Papageno (12.04.2009, 22:27):
Hallo, liebe Mitforianer!
Kennt einer von euch die Oper "Die Verurteilung des Lukullus" von Bertold Brecht und Paul Dessau? Sie ist in vielerlei Hinsicht eine Oper, die sich vom so gennaten "Mainstream" abhebt, allein schon in ihrer Besetzung. Kommen dort doch exotische Instrumente, wie z.B. ein "Trautonium" (Vorläufer des heutigen Synthesizers) oder "Wanzenklaviere" (Klaviere, den Hämmer mit Reißzwecken beschlagen sind) zum Tragen. Doch auch inhaltlich hat sie eine Sonderstellung: Sie prangert, ganz im Sinne ihres kriegsfeindlichen Vaters Brecht, jegliche Eroberungskriege und Kämpfe an, selbst, wenn diese ewaige positive Konsequenzen nach sich ziehen würden, da auf diesem Gebiet immer Menschenopfer hergegeben werden müssen, was richtigerweise ein nicht zu entschuldigendes Verbrechen darstellt.
Lukullus muss sich nach seinem Tod in der Unterwelt vor einem Schöffengericht bezüglich seiner Vergehen verantworten, über die einige seiner ehemaligen Zeitgenossen, jetzt ebenfalls Verstorbene, urteilen. Alles endet mit einer gewaltigen Szene, die durch das schrille und ungewohnte Trautonium schon beinahe apokalyptischen Charakter erhält: Aufgrund seiner sinnlosen Menschenopfer und Gier nach Geld und Ruhm (leider Gottes durchaus aktuelle Themen!) wird der Feldherr und Bohemien ins Nichts verstoßen, als Mahnmal für nachfolgende Generationen, Gewalt mit all ihren Folgen abzulehnen und abzuwenden.
Ich besitze leider keine Gesamtaufnahme dieses Opus', sondern nur einen Querschnitt, der jedoch aus einer Gesamtaufnahme zusammengestellt wurde. Die Rede ist von der 1964 unter dem Dirigat Herbert Kegels aufgezeichneten DDR-Produktion mit der Sänger-Glanzelite der Eterna: Bekannte Namen, wie Peter Schreier als Leibkoch Lukullus', Hans-Joachim Rotzsch als Lukullus' Kirschbaumträger (Lukullus war es, der die Kirschen bei einem Eroberungsfeldzug von Asien nach Europa überführte!) und Annelies Burmeisters dramatischer Alt als Fischweib, das den entscheidenden Impuls zur Vebannung Lukullus' gibt. Auch der Leipziger Rundfunkchor nebst Kinderchor und Sinfonieorchester ist ein Garant für Musizieren auf hohem Niveau. Meines Wissens nach gibt es außer dieser Gesamtaufnahme keine weiteren Einspielungen dieser sehr ins Vergessen geratenen Oper. Diese Aufnahme wird heute übrigens unter dem Label "Berlin Classics" publiziert, das viele alte und gute DDR-Aufnahme digital-überarbeitet veröffentlicht.
Diese alles in allem sehr sozialkritische Oper dürfte eigentlich auch bei vielen Opernfernen Anklang finden, da sie von ihrem Charakter her überhaupt nicht mit herkömmlichen Opern vergleichbar ist. Wem die "Dreigroschenoper" von Brecht und Weill gefallen hat, der sollte auch in diesen leider schon etwas angestaubten Schatz hinein hören.
Mir gefällt vor allem die Final-Szene der Urteilsverkündung!
Was verbindet ihr mit diesem genialen Werk? Findet es auch die eurige Zustimmung?
Herzliche Grüße, Jan! :)