Das Buch mit sieben Siegeln

Rolf Scheiwiller (29.03.2006, 18:02):
Guten Abend.

Ich kenne den Komponisten Franz Schmidt hauptsächlich seiner Oper Notre Dame wegen.

Dieses Wunschkonzertstück. Zwischenspiel genannt.

Aber ich habe eine Aufnahme seines Oratoriums
Das Buch mit sieben Siegeln.
Ist das Musik die man heute noch hören kann ?
Die Aufnahme ist von TELDEC.
Wiener Ph. mit Harnoncourt.

Mir macht dieses Werk gewaltigen Eindruck.
Karajan rümpfte die Nase. Es sei verspätete Romantik.

Ist jemand unter Euch der dieses grosse, rätselhafte Werk ebenfalls besitzt ?

Rolf.
korngold (29.03.2006, 23:41):
Lieber Rolf,

ich schätze einige Werke von Franz Schmidt außerordentlich, seine 4.Sinfonie, die "Variationen über ein Husarenlied" und natürlich "Das Buch mit sieben Siegeln".

Natürlich ist das Musik, die man heute noch hören kann, warum denn nicht?
Die Meinung Karajan's sollte man einfach ignorieren.

Es gibt einen solch reichhaltigen Schatz an spätromantischen Werken("verspätet" lasse ich nicht gelten, die Übergänge in der musikgeschichtlichen Entwicklung sind fließend, selbst heute gibt es noch "verspätete" Romantik. Für mich persönlich muß die Musik "echt" und persönlich sein.Wenn es ein Komponist schafft, seinen ureigendsten, unverwechselbaren Tonfall zu finden, dann nehme ich ihn ernst ),
den man pflegen, der Vergessenheit entreißen und ihn zur erneuten Diskussion stellen sollte, anstatt in überheblicher Manier über ihn herzuziehen.

Ich besitze eine Aufnahme des "Buch mit sieben Siegeln", aber zu meiner Freude hat mein Orchester dieses Werk vor ca. einem Jahr mehrmals aufgeführt.
Es war ein unglaubliches Gefühl, dieses Meisterwerk selber spielen zu können.
Das sind die Momente, in denen mir mein Beruf am meisten Spaß und Erfüllung bringt.

Auch dem Publikum und der Presse hat dieses Werk gewaltigen Eindruck gemacht -zu Recht!

Wie schon geschrieben, möchte ich unbedingt an dieser Stelle noch auf Schmidt's 4.Sinfonie hinweisen, die dieselbe Qualität wie das Oratorium besitzt.
Ein erschütternder Klagegesang mit einem beeindruckendem Cello-Solo im langsamen Satz(also DAS muß ich irgendwann in meinem Leben einmal spielen...), komponiert nach dem Tode und dem Gedenken seiner Tochter.
Höchstwahrscheinlich im Augenblick vergriffen ist meine Referenzaufnahme dieses Werkes von DECCA mit den Wiener Philharmonikern unter Zubin Metha.

Beste Grüße!
Rolf Scheiwiller (30.03.2006, 09:20):
Guten Tag Michael.

Soeben las ich Deinen hochinteressanten Beitrag.
Da hab ich ja mit meinem Thema Glück gehabt!
Genau die kompetenteste Person.
Was die 4. betrifft, weiss ich, dass unser hochverdienter Freund aus dem Opernhaus Zürich, Franz Welser - Moest dieselbe auf EMI eingespielt hat.
Aber ich kenne ansonsten nichts von F. Schmidt.


Das ist einfach gut, dass ein Mitglied eines Orchesters hier mitmacht!
Hoffentlich recht lange. Mit vielen, lehrreichen Beiträgen.

Die Scores aus den Eroll Flynn Filmen sind ja unsterblich!

Viele Grüsse.

Rolf.
korngold (30.03.2006, 14:08):
Hallo Rolf,

"Die Scores aus den Eroll Flynn Filmen sind ja unsterblich!"

Freut mich, daß Dir Korngold gefällt!!!

Lieben Gruß,

Michael