war sicherlich einer der größten, für viele sogar DER größte Geiger des 20. Jahrhunderts. Zweifelsohne war er der wohl technisch vollkommendste Geiger, der jemals in einem derartigen Umfang auf Tonträgern dokumentiert wurde.
Für mich persönlich hat sein Geigenspielt etwas, etwas magisches, eine Faszination des "perfekten" Geigenspiels. Eine Wirkung, die Heifetz seit seiner frühesten Jugend bis zum Ende seiner Karriere auf viele Menschen ausübte, und dank seiner Tondokumente, auch heute noch ausübt.
Heifetz wurde 1901 in Wilna (Litauen) geboren. Nachdem die musikalische Begabung von Jascha früh durch den Vater erkannt wurde, der ihn dann auch zwei Jahre selber unterrichtete, wechselte er an die Musikschule seiner Heimatstadt!
Im Alter von SIEBEN Jahren spielte er bereits das Violinenkonzert von Mendelssohn und auch bereits zu dieser Zeit hörte ihn Leopold von Auer. Dieser nahm Heifetz dann 1910 in seine Klasse in Sankt Petersburg auf. Damit war Jascha der jüngste Schuler, der jemals in Sankt Petersburg aufgenommen wurde. Heifetz technischen Fähigkeiten waren zu dieser Zeit bereits nahezu vollständig ausgebildet. Auers Talent lag darin, jeden Schüler sehr individuel auf seine Fähigkeiten und Eigenarten hin zu unterrichten. In den 6 Jahren erhilt Heifetz eine fundierte musikalische Ausbildung.
1911 dann Debüt in St. Petersburg, 1912 Berlin, 1913 Leipzig wo ihn der berühmte Geiger Fritz Kreisler hörte und zu E. Zimbalist gesagt haben soll:"Sie und ich könnten unsere Fiedeln nehmen und über dem Knie zerbrechen"
1917 dann Flucht (wegen der Revolution) in die USA. Am 27.10.1917 dann sein Carnegie Hall Debüt, bei dem Heifetz voll überzeugte. Zwei Wochen später bereits die erste Schasllplattenaufnahme.
1919 war Heifetz bereits ein hoch bezahlter Konzertviolinist.
George Bernhard Swa schrieb ihm: "Wenn Sie einen eifersüchtigen Gott herausfordern, indem sie mit solch übermenschlicher Vollkommenheit spielen, werden sie jung sterben. Ich rate Ihnen dringend, jeden Abend, bevor Sie zu Bett gehen, ein paar falsche Töne zu spielen, statt zu beten!"
1925 wurde Heifetz Staatsbürger der USA.
Das Violinenkonzert h-Moll von W. Walton geht auf einen Kompositionsauftrag von Jascha Heifetz zurück.
Sein Spiel, auch wenn es sicherlich "Polarisiert" und durch manche als "kalt" bezeichnet wird, ist sicherlich einzigartig und so sind bis heute seine Aufnahmen berühmt und "berüchtigt".
Angeblich soll Heifetz zur Perfektionierung seines Spiels Tonaufnahmen seines Spiels verlangsamt gehört haben um auch noch kleinste Fehler zu erkennen.
Die US Premiere des 2. Prokfievs VC durch Heifetz ist sicherlich einer der wesentlichen Gründe für den großen Erfolg dieses Konzerts.
Dazu noch seine Kammermusikalische Zusammenarbeit mit Arthur Rubinstein, W. Primrose und Emanuel Feuermann.
1987 verstab Jascha Heifetz in Los Angeles aber glücklicherweise können wir uns an zahlreichen Aufnahmen dieses Ausnahmekünstlers erfreuen.
Absoult empfehlenswert sind für den Einstieg folgende Aufnahmen:
Cosima (19.03.2006, 16:46): Von Heifetz hat sich bei mir auch einiges angesammelt; eigentlich gefallen mir alle seine Aufnahmen, weil ich sein Geigenspiel besonders liebe.
… weil sich darauf ein ca. 10-minütiges Interview mit Heifetz aus dem Jahre 1970 befindet, in dem er – der sonst so scheue und zurückhaltende Künstler - einige offenherzige Bemerkungen zu verschiedenen Themen macht.
Natürlich lohnt sich die CD auch wegen der Musik. :D
Gruß, Cosima
Peter (20.03.2006, 14:47): Hallo,
Heifetz ist sicher einer der größten Geiger der Musikgeschichte, er steht auf einer Stufe mit Paganini, Joachim, Oistrach und wenigen anderen.
Ich habe auch schon einige Sache mit ihm. Weniger überzeugt hat er mich mit dem Tschaikowsky-Konzert. Da sind so einige Eigenarten drin, die mir persönlich nicht gefallen. Mendelssohn ist dafür super, die perfekte Aufnahme hat er aber beim Brahms-Konzert hinbekommen. Da stimmt einfach alles, der Geigenton ist rein und klar, er spielt mit viel Gefühl und die Begleitung stimmt auch. Ebenso grandios ist das Doppelkonzert a-Moll mit Piatigorsky am Cello. Diese beiden Partner sind sich absolut ebenbürtig und harmonieren bei dem Stück so, wie ich es noch bei keiner anderen Aufnahme harmoniert habe, obwohl es viele gute Aufnahmen des Doppelkonzertes gibt.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1043136.jpg
Gruß, Peter.
Maik (20.03.2006, 14:48): Hallo,
Heifetz - bisher ist er durch eine CD in meiner Sammlung vertreten, aber so lang bin ich noch nicht bei der klassischen Musik. Diese CD gefällt mir sehr gut und zudem ist sie wunderbar preiswert!
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7254938.jpg
Am Anfang könnte der Klang etwas abschrecken, aber das legt sich nach wenigen Momenten - denn das Spiel ist wirklich fantastisch!
Grund für diese CD war Lalo's Symphonie espagnole. Auch die Zigeunerweisen von Sarasate sind herrlich, wobei ich hier immer noch nicht weiß, ob ich mich mehr für Heifetz oder Suwanai begeistern kann...beide sind einfach nur toll. Jeder wählt die Betonungen anders und somit hat man zwei verschiedene und doch hervorragende Aufnahmen zusammen!
Mit den Werken von Saint-Saens und Chaussons habe ich mich noch nicht intensiv genug beschäftigt, wobei ich bei Chaussons bei den beiden Hörsitzungen immer etwas Langeweile hatte - es war etwas Gutes dabei, aber teilweise doch schon etwas schwerfällig - jedenfalls für mich.
Liebe Grüße, Maik
Rachmaninov (24.03.2006, 19:36): Eine weiter Aufnahme, die zu den IMO unerreichten Glanzlichtern in der Diskographie von J. Heifetz gehören ist die Aufnahme des Bruch VC.
Für mich ein klarer Beweiss dafür, daß Heifetz eben nicht der kühle Techiker war, sondern auch die emotionalen Aspekte und Darstellungen beherrschte.
Rachmaninov (07.07.2006, 21:47): In "Sachen Heifetz" möchte ich eindringlich auf die Aufnahme Jascha Heifetz "in Performance" hinweisen.
Sie beinhaltet Aufnahmen aus den Jahren 1945-1951 und bietet einen sehr guten Einstieg bzw. Überblick über die Fähiogkeiten dieses grandiosen Geigers.
Die Doppel CD enthält Aufnahmen des Beethoven, Brahms, Sibelius, Prokofiev #2 und Konrgold Violinenkonzerts.
IMO muss man einfach alle o.g. Konzert mit Heifetz kennen :down
Danke für den Tipp! Die Geige ist das von mir bevorzugte Instrument! Gute Geiger-Empfehlungen nehme ich gerne an! Hab den Namen zwar noch nicht gehört, aber ich denke, dass es auch Plattenaufnahmen von Ihm gibt und nach denen werde ich mich umschauen!
Gruß daniel :thanks
Rachmaninov (05.11.2007, 18:31): Gerade hört ich, nach doch längerer Zeit, nochmals eine Heifetz Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6150334.jpg
Was ein Genuß, dieses blitzsaubere Spiel, nuancenreich, voller Brillianz..... irre! Man höre sich mal den ersten Satz. Nicht der Hauch einer Unsauberkeit.
Und dann diese Farbe, ja Farbe, im Mittelsatz ........ wer Heifetz nur als glatten Techniker sieht wird hier vom Gegenteil überzeugt!!!
Zelenka (05.11.2007, 19:58): Original von Rachmaninov Gerade hört ich, nach doch längerer Zeit, nochmals eine Heifetz Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6150334.jpg
Was ein Genuß, dieses blitzsaubere Spiel, nuancenreich, voller Brillianz..... irre! Man höre sich mal den ersten Satz. Nicht der Hauch einer Unsauberkeit.
Und dann diese Farbe, ja Farbe, im Mittelsatz ........ wer Heifetz nur als glatten Techniker sieht wird hier vom Gegenteil überzeugt!!!
Ich besitze zwar nur einen älteren Transfer, nicht diese schmucke "Living Stereo"- Ausgabe, aber wir sind ausnahmsweise einer Meinung!
Gruß, Zelenka
Rachmaninov (13.04.2006, 22:21): Hallo,
ich meine mich zu erinnern irgendwo in einem Artikel oder Interview gelesen zu haben, daß Heifetz sogar Aufnahmen während seiner Übungen erstellte um diese in verlangsamter Geschwindigkeit abzuspielen. Angeblich wollte er so noch feinste "Unsauberkeiten" feststellen.
Rachmaninov (07.07.2006, 21:47): In "Sachen Heifetz" möchte ich eindringlich auf die Aufnahme Jascha Heifetz "in Performance" hinweisen.
Sie beinhaltet Aufnahmen aus den Jahren 1945-1951 und bietet einen sehr guten Einstieg bzw. Überblick über die Fähiogkeiten dieses grandiosen Geigers.
Die Doppel CD enthält Aufnahmen des Beethoven, Brahms, Sibelius, Prokofiev #2 und Konrgold Violinenkonzerts.
IMO muss man einfach alle o.g. Konzert mit Heifetz kennen :down
Danke für den Tipp! Die Geige ist das von mir bevorzugte Instrument! Gute Geiger-Empfehlungen nehme ich gerne an! Hab den Namen zwar noch nicht gehört, aber ich denke, dass es auch Plattenaufnahmen von Ihm gibt und nach denen werde ich mich umschauen!
Gruß daniel :thanks
Rachmaninov (05.11.2007, 18:31): Gerade hört ich, nach doch längerer Zeit, nochmals eine Heifetz Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6150334.jpg
Was ein Genuß, dieses blitzsaubere Spiel, nuancenreich, voller Brillianz..... irre! Man höre sich mal den ersten Satz. Nicht der Hauch einer Unsauberkeit.
Und dann diese Farbe, ja Farbe, im Mittelsatz ........ wer Heifetz nur als glatten Techniker sieht wird hier vom Gegenteil überzeugt!!!
Zelenka (05.11.2007, 19:58): Original von Rachmaninov Gerade hört ich, nach doch längerer Zeit, nochmals eine Heifetz Aufnahme.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/6150334.jpg
Was ein Genuß, dieses blitzsaubere Spiel, nuancenreich, voller Brillianz..... irre! Man höre sich mal den ersten Satz. Nicht der Hauch einer Unsauberkeit.
Und dann diese Farbe, ja Farbe, im Mittelsatz ........ wer Heifetz nur als glatten Techniker sieht wird hier vom Gegenteil überzeugt!!!
Ich besitze zwar nur einen älteren Transfer, nicht diese schmucke "Living Stereo"- Ausgabe, aber wir sind ausnahmsweise einer Meinung!
Gruß, Zelenka
Rachmaninov (05.03.2008, 17:22): @Forianer,
Jascha Heifetz hat, soweit mir bekannt, keine Aufnahme der Schostakowitsch VK hinterlassen. Mir ist auch nicht bekannt ob er sie jemals aufgeführt hat.
Kann einer hier Aufklärung leisten und ggf. begründen warum dies so ist?
Diese Aufnahme des Prokofiev-Violinkonzertes aus 1937 (BSO, Koussevitzky) ist für mich fast interessanter als die spätere unter Munch (RCA). Ich empfinde sie als lebendiger und frischer, der typische Heifetz-Klang kommt auch besser zur Geltung. Allerdings spielt das Orchester nur eine eher untergeordnete Rolle, Munch konnte sich später wohl besser durchsetzen.
Gekoppelt ist die Aufnahme mit dem Gruenberg-Konzert, das der Komponist eigens für Heifetz geschrieben hatte. Es steckt voller enormer Schwierigkeiten; anscheinend hat sich nach Heifetz auch kein anderer Geiger mehr an diesen Virtuosenreißer gewagt. Verständlich, denn Heifetz spielt es zum Niederknien!
Eggebrecht hat recht: Der Heifetz-Klang kann süchtig machen. Ich stecke derzeit wieder in einer solchen Sucht-Phase. Das ist für mich mit ganz weitem Abstand der schönste Geigenklang, den ich kenne! Was für ein großer, charismatischer, unglaublicher Künstler! :down
Gruß, Cosima
Rachmaninov (31.05.2008, 07:44): @Cosima,
die Naxos Aufnahmen mit Heifetz habe ich auch auf dem virtuellen Zettel. Er soll ja unglaublich konstant gespielt haben über den Verlauf seiner Karriere...
Beethoven: Romanzen Nr. 1 & 2 f. Violine & Orch. + Lalo: Symphonie Espagnole op. 21 (22.-23.6.1950; Philharmonia Orch., Walter Süsskind)) + Chausson: Poeme op. 25
Ich zitiere hierzu Rob Cowan (2001) aus dem Booklet:
„Mit der brillanten Aufnahme der Symphonie espagnole von Lalo unter Steinberg, die Heifetz 1951 für RCA einspielte, sind britische Sammler längst vertraut; aber in der älteren, britischen Platte klingt die Geige ansprechender, die Orchesterbegleitung ist besser balanciert und geht mehr ins Detail. 1950 scheint Heifetz weniger unter Druck zu sein, das Vibrato ist nicht ganz so eng und sein Zugang zu dem Werk entspricht eher seinen Interpretationen im Konzertsaal. Jeder Takt dieses Werkes wie der Romanzen ist von ganz unwahrscheinlicher Farbgebung und Nuancierung beseelt.“
"Beseelt" - das ist es! :down Fantastisch! Auch die Klangqualität ist hervorragend!
Gruß, Cosima
Nicolas_Aine (19.07.2008, 15:04): ich hab inzwischen auch so einige Aufnahmen von Heifetz, meine Lieblingsaufnahmen von ihm dürften wohl Tchaikovsky und Wieniawski sein. Auch allgemein ist er mein absoluter Lieblingsgeiger, ich finde seinen Stil einfach genial und alles andere als kalt.
Nur manchmal finde ich seine Tempi zu schnell, z.B. beim Mendelssohn VC oder auch bei Sibelius.
Rachmaninov (10.09.2008, 11:22): gerade laß ich auf einer HP ein Zitat von J. Heifetz
"There is no top. There are always further heights to reach." Quelle: http://www.jaschaheifetz.com
Denke diese Aussage ist wohl charakteristisch für diesen grandiosen Geiger und warum er über so lange Zeit auf diesem Niveau spielen konnte.
Je länger ich Violinisten verfolge und ihre Aufnahmen höre um so weniger scheine mir diesem Anspruc gerecht. Meine Liste aktuelle zu beachtender Violinisten wird eigentlich immer kürzer.
Nicolas_Aine (17.10.2008, 14:56): @Rachmaninov: Wenn du schon fragst, mich würde mal interessieren, warum es auch keine Aufnahme vom Dvorak Konzert von ihm gibt, ich denke, das wäre auch eines der Konzerte gewesen, die sehr gut zu ihm gepasst hätten. Weiß das jemand?
Rachmaninov (17.10.2008, 15:48): Original von Nicolas_Aine @Rachmaninov: Wenn du schon fragst, mich würde mal interessieren, warum es auch keine Aufnahme vom Dvorak Konzert von ihm gibt, ich denke, das wäre auch eines der Konzerte gewesen, die sehr gut zu ihm gepasst hätten. Weiß das jemand?
zumindestens besitze ich keine, müßte man mal schauen ob es eine übersicht seiner diskographie gibt.
Nicolas_Aine (17.10.2008, 20:41): gibt es, und zwar hat mein Geigenlehrer aus Taiwan ein Buch, in dem zu jedem Stück alle beim Druck vorhandenen Aufnahmen eingetragen worden sind. Das Buch stammt aus den 90ern, und bei Dvorak steht leider kein Heifetz.
Rachmaninov (17.10.2008, 23:06): Original von Nicolas_Aine gibt es, und zwar hat mein Geigenlehrer aus Taiwan ein Buch, in dem zu jedem Stück alle beim Druck vorhandenen Aufnahmen eingetragen worden sind. Das Buch stammt aus den 90ern, und bei Dvorak steht leider kein Heifetz.
Bezogen auf meine "Frage" ist Deine Antwort zweideutig ?(
Nicolas_Aine (17.10.2008, 23:25): hm, blick ich nicht ganz^^
Jedenfalls, ne Übersicht über seine Diskographie gibts auf jeden Fall, da mein taiwanesischer Geigenlehrer irgendwann mal seine Gesamtdiskographie gekauft hat, als 1 Box.
Das ist das einzige, was ich bei google gefunden hab: http://www.sonybmg.de/artists2.php?iA=7&artist=4315
Rachmaninov (18.10.2008, 08:03): Original von Nicolas_Aine hm, blick ich nicht ganz^^
Jedenfalls, ne Übersicht über seine Diskographie gibts auf jeden Fall, da mein taiwanesischer Geigenlehrer irgendwann mal seine Gesamtdiskographie gekauft hat, als 1 Box.
Das ist das einzige, was ich bei google gefunden hab: http://www.sonybmg.de/artists2.php?iA=7&artist=4315
Ich fragte ob es überhaupt eine Aufnahme gint und du antwortest "gibt es, aber dann das es keine Aufnahme von Heifezt mit dem Dvorak VK gibt"
Nicolas_Aine (18.10.2008, 14:43): ach so^^ das "gibt es" war auf die Übersicht über seine Diskographie bezogen. War schlecht formuliert, ich gebs zu^^
rejo (13.02.2009, 21:57): hallo,
das ist ja toll ,haben gerade nacch schöner alter Geigenmusik rechachiert mich würde noch interessieren ob du vielleicht weißt welche denn die erste cd des beeindruckendes Geigers ist?
danke und lg
Falstaff (15.05.2017, 00:04): Auch ich bin immer wieder von seinem Spiel, seinem Geigenton und seiner fast spielerischen Brillanz fasziniert. Für mich gehört er zu der Riege von Künstlern, die vordergründig klar, fast sachlich, ein wenig künstlich musizieren, deren Spiel/Gesang aber im Moment der Ausführung geradezu 'umkippt' und dabei große Emotionalität aufweisen. Ich bin immer wieder von ihm ganz stark berührt.
Deshalb habe ich mir dann auch diese Box zugelegt:
Ein ganz schöner Brummer mit 103 CD's und einer DVD, die nun wahrlich einen wunderbaren Überblick über sein gesamtes Künstlerleben gibt. Alles, was er wohl jemals offiziell eingespielt hat, ist dort enthalten. Leider hat Qualität ihren Preis und der steigt regelmäßig. :D
Hier, auch nicht gerade zum Schnäppchenpreis erhältlich, findet sich dann noch einmal die gesamte Zusammenarbeit mit Piatigorsky, einem ungemein kraftvollen Cellisten. Ein Traum an Übereinstimmung und vitalem Musizierens. Und wenn dann noch Rubinstein hinzutritt. :down
:hello Falstaff
Cetay (inaktiv) (15.05.2017, 18:20): Mein Hörrepertoire an Violinkonzerten ist ziemlich schmal (Mozart, Beethoven und -mittlerweile gestrichen- Sibelius; Nielsen hat m.E. er nicht aufgenommen), aber bei dem wenigen, was ich gehört habe, konnte ich mich für Heifetz' Spiel nie erwärmen. Technisch brillant und makellos ist es sicher, aber von dem Umkippen ins Emotionale habe ich nichts mitgekommen. Jeder Klassikfreund braucht wohl einen Fall, mit dem er sich gegen die komplette Kritikerschaft stellt und meiner ist Heifetz. Die Kombination aus halsbrecherischen Tempi und glatt-perfektem Spiel wirkt auf mich als zur Schau gestellte Virtuosität - insbesondere bei der späten Aufnahme des Sibelius-Konzerts.
Cantus Arcticus (02.06.2017, 18:45): Jeder Klassikfreund braucht wohl einen Fall, mit dem er sich gegen die komplette Kritikerschaft stellt und meiner ist Heifetz. Lieber Cetay Bei Heifetz gebe ich Dir 100% recht! Heifetz ist genau der Künstler, der bei mir 0,00 auf der nach oben offenen Geigenskala auslöst. Ich habe mich einmal kritisch bei meinem Musikhändler hier in Zürich über Heifetz geäussert und er hat mir gesagt (mit einem Augenzwinkern): "Das dürfen Sie hier aber nicht laut sagen, wir haben einen regelrechten Heifetz-Jüngerkreis hier, alles aber schon ältere Semester." Da sage ich nur: Suum cuique....
... er gefällt mir trotzdem nicht :huh: !
Gruss Stefan
Nicolas_Aine (01.09.2017, 13:45): ich hab inzwischen auch so einige Aufnahmen von Heifetz, meine Lieblingsaufnahmen von ihm dürften wohl Tchaikovsky und Wieniawski sein. Auch allgemein ist er mein absoluter Lieblingsgeiger, ich finde seinen Stil einfach genial und alles andere als kalt.
Nur manchmal finde ich seine Tempi zu schnell, z.B. beim Mendelssohn VC oder auch bei Sibelius.
auch wenn sich viele meiner Vorstellungen über Musik in jeglicher Hinsicht - Praxis, Vorstellung, Aufnahmen, Meinungen über Interpreten, Werke etc. - in den letzten gut 10 Jahren sehr geändert haben, diesen Post kann ich auch heute noch unterschreiben. Heifetz fasziniert mich als Geiger natürlich auch durch seine Technik, das ist klar. Nichtsdestotrotz empfinde ich sein Spiel auch heute noch als überhaupt nicht kalt. Wobei ich sagen muss, dass kalt und warm in Bezug auf Heifetz für mich schlechte Worte sind. Meine Assoziation zu seinem Spiel ist eine Art "kaltes oder eisiges Glühen". Mir will leider nicht so recht einfallen, wie ich das genauer beschreiben könnte. Vielleicht so: Sein Ton hat für mich keine Wärme, wie es z. B. Perlman hat, aber trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, lässt mich sein Spiel alles andere als kalt.
Falstaff (02.09.2017, 23:35): Mir will leider nicht so recht einfallen, wie ich das genauer beschreiben könnte. Vielleicht so: Sein Ton hat für mich keine Wärme, wie es z. B. Perlman hat, aber trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, lässt mich sein Spiel alles andere als kalt. Genau das macht auch für mich die Faszination aus, die von Heifetz ausgeht. So sehr ich die anderen Geiger mit dem 'wärmeren' Ton bewundere (hier hätte ich persönlich z.B. Oistrach genannt), ist es diese gewisse Distanz, die er zu den Werken schafft ohne dabei distanziert zu klingen, die mich unglaublich in seinen Bann gezogen hat. Unabhängig von seiner technischen Brillanz. Aber letztlich habe ich das ja schon weiter oben versucht zu erklären.
Er gehört für mich übrigens in eine Reihe z.B. mit Künstlern wie Schwarzkopf, Fischer-Dieskau oder aus einem anderen Bereich John Gielgud. Ale besaßen diese vordergründige Künstlichkeit, die aber in meinen Ohren wirklich nur vordergründig war. 'Kunst kommt von künstlich'. Vielleicht trifft es das sogar. Aber dabei bleibt es bei diesem Ansatz nicht beim Künstlichen, sondern in der Distanz zum Kunstwerk, auch in einer gewissen Verfremdung, ereignet sich dann Kunst.
'Das Publikum soll weinen, nicht der Interpret.' - Kathleen Ferrier hat das durchbrochen. Sie hat während Aufführungen geweint und sich dann bei Bruno Walter entschuldigt. Aber Ferrier konnte es sich erlauben. Ihre Interpretationen sind geradezu aus einer anderen Welt. Bei Oistrach habe ich manchmal das Gefühl, seine Emotionen rissen ihn auch zu sehr mit. Aber auch er konnte damit umgehen. Bei Heifetz hat man nie das Gefühl, dass das eintreten könnte, was Menuhin mal so bezeichnet hat: "Es gibt keine Grenze zwischen Süße und Sentimentalität. Man darf sie nur nicht überschreiten." Von dieser Gefahr war Heifetz weit entfernt (und sie liegt bei der Violine doch so gefährlich nahe). Er nahm von vornherein eine andere Haltung ein. Und trotzdem war alles da!