DAS VEILCHEN IM MOOSE - Bedeutende Sängerinnen, wenig beachtet.
Engelbert (29.04.2006, 09:56): In diesem Thread soll der Primadonnen gedacht werden, die auf Tonträgern häufig präsent sind, den Opernfreund mit einem vorzüglichen gesanglichen Vortrag verwöhnen, deren biographische Daten aber so gut wie unbekannt sind.
In den sechziger Jahren war es so, dass den Interpreten einer Operngesamtaufnahme auch eine ausführliche Beweihräucherung zuteil wurde. Später verzichtete man und begnügte sich mit einem Bildchen. Neuerdings entfesselt man zuweilen eine kleine Fotogalerie (Opera Rara)
Einige Künstler greifen zur Selbsthilfe und präsentieren eine raffinierte und aufwendige Homepage. Vor allem solche, die ihre Karriere noch vor sich haben. Aber es gibt auch Künstler, denen das eigene Prestige egal zu sein scheint, obwohl der Fan gern wissen möchte, aus welchem Land er kommt oder wie seine berufliche Laufbahn verlief.
Ich beginne mit Della Jones! Wer von den Klassikmagazinern spinnt den Zwirn weiter?
Engelbert (29.04.2006, 10:02): Ungalant beginne ich mit ihrem Geburtstag. Am 13. April dieses Jahres ist sie Sechzig geworden. Mehr konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich weiß nicht, ob sie Engländerin, Schottin oder Waliserin ist.
Dabei besitze ich über 20 Tonträger von ihr. Alle Booklets schweigen sich über ihr Leben aus und berichten nur, was sie alles gesungen hat. Also, zunächst kommt jede Menge Donizetti, dann Rossini und dann Meyerbeer – nicht zu vergessen Händel. Hin und wieder einen kleinen Abstecher zu Bernstein oder zu Hindemith. Sogar bei den Teufeln von Loudun hat man sie angetroffen. Als den vielleicht bedeutendsten Koloraturmezzo Großbritanniens hat das Label Opera Rara ein Sängerporträt auf CD zusammengestellt, welches nur Donizetti-Raritäten enthält. Dazu ein mit umfangreiches Textbuch in schöner Schachtel.
Die Stimme ist nicht besonders auffällig oder aufregend, auch nicht besonders durchschlagskräftig. Ich würde der Stimme von Frau Jones die Attribute ausdrucksfähig, temperamentvoll, perfekt was die Koloraturfähigkeit anbelangt, edel und angenehm zuteilen. Jedenfalls könnte ich ihr stundenlang zuhören, ohne einzudösen. Am besten gefällt mir ihre Tiefe. Da kann es ganz schön böse klingen, wenn es darum geht, als rechtmäßige Ehefrau die Nebenbuhlerin aus dem Harem zu verjagen. Hosenrollen, wie der Aurelio (L’Assedio de Calais) oder den König Ludwig (Ugo Conte di Parigi) sind genau das Richtige für die Jones. Natürlich hat sie auch die Rosina und die Cenerentola im Handtäschchen. Persönlich gefällt sie mir am besten in der Partie der Ines, der Schwester von Maria Padilia. Als sie noch bei DECCA unter Vertrag stand, schreckte sie auch vor Wurzen wie den Jemmi (Wilhelm Tell) die Müllerin Teresa (Die Nachtwandlerin oder den Pantalis (Mefistofele) nicht zurück.
Zu den Zeiten ihrer Bühnenkarriere sah Frau Jones optisch vorteilhaft aus (natürlich auch heute noch), so dass die historischen Kostüme, egal aus welcher Epoche, ihr gut standen. Immer wieder griffen die Produzenten auf sie zurück, denn sie besaß ein immenses Repertoire an einstudierten Rollen. Im Rückblick gesehen, füllte sie einen Katalog an Tonträgern, auf die manche hochgelobte Primadonna nur mit Neid blicken kann. Immer blieb die Künstlerin selbst bescheiden im Hintergrund.
Engelbert :engel
Zelenka (03.05.2006, 15:54): Lieber Engelbert:
Besten Dak für die Della-Jones-Einführung! Sie ist, der Nachname ist verräterisch, Waliserin.
Gruß,
Zelenka
Engelbert (29.04.2006, 09:56): In diesem Thread soll der Primadonnen gedacht werden, die auf Tonträgern häufig präsent sind, den Opernfreund mit einem vorzüglichen gesanglichen Vortrag verwöhnen, deren biographische Daten aber so gut wie unbekannt sind.
In den sechziger Jahren war es so, dass den Interpreten einer Operngesamtaufnahme auch eine ausführliche Beweihräucherung zuteil wurde. Später verzichtete man und begnügte sich mit einem Bildchen. Neuerdings entfesselt man zuweilen eine kleine Fotogalerie (Opera Rara)
Einige Künstler greifen zur Selbsthilfe und präsentieren eine raffinierte und aufwendige Homepage. Vor allem solche, die ihre Karriere noch vor sich haben. Aber es gibt auch Künstler, denen das eigene Prestige egal zu sein scheint, obwohl der Fan gern wissen möchte, aus welchem Land er kommt oder wie seine berufliche Laufbahn verlief.
Ich beginne mit Della Jones! Wer von den Klassikmagazinern spinnt den Zwirn weiter?
Engelbert (29.04.2006, 10:02): Ungalant beginne ich mit ihrem Geburtstag. Am 13. April dieses Jahres ist sie Sechzig geworden. Mehr konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich weiß nicht, ob sie Engländerin, Schottin oder Waliserin ist.
Dabei besitze ich über 20 Tonträger von ihr. Alle Booklets schweigen sich über ihr Leben aus und berichten nur, was sie alles gesungen hat. Also, zunächst kommt jede Menge Donizetti, dann Rossini und dann Meyerbeer – nicht zu vergessen Händel. Hin und wieder einen kleinen Abstecher zu Bernstein oder zu Hindemith. Sogar bei den Teufeln von Loudun hat man sie angetroffen. Als den vielleicht bedeutendsten Koloraturmezzo Großbritanniens hat das Label Opera Rara ein Sängerporträt auf CD zusammengestellt, welches nur Donizetti-Raritäten enthält. Dazu ein mit umfangreiches Textbuch in schöner Schachtel.
Die Stimme ist nicht besonders auffällig oder aufregend, auch nicht besonders durchschlagskräftig. Ich würde der Stimme von Frau Jones die Attribute ausdrucksfähig, temperamentvoll, perfekt was die Koloraturfähigkeit anbelangt, edel und angenehm zuteilen. Jedenfalls könnte ich ihr stundenlang zuhören, ohne einzudösen. Am besten gefällt mir ihre Tiefe. Da kann es ganz schön böse klingen, wenn es darum geht, als rechtmäßige Ehefrau die Nebenbuhlerin aus dem Harem zu verjagen. Hosenrollen, wie der Aurelio (L’Assedio de Calais) oder den König Ludwig (Ugo Conte di Parigi) sind genau das Richtige für die Jones. Natürlich hat sie auch die Rosina und die Cenerentola im Handtäschchen. Persönlich gefällt sie mir am besten in der Partie der Ines, der Schwester von Maria Padilia. Als sie noch bei DECCA unter Vertrag stand, schreckte sie auch vor Wurzen wie den Jemmi (Wilhelm Tell) die Müllerin Teresa (Die Nachtwandlerin oder den Pantalis (Mefistofele) nicht zurück.
Zu den Zeiten ihrer Bühnenkarriere sah Frau Jones optisch vorteilhaft aus (natürlich auch heute noch), so dass die historischen Kostüme, egal aus welcher Epoche, ihr gut standen. Immer wieder griffen die Produzenten auf sie zurück, denn sie besaß ein immenses Repertoire an einstudierten Rollen. Im Rückblick gesehen, füllte sie einen Katalog an Tonträgern, auf die manche hochgelobte Primadonna nur mit Neid blicken kann. Immer blieb die Künstlerin selbst bescheiden im Hintergrund.
Engelbert :engel
Zelenka (03.05.2006, 15:54): Lieber Engelbert:
Besten Dak für die Della-Jones-Einführung! Sie ist, der Nachname ist verräterisch, Waliserin.
Gruß,
Zelenka
Waldi (15.11.2011, 16:41): Della Jones studierte in London und Genf, debütierte 1970, wurde 1977 von der English National Opera engagiert und trat 1983 erstmals in Covent Garden auf. Gastauftritte führten sie nach Italien, Frankreich und in die Vereinigten Staaten. Sie hat sehr viel für Opera Rara und Chandos aufgenommen.