Beethoven: Chorfantasie op. 80

daniel5993 (24.01.2008, 13:43):
Hallo forianer :hello

Ludwig van Beethoven - Fantasie für Klavier, Chor und Orchester (c-Moll) op. 80 (Chorfantasie)


Entstehung: 1808, Maximilian Joseph I. König von Bayern gewidmet

Beethoven schrieb die Chorphantasie op. 80 unmittelbar vor deren Uraufführung als Schluß-Stück seiner großen Akademie am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien. Die Klavierphantasie, mit der das Werk beginnt, improvisierte er im Konzert frei (das war sozusagen die Pointe des Auftritts). In dem mammutartigen Konzert wurden neben der Chorphantasie auch die 5. und 6. Symphonie uraufgeführt. Außerdem standen das 4. Klavierkonzert, die Arie "Ah perfido" op. 65 und Teile der Messe op. 86 auf dem Programm. Wahrscheinlich führte auch die erdrückende Länge des Programms dazu, dass Beethoven u.a. mit der Chorphantasie den GAU, den Albtraum eines jeden Dirigenten und Komponisten erlebte: er musste sie abbrechen und neu beginnen lassen. Einerseits war die Komposition als solche sehr "pünktlich" zum Konzert fertig geworden, so dass nicht viele Proben stattgefunden hatten. Wahrscheinlich waren wegen der knappen Zeit auch die Noten hastig und fehlerhaft geschrieben worden. Das Ergebnis im Konzert war jedenfalls, dass an einer Stelle einige Instrumente auseinandergerieten. Beethoven selbst berichtet dem Verlag Breitkopf & Härtel in Leipzig am 7. Januar 1809: "Hauptsächlich waren die Musiker aufgebracht, daß indem aus Achtlosigkeit bey der einfachsten plansten Sache von der Welt gefehlt worden war, ich plözlich stille ließ halten, und laut schrie noch einmal" (BGA 350). (J.R.) (Dieser Absatz wurde Entnommen aus dem Digital - Archiv, Beethoven Haus Bonn)

Ich besitze lediglich eine Aufnahme dieser Chorfantasie, mit Alfred Brendel und Bernard Haitink und dem London Symphonie Orchestra, vom April 1977.
Gleich beim ersten mal Hören, gefiel mir dieses Werk sehr. Gehört hatte ich von diesem Werk bis Heute noch nie.

Hier die Chorfantasie mit Daniel Barenboim und den Berliner Philharmonikern, von Youtube.

Beethoven - Choral Fantasy (Part 1)
Beethoven - Choral Fantasy (Part 2)

Was könnt Ihr noch über dieses Werk erzählen?
Welche ist eure Lieblingsaufnahme?
Habt Ihr Empfehlungen?

Gruß
Daniel
nikolaus (24.01.2008, 14:41):
Selbst, wenn jetzt ein Aufschrei durch die Forumsgemeinde geht, ich besitze diese Aufnahme mit Hélène Grimaud:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028947176923.jpg

Diese CD gefällt mir als Gesamtkonzept sehr gut.
Über die Leistung der Chorsolisten bin ich mir nicht ganz sicher, aber sonst ist es eine - in meinen Ohren - ansprechende Aufnahme.
Weiter kenne ich noch diese mit Kissin (besitzte sie allerdings nicht selber):

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028943561723.jpg

Sie ist sicherlich brillanter, lebt aber meines Erachtens auch von der Gesamtkonstellation (übrigens ein tolles Sylvesterkonzert!!).

Ich höre die Chorfantasie sicher eher selten, aber ich finde sie ungemein aufbauend (wie Beethoven generell).

Gruß, Nikolaus.
HenningKolf (25.01.2008, 11:00):
Hallo Daniel, auch ich höre op. 80 recht gerne und auch meine einzige Aufnahme ist die Haitink/Brendel-Einspielung.

Da, wie Dein Avatar zeigt, Du immer mehr zum "Lennyisten" wirst, wundert es mich natürlich, dass Du die Bernstein/Serkin-Aufnahme noch nicht hast, zumal sie auf Bernds Klassik-Prisma-Seite auch ganz oben rangiert (allerdings: ich hatte mal geschaut und nur im marketplace bei amazon eine sündhaft teure Kopplung mit der missa solemnis auf der Royal-Edition Reihe gefunden)

Andererseits: Brendel, der Vielgeschmähte, spielt in meinen Ohren ganz ausgezeichnet


Gruß
Henning
Mime (25.01.2008, 12:06):
Hallo,

mir gefällt diese etwas ältere Eterna-Aufnahme recht gut:

Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-moll op. 80 (Chorfantasie)
Komponiert von Ludwig van Beethoven
mit Günter Kootz , Rundfunkchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig
Dirigiert von Franz Konwitschny

:hello
teleton (25.01.2008, 12:08):
Hallo Daniel und Henning,

wir haben gemeinsam, das wir als einzige Aufnahme der Chorfantasie Op.80 die
Brendel / Haitink (Philps) haben.
Nicht gemeinsam haben wir das wir nur diese Aufnahme kennen.
Ich habe mehrere gehört und wollte diese gehörten nie haben, weiß heute nicht mal mehr welche es waren.

Ich finde es Schade, ja verfehlt, die Chorfantasie Op.80 als ein banales Werk zu bezeichnen, wie ich es total verfehlt schon oft gelesen habe.
Musik soll doch Spaß machen und Freude bereiten. Muß eine Komposion denn immer wer weiß wie hochgestochen sein ?
Ist das nicht Beethoven´s Versuch, für den Schlußsatz der Sinfonie Nr.9 ???
Beethoven hat den Spaßfaktor mit seinem op.80 auf jeden Fall erreicht.

Ich schätze die Chorfantasie op.80 sehr.

Ich behaupte mal, das im Rahmen der Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Nr.1-5 mit Brendel / LSO / Haiting auf Philips integrierte Chorfantasie op.80 eine der schönsten und besten Aufnahmen dieses Werkes ist :
:beer Klasse ! Eine Andere brauche ich nicht !
Gerion (29.01.2008, 20:34):
Hallo zusammen,

ich kannte dieses Werk bisher überhaupt nicht. Im Chorteil dachte ich wirklich die ganze Zeit "9. Sinfonie!". Ich muss mal sehen, ob ich dazu etwas mehr herausfinden kann. Ein interessantes Werk. Ich finde allerdings, dass es sich ein wenig in die Länge zieht, das macht es m.E. nur zum "netten", nicht zum "sehr guten". Ich würde dabei nicht von "Banalität" sprechen, aber ich finde es eben etwas langatmig. Geht es Anderen auch so?
sterniwaf (02.02.2008, 14:36):
Mir nicht. Schon der Anfang ist spannend. Dramatisches Klavier, das sich in Leichtfüssigkeit zu verlieren scheint, dann wieder dramatisch wird und durch wundrbare Läufe seine Leichtigkeit zurückgewinnt. Dann scheint Beethoven sein Orchester auf den Liedteil hin "proben" zu wollen, als Gerüst immer das Klavier. An Ziel angekommen, lässt er das Orchester mit dem Schlusslied triumphieren. Da dieses "Ziel" erreicht ist, dürfen sich Orchester und Klavier austoben, miteinander spielen, gegenander, mal langsam, plötzlich wieder schnell. Er zaubert noch eine wundervolle Melodie für das Klavier, lässt sie mit trällern ausklingen, um ja das Orchester nicht zu vergessen! Das Klavier übernimmt dann die Überleitung zum Chorteil, wie es das tragende Instrument der ganzen Fantasie ist.
Hier benutzt er die Stimmen wie Instrumente. Ich achte gar nicht so sehr auf den Text, sondern berausche mich am Zusammenspiel der Solostimmen mit dem Chor und Orchester.
Besonders begeistern mich die hohen Frauenstimmen im Chor.
:times10
Amadé (02.02.2008, 15:16):
Forianer, habet acht!

Der auf dieser CD gesungene Text ist nicht der von Beethoven komponierte von Chr. Kuffner,

http://ecx.images-amazon.com/images/I/412XKJTQBZL._AA240_.jpg

sondern stammt von Johannes R. Becher, der zu Zeiten den Text der Nationalhymne der DDR verfasste. Aber auch bei Rösel/Kegel wird er gesungen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61A8J9FCR8L._SS400_.gif

Kuffners Herzensergießungen passten nicht in das ideologische Weltbild der Kulturschaffenden Ostdeutschlands. Mich stört das nicht, zumal die Aufnahme mit Peter Rösel und Herbert Kegel zu den gelungensten zählt, vor einer etwaigen Anschaffung jedoch bitte beachten.

Grüße Amadé
HenningKolf (02.02.2008, 18:31):
@Amadé

oha, danke für den Hinweis. So etwas würde mich glaube ich schon stören. Jedenfalls mehr, als wenn der eine oder andere Pianist mal irgendwo eine Wiederholung auslässt oder aber ein recht spezielles Tempo wählt. Letztgenannte Besonderheiten sind wenigstens ideologiefrei............


Gruß
Henning
Cosima (02.02.2008, 19:24):
Ich finde diese Phantasie für Klavier, Chor und Orchester seltsam. So als habe Beethoven bewusst, um mit der Tradition zu brechen, ein neuartiges Experiment gewagt, das mir aber insgesamt als Idee etwas unausgegoren erscheint.

So findet sich in meinem Besitz auch nur eine einzige Aufnahme. Jene mit Sviatoslav Richter unter Kurt Sanderling auf Melodiya. Die ist IMO aber ausgezeichnet und sowieso wegen der Beethoven-Sonaten ein „Muss“.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K8ADK34FL._AA240_.jpg

Gruß, Cosima
Amadé (02.02.2008, 20:21):
@ Cosima

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K8ADK34FL._AA240_.jpg

Hast Du die Aufnahme schon gehört? Da wird russisch gesungen, ob Kuffner oder Becher, das kann ich nicht beurteilen.

Gruß Bernd
Cosima (02.02.2008, 20:51):
Original von Amadé
Hast Du die Aufnahme schon gehört? Da wird russisch gesungen, ob Kuffner oder Becher, das kann ich nicht beurteilen.


Natürlich habe ich die Aufnahme gehört. Würde ich sie sonst empfehlen? :) Ich weiß, dass russisch gesungen wird – hätte ich vielleicht erwähnen sollen. Im Booklet wird nur allgemein auf den Kuffner-Text hingewiesen. Ob dieser tatsächlich auf der Aufnahme auch gesungen wird, vermag ich leider nicht zu sagen.

Gruß, Cosima
Cetay (inaktiv) (03.02.2008, 07:55):
Ich finde, das ist ein hochinteressantes Werk und ich würde es sicher öfters hören, wenn nur die Solisten nicht wären. Schade, dass Beethoven sich nicht entschliessen konnte, es bei einer Chorpantasie zu belassen. Der Titel des Werks ist irreführend, lediglich der rhapsodische Soloklavierteil ist eine Phantasie, die Beethoven bei der Uraufführung improvisiert haben soll. Die Niederschrift erfolgte dann später aus dem er-improvisierten Material. Wenn man sich das Ergebnis anhört, dann kann man nur in Tränen darüber ausbrechen, dass es uns nie vergönnt sein wird, Beethoven improvisieren zu hören. :I Beim zweiten Teil handelt es sich um einen konzertanten Variationensatz in den symphonische Elemente eingebaut sind.

Bei den Aufnahmen wurde noch nicht genannt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WP3PEJ19L._AA240_.jpg

Vergleichsmöglichkeiten habe ich keine, aber die Aufnahme lässt keine Wünsche offen (außer dass ich mir die Gesangssolisten wegwünsche). Mir scheint, dass Harnoncourt hier viel weniger prägnant zu Werke geht als bei seinen früheren Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien.
daniel5993 (03.02.2008, 22:02):
Abend Henning,

Ich muss gestehen, dass ich diesen thread aus den Augen verloren habe, da das 5.Klavierkonzert Beethovens mir die Sicht nahm. Daher auch erst jetzt meine Antwort.

Hallo Daniel, auch ich höre op. 80 recht gerne und auch meine einzige Aufnahme ist die Haitink/Brendel-Einspielung.
:beer


Da, wie Dein Avatar zeigt, Du immer mehr zum "Lennyisten" wirst,
Ja, so langsam bin ich aus der Böhm-Starre rausgekommen und werde mehr und mehr von Lennys hervorragender und Leidenschaftlicher Art Musik zu machen mitgerissen. Er ist einfach ECHT, . . . . und das ist bemerkenswert. ................. :J


wundert es mich natürlich, dass Du die Bernstein/Serkin-Aufnahme noch nicht hast
Wie gesagt, noch nicht lange ein "Lennyist" (wie du es zu sagen pflegst), da sind neben der Chorfantasie Aufnahme mit Serkin auch noch andere große Lücken.


zumal sie auf Bernds Klassik-Prisma-Seite auch ganz oben rangiert
Ich gestehe, bei der Chorfantasie hab ich auf Bernds Website noch nicht nachgesehen :B.


(allerdings: ich hatte mal geschaut und nur im marketplace bei amazon eine sündhaft teure Kopplung mit der missa solemnis auf der Royal-Edition Reihe gefunden)

Es besteht aber Hoffnung! Sony-Aufnahmen mit Bernstein befinden sich auf dem Weg zu einer Gesamten Neuauflage. So manche CD aus New Yorker Zeiten wurde schon (ob neu bearbeitet, weiß ich nicht), allerdings in einer Neuauflage (2007) auf den Markt gebracht und ich entdecke immer wieder neue CDs (Neu aufgelegt natürlich zu günstigem Preise).


Andererseits: Brendel, der Vielgeschmähte, spielt in meinen Ohren ganz ausgezeichnet
Darauf trink ich mit dir! :beer


Gruß
Daniel
daniel5993 (24.01.2008, 13:43):
Hallo forianer :hello

Ludwig van Beethoven - Fantasie für Klavier, Chor und Orchester (c-Moll) op. 80 (Chorfantasie)


Entstehung: 1808, Maximilian Joseph I. König von Bayern gewidmet

Beethoven schrieb die Chorphantasie op. 80 unmittelbar vor deren Uraufführung als Schluß-Stück seiner großen Akademie am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien. Die Klavierphantasie, mit der das Werk beginnt, improvisierte er im Konzert frei (das war sozusagen die Pointe des Auftritts). In dem mammutartigen Konzert wurden neben der Chorphantasie auch die 5. und 6. Symphonie uraufgeführt. Außerdem standen das 4. Klavierkonzert, die Arie "Ah perfido" op. 65 und Teile der Messe op. 86 auf dem Programm. Wahrscheinlich führte auch die erdrückende Länge des Programms dazu, dass Beethoven u.a. mit der Chorphantasie den GAU, den Albtraum eines jeden Dirigenten und Komponisten erlebte: er musste sie abbrechen und neu beginnen lassen. Einerseits war die Komposition als solche sehr "pünktlich" zum Konzert fertig geworden, so dass nicht viele Proben stattgefunden hatten. Wahrscheinlich waren wegen der knappen Zeit auch die Noten hastig und fehlerhaft geschrieben worden. Das Ergebnis im Konzert war jedenfalls, dass an einer Stelle einige Instrumente auseinandergerieten. Beethoven selbst berichtet dem Verlag Breitkopf & Härtel in Leipzig am 7. Januar 1809: "Hauptsächlich waren die Musiker aufgebracht, daß indem aus Achtlosigkeit bey der einfachsten plansten Sache von der Welt gefehlt worden war, ich plözlich stille ließ halten, und laut schrie noch einmal" (BGA 350). (J.R.) (Dieser Absatz wurde Entnommen aus dem Digital - Archiv, Beethoven Haus Bonn)

Ich besitze lediglich eine Aufnahme dieser Chorfantasie, mit Alfred Brendel und Bernard Haitink und dem London Symphonie Orchestra, vom April 1977.
Gleich beim ersten mal Hören, gefiel mir dieses Werk sehr. Gehört hatte ich von diesem Werk bis Heute noch nie.

Hier die Chorfantasie mit Daniel Barenboim und den Berliner Philharmonikern, von Youtube.

Beethoven - Choral Fantasy (Part 1)
Beethoven - Choral Fantasy (Part 2)

Was könnt Ihr noch über dieses Werk erzählen?
Welche ist eure Lieblingsaufnahme?
Habt Ihr Empfehlungen?

Gruß
Daniel
nikolaus (24.01.2008, 14:41):
Selbst, wenn jetzt ein Aufschrei durch die Forumsgemeinde geht, ich besitze diese Aufnahme mit Hélène Grimaud:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028947176923.jpg

Diese CD gefällt mir als Gesamtkonzept sehr gut.
Über die Leistung der Chorsolisten bin ich mir nicht ganz sicher, aber sonst ist es eine - in meinen Ohren - ansprechende Aufnahme.
Weiter kenne ich noch diese mit Kissin (besitzte sie allerdings nicht selber):

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028943561723.jpg

Sie ist sicherlich brillanter, lebt aber meines Erachtens auch von der Gesamtkonstellation (übrigens ein tolles Sylvesterkonzert!!).

Ich höre die Chorfantasie sicher eher selten, aber ich finde sie ungemein aufbauend (wie Beethoven generell).

Gruß, Nikolaus.
HenningKolf (25.01.2008, 11:00):
Hallo Daniel, auch ich höre op. 80 recht gerne und auch meine einzige Aufnahme ist die Haitink/Brendel-Einspielung.

Da, wie Dein Avatar zeigt, Du immer mehr zum "Lennyisten" wirst, wundert es mich natürlich, dass Du die Bernstein/Serkin-Aufnahme noch nicht hast, zumal sie auf Bernds Klassik-Prisma-Seite auch ganz oben rangiert (allerdings: ich hatte mal geschaut und nur im marketplace bei amazon eine sündhaft teure Kopplung mit der missa solemnis auf der Royal-Edition Reihe gefunden)

Andererseits: Brendel, der Vielgeschmähte, spielt in meinen Ohren ganz ausgezeichnet


Gruß
Henning
Mime (25.01.2008, 12:06):
Hallo,

mir gefällt diese etwas ältere Eterna-Aufnahme recht gut:

Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-moll op. 80 (Chorfantasie)
Komponiert von Ludwig van Beethoven
mit Günter Kootz , Rundfunkchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig
Dirigiert von Franz Konwitschny

:hello
teleton (25.01.2008, 12:08):
Hallo Daniel und Henning,

wir haben gemeinsam, das wir als einzige Aufnahme der Chorfantasie Op.80 die
Brendel / Haitink (Philps) haben.
Nicht gemeinsam haben wir das wir nur diese Aufnahme kennen.
Ich habe mehrere gehört und wollte diese gehörten nie haben, weiß heute nicht mal mehr welche es waren.

Ich finde es Schade, ja verfehlt, die Chorfantasie Op.80 als ein banales Werk zu bezeichnen, wie ich es total verfehlt schon oft gelesen habe.
Musik soll doch Spaß machen und Freude bereiten. Muß eine Komposion denn immer wer weiß wie hochgestochen sein ?
Ist das nicht Beethoven´s Versuch, für den Schlußsatz der Sinfonie Nr.9 ???
Beethoven hat den Spaßfaktor mit seinem op.80 auf jeden Fall erreicht.

Ich schätze die Chorfantasie op.80 sehr.

Ich behaupte mal, das im Rahmen der Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Nr.1-5 mit Brendel / LSO / Haiting auf Philips integrierte Chorfantasie op.80 eine der schönsten und besten Aufnahmen dieses Werkes ist :
:beer Klasse ! Eine Andere brauche ich nicht !
Gerion (29.01.2008, 20:34):
Hallo zusammen,

ich kannte dieses Werk bisher überhaupt nicht. Im Chorteil dachte ich wirklich die ganze Zeit "9. Sinfonie!". Ich muss mal sehen, ob ich dazu etwas mehr herausfinden kann. Ein interessantes Werk. Ich finde allerdings, dass es sich ein wenig in die Länge zieht, das macht es m.E. nur zum "netten", nicht zum "sehr guten". Ich würde dabei nicht von "Banalität" sprechen, aber ich finde es eben etwas langatmig. Geht es Anderen auch so?
sterniwaf (02.02.2008, 14:36):
Mir nicht. Schon der Anfang ist spannend. Dramatisches Klavier, das sich in Leichtfüssigkeit zu verlieren scheint, dann wieder dramatisch wird und durch wundrbare Läufe seine Leichtigkeit zurückgewinnt. Dann scheint Beethoven sein Orchester auf den Liedteil hin "proben" zu wollen, als Gerüst immer das Klavier. An Ziel angekommen, lässt er das Orchester mit dem Schlusslied triumphieren. Da dieses "Ziel" erreicht ist, dürfen sich Orchester und Klavier austoben, miteinander spielen, gegenander, mal langsam, plötzlich wieder schnell. Er zaubert noch eine wundervolle Melodie für das Klavier, lässt sie mit trällern ausklingen, um ja das Orchester nicht zu vergessen! Das Klavier übernimmt dann die Überleitung zum Chorteil, wie es das tragende Instrument der ganzen Fantasie ist.
Hier benutzt er die Stimmen wie Instrumente. Ich achte gar nicht so sehr auf den Text, sondern berausche mich am Zusammenspiel der Solostimmen mit dem Chor und Orchester.
Besonders begeistern mich die hohen Frauenstimmen im Chor.
:times10
Amadé (02.02.2008, 15:16):
Forianer, habet acht!

Der auf dieser CD gesungene Text ist nicht der von Beethoven komponierte von Chr. Kuffner,

http://ecx.images-amazon.com/images/I/412XKJTQBZL._AA240_.jpg

sondern stammt von Johannes R. Becher, der zu Zeiten den Text der Nationalhymne der DDR verfasste. Aber auch bei Rösel/Kegel wird er gesungen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61A8J9FCR8L._SS400_.gif

Kuffners Herzensergießungen passten nicht in das ideologische Weltbild der Kulturschaffenden Ostdeutschlands. Mich stört das nicht, zumal die Aufnahme mit Peter Rösel und Herbert Kegel zu den gelungensten zählt, vor einer etwaigen Anschaffung jedoch bitte beachten.

Grüße Amadé
HenningKolf (02.02.2008, 18:31):
@Amadé

oha, danke für den Hinweis. So etwas würde mich glaube ich schon stören. Jedenfalls mehr, als wenn der eine oder andere Pianist mal irgendwo eine Wiederholung auslässt oder aber ein recht spezielles Tempo wählt. Letztgenannte Besonderheiten sind wenigstens ideologiefrei............


Gruß
Henning
Cosima (02.02.2008, 19:24):
Ich finde diese Phantasie für Klavier, Chor und Orchester seltsam. So als habe Beethoven bewusst, um mit der Tradition zu brechen, ein neuartiges Experiment gewagt, das mir aber insgesamt als Idee etwas unausgegoren erscheint.

So findet sich in meinem Besitz auch nur eine einzige Aufnahme. Jene mit Sviatoslav Richter unter Kurt Sanderling auf Melodiya. Die ist IMO aber ausgezeichnet und sowieso wegen der Beethoven-Sonaten ein „Muss“.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K8ADK34FL._AA240_.jpg

Gruß, Cosima
Amadé (02.02.2008, 20:21):
@ Cosima

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K8ADK34FL._AA240_.jpg

Hast Du die Aufnahme schon gehört? Da wird russisch gesungen, ob Kuffner oder Becher, das kann ich nicht beurteilen.

Gruß Bernd
Cosima (02.02.2008, 20:51):
Original von Amadé
Hast Du die Aufnahme schon gehört? Da wird russisch gesungen, ob Kuffner oder Becher, das kann ich nicht beurteilen.


Natürlich habe ich die Aufnahme gehört. Würde ich sie sonst empfehlen? :) Ich weiß, dass russisch gesungen wird – hätte ich vielleicht erwähnen sollen. Im Booklet wird nur allgemein auf den Kuffner-Text hingewiesen. Ob dieser tatsächlich auf der Aufnahme auch gesungen wird, vermag ich leider nicht zu sagen.

Gruß, Cosima
Cetay (inaktiv) (03.02.2008, 07:55):
Ich finde, das ist ein hochinteressantes Werk und ich würde es sicher öfters hören, wenn nur die Solisten nicht wären. Schade, dass Beethoven sich nicht entschliessen konnte, es bei einer Chorpantasie zu belassen. Der Titel des Werks ist irreführend, lediglich der rhapsodische Soloklavierteil ist eine Phantasie, die Beethoven bei der Uraufführung improvisiert haben soll. Die Niederschrift erfolgte dann später aus dem er-improvisierten Material. Wenn man sich das Ergebnis anhört, dann kann man nur in Tränen darüber ausbrechen, dass es uns nie vergönnt sein wird, Beethoven improvisieren zu hören. :I Beim zweiten Teil handelt es sich um einen konzertanten Variationensatz in den symphonische Elemente eingebaut sind.

Bei den Aufnahmen wurde noch nicht genannt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WP3PEJ19L._AA240_.jpg

Vergleichsmöglichkeiten habe ich keine, aber die Aufnahme lässt keine Wünsche offen (außer dass ich mir die Gesangssolisten wegwünsche). Mir scheint, dass Harnoncourt hier viel weniger prägnant zu Werke geht als bei seinen früheren Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien.
daniel5993 (03.02.2008, 22:02):
Abend Henning,

Ich muss gestehen, dass ich diesen thread aus den Augen verloren habe, da das 5.Klavierkonzert Beethovens mir die Sicht nahm. Daher auch erst jetzt meine Antwort.

Hallo Daniel, auch ich höre op. 80 recht gerne und auch meine einzige Aufnahme ist die Haitink/Brendel-Einspielung.
:beer


Da, wie Dein Avatar zeigt, Du immer mehr zum "Lennyisten" wirst,
Ja, so langsam bin ich aus der Böhm-Starre rausgekommen und werde mehr und mehr von Lennys hervorragender und Leidenschaftlicher Art Musik zu machen mitgerissen. Er ist einfach ECHT, . . . . und das ist bemerkenswert. ................. :J


wundert es mich natürlich, dass Du die Bernstein/Serkin-Aufnahme noch nicht hast
Wie gesagt, noch nicht lange ein "Lennyist" (wie du es zu sagen pflegst), da sind neben der Chorfantasie Aufnahme mit Serkin auch noch andere große Lücken.


zumal sie auf Bernds Klassik-Prisma-Seite auch ganz oben rangiert
Ich gestehe, bei der Chorfantasie hab ich auf Bernds Website noch nicht nachgesehen :B.


(allerdings: ich hatte mal geschaut und nur im marketplace bei amazon eine sündhaft teure Kopplung mit der missa solemnis auf der Royal-Edition Reihe gefunden)

Es besteht aber Hoffnung! Sony-Aufnahmen mit Bernstein befinden sich auf dem Weg zu einer Gesamten Neuauflage. So manche CD aus New Yorker Zeiten wurde schon (ob neu bearbeitet, weiß ich nicht), allerdings in einer Neuauflage (2007) auf den Markt gebracht und ich entdecke immer wieder neue CDs (Neu aufgelegt natürlich zu günstigem Preise).


Andererseits: Brendel, der Vielgeschmähte, spielt in meinen Ohren ganz ausgezeichnet
Darauf trink ich mit dir! :beer


Gruß
Daniel
nikolaus (05.04.2016, 21:57):
Hier gibt es einen Mitschnitt vom letzten Jahr:

Seji Ozawa dirigiert anlässlich seines 80. Geburtstages die Chorfantasie mit dem NHK Symphony Orchestra.
Solisten sind neben Martha Argerich u.a. Mathias Goerne und Nathalie Stutzmann.

Ich muss gestehen, das geht mir richtig zu Herzen, ich bekomme feuchte Augen...

Nikolaus :engel
Falstaff (14.09.2017, 23:38):
Ein Werk, dass ich sehr früh kennengelernt habe und zwar in dieser Interpretation:



Und seit der Zeit ist sie für mich einfach mit Barenboim verbunden. Andere Versionen, z.B. Kissin oder auch Jochum mit seiner Tochter live in Hamburg haben mich nie so begeistern können. Einzig noch die Aufnahme:



Halt wieder Barenboim. Aber letztlich fehlt mir hier die wuchtige Monumentalität des alten Klemperer.

Die Chorfantasie war für mich nie banal oder 'nur' die kleine Schwester der 9. Sinfonie. Ich liebe dieses Zusammenspiel von Klavier und Orchester mit all diesen Schattierungen, die langsame Einführung des Schlussteils durch die einzelnen Orchesterstimmen (klar winkt da schon die 9.), dieses Thema überhaupt und dann die gewaltige Zusammenführung von Klavier, Chor und Orchester.

:hello Falstaff