007, 14:22):
Der Komponist Bela Bartok hat mich noch nie wirklich umgehauen warum kann ich garnicht genau definieren aber der Klang kommt bei mir im Ohr nicht an. Ja ich habe das Konzert für Orchester und das Konzert für Schlagzeug und Celestra.
Manche Jahre finden die 2 CDs kaum den Weg in Player. Aber na ja alles Geschmacksache.
Gruß Karajan
Amadé (15.11.2007, 17:40):
@ Karajan


Ein Hörtipp: Konzert für Orchester 3.Satz und danach sofort 5.Satz.

Gruß Amadé
karajan (15.11.2007, 19:44):
Original von Amadé
@ Karajan


Ein Hörtipp: Konzert für Orchester 3.Satz und danach sofort 5.Satz.

Gruß Amadé

Danke für den Tipp.
Bin gerade echt verärgert was hier läuft.

Liebe Grüße Andreas
Cosima (21.07.2007, 17:57):
Hallo,

ich höre gerade mit Begeisterung die Bartók-CDs von Brilliant:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1174223.jpg

Sie enthalten Klavierwerke – vorwiegend eine Auswahl von Werken mit folkloristischem Charakter – gespielt von Zoltán Kocsis und András Schiff. Als Schmankerl finden sich auf der 2. CD Auszüge aus Bartóks „Mikrokosmos“, gespielt vom Komponisten selber (1937 und 1940). Sehr empfehlenswert insgesamt!

Béla Bartók habe ich bislang etwas vernachlässigt. Das soll sich nun ändern, der Funke scheint übergesprungen zu sein.
Ich besitze eine weitere CD mit Klavierwerken, gespielt von Kocsis – eine Anschaffung des Gesamtwerkes für Klavier solo mit diesem Pianisten ist geplant (und wohl eigentlich unumgänglich).

Weiterhin kenne ich:

Die Klavierkonzerte (alle drei mit Géza Anda / Ferenc Fricsay; Nr. 2 mit Sviatoslav Richter)
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (Fritz Reiner)
Konzert für Orchester (Fritz Reiner, George Szell)
Der wunderbare Mandarin / Ungarische Skizzen (Alsop, auf Naxos)
Violinsonate Nr. 1 (Richter / Oistrach)

Da fehlt noch einiges… Welche Aufnahmen mit Werken dieses Komponisten sollte man Eurer Meinung nach unbedingt gehört haben?

Gruß, Cosima
satie (21.07.2007, 19:46):
Liebe Cosima,

haben wir wirklich Bartok hier so stark vernachlässigt? Ist ja eigentlich ungeheuerlich...
Ich würde als wichtige Werke unbedingt die Streichquartette nennen, denn diese Werke waren prägend für viele Nachfolger wie etwa Ligeti.
Ein faszinierendes Werk ist auch di Oper "Herzog Blaubarts Burg", die ein unheimlich starkes harmonisches Konzept in sich birgt: mit jedem Öffnen einer Tür bewegt sich alles hin zur traditionell mit dem Licht berbundenen Tonart C-Dur! Aber Opern sind natürlich live immer noch am allerbesten, aus offensichtlichen Gründen.
Ebenfalls interessant ist die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug.
Ein Werk, das ich ebenfalls sehr gerne habe ist das Bratschenkonzert (posthum veröffentlicht). Bei den Aufnahmen lasse ich aber gerne unseren Sammlern den Vortritt, ich selber besitze nur wenig...

Herzliche Grüße,

S A T I E
nikolaus (21.07.2007, 20:50):
Ein wichtiger thread, danke dir, Cosima!

Ich habe bisher auch nur wenig Erfahrungen mit Bartok, der Zugang zu ihm fällt mir schwer.
Die erste Begegnung ist viele Jahre her; ich hörte im Konzert das Konzert für 2 Klaviere, Percussion und Orchester, das ich durchaus interessant fand (ich kaufte mir daraufhin diese Aufnahme:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/61XCDHB63WL._SS400_.gif,

ich höre sie zugegebenermaßen äußerst selten).

Dann habe ich irgendetwas von ihm gehört, was mich regelrecht abgestoßen hat, leider kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, was es war.

Letztes u. dieses Jahr dann sehr positive Erfahrungen:

Live im Konzert die Sonate für Violine solo, gespielt von Gidon Kremer: ungeheuer intensiv und dadurch auch berührend.
Ebenfalls live im Konzert die Violinsonate No. 1 (beide Male mit Martha Argerich, einmal mit Gidon Kremer, einmal mit Renaud Capucon): sehr mittreissend!

Daraufhin habe ich mir diese Aufnahme zugelegt:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4225616.jpg

Und wieder höre ich sie kaum.
Woran liegt das? ?(

Für mich ist es Musik, die man keinesfalls "nebenher" hören sollte, man muß sich auf sie einlassen. Ich muß dazu in einer (welcher?) besonderen "Stimmung" sein...

Sehr gut gefällt mir sein 3. Klavierkonzert, das für einige sicher nicht typisch "Bartok" ist. Gerade augrund seines Hintergrundes finde ich es ungeheuer berührend. Ich besitzte diese Aufnahmen:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8664248.jpg

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7287291.jpg

Außerdem hörte ich es im Konzert mir Hélène Grimaud, Chamber Orchestra of Europe, Yukka Pekka Saraste.

Sehr beeindruckend finde ich diesen Mitschnitt :down.

Nikolaus.
Cosima (21.07.2007, 23:02):
Hallo Nikolaus,

mir ging es ähnlich. Bartók hatte ich halt im Regal stehen, hin und wieder habe ich ihn auch gehört – ohne große Anteilnahme. Bis heute. Als ich heute die o.g. CD einlegte und das „Allegro barbaro“ hörte war ich sofort hellwach und gespannt! Das kleine Klavierstück ist nur ca. 2 ½ Minuten lang – aber was für ein Werk! Wahrlich „barbarisch“! Kocsis spielt es grandios, hart und temperamentvoll! :down Ich muss mir unbedingt bald Bartóks Solo-Klavierwerk mit diesem Pianisten zulegen. Langsam wird mir klar, warum diese Aufnahmen als Referenz gelten.

Danach war ich plötzlich irgendwie eingestimmt auf diesen Komponisten, auch die Suite op. 14 und die Klaviersonate op. 80 gefallen mir ausgesprochen gut. Ich mag auch diese Anklänge an traditionelle (Bauern-) Melodik. Bartók war ja 12 Jahre quer durch die Lande (Ungarn, Bulgarien, Rumänien etc.) gereist, um solche urtümlichen Melodien auf einem Aufnahmegerät festzuhalten.

Ein sehr interessanter Komponist. Seltsam, dass ich ihn erst jetzt für mich zu entdecken scheine. Ja, man muss sich auf ihn einlassen. Ich denke, dass ich momentan in der Stimmung dafür bin.



Hallo Satie,

danke für die Hinweise. Ich bin ja kein großer Opern-Fan. Aber die Streichquartette sollte man sicher kennen. Hier hoffe ich auf konkrete Tipps zu Einspielungen.

Gruß, Cosima :)
Cosima (21.07.2007, 23:19):
Dies noch zum „Allegro barbaro“:

"Ich habe niemals in meinem Leben so gelitten wie am gestrigen Abend; es war schlimmer als die ärgsten Zahnschmerzen. Schuld daran sind zum einen Herrn Bartoks Machwerke, die sich zwar Musik nennen, die aber allein schon durch ihre Mißklänge und falschen Harmonien quälen. Doch zu alledem kommt, was jener Herr als Klavierspiel bezeichnet. Anschlag ist ein harmloser Ausdruck dafür. Wie er den Flügel malträtiert, ähnelt eher der Brachialgewalt eines Dorfschmieds; und ich kann jeden Klavierhändler nur warnen, seine Instrumente für die Konzerte des Herrn Bartok zur Verfügung zu stellen oder an jemanden zu verleihen, der seine Kompositionen spielt.


Der Musikkritiker, der dies 1914 im Wiener Musik-Journal schrieb, zog es vor, ungenannt zu bleiben, obwohl er nicht der einzige war, der so dachte. Bela Bartok - das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eines jener musikalischen Enfant terribles, die das Klavier als eine Art Schlagzeug betrachteten und dementsprechend komponierten und spielten. Als er 1911 sein "Allegro barbaro" veröffentlichte, war die Klavierwelt schockiert, und noch heute assoziiert man Bartoks Musik vornehmlich mit Fortissimo-Akkorden und einem starr-hämmerndem Anschlag."

(koelnklavier.de/texte/interpreten/bartok-klav.html)

Ich mag solche leicht primitiv wirkende, wilde Musik. :engel

Gruß, Cosima
satie (22.07.2007, 00:34):
Liebe Cosima,

Das Allegro Barbaro war jenes Stück, mit dem Bartok so viel Furore machte damals, es hat seinen Ruhm mit begründet, auchgerade deshalb, weil es so vielen Leuten nicht gefiel (es gibt nichts besseres als eine schöne Kontroverse!).
Ich habe das hier gefunden (Bartoks eigene Schrift???):
http://epa.oszk.hu/00000/00022/00119/13-0157.jpg
Es vermittelt schon im Notenbild einen guten Eindruck des ziemlich mechanischen Rhythmus, des Repetitiven, dann ein Wechsel zwischen Fis-Moll-Akkorden und verminderten (allerdings verminderte, die nur modal da rein passen, man würde in fis-moll als Tonart diese verminderten nicht vermuten, das ist das Barbarische auf der harmonischenEbene).
Ein immer noch tolles Stück, damals absolut revolutionär, ähnlich em Sacre von Strawinsky.
Nicht wenige Karikaturen über Bartok, den ungestümen Modernisten kursierten:

http://www.feketesas.hu/galeria/album/kajan/k4.thumb.gif

http://www.good-music-guide.com/images/bartok_caricature2.gif

Ich mag das Allegro imer noch, wenn ich auch an Bartok durchaus seine poetischen Seiten schätze. So ist mein absolutes Lieblingsstück immer noch der langsame Satz aus der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug ud Celesta (mit den tollen Streicherglissandi! auch von Kubrick sehr wirkungsvoll in Shining benutzt). Ein weiteres Lieblingsstück von Bartok ist für mich ebenfalls das dritte Klavierkonzert. Der erste Satz ist eine wunderschöne Komposition.

Herzlich,

S A T I E
Cosima (22.07.2007, 09:08):
Hallo Satie, hallo allerseits,

vielen Dank für die Anmerkungen zum Allegro barbaro. Ja, mich erinnerte es auch an den Sacre. Ich wusste zwar, dass Bartók ein glänzender Pianist war, nicht bewusst war mir bislang, wie vielschichtig und spannend sein Oeuvre ist. Die Karikaturen passen gut zu der Wiener Musikkritik.

Ich höre gerade das 3. Klavierkonzert. Besonders schön ist auch der zweite Satz (Adagio religioso), voller Innigkeit und Nachdenklichkeit, die jedoch in bedrohlicher Art und Weise in einem kurzen Zwischenspiel unterbrochen werden.

Ich bin nun ganz fasziniert von Bartók! Mir ist, als wäre mir ein Licht aufgegangen. Jetzt möchte ich ihn unbedingt möglichst umfassend kennen lernen. Was ist von dieser Brilliant-Box zu halten?

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8202206.jpg

Kann jemand diese positive Rezension unterstützen? Oder sollte ich mir die fehlenden Werke doch lieber in Einzelaufnahmen zulegen?

http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=review&REID=2813&RECID=4036&CFID=12556229&CFTOKEN=96589234

Fehlen würden dann auf jeden Fall noch die sechs Streichquartette.
Und was ist mit dem Violakonzert? Sollte man danach Ausschau halten?

Gruß, Cosima
Amadé (22.07.2007, 10:59):
Hallo Cosima und andere interessierte Forianer/-innen!

Bela Bartok hat in den unterschiedlichsten musikalischen Genres viele Werke hinterlassen, die bis auf eine handvoll Orchesterwerke den meisten Musikfreunden bis heute noch terra incognita geblieben sind. Auf die Gründe möchte ich hier nicht eingehen, dafür auf wichtige Werke und gelungene Einspielungen hinweisen. Übrigens hat Bartok in den 30er und noch mehr in den 40er Jahren selbst Klavierwerke sowie Kammermusik für das Grammophon eingespielt. Hungaroton hat sie vor ein paar Jahren in einer Sammelbox erneut herausgegeben.

Bühnenwerke:

- Herzog Blaubarts Burg, Oper in 1 Akt, in ungarischer Sprache
mittlerweile sind mehrere Einspielungen erschienen, die ich jedoch nicht alle gehört habe, meine Empfehlungen:
Kertesz, W.Berry, Chr. Ludwig, LSO Decca, in ungarisch
Fricsay, Fischer-Dieskau,Töpper, RSO Berlin, DGG, in deutsch

- Der wunderbare Mandarin, Pantomime in 1 Akt. Ein dämonisches Spiel von Liebe und Tod, das damals als unmoralisch angesehen wurde und deswegen in Ungarn nicht aufgeführt werden durfte. Die UA in Köln durch Eugen Szenkar endete in einem Skandal. Der damalige OB Konrad Adenauer untersagte aufgrund der Prosteste weitere Aufführungen an der Kölner Oper.

Orchestermusik:

- Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta
das Angebot ist reichhaltig, meine Empfehlungen:
Reiner, Chicago SO, RCA
Solti, LSO oder Chicago SO, Decca
Fricsay, RIAS SO, DGG
Jansons, Oslo PO

- Konzert für Orchester, (sein letztes vollendetes Werk)
reichhaltiges CD-Angebot
Empfehlungen siehe meine Homepage, unten klicken!

- Tanzsuite
Empfehlungen: Solti, Markevitch, Fricsay

- Divertimento für Streichorchester
Empfehlungen: Kegel, Fricsay

von Antal Dorati gibt es bei Mercury eine 5 CD-box mit Bartoks Orchesterwerken, die einen Überblick über Bartok Orchestermusik vermittelt (augenblicklich preisgünstig)

Instrumentalkonzerte:

- 3 Klavierkonzerte
Empfehlungen:
Nr.1-3 Anda, Fricsay, RSO Berlin, DGG
Zimerman(1), Andsnes(2), Grimaud(3), Boulez, DGG
A.Schiff, I.Fischer, Teldec
Nr. 1+2 Pollini, Abbado, DGG
Nr. 3 Lipatti, Sacher, EMI
A. Fischer, Fricsay, SO BR, Orfeo

- 2. Violinkonzert
oft eingespielt,Empfehlungen:
T. Varga, Fricsay, RIAS SO, DGG,
A.Gertler, Ancerl, Tschech.Phil, Supraphon
Stern, Bernstein, NY PO, Sony
Chung, Rattle, Birmingham, EMI

- Konzert für Viola (Bratsche) und Orchester, vom Bratscher William Primrose in Auftrag gegeben, von Bartok als Torso hinterlassen, "fertiggestellt" von Tibor Serly
Empfehlungen:
Primrose, KLemperer, Concertgebuw Orch., archiphon
Menuhin, Dorati, EMI (+Violinkonzerte, Rhapsodien)
T.Zimmermann, Shallon, EMI
W.Christ, Ozawa, DGG

Kammermusik:

- Klavierwerke, m.E. eher für Spieler gedacht als zum Hören
Empfehlungen: Foldes, Kocsis, Schiff, Ranki

- 2 Violinsonaten
Empfehlung: Stern, Zakin, CBS

- Streichquartette
Empfehlungen:
Vegh Quartett, EMI
Juilliard Quartett, CBS
Alban BErg Quartet, EMI

Für die Erstbeschäftigung mit Bartoks Musik empfohlen:

Herzog BLaubarts Burg Fricsay
Tanzsuite
Konzert für Orchester
3. KLavierkonzert
Divertimento für Streichorchester

Grüße
Amadé
Cosima (22.07.2007, 11:46):
Hallo Amadé, hallo allerseits,

danke für die hilfreiche Übersicht, an der man sich gut orientieren kann. Einiges von Bartók kenne ich ja bereits, auch wenn ich es erst jetzt richtig zu schätzen beginne. - Ich möchte als nächstes unbedingt die Streichquartette hören. Du schlägst vor:

Original von Amadé
- Streichquartette
Empfehlungen:
Vegh Quartett, EMI
Juilliard Quartett, CBS
Alban BErg Quartet, DGG


Ich habe eben etwas recherchiert, auch in einige Aufnahmen hineingehört, tendiere nun zu einer Aufnahme des Végh Quartets.

Eine frühere Mono-Aufnahme (M+A): http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3356168.jpg und eine spätere Stereo-Aufnahme (Naive): http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3665311.jpg

stehen zur Verfügung. Jedoch entdecke ich keine EMI-Aufnahme. Welche genau meinst Du hier?

Kennst Du (oder jemand anderes) die beiden Einspielungen und kannst sie charakterisieren? Wie ist die Klangqualität der Mono-Aufnahme? Die Schnipsel klingen recht zufrieden stellend.

Ich meine mich auch erinnern zu können, dass vom Zehetmair-Quartett einzelne Quartette sehr positiv besprochen wurden. Allerdings würde ich mir zunächst gerne einen Überblick über sämtliche Streichquartette verschaffen, um hernach zu entscheiden, mit welchen Werken ich mich näher auseinander setzen möchte.

Die Klavierkonzerte mit András Schiff / Iván Fischer hätte ich auch wahnsinnig gerne. Ich glaube, die werde ich mir auch noch zulegen.

Gruß, Cosima
AcomA (22.07.2007, 12:52):
hallo,

bela bartok gehört auch IMO zu den großartigsten komponisten überhaupt. er ging einen insgesamt eigenen weg und mir gefällt vor allem seine expressionistische schaffensphase. erstmalig und bis heute nachhaltig wurde ich in der 12. klasse mit diesem komponisten konfrontiert, wir hörten und analysierten seine musik für.... da wird ja auch das klavier zum schlagzeug subsummiert. man könnte es ja auch zu den saiteninstrumenten zählen. wie auch immer, die fächerfuge (1. satz) ist genial. IMO gibt es hier keine eindringlichere aufnahme als die des CSO unter reiner.

weitere lieblingswerke sind die ersten beiden klavierkonzerte, das konzert für orchester und sein gesamtes solo-klavierwerk. seine suite von der 'wunderbare mandarin' gehört auch dazu.

das solo-klavierwerk findet in z. kocsis IMO einen höchst akkuraten interpreten sowohl in klanglicher als auch struktureller hinsicht. die ersten beiden klavierkonzerte werden IMO höchst eindrucksvoll, temperamentvoll und doch differenziert von pollini, abbado und dem CSO dargeboten.

die integration der folklore-elemente, einem ergebnis seiner wissenschaftlichen aufarbeitung, markiert den besonderen weg. möglicherweise tritt hierdurch immer wieder die hoffnung auf wärme und licht zu tage, wo doch bartok seelisch vereinsamt war. so stelle ich es mir jedenfalls vor und meine mich an biographische hinweise zu erinnern.

gruß, siamak :)
Amadé (22.07.2007, 16:16):
Liebe Cosima,

die Aufnahme mit dem Vegh-Quartett kenne und besitze ich nicht. Ich habe sie nur dazugenommen, da Vegh den Komponisten während seines Studiums auf der Budapester Musikhochschule kennenlernte und vermutlich auch erfahren hat, wie sich Bartok die Aufführung der Quartette, zu mindestens einige davon, vorgestellt hat. Vegh war übrigens auch ein MItbegründer des Ungarischen Streichquartetts (1940). Die abgebildete obere BOx ist wahrscheinlich mit der EMI-Ausgabe identisch, da das Aufnahmedatum mit 1954 angegeben wird. Heutzutage, nach Ablauf der 50jährigen Schutzfrist, werden ja viele bedeutende und leider auch weniger bedeutende Produktionen von alle möglichen Labels in unterschiedlichen Tonqualitäten auf den Markt geworfen. Vegh hat mit seinem Quartett etwas mehr als 10 Jahre später eine Stereo-Ausgabe nachgeliefert (Telefunken), vielleicht ist diese mit der naive-Aufnahme identisch.
Leider kann ich Dir nicht wirklich weiterhelfen. Wenn man sich mit Bartoks Quartetten beschäftigt, sollte man sich zunächst einmal auf eines konzentrieren und immer mal wieder hören und es dann später mit einer zweiten Aufnahme vergleichen.

Grüße Bernd
Cosima (22.07.2007, 16:26):
Original von AcomA
möglicherweise tritt hierdurch immer wieder die hoffnung auf wärme und licht zu tage, wo doch bartok seelisch vereinsamt war. so stelle ich es mir jedenfalls vor und meine mich an biographische hinweise zu erinnern.


Ja, Bartók war einer der vielen Emigranten, kam 1940 in New York an. Dort soll er in ziemliche materielle und seelische Nöte geraten sein. Nur 5 Jahre später starb er bereits.

Schade, ich weiß keine weiteren Einzelheiten. Gibt es eine empfehlenswerte Biographie?

Gruß, Cosima
Cosima (22.07.2007, 16:36):
Original von Amadé
Die abgebildete obere BOx ist wahrscheinlich mit der EMI-Ausgabe identisch, da das Aufnahmedatum mit 1954 angegeben wird.

Ja, das ist sie - 1954 stimmt. Ich habe sie nun kurzerhand bestellt, die Rezensionen klingen gut. Ich bin sehr gespannt, ob die Quartette mir gefallen werden.

Gruß, Cosima
ab (24.07.2007, 16:25):
Wie schon Siamak richtig sagt:
bela bartok gehört auch IMO zu den großartigsten komponisten überhaupt.

Sind die Streichquartette Beethovens das Alte Testament, dann die von Bartók das Neue!

Meine Lieblingsaufnahme ist die des Hagen Quartetts. Dabei konnte ich beim ersten Reinhören im Geschäft einfach nicht glauben: Überraschenderweise haben sich die Hagens gerade bei ihren überwältigenden Bartók-Aufnahmen fast verstörend nicht dem Zeitgeist gebeugt, sich durch raue Aggressivität einen fortschrittlichen Anstrich zu geben. Ich kaufte sie damals nicht und habe erst nach vielen Jahren zugeschlagen, als sie endlich etwas günstiger zu haben war. Es ist eine Aufnahme, die sich dann bei öfteren Hören erschließt. Es lohnt sich! Eine solche Tiefe - fast wollte ich sagen "Impressiv" - kenne ich sonst bei niemanden! Grandios!

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/2244389.jpg

Das beste, was ich jemals im Konzert gehört habe, war das Bartók-Streichquartett Nr. 3 mit dem Zehetmair-Quartett, das damals noch alles auswendig spielte (gemeinsam mit Hartmann und Mozart): Eine solche Expressivität habe ich nie vorher noch nachher erlebt und war für mich überhaupt undenkbar! Ihre ECM-Aufnahme, auch die neue, wie am gegebenen Ort zu lesen, kann ich auch wärmstens empfehlen, wenn es auch nur ein müder Abklatsch im Vergleich zum Konzert ist! Dies ist sozusgen der Gegenpol zum Hagen Quartett: Allergrößte Expressivität.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3550588.jpg
http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5308369.jpg

Sonst liebe ich heiß die Sonate n°1 Sz. 75 (1921) mit
Frieda Bauer, live aus Prag vom 17/3/1972 (PRAG PR 250038, PR 256010: leioder ohne Abbildung) - also nicht jene, die er mit Richter aufgenommen hat (weder zwei Tage später am 19.3.72 noch die ein halbes Jahr später vom 20.8.72)!

Wie schon wiederholt hier erwähnt ist meiner Lieblingsaufnahme des Konzert für Orchester die mit Ivan Fischer bei Hungaroton.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5886025.jpg

Auch mag ich besonders den Holzgeschnitzten Prinzen, bislang wohl noch gar nicht genannt, den ich in einer Neeme Järvi-Aufnahme (Chandos) besitze. (Wie leider of typisch für Järvi: faszinierende Musikalität, gepaart mit Probenschlampigkeit.)
http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/61695KK5EML._AA240_.gif
ab (24.07.2007, 16:28):
Original von Cosima
Was ist von dieser Brilliant-Box zu halten?

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8202206.jpg


greife lieber unbedingt entweder zu seinem Bruder Ivan Fischer, oder zu Dorati! Es lohnt sich!

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1824489.jpg

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2646718.jpg

von dorati habe und liebe ich auch den Blaubart besonders!
Rachmaninov (25.07.2007, 07:13):
Original von Cosima
Hallo Nikolaus,

mir ging es ähnlich. Bartók hatte ich halt im Regal stehen, hin und wieder habe ich ihn auch gehört – ohne große Anteilnahme. Bis heute.

Geht mir im grunde auch so! Mir fehlt zu Bartok einfach der rechte "Zugang"!
Jürgen (25.07.2007, 10:06):
Original von Cosima
Als ich heute die o.g. CD einlegte und das „Allegro barbaro“ hörte war ich sofort hellwach und gespannt! Das kleine Klavierstück ist nur ca. 2 ½ Minuten lang – aber was für ein Werk! Wahrlich „barbarisch“! Kocsis spielt es grandios, hart und temperamentvoll! :down Ich muss mir unbedingt bald Bartóks Solo-Klavierwerk mit diesem Pianisten zulegen. Langsam wird mir klar, warum diese Aufnahmen als Referenz gelten.


Hallo Cosima,

dieses kleine Musikstück kannte ich schon als Teenager, als ich noch gar nicht wusste, wie man Bartók schreibt. Und zwar in der Rock-Version von Emerson, Lake & Palmer.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1259791.jpg

Wenn man Rockmusik gewöhnt ist, klingt's sooo barbarisch auch wieder nicht, auch bei Kocsis nicht (habe bei JPC reingehört).
Gute Musik ist es trotzdem.

Grüße
Jürgen
ab (25.07.2007, 11:22):
Original von Cosima
Was ist von dieser Brilliant-Box zu halten?

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8202206.jpg

Kann jemand diese positive Rezension unterstützen?


Die Rezension stimmt insofern nicht, als nicht das gesamte Sinfonisch Oevre droben ist: Vom Wunderbaren Manadrin ist nämlich leider nicht das Ballett, sondern nur die Suite droben. Dies war für mich schon ein Grund genug, die Box nicht zu kaufen. Den bei einer Bergtour tödlich verunglückten, jahrelangen Konzertmeister der Wiener Philharmoniker (angeblich der einzige Musiker weltweit, der die obligatorischen Probestellen, mit denen erste Geiger beim Vorspielen getrietzt werden, auch tatsächlich alle Noten spielen konnte, so höre ich sagen) Kühle zu attestieren, finde ich auch verfehlt. Was Hetzels Spiel viel mehr unbefriedigend macht, ist sein höchst spät-romantisch, schwelgerischer Stil, der Batók in ein Eck rückt, aus dem er gearde sich herausarbeitet.
Cosima (03.08.2007, 22:12):
Original von ab
Wie schon wiederholt hier erwähnt ist meiner Lieblingsaufnahme des Konzert für Orchester die mit Ivan Fischer bei Hungaroton.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5886025.jpg



Ist das dieselbe Aufnahme, die auf der Philips-Aufnahme, die Du weiter unten empfohlen hast, zu finden ist? Bzw.: Was sind die Unterschiede Deiner Meinung nach? Ich überlege, eine der beiden Aufnahmen anzuschaffen.
ab (03.08.2007, 23:42):
Original von Cosima
Original von ab
Wie schon wiederholt hier erwähnt ist meiner Lieblingsaufnahme des Konzert für Orchester die mit Ivan Fischer bei Hungaroton.

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/5886025.jpg



Ist das dieselbe Aufnahme, die auf der Philips-Aufnahme, die Du weiter unten empfohlen hast, zu finden ist? Bzw.: Was sind die Unterschiede Deiner Meinung nach? Ich überlege, eine der beiden Aufnahmen anzuschaffen.

Nein es sind verschiedene Aufnahmen. Beide sind ausgezeichnet, allerdings finde ich die ältere (Hungaroton) natürlicher, klassizistischer und auch feiner in den Übergängen. Eine recht gute Beschreibung findet sich bei Gramophone hier.
Das "atemberaubende Pianissimo" etc. ist wörtlich zu verstehen! Die Tempoübergänge überragend! Eher ein lyrischer Zugang, aber voll Leben und Seele.

Die neuere bei Philips übt sich in ausgefallenen Phrasierungen, die das Werk mehr in die Moderne rückt, was mir gewollt vorkam . Die Rezension bei Gramophon da finde ich weniger instruktiv. Schade, dass kein Vergleich zur früheren angestellt wird, sondern nur zu Blomstedt (statt bei Decca zur exquisten von Dohnanyi , die vergriffene, mit dem kaum bekannten Konzert für Orchester von Lutoslawski!)

Einen Interpretationsvergleich vor der Philips-Aufnhame gabs mal im Rondomagazin, hier nachzulesen.
ab (04.08.2007, 00:19):
Beim Viola-Konzert bin ich äußerst glücklich mit der Aufnahme von Kim Kashkashian (ECM)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2408145.jpg

Was mich vor allem daran neben der imensen Musikalität der Solistin begeistert, ist der avantgardistische klangflächen Zugang von Peter Eötvös: das funktioniert mit der Musik Bartoks, ohne gewollt oder manieriert zu wirken!
Cosima (04.08.2007, 08:20):
Lieber ab,

vielen Dank für Deine Einschätzung und die Links! Ich habe mich nun für die Hungaroton-Aufnahme entschieden und sie bestellt.

Ich kenne das Konzert für Orchester bereits unter Fritz Reiner, mit dem ich generell meine Probleme habe. Er entfaltet zwar große Klangpracht, mir kommt das Ergebnis jedoch häufig recht vordergründig vor. - Meine weitere Einspielung unter George Szell ist ganz aus meinem Gedächtnis verschwunden. Ich werde mal wieder reinhören.

Gruß, Cosima
ab (04.08.2007, 11:40):
Original von Cosima
Ich kenne das Konzert für Orchester bereits unter Fritz Reiner, mit dem ich generell meine Probleme habe. Er entfaltet zwar große Klangpracht, mir kommt das Ergebnis jedoch häufig recht vordergründig vor.

Selbiges gilt - meiner Enschätzung nach - für die beiden Einspielungen Soltis - überhaupt finde ich Solti bei Bartok generell enttäuschend. Von den Klangfülligen finde ich nicht Münch, sondern die Dorati-Aufnahme noch am Interessantesten. (N.Järvi ist völlig undiskutabel schlampig!)

Selbst Fricsay, den ich besonders schätzte, finde ich persönlich weniger überzeugend als I.Fischer. Fischer ist halt gesanglich-schlank (ähnlich wie Fricsay). Wenn man dies mag, ist man hier richtig! Eine solche Probenarbeit ist bewundernswert! Allein die Introduktion mit der Flöte und dem letzten - nur bei Fischer hörbaren - Geigen-Impuls ist überwältigend... Sie ist eine Aufnahme zum Zuhören, Schätzen und Lieben, und nicht eine die vordergründig mitreißend wäre...

Ich bin schon gespannt, was Du sagen wirst!
ab (04.08.2007, 12:11):
Original von ab
Sonst liebe ich heiß die Sonate n°1 Sz. 75 (1921) mit
Frieda Bauer, live aus Prag vom 17/3/1972 (PRAG PR 250038, PR 256010: leioder ohne Abbildung) - also nicht jene, die er mit Richter aufgenommen hat (weder zwei Tage später am 19.3.72 noch die ein halbes Jahr später vom 20.8.72)!


Ich bemerke soeben erst, dass mir der Geiger verschwunden und ein Tippfehler unberlaufen ist:
Gemeint ist die Aufnahme mit David Oistrach und Frida Bauer bei Praga!
Cosima (17.08.2007, 22:44):
Original von ab
Ich bin schon gespannt, was Du sagen wirst!

Lieber ab,

ich habe die Bartók-CD (Hungaroton) unter Iván Fischer nun gehört. Sie gefällt mir sehr gut! Als erstes fielen mir die Klarheit und sehr gute Durchhörbarkeit der Aufnahme auf. Auch die Klangfarben und Nuancierungen, die dieses Orchester erzeugt, sind etwas ganz Besonderes. Anders als z.B. in der vordergründigen Reiner-Aufnahme, ist die Doppelbödigkeit von Bartóks Anspielungen hier sehr gut heraus zu hören. Dies als erster - rundum positiver - Eindruck.

Gruß, Cosima :)
ab (18.08.2007, 10:57):
Jetzt ist es spannend, sie einmal bei Gelegenheit mit der artifizielleren Philips-Aufnahme zu vergleichen!
Cosima (18.08.2007, 11:09):
Original von ab
Jetzt ist es spannend, sie einmal bei Gelegenheit mit der artifizielleren Philips-Aufnahme zu vergleichen!

Ja, ein solcher Vergleich würde mich nun sehr reizen.

Meine Begeisterung für die Hungarton-CD nimmt mit jedem Hören zu. Die Aufnahme ist ein wirklicher musikalischer Leckerbissen! :down Die Präzision und Virtuosität des Orchesters sind faszinierend! Die Klarheit und Detailverliebtheit gehen aber nicht zu Lasten des Gesamteindrucks bzw. der Gesamtstruktur. Überaus spannungsgeladen und mit der rechten Prise an Humor und Mehrdeutigkeit wird hier großartig musiziert.

Kurz off topic: Von diesem Orchester unter diesem Dirigenten würde ich unbedingt gern mehr hören. Die tolle 2. Mahler-Sinfonie erwähnte ich schon irgendwo, die Einspielung der Bartók-Klavierkonzerte mit András Schiff ist auch sehr gut. Wie steht es mit weiteren Aufnahmen? Kennt jemand z.B. die Rachmaninov- oder Dvorák-CD?

Gruß, Cosima
ab (18.08.2007, 12:02):
Original von Cosima
Kurz off topic: Von diesem Orchester unter diesem Dirigenten würde ich unbedingt gern mehr hören. Die tolle 2. Mahler-Sinfonie erwähnte ich schon irgendwo, die Einspielung der Bartók-Klavierkonzerte mit András Schiff ist auch sehr gut. Wie steht es mit weiteren Aufnahmen? Kennt jemand z.B. die Rachmaninov- oder Dvorák-CD?


Dazu nun im passenden thread.
Sabine (08.11.2007, 22:45):
Ich habe keinen Thread zu Bártoks Klavierkonzerten gefunden - deshalb schreib ich mal eben hier.

Manchmal kommt man (Frau) sich wie ein Außenseiter vor - der überwiegende Anteil scheint immer das 3.Konzert zu favorisieren. Bei mir ist es allerdings das 2. - wobei mir alle drei gefallen. Das kann man nicht abstreiten.
Generell halte ich diesen Mann für einen sehr interessanten Komponisten, mit welchem ich mich gern beschäftige.
daniel5993 (08.11.2007, 23:11):
Original von Sabine
Ich habe keinen Thread zu Bártoks Klavierkonzerten gefunden - deshalb schreib ich mal eben hier.

Manchmal kommt man (Frau) sich wie ein Außenseiter vor - der überwiegende Anteil scheint immer das 3.Konzert zu favorisieren. Bei mir ist es allerdings das 2. - wobei mir alle drei gefallen. Das kann man nicht abstreiten.
Generell halte ich diesen Mann für einen sehr interessanten Komponisten, mit welchem ich mich gern beschäftige.

Hallo Sabine!

Willkommen hier im Forum! :hello

Ich denke, dass die drei klavierkonzerte in einen Extrathread gehören, sonst gehen Sie hier in dem allgemeinen Bartok - Thread unter! Und das wollen wir doch nicht. :winkWenn noch keiner da ist, steht es dir ja frei einen zu eröffnen!


Gruß und viel Spass im Forum
Daniel
:beer
teleton (14.11.2007, 08:34):
Hallo Bartok-Freunde,

ich habe diesen Bartok-Thread erst heute gefunden, weil er nicht bei den INSTRUMENTALAUFNAHMEN (wo er eigendlich hin gehört) steht.
Hier wurden ja schon einige Bartok-Instrumentalaufnahmen vorgestellt.
Aber OK, hier geht es auch um Bartok als Persönlichkeit.

So a.b.aus Insbruck kann ich mich auch voll in seiner Meinung anschließen, der die Adam Fischer-Aufnahme nicht als so emfehlenswert bezeichnet.
Die Werke sind dort durchweg zu überromantisiert und wirken dadurch abgeschwächt und fast klassisch.
:times10 Bartok
da muß man Dirigenten wie Boulez, Solti, Dorati und Reiner ran lassen.

:hello Ich werde die Frage von Sabine zu den Klavierkonzerten in einem sep.Bartok-Thread beantworten.
daniel5993 (14.11.2007, 21:02):
Hallo Teleton,

ich habe diesen Bartok-Thread erst heute gefunden, weil er nicht bei den INSTRUMENTALAUFNAHMEN (wo er eigendlich hin gehört) steht.

Meiner Meinung nach ist der Thread hier richtig, da der Titel allgemein "Bela Bartok" ist, gehört er eindeutig unter Komponisten, Persöhnlichkeiten!


:hello
Daniel
karajan (15.11.2007, 14:22):
Der Komponist Bela Bartok hat mich noch nie wirklich umgehauen warum kann ich garnicht genau definieren aber der Klang kommt bei mir im Ohr nicht an. Ja ich habe das Konzert für Orchester und das Konzert für Schlagzeug und Celestra.
Manche Jahre finden die 2 CDs kaum den Weg in Player. Aber na ja alles Geschmacksache.
Gruß Karajan
Amadé (15.11.2007, 17:40):
@ Karajan


Ein Hörtipp: Konzert für Orchester 3.Satz und danach sofort 5.Satz.

Gruß Amadé
karajan (15.11.2007, 19:44):
Original von Amadé
@ Karajan


Ein Hörtipp: Konzert für Orchester 3.Satz und danach sofort 5.Satz.

Gruß Amadé

Danke für den Tipp.
Bin gerade echt verärgert was hier läuft.

Liebe Grüße Andreas
jünter (18.01.2010, 15:16):
@ die Bartok-Kenner:

Auch ich habe mich lange mit den Werken von Bela Bartok sehr schwer getan und dazu – wie es so schön heißt – keinen „Zugang“ gefunden.
In jüngster Zeit habe ich aus reiner Neugier noch mal mehrfach in die bekannten Orchesterwerke hineingehört und siehe da: Mein Interesse wird stetig größer an dieser hoch interessanten, sehr eigenwilligen und in mancher Hinsicht einzigartigen Musik, in der es jede Menge zu entdecken gibt.

Auf der Suche nach einem guten, günstigen CD-Einstieg bin ich auf diese EMI 3er-Box

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5099950940721.jpg

mit folgendem Inhalt gestossen:

Konzert für Orchester Sz. 116: Kubelik Royal PO

Violinkonzert 2 Sz. 112: Chung/Rattle Birmingham SO

Klavierkonzert 2 Sz. 95: Richter/Maazel Orch. d. Paris

Klavierkonzert 3Sz. 119: Argerich/Dutoit O.S. Montreal

Violinkonzert 1 Sz. 36: Sitkovetsky/Pesek Philh. O.

Violakonzert Sz. 120: Tabea Zimmermann/Shallon BayRSO

Mandarin Suite Sz. 73 : Ormandy Philadelphia O.

Music for Strings, Percussion & Celesta Sz. 106: Ormandy Philadelphia O.

Nach meinen Recherchen müsste zumindest die Mehrzahl der enthaltenen Aufnahmen durchaus eine Empfehlung wert sein, oder?
jünter (19.01.2010, 08:32):
Gleich noch eine Frage hinterher:

Kennt oder besitzt vielleicht jemand von euch diese CD

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724347689727.jpg

und kann mir sagen von wann die Aufnahmen stammen und ob Mono oder Stereo?
Meine eigenen Recherchen dazu waren erfolglos.

Vielen lieben Dank!
Wooster (19.01.2010, 10:26):
Für einen nicht spottbilligen, aber doch ziemlich günstigen Einstieg würde ich zu einer der kürzlich veröffentlichten Boxen unter Boulez greifen (DG ziemlich komplett, Sony weniger, aber die Klavierkonzerte zB gibt es preiswert mit Anda oder Kovacevich oder 1+2 mit Pollini).

(Die von Dir gezeigten CDs kenne ich leider alle nicht, höchstens evtl. Argerich im 3. KK)

Wooster
Jürgen (19.01.2010, 11:08):
Original von jünter
Gleich noch eine Frage hinterher:

Kennt oder besitzt vielleicht jemand von euch diese CD

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/0724347689727.jpg

und kann mir sagen von wann die Aufnahmen stammen und ob Mono oder Stereo?
Meine eigenen Recherchen dazu waren erfolglos.

Vielen lieben Dank!

Zu dieser Box gab es mal eine komplette Inhaltsangabe zum Download:
http://www.bocksmusicshop.at/fotos/KarajanComplEMIRecOrchestral72CD.jpg
Original von EMI
CD47 (stereo)
Bartók: Concerto for Orchestra, Sz116
from 7243 4 76897 2 7 ADD
I Introduzione: Andante non troppo – Allegro vivace 9.51
II Giuoco delle copie: Allegretto scherzando 6.47
III Elegia: Andante non troppo 8.07
IV Intermezzo interotto: Allegretto 4.22
V Finale: Pesante – Presto 9.13
Music for Strings, Percussion & Celesta, Sz106
from 7243 4 76897 2 7 ADD
I Andante tranquillo 7.17
II Allegro 7.09
III Adagio 7.02
IV Allegro molto 6.40
Berliner Philharmoniker
Recorded: V.1974, Philharmonie, Berlin
Producer: Michel Glotz. Balance engineer: Wolfgang Gülich
(p) 1974 The copyright in these sound recordings is owned by EMI Records Ltd.
Digital remastering (p) 1989 by EMI Records Ltd.
Total approximate duration 66.28

Es gibt noch eine ältere Aufnahme in Mono, die war aber mit dem Philharmonia Orchestra.
Ich habe diese Box leider nicht, die Inhaltsangabe konnte ich mir immerhin leisten.

Grüße
Jürgen
jünter (19.01.2010, 16:24):
@Jürgen:

Also Aufnahmen 1974 und offensichtlich Stereo.
Herzlichen Dank für die Info, werde mal genauer reinhören.

Gruß, jünter
Michael Schlechtriem (20.01.2010, 12:01):
Hallo,
die Karajan- EMI-Aufnahme der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta stammt meines Wissens von 1960.

Gruß,
Michael
jünter (20.01.2010, 16:17):
Original von Michael Schlechtriem
die Karajan- EMI-Aufnahme der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta stammt meines Wissens von 1960.

Hallo Michael, stimmt genau! Dies wurde mir soeben per E-Mail von EMI mitgeteilt.

Gruß, jünter
Michael Schlechtriem (20.01.2010, 16:41):
Diese 1960er Aufnahme habe ich noch auf LP und kann diese Interpretation empfehlen.
Mir gefällt sie jedenfalls seit Jahrzehnten sehr gut, sie hat Temperament und auch die Aufnahmequalität sagt mir zu, jedenfalls auf LP.

Ein gewisses Grundrauschen muß man auf der CD-Ausgabe sicher in Kauf nehmen.

:hello
Michael
teleton (28.01.2010, 12:55):
Hallo Jünter,

ich habe erst heute gesehen, dass dieser Bartok - Thread weiter geführt wurde. Das ist ein Thema, das mich brennend interessiert, da er mit Schostakowitsch zusammen mein Lieblingskomponist ist.

Ich habe mir die vergangenen Beiträge nochmal durchgelesen und festgestellt, wie unterschiedlich die Meinungen zu diversen Aufnahmen sein können....

Zu den von Dir genannten Aufnahmen:
Die Karajan-Aufnahme der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von EMI, 1960 ist eine gute Stereo-Aufnahme. (Ich habe sie auf der EMI-Studio-CD mit Hindemith-Mathis-Sinfonie gekoppelt).
Aber es gibt so viel die vorzuziehen wären und gleich Bartok komplett haben
zum Beispiel mit Solti, Boulez und in Einzelaufnahmen Reiner !

:( Blos nicht die EMI-Box, die Du abgebildet hast, denn da sind die enthaltenen Einspielungen sehr uneinheitlich gut. Violakonzert mit T.Zimmerman ist TOP. Ganz schlimm ist die leidenschaftslose Maazel-Aufnahme des KK Nr.2 bei der Richter Probleme mit Maazel hatte. (Hier sagte Richter nach der Aufnahme zu Maazel: Das Orchester sei grauenhaft gewesen und "There was nothing poor Lorin could do.“)
Ormandy verzettelt sich tempomäßig in seinen Aufnahmen - rubato ohne Ende ... und Dutoit hat bei Bartok zu wenig Durchschlagskraft.
-
:times10Wenn es um Bartok geht, so sind Dirigenten aus Bartok´s Heimatland an erster Stelle zu nennen:
Georg Solti, Fritz Reiner, Antal Dorati ! Und auch der Franzose Piere Boulez.

Hier meine Empfehlungen für eine TOP-Interpretion der wichtigsten Orchesterwerke:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947051626.jpg
Konzert für Orchester
Tanzsuite;
Ungarische Skizzen;
Rumänische
Volkstänze;
Musik für Saiteninstrumente,Schlagzeug & Celesta;
Der wunderbare Mandarin-Suite;
Divertimento
Chicago SO, Solti
Decca , DDD, 81-93


Hier die absolut umwerfende Aufnahme der Klavierkonzerte mit Askkenazy und bei den Violinkonzerten mit Chung Wha Chung, ( die nicht den überromantisierenden Geigenklang der Hetzel-Aufnahme mit Fischer (Brillant) bietet), sondern schon durch Solti einen packenden Bartok:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0028947327127.jpg
Klavierkonzerte Nr. 1-3
Violinkonzerte Nr. 1 & 2
Ashkenazy, Chung, London PO, Chicago SO, Solti
Decca, ADD/DDD, 76-83

Meine CD-Ausgabe entält auch die Sonate für 2Klaviere, Schlagzeug mit Solti/Ashkenazy - einfach der Wahnsinn !

:beer An Einzelaufnahmen sind das Violinkonzert Nr.2 mit Stern/Bernstein (SONY);
das Konzert für Orchester mit Boulez (SONY und DG), Reiner (RCA), Szell (SONY);
die Musik für Saiiteninstr.... mit Reiner (RCA), Dorati (Decca);
die Ballette Mandarin und Der hozgeschnitzte Prinz (beides GA und nicht die Suiten) mit Boulez (SONY) und Dorati (Decca);
die Tanz-Suite mit Boulez (SONY);
als Ergänzung zu Solti ebenfalls allererste Wahl.
jünter (28.01.2010, 18:51):
@ teleton:

Hallo Wolfgang,

schönen Dank für die vielen Aufnahmen-Tipps.

Von "Bartok komplett" (Orchester) habe ich erstmal wieder Abstand genommen, da ich z.B. für die Violinkonzerte, das Violakonzert und die Mandarin-Suite offenbar noch nicht "bereit" bin.

Als baldige erste Bartok-Anschaffungen gesetzt sind die Klavierkonzerte mit Anda/Fricsay und eine CD mit dem Konzert für Orchester und der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug & Celesta.
Bei letzterer bin ich noch auf der Suche (Karajan? Reiner?).

Gruß, Wolfgang
Gerion (28.01.2010, 20:28):
Lieber jünter,

versuch doch die oben abgebildete Solti-CD, oder die Aufnahme mit Fritz Reiner (aus der "living stereo"-Serie). Beides sehr beachtenswerte Aufnahmen. Bartok mit Karajan kenne ich noch nicht. Kann jemand etwas dazu sagen? Würde mich auch interessieren. Die Kombination des Konz. f. Orch. u. der Musik f. Schlagzeug etc. pp. gibt es anscheinend zweimal, einmal bei EMI und früher bei DGG/Galeria. Ist die noch greifbar? Ich sehe sie nur teuer auf dem Marketplace...

Viele Grüße
Gerion
teleton (29.01.2010, 13:45):
Hallo Gerion und Jünter,

ich hatte die DG-Aufnahme vom Konzert für Orchester mal mit Karajan in der DG-Aufnahme auf LP. genau, wie die Musik für Saiteninstrumente ... war die Interpretation gut, jedenfalls nicht schlecht.
Doch ich neige dazu mir von solchen Werken lieber die kompetenten Dirigenmten aus den jeweiligen Umfeldern/Ländern zu kaufen.

Nach Solti, Reiner und Boulez wäre eine Anschaffung von Karajan auf CD einfach absolut unnötig gewesen, weil er die genannten einfach nicht erreicht. Die LP habe ich auch nicht mehr. Das muß ich als großer Karajan-Freund hier einfach einräumen !

Zur Aufnahme der Klavierkonzerte:
Ich habe in "später Jugend" die KK mit Anda / Fricsay (DG), damals auf LP kebbebgelernt. Ich war damals noch nicht soweit.
Ich fand ganz interessant was ich da hörte (keinesfalls langweilig), aber die Doppel-LP blieb erstmal mehrere Jahre im Schrank.

Erst ca.mitte der 80er Jahre hatte ich wieder Lust mich mal intensiv mit der Materie Bartok auseinanderzusetzen und jetzt war auch die CD mittlerweile eingeführt !!
Den Anlaß für mein wiederentdecktes Interesse an den Bartok-Klavierkonzerte hat das Konzert für 2Klaviere,Schlagzeug und Orchester gegeben, das ich zuerst auf einer amerikanischen CBS-LP (heute auch auf SONY-CD) mit Artur Gold und Robert Fizdale / NewYorker PH / Bernstein gekauft hatte, das mich von Anfang an begeistert hatte und heute zu meinen Lieblingsklavierkonzerten gehört. Leider ist das Werk relativ unbekannt - weinige werden es überhaupt kennen.

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B0000027LP.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg
SONY, 1966/76 (KK), ADD

:beer Nun nach dem Erfolg des Konzert für 2Klaviere für wollte ich die Barok-Klavierkonzerte auch richtig kennen lernen:

Meine CD-Aufnahme mit Pollini / Chicago SO / Abbaddo von den Klavierkonzerten Nr.1 und 2 hat mich dann ebenfalls bis aufs äußerste begeistert und ich möchte diese Version als eine der besten Aufnahmen überhaupt bezeichnen. Auch die folkloristischen Elemente werden von Pollini/Abbado sehr schön herausgestellt (DG, 1979, ADD)

Eine weitere Vergleichsinterpretation der Bartok-Klavierkonzerte mußte her. Es ist die im obigen beitrag abgebildete Ashkenazy-Aufnahme mit dem Chicago SO / Solti (Decca), die auch die Sonate für 2Klaviere und Schlagzeug (in der Version ohne Orchester) enthält.
Auch diese mit wiederum neuem, anderen Interpretationsansatz hat mich mehr als begeistert. Ich weiß, gerade die Ashkenazy/Solti-Interpretation ist sehr umstritten. Solti und Ashkenazy sind sich allerdings sehr einig in der Auffassung die brutissmen des Werkes besonders stark herauszustellen, aber ich finde gerade das macht die Aufnahme so spannend und interessant. Klanglich in absolut vorbildlicher Decca-Qualität (Decca, 1980-84, DDD).

Diese CD gibt es jetzt in dieser Kopplung ohne die Sonate für 2Klaviere, Schlagzeug, bei mir in der Ausgabe als Doppel-CD mit der Sonate. Das ist jammerschade, weil die Superaufnahme der Sonate für 2Klaviere und Schlagzeug als unentbehrlich einstufen würde. So hart und zupackend hört man das Werk in anderen Aufnahmen nicht ! Der zweite Pianist ist der Sohn Vivka von Ashkenazy.


:beer Bei diesem "Werdegang" habe ich auch immer wieder mal die von Dir genannteAnda/Fricsay-Aufnahme (DG), die ich als klassische Aufnahme bezeichnen möchte, mit den vorgenannten verglichen. Anda bietet einen ganz anderen Interpretationsansatz, der mir persönlich nicht so liegt wie Ashkenazy´s oder Pollini´s wesentlich härtere Sicht der Klavierkonzerte.
Die meisten Bartok-Anhänger favorisieren diese Anda - Aufnahme und halten diese für die Beste.
:wink Vielleicht liegt es bei mir auch daran, das mein erster Kontakt mit den Klavierkonzerten und dieser Aufnahme damals kein Erfolg waren.
jünter (29.01.2010, 18:33):
Hallo Gerion und teleton,

habe soeben diese CD

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947577119.jpg

entdeckt, auf der für mich wunschgemäß das Konzert für Orchester und die Musik für Streichinstrumente, Schlagzeug und Celesta vereint sind (gleiche Aufnahmen wie auf der abgebildeten Doppel-CD).

Nach einem Hörvergleich mir der Karajan-EMI-CD muss ich sagen, dass Solti den "richtigen" Ton bei Bartok wohl besser trifft und die Decca-Aufnahme klanglich sehr gut zu sein scheint.

Die CD wirds jetzt bei mir, obwohl ich gestehen muss, dass Solti grundsätzlich nicht zu meinen Lieblingsdirigenten gehört.

Gruß, jünter
teleton (01.02.2010, 10:30):
Hallo jünter,

eine TOP-Wahl, die Du getroffen hast.

Auf der Decca-Cd ist auch noch die tolle Dance Suite drauf.
Das ist ein weiteres Bartok-Meisterwerk, bestehend aus mehreren von ungarischer Volksmusik inspiriertenTanzsätzen, die ineinander übergehen und ähnlich Mussorgsky´s Bildern nachempfunden, einen "Promenadenzwischenteil" enthalten, der die Sätze miteinander verbindet.
:beer Ein Werk, das ganz auf meiner Line liegt und neben den bekannteren TOP-Werken auf der Decca--CD zu den großen Werken des 20.Jahrhunderts gehört.
(Der Titel Tanz-Suite hört sich gegen das, was man geboten bekommt absolut harmlos an !)

Solti hier interpretaorisch und klanglich absolut vorbildlich.
Die Tanz-Suite und das KfO ist aber auch mit Boulez / New Yorker PH (bei mir noch als CBS-CD) - heute SONY, auch erste Wahl.
Heike (20.06.2010, 18:10):
Ich habe in Budapest auch das vor kurzem ausgebaute Bartok-Haus auf dem grünen Rosenhügel besucht, seine letzte Wohnung in Budapest vor dem Exil. Er wohnte dort bis 1940 acht Jahre lang und noch die fast komplette Wohnungseinrichtung ist erhalten, zudem etliche interessante und z.T. lustige Dinge aus seinem Besitz.

Dort steht auch sein originaler Bösendorfer-Flügel (bei dessen Restaurierung man 2006 einen Zigarettenstummel im Inneren fand, welcher auch ausgestellt ist) - Bartok war starker Raucher und qualmte eigentlich immer und überall.

Hier sein Arbeitszimmer:
http://s7.directupload.net/images/100620/mn679cif.jpg

Es gibt im Haus einen neu ausgebauten kleinen Kammermusiksaal, mit einem Steinway Flügel und interessanten Familienfotos an der Wand. Dort finden regelmäßig Konzerte statt. Auch hat man neuerdings das Dachgeschoss ausgebaut und mit diversen Vitrinen bestückt, wo man von Hausrat über Bekleidung, Instrumente und sonstigen Besitztümer einges findet. Bartok sammelte z.B. gepresste Pflanzen und spießte Insekten auf! Er muss ein recht bodenständiger Mensch gewesen sein, zudem vielseitig interessiert.

Klein aber fein. Es gibt übrigens eine sehr nette deutschsprachige Dame, die einem geduldig alles erklärt und sich über jeden Besucher freut; da das Haus so abgelegen ist kommt kaum jemand dort hin und so kann man alles ganz in Ruhe ansehen.
Heike
Falstaff (30.06.2017, 23:55):
Bartok war eigentlich nie ein Komponist, der mich sehr angesprochen hat, mit dem ich etwas anfangen konnte, der mich berührt hat. Seltsamerweise habe ich trotzdem viele seiner wichtigsten Werke im Regal stehen, hörte sie bloß nie. Nun traf ich mich vor kurzem mit Freunden (ausgesprochenen Bartok-Fans) und ich musste zu meinen nicht gerade großem Vergnügen einem Probenmittschnitt Celibidaches lauschen. Und irgendwie sprang seine Begeisterung auch ein wenig auf mich über und ich nahm mir vor, doch einmal in meine Bartok-Aufnahmen hineinzuhören.



Ziemlich schnell landete ich bei der Sonate für Violine solo in der Aufnahme mit dem Widmungsträger Yehudi Menuhin und ich muss sagen, dass sie mich in all ihrer Qual und Zerrissenheit zutiefst erschüttert hat.

Ich habe es immer wieder erlebt, dass mich bestimmte Aufnahme zu einem Werk, bestimmte Stücke zu einem Komponisten geführt haben. Dies hier ist so ein Fall.

:hello Falstaff
Falstaff (01.07.2017, 00:37):
Heute habe ich mich mal dem 2. Klavierkonzert genähert. Und zwar in dieser Aufnahme:



Zunächst stellt sich Ärger ein. Ärger, dass ich diesen Komponisten so lange hab links liegen gelassen. ;)

Musik eines Getriebenen. Rhythmik, die teilweise an Jazz erinnert. Wieder dieses Gefühl von Zerrissenheit. Momente der Ruhe, der Entspannung, des Ankommens. Aber immer wieder sie auch in Frage stellend. Schatten, Bedrohungen, Ängste. Ein ewiges Hin und Her. Dann ein Aufraffen, zum Kämpfen bereit sein. Aber immer eine Gratwanderung. Immer wieder Schwanken, Einbrüche.

OK, das mag jetzt nicht Bartoks Intention gewesen sein. Aber das ist das, was ich bei einem ersten Hören assoziiere. Und was mich abermals total anspricht.

Da ich keine andere kenne, begeistert mich diese Aufnahme sehr.

:hello Falstaff
AcomA (02.07.2017, 23:29):
Lieber Falstaff,

Bartoks 2. Klavierkonzert höre ich von seinen Dreien am liebsten vor allem wegen des 2. Satzes. Diese berühmte Aufnahme mit Anda/Fricsay habe ich auch und schätze sie sehr. Weitere Top-Einspielungen: Pollini/Abbado/Chicago Symphony Orchestra und Kovacevich/Davis/London Symphony Orchestra.

:hello

LG Siamak
Falstaff (02.07.2017, 23:40):
Lieber Siamak, danke für die beiden Tipps. Pollini/Abbado hat man mir auch gerade empfohlen. Zudem auch diese Kombination noch:



Da werde ich mich wohl wieder mal in den Urwaldfluss stürzen müssen. :D

:hello Falstaff
Hörbert (03.07.2017, 13:58):
Hallo!

Neben den Klavierkonzerten und der Sonate für zwei Klaviere und Percussionsinstrumente solltest du noch unbedingt in das 4., 5. und 6. Streichquartett reinhören.

Hier ist neben den schon älteren Aufnahmen mit dem Juilliard-Quartett m.E. vor allem die Aufnahme mit dem Emerson-Quartett recht interessant, bei der ABQ-Interpretation dürften sich die Geister hingegen etwas scheiden.

MFG Günther
EinTon (03.07.2017, 18:08):
Ich habe hier die nicht so bekannte Aufnahme mit dem Eder-Quartett:




...bin mit dessen dieser Musik angemessenen, wilden Interpretation aber sehr zufrieden!

Gruß,

Normann
Falstaff (05.07.2017, 22:37):
Lieber Günther, lieber Norman, besten Dank für eure Hinweise. Die Streichquartette stehen jedenfalls auf meiner Liste ganz oben.

LG Falstaff
Falstaff (06.07.2017, 00:41):
Heute sind erstmal zwei Aufnahmen vom 'Blaubart' angekommen.



In die Friscay-Aufnahme habe ich kurz bei YouTube einmal hineingehört und sie hat mich sehr beeindruckt. V.a. wohl durch die Verwendung der deutschen Sprache, was in diesem Fall für mich das Verständnis doch sehr erleichtert, habe ich es doch mit dem Ungarischen nicht ganz so. :D

:hello Falstaff
Falstaff (08.07.2017, 01:25):
Kennt jemand diese Aufnahme? Obwohl ich kein Solti-Fan bin, muss ich sagen, dass er mir bei Bartok bislang sehr gut gefällt. Aus bekannten Gründen hatte er ja wohl auch ein gutes Händchen bei ihm.



:hello Falstaff
Falstaff (08.07.2017, 01:33):
Die beiden oben genannten Aufnahmen (Kertesz und Friscay) habe ich nun durchgehört und bin ziemlich begeistert davon. Der größte Unterschied besteht wohl in der Verwendung der Sprache. Kertesz (ungarisch) ist sicherlich idiomatischer. hat für mich aber den Nachteil, dass ich nun wirklich nichts verstehe. Wobei Ludwig (keine Ahnung, ob sie die Sprache wirklich beherrscht) wunderschön singt und klingt. Auf der anderen Seite finde ich Fischer-Dieskau großartig. Ihm haftet etwas wirklich Bedrohliches, Starres an, was ich bei Berry so nicht finde.

Anyway, ich bin froh, dass ich beide Aufnahmen habe und frage mich, ob es nun auch noch Solti sein muss. :)

:hello Falstaff
Cetay (inaktiv) (08.07.2017, 08:36):
Anyway, ich bin froh, dass ich beide Aufnahmen habe und frage mich, ob es nun auch noch Solti sein muss. :)

:hello Falstaff
In diese Fragestellung müsste unbedingt Gergiev miteinbezogen werden. :thumbup:
Hörbert (09.07.2017, 20:18):
Hallo!

Die Solti-Interpretation vom 'Blaubart' ist eine der bekanntesten und sehr gut, allerdings ziehe ich persönlich die Boulez-Interpretation von 1976 mit Tatiana Troyanos und Sigmund Nimsgern vor, -was unter anderen daran liegen könnte das sie mein erster 'Blaubart'war-.

Boulez arbeitet die düstere Stimmung eher durch strukturelle Mittel heraus, die beiden Protagonisten singen gewollt aneinander vorbei und das Orchester setzt die passenden Akzente.

Soltis Interpretation wirkt auf mich direkter, geradeliniger aber das muss nicht immer ein Vorteil sein. Die Interpretationen von Friscay und Kertesz kenne ich leider nicht aber möglicherweise höre ich sie mir irgendwann noch an, z.Z. habe ich in der alten Boulez-Aufnahme "meine" Interpretation (immer noch) gefunden.

MFG Günther
Falstaff (10.07.2017, 01:21):
Super! Kertesz und Friscay habe ich, bei Solti schwanke ich und nun hab' ich auch noch Gergiev und Boulez auf der Liste. Das Klassikforum wird langsam richtig teuer. Von der Raumfrage ganz zu schweigen. ;)

Nein im Ernst, besten Dank für die Tipps. Ich werde mal bei YouTube reinschauen, ob ich da G. oder B. finde.

:hello Falstaff
EinTon (11.07.2017, 15:28):
Das Klassikforum wird langsam richtig teuer. Von der Raumfrage ganz zu schweigen. ;)
Du kannst ja auch einmal einen Streaming-Dienst wie Spotify (Streaming bis zu 320kbps) oder qobuz (Streaming in CD-Qualität (16bit) bzw. noch höher aufgelöste 24bit.) ausprobieren...

Gergiev gibt es bei spotify hier .
Falstaff (11.07.2017, 23:28):
Du kannst ja auch einmal einen Streaming-Dienst wie Spotify (Streaming bis zu 320kbps) oder qobuz (Streaming in CD-Qualität (16bit) bzw. noch höher aufgelöste 24bit.) ausprobieren...
Leider bin ich hoffnungslos veraltet und habe die Aufnahmen, die ich höre, gerne präsent im Regal. Das also wird eher nichts. :)

LG Falstaff