Der Tod als Freund? Mozarts Requiem

Carola (19.08.2006, 20:24):
"Ich lege mich nie zu Bette ohne zu bedenken, dass ich vielleicht (so jung ich bin) den andern Tag nicht mehr sein werde." So schrieb Mozart bereits als 31-jähriger an seinen schwer kranken Vater. Um gleich darauf fortzufahren, der Tod sei " der wahre, beste Freund des Menschen". Nur wenige Jahre später sollte Mozart dann an seiner eigenen Totenmesse schreiben, ohne sie noch vollenden zu können.



http://divertimento.w.free.fr/album/oeuvres/photos/mozart_1787.jpg


Es gibt wohl nur wenige Werke in der Musikgeschichte, um die sich ähnlich viele Legenden, Halbwahrheiten, Spekulationen und Vermutungen ranken wie um dieses Requiem, KV 626 - nicht zuletzt der Amadeus-Film aus den Achtzigern hat dazu beigetragen. Bei dem im Film unbekannt bleibenden Auftraggeber des Werks handelte es sich um einen gewissen Franz Graf von Walsegg-Stuppach, der die Gewohnheit hatte, fremde Kompositionen als seine eigenen auszugeben und deshalb bei der Bestellung auf Anonymität größten Werk legte. Mozart nahm den Auftrag an, vielleicht, weil er einfach das Geld brauchte, vielleicht, weil ihn die kompositorische Auseinandersetzung mit der Thematik gereizt hat, vielleicht aber auch, weil er zu diesem Zeitpunkt seinen eigenen Tod bereits vorausahnte - wer weiß das schon.

Fest steht, dass er das Werk nicht vollenden konnte, nur ein Teil der Partitur stammt ausschließlich von ihm, alles weitere hat sein Schüler Franz Xaver Süßmayr auf Wunsch von Constanze Mozart erst später hinzugefügt, teilweise nach Mozarts Skizzen.

http://www.wien.info/images/requiem-gr.jpg


Das sieht im Detail dann so aus:

- Introitus: Mozart
- Kyrie: Mozart
- Sequenz: in den wesentlichen Stimmen von Mozart skizziert, von Süßmayr ausgeführt und instrumentiert
- Offertorium: ebenfalls von Mozart skizziert, von Süßmayr vervollständigt
- Sanctus: Süßmayr
- Benedictus: Süßmayr
- Agnus Dei: Süßmayr
- Communio/Lux eterna: wieder Mozart; Süßmayr lässt das Werk mit der Doppelfuge aus dem Kyrie schließen.

Ob diese Ergänzungen von Süßmayr nun gelungen, nur teilweise gelungen oder rundum missglückt sind, darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Insbesondere die recht kurz geratene "Osanna"-Fuge im Sanctus wird überwiegend als äußerst schwach angesehen. Wichtiger und lohnender scheint mir allerdings das Nachdenken über den von Mozart komponierten Teil des Requiems zu sein.


http://www.multipromo.com/cd/gif/mozart.jpg


Schon die Instrumentierung des Werks ist sehr ungewöhnlich, Flöten, Oboen und Klarinetten fehlen ganz, der Klang wirkt dadurch dunkel, ernst und herb. Bereits die verhaltenen ersten Takte des Introitus machen es sehr deutlich - hier geht es um eine Totenmesse. Wer sich das Werk erschließen will, wird daher nicht umhin kommen, sich auch auf den mit ihm vertonten Text einzulassen - mag er für unsere Ohren noch so fremd bis befremdlich klingen.

Nur durch diesen traditionellen, lateinischen Text wird nämlich verständlich, welche Ängste und Hoffnungen Mozart und seine Zeitgenossen im Hinblick auf den Tod umtrieben, wie sie buchstäblich schwankten zwischen Hoffen und Bangen, Zittern und Zagen vor dem Gericht Gottes (großartig: die Dies-Irae-Fuge), immer wieder durchbrochen und relativiert durch die Zuversicht, das Vertrauen auf die Gnade Gottes (unglaublich anrührend beispielsweise das von den Solisten im Quartett gesungene Recordare) - dieser Spagat zwischen Todesangst und Erlösungshoffnung ist von Mozart in großartiger Weise gestaltet und durchzieht im Grunde das gesamte Werk. Ob und wie Mozart selbst diese Spannung aufgelöst hätte, wissen wir nicht. Der von Süßmayr, nicht Mozart, für das Lux eterna gewählte Abschluss, der wieder auf den Anfang verweißt, lässt diese Frage letztlich offen. .

Wie empfindet Ihr das? Hört Ihr eher Hoffnung oder Todesangst in diesem Requiem? Oder spielt es für Euch gar keine so große Rolle, dass es hier um eine Totenmesse geht? Alfred Einstein beantwortet diese Frage übrigens recht eindeutig. Er schreibt: "... Und dennoch: Durch die Wiederkehr des ... Lux aeternea wird ... die Zwiespältigkeit des Ganzen einigermaßen - nicht ganz - überwunden. Der Gesamteindruck haftet. Der Tod ist kein Schrecken, sondern ein Freund."

Und was ist mit den von Süßmayr hinzugefügten Teilen. Stören die, sollte man sie am besten ganz weglassen oder fällt der Unterschied gar nicht so stark ins Gewicht?

Nicht zuletzt: In welcher Aufnahme kennt und hört Ihr Mozarts Requiem?

Mit Gruß von Carola
sennahresor (20.08.2006, 08:08):
Original von Carola

Nur durch diesen traditionellen, lateinischen Text wird nämlich verständlich, welche Ängste und Hoffnungen Mozart und seine Zeitgenossen im Hinblick auf den Tod umtrieben, ...
Wie empfindet Ihr das? Hört Ihr eher Hoffnung oder Todesangst in diesem Requiem?

Und was ist mit den von Süßmayr hinzugefügten Teilen. Stören die, sollte man sie am besten ganz weglassen oder fällt der Unterschied gar nicht so stark ins Gewicht?

Nicht zuletzt: In welcher Aufnahme kennt und hört Ihr Mozarts Requiem?

Mit Gruß von Carola

Hallo Carola,

vielen Dank für diese schlüssige Einführung, die sich sehr angenehm liest!

Gerade weil der Text des Requiems so wichtig ist, kann auf eine Ergänzung und Vervollständigung m. E. nicht verzichtet werden; als Fragment wäre das Requiem einfach sinnlos. Welche Fassung man da wählt, finde ich gar nicht so entscheidend - alle haben wohl stärkere und schwächere Stellen. Die Wissenschaft konnte sich ja offenbar noch nicht einigen, welche die "richtigste" ist.

Nimmt man den ganzen Text, so zeigt sich eben, dass das Zittern und Fürchten nur ein Durchgangsstadium ist. Ich finde Mozarts Requiem eigentlich gar kein so wahnsinnig individuelles Werk. Programmatisch meine ich, als Komposition sind die eigenhändigen Teile natürlich umwerfend. Aber eine persönliche "Botschaft" des Komponisten, die über das Konventionelle hinausgeht, kann ich nicht erkennen. Das spätere, viel schlichtere Cherurubini-Requiem in d-moll etwa scheint mir viel persönlicher und berührt mich auch mehr.

Meine liebste Aufnahme des Mozart-Requiems ist eine ziemlich raue, eher halb-professionelle. Sie ist 1992 bei Christophorus erschienen und bringt eine Neufassung von Richard Maunder. Das ganze deutet eine lateinische Totenmesse um 1790 ein, d. h. es integriert auch gregorianische Zwischenstücke (Oratio-Epistola-Evangelium-Praefatio-Pater noster-Postcommunio) dazu Läuten der Totenglocke und der Wandlungsglocke zwischen Sanctus und Pater noster. Somit ist das Requiem wirklich als liturgische Gebrauchsmusik verständlich, wie es ja von Mozart gedacht war. Aber auch ästhetisch gewinnt die Musik durchaus, da durch den Kontext stärkere Kontraste erfahrbar werden. Die Ausführenden (Cantoria Plagensis - Erstes Barockorchester Heilienberg unter Rupert Friedberger) sind nicht gerade erste Sahne, aber das dürften die Kirchenmusiker, für die das Werk entstand, ja wahrscheinlich auch nicht gewesen sein.

Wenn es lieber eine "Konzertsaal"-Fassung sein soll, dann bevorzuge ich die ziemlich exzentrische, schwer-düstere Aufnahme, die Karajan 1987 in Wien gemacht hat, mit seinem Singverein, den Philharmonikern und den Super-Solisten Tomowa Sintow, Müller Molinari, Coe und Burchuladze. Seriöser ist natürlich Harnoncourt (da kenne ich nur die frühere Aufnahme bei Teldec) oder Gardiner bei Philips.

Vele Grüße, Hannes
Carola (20.08.2006, 15:38):
Original von sennahresor

... Ich finde Mozarts Requiem eigentlich gar kein so wahnsinnig individuelles Werk. Programmatisch meine ich, als Komposition sind die eigenhändigen Teile natürlich umwerfend. Aber eine persönliche "Botschaft" des Komponisten, die über das Konventionelle hinausgeht, kann ich nicht erkennen. Das spätere, viel schlichtere Cherurubini-Requiem in d-moll etwa scheint mir viel persönlicher und berührt mich auch mehr.

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Vele Grüße, Hannes


a, das höre ich ähnlich wie Du, Hannes. Ich kann in diesem Punkt Alfred Einsteins Argumentation nicht ganz nachvollziehen. Der von ihm erwähnte Schluss ist ja gerade nicht von Mozart dafür ausgewählt worden. Der hätte wohl kaum einfach die Kyrie-Fuge ans Ende gesetzt.

Allerdings: In einem bei Breitkopf&Härtel erschienenen "Konzertführer Mozart" wird vertreten, Mozart habe im Requiem zu einer "ganz persönlichen Sicht" des Todes gefunden, die sich nicht nur aus der kirchlichen Tradition speise, sondern auch "Klang werdende Riten von Mozarts Logensprache (Freimaurer), die wir aus der Zauberflöte kennen", transportiere. Gerade dadurch walte im Requiem "ein weit über Klassisches hinausweisender Realismus der Humanität". Beispiele werden leider nicht genannt - aber den Vergleich mit der Zauberflöte finde ich interessant. Kann jemand diese Parallele bestätigen? Ich kenne die Zauberflöte viel zu wenig, um das beurteilen zu können.

Auch das von Dir erwähnte Cherubini-Requiem kenne ich leider bisher nicht. Aber wenn ich zum Beispiel den Vergleich mit Brahms ziehe, der hat mit dem Deutschen Requiem ja schon durch seine eigenständige Zusammenstellung der Bibelstellen sich ganz bewusst vom traditionellen Requiemtext abgesetzt - und dabei besonders die Angst vor dem "Jüngsten Gericht" deutlich in den Hintergrund treten lassen. Aber zwischen 1791 und 1868 liegen eben auch einige entscheidende Jahrzehnte...

Was die erwähnte Aufnahme mit Harnoncourt von 1982 angeht, so bewerte ich die eher skeptisch.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6514408.jpg


Beim ersten Hören war ich geradezu entsetzt, besonders die Fugen im Kyrie und beim Dies irae erschienen mir viel zu unbeschwert dahin hüpfend, ein neckisches kleines Totentänzchen, dass der Vorlage in keiner Weise gerecht wird. Vorhin habe ich mir die Aufnahme ein zweites mal angehört und muss mein Urteil doch etwas relativieren. Chor, Orchester, Solistinnen und Solisten, das ist schon alles sehr gut. Allerdings, letztlich ist mir die Aufnahme gleichzeitig zu beschwingt und zu überspitzt, dieses federnde "Rex" zum Beispiel und dann dieses luftig tänzelnde "Quam olim Abrahae". Das will ich so nicht hören. Nach meiner Auffassung sollte das Mozart Requiem wärmer, mächtiger - und nicht zuletzt auch langsamer erklingen.

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (20.08.2006, 16:10):
Ich habe gestern mal eingedenk Carolas ensetzten Zwischenberichts zur Harnoncourt-Einspielung in diese und bisher nur eine weitere (ebenfalls HIP Peter Neumann (EMI/VIRGIN)) reingehört (d.h. bis einschl. Lacrimosa), da ich die beiden auch noch nie bewußt gehört hatte. Das Requiem ist keines meiner Lieblingswerke, obwohl sich noch eine Reihe weiterer Aufnahmen (Karajan 1962, Schreier und historisch Scherchen, Walter, Fricsay) angesammelt haben (ich bevorzuge die c-moll-Messe), für mehr hatte ich aber einstweilen weder Zeit noch Lust.
Das einzige Problem bei Harnoncourt (1982) ist m.E. der Chor, alles andere fand ich eigentlich ziemlich gut. Der ist jedoch einfach für heutige Verhältnisse inakzeptabel verwaschen, unpräzise, inhomogen; die polyphonen Linien schwer zu erkennen. Leider hat er die c-moll-Messe und das Requeim mit dem Staatsopernchor aufgenommen, den Rest der Messen u.ä. mit dem hundertmal überlegenen Schönberg-Chor. Die Solisten dürften wohl ebenfalls nicht jedermanns Sache sein, ich finde sie aber recht gut, das Recordare ist z.B. sehr schön (und >1min langsamer als Neumann)
Die Tempi sind bei Neumann tendenziell (teils deutlich) schneller; das Klangbild schlanker, der Chor wesentlich besser, Tenor und Bass gut, den Alt(us)-Part singt Michael Chance zwar ordentlich, aber gewöhnungsbedürftig und m.E historisch fragwürdig. Für mich klingt Neumanns Einspielung jedenfalls viel deutlicher wie "Alte Musik." Die dürfte dann für dich auch eher unpassend sein.
Ich vermute, dass unter "HIP"-Einspielungen diese mit Harnoncourt eine der "gewichtigsten" sein dürfte!

Ich hoffe doch (da mein Interesse, obwohl kein Lieblingswerk nun geweckt ist) in den nächsten Tagen/Wochen mal alle meine Aufnahmen zu hören. Ich fürchte zwar, dass ich keinen Chor auf den ältern Aufnahmen mögen werde, aber ich stelle mir eine konsequent düster-romantische Sicht als Alternative zu z.B. Harnoncourt als interessant vor.

Eine Empfehlung meinerseits (mit Cherubins Requien bin iich leider nciht vertraut) für ein Werk, dass ich vage als dem Mozart-Requiem ähnlich empfinde, ist Händels Funeral Ode for Queen Caroline (in minimal variierter Form auch der 1. Teil der dreiteiligen Fassung von Israel in Egypt als Klage der Israeliten um Josephs Tod). Gibt es bei apex für EUR 5 unter Gardiner.

viele Grüße

J Bristow
Carola (20.08.2006, 16:23):
Hallo "Jack",

mich würde vor allem auch interessieren, wie Du die Karajan Aufnahme von 1962 findest.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746321.jpg

So schlecht, wie sie überall gemacht wird (z.B. bei Amazon), finde ich die nämlich gar nicht. Obwohl, z.B. dieses zittrige "Voca me" im Confutatis - gut ist das nicht. Trotzdem, meiner Auffassung von der Würde einer Totenmesse kommt diese Interpretation jedenfalls näher als die von Harnoncourt 82. Das "Recordare" singen die Vier dort allerdings wirklich sehr schön, da stimme ich zu.

Mit Gruß von Carola
Zelenka (20.08.2006, 17:08):
Auch von mir einen herzlichen Dank an Carola für ihre schönen Ausführungen zum Requiem!

Ich möchte zuerst auf zwei Aufnahmen hinweisen, die ich garnicht kenne, aber gerne kennenlernen würde. Zum einen ist dies der Remake von Harnoncourt aus dem Jahre 2004 (oben schon kurz von Hannes erwähnt):

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3401884.jpg

Christine Schäfer, Bernarda Fink, Kurt Streit, Gerald Finley, Arnold Schoenberg Chor, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt

"classicstoday.com" vergibt hier 10/10 Punkte, der Diapason rät in seinem Jul/August-Heft die Einspielung zu vermeiden und lieber die ältere (inzwischen von der elatus- in die apex-Serie abgesunkene) Version zu hören.

Zum anderen rät der Diapason auch zu Mackerras' Aufnahme von 2001 (Ausgabe: Robert Levin) (Linn, SACD), die bei"classicstoday.com" dürftige 7/7 bekommt. Es müßte also unbedingt probegehört werden ...

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7775617.jpg

Gritton, Wyn-Rodgers, Robinson, Rose, Scottish Chamber Orchestra, Mackerras

Zu den kümmerlich wenigen Aufnahmen (2!), die ich besitze:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6987861.jpg

Cotrubas, Watts, Tear, Shirley-Quirk, Academy St. Martin, Marriner

Eine un-HIPpe, aber doch nicht überwuchtige Einspielung mit sehr ordentlichen Solisten. Dem Diapason zufolge unverzichtbar ...


http://www.mdt.co.uk/public/pictures/products/standard/4388002.jpg

Donath, Minton, Davies, Nienstedt, LSO, Colin Davis

Besonders hervorzuheben unter den Solisten sind Donath und Davies. Eine sehr theatralisch-wuchtige, "altmodische" Interpretation, die man vielleicht nicht als einzige Version besitzen sollte ...

Gruß,

Zelenka
Walter (20.08.2006, 20:18):
Original von Zelenka

Eine un-HIPpe, aber doch nicht überwuchtige Einspielung mit sehr ordentlichen Solisten. Dem Diapason zufolge unverzichtbar ...


http://www.mdt.co.uk/public/pictures/products/standard/4388002.jpg

Donath, Minton, Davies, Nienstedt, LSO, Colin Davis

Besonders hervorzuheben unter den Solisten sind Donath und Davies. Eine sehr theatralisch-wuchtige, "altmodische" Interpretation, die man vielleicht nicht als einzige Version besitzen sollte ...


Das ist genau die mit der ich das Requiem kennenlernte. Die beiden weitern in meinem Schrank lassen mich dagegen ziemlich kühl:

http://images.amazon.com/images/P/B000004137.03._SCMZZZZZZZ_.jpg
http://ec1.images-amazon.com/images/P/B0000040YU.03._SCMZZZZZZZ_.jpg
sennahresor (21.08.2006, 09:33):
Original von Carola
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746321.jpg

So schlecht, wie sie überall gemacht wird (z.B. bei Amazon), finde ich die nämlich gar nicht.
Mit Gruß von Carola

Hallo Carola,
da erlaube ich mir, nochmal auf die späteste Karajan-Aufnahme aus Wien hinzuweisen, die die beiden vorherigen Berliner Aufnahmen m. E. durch Expressivität und Geschlossenheit deutlich in den Schatten stellt. Der Chor - wenn man sehr streng ist - dürfte allerdings auch dort nicht jedermanns Geschmack sein.

Unter den altmodisch-"philharmonischen" Aufnahmen scheint mir auch noch die frühe Giulini-Version aus London (mit Donath, Ludwig, Tear und Lloyd sowie dem Philharmonia) bei EMI erwähnenswert.

Viele Grüße, Hannes
Carola (22.08.2006, 15:10):
Das mittlerweile wohl als "Klassiker" anzusehende Mozart-Buch von Alfred Einstein ,1947 erschienen, ist letztes Jahr vom Fischer Verlag als Taschenbuch neu aufgelegt worden. ZumTuba mirum schreibt Einstein dort: "Auf den großartigen Chorsatz des Dies Irae ... folgt dann wieder der fragwürdige des Tuba mirum, ... in dem Süßmayr die obligate Soloposaune des Beginns noch weiterführt, wenn sie schon alle Auferstandenen längst vor Gottes Thron gerufen hat. Aber diese unzweifelhaft Mozartsche Soloposaune ist selber eine peinliche Tatsache - man wird den Eindruck nicht los, daß der himmlische Bläser sich ein wenig produziert, anstatt den schrecklichen Moment des Weltgerichts schrecklich anzukündigen." (Seite 370)

Die Posaune im Tuba mirum als "peinliche Tatsache" - empfindet Ihr das auch so?

fragt Carola
Jack Bristow (22.08.2006, 17:08):
Original von Carola
Das mittlerweile wohl als "Klassiker" anzusehende Mozart-Buch von Alfred Einstein ,1947 erschienen, ist letztes Jahr vom Fischer Verlag als Taschenbuch neu aufgelegt worden. ZumTuba mirum schreibt Einstein dort: "Auf den großartigen Chorsatz des Dies Irae ... folgt dann wieder der fragwürdige des Tuba mirum, ... in dem Süßmayr die obligate Soloposaune des Beginns noch weiterführt, wenn sie schon alle Auferstandenen längst vor Gottes Thron gerufen hat. Aber diese unzweifelhaft Mozartsche Soloposaune ist selber eine peinlich Tatsache - man wird den Eindruck nicht los, daß der himmlische Bläser sich ein wenig produziert, anstatt den schrecklichen Moment des Weltgerichts schrecklich anzukündigen." (Seite 370)

Die Posaune im Tuba mirum als "peinliche Tatsache" - empfindet Ihr das auch so?


Peinlich gewiß nicht. Verglichen mit der Aufdringlichkeit, mit der anderswo "die letzte Posaune" inszeniert wird, ist das hier ja eher dezent. Das Seltsame, was Einstein anscheinend peinlich findet, ist wohl, dass die Posaune nach dem "Signal" eine Melodie anstimmt, die man eher im langsamen Satz eines Hornkonzerts verorten würde.
(Meines Wissens ist das Posaunensolo, ich weiß allerdings nicht in welchem Umfang angeblich von Mozart eindeutig in den Skizzen angegeben)

Ich persönlich finde das Tuba mirum auch den schwächsten Satz der "Sequenz", weniger wegen der Posaune (das Solo völlig in der Luft hängen zu lassen, wäre auch nicht großartig gewesen). Eher weil ich hier die Gegenüberstellung von Drama/Furcht und Trost nicht sehr überzeugend finde, u.a. weil die Posaunenstelle nicht sehr bedrohlich ist.

viele Grüße

J Bristow
Carola (22.08.2006, 17:23):
Original von Jack Bristow

Peinlich gewiß nicht. Verglichen mit der Aufdringlichkeit, mit der anderswo "die letzte Posaune" inszeniert wird, ist das hier ja eher dezent......


.... u.a. weil die Posaunenstelle nicht sehr bedrohlich ist.

viele Grüße

J Bristow

Gerade dieses "Dezente" ist ja vielleicht die Botschaft. Eine ganz bewusste Abmilderung des - nun sagen wir - problematischen Textes durch Mozart.

In der Übersetzung lautet der Text übrigens:

Laut wird die Posaune klingen,
Durch der Erde Gräber dringen,
Alle hin zum Throne zwingen.

(Ich kann auch nichts dafür, meine sind besser...)

Vielleicht ist auch gerade dieses ein wenig zu schön geratene Posaunensolo eines der "freimauerischen Elemente", von denen die Rede war.

Mit Gruß von Carola
Carola (22.08.2006, 20:30):
Diese Aufnahme mit Böhm/Wiener Philharmoniker ist auf jeden Fall besser als die Karajan 1962.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5106716.jpg

Vor allem das sehr langsame Tempo (64 Minuten!) und der machtvolle Klang von Chor und Orchester gefallen mir. Beim Recordare dachte ich allerdings: Man kann´s auch übertreiben, gleich sind die Vier eingeschlafen. Andererseits: Wie die Frauenstimmen im Confutatis das Voca me singen - diese zarte Innigkeit, das gefällt mir gut.

Diese Aufnahme ist für mich wie ein Paar alter Hausschuhe, die ich auf dem Dachboden wiedergefunden habe. Vertraut und wohlig. Ich kenne sie irgendwoher, vielleicht aus dem Musikunterricht. Ob Vertrautheit und Wohligkeit als solches schon Qualitätsmerkmale sind, lasse ich mal dahingestellt.

Vielleicht kennen auch noch andere die CD?

Mit Gruß von Carola
sennahresor (22.08.2006, 21:11):
Ich finde das Tuba mirum auch nicht so schlecht. Wenn das Tuba Mirum eher gelöst und trostreich klingt, dann ist das sicher auch ein Stück weit der Tradition verpflichtet - ein emotionaler Exhibitionismus, wie ihn mancher Hörer vielleicht bei Verdi verwirklicht findet, war Mozart eben noch ganz fremd. Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte). Auch in einer zu Mozart zeitgenössischen Vertonung, derjenigen von Domenico Cimarosa, ist das Tuba Mirum sehr tröstlich, ein ziemlich opernhaftes Sopransolo! Der Hauptakzent liegt hier ganz klar auf der Zeile „Coget omnes ante thronum“ („er ruft/versammelt alle vor den Thron“), was ja aus christlicher Perspektive auch eher etwas hoffnungsvolles ist. Ähnliches dürfte Mozart wohl auch im Sinn gehabt haben. Auf jeden Fall scheint es mir nicht zwingend, hier von einem versteckten Freimaurer-Anklang auszugehen.

Viele Grüße, Hannes
Carola (22.08.2006, 21:53):
Original von sennahresor
............

Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte).

...................
Viele Grüße, Hannes

Das finde ich sehr interessant. Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

Es grüßt Dich Carola
sennahresor (24.08.2006, 09:37):
Original von Carola
Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

Es grüßt Dich Carola

Das kann ich gerne machen; es wird damit aber ein wenig dauern. Ich muß mich da erst noch ein bißchen einlesen.

Viele Grüße, Hannes
Carola (24.08.2006, 11:42):
Original von sennahresor
Original von Carola
Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

Es grüßt Dich Carola

Das kann ich gerne machen; es wird damit aber ein wenig dauern. Ich muß mich da erst noch ein bißchen einlesen.

Viele Grüße, Hannes


Klasse! Muss ja auch keine Doktorarbeit sein. Wir kochen hier auch alle nur mit Wasser....

:hello

Mit Gruß von Carola
Jack Bristow (24.08.2006, 12:13):
Original von Carola
Original von sennahresor
Original von Carola
Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?


Das kann ich gerne machen; es wird damit aber ein wenig dauern. Ich muß mich da erst noch ein bißchen einlesen.


Klasse! Muss ja auch keine Doktorarbeit sein. Wir kochen hier auch alle nur mit Wasser....


Auch die meisten doctores kochen nur mit Wasser...
(Das mußte mal gesagt werden :D)

Um ein bißchen on topic zu werden, ich habe inzwischen Karajan (DG 1962), Walter (CBS/Sony mono ca. 1955) und Scherchen (Westminster stereo ca. 1958) gehört. Ohne ein abschließendes Urteil fällen zu wollen, die einzige wirklich hörenswerte davon finde ich Scherchen. Aber die ist ungewöhnlich und dem Anfänger empfehlen würde ich sie nicht. Karajan finde ich ziemlich grausig, sein typischer Klangmatsch (besonders wenn man die HIP-Lesarten im Ohr hat). Walter mag einige Meriten haben, aber der Chor ist noch viel schlechter als bei Karajan, auch der Klang insgesamt ist nicht sehr gut. Scherchen ist wie man es von ihm kennt, radikal, teilweise ultra langsam (7 min Introitus, 3 min Kyrie usw.), dann wieder sehr schnell (Dies irae, Rex tremendae maiestatis). Der Chor ist ebenfalls sehr schrottig, die Solisten aber sehr gut. Aber das Klangbild ist trotz des insgesamt schlechteren Klangs vom Karajanschen Brei weit entfernt, Trompeten, Pauken und Posaunen setzen Akzente, das Ganze wirkt engagiert und dramatisch, trotz all der Mängel und einiger fragwürdiger Tempi.
Man vergleiche einfach mal Details wie die Streicherfigur bei "et lux perpetua". Karajan scheint nur zwei Artikulationen zu kennen, legato und ein sehr breites, verschwommenes non-legato, dazu ist der Klang extrem streicherdominiert, der verwaschene Chor und das Klangbild insgesamt tun ihr Übriges. Nicht mein Fall.

:hello

J Bristow
Carola (27.08.2006, 13:59):
Original von Jack Bristow

... Karajan finde ich ziemlich grausig, sein typischer Klangmatsch (besonders wenn man die HIP-Lesarten im Ohr hat).

....Man vergleiche einfach mal Details wie die Streicherfigur bei "et lux perpetua". Karajan scheint nur zwei Artikulationen zu kennen, legato und ein sehr breites, verschwommenes non-legato, dazu ist der Klang extrem streicherdominiert, der verwaschene Chor und das Klangbild insgesamt tun ihr Übriges. Nicht mein Fall.

:hello

J Bristow

So gerne ich die Karajan-Aufnahme verteidigen würde - unterm Strich muss ich Dir wohl recht geben, Jack. Vor allem auch, wenn ich an die Aufnahme mit Böhm denke, die ist zwar ebenfalls schön "altmodisch" und noch ganz und gar unbeleckt von der historischen Aufführungspraxis - aber sie ist eben kein "Klangmatsch", sondern klingt machtvoll und würdig - einer Totenmesse angemessen.

Ganz vergessen zu erwähnen habe ich bisher diese Aufnahme mit Barenboim:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5106619.jpg

Diese Aufnahme, 1984 entstanden, geht nach meinem Eindruck einen guten, gelungenen Mittelweg zwischen dem "Klangbrei" Karajans und den Überspitzungen Harnoncourts.

Mit Gruß von Carola
Jeremias (05.12.2006, 18:11):
Ich wundere mich, warum es hier noch keinen eigenen Thread zu dem Requiem von Mozart gibt! Für einige ist es das größte Werk aller Zeiten, für andere wiederum ist es die Vollendung des Schaffens des großen Meisters und für viele ist es einfach nur wunderschöne Musik....


:down :down :down

doch was macht dieses Werk so einzigartig? Ist es der niemals aufhörende Mythos, der es umgibt? Nicht erst seit dem Film "Amadeus" ranken sich die Gerüchte darüber, dass es Salieri war, der das Werk bei Mozart in Auftrag gab und der ihn dann letztendlich von dieser Erde gingen liess. Bereits Pushkin liess die makabre Legende in seinem Poem "Mozart und Salieri" von 1830 aufleben. Diese Version der Entstehungsgeschichte stützt sich allerdings lediglich auf einen nur in zwei Abschriften überlieferten Brief und einige zweifelhafte Aussagen von Mozart's Witwe. Schliesslich hatte es Salieri in seiner Position gar nicht nötig, Mozart finanziell und künstlerisch zu neiden. Immerhin weiss man heute, dass der Graf Franz von Walsegg-Stuppach im Sommer 1791 bei Mozart eine Seelenmesse für seine zuvor verstorbene Frau bestellt hatte. Er plante jedoch, die Partitur abzuschreiben und als sein eigenes Werk herauszugeben und wollte demzufolge anonym bleiben. Noch auf dem Totenbett gab Mozart seinem Schüler Franz Xaver Süssmayr letzte Anweisungen, wie die Komposition zu vollenden wäre. Allerdings trat Constanze Mozart zunächst an andere Schüler wie Freystädtler und Eybler heran, die das Werk vollenden sollten. Jedoch war es letztendlich doch Süssmayr, der das Requiem vollendete. Dessen Fassung ist auch heute noch die Meistgespielteste. Seit einiger Zeit macht jedoch die Fassung des Pianisten Robert D. Levin auf sich aufmerksam, der im Jahr 1991 beauftragt wurde, das Werk zu vollenden. Diese Fassung zeichnet sich durch eine transparentere Führung der Streicher sowie durch wesentliche Veränderungen der Amen-Fuge aus.

Meine bevorzugten Aufnahmen sind:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000001G5A.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1056629807_.gif

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2970439.jpg

und den Solti erwarte ich sensüchtigst :engel
Gamaheh (05.12.2006, 19:00):
Lieber Jeremias,

schön, daß Du diesen Faden begonnen hast. Es ist in der Tat ein Werk, das ich auch sehr mag und in dem ich vor langer Zeit, als ich noch eine Stimme hatte, diverse Male in einem Chor die Altstimme mitgesungen habe.

Meine favorisierte Version ist

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000004CX8.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg
Gamaheh (05.12.2006, 19:35):
Hier ist etwas Merkwürdiges passiert: Während ich gerade meinen Beitrag schrieb, ist der neue Faden in einen passenden älteren geschoben worden, und mein Beitrag ist in zwei gespalten worden - Wunder der Technik!
Rachmaninov (05.12.2006, 19:42):
Original von Gamaheh
Hier ist etwas Merkwürdiges passiert: Während ich gerade meinen Beitrag schrieb, ist der neue Faden in einen passenden älteren geschoben worden, und mein Beitrag ist in zwei gespalten worden - Wunder der Technik!

:engel
Gamaheh (05.12.2006, 19:46):
Lieber Rachmaninov,

den Heiligenschein (wenn es einer ist - ich bin leider mit der Smiley-Semantik noch immer wenig vertraut) darfst Du Dir jetzt gönnen!

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (05.12.2006, 20:29):
Oh, es gab ja doch einen Thread... dabei habe ich echt sorgsam nachgeforscht... :engel
Walter (27.12.2006, 18:27):
@jeremias:

lisa und ich haben gestern noch mal ausführlich das Requiem gehört, nachdem wir diese Aufnahme von Karajan unter dem Christbaum gefunden haben:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2970439.jpg

obwohl der Karajan sich geradezu sensibel zurückhält gefällt uns die mächtige und wuchtige Aufnahme von Sir Colin Davis doch immer noch am besten. Da kommt Gänsehaut auf!

Wir haben noch das Confutatis und das Lacrimosa von Peter Schreier mit der Staatskapelle Dresden gefunden - wer kann denn dazu etwas sagen. Die beiden Stücke jedenfalls sind auch sehr imposant dargeboten.

Wie ist denn der Böhm im Vergleich zum Karajan?

Gruss
daniel5993 (17.08.2007, 23:54):
Hallo!

Ich liebe dieses Werk über alle Maßen! :down

http://ec1.images-amazon.com/images/I/61JW4KDX0WL._AA240_.gif http://ec1.images-amazon.com/images/I/41WQ0H91JPL._AA240_.jpg
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Am Besten gelungen finde ich das Requiem 626 unter Böhm! Und damit meine ich beide Einspielungen, die von der Platte und die von der DVD! woran das wohl liegt? :wink Nein! Es ist nicht weil ich Böhm mag, sondern weil er es im Gegensatz zu diesen anderen Herren wirklich hervorragend macht!
Abbado, Schreier, Walter, Wolfrum sind nicht im geringsten konkurrenzfähig!
Überall vermisse ich diese atemberaubende Dramatik, welche leider nur böhm zu erzeugen versteht! Abbados Aufnhamen sind viel zu schnell, das gesamte Requiem über! Schreier und Wolfrum lassen keine Leidenschft aufkommen! Nichts fesselndes in Ihren Aufnahmen! Bei Schreier kann ich mittlerweile sagen, das es bestimmt nur wenige Aufnahmen gibt, welche teilnahmsloser aufgenommen wurden! X(
Bernsteins Interpretation wäre die einzige die mich noch reizen würde, da ich viel Gutes über seine Spätere Aufnahme gehört habe! Und eventuell eine von Karajans Einspielungen.


Gruß
Daniel
karajan (19.11.2007, 22:06):
Original von daniel5993
Hallo!

Ich liebe dieses Werk über alle Maßen! :down







Am Besten gelungen finde ich das Requiem 626 unter Böhm! Und damit meine ich beide Einspielungen, die von der Platte und die von der DVD! woran das wohl liegt? :wink Nein! Es ist nicht weil ich Böhm mag, sondern weil er es im Gegensatz zu diesen anderen Herren wirklich hervorragend macht!
Abbado, Schreier, Walter, Wolfrum sind nicht im geringsten konkurrenzfähig!
Überall vermisse ich diese atemberaubende Dramatik, welche leider nur böhm zu erzeugen versteht! Abbados Aufnhamen sind viel zu schnell, das gesamte Requiem über! Schreier und Wolfrum lassen keine Leidenschft aufkommen! Nichts fesselndes in Ihren Aufnahmen! Bei Schreier kann ich mittlerweile sagen, das es bestimmt nur wenige Aufnahmen gibt, welche teilnahmsloser aufgenommen wurden! X(
Bernsteins Interpretation wäre die einzige die mich noch reizen würde, da ich viel Gutes über seine Spätere Aufnahme gehört habe! Und eventuell eine von Karajans Einspielungen.


Gruß
Daniel

Hallo Daniel

Heute erst gesehen alle Achtung schon einige Aufnahmen. Ich glaube da kommt bald noch eine dazu.
Lass dich überraschen!!

Gruß Andy
daniel5993 (20.11.2007, 08:08):
Tag Andreas!

Diese hier unter Bernstein habe ich auch schon länger, nur noch nicht dazugerechnet. Die gehört für mich ebenfalls zur Spitze!
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5106655.jpg

Gruß
Daniel
satie (20.11.2007, 10:31):
Mich würde einmal interessieren, welche Aufnahmen dieses Werks als TORSO es gibt, sprich ohne die Erweiterungen von Süßmayr und co. Ich frage deshalb, weil es für mich kein schöneres Ende dieses Werkes geben könnte als die Stelle, an der Mozart tatsächlich abgebrochen hat, genau auf dem Höhepunkt des Lacrimosa. Dort, wo die Bearbeiter (man weiß ja nicht genau, wer da alles beteiligt war) "nur" Mozarts Bezifferung ausgesetzt haben, sehe ich noch nicht eine wirkliche Änderung der musikalischen Substanz, nach dem Lacrimosa aber schon. Ich weiß, dass es Aufführungen gab, die das Werk als Fragment zu Gehört brachten. Wie steht es nun mit solchen Aufnahmen?

Herzlich,
S A T I E
Rachmaninov (20.11.2007, 10:36):
Original von Satie
Dort, wo die Bearbeiter (man weiß ja nicht genau, wer da alles beteiligt war) "nur" Mozarts Bezifferung ausgesetzt haben, sehe ich noch nicht eine wirkliche Änderung der musikalischen Substanz, nach dem Lacrimosa aber schon.

Geht mir rein Emotional auch so! Nach dem Lacrimosa verliert das Werk an Substanz!
Pollux (20.11.2007, 16:50):
Hallo Satie,
die hier schon erwähnte Einspielung von Christopher Hogwood bietet das Requiem ohne Süßmayrs Ergänzungen. Ich zitiere aus dem Wikipedia-Artikel zum Requiem:

"Weitaus radikaler ging Richard Maunder vor, der tatsächlich einen „Mozart ohne Süßmayr“ anstrebte. Seine Neufassung wurde 1983 von Christopher Hogwood mit der Academy of Ancient Music eingespielt und erschien 1988 im Partiturdruck. Maunder verwarf Süßmayrs Sanctus und Benedictus komplett und schloss sie aus dem Werk aus, nur das Agnus Dei erschien ihm aufgrund eingehender Vergleiche mit anderen Kirchenwerken Mozarts akzeptabel. Ferner komponierte er für den Abschluss des Lacrimosa eine Amen-Fuge, für die er Mozarts Skizzenblatt sowie eine Fuge für Orgelwalze von Mozart (KV 608) als Ausgangspunkt nutzte. Auch in Süßmayrs Instrumentation griff er massiv ein."

Hier der Link zum vollständigen Artikel.
satie (20.11.2007, 17:10):
Vielen Dank, Pollux!
Ich hatte das oben überlesen. Ich selber habe irgend eine steinalte Aufnahme herumstehen, früher besaß ich mal Gardiner auf LP. Sonst habe ich gar keine Aufnahme des Requiem...
Ich werde mir dann wohl den Hogwood mal zu Gemüte führen, klingt ja doch sehr überlegt und sinnig, was da von Maunder gemacht wurde.
Aber gibt es noch weitere? Sogar solche, die das Werk nach Abbruch des Lacrimosa einfach so enden lassen?

Herzliche Grüße,
S A T I E
Pollux (20.11.2007, 18:58):
Mozarts Requiem ist eines meiner absoluten Lieblingswerke, und ich höre es entsprechend oft. Das Requiem ist gleichzeitig auch das Werk, von dem ich die meisten Einspielungen besitze, bis jetzt insgesamt 9.

Das Werk ist neben Mozarts c-moll-Messe und Bachs Doppelkonzert für Violine maßgeblich mit verantwortlich, dass ich heute Klassik-Hörer bin. Das habe ich meinem einstigen Zimmergenossen beim Zivildienst zu verdanken, hat der doch meine Ignoranz und Indifferenz bezüglich klassischer Musik mit den genannten Werken ein für alle mal kuriert. Wir haben dann auch in München eine Aufführung des Requiems erlebt, mein ertes Klassik-Konzert überhaupt. Es hat dann zwar noch mehr als 15 Jahre gedauert, bis ich endgültig in die Materie eingestiegen bin, doch die genannten Kompositionen (nebst einigen anderen mehr) habe ich über die Jahre immer wieder gehört.

Hier eine Liste meiner Requiem-CDs. Auf Coverbilder verzichte ich mal, weil die meisten ohnehin schon im Thread auftauchen.

- Kosler/Slovak Philharmonic Orchestra/Slovak Philharmonic Choir (Naxos 1984)
- Böhm/Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernchor (DG 1971)
- Harnoncourt/Concentus Musicus Wien/Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor (teldec/apex/elatus 1986)
- Jochum/Wiener Symphoniker/Wiener Staatsopernchor (DG 1955/Live/eloquence Dokumente)
- Herreweghe/Orchestre des Champs Èlysées/La Chapelle Royale; Collegium Vocale (harmonia mundi 1996)
- Gardiner/The English Baroque Soloists/The Monteverdi Choir (Philips 1986)
- Karajan/Wiener Philharmoniker/Wiener Singverein (DG 1986)
- Muti/Berliner Philharmoniker/Schwedischer Rundfunkchor und Kammerchor Stockholm (EMI 1987)
- Hogwood/Academy of Ancient Music/Westminster Cathedral Boys Choir, Academy of Ancient Music Chorus (Decca 1983)

Eine Lieblingsaufnahme zu nennen, ist gar nicht so leicht. Am ehesten noch Böhms Interpretation, obwohl Böhm sonst nicht gerade mein Idealdirigent für Mozart ist, aber bei dieser Requiem-Aufnahme stimmt für meinen Geschmack so ziemlich alles. :down

Derzeit höre ich aber meine diversen HIP-Aufnahmen häufiger, meist Gardiner und Herreweghe, hin und wieder Harnoncourt und Hogwood.

Karajan habe ich schon länger nicht mehr gehört, ist aber soo schlecht nicht, jedenfalls besser als befürchtet. Muti müsste ich auch mal wieder hören, um was näheres mitzuteilen.

Praktisch gar nicht mehr (außer zu Interpretationsvergleichen) höre ich die Live-Aufnahme mit Jochum sowie die Einspielung von Kosler. Letztere ist so schlapp, da möchte man gleich vor Langeweile selber in die Grube fahren.

Mein Gütetest ist stets das Tuba Mirum. Wenn die Sänger hier in meinen Ohren "versagen", kann mir die restliche Aufnahme gestohlen bleiben. So ganz hundertprozentig hat mich noch kein Sängerquartett überzeugt.

Mich würde noch die späte Bernstein-Einspielung interessieren sowie die weiter oben genannte CD mit Colin Davis.

Neue Erkenntnisse von weiteren HIP-Aufnahmen verspreche ich mir eigentlich nicht, zumal bei Harnoncourt, Herreweghe, Hogwood und Gardiner die Ähnlichkeiten der Sichtweise und auch des Klangs alles in allem weitaus größer sind als die Unterschiede. Dennoch nehme ich entsprechende Hinweise und Empfehlungen gerne entgegen.

Eins noch. Ich höre das Requiem nahezu immer nur bis zum Lacrimosa. Und wie ich sehe, bin ich nicht der Einzige mit dieser "Marotte".
Rachmaninov (20.11.2007, 19:07):
Original von Pollux

- Muti/Berliner Philharmoniker/Schwedischer Rundfunkchor und Kammerchor Stockholm (EMI 1987)


Diese Aufnahme besitze ich auch. War meine erste Begegnung mit dem Werk und ich muss sagen, daß mich die Aufnahme bis heute begeistert!


Mein Gütetest ist stets das Tuba Mirum. Wenn die Sänger hier in meinen Ohren "versagen", kann mir die restliche Aufnahme gestohlen bleiben. So ganz hundertprozentig hat mich noch kein Sängerquartett überzeugt.


Bei mir auch, wenn das Tuba Mirum nicht rüber kommt kaufe ich die Aufnahme nicht! Aus dem Grund habe ich auch die Bernstein Aufnahme nicht im Regal!
sennahresor (21.08.2006, 09:33):
Original von Carola
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/4746321.jpg

So schlecht, wie sie überall gemacht wird (z.B. bei Amazon), finde ich die nämlich gar nicht.
Mit Gruß von Carola

Hallo Carola,
da erlaube ich mir, nochmal auf die späteste Karajan-Aufnahme aus Wien hinzuweisen, die die beiden vorherigen Berliner Aufnahmen m. E. durch Expressivität und Geschlossenheit deutlich in den Schatten stellt. Der Chor - wenn man sehr streng ist - dürfte allerdings auch dort nicht jedermanns Geschmack sein.

Unter den altmodisch-"philharmonischen" Aufnahmen scheint mir auch noch die frühe Giulini-Version aus London (mit Donath, Ludwig, Tear und Lloyd sowie dem Philharmonia) bei EMI erwähnenswert.

Viele Grüße, Hannes
Carola (22.08.2006, 17:23):
Original von Jack Bristow

Peinlich gewiß nicht. Verglichen mit der Aufdringlichkeit, mit der anderswo "die letzte Posaune" inszeniert wird, ist das hier ja eher dezent......


.... u.a. weil die Posaunenstelle nicht sehr bedrohlich ist.

viele Grüße

J Bristow

Gerade dieses "Dezente" ist ja vielleicht die Botschaft. Eine ganz bewusste Abmilderung des - nun sagen wir - problematischen Textes durch Mozart.

In der Übersetzung lautet der Text übrigens:

Laut wird die Posaune klingen,
Durch der Erde Gräber dringen,
Alle hin zum Throne zwingen.

(Ich kann auch nichts dafür, meine sind besser...)

Vielleicht ist auch gerade dieses ein wenig zu schön geratene Posaunensolo eines der "freimauerischen Elemente", von denen die Rede war.

Mit Gruß von Carola
Carola (22.08.2006, 20:30):
Diese Aufnahme mit Böhm/Wiener Philharmoniker ist auf jeden Fall besser als die Karajan 1962.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5106716.jpg

Vor allem das sehr langsame Tempo (64 Minuten!) und der machtvolle Klang von Chor und Orchester gefallen mir. Beim Recordare dachte ich allerdings: Man kann´s auch übertreiben, gleich sind die Vier eingeschlafen. Andererseits: Wie die Frauenstimmen im Confutatis das Voca me singen - diese zarte Innigkeit, das gefällt mir gut.

Diese Aufnahme ist für mich wie ein Paar alter Hausschuhe, die ich auf dem Dachboden wiedergefunden habe. Vertraut und wohlig. Ich kenne sie irgendwoher, vielleicht aus dem Musikunterricht. Ob Vertrautheit und Wohligkeit als solches schon Qualitätsmerkmale sind, lasse ich mal dahingestellt.

Vielleicht kennen auch noch andere die CD?

Mit Gruß von Carola
sennahresor (22.08.2006, 21:11):
Ich finde das Tuba mirum auch nicht so schlecht. Wenn das Tuba Mirum eher gelöst und trostreich klingt, dann ist das sicher auch ein Stück weit der Tradition verpflichtet - ein emotionaler Exhibitionismus, wie ihn mancher Hörer vielleicht bei Verdi verwirklicht findet, war Mozart eben noch ganz fremd. Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte). Auch in einer zu Mozart zeitgenössischen Vertonung, derjenigen von Domenico Cimarosa, ist das Tuba Mirum sehr tröstlich, ein ziemlich opernhaftes Sopransolo! Der Hauptakzent liegt hier ganz klar auf der Zeile „Coget omnes ante thronum“ („er ruft/versammelt alle vor den Thron“), was ja aus christlicher Perspektive auch eher etwas hoffnungsvolles ist. Ähnliches dürfte Mozart wohl auch im Sinn gehabt haben. Auf jeden Fall scheint es mir nicht zwingend, hier von einem versteckten Freimaurer-Anklang auszugehen.

Viele Grüße, Hannes
Carola (22.08.2006, 21:53):
Original von sennahresor
............

Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte).

...................
Viele Grüße, Hannes

Das finde ich sehr interessant. Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

Es grüßt Dich Carola
Gamaheh (05.12.2006, 19:00):
Lieber Jeremias,

schön, daß Du diesen Faden begonnen hast. Es ist in der Tat ein Werk, das ich auch sehr mag und in dem ich vor langer Zeit, als ich noch eine Stimme hatte, diverse Male in einem Chor die Altstimme mitgesungen habe.

Meine favorisierte Version ist

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000004CX8.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg
Gamaheh (05.12.2006, 19:27):
Lieber Jeremias,

schön, daß Du diesen Faden begonnen hast. Es ist in der Tat ein Werk, das ich auch sehr mag und in dem ich vor langer Zeit, als ich noch eine Stimme hatte, diverse Male in einem Chor die Altstimme mitgesungen habe.

Meine favorisierte Version ist

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000004CX8.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

herausgegeben von C.R.F. Maunder. Diese Version läßt das Sanctus, Hosianna und Benedictus von Süssmayr ersatzlos aus, ebenso dessen Beendigung des Lachrymosa, die Maunder mit einer Rekapitulierung des Te decet hymnus aus dem Introitus und einer Amen Fuge, deren Manuskript vor nicht allzu langer Zeit (sub specie aeternitatis) entdeckt wurde, ersetzt. Die Orchestrierung ist auch überarbeitet worden auf der Basis einer intensiven Lektüre der Zauberflöte und La clemenza di Tito. Usw., mehr im Beiheft...

Großartige Solisten: Emma Kirkby, Anthony Rolfe-Johnson, Carolyn Watkinson, David Thomas (Stammpersonal der Academy of Ancient Music) (1983).

Konventionelle Versionen, die ich mag, sind

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B0000044XI.01._AA130_SCMZZZZZZZ_V1056635814_.jpg

N.Y. Philharmonic, Bruno Walter, Seefried, Tourel, Simoneau, Warfield (?)

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B0000041SH.01._AA130_SCMZZZZZZZ_V1056635671_.jpg

(Wiener Philharmoniker, I. Kertesz, Ameling, Horne, Benelli, Franc - 1966),

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000000SQA.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.gif

Münchner Bach-Chor und -Orchester, Karl Richter, Stader, Töpper, van Kesteren, Kohn (1961).

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (05.12.2006, 20:29):
Oh, es gab ja doch einen Thread... dabei habe ich echt sorgsam nachgeforscht... :engel
Walter (27.12.2006, 18:27):
@jeremias:

lisa und ich haben gestern noch mal ausführlich das Requiem gehört, nachdem wir diese Aufnahme von Karajan unter dem Christbaum gefunden haben:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2970439.jpg

obwohl der Karajan sich geradezu sensibel zurückhält gefällt uns die mächtige und wuchtige Aufnahme von Sir Colin Davis doch immer noch am besten. Da kommt Gänsehaut auf!

Wir haben noch das Confutatis und das Lacrimosa von Peter Schreier mit der Staatskapelle Dresden gefunden - wer kann denn dazu etwas sagen. Die beiden Stücke jedenfalls sind auch sehr imposant dargeboten.

Wie ist denn der Böhm im Vergleich zum Karajan?

Gruss
daniel5993 (17.08.2007, 23:54):
Hallo!

Ich liebe dieses Werk über alle Maßen! :down

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Am Besten gelungen finde ich das Requiem 626 unter Böhm! Und damit meine ich beide Einspielungen, die von der Platte und die von der DVD! woran das wohl liegt? :wink Nein! Es ist nicht weil ich Böhm mag, sondern weil er es im Gegensatz zu diesen anderen Herren wirklich hervorragend macht!
Abbado, Schreier, Walter, Wolfrum sind nicht im geringsten konkurrenzfähig!
Überall vermisse ich diese atemberaubende Dramatik, welche leider nur böhm zu erzeugen versteht! Abbados Aufnhamen sind viel zu schnell, das gesamte Requiem über! Schreier und Wolfrum lassen keine Leidenschft aufkommen! Nichts fesselndes in Ihren Aufnahmen! Bei Schreier kann ich mittlerweile sagen, das es bestimmt nur wenige Aufnahmen gibt, welche teilnahmsloser aufgenommen wurden! X(
Bernsteins Interpretation wäre die einzige die mich noch reizen würde, da ich viel Gutes über seine Spätere Aufnahme gehört habe! Und eventuell eine von Karajans Einspielungen.


Gruß
Daniel
karajan (19.11.2007, 22:06):
Original von daniel5993
Hallo!

Ich liebe dieses Werk über alle Maßen! :down







Am Besten gelungen finde ich das Requiem 626 unter Böhm! Und damit meine ich beide Einspielungen, die von der Platte und die von der DVD! woran das wohl liegt? :wink Nein! Es ist nicht weil ich Böhm mag, sondern weil er es im Gegensatz zu diesen anderen Herren wirklich hervorragend macht!
Abbado, Schreier, Walter, Wolfrum sind nicht im geringsten konkurrenzfähig!
Überall vermisse ich diese atemberaubende Dramatik, welche leider nur böhm zu erzeugen versteht! Abbados Aufnhamen sind viel zu schnell, das gesamte Requiem über! Schreier und Wolfrum lassen keine Leidenschft aufkommen! Nichts fesselndes in Ihren Aufnahmen! Bei Schreier kann ich mittlerweile sagen, das es bestimmt nur wenige Aufnahmen gibt, welche teilnahmsloser aufgenommen wurden! X(
Bernsteins Interpretation wäre die einzige die mich noch reizen würde, da ich viel Gutes über seine Spätere Aufnahme gehört habe! Und eventuell eine von Karajans Einspielungen.


Gruß
Daniel

Hallo Daniel

Heute erst gesehen alle Achtung schon einige Aufnahmen. Ich glaube da kommt bald noch eine dazu.
Lass dich überraschen!!

Gruß Andy
daniel5993 (20.11.2007, 08:08):
Tag Andreas!

Diese hier unter Bernstein habe ich auch schon länger, nur noch nicht dazugerechnet. Die gehört für mich ebenfalls zur Spitze!
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5106655.jpg

Gruß
Daniel
Rachmaninov (16.04.2008, 18:46):
Original von Zelenka
Ich möchte zuerst auf zwei Aufnahmen hinweisen, die ich garnicht kenne, aber gerne kennenlernen würde. Zum einen ist dies der Remake von Harnoncourt aus dem Jahre 2004 (oben schon kurz von Hannes erwähnt):

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3401884.jpg

Christine Schäfer, Bernarda Fink, Kurt Streit, Gerald Finley, Arnold Schoenberg Chor, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt

"classicstoday.com" vergibt hier 10/10 Punkte, der Diapason rät in seinem Jul/August-Heft die Einspielung zu vermeiden und lieber die ältere (inzwischen von der elatus- in die apex-Serie abgesunkene) Version zu hören.

Zum anderen rät der Diapason auch zu Mackerras' Aufnahme von 2001 (Ausgabe: Robert Levin) (Linn, SACD), die bei"classicstoday.com" dürftige 7/7 bekommt. Es müßte also unbedingt probegehört werden ...

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7775617.jpg

Gritton, Wyn-Rodgers, Robinson, Rose, Scottish Chamber Orchestra, Mackerras


@Zelenka,

gerade hörte ich die Aufnahme mit Hogwood. Noch ist es zu früh um hier zu berichten. Allerdings habe ich daher diesen Thread nochmal durchgelesen um habe mich gefragt ob Du mittlerweile Höreindrücke dieser beiden Aufnahmen hier mitteilen könntets?
Solitaire (17.04.2008, 07:24):
Guten Morgen!
Nur ganz kurz, weil gleich der Bus kommt: ich kenne und mag die Aufnahme von Harnoncourt. Allerdings gefällt mir die ältere Aufnahme tatsächlich auch besser. Bei der älteren Version hat mich vor allem das "Rex tremendae" fast aus den Schuhen gepustet, als ich es zum erstenmal gehört habe.

Allerdings kann zum Beispiel mein Chorleiter, der Berufsmusiker ist, und unter dessen Leitung ich das Requiem bereits zweimal singen durfte, gerade mit dieser Version gar nix anfangen.
Ich hoffe, ich habe in den nächsten Tagen mal etwas mehr Zeit als im Augenblick, dann werde ich die Aufnahme noch mal anhören und kann dann vielleicht näher erläutern, was mir daran gefällt.
Mime (18.04.2008, 15:59):
Vorausschicken möchte ich: Mozarts Requiem ist ein Eckpfeiler sakraler Musik und eines meiner Lieblingswerke.

An Einspielungen liegen mir vor:

1. Karl Böhm/Wiener Symphoniker u. Wiener Chorvereinigung mit Gundula Janowitz, Christa Ludwig, Peter Schreier, Walter Berry
2. Nikolaus Harnoncourt/Concentus musicus u. Wiener Staatsopernchor mit Rachel Yakar, Ortrun Wenkel, Kurt Equiluz, Robert Holl
3. Helmut Rilling/Bach-Collegium u. Gächinger Kantorei mit
Arleen Auger, Carolyn Watkinson, Siegfried Jerusalem, Siegmund Nimsgern
4. Nicol Matt/ Süddt. Kammerorchester Pforzheim u. Chamber Choir of Europe mit Pamela Heuvelmans, Barbara Werner, Robert Morvaj, Thomas Pfeiffer
5. H.v.Karajan/Wiener Philharmoniker u. Wiener Singverein mit
Leontyne Price, Hilde Rössl-Majdan, Fritz Wunderlich, Walter Berry

Von allen Aufnahmen fällt nur des irren Tempos wegen die Harnoncourt'sche ab, ansonsten durchweg gute bis sehr gute Leistungen von Sängern und Instrumentalisten. Die Krone gebührt...nein, das wird zu persönlich.Ich bekenne mich als Befangener.
Solitaire (18.04.2008, 17:50):
Soll ich mal raten? :D
Mit dem Requiem habe ich den Guten bisher leider übrigens noch nicht gehört.
im übrigen stimme ich dir zu: das Requiem ist auch eines meiner absoluten Lieblingswerke, und ich kenne keinen Chorsänger(und ich habe einige danach gefragt), der nicht erstmal innerlich tief durchatmen muß, bevor er mit dem "Lacrimosa" loslegt...
Zu Fronleichnam steht es mal wieder im altenberger Dom auf dem Programm und ich habe große Lust, hinzugehen.
Mime (19.04.2008, 20:35):
Original von Solitaire
Soll ich mal raten? :D
Mit dem Requiem habe ich den Guten bisher leider übrigens noch nicht gehört.
im übrigen stimme ich dir zu: das Requiem ist auch eines meiner absoluten Lieblingswerke, und ich kenne keinen Chorsänger(und ich habe einige danach gefragt), der nicht erstmal innerlich tief durchatmen muß, bevor er mit dem "Lacrimosa" loslegt...
Zu Fronleichnam steht es mal wieder im altenberger Dom auf dem Programm und ich habe große Lust, hinzugehen.

:down :engel :down
:hello
Rachmaninov (21.04.2008, 10:18):
Original von Gamaheh
Lieber Jeremias,

schön, daß Du diesen Faden begonnen hast. Es ist in der Tat ein Werk, das ich auch sehr mag und in dem ich vor langer Zeit, als ich noch eine Stimme hatte, diverse Male in einem Chor die Altstimme mitgesungen habe.

Meine favorisierte Version ist

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B000004CX8.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

herausgegeben von C.R.F. Maunder. Diese Version läßt das Sanctus, Hosianna und Benedictus von Süssmayr ersatzlos aus, ebenso dessen Beendigung des Lachrymosa, die Maunder mit einer Rekapitulierung des Te decet hymnus aus dem Introitus und einer Amen Fuge, deren Manuskript vor nicht allzu langer Zeit (sub specie aeternitatis) entdeckt wurde, ersetzt. Die Orchestrierung ist auch überarbeitet worden auf der Basis einer intensiven Lektüre der Zauberflöte und La clemenza di Tito. Usw., mehr im Beiheft...

Großartige Solisten: Emma Kirkby, Anthony Rolfe-Johnson, Carolyn Watkinson, David Thomas (Stammpersonal der Academy of Ancient Music) (1983).

@Requiem-Freunde,

seit einigen Tagen höre ich immer wieder diese Aufnahme. Natürlich könnte ich jetzt hin und her argumentieren, daß hier der Chor etwas besser ist usw.. Aber was soll das? Diese Aufnahme hat wirklich vieles was sie zu einer guten - sehr guten Aufnahme des Requiems macht.

Mit gefällt Hogwood Deutung richtig gut. Beim ersten Hören war ich fast erschrocken! Richtig frisch läßt Hogwood aufspielen. Da dachte ich fast im ersten Moment:"Klingt wie eine Kampfansage an Gott..."
So als wollte W.A. Mozart ihm entgegentreten und sagen:"Komm und hole mich ruhig, ich bin eh schon "unsterblich...."
Das macht richtig freude so eine Aufnahme zu hören, die nicht völlig erfürchtig erstart. Die Sänger sind gut und hier passiert nicht das, was in vielen Aufnahmen passiert, und einer fällt im Tuba Mirum deutlich "ab".
Die C.R.F. Maunder Ausgabe gefällt mir persönlich sehr gut. Auch wenn es natürlich kein Mozart ist, den wie da hören, so ist es doch IMO stimmiger als das was Süßmaier hinterließ. (Da schalte ich mittlerweile nämlich grundsätzlich ab...)
Solitaire (21.04.2008, 18:36):
Original von Rachmaninov


Mit gefällt Hogwood Deutung richtig gut. Beim ersten Hören war ich fast erschrocken! Richtig frisch läßt Hogwood aufspielen. Da dachte ich fast im ersten Moment:"Klingt wie eine Kampfansage an Gott..."
So als wollte W.A. Mozart ihm entgegentreten und sagen:"Komm und hole mich ruhig, ich bin eh schon "unsterblich...."
..

Ich kenne die Aufnhame nicht, aber das macht natürlich sehr neugierig!

Ich habe vor einigen Jahren einmal eine Aufführung gehört, in der der Dirigent Chor und Orchester nach dem 8. Takt des "Lacrimosa" abgewunken hat (da bricht ja bekanntlich die Originalhandschrift ab). Nach einigen Augenblicken tiefer Stille, begannen die Ausführenden dann erneut mit dem "Lacrimosa" und haben die ganze Messe zuende musiziert. Das möchte ich zwar nicht ständig so hören, aber es war schon sehr beeindruckend, und durchaus erschütternd: die musikalische Linie ist ja an dieser Stelle eine aufsteigende, und wenn das so ganz plötzlich und unvermutet abbricht, verdeutlicht das sehr drastiasch, was damals geschehen ist: ein Mensch wurde mitten aus seinem Leben und Schaffen herausgerissen.
Was Süßmayr angeht: ich bin kein Musikwissenschaftler und kann nicht beurteilen, wieviel Mozart in Süßmayr steckt, aber ich finde, er hat seine Sache nicht schlecht gemacht. Ich mag das ganze Werk so wie es ist sehr, sehr gern. Wenn allerdings der Leibhaftige mir anbieten würde, im Austausch gegen meine Seele das Requiem EINMAL so hören zu dürfen, wie Mozart es sich gedacht hat...die Versuchung wäre groß :D
Rachmaninov (21.04.2008, 18:39):
Original von Solitaire
Was Süßmayr angeht: ich bin kein Musikwissenschaftler und kann nicht beurteilen, wieviel Mozart in Süßmayr steckt, aber ich finde, er hat seine Sache nicht schlecht gemacht. Ich mag das ganze Werk so wie es ist sehr, sehr gern. Wenn allerdings der Leibhaftige mir anbieten würde, im Austausch gegen meine Seele das Requiem EINMAL so hören zu dürfen, wie Mozart es sich gedacht hat...die Versuchung wäre groß :D

NU, zu Süßmaier. Es heißt ja, ein wahrer Meister hat keine Schüler sondern schafft wieder Meister. Nun, das kann man wohl behaupten, in diesem Fall wohl nicht :ignore
HenningKolf (21.04.2008, 19:21):
Mozarts Requiem ist zwar nicht mein Lieblingsrequiem, aber die Komposition die ich als Mozartmuffel von seinen Werken am häufigsten höre.

Ich habe allerdings nur diese eine Aufnahme

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41M5MP61TAL._SL500_AA240_.jpg

und bin durchaus zufrieden. Trotzdem interessiert es mich, wie die Mozartianer unter Euch sie im Vergleich einschätzen.

Überrascht bin ich, dass unser Admin Hoogwood als "frisch" bezeichnet. Alles was ich von Hogwood mal hatte (Mozart, Beethoven) habe ich bei ebay verkauft, weil ich es lahm, langweilig und emotionslos fand.

Gruß
Henning
Solitaire (21.04.2008, 23:55):
Das ist eine der Aufnahmen, die ich auch habe. Allerdings kann ich mich mit dem Tenor so gar nicht anfreunden :(
Mehr kann ich im Momnet dazu nicht sagen. Hau mich jetzt in die Federn.
Gute Nacht :)
ab (05.05.2008, 23:28):
Eigentlich gefallen mir nur Aufnahmen auf s.g. Alten Instrumenten.

Was mich dabei wundert, ist, dass folgende Aufnahme bislang noch nicht geannt wurde: Gleichsam perfekt scheint mir die Aufnahme mit Jordi Savall ion seiner Dreieinigkeit: Sehr gutes Orchester, sehr guter Chor und sehr gute Solisten. - Wo gibts das noch?!!!
Sein Zugriff ist allerdings ständig weiter- und vorwärtsdrängend, was leider, leider nicht ganz meinem Geschmack entspricht.

Meine Liebelingaufnahme ist die alte von Nikolaus Harnoncourt: Niemand nimmt auch den Süßmayer-Teil so ernst und hudelt ihn nicht gleichsam wie zweite Klasse hinunter, um etwas zu überteiben. Klar: die Solisten sind nicht so ausgeglichen wie bei anderen Aufnahmen und auch der Chor ist halt wie bei Harnoncourt üblich nicht der perfekteste, dafür halte ich den Orchesterpart nach wie vor für meinen Geschmack für unübertroffen. Auch das kürzeste "Rex" aller Zeiten lässt mir immer noch einen Schauer über den Rücken hinunterlaufen! Niemand gestaltet die Musik so sehr nach dem Text.

Gardiner mit seinem brillanten Chor und seinen exzellenten Solisten ist keine so schlechte Alternative. Nur leider ist Orchester und Chor nicht annähernd im gleichen Zusammenklang wie das bei Harnoncourt der Fall ist.

Hoogwood kenne ich leider gar nicht. Das sollte ich wohl einmal dringend nachholen. (...übrigens auch Bruno Walter)

Gibt es eigentlich eine Aufnahme mit Ferenc Fricsay?

Wahrlich entsetzt - im negativen Sinne - hat mich bislang Muti und Bernstein, eigentlich auch der Klangbrei Soltis zum Gedächtniskonzert aus dem Salzburger Dom. Karajan und Böhm haben mir schon zu Kinderzeiten Mozart vergällt. Von Kertesz mit der oft so wunderbaren Elly Ameling habe ich mir deutlich mehr erwartet.

Es gibt auch eine Bearbeitung vom Zeitgenossen Peter Lichtenthal (1780-1853) für Streichquartett, neuerdings bereits mit drei Einspielungen: Quartetto Aglaia, StringFizz und Kuijken Quartett. Ich selbst habe und kenne nur die erstgenannte.
ab (05.05.2008, 23:42):
Solitaire (06.05.2008, 09:03):
Original von ab
Auch das kürzeste "Rex" aller Zeiten lässt mir immer noch einen Schauer über den Rücken hinunterlaufen! Niemand gestaltet die Musik so sehr nach dem Text.


Amen. :down
Uhrwerker (06.10.2008, 17:12):
Hallo miteinander,

von Mozarts Requiem habe ich eine ganze Reihe von Aufnahmen in meiner Sammlung:

Böhm, Richter, Solti, Abbado, Harnoncourt, Gardiner, Hogwood, Norrington, Weil, Herweghe und Spering.

Besonders erwähnen möchte ich die in diesem Thread schon genannte Aufnahme von Hogwood, der eine komplette von den Süßmayrschen Ergänzungen gereinigte Fassung vorlegt um den Preis, dass einiges fehlt, die von Norrington, dessen Fassung von Duncan Druce vervollständigt wurde aber leider etwas lahm eingespielt ist und die von Christoph Spering, der erstmals die autographen Fragmente im Anhang seiner CD mit eingespielt hat.
Eine höchst beachtenswerte und schon lange überfällige Tat, die die Diskussion um die Vervollständigung durch Süßmayr deutlich relativiert. D.h. die Fragmente weisen derart viel Substanz auf, dass sie sogar in ihrer blanken Form gut klingen und zum Ausdruck bringen, was Mozart wollte, so dass ihre Ergänzug mehr eine formale, denn eine substanzielle Angelegenheit ist, der auch Süßmayr sehr wohl gerecht geworden ist.

Als weitere Besonderheit sei noch angeführt, dass Spering im Hauptteil dieser Aufnahme, also dem Requiem ergänzt von Süßmayr, den Introitus um fast die Hälfte langsamer nimmt, als bei seiner Wiederholung in der Communio am Schluss: Gewöhnungsbedürftig, aber interessant und nicht schlecht.

Vom interpretatorischen her ist diese Aufnahme auf jeden Fall im oberen Viertel anzusiedeln und sie kann wirklich jedem empfohlen werden, der sich für Mozarts Requiem interessiert und nicht gerade ein ausgewiesener Partituren-Liebhaber ist.
Uhrwerker (07.10.2008, 18:45):
Hier ein Link zu einem Bild vom CD-Cover der Spering-Aufnahme:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4116YJCN7JL._SL500_AA240_.jpg

Es handelt sich dabei um eine Aufnahme des Labels OPUS 111

Beste Grüße
Uhrwerker
Rachmaninov (07.10.2008, 18:46):
Original von Uhrwerker
Hier ein Link zu einem Bild vom CD-Cover der Spering-Aufnahme:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4116YJCN7JL._SL500_AA240_.jpg

Es handelt sich dabei um eine Aufnahme des Labels OPUS 111

Beste Grüße
Uhrwerker

@Uhrwerker,

freundliches Willkommen meinersteits!

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Solitaire (07.10.2008, 22:56):
Bin gerade etwas übermüdet, habe das Haus ganz für mich allein (Vermieterin in Urlaub!!!) und habe mich mit Schatzi soeben einmal durch die Musikgeschichte gehört und dabei Sekt getrunken. Von Mozart bis Peter Gabriel war alles dfabei. Deshalb im Schnelldurchgang: bin zur Zeit sehr begeistert vom Requiem unter Abbado mit Karita Mattila, Michael Schade ( :down :down :down) und Bryn Terfel. Es handelt sich um die Süßmayr-Version, die aber auch Rekonstruktionen von Franz Beyer und Robert Levin enthält. Die Aufnahme ist von 1999 aus dem Salzburger Dom und es ist in diesem Fall eindeutig KEIN Klangbrei.
Hosenrolle1 (06.12.2016, 10:21):
Wie im "Was höre ich gerade jetzt"-Thread geschrieben, habe ich mir die ersten Nummern dieses Requiems angehört, auf period instruments, und mir gefiel das eigentlich ganz gut.

Deswegen habe ich gesucht, ob es hier einen Thread dazu gibt, und da lese ich jetzt, dass ein Großteil des Werks gar nicht von Mozart ist. Ich behaupte nun keineswegs, dass die Teile, die nicht von ihm sind, deswegen schlecht oder minderwertig sind (ich kenne das Werk ja noch nicht mal), aber ich frage mich, ob es sich überhaupt lohnt, sich alle Nummern anzuhörern, statt nur die, die von Mozart sind? Es heißt ja auch "Mozart: Requiem", und nicht etwa "Teilweise Mozart: Requiem".



LG,
Hosenrolle1
Zefira (06.12.2016, 11:07):
Ist denn überhaupt abgesichert, welche Teile von Mozart sind? Ich war vor Jahren mal in einem Konzert, in dem (laut Programmzettel) nur diejenigen aufgeführt wurden, die mit Sicherheit von Mozart sind - das empfand ich klar als unvollständig, aber das ist natürlich auch Hörgewohnheit. Ich höre das Requiem als Einheit. Aus Purismus Teile davon wegzulassen, bloß weil sie nicht von Mozart sind, käme mir nicht in den Sinn.
Hosenrolle1 (06.12.2016, 11:14):
Ob das Purismus ist weiß ich nicht, aber natürlich ist der andere Komponist nicht Mozart und hat auch eigene Ideen mit eingebracht, die vielleicht völlig anders sind als das, was Mozart schreiben wollte.


Ich war vor Jahren mal in einem Konzert, in dem (laut Programmzettel) nur diejenigen aufgeführt wurden, die mit Sicherheit von Mozart sind - das empfand ich klar als unvollständig
Naja, das Werk IST unvollständig.




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (06.12.2016, 11:35):
Wenn du Mozart pur möchtest, bleibt nicht viel übrig:

Was Mozart uns an eigenhandigen Notaten hinterlassen hat, ist zugleich folgerichtig und das absolute Minimum für ein derartiges Werk. Folgerichtig insofern, als er fast alle Vokalstimmen mit Ausnahme des
Lacrimosa (acht Takte), Sanctus, Benedictus und Agnus Dei vollstandig ausgeschrieben hat. Folgerichtig
auch insofern, als Komponisten damals in derselben Weise mit Schulern und Gehilfen zusammenarbeiteten,
wie Maler mit ihren Werkstatten. Wenn der Meister die Schlüsselstellen bezeichnet oder ausgefuhrt hatte,
konnten die Schuler die Partitur nach seinen Angaben vollenden. Das Minimum aber, weil Mozart in den
Instrumentalstimmen mit Ausnahme des Introitus und des Kyrie nur die absolut unverzichtbaren Parameter
notiert hat: Rhetorische und rhythmische áincipitsâ bilden den Rahmen, der es seinen Assistenten gestattete,
das Bild zu vollenden.
satie (06.12.2016, 12:48):
Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wer die Aufführenden waren, aber es gab mindestens einmal eine Aufführung des Werks als Torso in dem Sinn, dass man nach dem wunderbaren Crescendo im Lacrimosa einfach abgebrochen hat und dann nach einer Pause ging es mit einem anderen Werk weiter. (Edit: mittlerweile herausgefunden: Emil Bächtold hat offenbar nur die Fragmente genommen, nichts weiterkomponiert, aber die Teile neu instrumentiert, die Aufführung war wahrscheinlich 1996 in der Schweiz)
Es ist immer wieder die Frage, wie man mit Werken umgehen soll, die Fragment geblieben sind. Für Schuberts "Unvollendete" wurden bereits mehrfach Rekonstruktionen/ Neukompositionen der restlichen Sätze komponiert, allerdings hat man da wenigstens zwei fertige Sätze, so dass man das auch so stehen lassen kann.
Beim Requiem hingegen muss man sich vorstellen, dass man im Grunde nur einen Flickenteppich, bzw. nur die wichtigsten Elemente in direkt von Mozart notierter Form vor sich hat. Man könnte vermutlich eruieren, was alles von Süßmayr stammt und das herauslöschen, aber dann bliebe tatsächlich nur etwas übrig, das man kaum als aufführungswürdiges Requiem ansehen könnte. Wie ich gelesen habe, gibt es Hinweise, dass die ersten beiden Sätze schon vor Mozarts Tod einmal aufgeführt wurden, d.h. diese beiden wären dann wohl die einzigen in Gänze vollendeten.
Der von Cetay zitierte Text macht auf diese sehr wichtige Werkstatt-Praxis aufmerksam. Man kann sich das wie bei Rubens vorstellen: der Meister macht den Entwurf, malt die wichtigsten Dinge (z.B. Gesichter) selbst, aber einer der Schüler kann z.B. Faltenwürfe malen, wenn er darin die nötige Fertigkeit erlangt hat. So ähnlich ging es bei Bach auch zu, da konnte beispielsweise ein Schüler einen Kanon fertigschreiben, den der Meister begonnen hatte o.ä.
Das heißt, es ist im Grunde falsch, wenn man von allen Stücken annimmt, die seien wirklich nur von dem einen Komponisten komplett aufgeschrieben, man hat halt lästige Dinge delegiert, manche "Massenproduktion" wäre sonst gar nicht möglich gewesen. Diese Praxis ist übrigens nie so ganz aus der Mode gekommen, man denke nur an Scelsi, der seine Stücke alle in Echtzeit komponierte (ich vermeide das Wort Improvisation bewusst), auf Band aufnahm und dann seinem Kollaborateur zum Arrangement überließ, oder Luciano Berio, der offenbar in den späteren Jahren arbeitete wie ein Filmkomponist und nur noch Grundideen skizzierte, die dann von einem Team von Co-Komponisten erst zu Ende komponiert wurden.
Das Problem ist beim Mozart-Requiem, dass es schwierig ist, wie man die Süßmayrsche Leistung beurteilen will. Dass dieser kein ebenbürtiger Komponist war (wer hätte das schon sein können?), ist klar. Dass er satztechnische Fehler gemacht hat, kann man ebenfalls nachweisen. Andererseits war dieser immerhin ein direkter Schüler von Mozart, einer der diese Musik als Sprache seiner Gegenwart schon beherrschte und darin lebte, also stilistisch so fern nun auch wieder nicht sein kann, zumindest im Vergleich zu allen späteren Bearbeitern, die nur das Mittel der Analyse und Rekonstruktion zur Verfügung haben.
Durch diese notwendigerweise offenen Fragen scheint mir die Antwort einmal zu lauten: all diese Versionen zusammen sind das Requiem, und man muss sie vergleichen, um eine Vorstellung davon zu bekommen. Würde man nur Mozart Fragmente nehmen, vermittelten diese vielleicht die Grundidee trotzdem, aber keinswegs die fertige Gestalt (das zeigen ja gerade die verschiedenen Bearbeitungen). Oder aber man nimmt eine extreme Haltung dazu ein und sagt: ein Werk, das nicht fertig ist, kann/ darf man nicht aufführen, man kann es allenfalls lesend verstehen. Mir persönlich gefällt der Ansatz von Bächtold (s. oben), weil er das Fragment Fragment bleiben ließ und es lediglich in eine aufführbare Form gebracht hat. Für mich hat das denselben Effekt wie Kafkas Roman "Das Schloss": dieser ist auch ein Fragment, und ich habe eine Ausgabe aller Werke Kafkas, die nur den Urtext beinhaltet, nicht die nachträglich beendeten Fassungen oder Korrekturen der Rechtschreibung etc. Die Geschichte vom Schloss, in das der Protagonist einfach nicht gelangen kann, endet einfach offen und ist damit ziemlich stark, weil man dadurch in der Geschichte gefangen bleibt und nur die Fantasie sie zu Ende schreiben kann oder auch nicht. Mir gefällt das Requiem in einer solchen Form auch, ich will die Auflösung gar nicht wissen.
Cetay (inaktiv) (06.12.2016, 15:18):
(...) es gab mindestens einmal eine Aufführung des Werks als Torso in dem Sinn, dass man nach dem wunderbaren Crescendo im Lacrimosa einfach abgebrochen hat und dann nach einer Pause ging es mit einem anderen Werk weiter. (...) Emil Bächtold hat offenbar nur die Fragmente genommen, nichts weiterkomponiert, aber die Teile neu instrumentiert, die Aufführung war wahrscheinlich 1996 in der Schweiz.
(...) Mir persönlich gefällt der Ansatz von Bächtold (...), weil er das Fragment Fragment bleiben ließ und es lediglich in eine aufführbare Form gebracht hat. Für mich hat das denselben Effekt wie Kafkas Roman "Das Schloss": dieser ist auch ein Fragment, und ich habe eine Ausgabe aller Werke Kafkas, die nur den Urtext beinhaltet, nicht die nachträglich beendeten Fassungen oder Korrekturen der Rechtschreibung etc. Die Geschichte vom Schloss, in das der Protagonist einfach nicht gelangen kann, endet einfach offen und ist damit ziemlich stark, weil man dadurch in der Geschichte gefangen bleibt und nur die Fantasie sie zu Ende schreiben kann oder auch nicht. Mir gefällt das Requiem in einer solchen Form auch, ich will die Auflösung gar nicht wissen.
In dem oben von mir zitierten Booklet-Text gibt es eine andere schöne Metapher: "Man setzt ja auch der Venus von Milo keine neuen Arme an."
Hosenrolle1 (06.12.2016, 16:30):
Es ist immer wieder die Frage, wie man mit Werken umgehen soll, die Fragment geblieben sind.
Eine sehr gute Frage, wie ich finde.

Mir ist die Neugierde auf das Werk wieder vergangen. Wozu führt man DERART unvollendete Werke eigentlich auf, wenn nicht aus rein musikwissenschaftlichem Interesse, also dass man sagt "Wir führen die von Mozart komponierten Teile vor, damit man hören kann, was er da geschrieben hat, bitte um Verständnis dafür, dass es nur wenig ist und die Musik abbricht" oder so ähnlich.

Ich würde nie auf ein CD Cover "Mozart - Requem" draufschreiben, wenn so wenig von ihm ist.
Mich stört ja nicht, dass jemand anderer das vervollständigt hat (wobei, "vervollständigt" ist m.E. ein falscher Begriff, weil es voraussetzt, dass die ergänzten Teile das sind, was Mozart im Sinn hatte. Ich würde eher "dazukomponiert" sagen), mich stört auch nicht, wenn Komponisten andere Leute in ihre Arbeit miteinbeziehen (was hier ja nicht der Fall war, weil Mozart bereits tot war).

Nur das Interesse ist bei mir einfach praktisch weg. Macht ja nix.




LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (06.12.2016, 16:47):
Wer eine in allen Teilen gelungene Requiem-Aufnahme sucht und nicht bei dem Namen "Karajan" gleich abwehrend die Hände hebt, dem sei diese wärmstens empfohlen:


Exzellente Solisten: Anna Tomowa-Sintow (S), Agnes Baltsa (A), Werner Krenn (T), José van Dam (B),
Wiener Singverein, Berliner Philharmoniker, Dirigent: Herbert von Karajan (Aufnahme 1976). Auch die Klangtechnik ist hervorragend.

Oder, wenn Karajan gar nicht in Frage kommt, diese:


Edith Mathis (S), Grace Bumbry (A), George Shirley (T), Marius Rintzler (B);
Philharmonia Chorus and Orchestra London, Dirigent: Rafael Frühbeck de Burgos (Aufnahme 1968).
Eine viel zu wenig beachtete, außerordentlich gute Aufzeichnung.

Und für diejenigen, die sich vor Mono nicht fürchten, habe ich auch noch eine Empfehlung:

Elisabeth Grümmer (S), Marga Höffgen (A), Helmut Krebs (T), Gottlob Frick (B);
Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, Berliner Philharmoniker, Dirigent: Rudolf Kempe (Aufnahme 1955).
Der Klang ist, abgesehen daß es eine Mono-Aufnahme ist, erfreulich gut. Und die Solisten sind einsame Spitze, v.a. Elisabeth Grümmer.

Das sind allerdings alles Aufnahmen in großer Besetzung, von HIP keine Spur (aber das macht sie mir besonders lieb!). HIP-Freunde sollten aber besser die Finger davon lassen.
Hosenrolle1 (06.12.2016, 17:25):
Wer eine in allen Teilen gelungene Requiem-Aufnahme sucht und nicht bei den Namen "Karajan" gleich abwehrend die Hände hebt,
Ich habe sie erst abwehrend gehoben, als ich gehört habe, was er daraus gemacht hat. ;)
Natürlich bin ich nun generell skeptisch, wenn mit falschen modernen Instrumenten gespielt wird, aber selbst da hätte es nicht so süßlich klingen müssen.


Der Klang ist, abgesehen daß es eine Mono-Aufnahme ist, erfreulich gut. Und die Solisten sind einsame Spitze, v.a. Elisabeth Grümmer.

Das sind allerdings alles Aufnahmen in großer Besetzung, von HIP keine Spur (aber das macht sie mir besonders lieb!). HIP-Freunde sollten aber besser die Finger davon lassen.
Die Grümmer wäre der einzige Grund, mir das anzuhören. Wobei ich gelesen habe, dass HIP und period instruments nicht das gleiche sind. Es gibt genauso Dirigenten, die darauf schauen, wie damals musiziert wurden, aber dennoch(!) moderne Instrumente verwenden. Vielleicht ist die Aufnahme ja HIP, und wir wissen es nicht? ... :D

Wie singt die Grümmer denn in der ersten Nummer? Eher zurückhaltend, mit leisen Tönen, wie ich sie kenne, oder doch eher "opernhafter" und lauter?




LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (06.12.2016, 17:46):
Ich habe sie erst abwehrend gehoben, als ich gehört habe, was er daraus gemacht hat
Hallo Hosenrolle1,

kann es nicht doch sein, daß eine unüberwindliche Karajan-Antipathie mitgespielt hat?
Alfred Beaujean, einer der schärfsten Karajan-Kritiker der 1970/80er Jahre, schreibt zu dieser Aufnahme: " .... stünde nicht der Name des Dirigenten auf Tasche und Etikett, man würde zumindest auf weiten Strecken dieser Wiedergabe schwerlich an Karajan denken. Da hört man eine überraschend energisch durchgezeichnete, vor allem in den Instrumentalstimmen sehr klare, auf jedes Sfumato verzichtende, stellenweise fast holzschnittartig-kantige, völlig unverzärtelte Mozart-Darstellung, der alle die Untugenden abgehen, die Karajans Aufnahmen von Beethovens Missa und der großen Bach-Chorwerke so ungenießbar machen. Das Ganze ist von überzeugender Geschlossenheit ...."


Wie singt die Grümmer denn in der ersten Nummer?
Sie singt so, wie man es von ihr gewöhnt ist: Schlicht und dem Text angemessen, einfach betörend! Ich habe die Stelle von keiner anderen Sängerin so schön gehört wie von ihr.

Was HIP und Original-Instrumente anbetrifft, so sind wir beide wohl auf ganz verschiedenen Dampfern. Ich kann diesen (in meinen Ohren) blutleeren Aufführungen nichts abgewinnen. Aber das ist Geschmacksache.

LG, Cavaradossi
Hosenrolle1 (06.12.2016, 17:58):
kann es nicht doch sein, daß eine unüberwindliche Karajan-Antipathie mitgespielt hat?
Nein, denn seine HUG-Aufnahme von 1953 (ebenfalls mit der Grümmer), sowie seine Salome von 1977 oder 1978 halte ich für eine der besten Einspielungen der jeweiligen Werke. Aber diese Aufnahme vom Requiem war für mich viel zu zuckrig, was sicher zum Teil auch an den modernen Instrumenten liegt (eine alte Trompete schmettert einfach viel früher, die moderne bei Karajan schmettert gar nicht sondern klingt "symphonisch" weich).


Sie singt so, wie man es von ihr gewöhnt ist: Schlicht und dem Text angemessen, einfach betörend! Ich habe die Stelle von keiner anderen Sängerin so schön gehört wie von ihr.
Ja, das klingt nach der Grümmer ^^


Was HIP und Original-Instrumente anbetrifft, so sind wir beide wohl auf ganz verschiedenen Dampfern. Ich kann diesen (in meinen Ohren) blutleeren Aufführungen nichts abgewinnen. Aber das ist Geschmacksache.
Naja, wie gesagt, HIP bedeutet nicht automatisch period instruments. Meinst du jetzt period instruments oder tatsächlich HIP, also dass man etwa so phrasiert wie man es zu Mozarts Zeit gemacht hat, auch mit modernen Instrumenten?
Aber auch mit period instruments ist natürlich nicht gesagt, dass die Interpretation gut ist!

Dennoch würde mich interessieren, was du mit "blutleer" meinst.




LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (06.12.2016, 20:07):
Dennoch würde mich interessieren, was du mit "blutleer" meinst.
"Blutleer" ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Mir fällt aber im Moment kein anderer ein.
Mir kommen die HIP-Aufführungen und auch die auf sog. "originalen Instrumenten" immer ein wenig hölzern klingend daher. Auch das trifft jetzt nicht den Kern, aber ich denke z.B. an Klaviere der Mozart-Zeit und frage mich beim Anhören immer, wie Mozart wohl gejubelt hätte, wenn er einen Steinway des Jahres 2000 zur Verfügung gehabt hätte. Oder eine Haydn- oder Mozart-Symphonie mit Original-Instrumenten (z.B. Hogwood), das klingt mir zu dünn, ein wenig schrill, nicht so weich fließend wie z.B. von Bruno Walter oder Otto Klemperer mit einem großen Symphonie-Orchester. Ich habe immer wieder Anläufe mit solchen Aufnahmen gemacht, aber warm bin ich damit nicht geworden und reumütig zu meinen Fricsays, Böhms etc. zurückgekehrt.

Schönen Abend,
Cavaradossi :hello
Hosenrolle1 (06.12.2016, 20:35):
Mir kommen die HIP-Aufführungen und auch die auf sog. "originalen Instrumenten" immer ein wenig hölzern klingend daher. Auch das trifft jetzt nicht den Kern, aber ich denke z.B. an Klaviere der Mozart-Zeit und frage mich beim Anhören immer, wie Mozart wohl gejubelt hätte, wenn er einen Steinway des Jahres 2000 zur Verfügung gehabt hätte.
Naja, vielleicht hätte er gesagt "Super, auf dem Instrument kann man ja richtig laut spielen, und der Klang gefällt mir auch"; in dem Fall hätte er aber anders komponiert, als er es getan hat, weil die klanglichen Voraussetzungen bei einem Klavier VÖLLIG andere sind, und auch die Lautstärke ist eine andere. Vielleicht hätte er gesagt "OK, ein Klavier klingt in dieser Lage so und so, Akkorde klingen so und so, also schreibe ich entsprechende Akkorde und Dynamikbezeichnungen in die Noten".

Oder er hätte vielleicht gesagt "Ich mag den Klang nicht, zu glasig, zu kalt, tiefe Akkorde klingen da zu undifferenziert".

Aber er hat eben für die Klaviere seiner Zeit geschrieben, und, was ich besonders wichtig finde, auch berücksichtigt, wie diese klingen UND welche Lautstärke sie haben, und entsprechende Dynamikbezeichnungen in Orchester- und Klavierstimme gesetzt, damit die Balance stimmt.
Ich glaube aber nicht, dass er die Instrumente seiner Zeit nur als primitive Frühstadien gesehen hat. Primitiv waren vielleicht die ganzen Vorläufer, etwa Flöten aus Knochen und ähnliches. Eigentlich sind die Instrumente ab einen bestimmten Zeitpunkt nicht mehr besser und besser geworden, sondern nur noch modifiziert worden, um bequemer und sicherer zu sein für den Spieler. Klappenmechaniken statt Finger auf Löcher, usw.
Vielleicht wurde der Tonumfang noch hie und da erweitert, um noch extremere Tiefen und Höhen zu erreichen.


Oder eine Haydn- oder Mozart-Symphonie mit Original-Instrumenten (z.B. Hogwood), das klingt mir zu dünn, ein wenig schrill, nicht so weich fließend wie z.B. von Bruno Walter oder Otto Klemperer mit einem großen Symphonie-Orchester.
Das kommt sicher auch auf die Interpretation an, und auf die Aufnahmequalität. Ich empfinde z.B. die modernen Oboen als zu dünn und schneidend, die alten Oboen (die ja Nachbauten sind) als wesentlich voller und wärmer, besonders in den Mischklängen mit den Flöten oder der Clarinette.
Die großen Sinfonieorchester sind natürlich schon eindrucksvoller, aber dennoch, es ist eigentlich ein künstliches Aufmotzen einer Sinfonie, mit Instrumenten, die viel lauter sind, die viel größer sind, und wo die Balance eine ganz andere ist.

Ich würde mir die period instruments-Versionen so anhören, dass du sie nicht vergleichst mit den modernen, sondern auf ganz neue Klangfarben achtest, die man da entdecken kann. Wie klingen die Flöten und die Geigen zusammen? Wie klingen die Clarinetten und die Fagotte zusammen? Wie klingen die Akkorde der Hörner, die legati, wie klingen die Posaunen? :)

Bei Mozarts Requiem hatte ich den Vorteil, dass ich vorher keine Aufnahme kannte, geschweige denn im Ohr hatte. Ich habe mir (aus Prinzip) eine period instruments-Version gesucht und fand das ziemlich beeindruckend, welche Klangfarben es da gab, oder wie die Posaunen und die Trompeten zu schmettern anfangen.

Dann habe ich die Karajan-Version gehört, und da fehlte dieses Schmettern völlig, was auch damit zu tun hat, dass die modernen Instrumente beim von Mozart notierten forte noch weicher klingen.

Harnoncourt meinte einmal, dass er nicht möchte, dass die Zuhörer in seine Konzerte kommen mit dem Gedanken "Ich kenne jetzt viele Versionen, jetzt höre ich mal den Harnoncourt an und schaue, was er alles anders macht", sondern - was natürlich schwer ist heutzutage mit den vielen Aufnahmen - möglichst ohne Vorstellungen, ohne Erwartungen da hingehen, als ob sie das Stück noch nicht kennen und das erste Mal hören.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (06.12.2016, 22:25):
Letzteres ist gerade bei dem Requiem so gut wie ausgeschlossen ...
Ich habe eben mal meine eigene, lange nicht gehörte Version ausgegraben, es ist die oben verlinkte unter Karajan von 1976 mit Tomowa-Sintow, Baltsa, Krenn und José van Dam. Eine herrliche Aufnahme.
Hosenrolle1 (06.12.2016, 22:31):
Letzteres ist gerade bei dem Requiem so gut wie ausgeschlossen ...
Bei wem?



LG,
Hosenrolle1
Nicolas_Aine (06.12.2016, 23:38):
na, es ist ein doch sehr bekanntes Werk, ich denke, darauf will Zefira raus. Viele Konzertbesucher werden es schonmal gehört haben.

Eigentlich sind die Instrumente ab einen bestimmten Zeitpunkt nicht mehr besser und besser geworden, sondern nur noch modifiziert worden, um bequemer und sicherer zu sein für den Spieler. Klappenmechaniken statt Finger auf Löcher, usw.
Vielleicht wurde der Tonumfang noch hie und da erweitert, um noch extremere Tiefen und Höhen zu erreichen.

Das würde ich bestreiten. Das sie nicht mehr besser geworden sind, darin sind wir uns einig, sie sind halt anders geworden und modifiziert worden, wie du es ja sagst. Aber nicht (nur?), um sicherer zu sein für den Spieler, sondern auch und vor allem, um auf veränderte Klangvorstellungen und Situationen (z. B. große Konzerthallen) zu reagieren.
Hosenrolle1 (06.12.2016, 23:59):
na, es ist ein doch sehr bekanntes Werk, ich denke, darauf will Zefira raus. Viele Konzertbesucher werden es schonmal gehört haben.
Das sicher, aber haben sie das Werk mit seinen Klangfarben, mit seinen Akzentuierungen etc. auch im Ohr?

Das Witzige ist ja, dass ich von mir selbst eigentlich gedacht hätte, dass ich nicht aufgeschlossen sein kann gegenüber den bekannten Werken, wenn diese ungewohnt klingen, aber tatsächlich ging das leichter als ich dachte.


Das würde ich bestreiten. Das sie nicht mehr besser geworden sind, darin sind wir uns einig, sie sind halt anders geworden und modifiziert worden, wie du es ja sagst.
Das stimmt, wobei das den Schluss zulässt, dass dadurch, dass alle Instrumente verändert wurden, die Werke wieder so klingen würden (besonders bei der Klangbalance und den Klangfarben, den Mischklängen), wie es vom Komponisten beabsichtigt gewesen sein könnte. Dass man quasi rechnet "Eine moderne Clarinette und eine alte Flöte = klingt nicht gut, eine moderne Clarinette und eine moderne Flöte = klingt wieder richtig".


Aber nicht (nur?), um sicherer zu sein für den Spieler, sondern auch und vor allem, um auf veränderte Klangvorstellungen und Situationen (z. B. große Konzerthallen) zu reagieren.
Da bin ich auch ganz deiner Meinung, die Veränderungen waren natürlich nicht nur wegen der Sicherheit oder Bequemlichkeit da. Ich sage auch keineswegs, dass man ein Werk, das speziell für eine moderne Clarinette geschrieben wurde, mit einer alten besser wäre, im Gegenteil: in diesem Fall sollte auch eine moderne verwendet werden, denn nur diese kommt den Klangvorstellungen des Komponisten am nächsten, und nur diese kann das leisten, wovon der Komponist ausgegangen ist. Der Komponist wusste, was diese Clarinette für Eigenschaften hat, wie laut sie werden kann, und wie sie in den verschiedenen Registern klingt, und hat dementsprechend komponiert. Und umgekehrt hat Mozart für eine Clarinette SEINER Zeit komponiert, oder für eine Flöte, und hat DEREN klangliche Eigenschaft berücksichtigt und sie verwendet für seine Ideen. Wenn man nun eine moderne nimmt, dann benutzt man ein Instrument, das für Bedingungen gemacht wurde, die nichts mit den Bedingungen der Mozart-Zeit zu tun haben, und das auch anders klingt. Man verhindert, dass da Klangfarben entstehen, die Mozart sich ausgedacht hat. Dafür entstehen neue, die man mögen kann oder nicht, aber es ist trotzdem verfälscht. Nicht deswegen verfälscht, weil man "falsch" interpretiert, weil das Tempo, die Lautstärke oder sowas nicht passt, sondern einfach nur, weil man Instrumente nimmt, die völlig anders sind.
Vielleicht wollte Mozart an einer Stelle, dass die Oboe voll und rund klingt und sich angenehm mit der Flöte und der Clarinette mischt? Nimmt man eine moderne Oboe, dann hebt die sich viel stärker klanglich ab, und es mischt sich nicht mehr, der Klang ist etwas schneidender. usw.




LG,
Hosenrolle1
Nicolas_Aine (07.12.2016, 00:46):
na, es ist ein doch sehr bekanntes Werk, ich denke, darauf will Zefira raus. Viele Konzertbesucher werden es schonmal gehört haben.
Das sicher, aber haben sie das Werk mit seinen Klangfarben, mit seinen Akzentuierungen etc. auch im Ohr?
Das Witzige ist ja, dass ich von mir selbst eigentlich gedacht hätte, dass ich nicht aufgeschlossen sein kann gegenüber den bekannten Werken, wenn diese ungewohnt klingen, aber tatsächlich ging das leichter als ich dachte.
Aber der Punkt von Harnoncourts Aussage ist ja nicht, dass sie aufgeschlossen hingehen sollen, sondern ohne Erwartungen und ohne Vorstellung. Und bei so einem bekannten Werk ist das schwierig, weil man schon einige Versionen gehört hat und sich dadurch automatisch eine gewissen Vorstellung bildet. Und mit dem Namen Harnoncourt verbindet sich sowieso eine ganz bestimmte Erwartung :D
Das Problem an sich kann ich aber gut nachvollziehen, aus eigener Erfahrung sozusagen: Im Instrumentalunterricht ist eine sehr beliebte Forderung von Lehrern, ein Werk so zu spielen, als ob man es direkt aus der Feder des Komponisten auf den Notenständer bekommen hat. Die Forderung an sich ist ja sinnvoll und richtig, aber versuch das mal mit einem Mozart A-Dur Violinkonzert, das vom 50 Geigern an der Hochschule grade 25 spielen (und die anderen 25 spielen D-Dur :D )



Das würde ich bestreiten. Das sie nicht mehr besser geworden sind, darin sind wir uns einig, sie sind halt anders geworden und modifiziert worden, wie du es ja sagst.
Das stimmt, wobei das den Schluss zulässt, dass dadurch, dass alle Instrumente verändert wurden, die Werke wieder so klingen würden (besonders bei der Klangbalance und den Klangfarben, den Mischklängen), wie es vom Komponisten beabsichtigt gewesen sein könnte. Dass man quasi rechnet "Eine moderne Clarinette und eine alte Flöte = klingt nicht gut, eine moderne Clarinette und eine moderne Flöte = klingt wieder richtig".
auch wenn mich hier wieder die Verwendung des Wortes "richtig" stört, so sehe ich doch deinen Punkt; darauf wollte ich natürlich nicht hinaus, in der Hinsicht sind wir uns völlig einig (dass das noch passiert :D )

aber wir schweifen hier etwas vom Thema ab...
satie (07.12.2016, 00:49):
Ich glaube, bei diesem Thema waren wir doch schon ausführlich gewesen, oder....?

Die Steinway-Behauptung wird immer wieder gerne ins Spiel gebracht.
Fakt ist, dass Mozart die Instrumente seiner Zeit hatte, und es ist ganz klar, dass eben jede Zeit die Instrumente hatte, die für die jeweiligen Bedürfnisse nötig waren. Hätte es zu Mozarts Zeit - um die Argumentation mal anders herum aufzuziehen - noch keine Pferdekutschen gegeben, hätte er nicht durch ganz Europa reisen können und hätte vielleicht einen ganz anderen, vielleicht gar nicht so interessanten Stil entwickelt.
Ich sage es mit dem jüdischen Sprichwort: „Hätte die Tante einen Bart, dann wäre sie der Onkel.“
Aufgrund der tatsächlich existenten Gegebenheiten hat Mozart genau die Musik geschrieben, die heute so viele Menschen wunderbar, genial, was auch immer finden. Hätten Synthesizer oder Thereminorchester seine Gegenwart bestimmt, hätte er dafür komponiert, und sehr wahrscheinlich ganz anders. Was bringt uns diese Spekulation?

Aufführungstraditionen funktionieren auf zwei Arten: das „Authentische“ bewahrend oder aber „aufwärtskompatibel“ (mit neuerem Instrumentarium ebenfalls spielbar). In die andere Richtung logischerweise nicht (Rachmaninov 3 auf dem Cembalo geht definitiv nicht).
Daran ist wenig zu rütteln, und meiner Meinung nach sollte man für beide Möglichkeiten offen sein, denn eine Interpretation kann so gut oder zumindest so interessant sein, dass die Frage nach dem Instrument oder HIP ganz weit in den Hintergrund gerät. Z.B. die berühmten Bach-Einspielungen von Gould sind meiner Meinung nach meilenweit von jeder historisch korrekten Art der Interpretation entfernt und dennoch zeigen sie eine Seite der Kompositionen, die so interessant ist, dass man den ganzen Rest getrost unter den Teppich kehren kann.
So kann es auch bei einer Requiem-Version sein, die auf modernen Instrumenten in der Süßmayrschen Fassung daherkommt. Wenn im Lacrimosa die Violinen die Seufzer nicht wirklich wie welche spielen, dann nützt mir auch kein „Originalklang“.
Wie weit oder eng die Toleranzgrenzen gezogen werden dürfte eine individuelle Frage bleiben.
Cavaradossi (07.12.2016, 10:19):
Ich würde mir die period instruments-Versionen so anhören, dass du sie nicht vergleichst mit den modernen, sondern auf ganz neue Klangfarben achtest, die man da entdecken kann.
Da habe ich ein gutes Beispiel in meiner Sammlung:



mit einem renommierten HIP-Klangkörper: The Hanover Band and Chorus, unter Leitung von Roy Goodman.
Ich habe mir die CD seinerzeit vor allem wegen Gundula Janowitz gekauft, die ich sehr schätze (ein wenig erinnert sie mich an Elisabeth Grümmer). Die übrigen Solisten sind mir nicht weiter bekannt. Ein Aufnahmedatum wird nicht genannt, ich denke, sie ist um 1990 entstanden.
Nun kurz zur Aufnahme: Klangqualität ausgezeichnet, aber The Hanover Band klingt mir dünn und ziemlich rauh, fast wie eine Hintergrundfolie, und die Solisten sind auch nicht erste Wahl (nach meinem Empfinden). Gundula Janowitz gefällt mir noch am besten, obwohl sie hörbar über ihren Zenit hinaus ist. Die Tempi sind lebhaft, jedoch nicht überhastet, aber rechte Freude will bei mir beim Hören nicht aufkommen. Ich muß gestehen, daß mir erst gestern durch diese Diskussion die Aufnahme wieder in den Sinn kam, ich habe sie nur einmal gehört, das ist mindestens 15 Jahre her, und dann ins Regal gestellt. Ich werde sie mir aber in den nächsten Tagen noch einmal vornehmen. Vielleicht komme ich im Abstand der Jahre zu einem anderen Eindruck.
Meine Favoriten für Mozarts Requiem sind bisher:
Kempe, 1955 (EMI)
Scherchen, 1959 (Westminster)
Frühbeck de Burgos, 1968 (EMI)
Karajan, 1976 (DGG) - die alte DGG-Aufnahme von 1961 fällt dagegen deutlich ab!
Giulini, 1978 (EMI)

LG, Cavaradossi :hello
Hosenrolle1 (07.12.2016, 10:36):
Ich sehe gerade, jpc bietet da Hörproben an, die ich mir gleich mal anhören werde. (Dabei auch eine Kritik von FonoForum von 1990, also das Jahr dürfte wohl stimmen).



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (07.12.2016, 10:50):
So, gerade alle Hörproben durch, leider hat man die meiste Zeit nur Streicher und Blech gehört, Holzbläser praktisch gar nicht. Berauschend fand ich es auch nicht, allerdings eher von der Interpretation her. Wobei die Klangqualität der Hörproben nicht der der CD entspricht. Spielen die auch auf period instruments, oder "nur" HIP?

Was hältst du denn, wenn du dir vielleicht die erste Nummer hier anhörst, von dieser Version auf period instruments? "https://www.youtube.com/watch?v=KWg_Xm6MktU"




LG,
Hosenrolle1
satie (07.12.2016, 11:11):

Quatuor Debussy: Requiem in einer Bearbeitung für Streichquartett, ohne lästige Sänger, Dirigenten, Blech oder Holz...
Ein schönes Beispiel, wie man ein Fragment noch mehr ausdünnen und die gewonnene Leere sogleich wieder durch ein an Parkinson gemahnendes Vibrato zunichte machen kann...
Akustische Diarrhoe...
Cetay (inaktiv) (07.12.2016, 11:20):
Ich glaube, bei diesem Thema waren wir doch schon ausführlich gewesen, oder....?
Aber man kann es offensichtlich nicht oft genug wiederholen...
Ebenso wenig wie, dass die Klangvorstellung des Komponisten ein Parameter unter vielen ist und die Vorstellung, dass er sich beim Kompositionsprozess von einem minutiös ausdachten Klangereignis zum nächsten gehangelt hat, möglicherweise irrig ist. Bei der Wiener Klassik wurde die motivisch-thematische Arbeit in den Mittelpunkt gerückt und dabei ist es gelinde gesagt schnurz, ob die Oboen quäken oder schneiden. Sicher, bei der Anwendung der durchbrochenen Instrumentation mögen die Klangvorstellungen konkreter gewesen sein, aber im Kontext der Entwicklung des Stücks ist entscheidend, dass sich die Klangfarbe durch den Wechsel der Instrumentation verändert und nicht wie nun ganz genau sie das tut.
Wenn ich eine Packung Streichhölzer auf den Boden schmeiße, dann fällt eine bestimmte Menge heraus und bildet eine bestimmte Anordnung - ob die Köpfe nun karmin- oder burgunderrot sind, spielt für das Gesamtbild eine untergeordnete Rolle. Wenn sie aber Neon-giftgrün sind, dann achtet keiner mehr auf das Muster. Irgendwo dazwischen gibt es eine Grenze, an der die Wahrnehmung umspringt und die ist und bleibt individuell.
Hosenrolle1 (07.12.2016, 11:38):
Aber man kann es offensichtlich nicht oft genug wiederholen...
Naja, es soll auch Leute geben, die ihrerseits immer wieder in anderen Threads betonen, dass die von ihnen gehörten Aufnahmen nicht auf period instruments gespielt werden, um sich dann zu echauffieren, dass jemand über das Thema schreibt ...
Die kurze Abschweifung zum Thema HIP war eigentlich wieder beendet hier, und wir sprachen über verschiedene Aufnahmen - aber natürlich muss wieder ein genervter, belehrender Beitrag her, wie immer, wenn Hosenrolle1 was schreibt.

Du musst meine Beiträge nicht lesen, wenn sie (bzw. ich) dir so zuwider sind. Und dass das so ist, ist kein Geheimnis. Zur Not hilft die Ignore-Funktion. Wie wär das?
Cavaradossi (07.12.2016, 11:45):
Spielen die auch auf period instruments, oder "nur" HIP?
Hallo, Hosenrolle1,

ich gebe hier wieder, was Wikipedia zu dem Orchester schreibt: "The Hanover Band founded by Caroline Brown in 1980 is a British period-instrument Orchestra."
Ich bin kein Fachmann und erst recht kein Experte für Original-Instrumente, aber demnach handelt es sich wohl eindeutig um solche.
Die CD liegt gerade vor mir, ich werde sie so bald wie möglich durchhören und meine Höreindrücke hier weitergeben. Wie gesagt, mir liegt weder HIP noch die Wiedergabe auf Original-Instrumenten, aber das ist für mich keine Glaubens-, sondern eine reine Geschmacksfrage.

Liebe Grüße,
Cavaradossi :)
Hosenrolle1 (07.12.2016, 11:49):
Alles klar :)

Ich bin gespannt, wie dein Eindruck diesmal ist! Ich muss zugeben, dass mir die Hörproben auch nicht so gefallen haben, die Interpretation klang jetzt nicht so packend.



LG,
Hosenrolle1
Cavaradossi (07.12.2016, 13:15):
Ich bin selber gespannt, nur komme ich heute leider nicht zum Hören. Bin ganz nervös, eine meiner Katzen muß nun doch operiert werden, wurde Ende Nov. vom Auto angefahren, multiple Beckenfraktur, offenes Gelenk, aber das ist alles nicht so schlimm wie die Blasenperforation, die sich jetzt als Spätfolge noch herausgestellt hat. Dabei ist das arme Tierchen erst zehn Monate alt. Drück mir und meiner Chiara die Daumen. Danke! Werde wohl am späten Nachmittag erfahren, wie die Operation verlaufen ist ...

LG,
Cavaradossi
Hosenrolle1 (07.12.2016, 13:26):
Auweh, das ist bitter :(

Von mir auf jeden Fall alles Gute und gute Besserung :(
Sch**ß Autos!



LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (07.12.2016, 13:47):


Manfred Honeck führt das Requiem regelmäßig als Fragment auf und bricht das Lacrimosa nach 8 Takten ab.
Es gibt eine Aufnahme mit dem Schwedischen Rundfunkchor und -Orchester aus dem Jahr 2001. Er fügt zwischen die Sätze Lesungen aus der Offenbarung des Johannes -und vor dem Offeritum zusätzlich einen gregorianischen Choral- ein und lässt das Werk (mit dem vervollständigten Lacrimoso) nach dem Hostias et preces enden. Darüber hinaus bietet er als alternativen Schluss das Lacrimoso als Fragment an. Da das Requiem zur Zeit der Wiener Klassik noch die Funktion einer musikalischen Begleitung des Gottesdienst hatte, sind die Lesungen so abwegig nicht. Wenn man die reine Vertonung hören will, kann man das ohne weiteres wegprogrammieren und dann gleich entscheiden, ob man das Fragment als Schlusspunkt wählen will.
Cavaradossi (07.12.2016, 14:58):
Sch**ß Autos!
So ist es, aber leider kommt man ohne fast gar nicht mehr aus, zumindest auf dem Land.
Danke für Dein Mitgefühl, kann es gebrauchen. Wer selber Tiere hat, wird verstehen, wie es mir geht.
Die Tierklinik hat sich noch nicht gemeldet, ich hoffe noch immer auf gute Nachrichten.

Bis später, LG
Cavaradossi
Vinding (07.12.2016, 15:30):
Meine Katze und ich drücken auch die Daumen....wobei ich vorschlage dass man sich in der Plauderecke oder per PN austauscht, nicht weil ich zur Erbsenzählerei neige oder pedantisch bin, sondern weil ich diesen Faden aufgrund der Thematik und des Titels unpassend finde, um dem armen Tierchen ein weiteres unbeschwertes Leben zu wünschen...
Cetay (inaktiv) (07.12.2016, 15:37):
Meine Katze und ich drücken auch die Daumen....wobei ich vorschlage dass man sich in der Plauderecke oder per PN austauscht, nicht weil ich zur Erbsenzählerei neige oder pedantisch bin, sondern weil ich diesen Faden aufgrund der Thematik und des Titels unpassend finde, um dem armen Tierchen ein weiteres unbeschwertes Leben zu wünschen...
Au weia, wo du recht hast...
Keith M. C. (08.12.2016, 11:22):
Lieber Cetay,

also mir ist es nicht „schnurz, ob die Oboen quäken oder schneiden“ und ich unterstelle, dass dieses den Komponisten der Wiener Klassik, wenn nicht explizit gefordert, ebenso ging. Ich meine, diese Unterstellung ist nicht zu abwegig.

Zweitens schreibst Du vom „Kontext der Entwicklung des Stücks“ und suggerierst damit Veränderlichkeit und damit Nicht-Abgeschlossenheit eines Werks. Dieses muss nicht zutreffen und ist hoch diskutabel. Auch das kann man nicht oft genug wiederholen. Ich verneine Deine Annahme und gehe von der grundsätzlichen 'Abgeschlossenheit' eines Werkes aus, auch wenn es unfertig ist (vgl. Werk-Diskussion). Selbstredend gibt es jedoch eine Entwicklung der Interpretation und damit Rezeption. Das ist aber etwas anderes.

Drittens: Dein Bild bzgl. zufälliger Anordnung von Streichhölzern ist m. E. nicht stimmig. Einerseits gibt es unterschiedliche Ausdeutungen bzw. Ausprägungen von ‚Zufall‘. Andererseits ist die bloße „Anordnung“ nicht der allein entscheidende Parameter einer Komposition. Natürlich ist es statthaft, dass Du als Rezipient der „Anordnung“, dem „Großen und Ganzen“ die absolute Wesentlichkeit zuschreibst. Das ist aber nicht zu verallgemeinern. Des Weiteren bestreite ich, dass die Mehrzahl der Kompositionen bzw. schriftlich fixierten Festlegungen dem Zufallsprinzip unterliegen. Dein Bild hängt schief.

Bis dann.
Cetay (inaktiv) (08.12.2016, 12:44):
Lieber Cetay,

also mir ist es nicht „schnurz, ob die Oboen quäken oder schneiden“ und ich unterstelle, dass dieses den Komponisten der Wiener Klassik, wenn nicht explizit gefordert, ebenso ging. Ich meine, diese Unterstellung ist nicht zu abwegig.

Zweitens schreibst Du vom „Kontext der Entwicklung des Stücks“ und suggerierst damit Veränderlichkeit und damit Nicht-Abgeschlossenheit eines Werks. Dieses muss nicht zutreffen und ist hoch diskutabel. Auch das kann man nicht oft genug wiederholen. Ich verneine Deine Annahme und gehe von der grundsätzlichen 'Abgeschlossenheit' eines Werkes aus, auch wenn es unfertig ist (vgl. Werk-Diskussion). Selbstredend gibt es jedoch eine Entwicklung der Interpretation und damit Rezeption. Das ist aber etwas anderes.

Drittens: Dein Bild bzgl. zufälliger Anordnung von Streichhölzern ist m. E. nicht stimmig. Einerseits gibt es unterschiedliche Ausdeutungen bzw. Ausprägungen von ‚Zufall‘. Andererseits ist die bloße „Anordnung“ nicht der allein entscheidende Parameter einer Komposition. Natürlich ist es statthaft, dass Du als Rezipient der „Anordnung“, dem „Großen und Ganzen“ die absolute Wesentlichkeit zuschreibst. Das ist aber nicht zu verallgemeinern. Des Weiteren bestreite ich, dass die Mehrzahl der Kompositionen bzw. schriftlich fixierten Festlegungen dem Zufallsprinzip unterliegen. Dein Bild hängt schief.

Bis dann.
Da meinen wir unterschiedliche Dinge wenn wir von "Entwicklung" reden. Ich rede von der zeitlichen Entwicklung die innerhalb (also vom ersten bis zum letzten Takt) eines abgeschlossenen Werks stattfindet.
Keith M. C. (08.12.2016, 13:22):
Lieber Cetay,

o. k., vielen Dank für die Aufklärung.

Bis dann.
satie (13.12.2016, 12:47):

Wolfgang Amadeus Mozart; Requiem K. 626
(Introitus, Kyrie & originale Fragmente von Mozarts Hand)
Iride Martinez, Monica Groop, Steve Davislim, Kwangchul Youn,
Chorus Musicus Köln, Das Neue Orchester, Christoph Spering

Laut einer Rezensentin bietet das "den absoluten Kick für alle Verehrer kompromissloser Authentizität!"
Vielen Dank für diesen Tipp! Tatsächlich, viel HIPer und ausgedünnter geht es kaum. Hier wird das Werk sowohl in der Süßmayrschen Version als auch zusätzlich mutig als Fragment präsentiert, und ich muss sagen, ich finde das sehr stark. Dieses Lacrimosa (Fragment) verursacht Gänsehaut.
Mir gefällt das Tempo des Introitus ausgesprochen gut, langsamer als alles, was ich sonst kenne (Celibidache lasse ich mal außen vor), und hier wird endlich mal deutlich abphrasiert, ich vermisse das fast in allen Aufnahmen. Die ganze Seufzerei in den Streichern habe ich auch noch nie so stark gespielt gehört. Neue Lieblingsaufnahme!!!
Was mir nicht so gefällt: von den Solisten eiern mir Sopran, Alt und Bass viel zu stark herum (Tenor singt viel schlanker!), aber man kann halt nicht alles haben, und alles in allem kann ich damit leben.
EinTon (13.12.2016, 13:15):
Tatsächlich, viel HIPer und ausgedünnter geht es kaum.

...wobei HIP ja nicht automatisch ausgedünnt bedeuten muss - Beethovens 7. war zB bei der Uraufführung ziemlich massiv besetzt (doppelt besetzte Holzbläser etc.).
satie (13.12.2016, 13:25):
Nein, das meinte ich nicht, Entschuldigung, ich bezog das auf die Fragmente. Da wird alles weggelassen, was nicht aus Mozarts Hand ist.
EriolBrumel (20.11.2019, 11:00):
Hallo,

nachdem ich die vielen interessanten Meinungen und Beiträge hier gelesen habe möchte ich gerne ebenfalls einen Beitrag dazu leisten.

Mit dem Requiem von W. A. Mozart verbinde ich eine quasi „persönliche Beziehung“, da ich es zum ersten Mal als Jugendlicher zu der Zeit gehört habe, als ich von einem Todesfall in der Familie betroffen war. Ich bin ausgebildeter Sänger und singe seit langem in professionellen und semiprofessionellen Ensembles, aber das Mozart-Requiem habe ich viele Jahre lang gemieden. Ich verbinde mit dem Requiem von Mozart nichts „mystisches“ (nur zur Vermeidung von Missverständnissen); ich hatte mit der Verarbeitung des Themas Tod bei Mozart damals ein Problem, ich fand es – für mich persönlich - viel „menschlicher“, wie sich Duruflé, Brahms oder Howells mit dem Thema Tod auseinander setzten.

Warum diese einführenden persönlichen Worte? Ich hatte seitdem viel Zeit, mich mit dem Requiem zu befassen. Die Aufnahme, die ich als Jugendlicher zu ersten Mal hörte, war die von Karajan. Es ist immer wichtig, wie man ein Stück kennen lernt. Karajan war für mich sicherlich der falsche Zugang zu diesem Stück … (Als langjähriger HIP-Freak muss ich dazu sagen, dass das Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre war. Damals war der Zugang zu Musik ein anderer und es gab auch tatsächlich nicht viele Aufnahmen des Requiems in historischer Aufführungspraxis – und die, die es gab, hatte damals kaum einer im Regal.)

Um einen Zugang zum Requiem zu bekommen, kommt bei Mozart neben dem jeweiligen Interpretationsansatz (HIP oder nicht, etc.) noch hinzu, welche Fassung man hört – was in diesem tollen Forum ja sehr ausführlich diskutiert wurde und wird. In den letzten Wochen habe ich viele verschiedene Fassungen angehört und verglichen, die hier zum Teil auch bereits erwähnt wurden, und ich habe dabei auch die Motive und Begründungen der jeweiligen Bearbeiter studiert. Diese beginnen ihre Ausführungen stets damit, "wie schwer sie sich taten, sich dieser Aufgabe zu stellen, dass aber letztlich die vielen groben kompositorischen musikalischen Mängel sowie die fehlerhafte Instrumentation Süßmayrs sie bewogen haben, zum Wohle der Nachwelt eine bessere Fassung vorzulegen".

Ich möchte daher – an erster Stelle – einmal eine Lanze für Süßmayr brechen. Über Süßmayr erfährt man nämlich tatsächlich ziemlich wenig – und was man erfährt, sind vielfach Gerüchte: Fachlich wird ihm vorgeworfen, er habe dilettantisch gearbeitet und sei zu jung, unerfahren und unbegabt gewesen, um sich so einer Aufgabe zu stellen (Süßmayr hatte nach der Faktenlage 4 bis maximal 6 Wochen Zeit, um ein Fragment mit vielen fehlenden Sätzen in eine aufführbare Fassung auszuarbeiten - die Kritik ist daher in meinen Augen schon deshalb sehr hochmütig und gewagt).

Um Süßmayr weiter zu diskreditieren – und damit quasi die Notwendigkeit einer Bearbeitung zu untermauern – werden ihm weiter häufig auch „ehrenrührige“ Dinge vorgeworfen:

Er habe ein Verhältnis mit Constanze gehabt, die er zu Kuraufenhalten begleitet habe (offen gesagt: ich finde allein diesen Vorwurf ohne Beleg schon absurd bis sexistisch: man unterstellt damit, dass ein Mann, der eine junge Frau begleitet, natürlich nur sexuelle Motive dafür haben kann … Dabei gibt es Belege dafür, dass Süßmayr eng mit Mozart verbunden war und Mozart ihn bat, sich auf der Reise um die schwangere Constanze zu kümmern). Dies gipfelt in dem Gerücht, Süßmayr sei der Vater des ältesten Mozart-Sohnes – ohne jeden weiteren Anlass oder Beleg.

Mangels solcher Belege wiederum mutmaßen andere, Süßmayr sei homosexuell gewesen – denn wenn er wider erwarten kein Verhältnis mit Constanze hatte, „musste er ja entweder asexuell oder schwul sein“.

Tatsächlich ergibt meine Auseinandersetzung mit den vielen Bearbeitungen vor allem das für mich nicht überraschende Ergebnis, dass man bei allen Fassungen, die stark in Mozarts/Süßmayrs Komposition eingreifen oder Sätze neu komponieren, diese Änderungen hörbar sind. Nicht überraschend finde ich dies daher, da ich dasselbe mit der groß(artig)en Messe c-Moll Mozarts empfinde: Alle Versuche, ein Agnus dei im Stile Mozarts neu zu komponieren, schlagen grandios und hörbar fehl. Wen wundert dies? Wenn man die Rekonstruktionshistorie beispielsweise der Markus-Passion Bachs verfolgt so ist bereits die Komposition eines Rezitativs im Bach-Stil eine Herausforderung, der sich kaum jemand erfolgreich zu stellen mag. Ebenso problematisch ist daher, sich anzumaßen, Mozart imitieren zu können. Vielleicht wird dies ja einmal einem Computer mit KI-Fähigkeiten gelingen …

Um einen Zugang zum Requiem von Mozart zu bekommen, sollte man sich meines Erachtens zunächst mit der Ausgangslage des Werks als Fragment befassen, mit der Süßmayr-Fassung sowie denjenigen Bearbeitungen, die möglichst behutsam mit beiden Umgegangen sind.

Von den vielen Einspielungen und Rekonstruktions-Ansätzen gefallen mir
die Flothuis-Version (1941) mit Jos van Veldhoven, Netherlands Bach Society

sowie die Beyer-Fassungen
Sigiswald Kuijken, La Petite Bande und vor allem
Nikolaus Harnoncourt (2003)
am besten.

Sehr überzeugend finde ich auch die Einspielungen der Süßmayr- und der Breitkopf-Härtel-Version von 1800 von

Christoph Spering, Das Neue Orchestra und
Masaaka Sazuki, Bach Collegium Japan
(Gardiner habe ich noch nicht gehört, wurde hier aber bereits vorgestellt – er hat auch die Süßmayr-Fassung eingespielt.)

Neukomms Libera me von 1819 (Jean-Claude Malgoire, Le Grande Ecurie et la Chambre du Roy) ist ein Potpourri aus vorausgegangenen Requiem-Teilen – eine schöne Dokumentation, aber weder die Aufnahme (schwacher Chor) noch die Komposition überzeugen mich.

Bei den sonstigen seit 1980 entstandenen Fassungen „ist viel schönes dabei“, aber leider auch immer etwas, was mich irritiert, da es nicht schlüssig ist. Viel versprochen habe ich mir von Jacobs‘ Einspielung der Dutron-Version, die super musiziert ist, aber teilweise opernhafte Ergänzungen hat, die ich wiederum als unpassend empfinde. Die Amen-Fuge ist in vielen Fassungen teilweise sehr schön ausgeführt, aber mich überzeugt es nicht, sie als Bestandteil des Requiems ins Lacrimosa einzubauen.

Maunder, Robbins-Landon und Levin liegen in tollen Einspielungen vor, aber alle enthalten für meine Begriffe zu viele nicht schlüssige eigene kompositorische Bestandteile und sind insoweit nicht mehr authentisch. Schoonderwoerd gefällt mir überhaupt nicht, schon das Konstrukt mit gregorianischem Gesang ist nichts für eine CD.

Sehr schön ist allerdings die Einspielung der Süßmayr-Version mit Vervollständigungen von Maunder/Levin/Druce/Finnissy in zusätzlichen Tracks von Stephen Cleobury, The Academy of Ancient Music. Diese Einspielung ist nicht nur musikalisch sehr gelungen, sie bietet auch einen guten Vergleich – in Kombination mit Sperings‘ Einspielung des Fragments bekommt man einen sehr gelungenen und guten Überblick über den musikhistorischen Stand zum Requiem bis heute.

Entschuldigung für die Länge dieses Posts - ich bin den Thread durchgegangen und mich haben viele vorangegangenen Beiträge inspiriert, mich mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen.

Gruß
Eriol
satie (20.11.2019, 14:23):
Hallo Eriol und willkommen im Forum!
Ich kann momentan nicht auf den ausführlichen Beitrag eingehen, wollte es mir aber nicht nehmen lassen, Dir dafür zu danken. Ich freue mich auf weitere Beiträge von Dir!

Herzliche Grüße
Satie
Guenther (24.11.2019, 10:49):
Hallo Eriol,

schön, daß Du Dich hier angemeldet hast und auch gleich einen interessanten Beitrag zum Requiem verfaßt hast. :)

Auch mich hat das Requiem schon sehr lange begleitet, das fing schon an, als ich wie Du im Jugendlichenalter war, und hörte nicht auf, als wir es im Uni-Chor einstudiert hatten. Während meines Studiums lief übrigens zufällig auch der Film "Amadeus" an, und in diesem spielt das Requiem ja auch eine gewichtige Rolle (die allerdings nichts mit der Realität zu tun hat). Damals haben wir uns im Seminar mit "Amadeus" eher belustigt auseinandergesetzt, insbesondere die Mozart-Lache in der deutschen Synchro hat immer alle extrem erheitert... :)

Meine erste Aufnahme war eine "Intercord"-LP, erstellt in Lüdenscheid von Carl v.d. Linnepe. Dirigent ist Nicolae Boboc (verst. 1999) mit dem Chor und Orchester der rumänischen Staatsphilharmonie. Marius Rintzler ist Baß, Emilia Petrescu-Cironeanu Sporan, Viorica Cortez-Guguianu Alt und Valentin Teodorian Tenor. Die Stimmen gefallen mir außerordentlich gut bei dieser Aufnahme, die Interpretation ist unaufgeregt und angemessen, der Chor intoniert sauber. Es ist die Süßmaier-Fassung.

https://www.worldcat.org/title/requiem-in-d-moll-kv-626/oclc/21898111&referer=brief_results

In neuerer Zeit habe ich mir die Aufnahme von Harnoncourt zugelegt und bin davon eigentlich sehr überzeugt, wenn mir einige Stellen auch evtl. zu langsam vorkommen (Introitus z.B.). Das Tuba mirum ist auch recht langsam (für den Baß recht anstrengend)... ;)

Das Lacrimosa hingegen erscheint mir hier wieder genau richtig im Tempo (bloß nicht zu langsam!), die Akzente am Ende der aufsteigenden Linie sind sehr gut gesetzt.

Insgesamt könnte nach meinem Geschmack der Chor ein klein wenig mehr in den Vordergrund gemixt werden, aber ok.

Ich habe dann noch eine Einspielung vom Dunedin Consort unter John Butt, die sich "Reconstruction of first performance" nennt. Das Requiem soll ja am 2.1.1793 nur mit den Originalsätzen von Mozart (Requiem und Kyrie) uraufgeführt worden sein.

Am 14. Dezember 1791 erklang bei der Prager Trauerfeier zu Mozarts Tod das Rosetti-Requiem.

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Urauffuehrung-von-Mozarts-Requiem,audio142609.html

Hier die Einspielung:

https://myzcloud.me/en/song/17730413/dunedin-consort-requiem-in-d-minor-k-626-xvi-cum-sanctis

Hier geht gleich zu Beginn "die Post ab", das Introitus-Tempo ist m.E. sehr hoch. Aber nicht schlecht!
Die Solostimmen sind anfangs sehr "klassisch" ohne viel Brimborium (und Vibrato), später dagegen legen sie leider doch damit zu. Den Sopran finde ich etwas zu "schneidend". Der Baß beim Tuba mirum dann auch mit erheblichem Vibrato, was mir persönlich nicht gefällt. Außerdem mit leichten Intonationsschwächen... ;)

Als drittes habe ich mir die Einspielung von Rilling mit Robert Levins "Verbesserungsvorschlag", der Amen-Fuge, rein aus Interesse zugelegt. Viel abgewinnen kann ich dieser Fuge allerdings nicht. Sicher war Herr Süßmayer kein Mozart, aber Herr Levin halt auch nicht.

Ich kann auch den Sinn solcher "Ergänzungen" nicht ganz nachvollziehen. :)

Bis bald mal!
:)