Die Macht der Maestros

Heike (08.06.2009, 19:11):
Die Macht der Maestros
"Leonard Bernstein führte riesige Orchester mit seinem Mienenspiel, Carlos Kleiber feuerte Musiker durch Naserümpfen: Der israelische Dirigent Itay Talgam hat die subtilen Führungstricks seiner Zunft analysiert. Auf SPIEGEL ONLINE zeigt er, warum die Meister die besseren Manager sind." ....
Artikel unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,628027,00.html

Ich weiß nicht, ob das Anlass zu weiteren Diskussionen gibt, aber lesenswert finde ich es.
Heike

P.s. bei mir wirft das z.B. die Frage auf:
Glaubt man Itay Talgam, der in Israel selbst zu den Top-Dirigenten zählt, haben Kleiber & Co. ihren Ausnahmestatus vor allem einer Fähigkeit zu verdanken: ihrem unwiderstehlichen Führungsstil.
Ich dachte bisher immer, Ausnahmedirigenten seien zuallererst mal besonders musikalisch - aber er meint ja nun, sie seien zuallererst besonders führungsbegabt (durch welche Methoden auch immer). Ich kann mir z.B. auch vorstellen, dass ein Orchester einen lieben, netten aber eher mittelmäßigen Dirigenten lieber mag als einen despotischen Ausnahmekönner - ob das gut oder schlecht ist, mag ich nicht zu beurteilen. Eigentlich habe ich mir über die Psyche der Dirigenten bisher wenig Gedanken gemacht.
Heike (08.06.2009, 19:21):
Oh sorry, das hätte vielleicht sogar besser ins Dirigentenforum gepasst, vielleicht kann man das verschieben.
Heike
daniel5993 (09.06.2009, 00:17):
Original von Hebre
Ich dachte bisher immer, Ausnahmedirigenten seien zuallererst mal besonders musikalisch - aber er meint ja nun, sie seien zuallererst besonders führungsbegabt (durch welche Methoden auch immer). Ich kann mir z.B. auch vorstellen, dass ein Orchester einen lieben, netten aber eher mittelmäßigen Dirigenten lieber mag als einen despotischen Ausnahmekönner - ob das gut oder schlecht ist, mag ich nicht zu beurteilen. Eigentlich habe ich mir über die Psyche der Dirigenten bisher wenig Gedanken gemacht.

Abend Heike,

Ein schöner Artikel, sehr lesenswert, Danke!

Führungbegegabt ist auch meiner Meinung nach mit das wichtigste, denn je nachdem wie sie ihre Führung gegenüber dem Orchester ausüben, können sie das "mehr" der ganzen Truppe herrvorrufen und letztendlich das "mehr" und "besser" der Musik, welche aus diesem miteinander entsteht.

Der Schlüssel liegt meiner Meinung nach auch im Führungsstil. Zuerst muss man natürlich etwas von Musik vestehen, aber dann zählt: Wie bekomme ich das hin, dass das Orchester (auf das ich angewiesen bin) meine Vision von der Musik (wie ich sie als "Vollendet" empfinde) bestmöglich wiedergibt. Wenn man das Orchester willig hinter sich stehen hat, hinter den Ideen, hinter dem, was man fühlt und denkt und macht, dann stehen die besten Vorraussetztungen vor einem und man kann die "Beste" Musik "produzieren".

Wie gehe ich mit dem Orchester um, wie fasse ich es an, dass sie mir folgen, verstehen, willig bereit sind, mit Herz und Verstand die Musik (so wie ich sie hören will) zu spielen, wiederzugeben? Letztendlich würde auch ich diesen Erfolg so manchem dirigenten zuschreiben. Sie wussten, wie sie es anzustellen hatten. Und dann bleibt auch der Erfolg und die wiederum darauffolgende "Beliebtheit" nicht aus.

Für mich ist es heutzutage die größte Freude einem bestimmten Dirigenten bei seiner Arbeit zuzusehen. Dirigenten wie dieser haben eine besondere Persöhnlichkeit, die fasziniert und welche in aller erster Linie fasziniert, weil sie nicht "nur" der Show dient, sondern der Empfindung des Herzens, weil sie Echt und damit letztendlich nicht zu übersehen ist.

Von wem rede ich wohl? :ignore


Grüße und Gute Nacht!
Daniel
Heike (09.06.2009, 20:06):
Von wem rede ich wohl?
Ich bitte um Aufklärung! ?(
Heike
kreisler (10.06.2009, 09:48):
Ich kann Daniels Beitrag nur unterstreichen. So ähnlich hätte ich wohl auch geantwortet, wenn er mir nicht zuvorgekommen wäre :beer

In meiner ideologischen Denkweise steht natürlich das Musikalische eines Dirigentens vor seinem Organisationstalent. Fakt ist natürlich, das er beides braucht.
Und schon der Gedanke, Carlos Kleiber wäre nicht umbedingt musikalisch, grenzt ja fast schon an Sakrileg :wink :J

Um noch mal auf meine Ideologie zurückzukommen: Es ist wohl tatsächlich so, dass der Teil eines Dirigentenlebens, den Daniel (und ich auch) mit großer Freunde zuschaut, wohl nur einen kleinen Teil verglichen mit dem ganzen "drumherum" ausmacht. Hat man es aber erstmal geschafft, den Musikern zu vermitteln was man will (sei es durch Redekunst, Befehlsgewalt, Freundlichkeit...) kann man die Arbeit des Dirigenten sicher auch als "vollkommene Verwirklichung" in der Musik sehen, wie das Zusammenspiel in der Kammermusik, oder die Komposition des Werkes eine ist.

lg kreisler
Papageno (10.06.2009, 12:54):
Hallo, Heike!

Meiner Meinung nach muss ein Dirigent mit seinem Orchester und natürlich auch mit den Solisten vernünftig umzugehen wissen und darf keine Distanz getreu dem Motto "Hier steht das Oberhaupt, dort die Untertanen" zu denselben aufbauen. Mir ist dies persönlich deswegen so unheimlich wichtig, da mir exakt dies in einem von meinen Gospelchören, in denen ich schon einmal gesungen habe, widerfahren ist. Mit meinem Chorleiter war auch kein gemütliches Beisammensein in ungezwungener Atmosphäre möglich, da dieser chorinterne Feiern immer sofort verlassen hat und zu seinem Chor überhaupt keine nähere Bindung aufbauen wollte.

Ein berühmteres Beispiel gibt es dafür auch noch, zum Beispiel die Klassikikone vieler schlechthin: HERBERT VON KARAJAN! Dieser ging auch oft sehr hart mit seinem Orchester ins Gericht und feuerte vor Weihnachten sogar unerbittlich einen Theaterintendanten. Mit den Jahren wurde er kontinuierlich immer boshafter und starrsinniger, sodass sein Orchester einmal sinngemäß sagte: Wenn doch mal jemand diesem alten Greis derart ein Bein stellen könnte, dass er nicht mehr kommen kann. Das lässt in meinen Augen schon recht tief blicken ...

Ganz liebe Grüße, Jan! :)
daniel5993 (10.06.2009, 13:23):
Original von Hebre
Von wem rede ich wohl?
Ich bitte um Aufklärung! ?(
Heike

Hallo Heike!

Freude an einem kleinen Rätsel?

Antwort: nietsnreb dranoel



@Severin

Original von kreisler
Ich kann Daniels Beitrag nur unterstreichen. So ähnlich hätte ich wohl auch geantwortet, wenn er mir nicht zuvorgekommen wäre :beer

Ich warte das nächste mal, bis du zu Wort gekommen bist, OK?
Oder wir wechseln uns ab, mal du mal ich?

Grüße
Daniel
Heike (10.06.2009, 16:22):
Antwort: nietsnreb dranoel
:thanks
Leonard Bernstein also, ja, den mag ich auch gerne!
Heike
kreisler (10.06.2009, 18:20):
@daniel: das mit Bernstein hätte ich fast gedacht :wink
rat mal wem ich am liebsten "zusehe" (solrac rebielk? :J)
Nee, und das mit dem abwechseln...man brauchts ja nicht zu übertreiben :D

@papageno:

Dein Chorleiter war wohl ein Extremfall, wenn man sich mit ihm nicht ein mal außerhalb des Chores normal unterhalten konnte...
Ich finde man darf aber auch nicht gleich von dem Verhalten eines Dirigenten bei Proben (und Karajan ist da ja noch vergleichsweise normal - ich denke an Toscanini oder Klemperer...) auf seinen Charakter bzw. darauf schließen, dass er ein schlechter Mensch ist. Beispiel Mahler: Obwohl er als Dirigent von seinen Musikern und Sängern schier unmögliches, sicher auch "lauthals" verlangte, kann ich mir ih- ganz unabhänig von seiner eigenen Musik - einfach nicht als unsymphatischen Menschen vorstellen, nachdem ich Biographien über ihn gelesen habe. (btw: was ist eigentlich symphatisch? Es gibt z.B. Menschen, die mir z.B. gerade durch ihre dauernde, etwas oberflächliche Fröhlichkeit und "Nettigkeit" etwas auf die Nerven gehen. Im Gegenteil sind es oft die etwas eigenwilligen Persönlichkeiten, die Eindruck auf mich machen, z.B. in Romanen. Mir fällt hier gerade Adrian Leverkühn ein - vielleicht kennst du ja den "Doctor Faustus"?)

Außerdem muss man immer bedenken, dass die großen Maestros auch ihre exzentrischen Erscheinungen brauchten, um aus der Menge der Musiker hervorzustechen und um ihre Interpretation etwas persönliches einzuverleiben. Ich finde Dirigieren ist eine frage der Persönlichkeit, und jemand der nur verbindlich ist, dem kann ich nicht umbedingt eine Persönlichkeit abgewinnen. Vielleicht mag das (musikalische) Ergebnis dann genauso gelungen sein, aber er wäre in meinen Augen nicht umbedingt ein "großer Maestro".

Übrigens: "solrac rebielk" :wink ist mit seinen Orchestermusikern schon übertrieben freundlich umgegangen. Hier war es wohl seine ganze Erscheinung und Musikalität, die den Musikern Respekt einflößte.

Viele Grüße,
Kreisler
EinTon (11.06.2009, 00:09):
Original von kreisler
Beispiel Mahler: Obwohl er als Dirigent von seinen Musikern und Sängern schier unmögliches, sicher auch "lauthals" verlangte, kann ich mir ih- ganz unabhänig von seiner eigenen Musik - einfach nicht als unsymphatischen Menschen vorstellen, nachdem ich Biographien über ihn gelesen habe.


Dass er seiner Frau als Heiratsbedingung das Komponieren verbot, finde ich freilich nicht besonders sympathisch...
kreisler (11.06.2009, 01:49):
Original von EinTon
Dass er seiner Frau als Heiratsbedingung das Komponieren verbot, finde ich freilich nicht besonders sympathisch...

Gut...das war wohl ein Zeichen der "Macht" und zeugt natürlich schon etwas von Egoismus, aber vielleicht war das ja als Vorsorge gedacht? Die Ehe wäre sicher noch um einiges problematischer gewesen, wenn sie sich die ganze Zeit gegenseitig die Kompositionen verbessert hätten...:D

Nein, ich meine sicher hatte Mahler auch seine Schwächen, aber als ganzes ist mir seine Person und sein tief abgründiges Leben und seine Musik so ans Herz gewachsen, das jeder weitere Wiederstand zwecklos ist :J

kreisler