Debussy: die Préludes

ab (26.01.2007, 11:42):
Nubar fragte:
Gibt es Aufnahmen die man neben Michelangeli, Gieseking und Richter empfehlen kann?

Grund genug, hier den Préludes von Debussy einen eigenen Raum zu geben.

Ich selbst habe über die geannnten hinaus noch die Aufnahme von Jean-Rodophe Kars (Decca) und von Friedrich Gulda (Great Piansists-Serie).

Was empfehlt ihr besonders?

Mir wurde Fou Tsong als phantastische Alternative zu Gieseking nicht nur empfohlen, sondern ans Herz gelegt.
http://images.amazon.com/images/P/B0000542XV.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1057220506_.jpg
Besonders gelobt wurde auch die von Paul Jacobs (Nonesuch)
http://cover6.cduniverse.com/MuzeAudioArt/010/11226.jpg
Leider konnte ich diese Aufnahmen nirgends bislang in einem Laden zum Anhören in Hände bekommen.
Rachmaninov (08.02.2007, 08:59):
@ab,

gestern hörte ich Heft I in der Aufnahme mit S. Osborne (Hyperion)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5524514.jpg

Beim ersten Hören empfand ich die Aufnahme als sehr angenehm, ohne übertriebenen gefühlsdusseligen Beigeschmack und dennoch sehr ausdrucksstark.
Ganong (10.02.2007, 19:31):
Lieber ab ,

ohne zu zögern :

Pascal R o g e .

Seine Aufnahme bei Onyx ist denn von Gieseking und Benedetti - Michalenageli sicherlich gleichwertig ( P: 2004 ) .

Grüse ,

Frank
Rachmaninov (20.02.2007, 06:22):
Original von Rachmaninov
@ab,

gestern hörte ich Heft I in der Aufnahme mit S. Osborne (Hyperion)

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5524514.jpg

Beim ersten Hören empfand ich die Aufnahme als sehr angenehm, ohne übertriebenen gefühlsdusseligen Beigeschmack und dennoch sehr ausdrucksstark.

@ab,
gestern hörte ich nochmals die Aufnahme mit Osborne.
Der Mann hat wirklich etwas zu sagen was die Preludes angeht, er versteht was er hier spielt und hat vor allem die Mittel dies auszudrücken.

Bisher konnten mich die Debussy Preludes nicht wirklich begeistern!
Dank Osborne!
ab (20.02.2007, 09:29):
Original von Ganong
Pascal R o g e .

Seine Aufnahme bei Onyx ist denn von Gieseking und Benedetti - Michalenageli sicherlich gleichwertig ( P: 2004 ) .


Lieber Frank,

danke für diesen Hinweis. Rogé hörte ich einmal in einem Violinsonatnenabend mit Chantal Juilliet. Ich war fasziniert von seinem plastischen Spiel und fragte mich, ob dies typisch französische Schule (ähnlich deutlicher Tonansatz ja derzeit bei den jungen Streichern aus Frankreich) oder seine typische Art sei. Danach fiel mir nur eine Satie-Einspielung in Händen, die mir nicht so zusagte, danch fehlte mir die Zeit und ich ging dem nicht weiter nach.
Jürgen (20.02.2007, 13:38):
Ich habe zwei komplettaufnahmen:


1. Cecile Ousset, die gab's mal günstig im 4er-Pack.
http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00002DEL2.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Ich weiss nicht, woran es liegt, aber ich höre lieber..
2. Alain Planès, die beiden Livres auf Doppel-CD.
Leider habe ich die Aufnahme nicht greifbar, daher kann ich kein Label angeben. Und Google verleugnet sie auch, deswegen auch kein Bild.
Egal, sie stammt jedenfalls aus den 80ern und das erste Buch habe ich am WE zufällig gehört. Vielleicht lag es an meiner Stimmung, jedenfalls habe ich mich dabei gefragt: Warum höre ich eigendlich Debussy nicht häufiger?

Planès' Debussy kannte ich schon vorher durch eine Denon-CD, die mir durchweg gut gefällt, aber nur 3 Preludes enthält.

Ich würde also Alain Planès empfehlen.

Ich mache mich vor dem CD-Regal nochmal kundig und ergänze meinen Beitrag entsprechend.

Grüße
Jürgen

Habe doch noch das Cover gefunden:
http://ec1.images-amazon.com/images/G/01/ciu/88/cb/b840124128a0607b18e41010._AA240_.L.jpg
Und zwar bei AmazonPunktCom
ab (20.02.2007, 14:04):
Original von Jürgen
2. Alain Planès, die beiden Livres auf Doppel-CD.
Leider habe ich die Aufnahme nicht greifbar, daher kann ich kein Label angeben.
Habe doch noch das Cover gefunden:
http://ec1.images-amazon.com/images/G/01/ciu/88/cb/b840124128a0607b18e41010._AA240_.L.jpg


Würde mich aber doch interessieren, was das für ein Label ist, bei dem die ätlere erschienen ist.

Inwischen gibt es von Planès einen neuere bei harmoniamundi france.
http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000038I8P.03._SCTHUMBZZZ_AA90_.jpg
Derzeit werde seine letzten CDs ja recht günstig abverkauft.
Jürgen (20.02.2007, 14:28):
Also ich schaue wirklich nochmal nach, sobald ich zuhause bin.
Versprochen.

Jürgen
Jürgen (20.02.2007, 18:52):
Hallo ab, jetzt bin ich zuhause:

Das Label heißt: Harmonic Records (Paris France)

Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1985 (22.-24.April Château de Breteuil, Chevreuse, France)

Das war die Zeit, als viele Labels keine CDs herausbrachten, ohne zu erwähnen, mit welchem Equipment die Aufnahme entstanden ist.
So wurden auch hier zwei Mikrophone der Firma Brüel & Kjaer verwendet. Das ganze riecht irgendwie nach Denon. Die haben das auch so gemacht.

Ansonsten habe ich von diesem Label nichts anderes gesehen oder gehört.
Diese Aufnahme jedenfalls ist gut.

Willst Du mehr wissen: PN

Grüße
Jürgen
ab (02.05.2007, 11:53):
Original von ab
Rogé hörte ich einmal in einem Violinsonatenabend mit Chantal Juilliet. Ich war fasziniert von seinem plastischen Spiel und fragte mich, ob dies typisch französische Schule (ähnlich deutlicher Tonansatz ja derzeit bei den jungen Streichern aus Frankreich) oder seine typische Art sei. Danach fiel mir nur eine Satie-Einspielung in Händen, die mir nicht so zusagte, danch fehlte mir die Zeit und ich ging dem nicht weiter nach.

Lieber Frank,

nochmals vielen herzlichen Dank für diesen Hinweis: am WE fiel sie mir in Hände schon nach kurzem Anhören umgehend auch in meinen Besitz: wahrlich eine großartige Aufnahme!
(Ist seine andere CD: Sämtliche Klavierwerke Vol. 2 bei Onyx auch so gut?)

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51D56F3PWCL._AA240_.jpg
Ganong (06.05.2007, 16:56):
Lieber ab ,

ja .


Hunweisen möchte ich natürlich noch auf eine frühe Aufnahme durch Aldo Ciccolini .

Beste Grüsse und noch ein schönes Wochenende .

Frank
Ganong (18.05.2007, 14:16):
Sehr empfehlenswert ist die Aufnahme durch die Debussy- und Ravel - Spezialistin

Monique Haas ! ( DGG ) .

Viele Grüsse ,

Frank
ab (31.05.2007, 21:56):
Original von Ganong
Sehr empfehlenswert ist die Aufnahme durch die Debussy- und Ravel - Spezialistin
Monique Haas ! ( DGG ) .


Lieber Frank,

Ich hörte erst gestern zum ersten Mal Haas Debussy spielen (Kinderecke bei Sony)

sind die DGG-Aufnahmen jener bei Erato vorzuziehen?

Lohnt sich die gesamte Box?
http://www.jpc.de/image/middle/front/0/6998424.jpg

Danke!
ab (30.10.2007, 22:40):
Hörte letzte Woche im Laden im Gegenvergleich Monique Haas DG vs. Erato sowie endlich einmal Paul Jacobs (Nonesuch) und seit Jahren wieder einmal Robert Cassadesus (CBS).

Mit letzterem konnte ich nach wie vor gar nichts anfangen. Jacobs ist leider klanglich weniger zufriedenstellend aber äußerst interessant mit der Mischung aus einerseits bezwingend-kraftvoll aber zugleich auch sehr Klangfüllig, fast à la Kars. Ein ganz interessanter Künstler, leider jung verstorben. Bei Haas fand ich die spätere Erato-Aufnahme so wesentlich besser, dass ich davon Abstand nehmen werde, mir die DG-Box zu kaufen. Ich hoffe, die Erato-Aufnahmen werden bald bei Warner wieder und endlich günstig aufgelegt! Denn das ist eine GA auf 4 CDs, die grandios ist!
:leb
ab (31.10.2007, 09:27):
Nich verschweige möchte ich auch, dass ich die Aufnahme von Jos van Immerseel gehört habe (Channel Classics), der das erste Buch auf einem Erard-Instrument eingespielt hat.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41JS3T2DCSL._AA240_.jpg

Diese Klang war so derart betörend schön, dass ich gar nicht recht sagen kann, wie gut Immerseel diese spielte. Jedenfalls kam es mir sehr beseelt vor.

Nun die Frage an euch: Von wem gibt es noch Einspielungen auf Instrumenten der Zeit? Welche davon sind empfehlenswert?

Danke!
Cosima (31.10.2007, 17:07):
Original von ab
Diese Klang war so derart betörend schön, dass ich gar nicht recht sagen kann, wie gut Immerseel diese spielte. Jedenfalls kam es mir sehr beseelt vor.


Oh! Das würde ich auch zu gerne hören! Ich liebe den Klang der Erards! :down Die Hörschnipsel klingen interessant... (Merke ich mir vor die Aufnahme.)
ab (23.04.2008, 09:09):
Original von Cosima
Original von ab
Diese Klang war so derart betörend schön, dass ich gar nicht recht sagen kann, wie gut Immerseel diese spielte. Jedenfalls kam es mir sehr beseelt vor.


Oh! Das würde ich auch zu gerne hören! Ich liebe den Klang der Erards! :down Die Hörschnipsel klingen interessant... (Merke ich mir vor die Aufnahme.)

In einem anderen Forum las ich, dass Immerseel sehr genau die dynamischen Feinheiten der Selbsteinspielung von Debusssy (dessen Pianorollenaufnahme übrigens zu Jahresmitte mit einem sogenannten "Vorsetzer" abgespielt auf einem Steinway-D aufgenommen bei Tacet neu herauskommen wird) studiert und diese sich zu Herzen genommen haben soll.
ab (23.04.2008, 09:17):
Letzte Wochenende spielte Radu Lupu im Leipziger Gewandhaus ein Konzert mit dem Heft 1. Aus dem Programmheft, das mir ein Freud, der das Konzert besucht hatte, zugeschickt hat, entnehme ich zu Nr. 10 "La cathédrale engloutie" folgendes (von Renate Herklotz):

Man hat herausgefunden, dass sich ... im Notenbild graphische Assoziationen finden. In der Tat sind bogenförmige Linienführungen zu erkennen, die typische Formen von Krichenbögen nachempfunden sind, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und verändert haben.

Wer kann dazu genaueres mitteilen?
:thanks
Zelenka (23.04.2008, 16:20):
Original von ab
Letzte Wochenende spielte Radu Lupu im Leipziger Gewandhaus ein Konzert mit dem Heft 1. Aus dem Programmheft, das mir ein Freud, der das Konzert besucht hatte, zugeschickt hat, entnehme ich zu Nr. 10 "La cathédrale engloutie" folgendes (von Renate Herklotz):

Man hat herausgefunden, dass sich ... im Notenbild graphische Assoziationen finden. In der Tat sind bogenförmige Linienführungen zu erkennen, die typische Formen von Krichenbögen nachempfunden sind, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und verändert haben.

Wer kann dazu genaueres mitteilen?
:thanks

Diese verschiedenförmigen Bögen im Notenbild sind etwa in E. Robert Schmitz, The Piano Works of Claude Debussy (1950), p. 156, durchaus bemerkt worden. Vf. warnt davor, zuviel in diese Dinge hineinzugeheimnissen: "It is indeed a fascinating study to compare the plates in an architectural book with the varied forms found in the score, yet one must not let such a notion carry too far. It is of interest in so far as it is a further link in a long and entertaining lineage of graphic realization of texts or events in more or less subtle forms through the history of music, and a comment on the dual nature of the composer-painter."

Gruß, Zelenka
satie (24.04.2008, 09:21):
Generell muss man mit Debussys Programmatik in den Preludes vorsichtig sein. Schließlich hat Debussy die "Titel" am Schluss der Stücke notiert, gerade so, als habe er hinterher erst eine Idee gehabt, welche Assoziation am besten dazu passt. Trotzdem kann ein solcher Bezug vorhanden sein, da ja sein guter Freund Satie sogar Stücke mit dem Titel Ogives (das sind ja gerade diese Spitzbögen) geschrieben hatte. Diese Stücke von Satie sind zwar klanglich anders, nutzen aber ähnliche vollgriffige Akkorde zu einer modalen Melodie. Dass Satie auf Debussy starken Einfluss hatte ist belegt, besonders was den Gebrauch der sogenannten "Parallelharmonik" betrifft. Das Hauptthema der Cathedrale könnte genauso gut von Saties frühen Ogives stammen, und das scheint mir Bezug genug zu sein.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e5/Debussy_cathedrale_engloutie.png
Ob es nun eine konkrete Übersetzung der Formen ist? Eine Phrase hat sehr oft eine solche Bogenform. Wer weiß...
ab (24.04.2008, 09:43):
Original von Zelenka


Herzlichen Dank für diesen Hinweis! (Woher die Zeit nur nehmen...)
Cosima (06.12.2008, 13:33):
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/4009850013105.jpg

Préludes , Livre 1 + 2 - Evgeni Koroliov

Bei den Debussy-Préludes stand mein favorisierter Pianist eigentlich seit Jahren fest: Arturo Benedetti Michelangeli. Gefolgt von Gieseking, Osborne und natürlich einzelnen Préludes, die Richter gespielt hat. (Pollini und François gefallen mir weniger, Bavouzet überhaupt nicht, Moravec hat leider auch nur einzelne Préludes gespielt.)

Evgeni Koroliov finde ich schlicht überwältigend! :downSein Spiel ist geprägt von herrlichster Klarheit und Transparenz, großem Klangfarbenreichtum und feinsten Nuancierungen. Es strahlt große Ruhe aus, ist aber keineswegs spannungsarm – im Gegenteil! Obgleich Koroliov quasi die Details herausmeißelt, bewahrt er stets den großen Überblick - eine derart intensive Interpretation habe ich noch nicht gehört. Wirklich phantastisch!

Ich habe allerdings auch schon eher negative Kritiken gelesen. Distler vergibt - am bekannten Ort - gerade mal eine 7/8, was hier für mich aber überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Man muss sich schon einlassen auf Koroliovs Deutung, sie ist sicher nicht jedermanns Sache. Die 8 für die Klangqualität kann man nur als sehr subjektive Kritik deuten (ich finde den Tacet-Klang sehr gut) – derselbe Rezensent vergibt nämlich für die Osborne-Aufnahme eine 10 für den Klang. Das kann ich nicht ernst nehmen, da die Hyperion-Aufnahme wirklich einen sehr mulmig-muffigen Klang hat (für mich max. eine 7), was ich sehr schade finde.

Gruß, Cosima
Cosima (07.12.2008, 13:45):
http://www.mdt.co.uk/public/pictures/products/standard/4781111.jpg

Nelson Freire mit den Debussy-Préludes, Livre 1 - erscheint Ende Januar

Freire gehört allerdings zu den Pianisten, die mir überhaupt nicht liegen. Seinen hochgelobten Schumann habe ich erst kürzlich wieder verkauft. Das war mir alles zu glatt, hatte zu wenig Biss - ist halt Geschmackssache... Aber reinhören werde ich wohl.
Cosima (07.12.2008, 16:50):
Ich muss noch einmal auf meinen obigen Beitrag zu Koroliov zurückkommen. Seine Aufnahme der Préludes lässt mich gar nicht mehr los, so groß ist mein Entzücken darüber! :down :down :down

Man muss sich wirklich auf diese Deutung einlassen und genau hinhören. Interessant ist in diesem Zusammenhang folgendes: Der Rezensent, Peter Cossé, hatte im Jahre 2005 bei seiner ersten Rezension eine ganz andere Sicht auf die Interpretation (er vergab nur 7 Punkte - vielleicht hat er auch einfach nur von Distler abgeschrieben). Damals schrieb er hier:

„gelingt ihm nicht, Funken zu schlagen, Grenzwerte auszukundschaften. Die Stücke ziehen vorüber wie in Reinschrift, aber sie hinterlassen in dieser Seh- und Hörweise zu wenig Spuren in der imaginären Erinnerungskartei des Hörers.“

Drei Jahre später, also am 6.11.2008, schreibt derselbe Cossé im krassen Gegensatz dazu (und vergibt 10 Punkte) hier:

„die Intensität dieser Debussy-Enthüllung ist so stark, so krass, dass man sich getrost für mehr als 80 Minuten diesem fast schon als musikalisch-autistisch zu bezeichnendem Abenteuer anvertrauen sollte.“

Da muss sich im Innern des Hörenden etwas sehr stark verändert haben oder er hat beim ersten Mal nicht intensiv genug hingehört. Obwohl: Mir erging es mit Koroliov ja ähnlich – ich fand seine Bach-Aufnahmen anfangs etwas bieder und hausbacken. Was für ein Irrtum!

Wie dem auch sei, ich liebe die Aufnahme sehr! Technisch scheint Koroliov völlig über den Schwierigkeiten zu stehen, über seinen herrlichen Klang usw. schrieb ich bereits oben. Aber da ist noch etwas Besonderes, was für mich diese Einspielung so anziehend macht. Cossé deutet es an mit „musikalisch-autistisch zu bezeichnendem Abenteuer“: Ich glaube, es ist diese Introvertiertheit in Koroliovs Spiel, die eine große Intimität und letztlich Intensität schafft.

An ab: Du musst Dir die Aufnahme unbedingt einmal anhören! Ich möchte so gerne wissen, was Du davon hältst!

Gruß, Cosima
Amadé (07.12.2008, 18:08):
Ich habe die Beiträge mal durchgesehen, mir fällt auf, das keiner der Forianer die Aufnahme mit Krystian Zimerman genannt und wohl auch (noch) nicht gehört hat. Soviel ich mich erinnere, bekam sie damals eine gute Presse.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028943577328.jpg

Gruß Amadé
ab (07.12.2008, 20:46):
Original von Cosima
An ab: Du musst Dir die Aufnahme unbedingt einmal anhören! Ich möchte so gerne wissen, was Du davon hältst!

Gruß, Cosima

Liebe Cosima,

wie gesagt, seit bald zwei Jahren bin in diesem Werk so gut wie verfallen. Ich habe vor, zu jeder Aufnahme, die ich bislang habe, genaueres zu schreiben. Lieder fehlt mir derzeit die Zeit.

Koroliov fand ich von den Hörschnipsel ganz besonders interessant. Leider, leider kenne sie aber noch nicht.

Vorweg gesagt, Cortot (die aus den 30ern) Gieseking (die aus den 30ern) und Monique Haas (Erato) und Benedetti Michelangeli (live; seine DGG-Aufnahmen kenne ich leider nicht wirklich) schätze ich am meisten. Meine heimliche Liebe geht an eine"abnorme" Interpretationen, nämlich an Kars. Bei den Mainstream-Aufnahmen denke ich, sollte Kocsis besonders erwähnt werden, auch wenn ich andere persönlich mehr mag. Ich bitte um Geduld...
Rachmaninov (08.12.2008, 07:38):
Original von Amadé
Ich habe die Beiträge mal durchgesehen, mir fällt auf, das keiner der Forianer die Aufnahme mit Krystian Zimerman genannt und wohl auch (noch) nicht gehört hat. Soviel ich mich erinnere, bekam sie damals eine gute Presse.

Gruß Amadé

Amade,

obwohl ich Zimerman sehr schätze kenne ich diese Aufnahme nicht.
Einige sehr gute Aufnahmen (z.B. Osborne) besitze ich bereits und die Zimerman Aufnahme war emir zu teuer, dafür, dass ich bei den Preludes noch nicht so richtig zur "Liebe" gefunden habe...
Gamaheh (10.02.2009, 17:48):
Hier spielt Philippe Bianconi zwei Stücke aus dem 2. Heft (allerdings nicht die, die drüberstehen, sondern La puerta del vino und Les fées sont d'exquises danseuses).

Grüße,
Gamaheh
ab (11.02.2009, 21:28):
Danke für den Bianconi-Link. Gefällt mir sehr gut, soweit dies die Aufnahme zu beurteilen zulässt. Irritierend, dass man nicht seinen Pedalgebrauch sehen kann, schade, und noch irritierender seine Glatze, deren Leuchten ständig das Auge anzieht und ablenkt. Hörte ich gerne einmal im Konzert...
Gamaheh (14.02.2009, 22:56):
Original von ab
Danke für den Bianconi-Link. Gefällt mir sehr gut, soweit dies die Aufnahme zu beurteilen zulässt. Irritierend, dass man nicht seinen Pedalgebrauch sehen kann, schade, und noch irritierender seine Glatze, deren Leuchten ständig das Auge anzieht und ablenkt. Hörte ich gerne einmal im Konzert...

Lieber ab,

schon wieder soviel Ärger! Wenn Du die Augen zumachst, siehst Du den kleinen kahlen Fleck (="Glatze") nicht. Ich finde die Qualität der Aufnahme übrigens durchaus zufriedenstellend, aber meine Ansprüche sind da vielleicht nicht so hoch wie Deine. Hier kannst Du - wenn auch fadenfremd - Bianconi noch mit Brahmsens h-moll-Rhapsodie op.79/1 hören. Wenn Du ihn im Konzert hören willst, mußt Du wahrscheinlich reisen ...

Im Sinne des Fadens höre ich gerade Philippe Cassard mit dem 2. Heft der Préludes. Cassard hat eine schöne Sprechstimme und plaudert nett auf France Musique über diverse Werke, aber als Musiker sagt er mir nichts. Sein Debussy ist mir zu schwerfällig - "plodding" würde der Engländer sagen - und ohne jede Sinnlichkeit, bodenständig und phantasielos, farblos und - langweilig. Also zumindest meinerseits keine Empfehlung!

Grüße,
Gamaheh
ab (15.02.2009, 23:31):
Original von Gamaheh

schon wieder soviel Ärger!

?(
Gamaheh (30.07.2009, 16:30):
Original von ab
Ich Ich bitte um Geduld...

Quo usque tandem ...?

In der Zwischenzeit möchte ich Dir unbedingt noch die Aufnahme von Michel Dalberto der Préludes Heft 1 (dabei sind auch die Images Heft 1) ans Herz legen:

http://graphics.musicme.com/jpg343/u0743216062928.jpg -

sie ist wohl die, die mich zur Zeit am meisten überzeugt. Dalberto hat durchaus eigene Vorstellungen, die aber durchaus nicht beliebig sind, sondern mir sehr durchdacht scheinen. Er erlaubt sich keine Übertreibungen, keine Geschmacklosigkeiten, und vor allem keine Langeweile, wie (für mich) doch leider bei so vielen Aufnahmen dieser Stücke. Sogar "Mouvement" hat etwas Geheimnisvolles (auch wenn das nicht zum eigentlichen Thema gehört).

Grüße,
Gamaheh
ab (30.07.2009, 18:28):
Original von Gamaheh
Original von ab
Ich Ich bitte um Geduld...

Quo usque tandem ...?

In der Zwischenzeit möchte ich Dir unbedingt noch die Aufnahme von Michel Dalberto der Préludes Heft 1 (dabei sind auch die Images Heft 1) ans Herz legen:

http://graphics.musicme.com/jpg343/u0743216062928.jpg -

sie ist wohl die, die mich zur Zeit am meisten überzeugt. Dalberto hat durchaus eigene Vorstellungen, die aber durchaus nicht beliebig sind, sondern mir sehr durchdacht scheinen. Er erlaubt sich keine Übertreibungen, keine Geschmacklosigkeiten, und vor allem keine Langeweile, wie (für mich) doch leider bei so vielen Aufnahmen dieser Stücke. Sogar "Mouvement" hat etwas Geheimnisvolles (auch wenn das nicht zum eigentlichen Thema gehört).

Grüße,
Gamaheh

Danke für den Tipp!

(die Zeit wird immer knapper, derzeit...)
Peter Brixius (18.11.2010, 09:22):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/414Y20A1CFL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/511V-KhdyYL._SS500_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/51S0oIB4eeL._SS400_.jpg

Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- Danseuses de Delphi

Am Beginn meiner Reise durch die Préludes, mit denen ich meinen Rundgang durch das Werk Debussys hier beginne, steht der sakrale Tanz der delphischen Tänzerinnen. Doux et soutenu sagen meine Noten, grave et lent gibt Planès an, eine langsame Sarabande.Man hört ein feierliches Schreiten im Dreivierteltakt, unterbrochen von einer Passage im Viervierteltakt. Eine Akkordmelodie und ihre chromatische Nebenstimme werden von wechselnden Farblichtern beleuchtet, klingen auf und verklingen im Dämmern, ein faszinierendes Stück, bei dem man hört, wo Satie den Most holte.

Unübertroffen, weil unübertrefflich, ist für mich die Einspielung mit dem Komponisten selbst - wie Chou-Chou schon bei dem Vortrag Cortots meinte: "Papa écoutait davantage" - die Kunst des Rubato verwischt eine falsche Bestimmtheit, ruft die Atmosphäre ins Bewusstsein. Da scheint mir Gieseking im Vergleich viel zu direkt, während Planès Debussy sehr nahe kommt.

Ich freue mich auf den Fortgang der Reise ...

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (19.11.2010, 08:56):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- Voiles

Voiles, Segel, heißt das zweite Stück - eigentlich haben die Stücke keine Titel, Debussy hat sie in Klammern jeweils darunter geschrieben. Die Titel beleben unsere Fantasie, die Eingangsfigur kann man gut mit einem Segel identifizieren, das schlaff hängt, aber empfindlich auf jedenn Lufthauch reagiert. Das zweite Element ist also der Wind, der im Zentrum des Stückes das Segel bewegt. Die Basslinie wiederum erinnert an die träge Bewegung des Wassers. Am Ende steht eine "leere" Terz: Erwartung, Ungewissheit der Zukunft, ein offenes Ende.

Liebe Grüße Peter
Heike (19.11.2010, 09:19):
Danke Peter für diesen Thread, der mir sehr gefällt. Ich habe gleich mal Gieseking aufgelegt und werde jedes Stück mit deiner Beschreibung noch mal ganz bewusst anhören.

Ich wusste gar nicht, dass es von Debussy selbst eine Einspielung gibt. Da werde ich sicher demnächst mal reinhören, falls ich sie bei Dussmann finde.
Heike
ab (19.11.2010, 09:28):
Original von Heike

Ich wusste gar nicht, dass es von Debussy selbst eine Einspielung gibt. Da werde ich sicher demnächst mal reinhören, falls ich sie bei Dussmann finde.
Heike

Diese Piano-Rollen-Aufnahme der Welte-Mignon ist gerade erst in einer Neuauflage auf einem Steinway-D durch das audiophile Label Tacet aus Stuttgart aufgenommen worden (neu in der feindynamik justierter Vorsetzer). Dieses Label, ein Einmannbetrieb mit halber Zusatzkraft gehört jedefalls untersztützt: kaufen!

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4009850016601.jpg

Claude Debussy:
1 Childrens Corner 15:28
2 Dun cahier desquisses 4:42
3 Estampes No. 2 "La Soirée dans Grenade" 5:16
4 Valse. La plus lente 3:17
5 Prélude I, No. 1 "Danseuses de Delphes" 3:09
6 Prélude I, No. 10 "La cathédrale engloutie" 5:31
7 Prélude I, No. 11 "La danse de Puck" 2:29
8 Prélude I, No. 3 "Le vent dans la paine" 2:09
9 Prélude I, No. 12 "Minstrels" 1:44
Maurice Ravel
10 Sonatine F sharp Minor I. Modéré 4:05
11 II. Mouvement de Menuet 3:02
12 Valses nobles et sentimentales 12:22
Heike (19.11.2010, 09:30):
Spannend, danke für die Info, ab.

Übrigens gibt es schon einen Debussy- Prelude- Thread, viellecht kann aStie die zusammenbasteln:
http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=626
ab (19.11.2010, 09:36):
Lieber Peter,
danke für die Neu-Eröffnung dieses Fadens, den ich schon seit Jahren weiterführen wollte, aber nie dazu gekommen bin. Die Préludes gehören für mich - um einen Satz von Hans von Bülow weiter zu spinnen - neben dem Wohltemperierten Klavier von Bach als Altem Testament und den Beethoven-Sonaten als Neuem Testament, sozusagen als darauffolgende Enzyklika zu den großartigsten Klavierwerken unserer Musikgeschichte. Vermutlich habe ich von keinem anderen Klavierwerk derart viele Aufnahmen - und kann kaum genug davon bekommen. Bevor wir aber zu den Interpretationen kommen, freue ich mich auf Deine Zeilen, in denen die einzelnen Stückchen zu beschreiben versucht werden.

:hello
Peter Brixius (19.11.2010, 12:09):
Lieber ab,

für mich ist dies die Entdeckung eines neuen Territoriums, das ich unbefangen betreten habe. Deshalb bin ich für Ergänzungen & Erleuchtungen und nicht zuletzt für einen Einblick in die Interpretationsgeschichte dankbar. Ich werde mich mit Gieseking und Planès durch die Inselwelt bewegen, dazu Debussy selbst dazu nehmen, wo es denn eine Eihnspielung von ihm gibt.

Begleiter auf meiner Reise sind mir sehr willkommen.

Liebe Grüße Peter
ab (19.11.2010, 12:53):
Original von Peter Brixius
dazu Debussy selbst dazu nehmen, wo es denn eine Eihnspielung von ihm gibt.


Von wann ist denn Deine Aufnahme von Debussys Piano-Rollen? Auf welchem Instrument wurde diese gemacht? Ist das Klavier eher nahe aufgenommen oder ist das Instrument mehr in einen Saal zurückversetzt worden?

Danke! :hello
Peter Brixius (19.11.2010, 13:23):
Lieber ab,

die Aufnahmen entstammen der Caswell-Collection. Die Rollen wurden auf einem Feurich-Welte Klavier aus dem Jahr 1923 abgespielt und von zwei historischen Neumann K 83 Mikrophonen in Stereo auf gezeichnet. Die Aufzeichnung wurde nicht weiter bearbeitet ("computerized"). Für meine Ohren hat sich ein natürlicher Klavierklang ergeben, mit ein wenig Raum, doch relativ nahe am Piano.

Liebe Grüße Peter
Rachmaninov (19.11.2010, 17:53):
Hallo,

habe mir erlaubt den neuem Preludes Thread mit dem alten zu verknüpfen!
Peter Brixius (20.11.2010, 21:39):
Original von Rachmaninov
Hallo,

habe mir erlaubt den neuem Preludes Thread mit dem alten zu verknüpfen!

Lieber Rachmaninov,

vielen Dank für Deine Mühe.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (23.11.2010, 14:34):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- Le Vent dans la plaine

Der Wind in der Ebene - eine Drehfigur rotiert um sich selbst bis zum Rausch. Ein ungestümer Wind, mit gewaltsamen Sprüngen (die Fortepassage) und einer schnellen gleitenden Bewegung. Darin eine Kantilene in es-moll. Am Ende entgleitet uns der Wind: C-dur, Des-dur, D-dur Dreiklang, dann nur noch B - Ces - B, das B vibriert fort - Ende.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (06.12.2010, 18:32):
Der Text, auf den sich Debussy bezieht, steht in dem Stück Ninette à la Cour von Favart. Dort gehört er zu der Ariette No.17


Dans nos Prairies
Toujours fleuries,
On voit sourire
Un doux zéphire;
Le vent dans la plaine
Souspend son haleine;
Mais il s'excite
Sur le côteaux;
Sans cesse il agite
Les orgueilleux ormeaux
Il s'irrite,
Sans cesse il agite
Les ormeaux


Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (15.12.2010, 22:07):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- "Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir"

Die Anführungszeichen zeigen, dass dieses Klavierstück sich (wie das vorherige auf ein Gedicht Favarts) auf einen poetischen Text bezieht, hier auf Baudelaire. Bei solchen sprachlichen Bezügen sind die Assoziationen des Hörers konkreter, aber sie haben noch immer viel Raum. Ein blühender Garten der Töne, ein Garten, über dem ein betäubender Zauber liegt, der Zauber etwa Armidas. Und so ergibt sich ein Schwanken zwischen Realität und Erwartungen, ein Gespräch zweier Liebender mit Fragen und Antworten, eine Melodik voll Liebesgedanken, eiine reiche Harmonik, die an Blütenschwere denken lässt. Und dann kommt das eigenartige Schwimmen im Tempo. So viele Spielanweisungen habe ich nicht in den vorherigen Préludes gesehen, z-B. im Zentrum des Stückes: plus lent - en animant - cédez - rubato - serrez - rubato - serrez - la basse un peu appuyée et soutenu - rubato - serrez, oft genug im Abstand von zwei Takten. Am Ende eine geistreiche Pointe: "Comme une lointaine sonnerie de Cors" - wie ein fernes Klingen von Hörnern. Dann versinkt der Zaubergarten.

Hier hat mir übrigens die etwas langsamere Gestaltung Giesekings besser gefallen, sie duftet stärker ...

Der Text bei Baudelaire als Ganzes zitiert:

Harmonie du soir

Voici venir les temps où vibrant sur sa tige
Chaque fleur s'évapore ainsi qu'un encensoir;
Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir;
Valse mélancolique et langoureux vertige!

Chaque fleur s'évapore ainsi qu'un encensoir;
Le violon frémit comme un coeur qu'on afflige;
Valse mélancolique et langoureux vertige!
Le ciel est triste et beau comme un grand reposoir.

Le violon frémit comme un coeur qu'on afflige,
Un coeur tendre, qui hait le néant vaste et noir!
Le ciel est triste et beau comme un grand reposoir;
Le soleil s'est noyé dans son sang qui se fige.

Un coeur tendre, qui hait le néant vaste et noir,
Du passé lumineux recueille tout vestige!
Le soleil s'est noyé dans son sang qui se fige...
Ton souvenir en moi luit comme un ostensoir!



Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (18.12.2010, 19:54):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- Les Collines d'Anacapri

Ein wenig zögernd betritt der Reisende das süditalienische Paradies, da hört er schon die ersten temperamentvollen Klänge - léger et lointain (leicht und fern), noch einmal der Reisende très modéré und schon geht es los- vif (lebhaft): eine kleine Tarantella-Melodie, ein Bruchstück, dann die eigentliche Tarantella, wie von einer jungen Italienerin geträllert. Keck springt die Melodie in den Bass, eine chromatische Gegenstimme antwortet ihr, eine dritte Melodie kommt auf, eine Canzonetta, sie bestimmt den Mittelteil ruhig und expressiv, am Ende über zwei Arpeggien fast langsam - und dann ist man wieder im brodelnden Leben (vif=lebhaft), die Melodien werden verarbeitet, mit dieser mitreißenden südländischen Leichtigkeit, die schon längst den Beobachter einbezogen hat, am Ende löst sich alles im blendenden Sonnenlicht auf, sich schnell steigernd bis zu den beiden letzten Fortissimo-Arpeggios - ein Bild von Lebenslust.

Nur kurz war die Erinnerung, es bleibt die Sehnsucht, die die sonnenumglänzten Hügel von Anacapri beschworen hat.

Liebe Grüße Peter
Jürgen (16.08.2012, 08:14):
http://pixhost.me/avaxhome/5d/8f/00228f5d_medium.jpeg


Debussy: Préludes Livre 1 & 2
Larissa Dedova - Piano; Moskau, Juli 2002

Die Pianistin war mir bislang unbekannt, obohl sie seit rund 30 Jahren konzertiert. Die Suche bei Amazon.com liefert gerade mal 5 Treffer.

Die Aufnahme ist gut durchhörbar, die Tonqualität auf recht hohem Niveau.
Der Interpretation hätte ich an wenigen Stellen einen etwas längeren Atem gewünscht.

Grüße
Jürgen
Peter Brixius (28.02.2015, 09:47):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- Des pas sur la neige

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61HKPM07BQL.gif

Wenn ich nun nach längerer Zeit den Faden noch einmal aufnehme, so merke ich doch einen Abstand zwischen dem, was ich damals hörte. Einiges möchte ich neu aufwerfen, wie die Frage zwischen dem rituellen Schreiten bei den Priesterinnen von Delphi und den sinnverwirrenden Rubati, die man in Debussys eigener Interpretation hört (und die nicht zuletzt das Rateteam des "Musikalischen Quartetts" bei der öffentlichen Sitzung im Rahmen der Schwetzinger Festspiele durcheinander brachte). Zwei Fragen an mich selbst, bei denen ich noch nicht weiß, wie ich sie beantworten soll: die Préludes ein geschlossener Zyklus - oder eine lockere Folge von Klavierstücken, die allerdings in zeitlicher Nähe entstanden sind? Ein von Tonarten geprägtes Fortschreiten wie bei Bach oder bei Chopin, die beiden Zyklen auf Augenhöhe mit Debussy, gibt es hier nicht. Man hat zwei Leittöne gefunden (B für den 1. Band, Des für den zweiten), in den "Danseuses" wird das B offengelegt, das Stück endet dann auch noch in einem überwältigendem B-Dur-Akkord.

Die zweite Frage, und die trifft meine Darstellungsweise: Sind die Préludes Programmmusik? Es gibt ja die verführerischen Titel, die auch mit dem musikalischen Geschehen korrespondieren. Allerdings hat Debussy sie nicht über die Stücke, er hat sie nachgesetzt. Da kann man die Kompositionen als absolute Musik nehmen - aber ihre Wirkung haben diese Titel schon. Denn die Musik erzählt offensichtlich, allerdings Stimmungen, Klangeindrücke und Klangfortsetzungen. Auf reine Impressionen beschränkt sich hier nichts, was man hört, bewegt sich, es lebt.

Die Assoziationen, die mit "Des pas sur la neige" (Schritte im Schnee) verbunden sind, bringen mir Schuberts "Der Leiermann" und (M. Croche mag's verzeihen) Wagners "Tristan" nahe. Es ist eine düstere Winterlandschaft, die sich vor meinem geistigen Auge darbietet. Ein Zweinotenmotiv mit einer Synkope - ein Sekundschritt - karges Material, karg wie das Leben im Winter. Ist es der Fuß des Wanderers, den man hört, ist es ein zaghafter Ruf? Mühsam entwickelt sich der Fortgang, die Schritte im Schnee zögern, setzen immer wieder ab um dann die Bewegung wieder aufzunehmen. Es erhebt sich eine Melodie, die lichtlose Verzweiflung ausdrückt, sie antwortet auf den Ruf, ohne ihn zu beantworten, ein Abbild trostloser Verlassenheit. Diese Melodie versinkt am Ende in den Abgrund namenloser Trauer. Zuvor erloschen die Schritte.

Ich habe die Aufnahme von Michelangelo Benedetti zum Anfang des Artikel angegeben, weil sie mich besonders beeindruckte. Man kann wie Gulda das Stück anders verstehen, aber dann ist es ein anderes Stück.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (01.03.2015, 12:51):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- Ce qu'a vu le vent de l'Ouest

"Aber da haben wir meinen Bruder aus dem Westen; ihn mag ich von allen am besten leiden; er schmeckt nach der See und führt eine herrliche Kälte mit sich!" "Ist das der kleine Zephyr?" frage der Prinz.
"Jawohl ist das Zephyr!" sagte die Alte. "Aber er ist doch nicht klein. Vor Jahren war es ein hübscher Knabe, aber das ist nun vorbei!"
Er sah aus wie ein wilder Mann, aber er hatte einen Fallhut auf, um nicht zu Schaden zu kommen. In der Hand hielt er eine Mahagonikeule, in den amerikanischen Mahagoniwäldern gehauen. Das war gar nichts Geringes" "Wo kommst du her?" fragte die Mutter. "Aus den Waldwüsten", sagte er, "wo die Wasserschlange in dem nassen Grase liegt und die Menschen unnötig zu sein scheinen!" "Was triebst du dort?" "Ich sah in den tiefsten Fluß, sah, wie er von den Felsen herabstürzte, Staub wurde und gegen die Wolken flog, um den Regenbogen zu tragen. Ich sah den wilden Büffel im Flusse schwimmen, aber der Strom riß ihn mit sich fort. Er trieb mit dem Schwarm wilder Enten, welche in die Höhe flogen, wo das Wasser stürzte. Der Büffel mußte hinunter; das gefiel mir, und ich blies einen Sturm, daß uralte Bäume splitterten und zu Spänen wurden".

(Hans Christian Andersen: Der Garten des Paradieses. zit. nach "http://gutenberg.spiegel.de/buch/hans-christian-andersen-m-1227/144")

Zwei Männer von Einfluss sind für dieses Prélude bestimmend. Die literarische Inspiration kam von Andersen, einen Autor, den Debussy sehr schätzte. Der musikalische Raum, auch der hohe Anspruch an eine Interpretation, ist Franz Liszt zuzuordnen. Keine Frage, dass hier alles Debussy ist, der diese Einflüsse genial verarbeitet hat.

Es gibt unterschiedliche Anordnungen der Préludes, meine Dover-Noten haben eine andere als etwa die Reihenfolge, in der Marcelle Meyer die Stücke spielt. Interessanterweise ist es gerade dieses Stück, das man an unterschiedlichen Stellen findet. Liegt es daran, dass es undatiert überliefert wurde? Wie immer auch, die Reihenfolge, die ich wiedergebe, scheint mir interpretatorisch logisch (doch ein geschlossener Zyklus?). Denn wo anders als zwischen den beiden Stücken, die am zugänglichsten formuliert sind, hätte dieses wilde Traumbild seine Wirkung?

Ein anderer Bezug ist "Voiles". Die leichte Brise dort hat sich zum tobenden Sturm entwickelt. Der Westwind fegt über den Ozean, und dessen aufgepeitschte Gischt gestaltet den Ablauf. Wut, Aggression des Sturmes zeigen sich in den schnellen Noten und den wilden Harmonien. Zwei Bewegungen bestimmen das Stück, die eingetrübten Arpeggien über den weit gespannten Orgelpunkt auf Fis und die von Urgewalt sprechenden dissonanten Akkord-Ausbrüche über wühlenden Tremolos.

Musikalisch wird die Wildheit gefasst durch die Spannung zwischen den Orgelpunkten Fis und C - dem Tritonus. Ein grandioses Stück Musik.

Gehört habe ich es u.a. in dieser beeindruckenden Interpretation

http://ecx.images-amazon.com/images/I/513vqn3h-5L._SS280.jpg

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (01.03.2015, 15:54):
Original von Peter Brixius
Es gibt unterschiedliche Anordnungen der Préludes, meine Dover-Noten haben eine andere als etwa die Reihenfolge, in der Marcelle Meyer die Stücke spielt.

Ist es diese Partitur?

http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/debussymaw3sfrjpb.jpg

http://store.doverpublications.com]



LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (01.03.2015, 16:42):
Original von Hosenrolle1
Original von Peter Brixius
Es gibt unterschiedliche Anordnungen der Préludes, meine Dover-Noten haben eine andere als etwa die Reihenfolge, in der Marcelle Meyer die Stücke spielt.

Ist es diese Partitur?

http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/debussymaw3sfrjpb.jpg

http://store.doverpublications.com]



Lieber Hosenrolle1,

eben die habe ich in den Musikbücherei ausgeliehen. Der Vorteil meiner Ausgabe: jemand hat mit sehr viel Fleiß (und mit Bleistift) ausführliche Analysen eingetragen. Da hat sich jemand das Werk sehr intensiv erarbeitet.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (05.03.2015, 19:36):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/71uiwliBMWL._SL300_.jpg

Die Aufnahme ist eine Offenbarung. Das Gedicht, das Debussy inspirierte wird in der Musik nicht abgebildet

La fille aux cheveux de lin
Charles-Marie René Leconte de Lisle

Sur la luzerne en fleur assise,
Qui chante dès le frais matin ?
C'est la fille aux cheveux de lin,
La belle aux lèvres de cerise.

L'amour, au clair soleil d'été,
Avec l'alouette a chanté.

Ta bouche a des couleurs divines,
Ma chère, et tente le baiser !
Sur l'herbe en fleur veux-tu causer,
Fille aux cils longs, aux boucles fines ?

L'amour, au clair soleil d'été,
Avec l'alouette a chanté.

Ne dis pas non, fille cruelle !
Ne dis pas oui ! J'entendrai mieux
Le long regard de tes grands yeux
Et ta lèvre rose, ô ma belle !

L'amour, au clair soleil d'été,
Avec l'alouette a chanté.

Adieu les daims, adieu les lièvres
Et les rouges perdrix ! Je veux
Baiser le lin de tes cheveux,
Presser la pourpre de tes lèvres !

L'amour, au clair soleil d'été,
Avec l'alouette a chanté.


Es fängt damit an, dass das Mädchen im Prélude nicht "assise", nicht sitzend ist. Sie bewegt sich mit den mehrfachen Ansätzen einer Melodie, spielerisch begonnen, abgebrochen, wieder neu begonnen. Und dann der Eindruck einer Kühle, einer Unerreichbarkeit, zu denen die "baisers" (die gewünschten Küsse) nicht passen. Debussys Vertonung hüllt das Mädchen in eine unüberschreitbare Schutzzone. Man denkt an eine der kühlen Schönheiten Dante Gabriel Rossettis, dessen "Démoiselle elue" Debussy ja vertonte. Jugendliche Anmut, eine zarte Sinnlichkeit und ein unüberwindbarer Zauber.

Die Freiheit der jungen Frau spiegelt sich in den freien Rückungen im Bass ebenso wie in der keltisch anmutenden Melodie. Sie stellt ein Rätsel, das nicht gelöst wird. Ein scheinbar einfaches Stück, das einen Charme verlangt, wie er von Marcelle Meyer einzigartig in ihr perlendes Spiel gefasst wird.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (05.03.2015, 19:52):
Original von Peter Brixius
Lieber Hosenrolle1,

eben die habe ich in den Musikbücherei ausgeliehen.

Laut Dover handelt es sich dabei um eine

Reprint of the Izdatel'stvo "Muzyka," Moscow, 1964 edition.

Sagt mir natürlich gar nichts, aber vielleicht hilft dir das irgendwie weiter?


Der Vorteil meiner Ausgabe: jemand hat mit sehr viel Fleiß (und mit Bleistift) ausführliche Analysen eingetragen. Da hat sich jemand das Werk sehr intensiv erarbeitet.

Oh, was für Analysen denn? In Form von Texten, oder Notizen zu Noten, Korrekturen oder ähnliches?

Dover hat ja meistens sehr schöne Cover für seine Partituren, und der Vorteil ist, dass sie auch vergleichsweise billig sind - aber leider sind sie oft fehlerhaft, weil es keine kritischen Ausgaben sind, sondern nur Nachdrucke alter Partituren, die durchaus fehlerhaft sein können.
Vielleicht hat derjenige diese Partitur kritisch durchgesehen und sie ergänzt?


EDIT: ganz kurz völlig OT: wie ist denn die Druckqualität dieser Dover Partitur? Sind die Notenlinien alle durchgehend, die Notenköpfe gut erkennbar, oder gibt es da löchrige Stellen?




LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (05.03.2015, 20:20):
Original von Hosenrolle1
Oh, was für Analysen denn? In Form von Texten, oder Notizen zu Noten, Korrekturen oder ähnliches?

Meist Fingersätze und Phrasierungen, aber hin und wieder eine ausführliche harmonische Analyse, in Hinsicht auf eine Aufführung, Markierungen von Zielpunkten, Rubati, richtig spannend auch deshalb, weil ich das mit meinen Einspielungen vergleichen kann. Um nur das heutige Beispiel zu verwenden: Zimerman und Meyer schaffen zwei deutlich unterschiedliche Auffassungen den Stücks, Zimerman ein eher konventionell impressionistisches auf höchstem Niveau, Meyer ein Stück, das solche einfachen Zuordnungen nicht mehr zulässt - klanggewordene Poesie.

Wenn ich da mal ein ausführlicheres Zitat von Marguerite Long (1874-1966) bringen darf

Wenn Debussy seine Musik spielte, war es wunderbar, unvergleichlich. Es gab keinen zweiten Pianisten, der so spielte wie Debussy. Die Geschmeidigkeit und die liebkosenden Gesten, mit denen er die Tasten berührte, sind mir unvergesslich. Er glitt mit einer merkwürdigen, nachdrücklichen Sanftheit über die Tasten und erzieltedadurch eine außerordentliche Ausdruckskraft. Die Sanftheit, verbunden mit ständigem Druck, verlieh dem Klang die Farbe, die nur er dem Klavier zu entlocken vermochte. Er spielte meist mit halb-schattierten Tönen, aber gleichzeitig, wie Chopin, ohne Härte im Anschlag. Die Skala der Abstufungsvielfalt in der Lautstärke reicht von einem dreifachen pianissimo bis forte, und zwar ohne Beeinträchtigung der Klangfülle, ohne Verlust der harmonischen Feinheiten. Wie Chopin betrachtete er den Pedalgebrauch als eine Art "Atemvorgang" (zit. nach Udo Zilkens: Claude Debussy spielt Debussy. Köln-Rodenkirchen 1998)


EDIT: ganz kurz völlig OT: wie ist denn die Druckqualität dieser Dover Partitur? Sind die Notenlinien alle durchgehend, die Notenköpfe gut erkennbar, oder gibt es da löchrige Stellen?

Noten und Druck sind in meinem Exemplar einwandfrei, Vergleichsstellen waren bis dato identisch, es gab bislang auch keine Korrekturen im Text.

Liebe Grüße Peter





LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (07.03.2015, 16:17):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- La sérénade interrompue

"Die unterbrochene Serenade" ist ein gut zugängliches Stück. Zu bewundern ist die Kunstfertigkeit, wie Debussy auf kleinstem Raum melodische Gegensätze unterbringt. Der Ort der Handlung ist Spanien, zwei Sänger bzw. zwei Freier streiten mit ihren Gitarren um die Gunst eines Mädchens, die verborgen hinter ihrem Blumengitter bleibt und das galante Turnier aufmerksam verfolgt (de Falla: Claude Debussy und Spanien).

Der eine beginnt mit seinem Ständchen, das Klavier verwandelt sich in eine Gitarre (auch im Tonumfang). Aber da mischt sich der andere Freier - in einer anderen Tonart ein, der erste klagt in f-moll, sein Konkurrent hält mit D-Dur dagegen, bis der erste wieder seinen Vortrag in f-moll aufnimmt. Wir sind in Andalusien, der Rhythmus des Stücks ist eine Jota im 3/8-Takt. Zwei Quinten bilden den rhythmischen Untergrund der Melodie. Der andere Musikant setzt einen 2/4-Rhythmus dagegen, das führt zu reizvollen rhythmischen Störungen. Melodisch steht da eine Liebeskantilene mit der Zigeunertonleiter F-Ges-A-B-C-Des-E gegen den Marsch aus der "Iberia", seine ruppigen Motive durchbrechen das Liebeswerben. Am Ende hört man den Gitarrenspieler trippelnd die Szene verlassen - ein Stück köstlichen Humors..

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Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (08.03.2015, 14:20):
Claude Debussy: Préludes - Premier Livre
- La Cathedrale englooutie

"Die versunkene Kathedrale" ist wohl das bekannteste Stück des des Buchs der Préludes. Zugrunde liegt ihm eine bretonische Legende, in der an der Küste der Insel Ys eine alte Kathedrale versunken ist. An klaren Morgen, wenn das Wasser durchsichtig ist, kann man die Kirche sehen. Man hört sogar das Singen der Priester, das Läuten der Glocken, das Spiel der Orgel über das Meer. Dann versinkt alles wieder in der See und es wird still. Debussy erfuhr von der Legende in Ernest Renans "Souvenirs d`enfance et de jeunesse" (1883).

Erstes Auftauchen, Sichtbarwerden und Versinken werden von drei Noten bestimmt, von D, E und H. Wie stets geht Debussy mit dem Material ökonomisch um. Umso eindrucksvoller ist der Gebrauch der harmonischen Abläufe. Am Beginn stehen Quintklänge (G-D), die Klänge ballen sich, steigen aus dem Nebel auf. Mit dem Gebrauch der Quinten assoziiert man Kirchenglocken, die aus der Ferne aufklingen.

Über H-Dur, Es-Dur wird C-Dur erreicht, sobald die Orgel ertönt. Der Orgelpunkt C ist Grundlage von riesenhaften Säulen von Quartsextakkorden, die einen großen Raum öffnen. Nach dem überwältigendem Höhepunkt beginnt die Kathedrale wieder zu versinken, man hört die Orgel unter dem Wasser. Der Effekt wird durch den Gebrauch des "Halbpedals", der Klang wird zunehmend erstickt. Am Ende hört man nur noch im Pianissimo weit entfernt die Glocken.

Wenn Debussy schon bei den "Tänzerinnen von Delphi" bemerkte, dies sei ein Stück, das unter vier Augen zu spielen sei, so bezog er die Äußerung auch auf "La cathédrale engloutie". Wenn Debussy ds Stück spielte, stellte er den Deckel des Flügels flacher, um nach seinen Worten den Ton zu ertränken.

Die Überraschung von Debussys eigenem Spiel auf dem Welte-Mignon ist der Tempowechsel: Takt 7-12 und Takt 22-83 spielt er im doppelten Tempo. Dadurch verschieben sich die Proportionen des Stückes deutlich, die Introduktion wird so bedeutsamer, ebenso ihre Reminiszenz am Schluss. Debussy wählt von einem zögerlichen Beginn her ein fließendes Tempo, das drängender wird, wenn die Kathedrale auftaucht und dann ein gewaltiges Accelerando und Crescendo bis zum Fortissimo erfährt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/414Y20A1CFL.jpg


Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (08.03.2015, 18:07):
Kennt übrigens jemand die Arbeit von Udo Zilkens "Claude Debussy spielt Debussy"? Ich finde das Buch sehr hilfreich.

Liebe Grüße Peter