Guenther (24.07.2018, 18:07):
Nachdem mein letzter Besuch in Salzburg nun schon etliche Jahre her war, beschlossen meine Frau und ich, in diesem Jahr einmal Urlaub im Salzkammergut zu machen. Gesagt getan, so verbrachten wir die letzte Woche dort.
Neben Badespaß im Wallersee standen auch Wanderungen in der Umgebung sowie natürlich Besuche in Salzburg auf dem Programm.
Derzeit ist in Salzburg alles auf die Festspiele eingestellt, am Sonntag abend ging es offiziell los mit dem Schauspiel "Jedermann", heuer mit Tobias Moretti in der Hauptrolle. Leider waren wir da aber bereits wieder zu Hause.
Am Samstag abend jedoch hatten wir zum Abschluß der Ferienwoche ein "Festungskonzert mit Dinner" gebucht. Auf dem (musik.) Programm standen verschiedene Werke:
Mendelssohn-Bartholdy: Sinfonie Nr. 7
Haydn: Klavierkonzert D-Dur
Vivaldi: Sommer-Violinkonzert
Mozart: Divertimento KV. 138
J. Strauss: Kaiserwalzer
J. Strauss: Leichtes Blut Polka
Es spielte das "MOZART KAMMERORCHESTER SALZBURG". Das Kammer-Ensemble bestand aus 3 ersten sowie 2 zweiten Violinen, Viola, Cello und Kontrabaß. Für das Klavierkonzert kam dann natürlich noch eine Pianistin hinzu.
Nach dem ausgewogenen Dinner mit drei Gängen mußten wir zunächst noch drei Etagen hinaufsteigen, bis wir im relativ kleinen Saal ankamen, der aber super gemütlich war und genau passend für das Szenario. Holzvertäfelungen an den Wänden, große gewundene Säulen, eine Decke, die Schallschlucker gekonnt als Verzierungen aussehen ließ, sorgten für eine gewisse Heimeligkeit und angenehme Atmosphäre.
Allerdings war es sehr sehr heiß, der kühlende Regen kam erst später. :)
Das Kammerorchester hat uns sehr gut gefallen, die anfänglichen kleinen Intonations-Unsauberkeiten verzeihen wir gern, denn auch für die Musiker muß die Hitze sehr belastend gewesen sein.
Hier ein Foto des Ensembles:
https://www.holidaycheck.de/m/mozart-kammerorchester-salzburger-festungskonzerte/c9dc34fa-1dc5-3d9c-bb80-514b5d20e53f
Hervorragend der Geiger des ersten Pultes (auf dem Foto der 3. v. links), der bei Vivaldi den Solopart mit großer Virtuosität und Musikalität spielte.
Auffällig auch der Cellist, der mit Verve und Hingabe die Saiten "bearbeitete" (ja, mir fällt kein besseres Wort ein, bisweilen "knallte" der Bogen regelrecht auf die Saiten, ich fand's aber dennoch gut, weil leidenschaftlich).
Die Viola (gespielt von der Blonden vorn auf dem Foto) war zwischendrin immer wieder sehr gut zu hören und überraschte mich mit ihrem sehr angenehmen und warmem Klang.
Tja, der "Reinfall" war dann leider die (meiner bescheidenen Meinung nach) Verunstaltung des Haydn-KK in D-Dur. Ich habe dieses KK vor etlichen Jahren selbst gespielt und mich auf diese Aufführung daher auch sehr gefreut. Allerdings haben meine Frau und ich es kaum wiedererkannt... :)
Als Flügel stand ein nicht mehr ganz neuer Bösendorfer (Stutz?)Flügel zur Verfügung, der einen hellen und durchdringenden Ton hervorbrachte, jedenfalls nachdem die Pianistin ihn dementsprechend malträtiert hatte. Ihr Anschlag kam mir immer so vor, als würde sie ich selbst nicht hören und würde sich "nach vorn drängen" wollen. Zusätzlich pedalisierte sie alle Läufe so lange weg, bis man nur noch einen "Klangteppich" hören konnte.
Das Sahnehäubchen ihres Spiels waren aber die dauernden Temposchwankungen, insbesondere im zweiten und dritten Satz. Offenbar hatte sie nach dem Konzert noch einen dringenden Termin, denn sie versuchte ständig, dem Orchester "wegzulaufen" und schneller anzukommen... Offenbar war sie mit dem Tempo des Orchesters unzufrieden und "stachelte" es immer wieder zur Tempoerhöhung an. Natürlich gehen auf dem "Bösi" ab einem gewissen Tempo die Läufe nicht mehr kristallklar, daher wohl das Pedal. Für Liebhaber von "Klangbrei" sicher erste Wahl. Für unsere Ohren ein grausame Zumutung.
Der zweite Satz ist mit "Poco Adagio" überschrieben, was aber offensichtlich nicht zu den Terminvorgaben der Pianistin zu passen schien: Ein Allegretto-Tempo mit "Durchrasen" war angesagt, nur bisweilen unterbrochen durch plötzliche und unmotivierte Rubati.
Das dritte Satz war dann eine einzige Temposchwankung, mal ging es "holla, die Waldfee" ab, dann wieder wurde zurückgenommen. Wo das wohl aus den Noten ersichtlich sein mag? Ich weiß es nicht.
Eine Referenzaufnahme für dieses KK ist für mich die Gilels-Aufnahme, zwar nun schon in die Jahre gekommen, dennoch für mich DIE Referenz. Warum man heutzutage dieses doch relativ einfache Stück so dermaßen "romantisieren" muß, erschließt sich mir nicht.
Der Rest des Konzerts war dann aber wieder genußreich. Nach der Pause waren alle Intonationen sehr sauber, und der Klang des Ensembles füllte den relativ kleinen Saal sehr gut.
Hier ein älteres Youtube-Video, damit man sich eine Vorstellung der "location" machen kann:
https://www.youtube.com/watch?v=Y1yD5mINZ2Y
Tja, wer Lust hat, einmal über den Dächern von Salzburg bei hervorragendem Ausblick zu dinieren und anschließend bei Kammermusik zu entspannen, dem sei der Besuch dieser Konzerte empfohlen.