Vor einiger Zeit habe ich hier einen Faden zu Brahms' erstem Klavierkonzert eröffnet, es ist ganz unvermeidlich, daß jetzt auch das zweite zu folgen hat. Brahms benötigte 23 Jahre nach dem Mißerfolg seines ersten Konzerts, um den Mut zu finden, der Öffentlichkeit einen zweiten Versuch in dem Genre zu präsentieren. Was immer im einzelnen Brahms zurückgehalten haben mag, es war letztlich wohl immer auch der andauernde Respekt vor Beethovens 4. und 5. Konzert und eben Zweifel, wie über diese großen Leistungen der Vergangenheit hinauszukommen möglich wäre.
Das Ergebnis von Brahms' Mühen ist ein etwa 50 Minuten dauerndes "Monster"-Konzert, das in seiner Art und Konzeption für die Zeit völlig ungewöhnlich war. Es hat durchaus symphonischen Charakter und ist - und dies ist neu – viersätzig angelegt: vor dem langsamen Satz steht ein Scherzo. Der Klavierpart ist überaus schwer (Brahms soll mit ihm als Solist nicht durchgehend gut zurechtgekommen sein).
Der epische erste Satz (Allegro non troppo, obwohl am Anfang vom Einsatz der entfernten Hörner an oft eher ein Andante gespielt wird) wird gefolgt von einem eher dämonischen Scherzo, das entgegen der damaligen Zuhörererwartung stürmt und drängt. Der langsame Satz ist ungemein poetisch, fast kammermusikalisch und enthält wohl Anspielungen an die Klavierkonzerte von Clara und Robert Schumann, deren er auch hier 23 Jahre nach seinem ersten Klavierkonzert einmal wieder gedenkt. Das Finale ist fast in der Manier Mozarts leicht – wenn bei Brahms überhaupt etwas nur leicht sein kann (was wohl einfach nicht der Fall ist, die Melancholie ist meist nicht weit entfernt). Es ist fast wie im Falle des ersten Konzerts: Mir scheint dieser letzte Satz einfach zu leichtgewichtig, er verbreitet einen (falschen) Optimismus und deckt einfach die Konflikte der vorhergehenden Sätze zu. Wieder kein wirklich banales Ende, aber eines, das mir nicht völlig gelungen zu sein scheint.
Meine Aufnahmen sind:
Schnabel, BBC Symphony O, Boult 1935 Artone 222329354 Backhaus, VPO, Schuricht 1952 Philips Great Pianists of the 20th Century 4567182 Backhaus, VPO, Schuricht 1952 Artone 222362354
Gilels, Chicago Symphony O, Reiner 1958 EMI Great Conductors of the 20th Century 724356286622 Fleisher, Cleveland O, Szell 1962 Sony Masterworks Heritage MH2K63225 Arrau, NDR Symphony O, Schmidt-Isserstedt 1963 EMI NDR Klassik CMS5628482 Serkin, Cleveland O, Szell 1966 Sony Essential Classics SBK53262 Anda, BPO, von Karajan 1967 DG Originals 4748382 Gilels, BPO, Jochum 1972 DG Originals 4474462 Brendel, Royal Concertgebouw O, Haitink 1974 Philips Trio 4732672
Zimerman, VPO, Bernstein 1984 Philips Great Pianists of the 20th Century 4569972 Kovacevich, LPO, Sawallisch 1993 EMI Double Forte CZS5756552
Obwohl dies nicht mehr das Konzert eines jungen Mannes ist, gelten für mich im wesentlichen die Kriterien weiter, die ich an die Aufnahmen des ersten Konzerts angelegt habe. Zu meinen Favoriten gehören Gilels/Reiner (schneller und zupackender als Gilels/Jochum), Serkin, Anda, Brendel und Kovacevich. Die Spitzenempfehlungen werden nicht überraschen, es sind dieselben wie im Falles des ersten Konzerts:
Und jetzt hoffe ich erst einmal auf Eure Meinungen!
Gruß,
Zelenka
P.S.: Nein, die neue Aufnahme von Freire/Chailly kenne ich leider nicht! Ich bin auch etwas skeptisch, was die offenbar fast allgemeine Begeisterung angeht.
Carola (24.08.2006, 21:25): Original von Zelenka
Und jetzt hoffe ich erst einmal auf Eure Meinungen!
Gruß,
Zelenka
Lieber Zelenka,
meine - in Sachen Brahms Klavierkonzerte leider ziemlich unmaßgebliche - Meinung ist, dass Du eine sehr schöne Einführung in das Werk geschrieben hast, die mich jetzt dazu veranlasst, nach "Urzeiten" mal wieder dieses Klavierkonzert zu hören. Ich bin vor allem gespannt auf den von Dir mit einem Fragezeichen versehenen 4. Satz.
Meine einzige Aufnahme mit Leonskaja/Masur ist bestimmt gaaanz schlecht im Vergleich zu all´ den anderen - ist mir aber egal im Moment. :D
ich lernte während der schulzeit das 2. vor dem 1. klavierkonzert kennen, undzwar in der hier schon genannten aufnahme gilels/berliner philh./jochum (DG). weitere aufnahmen gesellten sich hinzu:
geza anda und karajan, ich habe meine lieblingsaufnahme dieses konzertes gefunden. diese aufnahme ist ein ideales beispiel für die verbindung von klang und form. phantastico !
mein absoluter Favorit in Sachen 2. Klavierkonzert wurde noch nicht genannt: Vladimir Horowitz mit dem NBC Symphony Orchestra unter Arturo Toscanini (1941, diverse Ausgaben bei RCA). Die heizen dem "Monster" ganz schön ein, es ist alles wunderbar flüssig und geradezu leicht. Die Aufnahmetechnik ist natürlich entsprechend schlecht.
Unter den Stereo-Aufnahmen sei Svjatoslav Richter erwähnt, nicht in der seltsamen Aufnahme unter Maazel bei EMI, sondern mit dem strengen Erich Leinsdorf und dem Chicago Symphony Orchestra (1960, RCA).
Viele Grüße, Hannes
embe (25.08.2006, 09:44): Hallo Hannes, du bist ja auch öfters auf Ebay unterwegs. Viele Sachen die auch mich interessieren schnappst du mir immer weg :I Trotzdem erwische ich ab und an auch mal was :D
Zum Brahms: http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000003EUL.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1056634554_.jpg
und natürlich auch:
sind meine Favoriten.
Gruß embe
Zelenka (25.08.2006, 13:04): Eine Besprechung von mehreren Aufnahmen des Konzerts mit Sviatoslav Richter als Solisten findet sich hier! Danke, Cosima!
Gruß,
Zelenka
Rachmaninov (25.08.2006, 13:56): Original von Carola Meine einzige Aufnahme mit Leonskaja/Masur ist bestimmt gaaanz schlecht im Vergleich zu all´ den anderen - ist mir aber egal im Moment. :D
Bei Frau Leonskaja kann ich mir ehrlich gesagt gaaanz schlecht nicht vorstellen! :hello
Carola (25.08.2006, 14:33): Original von Rachmaninov Original von Carola Meine einzige Aufnahme mit Leonskaja/Masur ist bestimmt gaaanz schlecht im Vergleich zu all´ den anderen - ist mir aber egal im Moment. :D
Bei Frau Leonskaja kann ich mir ehrlich gesagt gaaanz schlecht nicht vorstellen! :hello
Na, da bin ich ja beruhigt. :D Mir hat es auch gut gefallen. Wobei das Klavier ja in diesem Klavierkonzert ohnehin oft mit dem Orchester sehr stark verwoben und kaum noch herauszuhören ist.
Am besten hat wieder mal das Andante gefallen, in dem das Cello und teilweise auch die Klarinette sehr exponiert aufleuchten an manchen Stellen. Schön!
Mit Gruß von Carola
PS. Es scheint nur wenige Pianistinnen zu geben, die das Konzert eingespielt haben. Oder täusche ich mich?
Zelenka (25.08.2006, 16:14): Original von Carola Original von Rachmaninov Original von Carola Meine einzige Aufnahme mit Leonskaja/Masur ist bestimmt gaaanz schlecht im Vergleich zu all´ den anderen - ist mir aber egal im Moment. :D
PS. Es scheint nur wenige Pianistinnen zu geben, die das Konzert eingespielt haben. Oder täusche ich mich?
Es scheint in der Tat nur wenige zu geben. U.a. haben Gina Bachauer und Cécile Ousset noch das Konzert eingespielt.
Aus einer Gramophone-Rezension (Juli 95), die Leonskajas und Oussets Aufnahmen bespricht:
""You need balls to play Brahms", averred a celebrated (male) pianist after hearing a lady performer trying conclusions with a Brahms concerto. Perhaps so, but on the evidence of these two discs both Cecile Cécile Ousset and Elisabeth Leonskaja could give many a man a run for his money. Though recorded nearly 20 years apart, they are curiously similar, Masur and his Leipzig orchestra providing powerful support for big, bold, strong-fibred readings in which sentiment is kept firmly at bay. In both, the 'feminine' side of Brahms is rather firmly suppressed, save in the slow movement where even Ousset and Leonskaja are bound to make some concessions to sentiment."
Gruß,
Zelenka
Jack Bristow (25.08.2006, 19:48): Eine noch nicht genannte herausragende Einspielung ist Rubinstein/Krips (RCA) in gutem Stereo-Klang vom Ende der 50er. Keine Spur von Bombast oder Übergewicht, wie es Brahms seither mitunter aufgebürdet wird; flüssige Tempi und Rubinstein zeigt als 70jähriger wie häufig mehr Frische als so mancher Jungspund. Ein sentimental favorite meinerseits ist noch Zimerman/Bernstein (DG) mit der ich das Stück kennenlernte.
viele Grüße
J Bristow
sennahresor (25.08.2006, 22:02): Original von Jack Bristow Ein sentimental favorite meinerseits ist noch Zimerman/Bernstein (DG) mit der ich das Stück kennenlernte.
viele Grüße
J Bristow
Das ist doch auch eine tolle Aufnahme, nicht nur als "sentimental favorite"!? Oder siehst Du Schwachpunkte?
Viele Grüße, Hannes
sennahresor (25.08.2006, 22:15): Original von Zelenka Eine Besprechung von mehreren Aufnahmen des Konzerts mit Sviatoslav Richter als Solisten findet sich hier! Danke, Cosima! Gruß, Zelenka
Was Richters Klavierspiel angeht, lieber Zelenka, liebe Cosima, so ist an der EMI-Fassung sicher nichts auszusetzen, aber ansonsten... Ich bin wirklich alles andere als ein Maazel-Hasser (fast schon ein unterschätzter Dirigent!) - hätte er das ganze in Wien, Berlin oder Cleveland aufgenommen, so wäre es sicher toll geworden. Aber beim Orchestre de Paris mangelte es damals einfach klanglich, das wirkt für mein Empfinden zu angestrengt und flach.
Ein schönes Wochende, Hannes
raro (27.08.2006, 15:51): Dieses Klavierkonzert ist eine Wucht! Es gibt bis jetzt kein Klavierkonzert, außer dem von Robert Schumann, dass mir so gut wie das 2. Brahms'sche gefällt. Der Name "Symphonie mit Klavier" würde diesem Monument eher entsprechen.
Das Werk ist eine Geschichte, die mit dem ersten, zerlegten, aufsteigenen B-Dur Akkord beginnt und im furiosen Ende des 4. Satzes endet. Dazwischen scheint mir als ob man vom Komponisten über Täler, Berg, Wiesen und Wälder geführt würde. Was mich bei dem Klavierkonzert aber von der Technik abschreckt sind die Bässe allgemein, weil man schon im ersten Satz mit sehr gemein gesetzten 16tel-Basstriolen zu kämpfen hat. Brahms setzt glaub ich aber prinzipiell so, dass man in der linken Hand auf schwarzen Tasten unter- bzw. übersetzen muss. Denn das gleiche "Problem" hat der Pianist im H-Dur Trio im letzten Satz häufig.
Was mir noch zu dem Konzert einfällt, ist die eine Stelle wo das Klavier das Seitenthema des Orchesters aufgreift und im Triolenrythmus variiert. Diese paar Takte bis hin zu den Trillern gefallen mir am besten, überhaupt die sehr majestätisch abfallenden Sequenzen, mit den mächtigen Bässen. Einfach schön *schmacht*! Das ist wieder so charakteristisch für Brahms.
Nun zu den Aufnahmen:
es gibt für mich nur eine Aufnahme, die bis jetzt von KEINER anderen übertroffen würde. Es ist die mit Barenboim und Celibidache und den Münchner Philharmonikern. Da hatte ich den Eindruck, dass Brahms selbst am Flügel sitzen würde. Barenboim spielt wirklich mit so viel Ausdruck und das gelingt ihm, indem er das Tempo in allen 4 Sätzen nicht übertrieben schneller wählt, als die Tempoangaben sind. So bekommt JEDER Ton sein nötiges Gewicht. Ein Pollini oder eine Richter rasen förmlich über das Konzert. Das hat zwar auch seinen Reiz an manchen Stellen, aber mir geht da einfach so viel von der Zartheit oder der Dramatik verloren, die man ja zweifellos aus dem Werk herausholen kann.
raro
Carola (27.08.2006, 16:23): Original von raro
Was mir noch zu dem Konzert einfällt, ist die eine Stelle wo das Klavier das Seitenthema des Orchesters aufgreift und im Triolenrythmus variiert. Diese paar Takte bis hin zu den Trillern gefallen mir am besten, überhaupt die sehr majestätisch abfallenden Sequenzen, mit den mächtigen Bässen. Einfach schön *schmacht*! Das ist wieder so charakteristisch für Brahms.
raro
Lieber raro,
Geht es um den 1. Satz?
fragt Carola
raro (27.08.2006, 16:47): @carola: jawohl, da mein ich den 1. Satz.
Carola (27.08.2006, 17:27): Original von raro @carola: jawohl, da mein ich den 1. Satz.
Vielen Dank! Ich habe mir daraufhin den 1. Satz gerade noch mal angehört.
Ich bin zwar nicht hundertprozentig sicher, ob wir die gleiche Passage meinen, aber an schönen Stellen mangelt es diesem Satz ja ohnehin nicht. Mich selber berührt das gleich zu Beginn im Horn erklingende und dann mehrfach wiederkehrende Hauptthema ebenfalls sehr.
Mit Gruß von Carola
PS. Du musst ein sehr guter Klavierspieler sein, wenn Du dieses Konzert spielen kannst. Wenn ich da an meine Fugetten und Sonatinen denke.... Respekt!
Cosima (28.08.2006, 13:02): Außer den ganzen Richter-Aufnahmen des 2. Brahms-Klavierkonzertes kenne ich noch jene mit Backhaus/Böhm, Bulva/Rezucha, Fleisher/Szell, Gelber/Kempe, Anda/Karajan.
Diese sind m.E. fast alle sehr gut, bis auf die Bulva-Aufnahme, die ich wirklich schrecklich finde. Meine favorisierte Aufnahme ist aber jene mit Sviatoslav Richter unter Leinsdorf (oder Maazel, ich bin unschlüssig). Ich höre aber bedeutend lieber das 1. Klavierkonzert von Brahms. Schade, dass Richter es nicht einspielte.
Gruß, Cosima
Jeremias (29.08.2006, 23:05): Ich arbeite seit geraumer Zeit am 1. Satz des Konzertes. Man kann allein diesen "Eingangssatz" immer nur stückweise erlernen. Er ist derart komplex und schwer zu erfassen, dass auch gestandene Konzertpianisten wohl mehrere Wochen oder gar Monate brauchen, um sich diesen Koloss zu erarbeiten. Das schwierigste am 1. Satz sind m.E. aber nicht die 16.tel-Bässe in der li. Hand, die raro beschrieben hat. Es sind vielmehr 2 Stellen, an denen der Pianist 16.tel zu spielen hat, bei denen die Hände auseinandergehen. Hier alle Töne - sauber - zu treffen, ist nahezu unmöglich :( Ich finde es zumindest wesentlich schwerer zu erlernen als der Eingangssatz des 1. Konzertes. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich damit vor dem Examen angefangen habe und die nötige Ruhe nicht hatte...
Meine Favoriten unter den dutzenden Einspielungen sind übrigens Zimerman/Bernstein sowie Gutierrez/Previn!
Rachmaninov (17.12.2006, 21:19): Zugegeben, als ich mir diese Aufnahme bestellte war ich doch eher skeptisch. Hamelin ist sicher ein technisch brillianten Pianist aber sein Klavierton erscheint mir oftmals als eher "unterkühlt". Dazu kommt noch die Tatsache, daß mir die Aufnahme der Rachmaninov Klavierkonzerte mit S. Hough und den Dallas SO unter Litton ebenfalls etwas "kalt" vorkamen.
Um so mehr überraschte mich doch die Aufnahme Hamelins mit dem Dallas SO unter Littion.
Pianistisch natürlich klasse gespielt aber auch sehr schön im Klavierton. Dazu ein recht gut geleitetes Dallas SO das hier klanglich sehr gut eingefangen wurde was viele Feinheiten hörbar macht. Vor allem das man den Klavierklang jederzeit gut wahnehmen kann ist sehr lobenswert.
Recht gelungen diese Aufnahme :D
Amadé (04.10.2007, 21:39): Hallo zusammen! Soeben entdecke ich diesen Thread. Meine Lieblingsaufnahmen dieses grandiosen Werks, auch wenn es eines der längsten aber nicht langweiligsten seines Genres ist, sind:
Wilhelm Backhaus mit Carl Schuricht und den Wiener Philharmonikern,Decca, orchestral nicht immer ganz perfekt, aber die Musik glüht, dass kann man von der späteren Produktion mit Böhm nicht sagen Artur Rubinstein mit Josef Krips und dem RCA Victor SO, RCA, ich kenne noch 3 andere mit ihm Rudolf Serkin mit Ormandy und dem Philadelphia Orchestra von 1956, es gibt in gleicher Besetzung auch noch eine Stereo-Version und seine letzte Aufnahme mit Szell und dem Cleveland Orchester, alle bei CBS, jetzt Sony Claudio Arrau mit C.M.Giulini und dem Philharmonia Orchestra, EMI, gefällt mir vom Orchester her besser als die spätere mit Haitink und dem COA, auch wenn diese etwas besser klingt Emil Gilels mit Fritz Reiner und dem Chicago SO, RCA, noch aufregender und stürmischer, jugendlicher als die Richter-Aufnahme mit Leinsdorf Geza Anda mit Ferenc Fricsay und den Berliner Philharmonikern, DGG, sie klingt nicht so poliert wie die einige Jahre später produzierte Aufnahme mi HvK Igor Schukow mit Roshdestvensky und dem RundfksSO der UdSSR, HMF
Szell ist der "Spiritur Rector" für die Brahms-Klavierkonzerte. Es gibt kaum einen Dirigenten, der diese mit so vielen unterschiedlichen Solisten aufgenommen hat.
So war über vile Jahre meine lieste Aufnahme beider Brahms-Klavierkonzerte, die Aufnahme mit Rudolf Serkin / Cleveland Orchestra / G.Szell (SONY), die ich nach wie vor hoch schätze.
Vorher auf LP hatte ich die Klavierkonzerte mit Rubinstein / Boston SO / Reiner und Krips (RCA) kennen und lieben gelernt (in den 70ern). Auch Fleisher / Szell -CBS-Aufnahme hatte ich auf einer CBS-Doppel-LP, aber diese LP´s waren klanglich so desolat (teils linkslastig und fürchterlich verrauscht), sodass ich die Qualität dieser Aufnahmen damals gar nicht richtig wahrgenommen habe. Erst 2005 hatte ich im ***-Forum mehrmals nach der CD-Qualität dieser Aufnahmen gefragt und erst spät Antwort erhalten.
:W Nachdem eine positive Antwort kam, habe ich die SONY-Heritage Doppel-CD bei amazon (dort preiswerter als jpc) geordert und
-- "bin vom Hocker gefallen". Als die Doppel-CD eintrudelte wollte ich mit dem Kopfhörer nur mal kurz reinhören - ich bin dann doch sitzen geblieben und war überwältigt - die Hörsitzung endete erst mit dem Schluß des Konzertes Nr.1. :beer Die CD-Klangqualität ist gut und hat mit der techn. Quailität der LP-Ausgabe von damals nichts gemein.
:engel Die SONY-CD ist sehr informativ aufgemacht und enthält viele Infos über die Entstehung der Aufnahme mit Fleisher: So erzählt Fleisher von seinem Schallplattengeschenk seiner Eltern als 12Jähriger - eine Aufnahme von 1947 der Klavierkonzerte mit Szell und Artur Schnabel. Diese hatte ihn damals geprägt und sein großer Wunsch war, einmal mit Szell eine Aufnahme der Brahms-Konzerte zu machen. Der Traum wurde 1959 wahr und es wurden noch weitere Projekte mit Szell geplant (Klavierkonzerte von Beethoven, Grieg, Schumann). Fleisher sagte: "Das ist der Stoff aus dem Träume gemacht sind !"
teleton sagt heute: "Das ist der Stoff aus dem Traum-CD´s gemacht sind!"
Zwischenzeitlich habe ich auch die Pollini-Aufnahme (DG) kennengelernt, die sehr schön klingt, pianistisch perfekt ist. Doch ist der Zenit für diese Aufnahme bei mir abgelaufen
an Fleisher und Serkin wird für mein Hörempfinden keine Aufnahme mehr vorbeikommen.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2244644.jpg Klavierkonzerte Nr. 1 & 2 Pollini, Berlin PO, Abbado DG, DDD
daniel5993 (06.06.2008, 16:46): Hallo,
Ich beitze folgende Aufnahmen des 2. Klavierkonzerts von Johannes Brahms:
Zimerman/Bernstein Richter/Leinsdorf Arrau/Giulini Gilels/Jochum (noch verschweißt, noch nicht reingehört) Brendel/Abbado Backhaus/Böhm/1939
Einzig und allein fehlen tut noch die Backhaus/Böhm Aufnahme von "Decca Legends", welche bei einem Böhm Sympathisanten nicht fehlen darf!
Nachdem mir das erste Klavierkonzert mit den Zusammenarbeitenden Alfred Brendel und Claudio Abbado so garnicht gefallen wollte, eher nüchtern rüberkam, ists hier das genaue Gegenteil. Dieses zweite Klavierkonzert, welches ich nebenbei gesagt dem ersten KK vorziehe, ist für mich das "Größte" und wohl auch das schönste Klavierkonzert unter den Klavierkonzerten allgemein. Um auf Alfred Brendel und Claudio Abbado zurrückzukommen, eine Klasse zusammenarbeit der beiden und den Berlinern! Hier findet man einen Claudio Abbado, der ENDLICH einmal mit seinen Berliner Philharmonikern, begeistern und überzeugen kann, stark, Schlagkräftig und Perfekt wirkt, rüberkommt. Die Aufnahme ist recht Bassreich, was mir sehr gefällt, da die Leisen Stellen durch diesen dumpfen Aufnahmehintergrund sich deutlich von den starken und Aufbrausenden Stellen abheben. So wird man auf einmal aufgeschreckt, begeistert mitgerissen, wenn die Berliner anfangen in den "robusten", lauten Stellen drauflos zu kloppen, wenn das Orchester aus dem dumpf tiefen, leisen "nebelumwogenen" Untergrund hinaufsteigt. Was für ein Effekt, Herrlich! Endlich ist hier mal wieder eine Aufnahme mit Leidenschaft, eine Aufnahme, wo die Begeisterung und die Leidenschaft spührbar rüberkommt!
Mein Tipp also, eher Hände weg vom ersten Klavierkonzert mit Brendel/Abbado. Beim zweiten Klavierkonzert wirken Abbado und die Berliner wie verwandelt, denn was ist eine "Schlachtrosskonzert" OHNE ein kräftig aufspielendes Orchester??? Bei diesem Konzert NICHTS! Also zugreifen! Brendel/Abbado haben sich mit diesem 2. KK in mein Herz gespielt. Die Aufnahme nimmt einen Platz neben meinen persöhnlichen Referenzen
Zum Ende möcht ich mich dieser eben gefundenen Rezension anschließen:
L. Brandt in Audio 7 / 92: "CD des Monats. Mit ungeheurem Drive, mit phantastischem Gespür für satt kolorierte Steigerungen läßt Abbado die Partitur aufblühen. Brendels Part gewinnt durch seine souveräne, sorgsame Spielweise. Dem Aufnahme-Team gelang eine exquisite Balance - der warme Orchesterklang überrascht."
Gruß Daniel
ab (17.08.2009, 15:59): Tja, das zweite Brahmssche Klavierkonzert! Bislang zuhause hatte ich bloß Richter/Kondrashin (live Prag 1950), Backhaus/Schuricht, Fleisher/Szell, Gieles/Jochum und neuerdings erst die mit Richter/Maazel, womit mir das Konzert erstmals richtig gut gefällt.
Übers Wochendende habe ich mich durch eine ganze Latte von Aufnahmen, jeweils 1. Satz durchgehört. (Internet sei dank, das dies nun möglich ist, ganze Werke anzuhören, ohne sie ausleihen oder in große Läden verreisen zu müssen!) Bei bloß dreien davon bin ich wirklich hängegen geblieben, weil sie mich gefesselt haben:
2. Edwin Fischer / Charles Münch (mit dem Basler Sinfonieorchester bei grottenschlechtem Klang aber ein Klavierspiel wie ein Dirigat Furtwänglers, Archipel) http://graphics.musicme.com/jpg343/u4035122403077.jpg