Bruno Walter

Gamaheh (09.07.2007, 17:36):
Liebe Forenser,

zwar ist es unwahrscheinlich, daß der große Dirigent Bruno Walter (1876-1962) in nächster Zukunft in Vergessenheit gerät – ein Schicksal, vor dem er sich explizit fürchtete, schreibt er doch im Vorwort zu seiner Selbstbiographie Thema und Variationen (1947, mit dem Untertitel „Erinnerungen und Gedanken“): „... hat es mich gedrängt, den Text zu meinem verklingenden Lied von der Erde niederzuschreiben, um mein Erdenleben selbst vor dem Verklingen zu bewahren.“ Genügend von Euch erwähnen ihn immer wieder in den verschiedenen Fäden. Trotzdem habe ich den Eindruck, daß er vielen, die viele andere Dirigenten – zumindest dem Namen nach – selbstverständlich kennen, völlig unbekannt ist. Aus Anlaß derzeitiger intensiverer Befassung würde ich gerne Eure Meinung zu Walters Interpretationen hören: Welche kennt Ihr, welche bewundert Ihr besonders?

Mich beeindruckte vor vielen Jahren zuerst Walter der Pianist als Begleiter von Lotte Lehmann. Leider ist von ihm als Pianisten praktisch nichts erhalten (bzw. nie aufgenommen worden), außer in besagten Aufnahmen mit Sängerinnen wie Lotte Lehmann und Kathleen Ferrier. Es gibt ansonsten – meines Wissens - als einziges Dokument die Aufnahme des d-moll Klavierkonzertes K.466 von Mozart.

Walter studierte zunächst das Klavier am Sternschen Konservatorium in seiner Heimatstadt Berlin, bis er mit dreizehn Jahren Hans von Bülow dirigieren sah und beschloß, Dirigent zu werden. Mit siebzehn kam er als Korrepetitor an die Kölner Oper und dirigierte dort zum ersten Mal eine Oper, ein Jahr darauf in gleicher Stellung an das Hamburger Stadttheater (jetzt: Staatsoper), an der Gustav Mahler Leitender Kapellmeister war, womit seine lebenslange Verbindung mit Mahler begann. Er schreibt: „Ich war noch jung, aber schon hatte ich einen alten Feind: den Alltag. Nun fürchtete ich ihn nicht mehr – da war ein Mann, an dem er machtlos war, der sich in jeder Minute erneute, der weder in der Arbeit noch im Lebensgefühl ein Nachlassen kannte – die niederdrückende Erfahrung, daß zwar die Kunst herrlich, aber das Leben trivial und daher eines Künstlers Existenz beschämend sein müsse, diese Erfahrung wurde endlich an einem großen Musiker zuschanden.“

Walter wurde hier schnell zum Chorleiter, dann Kapellmeister und Assistenten Mahlers und sammelte so erste Erfahrungen im Dirigieren. Danach ging er als Kapellmeister nach Breslau, wo er seinen Nachnamen – ursprünglich Schlesinger – wegen der dortigen Häufigkeit des Namens änderte. Nach Stationen in Preßburg, Riga und Berlin holte ihn Mahler 1901 an die Wiener Hofoper. Ab 1908 wurde er zu Gastdirigaten nach London (German Season in Covent Garden), Paris und Moskau eingeladen. 1911 starb Mahler, und Walter besorgte als sein Nachlaßverwalter die Uraufführungen dessen Neunter und Zehnter Sinfonie sowie des „Lied von der Erde“, für das er erst mehr als 35 Jahre später in Kathleen Ferrier die ideale Altstimme fand. Anfang 1913 trat er seine Stelle als bayerischer Generalmusikdirektor an der Münchner Hofoper an, die er durch die Kriegszeiten bis 1922 leitete. Nach dem Krieg begannen in Berlin die Bruno Walter-Konzerte mit den Philharmonikern, die bis zu ihrem gewaltsamen Ende 1933 stattfanden. Ab 1923 unternahm er Reisen zu Gastdirigaten in die USA und andere Länder, und ab 1925 war er vier Jahre lang Generalmusikdirektor in Berlin. Wieder in Wien, dann am Gewandhaus in Leipzig sowie ein starkes Engagement bei den entstehenden Salzburger Feststpielen.

1933 wurden seine Konzerte in Berlin und Leipzig von den Nazis verhindert, das Berliner Konzert fand stattdessen unter Leitung von Richard Strauss statt: „Der Komponist des „Heldenleben“ erklärte sich tatsächlich bereit, anstatt des gewaltsam entfernten Kollegen zu dirigieren“. Walter verließ noch am selben Tag Deutschland, um zunächst nach Österreich zu gehen, dessen Staatsbürger er seit 1913 war. Er widmete sich den Salzburger Festspielen und Gastdirigaten im Ausland, von 1936 bis 1938 war er künstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper. Den „Anschluß“ Österreichs erlebte er in Amsterdam am Radio und kehrte nicht mehr zurück. Als er nunmehr von der Staatenlosigkeit bedroht war, bot ihm Frankreich die Staatsbürgerschaft an, die er dankbar annahm und die ihm seine weitere internationale Konzerttätigkeit ermöglichte. Ende 1939 ging er wieder in die USA, und nach dem Sturz Frankreichs blieb er dort, wurde in Kalifornien heimisch, wo er viele alte Freunde wiedertraf und bis an sein Lebensende blieb; 1946 wurde er in den USA naturalisiert. Gleichwohl ging er gleich nach dem Krieg wieder nach Europa und auch Deutschland zu Gastdirigaten. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er:

„Doch bin ich niemals ein Wanderer im Sinn des Schubertschen Liedes gewesen – „ein Fremdling überall“ – und ebensowenig später ein Exilierter oder ein Flüchtling. Ich hatte zwar meine Seßhaftigkeit verloren, aber gewiß nicht meine Heimat, die trug ich in mir. Und ich habe die Probe darauf gemacht, daß dies Heimatgefühl keine Einbildung, kein leeres Wort war – nie habe ich mich in der Fremde gefühlt, weil mich immer Musik umklungen hat, immer mir das Wissen um große Gedanken stärkend gegenwärtig geblieben ist. Und mehr als das: wie hätte ich die Heimat verlieren können, der ich in der Menschheit meine Mitbürger sah und dazu noch das Glück hatte, die übernationale Sprache der Musik zu sprechen?“

Walter war ein bekennender Mensch der Romantik, ein begeisterter Leser E.T.A. Hoffmanns und Jean Pauls, und darauf muß man bei seinen Interpretationen gefaßt sein (was aber keineswegs das ist, was man umgangssprachlich unter „romantisch“ versteht, eher im Gegenteil). Zur Erläuterung mag folgendes Zitat dienen. Es stammt aus einem Zeitungsartikel, der das Berliner „Bruno-Walter-Gedenkkonzert“ zum 100. Geburtstag des Dirigenten unter Karl Böhm bespricht, erschienen am 16.9.1976 in ich weiß nicht, welcher Zeitung (unterschrieben mit Klaus Geitel):

„Bruno Walter widersprach mit all seinen Lebenskräften, die er in die Wiedergabe seiner Musik einfließen ließ, dem Bösen ringsum in der Welt: dem metaphysisch Bösen wie dem realen. Er war in diesem Sinne ein leidenschaftlicher Widerstandskämpfer; sicherlich der stillste, mildeste auf der Welt. Musik – das war für ihn eine heilige Predigt, eben diesem Menschen gehalten, ein Aufruf zu Andacht und Läuterung. Walters Interpretationen ergriffen durch ihre Schönheit, durch ihren Ernst, aber auch durch Bruno Walters eigene Ergriffenheit. Sie wußte er auf unvergleichlich herrliche, inbrünstige Art auszudrücken.“

Walter hat als junger Mann auch komponiert, und diese Werke wurden aufgeführt. Jedoch teilt er mit Bedauern gleich im ersten Satz der Apologie zu seiner Selbstbiographie mit, daß er als Nachschaffender „nur die Musik anderer zum Erklingen gebracht“ habe, daß ihm „das Schicksal auferlegt , die aufbrennende Lebendigkeit Kunst immer wieder mit ihrem Verlöschen zu büßen, die hohen musikalischen Wonnen Lebens mit ihrer Vergänglichkeit zu bezahlen“.

Thema und Variationen (1947), S. Fischer Verlag
Von der Musik und vom Musizieren (1957), S. Fischer Verlag
Von den moralischen Kräften der Musik (Vortrag, gehalten 1939), veröffentlicht vom Ogham Verlag
nikolaus (09.07.2007, 19:24):
Leider kann ich nichts zu seinem musikalischen Schaffen beitragen, ich muß gestehen, daß ich ihn noch nie (bewußt) gehört habe.
Aber ich habe dieses Jahr sein Grab in Morcote/Lugano besucht (wobei ich vorher nicht wußte, daß er dort begraben liegt...).
Übrigens liegen dort eine ganze Reihe Künstler: neben Eugène d'Albert v.a. Hermann Hesse...

Gruß, Nikolaus.
Cosima (22.07.2007, 16:12):
Original von Gamaheh
Aus Anlaß derzeitiger intensiverer Befassung würde ich gerne Eure Meinung zu Walters Interpretationen hören: Welche kennt Ihr, welche bewundert Ihr besonders?


Hallo,

ich kenne nur wenige Aufnahmen dieses Künstlers, aber immerhin war er der Dirigent meiner liebsten Aufnahme der 2. Brahms-Symphonie.

Ich zitiere mich mal selber:
Eine gute Interpretation sollte also nicht nur das Bild eines glücklichen Sommers vermitteln, sondern darüber hinaus – trotz des lichten Grundcharakters – das Grüblerische hinter all dem scheinbar Leichten erahnen lassen. Vorbildlich hat m.E. Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra (1960) dieses Werk interpretiert:

http://images.amazon.com/images/P/B000002A7Z.01._SCMZZZZZZZ_V65929354_.jpg

Gruß, Cosima
Amadé (23.07.2007, 20:44):
Hallo,

schon seit meiner Jugend bin ich immer wieder beeindruckt von der Dirigierkunst von Bruno Walter. Ich besitze die meisten seiner Platten/CDs.

Hier meine Favoriten:

Mozart: Linzer-Sinfonie KV 425, Requiem, Don Giovanni

Beethoven: 6.Sinfonie, Violinkonzert (Francescatti), Leonore II u.III

Schubert: 9.Sinfonie C-dur

Brahms: 4 Sinfonien, Ouvertüren, op.56, besonders liebe ich seine Aufnahme der 3. Sinfonie, Doppelkonzert op.102 in 2 Aufnahmen: mono: Stern Rose, stereo: Francescatti, Fournier

Wagner: Ouvertüren und Vorspiele, insgesondere die Tannhäuser-Ouvertüre mit dem angeschlossenen Venusberg-Bacchanal, WAlküre 1. Akt Wiener Philharmoniker mit Lehmann und Melchior

Bruckner: 9.Sinfonie d-moll

Dvorak: 8. und 9. Sinfonie

Mahler: 9. Sinfonie


GRüße Amadé
liegnitz (24.07.2007, 00:42):
Bruno Walter Schlesinger galt als hervorrgagender Mozartspezialist , sowie als Autorität als Mahler-Dirigent.

Ich besitze:

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http://www.musicandarts.com/CDpages/CD1090.jpg
http://www.classicalcdexchange.co.uk/images/12346.jpg


Berlioz Symphonie Fantastique, Op. 14
Philharmonic Symphony Orchestra of New York
Music & Arts. http://ec1.images-amazon.com/images/I/21JT8BH2WDL._SS500_.jpg

Gute Nacht
:hello
Gamaheh (09.07.2007, 17:36):
Liebe Forenser,

zwar ist es unwahrscheinlich, daß der große Dirigent Bruno Walter (1876-1962) in nächster Zukunft in Vergessenheit gerät – ein Schicksal, vor dem er sich explizit fürchtete, schreibt er doch im Vorwort zu seiner Selbstbiographie Thema und Variationen (1947, mit dem Untertitel „Erinnerungen und Gedanken“): „... hat es mich gedrängt, den Text zu meinem verklingenden Lied von der Erde niederzuschreiben, um mein Erdenleben selbst vor dem Verklingen zu bewahren.“ Genügend von Euch erwähnen ihn immer wieder in den verschiedenen Fäden. Trotzdem habe ich den Eindruck, daß er vielen, die viele andere Dirigenten – zumindest dem Namen nach – selbstverständlich kennen, völlig unbekannt ist. Aus Anlaß derzeitiger intensiverer Befassung würde ich gerne Eure Meinung zu Walters Interpretationen hören: Welche kennt Ihr, welche bewundert Ihr besonders?

Mich beeindruckte vor vielen Jahren zuerst Walter der Pianist als Begleiter von Lotte Lehmann. Leider ist von ihm als Pianisten praktisch nichts erhalten (bzw. nie aufgenommen worden), außer in besagten Aufnahmen mit Sängerinnen wie Lotte Lehmann und Kathleen Ferrier. Es gibt ansonsten – meines Wissens - als einziges Dokument die Aufnahme des d-moll Klavierkonzertes K.466 von Mozart.

Walter studierte zunächst das Klavier am Sternschen Konservatorium in seiner Heimatstadt Berlin, bis er mit dreizehn Jahren Hans von Bülow dirigieren sah und beschloß, Dirigent zu werden. Mit siebzehn kam er als Korrepetitor an die Kölner Oper und dirigierte dort zum ersten Mal eine Oper, ein Jahr darauf in gleicher Stellung an das Hamburger Stadttheater (jetzt: Staatsoper), an der Gustav Mahler Leitender Kapellmeister war, womit seine lebenslange Verbindung mit Mahler begann. Er schreibt: „Ich war noch jung, aber schon hatte ich einen alten Feind: den Alltag. Nun fürchtete ich ihn nicht mehr – da war ein Mann, an dem er machtlos war, der sich in jeder Minute erneute, der weder in der Arbeit noch im Lebensgefühl ein Nachlassen kannte – die niederdrückende Erfahrung, daß zwar die Kunst herrlich, aber das Leben trivial und daher eines Künstlers Existenz beschämend sein müsse, diese Erfahrung wurde endlich an einem großen Musiker zuschanden.“

Walter wurde hier schnell zum Chorleiter, dann Kapellmeister und Assistenten Mahlers und sammelte so erste Erfahrungen im Dirigieren. Danach ging er als Kapellmeister nach Breslau, wo er seinen Nachnamen – ursprünglich Schlesinger – wegen der dortigen Häufigkeit des Namens änderte. Nach Stationen in Preßburg, Riga und Berlin holte ihn Mahler 1901 an die Wiener Hofoper. Ab 1908 wurde er zu Gastdirigaten nach London (German Season in Covent Garden), Paris und Moskau eingeladen. 1911 starb Mahler, und Walter besorgte als sein Nachlaßverwalter die Uraufführungen dessen Neunter und Zehnter Sinfonie sowie des „Lied von der Erde“, für das er erst mehr als 35 Jahre später in Kathleen Ferrier die ideale Altstimme fand. Anfang 1913 trat er seine Stelle als bayerischer Generalmusikdirektor an der Münchner Hofoper an, die er durch die Kriegszeiten bis 1922 leitete. Nach dem Krieg begannen in Berlin die Bruno Walter-Konzerte mit den Philharmonikern, die bis zu ihrem gewaltsamen Ende 1933 stattfanden. Ab 1923 unternahm er Reisen zu Gastdirigaten in die USA und andere Länder, und ab 1925 war er vier Jahre lang Generalmusikdirektor in Berlin. Wieder in Wien, dann am Gewandhaus in Leipzig sowie ein starkes Engagement bei den entstehenden Salzburger Feststpielen.

1933 wurden seine Konzerte in Berlin und Leipzig von den Nazis verhindert, das Berliner Konzert fand stattdessen unter Leitung von Richard Strauss statt: „Der Komponist des „Heldenleben“ erklärte sich tatsächlich bereit, anstatt des gewaltsam entfernten Kollegen zu dirigieren“. Walter verließ noch am selben Tag Deutschland, um zunächst nach Österreich zu gehen, dessen Staatsbürger er seit 1913 war. Er widmete sich den Salzburger Festspielen und Gastdirigaten im Ausland, von 1936 bis 1938 war er künstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper. Den „Anschluß“ Österreichs erlebte er in Amsterdam am Radio und kehrte nicht mehr zurück. Als er nunmehr von der Staatenlosigkeit bedroht war, bot ihm Frankreich die Staatsbürgerschaft an, die er dankbar annahm und die ihm seine weitere internationale Konzerttätigkeit ermöglichte. Ende 1939 ging er wieder in die USA, und nach dem Sturz Frankreichs blieb er dort, wurde in Kalifornien heimisch, wo er viele alte Freunde wiedertraf und bis an sein Lebensende blieb; 1946 wurde er in den USA naturalisiert. Gleichwohl ging er gleich nach dem Krieg wieder nach Europa und auch Deutschland zu Gastdirigaten. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er:

„Doch bin ich niemals ein Wanderer im Sinn des Schubertschen Liedes gewesen – „ein Fremdling überall“ – und ebensowenig später ein Exilierter oder ein Flüchtling. Ich hatte zwar meine Seßhaftigkeit verloren, aber gewiß nicht meine Heimat, die trug ich in mir. Und ich habe die Probe darauf gemacht, daß dies Heimatgefühl keine Einbildung, kein leeres Wort war – nie habe ich mich in der Fremde gefühlt, weil mich immer Musik umklungen hat, immer mir das Wissen um große Gedanken stärkend gegenwärtig geblieben ist. Und mehr als das: wie hätte ich die Heimat verlieren können, der ich in der Menschheit meine Mitbürger sah und dazu noch das Glück hatte, die übernationale Sprache der Musik zu sprechen?“

Walter war ein bekennender Mensch der Romantik, ein begeisterter Leser E.T.A. Hoffmanns und Jean Pauls, und darauf muß man bei seinen Interpretationen gefaßt sein (was aber keineswegs das ist, was man umgangssprachlich unter „romantisch“ versteht, eher im Gegenteil). Zur Erläuterung mag folgendes Zitat dienen. Es stammt aus einem Zeitungsartikel, der das Berliner „Bruno-Walter-Gedenkkonzert“ zum 100. Geburtstag des Dirigenten unter Karl Böhm bespricht, erschienen am 16.9.1976 in ich weiß nicht, welcher Zeitung (unterschrieben mit Klaus Geitel):

„Bruno Walter widersprach mit all seinen Lebenskräften, die er in die Wiedergabe seiner Musik einfließen ließ, dem Bösen ringsum in der Welt: dem metaphysisch Bösen wie dem realen. Er war in diesem Sinne ein leidenschaftlicher Widerstandskämpfer; sicherlich der stillste, mildeste auf der Welt. Musik – das war für ihn eine heilige Predigt, eben diesem Menschen gehalten, ein Aufruf zu Andacht und Läuterung. Walters Interpretationen ergriffen durch ihre Schönheit, durch ihren Ernst, aber auch durch Bruno Walters eigene Ergriffenheit. Sie wußte er auf unvergleichlich herrliche, inbrünstige Art auszudrücken.“

Walter hat als junger Mann auch komponiert, und diese Werke wurden aufgeführt. Jedoch teilt er mit Bedauern gleich im ersten Satz der Apologie zu seiner Selbstbiographie mit, daß er als Nachschaffender „nur die Musik anderer zum Erklingen gebracht“ habe, daß ihm „das Schicksal auferlegt , die aufbrennende Lebendigkeit Kunst immer wieder mit ihrem Verlöschen zu büßen, die hohen musikalischen Wonnen Lebens mit ihrer Vergänglichkeit zu bezahlen“.

Thema und Variationen (1947), S. Fischer Verlag
Von der Musik und vom Musizieren (1957), S. Fischer Verlag
Von den moralischen Kräften der Musik (Vortrag, gehalten 1939), veröffentlicht vom Ogham Verlag
nikolaus (09.07.2007, 19:24):
Leider kann ich nichts zu seinem musikalischen Schaffen beitragen, ich muß gestehen, daß ich ihn noch nie (bewußt) gehört habe.
Aber ich habe dieses Jahr sein Grab in Morcote/Lugano besucht (wobei ich vorher nicht wußte, daß er dort begraben liegt...).
Übrigens liegen dort eine ganze Reihe Künstler: neben Eugène d'Albert v.a. Hermann Hesse...

Gruß, Nikolaus.
Cosima (22.07.2007, 16:12):
Original von Gamaheh
Aus Anlaß derzeitiger intensiverer Befassung würde ich gerne Eure Meinung zu Walters Interpretationen hören: Welche kennt Ihr, welche bewundert Ihr besonders?


Hallo,

ich kenne nur wenige Aufnahmen dieses Künstlers, aber immerhin war er der Dirigent meiner liebsten Aufnahme der 2. Brahms-Symphonie.

Ich zitiere mich mal selber:
Eine gute Interpretation sollte also nicht nur das Bild eines glücklichen Sommers vermitteln, sondern darüber hinaus – trotz des lichten Grundcharakters – das Grüblerische hinter all dem scheinbar Leichten erahnen lassen. Vorbildlich hat m.E. Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra (1960) dieses Werk interpretiert:

http://images.amazon.com/images/P/B000002A7Z.01._SCMZZZZZZZ_V65929354_.jpg

Gruß, Cosima
Amadé (23.07.2007, 20:44):
Hallo,

schon seit meiner Jugend bin ich immer wieder beeindruckt von der Dirigierkunst von Bruno Walter. Ich besitze die meisten seiner Platten/CDs.

Hier meine Favoriten:

Mozart: Linzer-Sinfonie KV 425, Requiem, Don Giovanni

Beethoven: 6.Sinfonie, Violinkonzert (Francescatti), Leonore II u.III

Schubert: 9.Sinfonie C-dur

Brahms: 4 Sinfonien, Ouvertüren, op.56, besonders liebe ich seine Aufnahme der 3. Sinfonie, Doppelkonzert op.102 in 2 Aufnahmen: mono: Stern Rose, stereo: Francescatti, Fournier

Wagner: Ouvertüren und Vorspiele, insgesondere die Tannhäuser-Ouvertüre mit dem angeschlossenen Venusberg-Bacchanal, WAlküre 1. Akt Wiener Philharmoniker mit Lehmann und Melchior

Bruckner: 9.Sinfonie d-moll

Dvorak: 8. und 9. Sinfonie

Mahler: 9. Sinfonie


GRüße Amadé
liegnitz (24.07.2007, 00:42):
Bruno Walter Schlesinger galt als hervorrgagender Mozartspezialist , sowie als Autorität als Mahler-Dirigent.

Ich besitze:

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Berlioz Symphonie Fantastique, Op. 14
Philharmonic Symphony Orchestra of New York
Music & Arts. http://ec1.images-amazon.com/images/I/21JT8BH2WDL._SS500_.jpg

Gute Nacht
:hello