Die GITARRE - mit und ohne Orchester

Rolf Scheiwiller (22.04.2006, 08:37):
Guten Morgen zusammen.

Ein Instrument, das ich schon seit jeher liebe, das ist die Gitarre.

Man meint fast unter südlicher Sonne zu sitzen , wenn die herrlichen Kantilenen dieses manchmal auch unterschätzten Instrumentes ertönen !

Der Venezier Antonio Vivaldi schuf einige seiner viele Konzerte eben für dieses Instrument. Manchmal werden sie auch mit der Laute gegeben.

Oder Mauro Giuliani mit seinen herrlichen Werken für Gitarre und Orchester.


Während der Zeit der Wiener Klassiker trat die Gitarre in den Hintergrund. Doch Mozart hat sie in seiner " Entführung " und im " Don Giovanni " an berühmten Stellen sehr prominent eingesetzt.

Besonders die Spanier haben natürlich zu diesem Instrument eine ganz besondere Beziehung. Deshalb entstanden auch so unvergessliche Stücke. Denken wir an eins der berühmtesten für Gitarre solo. Tarregas " Recuerdos de la Alhambra ". Ein Ohrwurm par exellence !


Auch viele seiner andern Schöpfungen sind heute noch immer wieder zu hören.

Oder Fernando Sor. Ein besonders bedeutender Komponist aus Spanien.

Natürlich gab es auch im letzten Jahrhundert manche Kompositionen für die Gitarre. Den Welthit schuf der von Geburt an blinde J. Rodrigo. Mit seinem Welterfolg für Gitarre und Orchester " Concierto de Aranjuez".

Tausende mal eingesetzt bei allen möglichen und unmöglichen Anlässen. Wie
es auch noch einigen andern Welthits ergeht. ( Carmina Burana und Co. ). Die vielen andern Werke Rodrigos errangen nicht annähernd den Erfolg des " Concierto ".


Der grösste Virtuose auf der Gitarre war Andres Segovia. Er hat das grosse Verdienst ,dieses Instrument auf den Podien der Welt heimisch gemacht zu haben. Sein Leben lang reiste er um die Welt, und wurde um seines genialen Könnens bejubelt. Er schuf auch eigene Kompositionen, die er natürlich auch zu Gehör brachte.

Nachfoger hat er manche bedeutende gefunden. Narciso Yepes, John Williams, Julian Bream und andere.

Auch die Plattenindustrie hat immer gerne dieses Instrument berücksichtigt.
Denn die Gitarre lässt sich ausserordentlich gut aufnehmen. Man glaubt wirklich, der Spieler sitze vor einem ! Und die Griffgeräusche, alles hört man !


Eigenartigerweise habe ich noch nie Frauen mit diesem Instrument auf dem Podium gesehen. Und auch nicht auf Tonträger gehört. Keine Ahnung warum.

Und Ihr, die Mitglieder hier im Forum ?

Gefallen Euch Kompositionen für Gitarre solo, oder mit Orchester ? Oder beides ?

Gruss.

Rolf.
Rachmaninov (22.04.2006, 10:42):
Hallo,

ja die Gitarre, ein tolles und sehr universelles Instrument. Und zugleich in ALLEN Musikrichtungen vertreten. Aber nur zur Klassik :D

Zunächst zu Deiner Frage bzgl. weiblicher Gitarristinen:
Es gibt sie. z.B. Sharon Isbin.

Von ihr besitzt ich eine Aufnahme mit Rodrigo's Concierto de Aranjuez. Ebenfalls auf der CD Villa-Lobos "Concerto for guitar" und Ponce "Concierto del Sur"



Bei Rodirgo ist in IMO noch unbedingt das ebenfalls sehr schöne "Concierto Madrigal" zu nennen oder das "Concierto para una fiesta". Mit beiden Werken gibt es aus der spanish classics Reihe von Naxos eine Aufnahme.

Die von Rolf angesprochenen Werke von Vivaldi nicht zu vergessen. Sehr zufrieden bin ich mit einer erst kürzlich erworbenen Aufnahme mit Einspielungen durch die "Los Romeros" mit der Academy of St. Martins in the Fields. Wobei es sich teilweise Konzerte auf Basis von Violinenkonzerten bzw. Mandolin Konzerte handelt. Wunderbare Musik!!!!



später noch mehr :hello
Cosima (22.04.2006, 10:42):
Original von Rolf Scheiwiller
Gefallen Euch Kompositionen für Gitarre solo, oder mit Orchester ? Oder beides ?

Lieber Rolf,

vielleicht sollte ich lieber schweigen, aber man muss ja auch zu seinen Abneigungen stehen. Zu Deiner Frage: Nein, überhaupt nicht, ich kann das nicht hören! Ich kenne von Yepes dieses berühmt-berüchtigte Concierto de Aranjuez, dann besitze ich noch einen ominösen Sampler mit Gitarrenmusik von Albéniz bis Villa-Lobos und eine Aufnahme mit Gitarrenquintetten von Boccherini. Auf alle drei CDs könnte ich gerne verzichten und würde es auch, wenn sie sich noch verkaufen ließen.

Ehrlich, mit Gitarrenmusik kannst Du mich jagen. X(

Viele Grüße, Cosima
Cosima (22.04.2006, 11:02):
Original von Rolf Scheiwiller
Aber verschenk sie doch irgendwann und irgendwem.


PS. Die Prokofiev Konzerte sind wunderbar. Nur das für die linke Hand gefällt mir am wenigsten.


Die Idee mit dem Verschenken hatte ich auch gerade. :D Es freut mich, dass Dir der Prokofjew gefällt. Die Krainev-Aufnahme habe ich mir auch vorgemerkt.

Gruß, Cosima
satie (22.04.2006, 11:28):
Die Gitarre ist ein Instrument, welches ich sehr gerne mag. Sie hat weit mehr Farben als man ihr für gewöhnlich zutrauen würde.
Allerdings habe ich eine Abneigung dagegen, die Gitarre immer mit diesem spanischen Kolorit in Verbindung zu bringen.
Ich persönlich habe die zeitgenössischen Werke für Gitarre sehr gern, ansonsten schätze ich die älteren Instrumente wie die Laute oder die Vihuela mehr.
Mime (22.04.2006, 12:42):
Hallo Cosima,

mit deinem Gitarrenbeitrag sprichst du mir aus der Seele.Ich kann das Geklampfe auch nicht hören,sofern es sich um die sog.klassische Konzertgitarre handelt.Da krieg ich Frostbeulen und die Fußnägel krümmen sich,sobald die ersten Töne mein Ohr erreichen.
Anders dagegen,wenn z.B.Brian May von der Gruppe QUEEN in die Saiten steigt.Sein Solo in dem Stück "Brighton Rock" ist sensationell.
Doch das gehört woanders hin und nicht ins Klassik-Forum.

Andersdenkende mögen mich verdreschen,als Nibelungenzwerg bin ich da einiges gewohnt!
Zelenka (22.04.2006, 12:45):
Ich möchte auch meine Wertschätzung der Gitarre zu Protokoll geben, anderswo habe ich mich ja auch schon als Liebhaber des "berühmt-berüchtigen" Concierto de Aranjuez geoutet. Und um Spanien ist kaum herumzukommen, wenn man von der Gitarre spricht, Sor, Tarrega und Segovia sei Dank. (Die Gitarristen haben sich auch eine Menge spanischer Klavierliteratur (Albéniz etc.) im wahrsten Sinne des Wortes unter die Nägel gerissen.) Und Giuliani, den Rolf erwähnt und den man mit höchstem Vergnügen hören kann, war zu Zeiten der Wiener Klassik just in dieser Stadt. (Offenbar hat er bei der Premiere der 7. von Beethoven Cello gespielt.) Ein modernes Gitarrenkonzert, das unbedingt empfehlenswert ist, ist das von Malcolm Arnold, das es wohl noch immer z.B. in einer guten Aufnahme mit Eduardo Fernández bei Decca gibt.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (22.04.2006, 12:54):
Hallo,

sehr interessant aber sicherlich auch eine Geschmacksfrage sind die Werke von Paganini für Gitarre und Violine.
Paganini war ja nicht nur ein Virtuouse auf der Violine sondern ebenfalls mit der Gitarre erreichte er wohl eine "Meisterschaft".

Es gibt eine Aufnahme mit Söllscher / Shaham "Paganini for two (DG)", die ich sogar einmal gehört habe. Ein sehr gutes Paar. Shaham technisch sehr versiert mit feinem Geigenton. Für Freunde der Gitarre und Violine, die sich auch mit Paganini's irrwitzigen Kompositionen anfreunden können sicherlich ein Genuss.
Zelenka (22.04.2006, 12:59):
Un dann gibt es auch noch "Piazzolla for two" (Söllscher und Patrick Gallois/Querflöte):

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GWU.01.LZZZZZZZ.jpg

Durchaus hörenswert!

Gruß,

Zelenka
martin (24.04.2006, 21:52):
Original von Zelenka
Ein modernes Gitarrenkonzert, das unbedingt empfehlenswert ist, ist das von Malcolm Arnold, das es wohl noch immer z.B. in einer guten Aufnahme mit Eduardo Fernández bei Decca gibt.



Das kenne ich auch. Sehr schön. Habe es auch in dieser Aufnahme. Das war ganz billig. Drei Euro. Britisch Music collection von Decca. Bei dem Versand mit den drei Buchstaben. Gab auch einiges andere interessante aus der Reihe, z.B. Lambert.

Gruß Martin
Rachmaninov (06.01.2007, 13:03):
Mir ist gerade aufgefallen, daß hier zwei Konzerte noch gar nicht genannt wurden.

Concerto para und fiesta und Concierto Madrigal von Joaquin Rodrigo.

Beide Konzerte sind dem Freund der spanischen Gitarre zu empfehlen.

Eine Aufnahme zu "kennenlernen" stellt für mich diese recht gelungene Naxos Aufnahme dar :engel

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7131965.jpg
Jürgen (08.01.2007, 10:30):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5339448.jpg

Der Tanz des Müllers ist m.E. schon was ganz Herausragendes.

Und Paco de Lucia gefällt mir auch in dieser Interpretation.


Grüße
Jürgen
Rachmaninov (08.01.2007, 11:27):
Original von Jürgen

Und Paco de Lucia gefällt mir auch in dieser Interpretation.

Grüße
Jürgen

Paco de Lucia ist ein toller Interpret!
Rolf Scheiwiller (22.04.2006, 10:56):
Original von Cosima
Original von Rolf Scheiwiller
Gefallen Euch Kompositionen für Gitarre solo, oder mit Orchester ? Oder beides ?

Lieber Rolf,

vielleicht sollte ich lieber schweigen, aber man muss ja auch zu seinen Abneigungen stehen. Zu Deiner Frage: Nein, überhaupt nicht, ich kann das nicht hören! Ich kenne von Yepes dieses berühmt-berüchtigte Concierto de Aranjuez, dann besitze ich noch einen ominösen Sampler mit Gitarrenmusik von Albéniz bis Villa-Lobos und eine Aufnahme mit Gitarrenquintetten von Boccherini. Auf alle drei CDs könnte ich gerne verzichten und würde es auch, wenn sie sich noch verkaufen ließen.

Ehrlich, mit Gitarrenmusik kannst Du mich jagen. X(

Viele Grüße, Cosima

Liebe Cosima.
Danke für Deine ehrliche Meinung. Ich kann Dir die CD nicht abkaufen, da ich gut versorgt bin.

Aber verschenk sie doch irgendwann und irgendwem.


PS. Die Prokofiev Konzerte sind wunderbar. Nur das für die linke Hand gefällt mir am wenigsten.

:hello

Gruss.
Rolf.
Cosima (22.04.2006, 11:02):
Original von Rolf Scheiwiller
Aber verschenk sie doch irgendwann und irgendwem.


PS. Die Prokofiev Konzerte sind wunderbar. Nur das für die linke Hand gefällt mir am wenigsten.


Die Idee mit dem Verschenken hatte ich auch gerade. :D Es freut mich, dass Dir der Prokofjew gefällt. Die Krainev-Aufnahme habe ich mir auch vorgemerkt.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (06.01.2007, 13:03):
Mir ist gerade aufgefallen, daß hier zwei Konzerte noch gar nicht genannt wurden.

Concerto para und fiesta und Concierto Madrigal von Joaquin Rodrigo.

Beide Konzerte sind dem Freund der spanischen Gitarre zu empfehlen.

Eine Aufnahme zu "kennenlernen" stellt für mich diese recht gelungene Naxos Aufnahme dar :engel

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7131965.jpg
Jürgen (08.01.2007, 10:30):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/5339448.jpg

Der Tanz des Müllers ist m.E. schon was ganz Herausragendes.

Und Paco de Lucia gefällt mir auch in dieser Interpretation.


Grüße
Jürgen
Rachmaninov (08.01.2007, 11:27):
Original von Jürgen

Und Paco de Lucia gefällt mir auch in dieser Interpretation.

Grüße
Jürgen

Paco de Lucia ist ein toller Interpret!
J-Robin Bold (27.08.2010, 13:46):
an alle die etwas wirklich qualifiziertes hören wollen, kann ich nur Prof. Frank Bungarten empfehlen.
Hosenrolle1 (31.01.2015, 23:12):
Ich habe seit den 90ern bis vor ca. 2 Jahren Gitarre gespielt, zuerst auf der akustischen, dann auf der elektrischen. War ich eigentlich immer begeistert davon, ist die Begeisterung nach und nach einer absoluten Abneigung gewichen, was einerseits klangliche Gründe hat, andererseits auch der Ärger über die vielen vergeudeten Übungsstunden.

Wenn man sich für klassische Musik interessiert, dann möchte man gerne auch manche Sachen nachspielen, und seien es nur einfache Melodien. Und hier hat man ein großes Problem: die Gitarre bekommt es einfach nicht hin. Man kann einen Ton nicht länger aushalten, wie das etwa auf Streichinstrumenten der Fall ist. Auch kann man ihn nicht aushalten und dabei lauter und leiser werden lassen. Man zupft eine Saite an, sie verklingt sehr schnell, und das wars. Selbst wenn man noch so ein großer Virtuose ist und im Maschinengewehrtempo spielen kann, es fehlt immer etwas.

Ich hätte bereits damals schon mit dem Klavierunterricht anfangen sollen. Das Klavier, mit seinem riesigen Tonumfang, mit der Möglichkeit, mehrstimmig zu spielen, volle Harmonik … und dagegen die 6 dünnen Saiten, die über einen kleinen Kasten gespannt sind … nein, ich muss mich nur ärgern.

Vortrefflich aber eignet sie sich (und da gebe ich z.B. dem UP Recht) etwa für spanische Sachen, Flamenco etc., das gefällt mir auch sehr gut!

Ich habe nun mehrere Gitarren, die nach und nach verstauben: eine akustische Gitarre, zwei Ukulelen (4 und 6 Saiten), sowie zwei elektrische Gitarren, eine Gibson SG und eine Fender Strat (Olympic White, Maple Neck)

Die Gibson SG ist für mich immer noch eine wunderschöne Gitarre, aber ich kann damit nichts mehr anfangen. AC/DC spiele ich schon lange nicht mehr, und für Klassik eignet sich das alles nicht.
Die Griffgeräusche, die manche so gerne hören, also das Quietschen, macht mich wahnsinnig. Es gibt Saiten von ELIXIR, die diese Geräusche verhindern sollen, ich habe mir seinerzeit mal einen 10er Satz draufgespannt, aber die Dinger fühlten sich an wie mit Seife eingerieben. Außerdem waren die Saiten ziemlich teuer.

Hector Berlioz schreibt in seiner Instrumentationslehre ein paar interessante Sachen über die Gitarre:




Die Gitarre ist ein Instrument, welches sich zur Begleitung der Singstimme, wie auch zur Verwendung in manchen Instrumentalkompositionen intimen Charakters eignet; ebenso verwendbar ist es zum Solovortrag mehr oder minder komplizierter mehrstimmiger Tonstücke, deren Reiz nicht zu leugnen ist, wenn wirkliche Virtuosen sie ausführen.
Es ist fast unmöglich, gut für die Gitarre zu schreiben wenn man sie nicht selbst spielt. Gleichwohl sind die meisten Komponisten, die sie anwenden, weit davon entfernt, sie genau zu kennen und geben ihr Dinge zur Ausführung, die ungemein schwer, ohne Klang und ohne Wirkung sind. Wir wollen versuchen, wenigstens die Art und Weise, wie einfache Begleitungen für sie zu schreiben sind, hier anzugeben.

Seitdem das Pianoforte in allen Häusern, wo irgendwie Musik getrieben wird, heimisch geworden ist, findet man die Gitarre, ausgenommen in Spanien und Italien, immer seltener. Einige Virtuosen haben sie kultiviert und kultivieren sie noch heute als Solo- Instrument; sie wissen ebenso anmutige als originelle Wirkungen darauf zu erzielen. Die Komponisten wenden sie sonst weder in der Kirche noch im Theater, noch im Konzertsaal an. Der schwache Klang, der ihr anhaftet, und welcher nicht gestattet, sie mit anderen Instrumenten oder mehreren Singstimmen von gewöhnlicher Tonstärke in Verbindung zu setzen, ist hierfür ohne Zweifel der Grund. Ihr schwermütiger, träumerischer Charakter ließe sich nichtsdestoweniger öfters zur Verwertung bringen; sein Reiz ist nicht abzuleugnen, und es ist nicht unmöglich, so zu schreiben, daß er ans Licht träte.
Übrigens steht die Gitarre, im Gegensatz zu anderen Instrumenten, im Nachteil, wenn sie mehrfach vertreten wird. Der Klang von zwölf Gitarren, die im Einklange spielen, ist beinahe lächerlich.