Rolf Scheiwiller (08.04.2006, 09:10): Guten Tag zusammen.
CARMEN, die wahrscheinlich meistaufgeführte Oper nach der Zauberflöte hatte einen schwierigen Start. Vor seinem genialen Werk komponierte Bizet einige andere Opern. Teils mit sehr exotischem Schauplatz. Keine von diesen kam auch nur annähernd an sein letztes Werk heran.
Leider erlebte der Komponist den Triumph der Carmen nicht mehr. Bald nach der Premiere starb er.
Pure Dramatik,harte Rythmen voll Kraft und Farbe, und heissblütige Melodik kennzeichnen dieses unsterbliche Werk.
Interessanterweise gibt es von dieser Oper keine Nachfolge irgendeiner Art. Sie blieb eine einmalige Schöpfung. Bizet war fasziniert vom Libretto, das ihm vorgelegt wurde.( nach einem Roman). Hier war alles echt und wahrhaftig. Ganz im Gegensatz zu den z.T. abstrusen und verlogenen Textbüchern von früher.(auch seinen eigenen, früher geschriebenen).
Lange Jahre wurde Carmen mit nachkomponierten Rezitativen auf der Bühne gegeben. Und auch bei Platteneinspielungen. Guiraud ,ein Kollege Bizets hatte sie nach seinem Tod geschaffen. Erst seit einigen Jahrzehnten wird die Originalfassung mit den gesprochenen Dialogen häufig aufgeführt.
Friedrich Nietzsche hat sich aüsserst begeistert über Carmen gezeigt. Gleichzeitig wollte er seinem Erzfeind Wagner dabei eins auswischen !
Die Titelrolle ist für alle Frauenstimmen eine Herausforderung und höchst verführerisch. Fast alle der Grossen und auch der weniger Grossen wollen sie singen. Aber nicht alle überzeugen ! Eine die in jeder Hinsicht überzeugt, ist die temperamentvolle Agnes Baltsa. Auf der DVD aus der MET mit Carreras (in seiner besseren Zeit) beherrscht sie die Bühne bis zum tragischen Schluss.
Auf CD Gesamtaufnahmen gefällt mir die Einspielung mit T. Berganza, M. Horne ,Regina Resnik ,und V. de los Angeles mit Nicolai Gedda. Unter Beecham. Für viele die Referenzeinspielung schlechthin ! Diese Plattenaufnahme machte Beecham in Paris während eines ungewöhnlich langen Zeitraums. Noch mit den gesungenen Rezitativen.
Gedda selber sagte, dass er seine zweite Einspielung mit der Callas, die etwa 5 Jahre später erfolgte, für missraten hält.(der Callas wegen ). Da gehen die Meinungen auseinander.
Kennt Ihr noch weitere beeindruckende Interpretationen dieses unvergänglichen Werkes ?
Rolf.
Ganong (08.04.2006, 11:55): Lieber Rolf , bei Nicolai gedda und seiner Aussage zu der leistung von Maria Callas wundert mich seit jahren eines : W a r u m hat er denn bei dieser Aufnahme mitgesungen ??? Da ist Gedda auch in seinen sehr geschönten Lebenserinnerungen jede Antwort - wie in Interviews - schuldig geblieben . Die Calls war zum zeitpunkt der Aufnahme nicht immer auf der Höhe ihres durchaus vorhanden Könnens . ich habe seinerzeit die dieser Einspielung zugrunde liegend ePariser "Carmen " mit Albert Lance als Don ´José , Andrea Guiot und Robert Massard live gehört . Natürlich war "die Callas " dann in der reinen Studioproduktion d i e Hauptprotagonsitin . massard ist ein durchaus überzeugender Escamillo ( Platte / CD wie live ) und Andres Guiot eine sehr schön , jugendlich klingende Michaela ,die durchaus am Thron der allerdings nicht übertroffenen Mirelli Freni , die ihre Tochter bezeichnenderweise Michaela nannte , "rütteln" konnte . Corelli , Callas' Lieblingspartner als Tenor und menschlich geschätzter Kollege , sang den José ja in der karajan - produktion mit L. price und Massard . Nachteil dieser Aufnahme . Der wienerisches Französisch singende, schlechte Chor . Ein TIP : Die carmen-Aufnahme mit André Cluytens am Pult . Hier stimmt tatsächlich alles . Viele Grüsse , Frank
daniel5993 (25.09.2007, 10:35): Hallo!
Die Oper Carmen ist ohne Frage der Geniewurf von Bizet! Grenzenlos schön! Wo ich doch nebenbei auch zur Zeit auf einem Carmen-Tripp bin, wollte ich diesen zu Unrecht verstaubten Thread wieder ans Licht holen!
Del Monaco, Resnik, Spanellys, Krause, Sutherland.... Thomas Schippers Genf 1963 :times10
Diese Aufnahme gefällt mir sehr, sehr gut! So gut, dass die Frage nach einer neuen, anderen Aufnahme wohl nicht aufkommt!
Wie findet denn der Rest des Forums diese Oper, falls bekannt? Legt Ihr mir eine besondere Aufnahme ans Herz? Ist "meine" Aufnahme unter Schippers jemandem bekannt?
Gruß Daniel :hello
manrico (25.09.2007, 19:05): Carmen ist für mich einer der Klassiker der Oper schlechthin.
Die ideale Carmen ist für mich Leonthyne Price, die Aufnahme unter Karajan leidet unter eben diesem Dirigenten. Als Aufnahme so im gesamten gesehen gefällt mir wahrscheinlich Abbado am besten - Teresa Berganza könnte allerdings etwas mehr Sexappeal haben.
Die Aufnahme, die du angesprochen hast, Daniel, kenn ich nicht. Ich hab aber normaler weise mit vokaler Kraftmeierei a la del Monaco, Corelli und Co. ein Problem. Möglicherweise waren die alle auf der Bühne beeindruckend, aus der Konserve klingen sie bescheiden und empfehlen sich damit nicht unbedingt der Nachwelt (ein ähnliches Phänomen habe ich übrigens für mich auch bei Agnes Baltsa festgestellt - wenn sie auf der Bühne war, bin ich vor Begeisterung flach gelegen. In der selben Rolle auf CD - zum Teil sogar die Studio-Anschlußproduktion an die Aufführungsserie - finde ich sie nicht ganz so beeindruckend. Ich hab mir vergleichend die Live-Mitschnitte von Maria Stuarda und Italienerin in Algier angehört - und die Italienerin wurde wirklich zeitgleich mit der Wiener Premiere mit dem selben Ensemble eingespielt und festgestellt, dass der Live - mitschnitt um ein Eckhaus besser ist). Und es gilt für mich auch für die Carmen bei der Baltsa: Hände weg von der grausamen Studioproduktion und einen Live-Mitschnitt besorgen (den ich allerdings noch nicht hab).
Liebe Grüße
Werner
Amadé (25.09.2007, 20:02): Hallo zusammen,
die Beecham-Carmen schätze ich auch sehr, sie steht bei mir ganz oben.
Außerdem höre ich noch sehr gerne eine noch ältere Einspielung mit 4 Protagonisten (Stevens, Albanese, Peerce, Merrill) der NewYorker Met unter Leitung von Fritz Reiner, den viele nur als Konzertdirigenten kennen, aber er hat auch regelmäßig am Opernpult gestanden.
Auch schätze ich die Aufnahme mit Claudio Abbado aus London, der 1977 die Dialogfassung einspielte, ich halte sie für die bis dahin beste Aufnahme nach Beecham. Es singen Berganza, Cotrubas, Domingo, Milnes
Es ist mir gelungen, eine Aufnahme mit Denyce Graves aufzutreiben. Die sollte in den nächsten Tagen bei mir eintreffen. Bin gespannt, ob der akustische Eindruck genauso überzeugend ist wie es der optisch-akustische war.
Die Beecham-Carmen gefällt mir auch gut, die delos Angeles wirkt halt eher durch ihre Selbstverliebtheit (das meine ich nicht negativ, sie singt und tanzt halt für sich selbst und mehr oder minder absichtslos. Wenn Jose und Escamillo darauf hereinfallen, sind sie selber schuld). Die Price verführt sehr bewußt. Das hat schon was, das muss ich zugeben.
Liebe Grüße
Werner
Solitaire (15.03.2008, 12:17): Die Carmen meiner Jugend ist die mit Teresa Berganza und Domingo, die weiter oben gepostet wurde. Außerdem mag ich den Film mit Julia Migenes und Domingo sehr. Extrem beeindruckt hat mich persönlich das Schlußduett aus dem Querschnitt mit Carreras und Jessey Norman. Ich bin im allgemeinen kein übermäßiger Carreras Fan, aber hier gefällt er mit außerordentlich gut. Sein fast zärtliches "Ah! Carmen! Ma Carmen adorée" nachdem er sie gerade eben umgebracht hat ist erschütternd und macht die ganze Tragödie dieses Mannes deutlich. Übrigens hat Carreras in seiner Biographie geschrieben, nur eine absolute Hardcore-Feministin könne auf der Seite Carmens stehen. Das ist ja nun eine Einstellung, die ich so nicht teile. :D
Dann besitze ich noch eine historische Aufnahme mit Gigli, Ebe Stignani und Giglis Tochter Rina Gigli als Micaela. Mein Gatte sagt, Stignani singt als wäre sie Carmens Großmutter, ich mußte ihm wderstrebend recht geben :ignore Rina Giglis Stimme hat mir sehr gut gefallen, was ist eigentlich aus ihr geworden? Was die Callas angeht kenne ich von ihr nur die Habanera, und " Prés des remparts de Seville". Beides gefällt mir sehr gut.
Ich hab's schon andernorts geschrieben: ich habe zwar viel gegen die Berliner Carmen von 2006 einzuwenden, (Warum erscheint Micaela zu Beginn als alte Frau, wieso meuchelt José soviele Menschen, welcher Depp ist auf die Idee gekommen Norah Ansellem zu engagieren :ignore :ignore etc.) aber Domashenko und Villazón haben mir ausgesprochen gut gefallen. Hier ist José mal nicht der gute Junge, der nur in die Fänge der (für ihn) falschen Frau gerät, sondern ein von Anfang an verwirrter, gewaltbereiter junger Mann, der langsam irre wird und sich zum brandgefährlichen Stalker entwickelt.
Mime (16.03.2008, 22:54): Hallo Carmen-Freunde,
hört euch mal die Blumenarie von Jonas Kaufmann, dem Hochgepuschten, und dann von Rolando Villazón gesungen an.
Euer Urteil interessiert mich sehr.
:hello
nikolaus (16.03.2008, 22:58): Original von Mime Hallo Carmen-Freunde,
hört euch mal die Blumenarie von Jonas Kaufmann, dem Hochgepuschten, und dann von Rolando Villazón gesungen an.
Euer Urteil interessiert mich sehr.
:hello
Ich habe zwar von beiden nicht die Blumenarie gehört, aber kann es mir ungefähr vorstellen. Mir würde sicher Villazón besser gefallen. Kaufmann hat etwas in seiner Stimme, was mir überhaupt nicht zusagt. Er wird immer als der "Natürliche" genannt, dabei finde ich seine Stimme ganz und gar nicht natürlich, da ist irgendetwas nicht "stimmig" (in meinen Ohren)...
Gruß, Nikolaus.
Jimi (17.03.2008, 09:22): Original von nikolaus Original von Mime Hallo Carmen-Freunde,
hört euch mal die Blumenarie von Jonas Kaufmann, dem Hochgepuschten, und dann von Rolando Villazón gesungen an.
Euer Urteil interessiert mich sehr.
:hello
Ich habe zwar von beiden nicht die Blumenarie gehört, aber kann es mir ungefähr vorstellen.
Da hllft Youtube mal wieder weiter:
Blumenarie-Villazon
Blumenarie-Kaufmann
Wie findet ihr die Interpretationen abgesehen vom unterschiedlichen Stimmtimbre?
Viel Erfolg beim vergleichen
:hello Jimi
Solitaire (17.03.2008, 15:15): Zunächst: daß ich Villazóns Stimme sehr mag, habe ich ja schon mehrfach bekundet. Kaufmanns Stimme gefällt mir persönlich nicht so gut, er erinnert mich irgendwie immer an einen Bariton der Tenor singt (und ich werde nie begreifen, woher der Vergleich mit Wunderlich kommt ?() Also: der Punkt für "Stimmklang" geht für mich eindeutig an Villazón. Bei Kaufmann gefällt mir dagegen besser, daß er die Arie etwas lyrischer angeht als Villazón. Das würde ich mir von RV auch manchmal wünschen. Der Mann hat ein wirklich wunderschönes piano, wenn er es denn einmal benutzt :ignore :ignore :ignore Hab ich das gerade geschrieben??? Also ich will es mal so sagen: Kaufmanns musikalische Interpretation (ohne die Schluchzer am Ende!), gesungen mit Villazóns Stiimme und gespielt mit dessen Leidenschaft wäre ein Don José, der sich sehen lassen könnte. Jetzt habe ich mich aber elegant aus der Affaire gezogen... :D
Übrigens werde ich caro Rolando am Ostermontag in der Kölner Philharmonie hören. Ich bin extrem gespannt, wie er dann singen wird. Zur Zeit kenne ich ja nur die letzten Kritiken, und die besagen ,daß er doch einiges anders macht als vorher, und sich vor allem mehr auf's lyrische Fach konzentrieren will. Er hat in Berlin den Cavaradossi abgesagt und wird vermutlich stattdessen Lensky singen. Gute Wahl :)
nikolaus (17.03.2008, 20:23): Hm, nach diesem Vergleich bin ich doch wieder etwas unentschlossen. Auch Kaufmann hat ohne Zweifel seine Qualitäten. Aber ich habe immer den Eindruck, dass seine Stimme irgendwo hinten sitzt (ich kann's mal wieder nicht besser ausdrücken...) und dadurch vielleicht etwas weniger "strahlt". Das Baritonale stört mich dabei nicht. Gestaltend hat er mir gut gefallen (wobei der Vergleich zwischen Bühne u. Konzert nicht fair ist).
Gruß, Nikolaus.
Solitaire (18.03.2008, 07:00): Es gab mal bei youtube einen Mitschnitt von Villazóns Version aus der Aufführung in Berlin 2006, da hätte man den direkten Vergleich gehabt. Aber die wurde offenbar vom Netz genommen. Aber ich such noch mal.
Jimi (18.03.2008, 08:24): Original von Solitaire Es gab mal bei youtube einen Mitschnitt von Villazóns Version aus der Aufführung in Berlin 2006, da hätte man den direkten Vergleich gehabt. Aber die wurde offenbar vom Netz genommen. Aber ich such noch mal.
Von der Aufführung aus Berlin habe ich zwar Ausschnitte auf Youtube gefunden, aber keine komplette Blumenarie, auf einem ist neben anderen Szenen nur ein kurzer Teil der Arie zu hören (ab 2:20):
Carmen-Berlin-2006
Der Konzertmitschnitt von "La fleur" war der einzige den ich von Villazon gefunden habe, aber bei den unzähligen Villazon-Clip's habe ich womöglich was übersehen.
Viel Spaß beim suchen
:hello Jimi
Solitaire (18.03.2008, 09:07): Oh, vielen Dank!!!
Solitaire (19.03.2008, 07:15): So, ausfühlrliche Sucharbeiten haben ergeben, daß der Clip wohl nicht merh bei youtube zu finden ist. Auch gut. Es gibt einen Clip vom Finale, aber um das geht es hier ja nicht. Trotzdem mal den Link: klick
Jimi (19.03.2008, 11:46): Original von Solitaire Es gibt einen Clip vom Finale, aber um das geht es hier ja nicht. Trotzdem mal den Link: klick
Warum nicht, ist doch hier im Carmen-Thread ok, hier das Duett zum Vergleich von Antonacci/Kaufmann.
Viel Spaß beim anhören wünscht
Jimi
Solitaire (20.03.2008, 08:57): Danke für den Link! Also, Kaufmann hat sicher auch seine Qualitäten und mich würde dei komplette Inszenierung durchaus sehr interessieren, aber mir gefällt Villazóns José bisher dennoch besser: sein Flehen wirkt (auf mich) mitleiderregender, seine Ausstrahlung beunruhigender und gefährlicher. Mit der Stimme ist das so eine Sache, ich bin ja der Ansicht, daß es Geschmackssache ist, welchen Stimmklang man bevorzugt (wer die bessere Technik hat ist etwas, das ich nicht zu sagen vermag, dafür hab ich zuwenig Ahnung von der Materie, und mit solchen Äußerungen halte ich mich ohnehin lieber zurück). Also: mein José ist immer noch RV.
Dafür ist der Herr Kaufmann schöner. MICH müßte der nicht zweimal fragen, ob ich ihm folge :rofl Sorry, das war gerade ein kurzer Anfall tussihafter Albernheit und Anbetung männlicher Schönheit :D
Tranquillo (20.03.2008, 10:12): Original von Solitaire Dafür ist der Herr Kaufmann schöner. MICH müßte der nicht zweimal fragen, ob ich ihm folge :rofl Sorry, das war gerade ein kurzer Anfall tussihafter Albernheit und Anbetung männlicher Schönheit :D Welche Carmen-Aufnahme auf CD würdest Du empfehlen, wenn Du die optischen Qualitäten der Sänger mal ausklammerst? :D
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (20.03.2008, 11:27): Ich mag die Aufnahme mit Teresa Berganza und Placido Domingo sehr gern, außerdem gefällt mir der Querschnitt mit Norman und Carreras. wie ich schon geschrieben habe, bin ich kein riesiger Carrerasfan, aber hier gefällt er mir gerade im Schlußduett außerordentlich gut. Noch zu hören wäre die Aufnahme Baltsa/Carreras, die gerade bei mir zuhause rumliegt (leihweise).
Tranquillo (20.03.2008, 14:48): Original von Solitaire Ich mag die Aufnahme mit Teresa Berganza und Placido Domingo sehr gern Ich vermute, es handelt sich um diese:
Solitaire (20.03.2008, 15:42): Ja, die ist es. Ich habe früher nach der Schule ganze Nachmittage in der Musikbibliothek verbracht und immer, immer und immer wieder diese Aufnahme gehört. Wenn ich nicht Carmen gehört habe, habe ich Traviata (Scotto, Raimondi), Hoffmann (Jerusalem) oder Bohème (Pavarotti, Freni) gehört. Ich war da Dauergast. Heute arbeite ich in dem Laden und kann hoffentlich dazu beitragen, daß andere solche Freude an der Musik haben, wie ich sie damals hatte.
Tranquillo (20.03.2008, 16:40): Original von Solitaire Ja, die ist es. Gut, wird demnächst bestellt. Ich kenne mich mit Opernaufnahmen nicht aus, deswegen bin ich für Tipps von Opernfans immer dankbar - ich selbst könnte eine Aufnahme nur nach dem Zufallsprinzip auswählen.
Ich habe früher nach der Schule ganze Nachmittage in der Musikbibliothek verbracht und immer, immer und immer wieder diese Aufnahme gehört. Wenn ich nicht Carmen gehört habe, habe ich Traviata (Scotto, Raimondi), Hoffmann (Jerusalem) oder Bohème (Pavarotti, Freni) gehört. Das nenne ich Musikbegeisterung :down
Ich war da Dauergast. Heute arbeite ich in dem Laden und kann hoffentlich dazu beitragen, daß andere solche Freude an der Musik haben, wie ich sie damals hatte. Naja, wenn man dort eh schon zum Inventar gehört, bietet es sich ja an, auch dort zu arbeiten :D Schön, dass Du Deine Begeisterung auch in Deinen Beruf einbringen kannst!
Viele Grüsse Andreas
Solitaire (22.03.2008, 12:13): Ja, da meine Sangeskünste für die Bühne bei weitem nicht reichen, ist es schön, einen Beruf zu haben, in dem ich die Liebe zur Musik auf andere Weise einbringen kann :) Was die Carmen angeht: vertraue meinem Urteil nicht zu sehr, sowas ist ja immer auch Geschmackssache. Zum Glück gibt es ja bei jpc die Möglichkeit, in die Aufnahmen reinzuhören,und sich somit einen recht guten Eondruck darüber zu verschaffen, ob es einem gefallen könnte oder nicht.
manrico (08.04.2008, 20:05): Ist es eigentlich wirklich notwendig, dem Katalog eine weitere Carmen hinzuzufügen, gibt es überhaupt noch eine neue, spannende Lesart, die man noch nicht kennt ? Da gibt es die Märchen-Carmen der Teresa Berganza, die Signorita der delos Ancheles, die stolze feurige Spanierin der Baltsa und die verruchte Leonthyne Price. Was also noch?
Ja, es gibt sie, und es ist mir völlig unverständlich, dass gerade diese Carmen 40 Jahre im Archiv verstaubt ist und erst jetzt wieder ausgegraben wurde. Maazel dirigiert eine Aufnahme, die ich spannender finde als alle anderen zusammen: er zeigt kein Postkartenspanien, sondern zwielichtiges Gesindel am Rande der Gesellschaft. Carmen ist eine arme Fabriksarbeiterin, die ein tristes Leben führt. Hier gibt es keinen festivaltauglichen Hochglanzanstrich, damit man der feinen Festivalgesellschaft ein Stück aus den Hinterhöfen zumuten kann, hier herrscht eine eigentümliche Mischung aus Opera comique, gewürzt mit einem kräftigen Schuss Realismus ohne Versimo. Maazel ist ein echter Zauberer. Die Ludwig gibt eine fabelhafte Carmen, unglaublich nuanciert, locker in der Habanera, schmeichelnd in der Seguedilla, fatalistisch in der Kartenarie, hart und kalt im Finale. Ein grosses Portrait. Ihr don Jose ist James King. King hat ein sehr lockeres Verhältnis zur vorgeschriebenen Tonhöhe, aber in diesem Konzept stört das nicht weiter. Er gibt einen versoffenen, heruntergekommenen Soldaten, dessen weiterer Abstieg eigentlich nicht aufzuhalten ist. Sein Jose ist glanzlos, er kommt nicht strahlend aus dem Gefängnis - wie das viele seiner Rollenkollegen tun - sondern erschöpft und deprimiert. Schliesslich war er ja nicht auf Kur. Einen sehr schönen Effekt gibt das beispielsweise in Blumenarie, die nicht zum Reisser mutiert, sondern hoffnungslos klingt. Erst das Violin-Nachspiel offenbart Joses Gefühle - er hat offensichtlich nicht gelernt, sie auszudrücken. Michaela nimmt sich wie ein Echo aus seiner früheren (möglicherweise auch nicht viel besseren) Welt aus. Jeanette Pilou ist dieses zerbrechliche Mädchen. Die Schmuggler haben vor allem in Erich Kunz einen sehr pointierten Dancaire und in Lucia Popp eine Luxusbesetzung als Frasquita. Die Schwachstelle dieser Aufnahme ist der Escamillo. Eberhard Wächter hat insgesamt keine besonders phonogene Stimme, aber so glanzlos singt nicht einmal einmal er für gewöhnlich. Nachdem die Messerstecher-Szene praktisch gestrichen ist, muss er auch nicht viel singen. Fazit: seit ich diese Aufnahme habe, habe ich - trotz aller Schwächen dieser Aufnahme - auch eine neue Lieblings-Carmen: und die heisst eindeutig Christa Ludwig.
lg
Werner
Jimi (08.04.2008, 21:41): Hallo Werner,
im ersten Moment konnte ich mir Christa Ludwig als Carmen nicht wirklich vorstellen. Wenn man aber dann nachdenkt was für unterschiedliche Sachen sie auf höchsten Niveau gesungen hat, warum eigentlich nicht auch die Carmen. James King als Don Jose, hm das kann ich mir dann wirklich nicht vorstellen, aber man weis ja nie. Hast du eigentlich einen "Lieblings Don Jose" ? Bin schon gespannt auf die Aufnahme, allerdings ist sie in Deutschland wohl noch nicht erhältlich.
:hello Jimi
manrico (13.04.2008, 10:14): Hallo Jimi!
In Wien ist die Carmen mittlerweile in allen Schaufenstern der Stadt, wohl vor allem als Hommage an die Ludwig, die ja ihren 80. Geburtstag gerade feiert. Ausserdem ist ein Fidelio mit ihr unter Karajan entstanden, aber der wird lange nicht so ausgestellt.
Ich glaube, die Carmen ist auch deshalb so toll, weil sich die Ludwig nicht als wildgewordene Zigeunerin gibt, sondern als arme Fabriksarbeiterin auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück. Eine kluge und sehr gelungene Darstellung.
Was das Repertoire der Ludwig betrifft, so denke ich, gibt's doch einen gewaltigen Unterschied zwischen dem, was die Ludwig tatsächlich gesungen hat, und dem, was uns die offizielle Plattenindustrie präsentiert. Da schaut's nämlich so aus, als hätte sie nur Mozart, Wagner und Strauss gesungen. In Wirklichkeit hat der graue Markt noch viele spannende Produktionen mit der Ludwig herausgebracht, die zeigen, dass sie genauso im italienische und französischen Fach zu Hause war etwa Eboli, Azucena, Lady Macbeth, Duchessa d'Ostheim, Didon (Berlioz), Dalila, Cenerentola (gibt's aber, glaub ich, nicht einmal am ganz grauen Markt).
Sie selber sagt in einem Rondo-Interview, dass der Unterschied zwischen ihr und Fi-Di oder der Schwarzkopf die Natürlichkeit des Singens sei. Damit hat sie in meinen Augen völlig recht. Je öfter ich Aufnahmen der Schwarzkopf, Prey oder von Dieskau höre, desto unangenehmer - weil manierierter - und verstaubter werden sie. Bei Ludwig oder Wunderlich stellt sich dieser Effekt nicht ein, im Gegenteil: je mehr man hört, desto mehr möchte man kennen lernen. In diesem Rondo-Interview (1/2008) geht sie übrigens wenig zimperlich mit Schwarzkopf ("Sie fand immer alles schlecht", "Die Schwarzkopf hat nur eine winzige Auswahl an Rollen auf der Bühne beibehalten. Ist das nicht furchtbar langweilig?"), Fischer Dieskau ("pausbäckiges Riesenbaby", "Wenn er Mahler sang, hätt ich ihm am liebsten hinten reingetreten"), Corelli ("Die Primadonna bei der Aufführung war nicht die Callas sondern Franco Corelli") und auch mit Karajan um ("Karajan hat sich bei Stimmen nicht ausgekannt"). Dafür lobt sie Callas sehr. Ich finde es sehr mutig (und es gefällt mir ausserordentlich!!!), diese Dinge so unverblümt auszusprechen. Meine Hochachtung vor so viel Geschmack! :rofl
Und weil du mich nach meinem Lieblings- Don Jose gefragt hast: ganz einfach: der hochneurotische, aggressive Neill Shikoff ist einfach nicht zu schlagen, selbst wenn er auf der Bühne einmal nicht so ganz bei Stimme sein sollte.
lg
Werner
Solitaire (13.04.2008, 14:45): Oh ja, Shicoff als Don José würde ich auch gerne mal auf der Bühne erleben. Habe ja schon geschrieben, daß mir sein Don José auf CD ausgesprochen gut gefällt.
Jimi (14.04.2008, 15:46): Original von manrico Fischer Dieskau ("pausbäckiges Riesenbaby", "Wenn er Mahler sang, hätt ich ihm am liebsten hinten reingetreten") Werner
Hallo Werner,
ich bin ja auch nicht gerade ein ausgesprochener FiDi Fan, aber das ist ja schon etwas heftig,aber schön dass sie so unverblümt Klartext redet. Sind seine Mahleraufnahmen so schlimm, ich kenne sie nicht.
Original von manrico Und weil du mich nach meinem Lieblings- Don Jose gefragt hast: ganz einfach: der hochneurotische, aggressive Neill Shikoff ist einfach nicht zu schlagen, selbst wenn er auf der Bühne einmal nicht so ganz bei Stimme sein sollte.
ich nehme an du beziehst dich aus Liveauftritte die du an der WSO erlebt hast(Neid :ignore). Wie ist denn seine Studioaufnahme die kenn ich nicht(Jessye Norman als Carmen ?( ) Oder gibt es eine inoffizielle Liveaufnahmen von der ich nichts mit bekommen habe?
:hello Jimi
manrico (20.04.2008, 12:05): Hallo Jimi!
Shicoff hat sehr viel in Wien gesungen, vor allem auch schon in Zeiten, in denen man ihn fast als Zweitbesetzung gegeben hat, wenn einer der drei grossen Herren nicht verfügbar war. Da war er sich auch für einen (grossartigen) Macduff nicht zu gut. Ansonsten hab ich ihn immer am liebsten in gebrochenen Charakteren (Jose, Hoffmann, Eleazar, Ernani,...) gesehen. Den Romeo hat er auch gesungen, aber das war nicht seine Rolle, finde ich. Und wenn er sich als Jose mit der Baltsa ein Match geliefert hat, war mir der Rest der Besetzung ziemlich wurscht. Die Carmen unter Ozawa finde ich sehr zwiespältig, eher unter dem Titel "Grosse Namen, schöne Stimmen", wobei sich die beiden Begriffe nicht unbedingt auf die selben Sänger beziehen. Ich stehe kaum einer anderen Aufnahme so zwiespältig gegenüber. Da ist einmal die Carmen der Norman. Sehr, sehr schön gesungen, eine melancholische Südseeprinzessin im fremden Land. Aber trifft das meine Vorstellung einer Carmen? Da ist sie mir doch als Medora, Kundry, Euryanthe oder Giulietta viel viel lieber. Besonders eigentümlich wirkt es, wenn die Norman erst eine elegische Habanera singt, und man im Anschluss daran die energische, hart singende Freni im "Parle-moi de ma mere" hört. Das passt nicht zusammen. Dabei wäre dem Ensemble eine (vermutlich) grossartige Michaela zur Verfügung gestanden: Ghyslaine Raphanel muss aber die Frasquita singen. Da hat man wirklich das junge Mädchen mit der wunderschönen, glockenhellen Stimme. Auch der Zuniga Jean-Philippe Courtis hat weit mehr Stimme als der grossväterliche Simon Estes als Escamillo. Shicoff singt seinen neurotischen Don Jose mit viel Hingabe. Ozawa lässt sehr detailreich spielen (sonst bin ich ja nicht sein grösster Fan), und trotzdem: Irgendwie ist die Aufnahme genial daneben. Man hat das Gefühl, dass es bei der Besetzungspolitik nur um bekannte Namen und nicht um adäquate, rollendeckende Besetzung gegangen ist. Schade, eigentlich.
lg
Werner
Solitaire (21.04.2008, 18:47): Interessant, daß noch jemand Simon Estes als Escamillo nicht mag. Ich hab schon gedacht, mit mir wäre irgendwas nicht in Ordnung :D Tja, es gibt vermutlich rassigere, mitreißendere Carmencitas als Jessey Norman, aber ich habe mir vorhin das Schlußduett nochmal angehört, und ich kann mir nicht helfen: ich finde Neil Shicoff absolut grandios :down :down :down Hab's schonmal erwähnt: sein Schlußsatz "Ah! Carmen! ma Carmen adorée!" treibt mir regelmäßig das Wasser in die Augen.
nikolaus (16.01.2010, 10:42): Hier habe ich eine Rezension zur aktuellen Neuinszenierung der Carmen an der New Yorker Met gefunden - sie wird überaus gelobt. Eine - wie ich finde - sehr interessante "junge" Besetzung mit einer - wenn man der Rezension glauben darf - sensationellen Elina Garanca und einem "wiederbelebten" Roberto Alagna sowie dem shooting-star Yannick Nézet-Séguin als Dirigenten.
Nikolaus.
Severina (16.01.2010, 12:26): Liebe Nikolaus, danke für diesen Link, da kan ich mich auf Garancas Carmen im Mai in Wien doppelt freuen (einfach schon deshalb, weil sie meine Lieblingssängerin ist :D) An den "wiederbelebten Alagna" kann ich nicht so recht glauben, dazu habe ich seinen absolut unterirdischen Des Grieux vor drei Jahren noch zu gut in den Ohren, aber ich wünsche es ihm natürlich, denn der Mann war wirklich einmal toll. Jung trifft auf ihn aber nicht mehr zu :wink lg Severina :hello
Fairy Queen (16.01.2010, 14:21): Alagna war einer der besten Don Josés, die ich je gehört habe. Angeblich hat ihm die Trennung von Angela Gheorghiu neue Kräfte verliehen. Zumindest sagt er selbst, es seien ihm einige Lasten abgenommen, was sich positiv auf den Gesang auswirke. Dass Beziehungsstress und Eheprobleme die Stimme bealsten, ist zwar logisch, aber ob es nun wirklich das war, muss erst mal bewiesen werden. Ich bin SEHR gespannt!!!!! Euphonia
Severina (16.01.2010, 14:32): Liebe Euphonia, ich würde es Alagna und uns Opernfans von Herzen wünschen, dass er aus der Stimmkrise herausfindet, denn auch ich mochte ihn einmal sehr (Auch weil er ein sehr guter Schauspieler ist), aber ob nur die belastende Beziehung zu der Oberzicke G. Schuld an seiner oft wirklich desolaten stimmlichen Verfassung war? Zumindest als Des Grieux klang die Stimme in meinen laienhaften Ohren ziemlich kaputt. Aber da unser Neodirektor Alagnafan ist, werde ich wohl in den nächsten Jahren genügend Gelegenheiten bekommen, das herauszufinden. Noch weiß ich nicht, ob ich darüber llachen oder weinen soll... lg Sevi :hello
Fairy Queen (16.01.2010, 17:45): Liebe Sevi, ich mache gleich Diplomarbeits -Pause und gehe ins Opernkino. Carmen aus der Met. Mein Bericht für Dich wird hier morgen irgendwann eingestellt-vom Rosenkavalier mit Fleming und Graham hat ja leider niemand berichtet(war letzten Samstag in den Kinos , aber ohne mich..... Strauss nein danke! :P)
Da meine Gesangsprofessorin morgen eine Matinée mit Schumann(Clara und Robert!) Liedern gibt, zu der ich natürlich hingehe, kann es aber evtl Nachmittag werden, es sei denn, ich stehe wieder in aller Herrgottsfrühe auf. Notfalls also bitte etwas Geduld.
Liebe Grüsse nach Wien
Euphonia
Severina (16.01.2010, 17:57): Viel Vergnügen!! Deinem Bericht sehe ich natürlich mit Spannung entgegen, aber stresse Dich bitte nicht. lg Sevi :hello
Fairy Queen (16.01.2010, 22:45): Liebe Sevi, leider ist nix draus geworden- der run war so gross, dass wir keine Karten mehr bekommen haben-Carmen ist und bleibt eben der Publikumsrenner udn das bei zwei Riesensäalen, wo sonst immer noch Plätze übrig waren. Pech gehabt-beim Hamlet rechne ich zwar mit weniger Andrang, werde aber sicherheitshalber vorbestellen, denn die Gefahr, Natalie und Simon nicht bejubeln zu können, ist mir zu gross!!!! France musique überträgt aber die Carmen zeitgleich, und rein hörenderweise gibts wenig zu bejubeln. Markus Kwiecien ist krank und wird ersetzt (mittelmässig), Barbara Frittoli als Micaëla hat für meinen Geschmack viel zu viel Vibrato und klingt zu matronig, Alagna hat zwar wieder eine schönere Stimme als noch vor zwei /drei Jahren aber seine Höhenprobleme bleiben eklatant. Die Paradearie "La fleur que tu m'avais jetée" klang gar nicht schlecht, wenn da nicht der totale Absturz bei den letzten hohen Takten gewesen wäre.(soweit ich weiss ist das ein B da oben) Die Stimme sprang nicht an, er rettete sich in ein brüchig dünnes Falsett, und bekam dann noch jede Menge Bravi. Das grosse Duett mit Frittoli hat mir nciht gefallen, die Stimmen passten schlecht zusammen und es klang unsauber. Aber es hätte schlimmer sein können was Alagna angeht, sein Timbre ist einfach toll und in der Mittellage singt er wirklich gut. Elina Garanca hat mich auch nicht wirklich begeister; das tut mir besonders leid, weil ich ja weiss, dass du ihr Fan bist. Rein vom Hôren war das zwar gut gesungen und es gibt nichts Konkretes auszusetzen, aber irgendwie kam bei mir ausdrucks- und sexappeal-carmen-mässig so gar nichts rüber und sie klang ungefähr 20 Jahre älter. Mich hat überhaupt gestört, dass alle Sänger(ausser seltsamerweise Alagna) so gesetzt und alt klangen, es fehlte an Frische, an lebendiger Leidenschaft. Für mich, die ich ja leider die Inszenierung und das Zusammenspiel von Garanca und Alagna nicht mitbekommen habe, vom reinen Hören Mittelmass, keinerlei Begeisterung. Habe nach dem dritten Akt das Radio ausgemacht. Aber was ist schon Carmen ohne Theater?????? Wahrscheinlich hâtte ich mit Szene Alles ganz anders empfunden. Euphonia
P.S. In der Pause wurde das Duett Nadir/Zurga aus den Perlenfischern gesendet. Alagna und Terfel! Celestement- überhaupt liebe ich diese Oper mindestens genauso(eigentlich mehr) wie die Carmen, obschon die Carmen dramaturgisch natürlich eine Meristerleistung ist.
Severina (17.01.2010, 00:13): Liebe Euphonia, danke trotzdem zumindest für Deine Höreindrücke! Schade, dass Kwiecien abgesagt hat, der war bei uns ein toller Alberich und wäre endlich einmal ein Escamillo mit profunder Tiefe. Was Garanca betrifft, so kann ich sie mir bei aller Liebe eben auch nicht wirklich als Carmen vorstellen und bin daher sehr neugierig, wie sie das bei uns macht. Rolando Villazón hätte sie vermutlich mitgerissen, aber Massimo Giordano verfügt zwar über eine sehr schöne Stimme, aber leider über zu wenig Persönlichkeit, sodass ich fürchte, dass beide von der Micaela (Anna Netrebko) an die Wand gespielt werden. Ich dachte übrigens, Du hättest bereits Karten, denn in Wien war diese Übertragung seit Wochen ausverkauft. lg Sevi :hello
Fairy Queen (17.01.2010, 07:20): Liebe Sevi, bei uns bracuhte man bisher nie Karten zu bestellen, weil das Kino bei grossem Andrang einfach ienen zweiten Saal aufgemacht hat. Diesmal war der aber auch schon voll...... Carmen und Frankreich ist eben grosse Opern-Liebe und zieht noch mehr Publikum an als gewöhnlich.
Wer hat denn Anna Netreko als Micaëla engagiert, wenn Garanca die Carmen singt? Mon dieu, da bin ich aber total auf deine Kritik gespannt! Rein typmässig ist das wohl verkehrte Welt- die arme Garanca und der arme Don José! Immerhin lässt das Raum für eine Regiekonzept, in dem sich serh interessante facetten auftun könnten: Don José liebt eigentlich Micaëla und die Hörigkeit von Carmen ist eine Psychopathologie? Stimmlich dürfte das eine sehr gute Rolle für Netrebko sein, aber wie sie im Duett im Don José das brave Mâdchen machen wird,das gegen Carmen einfach nur reizlos wirkt, musst du mir unbedingt erzählen :wink euphonia
Severina (17.01.2010, 12:30): Liebe Euphonia, ursprünglich hätte ja eben Rolando Villazón den Don José singen sollen, und diese Besetzung wäre dann natürlich der absolute Knaller gewesen. Leider wurde der aber nach seiner krankheitsbedingten Absage durch die Schlaftablette Giordano ersetzt :I Und leider handelt es sich auch um keine Neuinszenierung, sondern um eine "Auffrischung" (was immer das heißt...) unseres uralten Zeffirellischinkens. In die Züricher Hartmanninszenierung hätte die Netrebko wunderbar hineingepasst, denn da ist die Micaela kein armes Hascherl, sondern eine selbstbewusste junge Frau, die ganz genau weiß, was sie will, nämlich José. Sie ergreift daher auch die Initiative und versucht ihn zu verführen, was aber peinlich schief geht - er reagiert völlig panisch - , weil es erst Carmen schafft, das Muttersöhnchen sexuell zu erwecken. Ich fand das eine sehr interessante Interpretation, und Jonas Kaufmann hat den verklemmten Schüchti auch hinreißend gespielt. lg Sevi :hello
Ingrid (18.01.2010, 23:30): Liebe Euphonia,
heute bekam ich einen total begeisterten Bericht von der Carmen-Übertragung. Die Freundin sprach sogar von der besten Carmen aller Zeiten und Garancas Sexeppeal wäre einfach atemberaubend gewesen (sie hatte dunkle Locken). Dass Alagna auch hin und weg war, soll im Pausengespräch sehr deutlich geworden sein.
:hello Ingrid
Fairy Queen (20.01.2010, 11:42): Liebe Ingrid vom reinen Höreindruck halte ich die "beste Carmen aller Zeiten" für unmöglich. Ich habe mehrere CD-Aufnahmen, die wesentlich besser sind als das was meine Ohren am Radio gehört haben. Szenisch mag es aber superklasse gewesen sein und Garanca eine Carmen-Sexbombe, das habe ich ja leider nciht sehen können. Aber ob das wirklich genauso gut oder sogar besser als die Londoner Carmen mit Jonas Kaufmann und A.C. Antonacci war? Ich habe da bei der Met immer gewisse Zweifel. euphonia
Ingrid (21.01.2010, 00:22): Original von Euphonia Aber ob das wirklich genauso gut oder sogar besser als die Londoner Carmen mit Jonas Kaufmann und A.C. Antonacci war? Ich habe da bei der Met immer gewisse Zweifel. euphonia
Liebe Euphonia,
höchstwahrscheinlich hat die Freundin nur Garanca als Carmen gemeint und nicht das Gesamtwerk, da sie natürlich Jonas Kaufmann als Don José den Vorzug geben würde. Zusammen, incl. guter Inszenierung, hätte diese Superlative evtl. eher gepasst, aber vorsichtig sollte man mit dieser Bewertung ja immer sein. Ich habe sie halt einfach mal so weiter gegeben, wie ich sie von ihr gehört hatte, soz. als Kontrastprogramm :D
Herzliche Grüße Ingrid
Severina (21.01.2010, 16:57): Liebe Ingrid, Du machst mir Hoffnung und steigerst vor allem meine Vorfreude auf unsere "Carmen", denn wie schon oben erwähnt, habe ich auch so meine Vorbehalte gegen Garanca als feurige Gitana. lg Severina :hello
PS: Schön, dass Du hier wieder mitmischst!
Ingrid (21.01.2010, 21:58): Liebe Severina,
so schnell kann's gehen und alle guten Vorsätze sind wieder über Bord :cool Ihr geht mir halt doch ab :D
Bin auf jeden Fall froh, dass die Aussichten auf die Carmen jetzt doch nicht ganz so schlecht sind. Im anderen Zimmer singt aber gerade JK den Don José und ich muss mich deshalb ganz schnell verabschieden. Wünsche allen eine gute Nacht. :hello
Rideamus (23.01.2010, 19:50): Wer die CARMEN mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen will, kann das bei Youtube tun. Da gibt es nämlich diesen Film komplett zu sehen:
und zwar ab hier:"http://www.youtube.com/watch?v=SJ1f6tVliME&feature=related"
Leider gibt es keine Untertitel, aber der Film und seine Musik erschließen sich leicht auch Leuten, die nicht so gut Englisch können, aber ihre CARMEN kennen.