Die Alpen als Klanggemälde - Richard Strauss' "Alpensinfonie"

Nordolf (05.10.2007, 19:44):
Hallo liebe "musikalische Bergsteiger"! :)

Richard Strauss (1864 - 1949) schwelgte mit Vorliebe in opulenten Orchesterfarben, naturalistischen Effekten und Großraumklängen der Superlative. Der Einsatz des modernen Orchesters wird dabei häufig bis an die Grenze des Machbaren getrieben. Zu dieser Kategorie zählt auch die "Alpensinfonie". Schon allein, wenn man hört, das die Bläserfraktion vierfach stärker als gewöhnlich besetzt ist, kann man erahnen, welch schallendes Getöse da auf einen zukommt. Neben vier Tenortuben dürfen auch eine Windmaschine und eine Donnermaschine nicht fehlen - von der Orgel ganz zu schweigen!
Strauss verwendet hier ein sehr dichtgewebtes Tongefüge, das teilweise moderne Clustertechniken vorwegnimmt.

Inspiriert wurde Strauss zu diesen Klängen durch drei Eindrücke: Einmal den Eindruck, den die oberbayrische Bergwelt nahe seines Wohnortes auf ihn machte - zum zweiten der Eindruck, den eine Bergwanderung bei ihm hinterliess, auf der er von Sturm und Gewitter überrascht wurde - und zum dritten der Eindruck der Berg- und Wanderermetaphern in der Philosopie Nietzsches, dem er ja schon mit der Tondichtung "Also sprach Zarathustra" seine Huldigung dargebracht hatte.

Wie es sich für eine Tondichtung gehört, hat die Alpensinfonie ein literarisches bzw. erzählerisches Programm. Am Anfang klingen die Bläser ganz tief und die Streicher sind kaum zu hören - die Nacht wird beschrieben. Plötzlich bricht in strahlender Helle der Morgen herein. Der Wanderer beginnt mit seinem Aufstieg zum Berg. Zuerst durchstreift er idyllische Landschaften - begleitet von ruhigen Streichermelodien und Herdengeläute. An einem Wasserfall hat er eine außergewöhnliche Begegnung - er beobachtet einen Naturgeist: eine Fee! Die Musik beschreibt eine wunderbare beseligende Märchenwelt.
Weiter geht es über Wiesen und die Alm hin zu den ersten risikoreicheren Gegenden. Im Gestrüpp verirrt sich unser Wanderer. Die Musik wird deutliche dramatischer. Schließlich gelangt er auf den Gletscher, was ihn in Lebensgefahr bringt. Nach einigen Augenblicken, in denen alles auf der Kippe steht, erreicht er endlich den Gipfel des Berges. Was Strauss hier an Bläser-, Streicher- und Paukenbombast aufbietet, scheint gerade gut genug, die grandiose Weite des Ausblicks von der Bergspitze zu beschreiben. Folgerichtig hat unser Wanderer dann hier eine Vision.
Jetzt beginnt der Abstieg, der Himmel verdüstert sich, ein Gewitter braut sich zusammen. Das Gewitter bricht los und jetzt erfährt man auch, was es mit der Windmaschine und der Donnermaschine auf sich hat. Laute Orgelakkorde wallen auf und ab. Die Sonne geht unter und es wird Nacht. Der Wanderer rettet sich durch den Regen in eine einsame Berghütte um zu schlafen. Dementsprechend ruhig klingt alles aus.

Natürlich wird es immer rigorose und mißmutige "Klangasketen" geben, die diese bunte Musik als zu effekthascherisch abtun werden. Ich finde sie meisterlich instrumentiert - Strauss wurde zu recht als "Klangzauberer" bezeichnet. Das ist einfach Musik, die Spaß macht! Das ist Musik, die man einfach laut aufdrehen sollte!

Ich besitze zwei Aufnahmen, die beide die schwelgerische Seite der Tondichtung betonen:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5189056.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3590869.jpg

Ich bin aber offen für Neues: über Kempe, Ashkenazy und besonders Ozwawa habe ich viel Positives gehört. Und gerade Ozawa/WPO (Philipps) ist momentan nicht erhältlich. :I :I :I

Herzliche Grüße!
Jörg
Cosima (05.10.2007, 22:23):
Voll wuchtiger Klangfülle, riesig in den Dimensionen – eigentlich nicht mein Fall. Trotzdem höre ich die Alpensinfonie hin und wieder richtig gern.

Ich besitze die Aufnahme des Scottish National Orch. unter Neeme Järvi (Chandos) und die Ashkenazy-CD mit dem Cleveland Orch. (Decca). Beide sind IMO sehr gut.

Überhaupt nicht gefiel mir Thielemann; zuviel oberflächliches Spektakel, nervige Effekte etc.

Gruß, Cosima
Zelenka (06.10.2007, 16:23):
Lieber Jörg:

Wieder einmal herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung!!! - In Abständen höre ich die Alpensinfonie recht gern. Zur großen Diskographie der Symphonie kann ich leider nicht viel beitragen, ich besitze nur drei Aufnahmen: den sehr intensiven, fast schwer erträglichen Thielemann, den insgesamt ordentlichen, aber kaum perfekten Kempe (EMI) und, eher überraschend und vielleicht eine Art goldener Mittelweg, Previn (VPO, Telarc).

Gruß, Zelenka
Poztupimi (07.10.2007, 17:02):
Hallo zusammen,

mir geht es so, daß ich ab und zu - aber eher selten - ganze gerne mal eine meiner beiden Aufnahmen spiele (LP: Solti, Symphonieorchester des BR; CD: Karajan, BPO - glcüklicherweise nicht aus der Serie mit den gruselig-kitschigen Gold-Covern, sondern die erste Ausgabe). Und daß ich dann darüber hinwegsehe, daß ich einiges zu bombastisch oder auch mal kitschig finde. Mir kommen dann eher eigene Eindrücke von Wandertouren in den Alpenn in den Sinn. Und über die wenig schmeichelnden BEmerkungen in meinen Konzertführern sehe ich dann auch mal hinweg.

Grüße,
Wolfgang
teleton (08.10.2007, 08:18):
Hallo Richard Strauss-Freunde,

die Alpensinfonie gibt es vielen guten Aufnahmen.
:) Die von Cosima genannte Ashkenazy-Aufnahmen (Decca) gehört eindeutig dazu und diese ehemalige Hochpreis-D ist zudem in der Elequence-Serie superpreiswert.

:) Solti (Decca) bietet einen Richard Strauss der Mitte, präzise und angemessen ohne Exzesse eine TOP-Aufnahme.

:) Noch höher schätze ich die Metha / Los Angeles PO(Decca) , der in der Kritik schon nachgesagt wurde: Metha verwechselt die Alpen mit dem Himalaja :D.
Ich finde es paßt für die Alpensinfonie. Metha bietet eine hochspannende Sicht, die an keiner Stelle langweilig wird - man fiebert dem Gipfel richtig entgegen und der stürmische Abstieg ist der weitere Wahnsinn.
Leider finde ich nirgendwo eine Abb dieser Aufnahme, die in der Decca-Ovation-Serie war und bei mir in einer Decca-5CD-Box mit R-Strauss-Dichtungen enthalten ist.
HenningKolf (08.10.2007, 08:46):
Das dürfte die von Teleton angesprochene Aufnahme sein...kaum noch, auch gebraucht nicht, zu bekommen, wie es scheint..........


http://ec1.images-amazon.com/images/I/413MHMSDG3L._SS500_.jpg



Gruss Henning
Nordolf (10.10.2007, 18:34):
Hallo Cosima und Zelenka!

Ich will noch einmal eine Lanze für die IMO wunderbare Thielemann-Aufnahme live mit dem WPO brechen.

Sie ist nun wirklich sehr differenziert aufgenommen. Die musikalischen Mittel, die Strauss hier zum Einsatz bringen wollte, werden deutlich sichtbar. Das Schillernde der Musik geht dabei aber nie verloren. Thielemann lädt den symbolischen Gehalt der Musik deutlich auf. Im Gegensatz zu Karajan nimmt er die Anweisungen von Strauss bezüglich des Fernorchesters und der Geräuschkulisse sehr ernst. Die Bläser der Wiener vermitteln Erhabenheit und eine sehr bedeutungsschwangere Atmosphäre.
Und einige Pauken- und Bläserstellen fahren mit einer Wucht in die Magengegend, das es nur so eine Freude ist. Aber das mag neben den deutlichen Geräuschen ein Grund sein, warum Cosima von "nervigen Effekten" spricht. Letztlich bleibt das Geschmackssache: ich mag orchestrale Musik gerne geradezu physisch spüren.

Wie immer gefällt mir bei Thielemann der romantisch-warme Angang und die Intensität. Ich vermag auch modernere Klangvorstellungen sehr zu schätzen, aber dieser Rückgriff auf Klangideale der 40/50/60ziger Jahre beeindruckt mich. Aufnahmetechnisch bleiben im übrigen keine Wünsche offen.

Meine Karajan-Aufnahme möchte ich aus anderen Gründen nicht missen - hier gefällt mir gerade die symphonische Kompaktheit, in die er das Werk deutlich hörbar bringen wollte. Thielemann geht es um anderes - schwelgen tun sie allerdings beide.

Ashkenazy wird meine nächste Vergleichsanschaffung.

Herzliche Grüße!
Jörg
Zelenka (10.10.2007, 18:51):
Lieber Jörg:

Ich kann Deine Begeisterung über Thielemanns Aufnahme einerseits verstehen. (Ich werde mein Exemplar auch nicht aus meiner Sammlung entfernen.) Die Intensität ist frappierend, stellenweise wird es für mich leider eben auch schon fast geschmacklos. Daß Cosima und ich nicht ganz allein mit unserer negativen Sicht stehen, wird in dieser Rezension einigermaßen deutlich ...

Gruß, Zelenka
Zelenka (10.10.2007, 18:53):
Original von Nordolf

Ashkenazy wird meine nächste Vergleichsanschaffung.

Herzliche Grüße!
Jörg

Lieber Jörg:

Ich würde es auch mal mit Previn (Telarc) versuchen ...

Herzliche Grüße, Zelenka
Nordolf (10.10.2007, 19:54):
Original von Zelenka
Daß Cosima und ich nicht ganz allein mit unserer negativen Sicht stehen, wird in dieser Rezension einigermaßen deutlich ...

Gruß, Zelenka

:hello

Meine Auffassung wird durch den Kritiker des RONDO-Magazins gestützt: hier lesen

Sorry, selbst wenn man die Aufnahme nicht mag: - Hurwitz übertreibt wirklich maßlos (gerade, was den Sturmpart und den Livesound betrifft).

In den Previn höre ich bei Gelegenheit mal rein.

Herzliche Grüße!
Jörg
Zelenka (10.10.2007, 20:27):
Original von Nordolf

:hello

Meine Auffassung wird durch den Kritiker des RONDO-Magazins gestützt: hier lesen

Sorry, selbst wenn man die Aufnahme nicht mag: - Hurwitz übertreibt wirklich maßlos (gerade, was den Sturmpart und den Livesound betrifft).

In den Previn höre ich bei Gelegenheit mal rein.

Herzliche Grüße!
Jörg

Lieber Jörg:

In diesem Geschäft gibt es natürlich für fast jede negative Rezension auch ein positive ... Sei versichert, daß ich die Thielemann-Version ein wenig faszinierend finde (trotz aller Mißgeschicke, die da unterlaufen sind und über die man hinwegsehen sollte). Wie gesagt, ich habe die CD nicht zum Second-Hand-Geschäft getragen und habe das auch nicht vor im Moment. Ich schätze doch ab und zu Leute, die hart am Rande spielen oder spielen lassen. (Im Moment beschäftige ich mich ein wenig mit Berlioz' "Symphonie fantastique", auch Programmusik, und finde eine sehr opernhafte Version einfach faszinierend, die häufig verrissen worden ist und die mir vlelleicht noch kräftig um die Ohren geschlagen werden wird.)

Herzliche Grüße, Zelenka
Nordolf (18.01.2008, 18:39):
Ich lausche gerade diese Aufnahme der "Alpensinfonie":

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028946084427.jpg

Zu hören sind Vladimir Ashkenazy und das Cleveland Orchestra im Jahre 1989.

Ashkenazy hat einen zweifellos sehr modernen Zugriff. Die Clevelander spielen mit der ihnen nachgerühmten rassiermesserscharfen Präzision. Alles wird sehr gut durchhörbar gestaltet. Insbesondere der Sonnenaufgang ist ein Genuß in dieser Aufnahme.

Allerdings gibt es bei Ashkenazy sehr viel kalten Schnee auf der Zugspitze. D.h. einem gewissen kühlen nüchternen Klang kann diese Interpretation nicht verleugnen. Wenn der "Gipfel" und die "Vision" in einem solchen Eisglanz erstrahlen, fehlt einfach das Quentchen Intensität, um die volle Wucht dieser Parts auszuspielen. Hier vermisse ich einfach die Monumentalität, Wärme und Überschwenglichkeit, die Thielemann oder Karajan bei Strauss zum klingen bringen wollen.

Trotzdem höre ich Ashkenazy gerne. Da mir Thielemann und Karajan die ungeschminkte Breitseite Romantik geben, die ich suche, - schätze ich dann als Variante auch die andere Angangsart auf dieser CD. Als Erstanschaffung würde ich sie trotz des Preises aber nicht empfehlen (bzw. nur Hörern, die das genau so wollen und Strauss sowieso für "kitschverdächtig" halten).

Übrigens hat Ashkenazy dasselbe Werk später auch für Ondine mit der Tschechischen Philharmonie eingespielt.

Herzliche Grüße!
Jörg
Gerion (18.01.2008, 23:44):
Hallo zusammen,

mit der Alpensinfonie verbinde ich einen wundebaren Konzertabend in der Kölner Philharmonie. Das WDR-Sinfonieorchester brachte das Werk unter Semyon Bychkov zur Aufführung. Ich war ergriffen, so sehr sogar, dass ich noch am selben Abend eine Mail an das Orchester schrieb. Ein paar Tage später erhielt ich Antwort, meine Mail sei vom Dirigenten seinem Orchester vorgelesen worden und man freue sich sehr über die Reaktion. Eine nette Geste des Orchesters, finde ich.

Ich besitze neben der Thielemann-Aufnahme noch folgende Einspielung:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0743219277923.jpg
(Tonhalle Orchestra Zürich, D. Zinman)

Ohne den direkten Hörvergleich zu haben (CDs sind gerade nicht griffbereit), erinnere ich die Zinman-Aufnahme als recht neutrale, sauber gespielte, die mich aber irgendwie nicht mit der gleichen Intensität gepackt hat. Insbesondere habe ich einen positiveren Eindruck an die Blechbläser in der Thielemann-Aufnahme

Kennt vielleicht noch jemand Zinmans Einspielung?
Cetay (inaktiv) (19.01.2008, 08:01):
Original von HenningKolf
Das dürfte die von Teleton angesprochene Aufnahme sein...kaum noch, auch gebraucht nicht, zu bekommen, wie es scheint..........

http://ec1.images-amazon.com/images/I/413MHMSDG3L._SS500_.jpg

Gruss Henning

Die CD ist von Arkiv Musik wieder aufgelegt worden.
Eine fantastische Aufnahme! Das mit dem Himalaya trifft es ganz gut, aber trotz der "Größe" geht kein Detail verloren. Noch faszinierender finde ich, wie es Metha schafft, den riesigen Spannungsbogen über die gesamte Dauer zu halten und die formale Geschlossenheit unmittelbar zu transportieren.
HenningKolf (19.01.2008, 10:41):
Hallo Dox


ich habe gerade mal bei amazon nachgeschaut, mit diesem Cover gibt es dort jetzt im Zweitmarkt wieder welche, etwas billiger als bei Arkiv


http://ecx.images-amazon.com/images/I/417F4ET6YAL._AA240_.jpg


Dabei hatte ich gerade noch erklärt bis Ende März das Portemonais nicht mehr zu öffnen...obwohl: hattest du nicht mal gemeint, der der jemanden auf Kaufideen bringt müsse dann zahlen...dann könntest Du Dir die Bezahhlung mit teleton teilen :D :W


Gruß
Henning
Poztupimi (19.01.2008, 11:01):
Original von HenningKolf
Hallo Dox


ich habe gerade mal bei amazon nachgeschaut, mit diesem Cover gibt es dort jetzt im Zweitmarkt wieder welche, etwas billiger als bei Arkiv


http://ecx.images-amazon.com/images/I/417F4ET6YAL._AA240_.jpg


Dabei hatte ich gerade noch erklärt bis Ende März das Portemonais nicht mehr zu öffnen...obwohl: hattest du nicht mal gemeint, der der jemanden auf Kaufideen bringt müsse dann zahlen...dann könntest Du Dir die Bezahhlung mit teleton teilen :D :W


Gruß
Henning

Hallo Henning,

und wo bleibe ich dann mit meinen Kosten ?(

Ich finde allerdings das Matterhorn für eine Alpensinfonie angemessener:

http://www.arkivmusic.com/graphics/covers/non-muze/full/LON417717.jpg

Viele Grüße,
Wolfgang (der aber noch überlegt, ob er wirklich noch eine dritte Aufnahme braucht)
Cosima (19.01.2008, 11:36):
Original von Poztupimi
(der aber noch überlegt, ob er wirklich noch eine dritte Aufnahme braucht)

Ich denke, ich brauche auch keine dritte Aufnahme der Alpensymphonie. Ashkenazy und Järvi bieten IMO sehr gute Interpretationen dieses Werkes, das ich ohnehin nur gelegentlich hören mag. Der Thielemann ist wirklich sehr speziell – entweder man liebt die Aufnahme oder man findet sie ob ihrer vordergründigen Effekte (so empfand ich zumindest beim Hören) abstoßend. Ich hatte sie mal ausgeliehen und tendiere zu Letzterem.

Gruß, Cosima :hello
teleton (19.01.2008, 19:33):
Hallo Henning, Potztu..(Wolfgang), Dox, Jörg,

was Nordolf über die Ashkenazy-Aufnahme schreibt kann ich gut nachvollziehen.
Der TOP-Präzision des Cleveland Orchestra geht vielleicht hier und da etwas Monumentalität ab.
:) Diese wird er aber in meiner Lieblingsaufnahme mit Metha (Decca) auf jede Fall finden.
Ich besitze hier auch die von Wolfgang (Pozutumimi) abgebildete Decca-CD mit dem Matterhorn. Die solltest Du Dir als dritte Aufnahme kaufen ! Allerdings steht bei mir auf der CD oben Decca-OVATION (also nochmal eine andere Auflage).



In meinem Vorbeitrag von 2007 hatte ich noch eine sehr wichtige Aufnahme der Alpensinfonbie vergessen, die ich seit Mitte 2006 habe und ebenfalls zu den Besten gehört:
Rudolf Kempe, Staatskapelle Dresden, Aufnahme EMI (BRILLANT).

Diese Glanzaufnahme, die zwar nicht so "himalajaisiert" (neues Wort) wie Metha, aber durchweg einen gespannten Richard Strauß liefert und der Präzision eines Cleveland Orchestra in nichts nachsteht.
Zwar wird nicht ganz die hohe Klangqualität der Decca-Aufnahmen erreicht, aber Kempe und die Staatskapelle Dresden verstehen es den Hörer von Beginn an unter Spannung zu halten und die dramatischen Elemente in der Sinfonie eindrucksvoll umzusetzen.
:beer Wer diese Aufnahne hat wird kaum den Wunsch nach einer weiter Aufnahme haben.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2835604.jpg
Rudolf Kempe dirigiert Richard Strauss
Hornkonzerte Nr. 1 & 2;Oboenkonzert;Duett-Concertino;
Burleske f. Klavier & Orchester;Parergon für Klavier &
Orchester;Panathenäenzug für Klavier & Orchester;
Till Eulenspiegel;Don Juan;Ein Heldenleben;
Violinkonzert;Sinfonia Domestica;Also sprach Zarathustra;
Tod & Verklärung;Walzer aus Rosenkavalier;Tanz der 7 Schleier;Der Bürger als Edelmann-Suite;Walzer aus Schlagobers; Josephslegende;Metamorphosen ;Alpensymphonie; Aus Italien;
Macbeth; Don Quixotte; Couperin-Suite
Clement, Hölscher, Staatskapelle Dresden, Kempe
9 CDs Brillant, 1970-1976, ADD
:thanks für nur 19 - 20€ - da werden sich alle ärgern, die noch die EMI-Ausgabe gekauft hatten !

Es werden alle wichtigen Richard Strauss-Orchesterwerke geboten.
Ganz toll auch Don Quixote, Macbeth (ein Traum, ein Wahnsinn), Don Juan, Till Eulenspiegel.
Nordolf (05.10.2007, 19:44):
Hallo liebe "musikalische Bergsteiger"! :)

Richard Strauss (1864 - 1949) schwelgte mit Vorliebe in opulenten Orchesterfarben, naturalistischen Effekten und Großraumklängen der Superlative. Der Einsatz des modernen Orchesters wird dabei häufig bis an die Grenze des Machbaren getrieben. Zu dieser Kategorie zählt auch die "Alpensinfonie". Schon allein, wenn man hört, das die Bläserfraktion vierfach stärker als gewöhnlich besetzt ist, kann man erahnen, welch schallendes Getöse da auf einen zukommt. Neben vier Tenortuben dürfen auch eine Windmaschine und eine Donnermaschine nicht fehlen - von der Orgel ganz zu schweigen!
Strauss verwendet hier ein sehr dichtgewebtes Tongefüge, das teilweise moderne Clustertechniken vorwegnimmt.

Inspiriert wurde Strauss zu diesen Klängen durch drei Eindrücke: Einmal den Eindruck, den die oberbayrische Bergwelt nahe seines Wohnortes auf ihn machte - zum zweiten der Eindruck, den eine Bergwanderung bei ihm hinterliess, auf der er von Sturm und Gewitter überrascht wurde - und zum dritten der Eindruck der Berg- und Wanderermetaphern in der Philosopie Nietzsches, dem er ja schon mit der Tondichtung "Also sprach Zarathustra" seine Huldigung dargebracht hatte.

Wie es sich für eine Tondichtung gehört, hat die Alpensinfonie ein literarisches bzw. erzählerisches Programm. Am Anfang klingen die Bläser ganz tief und die Streicher sind kaum zu hören - die Nacht wird beschrieben. Plötzlich bricht in strahlender Helle der Morgen herein. Der Wanderer beginnt mit seinem Aufstieg zum Berg. Zuerst durchstreift er idyllische Landschaften - begleitet von ruhigen Streichermelodien und Herdengeläute. An einem Wasserfall hat er eine außergewöhnliche Begegnung - er beobachtet einen Naturgeist: eine Fee! Die Musik beschreibt eine wunderbare beseligende Märchenwelt.
Weiter geht es über Wiesen und die Alm hin zu den ersten risikoreicheren Gegenden. Im Gestrüpp verirrt sich unser Wanderer. Die Musik wird deutliche dramatischer. Schließlich gelangt er auf den Gletscher, was ihn in Lebensgefahr bringt. Nach einigen Augenblicken, in denen alles auf der Kippe steht, erreicht er endlich den Gipfel des Berges. Was Strauss hier an Bläser-, Streicher- und Paukenbombast aufbietet, scheint gerade gut genug, die grandiose Weite des Ausblicks von der Bergspitze zu beschreiben. Folgerichtig hat unser Wanderer dann hier eine Vision.
Jetzt beginnt der Abstieg, der Himmel verdüstert sich, ein Gewitter braut sich zusammen. Das Gewitter bricht los und jetzt erfährt man auch, was es mit der Windmaschine und der Donnermaschine auf sich hat. Laute Orgelakkorde wallen auf und ab. Die Sonne geht unter und es wird Nacht. Der Wanderer rettet sich durch den Regen in eine einsame Berghütte um zu schlafen. Dementsprechend ruhig klingt alles aus.

Natürlich wird es immer rigorose und mißmutige "Klangasketen" geben, die diese bunte Musik als zu effekthascherisch abtun werden. Ich finde sie meisterlich instrumentiert - Strauss wurde zu recht als "Klangzauberer" bezeichnet. Das ist einfach Musik, die Spaß macht! Das ist Musik, die man einfach laut aufdrehen sollte!

Ich besitze zwei Aufnahmen, die beide die schwelgerische Seite der Tondichtung betonen:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5189056.jpg http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3590869.jpg

Ich bin aber offen für Neues: über Kempe, Ashkenazy und besonders Ozwawa habe ich viel Positives gehört. Und gerade Ozawa/WPO (Philipps) ist momentan nicht erhältlich. :I :I :I

Herzliche Grüße!
Jörg
Cosima (05.10.2007, 22:23):
Voll wuchtiger Klangfülle, riesig in den Dimensionen – eigentlich nicht mein Fall. Trotzdem höre ich die Alpensinfonie hin und wieder richtig gern.

Ich besitze die Aufnahme des Scottish National Orch. unter Neeme Järvi (Chandos) und die Ashkenazy-CD mit dem Cleveland Orch. (Decca). Beide sind IMO sehr gut.

Überhaupt nicht gefiel mir Thielemann; zuviel oberflächliches Spektakel, nervige Effekte etc.

Gruß, Cosima
Zelenka (06.10.2007, 16:23):
Lieber Jörg:

Wieder einmal herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung!!! - In Abständen höre ich die Alpensinfonie recht gern. Zur großen Diskographie der Symphonie kann ich leider nicht viel beitragen, ich besitze nur drei Aufnahmen: den sehr intensiven, fast schwer erträglichen Thielemann, den insgesamt ordentlichen, aber kaum perfekten Kempe (EMI) und, eher überraschend und vielleicht eine Art goldener Mittelweg, Previn (VPO, Telarc).

Gruß, Zelenka
Poztupimi (07.10.2007, 17:02):
Hallo zusammen,

mir geht es so, daß ich ab und zu - aber eher selten - ganze gerne mal eine meiner beiden Aufnahmen spiele (LP: Solti, Symphonieorchester des BR; CD: Karajan, BPO - glcüklicherweise nicht aus der Serie mit den gruselig-kitschigen Gold-Covern, sondern die erste Ausgabe). Und daß ich dann darüber hinwegsehe, daß ich einiges zu bombastisch oder auch mal kitschig finde. Mir kommen dann eher eigene Eindrücke von Wandertouren in den Alpenn in den Sinn. Und über die wenig schmeichelnden BEmerkungen in meinen Konzertführern sehe ich dann auch mal hinweg.

Grüße,
Wolfgang
teleton (08.10.2007, 08:18):
Hallo Richard Strauss-Freunde,

die Alpensinfonie gibt es vielen guten Aufnahmen.
:) Die von Cosima genannte Ashkenazy-Aufnahmen (Decca) gehört eindeutig dazu und diese ehemalige Hochpreis-D ist zudem in der Elequence-Serie superpreiswert.

:) Solti (Decca) bietet einen Richard Strauss der Mitte, präzise und angemessen ohne Exzesse eine TOP-Aufnahme.

:) Noch höher schätze ich die Metha / Los Angeles PO(Decca) , der in der Kritik schon nachgesagt wurde: Metha verwechselt die Alpen mit dem Himalaja :D.
Ich finde es paßt für die Alpensinfonie. Metha bietet eine hochspannende Sicht, die an keiner Stelle langweilig wird - man fiebert dem Gipfel richtig entgegen und der stürmische Abstieg ist der weitere Wahnsinn.
Leider finde ich nirgendwo eine Abb dieser Aufnahme, die in der Decca-Ovation-Serie war und bei mir in einer Decca-5CD-Box mit R-Strauss-Dichtungen enthalten ist.
HenningKolf (08.10.2007, 08:46):
Das dürfte die von Teleton angesprochene Aufnahme sein...kaum noch, auch gebraucht nicht, zu bekommen, wie es scheint..........


http://ec1.images-amazon.com/images/I/413MHMSDG3L._SS500_.jpg



Gruss Henning
Nordolf (10.10.2007, 18:34):
Hallo Cosima und Zelenka!

Ich will noch einmal eine Lanze für die IMO wunderbare Thielemann-Aufnahme live mit dem WPO brechen.

Sie ist nun wirklich sehr differenziert aufgenommen. Die musikalischen Mittel, die Strauss hier zum Einsatz bringen wollte, werden deutlich sichtbar. Das Schillernde der Musik geht dabei aber nie verloren. Thielemann lädt den symbolischen Gehalt der Musik deutlich auf. Im Gegensatz zu Karajan nimmt er die Anweisungen von Strauss bezüglich des Fernorchesters und der Geräuschkulisse sehr ernst. Die Bläser der Wiener vermitteln Erhabenheit und eine sehr bedeutungsschwangere Atmosphäre.
Und einige Pauken- und Bläserstellen fahren mit einer Wucht in die Magengegend, das es nur so eine Freude ist. Aber das mag neben den deutlichen Geräuschen ein Grund sein, warum Cosima von "nervigen Effekten" spricht. Letztlich bleibt das Geschmackssache: ich mag orchestrale Musik gerne geradezu physisch spüren.

Wie immer gefällt mir bei Thielemann der romantisch-warme Angang und die Intensität. Ich vermag auch modernere Klangvorstellungen sehr zu schätzen, aber dieser Rückgriff auf Klangideale der 40/50/60ziger Jahre beeindruckt mich. Aufnahmetechnisch bleiben im übrigen keine Wünsche offen.

Meine Karajan-Aufnahme möchte ich aus anderen Gründen nicht missen - hier gefällt mir gerade die symphonische Kompaktheit, in die er das Werk deutlich hörbar bringen wollte. Thielemann geht es um anderes - schwelgen tun sie allerdings beide.

Ashkenazy wird meine nächste Vergleichsanschaffung.

Herzliche Grüße!
Jörg
Zelenka (10.10.2007, 18:51):
Lieber Jörg:

Ich kann Deine Begeisterung über Thielemanns Aufnahme einerseits verstehen. (Ich werde mein Exemplar auch nicht aus meiner Sammlung entfernen.) Die Intensität ist frappierend, stellenweise wird es für mich leider eben auch schon fast geschmacklos. Daß Cosima und ich nicht ganz allein mit unserer negativen Sicht stehen, wird in dieser Rezension einigermaßen deutlich ...

Gruß, Zelenka
Zelenka (10.10.2007, 18:53):
Original von Nordolf

Ashkenazy wird meine nächste Vergleichsanschaffung.

Herzliche Grüße!
Jörg

Lieber Jörg:

Ich würde es auch mal mit Previn (Telarc) versuchen ...

Herzliche Grüße, Zelenka
Nordolf (10.10.2007, 19:54):
Original von Zelenka
Daß Cosima und ich nicht ganz allein mit unserer negativen Sicht stehen, wird in dieser Rezension einigermaßen deutlich ...

Gruß, Zelenka

:hello

Meine Auffassung wird durch den Kritiker des RONDO-Magazins gestützt: hier lesen

Sorry, selbst wenn man die Aufnahme nicht mag: - Hurwitz übertreibt wirklich maßlos (gerade, was den Sturmpart und den Livesound betrifft).

In den Previn höre ich bei Gelegenheit mal rein.

Herzliche Grüße!
Jörg
Zelenka (10.10.2007, 20:27):
Original von Nordolf

:hello

Meine Auffassung wird durch den Kritiker des RONDO-Magazins gestützt: hier lesen

Sorry, selbst wenn man die Aufnahme nicht mag: - Hurwitz übertreibt wirklich maßlos (gerade, was den Sturmpart und den Livesound betrifft).

In den Previn höre ich bei Gelegenheit mal rein.

Herzliche Grüße!
Jörg

Lieber Jörg:

In diesem Geschäft gibt es natürlich für fast jede negative Rezension auch ein positive ... Sei versichert, daß ich die Thielemann-Version ein wenig faszinierend finde (trotz aller Mißgeschicke, die da unterlaufen sind und über die man hinwegsehen sollte). Wie gesagt, ich habe die CD nicht zum Second-Hand-Geschäft getragen und habe das auch nicht vor im Moment. Ich schätze doch ab und zu Leute, die hart am Rande spielen oder spielen lassen. (Im Moment beschäftige ich mich ein wenig mit Berlioz' "Symphonie fantastique", auch Programmusik, und finde eine sehr opernhafte Version einfach faszinierend, die häufig verrissen worden ist und die mir vlelleicht noch kräftig um die Ohren geschlagen werden wird.)

Herzliche Grüße, Zelenka
Nordolf (18.01.2008, 18:39):
Ich lausche gerade diese Aufnahme der "Alpensinfonie":

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0028946084427.jpg

Zu hören sind Vladimir Ashkenazy und das Cleveland Orchestra im Jahre 1989.

Ashkenazy hat einen zweifellos sehr modernen Zugriff. Die Clevelander spielen mit der ihnen nachgerühmten rassiermesserscharfen Präzision. Alles wird sehr gut durchhörbar gestaltet. Insbesondere der Sonnenaufgang ist ein Genuß in dieser Aufnahme.

Allerdings gibt es bei Ashkenazy sehr viel kalten Schnee auf der Zugspitze. D.h. einem gewissen kühlen nüchternen Klang kann diese Interpretation nicht verleugnen. Wenn der "Gipfel" und die "Vision" in einem solchen Eisglanz erstrahlen, fehlt einfach das Quentchen Intensität, um die volle Wucht dieser Parts auszuspielen. Hier vermisse ich einfach die Monumentalität, Wärme und Überschwenglichkeit, die Thielemann oder Karajan bei Strauss zum klingen bringen wollen.

Trotzdem höre ich Ashkenazy gerne. Da mir Thielemann und Karajan die ungeschminkte Breitseite Romantik geben, die ich suche, - schätze ich dann als Variante auch die andere Angangsart auf dieser CD. Als Erstanschaffung würde ich sie trotz des Preises aber nicht empfehlen (bzw. nur Hörern, die das genau so wollen und Strauss sowieso für "kitschverdächtig" halten).

Übrigens hat Ashkenazy dasselbe Werk später auch für Ondine mit der Tschechischen Philharmonie eingespielt.

Herzliche Grüße!
Jörg
Gerion (18.01.2008, 23:44):
Hallo zusammen,

mit der Alpensinfonie verbinde ich einen wundebaren Konzertabend in der Kölner Philharmonie. Das WDR-Sinfonieorchester brachte das Werk unter Semyon Bychkov zur Aufführung. Ich war ergriffen, so sehr sogar, dass ich noch am selben Abend eine Mail an das Orchester schrieb. Ein paar Tage später erhielt ich Antwort, meine Mail sei vom Dirigenten seinem Orchester vorgelesen worden und man freue sich sehr über die Reaktion. Eine nette Geste des Orchesters, finde ich.

Ich besitze neben der Thielemann-Aufnahme noch folgende Einspielung:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/0743219277923.jpg
(Tonhalle Orchestra Zürich, D. Zinman)

Ohne den direkten Hörvergleich zu haben (CDs sind gerade nicht griffbereit), erinnere ich die Zinman-Aufnahme als recht neutrale, sauber gespielte, die mich aber irgendwie nicht mit der gleichen Intensität gepackt hat. Insbesondere habe ich einen positiveren Eindruck an die Blechbläser in der Thielemann-Aufnahme

Kennt vielleicht noch jemand Zinmans Einspielung?
Cetay (inaktiv) (19.01.2008, 08:01):
Original von HenningKolf
Das dürfte die von Teleton angesprochene Aufnahme sein...kaum noch, auch gebraucht nicht, zu bekommen, wie es scheint..........

http://ec1.images-amazon.com/images/I/413MHMSDG3L._SS500_.jpg

Gruss Henning

Die CD ist von Arkiv Musik wieder aufgelegt worden.
Eine fantastische Aufnahme! Das mit dem Himalaya trifft es ganz gut, aber trotz der "Größe" geht kein Detail verloren. Noch faszinierender finde ich, wie es Metha schafft, den riesigen Spannungsbogen über die gesamte Dauer zu halten und die formale Geschlossenheit unmittelbar zu transportieren.
HenningKolf (19.01.2008, 10:41):
Hallo Dox


ich habe gerade mal bei amazon nachgeschaut, mit diesem Cover gibt es dort jetzt im Zweitmarkt wieder welche, etwas billiger als bei Arkiv


http://ecx.images-amazon.com/images/I/417F4ET6YAL._AA240_.jpg


Dabei hatte ich gerade noch erklärt bis Ende März das Portemonais nicht mehr zu öffnen...obwohl: hattest du nicht mal gemeint, der der jemanden auf Kaufideen bringt müsse dann zahlen...dann könntest Du Dir die Bezahhlung mit teleton teilen :D :W


Gruß
Henning
Poztupimi (19.01.2008, 11:01):
Original von HenningKolf
Hallo Dox


ich habe gerade mal bei amazon nachgeschaut, mit diesem Cover gibt es dort jetzt im Zweitmarkt wieder welche, etwas billiger als bei Arkiv


http://ecx.images-amazon.com/images/I/417F4ET6YAL._AA240_.jpg


Dabei hatte ich gerade noch erklärt bis Ende März das Portemonais nicht mehr zu öffnen...obwohl: hattest du nicht mal gemeint, der der jemanden auf Kaufideen bringt müsse dann zahlen...dann könntest Du Dir die Bezahhlung mit teleton teilen :D :W


Gruß
Henning

Hallo Henning,

und wo bleibe ich dann mit meinen Kosten ?(

Ich finde allerdings das Matterhorn für eine Alpensinfonie angemessener:

http://www.arkivmusic.com/graphics/covers/non-muze/full/LON417717.jpg

Viele Grüße,
Wolfgang (der aber noch überlegt, ob er wirklich noch eine dritte Aufnahme braucht)
Cosima (19.01.2008, 11:36):
Original von Poztupimi
(der aber noch überlegt, ob er wirklich noch eine dritte Aufnahme braucht)

Ich denke, ich brauche auch keine dritte Aufnahme der Alpensymphonie. Ashkenazy und Järvi bieten IMO sehr gute Interpretationen dieses Werkes, das ich ohnehin nur gelegentlich hören mag. Der Thielemann ist wirklich sehr speziell – entweder man liebt die Aufnahme oder man findet sie ob ihrer vordergründigen Effekte (so empfand ich zumindest beim Hören) abstoßend. Ich hatte sie mal ausgeliehen und tendiere zu Letzterem.

Gruß, Cosima :hello
teleton (19.01.2008, 19:33):
Hallo Henning, Potztu..(Wolfgang), Dox, Jörg,

was Nordolf über die Ashkenazy-Aufnahme schreibt kann ich gut nachvollziehen.
Der TOP-Präzision des Cleveland Orchestra geht vielleicht hier und da etwas Monumentalität ab.
:) Diese wird er aber in meiner Lieblingsaufnahme mit Metha (Decca) auf jede Fall finden.
Ich besitze hier auch die von Wolfgang (Pozutumimi) abgebildete Decca-CD mit dem Matterhorn. Die solltest Du Dir als dritte Aufnahme kaufen ! Allerdings steht bei mir auf der CD oben Decca-OVATION (also nochmal eine andere Auflage).



In meinem Vorbeitrag von 2007 hatte ich noch eine sehr wichtige Aufnahme der Alpensinfonbie vergessen, die ich seit Mitte 2006 habe und ebenfalls zu den Besten gehört:
Rudolf Kempe, Staatskapelle Dresden, Aufnahme EMI (BRILLANT).

Diese Glanzaufnahme, die zwar nicht so "himalajaisiert" (neues Wort) wie Metha, aber durchweg einen gespannten Richard Strauß liefert und der Präzision eines Cleveland Orchestra in nichts nachsteht.
Zwar wird nicht ganz die hohe Klangqualität der Decca-Aufnahmen erreicht, aber Kempe und die Staatskapelle Dresden verstehen es den Hörer von Beginn an unter Spannung zu halten und die dramatischen Elemente in der Sinfonie eindrucksvoll umzusetzen.
:beer Wer diese Aufnahne hat wird kaum den Wunsch nach einer weiter Aufnahme haben.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2835604.jpg
Rudolf Kempe dirigiert Richard Strauss
Hornkonzerte Nr. 1 & 2;Oboenkonzert;Duett-Concertino;
Burleske f. Klavier & Orchester;Parergon für Klavier &
Orchester;Panathenäenzug für Klavier & Orchester;
Till Eulenspiegel;Don Juan;Ein Heldenleben;
Violinkonzert;Sinfonia Domestica;Also sprach Zarathustra;
Tod & Verklärung;Walzer aus Rosenkavalier;Tanz der 7 Schleier;Der Bürger als Edelmann-Suite;Walzer aus Schlagobers; Josephslegende;Metamorphosen ;Alpensymphonie; Aus Italien;
Macbeth; Don Quixotte; Couperin-Suite
Clement, Hölscher, Staatskapelle Dresden, Kempe
9 CDs Brillant, 1970-1976, ADD
:thanks für nur 19 - 20€ - da werden sich alle ärgern, die noch die EMI-Ausgabe gekauft hatten !

Es werden alle wichtigen Richard Strauss-Orchesterwerke geboten.
Ganz toll auch Don Quixote, Macbeth (ein Traum, ein Wahnsinn), Don Juan, Till Eulenspiegel.
Nordolf (20.09.2011, 17:26):
Ich habe mir diesen Monat drei neue Alpenmassive in meiner Sammlung gegönnt. Diese werden von den folgenden Bergsteigern erklommen:


http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0089408021121.jpg

Andre Previn / Wiener Philharmoniker 1989

Previns Aufnahme ist sehr klangschön und transparent gehalten. Die Wiener Streicher spielen mit lichtem, vollem Ton: - hier wird Klangluxus pur geboten. Einige Pauken- und Beckenschläge fahren ordentlich in die Magengrube (exemplarisch der Beginn des "Eintritts in den Wald"). Das Blech wirkt ebenfalls sehr räumlich und rund aufgenommen. Mir fehlt hier aber manchmal das letzte Quintchen Dramatik und Rauhheit, welches ich dann bei Järvi und Mehta finde. Das heißt aber nicht, das die Bläser lasch klingen würden: - an einigen Stellen sind sie deutlich wie kaum sonst zu hören. Nach meinem Empfinden wird die Intensität jedoch stellenweise ein wenig der Klangschönheit geopfert, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Gipfel und Vision sind trotz allem sehr majestätisch und ergreifend gestaltet. Der "Sturm" tobt mit mächtigem Paukengedonnere dahin.
Diese Aufnahme würde ich durchaus als Erstanschaffung empfehlen, da Previn einen guten Mittelweg zwischen Romantik und Durchhörbarkeit wählt und damit verschiedensten Ansprüchen gerecht wird. Previns Ruf als "Weichei und Höhepunkt-Verweigerer" rührt wohl vor allem von seiner unerfreulichen Aufnahme der 2. Symphonie Rachmaninovs her, wird hier aber nicht bestätigt.


http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0095115119921.jpg

Neeme Järvi / Scottish National Orchestra 1987

"With the brass section right in your face" – Jed Distler von classicstoday.com beschreibt damit treffend das offensichtliche Anliegen von Neeme Järvi und seinem schottischen Orchester. Hier stehen eindeutig die Blechbläser im Vordergrund. Die Streicher erkennen deren Dominanz ganz klar an und ordnen sich ihnen willig unter. Die ganze Dynamik wird über weite Strecken also von einem rauh gefärbten Blech getragen, was einen gewissen "Heavy Metal"-Effekt zur Folge hat. Klangtechnisch ist diese Aufnahme allerdings der Previns deutlich unterlegen, aber immer noch gut.
Eine dramatische, vorwärts treibende Spannung ist ein Markenzeichen von Neeme Jaärvi und prägt auch diese schottische "Braveheart"-Interpretation. Nicht das Detail zählt, sondern ein kompakter Nach-Vorne-Drall und die Gesamtentwicklung des Werks. Dieser Ansatz wird nun von einigen als die Innnenspannung des Werks haltende "Adrenalin-Spritze" empfunden, von anderen als "Klangsoße". Ich gehöre eindeutig zu ersteren und würde das treibende Geschehen als Spitzeninterpretation bezeichnen.


http://ecx.images-amazon.com/images/I/417F4ET6YAL._SL500_AA300_.jpg

Zubin Mehta / Los Angeles Philharmonic Orchestra 1976

Apropos "Braveheart" – die Kinoleinwand wird von Zubin Mehta in Los Angeles noch breiter aufgespannt. Seine "Alpensinfonie" kann nur als "Breitwand-Interpretation" bezeichnet werden. Hier sind Streicher und Bläser in einem wunderbaren, fast perfekten Einklang, den keine der beiden vorherigen Interpretationen erreicht: - auch wenn die Streicher nicht ganz so leuchtend wie in Wien und die Bläser nicht ganz so rauh wie im schottischen Hochland tönen. Die Streicher werden von der Aufnahmetechnik sehr plastisch, raumfüllend abgebildet. Die Blechbläser klingen durchdringend und sonor. Der Sonnenaufgang geschieht in himmlichen Höhen: - die ganze Musik zieht in einer großen Geste nach oben. Ein gewisses Filmmusik-Flar stellt sich ein. Der Klang vermittelt Größe, Weite und Wärme.
Diese cineastischen Gesten bleiben auch im weiteren bestimmend. Die Musik wird von einem stetigen Funkeln und Blitzen eingehüllt – man wähnt sich wirklich in einem Fantasy-Film. Und dann der Gipfel – wie ich es nach dem vorherigen Geschehen gehofft hatte: Mehta zieht die Alpenspitzen noch einige Kilometer weiter über die Wolken als andere Interpreten. Einfach nur grandios!
Der einzige Wermutstropfen könnten die statt der Windmaschine eingesetzten Syntheziser im "Sturm" sein. Aber das mag nur Puristen stören. Für eingefleischte Spätromantiker kann ich eine eindeutige Kaufempfehlung aussprechen.

Und nun? Bislang besitze ich Aufnahmen der Alpensinfonie mit Thielemann, Karajan, Ashkenazy, Previn, N. Järvi und Mehta. Ich hätte durchaus noch Lust auf 2-3 weitere Einspielungen. Der vielgelobte Kempe mit der Staatskapelle Dresden scheint ja geradezu ein Pflichtkauf zu sein. Antoni Wit bei NAXOS, den ich als hervorragenden Szymanowski- und Penderecki-Interpreten schätze, würde mich ebenfalls interessieren. Gibt es noch eine Aufnahme, die man unbedingt haben sollte?

Herzliche Grüße!
Jörg
Armin70 (20.09.2011, 18:11):
Hallo Jörg,

bei meinem letzten Beutezug war u. a. auch diese Aufnahme dabei:

bzw. jetzt mit diesem Cover:


Die Aufnahme ist von 1996 aber ich habe sie mir bis jetzt noch nicht angehört, so dass ich noch nichts über sie sagen kann, denn der Stapel der noch nicht gehörten CD`s hat bei mir auch schon fast alpine Dimensionen erreicht. Werde dies aber "asap" nachholen und meine Eindrücke dann hier schildern. Ich wage aber schon mal die Prognose, dass die Kombination "Richard Strauss - Wiener Philharmoniker" eine sichere Bank ist und Ozawas Bostoner Strauss-Aufnahmen gefallen mir auch ganz gut, so dass diese Aufnahme sicherlich kein Fehlkauf zu sein scheint aber mal gucken bzw. mal hören.

Armin
Nordolf (20.09.2011, 19:14):
Original von Armin70
Die Aufnahme ist von 1996 aber ich habe sie mir bis jetzt noch nicht angehört, so dass ich noch nichts über sie sagen kann, denn der Stapel der noch nicht gehörten CD`s hat bei mir auch schon fast alpine Dimensionen erreicht. Werde dies aber "asap" nachholen und meine Eindrücke dann hier schildern. Ich wage aber schon mal die Prognose, dass die Kombination "Richard Strauss - Wiener Philharmoniker" eine sichere Bank ist und Ozawas Bostoner Strauss-Aufnahmen gefallen mir auch ganz gut, so dass diese Aufnahme sicherlich kein Fehlkauf zu sein scheint aber mal gucken bzw. mal hören.

Armin

Hallo Armin!

Da bin ich sehr gespannt. Über die Ozawa-Aufnahme habe ich viel Positives gelesen: - insbesondere das blitzende Blech und die Dramatik wurden gelobt. Andererseits soll sie unter einem etwas dünnen "Guckkasten"-Klang leiden.

Es gibt noch eine Alpensinfonie-CD mit David Zinman und dem Tonhalle Orchester bei Arte Nova, die gute Kritiken erhalten hat. Vielleicht kennt sie jemand und kann etwas dazu schreiben?

Herzliche Grüße!
Jörg
Nordolf (21.09.2011, 01:33):
Original von Nordolf
Es gibt noch eine Alpensinfonie-CD mit David Zinman und dem Tonhalle Orchester bei Arte Nova, die gute Kritiken erhalten hat. Vielleicht kennt sie jemand und kann etwas dazu schreiben?


Sorry - ich habe gerade festgestellt, das Gerion oben schon etwas zu dieser Aufnahme geschrieben hatte.
jünter (11.06.2012, 12:17):
Ich bin zwar nicht in Sachen R. Strauss, wohl aber hinsichtlich der Alpensinfonie blutiger Anfänger: Habe mir heute morgen als Einstieg die Previn/WPO-CD (Telarc) bestellt.

Es gibt neben den vielen anderen 2 Aufnahmen von Bernard Haitink, die von der Kritik (fast) einhellig gelobt, aber hier noch nicht erwähnt wurden:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/8718247710546.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0822231168928.jpg


Was sagen die hier versammelten Kenner der Materie zu Strauss/Haitink?
Tangua (18.02.2014, 10:09):
Ich bin gerade dabei, dieses Werk zu einem meiner Sammelobjekte zu machen...

Bisher besitze ich die Aufnahmen von Karajan, Ashkenazy und Zinman. Es werden von den hier besprochen sicher in nächster Zeit einige folgen, vor allem Previn/WPO, Mehta und Wit, vielleicht auch Haitink, Sinopoli und Solti.

Sehr interessiert wäre ich auch an Ozawa, über den ich jetzt schon einige positive Andeutungen, aber noch nie eine ausführliche Beschreibung gelesen habe. Angesichts des Preises, zu dem diese nicht mehr erhältliche Aufnahme gehandelt wird, wäre ich an mehr Information interessiert. Vielleicht kann ich hiermit ja doch Armin motivieren, etwas zu schreiben...

Und: Kennt vielleicht jemand die Blomstedt-Aufnahme mit dem San Francisco PO?
Cantus Arcticus (21.02.2014, 10:16):
Diese Aufnahme ist aus meiner Sicht ebenfalls eine Erwähnung wert:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51nViPpaf1L.jpg

Wunderbar transparente Aufnahme, welche den Franzosen hier unter Leitung des Schweizers Philippe Jordan gelungen ist.

Gruss :hello
Stefan
Nordolf (26.05.2015, 22:31):
Hallo!

Die Alpen wurden in den vergangenen Wochen von mir im Zeichen des von Strauss interpretierten Nietzscheanischen Übermenschen sehr oft erklommen. Denn dieser deutsche Philosoph war für Strauss ein wichtiger Inspirator seiner eigenen Weltsicht. Die „Alpensinfonie“ hat zwar auch die Dimension einer tönenden Bergwanderung, aber der Komponist will letztlich die Gedanken Nietzsches aufgreifen. Hierzu muss man sagen, das Nietzsches philosophische Bergmetaphern und seine Idee des Übermenschen weder auf irgendein Superheldentum noch auf eine biologische Rassenzüchtung abzielen. Es geht weder um die einzigartigen Leistungen eines Bergsteigers noch um die Schaffung einer reinen Rasse. Der Übermensch ist bei Nietzsche ohnehin kein hervorragendes Individuum, sondern eher ein Ideal bzw. eine Art zu leben, also eine bestimmte Handlung: - der Willen zum über-sich-hinaus, zum Erschaffen neuer Werte, des „Strebe-immer-nach-mehr“, der Mensch als Schöpfer seiner eigenen Welt. Das ist die philosophische Ebene der „Alpensinfonie“.

https://www.jpc.de/image/w350/front/0/5099943178025.jpg

Richard Strauss:

Eine Alpensinfonie

Rudolf Kempe / Staatskapelle Dresden 1971

Rudolf Kempe interpretiert die Musik mit der Staatskapelle Dresden unglaublich intensiv. Kempe legt Wert auf die Dramatik der Musik und treibt das musikalische Programm rasch voran. Dabei bringt er das Orchester zum schwitzen. Die Details bleiben hörbar erhalten, werden aber in eine rasante Bewegung versetzt. Dies scheint mir ganz in der Tradition des frühen Fricsay oder Solti zu stehen. Die Verantwortlichen des neuen Warner-Remasterings zum 150. Geburtstag von Richard Strauss vollbringen hier eine wahre Wundertat, so dass sich der Klang dieser Ausgabe nicht mehr mit den alten Veröffentlichungen bei EMI oder Brilliant vergleichen lässt. Wer Kempes Strauss-Ansatz schätzt und nur die alten Ausgaben besitzt, sollte unbedingt noch einmal in den Geldbeutel greifen. Es lohnt sich! So direkt am Ohr, so klar durchhörbar und mit einem so massiven Frequenzvolumen sind die Interpretationen Kempes noch nie erklungen.

Herzliche Grüße!
Nordolf
Cetay (inaktiv) (01.02.2021, 13:34):
Sinfonische Dichtungen gehören zu den von mir sorgfältig gemiedenen Gattungen. Eine Ausnahme ist die Alpensinfonie, die sich beharrlich immer wieder einen Weg in meine Gehörgänge verschafft.
Ich habe dieses Werk immer als 'vollwertige' Sinfonie wahrgenommen und mich nicht um Satzbezeichnungen gekümmert und ob das treffend in musikalische Bilder umgesetzt wurde. Die formvollendete zyklische Anlage mit wiederkehrenden und verwandelten Motiven kann für sich selbst bestehen. Da das Werk als vermeintliches Blendwerk viel Kritik einstecken muss, dachte ich, mit diesem Zugang alleine zu sein, bis ich unerwartete Fürsprache fand:


Helmut Lachenmann; Ausklang / Richard Strauss; Eine Alpensinfonie op. 64
Ensemble Modern Orchestra, Markus Stenz

Eine recht seltsam erscheinende Werkkopplung. Strauss' plakative, direkte Naturmalerei, kulinarische Filmmusik ohne Film und Lachenmanns Musique concrète instrumentale - wie geht das zusammen? Der Komponist selbst hat sich das zum 70. Geburtstag gewünscht. Er sieht die Alpensinfonie ganz anders: "Und wir starren herablassend auf das Programm und übergehen die Intensität dieser Musik als Struktur, vor deren Reichtum unsere zeitgenössischen Klangfarbeningenieure alt aussehen."

Und so wurde es dann beim Geburtstagskonzert auch umgesetzt: "Stenz geht die Musik nicht von den durch die Überschriften der Abschnitte vermeintlich vorgegebenen Naturbildern wie „Am Wasserfall“, „Sonnenaufgang“, „Auf dem Gipfel“ an, sondern legt offen, wie logisch und stringent die Musik sich im thematischen Material entwickelt. Indem er die „Alpensinfonie“ als Sinfonie ernst nimmt, erreicht er erst die Wirkung, die Strauss wohl mit den genannten Überschriften gemeint hat. Die emotionale Wirkung ergibt sich logisch aus der musikalischen Entwicklung. Stenz braucht den Orchesterklang nicht künstlich aufzuplustern, um die volle Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft zu erreichen." (omm.de).
Die lezten beiden Sätze kann man exakt so auf den Mahler-Zyklus aus Sofia anwenden, wenn man den Namen Stenz durch Tabakov ersetzt. Wenn der doch nur die Alpensinfonie eingespielt hätte... Er hat! Leicht zu finden war das nicht. Es gibt zwar Sampler, auf denen Ausschnitte drauf sind, aber um die Komplettaufnahme als Treffer zu erhalten, musste ich beim Stromanbieter "Alpine Symphony" und "Sofia" eingeben.
Die Suche hat sich gelohnt. Emil Tabokov liefert wie erwartet - und das Sofia PO kämpft so gut es eben kann. Anno '85 hatte man in Bulgarien andere Sorgen, als ein Spitzenorchester anständig zu unterhalten. Im vorliegenden Fall wird die rauhe, wenig detailverliebte Gangart freilich zum Positivum. Es ist es wohltuend, das Alpengemälde nicht als philharmonisches Hochglanzspektakel für Kulinariker serviert zu bekommen. Man kann sich ganz in den sich unter Tabakov organisch aus sich selbst heraus entwickelnden, unwiderstehlichen Fluss begeben. Und in dieser Disziplin macht dem Dirigenten niemand etwas vor. (Ein besonders beeindruckendes Beweisstück ist der Schlusssatz aus Mahler 3.) Obwohl das mit 57:30 eine der langsamsten Gipfelüberquerungen am Markt ist, sind Längen Fehlanzeige, lässt die Spannung nie nach. Ein fettes Like von mir.
uhlmann (08.02.2021, 19:51):
Hallo Cetay,

auf deinen Bericht hin habe mir die Tabakov Alpensinfonie gleich mal (für einen Euro bei Amazon als DL) geholt. Kann alles bestätigen, was du geschrieben hast. „Natürlicher Fluss der Musik“ ist mir sofort in den Sinn gekommen – erst dann habe ich genauer gelesen, dass du das auch schon angemerkt hast.
Der schroffe Orchesterklang (v.a. das spitze Blech) verbunden mit der etwas „dünnen“ Aufnahmetechnik erinnern mich an Melodiya Aufnahmen mit russischen Orchestern aus den 70er und 80er Jahren. Ich mag diese „kantigen“ Aufnahmen eigentlich recht gerne – so auch hier. Danke für den Tipp.

BTW: Ich habe in den letzten Monaten einige Symphonien Tabakovs gehört. Auf YT gibt es diverse davon in Aufnahmen mit Tabakov als Dirigent. Sind interessante Stücke dabei – erinnern mich entfernt an Kantscheli. Kannst mal checken.

LG, Uhlmann