Bram Stokers Dracula / Filmbesprechung

Hosenrolle1 (26.03.2015, 06:35):
Ich weiß gar nicht mehr, ob es 1992 oder 1993 war, dass ich als Kind im Kino stand und im Eingangsbereich darauf wartete, dass der Film, den ich sehen wollte, losging. In diesem Bereich stand ein großer Pappaufsteller, auf dem man das Logo dieses Films sah, jenes, welches man auf diesem DVD Cover auch sieht.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculadvd1f24rqjtxoy.jpg


Damals dachte ich mir: „DAS muss ja ein arger Film sein, extrem gruselig und brutal!“. Wenn ich damals nur gewusst hätte, was ich heute darüber weiß! Denn dieser Film ist, trotz des für meinen Geschmack eher reißerischen Covers, alles andere als ein Horror-Schocker. Aber der Reihe nach.

„Bram Stokers Dracula“ folgt Stokers Roman (den ich, weil er mir so gut gefallen hat, 3x gelesen habe) sehr genau. Es gibt und gab immer wieder Dracula-Filme, die nur vage an Stokers Buch angelehnt waren; so wurden Charaktere weggelassen, Namen umgeändert, usw.
Coppola war es wichtig, sich nach dem Buch zu richten, und so las er gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern bei den Proben den Roman, um sicherzustellen, dass jeder damit vertraut ist.

Bevor ich mehr zum Film sage, möchte ich gerne eine kurze Zusammenfassung des Films schreiben.

Der Film beginnt im 15. Jahrhundert, als die Türken in Rumänien einfallen. Fürst Dracula, ein normaler Mensch, verabschiedet sich von seiner Frau Elisabetha, und zieht in die Schlacht, wissend, dass der Kampf aussichtslos ist. Doch tatsächlich gewinnt er ihn. Die auf Rache sinnenden Türken schicken Elisabetha einen Pfeil mit der falschen Nachricht von Draculas Tod, worauf diese sich in den Fluss stürzt. Als Dracula davon erfährt, und die Priester der Selbstmörderin ein christliches Begräbnis verweigern, rastet Dracula aus, entsagt Gott und trinkt das Blut, das aus einem von ihm zerstörten Kreuz fließt.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wird Jonathan Harker nach Transilvanien zu Dracula geschickt, um mit ihm den Kauf einiger Grundstücke in London abzuschließen. Dort angekommen, sieht Dracula, nunmehr ein steinalter Mann, ein Bild von Harkers Verlobten Mina – sie sieht Elisabetha zum Verwechseln ähnlich! Er hält Harker als Gefangenen in seinem Schloss und reist nach London, um Mina zu treffen, nicht ohne vorher an ihrer Freundin Lucy herumzuknabbern. Das wiederum ruft Professor Van Helsing und ihre Liebhaber auf den Plan, die nun gegen Dracula vorgehen, während dieser sich mit Erfolg an Mina heranmacht.
Da er nun ständig gejagt wird und Mina gebissen hat, reist Dracula wieder in seine Heimat zurück, die Vampirjäger folgen ihm gemeinsam mit Mina, die sich nach und nach in einen Vampir verwandelt. Am Ende erreichen sie Draculas Schloss, und in einem finalen Kampf können sie Dracula schließlich tödlich verwunden. Mina verabschiedet sich von ihm, um ihn dann zu enthaupten – dabei wird sie wieder zu einem normalen Menschen.


Das war, in aller Kürze zusammengerafft, die Hauptstory. Und sie hält sich tatsächlich sehr eng an Stokers Werk, ABER es gibt dann doch einen Punkt, den viele Leute kritisieren, und das ist die Liebesgeschichte zwischen Dracula und Mina, die es im Buch nicht gibt, auch nicht ansatzweise.
Trotz dieser Änderung, die m.E. einfach nicht in die Geschichte passt, kann ich darüber hinwegsehen, denn der Film hat eine Bildersprache, die einfach nur irre ist! Das Besondere an ihm ist nämlich, dass alle Tricks (vielleicht mit Ausnahme von einem oder zwei kurzen Szenen) NICHT aus dem Computer stammen, sondern handgemacht sind. Coppola wollte keine modernen Tricks verwenden, kein CGI, sondern auf Bühnentricks aus der Zeit um die Jahrhundertwende zurückgreifen.

Man denke an Filme, die zur selben Zeit herauskamen, wie „Terminator 2“, oder „Jurassic Park“, die vor CGI-Effekten nur so strotzen – der Gedanke, dass man da nun einen Film herausbringt, in dem es fast ausschließlich handgemachte Tricks gibt, hat schon was. Und vor allem ist der Film ein Beweis dafür, dass es keine Computer braucht, um einen derart bildgewaltigen Film herzustellen.

So gibt es etwa eine Szene, in der man Harkers aufgeschlagenes Tagebuch am unteren Bildrand sieht, während oben, quasi am Rand des Buches, ein Zug vorbeifährt, der einen Schatten auf das Buch wirft. Coppola ließ dafür ein riesiges, meterbreites Buch bauen, und ein Eisenbahnmodell wurde in einiger Entfernung fahren gelassen – mit der richtigen Beleuchtung warf das Modell seinen Schatten auf die Seiten.

In einer anderen Szene, in der Dracula Harker rasiert, erzeugt der Regisseur ein unterschwelliges klaustrophobisches Gefühl, indem er einfach die Wände langsam nach innen schieben lässt.

Wenn Dracula und Mina scheinbar über den Boden schweben, stehen sie einfach auf einer beweglichen Plattform; wenn der Kutscher nach Jonathan greift, scheint sein Arm extrem lang zu werden. Tatsächlich sitzt der Kutscher auf einem beweglichen Sitz, und die geschickte Kameraarbeit erzeugt nun tatsächlich die Illusion, dass der Arm immer länger wird. Tatsächlich wird einfach nur der ganze Kutscher offscreen bewegt.

Das waren nur ein paar kleine Beispiele, die zeigen sollen, dass wirklich alles handgemacht ist, dass man sich der Bühnentricks längst vergangener Zeiten bedient hat.

Für eine Sequenz, in der Dracula in London ankommt, ließ Coppola eine originale Stummfilmkamera besorgen, mit der das rege Treiben auf den Straßen gefilmt wurde.

Coppola hatte auch andere tolle Einfälle: wenn Lucy etwa ihre Gruft betritt, und dabei die Treppen hinuntersteigt, dann sieht das deswegen unnatürlich und gruselig aus, weil er die Darstellerin rückwärts gehen ließ, um den Film dann rückwärts laufen zu lassen. Es wird mit Licht und Schatten, mit Perspektiven und Kamerawinkeln gespielt, dass es eine Freude ist.

Übrigens baut der Regisseur auch ein paar Elemente aus anderen berühmten Vorgängerfilmen ein; so gibt es etwa wie in Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" von 1921 eine Szene, in der sich Dracula kerzengerade in seinem Sarg aufrichtet.
Aber auch Hommagen an den berühmten Lugosi-Dracula von 1931 findet man, etwa der Ausspruch Draculas: "I never drink .... wine".

Ich bin kein Freund von CGI, speziell dann nicht, wenn es nicht dezent eingesetzt wird, sondern im Übermaß. Wer erinnert sich nicht an die ekelhafte Szene aus Cronenbergs „Die Fliege“ aus den 80ern, in der Geena Davis Jeff Goldblums Unterkiefer herausreißt, worauf sein ganzer Körper aufplatzt und die Fliege darunter zum Vorschein kommt? Das sah deswegen echt aus, weil es eine echte Puppe war, die gesteuert wurde! Da saßen Leute, die ihr Handwerk gelernt haben, und haben sich überlegt, wie man diesen Effekt hinbekommt. Sie haben diese Puppe gebaut und gesteuert. Und alles sah echt aus!

Heute hingegen macht man sich diese Mühe nicht mehr. Man setzt sich an den Computer und zaubert da seelenlose Kreaturen hin, die völlig unnatürlich und unecht aussehen. „Die Mumie“ von 1999 wäre ein wesentlich besserer Film, würde die Mumie auch tatsächlich aussehen wie eine Mumie, und nicht wie eine Figur aus einem Computerspiel! Man merkt den Darstellern auch an, dass sie mit niemandem interagieren, weil am Set einfach nichts ist.
Es müssen aber keine Horror-Effekte sein; wer erinnert sich nicht an die Figuren eines Ray Harryhausen? An die Medusa, an die Zyklopen, usw.?
Und deswegen mag ich diesen Dracula-Film einfach so gerne … wahnsinnige Bilder, herrliche, handgemachte Effekte …

Was soll ich zu den Schauspielern sagen? Auch hier gibt es Stärken und Schwächen. Die größte Schwäche ist wohl Keanu Reeves als Harker, der mit seinem gestelltem englischen Akzent völlig deplaziert und hölzern wirkt. Coppola selbst gibt heute zu, dass er eine Fehlbesetzung war. Gary Oldman spielt Dracula, und ich hätte ihn lieber als Dracula OHNE Liebesgeschichte gesehen. Er spielt ihn sehr eindrucksvoll, arbeitete an einem rumänischen Akzent, arbeitete auch mit einem Gesangslehrer, um seine Stimme tiefer werden zu lassen, usw. Am beeindruckendsten sind wohl seine vielen Erscheinungsformen. Der Soldat Dracula, der alte Mann, der junge Mann, das Fledermausmonster, der Werwolf, …
Winona Ryder als Mina ist auch nicht so mein Fall, wenngleich ich ihr Schauspiel wesentlich besser finde als das von Reeves. Auch bei ihr stört mich der deutlich gefakte englische Akzent. Und natürlich Anthony Hopkins als Van Helsing, den ich wiederum sehr gelungen finde!

In einer kleineren Rolle spielt der Sänger Tom Waits einen echt gelungenen Renfield! Wenn er verzweifelt „Doktor Jack! DOKTOOOOR JAAAAAAAAAAAAAAACCCKKKKKK!“ brüllt, dann läuft es einem eiskalt den Rücken runter, wenn ich diese Phrase bemühen darf.


__________________


SOUNDTRACK:

Was aber wären die schönsten Bilder ohne die passende Musik? Gar nichts!

Und die Musik, die Wojciech Kilar für „Bram Stokers Dracula“ schrieb, ist nicht weniger eindrucksvoll!

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculasoundtre6ilv2gzbh.jpg



Wenn ich mir den Soundtrack nur anhöre, dann sehe ich sofort die passenden Szenen und Bilder aus dem Film vor mir, so perfekt passen Musik und Film zusammen!

Kilar passte seine Musik der Epoche an, in der die Handlung spielt, nämlich dem Fin de Siecle, und weist spätromantische Klänge als auch einen impressionistischen Stil auf. Ersteres wird besonders deutlich in dem „Liebesthema“ Draculas, das dem Hauptthema aus Debussys Prélude à l'après-midi d'un faune sehr ähnelt.

Am liebsten würde man jeden Track einzeln besprechen, aber um es kurz zu halten, es ist eine insgesamt eher düstere Musik, die sehr fein instrumentiert ist, und sehr oft lautmalerisch tätig ist. Schon direkt zu Beginn des Films befördert uns ein ein sich wiederholender Ton in den tiefsten Registern des Klaviers in die dunklen Zeiten des 15. Jahrhunderts.

Die Musik, die während der Schlacht zu hören ist, ist vielleicht auch die brutalste und heftigste; das Orchester, allen voran das Blech, schwingt sich in die Höhe, um dann von dort schnell und heftig in die Tiefe zu rutschen, bevor es wieder in die Höhe geht. Die Musik wirkt hier förmlich „ausgezackt“.

Wenn Harker mit dem Zug nach Transsylvanien reist, spielen die Streicher einen stampfenden Rhythmus, wird er von den drei Vampirinnen verführt, vernimmt man orientalische Anklänge, begleitet von einem sehr leise gespielten Tam Tam. Manchmal wirkt die Musik, passend zu den Bildern, direkt erstickend, etwa das Glockenspiel, das Mina zugeordnet ist, in Verbindung mit düsteren Klängen anderer Instrumente, die auf Draculas Einfluss hindeuten, jedoch nichts liebliches mehr haben.
Am Ende, als Mina und Dracula Abschied voneinander nehmen und sie ihn erlöst, vernimmt man versöhnliche Klänge eines Kirchenchores.

Es wäre aber ungerecht, nur die Musik zu erwähnen, denn auch die Geräuschkulisse ist schon eine Komposition für sich. Man muss einmal darauf achten, wie etwa Pfauenrufe plötzlich in das Pfeifen eines Zuges übergehen, auf die unheimlichen Geräusche, die man da hört … es lohnt sich, den Film mit guten Kopfhörern anzusehen, um das noch besser wahrnehmen zu können.

__________________

MEDIEN:

Es gibt diesen Film auf unterschiedlichen Medien; die alte DVD habe ich am Anfang meiner Besprechung gezeigt.

Nun gibt es aber eine 2 Disc-Edition auf DVD sowie auf BluRay, die wesentlich mehr bietet: ein überarbeitetes Bild, einen untertitelten Audiokommentar von Coppola, ein längeres und ausführlicheres Making of als das, das man auf der alten DVD sieht, viele entfallene Szenen, usw.
Es handelt sich um diese hier:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculadvd2swm624xnyz.jpg



Das Cover ist, für meinen Geschmack, ziemlich misslungen, da kann der Prägedruck auch nicht mehr viel rausreißen.

Beim Bild hat sich etwas getan: es wurde farblich und vom Kontrast her gegenüber der Erstauflage zumindest in einigen Szenen verändert. Coppola meint, der Film sähe nun so aus wie er aussehen muss. Viele haben sich darüber aufgeregt, dass das Bild oft dunkler ist, man weniger Details sieht, jedoch passt das m.E. viel besser: Nachtszenen sehen nun wirklich wie Nachtszenen aus, man hat nicht den Eindruck dass es eigentlich zu hell sei.

Auch beim Sound hat sich etwas verändert: die alte DVD bot den Film im deutschen Ton in Stereo, hier nun liegt er in 5.1 vor, jedoch sollte man sich davon nicht zu viel erwarten, weil da lediglich von 2.0 upgemixt wurde, weit weniger wuchtig ist als der Originalton. Den ich sowieso vorziehen würde, weil man hier die Akzente der Darsteller hören kann.

Sehr ärgerlich ist allerdings die Verpackung, denn die Halterungen der DVDs verdienen ihren Namen nicht, da sie die Scheiben nicht halten, und sie einem beim Öffnen gerne mal entgegenfliegen, was zu zerkratzten DVDs führen kann.
Aber rein inhaltlich sehr gut gemacht!

Dann gibt es da noch eine VHS sowie DVD aus dem Ausland, die in einer „Sarg-Box“ verkauft wird. Ich erwähne das deshalb, weil es auf dieser, laut „Schnittberichte.com“ ein paar kurze Szenen gibt, die man in allen anderen Versionen des Films nicht sieht.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculadvdsarxwgzlqua23.jpg




Weiters besitze ich natürlich den Roman zum Film, der nach dem Drehbuch geschrieben wurde.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/dracularomank234oisvd9.jpg



Sowie ein Filmbuch, das Anfang der 90er erschien, und nicht nur massenweise Hintergrundinfos über die Entstehung des Films sowie Produktionsnotizen und Kommentare der Macher beinhaltet, sondern auch das komplette Drehbuch.

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculafilmbucaxs19omp8w.jpg


(Heute bekommt man diese Bücher teilweise um ein paar Cent nachgeschmissen, was für den Käufer natürlich praktisch ist, aber dennoch finde ich es schade, wie Leute ihre Filmbibliotheken nur wegen dem Internet einfach auflösen und meinen, diese Bücher aus den 70er oder 80er Jahren hätten keinen Wert mehr.)

Welche Dracula-Filme kennt und/oder mögt ihr?
Hosenrolle1 (28.03.2015, 04:01):
Abgesehen von Medien wie CDs oder Bücher gab es natürlich auch noch die Videospielindustrie, die Coppolas "Dracula" ordentlich verwurstet hat.
Und wie so oft haben die Spiele mit dem Film so gut wie gar nichts zu tun.

Ich selbst besitze keines dieser Spiele, habe aber komplette Let´s Plays davon auf YouTube gesehen. (Let´s Plays sind Videos, wo man sieht, wie jemand ein Videospiel spielt, vereinfacht gesagt. Oft wird das auch vom Spieler kommentiert, muss aber nicht zwingend sein).


GAME BOY

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculagamebo5efbu1a38p.jpg


Ein grausiges Spiel, wahrscheinlich für kleine Kinder berechnet - öfter mal tauchen Skelette auf, die man besiegen muss. Im Film gibt es keine Skelette. Aber bitte.


SUPER NINTENDO

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculanintendrokb4jq81u.jpg


Diese Version kommt dem Film schon näher. Man spielt Jonathan Harker, der sich mit einem Schwert durch die Levels kämpft, die nur lose etwas mit dem Film zu tun haben. So wird man etwa in einem Gasthaus von lauter gleich aussehenden Gästen angegriffen - naja.
Die Endgegner jedes Levels stammen zumindest aus dem Film - jedoch hat man sich hier ganz offenbar KEINE Gedanken darüber gemacht, ob etwa ein riesiger Krieger-Dracula in seiner Rüstung überhaupt ins 19. Jahrhundert passt.
Das war den Entwicklern aber offenbar egal, hauptsache, die Figuren sehen so aus wie im Film, damit man nicht vergisst, dass es sich hier um ein Dracula-Spiel handelt.

SEGA GAME GEAR

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculagamegezescdt8mpa.jpg


Der Sega Game Gear war so eine Art tragbarer Sega Mega Drive. Zu dem Spiel kann ich leider nichts sagen.


SEGA MEGA DRIVE

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculasegaklf2batxq7lp.jpg


Das Spiel ist mit der Super Nindendo-Version identisch, jedoch gibt es Unterschiede in der Grafik. Wenn ich mich nicht irre, sieht diese Version hier um einiges besser aus. Ändert aber nichts daran, dass das Spiel ein Schmarrn ist.


SEGA CD

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/draculasegacd87pxb691vw.jpg


Dieses Spiel hier hat im Vergleich zu den oben erwähnten Spielen einen riesigen Vorteil, aber auch einen riesigen Nachteil.

Ein absoluter Pluspunkt ist die, für ca. 1993, wirklich gelungene Grafik, besonders die 3D-Kameraschwenks im Schloss sehen echt gelungen aus. Und es gibt sogar echte Cutscenes aus dem Film!
Allerdings sehen die aus heutiger Sicht total verpixelt und fürchterlich aus, auch der Sound ist alles andere als klar und sauber. Aber dennoch, damals war so etwas schon spektakulär.

Der große Nachteil ist, dass das Spiel extrem eintönig ist: man macht tatsächlich nichts anderes, als durch ewig gleich aussehende Levels zu gehen, Fledermäuse zu hauen und Spinnen oder anderes Getier wegzutreten. Ab und zu muss man wo drüberhüpfen, und am Ende gibt es einen Endgegner, der wiederum wie eine der Figuren des Spiels aussieht.

Ein unglaublich zähes Spiel, bei dem die für damalige Verhältnisse wirklich tolle Grafik und die Cutscenes nichts mehr rausreißen können. (Und speziell das Ende, nachdem Dracula als Endboss besiegt wurde, ist an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten ...)



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (28.03.2015, 04:02):
Ergänzend zu meinem ersten Beitrag möchte ich unbedingt auf diese Webseite hinweisen:

http://sd.caps-a-holic.com/vergleich.php?vergleichID=566

Hier gibt es einen Bildvergleich zwischen der deutschen Erstauflage, der deutschen CE (Collectors Edition), sowie einer - für uns jedoch wahrscheinlich uninteressanteren - südkoreanischen DVD.

Wenn man hinunterscrollt, sieht man einzelne Screenshots. Über jedem Screenshot gibt es drei kleine Kästchen zur Auswahl. Man muss lediglich mit der Maus über das Kästchen fahren, schon sieht man das exakt gleiche Bild in der gewünschten Version, und kann somit vergleichen.


Diese Seite ist aber generell sehr praktisch, und kann einem sicher bei der ein oder anderen Kaufentscheidung helfen, weil man hier selbst sehen kann, wo die Unterschiede zwischen einzelnen Versionen liegt. Und die sind oft erschreckend!




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (11.10.2015, 19:34):
Vor ein paar Tagen kam endlich eine neue BluRay heraus - diesmal wurde der Film in 4K abgetastet und sieht sensationell aus!

Das Cover ist zwar noch grottiger als das der Erstauflage, aber das ist egal - es soll ein neuer Kommentar von Coppola drauf sein, und auch andere Extras.

Habe sie am Freitag bestellt und werde berichten, sobald sie da ist.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51xMF6vkP2L.jpg




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.10.2015, 21:03):
Die BluRay ist da, und sie enthält tatsächlich die 4K-Version. Vor der Veröffentlichung war immer wieder zu lesen, dass es sich hier nur um die bisherige Version handelt, die doch eher misslungen war, und NICHT das 4K-Master Verwendung fand.

Leider hat die Hülle kein Wendecover, so muss man mit dem hässlichen FSK Flatschen leben. Auch Booklets oder ähnliches sucht man vergebens, während die amerikanische Version das durchaus hat. Aber bitte.

Der Film sieht tatsächlich VIEL besser aus! Die neue Abtastung in 4K macht sich extrem bemerkbar, nicht nur, weil man nun das Filmkorn deutlicher sieht (was ein gutes Zeichen ist!), sondern auch in den Darstellungen der vielen Details und Farben.

Ich habe hier wieder ein paar Beispiele erstellt, wobei ich hier die neue BluRay mit der alten BluRay vergleiche, um zu zeigen, was für einen Unterschied diese Abtastung macht. Dazu möchte ich auch zeigen, wie das gesamte Bild aussieht, damit man einen Eindruck davon bekommt, wie stark in das Bild gezoomt wurde.

1

Hier sieht man sehr schön, wie deutlich plötzlich die Schrift wird, auch die drei dünnen roten Striche am Rand sind nun deutlich zu erkennen. Und auch farblich sieht das Ganze nun besser aus.

http://share-your-photo.com/img/14f7dc5fb0.jpg

http://share-your-photo.com/img/5dd8a92b4d.jpg http://share-your-photo.com/img/9899a1f3d1.jpg


2

Man achte hier bitte auf die dünnen Äste und Zweige rechts im Bild, die nun klar konturiert sind, und auch auf die Speichen des Rades, wo man die kleinen Zwischenräume nun deutlicher sieht.

http://share-your-photo.com/img/d391e94ea7.jpg

http://share-your-photo.com/img/6108972cd0.jpg http://share-your-photo.com/img/ba03edf364.jpg


3

Auch hier viel mehr Details, klar umrissene Ränder etwa an den Blättern, auch die Farben wirken kräftiger und lebendiger, nicht so matt.

http://share-your-photo.com/img/a3c98fb2d7.jpg

http://share-your-photo.com/img/8a7be8da72.jpg http://share-your-photo.com/img/d6ccc923c5.jpg


4

Auf diesem Bild hat man es auf der DVD extrem übertrieben und die ganze Szene grell-blau eingefärbt. Auf der alten BluRay war das nicht mehr so schlimm, dennoch sieht es auf der 4K-Version besser aus: das Rot der Haare und des Kleides kommt nun besser heraus, auch das Grün der Pflanzen rechts. Es sieht nun immer noch kunstvoll aus, gleichzeitig aber etwas realistischer - so, als ob der Mond tatsächlich scheinen würde, OHNE den Einsatz von extremen Farbeffekten.

http://share-your-photo.com/img/495c306d82.jpg

http://share-your-photo.com/img/ea258be120.jpg http://share-your-photo.com/img/0b825cc673.jpg


5

Dieses Beispiel kommentiert sich schon von selbst - man sieht die Perlenkette auf der alten BluRay nicht mehr wirklich, die einzelnen Perlen verschwimmen schon - auf der 4K jedoch nicht. Auch die Muster auf der Halskrause sind nun deutlich umrissen.

http://share-your-photo.com/img/463c6f1d6a.jpg


http://share-your-photo.com/img/bc5bae67e7.jpg http://share-your-photo.com/img/b4169d7c0c.jpg
Hosenrolle1 (17.10.2015, 00:50):
Ich habe mal zum direkten Vergleich die Hüllen meiner Versionen, und auch die DVDs bzw. BluRays Discs fotografiert.




Mir persönlich gefällt bei den Hüllen die ganz links, bei den Discs die in der Mitte am Besten.

Was jedoch schön ist, ist der Prägedruck der mittleren DVD-Box, der in Gold sehr schön leuchtet!

Bei den Discs hat man sich m.E. mit der mittleren die meiste Mühe gegeben, es ist das Bild einer der Münzen, die Dracula gehören. Die links ist fad, und die Bluray ist mir schon zu modern hergerichtet, wenngleich hier zumindest das Logo des Films drauf ist.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.11.2015, 20:35):
Ich habe mir in der Nacht die BluRay komplett angesehen, das heißt, den Film komplett auf englisch. (Auf Deutsch mag ich ihn nicht, schon wegen der Wahl der Synchronsprecher)

Dass das Bild leider ein wenig verschoben ist fällt nur in einer Szene auf, wo Draculas Kopf vom oberen Bildrand abgeschnitten wird.

Ansonsten ist das Bild einmalig, man sieht die Filmkörnung, die Farben sind wunderschön, man sieht Details, die man vorher nicht gesehen hat, man entdeckt den Film völlig neu!

Die Extras wurden alle untertitelt, auch die beiden Audiokommentare. Ich werde mir den Film noch in den verschiedenen Sprachfassungen ansehen, um zu hören, wie die klingen, natürlich mit den beiden Audiokommentaren, und auch die Extras ansehen.

Also ich bin auf jeden Fall (abgesehen von dem Problem mit dem verschobenen Bild) schwer begeistert von diesem plastischen, detailreichen Bild.

Werde da auch noch eine ausführliche Rezension dazu schreiben für Amazon.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (21.03.2016, 19:37):
Quasi "aus aktuellem Anlass" muss ich eine Aussage von mir in diesem Thread korrigieren.

Ich habe mir die Extras auf der BD nochmal alle angesehen; im ganzen Film wurde NIE ein Computereffekt verwendet.

Mein Eindruck war, dass man nur für vielleicht 2 oder 3 Szenen auf CGI zurückgegriffen hat, aber dem ist nicht so.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.04.2016, 01:24):
Uiuiui, was ich gerade gesehen habe ...

https://www.youtube.com/watch?v=XQFvnnE8YBc

Das ist ein Trailer für ein Dracula-Musical in der Oper Leipzig, das ganz offenbar den Film als Vorbild hat, denn auch hier gibt es die (in Stokers Roman nicht vorkommende) Liebesgeschichte, sowie die Vorgeschichte mit Draculas Frau.

Dennoch heißt es "nach Bram Stoker", vom Film ist keine Rede.

Es fängt schon an mit der Aussage des Regisseurs:

Es ist eigentlich eine Liebesgeschichte, "Dracula" das musste ich auch erst mal kennenlernen.

Er hat Stokers Roman ganz offensichtlich nicht gelesen, und höchstens Coppolas Film gesehen, und gemeint, dass der Roman so sein müsse - steht ja "Bram Stokers" über dem Titel.

Weiters meint er noch, das Stück habe die Qualität, dass es erzählt, warum Dracula Mina so hinterher ist.

Im Buch ist Dracula Mina nicht hinterher, nur im Film. Auch hier erhärtet sich der Verdacht, dass der Regisseur das Buch gar nicht gelesen hat.


Am besten ist aber die Aussage der Kostümbildnerin.

Die Kostüme haben wir komplett in den 30er Jahren gestaltet, da das zu diesen schwarz/weiss-Filmen, zu den Anfängen der Filmkunst eigentlich sehr gut passt,

Genau, Filmkunst gibt´s ja auch erst seit den 1930er Jahren ... :rofl


und eben auch die Ästhetik dieses Themas kennen wir aus dem Nosferatu-Film. Das hat mich animiert mit den 30er Jahren, das Ganze darzustellen.

Aja, Nosferatu, der berühmte Stummfilm von Murnau, ebenfalls aus den 30er Jahren.

So etwas kommt also dabei heraus, wenn man so gar keine Ahnung von der Materie hat, aber einfach mal drauflos interpretiert.


Sie meint dann auch noch, dass sie die Kostüme NICHT wie in der Jahrhundertwende gestaltet hat, denn da waren die Frauen noch sehr verhüllt, während es in den 30er Jahren schon offener war, und man mehr Haut gesehen hat, "und in dem Stück geht es ja um Haut".

Nur mal zum Vergleich ein Blick auf Coppolas Dracula. Coppolas Ansatz war generell der, dass er sich mit der Zeit beschäftigt, in der das Stück spielte.

Nun war er jedoch nicht darauf bedacht, dass die Kleidung bis ins kleinste Detail historisch korrekt war, sondern er hat viele Bildbände über Maler aus der Entstehungszeit Draculas gesammelt und diese Bilder seiner Kostümbildnerin geschickt, als Inspiration für eigene Entwürfe. Ihm ging es darum, auf fantasievolle Weise Kostüme zu kreieren, die aber unbedingt von der Entstehungszeit des Werkes inspiriert sein mussten.
Mina läuft natürlich oft mit geschlossener Kleidung herum, aber das tut sie ja nicht ständig. Zu Hause oder in anderen Szenen ist die Kleidung freizügiger.

Nein, ich lobe mir diese Recherche, diese Kreativität beim Gestalten der Kostüme, ich lobe mir die Absicht, kreativ zu sein und neue Kostüme zu schaffen, die von der Kunst dieser Epoche inspiriert wurden.

Und hier? "Man kennt Nosferatu aus den 30er Jahren, deswegen haben meine Figuren alle 30er Jahre Kleidung an".

Da hätte sie gleich sagen können "Ich wollte nicht kreativ sein und habe einfach Kostüme genommen wie sie in den alten Filmen aussehen".

Sorry, aber nein.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.08.2016, 00:01):
Ich habe ja schon verschiedene Bildvergleiche gezeigt, aber diese Vergleiche wurden immer direkt vom Datenträger gerippt - mich hat deswegen einmal interessiert, wie manche Details in extremer Vergrößerung auf einem Fernseher dargestellt werden, wie also diese Details in der "Praxis" dargestellt werden.
Verwendet wurde von mir mein 16:9 Flachbildschirn. Es sind keine professionellen Fotos, aber es ging hier auch nicht darum, offizielle, hochwertige Bilder herzustellen, weil mich nur die Darstellung auf einem Fernseher interessiert hat.


Hier sieht man einmal die DVD, und dann die Blu-Ray, hier noch mit dem ganzen Gesicht:

http://b8.icdn.ru/p/partituren/5/49592365SDa.jpg http://b8.icdn.ru/p/partituren/1/49592331tEw.jpg

Schon hier kann man erkennen, dass die BD viel mehr Details bietet, die feinen Haare, der Bart, die Haut, usw.


Hier bin ich extrem nah (vielleicht 6 oder 7 cm) vor den Bildschirm gegangen und habe das Auge fotografiert. Wie wird es dargestellt?

http://b8.icdn.ru/p/partituren/2/49592402Qjd.jpg http://b8.icdn.ru/p/partituren/4/49592404VEP.jpg

Auch hier sieht man deutlich den Unterschied - mehr Farben, mehr Details.

Auch das Auge von Keanu Reeves habe ich fotografiert:

http://b8.icdn.ru/p/partituren/5/49592405jAn.jpg http://b8.icdn.ru/p/partituren/6/49592406FUA.jpg

Selbsterklärend.

Hier eine starke Vergrößerung einer Zeichnung aus einem Buch:


http://b8.icdn.ru/p/partituren/8/49592408IHX.jpg http://b8.icdn.ru/p/partituren/9/49592409jbb.jpg

Bereits hier sieht man, dass die DVD die kleinen Zwischenräume - etwa in den Haaren - und die Umrisse nicht mehr klar darstellen kann.

Noch stärker vergrößert:

http://b8.icdn.ru/p/partituren/9/49592539QNP.jpg http://b8.icdn.ru/p/partituren/1/49592541Raw.jpg

Auch hier eigentlich selbstklärend. Bei der DVD gehen auch die Details der Buchseiten verloren, diese unterschiedlichen Farbtöne. Da wird alles zu einem einheitlichen beige (oder so).


Und ein letztes Beispiel:

http://b8.icdn.ru/p/partituren/0/49592410aUM.jpg http://b8.icdn.ru/p/partituren/1/49592411BHa.jpg

Wieder das gleiche Spiel: der Eckzahn z.B. hat viel schärfere Konturen, die Lippen haben keinen hässlichen Rotstich (oder eher Orangestich) mehr und sehen mit den vielen Farbschattierungen realistischer aus.

Insgesamt sieht man, denke ich, sehr schön, wie die BD jedem Pixel eine einzelne Farbe schickt, während auf der DVD das Ganze zu einer schwammigen Masse wird.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (12.10.2016, 18:51):
Ich habe ja schon erwähnt, dass man versucht hat, sich von Gemälden und Malereien dieser Zeit inspirieren zu lassen.

Ein schönes Beispiel dafür ist etwas dieses Gemälde von Gustave Doré aus dem Jahr 1885:




Man hat versucht, diese "Spinnenfrau" mit verschiedenen Tänzerinnen für die Vampirbräute nachzuahmen, und im fertigen Film sieht man auch, wie zwei der Bräute wie ein großes, abstraktes Insekt wirken.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (12.10.2016, 20:46):
Das ist eine Illustration aus Dantes Göttlicher Komödie, ein Holzstich übrigens.
Ich habe vor Jahren in Cadaques eine Ausstellung mit Zeichnungen von Dalí gesehen, die sich ebenfalls auf die Göttliche Komödie bezogen; da kam eine solche "Spinnenfrau" auch vor.
Hosenrolle1 (12.10.2016, 20:53):
Jep, "The divine comedy".

Leider finde ich kein Bild, das die Szene im fertigen Film zeigt, aber man kann es sich vermutlich eh vorstellen.

Ja, das mag ich so: man hält sich nicht an die Realität, sondern lässt sich inspirieren von der Kunst der Zeit, in der die Handlung spielt, und macht dann etwas ganz eigenes.

Irgendwie kommen Opernregisseure nie auf solche Ideen; die Oper wäre dann sicher wesentlich interessanter. Stattdessen wird einfach alles in die Neuzeit verlegt.



LG,
Hosenrolle1
Zefira (12.10.2016, 20:59):
Ich kenne den Film und fand ihn auch recht gut, muss aber sagen, dass er mir immer etwas zu wuchtig und pompös daherkam (abgesehen davon, dass Keanu Reeves für mich einfach kein Schauspieler ist). Einige Szenen sind mir unvergesslich geblieben: die Szene, als Keanu Reeves ein blutiges Steak essen soll (wenn man das gesehen hat, möchte man Veggie werden) und die Szene, als eine der beteiligten Frauen - ich glaube, es ist Mina - zum ersten Mal in London den Grafen sieht - ich glaube, es ist die erste Szene, in der Gary Oldman "in natura" auftaucht, ohne diese Greisen-Maske.
Hosenrolle1 (12.10.2016, 22:20):
Original von Zefira
Ich kenne den Film und fand ihn auch recht gut, muss aber sagen, dass er mir immer etwas zu wuchtig und pompös daherkam

Das stimmt, die Bilder sind überwältigend, aber ich glaube, das war auch die Absicht dahinter, dieser Bilderrausch.

(abgesehen davon, dass Keanu Reeves für mich einfach kein Schauspieler ist).

In diesem Film ist er leider krass fehlbesetzt. Sein englischer Akzent (im Original natürlich, die dt. Synchro ist zum Schmeißen) ist lächerlich. Coppola selbst hat ursprünglich Johnny Depp besetzen wollen, das Studio aber meinte, Reeves sei ein größerer Star und würde mehr jüngere Leute ins Kino locken. Heute sagt Coppola auch, dass Reeves ein toller Kerl ist, aber nicht in den Film passt. Wirklich gut fand ich ihn nur in "Speed", aber der Film ist auch ein Wahnsinn, im positiven Sinne.


Einige Szenen sind mir unvergesslich geblieben: die Szene, als Keanu Reeves ein blutiges Steak essen soll (wenn man das gesehen hat, möchte man Veggie werden)

Ohh, da erwähnst du eine gute Stelle!
Denn hier gibt es einen sogenannten Match Cut; man sieht, wie der Vampir Lucy enthauptet wird, und ihr abgeschlagener Kopf durchs Bild fliegt - und plötzlich ein Schnitt auf ein blutiges, saftiges Steak. Die Szene soll im Kino für Gemurmel gesorgt haben - ich fand die Idee witzig :D

und die Szene, als eine der beteiligten Frauen - ich glaube, es ist Mina - zum ersten Mal in London den Grafen sieht - ich glaube, es ist die erste Szene, in der Gary Oldman "in natura" auftaucht, ohne diese Greisen-Maske.

Hmm, nicht ganz. Ganz am Anfang sieht man Dracula als normalen Menschen im 15. Jahrhundert.

Wieso gerade die Szene?

Die Greisen-Maske ist übrigens auch toll. Ich weiß jetzt nicht ob ich das vorher schon geschrieben habe in diesem Thread, aber der Maskenbildner hat schon mit der Maske von Maggie Smith in "Hook" mit einer neuen Technik experimentiert, die sie zur Greisin machen sollte. In "Dracula" hat er seine Maske noch besser hinbekommen: die Maske besteht aus mehreren Schichten, wobei die obersten Schichten irgendwie durchsichtiger sind, so dass die (künstlichen) Venen und Adern darunter zu sehen sind, wodurch das Ganze viel echter und organischer wirkt. Gerade wenn man den Film auf Blu-ray auf einem größeren Fernseher schaut, sieht man das in den Nahaufnahmen besonders gut.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (17.11.2016, 22:28):
Nachdem ich das hier in einem anderen Thread besprochene Buch gelesen habe, muss ich sagen, dass mich die im Originalroman nicht vorhandene Liebesgeschichte im Film wesentlich weniger stört.

Nachdem ich den Roman jetzt kürzlich auf Englisch gelesen habe, kommen mir die Figuren allesamt viel weniger sympathisch vor, und man merkt auch oft diese veralteten Vorstellungen, keine Gefühle zu zeigen, nichts sinnliches zuzulassen, generell diese viktorianische Strenge.

Und in diese Zeit, in diese Gesellschaft kommt dann plötzlich dieser fremde Vampir, der sich nichts um die Moralvorstellungen dieser Zeit schert, der mit drei Vampirfrauen in seinem Schloss lebt, usw.
Im Originalroman wird er, im Gegensatz zu den drei Vampirbräuten, natürlich keineswegs als Verführer dargestellt, im Gegenteil: sein Atem wird als faulig beschrieben, seine Haut als Totenblass, usw.
Aber dennoch merkt man hier, dass er ein krasses Gegenstück zu dieser Zeit, zu dieser Gesellschaft war.

Im Film nun ist Dracula tatsächlich ein Verführer, und auch die Vampirbräute vernaschen Harker genüsslich, was Stoker natürlich SO nicht schreiben konnte.
Und im Film merkt man gerade durch diese Liebesgeschichte umso stärker, dass Dracula als Verführer auch etwas Befreiendes hat für seine Opfer, trotz der Gefahr, die er mit sich bringt. Mina wird von der feinen, wohlerzogenen Dame, die in diesem einengenden Korsett gesellschaftlicher, lustfeindlicher Zwänge steckt, von Dracula befreit und wird dadurch stärker und selbstbewusster und verhält sich aus damaliger Sicht für eine Frau absolut "unangemessen".

Wenn ich also lese, wie es da im ausgehenden 19. Jahrhundert in England zuging, dann finde ich die Idee von diesem Vampir, für den diese Dinge nicht gelten, durchaus gut. Ich kann mir richtig vorstellen, wie irgendwelche Anstandsdamen oder Gouvernanten immer wieder gesagt haben "So etwas tut ein Mädchen nicht" und "Lass das, das ist nichts für Mädchen" oder "Das gehört sich nicht" - und dann kommt dieser gut aussehende Vampir daher und sagt "Vergiss den Schwachsinn".
Nur im Film wird dafür leider nicht so wirklich gut transportiert, wie streng es damals zuging, so dass der Wechsel von der zugeknöpften, gesitteten Mina zur wilden Halbvampirin nicht so wirklich herausgestellt wird, aber der Film war sowieso von Anfang an als ein Bilderrausch, ein erotischer Alptraum gedacht.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.03.2017, 22:00):
In Bram Stokers Dracula-Roman gibt es ja mehrere Hinweise auf Shakespeare, jedoch sind diese eigentlich immer als solche "gekennzeichnet", indem etwa eine Figur sagt, aus welchem Werk sie gerade zitiert.

Nun habe ich ein Beispiel gefunden, von dem ich stark annehme, dass dies ebenfalls eine Referenz ist.

So heißt es im Buch, in einem Eintrag von Dr. Seward vom 8. Juli:
There is a method in his madness, (...)
Ich glaube, dass das Bezug nimmt auf einen Ausspruch von Polonius, Hamlet 2,2:
Though this be madness, yet there is method in 't

Im Film, der in diesem Thread ja besprochen wird, kommt diese Stelle auch vor, hier allerdings im Original so:
Yet, there is method in his madness with his flies and spiders.
Hier ebenfalls wie im Roman eine "modernere" Version des Zitats, in einer weniger gekünstelten Sprache.

Die deutsche Übersetzung hat hier offenbar mitbekommen, dass das eine Anspielung sein soll, und eine Formulierung gewählt, die eigentlich eher eine dt. Übersetzung des Hamlet-Zitats ist, als eine direkte Übersetzung des Films:
Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode mit seinen Fliegen und Spinnen.

Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass dieser Satz in Stokers Roman eine Anspielung auf Hamlet ist, auch wenn meine kritische Ausgabe des Buches darauf nicht eingeht.



LG,
Hosenrolle1
Zefira (25.03.2017, 23:49):
Ich bin nicht sicher, ob die Redensart mit dem Wahnsinn, der Methode hat, originär von Shakespeare stammt. Es ist ja eine oft gebrauchte Redewendung. Da müsste man wohl einen Spezialisten danach fragen ...
Hosenrolle1 (26.03.2017, 00:00):
Der Verdacht liegt halt sehr nahe, weil in diesem Buch Shakespeare und auch Hamlet öfter mal in Zitaten vorkommen. Stünde der Satz in irgendeinem x-beliebigen Buch ohne jede weitere Shakespeare-Anspielung, wäre das sicher eher ein Zufall, aber hier?

Aber so oder so, in der deutschen Fassung finde ich das schlecht übersetzt, weil man hier Shakespeare übersetzt hat. (Dazu noch die dt. Stimme von Christopher Lloyd, in diesem übertrieben agressiven Tonfall, der nichts mit dem Original zu tun hat ... brrr. Den Film kann man echt nicht auf Deutsch schauen.)



LG,
Hosenrolle1