tubi (11.03.2024, 13:11): Ich war am 25. Februar 2024 bei einem Kammerkonzert des Verne Quartett mit Rachelle Hunt (HR-SO) an der Violine. Rachelle Hunt hat auch das Programm zusammen gestellt. Es hieß Americana. Ich kannte nur George Gershwin und Dvorak von diesem Programm. Ein Stück war von Derrick Skye.
Eine Suche hier im Forum nach dem Komponisten Derrick Skye (*1982) brachte mich dazu diesen hier mal ganz kurz vorzustellen. Er kommt aus Californien und macht in dem Stück American Mirror für Streichquartet eine Mixtur aus allen musikalischen Einflüssen, die es in Amerika gibt. Das sind Balkan, Traditionelle Amerikanische und auch Ureinwohner Klänge. Das Cello spielt auch Percussion, was beim Livekonzert von Daniela Shemer (HR-SO) ganz wunderbar umgesetzt wurde. Ich wußte nicht, daß ein Cello so viele Percussion-Klänge darstellen kann. Das Stück ist sehr rhytmisch, beginnt aber sehr ruhig und langsam.
Bestimmt können die Musikkenner hier im Forum noch mehr Feinheiten von Americana beschreiben. Ich habe nie Musik studiert oder selbst gemacht und bin einfach ein Musikhörer und Konsument.
Ich werde mir noch weitere Stücke besorgen und seine Kompositionen unterstützen.
Es gibt einige Quartette die American Mirror bei YouTube eingestellt haben. Das Stück findet man z.B. in 16-44,1 auf Qobuz und Bandcamp. Auf Anfrage beim Komponisten habe ich es in 32Bit/48kHz bekommen, was nochmal deutlich besser klingt und mehr Raumhall und Feinheiten zu Gehör bringt. Die Produktion würde ich als sehr gut einschätzen.
Das war nun meine 1. Vorstellung eines Komponisten. Ich hoffe es hat Euch neugierig gemacht.
Joe Dvorak (12.03.2024, 04:33): Eine Suche hier im Forum nach dem Komponisten Derrick Skye (*1982) brachte mich dazu diesen hier mal ganz kurz vorzustellen.
Er kommt aus Californien und macht in dem Stück American Mirror für Streichquartet eine Mixtur aus allen musikalischen Einflüssen, die es in Amerika gibt. Das sind Balkan, Traditionelle Amerikanische und auch Ureinwohner Klänge. Dafür bin ich immer zu haben und habe das unten gezeigte Album bei meinem Stromanbieter heruntergeladen. Das ist eine ganz feine Sache, die, glaube ich, ganz gut ohne weitere Detailanalyse auskommt. Jedenfalls klingt es so, wie ich es mir nach der Beschreibung vorgestellt habe. Die Frage ist zwar drittrangig, aber sie hat sich mir trotzdem gestellt: Ist das noch klassische Musik? Abgesehen von der Arbeitsteilung zwischen Komponisten und Interpreten und der Instrumentierung erinnert wenig daran, und Allergiker gegen jegliche Art von Moderne können zuhören, ohne Schaden zu nehmen. Richtig gut und originell ist es trotzdem. Bei dem anderen Stück auf der Platte fragte ich mich sofort, wo ich das schon mal gehört habe, und nach kurzem Kramen im Hirn fand ich Passages, eine Kollaboration, die Philip Glass & Ravi Shankar gemacht haben. Die muss ich mir nach dieser Anregung unbedingt mal wieder anhören.
American Mirror für Streichquartett - Salstina Prism, Cycles, Leaps 2 (From Here a Path) für Orchester - Bridge to Everywhere
tubi (12.03.2024, 07:24): Puh, Aufnahmeprüfung mit 2- bestanden ;-)
Ich mag irgendwie Musik die über alle Genres, Regeln und Traditionen geht. Bartok war ja auch schon anders als die teilweise strengen Klassiker vor ihm. Metallica hat dann Bartok (String Quartett No. 4 V. Satz) aufgegriffen (bewußt oder unbewußt) und hat Metal daraus gemacht und das ganz hervorragend.
Beim Konzert in Bad Nauheim gab es so einige Gäste die nach dem modernen Programm sagten : "Das nächste Mal gehen wir aber wieder zu Haydn....."
....und ich war so froh so viel neue Musik gehört zu haben.
Hast Du auch das PDF Booklet bekommen ? Das hat ein ganz anderes Cover....Das PDF ist leider zu groß für den Anhang...
satie (13.03.2024, 08:50): Hallo tubi,
der Beitrag lockt mich aus der Versenkung. Der Komponist hat am selben Tag wie ich Geburtstag, ist aber 9 Jahre jünger.
Ich habe mir die drei Stücke auf besagter Scheibe angehört und finde, das ist vor allem sehr schön musiziert. Der Komponist hat, wie so viele heute, einen engen Kreis vertrauter Musiker um sich versammelt. Bridge to Everywhere ist sein eigenes Ensemble. Joes Frage, ob das noch klassische Musik sei, kann ich gut verstehen. Dazu muss ich sagen, dass man in den USA schon ewig drauf pfeift, was für eine Art Musik das nun ist, die man hört. Ich neige dazu, diese Einstellung gut zu finden. Das Kronos Quartet etwa zeigt seit eh und je, was alles heutzutage für Streichquartett komponiert wird, in aller Welt. Ich finde das durchaus erfrischend, auch die Stücke von Derrick Skye, allerdings ist dieser bewusst gewählte Eklektizismus halt auch etwas, das eigentlich einen persönlichen Stil von vornherein ein Stück weit verunmöglicht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Derrick Skye sich wirklich groß abhebt von vielem anderen, das ich aus dieser Ecke gehört habe. Muss ja auch nicht sein. Ich bin immer wieder erstaunt, aber auch skeptisch, wenn ich sehe, dass ein Komponist ein Oeuvre hat, das so groß ist. Wenn ich mich nicht verzählt habe, hat er allein 2022 elf Stücke komponiert für diverse Besetzungen und Projekte, darunter 3 Orchesterwerke und eine Oper. Er hat so ziemlich alles gemacht, was man sich vorstellen kann, sogar mehrfach Musik für Synchronschwimmer komponiert.
Meiner Meinung nach ist der Komponist selber ein "American Mirror". Die Musik, die ich gehört habe, ist gut gemacht. Ob ich das aber berührend oder faszinierend finde? Ich fürchte nein, mir ist es zu viel verschiedenes. Das mag aber mein persönliches Problem sein, ich schätze Konsistenz und Reduktion mehr. Mit der Tonalität etc. habe ich gar kein Problem, ein Komponist, den ich z.B. sehr schätze, ist Peter Garland, der sich bewusst auch für einen "tonalen" (was auch immer das nun heißt) Stil entschieden hat, aber mehr aus dem Postminimalismus schöpft. Ich erwähne ihn deshalb, weil er auch aus der Musik der American Natives schöpft, er ist ein Experte für diese Musik. Derrick Skye möchte aus der gesamten Weltmusik schöpfen und ich fürchte, dass er sich dabei etwas erschöpfen wird. Trotzdem: danke für den Tipp. Ich hatte den Namen nie zuvor gehört.