satie (19.01.2008, 14:29): Anlässlich meiner gestrigen Begegnung hier im Forum mit unserem neuen Mitglied namens Kondo möchte ich hier einen Thread zu seinem Namensgeber eröffnen.
Der japanische Komponist Jo Kondo dürfte wahrscheinlich eher wenigen unter uns bekannt sein, daher ist es vielleicht um so wichtiger, ihn hier mal vorzustellen.
Einige Infos zu ihm:
Kondo wurde 1947 geboren, studierte zunächst in Tokyo Komposition. In den 70er-Jahren erhielt er ein Rockefeller-Stipendium und hielt sich in den USA, vorwiegend in New York auf, wo er die Komponisten aus dem Unkreis der New York School (Cage, Feldman, Wolff, Browne u.a.) kennenlernte. Die Bekanntschaft dürfte von einigem Einfluss auf Kondo gewesen sein. In den 80ern gründete er das Musica Pratica Ensemble, ein Spezialensemble für zeitgenössische Musik. Kondo schrieb vor allem Kammermusik, aber auch Orchester- und Bühnenwerke. http://home.swipnet.se/sonoloco7/Kaul/kondoIR.jpg
Weitere Informationen sind zu finden unter: http://www.uymp.co.uk/composers/kondo1.htm (in english) http://www.berlinerfestspiele.de/de/archiv/festivals2006/02_maerzmusik06/mm_06_kuenstler/mm06_Jo_Kondo__b.php (deutsch, leider sehr kurz)
Ich lernte Kondo durch meinen Lehrer und Freund Walter Zimmermann kennen, der ebenfalls mit Feldman und Cage befreundet war. Nachdem ich einige frühe Werke gehört hatte, die eher konzeptartig waren, begeisterten mich die späteren Kompositionen Kondos sofort. Eines der früheren Werke, Sight Rhythmics, hatte ich damals analysiert. Es ist ein Werk für eine extrem exotische Besetzung: violine, banjo, steel drum, electric piano, und Tuba. Man würde kaum denken, dass das zusammen gut klingt. Es tut es! Der Witz bei dieser mehrsätzigen Komposition ist, dass es 5 mal im Grunde derselbe Satz ist, in jedem Satz aber ein Instrument völlig neu geschrieben wurde, während alle anderen das spielen, was sie vorher auch spielten. So entstehen beim Hören Irritationen, man denkt an Variation, kann aber nicht genau sagen, was sich verändert (rein hörend wäre ich niemals auf dieses einfache Prinzip gekommen). Hier ist also der Konzeptcharakter noch spürbar. Es gibt über 100 Werke von ihm, ich kenne einige davon, längst nicht alle. Besonders begeistert haben mich: Hunisuccle (ein sehr poetisches und klangschönes Orchesterwerk, bei dem es immer Zäsuren gibt, die durch den immer gleichen Klavierakkord gefüllt werden; erst ganz am Schluss löst das Klavier das auf) Threadbare Unlimited (ich hoffe, das ist das richtige Stück...für Doppelstreichquartett, ein nicht minder klangschönes Stück) The Serotinous (für Ensemble und Klavier; dieses Stück hat wieder ein einfaches Prinzip: das Ensemble spielt einen Klang ("Akkord"), und das Klavier spielt ihn danach auch, so als ob es zu spät käme. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie anders ein Klang auf dem Klavier und in anderer Instrumentation klingen kann) Bonjin (Altflöte, Kontrabass, Stimme; ein karges Stück; der Bonjin ist der "einfache Mann"; es erinnert teilweise an die gotische mehrstimmigkeit) Strands II (für Klaviere; hier können belibig viele Klaviere gleichzeitig das selbe Stück spielen; dadurch sollen leichte rhythmische Schwankungen, Reibungen entstehen. Auch dieses Stück ist höchst poetisch, wunderschön)
Dies als Beispiele, unter dem ersten Link oben kann man alle Aufnahmen und Werke finden. Ich bin vor einigen Jahren Kondo hier in Berlin begegnet (ich hatte die Gelegenheit, eine Konzerteinführung mit dem Ensemble L'art pour l'art zu machen). Damals erschien er mir als bescheiden und höflich, litt allerdings auch unter einem grausaman Jetlag...
satie (19.01.2008, 14:29): Anlässlich meiner gestrigen Begegnung hier im Forum mit unserem neuen Mitglied namens Kondo möchte ich hier einen Thread zu seinem Namensgeber eröffnen.
Der japanische Komponist Jo Kondo dürfte wahrscheinlich eher wenigen unter uns bekannt sein, daher ist es vielleicht um so wichtiger, ihn hier mal vorzustellen.
Einige Infos zu ihm:
Kondo wurde 1947 geboren, studierte zunächst in Tokyo Komposition. In den 70er-Jahren erhielt er ein Rockefeller-Stipendium und hielt sich in den USA, vorwiegend in New York auf, wo er die Komponisten aus dem Unkreis der New York School (Cage, Feldman, Wolff, Browne u.a.) kennenlernte. Die Bekanntschaft dürfte von einigem Einfluss auf Kondo gewesen sein. In den 80ern gründete er das Musica Pratica Ensemble, ein Spezialensemble für zeitgenössische Musik. Kondo schrieb vor allem Kammermusik, aber auch Orchester- und Bühnenwerke. http://home.swipnet.se/sonoloco7/Kaul/kondoIR.jpg
Weitere Informationen sind zu finden unter: http://www.uymp.co.uk/composers/kondo1.htm (in english) http://www.berlinerfestspiele.de/de/archiv/festivals2006/02_maerzmusik06/mm_06_kuenstler/mm06_Jo_Kondo__b.php (deutsch, leider sehr kurz)
Ich lernte Kondo durch meinen Lehrer und Freund Walter Zimmermann kennen, der ebenfalls mit Feldman und Cage befreundet war. Nachdem ich einige frühe Werke gehört hatte, die eher konzeptartig waren, begeisterten mich die späteren Kompositionen Kondos sofort. Eines der früheren Werke, Sight Rhythmics, hatte ich damals analysiert. Es ist ein Werk für eine extrem exotische Besetzung: violine, banjo, steel drum, electric piano, und Tuba. Man würde kaum denken, dass das zusammen gut klingt. Es tut es! Der Witz bei dieser mehrsätzigen Komposition ist, dass es 5 mal im Grunde derselbe Satz ist, in jedem Satz aber ein Instrument völlig neu geschrieben wurde, während alle anderen das spielen, was sie vorher auch spielten. So entstehen beim Hören Irritationen, man denkt an Variation, kann aber nicht genau sagen, was sich verändert (rein hörend wäre ich niemals auf dieses einfache Prinzip gekommen). Hier ist also der Konzeptcharakter noch spürbar. Es gibt über 100 Werke von ihm, ich kenne einige davon, längst nicht alle. Besonders begeistert haben mich: Hunisuccle (ein sehr poetisches und klangschönes Orchesterwerk, bei dem es immer Zäsuren gibt, die durch den immer gleichen Klavierakkord gefüllt werden; erst ganz am Schluss löst das Klavier das auf) Threadbare Unlimited (ich hoffe, das ist das richtige Stück...für Doppelstreichquartett, ein nicht minder klangschönes Stück) The Serotinous (für Ensemble und Klavier; dieses Stück hat wieder ein einfaches Prinzip: das Ensemble spielt einen Klang ("Akkord"), und das Klavier spielt ihn danach auch, so als ob es zu spät käme. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie anders ein Klang auf dem Klavier und in anderer Instrumentation klingen kann) Bonjin (Altflöte, Kontrabass, Stimme; ein karges Stück; der Bonjin ist der "einfache Mann"; es erinnert teilweise an die gotische mehrstimmigkeit) Strands II (für Klaviere; hier können belibig viele Klaviere gleichzeitig das selbe Stück spielen; dadurch sollen leichte rhythmische Schwankungen, Reibungen entstehen. Auch dieses Stück ist höchst poetisch, wunderschön)
Dies als Beispiele, unter dem ersten Link oben kann man alle Aufnahmen und Werke finden. Ich bin vor einigen Jahren Kondo hier in Berlin begegnet (ich hatte die Gelegenheit, eine Konzerteinführung mit dem Ensemble L'art pour l'art zu machen). Damals erschien er mir als bescheiden und höflich, litt allerdings auch unter einem grausaman Jetlag...