Die MET im Kino

Solitaire (27.04.2008, 09:25):
Ich war gestern Abend zum erstenmal im Kino um dort die Liveübertragung von "La fille du Régiment" aus New York zu sehen.
Ich bin absolut begeistert. Gesungen haben ein phänomenaler Juan Diego Florez (der die berühmten 9 hohen C's rausgehauen hat, als wäre das nix ) und die wunderbare Natalie Dessay.
Was Florez angeht so glaube ich nicht, daß es zur Zeit einen anderen Sänger gibt, der ihm technisch das Wasser reichen kann, das hört selbst ein Laie wie ich, außerdem hat er eine wirklich schöne Stimme. Nach "Ah mes amis!" ist das Publikum so dermaßen ausgerastet, daß ich gedacht habe, der arme Kerl muß das ganze Ding nochmal singen. Aber der Kelch ist glücklicherweise an ihm vorübergegangen. (Einige Monate zuvor mußte er es zweimal singen, das hat er in der Pause erzählt)
Natalie Dessay hat mich nicht nur durch ihre Stimme, sondern auch durch ihre unglaubliche Spielfreude überzeugt. Darstellerisch ist sie Florez weit überlegen, jede einzelne ihrer mörderischen Koloraturen wird in Körpersprache umgesetzt, und das wirkt stellenweise unglaublich witzig.
Ich habe die Aufführung im "Savoy" in Düsseldorf gesehen, die Übertragung war, was Bild und Ton angeht, tadellos. 28,- pro Karte ist eine Menge Schotter, es hat sich aber absolut gelohnt. Jedenfalls war es nicht das letzte mal, daß ich da war. Drei Vorstellungen sind in meinem Kalender schon ganz fest eingeplant: im Dezember 2008 "Thais" mit Renée Fleming, Thomas Hampson und Michael Schade. Das ist allein schon wegen Michael Schade Pflichtprogramm.
Im Februar 2009 dann "Lucia di Lammermoor" mit Netrebko und Villazón, im März "La Sonnambula" mit Dessay und Florez.,. Aber natürlich würde ich auch alle anderen gerne sehen.
Das war gestern die letzte Übertragung der laufendne Saison. Hier die Vorstellungen der kommenden:

11.10.08: Strauss: Salome (Karita Mattila, Juha Uusitalo)
22.11.08: Berlioz: La damnation de Faust (Susan Graham, Marcello Giordani)
20.12.08: Massenet: Thais (Renée Fleming, Thomas Hamspon, Míchael Schade)
7.2.09: Donizetti: Lucia di Lammermoor (Anna Netrebko, Rolando Villlazón)
7.3.09: Puccini: Madama Butterfly (Crsitina Gallardo-Domas, Marcello Giordani)
21.3.09: Bellini: La Sonnambula (Natalie Dessay, Juan Diego Florez)
9.5.09: Rossini: La Cenerentola (Elina Garanca, Lawrence Brownlee)

Und weil die Solitaire eine ganz liebe Solitaire ist, hier der Link unter dem ihr nachsehen könnt, ob und wo in eurer Nähe es ein Kino gibt, das die Aufführugnen überträgt: Klick
Travi (28.04.2008, 16:10):
Danke für den ausführlichen Bericht, liebe Solitaire. Allerdings hatte ich schon lange den Verdacht, dass sich das lohnen würde - und bin richtig neidisch, vor allem, weil's ja nur bei mir um die Ecke gewesen wär'! Gab es für die 28 Euro denn noch irgendwelche Besonderheiten oder "nur den nackten Platz", wenn ich das mal so sagen darf?

Natalie Dessay höre - und sehe - ich auch immer wieder sehr gern. Dass sie "nicht nur" durch ihre Stimme überzeugt sondern auch durch ihre Spielfreude, wie Du schreibst, das sollte übrigens auch so sein, denn sie war ja zunächst Schauspielerin und hat erst später ihre Stimme entdeckt. Selbst in unseren Zeiten, in denen das Visuelle in der Musik ohnehin auf dem Vormarsch zu sein scheint (wie mir jedenfalls scheint) und KünstlerInnen auch schauspielerisch so manches abverlangt wird, dürfte sie ihren KollegInnen einiges voraus haben. Sie ist ergreifend, tragisch, lustig, witzig, ja sogar albern; sie setzt sogar ihre Stimme aufs Spiel, wenn es zur Rolle passt. Jedenfalls habe ich das, was sie in der Hinsicht leistet, bei anderen noch nicht so gesehen.

Nochmals herzlichen Dank! Solche Berichte lese ich gern jederzeit!

Travi :)
Solitaire (28.04.2008, 17:56):
Hallo :hello
Naja, es gab eigentlich keine "extras". In der Pause gab es einige kleine Interviews mit en Künstlern die lvie gesendet wurden, das war's aber auch schon. Kein Pausensekt gratis oder sowas :JTrotzdem: für 28 Euro solche phänomenalen Künstler fast wie im Opernhaus erleben zu dürfen ist schon toll.
Ich werde jedenfalls auch versuchen, für die nächsten Vorstellungen Karten zu kriegen. Schade fand ich, daß es ein überwiegend älteres Publikum war. Im Opernhaus sehe ich regelmäßig auch jüngere Leute, aber hier war ich mit meinen 41 noch eine der jüngeren.
Jimi (30.04.2008, 09:51):
Original von SolitaireTrotzdem: für 28 Euro solche phänomenalen Künstler fast wie im Opernhaus erleben zu dürfen ist schon toll.
...Schade fand ich, daß es ein überwiegend älteres Publikum war. Im Opernhaus sehe ich regelmäßig auch jüngere Leute, aber hier war ich mit meinen 41 noch eine der jüngeren.

Hallo Solitaire,

28€ finde ich schon etwas heftig, ich war in Nürnberg vor einigen Wochen in der Liveübertragung von "La Boheme" für knapp über 20€ :haha

La Boheme gehört nicht zu meinen Lieblingsopern, ich kenne sie nur von Cd, daher fand ich es besonders spannend, gerade auch den Blick hinter die Kulissen den man ja sonst nicht hat.

Die Metübertragungen werden in Nürnberg in einem großen IMAX-Kino gezeigt. Ich habe mich kurzfristig entschlossen hinzugehen, die Nachfrage war so groß, das die Oper in 2 ! weiteren "normalen" Kinosälen gezeigt wurde. Würde mich mal interessieren wie sich das an dem Abend auf unser örtliches Opernhaus ausgewirkt hat?

Im Publikum waren auch in Nürnberg wenig jüngere Leute, ich würde sagen eigentlich ähnlich wie in der Oper.

Für die"La Fille" hatte ich leider keine Zeit, war aber nicht so tragisch da die gleiche Produktion aus London und Wien schon im TV übertragen wurde.

:hello Jimi
Solitaire (30.04.2008, 10:18):
Hat in der "Bohème" nicht der Alagna gesungen? Wenn ja, wie hat er sich denn geschlagen ? Was ich in der letzen Zeit von ihm gehört habe, hat mich eher abgeschreckt.
Bei uns war ausverkauft. Schon Wochen vorher waren die Karten weg.
Ich habe auch schon gehört, daß andere Kinos die Karten billiger verkaufen, aber was soll's. Nobel geht die welt zugrunde :D
Kann mir übrigens denken, daß der hohe Preis viele Jüngere abgeschreckt hat.
Ist tatsächlich interessant zu erfahren, wie sich die übertragungen auf die örtlichen Häuser auswirken. In Düsseldorf ist ja die Deutsche Oper am Rhein.
Jimi (30.04.2008, 21:21):
Original von Solitaire
Hat in der "Bohème" nicht der Alagna gesungen? Wenn ja, wie hat er sich denn geschlagen ? Was ich in der letzen Zeit von ihm gehört habe, hat mich eher abgeschreckt.

Nö, Rudolfo war Ramon Vargas, Mimi Angela Gheorghiu.

Ramon Vargas schien mir etwas angestrengt, als ob er nicht 100% in Ordnung war. Ältere Aufnahmen von Ihm finde gefallen mir besser(kennst du sein Rossini/Donnizetti-Recital von Anfang der 90er :down).
Angela Gheorgiu fand ich ganz ganz ausgezeichnet, ich kann mir nicht vorstellen dass momentan eine andere Sopranistin die Mimi überzeugender darstellen und singen kann.

Was Alagna angeht, ich kenne keine Aufnahmen aus der letzten Zeit, aber ich habe den Eindruck dass er schon vor 5-6 Jahren nicht mehr so gut war wie Mitte/Ende der 90er Jahre, das ist aber mein subjektiver Eindruck. Womöglich hat er sich mit zu schweren Rollen etwas übernommen.
Ich kenne aber auch nur rel. wenig von Ihm da er nicht zu meinen Lieblingsinterpreten gehört und möchte mir deswegen kein abschließendes Urteil erlauben.

:hello Jimi
Solitaire (14.05.2008, 11:43):
Alagna hat in den 90igern in Covent Garden einen tollen Romeo gesungen, ist auf DVD zu haben. Auch wurde hier mal irgendwo sein Don Carlos gelobt, den ich aber noch nicht kenne. Vor einiger Zeit kam im Fernsehen eine Aufzeichung der „Manon“ aus Wien mit Anna Netrebko. Als Alagna aufgetreten ist mußte ich abschalten, so furchtbar fand ich, was ich da hören mußte. ?(
Jimi (21.05.2008, 15:32):
Original von Solitaire
Alagna hat in den 90igern in Covent Garden einen tollen Romeo gesungen, ist auf DVD zu haben. Auch wurde hier mal irgendwo sein Don Carlos gelobt, den ich aber noch nicht kenne. Vor einiger Zeit kam im Fernsehen eine Aufzeichung der „Manon“ aus Wien mit Anna Netrebko. Als Alagna aufgetreten ist mußte ich abschalten, so furchtbar fand ich, was ich da hören mußte. ?(

Hallo Solitaire,

die Don Carlos Dvd mit Alagna Finde ich auch recht gut, die ist glaube ich auch auch von 95( bin jetzt zu faul zum nachschauen). Das mit der Manon glaube ich dir gerne, auf youtube gibt es 2 Aufnahmen von "Pourquoi me réveiller" aus Werther von Alagna eine von 1997, eine von 2007, da hört man wie er stimmlich nachgelassen hat.

In Nürnberg hab ich heute an dem Kino in dem die Metauführungen übertragen werden ein Plakat entdeckt: Liveübertragung aus Madrid L'Orfeo 19.05.08.Ich hätte doch wie geplant schon am Wochenende in die Stadt gehen sollen... :S :S :S

Sind dir außer der Met Übertragungen anderer Opernhäuser bekannt?

:hello Jimi
Solitaire (22.05.2008, 10:26):
Hallo Jimi!
Mir ist nicht bekannt, daß außer der MET auch andere Häuser Aufführungen übertragen, deshalb hat mich das mit der Übertragung aus Madrid durchaus überrauscht.
Ich weiß, daß einmal überlegt wurde, daß die WSO Aufführungen übertragen sollte, aber sie haben das mit dem Argument abgelehnt, daß man eine Oper im Theater erleben muß. Glücklich der, der in Wien und Umgebung lebt und das problemlos machen kann. Ich kann es nict, und hätte mich über Übertragungen aus Wien sehr gefreut. Aber wer weiß: mit der neuen "Doppelspitze" wird das vielleicht irgendwann doch noch was.
LadyMacbeth (24.05.2008, 20:20):
Ich hatte mal am Rande mitbekommen, dass die Stadt Frankfurt/M. plant, "Public Viewing" (also große Leinwände für Fussballübertragungen) in diesem Jahr für die Bayreuther Wagner-Festspiele anzubieten.
Entweder hat da wirklich nur ein Politiker laut gedacht, oder die Sache ist klammheimlich wieder auf Eis gelegt worden.
Hat jemand von Euch Infos darüber?
manrico (25.05.2008, 11:55):
Liebe Solitaire !

Da hast du natürlich recht, wir sind schon sehr verwöhnt in Wien. Ich war letzte Woche in "Die tote Stadt", und das wär durchaus übertragungswürdig gewesen, zumal die Besetzung wirklich erstklassig war (Denoke, Vogt, Eiche) und Willi Decker und Wolfgang Gussmann ganze Arbeit bei Ausstattung und Regie geleistet haben.

Das selbe Sängerteam werd ich am Mittwoch in Lohengrin sehen, aber das braucht man nicht übertragen. Die Inszenierung ist einfach unter jeder Kritik.
Wobei man sagen muss, dass wir in Wien sehr praktisch veranlagt sind, wenn's um hässliche Inszenierungen geht. Bei der Aida hat man sukzessive begonnen, die unmöglichen Versatzstücke im Lauf der Jahre einfach nicht mehr auf die Bühne zu räumen. So bleibt doch auch noch für den Wiener Lohengrin eine gewisse Hoffnung. Vielleicht erspar ich mir diesmal das gelbe Puppenhaus...... :tongue:

lg

Werner
Jimi (25.05.2008, 18:40):
Original von LadyMacbeth
Ich hatte mal am Rande mitbekommen, dass die Stadt Frankfurt/M. plant, "Public Viewing" (also große Leinwände für Fussballübertragungen) in diesem Jahr für die Bayreuther Wagner-Festspiele anzubieten.
Entweder hat da wirklich nur ein Politiker laut gedacht, oder die Sache ist klammheimlich wieder auf Eis gelegt worden.
Hat jemand von Euch Infos darüber?

Hallo und erstmal herzlich willkommen im Forum !

Ich habe vor ein paar Monaten gelesen dass eine "Public Viewing" - Übertragung auf einem Platz in Bayreuth geplant ist. Es war aber zu dem Zeitpunkt weder festgelegt wo die Übertragung stattfinden soll, noch welche Oper Übertragen werden soll. Von Frankfurt/M war in dem Zusammenhang nicht die Rede.

:hello Jimi
Heike (25.05.2008, 21:24):
Hallo,
Sind dir außer der Met Übertragungen anderer Opernhäuser bekannt?

Staatsoper Berlin
"fidelio"
ÜBERTRAGUNG AUF DEN BEBELPLATZ | STAATSOPER FÜR ALLE
Samstag, 30. August 2008, 19.00 Uhr

Hebre
P.s. 2007 gab es das auch, da habe ich "Manon" mit A. Netrebko gesehen, es war eine großartige Atmosphäre und ca. 20000 Menschen haben (dank Sponsor BMW kostenlos) die Aufführung auf dem Platz neben der Oper auf einer großen Leinwand mit Begeisterung verfolgt.
P.p.s. es war auch mal interessant, die Sänger und ihr Mienenspiel in diesen riesigen Großaufnahmen zu sehen!
Solitaire (26.05.2008, 11:24):
@Manrico
Ich beneide euch Wiener glühend! Es sind ja nicht nur die wunderbaren Sänger die ihr hören dürft, es ist auch das Programm. Bei uns gibt's Traviata, Zauberflöte, Carmen, Bohème. Alles wunderbare Opern die ich sehr liebe, keine Frage, aber auf Dauer ein bißchen einseitig. Eugen Onegin ist schon was außergewöhnliches bei uns, der erste Tannhäuser seit fast 20 Jahren war eine Sensation.
Immerhin gibt es seit einigen Jahren eine sehr gut funktionierende Kooperation mit Wuppertal: sie haben einige interessante Barockopern gebracht, unter anderem "Siroe, Re di Persia", der mich sehr begeistert hat. Dennoch: im allgemeinen können wir hier von Opern jenseits von Traviata und Zauberflöte nur träumen.
Für meinen ersten Werther werde ich daher, wenn alles klappt, wohl tatsächlich im nächsten Jahr nach Paris fahren. :leb
@Lady Macbeth
Haben die das denn mit Bayreuth abgesprochen? Ich habe immer gedacht, Public Viewing entweihe des Meisters hehre Kunst.
Wenn das Cosima wüßte... :D (Nicht unsere Cosima. Die andere :J)
@Hebre
Ich habe die BErliner Übertragung nicht gesehen, sodnern ein paar tage vorher die Fernsehübertragung, aber ich wäre gern dabei gewesen. Ich habe später Interviews mit Zuschauern gesehen, die ganz begeistert waren.
Damals ging das wohl auch mit Villazóns Krise los. Er hat ja die letzen Vorstellungen absagen müssen. U.a. auch die Liveübertragung.
LadyMacbeth (28.05.2008, 12:21):
@Jimi: es stand in unserer lokalen Zeitung. Aber wahrscheinlich war da der Wunsch eines Politikers Vater eines Gedankens, der dann doch nicht umgesetzt wird. Schade eigentlich :I

@Solitaire: Katharina Wagner ist gerade dabei, die Wagner'sche Musik auch Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen.

Es scheint also allerorten die Erkenntnis zu reifen, dass man sich die HörerInnen klassischer Musik "heranziehen" muss. Sonst sind irgendwann die Opernhäuser und Konzertsääle wirklich leer :I
Jimi (07.07.2008, 18:23):
Original von Jimi

Ich habe vor ein paar Monaten gelesen dass eine "Public Viewing" - Übertragung auf einem Platz in Bayreuth geplant ist. Es war aber zu dem Zeitpunkt weder festgelegt wo die Übertragung stattfinden soll, noch welche Oper Übertragen werden soll. Von Frankfurt/M war in dem Zusammenhang nicht die Rede.

:hello Jimi

Inzwischen steht es fest, die Meistersinger werden live übertragen:
Bayreuth für jedermann

Schade, für eine andere Oper wäre ich hingefahren, aber die Meistersinger mag ich nicht besonders :(

:hello Jimi
countjabberwock (08.07.2008, 01:52):
Da war doch jemand schneller mit dem Link. :) Allerdings fehlt noch der Hinweis das es nicht nur ein Public Viewing sondern auch einen Internet Live Stream der Meistersinger Premiere geben wird.

Um sich diesen Stream ansehen zu können muss man sich ein spezielles Online Ticket kaufen. Damit kann man dann die Premiere am 27.Juli daheim vor dem Rechner verfolgen (und in den Pausen einen Blick hinter die Kulissen werfen) und zusätzlich noch einmal zwischen dem 27.Juli und 2.August zu einem beliebigen Zeitpunkt anschauen.

Weitere Infos gibt es unter folgendem Link:
https://live.bayreuther-festspiele.de/live.html

Dort findet man auch ein kleines Video um vor dem Kauf die Qualität des Streams testen zu können - und naürlich um sicher zu stellen das die eigene Internetverbindung schnell genug für die Übertragung ist. Schliesslich will man keine Diashow sondern ein flüssiges Bild.

Der ganze Spass kostet allerdings 49 Euro. Bedenkt man was eine Karte für die Festspiele kostet - sollte man überhaupt an eine herankommen - ist das natürlich fast geschenkt. :J Trotzdem würde ich nie 50 Euro für eine pixelige Opernübertragung auf dem PC ausgeben. Dafür kauf ich mir dann doch lieber ein paar DVDs. Besseres Bild, besserer Ton - und so oft ansehen wie man will. Oder ich geh für das Geld zu einer Aufführung ins lokale Theater.
Die Idee ist zwar nett und es gibt sicher einige Zuschauer - z.B. außerhalb von Europa - welche sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Allerdings finde ich 50 Euro übertrieben. Auf der anderen Seite...würden sie nur 5 Euro verlangen hätten sie sicher so viele Zuschauer das der Server überlastet wäre.
Jimi (09.07.2008, 17:44):
Original von countjabberwock

Der ganze Spass kostet allerdings 49 Euro. Bedenkt man was eine Karte für die Festspiele kostet - sollte man überhaupt an eine herankommen - ist das natürlich fast geschenkt. :J Trotzdem würde ich nie 50 Euro für eine pixelige Opernübertragung auf dem PC ausgeben. Dafür kauf ich mir dann doch lieber ein paar DVDs. Besseres Bild, besserer Ton - und so oft ansehen wie man will. Oder ich geh für das Geld zu einer Aufführung ins lokale Theater.

Da kann ich nur zustimmen, oder frei nach Asterix : "49 €, die spinnen die Oberfranken". :ignore

:hello Jimi
Solitaire (10.07.2008, 07:20):
Jep. Und wenn dann die Internetverbindung rumzickt... :I
Was mich angeht, Wagner ist für mich ja ohnehin so eine Sache, so richtig anfreunden konnte ich mich nie mit ihm. Allerdngs hat mich der "Tannhäuser" der vor einigen Monaten in unserem Theater gespielt wurde sehr begeistert. Ich glaube, ich muß Wagner-Opern live sehen, sonst gebe ich irgendwann entnervt auf. :(
manrico (10.07.2008, 14:55):
Zu Wagner hat meine Musiklehrerin in der Schule einmal gemeint: Wagner ist wie Buttercremetorte. Ein kleines Stück ist köstlich - zuviel davon schlägt sich ungeheuer auf den Magen.

Ich finde, so unrecht hatte sie nicht :D

lg

Werner
Zelenka (18.07.2008, 17:00):
Original von Jimi

Sind dir außer der Met Übertragungen anderer Opernhäuser bekannt?

:hello Jimi

Vorgestern abend auf dem Londoner Trafalgar Square "Le nozze di Figaro" auf einem grossen Bildschirm direkt aus dem nicht weitentfernt liegenden Covent Garden uebertragen. Inmitten des Verkehrslaerms genoss das Publikum (teils picnickend) die Vorstellung sichtlich in vollen Zuegen. BP war die wohltaetige Sponsorin.

Gruss, Zelenka
Travi (09.11.2008, 22:11):
Unter diesem unbezahlbaren Titel wusste der Daily Telegraph gestern, Samstag, den 8. November 2008, in einem relativ langen Artikel zu berichten, dass immer mehr gefilmte Opern in die britischen Kinos kämen. Nach dem Vorstoß der MET mit den live-Übertragungen ihrer Samstagnachmittagsvorstellungen habe in Großbritannien zuerst die Royal Opera nachgezogen, und Glyndebourne, eines der berühmtesten Opernhäuser des Landes, werde diesen Herbst Werke in HD-Qualität und 5.1. Sound in 30 Kinos bringen. Auch die britischen Kinos haben also eine weitere Möglichkeit entdeckt, sich erfolgreich zu vermarkten.

Die Vorteile nach Ansicht des Verfassers, Rupert Christiansen, jetzt: günstige(re) Eintrittspreise, exzellente Bild- und Tonqualität, die Nähe zum Bühnengeschehen, die entspannte Atmosphäre, die u.a. den Genuss von Popcorn erlaubt (s.o.), und Zusatzinfos wie Interviews mit den Stars und anderen in der Pause. Außerdem werde dadurch Oper einem Publikum nahegebracht, das sich bisher nicht für Oper interessiert habe. Die Nachteile eventuell künftig: Das Publikum könnte wegen dieser Aufführungen eines Tages den Opernhäusern fernbleiben und der Markt mit diesen Angeboten bald übersättigt sein.

Christiansen schreibt auch über die Schwierigkeiten bzw. nötigen Kompromisse bei der Herstellung dieser Filme. Der Regisseur Thomas Grimm, ein alter Hase in dem Geschäft, hat ihm Rede und Auskunft gestanden. Im Gegensatz zu früher spezialisiere man sich nun auf echte live-Aufnahmen, mit echten ZuschauerInnen. Man benutze sechs bis acht Kameras, könne diese aber, um die Unbequemlichkeiten für das Publikum so gering wie möglich zu halten, nur selten an den besten Stellen platzieren. Manchmal sei es möglich, drei Vorstellungen zu filmen und das Beste zusammenzuschneiden, aber oft müsse man sich mit zweien begnügen.

Ich finde diese Art Kinoerlebnis in der Tat attraktiv, bin aber noch nie in einer Vorstellung gewesen. In London hätte es letzten Januar in einem meiner Lieblingskinos fast geklappt. Bin richtig gespannt, wann ich von meinem ersten "echten" Opernbesuch "der anderen Art" berichten kann.

Grüße,
Travi
Solitaire (10.11.2008, 14:23):
Hallo Travi!
Schön dich zu lesen!!!
Zum Kino: Popcorn während Lucias wahnsinn oder Posa und Carlos' Schwurduett braucht der Mensch natrülich so dringend wie ein Loch im Kopf, anosnten baer finde ich diese Art Oper zu erleben wirklich sehr beeindruckend. In "meinem" Stammkino in Düsseldorf (Atelier im Savoy) gibt es in dieser Saison nicht nur die MET-Übertragungen (die Karten für "Lucia" und "Thais" liegen schon im Schrank :) ) sondern z. B. im Mai auch die Aufzeichnung einer "Don Carlos" Vorstellung aus London, sowie immer mal wieder alte und neue Opernfilme.
Ich denke, für das Publikum im Kino überwiegen die Vorteile: natürlich ist es nicht ganz die Live-Atmosphäre wie in einem opernhaus, aber immerhin bekommt man die Möglichkeit zu halbwegs bezahlbaren Preisen Künstler zu hören, für die man sonst lange anfahrtswege in Kauf nehmen müsste. allerdings sind dei Preise in Düsseldorf nicht ohne: die MET-Übertragungen kosten schlappe 25,- pro Karte. Das ist in der Relation zum Opernhaus günstig, aber trotzdem nicht wenig Geld.
Was mich als Landei aus der Provinz freut ist die Tatsache, daß es außer den Rennern im Repertoire immer mal wieder auich Stücke gibt, die bei uns seltener gespielt werden: Butterfly und Bohème läuft in unserem braven Stadttheater rauf und runter, ein Werk wie "Thais" zum Beispiel wurde hier aer seit ich in die oper gehe noch nie gespielt, und die letzte "Salome" ist wohl auch schon etliche Jahre her.
Im übrigen glaube ich nicht ernsthaft, daß das Publikum eines Tages den Gang ins Opernhaus scheuen wird: so schön es ist, Florez und Kollegen im Kino zu hören, noch schöner ist es, sie direkt im Theater zu erleben, nud das wird auch so bleiben. Die Liveatmosphäre und die Akustik im Theater lassen sich durch keine Dolby Surround Anlage der Welt ersetzen.
Ich merke allerdings bei mir selber, und das ist wirklich ein kleiner Nachteil, daß ich unseren heimischen Sängern hier in Remscheid gegenüber manchmal etwas unfair bin. Es passiert mir in letzter Zeit doch ab und zu, daß ich mal denke "Ach, Dorothea Röschman singt Dove sono aber schöner. Das ist natürlich garstig von mir und sollte so nicht sein, auch wen es stimmt.
Solitaire (22.12.2008, 16:00):
Ich war am Samstag also wieder im Opernkino und habe die Live-Übertragung von "Thais" (Jules Massenet) aus New York gesehen. Wie vor einigen Monaten bei "La fille du Regiment" war das Kino aus diesmal wieder nahezu ausverkauft.

Die Besetzung:
Athanael: Thomas Hampson
Thais: Renee Fleming
Nicias: Michael Schade

Gleich zu Beginn der Übertragung ging ein Raunen durch das Publikum, denn der Gastgeber des Abends war niemand anderes als der Altmeister persönlich: Placido Domingo.
Er hat die Interviews in den Pausen geführt und in die Oper eingeführt.
"Thais" wurde an der MET zum letztenmal 1978 gespielt, mit der amerikanischen Sopranistin Beverly Sills in der Titelrolle. Ich kenne sie als meine erste Schallplatten-Gilda.
Da es sehr schwierig zu sein scheint, die beiden Hauptrollen zu besetzen, wird die Oper generell selten gespielt. Bekannt ist vor allem die berühmte "Meditation", ein orchestrales Zwischenspiel, das oft und gerne außerhalb des Opernhauses in Konzert und Gottesdienst gespielt wird.

Die Handlung:
Ägypten im 4. Jahrhundert n.C.
Der Mönch Athanael gehört einer urchristlichen Religionsgemeinschaft an und führt mit seinen Glaubensbrüdern ein asketisches Leben in der Wüste.
Er ist besorgt, da er glaubt, daß Alexandria, seine Heimatstadt, in Sünde versinkt. Urheberin ist für ihn die Kurtisane, Tänzerin und Venuspriesterin Thais.
Nach einer Vision glaubt er sich berufen, Thais zum Christentum zu bekehren und zieht gen Alexandria.
Er trifft Thais im Hause seines alten Schulfreundes Nicias, dessen (bezahlte) Geliebte sie zur Zeit ist. Auf einem Fest im Hause Nicias' macht Thais sich zunächst lustig über den Fanatiker, der ihr ihre Sündhaftigkeit und die Leere ihres Lebens ins Gesicht schleudert.
Es gelingt Athanael nach einigen Bemühungen schließlich, Thais zur Umkehr zu bewegen. Sie flieht mit ihm aus Alexandria. Nach einem Marsch durch die Wüste bringt er sie in ein Kloster, in dem Thais für ihre Sünden büßen und fortan leben will.
Zurück bei seinen Mitbrüdern findet Athanael keine Ruhe: er, der seine Körperlichkeit, seine Sexualität immer verleugnet, ja verdammt hat, wird von Visionen gefoltert: er kann Thais Schönheit, ihre erotische Ausstrahlnug nicht vergessen.
Als er erfährt, daß Thais nach drei Monaten unentwegter Buße, ohne Schlaf und Nahrung, in ihrem Kloster im Sterben liegt, eilt er fort um sie zu retten. Der sterbenden Thais sagt er, daß er sich geirrt habe, es gäbe keine göttliche Liebe, keinen Himmel, kein ewiges Leben. Das einzige was zähle, sei die irdische Liebe, jene Liebe, mit der Thais ihr Leben verbracht habe. Thais kann ihn im Fieberwahn nicht mehr verstehen, spricht von der gemeinsamen Reise durch die Wüste, von dem, was Athanael für sie getan hat. In ihren letzten Augenblicken sieht sie den Himmel offen. Mit den Worten "Ich sehe...Gott..." stirbt sie, während Athanael gebrochen, verzweifelt, gescheitert, zurückbleibt.

Mir hat die Aufführung sehr, sehr gut gefallen. Die Inszenierung war nicht übermäßig originell, aber große Regieexperimente sind aus der MET in aller Regel sowieso nicht zu erwarten, und das kann ja auch sein Gutes haben...
Renee Fleming war großartig, sie hat in einem kurzen Gespräch vor Beginn gesagt, das "Thais" eine von etwa vier Rollen ist, bei denen sie das Gefühl hat, daß sie wie für sie geschrieben sind, so perfekt passe sie zu ihrer Stimme und ihren Fähigkeiten.
In Oberammergau hat mir nicht alles gefallen was Fleming gesungen hat, Mimi liegt ihr m.E. nicht besonders, und auch als Violetta an der Seite von RV hat sie mich nur bedingt überzeugt. Als Thais aber ist sie großartig. Ich denke, die Rolle verlangt alles von ihr, was sie stimmlich zu bieten hat: glitzernder, "glamouröser"" Gesang bei ihrem ersten Aufritt, große emotionale Ausbrüche in jener Szene, in der sich ihre Verwandlung zu vollziehen beginnt, berückende Pianopassagen im 2.Teil und am Ende der Oper. Sie hat mir gleich zu Beginn sehr gut gefallen, hat sich aber im Laufe des Abends noch enorm gesteigert. Auch optisch war sie großartig: während sie für eine blutjunge Violetta Valery m.E. eigentlich schon ein bißchen zu reif ist (und das Drama dadurch einen anderen Akzent bekommt als beabsichtigt), ist sie als erfahrene, reife, herausfordend sinnliche und in allen erotischen Künsten bewanderte Kurtisane umwerfend und man gut verstehen, daß Athanael ihr Bild nicht aus dem Kopf bekommt. :cool
Michael Schade als Athanaels Schulfreund Nicias hat mir gut gefallen: er hat so einfühlsam und schön gesungen wie ich das von ihm gewohnt bin, außerdem mag ich es, daß er seine Rollen oft mit einem Hauch Ironie versieht, so auch hier. Dennoch klang er m.E. in den Höhen manchmal ein wenig grell, das habe ich sonst von ihm noch nicht gehört. Im übrigen habe ich den Eindruck, daß ihm Mozart mehr liegt als Massenet, dennoch: auch er war großatrig.
Schade hin, Fleming her, der Star des Abends war für mich Thomas Hampson. Seine Leistung ist unglaublich: Athanael ist in ca. 95 Prozent aller Szenen auf der Bühne anwesend, davon hat er die meiste Zeit laut bis sehr laut und enorm kraftvoll zu singen. Nicht, weil Hampson das nicht anders könnte, sondern weil Atahanel ein lauter Mensch ist: ein religiöser Eiferer, ein Fanatiker (Hampson nennt ihn sehr zu Recht "Fundamentalist"), und wie alle Fundamentalisten muß er permantent brüllen um die Menschen von dem zu überzeugen, was er für den rechten Weg, die einzig gültige Wahrheit hält -und um seine eigenen inneren Stimmen und Dämonen niederzuschreien. Es gibt für ihn nur sehr wenige lyrische Momente, einen davon während er mit Thais durch die Wüste wandert und er der völlig Erschöpften Wasser und Obst bringt, um sie zu stärken. Hier gibt es einen leiseren Moment, in dem Athanael sich von einer weicheren, mitfühlenden Seite zeigt. Einen ähnlichen Augenblick gibt es vorher, als er im Gespräch mit Thais, die panische angst vor dem Tod und der Vernichtung hat, dieser erzählt, was Gott zu bieten hat, wenn sie Ihm folge: ewiges Leben. Es gibt sie also, Athanaels leise, weiche Seite, aber er läßt sie die meiste Zeit über nicht zu Wort kommen. Es ist wirklich phänomenal wie Hampson diese enorm dramatische, kraftvolle und laute Rolle bewältigt, ohne sie zu zerbrüllen. Auch darstellerisch ist er mehr als überzeugend: man merkt diesem Athanael auch körperlich an, daß er ständig unter Strom steht, sich vermutlich nicht mal im Schlaf wirklich entspannt.
Ich will ja nicht geschmacklos werden, aber wenn einer einen Besuch bei einer erfahrenen Kurtisane dringend nötig hätte (und das schon seit Jahren), dann er... :engel
In den Pausen hat auch er sich die Zeit für ein kurzes Interview mit Domingo genommen und unter anderem den traumschönen Satz gesagt, daß er besonders die Charaktere zu spielen liebe, die stets glauben, Gott in der Hand, im Kopf und im Herzen zu tragen, und die doch alles negieren, was Gottes Liebe und Botschaft ausmacht und was Er geschaffen hat.
Genauso einer ist Athanael und Hampson ist vermutlich sein Idealinterpret.
Ich bin sehr froh, daß ich die Gelegenheit genutzt habe, diese setten gespielte Oper zu sehen.
Erwähnt werden sollte noch der junge Konzertmeister des Orchesters, der die Solovioline in der "Meditation" traumhaft schön gespielt hat und dafür am Schluß auch vor den Vorhang durfte.

Meditation
Interessant ist, daß Renee Fleming gesagt hat., daß sich während dieser Mediation, einer Szene also, in der Thais nicht auf der Bühne anwesend und der Vorhang geschlossen ist, ihre Wandlung vollzieht und der Solist in der Lage sein müsse, dies in seinem Spiel auszudrücken.
Dis-mois que je suis belle
Thais' große Arie in der sie verzweifelt versucht, sich gegen die neuen Gefühle zu wehren: sie fleht ihren Speigel an, ihr zu sagen daß sie schön ist, daß sie immer schön sein und niemals altern wird. Und doch sind da ihre inneren Stimmen, ihre Ängste und (wieder einmal) ihre Dämonen: "Thais! Auch du wirst alt. Thais! Auch du vergehst!".
Heike (22.12.2008, 21:40):
Hallo Solitaire,
meine Freundin war in Berlin auch in dieser Oper und war ebenso wie du restlos begeistert. Auch sie hat Hampson mit Abstand am meisten beeindruckt und sie hat mir ewig lange von ihm vorgeschwärmt (ich konnte aus Termingründen leider nicht hingehn, was ich sehr bedauert habe)

Ich kenne diese Oper Thais überhaupt nicht. Meine Freundin sagte, es gäbe darin ein sehr bekanntes Geigenmotiv. Leider konnte sie es mir nicht notieren oder vorsingen .... jetzt muss ich neugierig bleiben es sei denn, du kannst mich aufklären! Das ist vielleicht diese "Meditation" ? Gibts irgendwo die Noten oder einen Musikausschnitt dazu? Meine Freundin meinte, ich würde die Melodie ganz sicher auch kennen.

Heike
Heike (22.12.2008, 21:55):
Ahhhhhhh sorry, ich merke erst jetzt, dass du ja Verlinkungen drin hast - merci - natürlich kenne ich das!
Heike
Solitaire (08.02.2009, 13:19):
7.2.2009 "Lucia di Lammermoor"

Gestern Abend wurde also "Lucia" aus der MET übertragen. Geplant war das ganze als Comeback des, Achtung, jetzt kommt das furchtbare Wort, "Traumpaars" der Oper: Anna Netrebko und Rolando Villazón.
RV hatte bereits in der Premiere Probleme, während des Sextetts ist ihm in der"Verfluchungsszene" die Stimme auf ausgesprochen unschöne und spektakuläre Art weggebrochen und hat sich überschlagen. Auf ebenso mutige und spektakuläre Art hat er sich nach einigen Schrecksekunden gefangen und weitergemacht. Dennoch hat er sich nachj der zweiten (wie man liest besseren) Vorstellung krankgemeldet. Die Gründe dafür werden in den einschlägigen Foren und Bloggs heiß diskutiert, die Zeitung mit den großen Lettern wäre begeistert, was da so alles zusammenkommt. Da RV aber nach der Absage auch gleich "Iolantha" mit Netrebko abgesagt hat (Baden-Baden im Juni) und als Ersatz "Werther" mit Garanca angeboten hat (was wohl auch stattfinden wird) braucht man nicht allzuviel Phantasie um sich zu denken, daß das Problem nicht in erster Linie ein Stimmliches ist, sondern sich vermutlich gewisse zwischenmenschliche Spannungen "nur" akut in der Stimme gezeigt haben. Wie auch immer: diese Bühnenpartnerschaft dürfte wohl fürs erste beendet sein.
Gestern ist nun Piotr Beczala für Villazón eingesprungen. Hier meine Eindrücke:

Zunächst: mir hat RV an allen Ecken und Enden gefehlt. Beczala ist ein guter,ein sehr guter Tenor und ich bewundere die Nervensärke mit der er diese Aufführung gemeistert hat. Mir hat auch seine Stimme gefallen, nach anfänglicher Nervosität hat er sich im Laufe des Abends stimmmlich enorm gesteigert, aber er hat mich nicht berührt. Für mich ist er ist kein Sänger bei dem man "eine Seele hört" und das stört mich persönlich mehr als transponierte Arien oder vergeigte Spitzentöne. Dennoch kann ich nicht umhin zuzugeben, daß er sehr gut gesungen hat. Aber wenn ich sein "Verrano a te.." mit dem von Villazón vergleiche könnte ich weinen.
Anna hat mir stimmlich, bis auf ein, zwei kleine Aussetzer sehr, sehr gut gefallen. Ich halte sie nach wie vor nicht für eien Belcantosängerin und Lucia klang zu gesund, aber sie hat die Wahnsinnsszene um Längen besser gemeistert als ich ihr zugetraut hätte
Es gab Momente, da hat mich diese reine Stimmschönheit aus den Schuhen geworfen. Es war ein akustischer Hochgenuss, aber...aber es hat mich nicht so gepackt wie mich Callas oder Dessay packen wenn ich sie nur höre. Dennoch: die Stimme ist umwerfend schön und manchmal möchte ich auch nur in schönen Tönen schwelgen.
Im übrigen klang die Stimme meiner bescheidenen Meinung nach so herausfordernd gesund, daß ich mir lebhaft vorstellen kann, daß jemand wie RV, der ohnehin noch mit dem Dämon der Versagensangst zu kämpfen hat da schon Minderwertigkeitskomplexe kriegen und ihm, mit Verlaub, der Arsch auf Grundeis gehen kann...

And the Winner is...Mariusz Schlag-mich-tot, der tyrannische Bruder. Er hat mir stimmlich wie darstellersich sehr gut gefallen und war der einzige, der sowas wie Ausstrahlung hatte.
Nicht auszudenken, wie die Konfrontation zwischen Enrico und Edgardo gewirkt hätte, wenn sein Partner ein Rolando in Hochform gewesen wäre...
Ich würde ihn gerne in seinen Lieblingsrollen sehen. Don Giovanni und Onegin. Höhepunkt des Abends war für mich eine Hommage an "Maestro" Domingo der bald sein 40jähriges Bühnenjubiläum an der MET feiern wird.
Übrigens bin ich nach der Wahnsinnsszene gegangen. Ich hätte sonst über eine Stunde auf den letzten Zug warten müssen, und das war mir der gute Piotr nicht wert.
Für Rolando hätte ich auch die ganze Nacht am Bahnhof verbracht...
Hat noch jemand die Vorstellung gesehen?
Heike (08.02.2009, 23:11):
Hallo,
in Berlin wurder das leider nicht übertragen, da gibts erst wieder die Butterfly im März.
Das sind ja Neuigkeiten von RV! Bin ja gespannt wie es weitergeht, das ist ja interessant, dass es da offenischtlich wieder arg kriselt mit ihm und der Anna. Irgendwie sind die nicht nur das "Traumpaar" der Oper, sondern belegen auch in Tratsch und Klatschdingen vordere Plätze!
Heike
Solitaire (09.02.2009, 09:05):
Ich gehe davon aus, daß es sich bei RV mehr um ein Nerven- denn um ein Stimmproblem handelt. Ich habe ihn vergangenes Jahr zweimal live gehört und mehrfach live am Radio. Auch in seine Händel-CD die im März erscheint konnte ich schon reinhören (YT macht's möglich :D) sowie sein Monteverdi-Konzert in Paris. Man mag ihn mögen oder nicht, aber es war in guter stimmlicher Verfassung. Das KANN sich nicht so schnell geändert haben.
Es werden wohl die Nerven sein.
Man soll eben keine Affären am Arbeitsplatz haben :ignore
Heike (09.02.2009, 18:22):
Man soll eben keine Affären am Arbeitsplatz haben
LOL - ich würd ja zu gern wissen, was da los ist
Heike
Solitaire (10.02.2009, 09:21):
Original von Hebre
Man soll eben keine Affären am Arbeitsplatz haben
LOL - ich würd ja zu gern wissen, was da los ist
Heike
Ja, ein kleines Mäuschen in der MET zu sein hätte seine Reize... :D

Ich habe gestern zum Vergleich, und weil mir danach war, noch einmal die Fernsehaufzeichnung der „Lucia“ von 2006 aus Orange angesehen. Lucia und Edgardo wurden gesungen von Patricia Ciofi und Rolando Villazón.
Ciofi ist m.E. eine ideale Lucia. Ihre Stimme ist ebenso schön wie die von Anna, wenn auch heller timbriert, aber sie singt wesentlich ausdrucksvoller und man hört ihr ihre Zerbrechlichkeit an, was Anna DARSTELLT (und sie macht das gut!) muß Ciofi nur SINGEN damit es einen ins Herz trifft.

RV gibt einen Edgardo mit durchaus beunruhigender Ausstrahlung: ein Mann, der zu leidenschaftlicher Liebe ebenso fähig ist wie zu brennendem Haß und cholerischen Wutausbrüchen. Dieser virile schottische Macho kontrastiert aufs herrlichste mit Ciofis lieblich-empfindsamer Lucia und ist wesentlich komplexer, als der brave Piotr Beczala das am Samstag hingekriegt hat. :cool
Ich finde, dadurch wird wesentlich deutlicher, daß Lucia das Opfer der Männer in ihrem Leben ist, und zwar das Opfer ALLER Männer: das Opfer ihres tyrannischen Bruders, das Opfer ihres blasierten, verständnislosen Ehemannes, und auch das Opfer Edgardos, der sie verdammt ohne zu bemerken, daß sie dem Zusammenbruch nahe ist.
Stimmlich hat mir Villazón gut gefallen, aber gegen Ende wird die Anstrengung schon erschreckend hörbar, und ich nehme mal an, daß es sich hier um eine Rolle handelt, für die er in sehr guter stimmlicher Verfassung sein muß. Ich hätte sie gerne nach der Pause, nach der er ja doch einiges anders macht von ihm gehört und hoffe, daß er sie nun nicht, wie den Duca, auf die rote Liste gesetzt hat. Er muß sie ja nicht mit Anna singen, aber mit Ciofi oder auch Dessay hätte er zwei hervorragende Lucias zur Auswahl, die beide auf herzzereißende Art wahnsinnig zu werden verstehen.
Heike (10.02.2009, 18:33):
Ich hörte gerade einen rbb- Kulturradio- Moderator von seinem kürzlichen Telefonat mit Villazon berichten, er habe ihn auch zu den neuerlichen Problemen an der MET befragt und überhaupt zu seinen wiederkehrenden Krisen. Er sei "erschüttert" darüber gewesen, wie sehr es RV rundum an Problembewusstsein mangele. Der Redakteur prophezeite, dass es mit der Bühnenkarriere (bzw. der Stimme) des RV bald vorbei sein werde. Ein Grund dafür wäre, dass er quasi immer im 2. Gang mit 250 km fahren wolle und seine Probleme verharmlose und beschönige.
Hoffen wir mal, dass er nicht recht hat.
Heike
Solitaire (11.02.2009, 09:28):
Ja, hoffen wir es...
Aber er ist ja gerade dabei, sich ein neues Repertoire zu erschließen: Barockmusik, bald Mozart etc.
Im übrigen mag der Journalist "erschüttert" sein, aber nackte Panik und Existenzangst hat noch keinem Sänger geholfen, seine Probleme in den Griff zu kriegen. Vielleicht ist Gelassenheit gar nicht mal der falsche Weg. Und vielleicht ist RV (der ja auch vom Regiestuhl träumt), ja auch der Ansicht, daß Singen nicht alles im Leben ist und sieht die Dinge deshalb gelassener. Doof für uns, gut für ihn :D
Jimi (12.02.2009, 21:21):
Hallo Solitaire und Hebre,

eigentlich wollte ich mir erst wegen der "La Sonambula" mit Dessay und Florez wieder ins Kino gehen, ist ja nicht ganz so billig das Ganze... aber meine Schwiegermutter ( Netrebkofan) wollte nicht allein ins Kino und hat so meine Frau und mich eingeladen.
Nach allem was ich über die ersten Aufführungen gelesen und bei Youtube gehört habe bin ich mit eher geringe Erwartungen in die Vorstellung gegangen und war deshalb insgesamt positiv überrascht.

Original von Solitaire
Anna hat mir stimmlich, bis auf ein, zwei kleine Aussetzer sehr, sehr gut gefallen. Ich halte sie nach wie vor nicht für eine Belcantosängerin und Lucia klang zu gesund, aber sie hat die Wahnsinnsszene um Längen besser gemeistert als ich ihr zugetraut hätte
Es gab Momente, da hat mich diese reine Stimmschönheit aus den Schuhen geworfen. Es war ein akustischer Hochgenuss, aber...aber es hat mich nicht so gepackt wie mich Callas oder Dessay packen wenn ich sie nur höre.



Ganz meine Meinung, allerdings fand ich sie in den Duetten und Ensembleszenen besser als in den Arien, gerade den Anfang der Wahnsinnsszene fand ich nicht gerade sehr inspiriert dargeboten da finde ich (um nur mal die aktuellen Interpretinnen zu nennen) Dessay,Ciofi und Damrau schon deutlich besser.
Ich habe den Eindruck das Ihre Stimme kräftiger geworden ist aber Ihre dafür die Koloraturen nicht so leicht fallen wie zb Dessay, ist ja auch klar, da Nathalie Dessay ein ausgesprochener Koloratursopran ist und auch keine dramatischeren Rollen als die Lucia singen sollte wenn sie sich nicht die Stimme killen will.
Bei Anna Netrebko sehe ich es gerade anders herum, sie ist auf dem besten Weg sich zu einem Spinto Sopran zu entwickeln und sollte sich IMO von den verzierten hoch gelegenen Belcantopartien wie der "Lucia" oder "Norina"(Don Pasquale)langsam verabschieden. Das Duett aus dem letzten Akt von Don Carlos würde ich gerne mal von ihr hören, das könnte so die Richtung sein in die es bei Ihr weitergeht.


Original von Solitaire
And the Winner is...Mariusz Schlag-mich-tot, der tyrannische Bruder. Er hat mir stimmlich wie darstellersich sehr gut gefallen und war der einzige, der sowas wie Ausstrahlung hatte.


Stimmlich und darstellerisch gebe ich dir Recht, aber was das "schöne Bild" für mich erheblich trübt ist sein deutlicher Hang zu Aspirierungen. Ich kannte von Mariusz Kwiecien bislang nur eine Duettaufnahme mit Juan Diego Florez, wo mir dieses Problem auch schon aufgefallen ist, wobei ich mir noch nichts dabei gedacht habe, kann ja schon mal vorkommen, aber anscheinend macht er das dauernd und in der Häufigkeit finde ich es dann schon sehr störend, zb hier in einem Duett aus Lucia:

Natalie Dessay & Mariusz Kwiecien- Il pallor funesto orrendo

singt er statt passato passa-ha-to (2:00) oder danach ab 2:35 insa-ha-no amor ,insa-ha-no amor... insa-ha-ha-no amor. Für eine romantische Belcantopartie ist mir das einfach zu viel.
Hör dir mal HIER die gleichen Passagen von Lajos Miller an, der singt das viel genauer und damit für mich auch schöner.
Zu Beczala und Villazón als Edgardo werde ich in dem Thread über "aktuelle Tenöre" später noch etwas sagen.

:hello Jimi
Solitaire (13.02.2009, 11:00):
Ja, das berühmte "Jehehesus meine Zuhuhuversicht". :rofl
Dafür gibt's auch im unserem Hobbychor immer symbolische Maulschellen vom Chorleiter. :I
Ciofi und Dessay sind m.E. als Lucia kaum zu toppen, Damrau habe ich in der Rolle noch nicht gehört, würde es aber gerne mal.
Ich denke auch, daß Netrebkos Weg in Richtung Spinto geht. Ob wir eines Tages eine Forza-Leonora von ihr hören?
Dessay träumt von der Traviata mit Villazón als Alfredo und ich auch. die spindeldürre, darstellerisch grandiose Dessay als schwindsüchtige Kokotte und RV als ihr feuerköpfiger Liebhaber möchte ich vor meinem Ende noch erleben. Aber sie sagt, das gehe dann schon sehr an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und auch sie
hatte ja schon Krisen zu überstehen.Immerhin: für RV wäre das mal wieder eine Rolle, bei der
einem nicht bange um ihn sein müsste.
Jimi (15.02.2009, 13:52):
Original von Solitaire
Ja, das berühmte "Jehehesus meine Zuhuhuversicht". :rofl
Dafür gibt's auch im unserem Hobbychor immer symbolische Maulschellen vom Chorleiter. :I

Löblich dass der Chorleiter darauf achtet, bei einem Hobbychor würde ich ja garnicht Rummeckern, aber an der Met... :S :S :S


Original von Solitaire
Ich denke auch, daß Netrebkos Weg in Richtung Spinto geht. Ob wir eines Tages eine Forza-Leonora von ihr hören?


Schwer zu sagen, ist momemtan vielleicht noch etwas heftig, ich glaube sie will die Desdemona in 1-2 Jahren singen, die Trovatore-Leonora könnte ich mir eher als La Forza vorstellen, na ja wir werde sehen.

Original von Solitaire
Dessay träumt von der Traviata mit Villazón als Alfredo und ich auch. die spindeldürre, darstellerisch grandiose Dessay als schwindsüchtige Kokotte und RV als ihr feuerköpfiger Liebhaber möchte ich vor meinem Ende noch erleben. Aber sie sagt, das gehe dann schon sehr an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und auch sie
hatte ja schon Krisen zu überstehen.


Also da habe ich schon Zweifel ob das eine gute Idee ist, ich habe ja oben schon geschrieben:

Original von Jimi
... da Nathalie Dessay ein ausgesprochener Koloratursopran ist und auch keine dramatischeren Rollen als die Lucia singen sollte wenn sie sich nicht die Stimme killen will.


Na ja, denn 1.Akt der Traviata kann ich mir schon gut vorstellen, aber im 2. und 3.Akt habe ich dann an der einen oder anderen Stelle schon Bedenken dass es für ihre Stimme zu viel wird. Du hast es ja angedeutet, sie musste sich ja schon einmal an den Stimmbändern operieren lassen, da ist dann ein bisserl Vorsicht schon angebracht.

:hello Jimi
Solitaire (16.02.2009, 09:08):
Hallo Jimi!
Ja, Dessayhatte vor einigen Jahren eine Stimmband-OP bei der ihr wohl Knötchen entfernt wurden. Sie hat damals erzählt, das sie ihre Stimme völlig neu wieder aufbauen musste. wer weiß, vielleicht bleibt die Traviata ja wirklich nur ein Traum, sowie RV seinen Traum vom Lohengrin zu den Akten gelegt hat. Gott sei es gedankt, man muß auch ohne das genug un ihn zittern.
In einem gemeinsamen Konzert haben die beiden mal das Duett aus dem 1. Akt mitenander gesungen, und das klang sehr schön. Aber wie du sagst: das Problem wäre auch kaum der erste Akt.
Solitaire (02.03.2009, 19:41):
Wer zeit und Lust hat, am Samstag ist es wieder soweit! "Madama Butterfly" live aus der MET.
Ich kann leider nicht. Naja, mal sehen. Vielleicht läßt es sich doch noch einrichten...
Klick
Jimi (04.03.2009, 11:20):
Original von Solitaire
Wer zeit und Lust hat, am Samstag ist es wieder soweit! "Madama Butterfly" live aus der MET.
Ich kann leider nicht. Naja, mal sehen. Vielleicht läßt es sich doch noch einrichten...
Klick

Hallo Solitaire,

ich werde erst wieder zu "La Sonnambula" mit Dessay und Florez ins Kino gehen, das ist für mich natürlich absolutes Muss!
In jede Übertragung zu gehen ist mir echt etwas zu teuer, ich will ja auch noch ab und zu "richtig" in die Oper gehen...

Überhaupt finde ich das sie zumindest in Nürnberg mit der Übertragerei fast schon ein wenig Übertreiben. Neben den Übertragungen aus der Met gibt es noch Opern live ua aus der Scala, London und Madrid, dazu noch Ballett und der Messias von Händel:
Hier ist das Programm aus Nürnberg.

Meine Frage an alle: Wird bei euch in den Kino's auch so viel übertragen, oder nur bei uns hier? In Nürnberg das Ganze momentan jedenfalls recht erfolgreich, die Boheme und Lucia waren ausverkauft(es wurde sogar noch in einen zusätzlichen Saal übertragen). Ich bin mal gespannt ob das so bleibt oder ob das nur ein momentaner Hype ist.
Die Frage ist auch noch wie sich das auf die lokalen Opernhäuser auswirkt, in den Vorstellungen die ich besucht habe war jedenfalls(nach Optik und Alter beurteilt) typisches Opern- bez. Konzertpublikum, und eher weniger junge Leute als in einer normalen Opernaufführung.

:hello Jimi
Solitaire (04.03.2009, 14:21):
Hallo Jimi!
In Düsseldorf gibt es Liveübertragungen in erster Linie aus der MET, sie haben versucht "Don Giovanni" aus London zu übertragen (die Saisoneröffnung 2008), aber es gab Probleme mit dem Satelitenempfang, deshalb hat es nicht geklappt.
Aber es gibt hier auch viele Auftzeichnungen, die nach einigen Monaten gezeigt werden, vor allem aus London: "Don Carlo", "Nußknacker", "Aida" etc.
Ich finde es toll, denn es gibt mir die Möglichkeit, Sänger zu erleben, die ich sonst nicht erleben würde.
Werde es wohl am Samstag nicht schaffen. "La Sonnambula" liegt mir wie ein Stein auf der Seele: ich will SOOOO gerne, aber genau dann beginnt so langsam die harte Phase unseres Umzugs... :(
Ic habe dann eigentlich weder Zeit noch Geld dafür.
Auf der anderen Seite: Natalie...!!!!!!! :down :down :down :down :down
Jimi (04.03.2009, 19:19):

Original von Solitaire
Aber es gibt hier auch viele Auftzeichnungen, die nach einigen Monaten gezeigt werden, vor allem aus London: "Don Carlo", "Nußknacker", "Aida" etc.


Hallo Solitaire,

sind das Aufzeichnungen die exklusiv nur im Kino zu sehen sehen sind, oder gibt es davon DVD's?
Ich frage deshalb, weil in Nürnberg, gleich zweimal eine Aufzeichnung von Carmen gezeigt wird (London,Antonacci,Kaufmann), die schon längst als DVD erschienen ist. Dafür finde ich einen Eintrittspreis von 18,50€(Liveübertragung kostet 22,50€) schon etwas heftig, da kann ich dann gleich die DVD kaufen, naja ich habe sie eh schon mir kann es egal sein :D . Wenn ich da zu zweit reingehen würde und nachher erfahre dass es davon eine DVD gibt, dann wäre ich schon ganz schön angefressen :S :S :S.

:hello Jimi
Solitaire (04.03.2009, 21:00):
Sagen wir so: zumindest was den Londoner "Don Carlos" angeht, gab es mal Gerüchte, daß es davon auch eine DVD geben solle, aber mittlerweile sind die wieder verstummt. Aber das ROH bringt ja sehr viele seiner Produktionen im Laufe der Zeit auf DVD raus, deshalb könnte es durchaus sein, daß das irgendwann mal was wird.
Ich habe schon überlegt, in dem einen oder anderen Fall der mich interessiert ("Don Carlos", "Don Giovanni") mal eine Mail nach Covent Garden zu schreiben und zu fragen, ob eine Veröffentlichung geplant ist.
Manchmal zeigen sie in D'dorf auch alte Opernklassiker die es schon lange auf Video gibt: "Otello" mit Jon Vickers zum Beispiel.
Heike (06.03.2009, 21:01):
Auf der anderen Seite: Natalie...!!!!!!!
eben.
Wer weiß, ob ich die sonst nochmal live zu sehen kriege. Da muss ich hin. Gönn es dir! Ich würde mal sagen, dass der Umzug da ein paar Stunden warten kann!
Heike
Heike (08.03.2009, 10:09):
gestern:
Madama Butterfly - Puccini

Ich mag ja Puccini, deshalb konnte ich auch nicht widerstehen. Die Inszenierung hat mir sehr, sehr gut gefallen. Sehr minimalistische, aber ausgesucht treffende Requisiten; viel Farbe, wohlüberlegte Gestik. Der Sohn wurde als Puppe gespielt, wobei die 3 schwarzen Männer, die die Figur führten, die Mimik ausdrückten - klasse Idee und sehr beeindruckend umgesetzt!

Marcello Giordani als Pinkerton machte seine Sache gut wie meistens, ich mag seine Stimmfärbung. Gesanglich gab es auch an Patricia Racette als Butterfly nicht viel auszusetzen, die Rolle ist sicher nicht so leicht und erfordert einige Kondition, das hat sie gut und sehr kraftvoll bewältigt. Mir gefällt dieses starke Tremolo nicht so sehr, was sie manchmal hatte. Gut, das ist Geschmackssache. Aber ich hab keine Ahnung, wie alt die Frau ist, in den Großaufnahmen wirkte sie natürlich so manches Mal sehr grotesk in der Teenagerrolle.

Das Orchester unter Patrick Summers war einer der Pluspunkte zu einem insgesamt ohne Ausreißer gut besetzten Ensemble, auch die Nebendarsteller machten das souverän. Alles in allem eine schöne Aufführung, die gute Stimmung hinterlassen hat (trotz tragischem Ende).
Heike
Solitaire (08.03.2009, 19:53):
Hallo Hebre!
Vielen Dank für deine Eindrücke!
Ich habe es leider wirklich nicht geschafft, will aber versuchen, deinen Rat zu beherzigen und mir Natalie im März nicht engehen zu lassen :)
"Butterfly" gehört zu den Opern die mich mehr mitnehmen als viele andere. Ich weiß auch nicht, aber mir gefällt die Musk unglaublich gut und ich finde die Handlnug SOWAS von tragisch...bin danach oft tagelang nicht zu gebrauchen und habe schon davon geträumt. Höre oder sehe sie mir entsprechend selten an...
Im Theater ist mir mal ein so empörtes "Gottverdammter Mistkerl!" rausgerutscht, daß mein Nebenmann mich ganz entsetzt angesehen hat. :rofl
Meine Lieblings-Butterfly ist nach wie vor Maria Callas die für die Schallplatte einen großartigen Nicolai Gedda an ihrer Seite hatte.
Heike (08.03.2009, 20:50):
Hallo Solitaire
Meine Lieblings-Butterfly ist nach wie vor Maria Callas
Die Callas ist ja sowieso eine Klasse für sich :engel
Die Butterfly muss man auch erstmal singen KÖNNEN, und wenn dann noch die Seele und Ausdruckskraft einer Callas dazukommt, göttlich.

Auch ich finde diese Oper besonders berührend, ohne dass sie eben kitschig ist. Das scheint aber nicht jedem so zu gehen. Neben mir saßen zwei Männer, die sich in der Finalszene halb totlachten, während so ziemlich der ganze Rest im Kino kurz vorm oder beim Heulen war.
Ich selber finde auch die Warteszene (nachdem sie das Schiff sahen) besonders schrecklich.
Heike
Heike (12.03.2009, 22:15):
in Berlin gibts jetzt auch:
Live-Übertragungen aus dem Royal Opera House London
(im CineStar im Sony Center)

Sonntag, 5. April, um 20.30 Uhr "Messias" von Georg Friedrich Händel
Chor des King College Cambridge
Orchester der Academy of Ancient Music
Dirigent: Stephen Cleobury
Solisten: A. Tynan, A. Coote, A. Clayton und M. Rose

Mittwoch, 3. Juni um 20.30 Uhr "Undine" von Hans Werner Henze
Choreografie: Frederick Ashton
Dirigent: Barry Wordsworth
Solisten: Miyako Yoshida, Edward Watson

Dienstag, 30. Juni um 20.00 Uhr "La Traviata" von Giuseppe Verdi
Regie: Richard Eyre
Dirigent: Antonio Pappano
Solisten: Renee Fleming, Joseph Calleja, Thomas Hampson u.a.
Solitaire (13.03.2009, 13:41):
Sind das echte Liveübertragungen? In Düsseldorf gab es ja wie erwähnt Übertragungsprobleme Probleme beim Saisonauftakt, die "Don Giovanni"-Übertragung konnte nicht stattfindebn. Dann wünsche ich den Berlinern mehr Glück!
Jimi (13.03.2009, 13:55):
Original von Hebre
in Berlin gibts jetzt auch:
Live-Übertragungen aus dem Royal Opera House London
(im CineStar im Sony Center)

Sonntag, 5. April, um 20.30 Uhr "Messias" von Georg Friedrich Händel
Chor des King College Cambridge
Orchester der Academy of Ancient Music
Dirigent: Stephen Cleobury
Solisten: A. Tynan, A. Coote, A. Clayton und M. Rose

Mittwoch, 3. Juni um 20.30 Uhr "Undine" von Hans Werner Henze
Choreografie: Frederick Ashton
Dirigent: Barry Wordsworth
Solisten: Miyako Yoshida, Edward Watson

Dienstag, 30. Juni um 20.00 Uhr "La Traviata" von Giuseppe Verdi
Regie: Richard Eyre
Dirigent: Antonio Pappano
Solisten: Renee Fleming, Joseph Calleja, Thomas Hampson u.a.

Hallo Heike,

der Messias und die Traviata werden bei uns in Nürnberg auch übertragen. Ein Oratorium muss ich im Kino nicht unbedingt haben, aber die Traviata mit Fleming, Calleja und Hampson werde ich mir auf jeden Fall ansehen. So eine Besetzung bekommt man ja nicht gerade alle Tage geboten. :)

:hello Jimi
Heike (13.03.2009, 13:56):
Hallo,
was sind unechte live-Übertragungen? Es wird auch aus London, so wie aus der MET, live übertragen, also keine Aufzeichnungen. Hier hat bisher alles gut geklappt, auch das Ambiente hat das Kino recht nett gemacht (live-Pianist an der Bar für die Ankommenden und in der Pause, Häppchen statt Popcorn, Sekt Wein und Cocktails, kleine und große Kerzen, viele Tischchen mit weißen Tischdecken und Blumen, Garderobe, Vorbestellungen für die Pause...)

Nähere Info zu den Konzerten aus London gibts hier auf der Kinoseite:
http://www.cinestar.de/de/kinos-lokal/berlin-cinestar-original-im-sony-center/filme-events/events/royal-opera-house-event-sony/
Heike
Heike (13.03.2009, 14:01):
Hallo Jimi,
hier gibts extrapreiswerte Tickets für alle London-Übertragungen (18 Euro, sonst 23) bei Vorlage der MET-Karte von Butterfly. Vielleicht gibts irgendwo ähnliche Kopplungen.
Ich freu mich auch schon auf das Ballett, wann bekommt man sowas schon mal in absoluten Großaufnahmen zu sehen???
Heike
Solitaire (13.03.2009, 14:28):
Hallo Hebre!
Ich habe gefragt, weil Düsseldorf in erster Linie Aufzeichnungen aus London überträgt. Ich hatte mich z.B. auf Don Carlos gefreut, weil mich die Besetzung gereizt hat:
Villazón (von dem ich seiner Stimme zuliebe hoffe, daß er die Rolle bis auf Weiteres nicht mehr singen wird, der mich am Radio aber dennoch bewegt hat), Keenlyside, Furlanetto (ein phänomenaler Philippo) und Poplevskaya, deren Salzburger Desdemona für mich DAS Highlight der Festspiele war. Vor allem im letzten Akt :down :down :down
Aber sie haben die Aufzeichnung wohl wieder aus dem Programm genommen. Schade. Kann natürlich sein, daß eine DVD geplant ist, und das ROH für's erste die Rechte zurückgezogen hat.
Heike (13.03.2009, 21:44):
Hallo Solitaire,
zu dem Don Carlos wär ich sicher auch gegangen !
Heike
Heike (21.03.2009, 23:14):
So heute gab es "LA SONNAMBULA" (Bellini) mit:

Amina: Natalie Dessay
Elvino: Juan Diego Flórez
Rodolfo: Michele Pertusi
Lisa: Jennifer Black
Teresa: Jane Bunnell
Chor und Orchester der MET
Dirigent - Evelino Pidò
Inszenierung: Mary Zimmerman

Belcanto-Opern sind nicht so mein Lieblingsgenre, aber bei Madame Dessay konnte ich nicht widerstehn. Und es hat sich gelohnt, sie war einfach fabelhaft: schöne Stimme gepaart mit ungeheuer viel Ausdruck. Ach wie schön war das. Florez war wunderbar anzusehen als Partner für sie und sie hatten einige wirklich großartige Duette. Er hat natürlich alles ohne jedes Problem singen können, was die Rolle so verlangt
aber er hatte bei den hohen Tönen so was schrilles, fast metallisches in der Stimme, was mir missfällt. Insoweit kann ich den Hype um ihn nicht ganz teilen.

Rodolfo glänzte für mich noch heraus, alle anderen machten ihre Rolle gut, an Chor und Orchester gab es nichts zu mäkeln.

Ziemlich öde und doof fand ich die Inszenierung - ich hasse es, wenn zum eine millionsten Mal das ganze so wie heute auf die Probebühne der Oper verlegt wird. Es müssen ja weiß Gott keine traditionellen Schweizer Kühe auf die Bühne getrieben werden, aber dieses ewige "wir zeigen, wie die das in ganz normaler Straßenkleidung einüben und dann sieht man ja auch in die Handlung hinein ..." kann ich echt nicht mehr ertragen.

Aber zum Glück gab es viele Großaufnahmen der Sänger, so dass man den Rest irgendwann vergessen konnte.
Fazit: vor allem durch Natalie ein grandioser Abend!

Heike
Heike (21.03.2009, 23:19):
Es wurden (für Berlin) die geplanten MET - Übertragungen der nächsten Saison bekanntgegeben:

10.10. Tosca
7.11. Turandot
19.12. Hoffmanns Erzählungen (mit Villazon und Netrebko)
16.1. Carmen
6.2. Simon Boccanegra (mit P. Domingo)
27.3. Hamlet
1.5. Armida (Rossini)

Heike
Heike (22.03.2009, 21:59):
Original von Hebre
So heute gab es "LA SONNAMBULA" (Bellini) mit:


War niemand sonst dort??
Heike
Solitaire (22.03.2009, 22:51):
Hallo Hebre!
LEIDER hatte ich wegen Umzugsvorbereitungen keine Zeit, dabei wäre ich gerade in diese Vorstellung so gerne gegangen, da ich die liebe Natalie doch so sehr verehre. Aber "Hamlet" werde ich mir dafür auf keinen Fall entgehen lassen, mir hat heute jemand gesagt, daß sie diese Vorstellung mit Keenlyside singt :down
Daß "Hofmann" für mich sozusagen Pflicht ist muß ich wohl nicht erwähnen (und ich hoffe, die beiden reißen sich diesmlal am Riemen und halten es miteinander auf der Bühne lange genug aus. Ist ja nur der Antonia-Akt... :J )
Danke jedenfalls für deine Eindrücke und das Programm! Ich hatte den Probenbühneneffekt mal unfreillig: mein Mann hat mich entführt und mit Karten für "La Bohème" 2002 in Bregenz überrascht. Wegen Dauerregen mußte das Spiel auf dem See ausfallen und wurde ins Haus verlegt, ohne Lichtregie, ohne Kulissen und auf einer nahezu leeren Probenbühne. Aber gesungen und gespielt haben alle miteinander großartig. Als Trost gab es später vom Festspielhaus für jeden Zuschauer eine Videoaufzeichnung einer Aufführung auf dem See. Und wer hat da den Rodolfo gesungen? Lange vor Salzburg und Anna? Genau.
Der Beginn einer großen, wenn auch einseitigen Liebe :J
Ich glaube, Jimi wollte ins Kino. Vielleicht meldet er sich ja noch nud schreibt was dazu!
Jimi (23.03.2009, 10:43):
Original von Solitaire
LEIDER hatte ich wegen Umzugsvorbereitungen keine Zeit ...


Erzähl mir nix, du wolltest unbedingt "Wetten dass" sehen... :J :J :J


Original von Solitaire
Ich glaube, Jimi wollte ins Kino. Vielleicht meldet er sich ja noch nud schreibt was dazu!
Hallo Hebre und Solitaire,
Klar war ich im Kino, ich wollte das Ganze nur erst mal "setzen" lassen, bevor ich was darüber was schreibe, nur ganz kurz ich muss gleich weg: Musikalisch sicher ein Highlight in der Met-Kino-Reihe, da gibt es nur ganz wenig auszusetzen. Inszenierung:Geschmackssache, ich fand den Anfang ganz witzig(Lisa als Regieassistentin eifersüchtig auf die Primadonna :rofl), dann aber immer weniger Überzeugend.
Zu den einzelnen Interpreten nachher mehr.
:hello Jimi
Solitaire (23.03.2009, 12:29):
Original von Jimi
Original von Solitaire
LEIDER hatte ich wegen Umzugsvorbereitungen keine Zeit ...


Erzähl mir nix, du wolltest unbedingt "Wetten dass" sehen... :J :J :J

Du wirst lachen, ich habe tatsächlich kurz reingeschaut. :J Natürlich war es furchtbar. Allein schon die Vorstellung, mich zu Mario Barth auf's Sofa setzen zu müssen... :I
Villazón hat Playback gesungen, angesichts des Niveaus der Sendung das einzig Gescheite. Am besten an ihm hat mir an diesem Abend sein rotes Sakko gefallen. Très chic :D
Er war nett anzusehen, aber an diesem Abend hätte ich ihn liebend gern gegen Natalie eingetauscht. :cool
Jimi (25.03.2009, 19:33):
Hallo Hebre und Solitaire und alle anderen Opernfreunde...

also, noch mal etwas genauer zur "La Sonnambula". Wie ich oben schon sagte, hat mir die Aufführung insgesamt sehr gut gefallen, im Detail sogar mehr als ein Mitschnitt aus der Scala von 2001, mit identischer Besetzung in den 3 Hauptrollen. Ein paar Kleinigkeiten gibt es wohl in jeder Aufführung die nicht 100% gelungen sind, hier war es aber so, dass es den Gesamteindruck für mich überhaupt nicht gestört hat.
Nathalie Dessay war besser bei Stimme als auf der Aufnahmen 2001 und hat wie immer großartig gespielt.

Original von Hebre
aber bei Madame Dessay konnte ich nicht widerstehn. Und es hat sich gelohnt, sie war einfach fabelhaft: schöne Stimme gepaart mit ungeheuer viel Ausdruck


Die Amina braucht laut dem Librettisten Felice Romani "einen Herzensschrei für die Freude, einen Seelenschrei für den Schmerz, einen Ton für die flehende Bitte und einen Akzent für den Vorwurf".

Zumindest an der Stelle(Letzter Akt kurz vor"Ah! non credea mirarti" ):

Gran Dio, non mirar
il mio pianto: io gliel perdono.
Quanto infelice io sono
felice ei sia...Questa
d’un cor che muore
è l’ultima preghiera...

hat mir dieser Ton des Schmerzes und der Verzweiflung ein wenig gefehlt, ich habe da nicht die "letzte Bitte eines Sterbenden Herzens" gehört. Das liegt aber wohl weniger daran dass Ihre der Ausdruckswille fehlen würde( das würde ich einer Künstlerin wie Natalie Dessay niemals unterstellen) sondern ist wohl eher im Stimmklang ihres hohen Koloratursopranes begründet. Die Stimme in dem Maß düster und dunkel einfärben wie das zb. Maria Callas(Live 55) macht, ist Ihr rein stimmlich wohl nicht möglich.
Jetzt werden einige sage, ja,ja, immer der ewige Vergleich mit der Callas. Ok, hört euch "Il faut partir" aus "La fille du Regiment" an, da ist Patricia Ciofi vom Ausdruck her,für mich, deutlich besser als Dessay, die wiederum bei den verzierten Passagen und den hohen Tönen der Partie überlegen ist.

Zurück zu "La Sonnambula" :
"Ah! non credea mirarti" fand ich dann wieder sehr überzeugend, hier hat sie den "Ton für die flehende Bitte", genauso wie danach den "Herzensschrei für die Freude" bei "Ah, non giunge", wobei sie am Ende ganz schön kämpfen muss und die letzten Spitzentöne gerade mal noch so hinkriegt. Aber live am Ende dieser anstrengenden Partie muss man das Stück überhaupt erst mal so singen, Respekt!


Original von Hebre
Florez war wunderbar anzusehen als Partner für sie und sie hatten einige wirklich großartige Duette. Er hat natürlich alles ohne jedes Problem singen können, was die Rolle so verlangt
aber er hatte bei den hohen Tönen so was schrilles, fast metallisches in der Stimme, was mir missfällt. Insoweit kann ich den Hype um ihn nicht ganz teilen.


Was ich nicht ganz verstehe ist was du mit Hype in Bezug auf Florez meinst,dass ist doch Kinderkram im Vergleich zu Netrebko und Villazon(und dann so etwas wie das Händelalbum abliefern. :ignore Sorry, Solitaire, ich finde es wirklich nicht besonders gut, als Kurzbegründug nur mal schnell 2 Namen: Mark Padmore :down und Paul Agnew :down).

Zurück zu Florez:
Das schrille in der Stimme war meiner Meinung nach ein Problem der Aufnahme bez. der Übertragung, besonders im ersten Akt, danach war der Klang besser. Überhaupt hat es diesmal ein paar Probleme gegeben, das Bild war manchmal unscharf oder hat geruckelt, das ist mir bei den anderen Übertragungen nicht aufgefallen.
Ich habe den Florez mehrfach live hören können und kenne auch alle seine erhältlichen Aufnahmen, ich glaube nicht, dass ich Ihn schon mal besser als am Samstag erlebt habe, ich fand seinen Elvino in jeder Beziehung großartig, und nicht nur momentan ziemlich konkurrenzlos. Im Vergleich zu der Aufführung von 2001 hat seine Stimme an Tragfähigkeit gewonnen ohne seine lyrischen Qualitäten und seine Beweglichkeit einzubüßen. Im Gegenteil, die Fähigkeit dynamisch differenziert zu singen, hat er noch verbessert. Es ist ja leider nicht selten, dass junge Sänger zu früh das Repertoire wechseln, um schwerere Rollen zu singen als Ihnen gut tut. So ist es natürlich nicht möglich das Optimale an Interpretation herauszuholen, einfach weil die Erfahrung fehlt. In der Beziehung ist Florez eine löbliche Ausnahme, er singt zb den Elvino seit knapp 10 Jahren, und hat seine Interpretation hörbar immer weiter verfeinert. Also, für mich war er am Samstag der Beste aus einem super Ensemble.
Was ich fast vergessen hätte, ich fand Ihn diesmal auch darstellerisch auf dem Niveau von Dessay, was sonst nicht ganz der Fall war.

:hello Jimi
Heike (25.03.2009, 22:56):
Hallo Jimi,
danke für deine Eindrücke! Du hast recht, gespielt hat Florez wirklich großartig, absolut überzeugend. Was seine Stimme angeht, da habe ich nicht so den Vergleich bzw. bin bei weitem kein Florez-Experte - vielleicht hast du recht und die Übertragung hat da was unangenehm verzerrt. Ich werde mal drauf achten, wenn ich ihn im Radio wieder höre.
Heike
Solitaire (26.03.2009, 08:47):
Hallo Jimi!
Danke für deine Eindrücke! Jetzt habe ich noch mehr den Eindruck Enormes verpasst zu haben... :I
Der Vergleich mit Callas drängt sich bei solchen Rollen zwangsläufig IMMER auf, das geht gar nicht anders, sie war nun mal die Beste. Allerdings ist Dessay für mich die erste Sängerin seither, die dem Vergleich mit ihr zumindest zeitweise standhalten kann.
Schön zu hören ,daß es eine alte Aufzeichnung gibt, dann kann ich mir irgendwann zumindest einen Eindruck davon verschaffen. Auf Florez bin ich auch gespannt, habe ihn bisher leider nur zweimal erlebt: als Tonio (und hier fand ich ihn phänomenal) und als Herzog (ein bißchen zu brav für meinen Geschmack. da hätte ruhig mehr Testosteron fließen dürfen :D)

Das mit dem Händel-Album geht schon in Ordnung, ich werde auf niemanden losgehen, nur weil er Villazón nicht so verfallen ist wie ich :D
Ich werde, wenn ich mehr Zeit habe, mal an anderer Stelle erläutern, was mir daran so gut gefällt. Vermutlich hilft mir, daß ich normalerweise kein großer Händel-Fan bin, mir die Heiligen Kühe die er gleich reihenweise schlachtet also gar nicht so heilig sind. :rofl
Heike (26.03.2009, 08:52):
@Solitaire
kleinr Hinweis am Rande, es gibt z.Zt. bei jpc die CD "Viva Villazon" für sagenhafte 5.99, also falls du jemanden missionieren willst, dann geh schnell Geschenke kaufen ;-)
Heike
Solitaire (27.03.2009, 09:57):
Das mit dem missionieren laß ich im Moment lieber. Es gibt schon wieder schlechte Nachrichten, und ich will nicht schuld sein, wenn es einen Opernfan mehr mit Sorgenfalten im Gesicht gibt :I :J
Aber danke für den Hinweis! :)
nikolaus (27.03.2009, 10:01):
Was für schlechte Nachrichten?

Besorgt, Nikolaus.
Solitaire (27.03.2009, 11:16):
Absage "Nemorino" in New York.
Premiere und 2. Vorstellung. Kehlkopfentzündung. Sagt er.
Ebenfalls besorgt. :I
EDIT
Das Problem ist, es ist die dritte Absage innerhalb kurzer Zeit: "Lucia" in NY im Februar, "Werther" Premiere in Paris Ende Februar, und jetzt "Elisir".
Das KANN eine nicht gescheit auskurierte und verschlimmerte Erkältung sein (ich habe das seit Anfang des Jahres und ich muß damit nicht singen!) und auf jeden Fall tut jeder Sänger gut daran, abzusagen, wenn er krank ist. Aber die Alarmglocken schrillen hier nunmal eher als bei Dessay, Schade, Hampson, Florez etc.
Heike (08.06.2009, 21:00):
Die Met-Saison 2009 / 2010 im Kino, Berlin

10. Oktober 2009 (19 – 22:30 Uhr, 2 Pausen – in italienischer Sprache)
TOSCA (Giacomo Puccini)
Dirigent: James Levine
Produktion: Luc Bondy
Tosca: Karita Mattila
Cavaradossi: Marcelo Alvarez
Scarpia: Juha Uusitalo

7. November 2009 (19 – 22:30Uhr, 2 Pausen – in italienischer Sprache)
TURANDOT (Giacomo Puccini)
Dirigent: Andris Nelsons
Produktion: Franco Zeffirelli
Turandot: Maria Guleghina
Liú: Marina Poplavskaya
Calàf: Marcello Giordani
Timur: Samuel Ramey

19. Dezember 2009 (19 – 23 Uhr, 2 Pausen – in französischer Sprache)
LES CONTES D’HOFFMANN (Jacques Offenbach)
Dirigent: James Levine
Produktion: Bartlett Sher
Olympia: Kathleen Kim
Antonia / Stella: Anna Netrebko
Giulietta: Ekatarina Gubanova
Nicklausse: Elina Garanca
Hoffmann: Rolando Villazón
Vier Bösewichter: René Pape

16. Januar 2010 (19 – 23 Uhr, 2 Pausen – in französischer Sprache)
CARMEN (Georges Bizet)
Dirigent: Yannick Nézet-Séguin
Produktion: Richard Eyre
Carmen: Angela Gheorghiu
Don José: Roberto Alagna
Micaëla: Barbara Frittoli
Escamillo: Mariusz Kwiecien

6. Februar 2010 (19 – 22:40 Uhr, 2 Pausen – in italienischer Sprache)
SIMON BOCCANEGRA (Giuseppe Verdi)
Dirigent: James Levine
Produktion: Giancarlo di Monaco
Amelia: Adrianne Pieczonka
Gabriele Adorno: Marcello Giordani
Simon Boccanegra: Plácido Domingo

27. März 2010 (18 – 21:45 Uhr, 2 Pausen – in französischer Sprache)
HAMLET (Ambroise Thomas)
Dirigent: Louis Langrée
Produktion: Patrice Caurier / Moshe Leiser
Ophélie: Natalie Dessay
Gertrude: Jennifer Larmore
Hamlet: Simon Keenlyside

1. Mai 2010 (19 – 23:20 Uhr, 2 Pausen – in italienischer Sprache)
ARMIDA (Gioacchino Rossini)
Dirigent: Riccardo Frizza
Produzent: Mary Zimmerman
Armida: Renée Fleming
Rinaldo: Lawrence Brownlee
Goffredo: Bruce Ford
Ubaldo: Kobie van Rensburg

Dieses Programm ist vorläufig. Änderungen bei den Werken und der Besetzung sind möglich.
Solitaire (13.06.2009, 15:34):
Danke für die Termine!
Entsetzlicherweise (für meinen Geldbeutel) interessiert mich wirklich jede einzelne Aufführung brennend, sei es wegen des Stücks sei es wegen der Sänger.
Ich bin zum Beispiel sehr gespannt, auf Mattila als Tosca. Ich kenne sie als Elisabetta in "Don Carlo" an der Seite von Alagna, da hat sie mir ausgesprochen gut gefallen.
Turandot würde ich allein schon wegen Poplavskaya gerne sehen, Simone Boccanegra wegen Domingo etc., etc., etc.
Ich werde wohl sieben müssen, aber es wird schwer werden.
Definitv sehen will ich "Hamlet" und "Hoffmann", auch wenn Villazón wohl nicht die Titelrolle singen wird (Calleja war mal im Gespräch), der kuriert ja nach wie vor seine (gerüchteweise bereits operierten) malaten Stimmbänder. Aber allein schon für Rene Pape lohnt es sich. :down
Fairy Queen (28.03.2010, 12:28):
Auf heikes Wunsch hierher kopiert- wo es dann wirklich besser passt.


Hat jemand gestern im Kino den Hamlet aus der MET gesehen?
Ich habe erst wegen der Absage von Natalie Dessay, die für mich die Inkarnation der Ophélie ist, gezögert, war dann aber doch da- gottseidank. Die Oper ist einfach grossartig und war sowohl musikalisch als auch was die Inszenierung angeht hervorragend umgesetzt- Letzteres in der MET eher selten(für meinen Geschmack....)

Leider habe ich keine komplette Besetzungsliste, die kann evtl jemand nachliefern, mein Kino hat es diesmal nciht geschafft, Programme zu verteilen.
Musikalische Leitung: Louis Langree
Inszeneirung: Patrice Caurier/ Moshe Leiser

Hamlet: Simon Keenlyside
Ophélie: Marlis Petersen(kurzfristig eingesprungen für Natalie Dessay)
Claudius: James Morris
Gertrude: Jennifer Larmore
Laertes: Toby Spencer

Mehr konnte ich mir nciht merken, sage aber gleich , dass der Bass, der den Geist des Königs gesungen hat, grossartig war!

Louis Langree ist die wahre Wonne, insbesondere wenn man sonst immer nur Levine hört. Die Partitur von Thomas ist so reich an Klangfarben und er hat es geschafft, sie leuchten zu lassen. Besonders die Holz- und Blechbläser hatten echte Sternstunden- so saubere Hörner und Posaunen-Soli hab ich selten gehört! Bravissimo für Orchester und Dirigent. bowdown
Dass diese herrliche Musik nciht öfter gespielt wird, ist eine Schande!

Die Inszenierung war ebenso grossartig, denn sie hat neben wenigen szenischen und sehr gelungenen Eingriffen(z.B. bei der Theaterszene, in der Hamlet den Mord mithilfe einer Komödiantentruppe entlarvt) Alles den Sing-Schauspielern überlassen.
Eine fast leere , sehr düstere Bühne, serh gute Kostüme (darin ist die MET m.E. sowieso Weltspitze!) und einige glanzvolle Einfälle- den Rest haben Sänger und Musik gemacht.
Ein glanzvoller Einfall war die Theaterszene. Die Truppe die den Mord der Gonzague spielt besteht aus drei männlichen Schauspielern, die Königin wird von einem serh grossen Schwarzen gegeben. Ganz im Stil der Commedia dell arte wird der Gift-Mord gestisch vorgeführt.
Anschliessend steht Hamlet auf dem Tisch und singt sein "Trinklied" wobei er am Ende mit Wein/Blut übergossen dasteht und damit ein Gegenstück zu der spâter ebensfalls blutüberströmten Ophélie darstellt. Durch die Sparsamkeit der Bebilderung dieser Aufführung wirken diese Bilder umso eindringlicher. Wie auch die Kostüme,

Die Stars des Abend waren die Sing-Schauspiler, die trotz einer Lânge von fast 4 Stunden und mit nur einer einzigen Pause (in der Keenlyside dringend duschen musste, denn ihm lief das "Blut" - der Wein aus den Haaren und den ganzen Körper hinunter) das Publikum in Atem gehalten haben.

James Morris nehme ich mal etwas aus, sein Wobble ist fast nicht zu ertragen und in seiner "Reue-Arie" war das nur noch peinlich. Er hat die Rolle des Claudius nciht schlecht gespielt, aber gesanglich darf er m.E. an einem solchen Haus fûr solche Rollen nciht mehr eingesetzt werden. Die MET ist zwar menschlich hoch zu loben, dass sie alternden Sängern weiter eine Heimat und Brot bietet, aber wenn die stimmliche Qualität gegenüber der restlichen Besetzung so abfällt, geht das an dieser Bühne nicht!

Jennifer Larmore hat eine Gertrude gegeben, die allein schon als Erscheinung eine Klasse für sich war. Irgendwo zwischen böser Stiefmutter aus Schneewittchen, reuiger Sünderin, Herodias und Klythämnestra- einfach umwerfend! Ihre Mimik und Gestik manchmal leicht überzogen, aber in der grossen Szene mit Hamlet erstklassig- Sigmund Freud hâtte seine helle Freude gehabt!
Gesungen hat sie sehr gut, die Rolle ist gross und nciht gerade anspruchslos- Larmore hat daraus ein Glanzlicht des Abends gemacht, was vor allen Dingen auch an ihrer Bühnenpräsenz lag, woran Kostüme und Frisur ihren nciht unbeträchtlichen Anteil hatten.

Marlis Petersen hatte es einerseits als Einspringerin sehr leicht, gefeiert zu werden, (wurde sie!) andererseits serh schwer, gegen eine solche Ophélie wie Natalie Dessay anzusingen. Die Rolle dieser fragilen, dem Wahnsinn verfallenden jungen Frau ist der Dessay von allen Rollen, in der ich sie kenne, am exactesten auf den Leib und in die Stimme geschrieben- da gibt es derzeit keine bessere Besetzung.
Petersen hat ihre Sache gut gemacht, sowohl gesanglich als auch schauspielersich, aber sie ist keine Ophélie. Von der Zerbrechlichkeit und dem "unschuldigen Wahn" kam nichts rüber, allein die Körpergrösse und Morphologie laufen dem zuwider.Die Stimme ist zwar gut beweglich und in allen Lagen hervorragend ausgenutzt, aber viel zu schwer für diese Rolle. Dadurch wird die Farbigkeit gerade in der Höhe und in den Koloraturen doch serh eingeschränkt. Sie singt Alles richtig, was wahrlich schon serh viel ist, aber durch die Schwere des Materails kann sie nicht so gestalten wie es in dieser Rolle sein müsste. Dass sie demnâchst Lulu singt, die ja nun nicht gerade ein lyrischer Koloratursopran à la Ophélie ist, sagt schon fast Alles!
Was mich gefreut hat, war, dass es neben Diana Damrau noch eine weitere deutsche Sopranistin gibt, die diese Weltklasse hat, eine solche Rolle einspringenderweise singen zu können. Ein Hoc hauf die frz. Diktion- wei schwer das ist, weiss jeder, der als Nicht-Franzose schon in dieser Sprache gesungen hat. Eine hervorragende Sängerin, die ich allerdings in anderen Rolle eher geniessen werde. Brava! bowdown

Absoluter Höhepunkt: Keenlysides Hamlet! Da fehlen die Superlative- er ist einfach DER Hamlet schlechthin. bowdown bowdown bowdown
Das Rollenportrait, die Stimme, die fast akzentfreie Diktion- genial! Seinetwillen wurde diese Oper auch an der Met nach 100 Jahren wieder aufgeführt und das ist wirklich ein Riesen-Gewinn.
Ich habe allerdings eine noch bessere Version: Barcelona Liceu 2003 unter de Billy. Ebenfalls mit Keenyside aber mit Natalie Dessay als Ophélie. Da stimmt dann eben Alles!
Nur Jennifer Larmore und die tollen Blâser der MET fehlen......

Zur Oper selbst und der Bearbeitung des Shakespeare Stoffes liesse sich noch einiges sagen, das kann ja noch nachgeholt werden.
F.Q.

__________________
Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
Heike (28.03.2010, 12:53):
Danke für die schöne Beschreibung, jetzt ärgere ich mich noch mehr, dass die das im Cinestar nicht hingekriegt haben mit der Technik!
Vielleicht kaufe ich mir alos Trost die DVD!
Heike
Rideamus (28.03.2010, 13:34):
Diese DVD lohnt sich in der Tat auch für weniger Trostbedürftige:


Von der MET gibt es vorerst leider nur den Ton im Netz, aber den werde ich in nächster Zeit zum Vergleich wenigstens teilweise auch mal anhören. Insgesamt ist die aus Barcelone aber eine jener Aufführungen, neben denen man eigentlich keine andere mehr braucht - es sei denn, man kriegt sie live mit.

:hello Rideamus
santuzza (28.03.2010, 20:46):
Das ist wahr! Da braucht man keine andere Aufnahme
Severina (06.04.2010, 12:51):
Liebe Fairy,
danke für diese wunderbare Beschreibung, ich kann speziell das, was Du über Marlis Peterson angemerkt hast, sehr gut nachvollziehen, denn ich war nach ihrer grandiosen Medea auch etwas erstaunt, dass sie die Ophélie in ihrem Repertoire hat. Da ich aber im Unterschied zu Dir nichts von den theoretischen Grundlagen des Singens verstehe, dachte ich mir, es wird schon passen, die Frau weiß sicher, was sie tut.
Rollen wie Hamlet sind für Keenlyside maßgeschneidert, dafür ist er der perfekte Typ.
Höchste Zeit, mir wieder einmal die DV einzulegen, die auch zu meinen liebsten zählt.
Wie war Toby Spence als Laertes? Er hat mir nämlich in "Rake's progress" im Theater an der Wien sehr gut gefallen, auch schauspielerisch.
lg Sevi :hello
Fairy Queen (08.04.2010, 09:17):
Liebe Sevi, ganz kurz von unterwegs: Spencer war gut, er hat eine sehr angenehme und gut geführte Stimme. Die Rolle ist ja nicht serh gross unbd wenig interessant und ist mir wohl im Berciht durch die Lappen gegangen.
Liebe Grüsse aus München wo ich heute abend les dialogues des Carmelites sehen werde.
F.Q.
Heike (02.05.2010, 15:01):
The MetropolitanOpera live im Kino - Die Saison 2010 / 2011
(das ist jedenfalls das, was in Berlin kommt)

9. Oktober 2010, 19 Uhr
Wagner DAS RHEINGOLD
Mit Stephanie Blythe und Bryn Terfel
Dirigent: James Levine, Produktion: Robert Lepage


23. Oktober 2010, 18 Uhr
Mussorgsky BORIS GODUNOV
Mit Ekaterina Semenchuk und René Pape
Dirigent: Valery Gergiev, Produktion: Peter Stein


13. November 2010, 19 Uhr
Donizetti DON PASQUALE
Mit Anna Netrebko und Matthew Polenzani
Dirigent: James Levine, Produktion: Otto Schenk


11. Dezember 2010, 18:30 Uhr
Verdi DON CARLO
Mit Marina Poplavskaya, Roberto Alagna und Simon Keenlyside
Dirigent: Yannick Nézet-Séguin, Produktion: Nicholas Hytner


26. Februar 2011, 19 Uhr
Gluck IPHIGENIE EN TAURIDE (Iphigenie auf Tauris)
Mit Susan Graham und Plácido Domingo
Dirigent: Patrick Summers, Produktion: Stephen Wadsworth


9. April 2011, 19 Uhr
Rossini LE COMTE ORY
Diana Damrau und Juan Diego Flórez
Dirigent: Maurizio Benini, Produktion: Bartlett Sher


30. April 2011, 19 Uhr
Verdi IL TROVATORE
Mit Sondra Radvanovsky und Marcelo Álvarez
Dirigent: James Levine, Produktion: David McVicar


14. Mai 2011, 18 Uhr
Wagner DIE WALKÜRE
Mit Deborah Voigt, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel
Dirigent: James Levine, Produktion: Robert Lepage
Fairy Queen (03.05.2010, 06:54):
Liebe Heike, danke für die Info!
Ich kann nciht sagen, dass mich das total umhaut, aber einige interessante sachen sind shcon dabei und immerhin nciht nur Ober-Staubi-Regie. Den Godunov kenne ich noch nciht und schaue mir den schon deshalb an. Lepage ist ein sehr guter Regisseur wie sich bei La Damantion de Faust gezeigt hat, aber Wagner ist ncihts für mich. Und Blythe und Terfel entsprechen leider so arg dem Klischee von übergewichtigen Sumo-Wagner-Sängern......
Die Schenk Inszenierung des Don Pasquale muss uns Sevi mal besprechen, die ist doch sicher schon 100 Jahre alt oder? :wink

Die Iphigenie interessiert mich dagegen sehr. Grahams Stimme ist immer ein Gewinn. Welche Rolle singt Domingo da???? Theoretisch käme ja zwischen Tenor und Bariton so einiges in Frage... vom Alter her allerdings?

Und auf den Comte Ory freu ich mich, den hab ich auch noch nie gesehen und dann in dieser Besetzung! :leb
Trovatore von McVicars klingt nciht schlecht, kennt da jemand die Sängerin der Leonora?
Und die Walküre allein wegen Jonas Kaufmann. der muss ein umwerfender Siegfried sein! Dass Deborah Voigt mitsingt, wundert mich etwas, neulich hab ixch noch irgendwo hier oder anderswo gelesen ihre Stimme sei hinüber. ?(


Wo ist Renée Fleming? Und Natalie Dessay oder Rolando? Abgesagt oder gar nicht erst eingeladen?

Spielt die MET eigentlich aus Prinzip keinen Mozart?


F.Q.
Heike (03.05.2010, 08:28):
ich hab grad nochmal auf die MET-Seite geschaut, da gibts noch 3 Sachen, die Berlin nicht überträgt:


January 8
Puccini’s La Fanciulla Del West
Nicola Luisotti; Deborah Voigt, Marcello Giordani, Juha Uusitalo

March 19
Donizetti’s Lucia di Lammermoor
Patrick Summers; Natalie Dessay, Joseph Calleja, Ludovic Tézier, Kwangchul Youn

April 23
Strauss’s Capriccio
Andrew Davis; Renée Fleming, Sarah Connolly, Joseph Kaiser, Russell Braun, Morten Frank Larsen, Peter Rose

siehe http://www.metoperafamily.org/metopera/news/news_flash.aspx?id=11526
Heike
Severina (03.05.2010, 11:38):
Meine Lieben,
der "Comte Ory" könnte vielleicht sogar mich ins Kino locken :down!! Denn in Wien kriege ich den sicher nicht zu sehen, schon gar nicht in DER Bsetzung!
Ansonsten würde ich zwar gerne Marcelo Alvaréz wieder hören, denn Wienauftritte scheitern an seinen unverschämten Gagenforderungen (Er will die doppelte Höchstgage X( ), aber die Leonora kenne ich auch nicht. (Glaube aber von ihr Positives gehört zu haben)
Bryn Terfel finde ich nicht sooo dick, außerdem haut mich seine Stimme so um, dass ich über die paar Kilos zu viel gerne hinwegsehe, und er engagiert sich in jeder Rolle 100%ig, ist also wirklich kein Rampensänger.

Was Rolando und die MET betrifft, so denke ich einfach, dass sie große Beziehungsprobleme haben, und da verstehe ich den Intendanten sogar ein bisschen, wenn er vorerst Villazón-frei plant, denn unser Liebling hat ihm wohl viele graue Haare beschert. Wenn ich recht im Bilde bin, sind Rolandos MET-Auftritte allesamt von Stimmkrisen und Absagen geprägt, denn schon sein Debut als Duca verlief nicht sonderlich erfolgreich, wie er selbst in einem Interview einmal bekannte.

Liebe Fairy, den Pasquale von der MET kenne ich leider nicht, aber ich bin auch noch keine 100 :haha
Und der schöne Jonas darf sich in der "Walküre" erst mit der Zeugung des Siegfried beschäftigen :wink :D

lg Sevi :hello
Solitaire (03.05.2010, 12:26):
Danke für's Programm! Ich war am Samstag in "Armida" (und habe mich in die Stimme von Lawrence Brownlee verliebt :down) und habe zu meiner Freude schon da festgestellt, daß "Lucia" mit Dessay übertragen wird. Allerdings zeigt Düsseldorf die Vorstellung auch nicht, was ich sehr bedauere. Da auch Dortmund diese Lucia nicht überträgt, vermute ich fast, daß sie vielleicht in Deutschland gar nicht gezeigt wird? Immerhin haben sie in der letzten Saison die gleiche Inszenierung mit Netrebko gezeigt, vielleicht befürchten die Kinobetreiber, daß sich die Karten daher nicht gut verkaufen?

Ich werde mir wohl mein erstes Rheingold gönnen, und der Grund ist,natürlich, Bryn Terfel. Der Mann haut mich immer wieder um (noch vor kurzem auf DVD als wunderbar böser Scarpia :down :down :down).
Da kann er in der Tst so dick sein wie er will.

Daß die MET von RV erstmal die Finger läßt kann ich, wenn auch schweren Herzens, ebenfalls gut verstehen.Im Übrigen: wer weiß wofür es gut ist, so ein Riesenhaus, und dann noch in vieler Hinsicht vermientes Gelände...ist vielleicht für Stimme und Psyche besser so, wer weiß.
Fairy Queen (03.05.2010, 13:16):
Nur um mal gleich allen Missverständnissen vorzubeugen: ich liebe Bryn Terfel auch- er ist mir sogar als Liedsänger eine goldene Palme wert udn das ist bei solchen Opernbarden eher selten der Fall. aber die Vorstellung, ihn mit Stefanie Blythe in Wagner war einfach zu verlockend für eienn garstigen Kommentar. Wobei Blythe auch eine tolle Stimme hat, habe sie als Orfeo gesehen und gehört aber leider eine derer ist, wo mir das Hören dann auch reicht.
Bin gespannt was die heir in Lille bringen. Natalie ganz gewiss aber vielleciht auch "Capriccio". Die Fanciulla mit Deborah Voigt und Gioradano reizt mcih nun auch nciht gerade, obschon ich diese Oper gerne ma lkenennlernen würde . warten wirs ab, man erlebt ja oft gerade da überraschungen wo man mit "gewissen Vorurteilen" hingeht. liebe Sevi, als Erzeuger ist Kaufmann sicher besodners gut...... :D da siehst du mal , wie gut ich in Sachen Wagner bin!!!!!! :ignore

F.Q.
Heike (10.10.2010, 09:08):
Hat jemand gestern das Rheingold gesehen?

Mich haben ja gesanglich Terfel (Wotan), Blythe (Fricka) und Owens (Alberich) so umgehauen, dass ich die stockkonservative Inszenierung glatt vergessen habe.
Wieso wurde eigentlich Richard Croft (Loge) ausgebuht? So schlecht fand ich den gar nicht (davon mal abgesehen, dass ich diese Art der Unmutsbekundungen sowieso für schlechtes Benehmen halte).
Heike
Severina (10.10.2010, 11:52):
Liebe Heike,
leider nein, ich muss gestehen,dass ich noch nie in einer dieser MET-im-Kino-Veranstaltungen war, aber es freut mich zu hören, dass Terfel seine Stimmkrise offensichtlich überwunden hat. Wäre schade gewesen um diesen tollen Sänger!
lg Sevi :hello
Ingrid (10.10.2010, 17:51):
Bisher konnte ich mich mit dem Rheingold nie so recht anfreunden. Die Walküre war immer mein Lieblingsringteil und auch deshalb freue ich mich schon riesig auf den Mai.

Mir gefiel gestern einfach alles und Terfel war so grandios, dass ich auf meinem Sessel hätte hüpfen können (der Smiley fehlt hier). War ja auch in Sorge, dass seine Stimme gelitten haben könnte, aber dem war überhaupt nicht so. Zu Beginn meine ich zwar immer, ein leichtes Tremolo zu hören (war auch bei den Holländern so), aber das ist dann immer blitzschnell weg. Vielleicht doch die Aufregung, denn Sänger sind tatsächlich auch nur Menschen, selbst wenn sie den Wotan verkörpern dürfen :wink

Ich fand die Inszenierungsmaschinerie gewaltig, auch peppig, ließ mir den Mund manchmal sogar ehrfürchtig offen stehen und die Kostüme lustig. Haben mich also überhaupt nicht gestört oder abgelenkt, obwohl ich weder Wotan noch den Riesen bei Nacht begegnen möchte. Sahen schon ziemlich furchterregend und heftig in ihrem Umfang aus.

Bei den Buhs für Loge war ich echt irritiert, denn er fiel gegenüber den sehr guten Leistungen der anderen Sänger und Sängerinnen in keinster Weise negativ auf. Hoffte sogar, dass im Kino gebuht wurde, denn das hätte der arme Mann dann ja nicht mitbekommen. Leider war es nicht so. Gerade bei ihm kam eine körperliche Höchstleistung dazu, denn oft genug mußte er in einer extremen Schräglage stehend singen und das kostet ja zusätzlich viel Kraft.

Schön war auch, dass man im Vorspann einen kleinen Einblick in die Proben der Rheintöchter bekam, denn da wurde einem so richtig bewußt, in welchen Höhen sie da agieren und wie anstrengend allein schon die Bewegungen als "Nixen" in der Steilwand sein mußten. Bei der Aufführung sah dann alles so spielend leicht und natürlich aus, obwohl ihnen zu Beginn der Proben die Angst deutlich anzumerken war.

Da ausgerechnet gestern bei mir die Migräne voll zugeschlug (Föhn?) war ich echt froh, dass ich lieber Tabletten nahm, als bei dieser Übertragung zu fehlen. Jetzt bekam ich sogar noch eine Karte für Boris Godunov in 14 Tagen angeboten und ich befürchte fast, dass ich da auch dabei sein will :)

:hello und noch einen schönen und sonnigen Sonntag
wünscht Euch Ingrid
Fairy Queen (10.10.2010, 19:14):
Nee diesmal war ich nicht im Kino, so toll wie Händels Orlando kann das nie und nimmer gewesen sein!!!! Da hab ich die Live-Oper doch bei weitem vorgezogen. Blythe singt aber wirklich toll, leider ist sie als Bühnenfigur eine ziemlche Zumutung- zumindest als Orfeo neben der wunderhübschen Danielle de Niese- aber mit Terfel passt es dann sicher besser. Eure Nachrchten zu seiner Stimme freuen mich natürlich riesig!!!! :leb

F.Q.
Ingrid (10.10.2010, 21:01):
Fand gerade im BSO-Forum ein Kartenangebot für ein Konzert mit Bryn Terfel im Gasteig in München am 7.11. um 15 Uhr. Schon interessant, aber für mich zu teuer. Außerdem ist die Akustik dort schwierig, obwohl das schon ein sehr guter Platz zu sein scheint. Aber jetzt habe ich ihn ja eh fast live genießen dürfen und darf zufrieden sein.

:hello Ingrid
Heike (10.10.2010, 22:30):
Liebe Ingrid,
da bin ich ja froh, dass ich wohl doch nicht unter Geschmacksverirrung leide und also nicht die einzige war, der Loge auch gefallen hat. Ich war zuerst irritiert und dann fand ich es auch richtig gemein.

Die ganze Inszenierung war schon gewaltig, diese ganze Technik muss man erst mal bauen und sich dann darauf bewegen. Meinen Respekt vor allem für die Damen. Manche Szenen fand ich auch recht schön gemacht, z.B. das Schlussbild oder die Zeitlupen-Treppe zu den Nibelungen. Das einzige, was mir optisch richtig missfallen hat, war die Barbie-Erda. Ich hätte es mir insgesamt etwas subtiler gewünscht, die Personenregie war extrem konservativ und die Kostüme schon alle etwas dick aufgetragen. Aber wiegesagt, es hat mich kaum gestört, denn gesanglich war es wirklich genial, so gut habe ich das Rheingold noch nie gehört. Ich bin schon megagespannt auf die Walküre im Frühjahr.

Hallo Fairy,
Blythe singt aber wirklich toll, leider ist sie als Bühnenfigur eine ziemlche Zumutung
In diesem Fall war sie neben Terfel noch fast grazil ;-) nee, sie war vorteilhaft gekleidet und strahlte eine wunderbare Ruhe aus, es war wunderbar und mich hat es in diesem Fall kein bisschen gestört, wie beleibt sie ist. Da habe ich schon einige zickig-hysterische Frickas gesehen, die mir weit weniger passend erschienen. Sie hat einfach himmlisch gesungen und genau die richtige Ausstrahlung gehabt: Sehr menschlich-göttlich, nur ein wenig verzweifelt, dafür mit genug Gottvertrauen (in ihren Mann).

Boris Godunov in 14 Tagen werde ich mir auch ansehen, ich kenne diese Oper rein gar nicht, also das muss ich mir schon deshalb gönnen.
Heike
Solitaire (11.10.2010, 18:18):
Danke für die Berichte!
Ich mußte meine Karte ja leider verkaufen, da ich verhindert war. Das hat mir bitter leid getan, und jetzt tut es das noch mehr, aber ich bin heilfroh, daß es seiner Stimme offenbar besser geht. :leb
miranda (24.10.2010, 00:42):
Ich komme gerade zurück aus der MET-Liveübertragung von Mussorgskis BORIS GODUNOV und stelle fest, dass offensichtlich noch niemand einen Bericht verfasst hat. Es ist ein bisschen spät für eine ausführliche Würdigung, deshalb nur soviel ad hoc:

Für mich war es die erste Liveübertragung einer Oper in HD-Qualität auf der großen Kinoleinwand - einerseits überwältigend, wie nahe man den Sängern ist (erste Reihe ist nichts dagegen) und jede Regung ihrer Gesichter registriert; andererseits geht durch die häufigen Nahaufnahmen der Blick für das Bühnenganze und damit das eigentliche Opernerlebnis etwas verloren, ganz zu schweigen von den unangenehm laut eingestellten Lautsprechern.

Was die Optik der Produktion betrifft, legt sie die Vermutung nahe, dass die Kosten der üppigen Kostüme (selbst das nach Brot schreiende Volk war säuberlich geschmackvoll gekleidet, bei einem Chor von 120 kein Pappenstiel) beim Bühnenbild wieder eingespart werden mussten, das weder in den beiden Russlandakten noch im Polenakt Lokalatmosphäre aufkommen ließ.

Der große Pluspunkt des Abends war für mich René Pape in der Titelpartie, der einzige Nicht-Russe unter den Sängern der Erwachsenenrollen. Die Qualität seiner Aussprache kann ich mangels Russischkenntnissen nicht beurteilen, aber die Fülle und Wärme seiner Stimme und sein Spiel fand ich herausragend.

Leider kehrte Ekaterina Semenchuk in der Rolle der Marina zu sehr die Domina heraus; in einem weißgekleideten Hofstaat schwarzgewandet, mit Reitstock und roter Lockenperücke herumstolzierend und mal den Jesuiten Rangoni, mal den falschen Dmitri sexuell provozierend, war sie so eindimensional bös wie sonst nur die Hexe bei Hänsel und Gretel.

Dieser Dmitri oder besser Grigori wurde von Aleksandrs Antonenko mit hellem Timbre recht ansprechend gesungen, während sein eher statuarisches Spiel dieser doch tief gespaltenen Persönlichkeit nicht wirklich gerecht wurde.

Man müsste noch viel über die eindrucksvollen Männerstimmen der Nebenrollen sagen, aber dazu bin ich jetzt zu müde. Auch Boris' Kinder, vor allem Jonathan Makepeace als Feodor, haben mir gut gefallen. Gergiev dirigierte das MET-Orchester mit dynamischer Wucht.

Ob es nötig war, die Gewalt der erregten Volksmasse, die sich im letzten Akt sowohl an Schuldigen wie Unschuldigen austobt, mit solchem Gusto à la Splattermovie auszumalen, wenn man beim Bühnenbild so viel der Fantasie überlässt? Aber das ist vielleicht dem Ort geschuldet.....

Alles in allem ein sehens- und hörenswerter Opernabend!
Fairy Queen (24.10.2010, 09:51):
Liebe Miranda, ich war gestern abend auch im Opern-Kino und stelle meine Eindrücke mal gleich neben die deinen.
Ich hatte Boris Goudunov noch nie gehört oder gesehen und habe mich auch absichtlich nciht auf dieses Ereignis vorbereitet, zumal ich sowieso rein zufällig und kurzfristig an die Karten kam, weil eine Bekannte sie wegen Verhinderung loswerden musste. Gottseidank, sage ich nun!
Ich muss ehrlich sagen: mich hat das von der ersten bis zur letzten Sekunde gepackt, die 5 Stunden gingen vorbei wie nichts und ich war schon überwältigt von diesem Werk an sich . :down :down :down
Ich fühlte mich durch die Thematik von Schuld und Reue und Strafe und durch die Figur des Gottesnarren sofort wie in einem Dostojewski Roman, der von grandioser Musik ausgemalt wird. Meinem Mann ging es genauso.

Was die Ausführung angeht, hat mich als Ersthörerin die Wucht der Ausstattung (das kennt man ja nicht anders von der MET!) die zur Musik und zum Thema passte, kein bisschen gestört. Ic hhabe ein Faible für Kostüme und an der MEt werde ich da immer fast so gut bedient wie bei McVicars Inszenierungen. :wink
Da einige Sänger hervorragend gespielt haben, brauchte ich kein Bühnenbild- die Personenregie hat mir gereicht. Stimmlich und darstellerisch war natürlich René Pape der Star des Abends, aber ich möchte doch genauso den Pimèn von Petrenko hervorheben, dessen sattes Bass- Tiimbre an sich mir fast noch mehr gefallen hat als das von Pape und das Spiel plus Gesang des Gottesnarren fand ich auch 100ig rollendeckend.
Bei der Einschätzung der Marina gebe ich Dir Recht- das hat mir nciht gefallen, weder das Timbre noc hdie Darstellung der Person. Mir wurde auch bei dieser Figur letztlich nciht ganz klar, was sie eigentlich wollte und wie gross die Macht der Jesuiten über sie nun tatsächlich war. So cool wie sie da auftrat, war sie mit sicherheit nicht, denn sosnt hâtte sie kaum dem Willen des Priesters aufs Wort gehorcht.
Das grausame Gemetzel am Ende war schwer zu ertragen, aber wohl ziemlich logisch und ich bin schon froh, das nicht gezeigt wurde, was mit den Zarenkindern passiert ist. Beeindruckend wie so oft, der Chor der Met.
Genial finde ich Mussorskis Idee, den Gottesnarren an den Schluss zu setzen und in einer Prophetie das schicksal Russalnd gleich fûr die kopmmenden Jahrhunderte mithineinzudenken. Ich hâtte eigentlich erwartet, dass Pimèn nochmal auftritt und den falschen Zarevich entlarvt- warum er das nciht getan hat, bleibt mir râtselhaft!

Ganz und gar unerträglich finde ich die Moderation in den Pausen- das ist so bonbonmässig amerikanisch, dass man fast schon wieder lachen könnte, aber mich nervt das jedesmal mehr. Die Interviewten haben gar keine andere wahl als stereotyp immer nur "It's wonderfulol, it's great!" zu sagen- was soll das Ganze???????
Ob ich mir otto Schneks Don pasquale am 13.11. ansehe, weiss ich noch nicht. Netrebko als Norina ist nicht eben meine Idealbesetzung......


Auf Glucks Iphigenie mit Susan Graham habe ich dagegen grosse Lust und auf die Lucia mit Natalie Dessay sowieso.
So, nun muss ich mich mal etwas über die Oper Boris Goudunov informieren, evtl finde ich ja irgendwo ienen Thread dazu.

Schönen Sonntag ringsum

F.Q.
Heike (24.10.2010, 10:10):
Hallo,
ich habe Boris Godunov gestern auch gesehen, hier meine ersten Eindrücke:
Ich kannte die Oper bisher nicht und war doch sehr positiv beeindruckt, welche Dramatik darin war und wie interessant und abwechslungsreich subtil die Musik sich gestaltete. Eine ganz großartige Geschichte zudem! Mangels Vergleich kann ich da natürlich nur spekulieren - aber diese story schreit ja geradezu nach einer tieferen Deutung - was die MET aber nicht abhielt, eine relativ brave, psychologisch allerdings interesssante, wirklich kostümbetonte Aufführung daraus zu machen.

Wenn man mal von der Domina Marina (kurz vor dem Inszest mit dem Pater) absieht, konnte ich nicht erkennen, dass man irgendwo von der rein konservativen Lesart abgewichen ist. Das Ganze wurde wirklich grandios durch die Zentralfigur Rene Pape als Godunov bestimmt und zusammengehalten. Ich fand ihn auch sehr beeindruckend, stimmlich und auch von der Bühnenpräsenz her. Was die Zarenkinder angeht, die Xenia fand ich ganz bezaubernd, den Zarewitsch hingegen konnte ich in seiner Steifheit und mit der Knabenstimme kaum ertragen (das ist aber sicher Geschmackssache).

Gergiev (in der Pause im Interview, mit Dreitagebart und auch sonst sehr gestresst aussehend) fand ich - soweit man das beim ersten Hören beurteilen kann - geradezu überwältigend. Er dirigierte ganz wunderbare, fast kammermusikalisch zarte Passagen, dann wieder voller Wucht und Dramatik sprühende. lebendige Musik. Zusammen mit den riesigen Chören fühlte ich mich da wirklich ins russische Zarenreich versetzt und bin froh, diese Oper kennengelernt zu haben.
Heike

P.s. @ Fairy
Wenn du Zeit und Lust hast, lass uns an deinen Forschungsergebnissen zu Boris Godunov teilhaben!
Rideamus (24.10.2010, 10:20):
Original von Fairy Queen

Ob ich mir otto Schneks Don pasquale am 13.11. ansehe, weiss ich noch nicht. Netrebko als Norina ist nicht eben meine Idealbesetzung......

Auf Glucks Iphigenie mit Susan Graham habe ich dagegen grosse Lust und auf die Lucia mit Natalie Dessay sowieso.
So, nun muss ich mich mal etwas über die Oper Boris Goudunov informieren, evtl finde ich ja irgendwo einen Thread dazu.

Schönen Sonntag ringsum

F.Q.

Der otto Schnek ist ja zu schön um nicht doch ein bisschen Absicht zu sein, oder???

Bei Netrebkos Norina wäre ich normalerweise auch skeptisch, aber als Adina in Herrn Schnecks Wiener LIEBESTRANK hat sie Dir doch auch sehr gut gefallen. Ich würde das eher von den Männern abhängig machen.

Zum BORIS kann ich mich leider nicht äzußern, denn ich tue mich mit dieser Choroper immer sehr schwer. Vielleicht hätte ich die Übertragung sehen sollen, aber 5 Stunden????? Einen Thread zu den Einspielungen findest Du übrigens hier: http://www.capriccio-kulturforum.de/oper/2469-mussorgsky-boris-godunov-kommentierte-diskographie

Auch von mir einen schönen Sonntag allerseits, trotz des Wetters und deshalb vielleicht teilweise am Schirm.

:hello Rideamus
Fairy Queen (24.10.2010, 15:49):
Lieber Rideamus, nee, das war keine Absicht... schäm! :(
Danke fûr den Link. ich glaube aber, der boris Godunov ist eine Oper, die man nciht nur hören kann. Ich kann mir das ohne Szene und Schauspiel überhaupt nciht vorstellen. Und als Choroper habe ich es auch nciht empfunden. Im letzten Bild singt zwar fast nur der Chor, aber durch die mehr als lebendige Szenerie und den Gottesnarren hat mich das in keiner Weise gestört. Eigentlich bist DU doch der Ensemble-Fan :D

Was Netrebkos Adina angeht, die war wirklich hervorragend! Die Stimme ist seutdem serh nachgedunkelt und in die Breite gegangen (die Trâgerin übrigens auch, was ihr aber nciht schlecht steht) und passt m.E. überhaupt nicht mehr ins Belcanto-Repertoire. Ich fand sie noch nie ideal für dieses fach, aber seit ich sie als Antonia und Micaëla und dagegen als Lucia gehört habe, bin ich immer mehr der Ansicht, dass das grosse lyrishe Fach richtig ist. Aber ich fand auch Marlies Petersen an der MET zu gross für die Ophélie von Thomas und will in diesem Fach noch eine Andeutung des Zarten und Fragilen haben. Und das hat Netrebko nun ûberhaupt nciht mehr, hatte es auch nie wirklich. Warum singt sie nciht Puccini????? An der MET wird zwar immer eher zu schwer als zu leicht besetzt, das liegt sicher auch an der Grösse des Hauses, aber sie lassen schliesslich auch Natalie Dessay singen!

F.Q.
P.S. Hier ist tolles sonnenwetter und ich bin shcon einmal um den See marschiert, ich schicke euch auch ein paar Strahlen rüber!
Mimì (16.11.2010, 23:07):
Hallo zusammen,

ich habe mich leider seit Ewigkeiten nicht mehr gemeldet und eigentlich ist mein Kopf arbeitsbedingt noch voller als vorher, aber irgendwie hatte ich dann doch so Sehnsucht :D.

Letzten Samstag war ich im Kino in „Don Pasquale“ aus der MET und bin sehr begeistert. Ich kann ja mal ein bisschen berichten.

Es fällt mir ziemlich schwer, die einzelnen Teile wie Sänger und Dirigat zu beurteilen, denn für mich war das Ganze einfach nur ein fantastischer Abend. Man hat einfach gemerkt, welchen Spaß und welche Freude alle dabei haben. Ich habe mich köstlich amüsiert, weil es wirklich so urkomisch und lustig war und ich mich vor Lachen gekugelt habe.

Die Inszenierungen von Otto Schenk kennen ja viele, sehr romantisch, mir hat es sehr gut gefallen. In den Pausen konnte man auch immer wieder sehen, wie sie die Bühnenbilder hin- und hergeschoben haben. Ich habe wirklich großen Respekt für diese Arbeit, vor allem, gab es hier so viele kleine Details in den Bühnenbildern zu entdecken. Die Kostüme waren entsprechend, bloß die Kluft, als Norina ausgehen wollte, passte da irgendwie nicht so recht rein. Das war dann doch zu überdreht.
Das Dirigat von James Levine war sehr flott und schwungvoll, es gab keine langweilige Minute. Ebenfalls ein plus von mir :).
Es ist auch einfach tolle Musik. Der Chor am Anfang des dritten Aktes war zum Beispiel auch prima!
Komme ich mal zu den Sängern: Sehr toll fand ich Mariusz Kwiecien als Malatesta, vor allem auch wegen seinem Spiel. John del Carlo in der Titelrolle war aber auch klasse, er hat die komischen, aber auch die tragischen Momente, in denen man dann doch Mitleid mit Don Pasquale hat, schön herausgebracht. Hervorragend natürlich das Plapperduett zwischen den beiden, das sie danach auch noch mal wiederholen mussten. Das war einfach umwerfend, es klang so mühelos und unangestrengt, der Wahnsinn. Matthew Polenzani als Ernesto hat eigentlich eine für mich zu hell timbrierte Stimme, denn ich bevorzuge generell eher dunkle Stimmen, aber er hatte eine ausgezeichnete Stimmkontrolle mit vielen crescendi und decrescendi und so. Anna Netrebko ist stimmlich tatsächlich viel zu schwer für dieses Fach, dem kann ich nur zustimmen. Für ihre Stimme wäre Puccini und dergleichen viel besser geeignet. Anfangs musste sie sich, glaube ich, auch ein bisschen warm singen. Von ihren Spitzentönen bin ich allerdings immer sehr angetan, denn vor denen muss man bei ihr keine Angst haben. Sie klingen niemals spitz oder schrill, sie kommen (zumindest in meinen Augen) immer weich und voll, und gerade diese Spitzentöne sind bei Donizetti ja sehr wichtig :wink. Wunderbar war auch bei ihr das Spiel, besonders, wie sie ihre Stimme verstellt hat, als sie als verkleidete Norina die „Unschuldige vom Land“ spielte.
Bleibt noch zu sagen, dass die Chemie zwischen den Darstellern bestens gestimmt hat, das hat man sehr gemerkt :). Die waren einfach super aufgelegt :wink.

So weit von meiner Seite dazu. Ich kannte „Don Pasquale“ vorher nicht und habe daher auch keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Inszenierungen, aber es ist eine unglaublich schöne Oper :).

Liebe Grüße,
Mimì
Severina (17.11.2010, 00:03):
Liebe Mimi,

na, endlich hat jemand meine Neugierde gestillt, ich wunderte mich schon, dass just diesen "Don Pasquale" niemand gesehen haben sollte! (Ich habe bisher die MET-im-Kino-Vorstellungen geschwänzt, weil wir ja in Wien live genug verwöhnt werden :wink und ich um den Preis der Kinokarte mindestens zweimal in die Oper gehen kann.)
Markus Kwieczien ist wirklich ein hervorragender Vertreter seiner Zunft, ich habe ihn im Vorjahr als phänomenalen Alberich erlebt, dass Anna Netrebkos Stimme für die Norina inzwischen nicht mehr optimal geeignet ist, glaube ich sofort.
Als Ernesto allerdings gibt's für mich nur einen, und das ist Juan Diego Flórez.

lg Severina :hello
Zefira (17.11.2010, 00:20):
Hallo ihr Lieben,
da ich zusammen mit Mimì im Kino war, bin ich ihr dankbar, dass sie diesen Bericht geschrieben hat - ich habe es ganz genauso erlebt wie sie.
Wie Mimì habe ich diese Oper zuvor nicht gekannt und war hell begeistert. Abgesehen davon, dass diese Oper wirklich keine einzige langweilige Minute hat, gefiel mir die Aufführung super gut. Da hat einfach die Chemie gestimmt, die Spielfreude der Darsteller, die Chemie im Ensemble, auch die sängerischen Qualitäten vom Feinsten.
Am Rande - in einer der Pausen wurde ein Interview mit Roberto Alagna und Simon Keenlyside gezeigt im Hinblick auf die bevorstehende Don Carlos-Aufführung - da schien mir die Chemie bei weitem nicht so gut zu stimmen ... :ignore Keine Ahnung, wie ich zu diesem Eindruck komme - wahrscheinlich lag es an so was Diffusem wie Körpersprache oder so ...

Schöne Grüße von Zefira
Severina (17.11.2010, 01:32):
Original von Zefira
Hallo ihr Lieben,
da ich zusammen mit Mimì im Kino war, bin ich ihr dankbar, dass sie diesen Bericht geschrieben hat - ich habe es ganz genauso erlebt wie sie.
Wie Mimì habe ich diese Oper zuvor nicht gekannt und war hell begeistert. Abgesehen davon, dass diese Oper wirklich keine einzige langweilige Minute hat, gefiel mir die Aufführung super gut. Da hat einfach die Chemie gestimmt, die Spielfreude der Darsteller, die Chemie im Ensemble, auch die sängerischen Qualitäten vom Feinsten.
Am Rande - in einer der Pausen wurde ein Interview mit Roberto Alagna und Simon Keenlyside gezeigt im Hinblick auf die bevorstehende Don Carlos-Aufführung - da schien mir die Chemie bei weitem nicht so gut zu stimmen ... :ignore Keine Ahnung, wie ich zu diesem Eindruck komme - wahrscheinlich lag es an so was Diffusem wie Körpersprache oder so ...

Schöne Grüße von Zefira

Liebe Zefira,
das kann ich mir gut vorstellen. Keenlyside ist ein äußerst intelligenter, umfassend gebildeter und reflektierender Mensch, und Alagna...... :ignore

lg Severina :hello
Solitaire (17.11.2010, 09:48):
Danke für diesen Bericht! Bei mir will es diese Saison mit den MET-Übertragungen irgendiwe nicht klappen. Für Don Pasquale habw ich keine Karten mehr bekommen und meine Rheingold-Karten mußte ich mt blutendem Herzen verkaufen da verhindert.
Mariusz Kwiecien habe ich ja im Sommer in München als Almaviva gesehen und war hellauf begeistert von ihm, ich glaube gerne, daß er ein toller Malatesta war, und auch wenn Anna nicht zu meinen Lieblingssängerinnen gehört, so hat sie doch eine wirklih sehr schöne Stimme und ich sehe sie immer gerne. Schade also, daß es niucht geklappt hat.
Fairy Queen (17.11.2010, 11:13):
Ich war nciht im Don Pasquale und habe statt dessen die Pina Bausch Version von Glucks Orphee gesehen. Ich hatte keine Lust auf Otto Schenk und keine Lust auf Anna Netrebko in dieser Rolle. Und mein Mann hatte keine Lust auf komische Oper und auch nicht auf James Levine. Da das Ganze immerhin 46 Euro gelostet hâtte war viermal keine Lust dann hinreichender Grund.
Wir haben den Orphée umso mehr genossen.

Was den Don Carlos angeht: Keenlyside als Posa würde ich gerne erleben. in welcher Form Alagna derzeit ist, weiss ich nicht. Von Tenören kann man keine grosse Intelligenz erwarten, es reicht doch wenn sie singen- oder?(wenn sie das wenigstens gut tun, will ich ja gar ncihts sagen....) :D
Wann gibt es den Don Carlo im Kino?

Weiss jemand was zu der Inszenierung udn den anderen Sängern?

F.Q.
Solitaire (17.11.2010, 11:57):
Ich bin mir nicht ganz sicher, glaube aber, daß es sich um die Inszenierung aus London handelt in der 2008 sowohl Rolando Villazón als auch Jonas Kaufmann an der Seite von Simon Keenlyside gesungen haben.
In der MET singen neben Alagna und Keenlyside Marina Poplavskaya und Ferrucio Furlanetto (wie auch damals in London) Das wären also schon drei gute Gründe, die Vorstellung zu besuchen. Zur Not nimmt man Alagna ebenfalls zähneknirschen in Kauf, obwohl ich sagen muß, daß er mir in der französischen Fassung an der Seite von Thomas Hampson sehr gut gefallen hat. Das ist allerdings schon eine Reihe von Jahren her, wer weiß, wie er sich heute schlägt.
Wenn es sich um die Londoner Inszenierung handelt, dann ist sie traditionell mit historischen Kostümen, schönen Bühnenbildern und ohne große Experimente. Eine Inszenierung also, die auf Sänger angewiesen ist, die sie zum Leben erwecken können. Ich habe sie mit Villazón in der Titelrolle am Radio gehört und später eine Fernsehaufzeichnung gesehen und sie hat mir gefallen, aber im vergleich mit anderen Inszenierungen bleibt z.B. der Vater-Sohn Konflikt ziemlich außen vor, das ganze konzentriert sich doch eher auf die tragische Liebesgeschichte, was ich schade finde.
Keenlyside hat mir SEHR gefallen, gerade weil er ein bißchen gesetzt und ruhig, fast spröde wirkt, hat er in London einen sehr passenden Gegenpol zum überaus schwärmerischen Carlos von Rolando Villazón gebildet. Wie er in Verbindung mit Alagna wirkt weiß ich nicht, aber singen wird er bestimmt toll! Marina Poplavskya mag ich seit ihrer Salzburger Desdemona sehr, und auch iher hat sie mir wirklich gut gefallen.
Über Furlanettos Filippo kann ich nur eines sagen: :down :down :down :down :down
Ansehen werde ich es mir dennoch nicht. Mir reicht meine DVD, wenn ich die nicht hätte, hätte ich wegen Furlanetto, Poplavskaya und Keenlyside bestimmt zugeschlagen, aber so erspare ich mir Alagna lieber. :ignore
Severina (17.11.2010, 13:25):
Liebe Mina,
das verstehe ich sehr gut, und da ich besagte DVD zu Weihnachten bekomme, besteht für mich kein Grund, mir diesen Carlo im Kino anzuschauen. Keenlyside ist ein toller Posa, ich habe ihn schon live in dieser Partie gesehen. (Mit einem inferioren José Cura.....)
Die franz. Fassung mit Alagna und Hampson gefällt mir auch sehr gut. Der Mann hatte ja mal eine schöne Stimme, leider hielt dieser Zustand nicht lange an. Allerdings soll er im Moment wieder etwas besser klingen als in den letzten Jahren, aber "etwas" ist mir defintiv zu wenig, um 30€ zu investieren. Sein Des Grieux tönt noch allzu schauerlich in meinen Ohren.....

lg Sevi :hello
Zefira (17.11.2010, 14:31):
Die "französische" Inszenierung mit Hampson und Alagna habe ich damals auch gesehen, ich glaube sogar, ich habe sie noch irgendwo auf Videotape.

Habe sie jahrelang nicht angesehen, meine mich aber zu erinnern, dass Alagna damals der Schwächste in einer großartigen Sängerriege war. Das hat allerdings bei einem Ensemble dieses Kalibers nicht viel zu sagen. Ich weiß im Augenblick nicht mehr, wer zb die Eboli gegeben hat, aber ich glaube, ich habe das Lied vom Schleier nie besser gehört.

Muss doch mal versuchen, das Tape wiederzufinden ...

Schönen Gruß von Zefira
Honoria Lucasta (17.11.2010, 14:40):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41x-jzmSzBL._SL500_AA300_.jpg

Es war wohl diese, und die Eboli singt hier die verdienstvolle Waltraud Meier. Elisabetta war Karita Mattila, Philipp war José van Dam.

Die DVD liebe ich sehr, gerade wegen Alagna, der das ganze Unglück dieser Figur glaubhaft machen kann wie wenige andere - ich weiß, daß es jetzt modern geworden ist, über Alagna die Nase zu rümpfen, aber er hat doch ein paar mehr als ordentliche Leistungen abgeliefert. Diese gehört mit Sicherehit dazu.

Eilige Grüße!

Honoria
Solitaire (17.11.2010, 14:56):
Ja, diese DVD ist wirklich großartig und gefällt mir sehr. Ich habe Alagna eigentlich nie besser gehört, und das sagt jemand, der niemals zu seinen Fans gehört hat.
Allerdings hat irgendwo mal jemand gesagt, Hampson als Posa sähe in der Inszenierung und mit dieser Frisur aus wie ein Neandertaler, und das muß ich leider bestätigen. :cool
Macht aber nix, wer so toll singt, darf auch aussehen wie der Elefantenmenschr :D
Severina (17.11.2010, 15:02):
Original von Honoria Lucasta
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41x-jzmSzBL._SL500_AA300_.jpg

Es war wohl diese, und die Eboli singt hier die verdienstvolle Waltraud Meier. Elisabetta war Karita Mattila, Philipp war José van Dam.

Die DVD liebe ich sehr, gerade wegen Alagna, der das ganze Unglück dieser Figur glaubhaft machen kann wie wenige andere - ich weiß, daß es jetzt modern geworden ist, über Alagna die Nase zu rümpfen, aber er hat doch ein paar mehr als ordentliche Leistungen abgeliefert. Diese gehört mit Sicherehit dazu.
Eilige Grüße!

Honoria

Liebe Honoria,

absolut, an seine ersten Jahre an der WSO erinnere ich mich mit großer Freude! Aber als er dann nach sehr langer Pause (und sehnsüchtig erwartet) wieder auftauchte, war der Schock groß, was aus dieser einst so schönen Stimme geworden ist. Schon zuvor hörte ich im Radio einige MET-Übertragungen, z.B. Faust, wo es mich leicht gruselte, aber da redete ich mir ein, es läge an der schlechten Übertragung, weil ich einfach nicht glauben wollte, was ich hörte. Der Live-Eindruck bestätigte dann leider den Radiobefund...... :(

Mich würde es nur freuen, wenn er sich wieder etwas gefangen hat, denn unser neuer Direktor ist Alagnafan und wird ihn uns einige Male präsentieren :D

lg Sevi :hello
Fairy Queen (17.11.2010, 15:27):
Diese DVD ist ja wirklich top-besetzt, vielleicht kommt sie mir ja mal in die Hände! Allein das Erlebnis Waltraut Meier als Eboli wäre es schon wert!

Was Alagna angeht, ob modern oder nciht, war das für mich der grossartigste Don José, den ich je gesehen habe- vor vielen Jahren in Orange. Leider hat sich danach nur noch verschlechtert und seine Aida-Aktion in der Scala war sowas von total daneben und alle Tenorklischees schlagend, dass mir das die letzten Sympathien, die ich für ihn wegen der einst so schônen Stimme noch hatte, verncihtet hat. Ich mag auch einfach das in meinen Augen wirklich oft dummdreiste Auftreten nicht; dass er in Popmusikstadien napolitanische Gassenhauer singt finde ich dagegen sehr verzeihlich.
Vor drei oder vier Jahren hat mich die Stimme bei iener Fernsehaufzeichnng wirklich erschreckt. Wenn er sich erholt hat, umso besser! Angeblich hat die Trennung von seiner entzückenden Gattin, über die er in der Boulevardpresse nicht serh liebevoll sprach (jeder sucht sich, das, was er verdient...) seiner Stimme sehr gut getan. Sagt er selbst. Ich habe ihn länger nciht gehört, aber das würde mich freuen! Wie gesagt: der beste Don José, den ich je gehört habe!

F.Q.
Solitaire (17.11.2010, 16:26):
Original von Fairy Queen
Angeblich hat die Trennung von seiner entzückenden Gattin, über die er in der Boulevardpresse nicht serh liebevoll sprach (jeder sucht sich, das, was er verdient...)F.Q.
Das hat er aber mal völlig anders gesehen. In besseren Zeiten hatten die beiden nix besseres zu tun, als im Interview zu verkünden, daß sie vor jeder Vorstellung ihr-wisst-schon-was-tun. Das sei gut für die Energie auf der Bühne. Denen war echt nix peinlich :D

Tratsch Modus Aus
Ingrid (17.11.2010, 17:22):
Tratschmodus noch mal schnell an: Sie sollen sich tatsächlich wieder versöhnt haben und das fände ich super.... selbst wenn sich seine Stimme wieder verschlechtern würde :ignore

LG Ingrid
Zefira (17.11.2010, 17:35):
Ein schönes Paar sind sie ja immerhin ... :cool
Severina (17.11.2010, 18:04):
Original von Ingrid
Tratschmodus noch mal schnell an: Sie sollen sich tatsächlich wieder versöhnt haben und das fände ich super.... selbst wenn sich seine Stimme wieder verschlechtern würde :ignore

LG Ingrid

Hoffentlich schlägt sich das nicht einem anderen auf die Stimmbänder :ignore :engel
lg Sevi :hello
Zefira (17.11.2010, 18:13):
Vielleicht steht das stimmliche Auf und Ab mit dem Auf und Ab des Ehelebens in Zusammenhang? Einander anzukreischen ist ja für den Gesang nicht eben förderlich ... aber man kann sich auch per Zettel trefflich zanken ... hihi.

lG Zefira
Fairy Queen (17.11.2010, 21:25):
So ich tratsche jetzt mal ganz gemeingefährlich mit :D
Was das "ihr wisst schon was" angeht habe ich die heisseste Story überhaupt von einer Ex-Opernsängerin, bei der ich mal einen Workshop gemacht habe, gehört (zu abendlicher Stunde, bei Rotwein etc..)
Da wurde erzählt, dass eine grosse und sehr bekannte Wagnersängerin (den Namen lasse ich mal besser weg.....) sich auf ihre Riesenrollen-Auftritte folgendermassen vorbereitet: sie schliesst sich vor der Vorstellung mit ienem ebenfalls serh bekannten Dirigenten(oder wer sonst gerade zur Hand ist...) in ihrer Garderobe ein und treibt es bis fast zum Äussersten, aber eben nicht gazn sondern kurz davor. Dann stürmt sie auf die Büihne und singt Kundry oder Isolde oder Brünnhilde...... :ignore

Liebe Sevi, vielleicht sollten wir Rolando mal zu der Ex- oder WiederGattin (nach dem was er über sie gesagt hat, kann ich mir das "Wieder" kaum vorstellen!!!!) von Alagna schicken- man sollte nichts unversucht lassen, um unseren Liebling zu retten! :D :haha

Bonne nuit
Mimì (17.11.2010, 21:34):
Oh ja, die Aufnahme mit Alagna und Hampson war die erste Inszenierung von Don Carlos, die ich kennen lernte und damals war ich noch totaler Neuling in der Welt der Oper. Ich fands einfach nur fantastisch, habe noch tagelang davon geschwärmt. So ein schönes Freundschaftsduett :).

Wie es jetzt um Alagna aussieht, weiß ich nicht, aber ich habe sehr viel Schlechtes gehört :(.

Was die diesjährige Aufführung der MET angeht, so bin ich auch ziemlich sicher, dass es sich um die Inszenierung aus Covent Garden handelt. Die Besetzung ist ja nahezu die gleiche und letzten Samstag wurden auch einige Fotos gezeigt, und Bühnenbilder und Kostüme schienen mir ebenfalls übereinzustimmen. Die Inszenierung aus Covent Garden hat mir sehr gut gefallen, hab erst neulich wieder reingeschaut (und nicht nur wegen dem lieben Rolando :wink). Einfach wunderschön.
Allerdings wundere ich mich jedes Mal über Keenlyside, den ich zunächst nur von der DVD zu "Orfeo" (Monteverdi) kannte, wo er mich sehr überzeugt hat. Aber ist das wirklich der gleiche :D? Ich finde ihn als Posa so anders, nicht nur die Stimme, das ganze Auftreten...

Sollte Alagna aber tatsächlich in so einem desolaten Zustand sein, wäre das für mich schon ein Grund, nicht hinzugehen, denn schließlich singt er ja die Hauptrolle. Und da sind viele schöne Arien dabei und vor allem die Duette (!!!!) will ich mir nicht verderben lassen. Dann doch lieber zuhause vorm Fernseher.
Weiß denn niemand Genaueres, wie es mit Alagna momentan aussieht?

Ich hab ja kaum Gelegenheiten, in die Oper zu gehen, denn hier, wo ich studiere, gibt es kein Theater, geschweige denn ein Opernhaus. Ich hoffe, dass sich das nächstes Jahr ändern wird :(... Das ist ein ernsthaftes Problem für mich :D.
Solitaire (18.11.2010, 10:30):
Vielleicht sollten wir im internen Bereich für solch spannende Themen einen eigenen Tratsch-Thread aufmachen? Titel „Dieser Mensch hört nicht auf zu reden Lästerworte...“ :D

Sehr interessant jedenfalls, was Sänger und Sängerinnen so treiben um in die richtige Stimmung zu kommen – und welchen Einsatz Dirigenten zeigen um eine furiose Kundry auf die Bretter zu bekommen. :cool
Was unser Sorgenkind angeht: ob rumänische Leidenschaft da das passende Heilmittel wäre, oder es nicht doch weiter östlich das...äh....Heil läge? :ignore
Zefira (18.11.2010, 12:45):
@ Mimì: Was Keenlyside betrifft, muss ich ihr Recht geben. Er sieht als Orfeo so anders aus, dass ich mich manchmal frage, ob es zwei Sänger dieses Namens gibt (die wären dann allerdings beide fantastisch) ... :rofl

lG Zefira
Severina (18.11.2010, 13:20):
Liebe Mimi, liebe Zefira,
stimmt, aber gerade das macht ja die Qualität eines Sängers aus, dass er einem in jeder Partie das Gefühl vermittelt, ein völlig anderer zu sein. Es gibt doch nichts Langweiligeres als Sänger, die immer gleich klingen und immer gleich wirken, egal, wen sie gerade verkörpern.
Ramon Vargas z.B. hat sicher stimmliche Qualitäten, aber er schert alles über einen Leisten, und egal, ob er jetzt Werther, Lenski, Carlos oder XY singt, für mich ist er immer derselbe. Und ich hoffe, ich steige jetzt niemandem auf die Zehen, aber ein Paradebeispiel für fehlende Wandlungsfähigkeit ist in meinen Augen der hoch gerühmte Dmitri Hvorostovsky, bei dessen Rigoletto ich immer denken muss "Aha, Eugen Onegin auf einem Kostümfest!" - er singt beides mit dem gleichen Ausdruck (nämlich fast keinem :ignore) und spielt beides gleich indifferent. (was zum blasierten Onegin noch halbwegs passt, zum Rigoletto aber überhaupt nicht.)

lg Sevi :hello
Heike (18.11.2010, 20:07):
Da wurde erzählt, dass eine grosse und sehr bekannte Wagnersängerin (den Namen lasse ich mal besser weg.....) sich auf ihre Riesenrollen-Auftritte folgendermassen vorbereitet: sie schliesst sich vor der Vorstellung mit ienem ebenfalls serh bekannten Dirigenten(oder wer sonst gerade zur Hand ist...) in ihrer Garderobe ein und treibt es bis fast zum Äussersten, aber eben nicht gazn sondern kurz davor. Dann stürmt sie auf die Büihne und singt Kundry oder Isolde oder Brünnhilde......
Liebe Fairy, wie spannend, ich liebe solche frivolen Geschichten
und bitte voller Neugier um Aufklärung, um welche lustfreudige Dame es sich da handelt, gern per PN :ignore oder im diesbezüglich unverzüglich intern zu eröffnenden Klatsch- und Tratschthread, wo ich gern dabei bin!!!
Heike
Zefira (18.11.2010, 22:31):
Ich hätt da zwar nichts beizutragen, aber lesen würde ich den begierig ... :haha
Fairy Queen (19.11.2010, 09:41):
Also jetzt glaubt bitte nicht, ich würde mich in diesem Genre wirklich auskennen! Das war ein Einzelfall, der mir während eines Workshops bei einer Sängerin zu Ohren kam. :D
Dass es in allen Bühnenberufen heiss her geht ist ja kein Geheimnis, denke ich. Die aufgedrehte Stimmung nach Aufführungen, das Lampenfieber und die Nervenkrisen davor, die oft aufgeblasenen Egos der Darsteller/Sänger- all das zusammengenommen , bleibt nciht ohne Folgen.
Liebe Heike, sowas geht nur per PN!!!!! :ignore

F.Q.
Cetay (inaktiv) (19.11.2010, 11:25):
Original von Fairy Queen
Also jetzt glaubt bitte nicht, ich würde mich in diesem Genre wirklich auskennen! Das war ein Einzelfall, der mir während eines Workshops bei einer Sängerin zu Ohren kam. :D
Dass es in allen Bühnenberufen heiss her geht ist ja kein Geheimnis, denke ich. Die aufgedrehte Stimmungnach Aufführungen, das Lampenfieber und die Nervenkrisen davor, die oft aufgeblasenen Egos der Darsteller/Sänger- all das zusammengenommen , bleibt nciht ohne Folgen.
Liebe Heike, sowas geht nur per PN!!!!! :ignore

F.Q.

Ich kann dir versichern, dass das auch in anderen Berufen so ist; ersetze lediglich "Aufführung" durch Board oder Council und "Darsteller" durch Marketingleute. :ignore
Zefira (19.11.2010, 17:42):
Ich weiß nicht, ob jemand von euch Petra Morsbachs "Opernroman" kennt? Frau Morsbach hat jahrelang am Theater gearbeitet, bevor sie ihn schrieb. Das Buch ist kein Roman im üblichen Sinn, eher eine Milieustudie in Form eines Mikrokosmos, und steckt voll solcher Geschichten - natürlich sind alle Namen erfunden ... :haha

Lieben Gruß von Zefira
Holger (19.11.2010, 17:51):
Original von Zefira
Ich weiß nicht, ob jemand von euch Petra Morsbachs "Opernroman" kennt? Frau Morsbach hat jahrelang am Theater gearbeitet, bevor sie ihn schrieb. Das Buch ist kein Roman im üblichen Sinn, eher eine Milieustudie in Form eines Mikrokosmos, und steckt voll solcher Geschichten - natürlich sind alle Namen erfunden ... :haha

Lieben Gruß von Zefira

Liebe Zefira,

klingt ja toll! Ich habe das Buch gleich in der Bibliothek bestellt. Wenngleich ich die realen Personen hinter den "erfundenen" Gstalten wohl kaum erkennen dürfte. Togal!

Danke für den Tip & viele Grüße

Holger
Zefira (19.11.2010, 18:09):
Bitte nicht falsch verstehen: Das Buch ist kein Schlüsselroman. Ich nehme an, Frau Morsbach hat vieles, was sie in ihrer Zeit am Theater selbst beobachtet hat, in dem Buch verarbeitet, aber ich glaube kaum, dass ihre Figuren wirklichen Opernstars entsprechen.
Die Lektüre ist jedoch sehr unterhaltsam und lohnend; man bekommt eine Menge "Hintergrundinfo" vermittelt - im wahrsten Wortsinn: Es geht um das, was sich hinter der Bühne so abspielt ...

Schönen Gruß von Zefira
Holger (19.11.2010, 21:16):
Original von Zefira

Bitte nicht falsch verstehen: Das Buch ist kein Schlüsselroman.

Zu spät! Zu spät! :haha
Holger (23.11.2010, 22:45):
Original von Zefira
Ich weiß nicht, ob jemand von euch Petra Morsbachs "Opernroman" kennt? Frau Morsbach hat jahrelang am Theater gearbeitet, bevor sie ihn schrieb. Das Buch ist kein Roman im üblichen Sinn, eher eine Milieustudie in Form eines Mikrokosmos, und steckt voll solcher Geschichten - natürlich sind alle Namen erfunden ... :haha

Lieben Gruß von Zefira


Hallo,

mittlerweile lese ich das Buch und mag es kaum mehr aus der Hand legen. Man spürt sofort: Diese Frau kann schreiben! Und wie! Eine wunderbare Mischung aus hochpoetischer (bei Schilderungen künstlerischer Höchstleistungen bekomme ich eine Gänsehaut!) und lakonischer Sprache; Komik, Lapidares und Ergreifendes liegen - wie so oft im wirklichen Leben - dicht beieinander.

Soweit ich es überhaupt beurteilen kann, scheint mir das Buch zudem mit immenser Sachkenntnis geschrieben, was die Besonderheiten bestimmter Opern betrifft.

Chapeau vor dieser großartigen Autorin!

:down

Zefira, ich kann Dir gar nicht genug für diesen Tip danken!

:thanks

Liebe Grüße von Holger
Zefira (23.11.2010, 23:38):
Freut mich!
Ich nehme mir mal die Freiheit, die Vorrede zu zitieren:


<<"Wann immer ich draußen erzähle, dass ich am Theater arbeite, sagen die Leute, man soll die Subventionen streichen", weiß Jan zu berichten. "Und dann fragen sie empört nach Skandalen, Abfindungen und Riesengagen, von denen sie in der Zeitung gelesen haben. Sie schimpfen auf die Kunst, weil die Künstler sich schlecht benehmen. Das tun die Künstler wirklich", gibt Jan zu. "Doch was hat das mit Kunst zu tun? Kunst ist Harmonie, ist Gnade. Künstler aber sind bloß Menschen. Eine Kunst ohne Menschen wäre vielleicht besser", verhaspelt sich Jan, errötet und setzt sich ans Klavier. >>
(Petra Morsbach)

Wunderbar, nicht wahr?

Lieben Gruß von Zefira
Fairy Queen (05.12.2010, 14:27):
Wollte nur sagen, dass ich auf eure Empfehlungen hin den Opernroman zweimal als Grschenk bestellt habe und Selbigen nun erstmal selbst lesend verschlinge.
Und dabei dem Himmel auf Knien danke, dass es bei mir zu einer Sänger-Profi-Laufbahn nicht gereicht hat bzw hätte. Was man aus diesen verdorbenen Sümpfen einatmet kann einem ja Erstickungssymptome verursachen und jede Illusionen rauben. Ich kenne zwar aus ersten Sänger-Quellen etliche haarsträubende Geschichten/Gerüchte, aber offenbar sind die wirklich wahr,... wenn man Frau Morsbach Vertrauen schenken will.
In jedem Fall sehr gut geschrieben und allen blauäugigen Opern-Enthusiasten ans Herz zu legen!

F.Q.
Zefira (05.12.2010, 15:10):
Geht eigentlich noch jemand zum Don Carlos "aus der Met" am nächsten Samstag?
Wir haben Karten (Mimì und ich) und sind gespannt!

lG Zefira
Fairy Queen (05.12.2010, 16:17):
Ja, ich!
Freu mich auf Austausch.
F.Q.
Fairy Queen (13.12.2010, 10:28):
Hat jemand den Don Carlos gesehen?
Ich habe meine Karten letzlich dann eingetauscht, weil ich keine Lust hatte, diese Inszenierung (insbesondere die grässlich misslungene Autodafé-Szene) nochmal zu sehen und vor allen Dingen auch keinen anderen Carlo als den komplett rollendeckenden Villazon darinnen wollte.
Ich hoffe, die Eboli und der Grande Inquisitore waren besser als in London. Hat sich Alagna anständig aus der Affäre gezogen?

F.Q.
Zefira (13.12.2010, 12:40):
Hm ja, mit Deinem zweitletzten Satz sprichst Du es schon an, liebe Fairy :(

Alagna fand ich wider Erwarten gut. Er gibt natürlich einen ganz anderen Carlos als Villazòn und übrigens auch einen ganz anderen als in der Inszenierung der franz. Fassung unter Pappano. Aber ich fand ihn wirklich gut. Im ersten Akt wirkte er phasenweise etwas steif und in der letzten Szene mit Elisabeth sind ihm die Piani nicht mehr so doll gelungen, das waren wohl Ermüdungserscheinungen, aber zum Großteil hat er sich mehr als gut gehalten.

Meine Befürchtung, dass er und Keenlyside überhaupt nicht zusammenpassen (ich hatte nach dem Interview, das in der Pause beim der Don Pasquale-Übertragung zu sehen war, den Eindruck) hat sich auch nicht so bewahrheitet. Keenlyside war natürlich eine Wucht, ich fand ihn sogar besser als in der Inszenierung mit Villazòn. Nicht nur stimmlich, auch darstellerisch - seine "stumme Gestik" in einigen Szenen hat mich sehr beeindruckt.
Sehr gut war auch Marina Popavskaya, wenn auch leider, leider ein Übertragungsproblem die wundervolle Arie, als sie sich von ihrer Hofdame verabschiedet, total verhackstückt hat - da blieb gar nichts übrig ... :A

Überhaupt nicht gefallen hat mir die Smirnova als Eboli. Das fing schon bei dem Lied vom Schleier an (das ich sehr liebe): Abgesehen davon, dass sie meiner Meinung nach überchargierte, hatte sie auch gesangliche Probleme, soweit ich als Laie das beurteilen kann - sie drückte beim Singen längerer Phrasen das Kinn gegen die Kehle zurück, was ziemlich komisch aussah und dem Timbre nicht gerade gut tat. Später, in der großen Arie im vierten Akt, gefiel sie mir besser - vermutlich lag ihr das dramatische Moment mehr - aber auch hier hatte ich den Eindruck eines stellenweise viel zu breiten Vibratos.

Die goldene Zitrone für das breiteste Vibrato gebührt jedoch dem Großinquisitor. So einen ausgeleierten Bass habe ich noch nie gehört ... In seiner potthässlichen Maske (ich hoffe für ihn, dass das wirklich die Maske war) wirkte er aber angemessen unheimlich.

Jetzt hätte ich beinahe Furlanetto als Philipp vergessen - aber das der in dieser Rolle in jeder Hinsicht perfekt ist, ist je ohnehin unbestritten und hat sich hier wieder bestätigt.

Beeindruckt war ich übrigens von dem Dirigenten, der in einer Pause ein kurzes Interview gab - ein ganz junger Mann noch, der sehr locker wirkte und schöne Nuancen herausspielte. Ich finde es immer toll, wenn man auch nach der x-ten Aufführung (ich kenne die Oper leider nicht "live", aber aus vielen Fernsehübertragungen) immer noch Neues heraushören kann.

Abgesehen von dem saublöden Übertragungsproblem war es ein wirklich gelungener Abend, mich hat die Ausgabe nicht gereut. (Es war auch nett anzusehen, wie Alagna in der Pause das Tot-Umfallen ein letztes Mal einübte :rofl )

Ich hoffe, Mimì sagt auch noch etwas dazu.

Gruß von Zefira
ps. Übrigens habe ich diesmal auch endlich Keenlyside als "meinen" Orfeo wiedererkannt, nachdem ich mich schon mehrmals gefragt habe, ob es zwei Sänger dieses Namens gibt ...)
Severina (13.12.2010, 16:24):
Liebe Zefira,

ich bin sehr beruhigt, dass es Euch gefallen hat, den ich hatte schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass wir Euch womöglich mit unserer negativen Bewertung der Regie und dem "Nur mit Villazón zu ertragen" diese Übertragung ein wenig madig gemacht haben.
Der Großinquisitor dürfte ja noch schlechter als auf der DVD sein....

lg Sevi :hello
Fairy Queen (13.12.2010, 19:00):
Ich hatte auch kurze Zeit ein schlechtes Gewissen, aber ich denke Zefira und Mimi sind gestandene Weibsbilder, die sich ein eigenes Urteil bilden und sich um unsere Schnäkigkeiten im Hinblick auf Sänger und Inszenirungen wenig scheren. :D
Dass Eboli und Grande Inquisitore weider schlecht besetzt waren, ist schade. Dass Alagna kein Reinfall war und Keenlyside sich selbst noch toppen konnte, umso besser!
Aber wie hat euch denn diese Inszenierung gefallen?
F.Q.
Zefira (13.12.2010, 19:28):
Ich will die Eboli ja nicht niedermachen, im Taminoforum (wo ich nicht Mitglied bin, ich lese nur hin und wieder rein) kam sie ganz gut an.
Nur - mir gefiel sie gar nicht.
Bei Alagna habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet, gemessen daran war er wirklich gut.
Und keine Sorge - ich entscheide schon selbst, wo ich hingeh :haha

lG Zefira

ps. Sternchen - huch, wusste ich nicht - aber ihr könnt euch wohl denken, was ich meine ...
Mimì (13.12.2010, 21:43):
Hallo zusammen,

ich melde mich dann auch mal dazu. Ich kann meiner Mama aber größtenteils nur zustimmen. Wir haben da wohl den gleichen Geschmack :wink.
Alagna war am Anfang irgendwie ein wenig starr, bediente sich der klassischen Operngesten, und auch gesanglich gefielen mir die vielen portamenti nicht. Ab dem 2. Akt (Kloster) war er jedoch top und die zweite Begegnung mit Elisabeth (wo er ohnmächtig wird) fand ich richtig toll :). Am Ende in der Szene kurz vor seinem Tod kommt ja noch mal ein wunderschönes Duett zwischen den beiden, das hat einfach nicht zusammengepasst, die piani liefen im Gegensatz zur wunderbaren Marina Poplavskaya (die mir übrigens noch besser gefiel als auf der Aufnahme aus Covent Garden) nicht und er fing wieder an, rumzuheulen ^^. Aber insgesamt hab ich einen sehr positiven Eindruck von ihm, zumal ich ebenfalls das Schlimmste befürchtet hatte.
Na ja und mit den Vergleichen zum lieben Rolando fang ich gar nicht erst an :D.
Zu Furlanetto brauch ich auch nicht viel zu sagen, fantastisch gesungen, geniales Spiel, von mir eine 1+.
Keenlyside hat mich beeindruckt, das war gesanglich und darstellerisch super und verdammt gut gespielt.
Die Unterredung mit Phillip erlebe ich sonst eher als Szene, die sich unglaublich in die Länge zieht, das ging mir diesmal gar nicht so, weil sie viel abwechslungsreicher gestaltet war. Und bei Posas Tod musst ich heulen *schnief*. Ich bin leider sehr nah am Wasser gebaut.
Was Eboli betrifft: Beim Singen schneidet man ja schon mal Grimassen, aber wenn ich so etwas seh, denk ich ehrlich gesagt immer, da kann doch technisch was nicht stimmen. Ihr Vibrato war auch sehr breit, gefiel mir persönlich gar nicht, aber ich mag mich bei der Beurteilung auch irren.
Den Großinquisitor fand ich schon in der Inszenierung aus Covent Garden schlimm, diesmal hat er seinen Wobble in meinen Augen übertroffen. Eine der typischen Rolle, die leider häufig sehr schlecht besetzen.
Beim Dirigat kann ich mich eigentlich auch nur Zefira anschließen, das war sehr schön :times10.

Zur Inszenierung: So schlimm find ich die gar nicht. Der Wald von Fontainebleau ist doch ganz süß :). Blöd finde ich diese seltsame rote Legowand im zweiten Akt und auch die Autodafé-Szene – die ist aber auch so eine der Spielwiesen, da kommt leider oft Mist raus. So schlimm fand ich das Ganze aber nicht, ich hab über die Inszenierung eher hinweggesehen.

Insgesamt also ein sehr schöner Abend, Oper ist doch einfach etwas Wunderbares. Nur bei der Übertragungsstörung hätt ich ausrasten können, so was Gemeines aber auch.
Ach ja, die Interviews find ich ja auch immer ganz lustig :).

Liebe Grüße,
Mimì
nikolaus (17.12.2010, 19:19):
Hier gibt's eine Rezension zum Don Carlo aus der MET, allerdings ohne Alagna.

Nikolaus.
Heike (27.02.2011, 10:47):
Die MET hat ihr live-HD-Programm für die nächste Saison online: hier

p.s. War gestern jemand in der Gluck- Vorstellung, mit dem ich meine Eindrücke teilen kann?
Heike
Fides (28.02.2011, 10:57):
Hallo an alle,
ich war vorgestern im Kino, "Iphigénie en Tauride" und ich bin (fast) rundum begeistert! Es war meine erste HD- Erfahrung, bei uns gibt es das erst seit dieser Saison und ich habe diese Vorstellung als meine Premiere gewählt, da ich Gluck nur wenig kenne und zwei der drei Sänger der Hauptrollen außerordentlich schätze.
Zunächst zum Werk und der Inszenierung: Die Musik und die Dramaturgie sind mitreißend und die Charaktere großartig gezeichnet, sowohl musikalisch als auch durch die Regie. Die Interaktion ist jederzeit musikalisch und dramaturgisch glaubhaft...einfach wunderbar!
Diese spezielle Inszenierung hat Stärken und Schwächen. das Bühnenbild ist archaisch und streng, die Farben erdig, die Kostüme irgendwo zwischen "antik" und "Clochard"...nicht störend...und das ist aus meiner Sicht positiv.
Die stark an Derwisch-Tänze erinnernde Choreographie fand ich entbehrlich, überhaupt war mir zuviel "Volk" auf der Bühne...das sieht nach Arbeitsbeschaffung für die Tänzer aus.
Der Chor sang wunderschön...mehr ist dazu nichts sagen..jedenfalls nicht von mir.
Zu den Protagonisten: Susan Graham und Plácdo Domingo waren beide als "erkältet" angesagt und ich muss sagen, dass man es vor allem ihm im ersten Akt auch deutlich anhörte....die Stimme sprach schwer an und klang auch ungewohnt rauh. Susan Graham begann vorsichtig - verhalten, steigerte sich aber schnell und bot eine runde, stimmige, sehr überzeugende Leistung. Plácido Domingo steigerte sich von Minute zu Minute, sein typisches Timbre, die nach wie vor unvergleichlich schöne Mittellage, die Fülle seiner Stimme waren spätestens ab dem dritten Akt voll da!!! Paul Groves' schlanker, irgendwie "unspezifischer" Tenor war sofort voll da...im großen Duett zwischen Oreste und Pylade im dritten Akt klangen beide Herren wundervoll zusammen.
Zur Rollengestaltung kann ich mich nur uberschwänglich begeistert äußern....soooo wunderbare Charakterzeichnungen, insbesondere von Plácido Domingo und Susan Graham in den beiden letzten Akten...ich saß da und hätte fast geheult...was mir nicht oft passiert!

Insgesamt war es ein großartiger abend...der mich die ganze Nacht kaum schlafen ließ...so begeistert war und bin ich!!!!!!

LG
Fides :down :down :down :down :hello
Heike (01.03.2011, 07:48):
Hallo Fides,
ich stimme dir absolut zu, das ist ein tolles Werk! Ich habe Gluck für mich erst 2010 entdeckt und war sehr froh, das jetzt auf der großen Leinwand zu sehen. Der Besuch hat sich absolut gelohnt.

Ich fange mal mit dem positiven an: Was mir von Anfang an sehr sehr gut gefallen hat war das Orchester; spritzig, lebendig und differenziert. Da wurden die Sänger nicht totmusiziert, auch wenn sie sich mal zurücknahmen. Übrigens finde ich, dass Graham und Domingo es ziemlich gut gemacht haben, trotz Erkältung, also ich habe mich nicht wesentlich beeinträchtigt gefühlt. Den Chor fand ich auch himmlisch, daran gab es nichts auszusetzen.

Zur Inszenierung bin ich etwas geteilter Meinung. Die Personenführung fand ich ziemlich gut und überzeugend. Ich war insbesondere überrascht, wie passend der doch immerhin 70jährige Domingo als Mann im besten Alter durchging. Aber insgesamt war das Ganze doch stockkonservativ. Damit tue ich mich schwer. Ein wenig mehr Mut zur Interpretation hätte es für mich ruhig sein dürfen. Aber damit darf man wohl bei der MET generell nicht rechnen ;-)
Heike
Fides (01.03.2011, 14:50):
Hallo Heike,
Gluck ist großartig...und ich bin keine Freundin des barocken Repertoires...und gerade weil er so "wenig barock" ist, interessiert er mich, bzw. seine Musik interessiert mich.

das orchester klang tasächlich sehr, sehr elastisch und so, als hätten die Damen und Herren Spaß an dem was sie gerade tun....da gibt es nichts zu meckern.

Mir persönlich ist es egal, ob eine Inszenierung "modern" oder "konservativ" oder meinetwegen auch "reaktionär" ist....ÜBERZEUGEND muss sie sein und das empfand ich, unter Abzug der Tanzerei und der seltsamen eurhytmischen Gesten der Priesterinnen, durchaus so.
Vielleicht hätte Dir Robert Carsens karge, in einem schwarzen Kubus angesiedelte, ohne jede Deko auskommende Inszenierung, die im Januar in gleicher Besetzung im Teatro Real in Madrid gezeigt wurde, besser gefallen. Für mich stimmte auch da das Konzept und somit war auch diese Deutung überzeugend und berührend.

Die Met ist sicher ein sehr, sehr traditionell orientiertes Haus, insbesondere das Publikum ist es mit Sicherheit...doch unter Peter Gelb bröseln die alten Gewohnheiten...natürlich nur in kleinen Krümeln. Amerikanische Häuser können sich wirtschaftliche Fiaskos weit weniger leisten als die meisten europäischen, aber das ist ja auch ein alter Hut.

Plácido Domingo ist und bleibt ein "Bühnentier"...wenn der Vorhang sich öffnet ist er "DA"...und das ist wunderbar so :down :down :down!!!

LG
Fides :hello
Fairy Queen (01.03.2011, 14:51):
Leider musste ich wegen einer Reise meine Karte für den Gluck verkaufen- ich hätte diese grossartige Oper zu gerne mit Susan Grahma in der Titelrolle gesehen! Danke für das neue Programm, wo für mich nicht allzuviel dabei ist. Auf Netrebko als Manon (allein der akzent ist eine Qual!) kann ich dankend verzichten, auf Wagner sowieso, der Mozart mit Frittoli (als was???) wird sicher alles andere als leichtfüssig und mozärtlich. Auf den Faust in dieser besetzung bi nich gespannt, die Dessay-Traviata werde ich gerne ansehen, aber nach Händels mit Häim und Pelly frage ich mich sogar , ob ich die MET Rodelinda geniessen kann. wahrschienlich seeh ich sie mir wegen Seltenheitswert dann aber doch an....;)
Mir sind Mozart, Händel und Co an diesem Haus in der Regel viel zu wuchtig. Die ganz neuen Opern können evtl interessant werden, sagen die jemandem was?
F.Q.

P.S. was die "Tanzerei" angeht: in Opern die für frz. Bühnen geschrieben wurden, gehört die einfach zum Originalwerk und wenn man sie weglässt, fehlt jede Menge qualitativ hochwertiger Musik. Es ist heute nicht immer so ieznfach diese Ballette sinnvoll ins Geschehen einzubauen, aber manchmal gelingt es doch serh gut.
Peter Brixius (02.03.2011, 10:18):
ich teile Heikes Eindrücke von der Iphigénie, auch wenn ich die Oper nur gehört und nicht gesehen haben. Die Tempi fand ich gut gewählt, Graham und Domingo habe ich nichts an Indisposition angehört.

Aber über die Werbeankündigung habe ich mich doch gewundert:

Die Met selbst kündigt das Stück so an

Susan Graham, Plácido Domingo, and Paul Groves reprise their starring roles in Gluck’s masterful interpretation of the Greek myth.

In Deutschland liest es sich so:

In ihren Paraderollen kehren die bezaubernde Susan Graham und Startenor Plácido Domingo mit Glucks eleganter Komposition dieses griechischen Ur-Mythos an die Met zurück.

(leider auf x Ankündigungen!)

Greek myth ist richtig, was ist ein Ur-Mythos? Ein aus einem Mythos rückgezüchtetes Wesen? Ich gönne Susan Graham das Attribut "bezaubernd", Placido Domingo mag ja ein Startenor sein, ist die Steigerung von Tenor zu Startenor nun ein Bariton - denn den singt er als Orest. Und "masterfull" ist Glucks Komposition ohne Zweifel, aber "elegant" - bei einem Urmythos doch eine verfehlte Stilart. Gluck konnte ohne Zweifel elegant komponieren, aber doch eben auch weitaus mehr - wie hier in der Iphigénie en Tauride.

Wer hat die deutsche Ankündigung so gefühllos vermasselt?

Liebe Grüße Peter
Heike (02.03.2011, 11:27):
Wer hat die deutsche Ankündigung so gefühllos vermasselt?
Vermutlich irgendein Werbemensch, der die Oper noch nie gehört hat und alles, was älter als 1000 Jahre ist, als UR+irgendwas ansieht?
Heike
Fairy Queen (19.03.2011, 22:44):
Ganz kurzes Telegramm en passant: Heute abend Donizettis Lucia aus der MET. Natalie Dessay als Lucia : der helle Wahn- man weiss nciht mehr was man sagen soll, um diese exorbitante sängerische und schauspielerische Leistung zu würdigen :down :down :down Mit der Wahnsinnsszene ist sie absolut konkurrenzlos- sowas gab (und gibt es nur einmal. Joseph Calleja hat ein selten strahlendes und mir (:helloSevi) sehr gefallendes Tenor- Timbre und war in guter vokaler Form (die Rolle liegt ihm bestens)); ansehen sollte man ihn aber besser nicht. Ludovic Tezier ist ein diabolischer Enrico, die Stimlme mag ich nicht besonders, er hat die Rolle aber gut bewältigt Musikalisch serh gut , Patrick Summers hat mcih überrascht und sein Dirigat gefällt mir wesentlich besser als das von Levine. die inszenirung von mary Zymerman ist traditionell und opulent, aber zu dieser Oper passt das nciht schlecht. Ein toller Opernabend, der zu mindestens 50 % dem Genie von Natalie Dessay zu verdanken ist, die n dieser Rolle ihre Erfüllung findet (hat sie selbst gesagt). Das erstmal auf die Schnelle. F.Q.
Solitaire (08.04.2011, 10:59):
Ich sehe erst jetzt, daß Dessays Lucia übertragen wurde.Ein Jammer, daß ich es nicht sehen konnte, denn ich stimme Fairy zu: ihre Wahnsinns-Szene ist unglaublich. Ich kenne sie von Youtube und DVD.
Hier nun das Programm für 2011/2012.
Auch hier dürften wir u.a. Dessay erleben - als Violetta in der Willi Decker-Inszenierung!
Ich bin ja sooo neugierig.
Und auch sonst ist es eine tolle Programm:
15. Oktober 2011, 19 Uhr, Donizetti "Anna Bolena"
Anna Netrebko, Elina Garan
a, Ildar Abdrazakov
Dirigent: Marco Armiliato; Produktion: David McVicar

29. Oktober 2011, 19 Uhr, Mozart "Don Giovanni"
Mit: Mariusz Kwiecien, Barbara Frittoli, Ramón Vargas
Dirigent: James Levine; Produktion: Michael Grandage

5. November, 2011, 17 (!) Uhr, Wagner "Siegfried"
Deborah Voigt, Gary Lehman, Bryn Terfel
Dirigent: James Levine; Produktion: Robert Lepa

10. Dezember 2011, 19 Uhr, Gounod "Faust"
Marina Poplavskaya, Jonas Kaufmann, René Pape
Dirigent: Yannick Nézet-Séguin; Produktion: Des McAnuff

21. Januar 2012, 19 Uhr, Händel, Rameau, Vivaldi und andere: "The Enchanted Island"
Joyce DiDonato, Plácido Domingo, David Daniels
Dirigent: William Christie; Produktion: Phelim McDermott

11. Februar 2012, 18 (!) Uhr, Wagner "Götterdämmerung"
Deborah Voigt, Waltraud Meier, Hans-Peter König
Dirigent: James Levine; Produktion: Robert Lepage

7. April 2012, 19 Uhr, Massenet "Manon"
Anna Netrebko, Piotr Beczala, Paulo Szot
Dirigent: Fabio Luisi, Produktion: Laurent Pelly

14. April 2012, 19 Uhr, Verdi "La Traviata"
Natalie Dessay, Matthew Polenzani, Dmitri Hvorostovsky
Dirigent: Fabio Luisi, Produktion: Willy Decker
Fairy Queen (08.04.2011, 12:36):
Liebe Solitaire, danke fûr das neue Programm! Ich will ja niemandem den Spass verderben, aber ich finde das nciht soooo toll.
Der Don Giovanni wird wahrscehinlich für meinen Geschmack gruselig, ich habe noch keinen einzigen guten Mozart von der MET gesehen, und frage mich warum die das nicht können. Ob das mehr an Levine liegt oder mehr den Besetzungen ? Auf Wagner kann ich eh verzichten, was aber nichts mit der Produktion als solcher zu tun hat. Netrebkos Manon hab ich schon zweimam n verschiedenen regisseuren gesehen und nicht sonderlich gemocht, aber wenn Pelly inszeniert kann ich mir das dennoch nciht entgehen lassen. Sie wird zwar mit ihrer derzeitigen Stimme noch mehr Puccini daraus machen als schon vor Jahren, aber tant pis!

Ich freue mich auf Mc Vicars Anna Bolena und die Traviata mit Dessay.Den Faust und die Barock-Insel werde ich mir ansehen, auf den Rest wohl eher verzichten.

Man hat ja so seine Erfahrungen nach drei Jahren Abo....... :D
F.Q.
Solitaire (08.04.2011, 13:50):
Hallo Fairy!
Ich WUSSTE, daß du das sagst! :D So ein bißchen kenne ich deinen Geschmack ja mittlerweile auch. :beer
Ich würde schon gerne das eine oder andere sehen: vor allem die Traviata weil ich Dessay als Violetta erleben will und mich interessiert, ob die Inszenierung auch mit anderen Sängern als damals in Salzburg funktioniert. Ehrlich gesagt KANN ich mir hier keinen anderen Alfredo als Villazón und nur schwer einen anderen Germont als Hampson vorstellen, und das hat wirklich nix mit Personenkult zu tun, aber ich fand beide damals dermaßen überzeugend, daß das für mich kaum zu toppen ist. :down Naja, mal sehen.
„Siegfried“ interessiert mit wegen Terfel, ich bin diesem Mann ja sehr ergeben und nachdem ich schon seinen Rheingold-Wotan verpasst habe würde ich ihn nun gerne endlich mal als Donnergott erleben.
Außerdem interessiert mich Don Giovanni. Don Giovanni interessiert mich immer,außerdem mag ich Mariusz Kwiecien.
Ich habe einen Don Giovanni aus der MET auf DVD mit Big Bryn in der Titelrolle :down :down :down
Ja, es ist Zeffirelli wie er leibt und lebt, aber die Besetzung ist dermaßen grandios... wenn du Interesse hast, leihe ich dir die DVD gerne.
Optisch stürzt sie dich vermutlich direkt in den Zuckerschock, aber musikalisch ist sie wunderbar.
http://bilder.buecher.de/produkte/25/25499/25499260n.jpg
Severina (08.04.2011, 13:54):
Mir geht's wie Fairy, meine Begeisterung hält sich auch in Grenzen, wobei ich ohnehin noch nie bei einer dieser Übertragungen war, also habe ich eigentlich keinen Grund zum Motzen.
Allerdings tut's mir jetzt doch Leid, mir keine Karte für den "Comte Ory" mit Flórez in den nächsten Tagen besorgt zu haben, und jetzt ist natürlich längst alles ausverkauft. Tja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Aber für die nächste Serie brauche ich keine Karte, da ist keine einzige Produktion wirklich zwingend für mich. "Anna Bolena" mit Netrebko und Garanca läuft eben bei uns, den Faust singt Jonas Kaufmann auch bei uns in der nächsten Saison, die Giovanni-Besetzung reizt mich gar nicht, Beczala liebe ich sehr, kann ihn mir aber als Des Grieux nicht wirklich vorstellen. Obwohl ihn vielleicht Anjuschka aus der Reserve locken könnte.. Also, am ehesten käme für mich noch die "Manon" in Frage.
Bei der "Traviata" geht's mir wie Solitaire: Diese Inszenierung verbinde ich wohl für immer und ewig mit der Salzburger Beetzung! Nun traue ich es zwar Natalie Dessay zu, dass sie mich Anna Netrebko vergessen lässt, aber ganz bestimmt nicht Matthew Polenzani und Dmitri Hvorostovsky ihre Salzburger Pendents. Nein, das geht gar nicht!!!

lg Sevi :hello
Fairy Queen (08.04.2011, 15:55):
Jaja, man kennt so seine Forums-Pappenheimer..... :D
Den Comte Ory hâtte ich gerne gesehen, aber daraus wird leider nxchts, denn wir sind vom italienischen Kulturinstitut zu einer echten Commedia dell'arte mit einer Truppe, die eigens aus dem Veneto anreist, eingeladen. Sowas bekommt man wahrlich seltenst geboten und beim Comte hoffe ich dann wieder einmal auf einen der so liebenswerten Mitschneider..... Für den 30 habe ich aber schon Karten für den Trovatore, dem ich auch eher gemischt ehntgegen sehe, aber mal schauen. Da ich am selben Tag aus Sizilien komme, bin ich vielleicht noch so italianisiert, dass mich mich der MET Verdi-Pomp nciht weiter stören wird.
Was den grandiosen Don Giovanni Terfel angeht, den hab ich irgendwann auch gesehen, abzr der war nciht aus der MET. hat er den woanders gesungen? Danke aber sehr, liebe Solitaire, für das Angebot.
Liebe Frühlingsgrüsse ringsum

F.Q.
Heike (08.04.2011, 21:11):
Morgen gibt es Rossini: "Le Comte Ory" mit Florez, di Donato und Damrau. Ist noch jemand dabei?
Heike

P.s. für die nächste Saison freue ich mich auf die Ring-Fortsetzungen :-) wenn die auch so gut werden wie das Rheingold, dann ist es das Geld allemal wert.

P.p.s schade, dass sie die interessanten Sachen wieder rausgeworfen haben; es hätte auch übertragen werden können:
Glass’ Satyagraha und
Händels Rodelinda

Ich fürchte, in Berlin wird das auch rausfliegen.
Heike
Heike (10.04.2011, 09:48):
Gestern hab ich Rossini mal wieder eine Chance gegeben - und siehe da, das war der erste Rossini, der mir so richtig Spaß gemacht hat! Ich habe mich köstlich amüsiert!

Ihren Anteil dran hatten sicherlich die 3 Hauptprotagonisten Florez, Damrau und di Donato. Zum ersten Mal habe ich auch richtig verstanden, warum Florez so ein Ausnahmestar ist. Das war schon beeindruckend, wie mühelos der die hohen Töne hinschmetterte und daneben noch mit Power und Schalk im Nacken spielte. Nun war es für ihn auch ein besonderer Tag - wie man aus den Interviews hörte, kam er direkt von der Geburt seines Sohnes auf die Bühne; quasi eine halbe Stunde vorher war er Vater geworden. Und hatte vorab eine durchwachte Nacht hinter sich, wie er sagte. Der Wahnsinn. Ich weiß ja nicht so recht, wie ich das finden soll, dass der trotzdem gesungen hat - einerseits freut man sich riesig, andererseits ist das doch auch komplett irre irgendwie.

Jedenfalls hat es mir atemberaubende Stunden beschert. Vor allem die Duette und Terzette mit den Damen waren hinreißend. di Donato in der Hosenrolle blieb naturgemäß etwas blasser gegenüber der prächtigen Damrau , die mit viel Witz und Grazie die schöne Gräfin spielte. Aber da stimmte die Chemie, das war gut anzusehen und noch besser anzuhören. Ich hab ja keine Ahnung von Stimmen, also ich fand das richtig gut und im Vergleich zu dem, was man hier in Berlin zu hören kriegt (und was meist schon recht gut ist), war das wirklich ganz großes Kino in dieser Zusammenballung von 3 Könnern. Drei so große Stimmen zusammen auf einer Bühne, wann hat man das schon?

Als die Inszenierung losging dachte ich "oh wie schrecklich" und stellte mich auf einen langweiligen und kostümprächtigen Abend ein. Aber nein, es war wirklich amüsant gemacht, fast Comedy manchmal und recht witzig gespielt. Etwas frivol, dazu naive Momente, also mir hat das gefallen, ein kammerspielartiger Klamauk, der aber nicht zu platt war. Lustige Figurenzeichnung: Damrau etwas hysterisch, Florez impulsgesteuert, di Donato als unauffälliger, aber schlauer Strippenzieher im Hintergrund. Und die 3 ergänzt durch weitere komische Figuren (so einen peinlich hochgeschnürten, schwabbelnd rausquellenden Busen wie bei der Zofe habe ich noch nie gesehen, ich frag mich, ob das Absicht war?).
Auch das Orchester fand ich klasse, nicht so dick aufgetragen, sondern lebendige Musik mit viel Esprit. Na, ob ich noch ein Rossinifreund werde? Das war jedenfalls ein guter Anfang.

Heike
Severina (10.04.2011, 10:29):
Liebe Heike,

danke für Deinen Bericht, auch wenn ich mich jetzt wirklich weiß Gott wohin beißen könnte, dass ich mich nicht rechtzeitig um Karten gekümmert habe. Ich habe den Ory mit Flórez auf CD und amüsiere mich da schon prächtig, wenn dann erst die Optik dazu kommt :I :I Und das habe ich Doofie mir entgehen lassen, noch dazu, wo ich ja auch Damrau und Di Donato heiß und innig liebe.

Ach, und dann ist er also jetzt Papa! Ich wusste, dass es irgendwann im April sein würde. Ich kann mir schon denken, dass ihn das so euphorisch gestimmt hat, dass er noch über sich hinausgewachsen ist. Obwohl schon ein Flórez in Normalform in der Regel ein Erlebnis ist.

lg Sevi :hello
Solitaire (10.04.2011, 10:44):
Hallo Heike!
Danke für deine Schilderung! Ich bin ja bestimmt ein furchtbarer Banause, aber ich muß zugeben, daß ich kein sooo großer Rossini-Fan bin. :B Allerdings hat mir "Armida" vor ein paar Monaten schon sehr gefallen, und was Florez angeht: es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit ihm warm geworden bin, da er sozusagen der komplette Gegenentwurf zu all den Söngern ist, denen mein Herz sonst gehört (ich muß wohl keine Namen nennen, es sind eben all die, die sich selbst in Brand stecken und sich um Kopf und Kragen singen). Aber inzwischen mag ich ihn immer mehr. Er wird m.E. auch immer mehr zum guten Darsteller, wobei ich ihn bisher nur in heiteren Rollen erlebt habe.
Da ich gestern Strohwitwe war (Herr Solitaire hatte Nachtschicht im Taxi), hätte ich mir den Abend mtit dieser Übertragung eigentlich versüßen können, aber in Düsseldorf gab es leider keine Karten mehr.

Und herzlichen Glückwunsch zur Geburt des Sohnes!!! :)
Fairy Queen (10.04.2011, 15:51):
Irrtum, pardon
Fairy Queen (10.04.2011, 15:54):
Ich hatte Karten im Angebot (von eienr kranken Freundin) und konnte leider nciht hingehen, hoffe also inständig auf eine DVD oder einen Mitschnitt. Ich habe nâmlich eine Vorschau gesehen und die drei sind absolut umwerfend! Auch ich bin- Sevi möge mir verzeihen- kein echter Rossini-Fan, ich langweile mich da leider zu schnell und fand die Armida aus der MEt grauslich (habe nach dem ersten Akt abgeschaltet...) aber dieser Comte Ory muss wirklich hinbreissend sein. Ich habe statt dessen aber auch etwas ganz Besonderes gesehen: "Commedia dell'arte" live aus dem Veneto mit der Truppe "Il teatro dei pazzi" und das war einfach umwerfend und zudem eine noch grössere Raritât als Rossini.
Bei uns gibt es übrigens auch die Rodelinda und Verdis Ernani in der nâchsten Saison.

F.Q.
Severina (10.04.2011, 16:48):
Dir verzeih ich doch alles :D(Du verzeihst mir ja auch meine Calleja-Allergie :wink), obwohl ich natürlich Rossini ganz und gar nicht langweilig finde. Im Gegenteil, seine Musik zwirbelt mich so richtig auf, und wenn ich einmal schlecht drauf bin, genügen schon ein paar seiner schmissigen Ouvertüren, und die Welt schaut schon wieder freundlicher aus.

Dass ich diesen Ory verpasst habe, werde ich mir nie verzeihen!! Wenn ich gewusst hätte, dass das Kino in Linz halb leer war, wie Amelia bei Capriccio schreibt, wäre ich glatt hingefahren, denn in Wien waren beide Kinos seit Wochen komplett ausverkauft.
Aber da mich diese MET-im-Kino-Sache bisher nie so gereizt hat, habe ich auch das Programm nie wirklich verinnerlicht, und als es vor ein paar Wochen klingelte - Ein Rossini, den ich kaum je auf der Bühne sehen werde, dazu gleich drei meiner Lieblingssänger - war der Zug schon abgefahren.
Fällt in die Rubrik selber Schuld :I

Daher hoffe ich auch ganz inständig auf eine DVD!!!!
lg Sevi :hello
Rideamus (11.04.2011, 00:56):
Ich fürchte, dass es keine Ausstrahlung dieser Aufführung im regulären TV geben wird, weil eine solche ja den Erfolg der Kinoübertragungen unterlaufen würde, sollte das öfter vorkommen. Deshalb hoffe auch ich sehr auf eine DVD, denn ich habe immerhin gerade einen Mitschnitt der Radioübertragung hören können, und ich bin fast restlos begeistert.

Zu den Lobeshymnen auf Florez, Damrau und Di Donato, die ich nur bestätigen kann, wobei ich nicht weiß, wie groß der Einfluss des frischen Elternglücks auf die Leistungen war (auch Diana Damrau hat ja bekanntlich gerade erst letzten Oktober ihr erstes Kind bekommen), möchte ich noch meine Würdigung der Leitung Maurizio Beninis hinzufügen, der an der Met ja schon einen sehr schönen DON PASQUALE mit Florez und Anna Netrebko und Rossinis BARBIERE DI SIVIGLIA mit Di Donato und Florez geleitet hat. Auch früher hat er mich schon mit einer großartigen Aufführung von Verdis UN GIORNO DI REGNO mit Anna Caterina Antonacci und Cecilia Gasdia sowie einer gelungenen Ausgrabung von Pacinis SAFFO beeindruckt, und seine TRAVIATA in London mit Netrebko und Kaufmann, die ich nur vom Hören kenne, stand ja auch nicht gerade unter einem schlechten Stern.

Mit seinen straffen, bei Bedarf aber auch entspannten Tempi (das finale Terzett ist einfach :down:down:down ) in dieser Produktion kann er sich durchaus mit John Eliot Gardiner in seiner mustergültigen Platteneinspielung mit Sumi Jo, John Aler und Diana Montague vergleichen lassen. Für mich gebührt ihm jetzt endgültig ein Platz in der ersten Reihe aktiver Operndirigenten zumindest dieses Repertoires. Auch Stephane Degout als Rimbaud macht seine Sache inklusive der Neuauflage der "Medaglie incomparabili" aus IL VIAGGIO A REIMS sehr ordentlich und hat sich den (leider nur matten) Beifall des, insgesamt unbegreiflich zurückhaltenden, Publikums redlich verdient. Eine Frage habe ich aber an diejenigen, die die Übertragung geehen haben: war Michele Pertusi wirklich wie angekündigt der Gouverneur des ersten Aktes, dem Rossini die große Bassarie des Lord Sidney aus IL VIAGGIO Á REIMS gegeben hat? Der Sänger hat zwar einen starken Akzent, der italienisch sein könnte, aber die Besetzungsinformation der BBC bestätigt das leider nicht, denn die nennt nur einen Rob Besserer als "Prompter", was eigentlich der Souffleur ist und nicht der Erzieher Orys. Oder hat Sher da die Handlung verändert, wie der Hinweis in einem Bericht auf ein Theater im Theater ahnen lässt?

Egal, wer es war, auch er macht seine Sache absolut akzeptabel, und so könnte mit einer DVD auch musikalisch eine Referenzeinspielung des Werkes auf den Markt kommen, obwohl es mit der erwähnten Aufnahme Gardiners und der DG-Einspielung mit Florez, Bonfadelli und Todorovich schon zwei sehr gute gibt und sich auch die Aufnahme aus Glyndebourne unter Andrew Davis mit Annick Massis, Diana Montague und Marc Laho durchaus noch sehen und hören lassen kann.

Zu Bartlett Shers Regie, die zumindest die New York Times nicht sonderlich begeistert hat (die mochte allerdings auch Beninis Dirigat bei der Premiere nicht), deren Bericht eher den zwiespältigen Eindruck zu bestätigen scheint den ich von seinem Met-Barbiere und der Salzburger ROMÉO ET JULIETTE hatte, kann ich mich naturgemäß nicht äußern, aber wenn sie der hörbaren Spielfreude der Protagonisten wenigstens nicht im Wege steht, dann wäre das schon viel. Drücken wir also die Daumen, dass ein Label sich diese Aufnahme leisten kann und will.

:hello Rideamus
Fairy Queen (11.04.2011, 07:00):
Lieber Rideamus, wie sieht das denn bei Opera-Share mit einem Mitschnitt aus?

Was den Nachwuchs bei Florez und Damrau angeht: die Generation unserer enkel kann sich wahrscheinlich darüber freuen, dass solche Gene weitergegeben werden. Diana Damrau gratuliere ich besonders zu ihrer Courage, als Weltklasse--Koloratur sich eine Schwangerschaft zu leisten. Sie musste im Gegensatz zu Florez ja nicht nur Karriereausfälle sondern auch eine Veränderung der Stimme fürchten. Das macht sie mir nun noch sympathischer.

Dass Florez eine halbe Stunde nach der Geburt seines ersten Sohnes auf der Bühne steht, kann ich nicht glauben! Da war wohl eine Menge Tränendrüsen-Publicity im Spiel So nah an der kann die Klinik gar nciht sein, dass er das geschafft hätte und shcon gar nciht nach einer durchwachten Nacht. Die Rolle der Mutter seines Kindes ist da auch nicht ganz leicht: ich stelle mir gerade vor, wie die Arme im Kreisssaal unter Zeitdruck steht, weil der Herr Gemahl in einer Stunde sich mit entzückenden Sopranistinnen auf Bühnenbetten wälzen und seine hohen Cs schmettern muss.... :ignore
Wie heisst denn der Florez-Junior? Hat die MET auch Photos aus dem Kreisssaal vom glûcklichen Vater mit eben abgenabelten Nachwuchs gezeigt? Reality TV? Zutrauen würde ich denen das durchaus.... Das Schlimme an diesen Übertragungen sind für mich nämlich die PR Attacken der Barbiepuppen Fleming, Voigt und Company.

Guten Wochenstart allen Klassikfreunden
F.Q.
Heike (11.04.2011, 07:57):
Hallo Fairy,
Dass Florez eine halbe Stunde nach der Geburt seines ersten Sohnes auf der Bühne steht, kann ich nicht glauben! Da war wohl eine Menge Tränendrüsen-Publicity im Spiel
Also er sagte selbst, dass das Kind 12.25 Uhr geboren wurde (eine Hausgeburt) und die Vorstellung begann 13 Uhr. Ich fand es auch unglaublich. Und er sagte natürlich auch, wie schwer es ihm fiel, wegzugehen....

Wie heisst denn der Florez-Junior?
Ui er hats gesagt, aber ich habs vergessen, irgendwas mit L, Leandro, Lucian, oder sowas. Bilder gab leider keine ;-)

Lieber Rideamus, ich kenne die Oper und deren Handlung bisher nicht, also weiß ich auch nicht, ob was verändert wurde. Ich kenne auch Pertusi nicht, gehe aber davon aus, dass er es war. Auf dem aktuell ausgegebenen Besetzungszettel stand er jedenfalls als ""Lehrer" und es wurde auch nichts über Besetzungsänderungen angekündigt. Er trat als Erzieher auf.
Die Inszenierung fand ich wirklich super, hinreißend komisch: Ich kann mir allerdings vorstellen, dass ohne Großaufnahmen das auf den oberen Rängen gar nicht wahrgenommen werden konnte, wie subtil das gemacht war. Allerdings lässt sich die Zurückhaltung des Publikums auch damit nicht erklären, wenn man von den grandiosen Sängern ausgeht.
Heike
Severina (11.04.2011, 12:27):
Liebe Heike,

ich bin einer großer Fan der Inszenierungen von Laurent Pelly, eben weil er auch immer die Grenze zwischen Komödiantik und plumpem Klamauk wahrt, in dem leider viele der komischen Opern ertrinken und dann als zu seicht abgetan werden.

Übrigens habe ich mir vorhin einen Moment lang vorgestellt, wie JDF, schon im Kostüm der Comte Ory, die Nabeschnur durchtrennt.... Denn Umziehen war wohl in dieser halben Stunde nicht auch noch drin :D.
Seine standesamtliche Hochzeit in Wien hat damals Natalie Dessay nach einer "Fille du Regiment" vor dem Vorhang angesprochen, damit wir den frisch gebackenen Ehemann nach dem x-ten Vorhang doch endlich seinen Honeymoon genießen lassen!

lg Sevi :hello
Heike (11.04.2011, 19:58):
Das ist ja lustig, genau darüber habe ich auch nachgedacht. Der war ja auch relativ aufwendig kostümiert und geschminkt, mit Vollbart und so, also keine Ahnung wie das ging.
Heike
Solitaire (11.04.2011, 20:11):
Ach Mann, die arme Frau Florez! Ich habe ja keine Kinder, aber ich denke mir, wenn es überstanden, alles gut verlaufen und man dann offenbar noch gemütlich zuhause ist (Hausgeburt? Mutig! Feige wie ich bin hätte ICH alle Segnungen der modernen Mediziin um mich haben wollen), möchte man doch den Mann des Herzens bei sich haben, oder?
Und der ist dann die halbe Nacht weg weil er singen muß.
Frau Musica ist eine grausame Geliebte... :wink
OT aus.
Heike (11.04.2011, 20:36):
Um den Klatsch und Tratsch fortzusetzen: Es war eine Wassergeburt, wie er sagte ;-)
Heike
Armin70 (11.04.2011, 21:15):
Original von Heike
Um den Klatsch und Tratsch fortzusetzen: Es war eine Wassergeburt, wie er sagte ;-)
Heike

Wassergeburt, weil er dabei Rotz und Wasser gheult hat ?

(:ignore Ich bin ja schon wieder still...)
Fairy Queen (11.04.2011, 22:06):
Liebe Heike, für mich ist es weiterhin eher PR, dass das Kind um 12h25 geboren wurde (wahrscheinlich doch nciht in der MEt, oder ist das die HAUS-Geburt?) und Florez um 13h geschminkt und im Kostüm auf der Bühne stand. Wie soll das hinhauen????
Was die arme Frau Florez angeht, hat die in diesem Falle auch mein vollstes Beileid! Selbst wenn es eine leichte Geburt war, ist das gerade beim 1.Kind ein so umwälzendes Ereignis, dass die Vorstellung, der geliebte Erzeuger warte auf heissen Kohlen auf meine letzten Presswehen, um dann in die Arme von Diana Damrau zu rennen und sich von Millionen Damen anschmachten zu lassen, mich gleich in die doppelte Nachgeburts-Depression triebe!
Für mich war die Geburt meiner ersten Tochter ein fast traumatisches Erlebnis (23 Stunden Wehen, vom Rest schweige ich lieber) und wenn deren Vater im Comte Ory Kostüm von der Nabelschnur auf die Opernbûhne gerannt wâre, wâre ich wahrscheinlich wie Lucia di Lammermoor in Wahnsinn verfallen......
Aber die Senora Florez muss eh starke Nerven mitbringen und das war vielleicht nun die endgültige Nagelprobe......
Jedenfalls hoffe ich , dass der Kleine die Gene des Papas geerbt hat und unsere Enkelgeneration glûcklich machen wird.
Bonne nuit
F.Q.
Severina (12.04.2011, 00:15):
Nun ja, andererseits ist diese junge Künstlergeneration die erste, die überhaupt dabei ist bei der Geburt ihrer Kinder, denn früher waren die Väter meist irgendwo und kriegten ihren Nachwuchs erst zu Gesicht, wenn er schon etliche Wochen alt war.
Natürlich ist das mit Flórez Junior krass und das mit der halben Stunde glaube ich auch nicht, andererseits hätte Intendant Gelb den Erzeuger wahrscheinlich gelyncht, wenn er diese Vorstellung hätte sausen lassen, die weltweit übertragen wurde. Comte Ory ist nicht Traviata, einen halbwegs brauchbaren Alfredo-Ersatz treibt man wahrscheinlich bald auf, aber einen Ory???? Wie viele Sänger haben diese Partie wohl weltweit drauf? Und bei Vertragsunterzeichnung war von Klein-Flórez sicher noch keine Rede.
Also, einfach war die Situation sicher nicht, für keinen der Beteiligten.

lg Sevi :hello
Heike (12.04.2011, 07:43):
Über die Geburtszeit des ersten Kindes so öffentlich zu lügen fände ich andererseits ziemlich dreist. Wenn ich mir vorstelle, die Frau zu sein und dann quasi meinen Bekannten, Freunden deshlab eine verdrehte Geburtswahrheit erzählen zu müssen - ich weiß nicht, ich wäre sicher mehr als sauer. Zudem hat da Kind ja eine Geburtsurkunde, denkt ihr nicht, dass sowas rauskäme?

Die haben ja nicht Punkt 13 Uhr angefangen, da gibts ja erst immer noch Gequatsche und dann steht Florez ja auch nicht mit dem ersten Takt auf der Bühne. Also eine gute Stunde dürfte er Zeit gehabt haben ... und falls er in der Nähe der MET wohnt, halte ich das durchaus für machbar?
Heike
Severina (12.04.2011, 10:49):
Liebe Heike,
ja, damit hast Du sicher Recht. Und es ist ja auch kein wirkliches Problem, und schon gar nicht unseres :wink. Schön, dass es sich für alle Beteilgten ausgegangen ist, dass Mutter und Filius wohlauf sind und den stolzen Herrn Papa sein Glück offensichtlich zu einer Über-Drüberleistung getrieben hat :D, die hoffentlich irgendwann auf DVD dokumentiert wird!

lg Sevi :hello
Heike (12.04.2011, 13:53):
und den stolzen Herrn Papa sein Glück offensichtlich zu einer Über-Drüberleistung getrieben hat
Wie wahr :-) Vielleicht sollte der immer so abgehetzt und unvorbereitet singen und spielen, wenn ihm diese Euphorie und Lockerheit so gut tut!
Heike
Rideamus (26.04.2011, 08:22):
Es gibt zwar noch keine DVD, aber immerhin hat die Met jetzt ein paar kurze Clips aus dem COMTE ORY auf YouTUbe eingestellt, so dass man sich einen Eindruck von der spielfreudigen Inszenierung machen kann, zum Beispiel hier bei dem köstlen Terzett des letzten Aktes: http://www.youtube.com/watch?v=g-_JV0tMgLA&feature=related

Weiter Ausschnitte, die Florez herausstellen, gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=g-_JV0tMgLA&feature=related
und hier:
http://www.youtube.com/watch?v=FEkgUqUeF5c&NR=1

Und hier noch das herrliche Finale des ersten Aktes: http://www.youtube.com/watch?v=zgWhyRzKBn0&feature=related

ICH WILL DIE DVD HABEN!!!!

:hello Rideamus
Heike (26.04.2011, 23:39):
Herrlich!
Danke für die links, ich wusste gar nicht, dass die MET auch Videos einstellt!
Heike
golioni (28.04.2011, 10:26):
Original von Heike
Herrlich!
Danke für die links, ich wusste gar nicht, dass die MET auch Videos einstellt!
Heike

Es gibt auch schon einige kurze Ausschnitte der Walküre, anscheinend von der Generalprobe:

Die Walküre - Bryn Terfel and Deborah Voigt
Die Walküre - Eva-Maria Westbroek
Die Walküre - Jonas Kaufmann

live im Kino kann man das Ganze dann am 14.5 erleben.
Fairy Queen (01.05.2011, 07:43):
Hat jemand gestern den Trovatore aus der MET gesehen?

Ich war da und mir hat die Inszeneirung sehr gut gefallen(kein Wunder, Mc vicar ist eben fast immer super!), denn ich habe zum ersten Mal kapiert, worum es in dieser Oper eigentlich geht und wie die einzelnen Szenen miteiander zu tun haben.
Was für eine unglaubwürdige Story! Aber immerhin hat sie Verdi zu herrlicher Musik inspiriert.

Von den Sängern hat mir Marcelo Alvarez am wenigsten gefallen, obschon er die Partie nicht schlecht gesungen hat. Aber ihm merkte man die einseitige Schablonenhaftigkeit der Figuren am meisten an und sein Spiel wirkte auf mich ziemlich hilflos.
Was die anderen drei Hauptrollen angeht, muss ich erst die Namen suchen, die beiden Damen hatte ich noch nie gehört, aber sie waren sehr gut, besonders die Azucena ging voll in ihrer Rolle auf. Ihre Tiefe war nicht ganz so satt und bruststimmig "dreckig" wie ich das in der Rolle schâtze, dafür die Höhe aber phantastisch. Und der russische Luna Hrorostovsky (oder so ähnlich, komme da immer in Buchstabensalat....) hat seiner Bösewicht- Rolle auch eine etwas sympatischere Facette verleihen können. Ob er Sevi mit ihrer Lieblingsarie übzerzeugt hätte, weiss ich nicht- das Publikum hat jedenfalls nicht an Zwischenbravi und tobendem Applaus gespart.

Ein schöner aber nciht umwerfender Opernabend, was aber wahrscheinlcih auch daran liegt, dass mich diese Oper nicht gerade vom Hocker reisst.
F.Q.
nikolaus (01.05.2011, 09:57):
Original von Fairy Queen

Was für eine unglaubwürdige Story! Aber immerhin hat sie Verdi zu herrlicher Musik inspiriert.

F.Q.

:beer
Da stimme ich Dir vollkommen zu: hahnebüchene Story (ich komme jedesmal durcheinander, wer da mit wem wann und was vertauscht hat...), aber wundervolle Musik!


Also, laut Spielplan der Met waren es Sondra Radvanovsky, deren Namen ich nur kenne, die aber wohl v.a. in den USA sehr etabliert ist und eine feste Größe dort ist.
Die Azucena müsste Dolora Zajick gewesen sein. Dass Du sie nicht kennst, wundert mich aber, denn sie zählt seit Jahrzehnten zu den weltbekannten und weltbesten Amneris, Azucena und Konsorten!

Gruß, Nikolaus.
Severina (01.05.2011, 11:47):
Ohne diese Aufführung jetzt gesehen zu haben, möchte ich zweierlei beitragen:
Marcello Alvarez hatte einmal eine tolle Stimme, den aktuellen Zustand kann ich nicht beurteilen, weil er seit Jahren nicht mehr in Wien singt und er mir auch in Zürich immer irgendwie entgangen ist - just den "Ballo" vor vier Jahren, zu dem ich extra wegen ihm angereist war, sagte er ab - aber darstellerisch war er nie eine Offenbarung. Er war ja unser PR-Werther (davon gibt's eine DVD) und zwischen ihm und der subtilen Rolleninterpretation eines Villazón oder Kaufmann liegen nicht nur Welten, sondern ein ganzes Universum.

Hvorostovsky (Kann den auch nie richtig schreiben...) ist nie so ganz mein Fall, und wenn Fairy schreibt, dass er die "sympathische Seite" des Luna hervorkehrt, so sage ich einmal ganz boshaft, weil es ihm an den darstellerischen Möglichkeiten fehlt, einen richtigen Fiesling auf die Bühne zu stellen. Hvorostovsky ist immer nur Hvorostovsky, egal ob als Onegin (wo sein Unbeteiligtsein noch am besten passt), Rigoletto, Germont usw. usw.
Ich weiß, dass jetzt ganze Horden von Hvorostovsky-Fans über mich herfallen werden, aber das Forum braucht eh ein bisserl Belebung! :wink :D
lg Sevi :hello
Tosca (01.05.2011, 13:09):
Irgendwie hat mich diese Aufführung auch nicht gereizt. Einmal ist der Troubadour eine der Verdi-Opern, die ich nicht so sehr mag. Dann bin ich überhaupt kein Anhänger von Alvarez. Ich mag seine Stimme leider nicht und was er z.B. darstellerisch in dem Werther (TV) gezeigt hat, konte mich auch nicht begeistern.
Der einzige Grund mir die Aufführung anzusehen, wäre Hvorostovsky gewesen, den ich besonders in seinen Anfangsjahren toll fand. Aber ich muss Severina Recht geben, er wirkt immer etwas distanziert in seinen Rollen.

Grüße Tosca
Fairy Queen (01.05.2011, 13:32):
Liebe Sevi, was die Belebung angeht: eigentlich reicht es schon, ehrlich zu schreiben was man denkt, das ist immer serh belebend, finde ich! :D
Stimmlich hatte ich an Alvarez nicht viel auszusetzen, die roleist ja mörderisch genug, als dass man davon ausgehen muss, dass nur Spitzensänger das hinbekommen. Aber als Darsteller hätte ich mir wirklich eine Scheibe Rolando gewünscht. Mc vicar gibt den Sängern viel Freiheit und besonders die Schlussszene wo echte Lleidenschaft und Pathos gefragt sind,war von Manrico-Seite wirklich mehr als lau gespielt die Schlussszene Mein Mann kannte die oper gar nciht und meinte, dass sie nicht überzeugen kann, wenn selbst die Sänger nciht das glauben, was sie darstellen und das war zumindest bei Alvarez und vielleicht auch Dmlitri H.(ich spare mir den Salat) der Fall. Wobei ich den etwas sanfteren Luna nciht shvclecht fand, ich hab mich mehrfach gefragt, warum Leonora nciht gleich den nehmen kann- damit wâren alle Probleme gelöst. :D

Was die Damen angeht: danke Nickolaus.. Ich bin keine Verdianerin und kenne mich in der amerikanischen Szene eh nur serh mässig aus. Schäm! Stimmlich sind beide hervorragend, die Leonora muss ja sowohl dramatische Durcvhschlagskraft als auch Agilität haben und das traf in diesem Fall wirklich zu. Die Dame hat eine tolle Gesangstechnik, quasi makellos und kann damit fast alles singen. Brava!
Die Stimme an sich ist für meinen Geschmack zu uncharakteristisch und etwas metallisch. In dem Fach soll das aber angeblich so sein.
Dolores Zajik hat ebenfalls eine phantastische Technik und war auch sosnt als Figur rollendeckend. Ich mag aber bei den Azucenas und Ulricas der Opernwelt lieber die mit Mut zur richtgen Bruststimme. In "stride la vampa" muss die Tiefe für mich durch Mark und Bein gehen und das fehlte mir hier schon. Aber ich glaube ich bin da einfach von unserer hiesigen Ulrica fûrs Leben geprâgt! Wenn die diese Arie gesungen hat, war das für mich wie im Gruselfilm.
Aber man kann halt nciht alles haben, die Höhe der Zajik ist in den spâteren Arien wirklich phänomenal.
Schönen 1. Mai wünscht euch allen


F.Q.
Heike (15.05.2011, 10:10):
Hat jemand gestern die Walküre gesehen? Wie fandet ihr es?
Heike
Heike (15.05.2011, 11:36):
Die Walküre
Deborah Voigt (Brünnhilde),
Eva Maria Westbroek (Sieglinde),
Stephanie Blythe (Fricka),
Jonas Kaufmann (Siegmund),
Bryn Terfel (Wotan)
Hans-Peter König (Hunding).
Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York,
Dirigent: James Levine

Also mir hat es, wie auch schon das Rheingold, sehr gut gefallen. Zur Inszenierung, diese sich bewegenden Streben waren gestern sehr originell eingesetzt (z.B. als Pferde für die Walküren), das fand ich sehr gelungen. Durch die Großaufnahmen ist das dann sehr spannend, weil die Personen sehr im Mittelpunkt sind. Das Orchester gefiel mir super, mit viel Spannung, aber ohne überflüssiges Pathos.

Die Geschwister Sieglinde und Siegmund fand ich sehr sehr gut, beide. Kaufmann ist optisch wirklich wie geschaffen für diese Rolle und hat es auch hinreißend gespielt und sehr effektvoll gesungen. Besonders wenn er ganz tief singt, finde ich seine Stimme sehr schön. Sieglinde fand ich großartig, sie hatte eine sehr natürliche Art und wirkte fast zart, obwohl sie gar nicht so übermäßig grazil aussah.

Wotan und Fricka waren eine Klasse für sich, ein wunderbares, in meiner Ring-Erfahrung unschlagbares Paar! Blythe in ihrer Körperfülle und mit einer grandiosen Stimme verkörperte genau die alternde, lustfeindliche, ein wenig herrische Fricka, die ich mir so vorstelle. Wotan schaffte den Spagat zwischen Macht und Kraft einerseits und Verzweiflung und Depression andererseits sehr ans Herz gehend. Eine tolle Stimme! Die Rolle ist wie gemacht für ihn.

Lediglich bei Brünnhilde bin ich ein wenig zwiegespalten. Sie sang als einzige sehr textunverständlich und mit hörbarem Akzent (was mich fast immer stört). Zudem fand ich ihre Mimik sehr sehr irritierend, z.B. immer wenn sie traurig schaute, dann meinte man ein Lachen zu sehen. Das ist in den Großaufnahmen sehr auffällig und ihr eher maskenhaftes Gesicht ließ bei mir immer das Gefühl aufkommen, dass sie neben dem massigen und trotzdem fragilen Wotan unpassend steif wirkt. Allerdings hat sie die Todesverkündigung sehr eindrucksvoll gesungen.

Hunding hat mir sehr gut gefallen (sehr ausdrucksvoll in der Bedeutung desen, was er sagt) Wunderbar waren auch die Walküren.

Angenehm auch Domingo als Kommentator am Rande, gegenüber der sonst kommentierenden nervigen Dame eine reine Wohltat.
Heike
Tosca (15.05.2011, 12:24):
Es war wirklich eine gelungene Aufführung, auch wenn die Zuschauer ca. 40 Minuten auf die Übgertragung in den Kinos warten musste. Irgendetwas hat wohl mit der aufwändigen Technik nicht funktioniert.
Die Inszenierung gefiel mir außerdordentlich gut. Alle Protagonisten boten eine sehr gute Leistung. Am besten gefielen mir Bryn Terfel mit unglaublich guter Aussprache und sehr nuancenreichem Gesang und Jonas Kaufmann. Das soll aber die Leistungen der anderen Sänger nicht schmälern.
Auf jeden Fall ein wunderschöner Abend. :down :down :down

Viele Grüße
Tosca
Severina (15.05.2011, 15:34):
Wenn ich mir Eure fast immer so begeisterten Kommentare durchlese, werde ich nun doch allmählich auch reif für "MET im Kino", trotz der stolzen Eintrittspreise.
In der nächsten Saison werde ich die Sache im Auge behalten und mich dann rechtzeitig um Karten kümmern.
Terfel als Wotan muss eine Wucht sein, das kann ich mir gut vorstellen, ebenso natürlich Kaufmann als Siegmund.

lg Sevi :hello

PS: Sehe eben, dass das mein 1000. Beitrag im Klassikforum ist, darauf muss ich mir heute glatt ein Piccolo-Sektchen genehmigen! (Man findet doch immer einen Anlass :wink :D)
Tosca (15.05.2011, 15:45):
Da ich ja nicht die Möglichkeit habe, an die großen Häuser der Welt zu reisen, ist die MET im Kino für mich eine gute Alternative und ich werde mir sicherlich auch in der neuen Saison das ein oder andere Ticket besorgen.

LG Tosca
Heike (15.05.2011, 16:05):
Prosit Sevi!!!

Das Programm für die neue Saison steht übrigens, siehe hier:
http://www.das-klassikforum.de/thread.php?postid=94358#post94358

Und in Berlin hat der VVK gestern schon begonnen!

Ich finde ja, dass Oper im Kino ein ganz andres Genre ist als Oper live. Über das "ganz-nah-dran-sein" ergibt sich ein völlig unterschiedlicher Focus, im Saal habe ich doch eher das Gesamtbild im Auge als die Personen. Mir macht das richtig Spaß, im Kinosessel ist es zudem super gemütlich .... und ich bin trotzdem eine begeisterte live-Operngängerin.

Heike
Elsa1977 (20.05.2011, 10:44):
Hallo Heike, Tosca und Severina,

ich bin immer noch total im Walküre-Fieber seit letzten Samstag. Stöbere die ganze Zeit im Netz nach Kritiken und auf Youtube nach Ausschnitten. Leider gibt es noch nicht viel.
Ich werde auf alle Fälle in Siegfried und Götterdämmerung gehen (im Kino).

Ein Jammer, dass Deborah Voigt als Brünnhilde derart abgefallen ist vor den anderen Sängern, die wirklich alle weltklasse waren. Ich verstehe es nicht, warum man keine "bessere" Sängerin für Brünnhilde findet. Es gibt doch sicher tausende, die sich um die Rolle reissen würden und es auch stimmlich und schauspielerisch besser meistern könnten. (Denke ich) Der Akzent hat mich auch ziemlich gestört, ebenfalls ihre Mimik. Es sah wirklich jedes Mal wie Lachen aus, obwohl sie gequält blicken wollte.

Einzig wegen ihr ist meine Vorfreude auf Götterdämmerung getrübt. Das wird ein Kraftakt für sie und mich graut vor dem "Ende", weil ihr bis dahin sicher die Resthöhe ausgehen wird. Drücke ihr die Daumen, dass sie vielleicht an dem Tag einen besonders guten Tag hat und das meistert.

Ich wünsche Euch Dreien :leb ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüsse aus Zürich

Elsa
Tosca (21.05.2011, 12:26):
Hallo Elsa,

demnächst erfolgt in den Staaten auch eine Fernseh-Übertragung der Walküre. Ich denke, dass danach doch der ein oder andere Ausschnitt auf Youtube erscheint.
Dir auch ein schönes Wochenende und herzlich willkommen hier, ich bin ja auch noch neu.

Viele Grüße
Tosca
Heike (21.05.2011, 23:46):
Ich werde auf alle Fälle in Siegfried und Götterdämmerung gehen (im Kino).
Ich auch! Ich hoffe, wir können uns dann hier wieder ausgiebig austauschen!

Heike
Severina (21.05.2011, 23:59):
Ich kann leider nicht mitreden, weil ich die Übertragung nicht gesehen habe, hoffe aber auf eine DVD.
Auch bei unseren Ringserien an der WSO ist meist die Brünnhilde die Schwachstelle, denn mit Eva Johanson werde ich auch nicht glücklich. Toll war allerdings Nina Stemme, leider ist sie in der nächsten Saison nicht angesetzt.

lg Severina :hello
Heike (22.05.2011, 00:04):
Brünnhilde habe ich, wenn ich ganz genau nachdenke, noch nie so wirklich rundum gut live gesehen. Irgendwas stört immer. Ich weiß auch nicht woran das liegt.

Eine DVD würde sich aber schon allein wegen Terfel/ Blythe lohnen. Ein unsterbluch gutes Paar, sowohl im Rheingold, als auch in der Walküre.
Heike
Zefira (13.06.2011, 10:46):
Ich freu mich gerade wie ein Schnitzel über das Kinoprogramm, auf das mich eben Mimì hingewiesen hat:

MET im Cineplex Marburg

Meine Hoffnung, dass eine der Aufführungen mit David Daniels übertragen wird, scheint in Erfüllung zu gehen!! Ich freu mich!

:leb :rofl Zefira
Heike (15.10.2011, 16:38):
Heute geht's wieder los mit
Donizettis „Anna Bolena“

Dirigent: Marco Armiliato
Produktion: David McVicar

Anne Boleyn (Anna Bolena) - Anna Netrebko
Jane (Giovanna) Seymour - Ekaterina Gubanova
Mark Smeaton - Tamara Mumford
Lord Richard (Riccardo) Percy - Stephen Costello
Henry VIII (Enrico) - Ildar Abdrazakov

Geht noch jemand hin???
Heike

P.s. Renée Fleming wird uns wieder mit ihren nervigen Pausenkommentaren erfreuen ;-)
Severina (15.10.2011, 16:46):
Nein, ich war ja noch nie bei einer MET-Übertragung, was mir im Fall des "Comte Ory" nachträglich SEHR Leid tut.
Die "Anna Bolena" reizt mich gar nicht, da wir da ja im Vorjahr an der WSO hatten mit einer großartigen Besetzung der Frauenrollen (Netrebko, Garanca, Kulmann), das kann die MET sicher nicht toppen. Stephen Costello wird kein Deut besser sein als Francesco Meli (der Pery ist aber auch eine vertrackte Partie), den Bassbariton kenne ich nicht.
Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Vergnügen und warte auf Deinen Bericht!

lg Sevi :hello
Zefira (15.10.2011, 17:16):
Ich habe mir (vielleicht) Mariusz Kwiecien als Don Giovanni Ende Oktober vorgemerkt und selbstverständlich meinen Liebling David Daniels und Placido Domingo im nächsten Jahr - zu mehr wird es nicht reichen, da ich außerdem noch Karten für Orfeo im Dezember und La Traviata im Januar reserviert habe ... aber ich warte auch gespannt auf Berichte von anderen Übertragungen!

Gruß von Zefira
Heike (16.10.2011, 00:58):
Zu später Stunde hier mein kleiner Bericht (irgendwie bin ich heut gar nicht müde):

Schön war's! Ich gelte ja nicht als ganz großer Netrebko-Fan, ihr Auftritt heute hat mich sehr beeindruckt. Sehr sehr virtuos und berührend gesungen und gespielt - kann es sein, dass ihre Stimme mit den paar Kilos mehr auch voller und wärmer geworden ist? Der Höhepunkt, die Arie vor dem Trommelwirbel, es gab ganz viele Bravi und man sah die Netrebko dabei in Großaufnahme, wie sie ohne jede Starallüren da stand und (vor Rührung? oder grandios gespielt?) dabei fast Tränen in den Augen hatte. Da sah sie aus wie ein junges Mädchen.

Als Gegenpart die (für die abgesagte Garanca eingesetzte) Gubanova machte ihre Sache auch sehr gut, aber verblasste doch deutlich neben der Netrebko. Vor allem in der Ensembleszene, wo sie als Geliebte enttarnt wird, fiel mir auf, dass sie doch weniger als die Netrebko differenzieren konnte. Irgendwie sollte sie ja die Anna übertrumpfen, an Schönheit, oder an Gesangsqualitäten, sonst erschließt sich ja irgendwie nicht, warum der König sie vorzieht. Das war nicht so recht ersichtlich, bzw. da hatte Anna dann doch die Nase vorn. Dagegen war die Anfangsszene von Jane mit dem König sehr schön.

Überhaupt hat mir der Herr Abdrazakov als Heinrich sehr gut gefallen. Eine majestätische, imposante Erscheinung, der auch sehr schön detailreich spielte. Mir gefällt die Stimme auch sehr gut. Demgegenüber fand ich Costello als Percy etwas altbacken, in jeder Hinsicht. Er stand sowohl unbeholfen rum und wirkte weit weniger verlockend als der König, zudem sang er irgendwie altmodisch, finde ich. Und auch nicht so verführerisch, wie man es von einem alten Liebhaber erwartet. Aber gut, die Kritik ist auif hohem Niveau, rein objektiv hat er es sicherlich sehr gut gemacht.

Sehr guit gefallen hat mir der Page, Tamara Mumford, eine sehr markante Mezzostimme. Recht tief, ohne Bild fast als Altus zu hören, aber ganz warm und berührend, die fand ich richtig klasse. War auch vom jugendlich-herben Typus total gut besetzt.

Das Orchester unter Marco Armiliato fand ich gar nicht so übel, mit recht viel Dramatik und auch schön akzentuiert. Aber manchmal hätte es doch etwas subtiler sein dürfen. Die Inszenierung von David McVicar war unspektakulär. Fast wie ein Kammerspiel, mit vielen Großaufnahmen und dem Fokus auf den Personen und zeitgerechten Kostümen. Insgesamt doch aber eher schlicht, ohne jeden überflüssigen Kitsch und Pomp und insofern doch wiederum gut. Sehr gut gefallen hat mir das Schlussbild, der Henker erscheint oben auf einer zweiten Ebene, die Menschen stehen ganz klein vor den großen Wänden, Anna geht unter dem Henker in ein Tor und ein roter Vorhang fällt.

Vor allem bin ich mal wieder vor allem von dieser tollen Oper mitgerissen worden, was für großartige Musik hat doch dieser Donizetti geschrieben!
Heike
Tosca (16.10.2011, 01:12):
Hallo Heike,

für mich war es auch ein schöner Abend. Eigentlich habe ich mir den Besuch gegönnt wegen Ildar Abdrazakov, den ich sehr mag und er hat mir auch sehr gut gefallen.
Man darf nicht vergessen, dass Stephen Costello gerade erst 30 Jahre alt geworden ist. Er kann schauspielerisch mehr bieten. vielleicht lag es einfach an der Regie. Sängerisch hat er mir auf jeden Fall besser gefallen als Meli in der Wiener TV-Übertragung. Auch alle Nebenrollen waren sehr gut besetzt.

Viele Grüße Tosca
Heike (16.10.2011, 01:24):
Liebe Tosca,
Abdrazakov kannte ich vorher überhaupt nicht, aber er hat mir jedenfalls sehr gut gefallen heute. Man kann sich ja auch nicht davon freimachen, dass recht männlich wirkende, große Sänger als König einfach mal gut passen. Aber den könnte ich mir auch gut als Liebhaber vorstellen, glaube ich.
Heike
Severina (16.10.2011, 01:26):
Liebe Heike, liebe Zefira,
danke für Eure Eindrücke!
Netrebkos Stimme hat durch die Schwangerschaft an Volumen und Ausdruckskraft dazu gewonnen, es macht momentan richtig süchtig ihr zuzuhören (Zumindest mich :D!). Starallüren hatte sie nie, sie wurde zwar von den Medien zum Superstar gehypt, hat sich aber nie so benommen. (Das weiß ich von Freunden, die persönlich mit ihr zu tun haben.) Im Unterschied zu Garanca, die kann ganz schön rumzicken. (Ich liebe trotzdem beide!)

Costello hat bei uns schon ein paarmal gesungen, wirkte allerdings immer ziemlich blaß. Dass er besser als Meli war, glaube ich aber aufs Wort, denn dem lag der Percy überhaupt nicht (Seine mit Abstand schlechteste Leistung an der WSO).

Nach Eurer positiven Kritik hoffe ich, dass Herr Abdrazakov bald in Wien Station macht.

lg Sevi :hello
Tosca (16.10.2011, 01:30):
Liebe Severina,

auch wenn Anna keine Koloratursängerin ist, sie war großartig, unglaublich ausdrucksstark und mir gefiel auch Gubanova sehr gut. Sie war viel ausdrucksstärker als Garanca, obwohl mir Garanca auch sehr gut gefallen hat, aber man kann die beiden nicht miteinander vergleichen.
:hello Tosca
Heike (16.10.2011, 01:34):
Netrebkos Stimme hat durch die Schwangerschaft an Volumen und Ausdruckskraft dazu gewonnen, es macht momentan richtig süchtig ihr zuzuhören
Mir haben heute vor allem ihre sehr sehr berührenden piano-Passagen und die eher dunklen Töne Gänsehaut gemacht. Und sie hat für meinen Geschmack ausgesprochen schöne und ungekünstelte Koloratuiren gesungen. Respekt.
Heike
Severina (16.10.2011, 01:42):
Original von Heike
Netrebkos Stimme hat durch die Schwangerschaft an Volumen und Ausdruckskraft dazu gewonnen, es macht momentan richtig süchtig ihr zuzuhören
Mir haben heute vor allem ihre sehr sehr berührenden piano-Passagen und die eher dunklen Töne Gänsehaut gemacht. Und sie hat für meinen Geschmack ausgesprochen schöne und ungekünstelte Koloratuiren gesungen. Respekt.
Heike

Ja, ihre Stimme hat richtig schön nachgedunkelt, ich nenne es immer süffig und muss dabei an einen extrem dunklen Rotwein in einem kostbaren Kristallkelch denken.
Unverständlich, dass unser "lieber" Herr Direktor in dieser Saison keine einzige Rolle für Anna hat, obwohl sie doch in Wien wohnt. (Naja, so unverständlich auch nicht, es passt zu diesem Dilettanten.... X()

lg Sevi :hello
Heike (16.10.2011, 01:44):
Sevi, wann können wir dich denn mal in eine MET-Übertragung locken????
Heike
Billy Budd (16.10.2011, 10:53):
Original von Severina
Nach Eurer positiven Kritik hoffe ich, dass Herr Abdrazakov bald in Wien Station macht.
Im November singt er bei uns den Mustafa in der "Italiana" (ebenfalls unter Armiliato).
Billy :hello
Severina (16.10.2011, 12:33):
Original von Heike
Sevi, wann können wir dich denn mal in eine MET-Übertragung locken???? Heike

Naja, wenn mein Frust über die momentane Situation an der WSO anhält, wird Oper im Kino demnächst vielleicht wirklich eine Alternative X(. Bisher war ich ja live bestens bedient, also reizten mich die Übertragungen nicht so sehr, besonders wenn ich dieselben Sänger in diesen Partien auch in Wien sehen konnte.
Aber bei der merkwürdigen Besetzungspolitik von Monsieur le Directeur muss ich in Zukunft wohl ins Kino gehen, wenn ich meine Lieblinge sehen will.....

lg Sevi :hello
Heike (28.10.2011, 23:00):
Morgen geht es weiter mit Don Giovanni:

Conductor Fabio Luisi
Production Michael Grandage

Donna Anna Marina Rebeka
Donna Elvira Barbara Frittoli
Zerlina Mojca Erdmann
Don Ottavio Ramón Vargas
Don Giovanni Mariusz Kwiecien
Leporello Luca Pisaroni
Masetto Joshua Bloom
The Commendatore Štefan Kocán
Severina (28.10.2011, 23:26):
Da bin ich neugierig, was Du berichtest! Kwiecien als Don Giovanni würde mich sehr interessieren, der Rest entspricht nicht gerade meinen Wunschvorstellungen (Kocan z.B. ist für den Commendatore doch etwas zu leichtgewichtig!), aber es gibt ja immer wieder Überraschungen!
Viel Spaß jedenfalls!

lg Sevi :hello
Heike (30.10.2011, 00:39):
Hier mein erster Bericht:

zur Inszenierung:
Traditionell, als Bühnenbild italienische Gassen mit alter Patina und vielen Etagen Fensterläden, in der Mitte konnte mal eine Gasse aufgehen, also das wars schon. Am Ende natürlich noch ein Friedhof (mit Statuen in verschiedenen Etagen) und ein großer Tisch zum Abendessen.
Das war nicht wirklich ärgerlich altmodisch (weil: nicht pompös), sondern eher unauffällig. Es gab einige sehr gelungene Szenen: z.B. gleich die Anfangs-Mordszene, als sich Don Giovanni vor dem toten Vater die Maske abnimmt, oder auch die barocke Dinner-Szene, als er die vielen frivolen Mädels am Tisch mit Trauben füttert. Nicht gelungen meiner Meinung nach der Komtur am Ende, zu naturalistisch und damit für mich etwas albern.

Somit lebte die Inszenierung von den Personen, auch von den Großaufnahmen. Ich bin nicht sicher, ob das im Saal nicht langweilen würde. Aber hier: Highlight in jeder Hinsicht das Paar Don Giovanni und Leporello. Großartiges Zusammenspiel, bis in kleine Details! Die haben so klasse gespielt, mit Witz und Esprit, es war die reine Freude. Umso größer der Gegensatz zu den Rampenstehern Donna Anna und Ottavio. Absolut schlaftablettig.

Zu den Sängern:
Da kann ich mit dem Lob gleich weitermachen, die beiden Männer Kwiecien und Pisaroni haben den Abend total dominiert. Tolles Paar, optisch und stimmlich, und man merkte richtig, da stimmt die Chemie. Kwiecien machte es sehr sehr stilvoll, an keiner Stelle mit billigem Effekt. Mir hat das sehr gut gefallen, besonders die Fensterarie an die Zofe war göttlich. Pisaroni war der ideale Partner, mit etwas weniger Eleganz, aber dafür mehr Schalk und Emotion. Traumpaar. Allein deshalb hat sich der Abend gelohnt.

Gefühlt am meisten Applaus bekam Vargas, der mich nun nicht wirklich vom Hocker gerissen hat. Erstens stand er ständig dumm rum, zweitens drehte er unnötig auf und drittens fehlte es ihm meiner Meinung nach auch an Differenzierungen. Seine Anna bzw. Rebeka war mir nicht hysterisch genug, der mangelte es ein wenig an Leichtigkeit, aber natürlich sang sie die Rolle schön und ohne Probleme. Vielleicht lag die mangelnde Hysterie auch nicht am Gesang, sondern daran, dass sie soviel dumm rumstand. Ich kannte sie schon von der Berliner DOB, da hat sie die Rolle auch gesungen. Noch schwerer und behäbiger gesungen hat Donna Elvira bzw. Frau Frittoli, aber da passte es mir etwas besser. Sie ist ja auch irgendwie das ältliche, übriggebliebene Madamchen, strahlt so eine Schwere aus. die darf dann auch depressiv rumstehen. Manchmal war es aber zuviel der Behäbigkeit, z.B. als sie Leporello enttarnte, mein Gott, da muss man sich doch erschrecken!

Nett war auch das Pärchen Zerlina und Masetto, Erdmann und Bloom. Eine zarte junge Dame, nicht so naiv wie sie aussieht, frisch und schön gesungen und dazu ihr kecker, etwas dümmlicher Bräutigam. Hat mir eigentlich ganz gut gefallen, das Paar.

Nicht gruselig genug war mir der Komtur Kocán, ich bin da irgendwie auf ganz tiefe Bässe geeicht. Aber der passte mir sowieso micht so ideal, auch mit dem übertriebenen Kostüm.

Das Orchester, mmh, da bin ich etwas ratlos, wenn ich so drüber nachdenke, habe ich es kaum bemerkt, ist mir weder positiv noch negativ aufgefallen. Weiß ich gar nicht, ob das eher gut oder schlecht ist.

Ach, Don Giovanni ist immer wieder schön!
Heike
Severina (30.10.2011, 01:40):
Liebe Heike,

ganz so habe ich es mir nach der Papierform vorgestellt! Kwiecien habe ich einen tollen Giovanni zugetraut, Pisaroni hat schon in Salzburg einen ausgezeichneten Leporello (mit Hampson als "Chef") abgegeben, wie man Varagas als Don Ottavio besetzen kann, ist mir eine Rätsel. Seine Stimme ist doch viel zu schwer für diese Partie und auch nicht beweglich genug. Ein großer Schauspieler ist er auch nicht, aber zu seiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass die meisten Ottavios nicht viel mehr tun als dekorativ herumzustehen und im Idealfall (Beczala!) schön zu singen.
Von den Damen habe ich erwartet, dass Mojca Erdmann am besten abschneiden würde, denn Barbara Frittoli klang zuletzt in meinen Ohren schon ziemlich abgesungen.

Vielleicht hat Monsieur le Directeur ja einmal einen hellen Moment und besetzt Kwiecien als Don Giovanni, obwohl das unsere langweilige Inszenierung auch nicht retten würde.

lg Sevi :hello
Heike (30.10.2011, 01:49):
Ja, noch mal eine ganjz dicke Empfehlung an deinen Herrn Direktor füe Kwiecien als Don Giovanni! Ich frage mich sowieso immer, wieso dieser Wüstling einem so sympathisch ist. Kwiecien hat das beispielhaft gezeigt: der ist - bei aller Hurerei - ein netterTyp, der hat Stil und Eleganz, kein Grobian, kein simpler Schönling, sondern ein lockerer Charmeur, männlich, kraftvoll, aber nicht rabiat. Ein lyrischer Frauenversteher eben.
Dafür war Kwiecien perfekt.

Und das Paket mit Pisaroni war wahrlich ein Volltreffer, ich habe mich über diesen Leporello jedenfalls köstlich amüsiert.
Heike
Heike (04.11.2011, 14:34):
Und morgen: Richard Wagner - Siegfried

Conductor Fabio Luisi
Production Robert Lepage

Brünnhilde Deborah Voigt
Erda Patricia Bardon
Siegfried Jay Hunter Morris
Mime Gerhard Siegel
The Wanderer Bryn Terfel
Alberich Eric Owens
Billy Budd (04.11.2011, 18:20):
Liebe Heike,
Gerhard Siegel hat in Wien im Juni einen absolut phantastischen Herodes gesungen. Und auch Bryn Terfel wäre bei uns eine gute Abwechslung zu Juha Uusitalo ...
Ich bin schon auf Deinen Bericht gespannt!
Billy :hello
Heike (05.11.2011, 00:33):
Terfel war bisher ein gigantisch guter Wotan, ich freue mich total auf ihn. Ebenso auf Eric Owens, der im Rheingold ein super Alberich war.
Deborah Voigt finde ich etwas zwiespältig, in der Walküre hat sie mir nicht so richtig gefallen. Jay Hunter Morris hat, soviel ich weiß, sein Rollendebüt an der MET als Siegfried, das wird auch nicht leicht (eigentlich war Gary Lehman vorgesehen).
Gerhard Siegel habe ich noch nicht gehört, aber nach Billy positiver Vorankündigung sollte das vielleicht passen (er hat doch auch im Valencia-Ring den Mime gesungen?.
Heike
Heike (06.11.2011, 01:01):
So, ich kann euch erste Eindrücke vom Siegfried berichten:

Die Inszenierung mit den sich bewegenden Balken gefällt mir immer besser. Toll, wie die Höhle des Wurms oder die Felsen daraus geformt wurden. Im Saal muss das gigantisch aussehen, sicher fängt Kino davon nur einen Teil ein. Auch gab es einige sehr schöne Details, z.B. Wotans Speer im Zusammentreffen mit Erda - Wotan legt ihn ab, rollt daraus einen Teppich mit Noten drauf aus (und übrig bleibt ein viel dünnerer Speer, den ja auch Siegfried kurz danach zerschlägt). Also weiterhin zwar eine eher konservative Inszenierung mit Schwerpunkt auf der Personenregie, aber trotzdem gut gemacht. Etwas MET-mäßig lächerlich war natürlich der Wurm, eine Mischung aus Riesenschlange und E.T., lustig.

Jay Hunter Morris als eingesprungener Siegfried hat mir sehr gut gefallen, obwohl es an seinen Tenorfähigkeiten zweifellos einiges zu kritteln gäbe. Besonders die Höhen waren doch eng und manchmal recht angestrengt, aber dafür entschädigte er mit einem mir ausgezeichnet gefallenden, schönen Timbre. Ganz samtig, fast rauchig, lyrische Passagen, schöne leise Töne. Auch toll gespielt, stimmiges Rollenportrait.

Zweiter Star des Abend war Mime alias Gerhard Siegel. ein Komödiant sondergleichen, herrlich! Das war der beste Mime, den ich je gesehn habe. Ganz viele schöne Details, super variationsreich und schräg gesungen, böse, schrullig, lächerlich, einfach alles.

Nicht ganz so grandios wie in den beiden vorherigen Teilen, aber immernoch sehr sehr gut fand ich Bryn Terfel als Wanderer. Die Rolle hat er auch noch nicht so oft gesungen, da ist noch Luft nach oben in der Power. Sein Ausdruck aber ist klasse, göttlich in den lyrischen Szenen. Dem nehme ich jede Regung ab. Perfekte deutsche Ausprache auch, Respekt.

Eric Owens als Alberich war wieder richtig gut. Auch Deborah Voigt hat mir besser gefallen als in der Walküre, sie hatte ja auch nicht so viel zu tun diesmal. Als Waldvögelchen zwitscherte übrigens Mojca Erdmann ganz hübsch. Erda war mit Patricia Bardon zwar solide, aber mir erstens zu jung und zweitens nicht tief/ erdig genug.

Sehr gut fand ich heute das Dirigat von Fabio Luisi, das dürfte allerdings Geschmackssache sein. Er stimmte eine recht leichte, transparente Gangart an, ohne große Dramatik und Pathos. Dafür mit viel Witz und Esprit.

Nun freue ich mich auf die Götterdämmerung!
Heike

P.s. völlig vergessen und zu Unrecht nicht genannt habe ich den Wurm/ Fafner - der war ein Bass, der mir ganz ausgezeichnet gefallen hat. Jedoch habe ich keine Ahnung, wer den gesungen hat, komischerweise steht der gar nicht auf dem Programmzettel.
Heike (10.12.2011, 12:01):
Heute: Charles Gounod - FAUST
Conductor Yannick Nézet-Séguin
Production Des McAnuff

Marguerite Marina Poplavskaya
Siébel Michèle Losier
Faust Jonas Kaufmann
Valentin Russell Braun
Méphistophélès René Pape
Zefira (10.12.2011, 15:35):
Oh, da wär ich gern hingegangen, bin aber heute abend im Frankfurt im "Hoffman" ...
Enchanted Island im Januar ist aber für mich Pflichttermin. Riesenknoten im Taschentuch!!
Schön, dass man sich gleich auf etwas in 2012 freuen kann.

Grüße von Zefira
Heike (11.12.2011, 10:49):
Ein erstes, mangels Zeit kurzes Fazit:
Mir hat es sehr gut gefallen. Sängerisch und auch schauspielerisch war es ein Genuss. Pape war ein grandioser Mephisto, Kaufmann und Poplavskaya ein sehr gutes Paar - wobei ich mir Gretchen immer etwas jünger und heller wünsche. Kaufmann war vor allem in den tiefen Piano-Passagen sehr berührend. Das Orchester spielte beschwingt und beweglich. Der Chor war anfangs wohl nicht immer ganz im Takt, aber mit schönen Tanzszenen und auch begleitend mit gelungenem Spiel.

Die Inszenierung hat mir, abgesehen von einigen Details (z.B. ein plärrendes Baby wird geboren) für MET-Verhältnisse recht gut gefalllen. Faust, ein alternder Nuklearwissenschaftler, suizidiert sich angesichts der zerstörten Welt nach einem Atombombenabwurf am Anfang und denkt sterbend an sein Leben zurück. Mephisto ist dabei sein Alter Ego, also seine dunkle Seite. Beide Seiten kommunizieren und kämpfen in diversen Szenen miteinander. Dazu Margarethe, oft an einer Singer-Nähmaschine, mit Wandlung vom jungen Mädchen zur verzweifelten und dann irren Frau, gezeigt auch mit riesigen Video-Porträts im Hintergrund zu den Szenenwechseln. Traumatisierte Soldaten kehren aus dem Weltkrieg zurück (einer dreht beim Knall eines alten Fotoapparates, den er fürGefechtsfeuer hält, durch). Der sterbende Valentin bekommt von einem Sanitäter noch Morphium gespritzt. Das Bühnenbild war sehr sparsam, Faust und Mephisto (bis auf Details) immer gleich gekleidet, oft parallel rechts und links auf/an Treppen agierend, sehen sich oft gegenseitig zu, fahren am Ende gemeinsam in die Hölle.
Heike

P.s. Joyce DiDonato als Moderatorin war eine Erholung gegenüber der sonst agierenden gekünstelten Barbie.
Severina (11.12.2011, 22:48):
Armer Jonas Kaufmann!! Wie wird der sich nach diesem faszinierenden Regiekonzept - zumindest klingt es so - im Februar in unserer Nicht-Inszenierung fühlen.... Und leider steht ihm auch kein Renée Pape zur Seite, sondern Albert Dohmen.
Ich kann mich nicht genug wundern, dass er diese Partie bei uns singen will - hoffentlich tut er es auch wirklich!!!! (Obwohl er mein vollstes Verständnis hätte, wenn er den Schmarrn hinschmeißt!)

Hoffentlich kommt dieser MET-Faust auch einmal im TV oder als DVD!

lg Sevi :hello
Heike (11.12.2011, 23:59):
Liebe Sevi,
das wird dann wirklich dann schwer für Kaufmann - zumal auch der Orchesterpart unter Nezet-Seguin sehr gute Maßstäbe gesetzt hat.

Ja, mir hat das Regiekonzept gut gefallen, angesichts der vielen kleinen Details im Zusammenspiel von Pape und Kaufmann würde ich mir das auch gern nochmal ansehen. Die DVD würde sicher den Kauf lohnen! Leider ist das MET-Publikum nicht so auf moderne Inszenierungen scharf, es gab etliche Buhs für die Regie. Schade und völlig unverdient.
Heike
Ingrid (12.12.2011, 00:52):
Liebe Severina,

gerade habe ich entdeckt, dass es am 17.12.11 um 19Uhr30 auf Ö1 eine Faust-Aufzeichnung vom 10.12.11 gibt.

Ich war auch sehr froh, bei dieser Übertragung im Kino gesessen zu haben. Endlich eine Inszenierung, die nicht extrem ablenkte und man sich deshalb voll und ganz auf die musikalische Umsetzung konzentrieren konnte. Optisch kam man/frau natürlich bei diesem Faust sowieso voll auf die Kosten... ist ja klar :D, aber alle zusammen spielten auch großartig. Auf jeden Fall berührte mich diese Oper tief und die Augen wurden oft feucht. Ging einigen nicht anders. Pape hatte auf jeden Fall den heftigsten Applaus bekommen und sicher verdient.

Weil er so gut war, nahm ich ihn in seiner Rolle als Mephisto dann gleich mit in den S-Bahnbereich, denn dort konnte er sich dann weiter so richtig austoben und u.a. ahnungslose Opernbesucher erschrecken. Tausende zelebrierten Saufen bis zum Umfallen in allen S-Bahnen incl. extremer Zerstörungswut. Das war kein bes. schöner Abschluss dieses grandiosen Opernabends und ging stark an die Nerven. Heute wurde auch wieder brav kontrolliert, aber gestern traute sich kein Ordnungshüter in dieses Chaos. Entschuldigt bitte dieses OT

Liebe Grüße
Ingrid
Severina (12.12.2011, 12:11):
Liebe Ingrid,
o nein, gerade am 17. habe ich "Orfeo" im ThadW!!!! Die Lucrezia aus ;ünchen, die auf 3SAT kommt, kann ich ja programmieren, nicht aber das Radioprogramm. Grrrrrrrrrrrr!

lg Severina :hello

PS: Was war der Grund dieses kollektiven Besäufnisses???? Klingt ja wirklich zum Fürchten.
Fides (12.12.2011, 13:40):
Hallo Severina,
Deine "Anlassfrage" kann ich gerne beantworten. In München wurde, wie schon vor einigen Monaten in Hamburg, ab dem Sonntag ein absolutes Alkoholverbot in allen öffentlichen Verkehrsmitteln erlassen!
Der "Mob" wollte sich halt noch mal austoben..... :( :( :(
Ingrid (12.12.2011, 17:53):
Diese Aktion hatte wohl auch noch den Segen von oben. Blauäugig meinte man, es würde alles so gediegen wie eben in Hamburg (mit Sekt und Anzug) ablaufen. Da sich aber nur Jugendliche angemeldet hatten, war die Voraussetzung doch eine ganz andere und allein aus den Erfahrungen mit der Wies'n sollten die Ordnungshüter was gelernt haben. Ich sah am Hauptbahnhof keinen einzigen Polizisten und nur ganz wenige Aufsichtsleute der Bahn, die auf den Bahnsteigen versuchten, ein wenig Ordnung zu halten, damit die Party nicht auch noch auf Gleisen weiter ging. In den Zügen war niemand. Darauf hatte ich mich verlassen und war natürlich völlig fertig, als ich mich dann nach Mitternacht zwischen die grölenden Alkis quetschen mußte und dazu noch im Stockfinstern, mit Glasscherben unter den Füßen, dem Geräusch splitternden Glases von allen Seiten und stinkenden Flüssigkeiten auf den Sitzen. Das war Gruselkabinett pur.

:hello Ingrid
Billy Budd (12.12.2011, 20:23):
Original von Ingrid
Diese Aktion hatte wohl auch noch den Segen von oben. Blauäugig meinte man, es würde alles so gediegen wie eben in Hamburg (mit Sekt und Anzug) ablaufen. Da sich aber nur Jugendliche angemeldet hatten, waren die Voraussetzung doch eine ganz andere und allein aus den Erfahrungen mit der Wies'n sollten die Ordnungshüter was gelernt haben. Ich sah am Hauptbahnhof keinen einzigen Polizisten und nur ganz wenige Aufsichtsleute der Bahn, die auf den Bahnsteigen versuchten, ein wenig Ordnung zu halten, damit die Partie nicht auch noch auf Gleisen weiter ging. In den Zügen war niemand. Darauf hatte ich mich verlassen und war natürlich völlig fertig, als ich mich dann, nach Mitternacht, zwischen die grölenden Alkis quetschen mußte und dazu noch im Stockfinstern, mit Glasscherben unter den Füßen, dem Geräusch splitternden Glases von allen Seiten und stinkenden Flüssigkeiten auf den Sitzen. Das war Gruselkabinett pur.

:hello Ingrid

Du Arme!
Ich versuche immer, solchen Orten auszuweichen und bin echt froh, dass ich nach der Oper nicht nur mit der U-Bahn, sondern auch mit der Straßenbahn heimfahren kann. Gottlob bist Du noch heil nach Hause gekommen.
Billy (Ich entschuldige mich ebenfalls für das OT.) :hello
Billy Budd (12.12.2011, 20:31):
Original von Severina
Liebe Ingrid,
o nein, gerade am 17. habe ich "Orfeo" im ThadW!!!! Die Lucrezia aus ;ünchen, die auf 3SAT kommt, kann ich ja programmieren, nicht aber das Radioprogramm. Grrrrrrrrrrrr!

lg Severina :hello

PS: Was war der Grund dieses kollektiven Besäufnisses???? Klingt ja wirklich zum Fürchten.

Liebe Severina,
es besteht kein Grund zum Ärger, denn ich werde die Sendung mitschneiden und kann Dir eine Kopie schicken.
Ich nehme immer per Livestream auf und diese Sendung kann man auch - wie die meisten - eine Woche auf der Ö1-Hompage nachhören. Gott sei Dank habe ich einen netten Bruder, der mir gestern das "Totenhaus" mitgeschnitten hat, wärend ich in der Oper war.
Das Programm "WaveRec", das man aus dem Internet kostenlos herunter kann, ist sehr leicht zu bedienen und kann - glaube ich zumindest - auch programmiert werden.
Billy :hello
Severina (12.12.2011, 20:52):
Lieber Billy,

danke für Dein nettes Angebot, darauf komme ich gene zurück, wenn alle Stricke reißen! Wie funktioniert das mit dem Nachhören?? Muss man da ein Ö1-Abo oder so etwas haben?

lg Severina :hello
Billy Budd (12.12.2011, 21:01):
Liebe Severina,
nein, dazu musst Du nicht extra zahlen.
Hier kommst Du zu dem Menü.
Es geht aber leichter, wenn Du die entsprechende Sendung im Programm auswählst und dann auf den Pfeil klickst.
Das Nachhören ist aber nur genau sieben Tage nach Ausstrahlung möglich (Also eine Sendung vom Sonntag um 15:05 bis zum nächsten Sonntag um 15:04).
Fast alle Ö1-Sendungen sind nachörbar (Wenn nicht, dann schreibe ich das in meiner Ankündigung im ensprechenden Thread dazu.)
Ist eigentlich eine tolle Sache.
Billy :hello
Heike (21.01.2012, 15:45):
heute geht es weiter mit The Enchanted Island
Music by George Frideric Handel, Antonio Vivaldi, Jean-Philippe Rameau, and others

Conductor William Christie
Devised and Written by Jeremy Sams
Production Phelim McDermott, Associate Director & Set Designer Julian Crouch
Costume Designer Kevin Pollard
Lighting Designer Brian MacDevitt, Choreographer Graciela Daniele
Animation & Projection Design 59 Productions
Live in HD Host Deborah Voigt

Ariel Danielle de Niese
Miranda Lisette Oropesa
Sycorax Joyce DiDonato
Prospero David Daniels
Ferdinand Anthony Roth Costanzo
Neptune Plácido Domingo
Caliban Luca Pisaroni

Inhalt
jetzt auf metopera.org auch in deutsch nachzulesen

Wenn ich das so lese, dann überkommt mich ja schon vorher die Angst mit dem Namen "Kitsch" ....
Wer geht auch hin???
Zefira (22.01.2012, 00:07):
Ich war drin, bin gerade zurückgekommen.
Meinen Lieblingssänger David Daniels lasse ich mir natürlich nicht entgehen :leb

In der Pause kam ein Interview mit dem Regisseur und dem Librettisten, die (sinngemäß) erklärten: "Wenn wir schon Barockoper machen, dann richtig fett". Genauso sah es auch aus. Die ganze Produktion war, was den optischen Aufwand betrifft, klasse, erste Sahne, einfach nur klasse. Zu den Sängern erzähle ich später, wenn gewünscht :D

Barocken Gruß von Zefira
Heike (22.01.2012, 00:28):
Bin auch gerade zurück.
"Wenn wir schon Barockoper machen, dann richtig fett".
Das kann man wohl sagen!

Mir hat es nicht gefallen. Ich mag diese Formate gar nicht. Wenn ich gewusst hätte, dass auch die Texte verändert werden, dann wäre ich nicht hingegangen. Ich bin ja Neuem gegenüber eigentlich eher neugierig, daher hatte ich die Karte trotz bereits vorheriger Bedenken behalten (im Abo kriegt man alle Vorstellungen etwas günstiger). Gut, ich hab mich dann an den schönen Stimmen erfreut, konnte (und wollte) der erfundenen Handlung aber kaum folgen. Schon gleich die zweite oder dritte Arie war nun ausgerechnet auch noch aus "Il trionfo del Tempo e del Disinganno", was ich erst vor ein paar Tagen im italienischen Original gehört + gesehen hatte - mich irritiert sowas total (und das wiederholte sich bei einigen anderen Arien). Naja, aber man muss sagen, es war ein großes Spektakel und zweifellos gut gemacht, wenn man sich auf Komödie und fantasy einstellt.

Am besten hat mir sängerisch Joyce DiDonato gefallen, zudem hat sie eine tolle Bühnenpräsenz und spielt auch in Großaufnahme herrlich. David Daniels mag ich leider überhaupt nicht, sorry liebe Zefira, mir gefällt einfach seine Stimme nicht, obwohl er sicher nichts falsch gemacht hat. Mir hat z.B. der junge Counter Anthony Roth Costanzo in seiner kleinen Ferdinand-Rolle viel besser gefallen. Glücklicherweise haben wir ja nicht alle dieselben "Lieblinge" :-)

Barocke Grüße zurück - ich lege mir jetzt zur Entspannung einen originalen Rameau auf ;-)
Heike
Zefira (22.01.2012, 00:57):
Nun, wirklich erfunden war die Handlung nicht - es war eine Komplilation aus Shakespeares Sturm und dem Sommernachtstraum. Ich mag die Stelle im Sturm sehr, als Prospero seinen Zauberstab wegwirft, und habe mich sehr gefreut, dass sie in "The Enchanted Island" auch vorkam. (Interessantes Detail übrigens, dass Daniels die letzten Zeilen mit seiner "normalen" Männerstimme gesprochen hat.)

Ich bin, was Daniels betrifft, allerdings nicht unbefangen. Er hat zwar "Longe Mala" ziemlich versiebt (ich vermute, diese Koloraturenraserei ist einfach nichts mehr für ihn), aber bei seinen gefühlvollen Arien kann er für mich einfach nichts falsch machen, da brauche ich immer extra Taschentuchvorrat :I

Die englischen Texte haben mich nur am Anfang gestört, dann habe ich einfach nicht mehr darauf geachtet. Allerdings kenne ich wie gesagt die zugrundeliegende Handlung auch recht gut (unter anderem deshalb, weil Daniels auch mal in Brittens Sommernachtstraum mitgewirkt hat - auch so eine DVD, die bei mir die Endlosschleife dreht).
Heike (22.01.2012, 01:04):
Liebe Zefira,
natürlich kenne ich die beiden Shakespeare-Stücke auch, aber gerade deshalb kann ich mit solchen Mix- Produkten wenig anfangen. Ich kann mich überhaupt nicht daran erfreuen, wenn man hier und da ein schönes Detail rausnimmt und das neu zusammenfügt. In sowas bin ich quasi erzkonservativ :cool
Heike
Zefira (22.01.2012, 01:35):
Ich kann das durchaus verstehen. Eben habe ich noch mit meiner Tochter darüber gesprochen - wenn ich nicht mit einem gewissen Vertrauensvorschuss ins Kino gegangen wäre, hätte ich genauso gut auch mit dem Fazit "Was für'n Quatsch!" hinausgehen können.

In der zweiten Hälfte des ersten Teils - als diese Liebespaarverwirrung begann - gab es einen Moment, in dem es mir zuviel wurde und ich mich schon darauf einstellte, den Rest der Vorstellung ohne Begeisterung im Sessel hängen zu bleiben.

Das hat sich aber kurz darauf wieder gegeben. Es gab einfach zu vieles, was mir unglaublich gut gefallen hat - wie zum Beispiel die schrittweise Verwandlung von Sycorax (sowohl was das Kostüm anbetraf als auch in der Körpersprache), die Tragikomik beim ersten Auftritt des völlig verpeilten Neptun oder die wie ein Irrwisch herumfegende Ariel ...

Gutenacht,
Zefira
Heike (22.01.2012, 11:19):
Schöne Einzelszenen gab es wirklich etliche, z.B. das Ballett-Solopaar war hinreißend.

Aber vor allem gab es schöne Stimmen. Sehr begeistert hat mich z.B. die mir völlig unbekannte Elizabeth DeShong als Hermia, die würde ich gern in einer größeren Rolle hören!
Heike
Heike (28.01.2012, 11:57):
Bei der heutigen Zeitungsschau entdeckt: Die FAZ schreibt über die MET-Zauberinsel, wie erwartet Lob für die Sänger (ausgenommen Domingo), eher Skepsis dem Werk gegenüber. Für die, die es nicht gesehen haben, gibt es ein paar Szenenfotos.
Heike

P.s. heute um 19.30 gibts das auf Ö1 Radio zu hören, wie Billy neulich vermerkt hat!
Zefira (28.01.2012, 17:11):
Ich habe hier drei Videoclips gefunden. (Der Link führt zu Joyce DiDonato, rechts kann man noch Danielle de Niese und David Daniels ansteuern. Bei den Überschriften hat der Seitenbetreiber allerdings de Niese und DiDonato verwechselt ...)

DiDonato singt in diesem Clip m.E. ziemlich überchargierend ... im Kino ist mir das gar nicht aufgefallen.

Grüße von Zefira
Heike (08.02.2012, 09:35):
Am Samstag gibts endlich die Götterdämmerung :-)

Conductor Fabio Luisi
Production Robert Lepage
Costume Designer François St-Aubin

Brünnhilde Deborah Voigt
Gutrune Wendy Bryn Harmer
Waltraute Waltraud Meier
Siegfried Jay Hunter Morris
Gunther Iain Paterson
Alberich Eric Owens
Hagen Hans-Peter König
Heike (13.02.2012, 08:12):
Hat noch jemand die Götterdämmerung gesehen?
Ich bin ja wieder total angetan von dieser Art der Inszenierung, dieses Bühnenbild mit den sich bewegenden Streben ist irre. Das ist wirklich mal Technik, die begeistert.

Sängerisch blieb die Produktion auf dem bekannt hohen Niveau, wobei man im Ring ja nicht immer alles Gute beeinander haben kann. So überragend wie das Rheingold war der letzte Teil nicht mehr, aber immer noch sehr gut. Deborah Voigt als Brünnhilde gefiel mir kaum besser als in den vergangenen Teilen. ich glaube, sie hat wieder etwas zugenommen? Obwohl sie mit viel power und Intensivität singt, klingt sie manchmal schrill, komplett ohne jede Lyrik und manchmal wackelt es auch, wenn es sehr hoch oder tief wird. Ihre Mimik ist immer noch gewöhnungsbedürftig, besonders als sie mit Waltraud Meier zusammen zu sehen war, lagen zwischen den beiden Frauen Welten. Die Meier kann natürlich göttlich ausdrucksvoll spielen. Die Männer fand ich demgegenüber sehr gut. Jay Hunter Morris sang die Rolle des Helden Siegfried mit jugendlicher Leichtigkeit, ich mag das, wenn neben der Dramatik auch leise Töne hörbar sind. Zudem sieht er absolut aus wie ein Siegfried. Eric Owens als Alberich war (wieder) ganz besonders gut. Ebenso beeindruckend Iain Paterson und Hans-Peter König als Gunther und Hagen. Tolle, stark gesungene Rollenporträts: Hagen mächtig und irrlichternd, Gunther der blasse Schönling. Nicht vergessen will ich Wendy Bryn Harmer als Gutrune, ein heller schöner Sopran, auch sie mit guter Leistung.

Fabio Luisi dirigierte lebendig und flott, arbeite schöne Kontraste raus und ließ das Gefühl von dickem Wagner-Pathos erst gar nicht aufkommen. Das Orchester harmonierte somit wunderbar mit der Inszenierung - alles in allem sind die 6 Stunden wie im Flug vergangen.

Heike
Severina (13.02.2012, 13:53):
Leider nein, aber wenn's mit unserer WSO weiter so bergab geht, werde ich vielleicht auch noch zu einem Fan von "Oper im Kino". Irgendwo muss sich der Mensch ja schadlos halten.... Ich merke schon jetzt, dass ich viel häufiger "Konservenopern" genieße als früher.

Also warte noch ein bisschen, vielleicht kann ich bald in die Diskssion einsteigen :wink!

lg Sevi :hello
Heike (26.02.2012, 11:11):
Auf der MET- Seite sind die Kino- Übertragungstermine für das Programm der nächsten Saison angegeben, mal sehen, was davon hier in die Kinos kommt (erfahrungsgemäß werden ja immer einige Termine weggelassen)

http://www.metoperafamily.org/metopera/liveinhd/liveinhd1213.aspx?icamp=HD1213int&iloc=leftnav


u.a die Premiere von Donizetti’s Maria Stuarda, Regie McVicar, mit Joyce DiDonato;
oder Berlioz’ Les Troyens mit Deborah Voigt, Susan Graham, Marcello Giordani und Dwayne Croft;
oder Parsifal mit Jonas Kaufmann und Rene Pape;
oder Händels Giulio Cesare mit N. Dessay und David Daniels, ebenfalls inszeniert von McVicar.
Heike
Zefira (26.02.2012, 12:17):
Da würde ich einiges SEHR GERN sehen ... hoffentlich kommen meine Favoriten auch ins Kino ...

Gruß von Zefira
Fairy Queen (26.02.2012, 17:03):
Mc Vicars Giulio Cesare lohnt sich auf alle Fälle! Ich habe ihn live in der Oper erlebt (allerdings ohne Natalie Dessay) und war restlos begestert! Mit Natalie Dessay wird dann wahrscheinlcih galaktisch...... :leb
Sie wird froh sein, dass sie als Cleopatra nicht mehr oben ohne auftreten muss wie bei Laurent Pelly. seine Inszeneirung war aber ebenfalls ein grosses Ereignis.
Der Giulio Cesare hat solche Spitzenregisseure wirklch verdeint, dass ist eine so wunderschône Oper, bei der ein Hit den anderen jagt- ich kann gar nciht genug davon bekommen.
Auf Parsifal verzcihte ich gerne die Trojaner würde ich leibend gerne sehen, allerdings nicht unbedingt mit Deborah Voigt und Marcello Gioradano.... X(

F.Q., die diese Saison kein Abo hatte, weil mir wenig wirklich zugesagt hat.
Zefira (26.02.2012, 18:46):
Gerade bei dem Cesare, den ich rasend gern sehen würde (nicht zuletzt natürlich wegen David Daniels' Mitwirkung :engel ) bin ich unsicher, ob er übertragen wird.

Aber ich würde auch Keenlyside als Prospero gern sehen, weil ich den "Sturm" sehr mag ... weiß jemand von euch, was man sich da vorzustellen hat? Es handelt sich ja wohl um ein zeitgenössisches Werk.
Heike (26.02.2012, 22:53):
Hallo,

Der Giulio Cesare hat solche Spitzenregisseure wirklch verdeint, dass ist eine so wunderschône Oper, bei der ein Hit den anderen jagt- ich kann gar nciht genug davon bekommen.
Ich drücke ganz fest die Daumen, dass der übertragen wird - ich habe das Werk mal vor Jahren in Oslo gesehen und war hin und weg. Ich liebe Händel-Opern und das ist wahrlich eine der besonders schönen ...

Aber ich würde auch Keenlyside als Prospero gern sehen, weil ich den "Sturm" sehr mag ... weiß jemand von euch, was man sich da vorzustellen hat?
wiki weiß was: siehe hier...
Da füchte ich allerdings noch mehr, dass sie das nicht übertragen werden, Glass haben sie diese Saison ja auch weggelassen.

Heike
Fairy Queen (27.02.2012, 11:06):
Wir haben da offenbar mehr Glück, bei uns wird bisher fast Alles gezeigt. Ich würde serh gerne den Zandonai "Francesca da Rimini" sehen. Vor allen Dingen wegen des Sujets, ich bin nun mal unheilbarer dante-Fan und kenne diese oper noch nciht. aber Eva-Maria Westbroek hat neulich hier ein so tolles Arien- Konzert gegeben, dass es auch um ihretwillen lohnen wird. Marcello Giordano ist zwar nciht wirklich mein Fall, aber ein solider Tenor für schwere dramatische Rollen ist er allemal.
Netrebkos Wiederholungs-Amin,a stehe ich dagegen serh skeptisch gegenüber. Sie war zwar vor Jahren in dieser Rolle sehr gut (zusammen mit Villazon als Nemorino ein Traumpaar), aber ihre Stimme hat sich inzwsichen so verbreitert und verdunkelt, dass ich mir das nur noch schlecht vorstellen kann. Die Clemenza di Tito ist eine meiner Lieblingsopern, aber ich bin kein Fan von Elina Garanca noch von Barbara Frittoli. Was haltet ihr von dieser Besetzung? Insgesamt überzeugt mich das Angebot aber hinreichend, um mir wieder ein 3er oder 5er Abo zu kaufen.F.Q.
artemis (05.04.2012, 18:18):
Bei uns läuft am SA im Kino:

Massenet MANON mit Anna Netrebko. Ist diese Oper für Neulinge auch empfehlenswert? Immerhin dauert sie 245 min, ganz schön lang für einen Opernstarter.

Gruß - artemis
Fairy Queen (06.04.2012, 16:12):
Liebe Artemis, das ist eine sehr schône Oper und da das Sujet interessant bzw kurzweilig ist, auch für Einsteiger geeignet. Ich bin zwar von Anna N. als Manon kein bisschen angetan, aber sei's drum- an einem Riesenhaus wie der MET und mit entsprechendem restlichen New Yorker Pomp wird sie es schon nicht komplett vermasseln. Ich hoffe, ihr habt iene schônze Inszenierung. Wer singt denn denn den Grieux? Nach Villazon mag ich da gar niemanden mehr hören bzw sehen- er war einfach der geborene Schmachter und "Loser" :I

Schöne Ostertage in nah und fern
F.Q.
Heike (06.04.2012, 16:22):
Liebe artemis, gehe ruhig hin, das wird sicherlich beste Unterhaltung!

Conductor Fabio Luisi
Production Laurent Pelly

Manon Anna Netrebko
Chevalier des Grieux Piotr Beczala
Lescaut Paulo Szot
Count des Grieux David Pittsinger
Guillot de Morfontaine Christophe Mortagne
De Brétigny Bradley Garvin

siehe hier die MET-Infos.
Heike (09.04.2012, 20:23):
Und, warst du dort? Wie war es? Ich konnte diesmal nicht hingehen.
Heike
Heike (13.04.2012, 12:34):
morgen, 14.4.12 Verdi - La traviata

Conductor Fabio Luisi
Production Willy Decker
Violetta Natalie Dessay
Alfredo Matthew Polenzani
Giorgio Germont Dmitri Hvorostovsky
Heike (15.04.2012, 00:20):
Hat es noch jemand gesehen? Im Gegensatz zu der vor einiger Zeit im Fernsehen gezeigten Traviata war das heute eine Katastrophe für Natalie Dessay. Sie sang total unsicher, im ersten Akt kriegte sie keinen hohen Ton hin, die Koloraturen waren wacklig, am Ende quälte sie sich richtig durch. Keine Ahnung ob sie krank war?
Beide Männer hingegen waren gut, das Orchester so naja, die Inszenierung störte nicht, war aber auch nicht aufregend.

Außerdem habe ich mich geärgert, über das reduzierte Programm der MET-Übertragungen in Berlin:
Einige interessante Sachen werden nicht übertragen, weder Les Troyens noch La Clemenza di Tito noch Francesca da Rimini. Immerhin kommt Giulio Cesare, den ich unbedingt sehen wollte.
Heike
Fairy Queen (15.04.2012, 08:00):
Liebe Heike, das tut mir sehr leid zu lesen, aber ich hatte sowas schon befürchtet. Ich war selbst nicht da (ich habe mein Gesangsexamen gefeiert und danach noch den Schluss des Don Giovanni Philippe Jourdan/Michael Haneke aus Paris gehört- super!) Und das war in diesem Fall wohl besser, denn ich hätte sicher mit Natalie Dessay mitgelitten und getrauert. Sie hatte ja bereits einige gravierende Stimmkrisen und steckt vielleicht wieder einmal in einer solchen oder ist tatsächlich krank. Was man in jedem Fall sagen kann: die MET ist ein viel zu grosses Haus, als dass sie dort unbeschadet eine solche Rolle singen sollte. Selbst wenn der Dirigent und das Orchester sie auf Händen tragen- allein die Dimension des Saals und die Besetzung des Orchesters ist für eine genuin lecihte Stimme wie die ihre in dieser in Teilen( insbesondere der 2. Akt) sehr dramatisch gefârbten Rolle erschlagend. Eigentlich ist sie sehr intelligent, aber ab einem gewissen Berühmtheitsgrad ist es wahrscheinlich ausgesprochen schwieirg, aus der Mûhle raus zu kommen.
Schade!!!!!! :I :I :I
F.Q.
Severina (15.04.2012, 11:18):
Ja, das ist wirlich traurig, aber schon in Wien zeigte es sich deutlich, dass sie sich und vor allem ihrer Stimme mit der Violetta keinen Gefallen tut.
Am Donnerstag im Musikverein (Orchesterkonzert unter Ingo Metzmacher) schnappte ich in der Pause ein paar Gesprächsfetzen auf, denen ich entnahm, dass Dessays Abschied von der Opernbühne bevorstehe und sie sich künftig aufs Theater beschränken wird. Nur weiß ich natürlich nicht, ob das Kaffeesudleserei war oder konkrete Infos dahinterstecken. Dass sie irgendwann aufs Sprechtheater wechseln möchte, hat sie selbst ja schon des öfteren in Interviews bekundet, vielleicht ist der Moment also schon recht nahe.

Natalie Dessay wird mir auf der Opernbühne sehr abgehen, aber ich behalte sie lieber so in Erinnerung, wie sie uns als fulminante Marie zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat, als dass ich Zeugin ihres traurigen Abstiegs werde.

lg Sevi :hello
artemis (25.04.2012, 20:00):
Liebe Mädels,
danke - verspätet - für Euren Zuspruch. Ja, ich war bei Massenet MANON und es hat sich wirklich gelohnt. IIch bin auf den Geschmack gekommen.
Ich will mir jetzt unbedingt einmal live eine Oper anschauen.

Die Übertragung wurde aber zwischendurch unterbrochen. So spürte man schon sehr, dass man im Kino war, wie früher als man den schlafenden Kinovorführer schreiend darauf hinweisen musste, dass der Film nicht läuft. :J
Es regnete wohl in Italien.

Viele Grüße vom heute sonnigen Bodensee - artemis
Heike (03.03.2013, 11:25):
Parsifal, 2.3.13
Conductor Daniele Gatti
Production François Girard

Kundry Katarina Dalayman
Parsifal Jonas Kaufmann
Amfortas Peter Mattei
Klingsor Evgeny Nikitin
Gurnemanz René Pape

jetzt muss ich auch etwas loswerden. Ich war gestern im MET-Kino: Parsifal mit Pape als Gurnemanz.Es war einfach zauberhaft!

Pape gelangen ganz wunderbar schwingende Töne und Bögen, wie ich sie in dieser Rolle noch nie gehört habe, auch nicht von ihm. Ich habe den Eindruck, er wird derzeit immer besser und übertrifft sich sozusagen selbst.Jedem, der Pape mag und an diese Aufführung herankommen kann, kann ich nur raten zuzugreifen, egal ob als Audio oder Video.Ich bin auf Wolke Nr. 7 um Mitternacht nach Hause geschwebt!
VG, stiffelio

Nicht nur Pape war großartig, fast aus den Socken gehauen hat mich auch Peter Mattei als Amfortas. Wie man das so erbärmlich tieftraurig singen kann, und dabei so schön, grandios. Dazu eine tolle moderne Inszenierung, klasse Abend! Interessant auch, dass Nikitin in der MET offensichtlich auftreten darf und ihm also der Bayreuth-Rausschmiss nicht geschadet hat.
stiffelio (03.03.2013, 13:37):
Liebe Heike,

du hast völlig recht. Nicht nur Pape war großartig, sondern auch besonders Mattei als Amfortas. Und für mich auch Kaufmann. Und auf ihre Weise auch Dalayman und Nikitin. Ganz zu schweigen von Gatti und Girard. Also eigentlich alle :wink. Ich hatte heute morgen nur wenige Minuten Zeit, ein allererstes Posting zu verfassen und das wollte ich gezielt im Pape-Thread loswerden, hatte aber bereits vor, auch an anderer Stelle ausführlicher zu berichten.

Mattei hatte es als Amfortas bei mir besonders schwer, weil ich durch Hampsons grandiose Darstellung in Baden-Baden vorbelastet bin. Ich war also im Gegensatz zu den anderen Rollen wenig geneigt, einen anderen Sänger in dieser Rolle hervorragend zu finden. Unter diesen Umständen noch bemerkenswerter, dass ich Mattei wirklich grandios fand.
Wie du schon schreibst: ungeheuer ausdrucksstark gesungen UND gespielt!

Es gab einen einzigen Wermutstropfen: der hiesige Kinosaal (ca. 200 Plätze) war für das, was aus den Lautsprechern an Dezibel kam, definitiv zu klein. Insbesondere wenn Kaufmann so richtig loslegte, schmerzten mir die Trommelfelle, also an ziemlich vielen Stellen :wink, vor allem im zweiten Akt. Da soll noch einer sagen, Kaufmann würde so häufig piano singen, weil ihm kein überzeugendes forte zur Verfügung stünde.
Leider muss ich jetzt schon wieder weg, aber heute abend komme ich hoffentlich endlich zu einem vollständigeren Bericht. Wenn du schonmal eine Vorlage liefern willst, freue ich mich.

VG, stiffelio
Heike (03.03.2013, 14:54):
Liebe Stiffelio,
mir hat Kaufmann auch gefallen, nur ganz am Anfang kam er noch nicht so richtig rüber. Aber dann später, umwerfend. Wie er sich im dritten Akt reinquälte, diese Blicke, dazu eine fast ersterbende Stimme. Man möchte weinen vor soviel Ernsthaftigkeit angesichts dieses nahe am Religionskitsch vorbeischmachtenden Stoffes.

Am meisten beschäftigt mich aber die Inszenierung. Ganz ganz düster und fernab vom üblichen Parsifal-Schmalz. Und sehr menschlich. So eine Bedrohlichkeit auf der Bühne habe ich selten mit so sparsamen Mitteln erlebt, ich war richtig nahe an der Weltuntergangsstimmung. Vor allem der Klingsor-Akt, der Horror. Vieldeutig belassen und trostlos böse umgesetzt, das rührte an sehr elementare Ängste. Apokalypse now, alle Rettungsszenarien gleichzeitig in Frage gestellt. Wenn es davon je eine DVD gibt, die ist meine.

Freue mich auf deinen Bericht.
stiffelio (03.03.2013, 19:27):
Liebe Heike,

ich hoffe sehr, dass es nicht nur EINE DVD geben wird, denn wenn ich mich mit dir darum streiten müsste, könnte ich glatt Klingsor-ähnliche Züge an mir entdecken :wink. Ganz im Ernst, wenn die MET diese Aufführung nicht auf irgendeine Weise zur Verfügung stellt, am besten natürlich als DVD, würde ich das geradezu als moralisches Verbrechen an der Musikwelt empfinden. Es war eine der ganz seltenen Aufführungen, wo wirklich ALLES Wesentliche für mich stimmte.

Die Inszenierung setzte m. E. einerseits auf emotional starke, aber relativ sparsam umgesetzte Bilder, andererseits auf die umwerfenden darstellerischen Fähigkeiten der Hauptdarsteller und lag mit dieser Verschmelzung 100%ig richtig.
Das Bühnenbild bleibt in den Grundzügen immer gleich. Eine tote Landschaft mit vor Trockenheit aufgerissenem Lehmboden.
In der Mitte fließt ein schmales Rinnsal von oben nach unten durch das Bild. Wasser oder Blut? Mal das eine, mal das andere.
An der Bühnenhinterwand im Laufe der Oper verschiedene ruhig bewegte Projektionen: oft unterschiedlich beleuchtete Wolkenhimmel, aber auch an Nordlichter oder an schimmernde Dünen erinnernde Projektionen, im 3. Akt (wenn ich mich richtig erinnere) auch einmal ein riesiger mondartiger Planet.
Die Ritterschaft (wie alle anderen in moderner Kleidung) versammelt sich zu Beginn in zwei konzentrischen Stuhlkreisen in der rechten Bühnenhälfte. Sie wiegen im Takt der Musik die Oberkörper langsam vor und zurück. Das wirkt wie eine Blume, deren Kelch sich öffnet und schließt.
Sie ziehen (schon während der Ouvertüre) auch die Schuhe aus. (Nach dem Scala-Lohengrin dachte ich schon "Oh je, nicht schon wieder, aber hier hat das m.E. eine andere Deutung: Mose am brennenden Dornbusch, "Zieh die Schuhe von deinen Füßen, denn der Boden, auf dem du stehst, ist heiliges Land"). Ich kann die Choreografie nicht mehr detailierter beschreiben, aber die Statik, die soviele andere Parsifal-Inszenierungen gähnend langweilig macht, ist hier auf ein Minimum begrenzt, ohne dass deshalb ein Herumgewusel um der Aktion willen entsteht: alle Bewegungen wirken auf das Wesentliche begrenzt.
Das alles ist schon sehr stimmungsvoll, wäre aber nicht halb soviel wert ohne die Hauptdarsteller. Am Anfang in erster Linie Gurnemanz, dem Pape eine Stimme mit einer unwiderstehlichen Mischung aus balsamischem Schönklang und überzeugender Emotion verleiht. Hört euch das nur einmal an: http://www.youtube.com/watch?v=g7-Gtu8lhmY. Bei dieser Stimmgestaltung darf dann auch Gatti als Dirigent die Musik langsamer zelebrieren, ohne dass es für mich langweilig wird.
Kundry-Darstellerinnen vergleiche ich automatisch immer mit Waltraud Meier. Demgegenüber agiert Frau Dalayman wesentlich weniger dämonisch und unheimlich, auch ihre Stimme ist wärmer und weniger eruptiv. In diese Inszenierung, die (für mich) auf Schockeffekte verzichtete, passte sie dennoch oder gerade deshalb sehr gut hinein.
Amfortas wird nicht in einem Tragstuhl herbeigebracht, sondern stützt sich schwer auf zwei Ritter, die ihn teilweise fast schleifen müssen. Spätestens hier wird das Geheimnis dieser Inszenierung deutlich: auch Mattei singt hervorragend, agiert emotional überzeugend und dies vor allem auch im Team. Hier wird MITeinander gespielt, nicht nebeneinander. Titurel ist nur als Stimme hinter der Bühne vorhanden, welcher Sänger ihm seine Stimme geliehen hat, konnte ich nirgendwo verzeichnet finden.
Kaufmann ist für mich ein stimmlich überzeugender und darstellerisch idealer Parsifal. Was mir in anderen Inszenierungen wie seinem Münchner und Mailänder Lohengrin fast zuviel wurde: seine verwirrte, betont unheldische Art - zum Parsifal passt sie perfekt. Im ersten Akt hat Parsifal ja nur sehr wenig zu singen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass mir diesmal eine Spur des gaumigen Singens aufgefallen wäre, das andere (mich nicht) so oft an Kaufmann stört.

Im zweiten Akt hat sich in der Mitte eine große Lache aus dem Theaterblut gebildet, in der die Blumenmädchen (alle in schlichten weißen Kleidern) stehen, jede an einen Speer gelehnt, der dem gesuchten Speer gleicht. Im Hintergrund sind zwei Felswände wie eine enge Schlucht projiziert, die nur die Sicht auf einen schmalen blutroten Streifen Himmel freilassen: Dies ist Klingsors Reich, der hier mit blutverschmiertem Haar und Hemd mehr als Teufelsgestalt dann als Magier inszeniert ist. Rein bösartig von Nikitin überzeugend, aber ohne ganz besondere Highlights dargestellt.
Die Blumenmädchen bringen später für Kundry und Parsifal ein Doppelbett herein, dessen weiße Laken ebenso wie der Saum der weißen Gewänder alsbald ebenfalls blutgetränkt sind. Ja, dieser Akt war eine sehr blutige Sache, dennoch war das keine Metzelei a la Bieto, sondern es blieb symbolisches Theaterblut: eine Andeutung, aber nicht die Illusion von echtem Blut.
Dieser Akt lebte vor allem von Kaufmanns intensivem Spiel und Stimmgestaltung, siehe http://www.youtube.com/watch?v=80BKuBxJvBQ.
Kundry kam hier mehr mütterlich als primär sexuell herausfordernd daher, was ich nicht so falsch finde, wenn man berücksichtigt, dass sie Parsifal in erster Linie über die Erinnerung an seine Mutter an sich ziehen will.
Sehr bezeichnend fand ich das Ende des zweiten Aktes: während viele anderen Inszenierungen beim Fangen des Speers und beim Zusammenstürzen von Klingsors Burg mit allen möglichen - durchaus effektvollen - Theatertricks arbeiten, geht es hier bühnentechnisch ganz sparsam zu: die Blumenmädchen und Klingsor richten langsam ihre Speere auf Parsifal. Nachdem Parsifal Klingsors Speer ganz normal ergreift, bricht Klingsor zusammen und die Blumenmädchen sinken samt ihren Speeren - ausgerichtet wie bei einem starken Gegenwind - langsam zu Boden. Ich kann kaum beschreiben, wie suggestiv das trotz aller vordergründigen Banalität wirkte.

Im dritten Akt ist die Blutlache wieder verschwunden, das Bachbett ausgetrocknet und der Boden von angedeuteten Gräbern durchsetzt. Im Hintergrund graben einige Ritter gerade ein weiteres Grab. Ihre Kleidung, auch die von Gurnemanz und später Amfortas, ist verschlissen und verdreckt.
Die gesamte Szenerie, die im ersten Akt durch den Wassermangel nur bedroht war, ist jetzt völlig verödet. (Hier ergeben sich einige wenige Unstimmigkeiten zum Libretto, wenn Kundry nur durch ihre Kleidung verhüllt am Boden liegt und Gurnemanz trotzdem von einem Gestrüpp spricht, das weit und breit nicht zu sehen ist, oder wenn Parsifal später in der weiterhin völlig ausgetrockneten Landschaft von Halmen und Blumen spricht. Egal - wenn eine Inszenierung ansonsten emotional so überzeugend einherhommt wie diese, fällt das nicht ins Gewicht.)
Parsifal schleppt sich in diese Öde völlig gebückt auf seinen Speer herbei, so dass er tatsächlich nicht zu erkennen ist. Kaufmann zeigt hier nach dem überwiegend stimmgewaltigen 2. Akt, dass er immer noch atemberaubende Piani in Serie verströmen kann.
Wenn Kundry versucht,ein letztes Restchen (sicherlich schlammiges) Wasser aus dem ausgetrockneten Bachbett für Parsifal zusammenzukratzen, wird Gurnemanz Abwehren "nicht so!" besonders verständlich. Als Parsifal Kundry tauft, strömt auf einmal wieder frisches Wasser durch das ausgetrocknete Bachbett. Vor dem Aufbruch zu Amfortas wird Parsifal von Gurnemanz in ein ganz schlichtes, aber reinweißes Oberhemd (das letzte der Ritterschaft?...) eingekleidet.
Der todwunde Amfortas wird diesmal komplett von seinen Rittern herbeigetragen und stürzt sich bei seiner Klage "Mein Vater" buchstäblich in das Grab, das für Titurels mumienähnlich verschnürte Leiche ausgehoben wurde. Als Parsifal kommt und mit seinem Speer wieder ganz buchstäblich die Wunde in Amfortas Seite schließt, könnte das einfach nur kitschig wirken, wenn nicht Amfortas sich daraufhin mit derart strahlenden Lächeln demonstrativ zu den Rittern umwenden würde, dass diese suggestive Darstellungskraft mal wieder sprachlos macht.
Wieviele aktuelle Inszenierungen trauen sich noch, am Schluss Kundry sterben, alle anderen jedoch leben zu lassen, so wie es eigentlich im Libretto steht? Mir fällt aus dem Stand keine ein, weder Lehnhoff, noch Kupfer, noch Herheim. Und doch wirkt das hier auf mich nicht "frauenfeindlich" oder was immer viele heutige Regisseure dazu bewegt, statt Kundry meist Amfortas sterben zu lassen.

Unterm Strich nehme ich diese Inszenierung als eine fast perfekte Umsetzung meines alten Wunsches, Darsteller in erster Linie gut singen und möglichst überzeugend gemeinsam (!) agieren zu lassen und das Ganze zu einem Hintergrund, der bestenfalls gute Stimmungsbilder dazu liefert, aber alles andere möglichst wenig stört und "umdeutet". Ich kann mich nur wiederholen: außer den grandiosen Stimmen ist es in erster Linie das intensive Spiel, was m.E. dieser Aufführung ihre Wirkung verleiht.
Die Hintergrundbilder, die dazu geliefert werden, sind wunderbar, aber nicht das Entscheidende. Hier hat ein Regisseur versucht seine Truppe möglichst gut zu unterstützen, aber sie nicht in ein Korsett zu zwängen. Und das ist so hervorragend gelungen, dass ich mich vor Herrn Girard nur verneigen kann :down. Möglich, dass das jemandem, der den Parsifal schon in Dutzenden von Inszenierungen gesehen hat, zuwenig wäre - für mich war es genau richtig.

Hier wurde der Parsifal einfach nur ernst genommen - nicht mehr und nicht weniger, ohne Angst vor seinen (für mich) zentralen Botschaften: Erlösung durch Mitleid und Selbstbeherrschung (sicher arg verkürzt, aber zu einer umfassenderen Analyse reicht es heute abend bei mir nicht mehr). Dass mich das religiöse Gewand dabei nicht stört, kannst du dir vermutlich denken :wink.

VG, stiffelio
Ingrid (03.03.2013, 23:42):
Liebe Stiffelio,

da ich ja meine Karte abgeben mußte, weil mich wenige Tage vorher ein Grippevirus erwischte, bin ich jetzt natürlich ganz gierig nach Berichten. Deiner war ganz besonders hilfreich und interessant. Vielen vielen Dank dafür!
Den 2. Aufzug konnte ich sogar hören, aber bei dieser Besetzung musste man ja unbedingt diese unglaublichen Singschauspieler in Aktion sehen. Hoffe also ebenfalls sehr auf eine DVD. Danke auch für die Links.

Im Wagnerforum fand ich dann noch dies über Titurel: Er heißt Runi Brattaberg und hatte vorher in Mannheim wohl keinen so großen Erfolg. Beim Applaus war er wahrscheinlich schon auf der Bühne oder?

Freue mich sehr auf eine weitere Diskussion.
Herzliche Grüße
Ingrid
Heike (03.03.2013, 23:53):
Liebe Stiffelio,
für mich ist das eine Szenerie NACH einem Weltuntergang gewesen: verbrannte Erde, desillusionierte und verwundete Menschen auf der Suche nach Sinn - und nach dem Heilsbringer. Die Videos vom Universum haben das noch unterstrichen, das sind universelle Fragen und Ängste, die da angetriggert wurden.

Ich fand die Kundry-Sterbeszene auch ganz großartig, als Gurnemanz zu ihr ging und sich am Ende noch ganz menschlich über sie beugte. So wie er schon am Anfang als einziger niederkniete, als alle anderen "Jünger" die Arme zum Himmel hoben. Diese Rolle ist Pape wie auf den Leib geschrieben. Ich habe das nie besser gesungen gehört.
Heike (04.03.2013, 00:36):
Was mir auch zu der Inszenierung nachgeht, ist die Trennung der Männer- und Frauenwelt (durch den Bach).

Während die Männer rechts beten (um die Vergebung der Schuld?) und permanent strenge Rituale pflegen, warten und trauern die Frauen links einfach nur. Der Bach trennt die beien Welten, Männerwelt und Frauenwelt. Kundry bleibt links, Parsifal rechts - aber am Ende bei der Taufe geht er zu ihr rüber.

Dann gbt es noch diese zwei "Mischwesen", neben Amfortas, männlich geleidet mit weiblichen Stimmen. Müsste man nochmal ansehen, die kann ich im Moment nicht deuten. Dieses Männer-Frauen-Ding habe ich sowieso beim ersten Ansehen nicht komplett verstanden, aber da gibt es sicherlich ne Idee dahinter.
stiffelio (04.03.2013, 18:03):
Liebe Ingrid,
das mit der Grippe ist ja wirklich megaärgerlich. Wo hast du denn den 2. Akt gehört?? Kam der im Radio?
Ob Runi Brattaberg beim Applaus auf der Bühne war, kann ich nicht sicher sagen, weil ich nicht weiß, wie er aussieht :wink.
Es war aber ein Mann dabei, den ich nicht zuordnen konnte, der wird das dann wohl gewesen sein. Aber an Titurel fand ich nichts besonders Bemerkenswertes, weder im Positiven, noch im Negativen.

Ich hoffe auch, dass sich hier noch eine angeregte Diskussion entwickelt. Therapeutisches Reden sozusagen. Im Moment bin ich immer noch wie besoffen von diesem Parsifal, was meiner Arbeit heute nicht besonders förderlich war :ignore

VG, stiffelio
stiffelio (04.03.2013, 18:23):
Liebe Heike,

danke für deine interessanten Gedanken! Mir fällt dazu noch der Ur-Hintergrund der Parzival-Sage ein, die ja auf die Gralsrunde von König Artus und damit historisch gesehen auf die Umbruchszeit in Britannien nach dem Zusammenbruch des Römerreiches und während der Sacheninvasionen zurückgeht.
Was ich über diese Zeit gelesen habe, kommt dem Gefühl "nach einem Weltuntergang" tatsächlich ziemlich nahe. Da ging eine hochzivilisierte Kultur unter und die letzten Vertreter dieser Zivilisation, die vergeblich versuchten "die Fahne hochzuhalten", konnten das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen. Ich möchte nicht in dieser Zeit gelebt haben.

Ja, Pape als Gurnemanz war in ganz vielen Szenen einfach nur wunderbar, ich vermute, es wird sehr lange keinen anderen Gurnemanz mehr für mich geben. Er konnte auch die größten Längen mit Bedeutung aufladen und kurzweilig machen. :down Er hat mit allen toll interagiert, aber gerade mit Kaufmann empfand ich ihn auch wieder als Traumpaar. Kann es sein, dass sich die beiden besonders gut verstehen?

Die Trennung der Frauen und Männer durch den Bach ist mir auch aufgefallen. Zum Schluss bringt Kundry ja der Gral herein, da wird die Trennung der Männer- und Frauenwelt spätestens aufgehoben. Hast du auch bemerkt, dass am Ende einige der stummen Frauen auf die Männer zugehen und sie umarmen? Das war für mich schon Teil des Heilsgeschehens: während der Krise blieben Männer und Frauen getrennt (was ja oft in Kriegszeiten betont ist); wenn der Erlöser (oder schlichter: der Frieden) kommt, wird diese Trennung aufgehoben.
Meinst du mit den "Mischwesen" die Knappen? Die sind auch von Wagner in zwei Sopran- und zwei Tenorrollen geteilt, die habe ich jetzt gar nicht als Mischwesen, sondern einfach nur als Jünglinge begriffen, die ja in Opern oft durch Frauen dargestellt werden.

VG, stiffelio

P.S.: Mir fällt noch jemand ein, dem ich in dieser Inszenierung dankbar bin: dem Kostüm- und Maskenbildner.
Dass der oft genug eingreifen muss, wenn das Alter oder etwas anderes in der Physis eines Sängers nicht zur Rolle passt, ist klar.
Aber viel zu oft empfinde ich dieses Feld als Spielwiese, auf der auch völlig sinnfreie Typverfremdungen stattfinden. Ich halte es aber für möglich, dass ein Sänger meist dann am überzeugensten spielen kann, wenn er nicht künstlicher als nötig aus seinem Typ herausgerissen wird. Deshalb bin ich allen Verantwortlichen dankbar, dass sie hier nicht mehr Hand angelegt habe, als ich für nützlich halte.
Ingrid (04.03.2013, 20:10):
Liebe Stiffelio,

wenn mich nicht alles täuscht, war es der hessische Rundfunk, der über Satellit übertrug. Mein Mann wollte mich nur nicht stören (schlief wohl gerade wieder) und so bekam ich erst gegen 20 Uhr mit, was da Wertvolles im Wohnzimmer lief. Leider hat der Fieberschlaf im 3. Aufzug wieder voll zugeschlagen.

Ich hoffe sehr, vielleicht doch einen kompletten Radiomitschnitt zu bekommen, denn neben Pape und Kaufmann wollte ich natürlich unbedingt Peter Mattei hören, von dem ich schon seit Jahren ein Fan bin. Leider war er ewig lang nicht mehr in München, aber sein Graf Almaviva wird mir immer unvergessen bleiben. Eine Freundin meinte nur, dass man durch den starken Bartwuchs seine Mimik nicht mehr so mitbekam und daduch einiges verloren ging, da er eben auch ein extrem guter Schauspieler ist.

Auf jeden Fall kann ich mir durch die vielen Details hier inzwischen ein viel besseres Bild vom Geschehen auf der Bühne machen. Vielen Dank dafür.

Herzliche Grüße
Ingrid
stiffelio (04.03.2013, 20:28):
Liebe Ingrid,

hm, ich habe nun nicht den Vergleich bei Mattei "ohne Bartwuchs", aber erstens fand ich den gar nicht so stark und zweitens blieb auch so noch jede Menge Mimik übrig, er spielte extrem expressiv.
Girard meinte in einem Interview, er habe nicht nur die besten Sänger, sondern auch die besten Schauspieler für seine Inszenierung und ich finde immer wieder bemerkenswert, wie klar er das erkannt und offenbar sein Konsequenzen daraus gezogen hat.
Wenn du einen digitalen Radiomitschnitt bekommst, könntest du es mich dann bitte wissen lassen?

VG, stiffelio
stiffelio (04.03.2013, 21:32):
Liebe Heike,

ich hatte gerade noch einen Geistesblitz bezügliches des Baches und der Trennung Männer- und Frauenwelt:
Das Rinnsal war ja im ersten Akt immer wieder eindeutig rötlich gefärbt, während es nach Kundrys Taufe eindeutig reines Wasser war. Die Gralsritter haben das Blut (oder eher eine Mischung aus Blut und Wasser) in einem Bachbett streng eingesperrt (und Männer und Frauen getrennt), während es in Klingsors Reich hemmungslos strömt und alles überflutet. Beides ist falsch und führt nicht weiter. Man könnte jetzt das Blut allein als Sexualität deuten, aber mir greift das viel zu kurz.
Blut hat Jesus am Kreuz vergossen und Blut strömt auch unstillbar aus Amfortas Wunde. Ich deute daher Blut daher umfassender als Lebenskraft. Etwas, was weder verschwendet, noch eingesperrt gehört. Parsifal rückt mit dem Speer die Lebenskraft wieder an die Stelle, an die sie gehört. Wasser (=Reinheit) ist nicht mehr mit Blut vermischt. Wasser ist wieder Wasser und Blut wieder Blut. Damit ist auch die Trennung von Männern und Frauen aufgehoben.
Wie gefällt dir das?

VG, stiffelio
Heike (04.03.2013, 23:13):
Hallo Stiffelio,
klingt interessant. Anfangs waren die Männer und Frauen ja noch vermischt (Jetztzeit). Dann ziehen sie sich aus, legen Kleidung, Besitz (Handys etc) ab und trennen sich (Szenario nach der Katastrophe). Da war der Bach ja ausgetrocknet, alles ist quasi tot, Frauen links, Männer rechts. Kundry links, aber ganz anders kostümiert (sie kam ja auch aus uralter Zeit hinzu, als "schuldiges" Wesen), aber auf der Frauenseite bleibend.

Dann konzenriert sich alles auf die Männer, die Frauen spielen keine Rolle (ein verursachender Aspekt der Katastrophe?). Wir sehen Männer, die sich zu den Gralsrittern formieren, beten, Rituale pflegen, ihre Wunden zeigen, suchen... Nur die Schwanszene spielt wieder bei den Frauen links (Opfersymbolik?). Ich erinnere mich nicht so genau an den Bach, ich meine, er war zwischendurch immer mal wieder blutig, aber auch ausgetrocknet. Dann am Ende des Aktes wird der Bach aber gigantisch zum Spalt in der Erde, in den Parsifal reinschaut und unten die blutige Hölle voraussieht. Und dann in Klingsors Reich sieht man den Spalt hinten bzw. oben, da könnte man durchaus eine sexuelle Symbolik reindeuten. Da werden dann die Frauen zu sexuellen Wesen - bis auf die aus der Zeit gefallene Kundry, die ja eindeutig eher mütterlich agiert. Und genau sie macht Parsifal wissend. Urwissen, altes Wissen?

Bei der Kundry-Taufe kommen dann Männer und Frauen wieder zusammen, d.h. Parsifal geht erstmal zu Kundry rüber und auch Gurnemanz, als sie stirbt. Da ist auch der Bach klar. Finde ich nach wie vor mysteriös auf den ersten Blick. Mir fällt dazu ein: Das Alte (in Form von Kundry) stirbt und das Aktuelle kommt wieder ins Bild (die Frauen vom Anfang). Könnte man vielleicht auch als die simple Erkenntnis sehen, dass in der neuen Welt das Alte sterben kann/muss und die Einbeziehung der NEUEN Frauen in die Männerwelt der gesuchte Weg für neue Hoffnung sei. Symbolisiert durch die die Rückkehr der Frauen. Da kommen ja dann wieder alle zusammen und es gibt Wasser = Leben.

Man müsste das aber auf jeden Fall nochmal sehen. Sicher sehe ich das aber genau wie du: Weder die anfängliche Separierung Frauen- Männer noch die rein sexuelle Beziehung im Klingsor-Akt funktionieren. Es muss eine wahre Beziehung zwischen Männern und Frauen geben (hier in Form der Parsifal-Kundry-Beziehung mit dem Finale der Taufe symbolisiert).

Liebe Ingrid,
Wenn du einen digitalen Radiomitschnitt bekommst, könntest du es mich dann bitte wissen lassen?
*unterschreib!!!*

P.s. stimmt, die Knappen sind vermutlich einfach nur Jünglinge und daher noch nicht so rundum vermännlicht.
Ingrid (05.03.2013, 07:58):
Die Gedanken, die rund um diesen Fluß entstanden sind, finde ich sehr spannend.

Jetzt wollte ich Euch dazu noch fragen, ob der Regisseur evtl. zu dieser Thematik interviewt wurde? Jonas Kaufmann sprach wohl davon, dass vieles gemeinsam entwickelt wurde, aber genau weiß ich nicht mehr, ob er näher auf diese Inszenierung einging. Ob so genau übersetzt wurde, ist mir ebenfalls unklar, denn man hörte ihn ja kaum noch.

Ansonsten denke ich natürlich an Euch, aber ich habe noch keine Rückmeldung.

:hello Ingrid
Allegra (05.03.2013, 18:38):
Erstmal ein Hallo in die Runde - ich bin die Neue und freue mich hier auf einen regen Austausch! :)

Auch wir waren am Samstag in der Parsifal-Übertragung und je länger ich darüber nachdenke - und eure Beiträge lese - desto besser gefällt mir die Inszenierung im Nachhinein. Noch einmal sehen wäre auf jeden Fall hilfreich ... ev. findet sich ja bei Youtube etwas.

Was Interviews mit dem Regisseur betrifft, gab es auf der MET-Seite einen kurzen Abriss über seine Motive. Wichtig scheint mir da, daß er nicht nur das christliche Element sehen wollte, sondern vor allem auch das Buddhistische. Ich bin mir noch nicht so ganz schlüssig, wie ich das sehen soll.

Gerade reicht mir die Zeit nicht, aber ich werde mich nochmal dahinterklemmen.
stiffelio (05.03.2013, 20:41):
Hallo Allegra,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum - und dann noch mit einem so schönen Einstiegsanlass!
(vielleicht möchtest du dich ja auch irgendwann nochmal im Mitgliederbereich im Thread "wer bin ich?" näher vorstellen...?)

ev. findet sich ja bei Youtube etwas. Nach meinen Recherchen bisher leider nur wenige Minuten :I - im Wesentlichen die offiziellen MET-Videos der Generalprobe, die ich oben schon verlinkt habe.
Ansonsten hab ich nur noch ein Interview mit Kaufmann und Dalayman gefunden http://www.youtube.com/watch?v=NQnttokgcMM, den Trailer mit ganz wenigen Sätzen von Girard http://www.youtube.com/watch?v=vMHCccevUV8, und ein kurzen Zusammenschnitt von der Inszenierung, aber mit anderen Sängern (da ist zumindest das interessante Ende des 2. Aktes mit drauf, allerdings war es am Samstag noch eindrucksvoller, da mehr von oben, abgefilmt) http://www.youtube.com/watch?v=kLGCIpkTdgw.
Aber bis auf wenige Minuten im 1. Link leider alles ohne Videos der eigentlichen Aufführung. :(

Ich hab eben mal auf der MET-Seite gestöbert, aber das von dir erwähnte Interview nicht gefunden. Könntest du dazu noch einen direkten Link angeben?

vielen Dank und VG,
stiffelio
stiffelio (05.03.2013, 20:44):
Liebe Ingrid,
Original von Ingrid
Jonas Kaufmann sprach wohl davon, dass vieles gemeinsam entwickelt wurde, aber genau weiß ich nicht mehr, ob er näher auf diese Inszenierung einging.
Auch an dich die Frage: welches Interview mit Kaufmann meinst du? Habe ich etwas übersehen?

VG, stiffelio
stiffelio (05.03.2013, 21:11):
Liebe Heike
Original von Heike
Ich erinnere mich nicht so genau an den Bach, ich meine, er war zwischendurch immer mal wieder blutig, aber auch ausgetrocknet. Dann am Ende des Aktes wird der Bach aber gigantisch zum Spalt in der Erde, in den Parsifal reinschaut und unten die blutige Hölle voraussieht. Und dann in Klingsors Reich sieht man den Spalt hinten bzw. oben
Ich bin ziemlich sicher, dass den ganzen 1. Akt lang das Rinnsal lief - ob es die ganze Zeit rötlich war, weiß ich nicht mehr genau. Ausgetrocknet war es erst im 3. Akt.
Dafür habe ich nicht mitbekommen, dass ganz am Ende des 1. Akte der Bach sich bereits zum Spalt vom Klingsor-Akt erweiterte (da war es ja ziemlich dunkel auf der Bühne). Spannend, danke für diesen Hinweis!

Bei der Kundry-Taufe kommen dann Männer und Frauen wieder zusammen, d.h. Parsifal geht erstmal zu Kundry rüber und auch Gurnemanz, als sie stirbt. Da ist auch der Bach klar. Finde ich nach wie vor mysteriös auf den ersten Blick.
Ich sehe das klare Wasser im 3. Akt als Fortsetzung der Taufe Kundrys durch Parsifal: mit dieser Handlung ist die Option auf Erlösung/Heil und Reinheit in die Gralswelt zurückgekehrt - letzteres auch symbolisiert durch das weiße Hemd von Parsifal. Das Wasser ist hier für mich nicht nur Leben oder höchstens Leben in einem sehr umfassenden Sinn (=gesunde Seele).
Aber mir ist klar, dass ich das mal wieder überdurchschnittlich religiös interpretiere :wink.

Man müsste das aber auf jeden Fall nochmal sehen.
:times10 :times10 :times10 ...nur wie... :(

VG, stiffelio
palestrina (05.03.2013, 21:35):
Hallo ihr lieben!
Habe lange gewartet , bis ich mich dazu melde, aber ich habe mich an jenem Abend
im Kino so auf das Gesanglich konzentriert ,das mir die anderen Dinge etwas abhanden
kamen , denn das gesangliche war so grandios , ich war völlig erschlagen !
Denn eigentlich bin ich nur wegen R. Pape hingegangen, nachdem ich seine Interpretation
auf der Parsifal GA mit Gergiev gehört habe und sein Wotan ebenfalls in der GA der
WALKUERE .
Und ich habe es nicht bereut, ganz im Gegenteil, aber die Sänger waren alle sehr gut.
Und J. Kaufmann ein super Parsifal, man höre nur sein "Amfortas , die Wunde", so was
von durchdringend ich habe jetzt noch eine Gaensehaut wenn ich daran denke !
Wie schon erwähnt , man muss das noch ein mal sehen , um sich dann der Inszenierung
zu widmen!
Ich gehe fast immer 2x in eine Inszenierung die ich das erste mal sehe einmal zum
hören und einmal zum sehen und mir dann meine Gedanken mache!

LG palestrina
stiffelio (05.03.2013, 21:51):
Original von palestrina
Ich gehe fast immer 2x in eine Inszenierung die ich das erste mal sehe einmal zum hören und einmal zum sehen und mir dann meine Gedanken mache!


Hallo palestrina,

aber die MET-Übertragung vom PARSIFAL war doch eine einmalige Sache? Oder wird die nochmal irgendwo wiederholt?

VG, stiffelio
Allegra (05.03.2013, 22:19):
Original von stiffelio
Hallo Allegra,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum - und dann noch mit einem so schönen Einstiegsanlass!
(vielleicht möchtest du dich ja auch irgendwann nochmal im Mitgliederbereich im Thread "wer bin ich?" näher vorstellen...?)


Ja, sehr gern - aber wo bitte, finde ich den Thread? Die Suche ergab nichts. :(
Ich hoffe, die Blindheit gibt sich mit der Zeit ...



Zu Parsifal:

Das Rinnsal im 1. Akt lief, meine ich, die ganze Zeit und wurde erst mit Amfortas' Erscheinen rot, wenn ich mich recht erinnere.


Im 3. Akt fand ich es interessant, daß der Bach zunächst trocken war und das Wasser erst später einlief. Wobei ich jetzt nicht mehr mit Bestimmtheit sagen kann, wann.

Ja, auf Youtube sind leider bisher nur winzige Sequenzen, aber das kommt sicher noch. Irgendwann wir es die Übertragung auf DVD geben.

In diesem Artikel der New York Times sagt Jonas Kaufmann einen interessanten Satz: “It’s about this wound that never heals, so why not play the second act inside this wound?” Auch Girard selbst sagt, wir bewegen uns in das Zentrum der Wunde.
dieses Hineingehen in die Wunde sehe ich repräsentiert durch den sich im 1. Akt öffnenden Graben, der dann im 2. Akt quasi der Einlass zu Klingsors Reich wird.

Nebenbei: Ich hatte meine 17jährige Tochter dabei. Sie wollte unbedingt in den Parsifal - wegen Jonas Kaufmann. Ihre erste Wagner-Oper überhaupt und dann gleich diese. Aber sie fand sie "cool", und die Inszenierung toll. :wink
Ingrid (05.03.2013, 22:41):
Liebe Stiffelio,

das Interview mit Kaufmann fand in englischer Sprache in der 2. Pause statt, wurde aber sicher vorher aufgezeichnet und dann wohl vom Sender mit einer Übersetzung versehen. Da sie ja die langen Pausen bei der Rundfunkübertragung strichen, da später begonnen wurde, klang alles ziemlich komprimiert.

Vielleicht erscheint es ja auch bald im Netz.

Herzliche Grüße
Ingrid
palestrina (05.03.2013, 22:59):
Hallo Stiffelio !

Ich hätte schreiben sollen , man müsste es noch einmal sehen, aber die Hoffnung stirbt
zuletzt , das doch noch eine DVD auftaucht!!!!!!!!!!!

LG palestrina
stiffelio (06.03.2013, 16:08):
Liebe Allegra,
Original von Allegra
Ja, sehr gern - aber wo bitte, finde ich den Thread? Die Suche ergab nichts. :(
:J Oh, eine Wesensverwandte! Genau das gleiche ist mir passiert, als ich mich hier vorstellen wollte.
Der "wer bin ich" Thread ist hier: http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=51&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=1

Vielen Dank für den interessanten NY Times-Artikel! Auf diese konkrete Idee war ich nicht gekommen, dass Parsifal in Amfortas Wunde "hineingeht", obwohl das bildmäßig sehr logisch ist. Spannender Gedanke!
Dass die Inszenierung sogar 17jährige angesprochen hat, ist toll. Aber ich hätte auch gesagt: wenn eine, dann diese. Schön, dass deine Tochter offenbar auch prinzipiell opernbegeistert ist, wenn sie Kaufmann kennt.

Irgendwann wir es die Übertragung auf DVD geben.
Dein Wort in das Ohr der MET-Verantwortlichen! Was macht dich so sicher, oder spricht da nur die Hoffnung aus dir?

VG, stiffelio
stiffelio (06.03.2013, 16:19):
Original von Ingrid
das Interview mit Kaufmann fand in englischer Sprache in der 2. Pause statt, wurde aber sicher vorher aufgezeichnet und dann wohl vom Sender mit einer Übersetzung versehen. Da sie ja die langen Pausen bei der Rundfunkübertragung strichen, da später begonnen wurde, klang alles ziemlich komprimiert.


Liebe Ingrid,

ja, das Interview mit Kaufmann wurde im Kino direkt nach dem Vorhang des 1. Aktes gezeigt (englisch ohne UT). Aber erstens war ich da noch voll von der Musik absorbiert und zweitens fand ich es empörend, einen Sänger direkt beim Abgang von der Bühne zu interviewen. Deshalb konnte ich mich nur wenig darauf konzentrieren, was er da gesagt hat, aber detailreiche Äußerungen zur Inszenierung habe ich nicht in Erinnerung.
Zum Schluss sollte er dann sogar noch seine Fans in Deutschland auf deutsch begrüßen, das hatte schon etwas ausgesprochen Loriot-Ähnliches.

VG, stiffelio
Ingrid (06.03.2013, 22:39):
Liebe Stiffelio,

inzwischen habe ich mich schon etwas an diese Interview-Technik der MET gewöhnt, aber ganz besonders krass fand ich anfänglich, dass der Dirigent direkt vor Beginn der Vorstellung interviewt wurde und da wohl andere Dinge im Kopf hatte, als über sein Leben zu quatschen.

Gerade habe ich supertolle Fotos angeschaut, die die MET in ihrem Archiv hat. Die Hintergrundfotos sind ja allein schon gigantisch schön.
Weiß nicht, um das jetzt eine Hilfe für Euch ist, aber verlinken kann ich leider nicht.
http://archives.metoperafamily.org/Imgs/parsifal

Jetzt kann ich natürlich noch besser nachvollziehen, über was Ihr von den Trennungen, Gräben usw. berichtet. Mattei hätte ich allerdings nicht erkannt, aber man kann sich ja ungefähr vorstellen, wer von den Männern Amfortas ist.

Herzliche Grüße
ingrid
Fairy Queen (06.03.2013, 22:42):
Mich haben diese amerikanischen Pausen-Interviews jedesmal furchtbar geägert und ich fidne es geradezu unverschämt, den Sängern das abzuverlangen. Die aufpolierten Interviewerinnen im Barbie-Look und ihren Verbalexzessen (Renée Fleming, Deborah Voigt und Company) und die Sänger, die sich eine Pause wahrlich verdient haben, gnadenlos verschwitzt und abgekämpft vor die Kameras gezerrt. Wer an der MET singt, muss diesen Affenzirkus wohl leider mitmachen, aber sowas gibt's meines Wissens auch nur dort...... Ich war schon lange nciht mehr im MET Kino- das Meiste hatte mir nur mâssig gefallen und fast immer ist es von allem zuviel. Zuviel Pomp, zuviel Stimme, zuviel Wobble, zuviel Staub. Wenige Sternstunden für mich. Dieses Jahr war ich noch keinmal dort. wir haben jetzt auch übertragungen aus der Opera Bastille oder anderen Häusern hier im Kino und die gefallen mir oft wesentlcih besser. Weniger abgesungene Stars und mehr Raffinesse. Aber eins muss man der MET lassen: die Kostüme sind meistens eine Wucht!
:engel FQ
Allegra (07.03.2013, 15:04):
Lieber stiffelio,

Original von stiffelio
Liebe Allegra,
:J Oh, eine Wesensverwandte! Genau das gleiche ist mir passiert, als ich mich hier vorstellen wollte.
Der "wer bin ich" Thread ist hier: http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=51&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=1
Danke! Dahin werde ich sofort verschwinden und meine Pflicht tun!


Vielen Dank für den interessanten NY Times-Artikel! Auf diese konkrete Idee war ich nicht gekommen, dass Parsifal in Amfortas Wunde "hineingeht", obwohl das bildmäßig sehr logisch ist. Spannender Gedanke!
Gern. Ja, ich fand den Gedanken auch sehr interessant.


Dass die Inszenierung sogar 17jährige angesprochen hat, ist toll. Aber ich hätte auch gesagt: wenn eine, dann diese. Schön, dass deine Tochter offenbar auch prinzipiell opernbegeistert ist, wenn sie Kaufmann kennt.
Oh, ich bin hell begeistert von meiner eigenen Tochter! Das hatte ich nun auch nicht erwartet.

Dein Wort in das Ohr der MET-Verantwortlichen! Was macht dich so sicher, oder spricht da nur die Hoffnung aus dir?

Bisher hat die MET eigentlich alles Übertragungen herausgebracht, wenn ich mich recht entsinne. Logisch - wenn das ohnehin schon gefilmt ist, kann man auch ne DVD draus machen, oder? :)

Ingrid und Fairy Queen: Stimmt schon, von der Sängerwarte aus betrachtet, mögen die Interviews recht hart sein. Andererseits muss ich zugeben, dass ich mich meist über etwas mehr Infos gefreut habe.
Hm, ich gehe dann doch ganz gern in die MET-Kinos, schon deswegen, weil hier in der niedersächsischen Provinz Oper eher schmal gesät ist. Der letzte "Walzertraum" in der Gifhorner Stadthalle war nicht wirklich ein Weltereignis ... :D
stiffelio (07.03.2013, 18:29):
Liebe Ingrid und Fairy,

Original von Ingrid
Gerade habe ich supertolle Fotos angeschaut, die die MET in ihrem Archiv hat. Die Hintergrundfotos sind ja allein schon gigantisch schön.
Weiß nicht, um das jetzt eine Hilfe für Euch ist, aber verlinken kann ich leider nicht.

dieser Link müsste funktionieren: http://www.metoperafamily.org/metopera/news/photo-galleries/parsifal
Nicht wahr, es sind klasse Bilder (oder meintest du andere)? Ich überlege glatt, ob ich mir für nächstes Jahr einen Kalender davon mache. :D

Zum Glück war der Interviewer diesmal wenigstens ein Mann, die Frauen finde ich auch ziemlich schwer zu ertragen. Und ich kann mir vorstellen, dass der Informationsgehalt wesentlich höher wäre, wenn man ein am Vortag in aller Ruhe aufgenommenes Interview senden würde.
Kaufmann hat das ja noch ziemlich gelassen ertragen, bei Pape hatte ich das deutliche Gefühl, dass er von diesen Interviews noch weniger hält als ich :ignore. Er hat da ja wirklich in Rekordzeit seine Sätze runtergerasselt. :J

Ich bin noch nicht sicher, ob ich so bald wieder ins MET-Kino gehen werde, weil MET-Inszenierungen mir zwar oft nicht schlecht gefallen, aber mich bisher nur selten völlig vom Hocker gerissen haben. Aber diesmal (wenn man den Parsifal mag) war es wirklich eine Wucht. Eine absolute Sternstunde! (die Kostüme dagegen eher schlicht :wink)

VG, stiffelio
stiffelio (07.03.2013, 19:08):
Liebe Allegra

Original von Allegra
Bisher hat die MET eigentlich alles Übertragungen herausgebracht, wenn ich mich recht entsinne. Logisch - wenn das ohnehin schon gefilmt ist, kann man auch ne DVD draus machen, oder? :)


Schön wär's - ich hab jetzt gerade mal 2009/2010 überprüft. Mindestens LES CONTES D'HOFFMANN, HAMLET und BORIS GODUNOV sind meines Wissens bis heute nicht auf DVD erschienen (oder habe ich was übersehen?). Gut, vom HAMLET gibt es natürlich die gleiche Inszenierung aus Liceu und die anderen sind wenigstens irgendwann mal auf youtube aufgetaucht. Dennoch macht mich allein die Vorstellung, bei einer DVD dieses PARSIFALs könnte etwas schiefgehen, schon jetzt ganz krank. :(
Hoffentlich muss ich nicht so lange bibbern - wenn es irgendeine Vorankündigung gibt, bitte Bescheid geben!

VG, stiffelio
palestrina (07.03.2013, 19:40):
Ich auch nicht!

Das war wirklich eine Sternstunde!

Und die schönen Bilder sind wirklich toll, danke für den Link , Stiffelio !

LG palestrina
Allegra (07.03.2013, 20:09):
Am Parsifal-Himmel tut sich noch nichts, aber ich habe noch etwas anderes Interessantes gefunden, zur Neuinszenierung von Rigoletto: Works & Process previews
:)
stiffelio (09.03.2013, 10:28):
Danke
VG, stiffelio
Allegra (12.03.2013, 10:39):
Es gibt Neues: 2. Akt, Parsifal MET 2013

Das Bild ist leider nicht das Beste, zumindest bei mir etwas gezerrt.
Allegra (07.06.2013, 18:06):
Und bald geht es weiter, das neue Programm sieht interessant aus, auch wenn ich nicht alles besuchen werde. Unser Wolfsburger Cinemaxx hat das MET-Programm gestrichen, da zu wenig Besucher kamen, also müssen wir in die nächsten Städte ausweichen.

05. Oktober 2013
Tschaikowsky - Eugen Onegin
Anna Netrebko, Oksana Volkova, Piotr Beczala, Mariusz Kwiecien, Alexei Tanovitsky
D: Valery Gergiev
P: Deborah Wamer

26. Oktober
Schostakowitsch - Die Nase
Andrey Popov, Alexander Lewis, Paulo Szot
D: Pavel Smelkov
P: William Kentridge

9. November 2013
Puccini - Tosca
Patricia Racette, Roberto Alagna, George Gagnidze, John Del Carlo
D: Riccardo Frizza
P: Luc Bondy

14. Dezember 2013
Verdi - Falstaff
Lisette Oropesa, Angela Meade, Stephanie Blythe, Jennifer Johnson Cano, Paolo Fanale, Ambrogio Maestri, Franco Vassallo
D: Lames Levine
P: Robert Carson

08. Februar 2014
Dvorak - Rusalka
Renée Fleming, Emily Magee, Dolora Zajick, Piotr Beczala, John Relyea
D: Yannik Nézet-Séguin
P: Otto Schenk

01. März 2014
Borodin - Fürst Igor
Oksana Dyka, Anita Rachvelishvili, Sergey Semishkur, Ildar Abdrazakov, Mikhail Petrenko, Štefan Kocán
D: Gianandrea Noseda,
P: Dmitri Tcherniakov

15. März 2014
Massenet - Werther
Lisette Oropesa, Elîna Garanèa, Jonas Kaufmann, David Biþiã, Jonathan Summers
D: Alain Altinoglu
P: Richard Eyre

05. April 2014
Puccini - La Bohème
Anita Hartig, Susanna Phillips, Vittorio Grigolo, Massimo Cavalletti, Patrick Carfizzi, Oren Gradus, Donald Maxwell
D: Stefano Ranzani
P: Franco Zeffirelli

26. April 2014
Mozart - Cosi fan tutte
Susanna Phillips, Isabel Leonard, Danielle de Niese, Matthew Polenzani, Rodion Pogossov, Maurizio Muraro
D: James Levine
P: Lesley Koenig

10. Mai 2014
Rossini - La Cenerentola
Joyce DiDonato, Juan Diego Flórez, Pietro Spagnoli, Alessandro Corbelli, Luca Pisaroni
D: Fabio Luisi
P: Cesare Lievi
Billy Budd (08.06.2013, 00:36):
Original von Allegra
26. Oktober
Schostakowitsch - Die Nase
Andrey Popov, Alexander Lewis, Paulo Szot
D: Pavel Smelkov
P: William Kentridge

08. Februar 2014
Dvorak - Rusalka
Renée Fleming, Emily Magee, Dolora Zajick, Piotr Beczala, John Relyea
D: Yannik Nézet-Séguin
P: Otto Schenk

01. März 2014
Borodin - Fürst Igor
Oksana Dyka, Anita Rachvelishvili, Sergey Semishkur, Ildar Abdrazakov, Mikhail Petrenko, Štefan Kocán
D: Gianandrea Noseda,
P: Dmitri Tcherniakov
Die schauen echt interessant aus!
stiffelio (06.10.2013, 16:04):
05. Oktober 2013
Tschaikowsky - Eugen Onegin
Anna Netrebko, Oksana Volkova, Piotr Beczala, Mariusz Kwiecien, Alexei Tanovitsky
D: Valery Gergiev
P: Deborah Wamer

War noch jemand gestern im EUGEN ONEGIN? Für mich war es der erste einigermaßen vollständige Kontakt mit dieser Oper.
Netrebko, Beczala und Kwiecien haben toll gesungen und gut gespielt. Tanovitskys Stimme klang für mich dagegen sehr abgesungen, das war eine Enttäuschung. Ausgerechnet bei der einzigen Basspartie (wenigstens musste ich dadurch nicht bedauern, dass sie so kurz ist).
Zur Oper an sich: es hat relativ lange gedauert, bis ich mit ihr warm wurde. Richtig gepackt hat es mich erst ab der zweiten Hälfte des 2. Aktes.
Ganz kurzes Fazit: schön wars schon, aber die absolute Faszination meiner letzten "MET im Kino" (Parsifal), die blieb aus.

VG, stiffelio
Giovanna (06.10.2013, 21:15):
Hallo Stiffelio!

Ja, ich war auch im Kino und kann mich deinem Urteil voll und ganz anschließen.

Ich kannte die Oper bisher nur vom Inhalt sowie die bekanntesten Stellen (Polonaise und "Kuda, kuda") und auch bei mir hat es ca. eine halbe Stunde gedauert, bis es mich so richtig gepackt hat. Besonders die Briefszene fand ich sehr gut gespielt und gesungen.

Auch bei den Sängern bin ich mit dir ganz einer Meinung. Vor allem die Hauptrollen haben mir alle sehr gut gefallen aber auch die Nebenrollen (z.B. Larissa Diadkova als Amme Filipyevna) fand ich wirklich gut besetzt. Etwas schwach fand ich auch den Sänger des Gremin.

Wahrscheinlich muss ich mich noch mehr mit dieser Oper beschäftigen, bis diese mich fasziniert oder eben nicht in die Liste meiner Lieblingsopern kommt.

Viele Grüße
Giovanna :hello
Allegra (07.10.2013, 14:04):
Wir waren auch im Kino am Samstag! Und ich muss sagen, sämtliche unserer mitgekommenen Verwandten und Bekannten waren schlicht begeistert!
Die gesangliche (und auch darstellerische) Leistung der drei Hauptcharaktere - umwerfend. Man mag hier und dort an den Nebenrollen etwas mäkeln können, aber der Gesamteindruck war letztlich einstimmig "breathtaking".

Am Vorabend hatten wir uns die Flemming/Hvorostovsky-Aufnahme der MET in einer früheren Inszenierung (2007) angesehen, die für mich eine ganz andere Interpretation aufwies als die jetzige. Das wäre an separater Stelle sicher mal ein nettes Diskussionsthema.

Mittlerweile zählt der Onegin zu meinen absoluten Lieblingsopern. :down
stiffelio (09.02.2014, 20:04):
"Rusalka" von Antonin Dvorak

Rusalka: Renée Fleming
Prinz: Piotr Beczala
Ježibaba: Dolora Zajick
Wassermann: John Relyea
Fremde Fürstin: Emily Magee

Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Yannick Nézet-Séguin

Hat noch jemand die RUSALKA gestern gesehen? Es war mein Ersterlebnis mit dieser Oper, deshalb habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Fleming und Beczala fand ich stimmlich großartig, aber auch alle anderen Sängerhaben mir gut gefallen, mit meiner Vorliebe für tiefe Stimmen auch besonders John Relyea als Wassermann. (Da er im Interview auch eine eindrucksvolle Sprechstimme hatte, würde ich ihn gerne mal als Sarastro erleben, aber diese Rolle scheint er nicht in seinem Repertoire zu haben.) Die Schenk-Inszenierung war für ein Ersterlebnis o.k. und der Teich einfach wunderschön anzusehen.

VG, stiffelio
Giovanna (09.02.2014, 20:43):
Hallo Stiffelio,

ja, ich war auch und für mich war es auch die erste Begegnung mit dieser Oper - ich fand sie wunderschön! An einigen Stellen habe ich mich selbst wie verzaubert gefühlt.
Die Sänger haben mir auch alle sehr gut gefallen. :times10


Die Schenk-Inszenierung war für ein Ersterlebnis o.k.
Dem kann ich so zustimmen, bis auf die Szene, in der Jezibaba den Trank gebraut hat; ich fand die dazukommenden Tiere lächerlich bis unnötig. Wenn schon nebenher noch was ablaufen soll, hätte mir ein im Hintergrund verzweifelter Wassermann besser gefallen. Aber eigentlich hätte die Szene nur mit Jezibaba viel mehr Wirkung gehabt. Zumindest für mich :ignore.

Aber wie gesagt, die Oper gefällt mir und ich habe bereits ein paar Vergleichsmöglichkeiten herausgesucht.

Viele Grüße
Giovanna :hello
Severina (09.02.2014, 21:11):
Meine Lieben,

das ist unsere alte Schenk-Inszenierung, die nach 23 Aufführungen verscherbelt worden ist. Ich habe sie zwar nicht 23mal, aber doch ziemlich oft gesehen, weil ich diese Oper heiß und innig liebe. Musik so richtig zum Schwelgen! Jetzt haben wir statt dessen Bechtolf.... Nicht dass ich der alten "Rusalka" sonderlich nachweine, denn speziell die von Giovanna beanstandeten Tiere fand ich auch mehr als lächerlich - typisch Schenk'scher Kitsch halt. (Sei froh, dass Du seinen tierischen Aufmarsch in unserer "Zauberflöte" nicht sehen musstest...) Nur ist halt auch unsere aktuelle Inszenierung nicht das Gelbe vom Ei. (Siehe meine Besprechung im WSO-Thread!)

Ob man Fleming oder Stoyanova den Vorzug gibt, ist wohl Geschmackssache (ebenso Releya oder Groissböck, ich favorisiere Letzteren!) , aber Beczala ist momentan sicher die weltweit beste Besetzung für den Prinzen. Ih habe ihn vor drei Jahren in Zürich erlebt und schwärme heute noch von dieser Aufführung.

lg Severina :hello
stiffelio (09.02.2014, 21:18):
auf die Tiere hätte ich auch gut verzichten können, aber ich hatte noch deine WSO-Besprechung, Severina, vor Augen. Und so überwog meine Erleichterung darüber, dass wir in dieser Szene kein geschlachtetes Kind oder etwas anderes in dieser Preisklasse präsentiert bekamen :ignore.

VG, stiffelio
Billy Budd (09.02.2014, 23:08):
Da ich heute ebenfalls die Rusalka gehört habe (aber live in Wien), war ich natürlich nicht im Kino. Die Vorstellung hat mich aber wegen Fleming nicht gereizt, denn die hat mit ihrem fürchterlichen Scheppern sicher diese wunderschöne Oper völlig kaputt gemacht.
Beczala singt übrigens nächste Saison den Prinzen in Wien, worauf ich mich schon sehr freue (Opolais die Rusalka)!
Hat jemand von Euch Vincent Schirrmacher (in dieser Rolle) gehört?
Billy :hello
Severina (09.02.2014, 23:18):
Original von Billy Budd
Da ich heute ebenfalls die Rusalka gehört habe (aber live in Wien), war ich natürlich nicht im Kino. Die Vorstellung hat mich aber wegen Fleming nicht gereizt, denn die hat mit ihrem fürchterlichen Scheppern sicher diese wunderschöne Oper völlig kaputt gemacht.
Beczala singt übrigens nächste Saison den Prinzen in Wien, worauf ich mich schon sehr freue (Opolais die Rusalka)!
Hat jemand von Euch Vincent Schirrmacher (in dieser Rolle) gehört?
Billy :hello

Das ist in der Tat ein Grund zum Freuen! Ich bin auch kein Flemingfan, habe aber heute auf ATV II eine (alte) "Thais" mit ihr und Thomas Hampson gesehen, und da war sie erstaunlich gut. Als Rusalka allerdings ziehe ich die Stoyanova bei Weitem vor, auch wenn die Fleming optisch vermutlich besser passt.

lg Severina :hello
Billy Budd (09.02.2014, 23:33):
Ja, ich freu mich auch schon voll!! :leb :leb

Fleming kenne ich nur als Capriccio-Gräfin, und da habe ich sie total unterirdisch gefunden (unlängst habe ich mir eine Aufnahme dieser Oper mit Lucia Popp angehört und erst da gemerkt, wie schön diese Rolle ist) ... ich mir also nur denken, wie sie die Rusalka bewältigt hat.

Ich persönlich finde bei Opernaufführungen die Optik völlig unwichtig ... natürlich macht es Sinn, wenn beispielsweise die Lola attraktiver als die Santuzza ist, aber für mich steht doch der Gesang im Vordergrund.
Billy :hello
stiffelio (10.02.2014, 19:44):
Hallo Severina und Billy,

ich verstehe von Stimmen sicherlich weniger als ihr und bin auch kein "Flemingfan", aber am Samstag konnte ich keine relevanten Defizite bei ihr feststellen. Am Anfang des 3. Aktes gab es ein paar Töne, die etwas gespannt klangen, aber das war dann gleich wieder vorbei.

Diese Oper ist so furchtbar traurig, dass ich den "Kitsch" (ausgenommen die besagten Tiere) als ausgleichendes Element empfunden habe. Ich habe gestern ein wenig in eine Aufnahme der Kusej-Inszenierung hineingeschaut und die hätte mir beim Erstkontakt den Rest gegeben.

VG, stiffelio
Billy Budd (10.02.2014, 23:06):
Naja, so war das auch nicht gemeint ... wenn Dir die Fleming gefallen hat, ist das doch völlig in Ordnung.
Billy :hello
Allegra (13.02.2014, 17:55):
Ich war auch im Kino - und hingerissen von meiner ersten "Rusalka"!
Stimmlich hatte ich nichts auszusetzen - und wirklich, John Relya ist bereits im Interview ein Erlebnis. Das Kostüm noch dazu - toll. :D

Interessant übrigens ein Gespräch mit meinem Mann später. Wir waren uns einig über die schönen, romantischen, märchenhaften Bilder, alles optisch sehr ansprechend, aber er meinte, irgendwie doch auch langweilig, angesichts der Stimmen aus dem (überwiegend älteren) Publikum, doch bitte immer solche Inszenierungen zu haben …
Nein, lieber ab zu auch etwas zum Nachdenken. Sonst wird es wirklich langweilig.
Heike (02.03.2014, 10:47):
MET - Fürst Igor - Alexander Borodin (1.3.14)

Conductor Gianandrea Noseda
Production Dmitri Tcherniakov

Prince Igor Ildar Abdrazakov
Prince Galitsky Mikhail Petrenko
Vladimir Igorevich Sergey Semishkur
Skula Vladimir Ognovenko
Yeroshka Andrey Popov
Yaroslavna Oksana Dyka
Polovtsian Maiden Kiri Deonarine
Konchakovna Anita Rachvelishvili
Ovlur Mikhail Vekua
Khan Konchak Štefan Kocán
Yaroslavna’s Nurse Barbara Deve

Ich fand es ja eine umwerfend gute Inszenierung, wie man dieses weltgeschichtlich/ kriegerisch/ folkloristisch/ sakral gedachte Werk so kammerspielartig raffiniert hinkriegen kann, wow. Große Psychologie statt großer Politik. Z.B. der Polowetzer-Akt als unendliches Mohnblumenfeld vor unwirklich blauem Horizont, darin der verwundete Igor (reingeblendet in Großaufnahmenvideos seines blutenden Gesichts), im Feld agieren (alp)traumhaft geisterhafte Figuren und Erinnerungen als Produkte seiner Schmerzensfantasien.

Und es war auch entsprechend farbig und feinsinnig musiziert und gesungen. Abdrazakov an der Spitze, ein starker und lyrischer Igor, der mit seiner warmen dunklen Stimme alle Nuancen von Kampf, Vision, Verzweiflung und Brüchigkeit perfekt vermittelte. Großartig und immer wieder zentral der Chor.

Hat es noch jemand gestern gesehen?
Severina (02.03.2014, 10:56):
Angesichts Deiner Begeisterung muss ich sagen: Leider nein! Aber irgendwie kann ich mich zu dieser MET-Kino-Sache nie aufraffen, Oper im Kino ist so gar nicht meines.... Obwohl mir klar ist, dass mir dann auch wieder Tolles entgeht, diesmal natürlich auch, weil ich doch so ein Abdrazakov-Fan bin.

Aber die MET ist ja sehr fleißig im Produzieren von DVDs, vielleicht kommt ja auch diese Produktion auf Konserve heraus!

lg Severina :hello
Heike (02.03.2014, 11:27):
Sevi, Oper im Kino is wie Oper auf DVD - nur ein bissel größer halt ;-)
Und eben wirklich live übertragen - das hat durchaus was eigenes.

Nächste Chance wäre Massenets Werther am 15.3.14
(Alain Altinoglu/ Richard Eyre)
Jonas Kaufmann Werther, Sophie Koch Charlotte
Severina (02.03.2014, 12:32):
Ja, eh...... :D
Am 15.3. bin ich sicher nicht in Wien, aber da ich Kaufmann und Koch in diesen Partien schon dreimal live in Wien erlebt habe, würde mich das ohnehin nicht reizen. Wahrscheinlich wäre es auch schon zu spät für eine Karte.
lg Sevi :hello
Giovanna (02.03.2014, 18:05):
Hallo,

ja, ich war auch und mir hat die Oper auch sehr gut gefallen.

Ich fand es ja eine umwerfend gute Inszenierung, wie man dieses weltgeschichtlich/ kriegerisch/ folkloristisch/ sakral gedachte Werk so kammerspielartig raffiniert hinkriegen kann, wow. Große Psychologie statt großer Politik. Z.B. der Polowetzer-Akt als unendliches Mohnblumenfeld vor unwirklich blauem Horizont, darin der verwundete Igor (reingeblendet in Großaufnahmenvideos seines blutenden Gesichts), im Feld agieren (alp)traumhaft geisterhafte Figuren und Erinnerungen als Produkte seiner Schmerzensfantasien.

Volle Zustimmung! Das fand ich auch eine ganz tolle Idee :times10

Auch musikalisch und schauspielerisch habe ich den Abend sehr genossen. Super, wie Mikhail Petrenko den Fürsten Galitsky als testosterongetriebenen Widerling dargestellt hat :down :down :down

@Stiffelio: du hast ja mal geschrieben, dass du die Opern mit vielen tiefen Männerstimmen liebst. Die wäre in dem Fall eine für dich!

Liebe Grüße
Giovanna :hello
stiffelio (03.03.2014, 17:09):
Original von Giovanna
@Stiffelio: du hast ja mal geschrieben, dass du die Opern mit vielen tiefen Männerstimmen liebst. Die wäre in dem Fall eine für dich!

in diesem Fall kann ich auch nur auf die DVD hoffen, weil ich am Samstag leider auf Reisen war. Aber Ihr habt mir schon Appetit gemacht.

VG, stiffelio
Allegra (08.03.2014, 17:55):
Besser spät als nie: Ich habe den "Igor" auch gesehen - war für mich das erste Mal - und ich war begeistert! Musikalisch ohnehin, Abdrazakov fand ich umwerfend und Anita Rachvelishwili (ich hoffe, das ist richtig geschrieben ...) hat mich schon in der Ankündigung schwer beeindruckt, nicht nur aufgrund ihrer vollen, warmen Stimme, sondern ihrer genasen Erscheinung und Interpretation.

Die Inszenierung gefiel mir ebenfalls ausnehmend gut, sehr subtil, ohne Kitsch, aber reichlich psychologische Deutungsmöglichkeiten, di eine Langeweile aufkommen ließen. Mir gefällt dieser Tscherniakov immer besser. :P
Severina (19.10.2014, 23:05):
Original von stiffelio
Original von Giovanna
@Stiffelio: du hast ja mal geschrieben, dass du die Opern mit vielen tiefen Männerstimmen liebst. Die wäre in dem Fall eine für dich!

in diesem Fall kann ich auch nur auf die DVD hoffen, weil ich am Samstag leider auf Reisen war. Aber Ihr habt mir schon Appetit gemacht.

VG, stiffelio

Deine Hoffnung wurde erfüllt, die DVD ist eben erschienen! :D

lg Severina :hello
stiffelio (20.10.2014, 22:09):
Liebe Severina,
danke für den Hinweis :thanks, ich habe es schon gesehen und kenne die Aufführung auch inzwischen. Hast du die DVD auch schon? Wenn du (oder jemand anderes) Lust hast, könnten wir gerne nochmal in eine Diskussion einsteigen. Ich würde mitmachen, schwimme aber derzeit so auf der Fierrabras-Welle, dass ich sie selbst im Moment noch nicht anstoßen würde.

VG, stiffelio
Rotkäppchen (01.02.2015, 12:30):
Hallo, Ihr Lieben,

gestern Abend habe ich mal die MET-im-Kino-Reihe getestet, da es zufällig eine meiner Lieblingsopern zu sehen gab. Vorwegschicken muss ich leider, dass es rein technisch eine herbe Enttäuschung war, da es von Anfang bis Ende einen deutlichen Versatz zwischen Audio- und Bildsignal gab, woran ich mich nicht gewöhnen konnte.

Die Inszenierung von Bartlett Sher ist schon einige Jahre alt und wurde bereits 2009 in diverse Kinos übertragen. Gespielt wurde im wesentlichen die Oeser-Fassung, was der Produktion wohl einige Kritik eingebracht hatte, da zum Zeitpunkt der Premiere die neuere Kaye-Keck-Edition verfügbar gewesen wäre. Hier die gestrige Besetzung:

Production: Bartlett Sher
Conductor: Yves Abel

Olympia: Erin Morley
Antonia/Stella: Hibla Gerzmava
Giulietta: Christine Rice
Muse/Nicklausse: Kate Lindsey
Hoffmann: Vittorio Grigolo
Four Villains: Thomas Hampson

Und hier meine unmaßgeblichen Eindrücke: Die Inszenierung ist sowohl konzeptionell als auch die Personenregie betreffend eher langweilig, die Bühnenbilder ästhetisch in Ordnung, tendenziell sparsam. Die interessanteste, wenn auch nicht wirklich neue Idee besteht darin, dass die Muse mit den Bösewichtern kollaboriert. Schön anzusehen und passend zu Offenbachs hinreißender Musik sind diverse Balletteinlagen, außerdem gibt es immer wieder allerhand wenig bekleidete Damen zu sehen. Regisseur Sher hat sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell im Pauseninterview betont, dass kafkaeske Elemente eingeflossen seien. Davon konnte ich absolut nichts erkennen, obwohl ich mehrere Kafka-Werke gelesen habe. Kafkaesk heißt für mich nicht einfach gruselig (da gab es einige Szenen, für die das zugetroffen hat), sondern vor allem ausweglos -- das Individuum hat in einer feindlichen Welt null Chancen, seine Ziele zu erreichen (genau das gibt das Hoffmann-Libretto auch her).

Davon wurde praktisch nichts transportiert, was nicht zuletzt damit zusammenhing, dass der Darsteller der Titelfigur, Vittorio Grigolo, weder optisch noch darstellerisch eine kafkaeske Leidensgestalt verkörpern kann. Im Gegenteil, er ist der niedlichste, schnuckeligste Hoffmann, der mir bisher untergekommen ist und damit im Grunde fehlbesetzt. Ebenfalls im Pauseninterview äußerste der Regisseur sich über die Vorzüge Grigolos als Hoffmann. Erstens sei bei ihm klar, warum er so viele Frauengeschichten durchlebt (das stimmt, er sieht toll aus -- wobei das natürlich auch eine Lüge ist, dass Frauen nur auf Latin-Lover-Typen stehen, ist aber OT...) und zweitens sei er ein passionierter Darsteller. Letzteres würde ich nur bedingt bejahen, da Grigolo nur wenige Gesichtsausdrücke beherrscht und -- das ist nicht seine Schuld -- von der Regie von allen Figuren am stärksten im Stich gelassen wurde, er darf nur ein bisschen Herumlaufen, Händeringen und sich die Haare raufen. Bis auf eine bemerkenswerte sportliche Einlage während der letzten Kleinzach-Strophe im Epilog ist das alles, selbst die körperlichen Kontakte mit den drei Damen sind äußerst zurückhaltend inszeniert. Der Hoffmann als schüchterner junger Mann also; sicher ist das auch eine von vielen möglichen Lesarten, aber nicht die spannendste. Der Schluss ist entsprechend versöhnlich, dieser liebe Hoffmann, der im übrigen Alkohol auch nur sehr maßvoll zu sich nimmt, wird schon noch eine passende Herzensdame finden. Ob er darüber oder anderes bedeutende Werke schreiben wird, darf bezweifelt werden, denn einen kreativ-fiebrigen Eindruck hinterließ er an keiner Stelle. An Grigolos Stimme scheiden sich sicher die Geister (auch in mir selbst), denn sie ist hell, äußerst durchdringend, höchstens durchschnittlich farbenreich, d.h., der Grat zwischen "elektrisierend" und "nervtötend" ist schmal. Ihm gelangen einige wirklich unter die Haut gehende Momente, z.B. das Duett mit Antonia oder "O Dieu, de quelle ivresse" bzw. seine Klagen im Epilog und ich denke bei geschickterer Regie könnte er in ein paar Jahren, wenn er vielleicht etwas charakteristischer aussieht, ein sehr guter Hoffmann sein.

Wirklich begeistert war ich von Kate Lindsey als Muse, deren warme, ausdrucksstarke Stimme in allen Lagen sehr gut anspricht, und die auch optisch eine androgyne Gestalt ist -- optimal für die Rolle der Muse. Ihre Arien im Olympia- und im Antonia-Akt waren echte Kabinettsstücke, sowohl sängerisch als auch schauspielerisch. Sehr gefreut habe ich mich, dass Thomas Hampson in wirklich guter stimmlicher Verfassung war, fast zu schön für die vier Bösewichter, die er ganz umwerfend und durchaus differenziert (der Schlimmste ist seiner Meinung nach der Miracle) darstellt. Sowohl der Coppelius (den der eher komisch anlegt) als auch der Miracle beginnen ihren Auftritt ja mit einem dämonischen Lachen, das bei den meisten Sängern dieser Rolle irgendwie sehr ähnlich klingt. Hampson hat sich dafür aber zwei ganz unterschiedliche, höchst individuelle "Hahaha"s ausgedacht und, bei aller Kritik an der Aufführung, hat sich der Kinobesuch gestern schon allein deswegen gelohnt, das war genial! Leider muss Dapertutto die apokryphe "Scintille Diamant"-Arie im Giulietta-Akt singen, die wesentlich fader als das originale "Tourne, tourne, miroir" (das in der Oeser-Edition eigentlich enthalten ist) ist, aber wenn die Gestaltung so spannend ist wie die von Hampson, kann selbst ich damit leben -- dafür gab es zu Recht den stärksten Szenenapplaus.

Die Damenriege fand ich sehr gut, aber nicht herausragend. Erin Morley klang als Olympia durch ihr starkes Vibrato sehr menschlich, macht insgesamt ihre Sache als disneymäßig angelegte Puppe überzeugend. Hibla Gerzmava ist optisch und stimmlich mehr eine ausgereifte Operndiva (obwohl sie vermutlich tatsächlich noch sehr jung ist) als ein zwanzigjähriges, traumhaft singendes, krankes Mädchen. Ihre Stimme ist warm und voll, neigt aber zu Höhenschärfe. Ähnlich wie Hoffmann wurde auch die Figur der Antonia nur sehr schemenhaft gezeichnet, so dass man beim Liebesduett getrost die Augen schließen konnte, da gab es weder Prickeln noch Tragik zu sehen, Hören reichte vollkommen aus. Wie fast immer wurde die Giulietta am stärksten vernachlässigt und musste zu allem Überfluss auch noch in einer Art Hofdamentracht mit Reifrock auftreten, von Erotik keine Spur. Christine Rice's Timbre klang so ähnlich wie das der Sängerin der Antonia -- für die Rolle der Giulietta fand ich es passender.

Die Sänger der kleineren Rollen, den Chor, das Dirigat fand ich sehr in Ordnung, ohne aber ein fundiertes Urteil abgeben zu können.

Fazit: Ja, die vier Stunden im Kino haben sich schon gelohnt, wegen der Offenbachschen Musik, wegen Hampson und Lindsey.

Viele Grüße an Euch alle,
Elke
Severina (01.02.2015, 12:50):
Liebes Rotkäppchen,

danke für diese anschauliche Schilderung Deiner Eindrücke! Ich konnte mich bisher nie zu Oper im Kino aufraffen, auch weil das immer so extrem spät endet und ich nicht so gerne um diese Zeit noch mit Öffis unterwegs bin. Zu normalen Opernzeiten habe ich damit kein Problem.

Nach den Lobeshymnen, die ich mir bisher über Grigolo anhören und lesen musste, schätze ich Deine differenzierte Darstellung umso mehr. Ich muss gestehen, dass ich mit diesem neuen Darling der Opernwelt von Anfang an meine Probleme hatte und ich Deine Einschätzung voll und ganz teile: Ja, er sieht schnuckelig aus, scheint sich aber auf die Optik zu verlassen und findet es offensichtlich nicht notwendig, sich tiefschürfender mit der von ihm zu verkörpernden Figur auseinanderzusetzen. Also eine schöne Hülle über wenig Inhalt. Über Deine stimmliche Charakterisierung "zwischen elektrisierend und nervtötend" musste ich schmunzeln, denn genau so empfinde ich es auch. Wobei Letzteres überwiegt, je länger ich ihm zuhören muss. Er hat irgendetwas in seiner Stimme, was ich gar nicht konkret benennen kann, mich aber extrem stört. Vor allem seine nicht nachvollziehbaren Dynamikschwankungen machen mich immer ganz kirre.

Kate Lindsay war bei uns ein ausgezeichneter Komponist in der "Ariadne", Deine Begeisterung kann ich also gut nachvollziehen.

Vielleicht kommt dieser Hoffmann ja einmal im TV, dann können wir darüber diskutieren!

lg Severina :hello
stiffelio (01.02.2015, 14:39):
Liebe Rotkäppchen,

ich hoffe für dich, dass sich hier noch jemand meldet, der auch im Kino war. Mich hätte ausschließlich Hampson gereizt, aber das hat an Motivation dann letztlich doch nicht ausgereicht :S.
An YT-Links scheint es bisher im Wesentlichen nur die üblichen Generalprobeneinspielungen der MET zu geben, die u.a. in dieser Playlist gesammelt sind https://www.youtube.com/playlist?list=PLNtu2_2iingo5L0toBDlWTf0rXQoe0ggD
und da ist Hampson nur randständig im Septett dabei.

VG, stiffelio
Rotkäppchen (01.02.2015, 15:00):
Liebe Severina,

da stimme ich Dir zu: Grigolos Stimme ist wirklich schwer mit Worten zu beschreiben, ich habe sehr lange nachgedacht, wie ich das ausdrücken soll. Im Pauseninterview hat er geäußert, dass man den Hoffmann im Verlauf der Akte immer dramatischer (was auch immer das ganz genau bedeutet) singen müsse und tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass die "nervtötende" Komponente zunahm. Paradoxerweise fand ich das für den Hoffmann gar nicht sooo schlecht, schließlich nimmt dessen Verzweiflung zu und das konnte man bei Grigolo somit wenigstens hören (seine Mimik blieb indes die ganze Zeit gleichmäßig dezent, um es nett auszudrücken :wink). Naja, bleibt zu hoffen, dass er an sich arbeitet, er ist ja noch ziemlich jung (*1977, wenn man Wiki glauben darf).

Mal schauen, ob es die Produktion ins TV schafft, vielleicht am ehesten zu Euch ins ORF III, dort kommen doch immer beneidenswert viele Opern :).

Liebe stiffelio,

das mit der Motivation ist so eine Sache -- ich habe es auch nur getan, weil ich diese Oper sehr gern habe. Das Ganze war hier übrigens in einem recht großen Kinosaal (geschätzte 800 Plätze) angesetzt und nur zu einem Viertel besetzt. Der Altersdurchschnitt der Kinobesucher war eher hoch (ca. 65+).

LG, Elke
Solitaire (01.02.2015, 22:00):
Ich habe die Aufführung gestern auch gesehen und ich muß sagen, es war für mich szenisch der uninteressanteste Hoffmann seit langem :ignore
Ich habe ihn mir nur angesehen, weil meine Mutter die Oper gerne nochmal hören und nicht alleine gehen wollte.
Im großen und ganzen teile ich Rotkäppchens Meinung. Ich habe mich geradezu schmerzlich nach Neil Shicoff , diesem genialsten, neurotischsten aller Hoffmänner gesehnt. Oder auch nach Rolando Villazòn. Sein gelegentliches over acting und seine stimmlichen Probleme sind mir nach wie vor lieber als das brav abgespielte Programm eines Vittorio Grigolo und er hat immer noch Momente, bei denen es einem den Atem verschlägt. Über Grigolo konnte ich mich nicht mal ärgern, denn er hat ja nix falsch gemacht. Ich fand ihn nur so furchtbar langweilig...

Die Damen haben mir gut gefallen, allen voran die Muse und Antonia.Thomas Hampson war auch für mich der Lichtblick des Abends. Stimmlich, darstellerisch und ja: auch optisch war es ein durchaus angenehmer Eindruck :D
Seine klirrenden Fläschchen im Antonia-Akt waren einer der wenigen wirklich gruseligen Momente des Abends.
Die Inszenierung konnte mich wie gesagt nicht fesseln. Spalanzanis physikalisches Labor wurde zu einem Panoptikum in dem zahlendem Publikum automatische Puppen und andere Attraktionen präsentiert wurden. Na toll.
Ein Regisseur muß m.E. schon sehr gute Gründe haben, Antonias Mutter auf die Bühne zu holen anstatt nur ihre Stimme erklingen zu lassen. Ich weiß nicht welchen Grund Barlett Sher hatte, aber mir hat er nicht gereicht.
Also: ich fand's musikalisch okay, szenisch, bis auf Hampson, langweilig und werde im Übrigen und um mich davon zu erholen wohl bald mal wieder meinen Lieblings-Hoffmann ansehen.
Hier kann man einen Antonia-Akt erleben der den Gespenstergeschichten eines E.T.A. Hoffmann wirklich würdig ist, vor allm im Terzett mit Antonias/Miracle/Stimme der Mutter.

Daß sie das Sextett gespielt haben hat mich dann aber doch gefreut. Das Ding mag schlechte Musik sein (wie mir mal jemand weißmachen wollte) aber ich finde es immer wieder klasse :D
Billy Budd (01.02.2015, 22:09):
Schön, von Dir wieder was zu lesen!
Severina (01.02.2015, 22:10):
O che gioa, Solitaire lässt sich wieder im Forum blicken! Ich hoffe, das ist keine Eintagsfliege, denn ich habe Dich sooooooo vermisst! :leb :leb :leb :leb :leb

Schön, dass hier solche Einigkeit herrscht, was Signore Grigolo betrifft! :D

lg Sevi :hello
Solitaire (01.02.2015, 22:39):
Oh wie lieb von Euch mich so zu begrüßen :thanks
Ich hoffe selber, daß ich mich zumindest zu einer "nicht jeden Tag aber dafürregelmäßig Fliege" entwickle. Man sagt ja in anderen Zusammenhängen, daß nicht die Häufigkeit zählt... :engel :cool
Im Pauseninterview hat Thomas Hampson Dappertutto übrigens als "Sleaze" bezeichnet. Ein Wort, daß ich mir immer mit Flittchen übersetzt habe. :D
Laut l.e.o. kann es aber auch "Widerling" bedeuten. Schade, das Flittchen hätte ich spannender gefunden :engel

Ja, der Herr Grigolo. Er singt ja gut und man kann ihm wirklich nichts vorwerfen, aber irgendwie...ich weiß nicht.
Severina (01.02.2015, 22:44):
Na, jeden Tag ist ja kaum jemand hier, ich selber tauche auch immer wieder für einige Zeit ab - allerdings nicht so lange wie Du!
Wenn Du wenigstens hin und wieder bei uns durchsummst, bin ich schon sehr zufrieden :D :D :D!

lg Sevi :hello
Rotkäppchen (01.02.2015, 23:39):
Liebe Solitaire,

an Deinen Lieblings-Hoffmann, der auch zu meinen unangefochtenen Favoriten gehört, durfte man bei der gestrigen Aufführung wirklich nicht denken. Ich habe auch versucht, das irgendwie auszublenden, um mit meinen hier geäußerten Eindrücken nicht unfair zu sein...

Viele Grüße, Elke
Severina (12.02.2015, 20:55):
Original von Heike
MET - Fürst Igor - Alexander Borodin (1.3.14)

Conductor Gianandrea Noseda
Production Dmitri Tcherniakov

Prince Igor Ildar Abdrazakov
Prince Galitsky Mikhail Petrenko
Vladimir Igorevich Sergey Semishkur
Skula Vladimir Ognovenko
Yeroshka Andrey Popov
Yaroslavna Oksana Dyka
Polovtsian Maiden Kiri Deonarine
Konchakovna Anita Rachvelishvili
Ovlur Mikhail Vekua
Khan Konchak Štefan Kocán
Yaroslavna’s Nurse Barbara Deve

Ich fand es ja eine umwerfend gute Inszenierung, wie man dieses weltgeschichtlich/ kriegerisch/ folkloristisch/ sakral gedachte Werk so kammerspielartig raffiniert hinkriegen kann, wow. Große Psychologie statt großer Politik. Z.B. der Polowetzer-Akt als unendliches Mohnblumenfeld vor unwirklich blauem Horizont, darin der verwundete Igor (reingeblendet in Großaufnahmenvideos seines blutenden Gesichts), im Feld agieren (alp)traumhaft geisterhafte Figuren und Erinnerungen als Produkte seiner Schmerzensfantasien.

Und es war auch entsprechend farbig und feinsinnig musiziert und gesungen. Abdrazakov an der Spitze, ein starker und lyrischer Igor, der mit seiner warmen dunklen Stimme alle Nuancen von Kampf, Vision, Verzweiflung und Brüchigkeit perfekt vermittelte. Großartig und immer wieder zentral der Chor.

Hat es noch jemand gestern gesehen?

Ich hole Heikes Beitrag herunter, damit meine Bemerkung nicht völlig in der Luft hängt, weil es inzwischen eine Reihe anderer Themen gegeben hat!

Inzwischen habe ich die DVD von "Fürst Igor" und teile Eure Begeisterung voll und ganz. Wunderbare Musik und vor allem eine für die MET erstaunlich gute Inszenierung! Dmitri Tcherniakov bewegt nicht nur die Chormassen sehr natürlich, sondern hat offensichtlich auch mit jedem Sänger ein sorgfältiges Psychogramm seiner Figur erstellt. Das zeigt sich auch an kleinen Partien wie Skula und Yeroshka, deren schleimiger Opportunismus prägnant und nicht ohne Humor herausgearbeitet wurde.
Die schauspielerischen Leistungen von Ildar Abdrazakov und Mikhail Petrenko würden auch jedem Sprechtheater zur Ehre gereichen, das ist schlicht großartig. Fast nichts zu mäkeln gibt es auch beim musikalischen Part, mein einziger Einwand gilt Oksana Dyka, die mir im Forte etwas zu spitz klang, da zuckte ich ein paarmal zusammen. Aber auch sie spielte so intensiv, dass sie als Gesamtpaket in Ordnung ging.

lg Severina

:hello

PS: Dass unserem unfähigen Direktor zu einem so grandiosen Singschauspieler wie Ildar Abdrazakov nichts anderes einfällt als der Mustafa in "L'Italiana in Algeri" ist wirklich eine Schande. Was wäre das für ein toller Mephisto, Großinquisitor etc. etc. Oder endlich wieder einmal Don Giovanni, davon träume ich noch immer!
Rotkäppchen (13.02.2015, 11:48):
Original von Severina
PS: Dass unserem unfähigen Direktor zu einem so grandiosen Singschauspieler wie Ildar Abdrazakov nichts anderes einfällt als der Mustafa in "L'Italiana in Algeri" ist wirklich eine Schande.
Liebe Severina, ich weiß, Dein Kommentar drückt Verärgerung aus, aber ich habe mich darüber köstlich amüsiert :J.

Vom Fürst Igor habe ich ja schändlicherweise nicht die geringste Ahnung, eine selten gespielte Oper, nehme ich an...

LG, Rk
Rotkäppchen (19.02.2015, 12:33):
Hallo zusammen,

... ist zwar noch eine Weile hin, aber vielleicht freut Ihr Euch auf das eine oder andere Event...

Verdi's Il Trovatore
October 3, 2015
Anna Netrebko,Yonghoon Lee, Dmitri Hvorostovsky, Dolora Zajick
Marco Armiliato
David McVicar
-
Verdi's Otello–New Production
October 17, 2015
Aleksandrs Antonenko, Sonya Yoncheva, Željko Lucic
Yannick Nézet-Séguin
Bartlett Sher
-
Wagner’s Tannhäuser
October 31, 2015
Johan Botha, Eva-Maria Westbroek, Peter Mattei, Michelle DeYoung
James Levine
-
Berg’s Lulu–New Production
November 21, 2015
Marlis Petersen, Susan Graham, Daniel Brenna, Johan Reuter
James Levine
William Kentridge
-
Bizet’s Les Pêcheurs de Perles–New Production
January 16, 2016
Diana Damrau, Matthew Polenzani, Mariusz Kwiecien
Gianandrea Noseda
Penny Woolcock
-
Puccini's Turandot
January 30, 2016
Nina Stemme, Marco Berti
Paolo Carignani
Franco Zeffirelli
-
Puccini’s Manon Lescaut–New Production
March 5, 2016
Kristine Opolais, Jonas Kaufmann
Fabio Luisi
Richard Eyre
-
Puccini's Madama Butterfly
April 2, 2016
Kristine Opolais, Roberto Alagna
Karel Mark Chichon
Anthony Minghella
-
Donizetti's Roberto Devereux—Met Premiere
April 16, 2016
Sondra Radvanovsky, Matthew Polenzani, Elina Garanca, Mariusz Kwiecien
Maurizio Benini
David McVicar
-
Strauss's Elektra–New Production
April 30, 2016
Nina Stemme, Waltraud Meier, Adrianne Pieczonka, Eric Owens
Esa-Pekka Salonen
Patrice Chéreau
-
source: http://www.metopera.org/metopera/liveinhd/live-in-hd-2015-16-season
Allegra (25.02.2015, 17:34):
Original von stiffelio
Liebe Rotkäppchen,

ich hoffe für dich, dass sich hier noch jemand meldet, der auch im Kino war.

Ja hier! Besser spät als nie ... :wink

Ich kann mich den Ausführungen von Rotkäppchen eigentlich voll und ganz anschließen. Kate Lindsey war wirklich großartig und kam für mich als Muse völlig überzeugend daher.

Thomas Hampson - großartig!

Mit wem ich ebenfalls meine Probleme habe, ist Vittorio Grigolo. Nun kann ich nicht vergleichen mit anderen Hoffmännern, da dies meine erste "Erzählung" war. Über das "schnuckelige" Äußere kann man sich streiten, aber seiner Stimme fehlt für meinen Geschmack das Volle, kommt mir zeitweise zu dünn vor - wobei ich mir nie sicher bin, ob das ganz persönliche Vorlieben sind oder ich anhand der Rolle doch etwas anderes erwartet hätte.




War denn jemand in "Yolanta/Herzog Blaubarts Burg"?

Vor allem Letztere hat mich schwer beeindruckt, die düstere Inszenierung, die mit zahlreichen Überblendungen arbeitete, um das entsprechend Gruselige und Aussichtslose hervorzuheben. Stimmlich (und auch darstellerisch) passte Nadja Michael für mein Dafürhalten sehr gut in die Rolle, da bei ihr immer wieder das Schwanken zwischen ihrer Liebe mit weicheren Sequenzen und der Manie, die Türen geöffnet zu bekommen, sowie der endgültigen Erkenntnis der Ausweglosigkeit wechselten.
Rotkäppchen (25.02.2015, 21:47):
Hallo Allegra,

jetzt bin ich ja überrrascht -- aber natürlich: besser spät als nie. Wenn das Dein erster "Hoffmann" war, ist das schon schade, dass Du gerade so eine langweilige szenische Umsetzung erwischt hast. Ich habe mir das Ganze später nochmal als Radiomitschnitt angehört und fand es da sogar etwas spannender, gerade Grigolo hat mir ohne Bild besser zugesagt :wink -- das sagt schon Einiges. Ja, über die passende Optik eines Hoffmann lässt sich wirklich trefflich streiten :wink -- Fakt ist jedenfalls, dass der historische E.T.A. ziemlich hässlich war :D.

"Yolanta/Herzog Blaubarts Burg" habe ich leider nicht gesehen. Ich kenne bisher halt keine der beiden Opern, hatte keine Zeit, mich vorzubereiten und wollte nicht so ganz unbedarft hingehen.

LG, Rk
Rotkäppchen (07.11.2015, 11:54):
Das ist schon ein paar Tage her, bin nicht eher dazu gekommen und eigentlich gibt es dazu nicht sooo viel zu schreiben. Gezeigt wurde eine sehr alte Inszenierung (1977) von Otto Schenk (der sich die Übertragung wohl witzigerweise selbst in einem Wiener Kino angeschaut hat), die das Geschehen im Wesentlichen stilvoll bebildert und alles in der laut Libretto vorgesehenen Zeit belässt. Die Inszenierung wurde schon mindestens einmal filmisch festgehalten, nämlich 1982. Die entsprechende DVD ist im hiesigen Tannhäuser-Thread eher durchwachsen besprochen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich mich an der Jahr-1200-Optik erfreut habe, in Sachen Personenführung war mein Eindruck uneinheitlich, da blieb es doch über weite Strecken fad, besonders zu Beginn wollte zwischen Venus (Michelle DeYoung) und Tannhäuser (Johan Botha) so gar keine Stimmung aufkommen. Dann wurde es aber besser, da Eva-Maria Westbroek als Elisabeth eine überzeugende Auftrittsarie ablieferte und auch später dieser Figur richtig Leben einhauchte, was nicht gerade einfach ist, ohne in Kitsch abzudriften. Die größten Pluspunkte waren, zumindest den Gesang betreffend, die tiefen Rollen, Günther Groissböck als Landgraf Hermann und vor allem Peter Mattei als Wolfram von Eschenbach, der zwar seine Qualitäten als Darsteller hier nur zu einem Bruchteil ausleben konnte, aber stimmlich in Hochform war, deshalb hat es sich auch gelohnt – und wegen des, ich sage mal, "musikalischen Gesamteindrucks", denn der Tannhäuser gehört trotz der kruden Story zu den von mir bevorzugten Wagner-Opern. Ansonsten will ich jetzt nicht aufzählen, wer mit oder ohne wieviel Vibrato etc. gesungen hat, da es im Opernhaus ohnehin ganz anders war.

Der nächste MET-im-Kino-Termin wäre der 21.11.:
Alban Bergs Lulu mit Marlis Petersen in der Titelrolle, da geht es dann sicher anders zur Sache :D!

:hello Rk
stiffelio (07.11.2015, 13:53):
Liebe Rotkäppchen,

Johan Botha in der Hauptrolle in Verbindung mit der mir wohlbekannten Inszenierung haben mich derart abgeschreckt, da konnte mich noch nicht einmal Peter Mattei als Wolfram ins Kino locken. "O du mein holder Abendstern" gibt es ja zum Glück wenigstens auf YT (wie von dir andernorts schon gepostet) und schon da lässt sich m.E. ahnen, dass selbst er an diesem Abend mehr stimmlich als darstellerisch auftrumpfen konnte.

VG, stiffelio
Rotkäppchen (07.11.2015, 14:49):
Liebe stiffelio,

der YT-Clip ist ja leider sehr kurz und wohl auch bei einer früheren Aufführung der Serie aufgenommen. In der Kino-Version fand ich Mattei noch einen Tick besser. Was nicht nur an dieser Stelle gestört hat, waren die Pseudo-Harfen. Natürlich waren die im Sinne des historischen Stoffes passend, aber das Herumgemache der Sänger auf selbigen war leider einfach albern X(. Dafür hat der Harfenist im Graben aber wunderbar gespielt :engel.

Herzliche Grüße, Rk :hello
Rotkäppchen (19.02.2016, 09:52):
Vor wenigen Tagen hat die MET ihr 2016/17-Programm vorgestellt, bzgl. Kino bedeutet das folgendes:

... Live in HD will kick off October 8 with the 100th presentation in series history, Tristan und Isolde. The series will continue with Don Giovanni (October 22), L’Amour de Loin (December 10), Nabucco (January 7), Roméo et Juliette (January 21), Rusalka (February 25), La Traviata (March 11), Idomeneo (March 25), Eugene Onegin (April 22), and Der Rosenkavalier (May 13).

zitiert nach: http://www.metopera.org/About/Press-Releases/The-Metropolitan-Opera-2016-17-Season/

So eine richtig gute Übersicht zu den Besetzungen der Kino-Übertragungen habe ich noch nicht gefunden, da muss man sich im Moment etwas mühsam durch die MET-Seiten klicken, taucht aber sicher bald irgendwo auf.

Was mich spontan sehr interessieren würde, wäre der Idomeneo, is' aber noch mehr als ein Jahr Zeit ..........

LG, Rk :hello
stiffelio (22.02.2016, 20:14):
Liebe Rotkäppchen,

als ich deinem Link folgte, durchzuckten mich zwei freudige Überraschungen, die sich gleich darauf in herbe Enttäuschungen wandelten.
Ganz oben war von einer Neuinszenierung des Guillaume Tell die Rede und weiter unten dann von einem Der fliegende Holländer mit Michael Volle in der Titelrolle!
Für beide hätte ich mir sofort Kinokarten bestellt, doch leider leider gehörten diese Aufführungen nicht zu den HD-Übertragungen (waren ja auch nicht von dir aufgelistet). :I :I
Nun kann ich bei der Neuinzenierung des Tell (wieso wird eine Neuinszenierung nicht übertragen?? X() ja noch hoffen, dass mal eine Übertragung in einer späteren Serie dabei sein wird, vielleicht sogar mit einer noch attraktiveren Besetzung, aber um den Holländer mit Volle wird es mir ewig leid tun. Ich hätte Volle sooo gerne als Holländer erlebt, da traue ich ihm eine grandiose Gestaltung zu. Und die Inszenierung sah im Bühnenbild auch ganz attaktiv aus - zudem scheint es noch überhaupt keine bildliche Aufzeichnung dieser Inszenierung zu geben, oder bin ich zu dumm zum Suchen?
Ebenfalls nicht übertragen, aber als Info ganz interessant: Peter Mattei ist wieder mit dem Barbiere dabei. Ich hab dann gleich mal auf seiner Operabase-Seite geschaut, wo ja lange nichts Neues angekündigt wurde und 2017 ist er auch als Eugen Onegin in Paris geführt.

:thanks für deine Info!
VG, stiffelio
Rotkäppchen (22.02.2016, 21:10):
Liebe stiffelio,
die Sache mit dem Holländer ist wirklich sehr bedauerlich; und, nein, von dieser Holländer-Inszenierung (recht betagt vermutlich...) scheint keine Aufzeichnung auffindbar zu sein. Das ist im Übrigen etwas kurios, denn z.B. unter den on-demand Streams der MET sind immerhin sieben(!) Holländer, aber alle nur Audio X(.
Schön, dass Peter Mattei wieder den Barbiere macht ... und den Onegin in Paris, hmm, ist leider auch nicht gerade um die Ecke :P. Jedenfalls habe ich gleich mal nach "Peter Mattei 2017" gegoogelt und bin auf eine schräge Seite gestoßen, die irgendwie in diesen Thread passt, nämlich das Future MET Wiki:

"http://futuremet.wikia.com/wiki/Future_Met_Wiki

Dort gibt es (very) qualified guesses zu späteren Spielzeiten (Kaffeesatzlesen??). Laut dieser Seite kommt Mattei als Amfortas 2017/18 wieder an die MET. Na, mal sehen.

LG, Rk :hello
palestrina (22.02.2016, 21:30):
stiffelio
Nun kann ich bei der Neuinzenierung des Tell (wieso wird eine Neuinszenierung nicht übertragen?? ) ja noch hoffen, dass mal eine Übertragung in einer späteren Serie dabei sein wird, vielleicht sogar mit einer noch attraktiveren Besetzung
Besetzung:
Rossini's Guillaume Tell
Dates: October 16 to November 12
Production: Pierre Audi
Conductor: Fabio Luisi
Guillaume Tell: Gerald Finley
Arnold: Bryan Hymel
Mathilde: Marina Rebeka
Edwige: Marianna Pizzolato
Walter Furst: Marco Spotti

Hallo liebe stiffelio, was soll denn da noch attraktiver werden , z.B. Hymel ist doch im Moment der Star der Opernwelt !
Und Finley, Rebeka, Pizzolato sind nicht minder großartige Sänger !

Liebste Grüße
palestrina
stiffelio (22.02.2016, 21:59):
Lieber palestrina,

objektiv hast du sicher recht (was die Nicht-Übertragung ja noch unverständlicher macht) und ich meinte auch niemanden Bestimmten - es ist halt keiner meiner Lieblingssänger dabei.

VG, stiffelio
Rotkäppchen (21.03.2016, 20:11):
Original von Rotkäppchen
So eine richtig gute Übersicht zu den Besetzungen der Kino-Übertragungen habe ich noch nicht gefunden, da muss man sich im Moment etwas mühsam durch die MET-Seiten klicken, taucht aber sicher bald irgendwo auf.


...genau, z.B. hier: http://operaencines.blogspot.de/2016/02/live-in-hd-2016-17-calendario-met-opera.html



08.10.2016
Tristan und Isolde (Wagner) Nueva producción

Nina Stemme (Isolde)
Ekaterina Gubanova (Brangäne)
Stuart Skelton (Tristan)
Evgeny Nikitin (Kurwenal)
René Pape (King Marke)

Conductor: Sir Simon Rattle
Production: Mariusz TreliDski
Set Designer: Boris Kudlicka
Costume Designer: Marek Adamski


22.10.2016
Don Giovanni (Mozart)

Hibla Gerzmava (Donna Anna)
Malin Byström (Donna Elvira)
Serena Malfi (Zerlina)
Rolando Villazón (Don Ottavio)
Simon Keenlyside (Don Giovanni)
Adam Plachetka (Leporello)
Matthew Rose (Masetto)
Kwangchul Youn (The Commendatore)

Conductor: Fabio Luisi
Production: Michael Grandage
Set and Costume Designer: Christopher Oram


10.12.2016
L’Amour de Loin (Saariaho) MET PREMIERE

Susanna Phillips (Clémence)
Tamara Mumford (The Pilgrim)
Eric Owens (Jaufré Rudel)

Libretto: Amin Maalouf
Conductor: Susanna Mälkki
Production: Robert Lepage
Set Designer: Michael Curry
Costume Designer: Michael Curry
Lighting Designer: Kevin Adams
Lightscape Image Designer: Lionel Arnould


07.01.2017
Nabucco (Verdi) Primera vez en HD

Liudmyla Monastyrska (Abigaille)
Jamie Barton (Fenena)
Russell Thomas (Ismaele)
Plácido Domingo (Nabucco)
Dmitry Belosselskiy (Zaccaria)

Conductor: James Levine
Production: Elijah Moshinsky
Set Designer: John Napier
Costume Designer: Andreane Neofitou


21 enero 2017
Roméo et Juliette (Gounod) Nueva producción

Diana Damrau (Juliette)
Vittorio Grigolo (Roméo)
Elliot Madore (Mercutio)
Mikhail Petrenko (Frère Laurent)

Conductor: Gianandrea Noseda
Production: Bartlett Sher
Set Designer: Michael Yeargan
Costume Designer: Catherine Zuber


25.02.2017
Rusalka (Dvorák) Nueva producción

Kristine Opolais (Rusalka)
Katarina Dalayman (The Foreign Princess)
Jamie Barton (Ježibaba)
Brandon Jovanovich (The Prince)
Eric Owens (The Water Sprite)

Conductor: Sir Mark Elder
Production: Mary Zimmerman
Set Designer: Daniel Ostling
Costume Designer: Mara Blumenfeld


11.03.2017
La Traviata (Verdi)

Sonya Yoncheva (Violetta Valéry)
Michael Fabiano (Alfredo Germont)
Thomas Hampson (Giorgio Germont)

Conductor: Nicola Luisotti
Production: Willy Decker
Set and Costume Designer: Wolfgang Gussmann


25.03.2017
Idomeneo (Mozart) Primera vez en HD

Elza van den Heever (Elettra)
Nadine Sierra (Ilia)
Alice Coote (Idamante)
Matthew Polenzani (Idomeneo)
Alan Opie (Arbace)

Conductor: James Levine
Production: Jean-Pierre Ponnelle
Set and Costume Designer: Jean-Pierre Ponnelle


22.04.2017
Eugene Onegin (Tchaikovsky)

Anna Netrebko (Tatiana)
Elena Maximova (Olga)
Alexey Dolgov (Lenski)
Dmitri Hvorostovsky (Onegin)
Štefan Kocán (Gremin)

Conductor: Robin Ticciati
Production: Deborah Warner
Set Designer: Tom Pye
Costume Designer: Chloe Obolensky


13.05.2017
Der Rosenkavalier (R. Strauss) Nueva producción

Renée Fleming (Marschallin)
Elina Garanca (Octavian)
Erin Morley (Sophie)
Matthew Polenzani (A Singer)
Marcus Brück (Faninal)
Günther Groissböck (Baron Ochs)

Conductor: James Levine
Production: Robert Carsen
Set Designer: Paul Steinberg
Costume Designer: Brigitte Reiffenstuel
uhlmann (09.10.2016, 14:51):
Original von Rotkäppchen
08.10.2016
Tristan und Isolde (Wagner) Nueva producción

Nina Stemme (Isolde)
Ekaterina Gubanova (Brangäne)
Stuart Skelton (Tristan)
Evgeny Nikitin (Kurwenal)
René Pape (King Marke)

Conductor: Sir Simon Rattle
Production: Mariusz TreliDski
Set Designer: Boris Kudlicka
Costume Designer: Marek Adamski


Konnte obige Vorstellung gestern in Linz sehen. War allgemein recht amüsant, eine so hohe Pensionistendichte hab ich im Cineplexx noch nicht erlebt.

Dass die Met halbwegs moderne Inszenierungen bietet, wusste ich gar nicht (verbinde die Met immer mit dem Otti-Schenk-Ring). Diese ist aber modern, behutsam aber doch - und gar nicht schlecht. Die Handlung spielt beim Militär - Marine schätze ich. Tristans Partie ist eine Söldnertruppe, die gleich mal Brangäne vergewaltigt (oder zumindest sexuell bedrängt), Marke ist der General (oder gar ein Corporal). Jedenfalls sterben auch hier am Schluss fast alle. Eine Dame hinter mir meinte, dass die Giftfässer im 2. Akt nicht hätten sein müssen und eigentlich eine Frechheit wären. Ich fand sie nicht so schlimm.

Gesungen wurde auf grandiosem Niveau. Nina Stemme war stimmlich sehr gut beisammen. Ihre stärksten Momente hat sie in den ruhigeren Passagen, wo sie nicht voll forcieren muss - da wurde es richtig innig. Stuart Skelton sang einen intensiven Tristan, wie ich ihn lange nicht gehört habe. Vor allem im 3. Akt steigerte er sich in eine wahren Rausch, sang ohne Rücksicht auf Verluste. Sollte er diese Rolle mit diesem Einsatz öfter singen, wird er sie wohl nicht lange singen (Villazon lässt grüßen).

Evgeny Nikitin war ein kerniger Kurwenal - da reift imo ein Wotan heran - die Gubanova eine gewohnt souveräne Brangäne. Etwas enttäuscht war ich von Rene Pape: er sang routiniert und stimmschön (wie immer), wirkte aber eher teilnahmslos.

Rattles Leitung war im besten Sinne kompetent (blödes Wort, aber mir fällt kein besseres ein). Alles am rechten Platz, aber der letzte Funke springt mir bei Rattles Wagner einfach nicht über. Na ja, man kann nicht alles haben.

Im 3. Akt spielte jemand an der Technik rum - Menüs eingeblendet, englische Untertitel, dann zwischendurch Radio. Das war ärgerlich und relativ unnötig. Das Publikum nahm es erstaunlich gelassen.

Ich kann die Met im Kino durchaus empfehlen. Nachos und ein geschmeidiges Wieselburger zu Wagner ist voll ok.