Jeremias (30.03.2006, 16:56): Was haltet Ihr denn von Brendel? Bei ihm habe ich das Gefühl, entweder man schätzt ihn oder man schätzt ihn nicht. So ein Mittelding gibt es da irgendwie nicht. Ich muss zugeben, dass auf mich eher letzteres zutrifft. Seine Programmauswahl ist langweilig, seine Interpretationen sind statisch und langweilig, er holt m.E. aus der Musik viel zu wenig raus. Oder wie seht Ihr das?
Rachmaninov (30.03.2006, 17:06): @Jeremias,
da vertrete ich völlig Deine Ansicht! Seine Programmauswahl ist nicht nur langweilig, sie wiederholt sich auch immer wieder. Wieviele Einspielungen der Beethoven Sonaten / Konzerte will er noch veröffentlichen? Dazu verweigert er sich bestimmt Komponisten, die ohne Zweifel bedeutende Werke für das Klavier komponiert haben, zu spielen. Das Statemenet, er würde bei Beethoven sich immer weiter Entwickeln und Neues entdecken nehme ich ihm nicht ab. Für mich hat diese Auswahl 2 Gründe:
1. Er macht damit gut Geld 2. Er kann anderes gar nicht spielen.
R
Ganong (30.03.2006, 17:10): lieber Jeremia , mit einer kleinen Einschränkung stimme ich mit Dir überein . Als meine Eltern 1961/1962 nach Düsseldorf zogen , spilet Brendel aus seinem ersten Gesamtzyklus der beethoven-Sonaten ( aufgenommen bei VOX ) . da war er noch nicht der "gedankenversunkene Altersweise" , sondern ein Interpret , der in der Nachfolge etwa Schnabels auf eine neue Beethovensicht hoffen liess . Dabei ist es dann leider geblieben . An dem grossen romantischen repertoire spielt er völlig "vorbei" ; dazu zähle ich auch Mussorgsky und Liszts h-Moll-Sonate . Er ist ständig aktuell , weil er der letzte der Berühmten seiner Altersklasse ist . Grüsse , Ganong
Cosima (30.03.2006, 22:02): Als ich mich seinerzeit für Klaviermusik zu interessieren begann, war einer der Ersten, der mir begegnete, Alfred Brendel. Ich hatte einige CDs von ihm, die ich allesamt wieder verkauft habe. Bis auf diese hier:
Enthalten sind Live-Aufnahmen von 4 Schubert-Sonaten. Diese Doppel-CD habe ich aufgehoben, weil sie gelegentlich sehr positiv rezensiert wird und weil sie immer noch sehr teuer ist (aus welchem Grund auch immer). Da ist hin und wieder von „Reife“ und „Altersweisheit“ die Rede – ich kann aber den Hype um Brendel nicht so recht nachvollziehen. Grundsätzlich ist es ja nicht verkehrt, wenn Künstler sich nur ein kleines Repertoire zu Eigen machen, aber so richtig überzeugt hatte mich keine seiner Aufnahmen. Ich kann mich meinen Vorrednern anschließen: Irgendwie finde ich Brendel auch ein wenig langweilig.
Gruß, Cosima
AcomA (30.03.2006, 22:29): hallo alle zusammen,
ich weiß, dass Jeremias brendel nicht mag. überdies schließen sich Sergejewitsch und Ganong und auch Cosima (auch du, mein sohn brutus :rofl) diesem grundtenor über weite strecken an. ich könnte den trend verstärken. ich mach es aber nicht :cool
der junge alfred brendel war ganz und gar nicht langweilig in seinem spiel. meine erste aufnahme waren die klavierkonzerte und der totentanz franz liszts mit einem der großen londoner orchester unter b. haitink. die interpretationen der konzerte waren nicht so übervehement wie bei richter oder janis (beide ebenfalls bei philips) aber durchweg mit eherner technik, überlegenem aufbau und adäquatem schwung. der totentanz gehört IMO zum besten, was ich gehört habe (incl. zimerman, janis oder freire) aber auch in späteren augenblicken, hat brendel seinem temperament freien lauf gelassen: z.b. schuberts wanderer-fantasie in seiner digitalen einspielung. man höre mal die ecksätze, die tempi sind mithin rascher als bei sviatoslav richter. und man hört jede struktur. oder der finalsatz des beethovenschen emperor concertos in der chicago-live-aufnahme mit levine. so tänzerisch-aggressiv kenne ich es nur von der horowitz-aufnahme. und man höre seine damalige einspielung der slawischen tänze dvoraks für vier hände mit walter klien, von langeweile keine spur !
die meisten sind sich einig über seine verdienste in der wiener klassik. daher folgen nun einige ausführliche besprechungen.
man darf sich durch das cover (meine frühere ausgabe ist da besser gelungen) nicht täuschen lassen. das photo zeigt den 'späten' brendel, die aufnahmen stammen jedoch vom gut 30-jährigen pianisten (habe sein geburtsjahr nicht im kopf). nach wiederholtem hören über die letzten jahre komme ich zu dem ergebnis, dass es sich hierbei um eine der besten mozart-platten handelt (piano), die ich hörte. schon die kompositionen sind herausragend: die a-moll sonate vereint dramatik und eleganz, die fantasie steht der c-moll KV 475 in nichts nach, das rondo und die duport-variationen reflektieren mozarts 'spätstil', sofern man davon überhaupt sprechen kann. die duport-variationen warten dabei auch mit technischen finessen auf.
brendels spiel ist pianistisch und musikantisch extrem überlegen. der anschlag ist delikat mit singendem legato-spiel. die linke hand zeigt sich sehr stark und unabhängig. die phrasierungen sind perfekt, sie unterstreichen die einfache melodik und verbreiten charme. die dramatischen steigerungen in den ecksätzen der a-moll sonate sind erheblicher als z.b. bei lipatti und dennoch sprengen sie nicht den intimen charakter. neulich hörte ich den 'starpianisten' yundi li in mülheim mit einer mozart-sonate, ein desaster, wenn man diese brendel-aufnahme vergleichend heranzöge. brendel hat schon damals erkennen lassen, dass er bei edwin fischer gelernt hat, dabei aber halt über eine moderne und ausgereifte manuelle technik verfügt.
ludwig van beethoven diabelli-variationen op. 120
philips, DDD, aufn. 1988
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5033784.jpg
es gibt wohl (zumindest mir nicht bekannt) keinen pianisten, der beethovens diabelli-variationen dreimal auf tonträger eingespielt hat, außer eben alfred brendel (und daniel barenboim). bei vanguard hatte er sie in den 60er jahren, bei philips anfang der 80er jahre als live-mitschnitt und eben diese zuletzt 1988 als studio-interpretation aufgenommen. insgesamt gibt es einige wertvolle aufnahmen des werkes (barenboim, serkin, gulda). diese brendel-aufnahme ist pianistisch perfekt ! zum einen erzeugt hier brendel einen hohen grad an verinnerlichung zum anderen gelingt es ihm, die grotesk-komischen passagen (oder wie er es nennt, das 'umgekehrt erhabene') herauszuarbeiten. z.b. besteht die außerordentliche kunst brendels darin, den erhabenen höhepunkt herrlich gesungen und verinnerlicht zu spielen (var. 24, fughetta/andante) ohne dabei zu langsam zu werden und in ein adagio zu fallen, wie es viele machen. und dann beschwört er geradezu gelächterartige klangspiele (var. 16, 17, 23 und vor allem 27 !). die vorletzte variation, eine großartige fuge, wird mit der erforderlichen vehemenz und zielstrebigkeit dargeboten. großartiges beethovenspiel basierend auf 30 jahre erfahrung. IMO verfolgt einzig die aktuelle einspielung nikolai demidenkos diesen interpretationsansatz.
ludwig van beethoven klaviersonaten op. 109, 110 und 111
philips, DDD 90er
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7819346.jpg
in dieser musik steckt etwas aufrichtiges und sehr erhabenes. es ist letztlich schwer in worte zu fassen. werke, womit sich ein interpret und auch der hörer ein leben lang beschäftigen kann. brendel hat ja die sonaten auch dreimal eingespielt. organischer wird man diese werke nicht bekommen. beeindruckend auch die kraft, die diesem pianisten zur verfügung steht. im finale des abschließenden variationssatz von op. 109 meißelt er die melodie über den trillerketten mit dem kleinen finger der rechten hand regelrecht heraus. auch der impetus im kopfsatz von op. 111 ist grandios bis wild. eingestandener maßen wird man den arietta-satz des op. 111 detailfreudiger und ätherischer bekommen, z.b. von ABM oder ivo pogorelich.
es gibt auch viele, die sein schubert-spiel schätzen. auf die wanderer-fantasie habe ich schon hingewiesen, auch z,b, schuberts letzte sonate b-dur D 960 bringt er überlegen im aufbau, organisch. wie viele meidet er die wiederholung der exposition im kopfsatz. aber da gibt es markantere interpretationen, dass will ich zugeben.
alles in allem bin ich kein brendel-fan, aber was er exzellent beherrscht, das gefällt mir sehr. hinzu kommt seine intellektualität. hier ist jemand, der begründen kann, warum er etwas wie macht ! sehr lohnenswert sind auch seine abhandlungen, z.b.
ich habe brendel nie live erlebt. dafür einige male in fernsehmitschnitten. annees de pelerinage (liszt) und neulich eine live-übertragung aus luzern mit dem dritten beethovenkonzert unter abbado. weltklasse !
gruß, siamak :engel
Cosima (30.03.2006, 22:42): Original von AcomA es gibt wohl (zumindest mir nicht bekannt) keinen pianisten, der beethovens diabelli-variationen dreimal auf tonträger eingespielt hat, außer eben alfred brendel (und daniel barenboim). bei vanguard hatte er sie in den 60er jahren, bei philips anfang der 80er jahre als live-mitschnitt und eben diese zuletzt 1988 als studio-interpretation aufgenommen. insgesamt gibt es einige wertvolle aufnahmen des werkes (barenboim, serkin, gulda). diese brendel-aufnahme ist pianistisch perfekt !
Hallo Siamak,
sehr interessanter Beitrag zu Brendel. Ich ertappe mich dabei, dass ich diesem Pianisten nicht ganz vorurteilsfrei gegenüber bin; ich mag ich ihn nicht so recht. Ich würde ihm aber nochmals eine Chance geben, vielleicht hatte ich seinerzeit einfach die falschen Aufnahmen. Seine Diabelli-Variationen würden mich schon interessieren. Vielleicht wäre ein eigener Thread dazu besser, aber was hältst Du (oder Ihr) von Scherbakows Aufnahme bei Naxos? Da ich sie für sehr gut halte, würde ich gerne wissen, wie Du sie im Vergleich zu Brendel siehst bzw. hörst.
Gruß, Brutus :D
AcomA (30.03.2006, 23:17): liebe Cosima,
also bei deiner frage tue ich mich einfach: scherbakov hat bei den variationen gegen brendel keine chance ! es fängt schon mit dem thema an. so behäbig wie bei scherbakov hab ich es noch nie zuvor gehört. dann schon eher den auch ziemlich neutralen alfredo perl. gewichtige alternativen, die ich kenne: demidenko, serkin oder gulda (mit abstrichen in den langsamen variationen). IMO bleibt brendel hier top of the top !
gruß, siamak :)
Cosima (30.03.2006, 23:22): Okay, Siamak, dann setze ich den Herrn Brendel mit seinen Diabelli-Var. mal auf meine Liste für die nächste Bestellung.
Gruß, Cosima
AcomA (30.03.2006, 23:29): Cosima,
wolltest du nicht vorher den rachmaninov mit berezovsky besorgen ?( :rofl
gruß, siamak :)
Ganong (31.03.2006, 11:35): Liebe Cosima , lieber Siamak , Brendels Interpretation ( die späte ) ist eine der herausragenden . Brendel selbst , ich muss mich wiederholen , unbedingt Artur Schnabel zu hören ( im positivsten Sinn ! ) . Und dann gibt es noch , neben anderen Aufnahmen , die mit S Richter aus Prag ( Label : Praga ) und die mit Maria Yudina ( in "Great Pianists of the Century" ) . Der ( frühere ) Rummel um Scherbakow scheint mir völlig überzogen zu sein . Grüsse , Ganong
Jeremias (31.03.2006, 11:42): Was die Diabelli-Variationen angeht, so habe ich 3 absolute Favoriten: Sokolov, Pollini und Korstick, wobei ich in letzter CD bisher nur bei Saturn reingehört habe. Alle sind auf ihre Art eigen und Brendel in allen Belangen überlegen. Auch in seine Aufnahmen habe ich reingehört. Ich fand auch diese einfach nur langweilig....
Zelenka (31.03.2006, 13:37): Siamaks Fürsprache zugunsten von Brendels Diabelli-Variationen kann ich nur beipflichten, im Laufe der Jahre sind einige Versuche anderer Pianisten in meine Sammlung gelangt - und schnell wieder gegangen. Behalten habe ich nur Schnabel, Bishop/Kovacevich und eben Brendel. Trotz der fast allgemeinen Feindschaft gegenüber Brendel im Forum gestatte ich mir wenigstens auf zwei andere gelungene Einspielungen Brendels hinzuweisen: zum einen das 1. Brahmskonzert mit dem Concertgebouw unter Schmdt-Isserstedt, zum anderen seine vier CDs mit Haydn-Sonaten. Eine alte Weisheit besagt, daß Haydn Gift für Absatz- und Konzertbesucherzahlen sei (Haydn geht nur, wenn man 14 CDs Sonaten auf dem Cembalo/Hammerklavier (!) in eine Box steckt und für EUR 16.99 bis 19.99 verkauft), Brendel hat sich davon immerhin nicht abschrecken lassen. (Richter mochte übrigens auch Haydn.) Auch in dieser Hinsicht ist sein Repertoire zumindest dann doch nicht so beschränkt, Wilhelm Kempffs Bandbreite war z.B. noch weitaus enger. Und wenn man seine Wohnung im Klavierolymp bezieht, kann man sich eben auf das konzentrieren, was einem wichtig ist. Brendel kann nach eigener Aussage gut ohne die Russen (incl.- leider für viele hier - Rachmaninov) leben. Sein Bier oder was immer er trinken mag.
Gruß,
Zelenka
Cosima (31.03.2006, 13:58): Original von AcomA wolltest du nicht vorher den rachmaninov mit berezovsky besorgen ?( :rofl
Hallo Siamak,
ja, das wollte ich und werde ich auch noch, aber nicht vorher. Aber der Berezovsky ist Hochpreis und derzeit auch noch nicht günstiger aus dem Ausland zu beziehen. Hochpreis-CD kaufe ich nur in Ausnahmefällen. Rachmaninov-Konzerte habe ich im Grunde auch genug, die Diabelli-Variationen kenne ich nur von Richter und Scherbakow. Also muss erst einmal der Herr Brendel her, weil ich eh nur noch nur die Schubert-Aufnahmen von ihm habe.
So ist das…
Gruß, Cosima
AcomA (31.03.2006, 16:13): liebr Jeremias,
ich befürchte, dass du hier nicht ganz objektiv urteilst, wenn du behauptest, dass alle drei brendel deutlich überlegen wären, und dann noch in allen belangen. ich kenne pollinis und korsticks beethovenspiel, und von deutlicher überlegenheit kann hier IMO nicht die rede sein. es gibt langeweile bei brendel, aber nicht in seiner interpretation der diabelli-variationen.
gruß, siamak :)
Tangua (31.03.2006, 21:21): ... sollen wir nicht doch einen eigenen Thread zu den Diabelli-Variationen...? Ich muss nochmals auf Cosimas Erwähnung der Scherbakov-Einspielung zurückkommen: Mir war gar nicht bekannt, dass um ihn auch mal Rummel gemacht wurde, wahrscheinlich so a la Lang Lang?! Ich habe vor einiger Zeit die Diabelli-Variationen gekauft und zuvor, sogut das bei Saturn geht, vergleichend gehört: Perl, Mustonen, die letze Brendel-Einspielung und , ich glaube, Sokolov. Ich habe dieses Probehören mehrfach exerziert und mich letztlich für Scherbakov entschieden, weil ich seine Einspielung am gewitztesten, schwungvollsten und kraftvollsten fand. So sind halt die Geschmäcker verschieden..., wenn ich mich recht erinnere, folgten in meiner kleinen Rangliste nach Scherbakov Sokolov und Brendel.
Moritz (01.04.2006, 14:16): Hallo,
ich stehe Brendel auch etws zwiespältig gegenüber. Durch ihn und einige seiner Beethoven-Aufnahmen bin ich zur klassischen Musik gekommen, und allein dafür schätze ich ihn sehr. Seine Aufnahmen der Klavierkonzerte gefallen mir immer noch sehr gut, auch, die von Siamak genannten Diabelli-Variationen und zT sein Schubert. Auch das was mir von ihm eher nicht so liegt (natürlich ist sein Liszt eher mäßig, er ist ist finde ich allein vom 'Typ' kein Liszt-Spieler) ist glaube ich nie belanglos oder indifferent gespielt. Dafür, das er fast das ganze romantische Repertoire vernachlässigt, gibt er ja auch aus seiner Sicht gute Gründe an, die kann man akzeptieren oder nicht.
Allerdings möchte ich widersprechen, wenn es heisst, das Brendels (wohlverdiente) Popularität lediglich auf sein Alter oder seine 'Generation' zurückgeführt wird. Ich glaube, dass er immer noch ein aussergewöhnlicher Pianist ist.
Und ich habe nächsten Mittwoch das Vergnügen ihn live zu sehen...
Viele Grüsse, Moritz
Liszt-Lover (01.04.2006, 18:27): in irgendeinem Magazin, das mir letztens auf den Schreibtisch kam las ich etwas ähnliches: Boris Berezovsky meinte in einem Interview, dass er die Deutschen nicht verstehe, dass sie Brendel gut finden würden. Mir gefällt es zwar nicht, wenn man sich Kollegen betreffend in der öffentlichkeit so äußert - egal ob man recht hat oder nicht. Was ich von Brendel schätze liegt mir aber gerade was die Stücke angeht besonders am Herzen:
frühe Aufnahmen mit Mozart (Sonaten, Fantasien) und Schubert (Impromptus und Sonaten).
Rachmaninov (01.04.2006, 18:33): Original von Liszt-Lover in irgendeinem Magazin, das mir letztens auf den Schreibtisch kam las ich etwas ähnliches: Boris Berezovsky meinte in einem Interview, dass er die Deutschen nicht verstehe, dass sie Brendel gut finden würden.
Hallo Liszt-Vover,
falls Du Dich erinnerst würde mich die genaue Aussage Berezovsky's interessieren!
Liszt-Lover (01.04.2006, 19:58): sop, bin eben schnell noch zur mülltonne um das magazin zu holen:
zu Brendels Diabelli-Variationen (danke für den Tipp!):
Ich bin ganz hingerissen! Brendel gibt die vielfältigen Charaktere der Variationen unglaublich perfekt wieder, er beherrscht sämtliche Ausdrucksvarianten scheinbar mühelos: „presto“ in der 10. Var. mal flüchtig, in der 19. wiederum vorwärts drängend. Freudige Aufgewühltheit in der 16. Var., Zartheit in der 24., sprudelnde Wildheit in der 17. und 27. Die 15. Var. scherzend und rasant… etc.
Das ist faszinierend! :down
Aber das Dollste ist für mich schon die Vorstellung des Themas! Als ich die CD einlegte, musste ich nach wenigen Takten unwillkürlich lächeln. Brendel spielt sie genau so, wie ich mir Beethoven nach Beendigung seiner Arbeit vorstelle. Beethoven lehnte ja zunächst die Aufforderung seines Verlegers ab, geriet aber dann wohl in einen richtigen Schaffensrausch. Es musste ihm aufgegangen sein, was man aus dem einfachen Material alles machen könne, und hier hört man ihn durch Brendel, wie er sagt: „Wertlos, ja! Aber gleich könnt ihr mal erleben, was ich aus so einem belanglosen Fetzen alles machen kann!“ Das genau ist mein Gefühl schon in der Vorstellung des Walzer-Themas; so eine Art triumphierende und schmunzelnde Gewissheit, dass er mit seinem Variationszyklus allen gezeigt hat, was in ihm steckt. Ganz herrlich, wie Brendel das hörbar macht!
Jetzt im Vergleich muss ich sagen, dass sich Scherbakow scheinbar auf einen grimmigen Beethoven fixiert hat und fast verkniffen und bemüht wirkt. Von Richter reden wir mal gar nicht, der überzeugt mich hier auch nicht. Ehrlich gesagt habe ich durch Brendel dieses Werk erst in seiner Größe erfasst (einigermaßen zumindest). Nicht nur, dass jede Variation für sich genommen durch Brendel zu einem Juwel wird; darüber hinaus wirkt der ganze Zyklus wie aus einem Guss, kommt mit der letzten Variation zu einem wundervollen Abschluss, indem er mit einer ähnlichen – aber dieses Mal erhabenen und ruhigen – Gewissheit ausklingt, wie er begonnen hat. Applaus!
Gruß, Cosima :)
AcomA (03.04.2006, 20:26): liebe Cosima,
sag ich doch :leb
mein damaliger ausbilder und oberarzt sagte in solchen situationen: 'hör einfach immer auf papa !' (kleiner scherz) :cool
gruß, siamak :engel
Cosima (03.04.2006, 20:31): Original von AcomA 'hör einfach immer auf papa !'
Ist okay, Daddy! :rofl
Sollte ich mir sonst noch etwas unbedingt von Brendel anhören? Die Schubert-Sonaten verkaufe ich nämlich gerade, und dann habe ich wieder nur eine einzige CD von ihm im Regal. :D
Lieben Gruß, Cosima
AcomA (03.04.2006, 21:57): liebe Cosima und alle anderen, brendel-ablehner oder protagonisten,
es gibt noch eine aufnahme von ihm, die ich wärmstens empfehlen kann. ich kenne sie seit meiner schulzeit.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5006521.jpg
neben den sehr bekannten werken sind noch einige präludien und fugen mit großem klanglichen spektrum sowie zwei der schönsten bach-busoni choralbearbeitungen dabei (horowitz hat sie auch gerne gespielt). die aufnahmen stammen von mitte der 70er jahre.
brendel hat sich in einem interview darüber geäußert. er nutzt die möglichkeiten des modernen flügels aus, nimmt also auch pedal. trotzdem bleiben die interpretationen sehr transparent. extraordinär, wie er das italienische konzert und die chrom- fantasie und fuge demonstriert. nahezu meditativ an den ruhenden polen. überlegter aufbau, ein großes 'atmen uns singen', dann wieder der klang von orgel-dimension. diese letztlich romantisierende haltung hat er von seinem lehrer edwin fischer übernommen. heutzutage spielt natürlich sonst niemand so bach. die ecksätze des ital. konzerts kommen so duftig und zart, wie ich sie sonst nicht kenne.
gruß, siamak :engel
Moritz (12.04.2006, 22:37): Hallo,
an dieser Stelle ein kleiner Bericht über mein Live-Erlebnis mit Alfred Brendel in der Philharmonie Berlin am vergangenen Mittwoch (ich weiss nicht, ob es bereits einen Thread über besuchte Konzerte gibt).
Gleich vorweg das Konzert war fantastisch. Brendel hat einen wundervollen Ton, er spielte höchst differenziert und sein Spiel versprühte einen eleganten Charme und wundervolle Leichtigkeit. Ich habe live noch kein besseres Klavierspiel erlebt, obwohl mir das Programm nicht gerade 'lag'. Mit Haydns Musik habe ich einfach meine Schwierigkeiten, anmassend formuliert tendiert sie sehr oft dazu mich zu langweilen. So war die erste gespielte Sonate für mich noch nicht gerade umwerfend. Aber wie änderte sich das mit Schuberts G-dur Sonate D 894. Ich habe wirklich noch nichts besseres gehört. Auch der Rest des Programms war extrem gut, aber die Schubert Sonate und aus ihr vor allem der zweite Satz war einfach magisch. Dies war das ganze Programm:
PHILHARMONIE Mi 5. April 2006 20 Uhr Klavierabend Alfred Brendel KLAVIER Joseph Haydn Klaviersonate D-Dur Hob. XVI:42 Klaviersonate C-Dur Hob. XVI:50 Franz Schubert Klaviersonate Nr. 18 G-Dur D 894 Wolfgang Amadeus Mozart Fantasie c-Moll KV 475 Rondo a-Moll KV 511
Anmerken will ich noch, das die ganzen Geschichten, die ich vorher über Brendel gehört und gelesen hatte, nicht zutreffen, wie zB. dich vertapte Finger oder strafende oder wütende Blicke in Richtung des Publikums oder extreme und übertriebene Mimik.
Ein grossartiges Konzert von einem grossen Künstler. Es lohnt garantiert, ihn live zu sehen.
Liebe Grüsse, Moritz
Cosima (20.04.2006, 16:41): Nur eine kleine Rückmeldung wegen Brendel und seiner Bach-Aufnahme:
Das war ein guter Tipp von Dir, Siamak! Wenn sie mich auch nicht so begeistert und restlos überzeugt wie seine Diabelli-Variationen, ist das doch eine sehr schöne, mit Wärme und Innigkeit gespielte Aufnahme des Ital. Konzertes. Du schriebst: „dann wieder der klang von orgel-dimension“. Ja, das fiel mir auch sehr angenehm auf! Ich werde langsam zum richtigen Brendel-Fan… hätte ich mal nur nicht die alten Aufnahmen alle längst verkauft. Diesen "eleganten Charme" und die Leichtigkeit, wie Moritz sie in seinem Live-Konzert erlebte, wusste ich vielleicht früher gar nicht so zu schätzen.
Gruß, Cosima :)
daniel5993 (20.12.2007, 19:34): Möchte diesen Thread ans Tageslicht holen, weil ich denke, dass Brendel nicht in einen Kellerthread gehört! Das ist eine Schande :J! Sein Mozart ist herrlich (Kenne aber noch nicht alles von Ihm von Mozart, habs mir aber gekauft und werd bei Gelegenhait berichten!) Sein Beethoven ist zum Niederknien, aber auch da werd ich noch genauer werden.
Jetzt erstmal, um diesen Thread aus dem Dunkel zu holen ein Video von YouTube.
Beethoven Six Bagatelles for Piano Op.126 No.2 & 3
Gruß Daniel :hello
Rachmaninov (21.12.2007, 09:20): Original von daniel5993 Möchte diesen Thread ans Tageslicht holen, weil ich denke, dass Brendel nicht in einen Kellerthread gehört! Das ist eine Schande :J! Sein Mozart ist herrlich (Kenne aber noch nicht alles von Ihm von Mozart, habs mir aber gekauft und werd bei Gelegenhait berichten!) Sein Beethoven ist zum Niederknien, aber auch da werd ich noch genauer werden.
Jetzt erstmal, um diesen Thread aus dem Dunkel zu holen ein Video von YouTube.
Beethoven Six Bagatelles for Piano Op.126 No.2 & 3
Gruß Daniel :hello
Tja, Daniel, glaube Brendel polarisiert. Man mag ihn oder lehnt ihn ab, wie ich es tue...
Cetay (inaktiv) (21.12.2007, 09:52): Original von Rachmaninov Original von daniel5993 Möchte diesen Thread ans Tageslicht holen, weil ich denke, dass Brendel nicht in einen Kellerthread gehört! Das ist eine Schande :J! Sein Mozart ist herrlich (Kenne aber noch nicht alles von Ihm von Mozart, habs mir aber gekauft und werd bei Gelegenhait berichten!) Sein Beethoven ist zum Niederknien, aber auch da werd ich noch genauer werden.
Jetzt erstmal, um diesen Thread aus dem Dunkel zu holen ein Video von YouTube.
Beethoven Six Bagatelles for Piano Op.126 No.2 & 3
Gruß Daniel :hello
Tja, Daniel, glaube Brendel polarisiert. Man mag ihn oder lehnt ihn ab, wie ich es tue...
Ich finde bei weniger versierten Klaviermusikhörern ist er eher in der Mitte anzusiedeln. Als ich in die Klaviermusik eingestiegen bin, riet mir der CD-Dealer meines Vertrauens: "Mit Brendel kann man nichts falsch machen". Und das trifft es ganz gut. Es gibt sicher Interpreten, die in Einzelkriterien mehr zu bieten haben, aber genau so schnell kann das ins Nervige abdriften, was ich bei Brendel nie feststelle. Ob Mozart, Beethoven oder Schubert (die "alten" Aufnahmen), es klingt eigentlich immer differenziert und spannend ohne irgendetwas künstliches. Für mich als ausdrücklichen Klaviermusik-Gelegenheitshörer ist das völliig befriedigend.
Jeremias (30.03.2006, 16:56): Was haltet Ihr denn von Brendel? Bei ihm habe ich das Gefühl, entweder man schätzt ihn oder man schätzt ihn nicht. So ein Mittelding gibt es da irgendwie nicht. Ich muss zugeben, dass auf mich eher letzteres zutrifft. Seine Programmauswahl ist langweilig, seine Interpretationen sind statisch und langweilig, er holt m.E. aus der Musik viel zu wenig raus. Oder wie seht Ihr das?
Rachmaninov (30.03.2006, 17:06): @Jeremias,
da vertrete ich völlig Deine Ansicht! Seine Programmauswahl ist nicht nur langweilig, sie wiederholt sich auch immer wieder. Wieviele Einspielungen der Beethoven Sonaten / Konzerte will er noch veröffentlichen? Dazu verweigert er sich bestimmt Komponisten, die ohne Zweifel bedeutende Werke für das Klavier komponiert haben, zu spielen. Das Statemenet, er würde bei Beethoven sich immer weiter Entwickeln und Neues entdecken nehme ich ihm nicht ab. Für mich hat diese Auswahl 2 Gründe:
1. Er macht damit gut Geld 2. Er kann anderes gar nicht spielen.
R
Ganong (30.03.2006, 17:10): lieber Jeremia , mit einer kleinen Einschränkung stimme ich mit Dir überein . Als meine Eltern 1961/1962 nach Düsseldorf zogen , spilet Brendel aus seinem ersten Gesamtzyklus der beethoven-Sonaten ( aufgenommen bei VOX ) . da war er noch nicht der "gedankenversunkene Altersweise" , sondern ein Interpret , der in der Nachfolge etwa Schnabels auf eine neue Beethovensicht hoffen liess . Dabei ist es dann leider geblieben . An dem grossen romantischen repertoire spielt er völlig "vorbei" ; dazu zähle ich auch Mussorgsky und Liszts h-Moll-Sonate . Er ist ständig aktuell , weil er der letzte der Berühmten seiner Altersklasse ist . Grüsse , Ganong
Cosima (30.03.2006, 22:02): Als ich mich seinerzeit für Klaviermusik zu interessieren begann, war einer der Ersten, der mir begegnete, Alfred Brendel. Ich hatte einige CDs von ihm, die ich allesamt wieder verkauft habe. Bis auf diese hier:
Enthalten sind Live-Aufnahmen von 4 Schubert-Sonaten. Diese Doppel-CD habe ich aufgehoben, weil sie gelegentlich sehr positiv rezensiert wird und weil sie immer noch sehr teuer ist (aus welchem Grund auch immer). Da ist hin und wieder von „Reife“ und „Altersweisheit“ die Rede – ich kann aber den Hype um Brendel nicht so recht nachvollziehen. Grundsätzlich ist es ja nicht verkehrt, wenn Künstler sich nur ein kleines Repertoire zu Eigen machen, aber so richtig überzeugt hatte mich keine seiner Aufnahmen. Ich kann mich meinen Vorrednern anschließen: Irgendwie finde ich Brendel auch ein wenig langweilig.
Gruß, Cosima
AcomA (30.03.2006, 22:29): hallo alle zusammen,
ich weiß, dass Jeremias brendel nicht mag. überdies schließen sich Sergejewitsch und Ganong und auch Cosima (auch du, mein sohn brutus :rofl) diesem grundtenor über weite strecken an. ich könnte den trend verstärken. ich mach es aber nicht :cool
der junge alfred brendel war ganz und gar nicht langweilig in seinem spiel. meine erste aufnahme waren die klavierkonzerte und der totentanz franz liszts mit einem der großen londoner orchester unter b. haitink. die interpretationen der konzerte waren nicht so übervehement wie bei richter oder janis (beide ebenfalls bei philips) aber durchweg mit eherner technik, überlegenem aufbau und adäquatem schwung. der totentanz gehört IMO zum besten, was ich gehört habe (incl. zimerman, janis oder freire) aber auch in späteren augenblicken, hat brendel seinem temperament freien lauf gelassen: z.b. schuberts wanderer-fantasie in seiner digitalen einspielung. man höre mal die ecksätze, die tempi sind mithin rascher als bei sviatoslav richter. und man hört jede struktur. oder der finalsatz des beethovenschen emperor concertos in der chicago-live-aufnahme mit levine. so tänzerisch-aggressiv kenne ich es nur von der horowitz-aufnahme. und man höre seine damalige einspielung der slawischen tänze dvoraks für vier hände mit walter klien, von langeweile keine spur !
die meisten sind sich einig über seine verdienste in der wiener klassik. daher folgen nun einige ausführliche besprechungen.
man darf sich durch das cover (meine frühere ausgabe ist da besser gelungen) nicht täuschen lassen. das photo zeigt den 'späten' brendel, die aufnahmen stammen jedoch vom gut 30-jährigen pianisten (habe sein geburtsjahr nicht im kopf). nach wiederholtem hören über die letzten jahre komme ich zu dem ergebnis, dass es sich hierbei um eine der besten mozart-platten handelt (piano), die ich hörte. schon die kompositionen sind herausragend: die a-moll sonate vereint dramatik und eleganz, die fantasie steht der c-moll KV 475 in nichts nach, das rondo und die duport-variationen reflektieren mozarts 'spätstil', sofern man davon überhaupt sprechen kann. die duport-variationen warten dabei auch mit technischen finessen auf.
brendels spiel ist pianistisch und musikantisch extrem überlegen. der anschlag ist delikat mit singendem legato-spiel. die linke hand zeigt sich sehr stark und unabhängig. die phrasierungen sind perfekt, sie unterstreichen die einfache melodik und verbreiten charme. die dramatischen steigerungen in den ecksätzen der a-moll sonate sind erheblicher als z.b. bei lipatti und dennoch sprengen sie nicht den intimen charakter. neulich hörte ich den 'starpianisten' yundi li in mülheim mit einer mozart-sonate, ein desaster, wenn man diese brendel-aufnahme vergleichend heranzöge. brendel hat schon damals erkennen lassen, dass er bei edwin fischer gelernt hat, dabei aber halt über eine moderne und ausgereifte manuelle technik verfügt.
ludwig van beethoven diabelli-variationen op. 120
philips, DDD, aufn. 1988
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5033784.jpg
es gibt wohl (zumindest mir nicht bekannt) keinen pianisten, der beethovens diabelli-variationen dreimal auf tonträger eingespielt hat, außer eben alfred brendel (und daniel barenboim). bei vanguard hatte er sie in den 60er jahren, bei philips anfang der 80er jahre als live-mitschnitt und eben diese zuletzt 1988 als studio-interpretation aufgenommen. insgesamt gibt es einige wertvolle aufnahmen des werkes (barenboim, serkin, gulda). diese brendel-aufnahme ist pianistisch perfekt ! zum einen erzeugt hier brendel einen hohen grad an verinnerlichung zum anderen gelingt es ihm, die grotesk-komischen passagen (oder wie er es nennt, das 'umgekehrt erhabene') herauszuarbeiten. z.b. besteht die außerordentliche kunst brendels darin, den erhabenen höhepunkt herrlich gesungen und verinnerlicht zu spielen (var. 24, fughetta/andante) ohne dabei zu langsam zu werden und in ein adagio zu fallen, wie es viele machen. und dann beschwört er geradezu gelächterartige klangspiele (var. 16, 17, 23 und vor allem 27 !). die vorletzte variation, eine großartige fuge, wird mit der erforderlichen vehemenz und zielstrebigkeit dargeboten. großartiges beethovenspiel basierend auf 30 jahre erfahrung. IMO verfolgt einzig die aktuelle einspielung nikolai demidenkos diesen interpretationsansatz.
ludwig van beethoven klaviersonaten op. 109, 110 und 111
philips, DDD 90er
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7819346.jpg
in dieser musik steckt etwas aufrichtiges und sehr erhabenes. es ist letztlich schwer in worte zu fassen. werke, womit sich ein interpret und auch der hörer ein leben lang beschäftigen kann. brendel hat ja die sonaten auch dreimal eingespielt. organischer wird man diese werke nicht bekommen. beeindruckend auch die kraft, die diesem pianisten zur verfügung steht. im finale des abschließenden variationssatz von op. 109 meißelt er die melodie über den trillerketten mit dem kleinen finger der rechten hand regelrecht heraus. auch der impetus im kopfsatz von op. 111 ist grandios bis wild. eingestandener maßen wird man den arietta-satz des op. 111 detailfreudiger und ätherischer bekommen, z.b. von ABM oder ivo pogorelich.
es gibt auch viele, die sein schubert-spiel schätzen. auf die wanderer-fantasie habe ich schon hingewiesen, auch z,b, schuberts letzte sonate b-dur D 960 bringt er überlegen im aufbau, organisch. wie viele meidet er die wiederholung der exposition im kopfsatz. aber da gibt es markantere interpretationen, dass will ich zugeben.
alles in allem bin ich kein brendel-fan, aber was er exzellent beherrscht, das gefällt mir sehr. hinzu kommt seine intellektualität. hier ist jemand, der begründen kann, warum er etwas wie macht ! sehr lohnenswert sind auch seine abhandlungen, z.b.
ich habe brendel nie live erlebt. dafür einige male in fernsehmitschnitten. annees de pelerinage (liszt) und neulich eine live-übertragung aus luzern mit dem dritten beethovenkonzert unter abbado. weltklasse !
gruß, siamak :engel
Cosima (30.03.2006, 22:42): Original von AcomA es gibt wohl (zumindest mir nicht bekannt) keinen pianisten, der beethovens diabelli-variationen dreimal auf tonträger eingespielt hat, außer eben alfred brendel (und daniel barenboim). bei vanguard hatte er sie in den 60er jahren, bei philips anfang der 80er jahre als live-mitschnitt und eben diese zuletzt 1988 als studio-interpretation aufgenommen. insgesamt gibt es einige wertvolle aufnahmen des werkes (barenboim, serkin, gulda). diese brendel-aufnahme ist pianistisch perfekt !
Hallo Siamak,
sehr interessanter Beitrag zu Brendel. Ich ertappe mich dabei, dass ich diesem Pianisten nicht ganz vorurteilsfrei gegenüber bin; ich mag ich ihn nicht so recht. Ich würde ihm aber nochmals eine Chance geben, vielleicht hatte ich seinerzeit einfach die falschen Aufnahmen. Seine Diabelli-Variationen würden mich schon interessieren. Vielleicht wäre ein eigener Thread dazu besser, aber was hältst Du (oder Ihr) von Scherbakows Aufnahme bei Naxos? Da ich sie für sehr gut halte, würde ich gerne wissen, wie Du sie im Vergleich zu Brendel siehst bzw. hörst.
Gruß, Brutus :D
AcomA (30.03.2006, 23:17): liebe Cosima,
also bei deiner frage tue ich mich einfach: scherbakov hat bei den variationen gegen brendel keine chance ! es fängt schon mit dem thema an. so behäbig wie bei scherbakov hab ich es noch nie zuvor gehört. dann schon eher den auch ziemlich neutralen alfredo perl. gewichtige alternativen, die ich kenne: demidenko, serkin oder gulda (mit abstrichen in den langsamen variationen). IMO bleibt brendel hier top of the top !
gruß, siamak :)
Cosima (30.03.2006, 23:22): Okay, Siamak, dann setze ich den Herrn Brendel mit seinen Diabelli-Var. mal auf meine Liste für die nächste Bestellung.
Gruß, Cosima
AcomA (30.03.2006, 23:29): Cosima,
wolltest du nicht vorher den rachmaninov mit berezovsky besorgen ?( :rofl
gruß, siamak :)
Ganong (31.03.2006, 11:35): Liebe Cosima , lieber Siamak , Brendels Interpretation ( die späte ) ist eine der herausragenden . Brendel selbst , ich muss mich wiederholen , unbedingt Artur Schnabel zu hören ( im positivsten Sinn ! ) . Und dann gibt es noch , neben anderen Aufnahmen , die mit S Richter aus Prag ( Label : Praga ) und die mit Maria Yudina ( in "Great Pianists of the Century" ) . Der ( frühere ) Rummel um Scherbakow scheint mir völlig überzogen zu sein . Grüsse , Ganong
Jeremias (31.03.2006, 11:42): Was die Diabelli-Variationen angeht, so habe ich 3 absolute Favoriten: Sokolov, Pollini und Korstick, wobei ich in letzter CD bisher nur bei Saturn reingehört habe. Alle sind auf ihre Art eigen und Brendel in allen Belangen überlegen. Auch in seine Aufnahmen habe ich reingehört. Ich fand auch diese einfach nur langweilig....
Zelenka (31.03.2006, 13:37): Siamaks Fürsprache zugunsten von Brendels Diabelli-Variationen kann ich nur beipflichten, im Laufe der Jahre sind einige Versuche anderer Pianisten in meine Sammlung gelangt - und schnell wieder gegangen. Behalten habe ich nur Schnabel, Bishop/Kovacevich und eben Brendel. Trotz der fast allgemeinen Feindschaft gegenüber Brendel im Forum gestatte ich mir wenigstens auf zwei andere gelungene Einspielungen Brendels hinzuweisen: zum einen das 1. Brahmskonzert mit dem Concertgebouw unter Schmdt-Isserstedt, zum anderen seine vier CDs mit Haydn-Sonaten. Eine alte Weisheit besagt, daß Haydn Gift für Absatz- und Konzertbesucherzahlen sei (Haydn geht nur, wenn man 14 CDs Sonaten auf dem Cembalo/Hammerklavier (!) in eine Box steckt und für EUR 16.99 bis 19.99 verkauft), Brendel hat sich davon immerhin nicht abschrecken lassen. (Richter mochte übrigens auch Haydn.) Auch in dieser Hinsicht ist sein Repertoire zumindest dann doch nicht so beschränkt, Wilhelm Kempffs Bandbreite war z.B. noch weitaus enger. Und wenn man seine Wohnung im Klavierolymp bezieht, kann man sich eben auf das konzentrieren, was einem wichtig ist. Brendel kann nach eigener Aussage gut ohne die Russen (incl.- leider für viele hier - Rachmaninov) leben. Sein Bier oder was immer er trinken mag.
Gruß,
Zelenka
Cosima (31.03.2006, 13:58): Original von AcomA wolltest du nicht vorher den rachmaninov mit berezovsky besorgen ?( :rofl
Hallo Siamak,
ja, das wollte ich und werde ich auch noch, aber nicht vorher. Aber der Berezovsky ist Hochpreis und derzeit auch noch nicht günstiger aus dem Ausland zu beziehen. Hochpreis-CD kaufe ich nur in Ausnahmefällen. Rachmaninov-Konzerte habe ich im Grunde auch genug, die Diabelli-Variationen kenne ich nur von Richter und Scherbakow. Also muss erst einmal der Herr Brendel her, weil ich eh nur noch nur die Schubert-Aufnahmen von ihm habe.
So ist das…
Gruß, Cosima
AcomA (31.03.2006, 16:13): liebr Jeremias,
ich befürchte, dass du hier nicht ganz objektiv urteilst, wenn du behauptest, dass alle drei brendel deutlich überlegen wären, und dann noch in allen belangen. ich kenne pollinis und korsticks beethovenspiel, und von deutlicher überlegenheit kann hier IMO nicht die rede sein. es gibt langeweile bei brendel, aber nicht in seiner interpretation der diabelli-variationen.
gruß, siamak :)
Tangua (31.03.2006, 21:21): ... sollen wir nicht doch einen eigenen Thread zu den Diabelli-Variationen...? Ich muss nochmals auf Cosimas Erwähnung der Scherbakov-Einspielung zurückkommen: Mir war gar nicht bekannt, dass um ihn auch mal Rummel gemacht wurde, wahrscheinlich so a la Lang Lang?! Ich habe vor einiger Zeit die Diabelli-Variationen gekauft und zuvor, sogut das bei Saturn geht, vergleichend gehört: Perl, Mustonen, die letze Brendel-Einspielung und , ich glaube, Sokolov. Ich habe dieses Probehören mehrfach exerziert und mich letztlich für Scherbakov entschieden, weil ich seine Einspielung am gewitztesten, schwungvollsten und kraftvollsten fand. So sind halt die Geschmäcker verschieden..., wenn ich mich recht erinnere, folgten in meiner kleinen Rangliste nach Scherbakov Sokolov und Brendel.
Moritz (01.04.2006, 14:16): Hallo,
ich stehe Brendel auch etws zwiespältig gegenüber. Durch ihn und einige seiner Beethoven-Aufnahmen bin ich zur klassischen Musik gekommen, und allein dafür schätze ich ihn sehr. Seine Aufnahmen der Klavierkonzerte gefallen mir immer noch sehr gut, auch, die von Siamak genannten Diabelli-Variationen und zT sein Schubert. Auch das was mir von ihm eher nicht so liegt (natürlich ist sein Liszt eher mäßig, er ist ist finde ich allein vom 'Typ' kein Liszt-Spieler) ist glaube ich nie belanglos oder indifferent gespielt. Dafür, das er fast das ganze romantische Repertoire vernachlässigt, gibt er ja auch aus seiner Sicht gute Gründe an, die kann man akzeptieren oder nicht.
Allerdings möchte ich widersprechen, wenn es heisst, das Brendels (wohlverdiente) Popularität lediglich auf sein Alter oder seine 'Generation' zurückgeführt wird. Ich glaube, dass er immer noch ein aussergewöhnlicher Pianist ist.
Und ich habe nächsten Mittwoch das Vergnügen ihn live zu sehen...
Viele Grüsse, Moritz
Liszt-Lover (01.04.2006, 18:27): in irgendeinem Magazin, das mir letztens auf den Schreibtisch kam las ich etwas ähnliches: Boris Berezovsky meinte in einem Interview, dass er die Deutschen nicht verstehe, dass sie Brendel gut finden würden. Mir gefällt es zwar nicht, wenn man sich Kollegen betreffend in der öffentlichkeit so äußert - egal ob man recht hat oder nicht. Was ich von Brendel schätze liegt mir aber gerade was die Stücke angeht besonders am Herzen:
frühe Aufnahmen mit Mozart (Sonaten, Fantasien) und Schubert (Impromptus und Sonaten).
Rachmaninov (01.04.2006, 18:33): Original von Liszt-Lover in irgendeinem Magazin, das mir letztens auf den Schreibtisch kam las ich etwas ähnliches: Boris Berezovsky meinte in einem Interview, dass er die Deutschen nicht verstehe, dass sie Brendel gut finden würden.
Hallo Liszt-Vover,
falls Du Dich erinnerst würde mich die genaue Aussage Berezovsky's interessieren!
Liszt-Lover (01.04.2006, 19:58): sop, bin eben schnell noch zur mülltonne um das magazin zu holen:
zu Brendels Diabelli-Variationen (danke für den Tipp!):
Ich bin ganz hingerissen! Brendel gibt die vielfältigen Charaktere der Variationen unglaublich perfekt wieder, er beherrscht sämtliche Ausdrucksvarianten scheinbar mühelos: „presto“ in der 10. Var. mal flüchtig, in der 19. wiederum vorwärts drängend. Freudige Aufgewühltheit in der 16. Var., Zartheit in der 24., sprudelnde Wildheit in der 17. und 27. Die 15. Var. scherzend und rasant… etc.
Das ist faszinierend! :down
Aber das Dollste ist für mich schon die Vorstellung des Themas! Als ich die CD einlegte, musste ich nach wenigen Takten unwillkürlich lächeln. Brendel spielt sie genau so, wie ich mir Beethoven nach Beendigung seiner Arbeit vorstelle. Beethoven lehnte ja zunächst die Aufforderung seines Verlegers ab, geriet aber dann wohl in einen richtigen Schaffensrausch. Es musste ihm aufgegangen sein, was man aus dem einfachen Material alles machen könne, und hier hört man ihn durch Brendel, wie er sagt: „Wertlos, ja! Aber gleich könnt ihr mal erleben, was ich aus so einem belanglosen Fetzen alles machen kann!“ Das genau ist mein Gefühl schon in der Vorstellung des Walzer-Themas; so eine Art triumphierende und schmunzelnde Gewissheit, dass er mit seinem Variationszyklus allen gezeigt hat, was in ihm steckt. Ganz herrlich, wie Brendel das hörbar macht!
Jetzt im Vergleich muss ich sagen, dass sich Scherbakow scheinbar auf einen grimmigen Beethoven fixiert hat und fast verkniffen und bemüht wirkt. Von Richter reden wir mal gar nicht, der überzeugt mich hier auch nicht. Ehrlich gesagt habe ich durch Brendel dieses Werk erst in seiner Größe erfasst (einigermaßen zumindest). Nicht nur, dass jede Variation für sich genommen durch Brendel zu einem Juwel wird; darüber hinaus wirkt der ganze Zyklus wie aus einem Guss, kommt mit der letzten Variation zu einem wundervollen Abschluss, indem er mit einer ähnlichen – aber dieses Mal erhabenen und ruhigen – Gewissheit ausklingt, wie er begonnen hat. Applaus!
Gruß, Cosima :)
AcomA (03.04.2006, 20:26): liebe Cosima,
sag ich doch :leb
mein damaliger ausbilder und oberarzt sagte in solchen situationen: 'hör einfach immer auf papa !' (kleiner scherz) :cool
gruß, siamak :engel
Cosima (03.04.2006, 20:31): Original von AcomA 'hör einfach immer auf papa !'
Ist okay, Daddy! :rofl
Sollte ich mir sonst noch etwas unbedingt von Brendel anhören? Die Schubert-Sonaten verkaufe ich nämlich gerade, und dann habe ich wieder nur eine einzige CD von ihm im Regal. :D
Lieben Gruß, Cosima
AcomA (03.04.2006, 21:57): liebe Cosima und alle anderen, brendel-ablehner oder protagonisten,
es gibt noch eine aufnahme von ihm, die ich wärmstens empfehlen kann. ich kenne sie seit meiner schulzeit.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5006521.jpg
neben den sehr bekannten werken sind noch einige präludien und fugen mit großem klanglichen spektrum sowie zwei der schönsten bach-busoni choralbearbeitungen dabei (horowitz hat sie auch gerne gespielt). die aufnahmen stammen von mitte der 70er jahre.
brendel hat sich in einem interview darüber geäußert. er nutzt die möglichkeiten des modernen flügels aus, nimmt also auch pedal. trotzdem bleiben die interpretationen sehr transparent. extraordinär, wie er das italienische konzert und die chrom- fantasie und fuge demonstriert. nahezu meditativ an den ruhenden polen. überlegter aufbau, ein großes 'atmen uns singen', dann wieder der klang von orgel-dimension. diese letztlich romantisierende haltung hat er von seinem lehrer edwin fischer übernommen. heutzutage spielt natürlich sonst niemand so bach. die ecksätze des ital. konzerts kommen so duftig und zart, wie ich sie sonst nicht kenne.
gruß, siamak :engel
Moritz (12.04.2006, 22:37): Hallo,
an dieser Stelle ein kleiner Bericht über mein Live-Erlebnis mit Alfred Brendel in der Philharmonie Berlin am vergangenen Mittwoch (ich weiss nicht, ob es bereits einen Thread über besuchte Konzerte gibt).
Gleich vorweg das Konzert war fantastisch. Brendel hat einen wundervollen Ton, er spielte höchst differenziert und sein Spiel versprühte einen eleganten Charme und wundervolle Leichtigkeit. Ich habe live noch kein besseres Klavierspiel erlebt, obwohl mir das Programm nicht gerade 'lag'. Mit Haydns Musik habe ich einfach meine Schwierigkeiten, anmassend formuliert tendiert sie sehr oft dazu mich zu langweilen. So war die erste gespielte Sonate für mich noch nicht gerade umwerfend. Aber wie änderte sich das mit Schuberts G-dur Sonate D 894. Ich habe wirklich noch nichts besseres gehört. Auch der Rest des Programms war extrem gut, aber die Schubert Sonate und aus ihr vor allem der zweite Satz war einfach magisch. Dies war das ganze Programm:
PHILHARMONIE Mi 5. April 2006 20 Uhr Klavierabend Alfred Brendel KLAVIER Joseph Haydn Klaviersonate D-Dur Hob. XVI:42 Klaviersonate C-Dur Hob. XVI:50 Franz Schubert Klaviersonate Nr. 18 G-Dur D 894 Wolfgang Amadeus Mozart Fantasie c-Moll KV 475 Rondo a-Moll KV 511
Anmerken will ich noch, das die ganzen Geschichten, die ich vorher über Brendel gehört und gelesen hatte, nicht zutreffen, wie zB. dich vertapte Finger oder strafende oder wütende Blicke in Richtung des Publikums oder extreme und übertriebene Mimik.
Ein grossartiges Konzert von einem grossen Künstler. Es lohnt garantiert, ihn live zu sehen.
Liebe Grüsse, Moritz
daniel5993 (20.12.2007, 19:34): Möchte diesen Thread ans Tageslicht holen, weil ich denke, dass Brendel nicht in einen Kellerthread gehört! Das ist eine Schande :J! Sein Mozart ist herrlich (Kenne aber noch nicht alles von Ihm von Mozart, habs mir aber gekauft und werd bei Gelegenhait berichten!) Sein Beethoven ist zum Niederknien, aber auch da werd ich noch genauer werden.
Jetzt erstmal, um diesen Thread aus dem Dunkel zu holen ein Video von YouTube.
Beethoven Six Bagatelles for Piano Op.126 No.2 & 3
Gruß Daniel :hello
Rachmaninov (21.12.2007, 09:20): Original von daniel5993 Möchte diesen Thread ans Tageslicht holen, weil ich denke, dass Brendel nicht in einen Kellerthread gehört! Das ist eine Schande :J! Sein Mozart ist herrlich (Kenne aber noch nicht alles von Ihm von Mozart, habs mir aber gekauft und werd bei Gelegenhait berichten!) Sein Beethoven ist zum Niederknien, aber auch da werd ich noch genauer werden.
Jetzt erstmal, um diesen Thread aus dem Dunkel zu holen ein Video von YouTube.
Beethoven Six Bagatelles for Piano Op.126 No.2 & 3
Gruß Daniel :hello
Tja, Daniel, glaube Brendel polarisiert. Man mag ihn oder lehnt ihn ab, wie ich es tue...
Cetay (inaktiv) (21.12.2007, 09:52): Original von Rachmaninov Original von daniel5993 Möchte diesen Thread ans Tageslicht holen, weil ich denke, dass Brendel nicht in einen Kellerthread gehört! Das ist eine Schande :J! Sein Mozart ist herrlich (Kenne aber noch nicht alles von Ihm von Mozart, habs mir aber gekauft und werd bei Gelegenhait berichten!) Sein Beethoven ist zum Niederknien, aber auch da werd ich noch genauer werden.
Jetzt erstmal, um diesen Thread aus dem Dunkel zu holen ein Video von YouTube.
Beethoven Six Bagatelles for Piano Op.126 No.2 & 3
Gruß Daniel :hello
Tja, Daniel, glaube Brendel polarisiert. Man mag ihn oder lehnt ihn ab, wie ich es tue...
Ich finde bei weniger versierten Klaviermusikhörern ist er eher in der Mitte anzusiedeln. Als ich in die Klaviermusik eingestiegen bin, riet mir der CD-Dealer meines Vertrauens: "Mit Brendel kann man nichts falsch machen". Und das trifft es ganz gut. Es gibt sicher Interpreten, die in Einzelkriterien mehr zu bieten haben, aber genau so schnell kann das ins Nervige abdriften, was ich bei Brendel nie feststelle. Ob Mozart, Beethoven oder Schubert (die "alten" Aufnahmen), es klingt eigentlich immer differenziert und spannend ohne irgendetwas künstliches. Für mich als ausdrücklichen Klaviermusik-Gelegenheitshörer ist das völliig befriedigend.
Rachmaninov (27.03.2008, 08:53): Original von daniel5993 Brendel hat (habe ich irgentwo gelesen) auch Gründe, warum er kein Chopin..usw, spielt.
Ich bin außerdem nicht der Meinung, das jeder Pianist alles spielen sollte! Jeder das was er will. Man sehe sich Brendel an,... ein Meister auf dem Gebiet, mit dem er sich beschäftigt (hauptsächlich Schubert, Beethoven, Mozart).
@Daniel,
Brendel muss unglaublich viele Gründe haben warum er mehr als die hälte der Klavierliteratur gänzlich ignoriert.
Fakt ist, dass es sehr viele gibt, die seine ersten Aufnahmen bei VOX als seine Besten ansehen. Da ergibt sich dann doch die ernsthafte Frage was sollten die 2. und 3. Einspielungen später bei Philips? Hat das eine Bereicherung gebracht außer einer finanziellen?
Cetay (inaktiv) (27.03.2008, 10:39): Original von Rachmaninov Original von daniel5993 Brendel hat (habe ich irgentwo gelesen) auch Gründe, warum er kein Chopin..usw, spielt.
Ich bin außerdem nicht der Meinung, das jeder Pianist alles spielen sollte! Jeder das was er will. Man sehe sich Brendel an,... ein Meister auf dem Gebiet, mit dem er sich beschäftigt (hauptsächlich Schubert, Beethoven, Mozart).
@Daniel,
Brendel muss unglaublich viele Gründe haben warum er mehr als die hälte der Klavierliteratur gänzlich ignoriert.
Fakt ist, dass es sehr viele gibt, die seine ersten Aufnahmen bei VOX als seine Besten ansehen. Da ergibt sich dann doch die ernsthafte Frage was sollten die 2. und 3. Einspielungen später bei Philips? Hat das eine Bereicherung gebracht außer einer finanziellen?
Es ist sicher nicht verkehrt, wenn man als Künstler nicht nur überleben, sondern auch gut leben will. Vielleicht steckt auch der Wunsch dahinter, das angestammte Repertoire nochmal mit der neuesten, vermeintlich besseren Klangtechnik einzuspielen. Brendel gilt ja als Perfektionst und man sagt, dass seine Digitalaufnahmen aus Zig Takes zusamengeschnitten wurden. Wenn das stimmt, wäre dies allein für mich ein Grund, diese Aufnahmen zu ignorieren.
Wenn solche alten Fäden hochgespült werden, dann bringen sie manchmal unerwartete Jugensünden mit:
Original von mir über Brendel Ob Mozart, Beethoven oder Schubert (die "alten" Aufnahmen), es klingt eigentlich immer differenziert und spannend ohne irgendetwas künstliches. Für mich als ausdrücklichen Klaviermusik-Gelegenheitshörer ist das völliig befriedigend.
Nachdem ich durch Andsnes bei Schubert vom Hören zum Erleben gekommen bin, kann ich das so natürlich nicht mehr stehen lassen.
Rachmaninov (27.03.2008, 11:43): Original von Dox Orkh Brendel gilt ja als Perfektionst und man sagt, dass seine Digitalaufnahmen aus Zig Takes zusamengeschnitten wurden. Wenn das stimmt, wäre dies allein für mich ein Grund, diese Aufnahmen zu ignorieren.
Tja, da ist wohl Sokolov derjenige, der nur live Aufnahmen autorisiert, da er Studios und derartiges ablehnt. Spricht wohl auch von einer gesunden Selbsteinschätzung....
daniel5993 (27.03.2008, 13:25): Original von Rachmaninov Original von daniel5993 Brendel hat (habe ich irgentwo gelesen) auch Gründe, warum er kein Chopin..usw, spielt.
Ich bin außerdem nicht der Meinung, das jeder Pianist alles spielen sollte! Jeder das was er will. Man sehe sich Brendel an,... ein Meister auf dem Gebiet, mit dem er sich beschäftigt (hauptsächlich Schubert, Beethoven, Mozart).
@Daniel,
Brendel muss unglaublich viele Gründe haben warum er mehr als die hälte der Klavierliteratur gänzlich ignoriert.
Fakt ist, dass es sehr viele gibt, die seine ersten Aufnahmen bei VOX als seine Besten ansehen. Da ergibt sich dann doch die ernsthafte Frage was sollten die 2. und 3. Einspielungen später bei Philips? Hat das eine Bereicherung gebracht außer einer finanziellen?
Wenn ich ehrlich bin, ich kenne die Vox-Aufnahmen nicht.
Ich kann Aufnahmen nicht so gut beschreiben, merke aber, dass sein letzten Schuberteinspielungen Ende der achziger Jahre mich am meisten mitreißen! Kristallklarer Klang und wenn Ihr mich fragt, ein genialer Schubert! Er spielt nicht oberflächlich, kalt, wie manche sagen, denn genau solche Aufnahmen begeistern mich nicht! Brendel hab ich früher auch kritisch gegenübergestanden u.a. auch weil er mir total unsympatisch war, aber seine Interpretationen, sein musik machen, haben mir die Augen geöffnet! Die letzten Klaviersonaten Schuberts, sowie die Impromptus sind einzigartig gespielt, den aus den 70gern überlegen und das nicht nur klanglich. Bei Brendel steckt tiefe drin! Bei seinem Beethoven bin ich nicht immer hin und weg, aber oft. Ich schätze an Ihm das er nicht rumdudelt, sich in der Musik verliert (sicher! auch dieses in der Musik verloren gehen gefällt mir ab und zu) aber bei Brendel habe ich einen Schubert der Tatsachen welcher mich direkt anspricht. Wahrlich, aus Sympathie wäre ich Brendel nie nähergekommen! Allein seine Interpretationen haben mich erfasst. Und dass soll etwas bedeuten, wenn man den Typen eher unsympatisch findet und trotzdem versucht, seinen Standpunkt zu verstehen. Ich bin bekehrt worden :D
Auch ich würde gern etwas entgültiges von Brendel haben! Und ich habs gefunden, sein Schubert Ende der achziger ist der Beste und der entgültige. Hab am Montag im Radio gehört, dass Alfred Brendel in seine letzte Konzertsaison geht und dann das Piano an den Nagel hängt. Ich weiß, vielen von euch gefällt das sehr und ich glaub bei euch werden die Sektkorken knallen wenns soweit ist. Ich hätt Ihn gern einmal live erlebt :I Deswegen seit beruhigt, es wird keinen weiteren Zyklus von was auch immer geben. Aber zurrück zum Thema, was ist an den immer wieder neuen Zyklen so schlimm, wenn sich damit weiter viel Geld verdienen lässt? Obwohl ich nicht glaube, dass es Brendel nur ums Geld geht. Würden wir nicht dasselbe machen? Ich habe noch im Ohr, das Brendel gesagt hat, dass bei einem Musiker etwas falsch läuft, wenn er sich über die Jahre hinweg nicht verändert. Das sagte er glaub ich in der "Man and Mask" - reihe, welche bei Youtube einzusehen ist. Deswegen die ständigen Neuauflagen. Zudem kann man Brendel anhand dieser vielen Gesamtzyklen gut einschätzen, z.B wie er sich verändert hat über die Jahre usw. Ich finde, dass man lieber ein kleines Repertoire haben sollte, was man auch glänzend beherrscht, anstatt anzufangen alles zu spielen, mit mäßigem Erfolg und mäßiger Hingabe!
Ein Tipp: Hört mal ganz unvoreingenommen die Impromtus Schuberts, oder seine letzten Klaviersonaten (besonders D.960) aus dem achziger Jahre Zyklus, da muss doch auch bei euch etwas Klick machen ?(
:haha
Zelenka (27.03.2008, 16:15): Original von daniel5993
Ein Tipp: Hört mal ganz unvoreingenommen die Impromtus Schuberts, oder seine letzten Klaviersonaten (besonders D.960) aus dem achziger Jahre Zyklus, da muss doch auch bei euch etwas Klick machen ?(
:haha
Nach einigem voreingenommenem und einigem unvoreingenommenem Hören macht es leider immer noch nicht Klick bei Brendels digitalem Schubert ...
Gruß, Zelenka
daniel5993 (27.03.2008, 17:48): Original von Zelenka Original von daniel5993
Ein Tipp: Hört mal ganz unvoreingenommen die Impromtus Schuberts, oder seine letzten Klaviersonaten (besonders D.960) aus dem achziger Jahre Zyklus, da muss doch auch bei euch etwas Klick machen ?(
:haha
Nach einigem voreingenommenem und einigem unvoreingenommenem Hören macht es leider immer noch nicht Klick bei Brendels digitalem Schubert ...
Gruß, Zelenka
Versuchs weiter :wink
Gruß Daniel
Rachmaninov (27.03.2008, 17:55): Original von Zelenka Original von daniel5993
Ein Tipp: Hört mal ganz unvoreingenommen die Impromtus Schuberts, oder seine letzten Klaviersonaten (besonders D.960) aus dem achziger Jahre Zyklus, da muss doch auch bei euch etwas Klick machen ?(
:haha
Nach einigem voreingenommenem und einigem unvoreingenommenem Hören macht es leider immer noch nicht Klick bei Brendels digitalem Schubert ...
Gruß, Zelenka
Übrigends sind meine Versuche (Liszt und Bach) derart grausig gewesen, dass ich aufgrund der Vielzahl bemerkenswerter Pianisten gerne auf seine Aufnahmen verzichte!
daniel5993 (27.03.2008, 20:21): @ Rachmaninov
Das Wort "grausig" triffts bestimmt nicht. Selbst schlechte Musik klingt nicht so! Eine falsche Wortwahl! Bei Brendel bilden Bach und Liszt nur eine Randgruppe (dazu gehört ebenfalls Brahms) im Hinblick auf diese Komponisten war es wirklich ein (Zitat von Rach) "schlechter Versuch" Ihn kennenzulernen. Brendels Haupfeld ist Schubert, Beethoven, Mozart, (vielleicht noch Schumann). Und wenn in diesem Bereich bei dir bereits alles abgedeckt ist (und du garnicht wünscht mehr von Ihm kennenzulernen), dürftes du dir eigentlich keine Meinung über Brendel bilden, denn für mich sieht das dann auch wie "Voreingenommenheit" aus.
Rachmaninov (27.03.2008, 20:24): Original von daniel5993 @ Rachmaninov
Das Wort "grausig" triffts bestimmt nicht. Selbst schlechte Musik klingt nicht so! Eine falsche Wortwahl! Bei Brendel bilden Bach und Liszt nur eine Randgruppe (dazu gehört ebenfalls Brahms) im Hinblick auf diese Komponisten war es wirklich ein (Zitat von Rach) "schlechter Versuch". Brendels Haupfeld ist Schubert, Beethoven, Mozart, (vielleicht noch Schumann). Und wenn in diesem Bereich bei dir bereits alles abgedeckt ist (und du garnicht wünscht mehr von Ihm kennenzulernen), dürftes du dir eigentlich keine Meinung über Brendel bilden, denn für mich sieht das dann auch wie "Voreingenommenheit" aus.
Doch, die Verhackstückung der h-moll Sonate empfinde ich als Grausamkeit.
Dann sehe es als "Voreingenommenheit" wenn ich für mich entschieden habe mich lieber mit den 1000 unbekannteren Pianisten zu beschäftigen, die ihn locker überragen. IMHO
Alfred Brendel gehört dazu. Klar, er spielt nicht alles super, das konnten andere Koryphäen auch nicht, aber er hat doch gültige Interpretationen hinterlassen. Ich denke da an die Mozart-Konzerte, sowohl mit Marriner als auch mit Mackerras, an etliche Beethoven-Sonaten, an Schubert. Wer spielt die wunderbaren drei späten Klavierstücke D.946 so poetisch und erfüllt wie er? Kempff nicht, Arrau nicht, Pollini nicht, Uchida nicht, Schiff nicht, El Bacha nicht....... Wer konnte im ersten SAtz der großen A-dur-Sonate D.959 den Sinn des letzten Taktes der Wiederholung der Exposition (2.Klammer) so offenbaren? Ja, das war Alfred Brendel, der genau in Schuberts Wunderwerk hingehört hat und uns mitnehmen kann, wenn wir gewillt sind, konzentriert zuzuhören.
Grüße Amadé
daniel5993 (27.03.2008, 23:47): Wer spielt die wunderbaren drei späten Klavierstücke D.946 so poetisch und erfüllt wie er?
Bin ich das der da spricht? ?( :D
Zelenka (28.03.2008, 17:36): Original von Amadé "........na, jetzt übertreibt (ihr)er aber!"
Liebe Forianer,
verachtet mir die Meister nicht!
Alfred Brendel gehört dazu. Klar, er spielt nicht alles super, das konnten andere Koryphäen auch nicht, aber er hat doch gültige Interpretationen hinterlassen. Ich denke da an die Mozart-Konzerte, sowohl mit Marriner als auch mit Mackerras, an etliche Beethoven-Sonaten, an Schubert. Wer spielt die wunderbaren drei späten Klavierstücke D.946 so poetisch und erfüllt wie er? Kempff nicht, Arrau nicht, Pollini nicht, Uchida nicht, Schiff nicht, El Bacha nicht....... Wer konnte im ersten SAtz der großen A-dur-Sonate D.959 den Sinn des letzten Taktes der Wiederholung der Exposition (2.Klammer) so offenbaren? Ja, das war Alfred Brendel, der genau in Schuberts Wunderwerk hingehört hat und uns mitnehmen kann, wenn wir gewillt sind, konzentriert zuzuhören.
Grüße Amadé
Nein, ich verachte den Meister keineswegs! Allerdings spielt er doch in D 959 die Wiederholung der Exposition gar nicht?????
Gruß, Zelenka
Amadé (28.03.2008, 20:36): Da hast Du recht,in allen drei Aufnahmen nicht. Aber wenn man sie weglässt, kommt man automatisch in die zweite Klammer, ist etwas schwierig zu erklären. Also nachdem das 2. Thema nochmals angeklungen ist, kommt dreimal hintereinander dasselbe Motiv dam dam daam und dann nochmal ein viertes mal, aber nun harmonisch verändert, darauf weißt Brendel hin. Vorher hat er das Tempo etwas verlangsamt. Die Stelle findet sich etwa bei 4' nach dem Anfang. Meine Peters-Noten haben leider keine Taktzahlen, aber vielleicht findest Du di Stelle.
Gruß Amadé
Zelenka (29.03.2008, 11:50): Original von Amadé Da hast Du recht,in allen drei Aufnahmen nicht. Aber wenn man sie weglässt, kommt man automatisch in die zweite Klammer, ist etwas schwierig zu erklären. Also nachdem das 2. Thema nochmals angeklungen ist, kommt dreimal hintereinander dasselbe Motiv dam dam daam und dann nochmal ein viertes mal, aber nun harmonisch verändert, darauf weißt Brendel hin. Vorher hat er das Tempo etwas verlangsamt. Die Stelle findet sich etwa bei 4' nach dem Anfang. Meine Peters-Noten haben leider keine Taktzahlen, aber vielleicht findest Du di Stelle.
Gruß Amadé
Herzlichen Dank für die Erläuterungen!
Gruß, Zelenka
Gamaheh (02.12.2010, 22:55): Da kann man mal sehen, wie lange dieser Faden schon schläft ...
In einem anderen Forum wird vom Lucerne Festival am Piano am 27.11.2010 berichtet; das Programm sah vor:
16.00 - 17.30 h Workshop im Luzerner Stall - Teil 2 Alfred Brendel stellt unter der Überschrift "Cortot, Fischer, Kempff - Rückblick auf drei Meister" im Gespräch mit Martin Meyer seine bevorzugten Pianisten Alfred Cortot, Edwin Fischer und Wilhelm Kempff vor.
18.30 h Klavierabend im Konzertsaal Grigory Sokolov spielt die Partita Nr. 2 c-moll BWV 826 von Johann Sebastian Bach und "Fantasien" op. 116 von Johannes Brahms.
Meyer habe zum Vergleich mit den genannten drei Größen Aufnahmen von anderen Pianisten vorgespielt, die Brendel blind kommentiert hat. Als er eine bestimmte Aufnahme gehört hatte, sagte er, das sei ihm schmerzlich zu hören, dazu wolle er sich lieber gar nicht äußern. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Sokolov, der (s.o.) direkt danach ein Recital spielen würde. Argerich, Pogorelich und Cziffra wurden gleich mit verrissen ...
Grüße, Gamaheh
Rachmaninov (04.12.2010, 07:18): Original von Gamaheh
Meyer habe zum Vergleich mit den genannten drei Größen Aufnahmen von anderen Pianisten vorgespielt, die Brendel blind kommentiert hat. Als er eine bestimmte Aufnahme gehört hatte, sagte er, das sei ihm schmerzlich zu hören, dazu wolle er sich lieber gar nicht äußern. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Sokolov, der (s.o.) direkt danach ein Recital spielen würde. Argerich, Pogorelich und Cziffra wurden gleich mit verrissen ...
Grüße, Gamaheh
Wundert mich nicht!
Heike (04.12.2010, 13:48): Mich auch nicht. Das ist ja schon für Zuhörer schwierig, gleichzeitig Brendel und Sokolov oder Pogorelich zu mögen. Dass die sich gegenseitig eher missfallen ist keine Überraschung. Heike
Gamaheh (04.12.2010, 17:56): Original von Heike Mich auch nicht. Das ist ja schon für Zuhörer schwierig, gleichzeitig Brendel und Sokolov oder Pogorelich zu mögen. Dass die sich gegenseitig eher missfallen ist keine Überraschung. Heike Sicher, aber fällt Euch sonst nichts auf ? Oder bin ich es, die nicht begreift, worum es geht ? (Wäre ja nicht das erste Mal ...)
Grüße, Gamaheh
Rachmaninov (05.12.2010, 13:59): Original von Gamaheh Original von Heike Mich auch nicht. Das ist ja schon für Zuhörer schwierig, gleichzeitig Brendel und Sokolov oder Pogorelich zu mögen. Dass die sich gegenseitig eher missfallen ist keine Überraschung. Heike Sicher, aber fällt Euch sonst nichts auf ? Oder bin ich es, die nicht begreift, worum es geht ? (Wäre ja nicht das erste Mal ...)
Grüße, Gamaheh
slo mir fällt es nicht auf, Lediglch das Brendel nicht einmal Sokolov erkennt und feststellt das man besser den Mund hielte wenn dieser dann auch spielt!
Heike (05.12.2010, 14:02): Mir fällt auch nichts auf, also bitte sei so lieb und kläre uns auf! Heike
Gamaheh (18.12.2010, 13:17): Ich bitte um Entschuldigung wegen der Verspätung: Sicher, abgesehen davon, daß Brendel sich damit bestimmt nichts Gutes tut, ist das meiner Meinung nach auch ein ganz schlechter Stil, und ich weiß nicht genau, wovon das zeugt (bzw. habe nicht wirklich Lust, mir darüber Gedanken zu machen) ...
Grüße, Gamaheh
Fairy Queen (18.12.2010, 14:30): Normalerweise zeugt das Schlechtmachen von, Kollegen von ncihts anderem als von einer allzu menschlichen Charakterschwäche namens Neid, Rivalitât,Eifersucht. Bei Sängern ebenfalls ausserordentlich beliebt und verbreitet. Vielleicht war es Brendel aber einfach auch zu schmerzlich, die Genialitât dieses Grigori Sokolov einzugestehen, zumal sein Stil dem seinen so konträr entgegengesetzt ist? Ich kann nämlich kaum glauben, dass ein Künstler seines Schlages nciht in der Lage sein sollte, Genialitât zu erkennen, wenn sie ihm begegnet. Sokolov ist m.E. ein Genie, nciht mehr und nciht weniger. Ich höre aber auch Herrn Brendel ab und an gerne zu...... :wink F.Q.
Rachmaninov (20.12.2010, 07:27): Original von Fairy Queen Vielleicht war es Brendel aber einfach auch zu schmerzlich, die Genialitât dieses Grigori Sokolov einzugestehen, zumal sein Stil dem seinen so konträr entgegengesetzt ist?
Gerade DAS sollte ein Künstler können. Die konträre Kunst eines anderen Künstlers schätzen. Es gibt da kein absolutes Maß.
Niveauvoller wäre es gewesen wenn man z.B. äußert das die "russische Schule" gegenüber der "französischen" diese oder jenen Vor- oder Nachteile hat.
IMHO hätte Brendel es in Russland jedenfalls nicht ans Konservatorium geschafft :ignore
Sfantu (21.12.2010, 09:22): "Künstler müssen freilich streben, stets des Vorzugs wert zu sein. Doch sich selbst den Vorzug geben, über Andre sich erheben, macht die grösste Kunst nur klein."
Zwar trifft's das vermutlich nicht ganz (vermutlich sag' ich, da ich's leider mit eigenen Ohren nicht gehört habe) und ich nehme nicht an, dass er seine eigene Kunst (und die seiner genannten Hausgötter) ad absolutum stellte. Ich tendiere zu Fairies Einschätzung, dass schlicht allzu menschliche Charakterschwächen sich hier bahnbrachen. Im günstigsten Fall war er einfach von dem, was er da hörte, im negativen Sinne übermannt und gab das 1 : 1 wieder. Vielleicht ist auch das allzu menschlich, wäre selbst das irgendwo verzeihlich. Über Brendel weiss ich zu wenig, um solche Äusserungen von ihm einzuordnen. Dennoch hätte ich ihm mehr Etikette, Professionalität und Abgeklärtheit, eine gewisse Altersmilde (oder gar Altersweisheit?) zugetraut. Kannze ma sehn - macht der da den Bohlen!
Sfantu (21.12.2010, 10:17): ...und ich bin mir sicher, einer gewissen, wenn auch peinlichen, Komik hat die Situation bestimmt nicht entbehrt.
Heike (21.12.2010, 10:40): Vermutlich hat er ihn gar nicht erkannt, sonst wäre es ja nahezu unglaublich. Heike
Sfantu (21.12.2010, 12:08): Ja, das nehm' ich auch an. Trotzdem: selbst dann gehört sich sowas einfach nicht.
Fairy Queen (21.12.2010, 12:21): Lieber Sfantu, die meisten Digne die Menschen so tun, gehören sich eigentlich nicht, da kann man ganz klein anfangen und ganz dramatisch aufhören. Mich enttäuscht dieses Verhalten von Brendel, der schône Gedichte/Reflektionen geschrieben hat, trotzdem ziemlich. Aber als Rivalitâts- bzw Angst Manifestation ist das leider nur zu normal- ihr müsstet erstmal hôren, was Sänger über die Leistungen ihrer konkurrierenden Kollegen von sich geben. Natürlich nicht bei den Met Übertragungen im Kino, wenn Renée Fleming die Netrebko öffentlich "gorgeous" finden muss und ihr beim Küdsschen links und rechts doch am liebsten die Augen auskratzen würde. Vor allem weil sie 15 Jahre jünger ist.....
Habt ihr schon den "Oprnroman" von Petra Morsbach gelesen? Da verliert man dann noch die letzten illusionen.....
F.Q.
Heike (21.12.2010, 12:59): Dumm gelaufen und auch nicht besonders gut überlegt von dem Herrn Meyer, die Sokolov-Aufnahme ihm dort vorzuspielen. Heike
Rachmaninov (21.12.2010, 15:46): Original von Fairy Queen Aber als Rivalitâts- bzw Angst Manifestation ist das leider nur zu normal- ihr müsstet erstmal hôren, was Sänger über die Leistungen ihrer konkurrierenden Kollegen von sich geben.
Also Brendel hat doch mit Schubert, Beethoven wieder Schubert, wieder Beethoven und dann noach etwas Schubert und Beethoven mehr Platten verkauft als man sich vorstellen kann während Sokolov nur sehr selten Platten veröffentlicht und dann NUR Live Aufnahmen.
Da sollte man mal einen Vergleich zu Brendel erstellen! :times10
Fairy Queen (21.12.2010, 19:41): Lieber Rachmanninov, das ist ja gerade das Unsympathische/Enttäuschende an der Sache: ein erfolgreicher bejahrter Pianist, der nicht zugeben kann/will, dass da ein Junger ist, dem er nciht das Wasser reichen kann. Und wenn man sich z.B. D959 anhört, dann ist sofort klar, wie haushoch Sokolov Brendel in Sachen Schubert überlegen ist. Haydn hatte die Grösse, von Mozart zu sagen, dass er(Haydn) ihm nciht das Wasser reichen könne. Ich denke am Ende einer Karriere und mit abgesichertem materiellem Erfolg bricht sich auch ein Herr Brendel keinen Zacken aus der LKrone, wenn er dasselbe über Sokolov sagen würde. Und wenn nciht, mindestens schwiege.... Aber wie gesagt: Menschliches, Allzumenschliches F.Q.
Gamaheh (21.12.2010, 20:10): Original von Fairy Queen Vielleicht war es Brendel aber einfach auch zu schmerzlich, die Genialitât dieses Grigori Sokolov einzugestehen, zumal sein Stil dem seinen so konträr entgegengesetzt ist? Offenbar ist das so ... Offenbar ist es auch so, daß wir - obwohl wir es leider eigentlich alle und seit langem besser wissen - irgendwie immer noch den Wunsch haben, daß sich künstlerische Größe (auch eingebildete) mit menschlicher Größe paart; daß jemand, der potentiell ein Vorbild für manche sein könnte, dies nicht nur in in einem kleinen Teil seiner Persönlichkeit ist. Bedauerlicherweise gilt das füri Künstler genauso wenig wie für den Durchschnitt der Bevölkerung, wenn auch wahrscheinlich eher als bei Politikern oder Industrie-Bossen. Das heißt aber glücklicherweise nicht, daß alle dieser Schwäche erliegen.
Original von RachmaninovGerade DAS sollte ein Künstler können. Die konträre Kunst eines anderen Künstlers schätzen. Es gibt da kein absolutes Maß. Schon umgezogen? Das ging aber fix!
Grüße, Gamaheh
Gamaheh (21.12.2010, 20:22): Original von Fairy Queen ... ein erfolgreicher bejahrter Pianist, der nicht zugeben kann/will, dass da ein Junger ist,
Sokolov ist 60 ...
Sfantu (21.12.2010, 23:22): Na, immerhin hatte Alfred schon den Bozener Busoni-Wettbewerb als Preisträger durchlaufen und stand gerade am Anfang seiner internationalen Karriere als der gute Grigorij noch als Quark im Schaufenster auslag. Vielleicht kehrt sie ja auch nochmal zurück, die Zeit der Tasten-Methusaleme. Ausserdem verpasst einem die Einstufung eines Vorruheständlers als Nachwuchstalent eine regelrechte Wellness-Kur für's Ego und man wirft die graumelierte Mähne selbstbewusst in den Nacken... :engel
:hello Sfantu
Fairy Queen (22.12.2010, 10:01): :rofl :rofl :rofl (@sfantu :thanks) Immerhin spielt Sokolov wie ein 25 jähriger- wen auch mit Weisheitsbonus-, was man von Brendel ja nun nicht eben sagen kann...... :D Jeder Pianist ist bei mir halt so alt, wie er spielt.