Carlo Guelfi - Die Stimme des Bösewichts?

Atilla (01.04.2006, 09:15):
Hallo,
als im vergangenen September die MET den Rigoletto im Rundfunk übertrug mit Anna Netrbko und Rolando Villazon gab es für das "Traumpaar" ja große Aufmerksamkeit. Ich habe diese Übertragung als einem anderen "Hörwinkel" faszinierend gefunden. Den Rigoletto sang Carlo Guelfi. Er ist ja wohl kein Neuling in der Opernszene, aber mir war er neu. Zuerst einmal fand ich seine Tonlage im Vergleich zu meiner Einspielung auf CD von Leonard Warren sehr gewöhnungsbedürftig. Aber beim zweiten Hören entdeckte ich in "Si vendetta, si tremenda vendetta" etwas was ich vorher weder live noch auf CD so gehört habe. Richtige Bosheit in der Stimme (obwohl Rigoletto ja eigentlich nicht wirklich böse, sondern eher tragisch ist). Ich war fasziniert von diesem Ausdruck des Gesanges.
Im Januar lernte ich dann "Andrea Chenier" kennen (nicht persönlich), der live aus Bologna übertragen wurde, und Carlo Guelfi sang den Carlo Gerard. Diesmal ein wirklicher Bösewicht. Und wieder dieser Ausdruck in der Stimme...
Im Mai wird aus Neapel Otello mit Guelfi als Jago übetragen. Ich kann es kaum erwarten...
Hat von euch jemand Guelfi mal live erlebt? Wie war der Eindruck? Es gäbe ja noch mehr "böse" Rollen, Scarpia z.B... Singt er auch andere Rollen?
Gruß Atilla
Rolf Scheiwiller (27.04.2006, 09:43):
Original von Atilla
Hallo,
als im vergangenen September die MET den Rigoletto im Rundfunk übertrug mit Anna Netrbko und Rolando Villazon gab es für das "Traumpaar" ja große Aufmerksamkeit. Ich habe diese Übertragung als einem anderen "Hörwinkel" faszinierend gefunden. Den Rigoletto sang Carlo Guelfi. Er ist ja wohl kein Neuling in der Opernszene, aber mir war er neu. Zuerst einmal fand ich seine Tonlage im Vergleich zu meiner Einspielung auf CD von Leonard Warren sehr gewöhnungsbedürftig. Aber beim zweiten Hören entdeckte ich in "Si vendetta, si tremenda vendetta" etwas was ich vorher weder live noch auf CD so gehört habe. Richtige Bosheit in der Stimme (obwohl Rigoletto ja eigentlich nicht wirklich böse, sondern eher tragisch ist). Ich war fasziniert von diesem Ausdruck des Gesanges.
Im Januar lernte ich dann "Andrea Chenier" kennen (nicht persönlich), der live aus Bologna übertragen wurde, und Carlo Guelfi sang den Carlo Gerard. Diesmal ein wirklicher Bösewicht. Und wieder dieser Ausdruck in der Stimme...
Im Mai wird aus Neapel Otello mit Guelfi als Jago übetragen. Ich kann es kaum erwarten...
Hat von euch jemand Guelfi mal live erlebt? Wie war der Eindruck? Es gäbe ja noch mehr "böse" Rollen, Scarpia z.B... Singt er auch andere Rollen?
Gruß Atilla

Guten Morgen Attila.

Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt auf Deinen Beitrag reagiere.
Hab ihn jetzt wiederentdeckt !

Live sah ich Guelfi noch nie. Zwei Produktionen, in denen er mitwirkt,ist zum einen die Gesamtaufnahme von Puccinis " Trittico " auf EMI. Mit Georghiu und Alagna unter Pappano Die hab ich schon einige Jahre.Dann hab ich noch eine DVD mit ihm als " Simone Boccanegra ". Unter Abbado. Das ist auch schon alles.

Gruss.
R.
Atilla (27.04.2006, 19:29):
Hallo Rolf,

schön, dass nun doch noch jemand reagiert hat. Wie wirkt er denn auf diesen Aufnahmen. Ist der Ausdruck in der Stimme auch hier so aussagekräftig? Ich habe nun den Rigoletto wieder entdeckt und höre ihn mit Guelfi momentan sehr häufig. Einfach faszinierend.

Gruß Ralf (Atilla)
Rolf Scheiwiller (28.04.2006, 10:33):
Original von Atilla
Hallo Rolf,

schön, dass nun doch noch jemand reagiert hat. Wie wirkt er denn auf diesen Aufnahmen. Ist der Ausdruck in der Stimme auch hier so aussagekräftig? Ich habe nun den Rigoletto wieder entdeckt und höre ihn mit Guelfi momentan sehr häufig. Einfach faszinierend.

Gruß Ralf (Atilla)

Guten Morgen Ralf.


Hab heute in der Früh noch einmal in den " Simone Boccanegra " hineingesehen.


Guelfi ist in dieser Rolle aüsserst glaubwürdig. Sehr gut bei Stimme. Ich finde allerdings, dass er kein charakterisches Timbre hat. Will sagen, dass ich ihn nicht aufs Geratwohl von andern Sängern seiner Stimmlage unterscheiden könnte. Aber schon von seiner gewaltigen aüsseren Erscheinung her, sehr beeindruckend !


Die Todesszene im letzten Akt, er singt mit erstickter Stimme, ist sehr anrührend.


Schade, dass er in dieser sehr düsteren Oper, in der es wirklich nicht einen einzigen hellen Lichtstrahl gibt, keine Arien zu singen hat. Es ist eben Gesang im Deklamationsstil. Verdis Musik allerdings , ist absolut dem Thema entsprechend.

Schade, dass diese Oper auch heute ein Schattendasein fristet.


Auch die Amelia der Karita Mattila war perfekt gesungen. Riesenapplaus für alle Mitwirkenden. Am meisten natürlich für Claudio Abbado.


Bühnenbild sehr modern. Viele Blautöne. Sehr durchdachte Bühnenregie. Von Peter Stein.


Auf 16 x 9 TV gesehen.

Gruss.

Rolf


PS. Wenn Du über andere Sänger mehr Informationen brauchst : Bitte ganz einfach HIER schreiben. :thanks
Atilla (28.04.2006, 20:19):
Hallo Rolf,

vielen Dank für die Info. Das wäre sicher interessant den Guelfi als Boccanegra zu sehen, obwohl dies ja auch nicht wirklich ein Bösewicht ist sondern genauso tragisch wie Rigoletto. Na ja vielleicht passt das auch zu Guelfi.

Den Simon Boccanegra kenne ich nur aus einer Fernsehaufzeichnung mit Thomas Hampson. Ich weiß jetzt gar nicht, wer da noch mit von der Partie ist und von wo die Aufführung ist, aber eine sehr gewaltige Oper. So ganz anders als Verdi sonst ist. Selbst im düsteren Macbeth geht es musikalisch teilweise ganz beschwingt zu.
Ich glaube aber doch, dass es im Boccanegra einen Lichtstrahl gibt. Im ersten Akt das Duett von Amelia und Gabriele: "Cielo di stelle orbato... vieni a mirar la cerula". Ein wunderschönes Liebesduett.

(Am 20. Mai wird der Simon Boccanegra live auf Radio 3 übertragen aus Paris mit Carlos Alvarez als Simon Boccanegra, Ferruccio Furlanetto als Jacopo Fiesco und Ana Maria Martinez als Maria Boccanegra).

Gruß Ralf
Atilla (20.05.2006, 11:17):
Hallo,

ich habe gerade ein wenig in der Rundfunkfunkmitschnitt von der Otello Aufführung am 15.5. aus Napoli mir Carlo Guelfi als Jago reingehört. Und ich bleibe dabei, wie er im dritten Akt Otello an das Tuch erinnert und dabei mit aller Fiesheit "Il fazzoletto" singt, klingt wirklich sehr gemein und böse.
Ich denke, ich würde ihn auch zwischen anderen Stimmen heraushören.
Musik ist schon etwas schönes...
Gruß Ralf
Atilla (01.04.2006, 09:15):
Hallo,
als im vergangenen September die MET den Rigoletto im Rundfunk übertrug mit Anna Netrbko und Rolando Villazon gab es für das "Traumpaar" ja große Aufmerksamkeit. Ich habe diese Übertragung als einem anderen "Hörwinkel" faszinierend gefunden. Den Rigoletto sang Carlo Guelfi. Er ist ja wohl kein Neuling in der Opernszene, aber mir war er neu. Zuerst einmal fand ich seine Tonlage im Vergleich zu meiner Einspielung auf CD von Leonard Warren sehr gewöhnungsbedürftig. Aber beim zweiten Hören entdeckte ich in "Si vendetta, si tremenda vendetta" etwas was ich vorher weder live noch auf CD so gehört habe. Richtige Bosheit in der Stimme (obwohl Rigoletto ja eigentlich nicht wirklich böse, sondern eher tragisch ist). Ich war fasziniert von diesem Ausdruck des Gesanges.
Im Januar lernte ich dann "Andrea Chenier" kennen (nicht persönlich), der live aus Bologna übertragen wurde, und Carlo Guelfi sang den Carlo Gerard. Diesmal ein wirklicher Bösewicht. Und wieder dieser Ausdruck in der Stimme...
Im Mai wird aus Neapel Otello mit Guelfi als Jago übetragen. Ich kann es kaum erwarten...
Hat von euch jemand Guelfi mal live erlebt? Wie war der Eindruck? Es gäbe ja noch mehr "böse" Rollen, Scarpia z.B... Singt er auch andere Rollen?
Gruß Atilla
Rolf Scheiwiller (27.04.2006, 09:43):
Original von Atilla
Hallo,
als im vergangenen September die MET den Rigoletto im Rundfunk übertrug mit Anna Netrbko und Rolando Villazon gab es für das "Traumpaar" ja große Aufmerksamkeit. Ich habe diese Übertragung als einem anderen "Hörwinkel" faszinierend gefunden. Den Rigoletto sang Carlo Guelfi. Er ist ja wohl kein Neuling in der Opernszene, aber mir war er neu. Zuerst einmal fand ich seine Tonlage im Vergleich zu meiner Einspielung auf CD von Leonard Warren sehr gewöhnungsbedürftig. Aber beim zweiten Hören entdeckte ich in "Si vendetta, si tremenda vendetta" etwas was ich vorher weder live noch auf CD so gehört habe. Richtige Bosheit in der Stimme (obwohl Rigoletto ja eigentlich nicht wirklich böse, sondern eher tragisch ist). Ich war fasziniert von diesem Ausdruck des Gesanges.
Im Januar lernte ich dann "Andrea Chenier" kennen (nicht persönlich), der live aus Bologna übertragen wurde, und Carlo Guelfi sang den Carlo Gerard. Diesmal ein wirklicher Bösewicht. Und wieder dieser Ausdruck in der Stimme...
Im Mai wird aus Neapel Otello mit Guelfi als Jago übetragen. Ich kann es kaum erwarten...
Hat von euch jemand Guelfi mal live erlebt? Wie war der Eindruck? Es gäbe ja noch mehr "böse" Rollen, Scarpia z.B... Singt er auch andere Rollen?
Gruß Atilla

Guten Morgen Attila.

Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt auf Deinen Beitrag reagiere.
Hab ihn jetzt wiederentdeckt !

Live sah ich Guelfi noch nie. Zwei Produktionen, in denen er mitwirkt,ist zum einen die Gesamtaufnahme von Puccinis " Trittico " auf EMI. Mit Georghiu und Alagna unter Pappano Die hab ich schon einige Jahre.Dann hab ich noch eine DVD mit ihm als " Simone Boccanegra ". Unter Abbado. Das ist auch schon alles.

Gruss.
R.
Atilla (27.04.2006, 19:29):
Hallo Rolf,

schön, dass nun doch noch jemand reagiert hat. Wie wirkt er denn auf diesen Aufnahmen. Ist der Ausdruck in der Stimme auch hier so aussagekräftig? Ich habe nun den Rigoletto wieder entdeckt und höre ihn mit Guelfi momentan sehr häufig. Einfach faszinierend.

Gruß Ralf (Atilla)
Rolf Scheiwiller (28.04.2006, 10:33):
Original von Atilla
Hallo Rolf,

schön, dass nun doch noch jemand reagiert hat. Wie wirkt er denn auf diesen Aufnahmen. Ist der Ausdruck in der Stimme auch hier so aussagekräftig? Ich habe nun den Rigoletto wieder entdeckt und höre ihn mit Guelfi momentan sehr häufig. Einfach faszinierend.

Gruß Ralf (Atilla)

Guten Morgen Ralf.


Hab heute in der Früh noch einmal in den " Simone Boccanegra " hineingesehen.


Guelfi ist in dieser Rolle aüsserst glaubwürdig. Sehr gut bei Stimme. Ich finde allerdings, dass er kein charakterisches Timbre hat. Will sagen, dass ich ihn nicht aufs Geratwohl von andern Sängern seiner Stimmlage unterscheiden könnte. Aber schon von seiner gewaltigen aüsseren Erscheinung her, sehr beeindruckend !


Die Todesszene im letzten Akt, er singt mit erstickter Stimme, ist sehr anrührend.


Schade, dass er in dieser sehr düsteren Oper, in der es wirklich nicht einen einzigen hellen Lichtstrahl gibt, keine Arien zu singen hat. Es ist eben Gesang im Deklamationsstil. Verdis Musik allerdings , ist absolut dem Thema entsprechend.

Schade, dass diese Oper auch heute ein Schattendasein fristet.


Auch die Amelia der Karita Mattila war perfekt gesungen. Riesenapplaus für alle Mitwirkenden. Am meisten natürlich für Claudio Abbado.


Bühnenbild sehr modern. Viele Blautöne. Sehr durchdachte Bühnenregie. Von Peter Stein.


Auf 16 x 9 TV gesehen.

Gruss.

Rolf


PS. Wenn Du über andere Sänger mehr Informationen brauchst : Bitte ganz einfach HIER schreiben. :thanks
Atilla (28.04.2006, 20:19):
Hallo Rolf,

vielen Dank für die Info. Das wäre sicher interessant den Guelfi als Boccanegra zu sehen, obwohl dies ja auch nicht wirklich ein Bösewicht ist sondern genauso tragisch wie Rigoletto. Na ja vielleicht passt das auch zu Guelfi.

Den Simon Boccanegra kenne ich nur aus einer Fernsehaufzeichnung mit Thomas Hampson. Ich weiß jetzt gar nicht, wer da noch mit von der Partie ist und von wo die Aufführung ist, aber eine sehr gewaltige Oper. So ganz anders als Verdi sonst ist. Selbst im düsteren Macbeth geht es musikalisch teilweise ganz beschwingt zu.
Ich glaube aber doch, dass es im Boccanegra einen Lichtstrahl gibt. Im ersten Akt das Duett von Amelia und Gabriele: "Cielo di stelle orbato... vieni a mirar la cerula". Ein wunderschönes Liebesduett.

(Am 20. Mai wird der Simon Boccanegra live auf Radio 3 übertragen aus Paris mit Carlos Alvarez als Simon Boccanegra, Ferruccio Furlanetto als Jacopo Fiesco und Ana Maria Martinez als Maria Boccanegra).

Gruß Ralf
Atilla (20.05.2006, 11:17):
Hallo,

ich habe gerade ein wenig in der Rundfunkfunkmitschnitt von der Otello Aufführung am 15.5. aus Napoli mir Carlo Guelfi als Jago reingehört. Und ich bleibe dabei, wie er im dritten Akt Otello an das Tuch erinnert und dabei mit aller Fiesheit "Il fazzoletto" singt, klingt wirklich sehr gemein und böse.
Ich denke, ich würde ihn auch zwischen anderen Stimmen heraushören.
Musik ist schon etwas schönes...
Gruß Ralf