Ich habe heute meine Martinu-Bestände durchgehört. Das ging recht schnell, da ich lediglich Interpretationen seiner 5. und 6. Symphonie und der 1. Klaviersonate im Regal habe.
Die Symphonien werden dirigiert von Rozhdestvensky (Revelation). Wirklich bewusst habe ich die Aufnahme heute zum ersten Mal gehört. Die 6. Symphonie („Symphonische Phantasien“) gefiel mir recht gut, vor allem wegen ihres gespenstischen Charakters, der entfernt an Berlioz’ Symphonie fantastique erinnert. Ansonsten wüsste ich nicht, mit welchem Komponisten Martinu vergleichbar wäre – eigentümlich erscheint mir sein Schwanken zwischen introvertierten Abschnitten und pompösen Ausbrüchen, zwischen düster und hell.
Die Klaviersonate wird interpretiert von Josef Bulva (Mediaphon), dessen kühles, trockenes Klavierspiel dem Werk m.E. gut bekommt. Vor allem der Anfang des 2. Satzes beeindruckt mich, wenngleich ich die Sonate insgesamt für nicht besonders aufregend halte.
Was sollte man von Martinu unbedingt gehört haben?
Danke und Gruß, Cosima
Zelenka (31.08.2007, 16:35): Liebe Cosima:
Meine Martinu-Bestände und –kenntnisse sind eher so etwas wie ein Offenbarungseid: Nichts von seiner Orchestermusik etwa ist planmäßig in meine Sammlung gekommen, allesamt waren es Beigaben zu anderem, das mir wichtiger war. Mittlerweile habe ich mich ein wenig mit dem Klavierkonzert angefreundet, auch mit der 5. Symphonie. (Die 4. ist 1948 aufgenommen worden, das Hörvergnügen ist nicht eben groß.) Ein Mischmasch von Stilen, Einflüssen und Einfällen, der mir noch oft reichlich unstrukturiert erscheint. Die gilt auch auch für die Musik in kleineren Besetzungen, die ich noch am häufigsten höre. Die Klaviermusik, die ich von Martinu besitze, besteht aus vergeßbaren, wenn auch schön gespielten, Petitessen.
3 Tschechische Tänze (Tri ceske tance) (1926), 7 Tschechische Tänze (Borová) (1929-30), 4 Sätze (Quatre mouvements) (1929), Esquisses (Skici) (1931), Esquisses (Hry), Les Ritournelles (Ritornely) (1933), Fenêtre sur le jardin (Okna do zahrady) (1938) Kvapil Regis RRC1222
"Was sollte man von Martinu unbedingt gehört haben?", hast Du gefragt. Ich schließe mich der Frage an ...
Gruß, Zelenka
ab (01.09.2007, 21:49): Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Zelenka (02.09.2007, 07:19): Original von ab Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Lieber ab:
Danke für den Hinweis! Hättest Du auch eine CD-Empfehlung parat?
Gruß, Zelenka
Cosima (02.09.2007, 09:27): Hallo allerseits,
ich fürchte, die Streichquartette interessieren mich weniger in diesem Falle, aber in das Doppelkonzert für 2 Streichorchester, Klavier und Pauken (1938, H 271) habe ich eben mal reingehört.
K. Bennert im Musikmarkt 8 / 92: "Mit dem Doppelkonzert für Streicher, Klavier und Pauken dürften selbst konservative Kunden schlagartig für Martinu zu gewinnen sein. Denn diese Mischung aus mitreißender Motorik und ernstem Klagepathos erschließt sich auch dem nicht an der Moderne geschulten Hörer ganz unmittelbar."
Ich bin wohl auch so ein „konservativer Kunde“ und die „mitreißende Motorik“ wäre auch etwas für mich.
Gibt es hier eine Empfehlung?
Danke und Gruß, Cosima
Zelenka (02.09.2007, 10:07): Original von Cosima Hallo allerseits,
ich fürchte, die Streichquartette interessieren mich weniger in diesem Falle, aber in das Doppelkonzert für 2 Streichorchester, Klavier und Pauken (1938, H 271) habe ich eben mal reingehört.
K. Bennert im Musikmarkt 8 / 92: "Mit dem Doppelkonzert für Streicher, Klavier und Pauken dürften selbst konservative Kunden schlagartig für Martinu zu gewinnen sein. Denn diese Mischung aus mitreißender Motorik und ernstem Klagepathos erschließt sich auch dem nicht an der Moderne geschulten Hörer ganz unmittelbar."
Ich bin wohl auch so ein „konservativer Kunde“ und die „mitreißende Motorik“ wäre auch etwas für mich.
Gibt es hier eine Empfehlung?
Danke und Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Vielleicht ist die Aufnahme mit Deinem derzeitigen Lieblingsorchester, der Tschechischen Philharmonie unter Belohlávek, etwas:
Cosima (02.09.2007, 10:16): Ach! Danke Dir, Zelenka! Ja, das wäre vielleicht etwas für mich. Ich habe gerade auf der classicstoday-Seite nachgeschaut. Leider wird genau diese Aufnahme nicht rezensiert, aber die anderen beiden Martinu-Aufnahmen mit diesem Dirigenten und Orchester haben Höchstnoten erhalten. – Ich sehe auch gerade, dass es unter Belohlávek richtig viel von Martinu gibt. Interessant!
Gruß, Cosima
Zelenka (02.09.2007, 10:20): Original von Cosima Ach! Danke Dir, Zelenka! Ja, das wäre vielleicht etwas für mich. Ich habe gerade auf der classicstoday-Seite nachgeschaut. Leider wird genau diese Aufnahme nicht rezensiert, aber die anderen beiden Martinu-Aufnahmen mit diesem Dirigenten und Orchester haben Höchstnoten erhalten. – Ich sehe auch gerade, dass es unter Belohlávek richtig viel von Martinu gibt. Interessant!
Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Die CD wird im Penguin Guide in den höchsten Tönen gelobt!
Gruß, Zelenka
ab (06.09.2007, 22:17): Original von Zelenka Original von ab Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Lieber ab:
Danke für den Hinweis! Hättest Du auch eine CD-Empfehlung parat?
Gruß, Zelenka
Leider nicht wirklich. Ich höre sehr gerne das Sedlacek Quartet mit dem Streichquartett Nr. 6, von einer CD des Labels Panton noch aus der Czecheslovakei 1992. (auch den Jnancek (Nr. 2), Teml und Lukas höre ich darauf trotz der hörbar wenig kostbaren Instrumente sehr gerne.)
Abraten muss dringend ich vom Stamitz-Quartett (Bayer und inzwischen Brilliant). Auch die Naxos-Aufnahme mit dem Martinu Quartet konnte mich nicht recht überzeugen mit der böhmischen Romantik.
Kurz hörte ich auch in die Praga-Aufnahme des Kocian Quartets hinein: es war leider zu kurz um definitiv etwas sagen zu können, sprach mich aber nicht unmittelbar an
Inzwischen gibts eine GA mit 3 CDs bei Supraphon mit dem Panocha Quartet, die kenne ich leider genauso wenig wie die CD bei BIS vom Emperor String Quartet, das eher modern interpretieren soll.
Ich sollte das wieder einmal mehr verfolgen, die letzte Zeit war ich sehr auf Klaviermusik konzentriert. Auch von Max Reger habe ich schon lang kein Streichquartett mehr gehört!
Zelenka (07.09.2007, 14:49): Original von ab Original von Zelenka Original von ab Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Lieber ab:
Danke für den Hinweis! Hättest Du auch eine CD-Empfehlung parat?
Gruß, Zelenka
Leider nicht wirklich. Ich höre sehr gerne das Sedlacek Quartet mit dem Streichquartett Nr. 6, von einer CD des Labels Panton noch aus der Czecheslovakei 1992. (auch den Jnancek (Nr. 2), Teml und Lukas höre ich darauf trotz der hörbar wenig kostbaren Instrumente sehr gerne.)
Abraten muss dringend ich vom Stamitz-Quartett (Bayer und inzwischen Brilliant). Auch die Naxos-Aufnahme mit dem Martinu Quartet konnte mich nicht recht überzeugen mit der böhmischen Romantik.
Kurz hörte ich auch in die Praga-Aufnahme des Kocian Quartets hinein: es war leider zu kurz um definitiv etwas sagen zu können, sprach mich aber nicht unmittelbar an
Inzwischen gibts eine GA mit 3 CDs bei Supraphon mit dem Panocha Quartet, die kenne ich leider genauso wenig wie die CD bei BIS vom Emperor String Quartet, das eher modern interpretieren soll.
Ich sollte das wieder einmal mehr verfolgen, die letzte Zeit war ich sehr auf Klaviermusik konzentriert. Auch von Max Reger habe ich schon lang kein Streichquartett mehr gehört!
Lieber ab:
Herzlichen Dank für die überwiegend warnenden Worte! Ich schätze sowohl das Panocha- als auch das Kocian-Quartett, die z.B. ausgezeichnete Hindemith-Streichquartette abgeliefert haben, sehr. Ich werde mich auf die Suche begeben!
Gruß, Zelenka
ab (07.09.2007, 15:02): Original von Zelenka auch das Kocian-Quartett, die z.B. ausgezeichnete Hindemith-Streichquartette abgeliefert haben, sehr.
Iast zwar off-topic, aber dennoch: kennst du Hindemith im Vergleich auch mit dem Juilliard String Quartet (Wergo)? Was ist besser?
Zelenka (07.09.2007, 15:10): Original von ab Original von Zelenka auch das Kocian-Quartett, die z.B. ausgezeichnete Hindemith-Streichquartette abgeliefert haben, sehr.
Iast zwar off-topic, aber dennoch: kennst du Hindemith im Vergleich auch mit dem Juilliard String Quartet (Wergo)? Was ist besser?
Jaroslav Saroun, Klavier, Václav Mazácek, Pauken, Tschechische Philharmonie, Jiri Belohlávek (Chandos CHAN8950)
Martinus Konzert für zwei Orchester, Klavier und Pauken, das etwa 22 Min. lang ist, entstand 1938 als Auftragsarbeit für Paul Sacher. Der Komponist beendete die Arbeit an diesem Werk just am Tag des Münchener Abkommens. Die Komposition kann wohl mit einiger Sicherheit als direkte Reaktion auf die politischen Zeitumstände aufgefaßt werden. Der erste Satz (poco allegro) beginnt wuchtig und fiebrig, mit großer Dynamik. Es folgt ein Abschnitt, der lyrisch-ruhig, wohl auch ängstlich ist, perkussive Effekte stören die Ruhe. Der zweite Satz (largo) drängt mit sattem Streicherklang bedrohlich-intensiv vorwärts. Im dritten Satz (allegro), der Elemente aus den beiden vorangehenden Sätzen wiederaufnimmt, scheint der Krieg schon ausgebrochen, ehe das Konzert dann eher verhalten ausklingt. Formal macht Martinu Anleihen beim barocken dreisätzigen Concerto grosso, etwa was die beiden Orchestergruppen angeht oder das Klavier, das teils die Funktion eines Continuo-Instruments übernimmt. Insgesamt ist das Konzert für mich die geschlossenste Orchesterkomposition, die ich bislang von Martinu gehört habe. Und sie ist erschütternd. Belohláveks Interpretation scheint mir wohlgeraten, Vergleichsmöglichkeiten habe ich aber nicht.
Gruß, Zelenka
ab (18.09.2007, 18:27): Ich habe seit vielen Jahren die CD von Chandos mit den Cellokonzerten Martinus, gespielt von Wallfisch unter Belohlávek. Immer wieder gebe ich dieser Aufnahme eine Chance, aber bis jetzt hat sich mir diese CD nicht erschlossen und ich habe den Verdacht, dies liegt insbesondere am Dirigat. (Wegen dieses Verdacht würde ich vermutlich ungehört diese CD gegen die alte von Supraphon mit Vaclav Neumann und der Cellistin Angelica Mey, obwohl ich von der noch nie etwas gehört habe, eintauschen.) Auch Walfisch finde ich nicht annähernd so gut wie etwa bei seiner Aufnahme von Katchaturians Konzert.
http://www.jpc.de/image/w150/front/0/6260260.jpg
Recht neu habe ich noch das Konzert für 2 Klaviere mit dem Klavierduo Genova & Dimitrov, der Radio-Philharmonie Hannover des NDR unter Eiji Oue (CPO) geschenkt bekommen. Noch habe ich keine genauere Meinung dazu.
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/3610808.jpg
Cosima (28.09.2007, 21:23): Original von Zelenka Insgesamt ist das Konzert für mich die geschlossenste Orchesterkomposition, die ich bislang von Martinu gehört habe. Und sie ist erschütternd.
Ja, das empfinde ich ebenso. Inzwischen hörte ich noch die 1. Symphonie, die auch auf der Belohlávek-CD enthalten ist und die Ancerl-Aufnahmen von „Die Fresken des Piero della Francesco“ und „Die Parabeln“. So wie schon die anderen o.g. Symphonien, sagen mir diese Werke nicht besonders zu.
Fantastisch finde ich jedoch das Doppelkonzert! Interessant erscheint mir, was der Komponist selber über den Ursprung des Werkes erzählte:
"Ich denke an die Schweiz zurück, in deren friedlicher Landschaft ich jenes Werk während der furchtbaren Tage von München schaffen konnte… Seine Musik kündet von den Gefühlen und Leiden, die wir, fern der Heimat, angesichts der hereinbrechenden Katastrophe vor Augen hatten… So entstand das Werk unter bedrückenden Umständen, aber die Stimmen, die es laut werden lässt, sind nicht die der Verzweiflung, sondern die des Widerstands, des Mutes und unerschütterlichen Glaubens an die Zukunft. Sie kommen durch scharfe, dramatische Ausbrüche, durch ein unaufhörliches Strömen der musikalischen Gedanken und durch die leidenschaftlich um Befreiung ringende Melodie zum Ausdruck." (1939) (Quelle: Pahlen, Sinfonien der Welt)
Mich hat das Doppelkonzert gleich beim ersten Hören aus den Puschen gehauen, ich mag solche aufwühlende Musik sehr. Auch ich kenne keine Vergleichsaufnahme, würde aber sagen, dass die Belohlávek-Aufnahme sehr gut ist (ich glaube sogar, dass sie nicht zu übertreffen sein dürfte). Dass ich dieses Orchester unter diesem Dirigenten sehr schätze, schrieb ich schon hier und da.
Gruß, Cosima
Zelenka (29.09.2007, 09:51): Liebe Cosima:
Mir geht es mit Martinu leider sehr ähnlich wie Dir, das Doppelkonzert bleibt das Filetstück. Bei „Die Fresken des Piero della Francesco“ meinte ich zeitweise, ich hätte mich in "Die Moldau" verirrt ...
P.S.: :D Mir gefällt Dein neues Avatar-Bild!
Gruß, Zelenka
Cosima (29.09.2007, 10:19): Original von Zelenka Bei „Die Fresken des Piero della Francesco“ meinte ich zeitweise, ich hätte mich in "Die Moldau" verirrt ...
:J
P.S.: :D Mir gefällt Dein neues Avatar-Bild!
Wir wären jetzt ein hübsches Duo: Du mit der Gitarre, ich am Klavier… :D
Das ist übrigens Clara Haskil.
Gruß, Cosima
ab (18.10.2007, 23:27): Kennt niemand die Sinfonien mit Vaclav Neumann?
http://www.jpc.de/image/w150/front/0/5927270.jpg
die würden mich mehr interessieren als jene von Belohlávek beim selben Label.
Ich habe heute meine Martinu-Bestände durchgehört. Das ging recht schnell, da ich lediglich Interpretationen seiner 5. und 6. Symphonie und der 1. Klaviersonate im Regal habe.
Die Symphonien werden dirigiert von Rozhdestvensky (Revelation). Wirklich bewusst habe ich die Aufnahme heute zum ersten Mal gehört. Die 6. Symphonie („Symphonische Phantasien“) gefiel mir recht gut, vor allem wegen ihres gespenstischen Charakters, der entfernt an Berlioz’ Symphonie fantastique erinnert. Ansonsten wüsste ich nicht, mit welchem Komponisten Martinu vergleichbar wäre – eigentümlich erscheint mir sein Schwanken zwischen introvertierten Abschnitten und pompösen Ausbrüchen, zwischen düster und hell.
Die Klaviersonate wird interpretiert von Josef Bulva (Mediaphon), dessen kühles, trockenes Klavierspiel dem Werk m.E. gut bekommt. Vor allem der Anfang des 2. Satzes beeindruckt mich, wenngleich ich die Sonate insgesamt für nicht besonders aufregend halte.
Was sollte man von Martinu unbedingt gehört haben?
Danke und Gruß, Cosima
Zelenka (31.08.2007, 16:35): Liebe Cosima:
Meine Martinu-Bestände und –kenntnisse sind eher so etwas wie ein Offenbarungseid: Nichts von seiner Orchestermusik etwa ist planmäßig in meine Sammlung gekommen, allesamt waren es Beigaben zu anderem, das mir wichtiger war. Mittlerweile habe ich mich ein wenig mit dem Klavierkonzert angefreundet, auch mit der 5. Symphonie. (Die 4. ist 1948 aufgenommen worden, das Hörvergnügen ist nicht eben groß.) Ein Mischmasch von Stilen, Einflüssen und Einfällen, der mir noch oft reichlich unstrukturiert erscheint. Die gilt auch auch für die Musik in kleineren Besetzungen, die ich noch am häufigsten höre. Die Klaviermusik, die ich von Martinu besitze, besteht aus vergeßbaren, wenn auch schön gespielten, Petitessen.
3 Tschechische Tänze (Tri ceske tance) (1926), 7 Tschechische Tänze (Borová) (1929-30), 4 Sätze (Quatre mouvements) (1929), Esquisses (Skici) (1931), Esquisses (Hry), Les Ritournelles (Ritornely) (1933), Fenêtre sur le jardin (Okna do zahrady) (1938) Kvapil Regis RRC1222
"Was sollte man von Martinu unbedingt gehört haben?", hast Du gefragt. Ich schließe mich der Frage an ...
Gruß, Zelenka
ab (01.09.2007, 21:49): Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Zelenka (02.09.2007, 07:19): Original von ab Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Lieber ab:
Danke für den Hinweis! Hättest Du auch eine CD-Empfehlung parat?
Gruß, Zelenka
Cosima (02.09.2007, 09:27): Hallo allerseits,
ich fürchte, die Streichquartette interessieren mich weniger in diesem Falle, aber in das Doppelkonzert für 2 Streichorchester, Klavier und Pauken (1938, H 271) habe ich eben mal reingehört.
K. Bennert im Musikmarkt 8 / 92: "Mit dem Doppelkonzert für Streicher, Klavier und Pauken dürften selbst konservative Kunden schlagartig für Martinu zu gewinnen sein. Denn diese Mischung aus mitreißender Motorik und ernstem Klagepathos erschließt sich auch dem nicht an der Moderne geschulten Hörer ganz unmittelbar."
Ich bin wohl auch so ein „konservativer Kunde“ und die „mitreißende Motorik“ wäre auch etwas für mich.
Gibt es hier eine Empfehlung?
Danke und Gruß, Cosima
Zelenka (02.09.2007, 10:07): Original von Cosima Hallo allerseits,
ich fürchte, die Streichquartette interessieren mich weniger in diesem Falle, aber in das Doppelkonzert für 2 Streichorchester, Klavier und Pauken (1938, H 271) habe ich eben mal reingehört.
K. Bennert im Musikmarkt 8 / 92: "Mit dem Doppelkonzert für Streicher, Klavier und Pauken dürften selbst konservative Kunden schlagartig für Martinu zu gewinnen sein. Denn diese Mischung aus mitreißender Motorik und ernstem Klagepathos erschließt sich auch dem nicht an der Moderne geschulten Hörer ganz unmittelbar."
Ich bin wohl auch so ein „konservativer Kunde“ und die „mitreißende Motorik“ wäre auch etwas für mich.
Gibt es hier eine Empfehlung?
Danke und Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Vielleicht ist die Aufnahme mit Deinem derzeitigen Lieblingsorchester, der Tschechischen Philharmonie unter Belohlávek, etwas:
Cosima (02.09.2007, 10:16): Ach! Danke Dir, Zelenka! Ja, das wäre vielleicht etwas für mich. Ich habe gerade auf der classicstoday-Seite nachgeschaut. Leider wird genau diese Aufnahme nicht rezensiert, aber die anderen beiden Martinu-Aufnahmen mit diesem Dirigenten und Orchester haben Höchstnoten erhalten. – Ich sehe auch gerade, dass es unter Belohlávek richtig viel von Martinu gibt. Interessant!
Gruß, Cosima
Zelenka (02.09.2007, 10:20): Original von Cosima Ach! Danke Dir, Zelenka! Ja, das wäre vielleicht etwas für mich. Ich habe gerade auf der classicstoday-Seite nachgeschaut. Leider wird genau diese Aufnahme nicht rezensiert, aber die anderen beiden Martinu-Aufnahmen mit diesem Dirigenten und Orchester haben Höchstnoten erhalten. – Ich sehe auch gerade, dass es unter Belohlávek richtig viel von Martinu gibt. Interessant!
Gruß, Cosima
Liebe Cosima:
Die CD wird im Penguin Guide in den höchsten Tönen gelobt!
Gruß, Zelenka
ab (06.09.2007, 22:17): Original von Zelenka Original von ab Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Lieber ab:
Danke für den Hinweis! Hättest Du auch eine CD-Empfehlung parat?
Gruß, Zelenka
Leider nicht wirklich. Ich höre sehr gerne das Sedlacek Quartet mit dem Streichquartett Nr. 6, von einer CD des Labels Panton noch aus der Czecheslovakei 1992. (auch den Jnancek (Nr. 2), Teml und Lukas höre ich darauf trotz der hörbar wenig kostbaren Instrumente sehr gerne.)
Abraten muss dringend ich vom Stamitz-Quartett (Bayer und inzwischen Brilliant). Auch die Naxos-Aufnahme mit dem Martinu Quartet konnte mich nicht recht überzeugen mit der böhmischen Romantik.
Kurz hörte ich auch in die Praga-Aufnahme des Kocian Quartets hinein: es war leider zu kurz um definitiv etwas sagen zu können, sprach mich aber nicht unmittelbar an
Inzwischen gibts eine GA mit 3 CDs bei Supraphon mit dem Panocha Quartet, die kenne ich leider genauso wenig wie die CD bei BIS vom Emperor String Quartet, das eher modern interpretieren soll.
Ich sollte das wieder einmal mehr verfolgen, die letzte Zeit war ich sehr auf Klaviermusik konzentriert. Auch von Max Reger habe ich schon lang kein Streichquartett mehr gehört!
Zelenka (07.09.2007, 14:49): Original von ab Original von Zelenka Original von ab Besonders empfehlenswert sind die Streichquartette, und dort insbesondere die letzten!
Lieber ab:
Danke für den Hinweis! Hättest Du auch eine CD-Empfehlung parat?
Gruß, Zelenka
Leider nicht wirklich. Ich höre sehr gerne das Sedlacek Quartet mit dem Streichquartett Nr. 6, von einer CD des Labels Panton noch aus der Czecheslovakei 1992. (auch den Jnancek (Nr. 2), Teml und Lukas höre ich darauf trotz der hörbar wenig kostbaren Instrumente sehr gerne.)
Abraten muss dringend ich vom Stamitz-Quartett (Bayer und inzwischen Brilliant). Auch die Naxos-Aufnahme mit dem Martinu Quartet konnte mich nicht recht überzeugen mit der böhmischen Romantik.
Kurz hörte ich auch in die Praga-Aufnahme des Kocian Quartets hinein: es war leider zu kurz um definitiv etwas sagen zu können, sprach mich aber nicht unmittelbar an
Inzwischen gibts eine GA mit 3 CDs bei Supraphon mit dem Panocha Quartet, die kenne ich leider genauso wenig wie die CD bei BIS vom Emperor String Quartet, das eher modern interpretieren soll.
Ich sollte das wieder einmal mehr verfolgen, die letzte Zeit war ich sehr auf Klaviermusik konzentriert. Auch von Max Reger habe ich schon lang kein Streichquartett mehr gehört!
Lieber ab:
Herzlichen Dank für die überwiegend warnenden Worte! Ich schätze sowohl das Panocha- als auch das Kocian-Quartett, die z.B. ausgezeichnete Hindemith-Streichquartette abgeliefert haben, sehr. Ich werde mich auf die Suche begeben!
Gruß, Zelenka
ab (07.09.2007, 15:02): Original von Zelenka auch das Kocian-Quartett, die z.B. ausgezeichnete Hindemith-Streichquartette abgeliefert haben, sehr.
Iast zwar off-topic, aber dennoch: kennst du Hindemith im Vergleich auch mit dem Juilliard String Quartet (Wergo)? Was ist besser?
Zelenka (07.09.2007, 15:10): Original von ab Original von Zelenka auch das Kocian-Quartett, die z.B. ausgezeichnete Hindemith-Streichquartette abgeliefert haben, sehr.
Iast zwar off-topic, aber dennoch: kennst du Hindemith im Vergleich auch mit dem Juilliard String Quartet (Wergo)? Was ist besser?
Jaroslav Saroun, Klavier, Václav Mazácek, Pauken, Tschechische Philharmonie, Jiri Belohlávek (Chandos CHAN8950)
Martinus Konzert für zwei Orchester, Klavier und Pauken, das etwa 22 Min. lang ist, entstand 1938 als Auftragsarbeit für Paul Sacher. Der Komponist beendete die Arbeit an diesem Werk just am Tag des Münchener Abkommens. Die Komposition kann wohl mit einiger Sicherheit als direkte Reaktion auf die politischen Zeitumstände aufgefaßt werden. Der erste Satz (poco allegro) beginnt wuchtig und fiebrig, mit großer Dynamik. Es folgt ein Abschnitt, der lyrisch-ruhig, wohl auch ängstlich ist, perkussive Effekte stören die Ruhe. Der zweite Satz (largo) drängt mit sattem Streicherklang bedrohlich-intensiv vorwärts. Im dritten Satz (allegro), der Elemente aus den beiden vorangehenden Sätzen wiederaufnimmt, scheint der Krieg schon ausgebrochen, ehe das Konzert dann eher verhalten ausklingt. Formal macht Martinu Anleihen beim barocken dreisätzigen Concerto grosso, etwa was die beiden Orchestergruppen angeht oder das Klavier, das teils die Funktion eines Continuo-Instruments übernimmt. Insgesamt ist das Konzert für mich die geschlossenste Orchesterkomposition, die ich bislang von Martinu gehört habe. Und sie ist erschütternd. Belohláveks Interpretation scheint mir wohlgeraten, Vergleichsmöglichkeiten habe ich aber nicht.
Gruß, Zelenka
ab (18.09.2007, 18:27): Ich habe seit vielen Jahren die CD von Chandos mit den Cellokonzerten Martinus, gespielt von Wallfisch unter Belohlávek. Immer wieder gebe ich dieser Aufnahme eine Chance, aber bis jetzt hat sich mir diese CD nicht erschlossen und ich habe den Verdacht, dies liegt insbesondere am Dirigat. (Wegen dieses Verdacht würde ich vermutlich ungehört diese CD gegen die alte von Supraphon mit Vaclav Neumann und der Cellistin Angelica Mey, obwohl ich von der noch nie etwas gehört habe, eintauschen.) Auch Walfisch finde ich nicht annähernd so gut wie etwa bei seiner Aufnahme von Katchaturians Konzert.
http://www.jpc.de/image/w150/front/0/6260260.jpg
Recht neu habe ich noch das Konzert für 2 Klaviere mit dem Klavierduo Genova & Dimitrov, der Radio-Philharmonie Hannover des NDR unter Eiji Oue (CPO) geschenkt bekommen. Noch habe ich keine genauere Meinung dazu.
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/3610808.jpg
Cosima (28.09.2007, 21:23): Original von Zelenka Insgesamt ist das Konzert für mich die geschlossenste Orchesterkomposition, die ich bislang von Martinu gehört habe. Und sie ist erschütternd.
Ja, das empfinde ich ebenso. Inzwischen hörte ich noch die 1. Symphonie, die auch auf der Belohlávek-CD enthalten ist und die Ancerl-Aufnahmen von „Die Fresken des Piero della Francesco“ und „Die Parabeln“. So wie schon die anderen o.g. Symphonien, sagen mir diese Werke nicht besonders zu.
Fantastisch finde ich jedoch das Doppelkonzert! Interessant erscheint mir, was der Komponist selber über den Ursprung des Werkes erzählte:
"Ich denke an die Schweiz zurück, in deren friedlicher Landschaft ich jenes Werk während der furchtbaren Tage von München schaffen konnte… Seine Musik kündet von den Gefühlen und Leiden, die wir, fern der Heimat, angesichts der hereinbrechenden Katastrophe vor Augen hatten… So entstand das Werk unter bedrückenden Umständen, aber die Stimmen, die es laut werden lässt, sind nicht die der Verzweiflung, sondern die des Widerstands, des Mutes und unerschütterlichen Glaubens an die Zukunft. Sie kommen durch scharfe, dramatische Ausbrüche, durch ein unaufhörliches Strömen der musikalischen Gedanken und durch die leidenschaftlich um Befreiung ringende Melodie zum Ausdruck." (1939) (Quelle: Pahlen, Sinfonien der Welt)
Mich hat das Doppelkonzert gleich beim ersten Hören aus den Puschen gehauen, ich mag solche aufwühlende Musik sehr. Auch ich kenne keine Vergleichsaufnahme, würde aber sagen, dass die Belohlávek-Aufnahme sehr gut ist (ich glaube sogar, dass sie nicht zu übertreffen sein dürfte). Dass ich dieses Orchester unter diesem Dirigenten sehr schätze, schrieb ich schon hier und da.
Gruß, Cosima
Zelenka (29.09.2007, 09:51): Liebe Cosima:
Mir geht es mit Martinu leider sehr ähnlich wie Dir, das Doppelkonzert bleibt das Filetstück. Bei „Die Fresken des Piero della Francesco“ meinte ich zeitweise, ich hätte mich in "Die Moldau" verirrt ...
P.S.: :D Mir gefällt Dein neues Avatar-Bild!
Gruß, Zelenka
Cosima (29.09.2007, 10:19): Original von Zelenka Bei „Die Fresken des Piero della Francesco“ meinte ich zeitweise, ich hätte mich in "Die Moldau" verirrt ...
:J
P.S.: :D Mir gefällt Dein neues Avatar-Bild!
Wir wären jetzt ein hübsches Duo: Du mit der Gitarre, ich am Klavier… :D
Das ist übrigens Clara Haskil.
Gruß, Cosima
ab (18.10.2007, 23:27): Kennt niemand die Sinfonien mit Vaclav Neumann?
http://www.jpc.de/image/w150/front/0/5927270.jpg
die würden mich mehr interessieren als jene von Belohlávek beim selben Label.
ab (16.03.2008, 23:47): Hier wird eine neue Martinu CD von seinem Violin-Orchesterwerk unter Hogwood rezensiert.
nikolaus (03.04.2008, 14:14): Ich hole diesen Faden mal wieder hervor, um ganz kurz ein Werk vorzustellen, das hier noch nicht erwähnt wurde:
Toccata e due canzoni
Es ist eine Auftragsarbeit zum 20jährigen Bestehen von Paul Sachers Basler Kammerorchesters, geschrieben 1946. Die Uraufführung fand am 21.Januar 1947 in Basel unter der Leitung von Paul Sacher statt. Zu diesem Jubiläum wurden ausserdem zwei weiter Auftragsarbeiten aufgeführt: das Concerto in d für Streichorchester von Igor Strawinsky und die Sinfonie Nr. 4 "Deliciae Basilienses" von Arthur Honegger.
Das ca. 25minütige Werk für Kammerorchester und Piano solo besteht aus drei, etwa gleich langen Teilen, wie der Titel schon sagt, der Toccata, der Canzone No. 1 und der Canzone No. 2.
- Vielleicht können ja die Musikwissenschaftler ( :wink) respektive die Musiktheoretiker unter uns etwas zu diesen Begriffen sagen? -
Martinu selbst schreibt dazu in einer Anmerkung zu diesem Ereignis: "Nach mehreren Jahren komme ich nun wieder mit einem neuen Werk und einer "Welturaufführung" nach Europa. Das hat für mich schon fast symbolische Bedeutung. Während meines Aufenthaltes in Amerika habe ich fünf Symphonien für großes Orchester komponiert; nun kehre ich mit Vergnügen zu meiner Lieblingsform, dem Concerto, grosso zurück. ... Weniger sichtbare Gefühle und laute Klänge, dafür aber mehr dichte musikalische Formen: das ist das Concerto grosso. Ich darf wohl sagen, dass es mir ein wahres Vergnügen war, wieder in diesem an äußeren Mitteln so sparsamen, innerlich aber so reichen Gebiet zu arbeiten."
Genauso empfinde ich diese Musik auch: sehr dicht, mit teilweise vorwärtsdrängendem, dramatischen Charakter, teilweise melodiös-liedhaft bis ganz zart/"überirdisch", sogar minimalistische Anklänge kann ich hören.
Er schreibt weiter: "Ursprünglich wollte ich zwei ganz strenge Canzonen schreiben: leichte, fröhliche einfache Chansons. Nach Beendigung der Toccata gab ich aber diesen Plan auf und führte auch dramatische Elemente ein. Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, das Dramatische nicht zu sehr hervortreten zu lassen, konnte ich nicht anders vorgehen. Es war eines jener Werke, wo ich einfach meinen Eingebungen folgen musste, auch wenn ich keine rationale Begründung dafür angeben konnte. Dies ereignete sich besonders bei der zweiten Canzone. Bei ihr begann ich die Komposition nur nach vielem Zögern und suchte lange eine andere Lösung. Aber das etwas tragische Hauptmotiv drängte sich mir immer wieder auf, meine Phantasie wollte sich mit nichts anderem befassen."
Die Arbeit musste er dann aufgrund eines Unfalls für längere Zeit unterbrechen. Er hat die Partitur anschliessend wohl mehrfach umgeändert, konnte sie aber pünktlich abliefern, auch wenn er bei der Uraurfführung nicht anwesend sein konnte.
Für mich ist es ein sehr ansprechendes, kurzweiliges Werk. Interessant finde ich, wie homogen das Klavier in das Orchester eingebettet ist. Ich kenne auf Anhieb keine vergleichbares Werk. Inhaltlich mag es nicht so bedeutend sein, wie vielleicht seine Sinfonien o. das bereits genannte Doppelkonzert, aber dennoch...
Christopher Hogwood scheint sich intensiv mit diesem Komponisten sowie weiteren dieser Zeit beschäftig zu haben. Ohne Vergleichsmöglichkeit erscheint mir die Interpretation gut. Wohlgemerkt ist das hier spielende Kammerorchester Basel nicht identisch mit dem damaligen Basler Kammerorchester, sondern ein 1984 gegründetes Ensemble aus Absolventen der Schweizer Musikhochschulen; es knüpft allerdings an die Tradition Paul Sachers an.
Nikolaus.
nikolaus (01.06.2008, 21:21): Noch ein bisher nicht erwähntes Werk von Martinu:
Konzert für Violine und Orchester No. 2 g-moll H.293
Komponiert 1943 ist es eine Auftragsarbeit für den Geiger Mischa Elman, der sich von Martinus erster Sinfonie so begeistert zeigte, daß er Martinu bat, etwas für ihn zu schreiben. Elman brachte das Werk am 31.12.1943 mit dem Boston Symphony Orchestra unter Serge Koussevitzky zur Uraufführung.
Martinu passte diese Komposition den Stärken Elmans an, der als romantisch veranlagter Interpret galt und bekannt war für sein cantabile, sein rubato und portamento. So ist es tatsächlich ein sehr lyrisches Werk, das in der Tradition von Brahms und Dvorak gesehen wird. Vor allem im ersten und zweiten Satz sind gewundene Melodielinien bestimmend, während es im dritten Satz deutlich virtuoser und sehr tänzerisch zugeht und durchaus hohe Anforderungen an den Solisten stellt...
... oder an die Solistin Isabelle Faust, wie im Falle meiner neu erstandenen Aufnahme:
Es kann sicher nicht mit seinen "Vorbildern" mithalten, dennoch ist es für mich sehr ansprechende Musik. Vergleichsmöglichkeiten was die Interpretation angeht, habe ich nicht; aber alle Beteiligten gehen das Konzert sehr engagiert und auch differenziert an. Ich halte diese Aufnahme durschaus für empfehlenswert (auch aufgrund der Zusammenstellung der hier versammelten Werke)
Nikolaus.
Wotan (03.06.2008, 18:36): Also ich kenne bislang nur die Sinfonien 1-4 in der Aufnahme der Bamberger Symphoniker unter Neeme Järvi. Das ist bislang der einzige Kontakt, den ich zu Martinu hatte, wobei mir diese Aufnahmen recht gut gefallen haben. Ich habe jetzt gesehen, dass es auch eine Aufnahme des Doppeltkonzerts unter Kubelik beim Label Testament gibt. Kennt die zufällig jemand?
uhlmann (04.08.2008, 18:25): noch gar nicht erwähnt wurden martinus opern, immerhin stolze 16 an der zahl (laut wikipedia).
ich kenne genau eine, nämlich seine angeblich bekannteste und "beste", julietta. sie wird gerne als exemplarisches beispiel surrealistischen musiktheaters bezeichnet. martinu sagt selber über sie: "die oper hat gar keine handlung, sie bewegt sich auf des messers schneide zwischen wirklichkeit und illusion, alle fiktionen sehen real aus und umgekehrt."
ein pariser handlungsreisender (michel) durchläuft auf der suche nach einer frau (julietta), deren stimme er einst vernommen hat, in einem provinzort, dessen einwohner keine erinnerungen haben, eine reihe von absurden situationen. immer wieder glaubt er julietta endlich zu finden, doch am ende hört er wieder nur ihre stimme.
musikalisch ist das stück recht interessant. man könnte es als eine art weiterentwicklung der musikdramen debussys ansehen, mit anklängen von schreker und janacek.
ich besitze folgende aufnahme mit dem ensemble des nationaltheaters prag unter jaroslav krombholc, die ganz hervorragend ist:
was ich auf jpc gesehn habe, sind noch 4 weitere opern martinus in supraphon-aufnahmen erhältlich (marienspiele, mirandolina, ariane, griechische passion). gemessen an der zahl der cd's mit orchesterwerken und kammermusik ist das opernschaffen aber deutlich unterrepräsentiert. ich könnte mich auch an keine einzige aufführung irgendwo in meiner nähe in den letzten 15 jahren erinnern. da wartet wohl noch ein ungehobener schatz auf die erschließung.
Leif Erikson (07.08.2008, 20:19):
Brilliant lizensiert von BIS, Bamberger SO / Neeme Järvi. Die Interpretation ist sehr gut. Die Hörbeispiele von Tschechische PH / Neumann scheinen musikalisch -wenn überhaupt - nur einen kleinen Vorsprung zu haben. Völlig unerwartet scheint diese ältere Aufnahme aber noch einen ticks farbiger und dynamischer zu klingen, nachdem BamSO, Järvi schon klanglich ausgezeichnet sind.
Gruß, Leif.
ochim1103 (29.05.2010, 17:11): Ich liebe auch die Toccata e due Canzoni, die ich in der Einspielung der Bournemouth Sinfinietta unter Tamás Vásáry habe, erschienen bei CHANDOS CHAN 8859. Ich habe mir in Prag gerade diese Ausgabe geholt, weil sich auf der CD neben der Toccata noch die kleinen Sinfonien Sinfonietta Giocosa und La Jolla befinden. Das sind auch meine 3 Lieblingsstücke von Bohuslav Martinu. Ich habe noch einige 5 CD's mehr von B. Martinu. Kram ich immer wieder gerne vor und lausche!:)
Maurice inaktiv (04.05.2013, 22:29): Ich habe mit Martinu auch so meine Probleme,werde nicht "warm" mit diesem Komponisten,obwohl ich die Slawen sehr gerne höre (siehe Smetana...),darunter auch Janacek,Novak oder Suk.
Bei mir finden sich immerhin die Sinfonien komplett mit dem absolut "authentischen" Vaclav Neumann am Pult der Tschechischen Philharmonie Prag,dazu Doppelkonzerte für Violine und das Riesenwerk "Gilgamesh" für Vokal-Solisten,Chor und Orchester.
Die Aufnahmen entstanden 1976-1977 und wurden auf Supraphon veröffentlicht.
Was FÜR Neumann spricht,ist die Tatsache,dass er Martinus Werke noch direkt durch den Komponisten kennen gelernt hatte,als er noch Bratscher 1942 im selbigen Orchester war.
Hier ein Foto der Sinfonien,um sich ein genaueres Bild machen zu können :
Meiner Meinung nach sind diese Aufnahmen sehr gut,aber auch die BIS-Aufnahme unter Neeme Järvi soll sehr gut geworden sein.
Hier wurde ja schon die Aufnahmetechnik gelobt,die bei BIS mit Sicherheit zeitgemäßer als bei Supraphon gewesen war 8und wohl auch noch ist).
Diese GE habe ich mir jetzt mal schicken lassen,aber bevor bereits gestern,als ich zufällig darauf gestoßen bin.Für 7,99 € über Brilliant Classics ein super Angebot.
Als neue Aufnahme,die mit sehr viel Lob überschüttet wurde,gilt jene unter dem hier etwas schwächer bewerteten Jiri Belohlavek.
Allerdings wurde hier dessen allererste Einspielung nur gewertet.Er machte aber noch eine Zweite in den 1990-er Jahren mit der Tschechischen Philharmonie Prag,dem erheblich besseren Orchester als das Prager Sinfonie-Orchester.
Dieses Mal dirigiert Fagen das Bohuslav Martinu-Orchester aus Zlin.Den Klavierpart hat Georgio Koukl übernommen,von dem ich noch nie etwas gehört habe.
Ich möchte hier aber auch auf eines seiner wichigsten Werke aufmerksam machen,dass ziemlich aufwendig für Vokalsolisten,Chor und Orchester geschrieben wurde.
Es erinnert mich in seinen Ausmaßen an die "Glagolitische Messe" von Janacek und die Achte Sinfonie von Gustav Mahler.
Hier die mMn gelungene Einspielung duch die Slowakische Philharmonie & Chor unter Zednek Kosler,die Naxos aus dem Marco Polo-Katalog übernommen hat und sehr gute Kritiken bekam damals.
Allerdings bin ich bekannterweise kein großer Vokalmusik-Kenner,aber hier sind ja genug davon im Forum,die vielleicht auch dieses Werk besser kennen als ich.
Hier das Cover der Doppelkonzerte,u.a.,aufgenommen von Arte Nova.
Immerhin spielen die Wiener Symphoniker unter Marcello Viotti.Als Solisten agieren die beiden Konzertmeister Jan Pospichal und Florian Zwiauer auf der Violine.
Die Aufnahmen sind damals im Fono-Forum (04/2001) mit "gut" bewertet" worden.
Da mich auf der einen Seite der Komponist doch durchaus interessiert,vermag ich aber auch zu diesen Werken (noch) nicht so recht den Zugang finden.
Bei der Kammermusik muss ich eh passen,das ist noch weniger meine Welt.
Ich hoffe,jetzt doch endlich mal hier einen Anstoß gegeben zu haben,um hier nach runden zwei Jahren wieder neue Interessenten für diesen Komponisten gefunden zu haben.
VG,Maurice
Maurice inaktiv (04.05.2013, 23:24): Ich möchte auch auf seine Biographie hinweisen,die sehr deutlich macht,warum man mit seinen Werken so seine Probleme hat / haben könnte.
Immerhin studierte erst am Prager Konservatorium,spielte in der Tschechischen Philharmonie Prag in den zweiten Geigen mit,um dann 17 Jahre in Paris unter großer Armut zu leben,aber bei Albert Roussell zu studieren.
Hier wurde er von Roussell,Strawinsky und der "Groupe de Six" beeinflusst.Später kamen die Barock-Komponisten Corelli und Vivaldi,aber auch der Jazz als Einflüsse hinzu.
Er musste vor den Nazis aus Frankreich über Portugal in die USA fliehen,später lebte er Nizza,Rom und in der Schweiz.
Ich schreibe das bewusst hier hinein,um aufzuzeigen,wie vielseitig seine Einflüsse waren.
Es ist "moderne" Musik,die teilweise sehr kühn mit Harmonien umgeht,aber nicht atonal ist.Die französische Seite kommt in der Ersten Sinfonie bereits deutlich zum Vorschein.Er schrieb 1942 in den USA dieses Werk,als er schon lange kein Jüngling,sondern ein reifer Mann mit einer untriebigen Vergangenheit hatte.
Diese Werk entstand übrigens,weil ein anderer Emigrant,der Dirigent Serge Koussewitzky,großes Interesse an den Kompositionen Martinus zeigte.
Die Zweite Sinfonie entstand 1943 ebenfalls in den USA.Diese Werk scheint mir als Einstieg ganz gut geeignet,weil hier weniger ein stilistisches "Durcheinander" herrscht und auch der eher "konservative Hörer" mit klarkommen kann.
Sie ist auch "kammermusikalischer" instrumentiert,das Schlagwerk tritt dezenter in Erscheinung,Blechbläser spielen ebenso eine untergeordnete Rolle.
Hier war übrigens das Cleveland Orchestra unter Erich Leinsdorf an der Uraufführung beteiligt.
Da ich diese beiden Werke gerade gehört habe,kann ich mich etwas informierter Ausdrücken.Hoffentlich kann jemand damit auch etwas anfangen.
VG,Maurice
Florestan (05.06.2013, 11:05): Zitat Maurice: Den Klavierpart hat Georgio Koukl übernommen,von dem ich noch nie etwas gehört habe.
Der Pianist ist in der Tat wenig bekannt, und mir auch nur durch seine Veröffentlichungen aller Klavierwerke von Martinu bei Naxos aufgefallen (ingesamt 7 Volumes). Ebenso hat er dort die Klavierkonzerte eingespielt. Er macht seine Sache recht gut wie ich finde, aber es gibt kaum Vergleichsmöglichkeiten. So bleibt mir nur seine Interpretationen mit dem Notentext abzugleichen, was ich bis dato jedoch noch nicht ausgiebig genug gemacht habe. Werde dann mal zu gegebener Zeit darauf zurück kommen.
Der Stil von Martinus Klaviermusik ist recht unterschiedlich. Er reicht von folkloristisch inspirierten Werken bis zu dem eher sachlichen Stil der in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhubderts "en vogue" war. Nicht spektakulär, aber als Ergänzung zu der Klaviermusik seiner Zeitgenossen ganz interessant.
Maurice inaktiv (05.06.2013, 16:09): Der Pianist ist in der Tat wenig bekannt, und mir auch nur durch seine Veröffentlichungen aller Klavierwerke von Martinu bei Naxos aufgefallen (ingesamt 7 Volumes
Ja,dort ist er mir auch begegnet bei den Klavierkonzerten.
Du musst nicht extra jetzt die Konzerte anhören und vergleichen,so wichtig ist mir das nicht,wenn ich ehrlich sein soll jetzt.