im März 2008 hatte ich im Thread zur Sinfonia da Requiem geschrieben: Die Abb. der Decca-7CD-Box enthält zudem jede Menge Anregungen für neue Britten-Threads.
Da sich seit diesem Zeitpunkt in Sachen Britten wenig in diesem Forum getan hat möchte ich dieses Thema unbedingt neu ergreigfen und zudem auf eine Naxos-Neuerwerbung aufmerksam machen. :hello Welchen Stellenwert hat Britten für Euch ?
Leider habe ich auch erst einen kurzen Beitrag zu Britten hier zu verzeichnen, obwohl Brittens Orchesterwerke zu meinen Lieblingen des 20.Jahrhunderts zählen.
Allen voran die Sinfonia da Requiem, op.20, die ich aufs höchste schätze. Von der Aussagekraft, vom Gehalt her und meiner Wertschätzung sehe ich parallelen bei den Werken Honegger-Sinfonie Nr.3, Copland-Orgelsinfonie, Hindemith-Mathis der Maler; Sinfonie in ES und Bartok: KFO.
Das die Aufnahme mit Britten/LSO (Decca) zu den Besten gehört, weil der Komponist selber agiert ist fast logisch. Meine erste Aufnahme auf LP war Previn/St.Louis SO (SONY), die mich wegen des Werkes begeisterte. Diese Aufnahme habe ich mit den fabelhaften Diversion für Klavier und Orchester (Fleisher) auch wieder auf CD (SONY). Previn ist aber im Vergleich zu Britten zu lasch in seiner Auffassung des Werkes und kann getrost ungehört bleiben.
:engel Die fabelhaften Britten-Werke unter Benjamin Brittens Stabführung finden sich in dieser 7CCD-Box, sind aber auch als Einzel-CD zu haben (da hatte ich vorher schon einige CD´s - die Decca Box war dann billiger, als weiter Einzel-CD´s zu erwerben):
Ganz daneben empfinde ich die Purcel-Variationen in der Aufnahme mit Andrew Davis/LSO auf der SONY-CD mit den Diversions (Fleisher/Ozawa) und Sinfonia dR (Previn). Selten so langweilig wie unter A.Davis gehört. Die CD ist somit nur noch wegen den Diversions interessant.
Als weiteres bekanntes und oft gehört und gespieltes Werk ist der Orchesterführer für junge Leute - Variationen und Fuge über ein Thema von Purcel op.34. Hier ist die Britten-Decca-Aufnahme natürlich auch eine der Besten. :engel Aber auf sämtliches was Leonard Bernstein mit Britten vorgelegt hat möchte ich unbedingt hinweisen, denn diese gehören zu meinen Favoriten. Denn Bernstein kann sich als Komponist besser in das Werk hineinversetzen als jeder andere Dirigent - zum Beispiel auf dieser fabelhaften SONY-CD mit 4 großen und hochgeschätzten Orchesterwerken:
- ich stelle derzeit immer häufiger fest, das die Sony-Bernstein-Edelsteine THE ROYAL EDITION immer seltener auf den Internet-CD-Plattformen zu finden sind - bei amazon ohne Bild - Wohl dem der sie hat ! Purcel-Variationen op.34 Vier Seebilder und Passsacaglia op 33 a+b Suite über englische Volksthemen op.90 New Yorker PH/Bernstein SONY, 1961, 1973,1976, ADD
:engel Nun habe ich eine NAXOS-Britten-CD bekommen, die auch eine ganz große Empfehlung wert ist. Anders als Bernstein, der mit den New Yorker PH einen imposanten großsymphonischen Ton anschlägt ist Myer Fredmann hier auf Durchhörbarkeit bedacht, ohne die emotionale Seite im geringsten zu vernachlässigen. Das New Zealand SO ist zwar kein New Yorker PH-Orchestra, aber die Aufnahme kann sich unbedingt hören lassen.
Bei den Seebildern und Passacaglia herrscht zu Beginn ein wesentlich verhaltenener Ton vor (als bei Britten und Bernstein) der sich aber im Verlauf steigert um dann mit Kontrastwirkung eine unbändige Schlagzeugbatterie präzise, prägnant und trotzdem überbordend ihren Lauf zu lassen - kurzum - höchst beeindruckend.
Bei der Sinfonia da Requiem wird gleich zu Beginn klar, wo der Hammer hängt und das dramatisches zu erwarten sein wird. Auch hier höchste Durchhörbarkeit der Strukturen und kontrastreiches Auftrumpfen der Schlagzeugbatterie in bei dem Werk nie gehörten Stärkegraden. Fesselnde Interpretation, die Brittens eigener von der Ausdruckskraft her kaum nachsteht, aber durch die Klangwirkung noch mehr "umhaut". Schade das auch Bernstein gerade dieses Werk nicht vorgelegt hat.
Die American Ouvertüre habe ich bisher als nicht so umwerfend in Erinnerung, doch auf dieser CD ist sie ein willkommener "Filler", der mir noch auf CD fehlte und zudem hier erstmals auch aufhorchen läßt.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0730099410724.jpg New Zealand SO, Myer Fredmann NAXOS, 1994, DDD
Dr. Schön (17.09.2008, 13:22): Interessante Übersicht. Von Brittens Orchesterwerken kenne ich bislang leider gar nichts. Obwohl ich Britten aus Interpreten (z.B. bei Schubert) sehr mag und seine Opern "Turn of the Screw" und "Billy Budd" einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben, steht die große Auseinandersetzung mit diesem Komponisten bei mir bisher noch aus.
Anregungen und Tips werde ich also mit Interesse lesen.
Dr. Schön
Rachmaninov (17.09.2008, 19:49): @teleton,
bei mir ist es ähnlich wie bei Herrn aus der Kaiserstadt. Ich habe mich bisher kaum mit Britten beschäftigt.
Eben hörte ich sein Klavierkonzert mit Andsnes. Interessant, aber mich nicht so direkt fasziniert. Aber kann ja immer noch irgendwann passieren :engel
teleton (18.09.2008, 12:11): Hallo Rachmaninov und Dr.- Schön,
nicht zu glauben. Ihr hört Aho, Eshpai und die ganzen Modernen, aber die Grundstöcke der modernen Klassik aus dem 20.Jahrhundert bleiben unbekannt.
Ich empfehle Euch als Britten-Einstieg die Werke Orchesterführer für junge Leute - Variationen und Fuge über ein Thema von Purcel op.34. Ein Werk das Bernstein schon in den 60ern bei seinen Schülerkonzerten im TV vorstellte und von dem er eine der besten existierenden Aufnahmen auf CD vorlegte.
Dann unbedingt die Sinfonia da Requiem . Eines der tiefgehensten und packensten Werrke des 20.Jahrhundrts, das sich in die Reihe der großen Meisterwerke aus dieser Zeit einreihen kann. Es berührt und begeistert zugleich.
Sehr schön und fantastisch auch die 4Seebilder und Passacaglia op.33. Das sind zwar zwei Werke die aber zusammengehören, wie Ost und West.
Dr. Schön (18.09.2008, 12:17): Lieber teleton,
meine große Auseinandersetzung mit Aho und Eshpai steht wohl auch noch aus :A
Dr. Schön
Rachmaninov (18.09.2008, 13:23): Original von teleton Hallo Rachmaninov und Dr.- Schön,
nicht zu glauben. Ihr hört Aho, Eshpai und die ganzen Modernen, aber die Grundstöcke der modernen Klassik aus dem 20.Jahrhundert bleiben unbekannt.
D.h. Du siehst Britten als Grundstock für die von mir gehörten? Ich sehe den "Grundstock" von Aho eher in Sibelius und Rautavaara.
Den Grundstock von Eshpai in einer russische Musikkultur, die wohl viel weiter zeitlich zurückreicht als zu B. Britten.
Mein Schwerpunkt liegt derzeit in der osteuropäischen Musik und der skandinavischen. Und England ist dann doch nicht so zeitnah von Wikingern regelmäßig überfallen worden, dass dies noch musikalische Einflüsse hätte, wenn überhaupt.
Aber im Ernst, bei mir ist derzeit (noch) keine Britten Zeit :engel
Jürgen (18.09.2008, 16:34): Ja der Britten ist bei mir auch noch unterrepräsentiert.
Ich habe lediglich: Serenade for Tenor, Horn and Strings, Giulini 1979 DGG Höre ich gerade, garnicht schlecht.
Und ausserdem: Simple Symphony, Baroque Strings Zürich 1977
Zuguterletzt kenne ich noch einen kurzen Ausschnitt aus dem Orchesterführer für junge Leute, der bei Live-Auftritten der Rockgruppe: "Anderson, Bruford, Wakeman & Howe" , die sich aus rechtlichen Gründen nicht "YES" nennen durften, es aber waren, als Intro verwendet wurde. http://ecx.images-amazon.com/images/I/51JM6CA2V7L._SL500_AA240_.jpg
Dies war ein Ausschnitt, der zumindest mein Interesse geweckt hatte. Bislang reichte es jedoch nicht zum Kauf.
Grüße Jürgen
EinTon (18.09.2008, 18:32): Wenn ich mal (trotz Threadtitel) ein Chorwerk (aber mit nicht zu kurz kommenden Orchester) ins Spiel bringen darf, möchte ich gern die "Ballad of heroes" von 1939 erwähnen, eine Kantate zur Ehrung von britischen Kriegsfreiwilligen (?) im spanischen Bürgerkrieg, mit Texten von W. H. Auden und Randall Swingler.
Kennengelernt habe ich das Werk als Sänger in einem Pariser Studentenchor, und es hat mich damals außerordentlich beeindruckt. Aufgebaut ist es ähnlich wie die spätere (und bekanntere) Sinfonia da Requiem, gefällt mir aber noch deutlich besser als letztere.
Eine gute Aufnahme findet sich auf folgender Doppel-CD, ansonsten sind primär reine Orchesterwerke drauf:
Ich höre Britten sicherlich häufiger als Aho, Rautavaara und Eschpai, um auf Deine Bemerkung einzugehen - wobei ich durchaus nachvollziehen kann, dass man die drei Genannten sehr schätzt und sich mit Ihnen beschäftigt und mit Britten nicht, weil Britten durchaus eigenständig und keinem der drei anderen musikalisch besonders nahestehend ist, wie ich finde.
Auch wenn ich besonders die Vokal-/Chorwerke und Opern (Peter Grimes, War Requiem, Ballad of Heroes etc.) schätze, finden sich auch in den sinfonischen- weniger in den konzertanten - Orchesterwerken ohne Vokalisten/Vokalensemble (ich nehme mal an, diese sind gemeint, die Ballad of Heroes oder die Spring Symphony könnte man sonst ja sicherlich auch hier mit besprechen) Werke, die ich sehr gerne höre.
Natürlich ist zu nennen die Sinfonia da Requiem, die ich unter Britten selbst und unter Hickox habe, wobei ich bzgl. der Einspielung unter Britten keinen frischen Höreindruck parat habe. Ich meine mich zu erinnern, dass die Einspielung unter der Leitung des Komponisten etwas emotionaler, die unter Hickox etwas nüchterner daherkommt, die Hickox-Aufnahme aber den besseren Klang beanspruchen kann - ich kann mich da aus der Erinnerung heraus aber durchaus täuschen.
Sehr mag ich auch die Variations on a theme by Frank Bridge op.10, hier habe ich folgende Einspielung
Die Seebilder und die Passacaglia habe ich nicht, soweit ich weiss handelt es sich dabei um Auszüge aus Peter Grimes (es entzieht sich meiner Kenntnis ob hier noch groß umgearbeitet wurde, in der Oper gibt es allerdings wohl sechs "interludes", nicht bloß vier)
Die Simple Symphony op. 4 ist wohl ebenfalls als bedeutendes Orchesterwerk des Komponisten zu nennen, ich kenne sie aber - glaube ich - ebenso wie das Violinkonzert nicht.
Was Brittens Klavierkonzert betrifft, hatte ich mal online in eine Einspielung mit Gothoni, Orchester weiss ich nicht mehr, hineingehört. Die Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen, schwer zu sagen, ob mir die Komposition nicht zugesagt hat oder es an der Interpretation lag.
Gruß Henning
teleton (03.10.2008, 19:48): Hallo Henning und alle Britten - Fans,
schön, dass auch Du Dich mit Britten beschäftigst und einige wichtigen sinfonischen Werke von ihm kennst.
Die Sinfonia da Requiem muß emotional interpretiert werden. Wenn Hickox nüchterner ist, dann sollte diese Aufnahme nicht die Empfehlung sein. Nüchterner und weniger packend ist auch meine Erstaufnahme mit Previn, die mich aber wegen des Werkes schon gepackt hatte. Britten ist dagegen wirklich fabelhaft und bringt sein Werk hochemotional, wie es sein soll und wie es sein muß. Wenn es noch Überrumpelnder sien soll, dann Bernstein´s CBS-Aufnahme (SONY), die Bernstein in Britten hineinschlüpfend zeigt. Es ist immer wieder wunderbar anzuhören, wie Bernstein es versteht sich in andere Komponisten hineinzuversetzen, als wäre er es selber.
Auch die Aufnahme der Cellosymphony (Decca), die von Dir gezeigt wird habe ich auch. Sie ist aber auch in der von mir genannten Britten-Decca-7CD-Box enthalten. Das Werk ist unter Beratung für das Soloinstrument mit seinerm Freund Rostropowitschentstanden. Ich könnte mir schon daher keinen besseren Solisten vorstellen
die Aufnahme ist genial gut und packend.
Die Variations on a theme by Frank Bridge op.10 sind auch nett anzuhören, haben aber nicht den eindrucksvollen Überrumpelungseffekt. Hier ist die Aufnahme unter Britten natürlich gut, aber andere auch nicht viel schlechter, weil man hier nicht so viel falsch machen kann.
Auf das Klavierkonzert möchte ich aber unbedingt aufmerksam machen. Denn wenn man die ansprechende Aufnahme mit dem großen Svjatoslav Richter/Britten (Decca) hört, dann muß einen dieses Werk packen. Aber es gibt eine weitere sehr gute Aufnahme mit MacGregor/ Bedford (Naxos), die bei Britten-Kennern sogar noch beliebter ist. Naxos hat diese Aufnahme vom englischen Label COLLINS übernommen (in dieser Collins-Ausgabe habe ich die CD). Ich denke klar, dass Deine erste eingeschränkte Begeisterung nur an der von Dir erwähnten unbekannten Aufnahme liegen kann. Übrigens kann man die Hör-Empfehlung auch für Brittens Violinkonzert aussprechen, das sich auf der gleichen CD befindet. Darauf gehe ich aber demnächst näher ein.
D.h. Du siehst Britten als Grundstock für die von mir gehörten? NEIN, ganz und gar nicht, denn diese Komponisten haben wenig mit Britten gemein und Britten hatte auch keine unmittelbare Vorbildfunktion für die von Dir genannten.
Ich meine es so wie ich es geschrieben habe: Ich sehe Britten als wichtigen Komponisten des 20.Jahrhunderts und damit als einen Grundstock für Klassik-Musikhörer, die sich für Musik des 20.Jhd. interessieren. Wenn Britten unbekannt bleibt, dann fehlt ewas elementares. :times10 Übrigens - sinfonische Werke von Schostakowitsch würden um einiges anders ausgefallen sein, wenn Schostakowitsch Britten nicht gekannt hätte. Und das beruht auf Gegenseitigkeit
beide haben sich positiv gegenseitig beeinflußt.
nikolaus (06.02.2013, 21:50): Ich hole mal den thread aus gegebenem Anlass hervor.
Benjamin Britten ist einer der vielen Jubilare dieses Jahr, er würde 100 Jahre alt.
Er wird wahrscheinlich neben den Giganten Verdi und Wagner ein wenig untergehen, und das ist doch sehr schade.
Zugegeben, ich höre ihn recht selten, aber wenn, dann packt er mich. So geschehen heute: im Radio hörte ich eben das Ende seines Klavierkonzertes (mir bisher leider unbekannt): sehr spannend und mitreissend.
Hier wurde besonders Svjatoslav Richter empfohlen; kennt jemand auch neuere Aufnahmen, die empfehlenswert sind?
Nikolaus :thanks
teleton (10.03.2013, 12:34): Original von nikolaus
Hier wurde besonders Svjatoslav Richter empfohlen; kennt jemand auch neuere Aufnahmen, die empfehlenswert sind?
Hallo Nicolaus,
ich hatte zwei Beiträge höher die auch nicht gerade alte Digital-Aufnahme des Klavierkonzertes mit MacGregor / Bedford (NAXOS, 1990, DDD) erwähnt. Die gefällt mir mindestens genau so gut wie die Richter/Britten-Aufnahme (Decca). Meine Angabe 2005 in dem Beitrag bezieht sich auf den Zeitpunkt der NAXOS-Übernahme (Datum hatte ich von amazon übernommen). Wie ich gerde sehe stammt die Aufnahme aber von 1990.
*** Die Aufnahme ist eine NAXOS-Übernahme vom Label COLLINS. Diese Original-CD habe ich und die ist noch interessanter als die Naxos-Kopllung, da mit Brittens VC gekoppelt: