ich bin anfang 30, bin mit Ihren Aufnahmen bereits aufgewachsen, besitze mehrere Hundert Aufnahmen Ihres Hauses. Welch große Künstler hatten Sie unter Vertrag... seit ich vor 20 Jahren angefangen habe meine Sammlung aufzubauen musste ich leider auch mit ansehen, welche Wandlung Sie vollzogen haben. Sprechen Sie einen Musiker auf Lang Lang, Frau Mutter oder David Garrett an, sie schütteln nur mit dem Kopf. Natürlich, Sie brauchen entsprechende Umsätze, dies verübelt Ihnen keiner. Allerdings haben Sie mit der neuen Cd "Ingolf Wunder 300" sprichwörtlich den "Vogel abgeschossen". Über den Sinn eines solch zusammen gewürfelten Programmes kann man streiten, über die Qualitäten des Pianisten ebenfalls. Dass Sie allerdings die Werkzahlen der Stücke 10 und 11 (Rachmaninoff und skriabin) vertauschen, dies ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten und zeigt nicht nur mir, dass Ihnen derartige Dinge offensichtlich egal zu sein scheinen dürften. Sie feierten einst groß den 100. Geburtstag Ihres Hauses... wenn dies die Qualität wiederspiegeln soll, dann fürchte ich, wird es den 200. Geburtstag nicht mehr geben.
Mir freundlichen Grüßen
Bin mal auf die Antwort gespannt!
Tangua (25.03.2013, 09:45): Na ja - Lang Lang und ASM mit David Garrett in einen Topf zu schmeißen, finde ich aber auch fragwürdig. Mal abgesehen von dem grotesken Hype, der fraglos um einige DG-Künstler - und auch um die beiden Genannten -veranstaltet wird, kann man ihnen m.E. ernsthafte künstlerische Leistungen kaum absprechen - eal, wie man diese Leistungen dann einschätzt. Ich denke aber, das würden auch andere Musiker bestätigen, wenn man sie darauf anspräche... Auch "ernsthafte" Musikkritiker beschäftigen sich ja durchaus sachlich mit diesen Künstlern. In der Sache haben Sie sicher Recht - der Umgang der Majors mit der klassischen Musik verschiebt sich bisweilen bedenklich in Richtung billiger Effekthascherei und Oberflächlichkeit...
Hosenrolle1 (12.10.2016, 19:59): @Jeremias: gab es eigentlich eine Antwort der DG?
LG, Hosenrolle1
Vinding (16.11.2016, 20:03): Ob die DG damals geantwortet hat, würde mich durchaus auch interessieren...In den letzten drei Jahren hat es sich aber durchaus zum Besseren gewendet. Immerhin hat die DG mit Sokolow und Trifonow zwei der Allerbesten unter Vertrag genommen und dass die jüngste Perahia-Veröffentlichung einem längerfristigen Vertragsverhältnis entspricht nehme ich jetzt einfach mal an (und nur am Rande auch wenn das eher nicht von der DG veranlasst sein wird: auch Barenboim spielt nach grausligen Jahren neuerdings wieder gut hörbare CDs ein).
Dass man unsensible Handwerker wie LangLang braucht um im riesigen chinesischen Markt Geld zu verdienen kann ich nachvollziehen. Garrett bringt immerhin Menschen mit Klassik in Berührung die ansonsten nicht auf die Idee kämen, klassische Musik überhaupt anzuhören - glaube ich jedenfalls mal ohne dies recherchiert zu haben.
ASM hat in meinen Ohren wenig mit den beiden Vorgenannten gemein; auch wenn Kammermusik - ich denke an die verzichtbaren Einspielungen mit Orkis - wohl nicht ihr Ding ist, halte ich sie für eine durchaus nicht unbedeutende Künstlerin.
Gruß Vinding
Hörbert (16.11.2016, 20:18): Hallo!
Die DG hat halt (immer noch) eine riesige Palette die von Neuer Musik bis in die Zeit vor der Renaissance reicht, das es dabei hier einmal zu etwas seltsam anmutenden Produkten kommt liegt in der Natur der Sache.
Da die Firma auch Geld verdienen will und das nicht mehr so einfach sein dürfte wie Früher als ihr noch Karajan als "Zugpferd" zur Verfügung stand sollte man solche Produktionen wie die Genannten mit Nachsicht sehen.
MFG Günther
Cetay (inaktiv) (17.11.2016, 14:17): Ich habe auch so meine Zweifel, ob vertauschte Werkzahlen wirklich vom kommenden Untergang künden. Es gibt sogar Stimmen, die fragen, ob kryptisch-esoterische Werkbezeichnerei wie Impromptu B-Dur, D.935, Op. posth. 142 Nr. 3. wirklich notwendig ist - oder nicht einer der Gründe, warum so mancher von vorne herein abwinkt, wenn er mit klassischer Musik konfrontiert wird. "Raus aus dem Elfenbeinturm" hören wir oft und einer der vielen Mosaiksteine dazu wäre die Entrümpelung der Werkbezeichnungen. Es gibt nur eine 5. Sinfonie von Beethoven - die Information c-Moll, Opus 67 ist bereits redundant. Glaubt wirklich jemand ernsthaft, unsere Kultur verarmt, wenn wir das weglassen?
Bezüglich der Stars: Auch wenn Musiker mit dem Kopf schütteln, ist ein Plattenlabel ein Unternehmen, das am Jahresende mehr eingenommen als ausgegeben haben muss. Und unter diesem Gesichtspunkt wird per Plebiszit entschieden, was Qualität ist.
Cavaradossi (17.11.2016, 16:15): Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass es die altehrwürdige Deutsche Grammophon Gesellschaft längst nicht mehr gibt, sondern nur noch als Label auf dem Markt präsent ist.
Der Niedergang wurde bereits 1971 eingeläutet, als man mit der holländischen PHILIPS eine weitgehende Kooperation einging und die Firma POLYGRAM gründete, unter deren Dach weiterhin Schallplatten u.a. der Labels Deutsche Grammophon, Philips, Polydor, Fontana, Heliodor etc. vertrieben wurden.
Das endgültige Aus für die DGG datiert 1998, als es in der Firma Universal aufging und damit in US-amerikanische Hände kam. Universal vertreibt heute auf dem klassischen Sektor vor allem CDs und DVDs der ehemals selbständigen Marken DGG und Decca, nachdem der Name PHILIPS für den Tonträgerbereich bereits vorher auf DECCA überging. Das geschah bereits im Jahr 2008. Nachdem auch die britische EMI in Liquidation geraten ist, gibt es heute nur noch drei Musikriesen, die sich im sog. Tonträgermarkt tummeln: Universal, Warner und SONY. Letztere hat bereits in den 1990er Jahren die amerikanische CBS übernommen und später dann auch RCA, so dass diese beiden ehemaligen US-Musikriesen und bittere Konkurrenten nun unter einem Dach vereint sind.
Im Jahr 2007 veröffentlichte der britische Musikjournalist Norman Lebrecht ein Buch mit dem Titel "Ausgespielt - Aufstieg und Fall der Klassikindustrie". Die deutsche Ausgabe erschien im Schott Verlag, Mainz. Man kann da sehr detailliert nachlesen, wie die Manager der Klassikfirmen mit einer Verschwendung sondergleichen ihre Firmen in den Ruin getrieben haben. Als Ernst von Siemens nach dem 2. Weltkrieg die bereits 1898 gegründete DGG übernahm und aus den Trümmern das berühmteste Klassiklabel der Welt neu erstehen ließ, hätte er sich eine solche Entwicklung sicher nicht träumen lassen.
Cantus Arcticus (17.11.2016, 16:21): Im Jahr 2007 veröffentlichte der britische Musikjournalist Norman Lebrecht ein Buch mit dem Titel "Ausgespielt - Aufstieg und Fall der Klassikindustrie". Die deutsche Ausgabe erschien im Schott Verlag, Mainz. Man kann da sehr detailliert nachlesen, wie die Manager der Klassikfirmen mit einer Verschwendung sondergleichen ihre Firmen in den Ruin getrieben haben. Als Ernst von Siemens nach dem 2. Weltkrieg die bereits 1898 gegründete DGG übernahm und aus den Trümmern das berühmteste Klassiklabel der Welt neu erstehen ließ, hätte er sich eine solche Entwicklung sicher nicht träumen lassen. Ich kann Cavaradossi nur beipflichten, das Buch habe ich bereits mehrmals gelesen. Lebrecht ist ein Musikjournalist, der polarisiert und Dinge ziemlich prägnant beschreibt. Einzig sein Urteil über Pierre Boulez im gleichen Buch, dass er ein Mozarthasser sei, erscheint mir übertrieben. Aber dies habe ich an früherer Stelle schon erläutert.
Nur zu empfehlen, das Buch!
Gruss :hello Stefan
Amadé (15.12.2016, 17:09): Ich habe mir inzwischen Lebrechts Buch besorgt und die ersten Kapitel gelesen. Drei offensichtliche Fehler, die ich bisher entdecken musste, lassen mich vorsichtig werden und schüren Zweifel an der Seriosität des Autors.
Berichten möchte ich über eine Rückbesinnung der DGG-Leute auf die allen bekannte große gelbe Kartusche auf der CD-Vorderseite. Für nicht mehr zeitgemäß in HInblick auf eine jugendliche Käuferschicht nahm das für Solidität stehende Markenzeichen in den letzten Jahren nur noch eine zurückgesetzte, verkleinerte Funktion ein. Inzwischen wird man festgestellt haben, dass dieser Käuferkreis die Musik im Netz herunterläd oder die Musik per Streaming hört, jedenfalls kaum noch noch CDs kauft. Nun besinnt man sich scheinbar wieder der älteren Kundschaft und rückt die große Kartusche wieder in den Fokus, wie auf den Covern der neuesten CDs zu sehen ist:
Hosenrolle1 (15.12.2016, 19:53): Hmm, da möchte und muss ich die DG doch verteidigen. Die Firma ist immerhin die erste deutsche Plattenfirma, die es gab, und die vom Erfinder der Schellackplatte, Emil Berliner, Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde.
Viele Zeitschriften, auch etwa Jugendzeitschriten, setzen auf ihr altbekanntes Logo, ich denke da etwa an die "BRAVO". So ein Logo garantiert, dass der Käufer es im Zeitschriften-/CD-Regal schnell findet, es ist ein Blickfang. "DECCA" schaut ja seit Jahrzehnten auch immer gleich aus, oder der "EMI"-Schriftzug. Ich meine, wenn man über diesen Thread scrollt und diese Cover nur im vorüberfliegen sieht, kann man ja schon sofort erkennen, dass es DG-Platten sind - mehr kann sich eine Firma ja nicht wünschen.
Ich finde das gelbe Logo der DG auf jeden Fall passend, es hat etwas edles. Ärgerlicher finde ich die kaputtgephotoshopten Motive, die schon viel mehr dem heutigen Zeitgeist und Geschmack entsprechen. Besonders das zweite Bild von links ist stark bearbeitet, und das Cover ganz rechts könnte man auch in einem Rosamunde Pilcher-Fotoroman einsetzen, das kitscht einem entgegen und wirkt mit seinen drübergelegten Beleuchtungseffekten schon sehr eigenartig. Auch dass die meisten Platten wohl auf modernen Instrumenten eingespielt werden, steht für mich in einem zu starken Widerspruch mit dem Logo.
Eine andere Frage: wollen Jugendliche, die sich ernsthaft für klassische Musik interessieren, unbedingt "trendige" Logos? Oder ist die Musik hier nicht gerade eine Art Zuflucht vor dem Massengeschmack der Altersgenossen? Stören sich Jugendliche wirklich daran, dass das DG Logo nicht modern aussieht?