Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

Cosima (02.07.2006, 11:51):
Brahms’ zweite Symphonie (D-dur, op. 73) wird als seine „Pastorale“ bezeichnet. Während er lange um die Fertigstellung der ersten Symphonie ringen musste, genügte ein einziger glücklicher Sommer im Jahre 1877 am Wörther See, um die Zweite reifen zu lassen. In diesen südlichen Gefilden muss Brahms’ Seele weit und frei geworden sein, denn seine Zweite ist die unbeschwerteste und poetischste seiner vier Symphonien. Sie ist voller Grazie, Leichtigkeit und Frohsinn, wenn auch die für Brahms typische leise Melancholie unter der Oberfläche deutlich spürbar bleibt. Brahms gab diesem Werk kein Programm mit (wie Beethoven), dennoch zaubert sie viele schöne Bilder vor dem geistigen Auge – sie ist die zugänglichste aller Brahms-Symphonien.

Eine gute Interpretation sollte also nicht nur das Bild eines glücklichen Sommers vermitteln, sondern darüber hinaus – trotz des lichten Grundcharakters – das Grüblerische hinter all dem scheinbar Leichten erahnen lassen. Sehr vorbildlich hat m.E. Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra (1960) dieses Werk interpretiert:

http://images.amazon.com/images/P/B000002A7Z.01._SCMZZZZZZZ_V65929354_.jpg

Welchen Stellenwert hat dieses Werk für Euch? Und welches sind Eure favorisierten Einspielungen?

Gruß, Cosima :)
Zelenka (02.07.2006, 14:32):
Liebe Cosima:

Ein Faden, der sicher zur rechten Zeit kommt! Mehr Sommer als gerade heute kann kaum sein. (Die Fäden sollten sich allgemein mehr an den Jahreszeiten orientieren …) Wie Du allerdings schon sehr richtig geschrieben hast, ist die Melancholie bei Brahms nie ganz gebannt, er selbst schrieb an seinen Verleger, daß er noch nie derart Trauriges komponiert habe. Die Bezeichnung "Pastorale" hätte er kaum sehr geschätzt. Der erste Satz im Walzertakt weist mit seiner Fülle von melodischem Material natürlich erst einmal in die heitere Richtung, man überhört vielleicht erst einmal die ominösen dunklen Blechbläser. Insgesamt ist der Ton jedoch sicherlich idyllisch, rückwärtsgewandt und ein wenig auch Haydn verpflichtet. Es ist ein Idyll, von dem Brahms weiß, daß es so nicht existiert. Das Finale ist dann verdächtig "überdreht", eine Exaltiertheit, die nicht andauern kann. Wir werden mit dem Schluß nicht in in eine dauerhaft optimistische Grundstimmung entlassen. Nichts ist hier gelöst, die Melancholie wird zurückkehren müssen.

Du hast schon die Aufnahme vorgestellt, die mir in allerletzter Zeit am meisten Freude gemacht hat. Sie ist wirklich perfekt ausbalanciert, der Klang gut durchhörbar und überraschend gut. "Aufgewachsen" bin ich mit Karajans Einspielung von 1963 (DG, schlechter CD-Transfer), die im Vergleich zu Walter vielleicht doch zu forciert anmutet. Ich besitze auch Karajans Aufnahme vom Ende der 70er Jahre, klanglich vielleicht der 63er Version überlegen, aber nicht sehr unterschiedlich im übrigen. Sehr am Herzen liegt mir der Hinweis auf die Einspielung von Charles Mackerras (Telarc), der mit einem kleineren Orchester arbeitet, das von der Größe her etwa der Hofkapelle von Meiningen mit 49 Mitgliedern entspricht. Brahms selbst bevorzugte kleinere Orchester. Mit Ausnahme der Blechblasinstrumente werden keine authentischen Instrumente benutzt. Der Gewinn an Durchhörbarkeit ist enorm.

http://images.amazon.com/images/P/B000003D2C.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1133614225_.jpg

Gruß,

Zelenka
Cosima (02.07.2006, 19:31):
Original von Zelenka
Wie Du allerdings schon sehr richtig geschrieben hast, ist die Melancholie bei Brahms nie ganz gebannt, er selbst schrieb an seinen Verleger, daß er noch nie derart Trauriges komponiert habe.

Lieber Zelenka,

ich stolperte heute, als ich den Thread erstellte, in einer Biographie auch wieder darüber. „Trauerrand“ ist natürlich übertrieben und entspringt wohl dem typisch Brahms’schen Humor (?):

"Die neue Symphonie ist so melancholisch, daß Sie es nicht aushalten. Ich habe noch nie so etwas Trauriges, Molliges geschrieben: die Partitur muß mit Trauerrand erscheinen. Ich habe genug gewarnt. Denken Sie denn wirklich, sich noch so ein Ding zuzulegen?"

Die Mackerras-Aufnahme kenne ich auch und mag sie gerne.

Kennt denn niemand die Einspielung unter Günter Wand (NDR SO)? Sie würde mich nämlich auch noch reizen, nachdem ich dem Herrn von Karajan in Sachen Brahms nicht so sehr viel abgewinnen konnte.

Gruß, Cosima
Cosima (02.07.2006, 20:48):
Ich sehe gerade mit Entsetzen (Entsetzen darüber, sie vergessen zu haben!), dass ich noch eine Aufnahme mit Carlos Kleiber besitze! Auf dieser DVD:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/2989039.jpg

Ich muss sie mir nachher unbedingt mal wieder anhören!

Gruß, Cosima
Zelenka (02.07.2006, 20:50):
Original von Cosima
Ich sehe gerade mit Entsetzen (Entsetzen darüber, sie vergessen zu haben!), dass ich noch eine Aufnahme mit Carlos Kleiber besitze! Auf dieser DVD:

Ich muss sie mir nachher unbedingt mal wieder anhören!

Gruß, Cosima

Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...

Gruß,

Zelenka
Cosima (02.07.2006, 20:53):
Original von Zelenka
Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


Wird erledigt, irgendwann. Wie konnte ich den vergessen? ?(

Furtwängler mit der Zweiten fand ich eben auch noch. Diese Aufnahme habe ich aber als nicht besonders ansprechend in Erinnerung.

Gruß, Cosima
Zelenka (02.07.2006, 20:55):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


Wird erledigt, irgendwann. Wie konnte ich den vergessen? ?(

Furtwängler mit der Zweiten fand ich eben auch noch. Diese Aufnahme habe ich aber als nicht besonders ansprechend in Erinnerung.

Gruß, Cosima

Ist plötzlich das Chaos in Deiner wohlorganisierten Sammlung ausgebrochen? Mache mir fast Sorgen!

Gruß,

J.D.Z.
Cosima (02.07.2006, 20:57):
Original von Zelenka
Mache mir fast Sorgen!


Ich mir auch - fast! :(

Gruß, Cosima
ab (17.07.2006, 18:15):
Mir ist in Italien durch Zufall der Konzertmitschnitt von Knappertsbusch mit den Münchner Philharmonikern vom 18.10.1956 (aura) in Händen gefallen. Der gefällt mir ganz ausgezeichnet!
Cosima (05.08.2006, 18:28):
Original von Zelenka
Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


Lieber Zelenka,

ich habe mir heute den Live-Mitschnitt aus 1991 mit Carlos Kleiber noch einmal angeschaut. Es gibt nicht viel zu sagen, natürlich ist er großartig! Kleiber betont stärker als Walter die melancholischen Aspekte, seine Interpretation klingt dramatischer und mitreißender. Dabei vernachlässigt er aber nicht den lichten Grundcharakter, lässt auch herrlich durchsichtig spielen. Die Details kommen vielleicht noch stärker als unter Walter zur Geltung, die Aufnahme unter Kleiber wirkt auf mich dadurch insgesamt intensiver. (Wobei ich die Walter-Aufnahme aber nicht abgewertet wissen möchte, ich liebe sie beide! Besonders Walters frische Dynamik gefällt mir sehr.)

Herrlich ist natürlich, Kleiber in Aktion zu sehen! Trotz der stellenweise auf ein Mindestmaß reduzierten Gestik durchlebt er die Musik geradezu! Was für ein Dirigent! :down

Die „Linzer“ spare ich mir für später auf, wenn ich weiteres Vergleichshören in Sachen Mozart mache.

Gruß, Cosima
Cosima (05.08.2006, 19:58):
Als nicht ganz so stark wie die Interpretationen unter Kleiber und Walter (aber durchaus auch empfehlenswert) würde ich die Aufnahme Günter Wands (1983) einschätzen.

http://images.amazon.com/images/P/B00005QHUX.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1057224717_.jpg

Es existiert eine zweite, spätere Version mit dem NDR-Sinfonieorchester, die von Kritikern als bedeutender eingestuft wird. Es handelt sich um Live-Aufnahmen, die ich leider nicht kenne.

Gruß, Cosima
Cosima (17.08.2006, 18:00):
Eine großartige Aufnahme unter Otto Klemperer, eine unbedingte Empfehlung meinerseits:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7658268.jpg

Derzeit für 3,99 Euro bei jpc erhältlich.

Gruß, Cosima
sennahresor (17.08.2006, 22:49):
Hallo Cosima,

den Kleiber kenne ich leider nicht, aber bei Walter und Klemperer kann ich Dir nur zustimmen. Wand scheint mir eigentlich gleichwertig.

Ich finde, bei einer Auswahl zur 2. Brahms darf aber auch der olle Karajan nicht fehlen, am besten gleich mit zwei Aufnahmen:
entweder die ganz frühe bei EMI mit dem Philharmonia Orchestra (gibt es öfters günstig bei ebay), sehr frisch und leicht,
oder die ganz späte, schwermütige digitale aus Berlin bei der Deutschen Grammophon, die inzwischen wohl gestrichen ist und reativ schwierig zu bekommen. Letztere finde ich eigentlich spannender, wenn auch etwas eigensinnig. Die beiden früheren Berliner Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren finde ich da weniger überzeugend.

Und einen Ehrenplatz verdient auch Carlo Maria Giulini, am besten mit seiner DDD-Aufnahme aus Los Angeles bei der Deutschen Grammophon. Die bekommt man noch bei amazon, aber leider sehr, sehr teuer.

Kennt eigentlich jemand eine vernünftige Original-Klang-Aufnahme des Werks?

Viele Grüße, Hannes
Jack Bristow (17.08.2006, 23:06):
Original von sennahresor
Kennt eigentlich jemand eine vernünftige Original-Klang-Aufnahme des Werks?


Fritz Busch, in der Reihe "Great Conductors of the Century" (ca. 1950). Noch näher dran sind Weingartners Aufnahmen aus den 30ern, die habe ich aber noch nie gehört und weiß auch nicht, ob in vernünftiger Überspielung erhältlich.

viele Grüße

J. Bristow
Cosima (18.08.2006, 15:18):
Original von sennahresor
den Kleiber kenne ich leider nicht, aber bei Walter und Klemperer kann ich Dir nur zustimmen. Wand scheint mir eigentlich gleichwertig.


Hallo Hannes,

kennst Du die spätere Live-Version unter Günter Wand, von der ich oben sprach? Oder auch jene, deren Cover ich aufführte?

Gruß, Cosima
sennahresor (18.08.2006, 16:25):
Original von Cosima

Hallo Hannes,

kennst Du die spätere Live-Version unter Günter Wand, von der ich oben sprach? Oder auch jene, deren Cover ich aufführte?

Gruß, Cosima

Hallo Cosima,

nein, die spätere Aufnahme kenne ich auch nicht, nur dieselbe wie Du, allerdings in einer früheren Ausgabe. Mir gefallen dabei besonders die beiden mittleren Sätze, denen dieser ruhige, dabei aber nicht zähe, sondern natürlich-lockere Fluß sehr gut bekommt. Der Anfangs- und besonders der Schlußsatz könnten sicher etwas knackiger sein, aber dann wäre es eben im Charakter uneinheitlich, was ja auch nicht geht.

Ich würde im übrigen gerne noch einige sehr positive Hörerlebnisse zu Protokoll geben:
Arturo Toscanini mit dem Philharmonia Orchestra live 1952 bei Fonit.
George Szell mit dem Cleveland Orchestra bei Sony (1965)
Bernard Haitink mit dem Concertgebouw bei Philips (1970)
Christoph von Dohnanyi auch mit Cleveland bei Teldec (1988)

Dann noch immerhin gute Versionen:
Bernstein mit den New Yorkern bei Sony (1962)
Interessant und sicher besser als die spätere DDD-Version aus Wien.
Abbado mit den Berliner Philharmonikern bei DG (1989)
Ohne Tadel, aber irgendwie trotzdem nicht so richtig begeisternd. Kann aber nicht sagen, was dabei fehlt. Bitte um Aufklärung!
Furtwängler mit den Wiener Philharmonikern live 1945. Ziemlich "verträumt", aber durchaus sympathisch, leider miese Aufnahmequalität.

Viele Grüße, Hannes
Jeremias (18.08.2006, 16:35):
Hannes, ich muss Dir korrigieren: Die Aufnahme mit Giulini bei der DG gibt es bei Amazon noch zum "Normalpreis", da sie noch für den japanischen Markt hergestellt wird. ein Grund mehr, sich diese Aufnahme zu besorgen!

Btw: Schön, Dich hier im Forum begrüssen zu dürfen! Stell Dich doch einmal im Mitgliederbereich vor! Ich kenne Dich ja - auch nur - via Ebay
fohlenfanatiker (18.08.2006, 18:02):
Meine Frage bezieht sich eher auf den Gesamtzyklus der Brahmssinfonien: Kennt jemand den Zyklus oder auch einzelne Sinfonien von Giulini mit den Wienern auf DGG? Ich las vor Jahren mal, dass die ausgezeichnet sein sollen. Die sind aber schwer erhältlich bzw. sehr teuer.

Durch die o. g. Klempereraufnahme fand ich erst meinen Zugang zu den Brahmssinfonien. Sie ist sehr klar strukturiert. Die zweite und die dritte mag ich seitdem am meisten. Ich besitze noch Dohnanyi mit Cleveland, Bernstein mit den Wienern, Leinsdorf mit Boston und Solti mit Chicago. Ich finde keine davon missglückt. Bernstein lässt es etwas langsamer angehen, dafür aber wie immer mit viel Gefühl. Solt ist durchaus auch zu empfehlen:

http://images.amazon.com/images/P/B0000041Z5.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1056635693_.gif
Gruß
sennahresor (18.08.2006, 23:11):
Original von Jeremias
Hannes, ich muss Dir korrigieren: Die Aufnahme mit Giulini bei der DG gibt es bei Amazon noch zum "Normalpreis", da sie noch für den japanischen Markt hergestellt wird.

Na, aber lieber Jeremias, da muss ich Dir als guter Schwabe sagen: dieser "Normalpreis", das grenzt doch an Räuberei! :A
Als ich Ende der 80er Jahre mit dem CD-Kaufen angefangen habe, da war 19,90 DM der Höchstpreis, und heute soll ich für dasselbe dieselbe Summe in Euro bezahlen? Ich finde es schon seltsam, daß es bei amazon einen Händler musicjapanjp.de gibt, der etliche Importe um etwas über 10,00 anbietet. Ich denke, ein gutes Stück "Klassik-Krise" kommt auch daher, daß Groß-Firmen wie die DG und Groß-Händler (amazon, leider auch jpc) kaum Gespür für Sammlerinteressen haben.
Nun aber genug geschimpft - hat ja alles nichts mit der 2. Brahms zu tun...
Einen schönen Abend, Hannes
sennahresor (18.08.2006, 23:15):
Original von fohlenfanatiker
Meine Frage bezieht sich eher auf den Gesamtzyklus der Brahmssinfonien: Kennt jemand den Zyklus oder auch einzelne Sinfonien von Giulini mit den Wienern auf DGG?

Hallo,

ich habe mal in Italien günstig die Dritte mit Giulini und den Wienern bekommen, und die ist wirklich beeindruckend, allerdings ziemlich ernst und dunkel - sehr persönlich auf jeden Fall. Bei ebay werden für Teile aus diesem Wiener Zyklus ziemlich unchristliche Preise geboten - leider zurecht, scheint mir.

Viele Grüße, Hannes
nikolaus (30.01.2012, 23:05):
Original von Cosima
Ich sehe gerade mit Entsetzen (Entsetzen darüber, sie vergessen zu haben!), dass ich noch eine Aufnahme mit Carlos Kleiber besitze! Auf dieser DVD:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/2989039.jpg

Ich muss sie mir nachher unbedingt mal wieder anhören!

Gruß, Cosima


Weiss jemand, ob es diese Aufnahme auch auf CD gibt?

Danke ergebenst, Nikolaus.
Amadé (31.01.2012, 20:11):
Habe sie schon mal gehört, hat mich jedoch nicht vom Hocker gerissen! :D
Eine der vielen Aufnahmen, die für die Dirigenten und die Orchester wichtig sind, aber für den Hörer ???? ?(

Gruß Amadé
Armin70 (25.02.2012, 00:25):
Original von nikolaus
Original von Cosima
Ich sehe gerade mit Entsetzen (Entsetzen darüber, sie vergessen zu haben!), dass ich noch eine Aufnahme mit Carlos Kleiber besitze! Auf dieser DVD:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/2989039.jpg

Ich muss sie mir nachher unbedingt mal wieder anhören!

Gruß, Cosima


Weiss jemand, ob es diese Aufnahme auch auf CD gibt?

Danke ergebenst, Nikolaus.

Diese Aufnahme gibt es zwar nicht auf CD aber dafür gibt es folgende Aufnahme mit genau dem gleichen Programm wie auf der DVD + Mozarts Sinfonie Nr. 33, Brahms`4. Sinfonie und Beethovens Coriolan-Ouvertüre. Alles Aufnahmen mit dem Bayerischen Staatsorchester:

"http://www.amazon.com/gp/product/B000W7P4KW/ref=s9_simh_gw_p15_d0_g15_i1?pf_rd_m=ATVPDKIKX0DER&pf_rd_s=center-2&pf_rd_r=1PN349WWW1X3K718VXS5&pf_rd_t=101&pf_rd_p=470938631&pf_rd_i=507846"
nikolaus (26.02.2012, 19:28):
Super, vielen Dank!!
Kommt auf den Wunschzettel...

Nikolaus. :hello
Sfantu (23.09.2018, 20:40):

Dortmunder Philharmoniker - Moshe Atzmon
(CD, live, ebs, 1991)

Meine Lieblingsaufnahme.
Der eingangs von Cosima herausgestrichene unbeschwerte Charakter & der von Zelenka erwähnte Trauerflor - beides kommt hier nahezu mustergültig zum Tragen, vielleicht mit einem leichten Übergewicht zugunsten des Trauerflors. Die Tempi sind ideal, die Musik fliesst betörend & herzerwärmend ins Ohr - hier stimmt einfach alles. Einzig zwei kleine Abstriche, welche den superben Gesamteindruck aber keineswegs schmälern: die Akustik im Opernhaus lässt den Klang der tiefen Streicher & Pauken nicht genügend im vollen Spektrum schwingen, es hat einen leichten Zug ins Dumpfe. Weshalb für die Aufnahme der bewährte Gang in das Akustik-Wunder Märtmann-Kirche in Dortmund-Aplerbeck gescheut wurde, bleibt ein Rätsel (die Philharmonie stand 1991 noch nicht). & im Schlusssatz wird bei einem dieser unangenehm exponierten Einsätze der hohen Streicher hörbar, dass wir es nicht mit einem A-Orchester zutun haben. Wie gesagt: trotz kleiner Abstriche meine klare Favoritin vor den Mitbewerbern in meinen Regalen (Szell, Abbado, Manze, Swarowsky, Medveczky)!
Nicolas_Aine (23.09.2018, 20:46):
hm, jetzt muss ich mal ganz besserwisserisch dazwischenfunken: Ich denke, ich verstehe zwar was du meinst, aber trotzdem ist Dortmund tatsächlich ein A-Orchester :)
Sfantu (23.09.2018, 22:29):
Hallo Nicolas,

wenn die Dortmunder als A-Orchester klassifiziert sind, dann ist das überhaupt nicht besserwisserisch von Dir sondern dann hast Du schlicht & ergreifend recht & ich muss um Nachsicht bitten.
Hast Du eine Favoritin bei Brahms 2?

LG, Sfantu
Cavaradossi (24.09.2018, 09:38):
Die Aufnahmen der "großen Alten" (Klemperer, Szell, Bruno Walter) der Brahms Nr. 2 wurden hier alle bereits lobend genannt. Aber meine Lieblingsversion fehlt noch, und deshalb möchte ich sie hier vorstellen:


Pierre Monteux und die Wiener Philharmoniker (aufgenommen im April 1959 in den Sofiensälen, Wien).
Eine erstaunlich gut und transparent klingende Stereo-Produktion, die ursprünglich als LP auf RCA veröffentlicht wurde. Monteux schätzte diese Brahms-Sinfonie ganz besonders, er hat sie mindestens dreimal im Studio aufgenommen. Das hier ist eine sehr warmherzige, liebevolle Interpretation, Monteux wiederholt sogar die Exposition im Kopfsatz (was die meisten seiner Kollegen nicht machen, Solti ausgenommen). Der Satz dauert deshalb über 20 Minuten! Aber es kommt absolut keine Langeweile auf.
Sozusagen als "Bonus" gibt es noch die Haydn-Variationen, die 1958 in London mit dem LSO eingespielt wurden, ebenfalls in Stereo.
Die erste Monteux-Einspielung ist 1951 entstanden, in seiner Zeit in San Francisco, und sieht so aus:

Die Version ist ähnlich angelegt, aber der Klang ist nicht sonderlich erfreulich (Stereo war 1951 noch nicht eingeführt). Deshalb würde ich die weiter oben gezeigte unbedingt vorziehen.
Es gibt noch eine weitere Aufnahme mit dem LSO (für PHILIPS) aus dem Jahr 1962:

Die kenne ich aber nicht, sie ist mit den beiden Ouvertüren op. 80 & 81 gekoppelt.

LG, Cavaradossi
Amadé (24.09.2018, 17:26):
Diese zweite Monteux-Aufnahme gehört schon seit Jahren zu meinen Lieblingen der 2. Brahms. Während ich von der ersten und dritten nur je einen Konzertmitschnitt besitze, fehlt die vierte völlig, das wundert mich. Ich meine letztere müsste ihm doch sehr entgegenkommen.

Gruß Amadé
Cavaradossi (24.09.2018, 19:03):
Während ich von der ersten und dritten nur je einen Konzertmitschnitt besitze, fehlt die vierte völlig
Lieber Amadé,

bei meiner Suche habe ich folgende Box gefunden (bei Amazon):

Auch ich war überrascht, dass Monteux tatsächlich alle 4 Brahms-Sinfonien dirigiert hat. Ich denke, es handelt sich hier um Live-Mitschnitte aus unterschiedlichen Zeiten. Leider gibt es keine weiteren Informationen, so dass man raten muss, welche Orchester bei den einzelnen Sinfonien zum Einsatz kamen, und auch die Aufzeichnungsdaten sind nicht ersichtlich, da die Cover-Rückseite nicht abgebildet wurde.

Wie es aussieht, hat Monteux allerdings nur die Zweite im Studio eingespielt, und das dreimal! Es war wohl seine Lieblingssinfonie von Brahms.

Gruß,
Cavaradossi
Nicolas_Aine (29.09.2018, 22:13):
Hallo Nicolas,

wenn die Dortmunder als A-Orchester klassifiziert sind, dann ist das überhaupt nicht besserwisserisch von Dir sondern dann hast Du schlicht & ergreifend recht & ich muss um Nachsicht bitten.
Hast Du eine Favoritin bei Brahms 2?

LG, Sfantu
also ich besitze zwei nennenswerte Aufnahmen:

Aus der kürzlich erworbenen GA mit Abbado und den Berlinern, sowie mit Barbirolli und NY Phil. Beide sind nicht schlecht, hauen mich aber auch nicht vom Hocker. Bei den New Yorkern fehlt mir ein bisschen die Suche nach dem Klang, während die Berliner da zu fleißig waren und sich manchmal im Klang verlieren, wodurch dann der Fluss leidet. Aber dafür gibt es zwischendurch traumhafte Momente, vor allem haben die Berliner die absolute Ruhe gefunden, die diese Symphonie ja auch ein Stück weit ausmacht.

Immerhin hat Deine Frage, Sfantu, dazu geführt, dass ich mich mal etwas mehr mit dieser Symphonie beschäftigt habe. Ich mag Brahms sehr gerne und grade auch die 3. und 4. Symphonie, aber zu den ersten beiden habe ich bisher keinen rechten Zugang gefunden. Leider hat auch das mehrfache Durchhören der zweiten in den letzten Tagen bisher nichts daran geändert. Aber ich gebe nicht auf :D
Amadé (30.09.2018, 10:18):
Lieber Nicolas,
natürlich hat jeder Präferenzen, ich möchte Deinen Blick trotzdem auf Brahms' 1. lenken, das ist doch wunderbare Musik. Zugegeben, sie ist in ihrer Länge etwas breit angelegt, man sollte aber Brahms verstehen, der als neugebackener Symphoniker zeigen wollte, welche Ideen er hatte und wie er damit umgehen konnte. Ich bereite gerade eine Neubearbeitung meiner Webseite mit op.68 vor, ich denke, dass sie zum Wochenende fertig ins Netz gehen wird. Wenn Dir danach steht kannst Du Dir dort Anregungen für eine weitere Beschäftigung mit diesem Brocken holen, ich kenne da wunderbare Aufnahmen. die ich nicht missen wollte.

Gruß Amadé
Cetay (inaktiv) (30.09.2018, 11:50):
Ich halte es hier mit Cornelius. Die Erste ist ein Brocken mit Gewicht aber in meinen Ohren auf Kosten viel zu vieler Längen - und das Plagiat aus Beethovens 9. gibt mir jedes Mal den Rest. Ich habe bei Brahms längst aufgegeben... :thumbdown:
EinTon (30.09.2018, 21:24):
und das Plagiat aus Beethovens 9. gibt mir jedes Mal den Rest. Ich habe bei Brahms längst aufgegeben
Ein Plagiat ist das Thema doch keineswegs, den die Melodie ist im wesentlichen nicht an Beethovens 9. angelehnt, schon gar nicht im prägenden Beginn. Allenfalls im Mittelteil (jeweils Takt 9-13 beider Themen) gibt es Ähnlichkeiten. Von Beethoven aufgegriffen hat Brahms sicherlich die Idee, einen Dur-Finalsatz einer Mollsinfonie mit einem liedhaften und ohrwurmträchtigen, leicht nachsingbaren Hauptthema zu versehen. Aber das ist ja nix verwerfliches... ;)

Und ist die erste echt länger als die anderen? War mir zugegebenermaßen bislang nie aufgefallen...
Abendroth (30.09.2018, 21:47):
Ich habe über 60 Aufnahmen und Mitschnitte der Brahms'schen Nr. 1, woraus folgt, dass ich die kritischen Bemerkungen zu ihr nicht im geringsten nachvollziehen kann. (Der Plagiatsvorwurf ist oft ausgesprochen worden, aber wird durch Wiederholung nicht richtiger, dass sie zu lang ist, stimmt auch nicht). Brahms hat sich ja eine Ewigkeit Zeit gelassen, bis er seine erste Symphonie veröffentlichte und das Resultat ist makellos. Ein Rätsel ist mir, warum man Schwierigkeiten mit den ersten beiden Symphonien haben kann, aber nicht mit der zweiten Hälfte. Eine der besten Zweiten, um beim Thema des Fadens zu bleiben, hat Fritz Busch mit dem Königlich Dänischen SO eingespielt.
Amadé@
Wo findet man deine website zu Brahms?
satie (01.10.2018, 08:55):
Ich bin wirklich kein "Fan" der romantischen Symphonie, muss aber sagen, dass Brahms immerhin einer ist, dessen 4. ich immer wieder mal gerne anhöre.
Die anderen hingegen höre ich kaum noch. Allerdings kann ich die Kritik an der 1. ebenfalls nicht teilen. Das "Beethoven-Plagiat", welches allenfalls in 5 Töne der zweiten Hälfte des Themas sich hineinhören ließe (da hat EinTon ganz Recht), könnte man da wohl auch Dvorak im Hauptthema seiner 9. unterstellen, die immerhin noch die Nummer dreist von Beethoven kopiert... :D

Ich muss sagen, Brahms' 2. empfinde ich als deutlich schwächste unter den Vieren. Bei Brahms liegen mir die Qualitäten überhaupt mehr in der Kammermusik. Die späten Klavierwerke gehören meiner Meinung nach zu den ganz großen Meisterwerken. Seine Symphonien scheinen mir Beiträge zu einer eigentlich damals schon toten Gattung, der erst Bruckner wieder einen neuen Impuls geben konnte.

Herzliche Grüße
Satie
Cavaradossi (01.10.2018, 09:08):
Wo findet man deine website zu Brahms?
Ich bin zwar nicht angesprochen, kann aber Auskunft geben: www.klassik-prisma.de

Gruß, Cavaradossi
Cetay (inaktiv) (01.10.2018, 14:59):
Brahms selbst soll -auf die allzu offenhörbare Verwandtschaft mit dem Götterfunken-Thema angesprochen- bemerkt haben, dass das jeder Esel hören könne. Nun bin ich geradezu ein Musterbeispiel eines Esels im Brahms'schen Sinne und wahrscheinlich fällt es mir deshalb so sehr auf. :thumbsup: