Das Konzert für Orchester

Cetay (inaktiv) (28.07.2021, 09:05):
Konzert für Orchester. Wer denkt bei dieser Schlagzeile nicht sofort an Bela Bartok? Ansonsten wird (immer) haeufiger Lutoslawski genannt und noch Hindemith als 'Erfinder' der Gattung. Dann wird es schon duenn: Kodaly faellt vielleicht noch ein, weil dessen Concerto wegen seiner zeitlichen und stilisitschen Naehe ab und an mit Bartok auf CD gekoppelt wird. Hier und da faellt der Name Elliott Carter, weil der mit seinen ueber 100 Lebensjahren eine gewisse Breitenwirkung erreicht hat. Das sind aber laengst nicht alle. Ich habe mir gut drei Dutzend Aufnahmen von verschiedenen Werken dieser Gattung bei meinem Stroemer heruntergeladen und werde die nach und nach hoeren und hier vorstellen. Langatmige Abhandlungen wird es nicht geben, dazu bin ich zu faul, aber einen Kurzkommentar oder mindestens einen Satz werde ich zu jedem versuchen. Und ich vergebe einen WHMF-Index, damit ich die lohnenden spaeter wiederfinde.
WHMF = Wieder-Hoeren-Muessen-Faktor ( * unbedingt, bei Gelegenheit, * eher nicht, 0 auf keinen Fall )

Ich hoffe es gibt hier Komplettisten, die mitmachen. Mir vorschwebt ein Kompendium aller Orchesterkonzerte, die aufgenommen wurden. Ich bezweifle, dass ich schon alle gefunden habe. Unter 'Concerto for Orchestra' erhaelt man einfach viel zu viele Treffer, denn jedes "Concerto for {Piano, Violin, ...} and Orchestra" erscheint ebenso in der Trefferliste, die damit schlichtweg nicht zu handhaben ist. Vielleicht haben andere Stroemdienste bessere Suchmoeglichkeiten, so dass man gezielt nach der Wortfolge 'Concerto for Orchestra' suchen kann? Oder kennt jemand eine Netzseite, auf der moeglichst viele Werke der Gattung gelistet sind? Wiki ist da weitab von Vollstaendigkeit.

Was macht das so interessant fuer mich? Ich liebe ganz einfach die klanglichen Moeglichkeiten des Orchesterapparats. In meinem Umfeld machte der Farbenreichtum fuer viele, die klassische Musik sonst nur am Rande wahrnehmen, eine besondere Attraktion aus. Wenn ich ein Largo aus Shostakovichs 6. oder aus Sibelius' 4. -beide mit den weit ausladenden Blaesersoli- spielte, gab es oefter ueberraschte Rueckmeldungen wie: "Du, das ist ja gar nicht mal schlecht." Im Orchesterkonzert wird das durch die solistische und virtuose Behandlung aller oder der meisten Instrumente oder Instrumentengruppen auf die Spitze getrieben. Natuerlich kommt bei allem Farbenreichtum nicht automatisch eine gute Komposition heraus. Um die Rosinen zu finden, hilft nur eins: Alle anhoeren. Also ran!

Edit: Da es einige Aufnahmen mehr gibt als ich urspruenglich angenommen habe, fuege ich eine Uebersicht an und verlinke bei Gelegenheit auf die entsprechenden Alben, falls sie in diesem Faden vorgestellt werden. Die Liste wird laufend ergaenzt. Edit: 100 sind geschafft.

Akses, Necil Kazim
Antheil
Bacewicz
Baculewski
Bartok
Beal, Jeff
Bernstein
Brian, H.
Brill, Patrick
Carter, E.
Casella
Charles, A.
Cooke, A.
Cresswell, L.
Dalbavie
Danielpour
Dun, Tan
Escaich
Esphai
Falik 1
Falik 2
Galvez-Taroncher
Genzmer 2
Gerhard, R.
Gould, Morton
Gregson, E.
Groslot
Higdon, J.
Hindemith
Hoddinott
Holmboe
Honegger
Hovhaness 1
Hovhaness 7
Hovhaness 8
Ince, K.
Kagel
Kalabis, V.
Karabits 1
Karabits 2
Karabits 3
Kay, Ulysses
Kodaly
Koppel, Herman D.
Laderman, E.
Leighton, K.
Leshnoff
Lindberg, M.
Lofstrom
Lopatnikoff
Lucky, Stepan
Lutoslawski
Mancusi, G.
Martje, Ørjan
Mattheus, S.
McCabe, J.
Meulemans 2
Mueller, F.
Musgrave, T.
Nice, K.
Petrassi 1
Petrassi 2
Petrassi 3
Petrassi 4
Petrassi 5
Petrassi 6
Petrassi 7
Petrassi 8
Petterson 1
Petterson 2
Petterson 3
Pilati
Piston
Pyysalo
Rawsthrone
Reuter, Markus
Riisager
Rosenberg 1
Rosenberg 2
Rosenberg 3
Rosenberg 4
Rosseau 1
Roussel, A.
Rouse, Chr.
Sartor
Schurmann, G.
Sessions, R. (C'tino)
Sessions, R.
Shchendrin 1
Shchendrin 2
Shchendrin 3
Shchendrin 4
Shchendrin 5
Sicilianos, Y.
Skrowaczewski
Stucky 2
Szeligowski
Tansman
Tian, Zhou
Tippett
Torke, M.
Tower, J.
Ullmann
v. Einem
Volkonsky
Wolpe, S.
Cetay (inaktiv) (28.07.2021, 09:13):
Ich mache den Anfang, indem ich faul wie eh und je aus einem alten Beitrag von mir kopiere:

Elliott Carters Gattungsbeitrag will ich in einem Atemzug mit denen von Bartók und Lutoslawski nennen. Das Werk besteht aus vier Sätzen (plus Intro und Coda). In jedem Satz wird eine bestimmte Instrumentengruppe herausgestellt:

1. Satz: Klavier, Harfe, Marimba, Xylophon und hölzerne Schlaginstrumente.
2. Satz: Hohe Streicher & Bläser und metallische Schlaginstrumente.
3. Satz: Kontrabässe, Tuba, Hörner, Pauken und weitere Instrumente in tiefen Lagen.
4. Satz: Bratschen, Oboen, Trompeten, Snare-Trommeln und andere Instrumente in mittleren bis hohen Lagen.

Die vier Sätze sind nicht scharf voneinander abgegrenzt, sondern durchdringen sich gegenseitig, wobei der jeweilige Hauptsatz im Vordergrund spielt, während die anderen als Hintergrund mitlaufen oder fragmentrisch auftreten - was durch die unterschiedliche Instrumentierung der Sätze immer gut nachvollziehbar ist. Trotz dieses etwas akademischen Ansatzes und der streng 12-tönigen Kompositon ist das Werk von einer unmittelbar emotionalen Wirkung, die nicht zuletzt von der gekonnten, bisweilen archaisch anmutenden Klangfarben- und Dynamikgestaltung herrührt. Hier werden Kopf und Bauch gleichermaßen befriedigt.


Elliott Carter - Concerto for Orchestra
London Sinfonietta, Oliver Knussen

WHMF-Index: ***
Maurice inaktiv (28.07.2021, 09:24):
Nun, prinzipiell ist fast jede Sinfonie auch ein "Konzert für Orchester", das ist zumindest meine Meinung grundsätzlich dazu. Ich weiß aber, was Du meinst. Doch wozu gehören dann ganzen "Suiten für Orchester" oder "Kammerorchester"?

Wozu zählt man etwa Alban Bergs "Drei Orchestertücke"? Auch viele "Divertimenti" sind irgendwie (gerade bei den etwas moderneren Komponisten) durchaus auch "Konzerte für Orchester".
Cetay (inaktiv) (28.07.2021, 09:40):
Ja Maurice, da gebe ich dir recht. Nicht nur, aber besonders ab der Spaetromantik ist die solistische Behandlung des Orchesterapparats allgegenwaertig. Ich will diesen Faden ganz bewusst auf Faelle einschranken, bei denen der Komponist das durch den Titel "Concerto for..." besonders herausstellt (wobei das auch z.B. ein String oder Chamber Orchestra sein kann).
Maurice inaktiv (28.07.2021, 10:08):
Okay. Danke, dann weiß ich bescheid. Und liefere mal gleich was aus der Raritätenecke:



"Concerto in d for String Orchestra" von Arnold Cooke etwa....
Maurice inaktiv (28.07.2021, 10:47):
Es gibt von Nikolai Lopatnikoff ein "Concertino for Orchestra", op. 30 .



Die CD dürften einige hier besitzen, denke ich mal....Dort ist das Werk zu hören.
Andréjo (28.07.2021, 16:00):


Die zehnte CD hieraus enthält jeweils ein Konzert für Orchester der irgendwo zwischen einem maßvollen Expressionismus und einem unaufdringlichen Neoklassizismus changierenden britischen Zeitgenossen Edward Gregson, Alun Hoddinott und John McCabe. Gregson ist wohl noch aktiv, die beiden anderen leben seit einigen Jahren nicht mehr.

In der Tat farbige, auch rhythmisch bezwingende Musik, die dem Schlagzeug einen gewissen Platz einräumt. Natürlich hat das nicht den Rang und die Unverwechselbarkeit eines Bartok oder eines Lutoslawski - andererseits erinnert mich stilistisch auch kaum etwas an diese großen Vorbilder.

Ich besitze sie zwar nicht, aber hier das Cover der vorher erschienenen Einzel-CD:





Einwandfreie Klangqualität!

:) Wolfgang
Maurice inaktiv (28.07.2021, 18:15):
Ich bin mir recht sicher, dass e bei den nordischen Komponisten einige Concertos zu finden gibt.

Hilding Rosenberg schrieb sein "Conerto Nr.3 "Louisville Concerto" (1946 - Nr.1, 1949 - Nr.2 und 1954 - Nr.3) :

Hier Nr.3 auf einer feinen CD:
Andréjo (28.07.2021, 19:10):
Die Rosenberg-CD besitze ich auch. Das Louisville Concerto erscheint mir moderner als die anderen Kompositionen.

:) Wolfgang
Cetay (inaktiv) (29.07.2021, 04:22):
Danke fuer euere Beitraege, Maurice und Andréjo. :thanks
Cooke und Rosenberg (es gibt noch ein Viertes) wurden auf die Liste aufgenommen, Gregson war schon drauf, die anderen hat mein Stromanbieter leider nicht im Programm.

Ich setze die Exploration mit den beiden Vielschreibern fort. Petrassi duerfte mit acht Beitraegen, die sich ueber 40 Jahre erstrecken, der Gattungskoenig sein und Shchendrin mit funef Concerti der Kronprinz.

Petrassis erstes Concerto entstand rund 10 Jahre vor dem von Bartok und ist ein typischer Vertreter der Zeit. Die nervoese Motorik mit den unvermeidlichen Stakkati wird durch ausladende lyrische Passagen kontrasiert. Das Klavier im ersten und das Altsaxophon im zweiten Satz setzen besondere Akzente. Die Steigerung zum Schluss des marschartigen 3. Satzes beendet das Werk effektvoll.
.
.



Goffredo Petrassi - Concerto per Orchestra No. 1
Netherlands RSO, Arturo Tamayo

WHMF-Index: *


Eine echte Ueberraschung ist die Alt-Russische Zirkusmusik von Shchendrin. Was der Titel verspricht, steckt drin und wird durch einen ueber weite Strecken fragmentarisch-collagenhaften Aufbau gebrochen. Nachdem das Thema vorgestellt ist, wird es aus allen Winkeln beleuchtet - das ist ein treffendes Wort. Der Scheinwerfer bleibt nie lange auf eine Szene gerichtet, so dass es auch dann nicht platt wirkt, wenn die Musik hemmungslos deskriptiv ist. Zirkusmusik trifft auch auf das, was vom Orchester verlangt und geboten wird zu. Das ist sehr effektvoll und bleibt durch die staendigen Szenenwechsel immer spannend.



Rodion K. Shchedrin - "Die Alte Musik des Russischen Provinz-Zirkus" (Concerto for Orchestra Nr. 3)
BBC Philharmonic, Vassily Sinaisky

WHMF-Index: ***
Andréjo (29.07.2021, 13:16):
8o Ja - Petrassi kenne ich doch auch und habe ich mehrmals gehört - auch wenn das länger her ist. Sehr interessant, seine Entwicklung zu beobachten vom prägnant-klassizistischen und Bartok-nahen ersten Konzert hin zu den zerklüfteten, perkussiven und beinahe avantgardistischen späten Werken.

Dank an Cetay für die Höranregung, der ich wohl gerne wieder einmal nachkommen werde.

Und Schtschedrin, von dem ich neben der notorischen Carmen-Musik noch zwei oder drei Klavierkonzerte sowie ein Trompetenkonzert kenne, ist soeben auf einer der Listen gelandet ... ;)

:hello Wolfgang
Philidor (29.07.2021, 22:16):
Nun, prinzipiell ist fast jede Sinfonie auch ein "Konzert für Orchester"
Spannende Bemerkung.

Nun hebt das Wort "Konzert" das Gegeneinander hervor (concertare = kämpfen, streiten, wetteifern), das Wort "Symphonie" eher das Miteinander (σύμφωνος = zusammenklingend).

Letztlich sind das aber vielleicht nur Worthülsen, und letztlich kommt es wohl darauf an, was der Komponist tatsächlich gemacht hat. Im Finale von Mahlers Sechster von "zusammenklingen" zu sprechen, weil das Ding "Sinfonie" heißt, ist vielleicht so sinnvoll wie die Behauptung, ein Zitronenfalter würde seines Namens wegen Zitronen falten.

Gruß
Philidor

:hello
Maurice inaktiv (29.07.2021, 23:11):
Nun hebt das Wort "Konzert" das Gegeneinander hervor (concertare = kämpfen, streiten, wetteifern), das Wort "Symphonie" eher das Miteinander (σύμφωνος = zusammenklingend).

Letztlich sind das aber vielleicht nur Worthülsen
"Musik machen" ist zunächst einmal immer ein "Miteinander" und kein "Gegeneinander" spielen. "Gegeneinander" spielt man vielleicht auf einem Wettbewerb oder - im Jazz - einer Jam Session (dann aber mehr mit dem Begriff "Battle" versehen), aber selbst im größten Dickicht einer Partitur müssen alle Musiker zusammen agieren, sonst wird am Ende ein richtiges "Chaos" entstehen.

Oder gehst Du ins Konzert um zu streiten oder kämpfen? Wohl kaum. Die Herleitung mag stimmen, aber ich würde Musik niemals als "Kampf" bezeichnen, obwohl man ei manchen Stücken mit den Noten oder Anforderungen zu kämpfen hat.
Cetay (inaktiv) (30.07.2021, 04:29):
Ja, mit den Gattungsbezeichungen ist das so eine Sache. Niemand kann einem Komponisten vorschreiben, wie er sein Werk nennen will. So gibt es die Sinfonie op. 21 von Webern, die Etuden von Schaeffer und das Concerto for Double String Orchestra von Tippett und egal ob angemessen oder nicht, verletzen sie die Erwartunghaltung, die sich bei diesen Bezeichnungen eingebuergert hat. Bei Tippett findet im Wortsinn durchaus ein Wetteifern statt - aber lediglich zwischen den beiden Orchestern, nicht innerhalb. Solistische Passagen sind Mangelware und auch sonst ist das wenig ergiebig fuer mich.


Keith Tippett - Concerto for Double String Orchstra
English Sinfonia - John Farrer

WHMF-Index: 0


Beim Orchesterzauberer Brian verschwimmt die Unterscheidung vollends. Waere das Concerto als Sinfonie Nr. 20 betitelt, wuerde mir nichts auffallen, ebenso wenn die Sinfonie Nr. 30 als Concerto for Orchestra angekuendigt waere. Brain ist speziell. Einiges aus seiner Sinfonienmasse finde ich genial, anderes -die Mehrheit- oede. Das Concerto faellt in die zweite Kategorie.


Havergal Brian - Concerto for Orchestra
Royal Scottish NO, Martyn Brabbins

WHMF-Index: 0
Philidor (30.07.2021, 08:01):
"Musik machen" ist zunächst einmal immer ein "Miteinander" und kein "Gegeneinander" spielen. "
Lieber Maurice, vielen Dank für Deinen Diskussionsbeitrag und Deine Würdigung meines bescheidenen Beitrags mit Deiner Antwort! Deine Meinung ist Dir selbstverständlich unbenommen. Wenn Du sie offen zur Schau stellst, musst Du halt damit rechnen, dass Deine Meinung mit Ahnung konfrontiert wird und bereit sein, das auszuhalten.

Da Du über wesentlich mehr Erfahrung mit Wikipedia-Recherchen zu verfügen scheinst als ich, überlasse ich Dir die Untersuchung, warum und wieso die Komponisten in früheren Zeiten den Begriff "Concerto" wählten, der neben den älteren Begriff "Sinfonia" trat. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass Musiker früherer Zeiten auch nicht dümmer waren als wir, auch dann, wenn wir uns bisweilen sehr wissend wähnen. Wenn sie "Concerto" über ihr Werk schrieben, haben sie sich wohl etwas dabei gedacht, auch, wenn Einzelne heute das überhaupt nicht nachvollziehen können. Zumal der Begriff "concertare" ja ambivalent ist und eine simple Erklärung à la "es ist genau dies und das gemeint" sofort ad absurdum geführt werden könnte.

Und dass sowohl "Konzert" als auch "Sinfonie/Symphonie" manchmal nur Worthülsen sind und der jeweils andere Begriff für manches Werk nicht weniger passend erscheint, als es im Titel aufgeführt ist, hatte ich in aller Bescheidenheit bereits erwähnt. Danke an Cetay für seine bestätigende Beobachtung.
Oder gehst Du ins Konzert um zu streiten oder kämpfen? Wohl kaum.
Lieber Maurice, wie soll ich Dir das erklären ... gemeint ist mit "Concerto", wenn man es als "Wettstreit" liest, nicht ein Wettstreit zwischen Musikern und Publikum, sondern ein Wettstreit der Musiker untereinander. Wenn ich ins Konzert gehe, dann ist das so, wie wenn ich einen Boxkampf besuchen würde - selbstverständlich boxe ich nicht mit, sondern sehe zu, wie andere kämpfen. (Wobei ich den Boxsport, der auf die Vernichtung des Gegners zielt, ablehne und darum einen Boxkampf nicht besuchen würde.) - Kannst Du das nachvollziehen, wenn ich das so schreibe, oder hast Du noch Fragen?
Die Herleitung mag stimmen, aber ich würde Musik niemals als "Kampf" bezeichnen, obwohl man ei manchen Stücken mit den Noten oder Anforderungen zu kämpfen hat.
Bis repetita non placent, wie jede(r) Asterix-Leser*in weiß ... darum belasse ich es dabei.

Gruß
Philidor

:hello
Philidor (30.07.2021, 08:08):
Um die Komplexität weiter zu erhöhen, im festen Wunsch, damit niemanden von der Diskussion auszuschließen, und im sicheren Bewusstsein, dass alle Teilnehmer dies sowieso wissen, auch dann, wenn ich es hier nicht schriebe, mag ich an die Existenz der Gattung "Sinfonia concertante" erinnern, die sich vor allem in der Klassik und im frühen 19. Jhd. großer Beliebtheit erfreute und hohe gesellschaftliche Relevanz hatte.

Einige Komponisten haben sich gar hinreißen lassen, ein Concerto sinfonico zu komponieren. Da soll sich noch einer auskennen ...! :D

Gruß
Philidor

:hello
Maurice inaktiv (30.07.2021, 11:05):
Lieber Maurice, wie soll ich Dir das erklären ... gemeint ist mit "Concerto", wenn man es als "Wettstreit" liest, nicht ein Wettstreit zwischen Musikern und Publikum, sondern ein Wettstreit der Musiker untereinander. Wenn ich ins Konzert gehe, dann ist das so, wie wenn ich einen Boxkampf besuchen würde - selbstverständlich boxe ich nicht mit, sondern sehe zu, wie andere kämpfen. (Wobei ich den Boxsport, der auf die Vernichtung des Gegners zielt, ablehne und darum einen Boxkampf nicht besuchen würde.) - Kannst Du das nachvollziehen, wenn ich das so schreibe, oder hast Du noch Fragen?
Du kannst Dir Deine Oberlehrerart sparen. Ich bin weder blöde noch


Da Du über wesentlich mehr Erfahrung mit Wikipedia-Recherchen zu verfügen scheinst als ich, überlasse ich Dir die Untersuchung, warum und wieso die Komponisten in früheren Zeiten den Begriff "Concerto" wählten, der neben den älteren Begriff "Sinfonia" trat.
verfüge ich darüber mehr Erfahrung als Du.


Kannst Du das nachvollziehen, wenn ich das so schreibe, oder hast Du noch Fragen?
Ich habe keine Fragen, da ich keine gestellt hatte. Du hast auch keine Fragen beantwortet, sondern einfach nur überheblich, süffisant und arrogant geantwortet, das aber so verpackt, dass es vielleicht der letzte Depp nicht merkt, aber der Rest schon. Ich verbitte mir solche Antworten von Dir, das ist einfach nur peinlich und frech, zeigt aber jedem hier Deinen Charakter. Genau au diesem Grund bist Du bereits in einem anderen Forum bereits gesperrt worden für drei Monate und dann hier aufgetaucht. Alleine DAS ist aussagekräftig genug.
Philidor (30.07.2021, 11:31):
Werter Maurice, danke für Deine Rückmeldung!

Wie gesagt, wenn Du Deine Meinung auch dann verbreitest, wenn sie von einer Mehrheit als nicht zutreffend bezeichnet werden könnte, dann musst Du schon mit Widerspruch rechnen und diesen auch ertragen. Auch, wenn er Deinen Bemühungen, Dich als Musikkenner und Musikversteher zu präsentieren, zuwiderläuft, so liebenswert und menschlich nachvollziehbar dieses Dein Bedürfnis auch sein mag.

Aber sicher doch hast Du eine Frage gestellt:
Oder gehst Du ins Konzert um zu streiten oder kämpfen?
Willst Du bestreiten, dass dies eine Frage war?

Und: Willst Du bestreiten, dass mit dem Stellen der Frage doch hindurchschimmern mag, wie es mit Deiner Kenntnis der Form "Concerto" bestellt sein könnte? Ich verstehe, dass Dich die Entlarvung Deiner Kenntnisse auf die Palme bringt, aber es sind Deine eigene Worte, die Dich entlarven, nicht die Antworten darauf.

Dass Du Dir in Deiner Not dann nicht anders zu helfen weißt, als der Sachdiskussion auszuweichen und mit einem Frontalangriff zu reagieren ... nun ja.

Gruß
Philidor
Maurice inaktiv (30.07.2021, 11:37):
Willst Du bestreiten, dass mit dem Stellen der Frage doch hindurchschimmern mag, wie es mit Deiner Kenntnis der Form "Concerto" bestellt sein könnte? Ich verstehe, dass Dich die Entlarvung Deiner Kenntnisse auf die Palme bringt, aber es sind Deine eigene Worte, die Dich entlarven, nicht die Antworten darauf.
Sorry, aber Du bist ein Dummschwätzer. Dass es musikalische Wettstreite gibt, weiß ich selbst. Dass das am Ende bei einem "Concerto" auch zutrifft, weiß ich auch selbst. Du ergießt Dich einfach in Selbstgefälligkeiten Dich schreiben zu sehen, das ist schon eine narzisstische Veranlagung und krankhaft. Du entlarvst Dich selbst, stellst diese Eigenarten hier derart offen zur Schau, das kann jeder Hobby-Psychologe erkennen. Erschreckend.

Ich bitte die Moderation, diesen ganzen Mist, was der Herr hier von sich gegeben hat, gut zu lesen und entsprechend zu handeln. Der User "Philidor" ist nicht tragbar hier. Es tut mir leid.
Andréjo (30.07.2021, 11:43):
Eigentlich mische ich mich nicht gerne ein - aber ich muss schon sagen, dass ich die Reaktion von Maurice André verstehe. Was vorausging, ist ein schmerzhaftes Stück süffisanter Selbstdarstellung, das ich eigentlich weder für möglich gehalten hätte noch in irgendeiner Weise für angebracht halte.

Was soll denn das, werter Philidor?

:) Wolfgang
Maurice inaktiv (30.07.2021, 11:48):
Eigentlich mische ich mich nicht gerne ein - aber ich muss schon sagen, dass ich die Reaktion von Maurice André verstehe. Was vorausging, ist ein schmerzhaftes Stück süffisanter Selbstdarstellung, das ich eigentlich weder für möglich gehalten hätte noch in irgendeiner Weise für angebracht halte.

Was soll denn das, werter Philidor?
Danke. Genau so ist es. Und ich bin nicht mehr bereit, dies hier unkommentiert stehen zu lassen. Hier muss es Konsequenzen geben, so geht es nicht weiter. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser User in einem Forum damit auffällt. Es muss Schluss sein damit - zum Wohle des Forums und der anderen User hier.
Andréjo (30.07.2021, 12:00):
Dann würde ich gerne noch ergänzen, dass die Reaktion von Maurice André natürlich zeigt, dass er in keiner Weise über den Dingen steht. Sie ist nicht sachlich, sie ist grob und direkt. Daraus kann der feine Beobachter oder Moderator einen Strick drehen, wenn er das will.

Nur hätte ich - und zwar keineswegs nur spontan - ganz genauso reagiert. Absolut genauso. Es gibt Grenzen und die wurden hier überschritten.

Schade ist es vor allem um diesen Thread. Jammerschade. Von daher unterstütze ich dringend die Bitte um Löschung - oder Ausgliederung - dessen, was relevant ist.

Ob und wie mit Philidor zu verfahren ist, geht mich persönlich nichts an. Aber auch da verstehe ich die formulierte Forderung irgendwie ...

:) Wolfgang
Philidor (30.07.2021, 12:15):
Was soll denn das, werter Philidor?
Nun ja, werter Andréjo, wir sind hier alle mehr oder weniger als Laien in der klassischen Musik unterwegs.

Dennoch meine ich, wenn man den Sinn des Wortes "Concerto" zu klären versucht, und eine solche Bemerkung als Antwort erhält
Oder gehst Du ins Konzert um zu streiten oder kämpfen?
, was aus meiner persönlichen Sicht tatsächlich hanebüchen ist, dass dann eine Richtigstellung oder zumindest die Darstellung der eigenen Sichtweise durchaus legitim sei.

Aber ich sehe keinen Grund zur Rechtfertigung - quod scripsi, scripsi.

Gruß
Philidor
Andréjo (30.07.2021, 12:29):
Wenn Du das Problem nicht wahrnimmst und Deinen Part dabei, dann kann ich Dir nicht mehr helfen.

Das war's von meiner Seite. Versprochen.

Und schade.

Gruß, Wolfgang
Maurice inaktiv (30.07.2021, 13:16):
Wenn Du das Problem nicht wahrnimmst und Deinen Part dabei, dann kann ich Dir nicht mehr helfen.
Danke Dir für Deine offenen Worte und auch dem Mut, dass Du das Wort ergriffen hast. Wie Du erkennen kannst, sind wir schon so weit, dass der User selbst nicht einmal im Entferntesten ein Unrechtsbewusstsein erkennen kann. Das sagt mehr als genug aus über diese Person.

Mehr werde ich dazu nicht mehr schreiben. Möge sich die Moderation ein eigenes Bild machen, aber das Ergebnis hat ja seit dem Oktober jedes Mal vorher festgestanden: Philidor darf weiter die Leute angreifen, die Anderen waren immer schuld daran.
Andréjo (30.07.2021, 13:35):
Nein - das war's doch nicht. Da ich Philidor als einen Intellektuellen sehe, der sein Instrument wesentlich besser beherrschen dürfte als ich meines, das Klavier, der mir in der Musiktheorie über ist, wie er oft genug bewiesen hat, obwohl ich keineswegs auf der berühmten musikalischen Wassersuppe dahergeschwommen bin. Mit Verlaub.

Und für Maurice André gilt Ähnliches. Auch das weiß ich. Und Philidor weiß es von Maurice André. Und umgekehrt.

Wir drei wissen, was Konzertieren bedeutet und woher der Begriff der Sinfonie kommt. Wir wissen, dass diese Grundbedeutungen den Begriff des Konzerts für Orchester sowohl abdecken als auch dialektisch problematisieren.

Ob alle anderen, die hier lesen, das wissen, weiß ich zwar nicht, könnte es mir aber bestens vorstellen. Die Fragestellung ist demnach weder so fürchterlich interessant, noch aber ist sie im Einzelfall dann doch restlos zu klären. Und über solche Einzelfälle zu sprechen, sie zumindest kurz vorzustellen - das, dachte ich mir, sei der Sinn von Cetays Thread.

Soweit also die Basiskonstellation.

Philidor hat in Beitrag 12 diese Problematik umrissen. Er hat das weder für Cetay getan noch für Maurice noch für mich. Sein Beitrag ist so richtig wie vielleicht notwendig - wie vielleicht doch nicht so sehr notwendig. Das kann niemand so genau wissen.

Maurice André hat darauf in Beitrag 13 mit einem milden Funken Ironie reagiert - bezüglich der Tatsache, dass man nicht ins Konzert geht, um zu kämpfen. Es ist sehr milde Ironie. Ansonsten hat er ironiefrei Wahrheiten ausgesprochen. Diese Wahrheiten sind so banal - oder eben doch nicht nur banal - wie die Wahrheiten in Philidors Betirag zuvor.

Diese sehr milde Ironie wahrzunehmen - und aus dem Kontext, sowie dem gegenseitigen Wissen um den Kenntnisstand der Debattanten unmissverständlich richtig zu deuten - ist keine große Leistung. Man kann unterschiedlich darauf reagieren, kann ignorieren, milde zurückspötteln, was auch immer. Allerdings ist nichts an dieser vorausgehenden Ironie verletzend, nichts ad personam gerichtet. Meine Deutung: So wenig wie ich im Konzert kämpfe, ganz wörtlich verstanden, kämpfen die Musikanten. Vielleicht mit dem Schlaf ...

Was aber folgt nun? Beißend süffisante Bemerkungen bezüglich des Intelligenzgrades des Diskutanten. Man hält diese Person also für einen Vollidioten. Mit Verlaub.

Das geht nicht - das ginge meines Erachtens nicht einnmal dann, wenn Maurice André tatsächlich ein musikalischer Vollidiot wäre. Das ist aus meiner Sicht reine Bosheit. Das tötet jedes Gespräch unter Gleichberechtigten.

Oder unterliege ich hier Wahnvorstellungen?

:) Wolfgang
tapeesa (30.07.2021, 14:00):
Ihr könntet ja in den Umgangsformen-Thread wechseln - dann müssen Sfantu und Nicolas auch weniger auslagern.
_________

Die Diskussion Unterschiede Sinfonie - Konzert für Orchester fände ich, sachlich geführt, spannend. Alldieweil ich mich mit den bisher gehörten Sinfonien sehr schwer tue. Mit Konzerten für Orchester vermutlich leichter.

Konzert für Orchester. Wer denkt bei dieser Schlagzeile nicht sofort an Bela Bartok?

Ich 8) , das Hindemith "Erfinder" dieser Gattung ist, wusste ich auch nicht. Lerne aber gerne dazu.

Ich hoffe es gibt hier Komplettisten, die mitmachen.
Vielleicht im Hör-Anspruch keine Komplettistin, aber genauer hinschauen und hier und da etwas beitragen, ja.
________

Fange direkt mit Bartók an.



Bela Bartók - Konzert für Orchester Sz. 116
Boston Symphony Orchestra, Seiji Ozawa
WHMF-Index: ***

Uraufführung 1. Dezember 1944, 1943 geschrieben, kurz nach Bartóks Flucht aus Ungarn in die USA.
Symphony Hall Boston / Kussewizki
Auftragsarbeit für die Stiftung des Dirigenten Sergei Kussewizki.
7 Monate vor seinem Tod, Februar 1945 hat Bartók das Werk nochmal überarbeitet / u. a. längerer Schluss.

(Quelle: Wikipedia)

(Beziehe mich durchaus manchmal auf Wikipedia. Gerade für einen ersten (Über)Blick.
Habe auf dem Schirm, dass da nicht alles richtig sein muss. Das muss es in der Fachliteratur aber auch nicht.
Habe bei Wikipedia teils schon richtigere Angaben gefunden.)

Erster Eindruck:
Sehr unterschiedlich zu bisher gehörten Sinfonien.

Bartók hat das Stück laut Wikipedia aus folgendem Grund als Konzert bezeichnet:
eher solistisch wie virtuose Behandlung der einzelnen Instrumente.

Gruß, tapeesa :hello
Maurice inaktiv (30.07.2021, 14:00):
Oder unterliege ich hier Wahnvorstellungen?
Nein. Ich gebe Dir absolut recht. Ich dachte eigentlich, dass das auch klar zu erkennen war, aber es gibt halt Leute, die aus solchen Sätze am Ende nur Dinge "erkennen" wollen, die SIE SELBST erkennen wollen. Ich empfinde es als Frechheit, wenn man am Ende auf unerträglich arrogante Art hier letzten Endes als "Vollidiot" abgestempelt wird, und ich verbitte mir das - und da spielt es keine Rolle, wer die Person ist, und zwar auf beiden Seiten.

Hier ist jemand gewaltig über das Ziel geschossen, und das ist mit einer eh nicht ernst gemeinten Entschuldigung am Ende auch nicht getan. Okay, der User erkennt ja nicht einmal den Mist, den er da verzapft hat selbst, wie soll er dann zu weiteren charakterlich geeigneten Maßnahmen greifen? Ich lasse mir das auch nicht bieten, das ist einfach mehr als nur rotzfrech, da kann man sagen was man will.
Philidor (30.07.2021, 14:05):
Maurice André hat darauf in Beitrag 13 mit einem milden Funken Ironie reagiert - bezüglich der Tatsache, dass man nicht ins Konzert geht, um zu kämpfen. Es ist sehr milde Ironie.
Werter Andréjo,

freilich kann ich nicht in den werten User Maurice A. hineinschauen, aber die Fortsetzung seiner Bemerkung hat mir sehr klar gemacht, dass es sich nicht um Ironie handeln könne:
Oder gehst Du ins Konzert um zu streiten oder kämpfen? Wohl kaum. Die Herleitung mag stimmen, aber ich würde Musik niemals als "Kampf" bezeichnen,
Wobei sicher auch meine Erfahrung mit diesem User hineinspielte, bei dem ich mich nicht erinnern kann, das Stilmittel der Ironie je erkannt zu haben.
Ansonsten hat er ironiefrei Wahrheiten ausgesprochen.
Hmmm ... bei allem Wohlwollen: Welche Wahrheiten denn? Diese hier vielleicht:
"Musik machen" ist zunächst einmal immer ein "Miteinander" und kein "Gegeneinander" spielen.
Wer will das beurteilen? Und überhaupt: Es kommt doch nicht auf uns an, ob wir das "Konzert" als "Miteinander" oder "Gegeneinander" bezeichnen, sondern in diesem Kontext doch um das, was der Komponist für eine angemessene Bezeichnung hielt und darum über das Stück schrieb. Dass man individuell die Meinung vertreten mag, der Komponist habe sich beim Titel des Werkes geirrt und man weiß es besser - unbenommen.

Vielleicht ist es aber auch so, dass wir die Ebenen der Aufführung verwechseln. Wenn der Komponist "Concerto" schreibt und einen Wettkampf komponiert, dann ist es ja nicht so, dass die Musiker auf der Bühne realiter gegeneinander spielen, etwa im Sinne eines ersten und zweiten Preises. Aber sie inszenieren den vom Komponisten intendierten Wettstreit.

Hier gäbe es also die Ebene der Aufführung und den richtigen Lebens auseinander zu halten.

Mit anderen Worten: Niemand wird behaupten, dass Sean Connery gegen Gert Fröbe realiter gekämpft habe. Beide haben zusammen bei der Entstehung des Filmes "Goldfinger" mitgewirkt. Aber wohl jeder würde unterschreiben, dass James Bond und Auric Goldfinger gegeneinander gelämpft haben.

So, was hatte der Komponist nun im Sinn bei seinem Werk? Sean Connery oder James Bond?

Beißend süffisante Bemerkungen bezüglich des Intelligenzgrades des Diskutanten.
Kann ich nicht erkennen, sorry.

Man hält diese Person also für einen Vollidioten.
Selbst, wenn ich das so einschätzen würde, würde ich das nie öffentlich schreiben.

Wer in der Lage ist, sich im Internet anzumelden und in einem fachlichen Forum immer mal wieder sinnvolle Beiträge zu platzieren, kann aus meiner Sicht kein Vollidiot sein - klärt das Deinen Vorwurf?

Gruß
Philidor
Maurice inaktiv (30.07.2021, 14:13):
Wer in der Lage ist, sich im Internet anzumelden und in einem fachlichen Forum immer mal wieder sinnvolle Beiträge zu platzieren, kann aus meiner Sicht kein Vollidiot sein - klärt das Deinen Vorwurf?
Nein. Alleine Deine erneuten Antworten zeigen auf, dass Du NULL kapiert hast.


Wobei sicher auch meine Erfahrung mit diesem User hineinspielte, bei dem ich mich nicht erinnern kann, das Stilmittel der Ironie je erkannt zu haben.
Du kennst mich nicht, absolut nicht. Und genau das ist eines Deiner Probleme. Eines von vielen. Wenn ich in einem Forum wie diesem auch noch nach jedem Kommentar a la Facebook Smileys setzen muss, ist es zu spät.

Du kannst jetzt schreiben was Du willst. Deine Aussagen sind nicht mehr zu retten. Dir ist auch nicht mehr zu helfen. Du machst es nur noch armseliger. Doch selbst das merkst Du nicht.
Philidor (30.07.2021, 14:18):
Werter Maurice,

wenn Du mir nahelegen willst, sich an bestimmten Regeln zu orientieren - was hieltest Du davon, mit gutem Beispiel voranzugehen? Dann schaue ich mir das gerne an und überlege, ob ich auch so agieren will wie Du. ;)

Gruß
Philidor

:hello
Maurice inaktiv (30.07.2021, 14:26):
Werter Maurice,

wenn Du mir nahelegen willst, sich an bestimmten Regeln zu orientieren - was hieltest Du davon, mit gutem Beispiel voranzugehen? Dann schaue ich mir das gerne an und überlege, ob ich auch so agieren will wie Du.
Auch das ist wieder Arroganz pur.
Andréjo (30.07.2021, 14:55):
So - mein garantiert letzter Beitrag zu dieser Peinlichkeit hier:

Wenn Du keine "beißende Süffisanz" hinter Deinen Äußerungen zugestehen willst, Philidor, dann spielst Du entweder ein ganz dummes Spiel mit uns oder ...

Nein. Kein Oder. Du bist ja nicht dumm.

Punkt.
Leonardo (30.07.2021, 16:32):
Ich finde, daß das Thema "Konzert für Orchester" jetzt nicht so viel hergibt. Was soll man da groß zu schreiben?
Man kennt Bartok und Lutoslawski und eventuell noch einige Raritäten. Das wars. Die Aufzählung ist dann schnell beendet.

Ich meine "Farben" im Orchester findet man ja nun weißgott nicht nur in den eher wenigen Orchesterkonzerten, sondern vorwiegend in Sinfonien, aber auch Ouvertüren, Tänzen, Rhapsodien etc.

Wie will man denn z. B. Janaceks "Sinfonietta" oder "Taras Bulba" klassifizieren? Sie sind voller "Farben", aber weder Sinfonie noch Konzert. Aber das ist nur ein Beispiel.

Gruß,

Leonardo
Nicolas_Aine (30.07.2021, 17:10):
ohje. Ich bin grad wie gesagt im Urlaub, sonst hätte ich wohl schon früher eingegriffen, das ist ja ganz schön ausgeartet.
Bitte spart euch weitere themenferne Beiträge. Sfantu und ich werden das besprechen und schauen, was wir machen. Kann aber ein paar Tage dauern, weil ich hier nur unregelmäßig Netz habe und das Handy meist weggelegt habe. Auch Sfantu ist dieser Tage immer mal wieder weg.

Edit: Ich hab die ganzen Beiträge mal ausgeblendet. Sie sind also noch da, aber unsichtbar. So können Cetay und alle anderen Interessierten das Thema weiterführen.
Cetay (inaktiv) (30.07.2021, 17:41):
Ich finde, daß das Thema "Konzert für Orchester" jetzt nicht so viel hergibt. Was soll man da groß zu schreiben?
Man kennt Bartok und Lutoslawski und eventuell noch einige Raritäten. Das wars. Die Aufzählung ist dann schnell beendet.

Ich meine "Farben" im Orchester findet man ja nun weißgott nicht nur in den eher wenigen Orchesterkonzerten, sondern vorwiegend in Sinfonien, aber auch Ouvertüren, Tänzen, Rhapsodien etc.

Wie will man denn z. B. Janaceks "Sinfonietta" oder "Taras Bulba" klassifizieren? Sie sind voller "Farben", aber weder Sinfonie noch Konzert. Aber das ist nur ein Beispiel.

Gruß,

Leonardo
Ich wiederhole mich gerne:
(...) Nicht nur, aber besonders ab der Spaetromantik ist die solistische Behandlung des Orchesterapparats allgegenwaertig. Ich will diesen Faden ganz bewusst auf Faelle einschranken, bei denen der Komponist das durch den Titel "Concerto for..." besonders herausstellt (...)
Damit hoffe ich nochmals geklaert zu haben, dass -obgleich mit "Farben" gesegnet- Sinfonien, Ouvertüren, Tänze, Rhapsodien und speziell Janacek nicht in die Klassifizierung fallen.

Ob das "jetzt nicht so viel hergibt" und die "Aufzaehlung dann schnell beendet ", wird sich in ein paar Wochen zeigen, wenn hier alleine von mir 45 Werke vorgestellt sein werden. Es sei denn, ich verliere ob neu aufflammenden Infantilismen oder weiterem Madigmachen die Lust dazu.
X(
Leonardo (30.07.2021, 19:30):
Weißt Du, dann wäre es doch wirklich am Besten, wenn Du diesen Thread ganz alleine bestreiten würdest. Dann kannst Du Deine 45 Werke auch ungestört vorstellen.

Ich finde die von Dir vorgenommene Beschränkung nicht überzeugend. Und was ist denn bitte eine "solistische Behandlung des Orchesterapparats"? Was soll das sein? Beziehungsweise wo zeigt sich das konkret?
Philidor (30.07.2021, 19:59):
Also, ich bin gespannt, was Cetay da präsentieren wird.

Ich muss zugeben, dass ich von der Gattung "Konzert für Orchester" nur Bartóks und Lutoslawskis Gattungsbeiträge einigermaßen im Hörrepertoire habe. Kodálys Werk steht zwar im Regal, ich kann mich aber an nichts davon erinnern, von Hindemiths Beitrag habe ich nicht einmal eine Aufnahme, von anderen Komponisten (vermutlich) ganz zu schweigen.

Ich bin vor allem gespannt, wie die Komponisten die Gattung mit Leben füllten. Es kann ja in der Tat wie bei Bartók das Einarbeiten betont solistisch-virtuoser Passagen sein, es könnte auch ein Gruppenkonzert sein (Streicher gegen Bläser oder im Laufe des Werks wechselnde Gruppierungen), es könnte auch ein wüstes Miteinander-Ineinander-Durcheinander der Orchesterstimmen sein, welches sich der sinfonischen Form verweigert. Wer weiß?
Vielleicht haben andere Stroemdienste bessere Suchmoeglichkeiten, so dass man gezielt nach der Wortfolge 'Concerto for Orchestra' suchen kann? Oder kennt jemand eine Netzseite, auf der moeglichst viele Werke der Gattung gelistet sind? Wiki ist da weitab von Vollstaendigkeit.
Ich schaue gerne mal.

Gruß
Philidor

:hello
Andréjo (30.07.2021, 20:06):
Dass ich mich über die Werke freuen würde, die Du nennen oder sogar vorstellen willst, werter Cetay, ist hoffentlich klar. Dies ist ja nun auch nicht mein erster relevanter Beitrag in diesem Thread.

Und dass ich es umgekehrt sehr schade finden würde, wenn nicht.

Mehr habe ich erst einmal nicht zu sagen. Ich habe heute schon genug Zeit vergeudet als selbsternannter Friedensrichter ohne bindenden Auftrag. :cursing:

:) Wolfgang
Andréjo (30.07.2021, 20:28):
Die zweite Sinfonie Le Double von Henri Dutilleux möchte ich nennen.

Eine apart solistisch besetzte Gruppe (Streichquartett, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, Posaune, Pauken und (!) Cembalo) steht in einer komplexen Beziehung zum Tutti.

Längst gibt es zu dieser gar nicht so selten gespielten Musik aus dem Zeitraum 1955 bis 1959 mindestens eine Handvoll Einspielungen. Drei oder vier kenne ich selber - die folgende nicht ... :P




Dutilleux sagt: "Ich habe das verstanden als zwei Orchester in einem, wobei das eine das andere spiegelt ... Es ist ein Spiel von Klangspiegelungen und Farbkontrasten" (laut Roger Nichols, Übs. Christiane Frobenius; Zitat enthalten im Booklet-Text der Erato-Viererbox von 2013, gleich nach dem Tod des Komponisten zusammengestellt)

Cetays Faden muss er also gekannt haben ...

:) Wolfgang

PS: Soeben lese ich, dass Cetay explizit keine Sinfonien wünscht. Nun gut ... Dem, was ich vor einer halben Stunde geschrieben habe, dem bekundeten Interesse, tut es gewiss keinen Abbruch. :) :thumbup: ... Der Begriffsverwirrung aber auch nicht ... q.e.d. ;(
Andréjo (30.07.2021, 21:57):
Es sind also nur Werke gewünscht, die explizit Konzert für Orchester heißen ... oder halt sehr ähnlich. (Und in den diversen Fremdsprachen wird man das ebenso wiedererkennen ...)

Eine solche Eingrenzung ist wenn auch formal, so gewiss sinnvoll, damit die Vorschläge nicht ausufern und man explizit eine solche Bezeichnung beleuchten oder auch kritisch würdigen kann.

Von daher aus meiner Sicht: D'accord!

:) Wolfgang
Cetay (inaktiv) (31.07.2021, 00:48):
Weißt Du, dann wäre es doch wirklich am Besten, wenn Du diesen Thread ganz alleine bestreiten würdest. Dann kannst Du Deine 45 Werke auch ungestört vorstellen.

Ich finde die von Dir vorgenommene Beschränkung nicht überzeugend. Und was ist denn bitte eine "solistische Behandlung des Orchesterapparats"? Was soll das sein? Beziehungsweise wo zeigt sich das konkret?
Lieber Leonardo,

da hat es wahrscheinlich Missverstaendnise gegeben. Ich will nicht meine Werke vorstellen, sondern die von verschiedenen Komponisten. Die Aussage alleine von mir war nicht so gemeint, dass ich den Thread alleine bestreiten will, sondern bezog sich darauf, dass es mehr als ein paar Raritaeten geben muss, wenn alleine ich schon 45 Werke auf der Liste habe und diese, wie die -im Eroeffnungsbeitrag ausdruecklich gewuenschten- Beitraege anderer Mitglieder gezeigt haben, laengst nicht vollstaendig ist.

Ob in einem Diskussionsfaden ueber die Gattung "Konzert fuer Orchester" die Beschraenkung auf Werke mit der Bezeichung "Konzert fuer Orchester" ueberzeugend ist, darueber kann man diskutieren. Ich verstehe, dass es Werke gibt, die von der Machart dem Konzert fuer Orchester aequivalent sind, auch wenn sie nicht so heissen, aber mir ist keine ueberzeugendere Grenzziehung eingefallen. Vielleicht hat du einen Vorschlag?
Die Frage nach der "solistischen Behandlung des Orchesterapparats" ist berechtigt, Da habe ich mich ohne gross zu reflektieren auf Bartok bezogen, der das Stück nach eigenem Bekunden deshalb als Konzert und nicht als Sinfonie bezeichnete, weil die einzelnen Instrumente eher solistisch und virtuos behandelt werden.
Cetay (inaktiv) (31.07.2021, 03:37):
MIchael Torke bin ich begegnet, als ich mich intensiv mit einer Gruppe von Komponisten, die unter dem Begriff Post-Minimalismus subsumiert werden, auseinandergesetzt habe. Die repetitiven Strukturen eines Reich oder Riley dienen als Basis, werden aufgebrochen und mit Versatzstuecken aus anderen modernen und traditionellen Klassik-Stilen, sowie aus ausserklassischen Genres angereichert. Fuer eine erste grobe Einordnung wuerde ich Torke mit John Adams vergleichen. Sein Orchesterkonzert erfuellt die Erwartungen, die der Name weckt. Oft spielen nur einzelne Instrumentengruppen, es gibt Soli aus dem Orchester heraus und raffinierte Klangkombinationen. Ich habe dazu gelesen, dass man Torke den Ravel unserer Zeit nennt.

Das Werk hat 7 Saetze und dauert rund 25 Minuten. Ein Fanfaren-Motiv, das zum Auftakt erklingt und abgewandelt immer wieder auftaucht, bildet die Keimzelle aus der sich alles entwickelt und durch die alles zusammengehalten wird. Ein paar Laengen hier und da und die stellenweise etwas nervoese Motorik in den schnellen Saetzen trueben meinen ersten Eindruck ein klein wenig, aber unterm Strich macht das mit seiner raffinierten Farbenpracht durchaus Laune.


Michael Torke - Concerto for Orchestra (2014)
Royal Liverpool PO, Vasily Petrenko

WHMF-Index: **
Philidor (31.07.2021, 23:43):
Vielleicht haben andere Stroemdienste bessere Suchmoeglichkeiten, so dass man gezielt nach der Wortfolge 'Concerto for Orchestra' suchen kann?
Was'n Reinfall. Hab's bei meinem Lieblingsströmer probiert - "Concerto for orchestra" ... mir wurden alle möglichen "Concerto for piano and orchestra", "Concerto for violin and orchestra" usw. usf. angeboten-
Oder kennt jemand eine Netzseite, auf der moeglichst viele Werke der Gattung gelistet sind?
Google ist schlauer als die Suchfunktion meines Strömers. Bei Google kannst Du eingeben "Concerto for orchestra -piano -violin". Und schon purzeln die Dinger raus:
- Bartók
- Bartók
- Bartók
- Bartók
- Bartók
- Bartók
- Tan Dun
- Bartók
- Tan Dun
Das war die erste Seite.

Auf Seite zwei gibt's schon Torke, Bernstein und von Einem.

Auf späteren Seiten gibt es dann die Ankündigung, dass André Previn einen Beitrag zur Gattung liefern möchte. Dann Patterson und Piston, Nathan und Tippett.

Es könnte also länger dauern, die von Cetay genannte Anzahl zu erreichen.

Gruß
Philidor

:hello
Philidor (31.07.2021, 23:59):
Einen hab ich noch. Google kann ja noch mehr.

Neuer Suchstring:

Und schon - Jubel! 8o Jubel! - erscheint die alles entscheidende Frage:

"Who composed Concerto for orchestra?"

Ja! Bingo! Genau das! Voller Vorfreude auf die vollständige Liste klicke ich die Frage an und erhalte ...


... Bartók.

;(

Gruß
Philidor

:hello
Cetay (inaktiv) (01.08.2021, 03:28):
... Bartók.

;(
:D

Naja, da ist halt schon ein Gutes und wenn auch nicht das erste, so doch irgendwie die Uebermutter der Gattung. Herzlichen Dank fuer die versuchte Hilfe!

Ein ebenbuertiger Koenner auf dem Gebiet scheint mir Shchedrin zu sein. Schon sein drittes Orchsterkonzert hat mich restlos begeistert, nun habe ich die beiden ersten gehoert und die Begeisterung ist ungebrochen. Das kurze erste Konzert mit dem Untertitel "Naughty Limericks" ist ein atemloser, grell-bunter, parodistisch-ueberdrehter Zug mit schrill pfeifenden Holzblaesern, swingenden Kontrabaessen, unflaetigem Blech, reichlich beschaeftigtem Schlagwerk und mit einer uberraschenden Schlusswendung.

Voellig anders geartet ist Nr. 2 "Chimes". Die 10-Minuten sind eine recht statische, duestere, stellenweise dissonante Angelegenheit. Ausgedehnte Klangflaechen wechseln mit lebhafteren Stellen ab, die Orchestrierung ist geradezu ein Musterbeispiel fuer die solositische und virtuouse Behandlung des Apparats, besonders das Blech und die Grosse Basstrommel muessen sich beweisen und die Streicher spielen viel mit Effekten.


Rodion K. Shchedrin - Concerto for Orchestra Nr. 1 ("Naughty Limericks") & Nr. 2 ("Chimes")
Russian National Orchestra, Mikhail Pletnev

WHMF-Index: ***
tapeesa (01.08.2021, 09:22):


Walter Piston - Concerto for Orchestra (1933)
Boston Modern Orchestra Project, Gil Rose

WHMF-Index: ***

Erster Eindruck:

Gefällt mir besser als Bartóks Sz. 116 (ich ging zunächst auch von 5 möglichen Sternen aus ...)

Viel Zug (auch in ruhigeren Passagen), sehr dynamisch. Bis hin zu "scheppernd" teils.
Krach ist es nicht, es wird zusammen gehalten, aber teils komme ich nah an den Begriff.
Ist von 1933, okay, unter dem Aspekt würde ich nochmal genauer schauen wollen.
Im Adagio, romantisch ausladender. Nachdenklich.

Kämpferisch - im letzten Drittel des Adagio, verhaltenere Aggression.
Allgemein sehe ich das "Paar" - Kampf und Hingabe / mehr Zusammenfließendes in einem Rahmen.
Hier sehe ich den Aspekt klar mehr auf Abgrenzung, auf Solistischem letztendlich auch.

Länge: knappe Viertelstunde
___________

(Wenn ich die bisherige Sammlung anschaue, dann kommt mir "Konzerte für Orchester" wie ein persönlicher blinder Fleck vor.
Mit vielen Komponisten, von denen ich noch nie gehört habe.
Da, wo ich von Komponisten bereits anderes gehört habe, z. B. hier jetzt Walter Piston, habe ich das Gefühl in meinem Gehirn dreht sich etwas um 180 Grad.)
tapeesa (01.08.2021, 09:39):


Alan Rawsthorne - Concerto for String Orchestra (1949)
Northern Chamber Orchestra, David Lloyd-Jones

WHMF-Index **

"Nobler", distinguierter als das Konzert von Piston.
Epischer, Rawsthorne hat auch einiges an Filmmusik komponiert.
Der Zug ist verhaltener, zwingt (mich) zu genauerem Hören. Mehr Feinheiten.
Vielleicht auch etwas befreiter.

Der Anfang leicht dissonant, auffächernd.

Länge: knapp mehr als 20 Minuten

Werde ich mehrmals hören müssen und schlimm finde ich das nicht.
Leonardo (01.08.2021, 19:04):
Ich wußte doch, daß da was war:

Alfredo Casella (1883-1947):

Konzert für Orchester op. 61 (1937)
(Willem Mengelberg und dem Concertgebouworchester Amsterdam gewidmet)

I. Sinfonia
II. Passacaglia
III. Inno (Hymne)
Andréjo (01.08.2021, 19:25):
Ich wußte doch, daß da was war
;) Ich offen gesagt eher weniger - was nichts daran ändert, dass ich das Werk (in einer anderen Einspielung) als Rundfunkmitschnitt auf Kassette besitze und auch schon - sagen wir zweimal - gehört habe. Wahrscheinlich aber seit dreißig Jahren nicht mehr.

Soeben Vorhandensein überprüft und erinnert.

Mir bekannter dank CDs sind die Opera 56 und 69, die sich zwischen dem Typus des Solokonzerts und der Sinfonie bewegen, aber eben nicht "Konzert für Orchester" heißen.

Dank an Leonardo - ich werde auch hier mal bei yt gucken oder doch noch die von Dir verlinkte CD kaufen - denn der Kassettenrekorder ist nicht mehr das Gelbe vom Ei ...

:) Wolfgang
Cetay (inaktiv) (02.08.2021, 02:42):


Alan Rawsthorne - Concerto for String Orchestra (1949)
Northern Chamber Orchestra, David Lloyd-Jones

WHMF-Index **

"Nobler", distinguierter als das Konzert von Piston.
Epischer, Rawsthorne hat auch einiges an Filmmusik komponiert.
Der Zug ist verhaltener, zwingt (mich) zu genauerem Hören. Mehr Feinheiten.
Vielleicht auch etwas befreiter.

Der Anfang leicht dissonant, auffächernd.

Länge: knapp mehr als 20 Minuten

Werde ich mehrmals hören müssen und schlimm finde ich das nicht.
Rawsthorne habe ich auch gehoert, das rauschte aber ziemlich an mir vorbei. Ich 'muss' das auch nochmal hoeren. Auf der CD sind zwei Stuecke, bei denen dem Streichorchester ein, bzw. zwei Blasinstrumente (Blockfloete, bzw. Horn & Floete) beigestellt werden. Die fand ich sehr einnehmend. Das ist ein Seiteneffekt dieser systematischen Exkursion. Sie bereichert das Hoer-Repertoire auch um allerelei 'Kollateralschaeden'.
Cetay (inaktiv) (02.08.2021, 02:52):
Da nun doch einiges zusammenkommen ist, habe ich zwecks Ueberblickbehaltens im Eroeffnungsbeitrag eine Liste aller bisher aufgespuerten Aufnahmen angefuegt. Das ist Hoerfutter fuer ein paar Wochen. :leb
Cetay (inaktiv) (02.08.2021, 03:41):

Alan Rawsthorne - Concerto for String Orchestra (1949)
Northern Chamber Orchestra, David Lloyd-Jones

WHMF-Index **

(...)
Rawsthorne habe ich auch gehoert, das rauschte aber ziemlich an mir vorbei. Ich 'muss' das auch nochmal hoeren.

(...)
Gesagt, getan. Wo hatte ich da nur meine Ohren? Das ist formal sehr zwingend, imho, besonders der Schlusssatz. Die Bewertung teile ich.
Cetay (inaktiv) (02.08.2021, 04:17):

Roger Sessions - Concertino for Chamber Orchestra
Contemporary Chamber Players Of The University Of Chicago, Ralph Sbapey

Sessions' Musik -die Sinfonien- gefaellt mir ungemein. Sie ist schwer zu beschreiben. Er wirkt vergeistigt bis abstrakt, aber doch warm, nicht sperrig oder abweisend. Manchmal sagt ein Bild mehr als Worte, deshalb verweise ich auf das Cover-Gemaelde, das ein brauchbares visuelles Aequivalent dessen, was zu hoeren ist, darstellt. Sessions' Sinfonien haben eine extem kammermusikalische Fraktur, aber bei dem 3-saetzigen, 15 Minuten dauernden Concertino spielt nun wirklich jedes Instrument immer solistisch. Pech fuer die Musiker, wenn das bei der Sonntags-Matinee auf dem Programm steht. Da kann sich keine mit ihrem Alkohol-Kater im Kollektiv verstecken.

WHMF-Index: ***
Cetay (inaktiv) (03.08.2021, 05:55):

Jennifer Higdon - Concerto for Orchestra (2002)
Atlanta Symphony Orchestra, Robert Spano

Die traut sich was: 5 Saetze, eine halbe Stunde Spielzeit, tonal. Das ist eine sehr unterhaltsame Sache, wenn man sich an staending wechselnden Farbschattierungen und originellen Texturen nicht satt hoeren kann, so dass Hunger nach formaler Arbeit erst gar nicht aufkommt. Im zweiten Satz spielen die Streicher alleine mit viel pizzicato, im dritten gibt es kantilenenartige Holzblaeser-Soli ueber Klangflaechen und einzelne Instrumentengruppen spielen fuer sich, der vierte gehoert alleine der -ueberwiegend gestimmten- Perkussion. Dieser Mittelteil hat einige Momente. Der Schlusssatz mit dem staendig zunehmenden Tempo macht vieles wieder zunichte. Das ist mir dann doch -wie auch weite Teile des nervoesen Kopfsatzes- zu sehr auf Effekt getrimmt. Im Konzertsaal macht das Werk sicher maechtigen Eindruck.

WHMF-Index: *
Cetay (inaktiv) (04.08.2021, 03:55):
Gottfried von Einem (*1918) hatte ich bislang ueberhaupt nicht auf dem Radar. Durch sein Concerto habe ich mich mit ihm beschaeftigt und das ist eine sehr interessante Persoenlichkeit. Er soll gesagt haben: Ich habe immer in der unmittelbaren Nachbarschaft des Todes gelebt. Parapsychologische Grenzerfahrungen haben mich dazu gebracht, den Übergang in den Tod nicht zu fürchten. Ich habe in den Nächten im Waldviertel höchst Merkwürdiges erfahren, Klänge, wirklich nicht von dieser Welt; und nach seinem Tod hat er wohl noch eine Weile gespukt. Das Spaetwerk steht auf meinem Hoerzettel.

Sein Orchesterkonzert faellt nicht darunter. Es entstand 1944, konnte aber erst spaeter aufgefuehrt werden. Das ist ein Nugget sondergleichen. Alleine um das finden -und wenn es das allerletze gewesen waere- lohnte die systematische Erkundung aller Hundertsechse, die auch Dinge zu Tage foerdert, die Untertage ganz gut aufgehoben waren.

Die vertrackten Rhythmen im Allegro-Kopfsatz, der Trugschluss und dann die jazzige "Erklaerung" in der Coda: So mischt man Spielfreude, Energie, Brillianz und Tiefgang. Das Larghetto sind sechseinhalb Minuten diesseitig-jenseitig-transzendente Tiefen, die zu erreichen bei Bruckner oder Mahler eine halbe Stunde kosten. Der Weckruf -durch das derbe Hineinfahren des Orchesters- zum Auftakt des Allegro-Schlusssatzes ist eines der vielen kleinen Schmankerl, die diese Komposition zu bieten hat, der folgende Kehraus ist oben haltende Unterhaltung im besten Sinne.


Gottfried von Einem - Concerto für Orchester, op. 4 (1944)
RSO Berlin, Johannes Kalitzke

WHMF-Index: ***
Sfantu (04.08.2021, 09:28):
Ob in einem Diskussionsfaden ueber die Gattung "Konzert fuer Orchester" die Beschraenkung auf Werke mit der Bezeichung "Konzert fuer Orchester" ueberzeugend ist, darueber kann man diskutieren. Ich verstehe, dass es Werke gibt, die von der Machart dem Konzert fuer Orchester aequivalent sind, auch wenn sie nicht so heissen, aber mir ist keine ueberzeugendere Grenzziehung eingefallen.
Ich schätze ebenfalls, das Ganze würde andernfalls zu sehr ausufern. Die Grenzziehung, so willkürlich sie auch sei, ergibt Sinn.

Meine Regale nun auch mal nach dieser Gattung zu durchforsten, fängt an, Spaß zu machen.
Der von Einem steht auch bei mir. Das abwechslungsreiche Werk muss nicht unbedingt höchste Wiederhör-Impulse auslösen. Für mich darf es auch inperfekt sein. Ich verkoste es dann vielleicht etwas weniger häufig, dafür mit klarem Fokus.
Sfantu (05.08.2021, 00:08):

Viktor Kalabis (1923 - 2006)

Konzert für großes Orchester op. 25 (1966)
Der Tschechischen Philharmonie und ihrem Dirigenten Karel Ančerl gewidmet.

Česká filharmonie - Ladislav Slovak
(3 CDs, supraphon, 1972)

Allegro 5`55
Adagio 6`52
Allegro assai 7`26
Allegro vivo 7`59

Das Vorbild Lutoslawski kann Kalabis nicht verleugnen.
Dennoch hinterläßt er seinen unverkennbar eigenen Fußabdruck. Und der bededeutet: ein schrofferes, kantigeres Profil, scharfe, stellenweise geradezu brutale Klangballungen und Bruchkanten (der Beginn des ersten Satzes ist nichts für schwache Nerven). Welcher Stimmungsehalt vermittelt sich? Dieser: Direktheit, gepaart mit glasklar und unerbittlich ausgespielten Konflikten. Hier kommen kaum Filter zum Einsatz. Wozu auch? Alles ist schonungsloser Widerstreit mit offenem Visier, teils auch die Lust am puren akustischen Tumult.
Kalabis` Sinn für Form und Maß bändigt all diese Affekte in eine reelle, konsumierbare Gestalt.
Den Ausführenden wird ein hohes Maß an Wendigkeit und Attacke abverlangt. Das Prager Orchester unter der Leitung Ladislav Slovaks präsentiert sich in Höchstform.
Nach dieser Musik gilt es zu verdauen, den Klängen den ihnen
gebührenden Platz im Hörgedächtnis einnehmen zu lassen.
Cetay (inaktiv) (05.08.2021, 04:26):

Miguel Gálvez Taroncher - Konzert für Orchester (2007-2008)
Jove Orquestra de la Generalitat Valenciana, Manuel Galduf

Spieldauer ca. 13 Minuten, ohne Satzbezeichnungen. Aus tiefen Lagen heraus baut sich im ersten Satz quaelend langsam auffaechernd Spannung auf, bis das sich andeutende Aufbaeumen vom Schlagwerk unterbunden wird. Die zweite Welle rollt ebenso quasi-statisch, wieder erfolgt ein Schlag - auesserst brutal. Der zweite Satz beginnt mit einer lebhaften Collage. Kurze burleske Einschuebe kommen nach der niederdrueckenden Stimmung im voeherigen Satz voellig unerwartet. Das faellt schnell in Statik zuruck, um sich gleich wieder aufgeregt aufzubauen und an der Grenze zu Bruitismus und Chaos voranschreitend in einen grotesken Tanz zu muenden, worauf eine Generalpause folgt und ein leiser Ausklang mit ins pp schwindenen Baessen und Pauken das Stueck beendet. Puh! Danach wischt man sich erst mal den Schweiss ab und beginnt dann von vorn.

WHMF-Index: **
Sfantu (12.08.2021, 23:58):

Georgi Minchev (*1939)

Konzertmusik für Orchester

Симфоничен оркестър на Българското национално радио (= Sinfonitschen Orkestr na Bulgarskoto Radio = Bulgarisches Radio-Sinfonieorchester, Sofia) - Vassil Stefanov
(LP, balkanton, 1983)

In einem Satz 22`55

Ein brüskes Forte-Tutti läßt allein die Solo-Klarinette mit liegendem Ton ausklingen. Zunächst stimmt sie ein zaghaftes, tastendes Motiv an, bevor sich die 2. Klarinette hinzu gesellt. Langsam entspinnt sich eine Unterhaltung der zwei mit der Solo-Oboe.
Ein zweiter Tutti-Schlag fährt jäh dazwischen. Die genannten Solisten lassen sich nicht beirren, sie setzen ihre Gruppenkonversation fort. Nach dem Fagott tritt nach und nach das gesamte Holz dazu. Einzelne knappe Kommentare im tiefen Blech, dazu geheimnisvolle Schleier aus Xylophon und Glocken, schließlich Regentropfen-Pizzicati.
Die gedämpfte Trompete bringt sich spottend ein.
Ein konfuser Wirbel der Soli als auch von Instrumentengruppen bewirkt den Eindruck eines Neben-und Durcheinanders, eine gemeinsame Entwicklung oder Richtung ist nicht auszumachen. Nur selten spielt das gesamte Orchester zusammen. So gehört erfüllt sich hier der weiter oben im Faden beschriebene Gedanke des wettstreitenden Kampfes gegenüber dem Zusammen-Agieren und-Klingen.
Immer neue Klangkombinationen sorgen für Verblüffung und sind im besten Sinne unterhaltsam, bspw. ein skurriles Duo von Klavier und singender Säge.
Endlich schaffen getragene Themen einzelner Holzbläser eine Atmosphäre der Innenschau, des Durchatmens (es gibt Stellen, an welchen Debussys Faun ganz nah scheint).
Doch schon sorgt der Jazz-Besen auf der Trommel für ein energetisches rhythmisches Gerüst, welches nun den vorläufigen Fortgang trägt: es köchelt ein wildes Ratatouille der Klangfarben, des An-und Abschwellens in Dynamik und Stimmungen. Kaum spürbar zieht sich die Spannung langsam in alles schluckende Schatten zurück - Stimme für Stimme verabschiedet sich, bis die Solo-Flöte leise und mystisch abschließt. Der Klappentext nennt Reflexe auf Sorgen, Sarkasmus und Vitalität als emotionale Grundwerte des Stücks.

Diese Musik ist höchst schillernd und abwechslungsreich. Ich kann es mir insbesondere auch spannend für Kinder vorstellen - und das wäre gewiß eine hohe Meßlatte.

Minchev schrieb das Werk als Auftrag zum 50. Jubiläum des tschechischen RSO Prag.
Als zweites Werk zu jenem Anlaß komponierte Miloš Sokola sein "Sinfonisches Tryptichon"

Die Darbietung des bulgarischen RSO finde ich formidabel. Durchsichtiger Klang, perfekte Abbildung aller Farben.

Georgi Minchev hat das Pech, Vor-und Familiennamen mit zwei bulgarischen Promis zu teilen: einem fast gleichaltrigen, erfolgreichen Popmusiker und einem Profi-Fußballer.
Sfantu (24.08.2021, 22:22):


Bo Linde

Konsertant musik op. 27 för orkester (1963)

Gävleborgs Symfoniorkester - Göran Nilson
(LP, caprice, 1983)

Tranquillo fluente. Allegro molto 8´05
Largamente ma flessibile 7´42
Ben deciso. Robustamente 8´16

Fagott und Klarinette beginnen, von einem fahlen Streicherteppicch unterlegt, das Werk in verhaltener Gemütslage. Beinahe unmerklich kommt ein lebhaftes Geschehen in Gang. Eine Vielzahl der Farben und Aussagen wird wendig und geschäftig zu Gehör gebracht. Vor allem hier, ferner auch im Schlußsatz, ist das Xylophon eine wichtige Protagonistin.

Der langsame Satz hebt in fast resignativer Stimmung an. Das schwermütige Hauptthema wandert durch die Pulte. Ein verspielter Mittelteil, zunächst durch ein angetäuschtes Fugato von Hörnern und Trompeten dominiert, begleitet von der Pauke, streift nach und nach seinen kauzig-grotesken Humor ab und leitet zum bedrückenden langsamen Beginn zurück. Zwei unheilschwangere Höhepunkte mit Beckenschlag stehen wie Ausrufezeichen für die klagende Grundaussage des Satzes.

Die attacca folgende, abschließende Burleske bildet eine Ausgewogenheit zwischen Übermut und introspektiven Passagen ab. Das konzertierende Moment bricht sich hier am deutlichsten Bahn. Letztlich alle Instrumentengruppen, am effektvolllsten aber das Holz (hier besonders die Flöten) und der Streicherapparat dürfen ihr Können unter Beweis stellen. Ein enggeführter, übermütiger Taumel setzt den nachdrücklichen, schroffen Schlußpunkt.

Der 30jährige Lars-Erik-Larsson-Schüler steht vielleicht noch nicht im Zenit seiner Erfindungskraft. Manche Gedankengänge scheinen mir weniger überzeugend, weniger schlüssig als die blendende Instrumentation. Generationsbedingt ist Strawinskij sicher eine wichtige Inspiration. Daneben funkeln hie und da Farben durch, die Erinnerungen an die großen sowjetischen Meister, dann wieder an Copland oder Barber wecken.
Für ein Werk der 60er Jahre steht Linde mit seinem op. 27 nicht unbedingt an der Speerspitze der Avantgarde. Sein eher traditionsgebundener (oder zumindest traditionsbewußter) Standpunkt wirkt so souverän und die Musik hat so viel Charakter und Qualität, daß die Frage nach der Aktualität in den Hintergrund tritt.

Engagierte, nachdrückliche Wiedergabe, bester, räumlicher Stereoklang. Ruhige Oberfläche und satter, körperreicher Sound sprechen für eine der besseren Pressqualitäten (Made in Sweden).
Sfantu (21.10.2021, 23:50):

Guido Mancusi (*1966)

Konzert für Orchester (1998).

Magyar Államvasutak Szimfonikus Zenekara - Guido Mancusi
(CD, paladino music, 2015)

In einem Satz 15`12

Frisch bei mir eingetroffen, macht dieses Doppelalbum auf Anhieb richtig Spaß.
Mancusi selbst, Aktivposten im österreichischen und insbesondere im Wiener Musikleben (vor allem als Dirigent an der Volksoper), beruft sich im Booklet-Text explizit auf Bartók. Und tatsächlich hören wir allerlei Anklänge an das berühmte Gattungs-Vorbild. Mancusi beweist sich als glänzender Instrumentator, der Klangeffekte gezielt wie effektvoll einsetzt. Das Ganze geht nur selten über die Avantgarde von ca. 1955 hinaus - alles ist dicht gewirkt und saturiert, kaum öffnet sich Raum für fahle, disparate Klangeffekte. Gelegentlich scheinen Referenzen an John Williams-Soundtracks durch. Allerdings so wohldosiert, daß keinerlei Beigeschmack aufkommt. Das knappe, konsistente Werk endet souverän und mit Aplomp.
Auf Disc 1 sind noch ein Trompetenkonzert sowie eine Suite für Streichorchester enthalten.

Disc 2 ist dann ein echtes Schmankerl.
Es werden kurze Kabinettstückchen geboten, die zum Teil ohne Weiteres in Wiener Neujahrskonzerten reüssieren könnten: ein Schwiegermuttergalopp etwa, ein hörbar japanisch angehauchter Kirschblüten-Walzer, eine Taschinierpolka (österreichisch für Faulenzer oder Hallodri), eine Schnellpolka "Wo der Pfeffer wächst" (hier allerdings wieder nah an Williams) usw. usf. Mitwirkende sind hier die PAN European Philharmonia, das Schönbrunn Festival Orchester sowie das Orchester der Wiener Volksoper - jeweils unter der Leitung des Komponisten.
Sfantu (27.10.2021, 20:14):
Boris Blacher -

Concertante Musik für Orchester op. 10 (1937)
Sfantu (27.10.2021, 21:10):
Unterhaltsam und kurzweilig (leider im doppelten Wortsinne, denn nach gerade mal 10 Minuten ist es schon wieder vorbei). Insbesondere das Holz, beginnend mit dem kecken Fagott, welches das Werk einleitet, bekommt reizvolle konzertante Aufgaben. Blacher gestaltet rhythmisch pointiert. Die vielen Synkopierungen verraten die Swing-Ära, inmitten derer dieses op. 10 entstand. Insgesamt scheint sich mir im Verlauf eine Entwicklung vom Kammermusikalischen hin zum Großorchestralen zu vollziehen - am Ende erstrahlt ein nachromantisch schwelgendes Thema in den Streichern bevor das Stück in einem gewaltigen Tutti abschließt.

Charmant, weitgehend unbeschwert und von apollinischer Sonne gestreichelt tönt dieser Blacher.
Sfantu (27.10.2021, 21:15):


Dresdner Philharmonie – Herbert Kegel
(LP, Eterna/VEB Deutsche Schalplatten, 1980)


Moderato - Molto allegro 3`45
Moderato 2`55
Molto allegro 3`25


Die Ausführenden dieser Aufnahme nehmen den Blickwinkel und das Herangehen aus romantischer Sicht ein, betonen die dunkel-symphonischen Farbwerte, weniger das Neue, im Jetzt Stehende. Das ist nicht die einzig gültige Auslegung - eine reizvolle ist es aber allemal.

Mäßig gut gepflegte Platte, anfangs etwas verknistert, Da halte ich gelegentlich nach einem liebevoller behandelten (oder gar ungespielten 8o ???) Exemplar Ausschau.
Sfantu (02.01.2022, 13:49):
Diese CD ist meines Wissens schon seit geraumer Zeit wieder gestrichen. Als sie Ende der 90er herauskam, wurde sie eifrig beworben. Zwei Gründe, weshalb ich dieser Tage ohne Zögern zugriff, als sie mir - wenn auch überteuert - in die Händ fiel.



Richard Danielpour (*1956)

Concerto for Orchestra "Zoroastrian Riddles" (1996)

Pittsburgh Symphony Orchestra - David Zinman
(CD, Sony, 1997)

Agitato. With urgency and rhythmic intensity 5`58
Scherzando. Playfully 4`55
Adagio non troppo 10`42
Con moto, ben misurato 6`40

Wie kann man Danielpours Musik charakterisieren?
Like many American composers of his generation, Danielpour has largely divorced himself from serial techniques, which were more important in earlier works such as the First String Quartet (1983). With First Light (1988), he found a new, distinctly American voice.
New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2nd edition, 2001. Band 6, S. 925


Der spanischsprachige Wiki-Artikel zu Danielpour (ein englischsprachiger existiert nicht (!), der deutschsprachige sagt nichts über seine Musiksprache aus) trifft sich ganz gut mit meinem Eindruck nach erstem und zweitem Hören:
Das Konzert für Orchester zum Beispiel verbirgt hinter seiner vordergründig ernsten Oberfläche musikalische Anspielungen auf Broadway, Film und Fernsehen.
Auch Danielpours Aussagen in einem im CD-Booklet abgedruckten Interview mit Steven Epstein passen dazu:

Ich sehe mich als jemanden, der assimiliert. Darin bin ich Stephen Albert (dem inzwischen verstorbenen Komponisten der Symphony RiverRun) sehr ähnlich. Er nannte sich einen Musik-Sammler, nicht so sehr einen Musik-Erfinder. Ich möchte einen Gedanken aufgreifen, der dem Gedanken eines anderen Komponisten ähnelt - vergleichbar einem Sujet oder Motiv in der bildenden Kunst - und damit ringen, ihn in meinen Gedanken bewegen und darüber brüten, bis er sich von dem unterscheidet, was ich vorgefunden habe. Im besten Fall entsteht dabei etwas ganz Neues.

Im ersten Satz ereignen sich allerlei rhythmische Verschiebungen, das Schlagwerk hat viel zu tun - ich dachte mehrmals an Bernsteins Symphonic Dances aus der West Side Story. Manche unheilschwangeren Fanfaren lehnen sich an Respighis Feste Romane an, die wenigen lyrischen Abschnitte tönen recht Coplandisch.

Das kauzige Scherzando hebt mit Kontrafagott und Blech in verschroben hinkendem Rhythmus an. Dann greift eine ruhigere, vom Holz dominierte Passage Raum. Immer wiederkehrend in diesem Satz ist ein unterschwellig bösartiges, pulsierendes Streichermotiv, das an Bernhard Herrmanns Soundtracks erinnert (hier: North by Northwest).

Das Herzstück bildet der ausgedehnte langsame Satz. Scheinbar ziellos schweifen die hohen Streicher umher. Nur ganz vage ist ein Metrum auszumachen. Etwa in der Satzmitte wächst es sich aber zu einem trauermarschartigen Duktus aus, nachdem kleine verspielte Holz-Soli einen Wechsel ankündigten - etwa mit dem sechsten Sinn ausgestatteten Vögeln gleich, die eine heraufziehende Naturkatastrophe wahrnehmen und warnend verkünden, Der immer gewaltigere Marsch mündet in Eruptionen wie in Brittens Sinfonia da Requiem. So, wie die Hörner am Sich-Aufschwingen dieser Miniatur-Apokalypse maßgeblichen Anteil hatten, so leiten sie wiederum zur Beruhigung und zur Rückkehr in den anfänglichen Schwebezustand zurück. Nochmaliges kurzes Aufbäumen, schließlich Stiller-Werden und Verstummen.

Der Schlußsatz ist ein wirbelnder, unterhaltsamer Kehraus. Wie schon im Kopfsatz wird optimistisch aber keineswegs allzu auftrumpfend abgeschlossen. Der Aspekt des Konzertierens kommt hier am besten zur Geltung.

Zum Werktitel nochmals Richard Danielpour in besagtem Interview:

Das Stück trägt den Untertitel "Zoroastrische Rätsel" - damit beziehe ich mich auf eine Begebenheit aus Mozarts Leben: einmal hat er sich während einer Karnevalssaison in Wien verkleidet und in der Pause die Menge mit schwierigen Rätseln unterhalten. Mozarts Vorliebe für Rätsel, Spiele und Täuschungen hat mich von jeher fasziniert. Mein Konzert enthält ebenfalls viele kontrapunktische Rätsel und Spiele. Und oft gibt sich ein Thema für ein anderes aus.

Mein Fazit >
gut gemachte, virtuose Orchestermusik. Hörbar amerikanisch, hörbar rückwärtsgewandt.
Formidable Darbietung, exzellente Klangqualität
Und: das auf dieser CD nachfolgende Ballett "Anima Mundi" enthält die interessantere Musik.
Sfantu (05.03.2022, 22:49):


Jukka Tiensuu

"Vie" - Konzert für Orchester (2007)

Helsingin kaupunginorkesteri - John Storgårds
(CD, Ondine, AD 2009, ℗ 2010)

17`58

Die beiden anderen Werke dieses Albums werden im Booklet zumindest knapp charakterisiert. Das KfO wird dagegen lapidar als Auftragswerk des Philharmonischen Orchesters Helsinki erwähnt und, daß Leif Segerstam im Oktober 2007 die Uraufführung leitete (im englischen wie auch im finnischen Text). Der Titel ist französisch? Das Leben an sich wird hier also vertont?

Zu Beginn motorisch pulsierende, geradtaktige Geschäftigkeit, zunächst in den Streichern allein, dann dominieren im Wechsel andere Instrumentengruppen. Hie und da steuern Synkopierungen jazzige Akzente bei. Nach guten 3 Minuten ein jähes Abebben, Durchatmen in beruhigenden, den vorherigen Boost an Energien abfedernden liegenden Klängen in Streichern, Holz, Metallophon und Triangel. Es wirkt wie nach vorheriger Jagd durch einen Großstadt-Jungle als tauchte man plötzlich in eine halbbewußte Traumwelt ein- seelenbalsamig oder latent bedrohlich? Das muß offen bleiben. Nach und nach kommt wieder Bewegung in das Geschehen. Glissandi im Blech haben etwas Burleskes. Baldiges Zurückfallen in Schatten-Zonen. Der bewegte Impuls des Beginns stellt sich erneut ein, nun aber leiser, verhaltener. Dadurch entsteht ein maliziöses Moment unterdrückter Boshaftigkeit. Ein zittriges Auf und Ab der Dynamik imaginiert Wellen oder Achterbahn-Fahrten, von jetzt auf gleich in dämpfende Watte getaucht, um im nächsten Moment abrupt wieder hervorzuschnellen.
Erneut wird eine Insel der Ruhe erreicht. Diesmal ereignet sich allerdings mehr ein dissoziierendes Nebeneinander: keine Dialoge mehr - prominent hier das tiefe Blech.
Ein Anlaufnehmen zu neuer Klangballung läßt nichts Gutes ahnen: Die Bereitschaft zu Verständigung, zu Kompromissen, ist nirgends mehr erkennbar. Die Instrumentengruppen liefern sich Schlagabtausche, fallen einander ins Wort. Ein unversöhnliches Gegeneinander mündet in Tumult, in Anarchie. Letztes Anlauf-Nehmen in trügerische Ruhe verheißenden Streicherklängen, dann ein Aufschwingen zu knappem, trockenem Schlußakkord.

Die Gattungsbezeichnung trifft hier einmal wirklich ins Schwarze.
Es ereignet sich ein ständiger Wechsel konzertierender Gruppen. Allein die Perkussionisten hätten für meinen Geschmack mehr Chancen zu solistischem Auftritt bekommen dürfen. Und doch - das konzertierende Element darf sich hier in Allem zwischen subtil und ungestüm ausleben. Keine Durchhänger in der Energetik. Spannend von A bis Z.

Stupendes Spiel der Philharmoniker aus Helsinki.
Luxuriöser Sound.
Sfantu (26.05.2022, 22:50):


Fabian Müller

Konzert für Orchester (2008)
(Uraufführung 2009 durch die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie und Christopher Hogwood)

Royal Philharmonic Orchestra London - Claude Villaret
(CD, Ars Produktion, 2013)

Moderato. Mysterioso 6`06
Adagio 4`33
Allegro 8`12

Das für meinen Geschmack bisher schwächste Stück dieser speziellen Gattung.
Wie eine Festmusik für einen ökumenischen Kirchentag der erste Satz: unentschiedenes Hin-und-her-Wabern in bedeutungsschwanger bedrückter Grundstimmung, oft eher linkisch instrumentiert. Im Mittelsatz Anklänge an Folkloristisches, was in diesem Falll allerdings geschmackvoll sublimiert erklingt. Im abschließenden Allegro wird eine Art Synthese folkloristischer und landschaftlich inspirierter Naturbilder angestrebt. Um die Majestät der alpinen Bergwelt zu malen (dies die Inspiration laut Booklet-Text), werden allerlei Kulminationen mit Paukenwirbel und Beckenschlägen bemüht...Ächz! Auf mich wirkt das zu beliebig und seltsam uninspiriert.
Nebenbei: "Mysterioso" > das ist nicht griechisch und nicht italienisch - sondern was?

Diese CD war vorerst mal meine letzte Neuerwerbung in Sachen Fabian Müller.
Um wieviel geistvoller und eigenständiger sind doch seine Sachen für die Kammer! Die Capriccio-Produktion mit dem Petersen-Quartett beispielsweise steht meilenweit über diesem aufgeblasenen Schrumm-Schrumm!
Joe Dvorak (04.04.2023, 02:26):


Jeff Beal - Red Shift (Concerto for Orchestra)
Netherlands Metropole Orchestra, Jeff Beal (1998)

Bevor sich Jeff Beal als Filmmusiker seinen grossen Namen gemacht hat, begegnete ich ihm als Komponisten, Trompeter, Keyboarder, Programmierer und Arrangeur auf Smooth-Jazz und Fusion-Platten. Und so klingt sein Konzert fuer Orchester dann auch wie eine Third Stream-Kompositon zum leichten Hoeren. Die ersten paar Minuten koennte man glauben, man haette es hier wirklich mit einem ernsten klassischen Konzert fuer Orchester zu tun, dann bahnen sich langsam die Jazz-Elemete ihren Weg und gewinnen bald die Oberhand. Man wird sozugagen in einen jazzigen imaginaeren Filmsoundtrack hineingetrickst und es ist oft nur der fette Streicherapparat (9-9-5-4-2), der das von einer reinen Bigband abhebt. Aber der Trick hat funktioniert, weil die acht Titel abwechslungsreich, mit viel klanglicher Raffinesse und Sinn fuers Detail arrangiert sind und das ueber die gesamte Laenge unterhaltsam im besten Sinne bleibt.
Sfantu (18.02.2024, 19:07):


Robert Groslot

Konzert für Orchester (2016)

Brussels Philharmonic - Robert Groslot
(CD, Naxos, 2018)

Exordium 11'56
Hoketus 6'43
Nachtmusik 8'50
Conclusion 9'51

Wo beginnen und wo enden bei dem Versuch, dieses Werk zu beschreiben?

Die CD war ein (blinder) Zufallskauf. Erst danach fand ich heraus, daß Groslot Jahr und Tag für die Roadshow "Night of the Proms" als Dirigent durch die Lande tingelte und sein Name aus diesem Grund in Deutschland bekannt wurde. Ich rechnete daher mit dem Schlimmsten und bereute den Erwerb fast schon wieder. Doch was ich nach zweimaligem Hören immer noch staunend feststellen muß: ein großer Wurf! Absolut mitreißende Energie, ein verwirrendes Feuerwerk an Farben und Effekten. Groslot gebietet über souveräne Instrumentationskunst, gibt allen Pulten dankbare Aufgaben, läßt das Werk der Gattungsbezeichnung vollauf gerecht werden. Bezugspunkte sind Bartók und Lutosławski, was die staunenmachende Virtuosität und Meisterschaft an Orchestrierung betrifft. Darüber hinaus geht es stilistisch allerdings kaum in Richtung Gegenwart.

Was ich vor der Hand anknüpfend selbst wiedererkenne, ist die Wiederkehr des Oboenmotiv vom Anfang des Kopfsatzes, wenn es die Coclusion ebenfalls eröffnet. Begleitet vom Vibraphon wirkt es wie das Ticken einer Pendeluhr - die Stimmung ist geheimnisvoll bedrückend. Mehrere andere Motive der vorhergehenden Sätze werden im Schlußsatz ebenfalls wieder aufgegriffen. Letzteres entnehme ich dem Booklet-Text von Tom Janssens - selbst erkennend wäre ich noch nicht so weit gekommen.
Zu Beginn der Label-Geschichte hätte ich mir nicht träumen lassen, daß Naxos einmal eine solche geradezu audiophile Aufnahmequalität erreichen könnte. Die Tutti-Schläge mit Becken und Baßtrommel fahren geradewegs in die Magengrube.
Stupende Orchesterleistungen mithin - ein Stück und eine Darbietung von gleichermaßen Ereignischarakter.

Auf Anhieb ganz weit nach oben rückt Groslots Konzert bei mir innerhalb dieser Gattung.

Etwas dümmlich (weil eigene Traditionen verneinend und in eine schick klingende Handelsmarke verwandelnd) die seit 2012 gültige Bezeichnung "Brussels Philharmonic" für den vormals Flaams radio orkest heißenden Klangkörper.
Joe Dvorak (19.02.2024, 02:35):
Etwas dümmlich (weil eigene Traditionen verneinend und in eine schick klingende Handelsmarke verwandelnd) die seit 2012 gültige Bezeichnung "Brussels Philharmonic" für den vormals Flaams radio orkest heißenden Klangkörper.
Immerhin haben sie sich nicht zu Brussels Phil hnireissen lassen, analog zu Sjællands symfoniorkester, das sich 2013 in Copenhagen Phil umbenannte.
Maurice inaktiv (19.02.2024, 18:07):
Etwas dümmlich (weil eigene Traditionen verneinend und in eine schick klingende Handelsmarke verwandelnd) die seit 2012 gültige Bezeichnung "Brussels Philharmonic" für den vormals Flaams radio orkest heißenden Klangkörper.
Es geht meist nur um die Vermarktung des Namens. In Köln haben sie ja auch das Gürzenich-Orchester umbenannt, es hieß ursprünglich "Cölner Staädtisches Orchester", dann Gürzenich-Orchester Köln. Irgdnwann kam man auf die Idee auch noch irgendwie "Kölner Philharmoniker" mit einzubauen, was aber völlig in die Hose ging. Das muss in der Conlon-Zit passiert sein. Inzwischen ist man wieder zurück zu den Wurzeln gekommen.
Sfantu (21.02.2024, 18:42):


Roger Sessions

Concerto for Orchestra (1981)

Boston Symphony Orchestra - Seiji Ozawa
(LP, hyperion, 1982)

16'05

Sessions schrieb sein Orchesterkonzert als Mittachtziger zum 100. Geburtstag des Boston Symphony Orchestra. In seiner Widmung betont er den Einfluß, den das BSO auf seine Entwicklung als Komponist für den Klangkörper Orchester gehabt habe.

Cetay schrieb im Zusammenhang mit Sessions Concertino für Kammerorchester davon, daß die Musiker praktisch durchgängig solistisch gefordert seien. Ich finde, auch im Konzert für Orchester werden alle beteiligten Instrumentengruppen mit dankbaren Aufgaben bedacht.
Etwas Mühe habe ich dagegen mit folgender Charakterisierung:
Sie ist schwer zu beschreiben. Er wirkt vergeistigt bis abstrakt, aber doch warm, nicht sperrig oder abweisend.
Wärme ist nicht gerade ein Attribut, das ich spontan der Musik Sessions' bescheinigen würde. Auf mich wirkt sie meist recht spröde. Abweisend wäre vielleicht wirklich zu viel gesagt. Zumindest aber "vollimprägniert", wenn ich es einmal salopp formulieren darf. Schreibt er raschere Tempi, ist es meistenteils kurzgliedrig-wuselnd bis hin zu nähmaschinenhaft. In ruhigeren Passagen erlebe ich selten Atmosphärisches (eine (bedingte) Ausnahme wäre der langsame Mittelsatz der 7. Sinfonie). Im Ganzen aber vermisse ich nachempfindbare Gedanken oder Geschichten, Emotionen Ansprechendes oder gar Evozierendes.
Immerhin nähern sich ruhigere Passagen ab und zu tonalen Zentren - indes ohne sie zu erreichen.

Das bewegtere erste Drittel des Konzerts ist von eben dieser Mischung des Spröden und Wuseligen gekennzeichnet, das in mir Nervosität aufbaut. Die folgenden ruhigeren Abschnitte versinken dann in einem (mir) nichtssagenden Vakuum. Seltsam zufällig und unmotiviert der fahle, leise Ausklang. Als wenn ein Erzähler mitten im Nebensatz abbricht und verstummt.

Ich nehme diese Musik als gesichtslos wahr.
Joe Dvorak (22.02.2024, 02:37):
Roger Sessions

Concerto for Orchestra (1981)
(...)
Ich nehme diese Musik als gesichtslos wahr.
Joe gefällt das - nicht das abschließende Verdikt, sondern die offene Auseinandersetzung mit dem Werk und die nachvollziehbaren Begründungen. So wie ich Cetay kenne, schätzt er genau folgendes an der -von ihm explizit als abstrakt bezeichneten- Musik von Sessions besonders:
Im Ganzen aber vermisse ich nachempfindbare Gedanken oder Geschichten, Emotionen Ansprechendes (...)
Sfantu (22.02.2024, 20:21):
Das abschließende Verdikt schreibt Sfantu voll der Gewissensbisse. Und daher nicht gern.
Und doch hinterläßt die gemeinte Musik genau dieses Hörerleben bei ihm.

Wenn Cetay (inaktiv) Sessions Stil als vergeistigt bis abstrakt, aber doch warm, nicht sperrig oder abweisend charakterisiert und Joe Dvorak mutmaßt, das Fehlen nachempfindbarer Gedanken oder Geschichten und von Emotionen Ansprechendem würde von Cetay (inaktiv) nachgerade geschätzt, dann kommen wir also zu der griffigen Kurzformel

Vergeistigt bis abstrakt aber doch warm, nicht sperrig oder abweisend und löblicherweise ohne nachempfindbare Gedanken oder Geschichten sowie Emotionen Ansprechendes.

Wenn das keinen Grund liefert, Sessions' Orchesterkonzert weitere Chancen einzuräumen, es sich mit der Zeit gewissermaßen zu erarbeiten / zu erhören?!
Das Schicksal des Analphasen-verhafteten, Tonträger liebenden alten weißen Mannes... ;)

Mal im Ernst:
Von ähnlichem Charakter (ähnlich wie bei Sessions) erlebte ich bisher immer die Musiksprache Fartein Valens.
Nachdem ich Sessions' Konzert jetzt wieder hörte, schob ich daher Valens erste Sinfonie nach. Eindrücklich war diese Gegenüberstellung! Trotz des teils nah verwandten Idioms kam bei Valen die zuvor beschworene Wärme sofort zum Tragen. Sein Tonfall ist lyrischer, einladender.
Nun muß sich der Saulus nicht zum Paulus wandeln um mir zu gefallen. Auch darf jedem gewisse Musik fremd bleiben. Doch habe ich es zu oft schon erlebt, daß mir Werke zu gefallen begannen nachdem sie mir früher nicht zusagten.
Für Mahler kann ich solchen Sinneswandel (beinahe) ausschließen.
Sessions aber bleibt im Rennen.
Sfantu (11.05.2024, 09:18):


Isaac Schwartz

"Gelbe Sterne - Purimspiel in einem Ghetto"
Konzert für Orchester in sieben Teilen

Российский национальный оркестр = Russisches Nationalorchester Moskwa - Wladimir Spiwakow
(CD, Capriccio, 2005)

Morgengebet 12'01
Choral und Thema mit Variationen 10'05
Tanz 3'01
Nocturne 6'12
Humoresque 4'24
Abendgebet - Letzte Nacht im Ghetto 8'18
Finale 13'29

Ein Blindkauf, den ich nun im Abstand von 10 Tagen zum zweiten Mal verkoste. Mein Fazit vorab > im besten Falle etwas, das man sich mit der Zeit schön hört. Schwartz war mir bis dato unbekannt. Schostakowitsch förderte den jungen Komponisten (übernahm für ihn sogar die Studiengebühren, was Schwartz erst viele Jahre später erfuhr) und beherbergte ihn zeitweise in seiner Leningrader Wohnung. Schwartz weigerte sich trotz Drohungen während der 1948er Repressionen, Schostakowitsch zu belasten. Nur dieses eine Stück von ihm kennend, sollte ich nicht vorschnell urteilen. Und doch - gerade der Gedanke an Schostakowitsch erinnert an dessen zwei Gesichter: Filmkomponist im Brotberuf, in seinen "absoluten" Werken aber vollkommen anders klingend. Schwartzens Orchesterkonzert dagegen tönt unverkennbar nach Filmmusik. Stilistisch etwa im Jahr 1900 steckengeblieben, kommt eine Mischung aus slawischer Nationalromantik und Doktor Shiwago dabei heraus. Das hat Charme, ist mit großem Können instrumentiert und wirkungsvoll in seinen Stimmungen. Und Werktitel wie Satzüberschriften lassen ja das zugrundeliegende Programm nacherleben. Zu dem Werk inspiriert wurde Schwartz durch die erschütternden Aufzeichnungen einer Insassin des Ghettos von Kaunas.

Was dieses Werk m. E. nicht ist: ein Konzert für Orchester.

Der Gattungsbegriff scheint mir eher willkürlich gewählt. Weder kommt ein konzertierender Charakter zum Tragen noch sind die wenigen Soli nennenswert virtuos. Hier erzählt ein Soundtrack eine tragische Geschichte. Schafft man es, sich von Erwartungen an Musik aus dem Entstehungsjahr 2000 zu lösen, kann man das dennoch mit Gewinn hören. Die klezmeresken Sätze "Tanz" und "Humoresque" könnten auch von Dvořák stammen, vielleicht als "Aschkenasische Tänze" etikettiert. Mehrere Überleitungspassagen sind Fast-Zitate aus Rimskijs Sheherazade.

Rundum gelungene, geschmackvolle Darstellung durch das Moskauer Orchester und Widmungsträger Spiwakow. Guter Klang.