Das Booklet: nettes Bild oder sinnvolle Informationsquelle?
Rachmaninov (14.04.2006, 09:16): Schon gestern stellte ich mir die Frage wie ihr das wohl so seht mit dem Thema Booklet's. Natürlich stellt sich die Frage nach dem Informationsgehalt von Booklet's insb. bei den "low cost" Serien meist gar nicht, aber es gibt durchaus Aufnahmen, die ordentliche Booklet's haben.
Rolf schrieb z.B. an einer Stelle:
Original von Rolf Scheiwiller Weshalb zwei Orchester, das steht nicht im Booklet. Vermutlich hat es etwas mit der Kriegsvergangenheit zu tun.
Sind euch ordentliche Booklet's wichtig? Welche Informationen erwartet ihr in einem Booklet?
Für meine Person muß ich feststellen, daß ich immer öfter im Booklet nach folgenden Informationen suche:
- verwendetes Klavier (insb. bei Klaviersolo Aufnahmen) - Hintergründe zu den Ensembles / Künstlern und - Informationen zum Werk
Idealerweise auch noch die "Sichtweise" bzw. eine "Erklärung" warum der Künstler gerade diese Interpretation gewählt hat. :wink
Cosima (14.04.2006, 09:31): Lieber Richard,
ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, über Werke und Interpreten weitere Informationen einzuholen, weil ich die Erfahrung machte, dass mir der Zugang oftmals dadurch enorm erleichtert wird. Deshalb lese auch gerne Biographien, Musikführer, tausche mich hier im Forum aus etc. Soll also heißen: Ich schätze informative Texte im Booklet sehr; je umfangreicher sie sind, desto besser. Allerdings ist mir letztlich die Aufmachung auch wieder gleichgültig, sie ist kein Kauf entscheidendes Kriterium. Schließlich geht es nur um die Musik, um was auch sonst. :)
Gruß, Cosima
Daniel Behrendt (14.04.2006, 10:48): Booklets bieten verhältnismäßig wenig Platz, um wirklich erschöpfend auf Werke, Interpreten, verwendete Instrumente (bei alter Musik sehr informativ) etc. einzugehen. Abegesehen davon: Die üblichen verknöcherten Standardtexte, die sich lesen, als hätte sie ein Referatautomat ausgespuckt, nehme ich nicht zur Kenntnis - dergleichen finde ich auf höherem Niveau in jedem Konzertführer, in jeder Musikchronik und in jeder Werkmonographie. Sinnvoll und interessant sind dagegen Originalbeiträge der Interpreten: Beispielsweise hat Angelea Hewitt sämtliche Booklettexte zu ihren Bach-Einspielungen selbst verfasst - Die (auch sprachlich überaus charmaten) Texte vermitteln sehr persönliche Einsichten in das künstlerische Konzept der Pianistin - sie stellen eine wirkliche Ergänzung zum Hörbaren dar. Und: Ich würde mir wesentlich öfter Tetxe wünschen, die eher literarisch, als schmalspurwissenschaftlich motiviert sind.
LG! Daniel
Rachmaninov (14.04.2006, 10:51): Original von Daniel Behrendt Sinnvoll und interessant sind dagegen Originalbeiträge der Interpreten:
Da stimme ich Dir zu. Derart positive Booklet's sind leider (noch) zu selten.
Sudbin schrieb eauch ein Vorwqort zu den Scarlatti Sonaten. Aus solchen Texten spricht für mich auch der persönliche Zugang des Künstlers zu dem Werk.
In einer Aufnahme von M. Korstik war ein Interview mit ihm zu den entsprechenden Werken aufgeführt. Auch durchaus interessant als Möglichkeit.
Cosima (14.04.2006, 11:03): Original von Daniel Behrendt Abegesehen davon: Die üblichen verknöcherten Standardtexte, die sich lesen, als hätte sie ein Referatautomat ausgespuckt, nehme ich nicht zur Kenntnis - dergleichen finde ich auf höherem Niveau in jedem Konzertführer, in jeder Musikchronik und in jeder Werkmonographie.
Hallo Daniel,
ach, als so dramatisch empfinde ich das gar nicht. Sie taugen immerhin dazu, die Erinnerung wieder aufzufrischen oder Anreiz zur weiteren Lektüre in besagten Konzertführern zu bieten. Gerade bei unbekannteren Werken, über die sich eh nur wenige Informationen finden lassen, können Booklet-Infos eine gute Einstiegshilfe sein.
Und wenn ich so an die geistigen Ergüsse der Frau Mutter im Booklet zu den Mozart-Violinkonzerten denke, meine ich, dass Originalbeiträge von Interpreten auch manchmal vom Kauf der CD abhalten können… :rofl
Gruß, Cosima
Daniel Behrendt (14.04.2006, 11:15): Zitat Cosima: Und wenn ich so an die geistigen Ergüsse der Frau Mutter im Booklet zu den Mozart-Violinkonzerten denke, meine ich, dass Originalbeiträge von Interpreten auch manchmal vom Kauf der CD abhalten können
Bingo! Da hast allerdings recht! :rofl
LG! daniel
Eric (14.04.2006, 17:30): Für mich als Neuling ist ein Booklet auf alle Fälle sehr interessant. Ich erhalte dadurch Basisinformationen zu den Komponisten/Dirigenten und wenn es ein gutes Booklet ist, auch noch ein wenig mehr. Es kommt durchaus vor, dass ich die Musik dann aus einem anderen Blickwinkel betrachte, etwas besser verstehe.. Als sehr bedauerlich empfinde ich jedoch die sehr oft fantasielose und unpassende Covergestaltung von CD's. :( Ich jedenfalls bevorzuge ein ansprechendes, zur Interpretation passendes Cover!
Gruß, Eric :wink
Rachmaninov (14.04.2006, 17:36): Original von Eric
Ich jedenfalls bevorzuge ein ansprechendes, zur Interpretation passendes Cover!
Gruß, Eric :wink
Das sehe ich auch so! :D
Anton (14.04.2006, 19:28): Hallo,
wie Cosima finde ich, dass Booklets den Einstieg in unbekanntes Terrain erleichtern und unterstützen. Oder besser gesagt: Informationen zum Werk - selbiges an sich, aber auch Entstehung, Komponistenhintergründe etc. Sehr gelungen sind die Hefte bei cpo - sehr gut geschrieben, informativ.
An Booklets von Interpreten fällt mir gerade Hilary Hahn ein. Ich weiß jetzt nicht ob bei allen CDs, aber doch bei einigen. Gesagt wurde schon, dass man hier eben auch diese Sicht auf das Werk erfährt - Wie steht der Künstler dazu etc. Besonders in Erinnerung ist mir hier Meyers Violinkonzert (gekoppelt mit Barbers) geblieben - dieses wurde Hahn selbst gewidmet. Wenn man es aus ihrer Feder liest kommt es ganz anders herüber, als hätte es ein distanzierter Beobachter geschrieben.
Hintergründe zu den ausführenden Musikern lese ich ebenfalls sehr gerne, da man sich auch mit diesen vertraut machen kann. Man könnte fast sagen, dass man schon alleine durch das Lesen von Informationen zu Komponist, Werk und/oder auch Künstler ein Verhältnis aufbaut - Schranken werden überwunden, man ist sich nicht mehr völlig fremd und hat sozusagen schon ein erstes Näheverhältnis geschaffen.
Es grüßt Anton.
nikolaus (17.04.2006, 22:21): Hallo zusammen!
Das wesentliche ist zwar schon gesagt, aber mir persönlich ist die Aufmachung des Booklets auch sehr wichtig, wenn auch nicht unbedingt kaufentscheidend. Für mich gehört zur Musik als Kunstrichtung auch eine gewisse Ästhetik, die das Booklet durchaus unterstreichen sollte. Musterbeispiel ist für meinen Geschmack ECM mit wunderschönen Covers. Die Begleittexte sind meist auch entsprechend wertvoll, es macht dann einfach Freude, die CD auch "anzuschauen".
Nikolaus.
Rachmaninov (26.07.2007, 07:02): Diese Produktion ist auch hinsichtlich des Booklet's Vorbildlich.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3499231.jpg
Solist, Orchester und Dirigent sind kurz aber prägnant vorgestellt.
Dazu eine eigene Vorstellung des Komponisten und eine kurze Werkbeschreibung durch den Komponisten. Das mach Freude!!!
Anton (14.04.2006, 19:28): Hallo,
wie Cosima finde ich, dass Booklets den Einstieg in unbekanntes Terrain erleichtern und unterstützen. Oder besser gesagt: Informationen zum Werk - selbiges an sich, aber auch Entstehung, Komponistenhintergründe etc. Sehr gelungen sind die Hefte bei cpo - sehr gut geschrieben, informativ.
An Booklets von Interpreten fällt mir gerade Hilary Hahn ein. Ich weiß jetzt nicht ob bei allen CDs, aber doch bei einigen. Gesagt wurde schon, dass man hier eben auch diese Sicht auf das Werk erfährt - Wie steht der Künstler dazu etc. Besonders in Erinnerung ist mir hier Meyers Violinkonzert (gekoppelt mit Barbers) geblieben - dieses wurde Hahn selbst gewidmet. Wenn man es aus ihrer Feder liest kommt es ganz anders herüber, als hätte es ein distanzierter Beobachter geschrieben.
Hintergründe zu den ausführenden Musikern lese ich ebenfalls sehr gerne, da man sich auch mit diesen vertraut machen kann. Man könnte fast sagen, dass man schon alleine durch das Lesen von Informationen zu Komponist, Werk und/oder auch Künstler ein Verhältnis aufbaut - Schranken werden überwunden, man ist sich nicht mehr völlig fremd und hat sozusagen schon ein erstes Näheverhältnis geschaffen.
Es grüßt Anton.
Rachmaninov (18.04.2006, 13:18): Original von nikolaus Musterbeispiel ist für meinen Geschmack ECM mit wunderschönen Covers. Die Begleittexte sind meist auch entsprechend wertvoll, es macht dann einfach Freude, die CD auch "anzuschauen". Nikolaus.
@Nikolaus,
die ECM Cover und die Begleitheft würde ich auch als positives Beispiel bezeichnen.
Zelenka (20.04.2006, 14:06): Vielleicht ist das Booklet ohnehin im Aussterben begriffen ... Bei Downloads gibt es kein gedrucktes Booklet mehr. Librettos oder Liedtexte werden, wenn sie besonders bei Billigausgaben wegfallen, immerhin oft als PDF-Dateien online angeboten. Plattenfirmen bieten Zusatzinformationen auf ihren Websites. Benjamin Zander redet jedenfalls über eine Stunde auf Bonus-CDs, die seinen Mahler-Einspielungen bei Telarc beiliegen. Etc.
Gruß,
Zelenka
Rolf Scheiwiller (20.04.2006, 15:03): Original von Zelenka Vielleicht ist das Booklet ohnehin im Aussterben begriffen ... Bei Downloads gibt es kein gedrucktes Booklet mehr. Librettos oder Liedtexte werden, wenn sie besonders bei Billigausgaben wegfallen, immerhin oft als PDF-Dateien online angeboten. Plattenfirmen bieten Zusatzinformationen auf ihren Websites. Benjamin Zander redet jedenfalls über eine Stunde auf Bonus-CDs, die seinen Mahler-Einspielungen bei Telarc beiliegen. Etc.
Gruß,
Zelenka
@ Zelenka.
Ich habe neben meiner jahrzehntelalten Sammlung von CD ,und seit 5 Jahren von DVDs seit ein paar Monaten viele Werke, die ich nicht , oder in andern Interpretationen habe, auf Festplatte runtergeladen. Zuletzt heute alle 5 Klavierkonzerte von Prokofiev, dank der Empfehlung von Cosima. 192 K bits. WMA. Sämtliche Downloads höre ich ausschliesslich am PC. KEIN Brennen auf CD. Booklets brauche ich nicht. Die Originalcover sind da. Konzertführer hab ich genug.
Rolf.
Zelenka (20.04.2006, 15:24): Lieber Rolf:
Du bist erheblich fortschrittlicher als, ich besitze noch keine bezahlten Downloads (nur kostenlose, z.B. einen Beethoven-Symphonien-Zyklus der BBC oder Mozart vom dänischen Radio). Irgendwie geht jedenfalls das Booklet in seiner bisherigen Form seinem Ende entgegen (wie auch die CD). Ich lese es meistens nicht sehr intensiv. Aber vielleicht ist es irgendwann ähnlich wie mit dem Essen an Bord von Flugzeugen. Da hat man jahrelang über das schlechte Essen geflucht und es für völlig überflüssig erklärt, und dann, wenn es nicht mehr kommt oder extra bezahlt werden muß, ist man auch sauer.
Gruß,
Zelenka
Rachmaninov (26.07.2007, 07:02): Diese Produktion ist auch hinsichtlich des Booklet's Vorbildlich.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3499231.jpg
Solist, Orchester und Dirigent sind kurz aber prägnant vorgestellt.
Dazu eine eigene Vorstellung des Komponisten und eine kurze Werkbeschreibung durch den Komponisten. Das mach Freude!!!