kennt ihr die Borodin-Sinfonien noch nicht ? Das sind Werke der russischen Romantik, die man kennen sollte. Am besten in diesen Aufnahmen:
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/5028421933481.jpg Borodin: Sinfonien Nr.1-3, Polowetzer Tänze, Petite-Suite Royal Stockholm PO, Gennady Roshdestvensky Brillant, ADD
und
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41S1G5qmQoL._SL500_AA240_.jpgBei mir anderes Cover, da ich die russische Melodiya-Ausgabe habe. Borodin: Sinfonien Nr.1 und 2 Akademisches SO der UDSSR Moskau, Jewgenij Swetlanow Melodiya, 1985 (1.), 1966, ADD
:engel Beide Dirigenten Swetlanow und Roshdestwensky stehen für ihren Landsmann Borodin in großartiger Weise ein und diese Aufnahmen können nur schwer von westlichen Produktionen übertroffen werden.
Die Swetlanow-Aufnahme der Sinfonie Nr.1 und 2 liegt meinem Hörempfinden mehr, weil er das russische Orchester zur Verfügung hat. Nur klanglich ist Roshdestwensky etwas besser.
Leider sind die Polowetzer Tänze nicht mit Swetlanow dabei. Aber hier findet sich die Ausnahme für westliche Produktionen ..........
Roshdestwensky läßt die Tänze präzise und sauber mit Feuer spielen, sodass man am Ende zufrieden sein kann. Die "Original-Fanatiker" werden sich bei der Brillant-Aufnahme daran stoßen, das Roshdestwensky die Polowetzer Tänze ohne Chor spielen läßt, was mich hingegen weniger stört. Auch Roshdestwensky´s ältere EMI - Aufnahme mit dem Orchestre de Paris, habe ich noch aus meiner Schallplattenzeit im Ohr, die ebensogut gelungen war (dort auch ohne Chor), aber noch emotionaler empfunden ist. Trotz aller wohlwollenden Worte für Roshdestewensky´s Polowetzer Tänze kam bei mir gestern beim Hören mit dem dem Stockholmer Orchester die absolute Begeisterung nicht auf.
Ich erinnerte mich an meine Ansermet-Aufnahme auf Decca (die mit der Sheherazade gekoppelt ist)..... das ist IMO "die" Aufnahme der Polowetzer Tänze. Welch russische Gefühlwelt Ansermet mit dem Orchester de la Suisse romande im Jahre 1960 zu zaubern vermöchte ist sein großes Vermächtnis. Ansermet versteht sogar noch besser als Roshdestwensky bei diesem Werk Spannung aufzubauen und den Hörer zu fesseln - eine wunderbare Interpretation. Das er auch die Original-Fassung mit Chor spielt wird die Meisten zudem auch noch erfreuen.
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028946777022.jpgLeider finde ich meine Decca - CD nicht mehr, aber hier sind die Polowetzer mit Ansermet auch drauf. Orchester de la SuisseRomande, Ansermet Decca, 1960, ADD
Ganz nebenbei finde ich auch Karajan´s Polowetzer Tänze (DG) nicht übel, nein falsch - auch sehr gut (hier auch ohne Chor).
Ich finde die Polowetzer Tänze sollten immer komplett mit dem einleitenden Satz "Tanz der Polowetzer Mädchen" aufgeführt werden um nicht gleich "in die Vollen" zu gehen. Leider wird bei vielen Aufnahmen dieser Satz einfach ignoriert.
HenningKolf (10.11.2008, 13:25): Hallo Wolfgang,
ich habe die Brilliant-Doppel-CD - ewig nicht mehr gehört. Muss ich bei Gelegenheit mal wieder reinhören, wenn ich mich noch richtig entsinne, waren die Tänze und die Petit-Suite die Stücke, die mich spontan am meisten ansprachen, die Sinfonien weniger.
Wieder was gelernt: Dass mir ein Chor unterschlagen wurde, war mir gar nicht aufgefallen, da ich mich vor dem Hören nicht - und auch nicht danach - mit dem Werk auseinandergesetzt habe.
Gruß Henning
Dr. Schön (10.11.2008, 13:34): Ich mag diese Tänze und besonders die zweite Sinfonie auch sehr gerne.
Besonders die Empfehlung für die Swetlanow Aufnahme möchte ich besonders unterstreichen. Natürlich ist es die Authentizität des russischen Orchesters, aber auch das gleichermaßen expressive und emotionale Dirigat, was sehr für diese Einspielungen einnimmt.
Roschdestwandskij konnte mich mit Stockholm insgesammt vielleicht sogar deutlich weniger überzeugen. Vielleicht bringt er die Sinfonien insgesammt etwas organischer zum klingen und hat natürlich die bessere Klangqualität, aber auf der anderen Seite ist mir das auch etwas zu klobig geraten.
Hochinteressant, wenn man die sehr schlechte Tonqualität in kauf nehmen kann, ist für mich eine historische Aufnahme der zweiten Sinfonie unter Dimiti Mitropoulos und dem Sinfonieorchster von Minneapolis aus den frühen 40ern.
Eine sehr atmosphärische Darstellung, die vielleicht auch die sehr ungwöhnliche, weil sehr disparate und brüchige, Dramaturgie etwas besser einfängt und vermittelt und mich hier sehr an den korsakowfreien Mussorgskij erinnert. Bei seinen russischen Kollegen gehen diese Eigenschaften für mich etwas unter.
Dr. Schön
Jürgen (10.11.2008, 15:14): Ich kenne nur die Aufnahme mit Tjeknavorian, 1977 auf RCA:
Musik aus Fürst Igor: 1.Ouvertüre 2.Marsch 3.Tanz der Polowetzer Mädchen 4.Polowetzer Tänze (Mit Chor)
Zur Sinfonie kann ich nix sagen, ich höre sie fast nie und kann noch nicht einmal sagen, warum. Den Rest der Platte höre ich jedoch regelmäßig. Die Polowetzer Tänze mit Gesang sind meine Favoriten. Instrumental kenne ich noch Karajan (1972) und Immerseel (2004). Aber hier geht es mir wie mit dem Walkürenritt: Wenn man ihn einmal mit hervorragenden Sängerinnen (z.B. Solti) gehört hat, mag man sich die (kastrierte) Instrumentalversion nicht mehr antun.
Grüße Jürgen
teleton (10.11.2008, 19:56): Hallo Henning,
zu LP-Zeiten hatte ich die Roshdestwensky - Aufnahme mit den Moskauer PH (Eurodisc) und die hatte es mir schon damals angetan, sodaß ich die Sinfonie Nr.1 immer gerne hörte. Auch die frische Sinfonie Nr.2 ist eine Hörsitzung allemale wert - da solltet ihr alle unbedingt mal reinhören. Ich schätze dieses Werk sehr, es bringt die Atmosphäre der "Orchesterbilder aus dem alten Russland" voll zur Geltung.
Auch an Jürgen,
Tjekavorian ist bestimmt auch bei der Sinfonie Nr.2 nicht schlecht, obwohl ich mich hier Dr.Schön mit seiner Swetlanow-Empfehlung nochmals anschließen möchte. Es ist ein wirklich lohnendes Werk.
Die Sinfonie Nr.3 ist nicht so elementar, da es sich um ein nicht vollendetes Werk handelt, das nachträglich instrumentiert wurde.
Jürgen erwähnt die Steppenskizze aus Mittelasien, das Stück hatte ich ganz vergessen und nachgesehen ob ich davon überhaupt eine CD habe. Auch hier ist Ernst Ansertmet´s Decca-Aufnahme als Spitzenaufnahme zu nennen, die ich aber "nur" als großartige Ansermet-Platte besitze.
Hier ist Bernstein / New Yorker PH (SONY) meine CD-Aufnahme, die die Quailität hat, Ansertmet auf LP abzulösen/zumindest zu ergänzen.
Eine bei amazon recht teuer gehandelter CD-Edelstein: http://ecx.images-amazon.com/images/I/21XR0A40GFL._SL500_AA130_.jpg SONY, 1969, ADD
Cosima (10.11.2008, 22:23): Mir ist momentan nur die 2. Symphonie präsent, die anderen höre ich nur sehr selten. Neben Roschdestwenskij und Svetlanov gefallen mir auch die Aufnahmen von Erich und Carlos Kleiber (beide auf einer CD zum direkten Vergleich, Hänssler). Die Tjeknavorian-Aufnahme habe ich wieder verkauft, ich empfand sie im Vergleich doch als eher schwach.
Die Polowetzer Tänze habe ich wiederum mit Roschdestwenskij, dann mit Gergiev und Immerseel. Die Aufnahmen sind alle sehr gut (so meine Erinnerung), einen Favoriten habe ich allerdings noch nicht ermittelt.
Gruß, Cosima
Amadé (10.11.2008, 23:27): Hallo Borodin-Freunde,
danke teleton für die Eröffnung dieses Threads. Ich möchte noch einige Ergänzungen anbringen. Die Polowetzer Tänze stammen ürsprünglich aus der unvollendeten Oper "Fürst Igor", die von Rimsky-Korssakoff und Glasunow aufführungsfähig ergänzt wurden. Die Polowetzer Tänze sind meist ohne Chor eingespielt worden, außer von Beecham (EMI), Stokowski (Decca) und Solti LSO (Decca), soweit ich das diskographisch übersehe. Sowohl Beecham als auch Stokowski gefallen mir sehr gut, auch Solti.
zu den Sinfonien: Nr.1 Es-dur entstand unter der Anleitung von M.Balakirew (Borodin war von Beruf Chemiker, zuletzt Professor), die bekannte 2. in h-moll hat der Komponist zweimal instrumentiert. Diese Tatsache wird auf den Covers oder Booklets selten erwähnt, es ist deshalb auch nicht gerade leicht, verschiedene Aufnahmen zu vergleichen. Nr. 3 blieb, wie schon erwähnt, unvollendet! V.Gergiew hat die ersten beiden mit den Rotterdamer Philharmonikern bei Philips auf einer CD herausgebracht. Die Diskograpie von Nr.2 ist noch übersichtlich. Ich bevorzuge Paul Kletzki mit dem POL (EMI) und Kyrill Kondraschin mit dem Concertgebouw Orkest (Philips), nicht zu verachten sind auch N. Malko (EMI) und J.Martinon (Decca).